When Marnie Was There

2014 war es dann also soweit, der allerletzte Ghibli-Film kam in die japanischen Kinos. Nach knapp 20 Filmen und 30 Jahren ging eine Ära zu Ende. Und der letzte Eintrag kommt nicht von Miyazaki, nicht von Takahata, sondern entstand unter Regie von Hiromasa Yonebayashi, dem wir davor Arrietty zu verdanken hatten.

Anna kann sich selbst nicht sonderlich leiden. Und so wahnsinnig viel zu mögen gibt es auch nicht. Sie ist eine Außenseiterin, nicht sonderlich ehrlich, schlecht im Sozialisieren, und neigt zu Ausrastern wenn dann doch mal ein Ton aus ihr heraus kommt. Allerdings hat sie auch Asthma und einen ausländischen Einschlag im Look zwischen all den Japanern, bei denen nicht herauszustechen an oberster Tagesordnung steht. Ach ja, Ziehkind ist sie auch noch, und keine „echte“ Familie zu haben ist da jetzt auch kein gesellschaftlicher Pluspunkt. Wobei schwer zu sagen ist, was da schon vorher im Leben von Anna gelaufen ist, und wie viel sie sich selbst ausgrenzt, zumindest in ihrer aktuellen Situation scheint ihr wenig Antipathie entgegen zu kommen und alle gut und zivil mit ihr umzugehen.

Das ist halt allgemein immer ein wenig das Problem bei Filmen, bei denen die Hauptfigur an Depressionen leidet: Sie ist schwer dem Zuschauer wirklich sympathisch zu machen. Sich selbst und sein Leben nicht genießen zu können, selbst wenn man es gar nicht so schlimm hat, ist ja einer der Mitgründe, warum man sich in dieser Situation selbst nicht leiden kann, was den Teufelskreis nur zusätzlich anheizt.

Jedenfalls wird Anna aufs Land zu Verwandten der Ziehmutter geschickt, damit sie an der frischen Luft besser atmen kann. Wo erneut die Kids eigentlich nett zu ihr sind, sie sich in einem von der Aufmerksamkeit genervten Ausbruch das wieder selbst verdirbt. Bis sie dann in einem herrschaftlichen Haus am See auf Marnie trifft, mit der sie sofort klickt, und mit der alles leicht läuft. Nur ist die hübsche Marnie lediglich abends zu treffen und Anna wacht nach den Treffen einfach irgendwo am Wegesrand auf. Am Tag scheint das Haus hingegen komplett unbewohnt zu sein. Ist Marnie also gar nicht echt?

Die beiden Mädchen sind dann tatsächlich stark miteinander verknüpft, auf welche Art und Weise und das Marnie so gesehen eben nicht echt ist, ist natürlich klar bevor es der Film wirklich erklärt. Wobei ich, wenn man auf die letzten 15 Minuten kurz die Lebensgeschichte von Marnie angerissen bekommt, mich nicht ganz dem Gefühl erwehren konnte, dass ihr Leben den interessanteren Film ausgemacht hätte. Wenn schon nicht mit ihr als Hauptcharakter, dann doch indem über den Verlauf hinweg Anna als Außenstehende immer mehr Einblicke in deren Leben bekommt. So bildet Marnie eher einen Kontrast zu Anna und den Katalysator dafür, dass sie mehr mit sich in Einklang kommt.

Erinnerungen an Marnie erinnerte mich dabei tatsächlich sehr an Arrietty. Nicht vom Setting her, denn der Film spielt wie gesagt in Japan, was mich zunächst etwas verblüffte, aber letztendlich auch mit veränderter Nationalität funktioniert. In 2014 vielleicht in Japan sogar noch besser, da es dort mehr soziale Zwänge und Ausgrenzungen gibt gegenüber England. Auch der desaströse Soundtrack wiederholt sich glücklicherweise nicht. Aber ich komme bei Marnie zu einem ähnlichen Ergebnis wie bei Arietty. Und zwar das es ein schon recht netter Film ist, aber eben die Magie der wirklich großen Ghiblis nicht ganz eingefangen werden kann. Studio Ghibli hätte aber definitiv auch auf einem schlechteren Film enden können.

Bestiality ain’t so bad: Dandelion

Dandelion: Wishes Brought to You ist ein Dating Sim, bei dem die junge Heejung, die zum Studieren und um von ihrer überfordernden Mutter wegzukommen von Seoul nach Busan gezogen ist. Wenn’s der Name von ihr noch nicht klar gemacht hat, ist jetzt durch die Städte auch klar, dass es sich hierbei mal nicht um ein japanisches oder westliches Dating Sim handelt, sondern Korea den neuesten Eintrag stellt.

Was vielleicht erklärt, warum auch dieses Produkt ein wenig mehr Wert auf eine Handlung und einen definierten MC mit vorgegebenen Namen gibt, als dies japanische Produkte in der Regel tun. Heejung hat eine Vorgeschichte, verhält sich in den Situationen mehr wie sie will denn das der Spieler viel Einfluss auf ihre Manierismen hat, und neben dem Daten von hübschen Jungs, die einen Tierohr-Fetisch bedienen, gibt es dahinter tatsächlich noch eine gewisse Handlung, die auf die finalen Monate des einen ingame Jahres zum Tragen kommt. Mit ganz viel K-Dorama am Ende.

Unhöflich, aber nicht gelogen.

Aber ganz von vorn begonnen ist Heejung ein Scheidungskind. Sie erinnert sich gerne an die Tage, an denen ihre nur leicht strenge Mutter und ihr verspielter Vater noch eine liebende Familie waren. Als Paps dann aber mit einer Jüngeren durchgebrannt ist, sind bei Mom die Sicherungen durchgebrannt. Sie wurde immer bestimmender, immer fordernder, ihre Tochter macht nie genug, leistet nie genug, schafft nie genug. Bis sie halt da unbedingt raus und in eine neue Umgebung musste, obwohl sie dort an ihrem Lebensstil letztendlich nichts geändert hat. Genau genommen fand ich es zunächst etwas merkwürdig, dass Heejung einem prinzipiell sagt „ich hab ganz gute Noten, bin mit Freunden in einem Club meines Lieblingshobbys, und habe einen Nebenjob um etwas Taschengeld zu verdienen, aber oh noez ist immer beschäftigt zu sein so eine Bürde!“.

Aber letztendlich spielt Dandelion gezielt auf das Problem, welches viele ostasiatische Kids haben an, nämlich den ungeheuren schulischen Leistungsdruck von außen. Irgendwo dazwischen hat Heejung ganz verloren, wer sie an sich eigentlich sein will. Sie geht nämlich eigentlich einem Business-Studium nach, obwohl ihr Herz der Kunst gehört. Tagein, tagaus ist ihr Lebensablauf der gleiche strickte Plan ohne große Emotionen. Ich weiß zwar nicht ganz warum sie, nachdem sie nun schon Jahre von ihrer Mutter getrennt lebt, überhaupt noch so viel auf deren Meinung gibt, aber ich bin kein koreanisches Mädchen. Jedenfalls wird plötzlich bei ihr eingebrochen aber seltsamerweise nix geklaut, sondern lediglich eine Box mit drei Hasen und zwei Katzen abgestellt (gleich ein Minus, weil es keinen Hunde-Bishonen gibt).

Vielleicht häte man ihr mehr Tiere schicken müssen, damit am Ende auch eines bis zur Mannwerdung überlebt.

Über die unfreiwillige Pflege der Tiere lernt Heejung nämlich ein wenig zu chillen und wird aus ihrem Loch herausgerissen. Und nach drei Monaten mit den Fellknäueln verwandeln die sich dann auch noch in fünf attraktive Jungs mit Tierohren. Was ein Glück, dass Heejung oder ihre Mutter sich ein Apartment leisten konnten, in dem sechs Leute unterkommen, nicht wahr? Sie tauft die fünf übrigens Jisoo, Jiwoo, Jieun, Jiyeon und Jihae. Heejungs bester Freund heißt Heejae. Wundert euch also nicht, wenn ihr als Nicht-Koreaner einen ganze Route braucht, bis ihr anfangt, die wirklich auseinander zu halten.

Obwohl Dandelion mit einem ganzen Jahr, welches es abdeckt, zunächst sogar ziemlich lange Spielzeit hat, kann das natürlich in sukzessiven Durchgängen mit der Skip-Funktion der generellen bereits bekannten Szenen stark abgekürzt werden. Desonders die ersten drei Monate, bevor Heejung vor lauter Einsamkeit der Wahnvorstellung zu unterliegen beginnt, ihre Haustiere wären eigentlich besteigenswerte Jungs. Im Gegenzug dafür ist es allerdings nicht so, dass man seine Optionen bis kurz vor Ende offen halten und alles anflirten kann, um sich dann aufs Finale für einen zu entscheiden. Es muss schon für jeden Kerl von Neuem von vorn begonnen werden, da es ihre guten Enden nur dann gibt, wenn sie Exklusivrechte haben und keine Affinität mit den anderen Schmusetieren aufgebaut wurde.

Was’n im Wohnzimmer los? Yaoi Orgie?

Spielerisch geht es wie üblich um Statuswerte. Genau genommen gibt es drei zu beachten: Fraulichkeit, Schönheit und Kunst. Man muss scheinbar nicht intelligent sein, wobei Kunst eher der allgemeine Lern-Status ist, wenn man sich die Aktivitäten anschaut, die es steigern. Statt eine Woche zu planen kann stattdessen jeden Tag von selbst gewählt werden, was man im Haus machen will. Je nachdem, ob man Dramas schaut, für die Schule lernt, Wäsche aufhängt und was sich sonst so noch in den eigenen vier Wänden unternehmen lässt, gehen diverse davon unterschiedlich schnell in die Höhe. Nebenei aber auch der Stress und Druck, welche wieder über andere Aktivitäten verringert werden müssen. Abgesehen von den richtigen Werten in den drei Stats, um sich in das Bild seiner Traumfrau zu entwickeln, will so ein Kerl aber auch, dass man mal etwas Zeit mit ihm verbringt. An Wochenende kann man auf Dates mit ihnen gehen, aber auch unter der Woche, da ja alle in der gleichen Bude aufeinander hocken, kann einfach der Raum besucht werden, in dem ein Icon dessen Anwesenheit anzeigt. Ob er bei der ausgewählten Aktivität auch mit macht, ist dann aber wieder etwas vom Glück abhängig. Allerdings gibt einem das Spiel schönes Feedback im Charaktermenü, wo genau angezeigt wird, ob die drei Statuswerte so weit sind, wie der Kerl sie aktuell haben will, und wie viele von maximal wie vielen Herzen gewonnen wurden.

Als ein weiterer Meter hat Heejung noch selbst eine Herzleiste, die sich langsam füllt, in dem man den Jungs nahe ist. Auf Max kann dann in ein Upgrade investiert werden. Wie beispielsweise weitere, bessere Aktivitäten im Haus freizuschalten oder (mein präferiertes) das Stress und Druck langsamer steigen. Geld gibt es auch, mit dem Geschenke für die Kerle oder erneut hilfreiche Status-Items gekauft werden können. Und auf den Dates, wenn man sich umschaut, tauchen immer mal wieder SD-Stempel des aktuellen Kerls auf. Für 10 davon kann am Ende eine Charakterskizze vom Kerl und für 20 weitere ein Glamour-Shot gekauft werden.

Drama, baby!

