Sherlock Holmes Rebooted: Chapter One & The Awakened

Frogwares und deren Sherlock-Holmes-Reihe hatten wir bereits in 2014 mit dessen ersten Eintrag, Mystery of the Mummy, und dann 2016 erneut an ihr versuchend mit dem Nachfolger, The Case of the Silver Earring. Beides eher Reinfälle, was der Reputation der Serie durchaus gerecht wurde. Denn obwohl Sherlock Holmes deren Brot und Butter ist, immerhin zehn Spiel in knapp zwanzig Jahren hervorbringend, so fliegen die eher unterm Radar und haben sich traditionell mäßige Wertungen eingefangen.

Zumindest bis zu den neueren Einträgen, die sich etwas besser gestalten sollen. Und als ich ein paar Kröten auf PSN über hatte und in den Spielen für unter 5€ Sherlock Holmes: Chapter One sah, war ich gewillt ihm einen dritten Versuch zu gewähren.

Das Spiel ist dabei chronologisch die allererste Story von Sherlock und auch ein Reboot der Franchise, sie muss also narrativ nicht in die vorher herausgebrachten Spiele führen. Den jugendlich-attraktiv neu designte Holmes führt es zurück in eine mediterrane britische Kolonie, wo er als Kind mit Bruder und Mutter lebte. Hier liegt sie begraben und nach einem Besuch zunächst beim Friedhof und anschließend er alten Villa, die immer noch der Familie gehört, stellen sich Hinweise darauf ein, dass sie vielleicht doch nicht an Tuberkulose gestorben ist, so wie es dem jungen Sherlock immer gesagt wurde. Also nimmt er sich, seinen imaginären Freund Jon zur Seite, der kolonialen Stadt und ihrer Geheimnisse an, auf dass er Licht ins Dunkel um den Tod der Mutter bringen kann.

Wir haben es also mit einer recht persönlichen Geschichte zu tun, in der Sherlock nicht ganz so distanziert und objektiv bleiben kann, wie das zunächst wirkt. Allgemein ist Sherlock Twink nicht der sympathischste Charakter, es gehört hier zu seiner Story Arc, dass er etwas menschlicher werden muss. Sherlock ist ja gern mal eher der Fakten über Gefühle Typ, und Chapter One stützt sich stark auf jenes Porträtieren seinerseits. Allerdings wie erwähnt dies definitiv als einen Mangel darstellend, den er zumindest ein wenig überkommen muss. Auch muss Sherlock feststellen, dass er seiner Mutter eventuell nicht unähnlich ist. Nachdem sich herausstellt, dass sie psychischen Probleme hatte, ist er sich nämlich nicht mehr so sicher, ob er dies nicht vererbt bekam. Ob sein Mind Palace und der imaginäre Freund Jon, die so hilfreich beim Aufklären sind, nicht Auswüchse eines größeren Problems darstellen. Abgesehen davon haben alle Fälle im Spiel mehrere Ausgänge, oder zumindest mehrere Arten, wie Sherlock sie auflösen kann. Hier kann dann der Spieler entscheiden, was genau gewählt wird, und Sherlocks Persönlichkeit somit etwas mit beeinflussen.

Denn Chapter One ist ein Open World Game inspiriert von Frogwares vorigem Spiel The Sinking City. Natürlich sind die Fälle der Hauptgeschichte linear abzuarbeiten. Aber nach dem Prolog ist es Sherlock frei sich in der großen Stadt zu bewegen und kann in jede Menge Nebenfälle verstrickt werden, die nicht ins Hauptnarrativ einfließen und komplett optional sind. Hier gibt es in der Regel immer einen Schuldigen, dies bleibt statisch, aber wie mit jenem umgegangen wird kann frei entschieden werden. Je nachdem, welcher eigenen Moral man folgen will. In einem Fall stellt sich beispielsweise heraus, dass der Tode nicht ermordet wurde, sondern der von ihm gehaltene Elefant durchgegangen ist und ihn dabei totgetrampelt hat. Nun bleibt es allerdings uns überlassen, ob wir meinen der Elefant müsse eingeschläfert werden oder kann an einen Zoo verkauft werden, wo er in Frieden leben kann. Dies ist sicherlich eine eher einfache moralische Entscheidung, ich glaube kaum einer würde dem Elefanten den Mord anhängen oder unwiderstehliche Blutlust unterstellen, so dass er euthanasiert gehört. Anders mag es da schon sein, wenn sich herausstellt, dass ein Bruder von seiner Schwester ermordet wurde, nachdem diese Jahrelang unter seiner häuslichen Gewalt zu leiden hatte. Sagt man hier nun Mord ist Mord und sie muss dafür ins Gefängnis, oder hat man Verständnis dafür, dass sie keinen anderen Ausweg hatte und lässt sie davonkommen? Jeder Nebenfall läuft auf eine solche ethische Entscheidung heraus, wo vom Spieler selbst entschieden wird, wie nun mit dem Täter umzugehen ist. Die Hauptfälle haben dies so nicht, stattdessen kann hier am Ende der Handlung ein komplett unterschiedlicher Werdegang, der zum Tod von Sherlocks Mutter führte, aufgeklärt werden. Alle komplett legitim vom Spiel in ein Ende führend.

Spielerisch wird dabei recht viel Abwechslung geboten, wenn es darum geht, diverse Herangehensweisen an die Falllösungen miteinander zu verflechten. Grundsätzlich kann Sherlock natürlich mit Leuten mehr oder weniger lange Gespräche führen, je nachdem wie bereitwillig sie ihm die Geschehnisse darlegen oder darüber lügen wollen. Sie genauer zu untersuchen kann beim Profiling der Person helfen. Dann werden natürlich die Tatorte untersucht, sowohl in normaler Besichtigung, wie auch einige Hinweise nur gefunden werden können, wenn man sich die Gegend unter Sherlocks Detektivsinn beschaut. Der ist allgemein ganz nützlich um Hot Spots in der Welt ausfindig zu machen. Alles, was Sherlock bisher so als Spuren gesammelt hat, wird übrigens von ihm im Archiv abgelegt, und es ist zu beachten, dass Spuren oft nur weiter gefolgt werden kann, wenn man den richtigen Hinweis dort aktiviert. Erst dann kann teils mit Leuten spezifisch über jenen gesprochen oder nur dann im Detektivsinn weitere darauf aufbauende Spuren gefunden werden. Zudem kann sich Sherlock mit diversen Kostümierungen verkleiden, die überall in der Stadt an Ständen gekauft oder ausgeliehen werden, denn manche Menschen sind nicht unbedingt gewillt mit Sherlock an sich zu reden. Kann kein Tatort und keine Person weiterhelfen, ist es gegebenenfalls auch der Weg zum nächsten Teilziel der Investigation, im Archiv der Polizei oder der Presse zu forschen, in dem bekannte Parameter zum Fall einen Artikel oder Akte hervorbringen. Zum Schluss ist es teils nötig den Tathergang in Sherlocks Imagination nachzustellen. Und alle wirklich wichtigen Entdeckungen sind als Gedankenblase in Sherlocks Mind Palace abgelegt, erst wenn sie hier richtig miteinander verknüpft sind, kommt er zu gewissen Schlüssen, inklusive denen, wer was warum gemacht hat und wie mit jenem Täter nun umzugehen ist.

Eine Spielmechanik muss leider auch noch erwähnt werden. Leider, weil sie nämlich leider in einem Spiel ist, welches ohne sie viel besser wäre. Und das sind die Kämpfe. Es kommt nämlich sporadisch zu Pistolen-unterstützend Auseinandersetzungen mit Handlangern. Die sind schrecklich öde, denn Sherlock bleibt im gleichen Quadratraum, in dem die Gegner nach und nach von allen vier Türen aus hereinstolpern, bis sie alle ausgeschaltet sind. Jon macht hierbei im Tutorial übrigens sehr stark die Ansprache, dass Sherlock ja kein Mörder ist, und sie alle somit nur ausknocken soll. Tatsächlich hat es keinerlei Auswirkung auf den Spielverlauf, und ist auch die einfacher Art durch die Gefechte zu kommen, wenn man alle Feinde kaltblütig erschießt statt mit nervigen QTEs versucht sie einzufangen. Die Kämpfe sind schlichtweg hundsmiserable umgesetzt, egal wie man sie nun bestreiten will. Netterweise lässt einem das Spiel die Wahl in den Schwierigkeitssettings jene einfach zu deaktivieren. Abgesehen von Trophy-Jägern gehe ich mal davon aus, dass das auch jeder früher oder später gemacht hat, um der schlecht umgesetzten Spielemechanik zu entgehen.

Visuell fand ich das Spiel übrigens echt toll. Natürlich kann es rein technisch mit Großproduktionen nicht mithalten. Aber stilistisch ist es super umgesetzt. Die Stadt an sich, immerhin der einzige Schauplatz des Spieles, sieht echt attraktiv aus. Dieser alte Charm einer afrikanischen Mittelmeerstadt unter britischer Herrschaft hat etwas. Mit alten Bazaren, kolonialen Herrschaftshäusern, von engen Altstädten an Lehmhäusern, zu großen Plätzen vor ausufernden Verwaltungsgebäuden. Es ist wie Urlaub in Tunesien. Dazu kommen dann noch die Cutscenes, die zumindest immer versuchen artistisch interessant zu wirken. Es gibt viel Scene Blocking durch Dinge im Vordergrund. Leute setzen sich vor gigantische Gemälde für ihre Konversationen. Es wird wild gezoomt oder der Kamerawinkel geändert, nur das halbe Gesicht geframed. Manche Entscheidungen mögen ein wenig unfreiwillig komisch sein, doch ich mag es sehr, dass Chapter One nicht einfach langweilig geradlinig auf die Talking Heads geht, wenn man in den langen Gesprächen steckt, sondern durchaus versucht interessante Kameraperspektiven zu finden.

Ich war insgesamt einfach sehr positiv überrascht von Sherlock Holmes: Chapter One. Eine interessante, persönliche, und moralisch flexible Handlung, viel aber nicht anstrengende Investigationsarbeit, und das alles in einem optisch sehr ansprechenden Packet. Nur das Kampfsystem ist Müll, aber das scheint Frogwares erkannt zu haben, weswegen es optional bleibt.

Zwei Jahre nach Chapter One erschien dann Sherlock Holmes: The Awakened. Ein Remake des ursprünglich dritten Spieles aus 2006, nun neu eingefügt in die Reboot-Timeline des twinkifiziert-fuckable Sherlocks.

Weggehend von den einfach erklärbaren realistischen Fällen des Vorgängers bekommen wir es hier mit dem Cthulhu-Mythos zu tun. Seinen imaginären Freund Jon hinter sich gelassen, steht ihm hier nun der schicksalshaft gleich aussehende reale John Watson zur Seite. Was anfängt wie ein Entführungsfall führt schnell in den Dunstkreis eines Kultes, zu Schweizer Nervenheilanstalten, bis hin in die Sümpfe Louisianas.

Dabei stark damit spielend, ob es hier ganz Scooby Doo eigentlich eine ganz normale Erklärung für all dies gibt, oder ob doch übernatürliche Machenschaften dahinterstecken. Wann immer Sherlock beispielsweise eine seiner Visionen hat, sich plötzlich durch alternative Realitäten puzzeln muss, ist er praktischerweise von Begleiter Watson getrennt, so dass es nie einen zweiten Augenzeugen gibt, der bezeugen kann, ob es nur eine Halluzination war oder nicht. Der Kult benutzt Drogen, wer weiß also, ob Rückstände davon nicht ihre Wirkung auf Holmes gefunden haben. Interessant hier auch das Finale auf dem Leuchtturm, wenn Sherlock und der Kultführer ein Streitgespräch darüber führen, ob die Visionen echt waren oder nicht. Denn der Antagonist bringt an, dass dies alles schon einmal geschehen ist. Eine Meta-Anspielung darauf, dass dies ein Remake ist und die beiden im Original schon hier endeten?

Spielerisch gestaltet sich The Awakend fast gleich zu Chapter One. Mit Leuten reden, Areale auf Spuren absuchen, die richtigen Hinweise im Archiv dabei aktiv haben. Tathergänge rekonstruieren, Leute beobachten und profilen. Im Mind Palace alles, was herausgefunden wurde, dann zu einem Ergebnis miteinander verbinden. Netterweise gibt die Gegnerkämpfe gleich gar nicht mehr. Und The Awakened ist allgemein geradliniger. Weg ist die Open World, stattdessen geht es Kapitelweise voran, die einen je auf eine Ortschaft beschränken. Dafür sieht man aber auch mehr von der Welt. Von London in die Schweiz nach New Orleans und zurück. Doch insgesamt wirkt das Spiel und seine Mechaniken wie eine konzentrierte und abgespeckte Version. Grundsätzlich würde mich ein geradliniger Ablauf gar nicht mal stören, doch The Awakened wirkt gern mal etwas arg kurzangebunden, als wäre nicht ganz die Zeit dagewesen, die komplette Vision umzusetzen.

Hier sollte eventuell dann auch Erwähnung finden, dass Frogwares ein ukrainisches Studio ist. The Awakened ist 2023 erschienen, also die Jahre davor in Entwicklung gewesen. Sprich auf das Ende der Covid-Pandemie hin, welche prompt vom Russland-Ukranie-Krieg abgelöst wurde. Es ist also nicht abwegig davon auszugehen, dass die Spielentwicklung unter erschwerten Bedingungen lief und deswegen eventuell tatsächlich weniger als unter Idealzuständen umgesetzt werden konnte. Der Eindruck herrscht jedenfalls beim Spielen, besonders auf die späteren Kapitel hin, vor.

Optisch ist das Spiel ebenfalls ein bisschen weniger kreativ als Chapter One gehalten, was aber durchaus gewollt erscheint. Statt den Avantgarde Arthouse Look des Vorgängers will The Awakened eher eine Horrorfilm-Atmosphäre aufbauen. Mit durchweg sehr dunklen und Farblosen Lokalitäten. Dichter Nebel im nächtlichen Sumpf, oder den Mondbeschienenen gotischen Gemäuern der Nervenheilanstalt. Düstere Rituale und gruslige Puppen kommen ins Bild. Schräge Kamerawinkel werden eher gezielt dann eingesetzt, wenn Sherlocks geistige Gesundheit zu schwinden scheint.

Sherlock Holmes: The Awakened war auch ganz Ok. Wobei ich erneut erwähnen muss, dass ich es sehr billig gefunden habe. Ein Frogwares Investigations Packet pries gleich vier Sherlock Holmse plus The Sinking City für ungefähr 10 Euro dar. Schwer dort Nein zu sagen, besonders angefixt durch Chapter One. The Awakened ist das kleinere Spiel, weniger Content, weniger Spieltiefe, weniger Begeisterung. Aber immer noch ganz nett. Ein bisschen mehr Sherlock Holmes für jene, die nach mehr dürsten, aber eben halt wirklich nur ein bisschen.

Theatrhythm Dragon Quest

Kürzlich bin ich wieder in ein Loch Namens Theatrhythm Final Bar Line gefallen. Das Spiel ist einfach viel zu gut, um es nicht erneut spielen zu wollen. Und da auf PSN die Digital Deluxe Premium Edition 50% off war, habe ich das als Zeichen verstanden, dies als Ausrede zu nutzen, es noch mal komplettieren zu können. Mit allem DLC und so, also über 500 Liedern. Habe es dann auch zur Platinum Trophy geschafft.