Besagtes Ende ist dann auch voll Meta-Drama. Stellt sich nämlich heraus, dass das Spiel tatsächlich ein Spiel ist. Der Zauberer, der Leuten mit besonders starken Wünschen erscheint, hat die fünf Kerle Heejung geschickt. Der Gewinner des Spieles ist, wer ihr Herz erobern kann, und bekommt seinen Wunsch erfüllt, wird dafür wieder in seine Welt zurückgesendet. Die Verlierer bekommen ihr Gedächtnis gelöscht und müssen als Menschen in unserer Welt weiterleben. Alles, damit Heejung über ihren starken Wunsch ihre Liebe wiederzusehen vor dem Zauberer auftaucht. Und weil Emotionen, insbesondere Traurigkeit und Liebe besonders deliziös für den Herrn Zauberer sind.

Während das Spiel auf den Routen der Kerle also durchweg ziemlich süß und lieb und auch teilweise echt witzig ist, weiß es zum Ende hin so richtig das K-Drama aufzudrehen. Und das unterhält schon echt gut, ist mal ein Dating Sim mit etwas mehr Biss als gewohnt, und vor allem stimmen die Production Values auch absolut. Vielleicht liegt es auch daran dass ich zuvor ein paar amateurische westliche Einträge gespielt habe. Aber das Artwork ist hübsch, die CGs sogar fantastisch anzusehen, durchaus zahlreich, und koreanisches Voice Acting gibt es auch noch oben drauf. So macht es Freude, sich die Kerle anzulachen:

Awwwrr, nimm mich sofort noch auf dieser Couch!

Zunächst mal hab ich mir aus dem Korb den etwas großväterlich ausschauenden Hasen Jihae mit dem langen grauen Fell gewählt, von dem das Spiel darauf besteht, dass es silbern ist. War eine gute Wahl, er ist nämlich nicht nur ein netter Kerl, sondern auch der attraktivste im Cast. Ja ich bin halt oberflächlich, wenn es um meine virtuellen 2D-Husbandos geht, schlagt mich. Er hängt normalerweise mit dem kleineren weißen Hasen Jieun rum, ist dennoch immer etwas einsam dreinschauden. Und wirklich hübsch. Eher reserviert und cool, immer hilfsbereit aber auch etwas distanziert, außerdem nennt er Heejung „My Lady“… awww. Hab ich schon erwähnt, dass er echt hübsch ist, Heejung kann nämlich nicht aufhören, dies zu erwähnen. Er hilft gern beim Kochen, streitet sich immer mal wieder mit dem von der Persönlichkeit komplett gegenteiligen Jisoo, komplimentiert Heejungs Bilder, und verkauft sogar ein paar seiner Sache um auszuhelfen. Was gibt es an dem perfekten Boyfriends also nicht zu mögen?

Ihm wird sogar ein Nebenjob als Model unterbreitet, was ihm sofort Fangirls einbringt, die aber aufgeben, nachdem sie denken er wäre in einer schwulen Beziehung mit Jieun. Er selbst sieht sich allerdings nicht als attraktiv, was mich natürlich prompt die Augen rollen lässt, auf das Schlimmste ahnend, aber tatsächlich hat das etwas mit seiner Hintergrundgeschichte zu tun. Ist nämlich so, die silbernen Haare gelten in seinem Land als böses Omen. Außerdem ist er der Bastard entstanden aus der Liebschaft eines Hochblutes mit einer Gewöhnlichen, weswegen er zusätzlich immer harte Zeiten verleben durfte. Jieun, den er „Young Master“ nennt, hat ihn irgendwann zu seiner Leibwache bestellt, weswegen er sich so sehr um ihn kümmert (er ist der einzige Kerl, für dessen bestes Ende auch mit einem anderen, nämlich eben Jieun, etwas Affinität gelevelt werden muss).

Außerdem war er schon mal in eine andere Noble verliebt, die sich das Leben nahm, nachdem ihr Vater der Romanze zwischen ihnen nicht zugestimmt hat. Sein Wunsch an den Zauberer war, sie zurückzubekommen. Stattdessen ändert er seine Meinung und will letztendlich als wahrer Mensch in diese Welt wiedergeboren werden, was Heejung sich ebenfalls wünscht, allerdings als Gegenleistung ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit löscht, weswegen sie bei Null anfangen müssen. Sieht übrigens auch mit kurzen Haaren im Ende noch sexier aus.

Sie reden natürlich über sein Gemächt.

Nachdem ich nun wusste, welches Tier sich in welchen Kerl verwandelt, hab ich gleich den nächst-attraktiven in der Liste gewählt: Die schwarze Katze Jisoo, von der Heejung es nicht leid wir zu erwähnen, dass sie als einziges Tier definitiv nicht niedlich ist. Der arme Jisoo. Netterweise hatte ich mit ihm dann auch doch noch mein Hündchen bekommen, denn er ist total schmusig und anschmiegsam und derjenige, der die gute „Foodgiver“ immer in Schutz nimmt, selbst nachdem Heejung die Tiere fast vergiftet hat. Treudoof wie ein Hund halt stat kompliziert wie eine Katze. Allgemein ist er eher der verfressene Typ, und auch etwas faul, beispielsweise überrascht es ihn total, dass Heejung Kerle bevorzugt, die sich täglich statt monatlich waschen. Jisoo nimmt gern Sonnenbäder im Park, bringt einem als Geschenke eher anrüchige Sachen, und beim „Pet“ bzw „Look“ in den Interaktionsmöglichkeiten mit ihm, hat es fast immer gute Resultate, wenn man es auf seinen Lendenbereich anwendet.

Leider hat er einen Wesenszug, den ich extrem unattraktiv finde: Eifersucht. Und das nicht nur mal kurz oder mit Berechtigung. Nein, er ist der Romanzen-Stereotyp, der sofort ohne jegliche Begründung total ausrastet, wenn er Heejung auch nur in die generelle Richtung eines Kerles schauen sieht. Mit ihrem besten Freund Heejae soll sie nicht mehr abhängen, er zerrt sie schmerzhaft am Arm hinter sich her, es ist Abusive Relationship 101 in the making. Und wie das bei solchen Storylines der Fall ist, ist Heejungs Reaktion darauf irgendwo zwischen „Aww, wie schön das er sich so viele Gedanken um mich macht“ und „Oh nein, ich sollte mich dafür entschuldigen ihn verärgert zu haben“. Bonuspunkte, wenn es eine Boys Love Storyline ist, bei dem der erste sexuelle Akt des Paares eine durch Eifersucht angestachelte Vergewaltigung darstellt – blegh. Dabei hat mit Jisoo alles so gut angefangen, aber je weiter ich in den Katzenbau seiner Route hinabgestiegen bin, um so weniger mochte ich ihn. Und können wir mal über seinen Kleidungsstil reden? Ein Shirt, das nur an den untersten beiden Knöpfen zu ist? Entweder keines unter der Jacke, es komplett offen haben, oder die obersten zwei Knöpfe auf, aber alles bis auf den untersten offen sieht so blöd aus.

Ach ja, er hat mit seiner kranken Schwester alleine gelebt und sein Wunsch war es, dass sie wieder gesund wird. Mit der taucht er dann in unserer Welt, aber ohne Erinnerungen auf. Da er Heejung allerdings seine mit wichtigen Erinnerungen verbundene Kette geschenkt hat, zieht ihn das in ihre Kunstausstellung.

So nüdlich >:3

Jiwoo schaut von seinem Look her am ehesten wie aus einem Alice in Wonderland Dating Sim aus. Der Kuh-gefleckte Hase wird jedenfalls zu einem der jünger aussehenden Kerle, und füllt den obligatorischen Tsundere-Slot des Spieles. Sprich er ist schnell schlecht gelaunt, wirft einem übellaunige Gemeinheiten an den Kopf, vield davon eine „baka, baka“-Tirade. Versucht gediegen und intelligent und erwachsen zu wirken. Ist aber eigentlich eher kindisch, leicht zu durchschauen und ärgern, und bei ihm übersetzt sich „baka“ eben wie bei kleine Kindern zu „ich mag dich, will es aber nicht zugeben“. Die schlechte Attitüde kommt natürlich auch daher, dass Heejung als er noch ein Hase war, eine Obsession dafür entwickelt hat ihn zu ärgern und die Pfoten zu rubbeln. Seine Route ist allgemein eine eher witzige gestaltete, häufiger mal auf seinen Kosten. Beispielsweise wenn die beiden Katzen für eine „Witzigste Heimvideos“-Sendung ihn als Mädchen verkleiden, was überraschend wenig Design-mäßig aus dem Spiel herausfällt. Er ist eigentlich ganz niedlich so.

Außerdem hat er eine echte Schwäche für käsige Liebesromane und Daily Soaps, trifft sich sogar mit einer Gruppe frischer Autoren, die witzigerweise alle ziemliche Hardcore-Geschichten schreiben, obwohl sie noch Schülerinnen sind. Das dient natürlich zum einen erneut als Gegensatz zwischen seinem „ich bin schlau, ich lese Bücher“-Gehabe und der Art von Groschenroman-Literatur, die er wirklich in den Händen hält. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass dies hier ja ein Spiel vom Zauberer ist, bei dem es darum geht, das Herz von Heejung zu gewinnen. In Liebesromanen zu studieren, wie man das Herz der holden Menschlichkeit gewinnt, ist da gar nicht mal so ein schlechter Plan. Dadurch ist er auch der einzige Kerl, der von der Wichtigkeit von Weihnachten weiß und mit Heejung feiert, statt einfach nur eine Karte zu überreichen.

Außerdem ist ein Kinder von einem reichen Bankier, und immer darauf bedacht gewesen der beste zu sein und in seine Fußstapfen zu treten. Als der Vater allerdings starb erbte der andere Sohn alles und Jiwoo wurde verstoßen, herausfindend das er nur adoptiert ist. Sein Wunsch ist simple Rache an der ehemaligen Familie zu nehmen. Deswegen setzt er sich aber auch am Stärksten dafür ein, dass Heejung sich endlich mit ihrer unerträglichen Mutter ausspricht und gegebenenfalls aus ihrem Leben streicht. Letztendlich ändert natürlich auch er seinen Wunsch dahingehend, dass er in unserer Welt wiedergeboren wird, um Heejung hoffentlich wiederfinden zu können.

Sie kommt übrigens erschreckend schnell über die Sache hinweg mit fünf wildfremden Kerlen im Cosplay zu leben.

Der Rest:
Den weißen Hasen Jieun habe ich nicht erobern wollen. Der eher schüchterne und sprechfaule Prinz, der nur mit seinem Bodyguard Jihae abhängt, ist mir von Aussehen einfach zu jung und außerdem zu aufgeputzt. Immerhin unterstützt er die Romanze mit Jihae, auch wenn dessen weniger Zuneigung ihn erst etwas deprimiert macht, und lernt mehr auf eigenen Beinen zu stehen.

Jiyeon, die orangene Katze, hingegen gefällt mir auch optisch erst Mal nicht. Meistens zumindest, in den CGs scheint er wesentlich attraktiver zu sein, als im Pappaufsteller während der Gespräche. Außerdem legt er das Verhalten eines 10-Jährigen zu Tage, was sicherlich niedlich und witzig gedacht ist, mich allerdings maßgeblich abturned. Auch wenn sicherlich herauskommt das er dahinter ein kalkulierender Assassine ist oder so ein Blödsinn, könnte ich mir denken. Er ist jedenfalls der erste, der kaum noch zu Hause ist, sobald man einen anderen Kerl gewählt hat, nachdem er vorher gern so tat, als wüsste er nicht, warum man nach der menschlichen Transformation nicht mehr nackt durchs Haus wandern kann.

Etwas schade fand ich ja, dass es keinen geheimen Charakter gibt. Irgendwie doch den niedlichen Zauberer zu gewinnen. Oder dem besten Kumpel Heejae, der definitiv was für einen übrig hat, einfach doch mal eine Chance zu geben. Umstylen und dann ist er attraktiv oder so ein Klischee in der Art nehmen. Wobei es wohl ein Joke-Quasi-Ende mit ihm gibt, wenn man nach 3 Monaten immer noch keine Affinität mit einem der Tiere aufgebaut hat. Und etwas mehr Backstory zum Spiel des Zauberers, wenn man je ein Good End mit den 5 Kerlen hatte. Dafür wollte ich aber dann doch nicht durch die Routen von Jieun und Jiyeon gehen, auch wenn mir das Spiel sehr viel Spaß bereitet hatte.

The Tale of Princess Kaguya

Wird langsam Zeit, dass die Akte Ghibli geschlossen wird. Nachdem bereits Hayao Miyazaki mit Wie der Wind sich hebt seine Abschlussvorstellung ins japanische Kino brachte, durfte auch Mitbegründer des der Leinwand entsagenden Studios Isao Takahata einen großen, letzten Film machen. Sein erster Ghibli seit 1999s Meine Nachbarn die Yamadas und seine erste Regie-Arbeit seit jenem Film abgesehen eines Segmentes in einem Kollaborationsprojektes. Insgesamt hat uns Takahata von den über 20 Ghiblis tatsächlich „nur“ 5 gebracht, aber er war auch nie ganz der gleiche Kinokassen-Garant wie Miyazaki und ist bekannt Deadlines schlecht einhalten zu können. Bis zum Ende, denn Die Legend der Prinzessin Kaguya sollte ursprünglich als Double-Feature mit Wie der Wind sich hebt in die Kinos Japans kommen, sozusagen gleichzeitig die beiden großen Ghibli-Regisseure verabschiedet werden, stattdessen musste er allerdings um einige Monate verschoben werden.

Ein etwas abseits eines kleinen Bergdorfes lebender Bambusschneider findet jedenfalls eines Tages einen übernatürlich leuchtenden Sprössling, aus der ein Puppenhaftes Mädchen fällt, welches sich kurz darauf in ein Baby verwandelt. Der gutmütige Kerl, der sie für eine vom Himmel geschickte Prinzessin hält, zieht die Kleine mit seiner Frau groß. Und groß wird sie schnell, denn das Prinzesschen hat ein beschleunigtes Wachstum, welches alle Bauern der Gegend ziemlich gutmütig einfach so hinnehmen.

Doch als das Mädchen langsam (oder doch schnell) größer wird, und der Bauer im leuchtenden Bambus Gold und schöne Kleider findet, setzt sich in seinem Kopf die Idee fest, dass der Himmel von ihm will, dass sie tatsächlich wie eine Prinzessin aufwachsen kann. Also baut er mit dem Vermögen ein großes Anwesen in der Stadt und reißt die Familie aus dem bescheidenen aber ruhig-besinnlichen Leben in den Bergen, um dort einen Hofstaat aufzubauen.

Gerade das wilde Mädchen, der es Spaß macht durch die Gegend zu tollen und mit den Jungs Abenteuer zu erleben, wird dort nicht glücklich. Eine Dame tut dies, eine Dame tut jenes, und vor allem eine Dame tut viele Dinge gar nicht, ist was ihr schnell von der Zofe beigebracht wird. Nach ihrer Namensfeier darf sie sich Kaguya nennen, und bekommt prompt wegen ihrer Schönheit die Aufwartung von Edelleuten gemacht. Die kein wahres Interesse an ihr haben, und ihr unhaltbare Versprechungen machen, die das gewitzte Mädel allerdings einfordert, bevor sie zur Heirat willig ist.

Es ist eine schöne Erzählung geworden, mit dem Drama und der Melancholie, die wir aus Takahata-Filmen wie Die letzten Glühwürmchen und Tränen der Erinnerung kennen, aber auch mit etwas des Witzes aus Pom Poko und Meine Nachbarn die Yamadas. Es ist ein Appell daran das Glück in den kleinen Dingen zu suchen, mit weniger zufrieden zu sein statt immer noch nach mehr zu verlangen. Das Leben in den Bergen mag nicht immer leicht sein, immerhin war gerade in dieser Ära arm zu sein auch kein Wunschkonzert, doch dies spricht der Film eher kurz an und zeigt dies nie in Bildern. Stattdessen ist das Leben dort, zumindest für Hauptfigur Kaguya, hauptsächlich Spaß und Spiel und die Natur gibt reichlich um zufrieden sein zu können. Das Leben in der Stadt, vom fälschlicherweise nach immer mehr Ansehen strebenden Vater, der dies durchaus fehlgeleitet fürs Glück seiner Ziehtochter hält, hingegen bringt einen Überfluss aber auch beklemmende soziale Zwänge mit sich. Gerade für ein Mädchen in der Ära, aber es ist ja jetzt nicht so, dass die japanische Gesellschaft nicht bis heute von tausend beengenden ungeschriebenen Gesetzen geregelt wäre.

Ist allerdings nicht alles tragisch, was im Film geschieht. Nicht nur hat Kaguya viel Spaß als Kind in den Bergen, sondern wie in Takahatas Heidi für Toei Animation, hat sie sich etwas von jener Leichtigkeit auch mit in die Stadt genommen. Einige kleine humorige Stellen bietet der Film auch, wie wenn der Ziehmutter plötzlich magisch die Milch einschießt, um Kaguya großziehen zu können, oder wie sie ihre Verehrer austrickst. Und Kaguya kleine Zofe mit dem Breitmaulgesicht ist sowieso der heimliche Star des Filmes.

Das funktioniert natürlich so oder so, selbst wenn man kein Japaner ist, eben dadurch das Kaguya langsam aufwächst. Wer erinnert sich nicht gern verklärt an die Kindertage, in denen das Leben simpler und das Glück einfach zu greifen war? Während mit dem Erwachsenwerden mehr soziale Konventionen und Verantwortungen auf einen warten. So findet sich jeder ein wenig in der Legende der Prinzessin Kaguya wieder.

Der Animationsstil derweil erinnert an Meine Nachbarn die Yamadas, denn auch Kaguya hat einen minimalistischen Stil mit viel Bleichstift-artigen Outlines und einer Kolorierung in dezenten Wasserfarben zu bieten. Allerdings ist das Design an sich realistischer und nicht so cartoonig wie die Yamadas. Wenn es dann doch mal zu einer schnellen Sequenz kommt, ist das geradezu eine Explosion an Dynamik, verlieren sich die Details gern noch mehr in schnellen Strichen, Bewegungen.

Einen runden Film hat das letzte Werk von Takahata ergeben. Zeigt seine beiden Stärken sehr gut, sowohl das Drama als auch seinen Humor, die beide gern eher subtil daher kommen.

Love’s Melting Away: Always Remember Me

ava-2143Und ein weiteres Spiel von WinterWolves, dass sich zu Recht Dating Sim nennen darf. Übrigens zwischen Fairbrook und C14 Dating erschienen, was man dem Spiel auch insgesamt ziemlich gut ansieht. Nicht nur an Qualität des Charakterdesigns, welches sowieso diesmal ein komplett anderen Stil ist, sich aber fast immer sehen lassen kann, nur ausgerechnet in den CCs, die ja sozusagen die Belohnung für den Spieler darstellen, irgendwie schräg wirken. Nein, auch vom Spielerischen her. Und dem Umfang.

Erneut haben wir ein relativ vorgefertigtes Mädel, welches es so in den japanischen Vertretern des Genres eher weniger gibt, da sie ja als Self Insert der Spielerin dienen und somit möglichst Bella-Swan-esque langweilig und undefiniert sein sollten – die eigenen Antworten sind das, was sie dann mehr oder weniger frech werden lässt. Wobei das Mädel hier, dessen Namen ich ehrlich gesagt auch nicht wirklich behalten habe, schon eher in die Richtung undefiniert geht, was aber ein allgemeines Problem mit den Charakteren ist: Sie haben nicht viel Charakter. Ähnlich wie bei Summer in Fairbrook findet man einfach nicht wahnsinnig viel über sie heraus, zumindest nicht nach dem ersten Setup, in denen die wenigen Grundlagen zu ihnen präsentiert werden. Sie wirken schon alle irgendwo flach. Ich mein, in diesen Spielen werden sowieso immer wieder die gleiche Hand voll Klischees bedient, von daher haben die Charaktere oft nicht viele Dimensionen zu sich, aber es gibt halt doch eine gewisse Anzahl an bekannten Klischees rauszufinden.

MC-chan schreibt gern aber nicht besonders gut.

MC-chan schreibt gern aber nicht besonders gut.

Die Geschichte dreht sich übrigens darum, dass man ganz wie in Summer in Fairbrook zu Beginn in einer Beziehung ist, die sich dann auflöst, und neben dem Sommerjob in den Semesterferien sich deswegen einen neuen Stecher anlachen kann, oder den alten halt doch zurückgewinnt. Nur das hier keiner der Charaktere ein nerviges Arschloch ist, sondern alle immer super nett sind wie in C14 Dating, nicht mal der üblichen zu Beginn etwas rau rüber kommenden Typen mit später weichem Kern bedient wird. Der Grund warum man miteinander bricht ist dann auch, dass Main Chara-chan und ihr Freund Aaron einen Motorradunfall haben – natürlich nicht selbst verschuldet – und während sie mit ein paar Kratzern davon kommt, muss Aaron eine Weile im Krankenhaus bleiben, und hat partielle Amnesie der letzten Jahre mit ihr. Und da sein Vater MC-chan nicht leiden kann, und man scheinbar sonst keinerlei Familie und Freunde hat, die ihm auf die Sprünge helfen können, hält er uns nicht für seine Freundin. Jetzt können wir unsere wahre Liebe beweisen und ihn zurück gewinnen, oder unseren Freund, der uns beschützend im Krankenhaus gelandet ist, sofort links liegen lassen und lieber den hübschen, reichen Doktor anflirten, der ihn behandelt.

Das ganze startet im Juni und endet Anfang September, bis dahin muss ein Herz erobert sein, wenn man nicht Forever Alone zurück ins College gehen will. Im Gegensatz zu einem Wochenplan wird bei Always Remember Me allerdings zu jedem der 7 Zeit-Slots eines Tages direkt gewählt, wohin man gehen und was man dort unternehmen will, um die diversen Statuswerte zu erhöhen. Davon gibt es wieder vier Stück, passend zu jedem Macker, den man sich stalken kann. Nebenbei noch Stamina, die bei den Aktivitäten verbraucht wird, und Moral, die das Gelingen beeinflusst. Erneut fand ich es etwas arg beliebig, wie häufig etwas klappt oder nicht klappt, selbst bei hoher Moral. Bei den Tokimeki Memorials hat sich das immer gut ausgeglichen. Aber bei den Spielen von WinterWolves hab ich mich immer unter Druck gefühlt, ständig zu speichern und wenn zu viel nicht funktionierte neu zu laden, um eines Erfolges sicher zu sein. Ach ja, die ersten beiden Slots eines Wochentages kann nur in der Eisdiele gearbeitet werden, wobei das hier erwirtschaftete Geld anschließend bei einem Shopping-Tripp in Sachen investiert werden darf, die der Statuserhöhung behilflich sind.