Und dennoch war mir immer noch nach mehr. Ja was mache ich denn jetzt? Mehr Taiko no Tatsujin? Die sind ja auch gut, aber halt nicht Theatrhythm. Kingdom Hearts: Melody of Memory erneut spielen? Das ist ja im Prinzip ein verkompliziertes Theatrhythm. Aber ich mag die Änderungen halt alle nicht. Aber nein, da gibt es ja noch eine dritte Franchise der sich indieszero für Square Enix angenommen hat. Exklusiv in Japan erschien 2015 nämlich Theatrhythm Dragon Quest.

Das spielt sich dann auch genau wie die Einträge zu Final Fantasy, die Inputs sind also alle hinreichend bekannt, wenn man eines davon gespielt hat. Nicht, dass die nicht sowieso selbsterklärend sind. Ein roter Input ist ein Mal Taste betätigen. Ein grüner ist Taste halten. Geht mit allen Buttons, die keine Richtungstasten sind. Die werden benutzt für die gelben Pfeilinputs in die entsprechende Richtung, beziehungsweise um ein Tastenhalten in entsprechende Richtung zu beenden. Da es sich um den 3DS handelt kann statt Buttons natürlich auch er Touchscreen genutzt werden, aber wer würde das schon freiwillig tun? Man ist jedenfalls gleich zu Hause im Spiel.

Wie üblich gibt es übrigens wieder ein paar RPG-Mechaniken im Spiel. Am Ende eines Liedes gibt es Erfahrungspunkte für die aktuelle Vierer-Gruppe, die aufleveln und somit stärker werden und neue Skills erhalten. In der Taverne kann die Gruppe ausgewechselt, bestimmte Skills zugewiesen und später sogar die Jobklasse geändert werden. Wobei die Charaktere ganz der Hauptreihe auch auf KI gestellt werden können, wo sie dann je nach Einstellung frei ihre Fähigkeiten aus ihrem kompletten Pool nutzen. Zu Beginn werden übrigens vier Charaktere frei für die erste Gruppe gewählt, die restlichen müssen separat freigeschaltet werden, in dem je einer von sechs verschieden farbigen Orbs gesammelt werden. Sobald das der Fall ist werden acht noch nicht erhaltene Charaktere präsentiert und es darf einer davon freigeschaltet werden. Orbs gibt es nach gewissen Etappen von Rhythm-Punkten, die alle 500 Punkte eine Überraschung darbieten (nicht immer Orbs) oder gezielter, in dem bestimmte Sugoroku-Spielbretter begangen werden. Dieses Minigame ist wie in der Hauptreihe auch hier vorhanden und eines der drei Spielmodi.

Neben dem Music Play, welches einfach alle Songs in einer Liste abzuspielen aufweist, und jenem Sugoroku Modus, gibt es als drittes noch den Challenge Mode. Hier bieten die Basic Challenges insgesamt 52 Missionen an, die bespielt gehören, und über welche die 60 Songs des Spieles für den Music Play Modus freigeschaltet werden. Im Gegensatz zu den Final Fantasys sind hier die Missionen aber immer die gleichen zwei, statt sich wild neue Dinge auszudenken. Jede Mission ist entweder ein Field Stage oder ein Battle Stage. Im Field Stage bewegen sich die Charaktere via Sidescrolling durch eine Landschaft, im Gegensatz zu den Final Fantasys stellen sich ihnen keinerlei Gegner in den Weg. Die Mission ist nun immer, es eine gewisse Anzahl an Kilometern weit zu schaffen. In den First Person Battle Stages hingegen werden Gegnergruppen geschnetzelt und die Mission ist es immer, den Boss zu erreichen und auszuschalten. Das alles, in dem die Rhythmus-Inputs so gut wie möglich getätigt werden natürlich. Nach dem Bestehen der Basic Challenges werden übrigens noch 60 Missionen der Advanced Challenges freigeschaltet. Die bieten aber keine neuen Songs an, sondern nur schwerere Aufgaben für weitere Items.

Es sind übrigens die ersten zehn Dragon Quests vertreten, sowohl in Songs wie in Charakteren, was natürlich bedeutet, dass es pro Spiel nur sechs Songs zu spielen gibt. Selbst mit dem Challenge Modus und sie unter verschiedenen Schwierigkeitsgraden spielen zu wollen, ist das natürlich nicht viel, sondern das Spiel vergleichsweise schnell rum (zugegeben können 20 DLC Songs hinzugefügt werden). Und um ehrlich zu sein ist die Musik der Dragon Quest Franchise natürlich auch etwas weniger geil als die Tunes aus Final Fantasy oder Kingdom Hearts. Eventuell ist es deswegen nur in Japan erschienen, weil im Westen der Name Dragon Quest alleine nicht genug Zugkraft hat und die Musik auf sich alleingestellt einfach auch nicht. Nett sind sie allemal und das Spiel bockt schon alleine, weil es ein Theatryhthm ist. Aber abgesehen davon ein totaler Dragon Quest und Theatrhythm Fan zu sein bekommt man halt bei den anderen Spielen mehr geboten. Final Fantasy hat 78 Songs, Curtain Call über 200, Final Bar Line über 500 und Kingdom Hearts 145 Songs. Dagegen ist Dragon Quest einfach etwas schwachbrüstig. Vielleicht ist es deswegen so grindy die Charaktere freizuschalten, um mehr Spielzeit rauszuholen.

Hat auch dieser Eintrag in die Theatrhythm-Franchise Spaß gemacht? Ja. Ist es den Umstand des Imports wert? Nur wenn man auf Dragon Quest steht. Sollte ich vorher zu einem der anderen Spiele greifen? Auf jeden Fall. Zu Curtain Call oder noch besser Final Bar Line. Die bieten nicht nur bessere Musik sondern auch wesentlich mehr Content.

Catching Up on Garo: A Few Words on Each One

Der Tag ist doch tatsächlich noch eingetroffen. Zum ersten Mal, seit dem ich begonnen habe die Garo-Franchise in 2022 zu schauen, bin ich mit ihr auf aktuellem Stand. Alle Serien, Specials und Filme sind geschaut, inklusive der neuesten Serie von diesem Jahr und dem letztjährigen Film, der dieses Jahr erst für Heimvideo erschienen ist. Das sind über ein Dutzend Eintrage seitdem wir zuletzt über die Franchise gesprochen haben, damals waren wir bei der ersten Anime-Staffel und dem Videospiel angekommen. Wir gehen den Rest dann mal chronologisch nach Erscheinen durch:

Garo: Gold Storm Movie & TV

Gold Storm ist der zweite Eintrag ins unabhängige Universum, in dem Ryuuga die goldene Rüstung trägt. Der Film führt uns dabei in den Schauplatz von Line City ein, welches unterm Schutz der Priesterin Ryume steht. Eine Madou-Rüstung hat sich verselbstständigt und beschlossen, der einfachste Weg die Horror zu besiegen ist, deren Ursprung zu beseitigen: Menschen. Die durchaus eigenständige gleichnamige TV-Serie hat nun Ryuuga und Begleiterin Rian weitere Horror in Line City bekämpfend, mit dem gefallenen Makai-Krieger und Priesterin Duo Jinga und Amily als Hauptantagonisten hinter den Vorkommnissen.

Zunächst war ich davon ausgegangen, dass der Gold Storm Film im Prinzip nur ein Zusammenschnitt der ersten Folgen ins Kino gebracht wäre. Klang irgendwie sinnig für Garo-Veröffentlichungen. Tatsächlich ist es aber eine eigenständige Geschichte, beide Medien sind voneinander unabhängig auf sich selbst gestellt schaubar. Keine Ahnung, warum man nur eine sehen würde, aber die Möglichkeit besteht.

Was sticht hier heraus? Ryuuga und Rian können sich in ihren Gefühlen annähern, es ist nun klar, dass dort romantische Töne vorherrschen. Der komische Nebencharakter D-Ringo und seine Begleiterin Yukihime taten wenig für mich, gerade Yukhimes merkwürdige Sprechweise… irgendwie hab ich nicht verstanden, was daran so witzig sein sollte. Dass das Schloss am Ende zum Mecha für einen Kampf der Giganten wird war ziemlich cool, genauso wie Jingas Rüstung und der neue Garo, deren Optik von Vampiren inspiriert scheint. Und natürlich Masahiro Inoue als Jinga, der bereits sowohl in Kamen Rider wie auch Super Sentai Erfahrung in Tokusatsu hatte, der seiner Rolle alles gibt. Ich weiß nicht, ob ich sein Schauspiel gut per se nennen würde, er chargiert extrem übertrieben, aber ich glaube dies ist so beabsichtigt, es passt zumindest ganz gut zu Garo. Langweilig ist es zumindest nie, wenn er im Bild ist, was man leider von Ex-Porn-Star Miyavi Matsunoi als Amily nicht sagen kann. Optisch sieht das Goth-Couple aber zumindest gut zusammen aus.

Garo: The Crimson Moon & The Fleeting Cherry Blossom

Die zweite Garo Anime-Serie spielt unabhängig von der ersten im Japan des 12 Jahrhunderts. Raikou ist der Garo, der die imperiale Hauptstatt mit Priesterin Seimei beschützt. Beide haben allerdings hintergründige Geheimnisse was ihre aristokratische Familienbindungen angeht, Seimei bewusst unter einer leichtfüßigen Persönlichkeit versteckend, währen Raikou dem Berserk-Status der goldenen Rüstung zum Opfer fallend seine vergessen hat. Der Film The Fleeting Cherry Blossom ist dann eine Fortsetzung mit einem neuen Horror, der die Stadt bedroht, und stellt bis Heute letzte Anime-Eintrag in die Franchise dar.

Keine sonderlich gute Serie, um ehrlich zu sein. Mit keinem Charakter wollte es mir so richtig nahe gehen. Sidekick Kintoki nervt ohne Ende. Seimei ist mir komplett unsympathisch gewesen. Der naive Raikou ist in Ordnung aber nicht sonderlich interessant. Die Antagonisten sind undurchsichtig. Crimson Moon wirkte schlecht durchgeplant und strukturiert. Vom Casting her ist allerdings interessant, dass nicht nur viele Sprecher der vorigen Serien zurückkehren, sondern Raikou vom Schauspieler Raigas der Live Action Garos gesprochen wird. Ähnlich wie in der ersten Serie ist übrigens der Nachfolgefilm, Fleeting Cherry Blossoms, wesentlich besser, sieht richtig gut aus und bietet nette Action. Aber was kann man mit dem Kirschblütenmotiv auch schon groß falsch machen.

Garo: Makai Tales & Asura

Die 12-teilige Serie ist ein Crossover-Event zwischen der Original Timeline (Kouga, Zero, Raiga als Hauptcharaktere) und der Ryuuga-Timeline. Jede Handlung ist in einer Episode abgeschlossen, manchmal bestehen sie sogar aus zweien, und besprechen einen Nebencharakter aus einer vorigen Show. Alles präsentiert von Butler Gonza. Asura ist ein Special als Crossover mit New Japan Pro-Wrestling, wurde aber direkt nach Makai Tales ausgestrahlt und deswegen oft thematisch als dessen 13. Episode gehandelt, weil es da schon ganz gut hinpasst.

Mal folgen wir also Rekka und Shiguto aus Red Requiem. Dann erfahren wir, wir Jinga und Amily aus Gold Storm zum ersten Mal zusammentrafen. Oder sehen wie Bikuu nach dem nach ihr benannten Film ihren Schützling Daichi trainiert. Ja in Episode 12 kommt es sogar zu Dimensionsverzerrungen, weswegen Charaktere aus dem Ryuuga-Versum und der Original Timeline kurzzeitig zusammentreffen.

Das Ganze ist als Idee ganz nett, in der Umsetzung allerdings eher unspektakulär. Garo ist nicht gerade eine Franchise, die sich durch ihre gut und erinnerungswürdig geschriebenen Charaktere auszeichnet, schon gar nicht, wenn es um die Nebendarsteller geht. Von daher ist es ganz nett den Di-Caprio-Fingerzeig-Meme zu machen, wenn ein bekanntes Gesicht auftaucht, aber wir hätten auch alle überlebt, nie wieder von den meisten präsentierten Persönlichkeiten zu hören. Wodurch sich Garo schon eher auszeichnet sind die Vibes und das coole Design, was aber vorranging in den von Serien-Schöpfer Keita Amemiya selbst produzierten Werken wirklich zu glänzen weiß. In Makai Tales wird nicht unbedingt herausragendes gezeigt. Nette Serie, aber nicht besonders.

Zero: Dragon Blood

Nachdem Rei als Makai Knight Zero zunächst in Black Blood seine eigene Miniserie bekam, beglückt er uns in Dragon Blood zum zweiten und bisher letzten Male in einem vollen 13-teiligen Werk.

Diesmal war in der Hintergrundgeschichte ein Makai Knight ein Scaley, der sich in einen Drachen verliebt hat. Und ich meine Voll-Drache, die Serie lässt sie nie eine menschliche Form annehmen oder sowas. Die Logistik dahinter muss interessant sein, denn die beiden haben ein Drachenei zusammen produziert. Drachen sind super mächtig, also wollen manche deren Kräfte, manche sie zum Allgemeinwohl ausschalten. Große Tragödie, Ei existiert aber weiter. Die junge Alice ist auf der Suche nach jenem und trifft dabei auf Rei und von da an verweben sich deren Wege.

Eine interessante Sache an Dragon Blood ist, dass der Timer hier eine sehr wichtige Rolle spielt. Makai Knights können ihre Rüstung ja nur 99.9 Sekunden tragen. In den vorigen Live Action Serien wurde das immer mal wieder erwähnt, aber was für Konsequenzen das hat glaube ich nie angesprochen. Es war halt eine Begründung, warum nicht immer sofort im der stärksten Form gekämpft wird, um die Auseinandersetzungen etwas interessanter zu halten. Die Anime-Serien sind diejenigen, die gezeigt haben, dass beim Überschreiten der Zeit die Rüstung von ihrem Träger Besitz ergreift und sie in einer mächtigen aber unkontrollierten Biest-Form Amok laufen. Ich bin mir nicht sicher, ob dies in den Live Actions bisher je Einzug fand. Wurde der Timer im Ryuuga-Verse überhaupt je erwähnt, oder gibt es den da gar nicht? Ich kann mich nicht erinnern ihn dort mal gesehen zu haben. Jedenfalls wird das in Dragon Blood sehr wichtig, der Timer ist beständig eingeblendet, wenn Rei sich in Zero verwandelt, und der Endkampf findet dann natürlich entsprechend in der Biest-Form statt.