Pissiger Blick für ein Beziehungs+

Pissiger Blick für ein Beziehungs+

Always Remember Me offeriert dabei zwei Enden mit jedem der Kerle,  normal und das spezielle, die diesmal sogar unterschiedlich ausfallen und beide ihr eigenes CG haben – die mit dann gerade mal zwei insgesamt aber immer noch etwas arg wenige sind. Grundsätzlich muss nicht bis zu Anfang September gewartet werden, um das Ende zu sehen, sondern es startet automatisch am nächsten Tag, wenn die Affinität eines der Jungs auf 100 gestiegen ist, was über die richtigen Antworten in Gesprächen immer mal wieder um 5-10 Punkte steigt, ansonsten mit jeweils nur +1 beim Besuchen und Abhängen mit ihnen geschieht. Das ist allerdings nur das normale Ende, um das spezielle zu sehen, muss vorher noch der Statuswert, den sie bevorzugen auf das Maximum von 99 Punkten sein. Wenn der also stark hinterher hinkt, besucht man den Traumprinzen besser erst eine Weile nicht, um sicherzugehen, dass nicht das normale Ende plötzlich unausweichlich ist, wenn man eigentlich das besondere sehen will.

Ich fand ja Anfangs die Steam-Reviews zu Spiel ganz niedlich. Weil sich da so viele Mädels drüber beschweren, dass es in diesem Dating Sim so viel Stat-Grinding gibt, statt viele VN-Dialoge mit den Kerlen und um die Story voranzutreiben. Denn das ist ja genau der Unterschied zwischen Visual Novel und Dating Sim, und eher ein Problem hier im Westen, dass sich jedes Indie-VN, bei dem man über Multiple Choice einen Partner gewinnt, sich Dating Sim schimpft. Dabei sollten genau jene mit Stat-Raising-Gameplay daher kommen, statt nur ein interaktives Buch zu sein. Nach dem Spielen von Always Remember Me muss ich allerdings tatsächlich unterschreiben, dass es etwas zu grindy geraten ist. Was einfach daran liegt, dass es nicht genug zu tun gibt, nicht genug über die Kerle herausgefunden wird, nicht genug Szenen mit ihnen untergebracht sind. Die Affinität und Lieblings-Statuswert in Schritten von je +1 zu erhöhen wirkt trotz nettem Gesamtfeedback der Persönlichkeitsveränderungen am Ende eines Tages einfach zu langwierig und langsam. Eigentlich ist das Spiel gar nicht lang, und eigentlich schon ganz nett, aber irgendwo etwas schwachbrüstig, selbst wenn man allen vier Kandidaten nachgeht:

Gibt kein Gold-Digger-Ende mit dem Vater btw

Gibt kein Gold-Digger-Ende mit dem Vater btw

Aaron stellt die größte verfehlte Chance dar, ihn selbst als Charakter wie auch MC-chan zu hinterfüttern. Die beiden sind seit Jahren in einer Beziehung, aber sein Vater mag MC-chan nicht. Warum wird nie geklärt. Und im besten Ende, wenn man als Schriftstellerin einen NYT-Bestseller geschrieben hat, akzeptiert er einen auch, aber es kommt nie zu einer Aussprache oder Entschuldigung seinerseits. Auch Aarons fake Ex-Freundin, die sich im Krankenhaus wieder an ihn ranschmeißt, taucht im Ende nie wieder auf, dem Spieler wird also nicht mal hier ein Moment des Triumphs gegenüber der arroganten Opposition gegönnt. Auch ist die Tatsache, dass er Amnesie hat doch die perfekte Gelegenheit, dass MC-chan ihm nach und nach über Aaron an sich, über sich selbst, und über ihr gemeinsames Leben erzählt. So viele Spiele haben clunky Exposition, wenn sich Charaktere Dinge erzählen, die sie beide kennen müssten, nur damit das Publikum auch auf Stand kommt. Aber hier wäre genau das eben nicht fehlplatziert, da Aaron alles vergessen hat, so dämlich die Amnesie-Ausrede auch ist.

Und dafür, dass MC-chan selbst ihre Eltern bei einem Autounfall verloren hat, wird selbst dies irgendwie nie direkt angesprochen. Jedenfalls mögen beide Bücher, und Aaron speziell Pikniks bei Vogelgezwitscher im Park, wie wir dann doch mal lernen dürfen. Als romantischer Typ ist natürlich Romance sein Statuswert der Wahl. Und Aaron relativ einfach zu gewinnen, da er ja ans Krankenbett gefesselt ist. So kann er zwei Mal pro Tag besucht werden, alle seine Szenen triggern dort, und Romance ist relativ einfach zu puschen, in dem man sich bei der Bibliothek Bücher ausleiht und ihm regelmäßig seine alten Favoriten vorliest. Das Ende ist dann ganz abgehakt in der Zukunft, keine Szenen in der er sich dramatisch wieder an einen erinnert oder so, aber vielleicht ist dies das normale Ende, welches ich übersprungen habe, stattdessen sind Aaron und MC bereits verlobt und sie eine Bestseller-Autorin.

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Lächelt sich bestimmt etwas schwer mit einer fremden Zunge im Hals

Ich meine, immerhin hat die Studentin mit Hauptfach kreatives Schreiben dort im Gegensatz zum Ende mit Hugh nicht ihren Traum aufgegeben. Der hübscheste Charakter im Spiel ist der übliche Flirt-Charakter, der immer einen lockeren Witz oder angrabenden Spruch auf Lager hat, und alles nicht sonderlich ernst meint oder sieht. Überraschend hat er allerdings einen festen Job, führt nämlich im Shopping-Center eine kleine Boutique, und designt die stylischen Outfits selbst. Sieht auch selbst im Anzug ganz knackig ist. Na ja, jedenfalls nennt er einen viel Babe etc., lädt ins Pub ein, oder schickt einfach mal so eine Pizzalieferung statt Blumen zur Aufmunterung vorbei, und ist ganz froh darüber, wann immer man mit seinen blöden Eskapaden mitspielt. Das Battle der lahmen Anmachsprüche zwischen den beiden war schon ganz nett.

Für ihn ist Kreativität wichtig, was schnell genug über Sachen wie die Schreibübungen gelevelt werden kann, während Hugh allerdings nur ein Mal pro Tag und nicht Sonntags anzutreffen ist, um seine Affinität zu steigern. Jedenfalls behandelt er einen bis zum Schluss eher als weiblichen Kumpel, bis er dann plötzlich merkt doch in einen verliebt zu sein und man den Schriftsteller-Traum aufgegeben hat, um ihm beim Design seiner Kleider zu helfen.

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Einen reichen Arzt zu heiraten war wohl ihr wahrer Traum

Wirklich am schwersten anzutreffen allerdings ist Eddy, der Doktor, der sich um Aaaron kümmert. Und der trotz seines etwas unmotiviert dreinschauenden Resting Bitch Face durchaus nicht der Stereotyp vom heißen Doc ist, der Menschen zwar körperlich heilen kann, aber keine Ahnung vom zwischenmenschlichen Heilen hat. Denn eigentlich ist er ziemlich einfühlsam, besonders da MC-chan auf seiner Route die nervige Eigenart hat, ständig wegen Aaron zu heulen zu beginnen, nur um dann doch als Gold Digger den besser gestellten Arzt zu ehelichen. Dass er einem sofort vorschlägt, ihn Eddy zu nennen, ist allerdings schon etwas unprofessionell. Jedenfalls kann man ihn nur zu einem Slot im Krankenhaus und nur an Wochentagen antreffen. Keine Ahnung was für ein Krankenhaus das ist, wo die Ärzte nicht notorisch überarbeitet sind, sondern weder Nacht- noch Wochenend-Schichten zu reißen haben. Wobei sobald man sich genug in sein Herz gestalked hat, man seinen Hausadresse herausfindet, und ab dann auch Abends und an freien Tagen hinter ihm her hecheln darf.

Disziplin ist für ihn wichtig, was MC-chan über sportliche Aktivitäten und merkwürdigerweise das Updaten des Blogs bewerkstelligt. Denn wie jede Studentin des kreativen Schreibens ist sie nicht nur damit beschäftigt, eigene schlechte Poesie ins Netz zu stellen, sondern auch Buch-Reviews zum Besten zu geben. Man trifft Eddy halt hier und dort mal in der Stadt, hoffentlich zumindest, da dies für die Affinität bei ihm halt besonders wichtig ist, hilft ihm beim Einkaufen aus, und am Ende hat man den Traum fürs Schreiben aufgegeben, um mit ihm im Krankenhaus zu arbeiten. Nicht als Ärztin oder sonst was ambitioniertes, sondern als simple Krankenschwester, die mit dem Oberarzt schläft…

Ich schör das er außerhalb von CGs nicht wie Eldritch Horror aussieht

Ich schwör das er außerhalb von CGs nicht wie Eldritch Horror aussieht

Last but also least ist Lawrence, der schüchterne und etwas weibisch aussehende Fußabteter-Charakter. Der nur dann etwas Mumm aufweist, wenn es darum geht die Halbtagskraft MC-chan vor dem Besitzer der Eisdiele in Schutz zu nehmen, wenn der sich über einen Fehler von ihr aufregt. Ich mein, es ist schon süß das er sich ernsthaft Gedanken und Sorgen um sie macht, egal was in ihrem Leben vor sich geht, aber da alle Charaktere so unglaublich nett und verständnisvoll sind, hebt ihn das gar nicht wirklich ab.

Immerhin haben er und MC-chan gemeinsam, dass sie gerne Schreiben, und natürlich muss man sein Selbstwertgefühl dorthingehend etwas fördern. Und dadurch darf MC-chan letztendlich wenigstens auch in seinem Ende ihren Traum einer Schriftstellerin verwirklichen, während sie ihm nebenbei in seiner nun eigenen Eisdiele aushilft. Seinen Statuswert der Kultur lässt sich übrigens auch sehr gut durchs Lesen von Büchern und Schreibübungen leveln. Obacht bei seiner Affinität, denn einfach in der Eisdiele, wo er Vollzeit beschäftigt ist, zu arbeiten hilft hier nicht, man muss nach der Arbeit dort noch mit ihm abhängen.

Nuzlocking Pokemon X! Episode 1: Many Bugs and Plenty of Cafés

ava-2142Pokemon X/Y sind für Nuzlocken wohl verpönt und beliebt gleichermaßen. Ein wenig verpönt, da durch die neue Funktionsweise des EXP-Teilers das Ding noch einfacher ist, als es die Spiele eh schon sind. Beliebt allerdings, weil es so viele verschiedene Pokemon gibt, während man bei anderen Edition gern mal – gerade zu Beginn – mit sehr ähnlichen Teams rumläuft, da es auf frühen Routen nur 2 oder 3 Pokemon zur Auswahl gibt. Und hey, wozu gibt es denn tausend verschiedene Sonderregeln, spielt man halt mit einer No-EXP-Share-Rule.

Ok-ok, also sich von Prof Sexy McScruff begrüßen lassen, der typisch nicht sagen kann, ob wir ein Junge oder Mädchen sind, obwohl in X/Y die Charaktermodelle ja erwachsen genug sind, als das dies nun offensichtlich ist. Oder auch nicht, wird könnten ja Crossdresser sein und man will nicht voreingenommen sein, nich? Diesmal schicke ich die arische Version des Hauptcharakters mit Namen Ekkusus durch die 4th Wall nach Pokemon-Frankreich. Mom hat echt extrem was dagegen, im Pyjama zu Hause rumzulaufen, die alte Spießerin. Liegt wahrscheinlich daran, weil sie uns umgehend los werden will, um Me-Time mit Good Vibrations zu haben. Dass ich mich selbst anziehen muss, aber kein Outfit aussuchen darf ist eh Bullshit D; Und dass es im PC im Zimmer keinen Trank abzustauben gibt, ist sowieso der Schock schlechthin.