Ansonsten… 13 Folgen bedeuten ein stringenteres Voranschreiten, Garo-Handlungen sind in der Regel nicht sonderlich komplex und deswegen gab es bisher immer viele unabhängige Monster-des-Tages-Folgen. Die mochte ich aber, besonders wenn es zu kreativen Gegnerdesigns führte. Hier haben wir davon dann weniger. Außerdem ist mir Alice nicht sonderlich sympathisch gewesen. Als Love Interest für Rei brauch ich sie eh nicht. Wäre auch nett, wenn der mehr seine eigene Identität hätte und in seinen Serien nicht wie ein zweiter Kouga geschrieben würde. Das Problem hatte Ryuuga in seiner ersten Serie ebenfalls und ich bin froh, dass sie ihn in Gold Storm angepasst haben und Raiga netterweise ein ganz anderer Charakter-Archetyp sein durfte.

Garo: Vanishing Line

Vanishing Line ist die bisher letzte Anime-Serie im Garo-Universum. Und spielt diesmal in der nahen Zukunft. Das Waisenkind Sophie hat ihren Bruder über Nacht verloren, ihr einziger Anhaltspunkt das Word El Dorado. Als sie von einem Horror angegriffen und von Sword, dem hiesigen Garo, gerettet wird, findet sie heraus, dass auch jener nach El Dorado sucht. Also klebt sie sich ihm an die Backe.

Ich weiß nicht, irgendwie sind die Garo-Anime alle nicht so super geil geworden. Die erste Staffel ist immer noch die stärkste, so viel wie das auch immer heißen mag, und die beiden Filme sind ganz cool, aber wenn man die gezeichneten Garo-Varianten überspringt, hat man auch nichts verloren. Vanishing Line konnte mich zumindest erneut nicht abholen. Weder das Setting noch die Optik fand ich besonders interessant. Die Hauptcharaktere Sword und Sophie beide eher nervig und unlogisch. Sophie, die ständig beleidigt wegen ihres Dickkopfes in Gefahrensituationen läuft, und Sword mit seiner unwitzigen Tittenfixation. Crimson Moon und Vanishing Line haben so ein wenig die Vibes einer bestenfalls mittelmäßigen Action-Serie aus den frühen 2000ern, an die man sich nie wieder erinnern wird. Die einzige interessante Sache an Vanishing Line ist, dass sie retrospektiv alle Anime im gleichen Universum verhaftet, in dem sie lose die Ereignisse der vorigen beiden Serien in die hiesige Vergangenheit verfrachtet.

Garo: Fang of God

Der Film dreht sich um eine gefallene Makai Priesterin, die ein Madou Artefakt dazu benutzen will, um ihren toten Geliebten zurückzugewinnen. Doch sie wurde ausgetrickst und stattdessen erwacht Jinga erneut, der von unseren drei Makai Knights erneut besiegt werden muss.

Fang of God ist so ein wenig der „Everyone is here“ Film des Ryuuga-Versums. Nicht nur tauchen Ryuuga und Rian wieder auf. Auch Ryume, Jinga und Amily, ja sogar der unwitzige Witzbold D Ringo mit Begleiterin aus Gold Storm sind hier, treffen auf die beiden Makai Knights Takeru und Aguri, mit denen Ryuuga in The One Who Shines in Darkness bereits verbündet war. Das alles unter Regie von Amemiya selbst, was mindestens bedeutet, dass die Gegnerdesigns mal wieder top sind. Für eine Gaudi ist also gesorgt. Besonders das Finale, in dem sich durch die Etagen eines infizierten Wolkenkratzers gekämpft werden muss, hat schon fast was von einem Videospiel. Aber ich fand schon immer, dass Garo extrem in die Form eines solchen passen würde, und einmalig sollte es ja auch so sein.

Auch ja wirklich witzig, dass Jinga auf jeden Fall Fair Play haben möchte. Den Makai Knights werden nämlich zunächst die Rüstungen entzogen, was immer eine gute Ausrede ist, um sie in einem Film nicht von Anfang an zu sehr erstarkt zu haben, und definitiv bereits in vorigen genutzt wurde, um sie abzuschwächen. Doch sobald sie auf Jinga treffen gibt er ihnen die zurück, weil er sich an ihnen mit vollen Kräften messen will. Jinga scheint allgemein ein sehr beliebter Charakter zu sein, und wer könnte dem über-dramatischen Scene-Chewing von Masahiro Inoue schon widerstehen, denn er ist auch Subjekt der zwei ehemaligen Garo Stage Shows, und darf den hiesigen Film überleben.

Fang of God: Jinga

Zudem sollte später im selben Jahr Jinga ähnlich wie Zero seine eigene Show von 13 Folgen bekommen. Es ist seit Makai Tales übrigens zur Norm geworden, dass die Garo-Serien nur noch halb so viele Episoden wie vorher aufweisen.

Fang of God: Jinga wirft uns Kennern der vorigen Garos erst mal aus dem Gleichgewicht. Jinga ist wieder ein Makai Knight, der Horror bekämpft. Einer der Guten. Er hat einen jüngeren Bruder und eine Familie, die er tragisch verloren hat, nicht eine Amily involvierende Vergangenheit. Eine neue Kraft entwickelt er sogar auch, kann er doch den Horror einer in Besitz genommenen Person erschlagen, ohne dass der infizierte Mensch stirbt. Jinga ist quasi eine ganz eigenständige Person nur mit dem gleichen Namen und Aussehen in dieser Serie. Nur häufen sich dann doch die merkwürdigen – und tödlichen – Ereignisse um Jinga mit der lang nicht bestätigten Vermutung, dass doch er dahinterstecken könnte.

Die Makai Priesterinnen in den Serien sind ja immer nicht sonderlich wohl definierte Charaktere, aber ich glaube die in Jinga ging mir bisher am meisten auf den Nerv. Schade, mit Rian hatte das Ryuuga-Versum eigentlich bisher eine sehr gute geboten. Auch Jingas kleiner Bruder nervt ein wenig. Und der hübsche Priester, der wie ein wichtiger Charakter eingeführt wird, den bringen sie auch noch überraschend schnell um. Jingas neue Hintergrundgeschichte ist dabei direkt aus Vanishing Line geklaut, und Masahiro Inoue einfach weniger witzig, wenn er den Guten statt des gackernden Bösewichts mimen soll. Alles ein bisschen tragisch. Der Hauptcharakter, der zwischen Licht und Schatten steht, und diese beiden Persönlichkeiten miteinander kämpfen hat, gibt was her. Und dies ist auch die bisher am Tragischsten endende Garo Serie. Aber so ganz in Schwung will sie lang nicht kommen.

Garo: Moonbow Traveler

Wenn Fang of God der “Everyone is here” Film für das Ryuuga-Versum war, dann ist Moonbow Travler dies für die Original Timeline. Nicht nur tischt es Raiga mit Begleitern Mayuri und Crow auf, sondern lässt endlich seinen Vater Kouga, dessen Vater Taiga, Mutter Kaoru und Buttler Gonza wieder auftauchen. Nur Zero fehlt merkwürdigerweise, wahrscheinlich war Schauspieler Ray Fujita anderweitig verhindert.

Selbst Kiba, der ursprüngliche Antagonist ist wieder zurück und darf sich nach einigen Komplikationen den drei Generationen von Garos stellen, die sich die goldene Rüstung teilen, um ihn ein für alle Mal auszuschalten. Raiga findet heraus, dass Kouga auf Wanderschaft gegangen ist, um ihn zu schützen. Und Mayuri ist schwanger mit der nächsten Garo-Generation. Zusammen mit den Credits, die Szenen aus mehreren vorigen Projekten zeigen, macht Moonbow Traveler stark den Eindruck, als wäre es als das Schlusskapitel der Original Timeline um Kouga und Raiga konzipiert. Und tatsächlich hatten wir bisher keine Garo Inkarnation, die nach diesem Film spielen würde. Vielleicht springen wir aber auch als nächstes zu Raigas Sohn.

Es ist jedenfalls ein großes und cooles Endkapitel geworden, wenn es denn dies sein soll. Und wieder mit jeder Menge toller Designs. Auch wenn es etwas merkwürdig ist, dass für das finale Dämonenschloss einfach eine CG-Version von Neuschwanstein herhalten muss. Normalerweise kreiert die Franchise ihre eigenen abgefahrenen Gothic-Designs, statt 1:1 eine real existente Location zu nutzen. Ich glaube Moonbow Traveler ist mein zweitliebster Eintrag in die Franchise nach Lament of the Dark Dragon. Wobei ihm natürlich geholfen ist, wenn man tatsächlich den Großteil der Original Timeline geschaut hat, die hier zu kulminieren scheint.

Garo: Versus Road

Versus Road ist nicht nur das Projekt zum 15-jährigen Jubiläum der Franchise, sondern auch eine neue Timeline unabhängig von der Original Zeitlinie oder dem Ryuuga-Versum (und dem Anime-Universum natürlich auch). Wie so viele Tokusatsus der Zeit ist es von Battle Royale Spielen inspiriert. Denn hier werden Spieler über VR-Brillen in ein Todesspiel gegeneinander transferiert, mit der goldenen Garo-Rüstung als Hauptpreis.

Ich bin eventuell etwas negativ geklungen bei vielen Einträgen bisher. Aber klar will ich dennoch machen das, eventuell abgesehen vom Anime, alle Garos durchaus genug Unterhaltungswert aufbieten, um sie zu schauen. Versus Road ist allerdings definitiv ein Totalausfall. Was eine langweilige und extrem billig aussehende Serie. Die Idee, die Garo-Mythologie zu korrumpieren ist ganz interessant gewesen. Viel macht die Serie daraus aber nicht. Selbst das Spiel, welches graue Seiten aufzeigen soll, immerhin sind selbst die Guten dazu gezwungen, andere zu töten, um selbst zu überleben, kristallisiert leider dennoch schnell gute und schlechte Menschen heraus. Der Twist, dass dies alles echt und im Makai Realm angesiedelt ist, sieht man weit im Voraus kommen und macht die Funktionalität des VR-Spieles unglaubwürdig. Abgesehen davon, dass jede Runde im Prinzip eine Variation der gleichen Aufgabe ist. Und wenn das hier die Makai-Welt ist, warum sind alle Schauplätze öde, verlassene Lagerhäuser? Also ich war tatsächlich die Serie über gelangweilt.

Mit Ausnahme 2012 ist zwischen 2010 und 2020 jedes Jahr mindestens ein Garo-Projekt erschienen, häufig sogar mehrere. Nach Versus Road war dann erst Mal vier Jahre lang Schluss. Klar, da war auch so was wie eine Pandemie am Laufen, aber ich möchte meinen, dessen unterirdische Performance hat auch dazu beigetragen, dass die Luft erst Mal raus war aus der Franchise. Ich gehe zumindest davon aus, dass wir nie wieder von diesem neuen VS-Universum hören werden.

Garo: Heir to Steel Armor

Ryuuga verschlägt es diesmal nach Creacity, ohne Rian, die Ryuma weiter aushelfen muss. Die Stadt ist nahe dem Gate of Destruction gebaut, aus dem mittlerweile Energie sickert, was zu einem höheren Horror-Aufkommen geführt hat. Außerdem ist der eigentliche Beschützer der Stadt vor drei Jahren verschwunden. Sein Sohn Souma hat die Rolle übernommen, wirkt damit aber noch überfordert.

Wie bereits erwähnt gehen die Serien mittlerweile 12-13 Folgen statt der ursprünglichen 25. Normalerweise ist Garo jetzt auch keine Franchise mit besonders herausragendem Story- oder Charakter Writing, die diese höhere Anzahl an Episoden benötigen würden. Doch in Heir of Steel Armor geschieht doch sehr viel, und da wäre es eventuell durchaus besser gewesen, mehr Zeit für die Charakter Arcs zu haben. Abgesehen davon vermisse ich auch durchaus etwas die Monster-of-the-Day Episoden zu haben, in denen eben komplett von der Haupthandlung losgelöst insulare Ereignisse stattfinden. Aber hier haben wir einen Beschützer-Knight mit Minderwertigkeitskomplexen. Eine Priesterin, die die Seiten gewechselt hat. Kämpfe unter den Makai Knights an sich. Die Einführung der Steel Armor Knights.

Das ist alles viel Holz auf wenig Spielzeit. Zudem lässt es die Serie manchmal etwas so wirken, als wäre es an der eigenen Thematik nicht interessiert, weil die Dinge eben schnell weitergehen. Die Priesterin ist beispielsweise gefallen, weil sie merkte, dass Menschen immer auch Böses tun werden, selbst ohne von Horror kontrolliert zu werden. Aber auch ihnen deswegen immer anheimfallen werden. Diese Desillusion wurde bereits häufiger in einem Garo für einen Antagonisten angesprochen, doch trauen dies wirklich zu durchleuchten, die Frage wirklich zu stellen ob die Menschheit es wert ist für sie zu kämpfen, trotz all des Übels in ihr, dies wird übergangen. Am Ende der Serie kommt man übrigens zum Schluss, dass das Gate of Destruction nie zerstört werden können wird. Ist das eine Metaphor fürs Übel unter den Menschen, es wird es ewig geben, es kann nicht ganz ausgerottet werden, aber dafür zu kämpfen ist es dennoch wert? Die Serie erläutert dies nicht weiter.

Garo: Taiga

2025 war das 20-jährige Jubiläum der Franchise. Und dazu lies sich Keita Amemiya hinreißen sich hinter einen neuen Film zu setzen. Passend in der ursprünglichen Original Timeline verankert, allerdings kein Sequel zu Moonbow Traveler darstellend. Stattdessen springen wir in die Vergangenheit, zum jungen Taiga Saejima, der einmal der Vater von Kouga werden soll.

Der bekommt es mit den vier heiligen Biestern zu tun, die in einen Kompass weggesperrt die Balance aufrechterhalten. Alle 100 Jahre dürfen sie allerdings auf der Welt wandeln und Byakko, der sowieso gern mal zwischendurch ausreißt, hat beim letzten solchen Besuch einen Sohn gezeugt, den er wieder ausfindig machen will. Gleichzeitig will der Horror Jado den Kompass, um sich die Mächte der Biester einzuverleiben.

Eine Sache muss man Amemiya lassen, wenn er eine visuelle Idee hat, dann setzt er sie auch um, komme was wolle. Und das führt immer zu interessanten Dingen, auch wenn sie manchmal etwas unfreiwillig komisch materialisieren, wie wenn Taiga ein Powerup durch die Biester erhält und wie der Flash durch die Gegend zu rennen beginnt. Gleichzeitig werfe ich Amemiya immer gern mal vor, dass er Menschen wenig zu verstehen scheint und sich seine schwach geschriebenen Charaktere gern auf Archetypen verlassen. Doch im Taiga Film haben wir mit Byakko und seinen Sohn, mittlerweile so alt, dass er bald sterben wird, den Byakko vorher unbedingt noch mal sehen will, wirklich einen emotional überraschend gut resonierenden Kern gefunden. Shoichiro Kitada als Taiga scheint allerdings mal wieder eher gecastet zu sein, weil er eine gute Figur im Outfit macht und sich auch in den Action-Szenen gut profiliert, während sein Schauspiel leider schwach bleibt.

Garo: Sentinel of the East

Auch die neueste und gerade mal Anfang dieses Jahres ausgestrahlte Serie spielt im Ryuuga-Versum. Hier wird er mit Rian und Ryume widervereint. Ryume verliert ihre Kräfte und die Länder im Osten fallen einer Wüste anheim. Ryuugas Garo-Rüstung ist mal wieder von Dunkelheit befallen und er nimmt sich zeitweise eine neue. Ein alter Horror erwacht und eine Priesterin wird korrumpiert, weil statt ihr jemand anderes als Nachfolger von Ryume auserkoren wird. Es ist schon interessant, wie häufig sich in den Garos diverse Plotpunkte wiederholen.

Wo Moonbow Traveler wirkte, als wäre es das Endkapitel für die Original Timeline, so macht Sentinel of the East stark den Eindruck, als solle hier das Ryuuga-Verse enden. Die Serie beginnt mit einer Episode 0, die alle vorigen Einträge nochmal Revue passieren lässt, um die Zuschauer auf Stand zu bringen, und die letzte Folge endet mit Szenen aus der ganzen bisherigen Reise zu den Credits. Außerdem trennen sich Ryuuga und Rian hier wieder, nachdem Rian die Nachfolge von Ryume antritt, und das hat einen wesentlich finaleren Ton als vorher. Übrigens ein tolles neues Kostüm, welches Rian hier im Finale bekommt.

Das Hauptproblem der Serie ist dabei ähnlich wie in Heir to Steel Armor, dass sie zu wenig Zeit um sich zu entfalten zu haben scheint. Episode 0, da nur ein Recap, nicht mit eingerechnet, haben wir diesmal gerade 8 Episoden für die Geschichte an sich zur Verfügung. Schön sind die kurzen Minuten am Ende einer jeden Folge, in der etwas Lore zur Welt vermittelt wird, zwar schon. Aber diese wären eventuell besser aufgehoben, um zumindest ein wenig mehr Zeit für die Handlung an sich zu haben. So wirkt Sentinel of the East etwas wie ein Schnelldurchlauf aneinandergereihter Garo-Tropes, und überlebt hauptsächlich dank der etablierten Bindung zwischen Ryuuga und Rian, die wieder wichtig wird.

GameBoy Obscurities: GeGeGe no Kitarou

Bei GeGeGe no Kitarou handelt es sich um eine beliebte Manga-Serie aus den 60er Jahren, die als Evergreen seither quasi jedes Jahrzehnt mindestens eine Anime-Serie, mehrere Filme sowohl animiert wie mit realen Schauspielern, und natürlich zahlreiche Videospiele mit sich führte. GeGeGe no Kitarou: Youkai Souzoushu Arawaru von 1996 ist dabei das einzige davon, welches den monochromen GameBoy mit seinem Dasein gesegnet hat.

In GeGeGe no Kitarou geht es um den Geisterjungen Kitarou, der zusammen mit seinen Yokai-Freunden Abenteuer besteht. Und so gestaltet sich auch das Spiel, welches in vier Episoden unterteilt ist. In der ersten machen Yokai eine Stadt unsicher, nachdem sie durch Bauarbeiten aufgeweckt wurden. In der zweiten entführt eine Meerjungfrau Menschen. Die dritte hat in der Großstadt einen falschen Engel Geld um sich werfend, um die Gier der Bewohner auszunutzen. Und im Finale dann wird Kitarous Großvater vom Drahtzieher hinter allen Yokai-Aktivitäten entführt und muss gerettet werden.

All das übrigens in Japanisch, leider hat das witzige kleine Spielchen bisher keinerlei Übersetzung bekommen. Schwer durch es zu kommen ist allerdings so oder so nicht, Kitarou bewegt sich viel dank Cutscenes automatisch dort hin, wo gerade die Story ihn braucht. Es gibt nur sein Haus, in dem geheilt und neue Yokai ins Team geholt werden können, plus je eine neue andere Lokalität, in der das Geschehen des aktuellen Kapitels stattfindet. Immer mit allen NPCs gesprochen und die ein bis zwei Dungeons der Episode sollten begehbar sein. Viel Trial und Error benötigt es also nicht, da man im simplen Spiel eigentlich nicht verlorengehen kann. Recht kurz ist es auch, die Credits können nach wenigen Stunden bereits über den Handheld laufen.

Was auch hilft ist, dass das Spiel sehr familiär gestaltet ist. GeGeGe no Kitarou ist im Prinzip Pokemon mit Yokai. Das sieht man schon direkt, wenn die erste Stadt betreten wird, denn die Häuser und NPCs könnten direkt aus einem Pokemon-Spiel entnommen sein. Teamgröße und die Einer-Gegen-Einen Kämpfe sind bekannt. Es können insgesamt über 50 Yokai gesehen und zum Großteil ins eigene Team aufgenommen werden. Das grundsätzliche Spielefeeling ist also weitestgehend vertraut und hilft schnell bei der Einfindung in die japanische Software.

Was nicht bedeutet, dass nicht dennoch einige Dinge etwas anders sind. Allen voran werden die Yokai beispielsweise nicht mit Hilfe eines gesonderten Apparates gefangen. Stattdessen stehen die Gegner der randomisierten Gefechte zufällig manchmal anschließend wieder auf, und sind dazu bereit, einem zu folgen. Zudem geht das Spiel sicher, dass man immer ein halbwegs anständiges Team hat, in dem Story-bedingt automatisch einige Yokai jede Episode sich Kitarou anschließen. Und einige können optional in den Städten gefunden und aufgenommen werden, manchmal direkt, manchmal nach einem Kampf, manchmal wollen sie vorher ein paar Items haben.

Eine weitere Vereinfachung des Geschehens ist, dass die normalen Attacken unbegrenzt genutzt werden können, lediglich die Spezialattacken der Yokai kosten Energie. Außerdem gibt es im Spiel keinerlei Shops, Gegenstände gibt es über die Schatztruhen in den Dungeons und am Ende von Gegnerkämpfen. Kitarou, da er selbst ein Yokai ist, partizipiert übrigens aktiv in den Kämpfen. Ehrlich gesagt reicht es aus, einfach ihn in jedem Kapitel auf Stand zu leveln und die sich automatisch anschließenden Monster als Reserve dabeizuhaben, statt langwierig das ganze Team komplett hoch zu stufen.

Natürlich wäre es schon schön, wenn über Shops auch Heilung eingekauft werden kann, im letzten Dungeon beispielsweise wären mir die Items dazu beinahe ausgegangen und ich hätte vor einem neuen Versuch erst welche grinden müssen. Genauso wäre es schön, wenn es das Äquivalent eines Pokemon Centers in jeder Stadt gäbe, um schnell zwischen Levelrunden zu regenerieren, statt immer zu Kitarous Haus zurücklaufen zu müssen. Und drittens können einen Statuseffekte ganz schön schwer treffen, da es keinen Trainer-Charakter gibt, der unabhängig vom Kampfgeschehen einen Gegenstand werfen kann – ist der aktuell partizipierende Yokai paralysiert, kann die Runde nichts getan werden. Aber durch die generelle Kürze des Spieles und des eher niedrigen Schwierigkeitsgrades sind diese Schnitzer zu verkraften.

GeGeGe no Kitarou: Youkai Souzoushu Arawaru ist im Gegensatz zu vielen anderen Monstersammel-Spielchen, die auf Grund von Nintendos Erfolgsserie entstanden, tatsächlich mit der Bezeichnung Pokemon-Klon nicht Unrecht getan. Aber als netter kleiner Zeitvertreib für einen Nachmittag, für einen kurzen Happen Pokemon mit Yokai, ist es ganz angenehm gewesen.

In love with Boys Love: Part 4

Happy Pride Month! Ach nein, den habe ich beim aktuellen BL-Drama-Beschauen schon verpasst. Aber CSD ist doch auch noch im Juli! Ach ne, ich glaube die habe ich auch alle verpasst. Egal, ein Mammut-Post über hübsche Jungs, die sich küssen, geht immer. Genau genommen eigentlich grenzwertig homophobisch mir vorzuwerfen, dass Pride bereits rum ist. Die geht auch das ganze Jahr über. Oh du hypothetischer Leser, den es gar nicht gibt, und der mit gar nichts vorwarf. Oder ist das meine eigene verinnerlichte Homophobie, die ich einfach nur auf eine externe Leinwand projiziere? Die nächsten 10 (+1, das sich dazwischen geschlichen hat) Dramen sind jedenfalls hier:

Although I Love You, and You?

Was für ein merkwürdiger und umständlicher englischer Titel man hier doch gewählt hat. Wenn der titelgebende Satz in der Serie an sich fällt, wird das schon flüssiger mit „I like you, how about you?“ übersetzt.

Jedenfalls spielt die Serie in Osaka, einer Region, die für sehr direkte und witzige Menschen mit komischem Akzent bekannt ist. Der aus Tokyo stammende Hisashi ist zu einem Firmenzweig hierher versetzt worden und hat Anfangsschwierigkeiten damit, sich in die spezielle Art der Menschen vor Ort einzufinden. Sakae ist hier aufgewachsen und führt ein Restaurant. Nachdem Hisashi eines Abends bei ihm isst, ist Sakae sofort Feuer und Flamme für diesen, empfindet dies zum ersten Mal wieder, nachdem sein Ex mit ihm Schluss gemacht hat.

Although I Love You machte auf mich den Eindruck einer sehr gestreckten Serie, die das Material für 6 Folgen auf 10 gedehnt hatte. Deswegen habe ich kurz den Manga, auf dem sie basiert, recherchiert, und tatsächlich ist der nur einen Sammelband an Umfang. Die Serie beginnt eigentlich sehr nett. Die beiden Charaktere haben Chemie. Ich mochte den eher heiteren und witzigen Ton, der vom Osaka-Setting stammt. Es hat gut gepasst, dass Hisashi durch Sakae mehr auftaut und andersrum Sakae wieder zu lieben lernt. Wie sehr sich Sakae um Hisahis bemüht ist goldig und Hideyoashi Kan mal wieder einfach froh, schauspielern zu dürfen. Zumal ich denke, dass er auch gern die hyperaktive Witzfigur mimt, weil ihm normalerweise die coolen Figuren zugeschrieben werden, er also mal jemand anderen darstellen darf. Alles sehr gutes Setup für eine kurze Geschichte. Doch dann mäandert das alles in späteren Folgen so ein wenig vor sich hin. Ein Ex taucht auf. Es kommt zu schlechter Kommunikation und Missverständnissen. Alles nicht ungewohnt, aber hier will daraus nicht so wirklich ein rundes Ganzes werden für mich.

Auch der Grund für den Bruch miteinander erschien mir sehr dämlich, besonders von zwei erwachsenen Menschen kommend. Klar übersteht nicht jedes Paar eine Distanzbeziehung, aber es überhaupt gar nicht erst zu versuchen ist schon seltsam. Allgemein machten die Charaktere, besonders Hisashi, den Eindruck, so geschrieben zu sein, wie es die aktuelle Szene brauchte, und nicht, wie es in sich stimmig ist.

Living With Him

Mein Interesse an Although I Love You war geweckt, weil Hideyoshi Kan eine Hauptrolle verkörperte. Living With Him wiederum, weil sein Kamen Rider Geats Co-Star Ryuga Sato in der Serie mitgespielt hat. Sollte nicht das einzige BL-Drama bleiben, bei dem ein Schauspieler den Hauptgrund ausmachte, warum ich es sehen wollte.

Ryota hat sich eigentlich auf die neue Freiheit des Lebens als Unistudent gefreut, nachdem er sich seine High-School-Jahre über viel um seine zwei Schwestern kümmern musste. Was er nicht ahnte ist, dass seine Mutter abgemacht hat, dass sich Ryota mit Kindheitsfreund Kazuhito eine Wohnung teilen wird. Kazuhito hingegen gefällt die Idee, denn er ist schon lang heimlich in Ryota verliebt.

Living With Him ist eine relativ gewöhnliche Kindheitsfreunde-zu-Liebenden Geschichte. Kazuhito ist sich seiner Gefühle bereits bewusst, drängt sich Ryota allerdings nie auf. Ryota hingegen braucht ein wenig, um herauszufinden, wie er wirklich fühlt. Zu Komplikationen kommt es kaum. Und die, welche da sind, sind eher klein. Gegen Ende macht Ryota die Sache, die ich eigentlich nicht leiden kann, wo ein Charakter einen Rückzieher macht, weil er denkt nicht gut genug für den anderen zu sein. Was im Falle von Ryota allerdings sogar zum Charakter passt, da gut etabliert ist, dass er sein Leben lang an andere gedacht und für sie zurückgesteckt hat, statt sich und seine Gefühle zu priorisieren.

Ich bin mir sicher, dass die Serie für einige sehr langweilig daherkommt, weil eben nicht viel geschieht, weil das meiste Fluff ist. Aber mir gefällt das durchaus, dass einfach mal zwei Leute unter relativ geringem Stress zueinander finden. Leider ist das Schauspiel häufig nicht so gut, was sich aber auf die meisten Rollen bezieht, von daher ist es eventuell auch ein Direktionsproblem, nicht die Darsteller an sich.

Therapy Game

Eine weitere Serie, in der Ryuga Sato mitspielt, und eine der beliebteren BLs des letzten Jahres. Zumindest habe ich viele darüber reden sehen. Ich bin da ja eher anderer Meinung zu.

Das Setup ist, dass Shizumas Freundin gerade mit ihm Schluss gemacht hat und seine beiden Kumpels ihn mit in eine Bar nehmen. Dort trifft er auf Minato, der gerade angepisst ist, weil sein großer Bruder eine neue Beziehung hat und deswegen weniger Zeit für ihn. Sie kommen ins Gespräch. Und wachen am nächsten Tag in einem Hotelzimmer nebeneinander auf. Nur das Shizuma so viel getrunken hatte, dass er sich an die Nacht nicht erinnern kann. Minato findet das scheiße und will sich damit rächen, Shizuma sich in ihn verlieben zu lassen, um ihm dann eine Absage zu erteilen. Nur das Minato die Zeit, die er anschließend mit Shizuma verbringt, wirklich wertzuschätzen lernt.

Es ist also klar, was zu dem gewohnten Bruch zwischen den beiden führen wird, sobald sie sich nähergekommen sind. Shizuma findet den Plan von Minato heraus, allerdings ist das bereits in Episode 4 von 9, also wesentlich früher, als gedacht. Und das ist ein wenig so das Problem von Therapy Game für mich, die Serie wirkt zu episodisch. Ein Problem kommt auf, um als Cliffhanger der Folge zu dienen, und in der nächsten Folge bekommen die beiden es bereits aus dem Weg geschaffen, nur damit sich eine neue Komplikation aufbauen kann. Hier hätte man eventuell etwas langwierigeres einbauen können. Ich denke dafür war Minatos Kindheitstrauma gedacht, aber das scheint erst aufs Finale wirklich zum Zuge zu kommen, statt davor große Präsenz aufzuweisen. Auch der Bruderkomplex Minatos, der in der ersten Folge extra mehrmals angesprochen wird, löst sich ziemlich sofortig in Nichts auf. Die Handlung von Therapy Game wirkt einfach für mich zu abgehakt und wirkt Substanzlos, als wüsste sie selbst nicht so genau, wo sie jetzt einen Schwerpunkt legen soll.