Da Mom zudem zu geizig ist, um uns das Rihorn mizugeben, das im Vorgarten chillt, müssen wir wohl oder übel über die Route 1, die kein Grass hat, und somit keine Pokemon bereithält, in die Nachbarstadt. Dort so tun, als würden wir die Wildfremden Kids mögen, selbst einen Spitznamen X-kun annehmen, was schon echt aufdringlich ist in einem ersten Aufeinandertreffen, damit die uns einen Starter schenken. Froxy ist eigentlich zu cool, um ihn nicht zu nehmen, und so ist Tenchufrog im Team :3 Schnell noch Mom den Brief vom Prof gegeben, in dem er darum bittet, uns als Boytoy unter seine Obhut nehmen zu können, und schon sind wir auf und davon. Rihorn will sogar mit kommen, aber Mom mischt sich leider ein, blergh T_T Fang ich mir halt mein eigenes!

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Also auf das erste Pokemon zu fangen, Pokebälle natürlich vorher gekauft, da man in X nicht zum Start 5 geschenkt bekommt. Dachte ich zumindest, ein paar Schritte in Route 2 gibt es doch ein Fangtutorial und 10 Gratisbälle. Ein Taubsi ist es, das ich Pecker nennen wollte, aber den Namen lässt Nintendo nicht zu, also heißt das Vieh jetzt langweilig Gust. Wobei ein Taubsi an sich ja auch langweilig als erster Fang war. Im Wald, wo wir noch einen praktischen Healbot dabei haben, war es Cocoon das Raupi geworden, welches ich in den vorigen Nuzlockes echt gern haben wollte, hier aber lieber ein Purmel gehabt hätte. Auch Route 3 gönnt mir keines, sondern Roger das Scoppel, Route 22 nur das Azurill Bounce.

Kommen wir also zur ersten Arena mit Violas Käferpokemon. Davon hat sie nur zwei, wobei Geweiher direkt zu zwei Windstößen von Gust fällt, seine eine Aktion an Regenmacher verschwendet. Durchaus kein schlechter Move, wenn der Gegner versuchen würde, die Käfer mit Feuer zu besiegen. Hauptgegner und schon ihr letztes Pokemon ist das prächtige Vivillon. Ein Härtner, ein Tackle, einen Trank, und zum Schluss Plage, und wiederholte Windstöße befördern auch den Schmetterling in die ewigen Jagdgründe. Der Sieg bringt mir den Krabbelorden ein, und noch viel wichtiger den EXP-Teiler, das rettende Instrument für Raupis, Karpadore etc. >:3

Auf Route 4 gibt es ein Wadribie, genannt Maya. Meh, ein weiterer Käfer, und dann ist es auch noch männlich und kann sich somit nicht entwickeln. In Paris gibt es auch beim Treffen auf Prof SexyGruff ein weiteres Pokemon, zumindest nachdem wir die Kanto-Starter im Kampf besiegt haben. Gust nutzt Windstoß gegen Bisasam, ruchzuckhiebt Shiggy, und den Abschluss macht Tenchufrogs Aquawelle gegen Glumanda. Eines davon schenkt er uns, und eigentlich wäre Bisasam ja ein No-Brainer für mich, ich habe diesmal aber doch mal Glumanda gewählt und Lizzy getauft.

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Ich glaub, ich hätte gar keine Pokebälle je im Spiel für eine Nuzlocke kaufen müssen. Zu Beginn werden 10 geschenkt, hier in der Stadt sind noch ml 5 Luxus-, 3 Timer-, und 3 Flottbälle dazugekommen, dann hier und dort noch mal nen Super- oder Netzball finden, und man hat so viele, wie es Fanggebiete gibt. Was Japaner übrigens mit Frankreich gleichzusetzen scheinen, abgesehen von stylischer Mode, die jeder trägt, was in einem JRPG aber nicht besonders markant anderen Genrevertretern gegenüber ist, sind Cafes. Jede Stadt hat mindestens eines davon bisher gehabt, und Paris gleich an jeder Straßenkreuzung ein neues zu bieten.

Weiter geht es auf Route 5, wo uns Sparks das Plusle in einen Ball läuft. Auf dem Weg zum Schloss auf Route 6 springt mich aus einem Busch spontan ein weiterer Käfer für die Sammlung an: Violet das Toxiped. Der Doppelkampf gegen die Coifwaffs hier war für ihr Level 14 echt hart übrigens, die hätten meine drei Headliner alle beinahe besiegt bekommen. Im Palast an sich, bzw im Vorgarten davon, treffe ich übrigens auf den Fotografen, der an gewissen Stellen im Spiel einen Schnappschuss vom Charakter machen kann. Eine Funktion, die wesentlich besser hätte sein können. Warum nicht wie in Animal Crossing: New Leaf den Spieler jederzeit und überall einen Screenshot machen lassen? Warum nicht zumindest dem Spielercharakter ein Smartphone in die Hand drücken, wodurch jederzeit außerhalb von Kämpfen/Storycutscenes ein Selfie wie in Legend of Zelda: Wind Waker HD gemacht werden kann? Warum nicht zumindest, wenn schon einen auf Earthbound machen, und nur an fixen Touristenplätzen einen Dritten ein Foto produzieren lassen dürfen, zumindest die Option geben, dass man sein aktuelles Pokemon-Team, oder zumindest den Headliner des Teams mit dem Charakter auf dem Bild hat?

Breakup Call: Summer in Fairbrook

ava-2141Also weiter in den Dating Sims von WinterWolves, diesmal zu ihrem The Flower Shop. Aber nicht Winter in Fairbrook, die GxB-Version, die von einigen Youtubern in ihren „lulz Dating Sims“-Channeln voller VNs und wenigen Dating Sims gespielt wurde. Denn das ist der zweite Teil, bereits davor erschien mit Summer in Fairbrook eine BxG-Version.

Warum das Ding genau The Flower Shop heißt, will sich mir allerdings nicht so ganz erschließen. Im Sequel definitiv, immerhin heuert das Mädel dort tatsächlich bei Susanna im Blumenladen an. Aber Summer in Fairbrook bringt Steve im Sommer zwischen zwei Semestern nach Fairbrook, weil sein Vater ihn dazu verdonnert hat, beim Onkel auf der Farm auszuhelfen. Nix mit Blumenladen oder so. Den gibt es, aber da kauft man halt seine Saat ein, und das war es, solange man nicht am Ende auch Susanna besamen will.

Aber immer, mein Hübscher :3

Aber immer, mein Hübscher :3

Oder Marian. Denn die Sache mit den Stats ist etwas anders als in C14 Dating. Mit einem der vier Mädels abhängen – entweder Jill zu Hause anrufen, mit Clara joggen gehen, Susanna im Blumenladen oder Marian in der Bibliothek besuchen, erhöht einen der Statuswerte. Wenn auch ohne niedliche SD-Animation oder auch nur Nachricht, dass dies geschehen ist, man muss schon selbst am Sonntag in den Wochenplan schauen, wie sich die Werte verändert haben (ob eine Antwort positiv oder nicht war, wird allerdings direkt gezeigt). Jedes Mädel möchte aber nicht nur den Statuswert hoch haben, dem sie selbst hilft, sondern auch noch einen zweiten. Jill und Marian beispielsweise den von der jeweils anderen. Wodurch es gut vorkommen kann, ist nämlich zumindest mir so geschehen, dass man versehentlich die jeweils andere gewinnt. Logischerweise würde man nämlich beide Mädels die richtigen Antworten geben, und sich am Ende entscheiden, mit welcher man das Ende sehen will. Allerdings gibt es keine „kurz vor Ende“-Entscheidung. Ich wollte zuerst Marian haben, hab dann aber bei einem Wochenende im Plan gespeichert, und dann immer nach drei weiteren Besuchen im Blumenladen später das Ende von Susanna bekommen, ganz automatisch.

Ich meine, so tragisch war es dann auch wieder nicht, ich hab halt den Laden gemieden. So kann man nur keine Saat für das Feld einkaufen, welches wirklich nur ein Kleinstgarten ist, aber das Farming ist sowieso absolut nutzlos im Spiel. Mit ein paar Klicks wird Unkraut gejätet, ausgesät, geerntet, Parasiten beseitigt, oder das ganze Feld bewässert – jede Aktion kostet jeweils eine Stunde. Der Morgen muss immer auf dem Feld verbracht werden, der Nachmittag steht einem jedoch frei, und man muss hier nie eine Extra-Runde Feldarbeit einfügen, um über 1000 Moneten zu kommen, laut denen das Ende besser wird. Davon hab ich allerdings nichts gesehen, bei Susanna hatte ich sowohl ein Mal weniger und ein Mal mehr als 1000 Geld, und ich habe genau das gleiche CG gesehen (es gibt nur ein einziges pro Mädel im Spiel und keine Galerie) und dazu ziemlich den gleichen Text lesen dürfen. Der Unterschied war nur, dass man im Epilog dem Onkel nach seinem Infarkt weiterhin auf dem Feld aushilft, hat man das Geld nicht zusammen, wird die Farm an den Nachbarn verkauft, der Onkel kann sich allerdings einen netten Lebensabend in seinem Häuschen machen. So wirklich wertig ist die kleine Änderung die zusätzliche Spielzeit der Farmarbeit nicht.

Direktes Feedback find ich immer gut

Direktes Feedback find ich immer gut.

Zumal das Spiel kein Alleine-Ende bietet. Gewinnt man bis nach den 11 Wochen kein Mädel, so holt der Vater einen zurück nach Hause und die Farm wird erneut verkauft, weil der Onkel nach seinem Herzanfall sie nicht weiterhin bestellen kann. Egal wie viel Geld man verdient hat.

Was ist eigentlich der Grund für den aufgezwungenen Farmurlaub? Tja der niedliche Vater, der schnell gar nicht mehr so ansehnlich in einigen Charakterportraits ist, verdonnert seinen nutzlosen Sohn dahin, damit der Onkel ihn etwas in Form bringt. Genau genommen startet das Spiel wie folgt: Mitten in einem Argument zwischen Steve und seiner Freundin Jill. Sie nervt ihn tierisch darüber, dass er ihr nicht ambitioniert und erfolgreich genug ist, während er das ganze nicht ernst nimmt und lieber anderen Mädels auf den Hintern starrt. Die beiden trennen sich, und ich frag mich direkt, warum die das nicht schon vor Jahren gemacht haben. Direkt beräut Steve aber Jill verloren zu haben, und als er sie anruft spricht sie auch wieder halbwegs zivil mit ihm. Oh Gott, Summer in Farebrook ist Catherine all over again!

Nicht hübsch, aber eh überflüssig

Nicht hübsch, aber eh überflüssig.

Wird auch nicht besser. Das erste Mädel, welches der nutzlose Idiot Steve trifft ist Clara. Die schaut ihn mit dem Arsch nicht an, bis sie herausfindet, dass er aus der Stadt kommt, und sofort hat sie Interesse an ihm, denn er könnte ihr ja aus dem Kaff Fairbrook heraus helfen. Das erste Treffen mit Susanna braucht ungefähr 5 nette Sätze, bis die Hippi-Trulla ihm einen gewaschenen Vortrag darüber hält, wie viel besser Bionahrung und Medizinkräuter sind, und alles andere Müll ist, mit dem man seinen Körper nur vergiftet. Ugh, ist denn jeder einzelne Charakter in diesem Spiel scheußlich? Ja, aber nein, aber ja, denn Marian ist dann doch eine ganz Nette, aber mit ihr hört die Liste auch schon wieder auf.