Die Chemie zwischen den beiden durchaus sehr attraktiven Hauptcharakteren stimmt ebenfalls nicht so ganz. Das kann aber auch ein Problem der Direktion der Schauspieler sein. Ryuga Sato spielt hier eine Nebenrolle, er ist Minatos Bruder, der eine Beziehung mit Shizumas Bruder anfängt. Und was ist sein Schauspiel hier miserabel. Sowohl in Kamen Rider Geats als auch Living With Him hat er da mehr geleistet. Und dass, obwohl in Living With Him das Schauspiel ebenfalls eher schwach war, konnte er dort eigentlich eine ganz gute Figur abgeben. Ich weiß also wirklich nicht so ganz, was hier geschehen ist.

Was mir allerdings gut gefallen hat, ist, dass die Serie stark in Queer Culture angelegt ist. Minato und sein Bruder definieren sich beide als eindeutig schwul. Sie sind Stammgast in einer Gay Bar, in der eine Mama, eine Trans Frau, eine Drag Queen und ein bisexueller Mann arbeiten. Das sind wiederkehrende Nebencharaktere. Und das war mal ganz nett in einem BL Drama repräsentiert zu sehen.

Whent It Rains, It Pours

Ich bleibe dem Thema treu, denn diese Serie kam auf die Liste, weil Ito Asahi eine Hauptrolle spielt. Das ist derjenige aus Zettai BL, mit dem der Hauptcharakter hätte enden sollen, wenn die letzte Staffel nicht partout darauf aus gewesen wäre, es sich mit den Fans zu verderben.

Kazuaki und Sei leben beide in einer Sexlosen Beziehung. Kazuakis Freundin hat die Lust daran vor Jahren verloren, während Sei und sein Mitbewohner sowieso nie so ganz geklärt haben, was genau zwischen ihnen ist. Eines Tages sendet Kazuaki eine SMS an den falschen Adressaten, Sei antwortet, und die beiden kommen etwas ins Gespräch. Zunächst nicht ahnend, dass sie ihren jeweiligen Arbeitskollegen am anderen Ende haben.

When It Rains, It Pours basiert auf einem Roman und eventuell ist das auch der Grund, warum die Vibes hier definitiv anders sind, als in vielen anderen BL-Geschichten. Irgendwie hat die Handlung einen ruhigen und melancholischen Unterton, eine gewisse erwachsene Atmosphäre. Das kommt zwar auch aber eben nicht nur rein dadurch, dass die beiden Hauptcharaktere bereits in der Arbeitswelt angekommen sind statt auf Schule oder Uni zu gehen. Dass es permanent regnet trägt sicherlich auch Seines dazu bei.

Es ist auch interessant zu sehen, dass es hier rundum imperfekte Menschen sind, deren Beweggründe aber durchaus verständlich bleiben, so dass keiner rein zum Bad Guy degradiert wird. Sowohl Kazuaki wie auch Sei sind einfach in einer Beziehung steckengeblieben, die definitiv nicht mehr gut für sie oder ihre Partner ist. Für Kazuaki ist Sexualität einfach viel zu wichtig, um eine Beziehung weiterzuführen, in der diese nicht mehr existiert. Auch wenn ansonsten alles super zu laufen scheint mit Freundin Yui. Welche auch sagt, dass sie grundsätzlich in Beziehungen schnell die Lust an Sex verliert, es liegt also nicht daran, dass sie sich zu Kazuaki nicht mehr romantisch hingezogen fühlt oder eine Affäre oder sonstiges hätte. Eventuell ist sie schlicht asexuell oder zumindest etwas auf der Schiene, und das ist mit Kazuakis Sex Drive nicht kompatibel.

Sei und Fujisawa hingegen sind sehr komplex in ihrer Beziehung. Ehrlich gesagt der Punkt, bei dem ich die Auflösung nicht so mochte. Fujisawa hat Sei früh klar gemacht, dass er ihm viel bedeutet und er immer für ihn da sein wird, Sei sich aber darüber klar sein muss, dass es zwischen ihnen nie körperliche Nähe geben wird. Zusammen damit, wie stark reguliert Fujisawa sein Umfeld haben möchte, ging ich davon aus, dass dies hier in Richtung Neurodivergenz geht. Etwas später scheint es dann fast so, als würde Fujisawa es darauf anlegen, Sei mit Kleinigkeiten zu verletzen. Am Ende gibt er aber zu, dass er sehr wohl gern mit Sei eine normale Beziehung gehabt hätte, sich das aber nicht erlaubt, da er sich wegen einem dämlichen Grund dafür verantwortlich fühlt, dass Seis Eltern gestorben sind (er hat kurz Small Talk mit ihnen gehalten, weswegen sie etwas später losgefahren sind und dann in einen Unfall verwickelt waren).

Sei und Kazuaki wiederum, nachdem sie sich zunächst freundschaftlich näherkommen, dann dahinter eine größere Anziehung entsteht, und sie herausfinden wer der jeweils andere ist, gehen miteinander fremd. Na ja, ob Sei damit fremdgegangen ist, sei mal dahingestellt, wie gesagt ist die Beziehung zu Fujisawa nicht genug definiert. Aber Kazuaki ist seiner Freundin definitiv fremdgegangen. Von daher sind die beiden auch nicht komplett von Schuld reingewaschen. Um ehrlich zu sein, nachdem die beiden miteinander eine Affäre begonnen haben, und die allgemein melancholische Stimmung der Serie betrachtend, ging ich nicht mehr davon aus, dass die Serie für sie noch ein Happy Ending haben könnte. Umso überraschter war ich, dass dem doch so ist. Eventuell, die Sache bleibt noch etwas offen, wie alles in When It Rains ist die Situation etwas komplexer. Wie das im echten Leben nun mal so ist.

Mr. Unlucky Has No Choice but to Kiss!

Ein letztes Mal kommen wir auf unser Thema der bereits bekannten Schauspieler zurück. Sota Ryosuke spielte bereits einen der beiden Fantasie-Objekte der Hauptdarstellerin in Two Co-Workers Who Are Too Poisonous For Ones Eyes. Eine Serie, die ich enorm charmant fand. Aber er war auch in einem richtigen BL Drama zu sehen, nämlich als der den hiesigen Titel gebenden Mr. Unlucky in 2022.

Dessen Name, Fukuhara Kota, verspricht eigentlich enormes Glück, doch die Person dahinter erlebt genau das Gegenteil. Beständig verfolg ihn das Pech, verpasste Busse, plötzliche Regenschauer, vom Himmel fallende Vogelausscheidungen, irgendwas trifft Kota immer. Deswegen hält er sich von Leuten fern, damit sie davon nichts abbekommen, während er nach außen hin eine heitere und unbedarfte Maske aufsetzt. An der Uni wird er dem Mitstudenten Naoya vorgestellt, der nicht nur sehr attraktiv ist, sondern auch scheinbar vom Glück verfolgt. Nachdem Kota tatsächlich für die mehreren Stunden, die er in Naoyas Nähe war, kein Unglück geschieht, ist er davon überzeugt, dass sie sich auscanceln. Er fragt Naoya, ob dieser nicht immer an seiner Seite bleiben kann – der dies als Liebesbekundung versteht und sich damit einverstanden erklärt Kotas Partner zu sein. Kota kann natürlich keinen Rückzieher mehr machen, immerhin braucht er das Glück von Naoya.

Dies mag erst mal ein scheinbar etwas gemeines Setup sein. Immerhin nutzt Kota streng genommen Naoya aus. Er ist primär mit ihm zusammen, um kein Unglück zu erleiden. Doch von Anfang an sieht es auch so aus, als könne er Naoya durchaus gut leiden und auch wenn er es sich lang nicht eingesteht, scheint er einer echten Beziehung nicht abgeneigt. Es gab sogar eine Szene, die für mich implizierte, dass Naoya bereits über Kotas echte Beweggründe Bescheid weiß, aber dies stellte sich doch als anders heraus als ich dachte. Kota ist an sich auch gar kein schlechter Mensch, wenn auch nicht so lieb und nett, wie er sich gibt, was ja auch verständlich menschlich ist, so ist er doch eigentlich ein guter Kerl der an andere denkt. Endlich mal kein Unglück zu erleben ist fast so wie jemand mit chronischen Schmerzen, dem diese plötzlich genommen sind, verständlich das er versucht diese Situation beizubehalten. Abgesehen davon zeigt er durchaus Reue dahingehend Naoyas Glück auszunutzen. Ein wenig Selbstakzeptanz lernen spielt hier natürlich auch mit rein.

Witzig aber das es, Titel der Serie hin oder her, nur zu einem einzigen Kuss während der acht Folgen kommt. Der allumfassend perfekte Naoya drängt sich nämlich Kota niemals auf, gibt ihm jegliche Zeit, sich daran zu gewöhnen mit ihm zusammen zu sein. Halt die übliche Wunscherfüllung des „der beliebteste Mann des Campus ist mir verfallen, obwohl ich nicht weiß, was er in mir sieht“. Funktioniert bei mir immer. Und mittlerweile habe ich mich hinlänglich daran gewöhnt, in 95% an japanischen BL Dramas keine richtigen Küsse zu sehen, sondern nur seltenes und kurzes Aufeinanderhalten der geschlossenen Lippen.

Unterhaltungswert hat die Serie auf jeden Fall. Nicht nur waren mir beide Charaktere sympathisch, sondern es gibt auch viel Humor. Eben durch die Dinge, die Kota geschehen und seine inneren Reaktionen darauf. Wenn er ganz dramatisch unter vorgehaltener Waffe gekidnappt wird, sich das aber innerhalb von Minuten auflöst, weil Naoya demjenigen gut zureden kann. Es wird nie sehr ernst in Mr. Unlucky Has No Choice but to Kiss, es bleibt beständig eher heiter bis fluffig. Schlicht allumfassend eine sehr angenehme Show.

Bin es übrigens nur ich, oder sieht Sato Yusuke in vielen Kameraperspektiven aus wie Machida Keita? Nicht in Form von Zwillingen, aber als ob sie zumindest Brüder sein könnten. Sicherlich nicht die schlechteste Assoziation, die einem geschehen kann.

My Personal Weatherman

Wir sind fertig mit den Serien, in denen mir bereits bekannte Schauspieler auftauchen. Oder zumindest Serien, die ich bewusst aus jenem Grunde gewählt habe. Der Rest sprang mir auf andere Art und Weise ins Auge, aber garantieren das dort nicht irgendwo jemand drin rumspringt, der schon in einer anderen Show war, kann ich auch wiederum nicht.

Yoh und Mizuki leben zusammen, allerdings unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Yohs Leidenschaft ist das Zeichnen und er zeichnet beruflich Manga, allerdings leider nicht sehr erfolgreich. Als er Mizuki gestand, dass er seinen Traum wohl aufgeben müsste, hat der ihm einen Vorschlag gemacht: Mizuki wird als Wetteransager erfolgreich genug, um für beide die Lebensgrundlage zu verdienen, Yoh muss dafür aber jedem seiner Befehle Folge leisten. Yoh muss sich um Geld also keine Sorgen machen, schmeißt dafür den Haushalt und schläft mit Mizuki, wann immer der das will.

Das Setup von My Personal Weatherman ist also eine ziemlich rote Flagge für toxische Beziehungen. Überkommt dies dadurch, dass dies hier natürlich nicht echt und nur Fantasie ist. Und das klar ist, wie sehr Mizuki an Yoh hängt und wirklich nur das Beste für ihn will. Die Serie ist auch schlau genug, alles möglich gut abzuwiegeln. Yoh widerspricht Mizuki zunächst beispielsweise nie, so dass der ihn nie zu etwas drängt, was jener explizit nicht wollte. Erst später wird Mizuki über seine Eifersucht hinweg kontrollierender.

Aber ganz ehrlich gesagt verstehe ich die Wunschvorstellung aus der die Fantasie zu so einer Geschichte entsteht sogar. Ich bin jemand der nie Ambitionen hatte, nie Bindungen zu anderen aufbauen konnte, und vor allem der es scheinbar einfach nicht hinbekommt, ein normales Leben zu führen, ein echter Mensch zu sein. Das mag nicht jedem verständlich sein, aber ich bin mit Dingen des normalen Lebens, welche jeder nebenbei meistert, schnell überfordert und bekomme nichts für mich selbst geregelt. Daher verstehe ich etwas den Traum davon, dass plötzlich einfach jemand um die Ecke kommt, der obwohl ich nichts zu bieten habe, Interesse entwickelt hat. Und vor allem der die Kontrolle übernimmt. Keine Ängste, Sorgen oder Ungewissheit mehr, einfach so leben, wie jemand, der das Beste für mich will, es mir vorgibt. Keine Selbstverantwortung mehr schultern müssen, sondern jemanden das eigene Leben in geregelte Bahnen leiten lassen. Jemand, der weiß wie es geht, vorgeben zu lassen, wie ein glückliches Leben als normaler Mensch funktioniert. My Personal Weatherman ist schon ein bisschen ein Kink von mir.

Nicht das Yoh immer glücklich ist, oder Mizuki. Sie beide haben ihre Probleme damit, wie undefiniert ihre Beziehung ist. Können die Gefühle füreinander nicht in Worte fassen. Gerade Yoh ist sich seiner lange Zeit über nicht mal selbst gewiss, bis er am Ende eingestehen muss, dass er es doch etwas masochistisch mag, wenn Yoh gemein zu ihm ist. Besonders witzig ist hier, wenn Yoh sich darüber beschwert, dass sein Editor mehr Platz für Sex in seinem aktuellen Manga wünscht, er es aber für extrem wichtig hält, dass die Liebesbekundung genug Raum hat. Die mit ihm befreundete Mangaka fragt daraufhin zu Recht, warum er nicht dahin wechselt Boys Love zu zeichnen, in denen sowas in der Regel wichtiger ist. Woraufhin Yoh meint, dass er Frauen mag und deswegen Hetero-Hentai zeichnet. Was seine Kollegin stutzig macht, immerhin ist Yoh ja in einer homosexuellen Beziehung und spricht ständig nur darüber, wie sehr er das Gesicht von Mizuki mag. Nicht nur ist diese Szene ziemlich erheiternd, sondern zeigt eben auch wie wenig Yoh sich selbst bewusst ist.

Ein besonderes Schmankerl ist natürlich wie immer, dass einer der beiden Charaktere eigentlich ein unscheinbarer Nerd sein soll, der optisch nicht zu seinem attraktiven Partner passt. Aber abgesehen vom Standard, ihm den Pony in die Stirn zu kämmen, hat man wenig gemacht, um Mashiko Atsuki nicht wie das Model aussehen zu lassen, welches er ist. Ich glaub das ist tatsächlich eines meiner liebsten Tropes, weil es nie nicht witzig ist, wenn alle so tun müssen, als wäre ein absoluter Schönling ein unscheinbarer Allerweltskerl, als unterlägen alle eine Massenpsychose.