Ist natürlich sehr unglücklich in einem Dating Sim, wenn ich weder den Hauptcharakter noch die Jagdtrophäen mag. Was ist denn meine Motivation dazu, die beiden zusammenzuführen, wenn ich eigentlich der Meinung bin, dass beide schreckliche Menschen sind, die niemals eine Beziehung eingehen sollten? Damit sie vom Markt genommen sind und keinem anständigen menschlichen Wesen das Leben versauen können? Zumal mich das Spiel nachträglich etwas bereuen lässt, bei C14 Dating so Kleinigkeiten bemängelt zu haben, wie dass das Artwork im Profil etwas arg flach wirkt, denn Summer in Fairbrook hat schon ziemliches Amateur-Artwork zu bieten. Letztendlich konnte ich mich nur dazu durchringen, zwei der vier Mädels einzufangen:

Dass sie die kranke Zunge eines Fleischessers überhaupt in ihren Mund lässt.

Dass sie die kranke Zunge eines Fleischessers überhaupt in ihren Mund lässt.

Susanna hatte ich ja im Prinzip quasi fast versehentlich gewonnen, aber nur weil ich ihr auch die richtigen Antworten gegeben habe, um sie nach Marian eh zu erobern. Letztendlich ist sie ja ganz niedlich, und nach dem ersten irrsinnigen Ausbruch ist sie anschließend eigentlich immer ganz nett zu einem. Und vielleicht kann ich mich Nachts ins Bett ihres Halbbruders Trent stehlen, der eh niedlichste Charakter im Spiel. Wie gesagt gehört ihr der Blumenladen, bei dem man die Setzlinge ersteht. Zudem hält sich die Veganerin Bienen. Trent erzählt Steve auch, dass sie von ihren Eltern als Kind oft ignoriert wurde – allgemein scheint jedes Mädel ein Problem mit ihren Eltern zu haben, was wohl als Bindungsmoment mit Steve gedacht ist. Interessanterweise, wenn man mit Susanna endet, erzählt einem das Spiel im Epilog, dass der eigene Vater sich an die andere Kandidatin Marian herangemacht hätte. Ach ja, Susanna steigtert Romance und braucht zudem Culture.

Ganz schön viel Platz auf dem CG gelassen

Ganz schön viel Platz auf dem CG gelassen.

Marian ist die Bibliothekarin und super nett und freundlich, obwohl sich ihr Design eher dem Fetisch der strengen Lehrerin annähert. Sie ist schon etwas älter, wie Steve charmant wie immer wiederholt anspricht, scheinbar soll sie wohl sogar über 30 sein. Zumindest erwähnt sie irgendwann, dass sie den Traum Poesie zu schreiben schon so lange hat. Den sie aber nie verwirklicht bekommen und sich darüber sogar mir ihren Eltern zerstritten hat. Wie gesagt haben alle Mädels Eltern-Probleme, aber bei Marian sind sie der Geschichte am zentralsten. Was etwas merkwürdig ist, man sollte meinen eine gestandene Frau von Mitte/Ende 30 wäre nicht der Charakter, der über einen Bruch mit ihren Eltern immer noch trauert, statt eine der wesentlich jüngeren Kandidatinnen. Na ja, jedenfalls ermutigt man sie etwas mehr Gedichte zu schreiben und sie einzuschicken. Zunächst bekommt sie gemischt gute und schlechte Reviews, und statt sich über die guten zu freuen, sind die schlechten natürlich ein Drama. Man ermutigt sie dennoch weiter zu machen, und am Ende schafft sie ihren Durchbruch und Steve küsste sie in durchsichtiger Bluse im Regen.

Nicht hübsch, aber auch überflüssig.

Nicht hübsch, aber auch überflüssig.

Nicht gewonnen habe ich Jill und Clara. Jill ist die schrecklich engstirnige, total von Steve genervte Freundin, die innerhalb des Eröffnungs-Dialogs, der mehr ein bitchy Monolog von ihr ist, mit Steve Schluss macht. Und das ist auch ganz gut so. Man kann sie direkt anrufen und auch während der Zwangsarbeit in Fairbrook Kontakt halten, aber ne. Sonderlich attraktiv ist sie letztendlich auch nicht gewesen. Clara trifft man beim Joggen und sie streitet sich wohl gern mal mit ihrem Vater, da sie Fairbrook lieber verlassen würde. Die erste Interaktion mit ihr wirkte dann auch so, als wäre sie nur an Steve interessiert, weil der ein Mittel zum Zweck in die Großstadt ist. Nein Danke.

Let’s Play Golden Sun – 06. The Two Towers

ava-2140Auf zum Babi-Leuchtturm müssen wir. Auf dem Weg dorthin wird uns in einem Dorf allerdings gesagt, dass Sheba verschwunden ist. Die scheint wichtig zu sein, denn scheinbar helfen die örtlichen Anwohner beim Leuchtturm-Bau nur wegen ihr mit. Dummerweise ist sie in der nahegelegenen Wüste verlorengegangen, als ein Sandsturm die sie begleitenden Soldaten erwischt hat. Ist dann auch unser neues Dungeon und dessen Puzzle-Gimmick: Die Sandstürme mit Psynergie ausschalten und darin befindlichen Monster im Kampf besiegen.

Nach einem mit von Felix und Co. besiegten Leuten gespickten Weg erreichen wir dann auch den Leuchtturm. Den Venus-Leuchtturm allerdings. Golden Sun holt nämlich einen letzten Zeitverschwendungs-Move auf die Zielgerade heraus. Zuerst geht es in den Venus-Leuchtturm, nach einer gewissen Strecke wieder raus und in den Babi-Leuchtturm, um von dort aus in den Rest von Venus zu kommen. Und wer das optionale Dungeon machen will, der muss in die Wüste zurück – nachdem er einen Teil der Leuchtturm-Erklimmung hinter sich hat. Hier bekommen wir auch eine weitere, natürlich sofort nötige, der mehr als spezifischen Psynergien. Als Beispiel mal die Unterschiede zwischen „Move“, „Lift“ und „Carry“. Move beschwört Psi-Hände, mit denen ein Objekt über den Boden verschoben werden kann. Lift beschwört Psi-Hände, die ein Objekt in die Höhe heben. Und Carry beschwört Psi-Hände, die ein Objekt in die Höhe heben und es dann zur Seite verschieben können. Douse übrigens ist die Psynergie, die Feuer löscht, weil das weder mit Frost klappt (welches ausschließlich aus Pfützen Eispfeiler macht) noch durch den Wind von Whirlwind erstickt werden kann (welcher ausschließlich Sträucher im Weg entfernt).

Soldaten sagen uns übrigens, was wir uns schon denken können: Felix und Co. haben Sheba mitgenommen. Wer ist Sheba? Warum ist sie plötzlich so wichtig? Pfft, Details die Golden Sun nicht wirklich nennt. Unser Begleiter Iodem ist übrigens gewohnt widersprüchlich. Mal meint er all dies kann nur das Werk von Felix und Co. sein, nur um dann später wieder die Truppe zu fragen, ob das jene Leute gewesen sein könnten, hinter denen wir her sind, und die er ja gar nicht kennen kann. Auch viel Redundanz darin, dass wir zum Leuchtturm müssen. Geh zum Leuchtturm, damit die Bösen ihn nicht anzünden können. Geh zum Leuchtturm, um deine entführten Freunde zu retten. Geh zum Leuchtturm, um Sheba zu retten. Geh zum Leuchtturm, damit das Opfer der Soldaten nicht umsonst war. Hab es ja kapiert. Ich glaub ja immer noch, wir hätten einfach mit dem Mars-Stein zu Hause bleiben und die Truppe zu uns kommen lassen sollen, statt ihnen das Ding hinterher zu tragen, aber gut, ich geh ja schon.

Übrigens steckt im Bonusdungeon der letzte Dschin. Besonders ist hier, dass es fast Encounter-frei mehrere Rätsel-Stockwerke sind. Wie das im Spiel so üblich ist, sind jene Psynergie-Puzzle ungefähr so schwer, wie sich den eigenen Arsch abzuwischen. Aber dadurch, dass sie den Hauptaugenmerk des Dungeons ausmachen, so Zeitintensiv, als müsste man sich das dazu benötigte Klopapier selbst aus Schilf herstellen.

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Es gibt übrigens unterirdische Tunnel, die direkt von der Baustelle vom Babi-Leuchtturm in den Venus-Leuchtturm, den Babi nicht öffnen konnte, führen. Auch hier konnte die Türe nicht geöffnet werden, weil keiner die Psynergie Reveal hatte. Erneut, Babi baut lieber einen komplett neuen Leuchtturm, statt die Türe aufzubrechen oder sich durch die Wände in das Tunnelsystem zu graben, oder eine Treppe an der Außenseite vom Venus-Leuchtturm zu bauen. Ich würde glatt behaupten, Leute in Golden Sun sind komplett inkompetent ohne den Einsatz von Psynergie, aber Alex hat uns ja bisher gut bewiesen, dass man auch mit dem Beherrschen von Psynergie nicht gerade besser ist. Auf die Frage, wie wir es geschafft haben, die Türe zu öffnen, muss natürlich wieder jeder einzelne Charakter der Gruppe seinen Senf dazu geben, sagen aber alle, dass man das nicht erklären kann. Doch. Mit ein oder zwei Worten. Weil Psynergie. Weil Magie. Per Geheimschalter. Sucht euch eins davon aus, ist wirklich nicht schwer.

Auf der Spitze dürfen unsere Schurken wieder etwas monologen. Scheinbar ist hier endlich mal jemandem bei Camelot aufgefallen, dass sie so eine kleine Logiklücke in ihrer Story von Beginn an haben. Warum folgen wir denen, wenn sie nur drei der vier Elementarsteine haben, um die Leuchttürme zu entzünden? Ja weil sie Geiseln genommen haben. Schön und gut, aber warum den Marsstein nicht irgendwo sicher verstecken und ohne ihn auf Geiselrettung gehen? Ohne Marsstein kein Entzünden des Mars-Leuchtturmes und damit auch kein Erfolg für die Antagonisten. Also dürfen die hier mal schnell beiläufig fallen lassen, dass den Jupiter-Leuchtturm zu entfachen gleich kommt mit dem Mars-Leuchtturm und sie deswegen zu dem gar nicht müssen. Warum auch immer das so und nur bei jenem Leuchtturm ist. Öffnet übrigens ein ganz neues Plot Hole: Wozu dann Geiseln nehmen, damit wir ihnen den Marsstein bringen, wenn sie den angeblich gar nicht brauchen?