The 8.2 Second Rule

Amai ist ein High School Schüler, dessen Hobby es ist Süßigkeiten zu backen. Gern würde er sich in jemanden verlieben und da hört er davon, dass angeblich, wenn man sich für 8,2 Sekunden ununterbrochen in die Augen schaut, dies geschehen soll. So ist das Setup, welches in der Kurzserie jede Folge für den gleichen Ablauf sorgt. Amai trifft auf einen Mitschüler, an dem er Interesse entwickelt. Findet heraus, dass derjenige aktuell ein Problem hat. Backt eine Süßigkeit, die eine Metapher für dessen Lösung ist und überreicht sie dem Angebeteten. Der kommt über sein Problem hinweg, beide schauen sich in die Augen, aber kurz bevor sie die 8 Sekunden erreichen können, werden sie unterbrochen und Amai muss herausfinden, dass der andere Junge bereits eine Freundin hat oder anderweitig eingebunden aktuell keine Beziehung sucht. In der nächsten Folge geht das ganze mit einem neuen Mitschüler von vorn los.

Das klingt jetzt nicht nach viel, und das liegt daran, dass es sich bei The 8.2 Second Rule wie gesagt um eine Miniserie handelt. Es gibt lediglich 5 Folgen, die jeweils nur 10 Minuten Länge aufwarten. Die komplette Serie zusammengenommen enthält also gerade mal 50 Minuten Laufzeit. Da lässt sich natürlich nicht viel stemmen, aber gleichzeitig kann der simple und wiederkehrende Aufbau auch nicht langweilig werden. Es ist auf jeden Fall knuffig und herzallerliebst, wie Amai sich Gedanken um seine Mitschüler macht, und auf seine Art und Weise versucht, sie aufzumuntern und zu helfen. Und wie das zu so einer Show dazugehört, ist die Herstellung der Süßigkeit natürlich wichtig, Amai gibt uns währenddessen einen kleinen Überblick über die Geschichte des Desserts und warum er meint, dass es in der Situation weiterhilft, und am Ende der Credits wird das Rezept zum Selbermachen eingeblendet.

Die Serie nimmt sich nicht allzu ernst, Amai hat keinen langen Herzschmerz, sondern ist immer schnell schon an einem neuen möglichen Partner interessiert. Man bekommt das Gefühl, dass er schon zufrieden ist, einem Mitmenschen mit seinem Hobby helfen zu können. Die Probleme der Mitschüler sind durchaus generisch nachvollziehbar und der Ratschlag Amais nette Plattitüden, an die sich zu halten niemandem schaden kann, häufig sowieso auf ähnlicher Ebene sein Bestes zu geben und sich von kleinen Rückschlägen und Fehlern nicht abbringen zu lassen. Niedlich, kurz, eine cozy Serie.

I’m Kishi Knight: Your Private Tutor

Oder auch unter dem japanischen Titel Kateikyoshi no Kishi Knight desu bekannt, überraschend scheint man die Serie weniger häufig in ihrem übersetzten Titel anzutreffen. Jeder hat ja so seine Tropes, die ihn interessieren. Oder auch nicht. Ich bin zum Beispiel nicht so interessiert and der Rivals/Enemies-to-Lovers Pipeline, wo sich die beiden Charaktere eine Weile nicht ausstehen können. Was für mich aber immer wieder funktioniert ist Delinquent + Posh Guy Dynamiken. Weil sich in der Regel der Yankee sehr Macho und eventuell auch zunächst kühl gibt, aber normalerweise von Anfang an eine klare (heimliche) Attraktion besteht.

So auch in Kishi Knight. Toru und seine drei Freunde sind solche Problemschüler, die den Unterricht schwänzen, schlechte Noten schreiben, und sich mit anderen Kerlen prügeln. Um seinen Abschluss doch noch irgendwie zu retten, engagiert seine Mutter, von der er das Verhalten eigentlich geerbt hat, einen privaten Nachhilfelehrer. Der attraktive und immer im adretten Anzug auftretende Kishi wird’s, und obwohl Toru ihn eigentlich vergraulen wollte, verfällt er dem Charme des Lehrers sofort.

Witzig ist sowieso, dass Toru eigentlich ein absoluter Softie ist, nicht nur was Kishi angeht. Er und seine Freunde mögen den Unterricht schwänzen, verbringen ihre Zeit dann aber mit Mahjon-Spielen im Clubraum, statt Stress in der Schule zu verbreiten. Sie schlagen sich nur mit anderen Yankees. Ja sie nutzen sogar den Zebrastreifen, wenn kleine Kinder in der Nähe sind, um kein schlechtes Vorbild abzugeben. Toru ist also eigentlich ein ziemlich herzallerliebster Kerl, der nur die Yankee-Ästhetik wegen eines älteren Schülers, den er idolisierte, angenommen hat. Und sein Gegenstück Kishi ist ein sehr aufgeschlossener und positiver Mensch, der sich eben von Torus Optik zu keinen falschen Vorurteilen verleiten lässt, sondern in ganz normal behandelt. Selbst wenn Toru noch keine einzige Frage in Probetests richtig beantwortet, gibt es volle Unterstützung von Kishi, der gezielt nach Ansatzpunkten sucht, wie Toru zum Lernen zu begeistern ist.

Das Highlight der Serie ist und bleibt allerdings Schauspieler Tanaka Koki als Toru, dessen inneres Gefühlsleben mit viel schrägen Gesichtsausdrücken und übertriebenem Slapstick hervorbricht. Tanaka hält sich absolut nicht zurück, gibt der Rolle einhundert Prozent, gibt immer alles. Das rechne ich ihm hoch an, viele junge Schauspieler, die aus Idol Groups kommen, wären sicherlich mehr damit belastet immer noch attraktiv wirken zu wollen, aber Tanaka zieht eine hässliche Fratze nach der anderen.

Da Toru noch minderjährig ist und Kishi zusätzlich eine Lehrerrolle ihm gegenüber erfüllt, geht die Serie natürlich sicher, dass es nicht direkt zu einer Romanze kommt. Toru hat einen Crush entwickelt, und dabei bleibt es zunächst auch. Was Kishi ihm gegenüber empfindet wird nicht angesprochen. Zumindest in der Serie, dafür gibt es dann nämlich die beiden Specials. Einige Zeit nachdem Toru sich entschlossen hat selbst Lehrer werden zu wollen und Kishi nicht mehr Nachhilfe gibt, treffen die beiden sich nämlich wieder. Und es ist impliziert, dass daraus mehr werden könnte, sobald Toru auf die Uni geht. Wie wäre es denn mit einer zweiten Staffel, „I’m Kishi Knight: Your Boyfriend“?, hahaha

Schauen würde ich sie auf jeden Fall, mir hat Kishi Knight sehr gut gefallen. Einfach so eine komfortable kleine Serie mit guten Vibes um charmante und witzige Charaktere, die sich freundschaftlich und eventuell später mehr entgegenkommen. Die das Leben einander für ein Jahr bereichern, bevor sich die Wege vorerst wieder trennen. Ein wenig bittersüß der Schulabschluss. Keine wöchentliche Nachhilfe mehr. Und auch kein tägliches Abhängen mit den drei Yankee-Freunden im Clubraum mehr. Übrigens auch drei herrlich schräge Gesellen, erneute eine gute Wahl in deren Schauspielern getroffen.

Der Manga ist übrigens vom gleichen Zeichner wie Babanbabanban Vampire. Und ich war doch etwas überrascht herauszufinden, dass dies nicht nur ein Mann ist, sondern auch ein Mann, der mit einer Frau verheiratet ist. Witzig, dass er scheinbar gern BL und BL-nahe Geschichten zu kreieren mag, in diesem von Frauen dominierten Genre.

Eternal Yesterday

Kommen wir noch mal zurück zu den Serien, die ich wegen Schauspielern schaute. Eternal Yesterday ist nicht eine solche. Aber es gab eine Homepage, die ich dafür verwendete, die vorigen Serien der Kategorie zu finden. In die Suchfunktion bei BLWatcher lässt sich nämlich herrlich einfach der Schauspielername eingeben, und dann spuckt es alles aus, was auf der weitläufigen Seite an BL Dramen mit jenem zusammenhängt. Für Reviews war ich nicht auf der Seite, aber dennoch fiel mir Eternal Yesterday ins Auge, da es nämlich auf der Top-Liste der besten BL Dramen an oberster Stelle stand.

Mitsuru ist ein nach außen hin kühler und abweisender Charakter, der deswegen keine Freunde an seiner Schule hat. Koichi hingegen ist immer der Mittelpunkt und versteht sich mit allen gut. Als sich die Blicke der beiden zum ersten Mal treffen und sie Interesse aneinander entwickeln, ist es dementsprechend Koichi, der auf Mitsuru zugeht, und über die nächste Zeit hinweg dessen eisige Mauern zu schmelzen weiß, bis sie zu besten Freunden werden. Und dann, in einem verregneten Sommer, wenn sie sich beim Camping einander die Liebe gestehen, werden sie sogar mehr. Leider bleibt ihnen das Glück nicht hold, wenn Koichi auf dem gemeinsamen Weg zur Schule von einem Truck überfahren wird und stirbt. Mitsuru kann zunächst gar nicht fassen, was da geschehen ist, und noch weniger, als Koichis Leiche wieder aufsteht.

Eternal Yesterday ist eine Serie, bei der man von Anfang an nicht viel Hoffnung für die beiden entwickelt. Denn die erste Szene, die wir gezeigt bekommen, ist bereits der Tod von Koichi. Erst dann gibt es einen Rückblick dazu, wie die beiden Freunde wurden. Episode 2 beginnt dann mit Koichis Auferstehung, aber dort hängt von Anfang an ein Damokles-Schwert drüber. Ähnlich wie bei One Room Angel kann man sich von Beginn an denken, dass dieser Zustand des Zusammenseins der beiden Protagonisten nicht lang anhalten können wird. Mitsuru und Koichi können es nicht wahrhaben, dass sie so plötzlich voneinander getrennt werden, und dadurch schafft es Koichi irgendwie magisch noch weiter zu existieren. Die beiden versuchen schmerzhaft in einem ewigen Gestern zu leben, in dem alles noch in Ordnung war, aber auf Dauer kann das natürlich nicht sein. Die Realität der Situation muss irgendwann Einzug halten und das ist nun leider einmal, dass es Koichi nicht mehr gibt. Die fünf Stufen der Trauer beginnen immerhin mit dem „Leugnen“. Koichi ist noch da, wir sind noch zusammen. Und so verbringen wir die Folgen mit den beiden, wie sie über die weiteren Stufen bei „Akzeptanz“ ankommen müssen, dass sie eben nur so kurz miteinander hatten. Besser geliebt und jene verloren zu haben, als nie geliebt worden zu sein.

Aber immerhin bekommen sie noch ein paar wenige Tage, um sich noch richtig voneinander verabschieden zu können, sich noch mal voll ihrer Liebe zueinander bewusst sein können, noch mal für sich von Freunden und Familie Abschied nehmen können, sich noch mal zu verinnerlichen was man hatte. All das herzallerliebst, auch wie wir in Rückblicken erfahren, wie die beiden zusammengekommen sind, wie glücklich sie miteinander waren. Bittersüß, da die Zeit tickt und dies bald rum sein wird, aber dennoch schön mitzuerleben. Eine Besonderheit hier ist übrigens, dass die Serie aus dem Blickwinkel von Mitsuru erzählt wird. Wir sehen nur Begebenheiten, bei denen er dabei war. Und er präsentiert uns mit permanenten Voice Over seine Innenleben und Gedanken. Wir wissen also immer sehr genau, was Koichi ihm bedeutet, selbst über das, was Mitsuru Verbalisieren kann hinaus. Und dann ganz am Ende der letzten Folge ändert sich das und wir bekommen noch eine kurze Szene aus dem Blickwinkel Koichis, ein Schnelldurchlauf des Geschehenen, in dem nun Koichis Voice Over erzählen kann, wie viel es ihm bedeutete von Mitsuru geliebt worden zu sein. Spätestens da war es ja ehrlich gesagt um mich geschehen.

Es gibt hier einige Meditation über das Leben, die Liebe und die Trauer, die mir dabei sehr gefallen haben. Am Ende der Serie beispielsweise, wenn Koichi dann verschwunden ist, fragt Mitsuru seinen Vater, wie er über seine Trauer hinwegkommen kann. Und statt irgendwelcher Schaler Facebook-Motivationssprüche aufzutischen hält der Vater kurz inne, legt seinem Sohn die Hand auf die Schulter und meint schlichtweg, er müsse seine Trauer nie überwinden. Um mal hier den besten Spruch ausgerechnet aus dem Marvel-Universum zu zitieren: „What is grief, if not love persevering?” Natürlich muss Mitsuru lernen sein Leben weiterleben zu können, auch ohne Koichi. Aber wer sagt, dass er dessen Verlust je überwinden muss, dass er Koichi nicht immer vermissen darf? Die Trauer ist der Beweis dafür, dass er ihn liebte. Und so verbleibt Mitsuru dann auch, wenn wir ihn in einer Szene ein paar Jahre später wiedersehen. Er hat sein Leben im Griff, aber er wird auch immer Gewahr bleiben, dass Koichi nicht mehr an seiner Seite ist.

Eine weitere echt interessante Szene ist, wenn etwas früher in der Serie ein Lehrer mit einer ähnlichen Geschichte kommt. Auch er hat vor 20 Jahren seine große Liebe, seine Nummer Eins im Leben, verloren. Und deswegen lässt er sich auf keine neue Romanze ein, weil er es für unfair findet, dass jeder neue Partner nur seine Nummer Zwei sein können wird, meint sie verdienen es auch jemandes Nummer Eins zu sein. Koichi fragt daraufhin, warum man nicht mehrere Nummer Einsen haben kann, mehrere Menschen die man gleich viel liebt. Ich bin nämlich jemand, der der Meinung ist, dass so etwas gehen kann. Liebe ist kein endliches Gut, sondern eine Emotion. Einer Person davon zu geben bedeutet nicht, dass man weniger Restliebe über hat, um sie an andere zu verteilen. Die Zeit, die man mit Menschen verbringen kann, ist begrenzt, aber das Gefühl Liebe nicht. Und somit lässt die Serie eben nicht nur einen möglichen Weg offen, wie man nach dem Verlust eines geliebten Menschen weiter zu existieren hat. Es ist genauso legitim sich erneut zu verlieben, eine zweite Nummer Eins zu haben, dies bedeutet nicht, dass man die Person, die man verloren hat weniger liebt, oder der neuen nicht die gleiche Liebe zukommen lassen kann. Genauso wie es legitim ist ewig mit seiner Trauer weiterzuleben und nie wieder einen neuen Partner zu finden. Menschen sind unterschiedlich, das Leben und Gefühle sind komplex, es gibt keine Standardlösung fürs Weiterleben.

Eine phänomenale, ruhige, manchmal heitere, oftmals traurige Serie über die Liebe und über die Trauer, eben über beides, denn was ist schon Trauer, wenn nicht Liebe, die überdauert?

My Secret Vampire

Wir verschwinden aus Japan und gehen in die asiatische Nachbarschaft für die nächsten Einträge. My Secret Vampire ist ein koreanisches BL Drama um ein Quartett (junger attraktiver natürlich) Vampire, die eine Hausgemeinschaft bilden, und die plötzlich einen Menschen als Mitbewohner aufs Auge gedrückt bekommen. Alle, da sie das Blutplasma aus der Kühltheke leid sind, haben sofort Interesse daran, endlich mal frisch aus Donghas Hals zu trinken. Nur Juwon, das Halbblut, steht ihnen im Weg.