Außerdem haben Menardi und Saturos eine kleine verbale Auseinandersetzung mit Felix. Weil Felix will Sheba zum Schiff bringen, zu dem schon Alex mit den zwei anderen Geiseln ist. M&S wollen Sheba aber noch nicht weg lassen. Felix kommt selbst darauf, dass Sheba als Jupiter-Adept nötig ist, um in den Jupiter-Leuchtturm zu kommen. Nachdem Felix sich also darüber beschwert hat, dass M&S ihr Versprechen Sheba zu befreien nicht einhalten, beschwert er sich darüber, dass er sie nicht zu den anderen freigelassenen Geiseln zum Schiff nehmen kann. Will er sie nun befreien oder nur mit auf dem Schiff haben? Und warum wollen M&S sie nicht auf dem Schiff? Dort gehen sie doch als nächstes sowieso hin, um zum nächsten Leuchtturm zu kommen, und hier beim Venus-Leuchtturm benötigen sie Sheba eh nicht mehr. Und ernsthaft, die haben ein Schiff? Warum zur Hölle brauchen die ein ganzes Spiel, in dem unser Trupp alles außer den direkten Weg zwischen den Leuchttürmen genommen hat, um von einem Leuchtturm zum anderen zu kommen, wenn sie einfach nur an der Küste nach Süden hätten segeln müssen und schon wären sie da gewesen? Der Rest der Konversation fängt damit an, dass Felix und M&S sich gegenseitig vorwerfen, den jeweilig anderen nicht mit der Sicherheit von Sheba trauen zu können. M&S meinen nach der langen Reise sollte Felix ihnen doch langsam mal trauen können, nur um ihm dann direkt eine Kampfansage zu machen, und damit zu enden, dass er sie nach der langen Reise doch fürchten gelernt hätte sollen. Charaktere in diesem Spiel sind die schizophrensten Hamsterhirne, die man sich vorstellen kann.

Egal, obwohl Menardi und Saturos also beschlossen haben, dass sie Felix nicht mehr trauen können, weil er genau das gleiche will, was sie auch wollen (vorausgesetzt wir sprechen darüber Sheba zu schützen, nicht darüber sie direkt freizulassen, was Felix mal will und dann vielleicht doch wieder nicht), müssen wir gegen die beiden antreten. Weil plötzlich brauchen sie auch den Stab, den Ivan die ganze Zeit im Gepäck hat, um in den Jupiter-Leuchtturm zu kommen. Obwohl jeder andere Leuchtturm nur die Psynergie eines dazugehörigen Adepten benötigte. Und Sheba haben sie ja bereits. Es sei denn Felix lässt sie frei, wenn er sie nicht doch zum Schiff und dem Jupiter-Leuchtturm bringt, bevor er das tut. Da wir den Stab nicht übergeben wollen, fragen sie auch, ob uns das Wohlergehen von Sheba so egal ist. Ich hab ja keinen blassen Schimmer, warum auf die letzte Stunde jeder nur noch über die Tusse reden kann, aber ich persönlich habe, da Golden Sun sie nie etabliert hat, keine Ahnung, warum ich mir um sie Gedanken machen sollte, warum sie für mich wichtiger ist, als M&S vom Entzünden der Leuchttürme abzuhalten. Felix soll uns den Stab abnehmen, um seine Loyalität M&S gegenüber zu beweisen, nachdem sie ihm die vor fünf Minuten noch abgesprochen haben und zum Kampf gegen ihn bereit waren. Golden Sun, es wird Zeit zu enden.

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Nachdem wir M&S besiegt haben, wollen wir mit Sheba fliehen, doch Felix stellt sich uns in den Weg, da er sich anscheinend endlich dazu entschlossen hat, dass er doch Sheba nicht einfach freilassen kann. Felix besteht auch darauf, dass die Leuchttürme entzündet werden müssen, sagt uns natürlich, obwohl die perfekte Gelegenheit dafür ist, nicht warum dies unseren Antagonisten und scheinbar auch ihm so wichtig ist. Und das, obwohl M&S sowieso erwachen, zu einem Pixelhaufen-Drachen verschmelzen, und uns erneut angreifen. Wäre eine dramatisch praktische Unterbrechung gewesen, während Felix versucht hätte, uns die Situation auch mal zu erklären. Warum das Entzünden des Erd-Leuchtturms die beiden Feuer-Adepten wieder zu Kräften kommen lässt? Eh, weil die eine symbiotische Beziehung haben, zieht sich Golden Sun mal so aus dem Hintern. Vor dem Kampf gegen fordern sie Felix aber noch auf, schnellstmöglich mit Sheba zum Schiff zu gehen. Golden Sun. Hey, Golden Sun. Vor 15 Minuten war da eine unglaublich großes Drama, bei dem sich die an den Hals gegangen sind, weil Felix unbedingt mit Sheba zum Schiff wollte, M&S damit aber nicht einverstanden waren. Hey, Golden Sun, hey, hörst du mir zu?

Nach dem Sieg über den Fusionsdrachen proklamiert Garet stolz, dass wir uns keine Sorgen mehr machen müssen, da keiner mehr die Leuchttürme entzünden wird. Obwohl Felix vorhin direkt gesagt hat, dass er das auch will. Außerdem gibt es da ja auch noch Alex, egal wie inkompetent der ist. Der Leuchtturm bricht in zwei Teile, Sheba und Felix fallen in den Tod, die Truppe erinnert sich nach ihrem endlosen Sheba-Mantra endlich daran, dass Jenna und Kraden ja auch mal wichtig waren… und plötzlich setzt sich der Leuchtturm wieder zusammen? Ugh. Kurz darauf bekommen wir von Babi ein Schiff geschenkt, da wir für ihn Lemuria finden sollen, und Jenna und Co. sicherlich auch auf See sind. Unser Team freut sich endlich den Ozean sehen zu können, obwohl sie bereits zwei Leuchttürme direkt am Ozean besucht haben. In der Post-Credits-Szene sehen wir Alex, Jenna und Kraden auf einer schwimmenden Insel durchs Meer treiben, praktischerweise wurden Sheba und Felix auch dort angeschwemmt.

Und das war es. Nach 17 Stunden ist Golden Sun beendet, die erste Hälfte der Reise, die zu 90% aus Füllmaterial zusammengesetzt ist, welches sich kaum bemüht wie irgendwas außer Zeitverschwendung zu wirken. Eine Zeit, die weder dazu genutzt wird, den Charakteren eine wirkliche oder gar konstante Persönlichkeit zu geben, irgendwas an der Welt sinnig zu erklären, oder die Story voranzubringen, denn am Ende sind wir genauso schlau wie am Anfang. Wenn nicht sogar noch weniger, da der enorme Ausmaß an Text während des Spieles dazu benutzt wurde, dass sich das Script alle drei Sätze selbst widerspricht.

Academy Weekend – Mad Max: Fury Road

ava-2139Die Academy hat sich Jahrelang vorwerfen lassen müssen, nicht sonderlich viel mit der Realität und was in ihr so beliebt ist zu tun zu haben. Dem steuern sie mittlerweile gern entgegen, in dem auch mehr auf Action und Spektakel ausgelegte Filme reichlich nominiert werden. Beispielsweise der vierte Mad Max, der satte 10 Nominierungen bekam, damit nur knapp hinter The Revenant lag, und mit 6 gewonnenen bei den eigentlich erhaltenen Statuen sogar deutlich vor jenem liegt.

Als Disclaimer gleich zu beginn, sollte ich wohl erwähnen, dass ich keinen der anderen drei Mad-Max-Filme aus den 80ern gesehen habe, weil mich die nie wirklich interessierten. Aller Lobeshymnen zum Trotz hätte ich wohl ohne diese alljährliche Ausrede auch Fury Road eher links liegen lassen. Bin aber dann doch sehr froh, dass ich dies nicht getan und stattdessen The Martian oder so geschaut habe (der Verlierer des Abends schlechthin, denn trotz einiger Nominationen räumte er exakt Null davon ab).

Die postapokalyptische Zukunft, in der die Welt zu einer Wüste geworden ist. Der tyrannische Immortan Joe regiert über sein Fleckchen Erde, weil er am Hebel für die in den Bergen eingeschlossenen Wasserreserven steht, zudem seine kränklichen und ihm fanatisch unterstehenden War Boys mit Blutspendern versorgt, durch die sie am Leben gehalten werden. Außerdem wählt sich Joe immer mal wieder eine Hand voll Ehefrauen aus, die von ihm geschwängert werden und anschließend als Muttermilch-Spender dienen dürfen.

Imperator Furiosa stammt ursprünglich aus Dem Grün, eine von Frauen regierte Oase, aus der sie allerdings entführt wurde. Mittlerweile ist sie zu einer von Joes besten Untergebenen herangewachsen und wird mit einem War Rig auf Vorratsbeschaffung geschickt. Damit sieht Furiosa ihre Gelegenheit gekommen, um aus der Citadel zurück zum Grün zu entkommen – mit den aktuellen fünf Frauen Joes, die ihre Kinder nicht als War Boys aufwachsen sehen wollen, direkt gestohlen im Gepäck. Joe schickt natürlich unweigerlich, sogar von ihm selbst angeführt, eine ganze Kompanie an von seinen War Boys besetzten Fahrzeugen aus, um sie aufzuhalten und seine Frauen zurückzugewinnen.

Ach ja, und irgendwo dazwischen hängt ein unwichtiger Typ mit Namen Max, den sich ein War Boy als ständiger Blutspender wie eine Galionsfigur an sein Vehikel pappt, und der nachdem er entkommen konnte Furiosas War Rig übernehmen will, letztendlich aber mit den sechs Frauen zusammen auf der Flucht vor Joe darin landet.

Mad Max: Fury Road ist ein absolut abgedrehter und irrsinniger Film. Ein Nonstop Action-Spektakel fast komplett ohne Verschnaufpause. Wenn unter dröhnender Musik Furiosa in ihrem War Rig auf einen Sandsturm zubraust, direkt hinter ihr diverse gepimpte Trucks und Motorräder, die Flammen aus dem Auspuff speien, von manisch schreienden Kerlen mit Brandings besetzt sind, und Immortan Joe seine eigene Metal-Band mitfahren lässt, um für Stimmung zu sorgen. Es wird gefahren, es wird geschossen, waghalsige Manöver, Explosionen. Schnelle Schnitte, und insgesamt ein Look, der fast an Heavy-Metal-Comics erinnert. Was ein Spektakel, was eine Gaudi. Mad Max: Fury Road macht keine falschen Andeutungen irgendwas außer ein extrem launiger Action-Streifen zu sein. Und es ist eine verdammte Leistung, diese Adrenalin und diese Energie für 2 Stunden Film halten zu können, ohne dass man bei der konstanten Brachial-Action nicht irgendwann abzuschalten beginnt.

Was nicht bedeutet, dass Fury Road nicht dennoch den einen oder anderen kurz gehaltenen ruhigen Moment findet. Und das unter extrem stilsicherer Cinematographie. Wenn es in der Nacht mit gedrosseltem Tempo durch die von Krähen besetzten Sümpfe geht, oder Furiosa in den Windgespeitschten Dünen den Frust von sich schreit. Natürlich gibt es hier unterschwellige Themen, allen voran offensichtlich Frauenpower sowohl in Furiosa, ihrem Stamm, aber auch den erstaunlich toughen Ehefrauen. Das finden einer Heimat in dieser gestorbenen Welt ist eine große Charaktermotivation, genau wie Rache und Sühne. Max bleibt nicht komplett Randcharakter, auch wenn das hier eher Furiosas Geschichte ist, denn auch er, heimgesucht von den Geistern seiner vorigen Fehler, macht einen Wandel durch von einem Kerl, der nur ums Überleben kämpft, zu einem, der den sechs Frauen aushilft um seine Fehler zu sühnen.

Von daher ist es nicht so, dass es nicht einen oder zwei kleine Denkansätze in Mad Max: Fury Road gäbe. Aber all dies wird einem nie mit dem Zaunpfahl eingetrichtert, sondern läuft ganz organisch nebenbei mit, während der Groß des Filmes damit zufrieden ist einem richtig schön dumm-unterhaltsame Action zu bieten. Und ich war letztendlich keine Sekunde dieser 2 Stunden nicht voll und ganz unterhalten. Fury Road ist einer der absolut besten Filme seines Genres.