Als ich über My Secret Vampire gestolpert bin, wusste ich sofort, dass es auf die Watchlist gepackt werden muss. Ein koranisches Vampir BL Drama? Das sind drei meiner liebsten Dinge! Süße koreanische Jungs. In einem BL Drama. Und dann auch noch ein domestizierter Vampir-Boyfriend! Was kann da schon schief gehen?

Ja so ein paar Sachen können da schiefgehen. Hierbei handelt es sich um eine Webserie von 8 Folgen a 15 Minuten. Das gibt der Serie also die Länge eines Filmes. Durchaus nicht zu wenig, aber oftmals sind diese kurzen Webserien ein schlechtes Zeichen. Zu Beginn dachte ich sogar fast, dies sei originär eine jener 2-Minuten Vertical Series gewesen, die wegen Popularität in „volle“ Episoden für ein anderes Streamingportal zusammengezogen wurde. Denn die erste Hälfte ist wirklich schwach. Von Chemie zwischen Juwon und Dongha kann keine Rede sein. Es fühlt sich nie so an, als wäre das von Juwon nur eine kalte Fassade, um Distanz zu wahren, sondern als könne er Dongha tatsächlich schlichtweg nicht leiden. Warum Dongha dennoch Interesse an ihm entwickelt, kommt nicht wirklich rüber. Ob von einem Menschen zu trinken nun schlecht oder Ok oder moralisch Grau ist, ist auch nie so ganz klar. Anscheinend geht das unter gewissen Voraussetzungen schon, ohne das Opfer in Gefahr zu bringen, aber so richtig definitive Aussagen macht die Serie nicht. Ewige Klischees werden abgefrühstückt, inklusive einer Rettung von Dongha durch Juwon, als ein Kunde bei dessen Arbeit aggressiv wird, die so schlecht geschnitten ist, dass man dem genauen Ablauf kaum folgen kann.

Aber… überraschend bessert sich das in der zweiten Hälfte der Serie. Der Funke zwischen den beiden mag überspringen. Die Szene im Bad, wenn Juwon scherzt das Dongha noch ein altes Flip Phone hat, der offenbart das er es von seinen verstorbenen Eltern bekommen hat, war sehr herzig und der Moment, wo die Serie für mich zu funktionieren begann. Die anderen drei mögen Dongha mittlerweile zu sehr, um wirklich daran zu denken, von ihm zu trinken. Es hilft auch, dass die Serie, schlecht geschrieben wie sie gerade zu Anfang sein mag, durch die Bank weg gutes bis sehr gutes Schauspiel bereithält.

Addicted & Heroin

Wenn es um Addicted geht, so ist die Geschichte, welche die Serie umrandet, fast interessanter, als die Serie an sich. Denn Addicted ist ein BL Drama aus Festland-China, die bekanntermaßen nicht besonders großzügig mit der Darstellung homosexuellen Materials sein dürfen, und dann bereits aus 2016! Scheinbar dachte man sich, dass ein solches Nischen-Genre unterm Radar fliegt, solange es als Webserie erscheint. Tja, Addicted war ein Überraschungshit, schaffte es in kürzester Zeit zu den meistgesehen Serien der Plattform. Und das machte natürlich die chinesischen Behörden auf sie aufmerksam. Addicted wurde drei Folgen vorm Finale von der Plattform entfernt. Den beiden Hauptdarstellern ist es bis Heute untersagt zusammen vor der Kamera zu stehen.

Louyin lebt in ärmlichen Verhältnissen mit seinem Vater, nachdem die Mutter die beiden vor zehn Jahren verlassen hat, um ein vermögendes Leben für sich aufzubauen. Jetzt ist sie zurück, verheiratet mit einem reichen Mann, und will im Gegensatz zu Louyin eine Beziehung zu ihrem Sohn aufbauen. Gu Hai hingegen ist sein Leben lang reich gewesen, hat allerdings eine Mutter auf mysteriöse Umstände verloren, glaubt nicht an einen natürlichen Tod. Sein strenger Vater hat mittlerweile neu geheiratet – die Muter von Louyin. Da er nicht im gleichen Haus wie sie leben will und die Idee nicht mag, dass sein neuer Stiefbruder ebenfalls einziehen und auf seine Schule transferiert werden soll, beschließt Gu Hai alleine zu leben und die Schule zu wechseln. Nicht ahnend, dass Louyin die Angebote seiner Mutter ausgeschlagen hat und weiterhin auf die Schule geht, in der Gu Hai aufgenommen wird.

Eine Liebe zwischen Stiefbrüdern also. Wobei das die geringste rote Flagge der Serie ist, denn immerhin sind sie weder Blutsverwandt, noch miteinander als Brüder aufgewachsen, finden erst heraus, dass sich die Eltern verheiratet haben, nachdem sie bereits Gefühle füreinander entwickeln. Schwerer wiegt da schon das toxische Verhalten von Gu Hai. Besonders zu Beginn, wenn er Louyin schikaniert, mag man nicht so wirklich sehen, wie das je in einer Romanze enden soll. Abgeschwächt wird das lediglich ein wenig dadurch, dass sich Louyin zu helfen weiß und zurückschlägt. Aber auch nachdem Gu Hai sich in Louyin verliebt ist sein Verhalten sehr besitzergreifend und übergriffig, und die implizierten sexuellen Aktivitäten gerne mal eindeutigen Konsent vermissend. Das ist durchaus so gewollt, denn der Name Addicted ist eine Metapher für die Obsession, die Gu Hai zu Louying entwickelt, eben als wäre der eine Droge für ihn. Die Beziehung soll toxisch sein, dies wird hier nicht unbedingt abgewiegelt, auch wenn Louyin auf ihn einzugehen beginnt.

Dass das Ganze auf einem Web Novel basiert merkt man auch irgendwo stark, denn die Ereignisse sind weder immer sonderlich logisch, noch irgendwas anderes außer immer höchstdramatisch. Selbst diejenigen Dinge, die kein großes Drama auslösen sollten, oder die schnell mit wenigen Worten geklärt sein könnten, werden zum Maximum aufgeblasen. Es hilft nicht, dass die Serie oft etwas abgehakt wirkt, als wären Zwischenszenen der Scriptschere zum Opfer gefallen, auf sie aufbauende Szenen aber nicht entsprechend umgeschrieben, so dass ihr Fehlen stark auffällt. Besonders bestechend hier sind das B-Couple You Qui und Yang Meng, die im Promomaterial und Opening wie ein solches aufgebaut werden, aber letztendlich kaum Screentime bekommen, schon alleine nicht miteinander, und sich nie romantisch annähern. Und ab Folge Zehn, für die finalen fünf, geht eh alles total schnell und überstürzt. Als wären ursprünglich mehr Folgen geplant gewesen und man müsse nun die wichtigsten Eckpunkte aus ihnen schnell abdrehen. Jetzt kommt es einem nicht mehr so vor, als hätte man hin und wieder eine Szene zwischen Ereignissen verpasst, sondern ganze Folgen, die erklären würden, wie wir von Punkt A nach Punkt B gekommen sind. Und das, obwohl die Handlung eh nicht abgeschlossen ist, sondern auf einem Cliffhanger eines neu aufgetauchten Problems endet.

Zwei Dinge möchte ich an der Serie aber definitiv loben. Zunächst einmal ist dies, wie bodenständig sie doch wirkt, zumindest was die Optik angeht. So unrealistisch und unglaubwürdig der Handlungsverlauf auch ist, alles findet immer in Lokalitäten statt, die wie richtige Orte wirken. Nichts hat diese Soap-Optik, in der Schauplätze und Charaktere zu gelackt erscheinen. Besonders da Louyin und sein Vater arm sind und wir viel in deren Umfeld verbringen. Dies kommt wahrscheinlich maßgeblich dadurch, dass die Produktion nicht viel Geld hatte (angeblich nutzen die Schauspieler teils ihre eigene Garderobe), aber dadurch wirkt alles auch einfach realer. Die andere lobenswerte Sache ist das Schauspiel unserer beiden Hauptakteure. Die haben eine unglaublich gute Screen Presence und auch eine richtig gute Chemie miteinander. Erneut, so unglaubwürdig die eigentliche Handlung der Serie ist, so verkaufen die beiden sie mir doch überraschend oft überraschend gut.

2023 versuchte sich China dann erneut an einer Umsetzung des Romans. Diesmal unter dem Titel Stay With Me, und selbst mit den Namen aller Charaktere abgeändert. Gu Hai heißt hier Wu Bi, Louyin ist Su Yu. Ansonsten sind die Grundlagen der Handlung grundsätzlich gleich mit nur wenigen Abänderungen. Um diesmal an den chinesischen Zensurbehörden vorbeizukommen ist dies beispielsweise offiziell keine Romanze, sozusagen muss die Bindung, die sich zwischen den beiden aufbaut, auch immer die „sie waren nur Zimmergenossen“ Ausrede haben. Sie sind nur gute Freunde, nur herzige Brüder, mehr ist nicht.

Am Interessantesten ist dann an der Serie tatsächlich, wie weit man doch gehen kann, ohne zu weit zu gehen. Wie viel impliziert aber nicht offen gesagt werden kann. Wie direkt man doch indirekt sein kann. Jedem Zuschauer, der halbwegs das Hirn angeschaltet lässt, wird gegen Ende der Serie klar sein, dass Wu Bi und Su Yu ein Paar sind. Nur direkt gesagt werden darf es nicht. Wu Bi darf Su Yu heimlich im dunklen Klassenzimmer küssen. Solange es nur auf die Wange ist. Er darf Witze darüber machen, dass ihre Eltern ihre Beziehung skandalös finden würden. Solange er nicht in Worte fasst, was genau dies für eine Beziehung ist. Wu Bis Vater kann sogar Gleitmittel im Raum der beiden finden. Es darf nur nicht direkt gesagt werden, dass es dies war. Und das scheint geklappt zu haben, die Serie ist mit 24 Folgen voll durchgelaufen. Zwar endet auch sie auf einem höchst dramatischen Cliffhanger, aber dort endet wohl auch das Buch. Zum Vergleich, dort wo das 2016er Addicted aufgehört hat, ist nur ungefähr die erste Hälfte von Stay With Me rum.

Für mich war es definitiv die stärkere Adaption. Dadurch, dass mehr Zeit ist, wirkt die Serie einfach runder. Es kommt nicht zu den Handlungssprüngen des Originals, alles geht nachvollziehbarer Wege. Unlogisch und etwas schlecht geschrieben ist natürlich auch Stay With Me, dies kommt sicherlich vom Stoff, der hier adaptiert wird. Ja dadurch, dass auch die zweite noch dramatischer werdende Hälfte inkludiert ist, ist diese Variante hier eigentlich sogar schwerer zu glauben (inklusive Wu Bi wie einen Superhelden kämpfen zu sehen). Aber in sich selbst gesehen wirkt Stay With Me immerhin schlüssig. Auch mag ich erneut die beiden Hauptdarsteller sehr, die mir die Ereignisse allem zum Trotz zu verkaufen wissen und eine gute Chemie miteinander haben. Und Wu Bis Verhalten mag immer noch stark Besitzergreifend sein, ist aber zumindest etwas abgeschwächt an Toxicity. Schade dann, dass die Optik so soapy ist. Genau hier wirkt nämlich alles zu clean und zu gelackt. Von den Schauplätzen zur Ausstattung der Schauspieler, und dann wirkt es noch so, als wäre die ganze Serie via ADR im Studio nachsynchronisiert worden. Dadurch wirkt alles leider etwas unecht.

Bereits ein Jahr später wurde uns dann die dritte Adaption spendiert, Addicted Heroin aus Thailand. Diesmal mit Hero und Poppy als Charaktere. Weil Poppy ist Mohnblume und Hero ist wie Heroin, beides Drogenreferenzen. Weil Adicted Heroin. Verstehst? Ich erwähne das nur, weil die Serie ziemlich forciert alles erklären muss, selbst einen Titel. Obwohl der schon eine ziemlich offensichtliche Metapher für das Verhalten von Gu Hai/Wu Bi/Hero gegenüber Louyin/Su Yu/Poppy ist. Aber keine Sorge, selbst das macht die Serie noch eindeutiger, in dem Hero erwähnt, dass er wie abhängig von seiner Droge Poppy ist.

Ich bekomme langsam das Gefühl, dass Thai BLs eventuell einfach nichts für mich sind. Ich bin eventuell nicht kulturell richtig sozialisiert, um auf deren Herangehensweise an die Materie zu stehen. Denn das hier ist definitiv die unrealistischste Version des eh schon etwas dämlichen Materials, mit Charakteren und Handlungsketten, die am irrsinnigsten sind und am wenigsten selbst interner Logik zu folgen scheinen wollen. Die Witze sind cringe statt witzig. Das Schauspiel ist mäßig. Der einzige Vorteil, den Thai BLs normalerweise haben, ist, dass sich die Schauspieler nicht zieren Schwule darzustellen. Es gibt mehr und echter wirkende Küsse und andere intime Körperlichkeit. Aber selbst davon gibt es in Addicted Heroin so gut wie nichts, und dabei habe ich sogar die so genannte Uncut Version geschaut. Kein Plan, was in den knapp 60 statt 45 Minuten pro Folge wirklich an Mehrwert zu holen war, ich möchte fast sagen die individuellen Szenen dauern nur viel länger an, denn die Serie hatte definitiv ihre Längen.

Kurios auch, dass die Serie mit einer „8 Jahre später“ Szeen beginnt und der Rest an sich dann eigentlich ein Rückblick ist, ohne dass dies Sinn machen würde. Jetzt wissen wir nur, dass die beiden auf jeden Fall jegliche Gefahr überleben, aber scheinbar nicht zusammenkommen oder zumindest sich wieder trennen werden, und erst Jahre später wieder aufeinandertreffen. Aber das geschieht noch nicht mal am Ende, nicht mal in der darauffolgenden 90-minütigen Spezialepisode! Wir springen nie wieder 8 Jahre in die Zukunft, um diesen Rahmen wirklich zu einem zu machen. Was sollte diese erste Szene dann? Ist überhaupt nichts an Addicted Heroin durchgeplant gewesen?

Damit sind wir am Ende der Adaptionen des Web Novels angekommen. Aber noch nicht am Ende der Addicted-Saga. Denn es gibt tatsächlich eine Folgegeschichte, die Louyin und Gu Hai 8 Jahre später wieder zusammenbringt. Und es gab dieses Jahr, also 10 Jahre nach dem ersten Addicted, eine neue Serie mit Titel Love After Addiction. Stellt sich heraus es ist ein Sequel, but keine Adaption des Folgeromans. Denn wir erinnern uns: Den beiden Darstellern des Hauptpaares ist es verboten jemals wieder zusammen vor der Kamera zu stehen.