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Academy Weekend – Room

ava-2138So einer der drei Slots pro Jahr muss irgendwie dann doch an einen Film gehen, der unter den mittlerweile entstandenen Begriff „Oscar Bait“ fällt. Sprich was, bei dem man sich schön schlau und gebildet fühlen kann, weil man gehobenere Unterhaltung geschaut hat. Getroffen hat es dann doch nicht The Danish Girl, sondern stattdessen den für vier Trophäen nominierten und eine für beste Hauptdarstellerin gewonnenen Room.

Der ist ziemlich genau in zwei Hälften von jeweils einer Stunde unterteilt. In der ersten sehen wir das ganz normale Leben von Jack und seiner Mutter Joy, häufig unter der inneren Narration von Jack, der uns freudig die Dinge in seiner kleinen Welt erklärt. Und klein ist seine Welt auf jeden Fall, denn sie besteht lediglich aus „Raum“. Denn Joy ist ein Entführungsopfer, die mit 17 von einem Kerl in sein Auto gezogen und dann in dessen Schalldicht versiegelte Gartenhütte gesperrt wurde. Dort kommt er zu je einem nächtlichen Sexualakt vorbei, und lässt sich ansonsten eigentlich nur noch Sonntags blicken, wenn er den wöchentlichen Einkauf der nötigsten Überlebensvorräte und ein einzelnes Goodie als „Belohnung“ für Joy mitbringt. Die einzige Freude in Joys Leben ist der nach zwei Jahren aus jenen regelmäßigen Vergewaltigungen entstandene Jack.

Jack hingegen kennt ja gar kein anderes Leben, gar keine andere Welt, außer „Raum“. Und als so junges Kind, das auch noch so benachteiligt eingeschlossen aufgewachsen ist, hat er auch gar nicht die mentalen Kapazitäten, die Situation groß zu hinterfragen oder den wahren Horror des Daseins von seiner Mutter und ihm zu realisieren. Und so ist Jack durchaus weitestgehend glücklich in seiner kleinen Welt.

Zumindest bis seiner Mutter dann doch ein Plan einfällt, um eventuell aus dem Raum zu entkommen. So zu tun als wäre Jack krank hilft erst mal nichts, der Entführer bringt nur mehr Medizin vorbei, statt den Jungen ins Krankenhaus bringen zu wollen. Dann wiederum hat sie Jack auch nie eine Bindung mit seinem biologischen Vater eingehen lassen, was zum einen verständlich ist, damit der nicht das letzte bisschen Glück in ihrem Leben verderben kann, aber natürlich auch nicht jetzt dabei hilft, den Kerl Empathie für den Jungen entwickeln zu lassen. Also rollt sie Jack in einen Teppich ein und tut so, als wäre der Junge gestorben. Und jetzt ist der Kerl netterweise blöd genug, dies nicht zu prüfen, sondern den stillhaltenden Jungen mitsamt des Teppichs auf seinen Truck zu laden, um ihn zu begraben.

Nachdem Jack entkommen ist und auch der Aufenthaltsort seiner Mutter gefunden und Joy befreit werden konnte, geht es in die zweite Hälfte des Filmes.

Jetzt müssen die beiden sich mit dem Leben außerhalb des Raumes akklimatisieren. Joy sind immerhin 7 Jahre ihres Lebens genommen worden. Sie war eine Schülerin, als sie entführt wurde, jetzt ist sie eine erwachsene Frau mit Kind. Sie hat keine Bindungen mehr zu den zurückgelassenen Menschen, ihre Eltern haben sich über den Schmerz der verlorenen Tochter voneinander geschieden, und sie selbst leidet an Depressionen, obwohl sie nach der Flucht doch glücklich sein sollte. Jack hingegen kennt das Leben außerhalb von „Raum“ gar nicht. Die vielen Dinge, die man unternehmen kann, die Hektik auch überall sein und Dinge erledigt bekommen zu müssen, die vielen Menschen, einfach alles ist neu und unbekannt. Und die Öffentlichkeit möchte über die Sensationsgeile Presse natürlich auch ihren Teil an der Geschichte haben.

Ich muss sagen, dass ich die erste Hälfte des Filmes insgesamt besser fand, als die zweite. Das sehr beengte aber auch sehr persönliche Dasein im Raum der beiden miteinander, sowie die Flucht und ob sie denn funktionieren wird, ist einfach interessanter gegenüber dem sich dann öffnenden Film mit mehr Charakteren und Lokalitäten und Komplikationen. Dem fehlt etwas die Intimität der ersten Hälfte, auch wenn es natürlich nur der logische nächste Schritt in der Geschichte ist, und man sich wahrscheinlich etwas betrogen fühlen würde, wenn nach der Flucht ein „und dann lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende“ den Film abrupt beenden würde.

Der Oscar für Brie Larson in der Rolle der Joy ist jedenfalls verdient. Und auch Jacob Tremblay als Jack ist richtig gut. Immerhin ist es selten genug, dass ein Kinderschauspieler auch wirklich gut schauspielern kann, und deren Rolle auch noch so geschrieben wurde, dass sie nicht kolossal nerven. Als einer von zwei sehr zentralen und im ersten Teil gar einzigen Figuren war das schon wichtig, und Tremblay spielt fantastisch.

Viel mehr bleibt glaub ich nicht zu sagen, ist schon ein packendes und gut geschauspielertes Drama mit einer sehr starken finalen Szene und einer tollen ersten Hälfte. So ganz klicken tun die Art-Festival-FIlme mit mir nur immer nicht ganz, auch wenn ich sie zu sehen nie vollends bereue. Mich immer mal wieder mit einem auseinander zu setzen ist sicherlich keine schlechte Idee, auch wenn ich nie so viel zu ihnen letztendlich zu sagen habe.

room2015

Academy Weekend – Inside Out

ava-2137Ein weiteres Oscar-Event rückt dieses Wochenende näher, und traditionell nutze ich die Chance, um drei Vorjahres-Gewinner zu begutachten, die ich ohne diese selbst auferlegte Ausrede entweder wahrscheinlich nie geschaut hätte, oder aber obwohl ich sie schauen wollte, dies bisher nicht hinbekommen hatte. Den Anfang macht der Gewinner des Best Animated Feature. Nur ein Gewinn, weil nachdem Beauty and the Beast fast den Best Feature 1992 von „richtigen“ Filmen gestohlen, für 6 nominiert und 2 auch gewonnen hat, anschließend für die Animationsfilme dieses kleine Ghetto geschaffen wurde, damit sie was gewinnen können, ohne „echten“ Filmen ihre Oscars wegzunehmen, und somit in der Regel auch nur diesen einen gewinnen dürfen.

Außerdem ist es ein Film von Pixar. Aber weder jenes Studio noch der Gewinn sollen jetzt wahnsinnig viel bedeuten, denn die drei Filme davor waren jetzt alle nicht der Renner, darunter sogar ein weiterer Oscar-Gewinner. Und nein, ich werde nie verstehen wie Brave die Statue gewinnen konnte, schon gar nicht gegen Paranorman laufend.

Aber hey, nach 5 Jahren beweist Pixar, dass sie doch noch richtig gute Filme machen können! Wenn man also total übersieht, dass deren nächstes Projekt ein weiterer Cars ist und der total schrecklichen Idee eines Toy Story 4 nachgegeben wurde, kann man zunächst erst Mal durchaus freudig sein.

Übrigens beweist Pixar mal wieder seine Wurzel als Produzent von echt guten Kurzfilmen. Denn die ersten 7 Minuten von Inside Out könnten total als ein kurzer, fast ohne Gesprochenes auskommender, Kurzfilm durchgehen, der genau an seiner Pointe endet. Aber der Film geht weiter, und zunächst war ich mir nicht sicher, ob nun die Idee das Gefühls-Innenleben eines Teenagers in dessen Kopf zu zeigen, wirklich für 90 Minuten ausreichen würde, oder ein Kurzfilm nicht eben genau die beste Wahl gewesen wäre.

Zum Glück ist der Film weit davon entfernt, ewig durchgekaute Klischee-Witze über das Gefühlschaos in der Pubertät und die distinkte Denkweise von Frau vs. Mann vorzukäuen, auch wenn die Werbung mit der Szene beim Abendessen dies befürchten lassen würde. Denn genau genommen ist Riley noch gar nicht in der Pubertät. Das eigentliche Problem ist, dass die Familie von Minnesota nach San Francisco umzieht, und weitere Probleme eben das Innenleben des Mädels ordentlich durcheinander bringen.

Gerade das Gefühlsleben an sich spiegelt dabei sehr schön die Entwicklung des menschlichen Geistes wieder. In besagtem Anfang, die erste Emotion des Babys ist Freude, erst danach kommen langsam die anderen Gefühle Kummer, Angst, Ekel und Wut hinzu. Die alle scheinbar eine wichtige Rolle zu füllen scheinen, Angst beispielsweise beschützt auch vor Gefahren, nur Kummer ist nutzlos. Und durch die Kindheit hindurch dominiert Freude, die anderen sind nur Zaungäste. Aber so einfach ist das Leben eben nicht, und irgendwann kann man auch nicht weiter so tun, als wäre immer alles Ok. Wenn man langsam aus den Kinderschuhen herauswächst bekommt man auch mehr von der Welt mit, reflektiert mehr. Und so ist ein wichtiger Punkt des Filmes das Riley durch die Figur der Freude zu akzeptieren lernt, dass es durchaus in Ordnung ist auch Kummer zu empfinden. Auch diese Emotion kann helfen. Und letztendlich ist es ein ausgewogenes Miteinander, welches wirklich im Leben gebraucht wird. Der Mix der Gefühle offenbart eine viel größere und expandierende innere Welt gegenüber den einfachen aber auch beschränkten Gefühlen eines Kleinkindes.

Gleichzeitig dürfen aber auch ihre Eltern lernen, wie sehr man sein Kind doch emotional durch unbedarft gewählte Worte belasten kann, obwohl dies gar nicht gewollt oder bewusst wahrgenommen wird. Und der Grundpfeiler der Familie ist der, der in Rileys zusammenbrechender Innenwelt am längsten und festen steht, und der beim Wiederaufbau hilft. Und gerade jener zunächste Zusammenbruch, wenn die ersten Persönlichkeitsinseln sinken und Kindheitserinnerungen der Vergessenheit anheim fallen, das Imaginationsland von Neuem plattgewalzt wird… dann passiert etwas, was zuletzt Toy Story 3 geschafft hat. Dann weckt der Film nämlich bei der älteren Generation etwas Kummer und Nostalgie. Das ganze hat schon fast einen Michael Ende Einschlag an verlorener Kindheitsunschuld und Fantasie. Ein Mensch wächst und verändert sich emotional, gerade beim Heranwachsen, alte Interessen weichen neuen, dies ist ganz normal, aber ein wenig schade ist das, was man für immer hinter sich lässt, dann irgendwo doch.

Zwischen alldem gibt es zudem ein buntes Farbenspiel, quirlige Animationen, sitzender Humor, und ein Action-reiches Spektakel. Alles gut und schön, aber Inside Out bietet eben darüber hinaus mehr, weiß richtig Emotionen beim Zuschauer hervorzurufen, und das ist, was ihn letztendlich so richtig gut macht. Im Gegensatz zu Brave definitiv kein unverdient gewonnener Oscar.

insideout