Dies hätte man dadurch umgehen können, dass man einfach neue Schauspieler für die Rollen castet. Stattdessen geht Love After Addiction einen anderen Weg und dreht sich um You Qui und Yang Meng, sogar mit deren Originaldarstellern aus dem 2016er Addicted. Louyin und Gu Hai werden wir nie sehen, selbst in den Rückblicken zu ihren Schultagen nicht, aber die Rahmenhandlung ist die, dass alte Freunde von You Qui und Yang Meng heiraten werden, mit selbstverständlich der starken Implikation, dass es sich um Louying und Gu Hai handelt. Jedenfalls ist You Qui nun ein Schauspieler, der allerdings aktuell in Skandale verwickelt ist, welcher sich in einer Reality TV Show beweisen muss. Und vor Ort arbeitet auch Yang Meng. Die beiden hatten Gefühle in der Schule füreinander, auch wenn sie nie zu einem Paar wurden, welche jetzt wieder aufleben.

Addicted hatte versucht die chinesischen Zensurregeln zu umgehen, indem die Serie im (damals) weniger streng regulierten Internet publiziert wurde – Erfolglos. Stay With Me hingegen, in dem aller indirekter Direktheit zum Trotz nie definitiv gezeigt wird, dass die beiden ein romantisches Paar sind – mit Erfolg. Love After Addiction geht den dritten Weg BL an den chinesischen Behörden vorbei zu schmuggeln: Es ist einfach offiziell nicht in Mainland China erhältlich. Lediglich zufällig auf Plattformen, über die mit einem VPN ein Mainlander theoretisch auch auf sie zugreifen könnte. Hint hint.

Die Serie hält sich dann auch definitiv nicht zurück. You Qui und Yang Meng dürfen sich lang und ausgiebig küssen, schlafen miteinander und das neue B-Couple darf sogar ziemlich kinky miteinander umgehen. Alles natürlich noch jugendfrei gehalten, aber was angedeutet wird ist klar: Die Kerle in Love After Addiction ficken. Miteinander, wohlweißlich. Interessant hierbei übrigens angemerkt, dass die Schauspieler von You Qui und Yang Meng tatsächlich im realen Leben ein Paar zu sein scheinen.

Ich frage mich ja manchmal, ob chinesische und koreanische Stars ein wenig Body Dysmorphia entwickeln, wenn sie morgens in den Spiegel schauen und ihnen ein ganz anderes Gesicht als sie es von ihren Projekten gewohnt sind entgegenblinzelt. Natürlich ist Haar und Make-Up eine wichtige Position in jeder Filmproduktion, aber die Schauspieler in Secret Vampire und Love After Addiction haben ihr Gesicht unter so vielen Schichten stecken, so viel Skin-Bleaching-Filter angewendet, ich frag mich ob man sie ganz au naturel überhaupt wiedererkennen würde. Was ich damit sagen will ist, dass leider auch Love After Addiction sehr soapy und hochglanz wirkt. Und erneut stark mit zu offensichtlichem ADR zu kämpfen hat.

Ansonsten ist es keine schlechte Serie per se. Definitiv seichter als Addicted und seine Varianten. Dafür aber auch etwas besser geschrieben. Abgesehen von dem dramatischen Unterton des You Qui umrankenden Skandals, den die Serie nach dem Setup lang ignoriert und dann unzufrieden auflöst. Auch You Quis Insomnia wirkt etwas aufgesetzt und im größeren Bilde unwichtig. Ja, jetzt wo ich darüber nachdenke, so ein wenig auseinander fällt die Serie zum Ende hin schon. Aber bis dahin wirkt sie recht stringent. Für mich ist sie zumindest dann am besten, wenn es um am wenigsten geht, wenn es nur You Qui und Yang Meng und ihre Gefühle füreinander sind, auf die sich konzentriert wird. Keine Serie, die große Sprünge macht, aber immerhin bekommt sie die Füße vom Boden.

Honorable Mentions

The Boyfriend

Bei The Boyfriend handelt es sich um japanisches Reality TV via Netflix aus den Jahren 2024 und 2026. Die Sache hieran ist, dass es sich um eine Queere Dating Show handelt, also auch hier um schwule Romantik. Das Setup ist, dass eine Hand voll schwul-bisexueller Männer, welche angeblich zumindest die Liebe suchen, für einige Wochen zusammen in einem Haus leben. Und nebenbei einen Coffee Truck bewirtschaften. Wobei jeden Tag nur zwei von ihnen zum Arbeiten rausfahren, was natürlich mit netter Alone Time miteinander daherkommt.

Die Show ist ziemlich schnell damit, regelmäßig zu erklären, dass es hier nicht zwangsläufig darum geht, einen Partner zu finden, sondern auch einfach Freundschaften aufzubauen. Was ein wenig so wirkt, als wäre das im Nachhinein hineingeschrieben, weil nämlich in der ersten Staffel nicht viele miteinander anbandeln, aber alle sehr herzig und freundschaftlich miteinander umgehen. Alle verhalten sich sehr nett und geben aufeinander Acht, sowas ist man zumindest von westlichem Reality TV gar nicht gewohnt

Ein bisschen witzig ist schon, dass sich zum Großteil alle in die gleichen zwei Kerle verguckt zu haben schienen, Shun und Kazuto. Was dramaturgisch natürlich für die Show toll ist, aber eben auf der anderen Seite der Medaille dazu geführt hat, dass die meisten allein nach Hause gegangen sind, weil sie keinen Plan B hatten. Besonders schade fand ich das für Usak und Gensei, die wirklich super knuffig waren und wirklich es verdient haben, einen Partner zu finden. Von Taeheon hätte ich auch gern etwas mehr gesehen, der war weite Teile der Serie kaum präsent. Kommt wahrscheinlich so, wenn man nicht sonderlich aktiv jemandem nachstellt. Shun und Dai als Paar mussten mir erst mal warm werden, der oberflächliche Dai und der unsichere Shun schienen so gar nicht kompatibel, Dai so genau das Gegenteil von dem, was Shun sagt was er will. Doch mit der Zeit haben sie ganz gut zusammengepasst. Auch Alan war wesentlich weniger anstrengend, wie ich das zunächst erwartet hatte. Lediglich Ryota war die ganze Staffel über leicht merkwürdig, schien sich überhaupt nicht entscheiden zu können, und hat das schlechteste Timing der Welt an den Tag gelegt. Kazuto ist sowieso der domestizierte Traummann, mit dem man locker alt werden kann.

Wenn sich dann alle am Ende von einander verabschieden müssen, hat man wirklich das Gefühl, dass sie etwas trauern. Dass es ihnen allen gutgetan hat mal für einige Wochen aus dem Alltag herauszukommen. Und vor allem mit anderen schwulen Männern in einer WG gelebt zu haben, wo sich nicht versteckt oder hinterfragt werden muss, da alle die gleiche sexuelle Orientierung haben. Weil sie scheinbar wirklich alle gut miteinander ausgekommen sind.

Staffel 2 ist dann im Prinzip der ersten ziemlich gleich, mit den selben Vor- wie Nachteilen. Diesmal ging es zwei Monate statt nur einen, was eventuell etwas dafür da war, damit man sich noch umentscheiden kann, sollte die erste Männerwahl an einen anderen fällt. Damit sich mehr Paare finden können. Deswegen eventuell auch die drei nachträglich hinzugekommen Kandidaten, um festgefahrene romantische Einbahnstraßen wieder aufzubrechen. Witzigerweise hat das wenig geholfen. Auch in dieser Staffel schienen sich wieder alle auf die gleichen Männer gestürzt zu haben. Zunächst wollte jeder entweder William oder Huwei haben, als dann Frischfleisch nachgeschoben wurde waren alle hinter Taeheon her (ich habe also meinen Wunsch bekommen mehr von jenem zu sehen). Und erneut, der netteste Kerl, dem ich am meisten die Liebe gegönnt hätte, und der scheinbar mit allen gut befreundet war und unterstützende Gespräche geführt hat, Hiroya, ging leider leer aus. Eine Kuriosität der Staffel war auch Kazuyuki, der ebenfalls über die Zeit eine Beziehung gefunden hat… aber nicht im Haus. Er ist stattdessen zu seinem Ex zurückgekehrt, nachdem er gemerkt hat, wie sehr er doch noch an der Beziehung hängt. Die immerhin 15 Jahre gedauert hatte und scheinbar mit keinem einzigen Problem aufgewartet hat, so dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum die sich überhaupt getrennt hatten.

Ansonsten… erneut eine wohlige Atmosphäre im Haus, weil sich anscheinend alle gut verstanden und unterstützten. Es ist schon erfrischend eine Dating Reality TV Serie zu sehen, bei dem sich keiner hervorheben will, in dem er seine Rivalen schlecht macht. Selbst diejenigen, die am gleichen Typen interessiert sind, versuchen jenen mit ihrem eigenen Charme zu überzeugen, nicht indem sie den anderen in die Quere kommen.

Cherry Magic 2020 Redux

Aus gegebenem Anlass, weil ich nämlich gerade einen Rewatch machte, möchte ich noch mal über Cherry Magic reden. Die 2020er japanische Drama-Version. Ich glaube es war ein ziemlicher Glücksgriff, dass ich letztes Jahr, als ich mich richtig an BL Dramas zu probieren begann, direkt nach Takumi-kun zu Cherry Magic gegriffen habe. Hätte ich noch zwei oder drei eher durchschnittliche Serien erwischt, hätte ich es eventuell ganz sein lassen. Jedoch, dadurch das ich noch nicht viele Vergleichsmöglichkeiten hatte, habe ich damals nicht komplett gecheckt gehabt, dass es tatsächlich eine der besten Serien ist, die es in dem Bereich gibt.

Es ist echt regelrecht magisch, wie alles perfekt zusammengekommen ist. Zum einen haben wir natürlich schon ein starkes Ausgangsmaterial, welches hier adaptiert wird. Die Serie um Adachi, der zwischenmenschlich starke Kommunikationsprobleme hat, und welcher dank seiner plötzlichen Gedankenlesefähigkeit es endlich schafft, besser mit seinem Umfeld zurechtzukommen. Herausfindet das sie ihn wesentlich besser leiden können, als er das annahm, und der richtig gern mit ihnen zusammenzuarbeiten lernt. Geholfen durch die beständige Unterstützung Kurosawas, welcher sich in ihn verliebt hat. Die beide das Leben des anderen (und ihrer Mitmenschen) bereichern. Aber auch all die Änderungen im Script scheinen zum Besseren zu sein, zumindest wenn es um Live Action geht. Dass Kurosawas Wunschvorstellungen etwas weniger extrem sind oder Nozomi keine Fujoshi ist und stattdessen einfach zwei Mitarbeitern wünscht miteinander glücklich zu werden. In Form von Anime/Manga mag dies witzig gewesen sein, mit echten Schauspielern würde die Originalkonstellation eher Gefahr laufen creepy oder cartoony zu wirken. Was ein enormer Glücksgriff das Casting geleistet hat, mit allen Schauspielern, die ihren Rollen eine angenehme Nettigkeit verleihen, aber natürlich besonders Akaso Eiji und Machida Keita als Adachi und Kurosawa, die voll in ihren Rollen aufgehen und den beiden so viel geben. Akaso mit einer tollen Körperlichkeit was Adachis quirlige Reaktionen angeht, aber auch an anderer Stelle perfekt die introvertierte Schüchternheit darstellt. Machida als Kurosawa, der cool-zurückhaltend daherkommen mag, aber der mit seiner dezenten Mimik unglaublich viel Gefühl hinter der Fassade anzudeuten weiß. Selbst der OST ist so ungemein gut darin, die Atmosphäre einer jeden Szene zu unterstreichen, mag es nun ein ruhiger oder ein humoriger Moment sein. Wenn das Main Theme, gerade in seiner langsamen Variante, beginnt, habe ich direkt Pipi in den Augen.

Bei Cherry Magic (2020) ist einfach scheinbar so gut wie alles richtig gelaufen. Nicht umsonst habe ich gerade mal nach einem halben Jahr die Serie erneut geschaut. Weil sie mir so am Herzen liegt. Und weil keine andere genauso zu treffen imstande war. Ich habe durchaus mittlerweile andere richtig tolle BL Dramas geschaut, doch Cherry Magic steht eindeutig über ihnen allen. Wenn ich eine Folge beginne, schlägt direkt mein Herz schneller, schnürt sich mein Hals zu, und werden meine Augen feucht, und so eine sofortige emotionale Reaktion habe ich nur bei sehr wenigen Medien. Es ist eine reine Wunschvorstellung, die wahrscheinlich nie Realität wird, aber was wäre es so schön, wenn, nachdem der Manga dieses Jahr beendet wurde, alle noch mal für einen zweiten Film zusammenkämen, um uns weitere der wichtigsten Etappen im Leben von Adachi und Kurosawa inklusive dem Manga-Ende zu zeigen (von einer vollen 12-teiligen Abschlussstaffel mag ich mich nicht mal zu träumen trauen).

Final Fantasy V Job Fiesta 2026

Es ist Sommer. Und das heißt neben Temperaturen, die ich persönlich nicht leiden kann, auch jährliche Events wie Pride, Gamescom, Summer Games Done Quick, und natürlich das wichtigste von allen: Die Final Fantasy V Four Job Fiesta! Die begehe ich in 2026 das zwölfte Jahr in Folge, wow wie die Zeit doch vergeht, wie alt man doch geworden ist, in der Zwischenzeit sind ja ganze ZWEI Final Fantasy Hauptteile erschienen! Undenkbar in der heutigen Gaming-Branche, dass man früher zehn Jahre nach dem ersten Final Fantasy bereits bei Nummer 7 angekommen war, und weitere zehn Jahre später immerhin auch schon bei der 12.

Den letzten Eintrag gab es hier im Blog 2024 passend zum 10-jährigen Jubiläum meiner Partizipation. Aber nur weil ich letztes Jahr nicht darüber geschrieben habe, heißt nicht, dass ich nicht einen Run machte. Die Kategorien ändern sich ja immer mal wieder, und ich glaube 2025 war das erste Jahr, wo ein Meteor-Run, bei dem ohne Restriktionen bei jedem Kristall jeder Job aus allen Kristallen gezogen werden kann, automatisch auch Freelancer und Mime dabei waren. Das waren vorher Sonderoptionen. Witzigerweise hatte ich auch prompt den Freelancer gezogen. Und auch den Thief und den Mystic Knight, beide zum allerersten Mal in der Job Fiesta! Schon fast schade, dass ich damals nichts dazu geschrieben habe, war das somit doch eine sehr neue und frische Jobkombination für mich (der letzte Job war White Mage, den ich zum vierten Mal zog). Retrospektiv bekomme ich den Run natürlich nicht mehr zusammen. Den White Mage zu haben wird bedeutet haben, dass es keine großen Probleme mit der Heilung gab. Freelancer ist natürlich chillig, kann der doch zwei Sub-Kommandos anderer Jobs annehmen und jegliches Equipment ausrüsten. Durch den Mystic Knight kann man mit den Spellblades wenigsten etwas an Black Magic ausprobieren, ich weiß aber tatsächlich noch an Omniscient gelernt zu haben, dass eine Attacke mit einem Spellblade dennoch nicht als Magie-Einsatz gilt und sein Return triggern. Der Thief… dank dem konnte ich Gilgamesh das Genji Equip klauen.

Ok, 2026 angefangen. Gleiches erneut, Meteor Run, also jeder Beruf kann in jedem Kristall sein, zusätzlich keine Duplikate erlauben. Im ersten Kristall ist der Dancer, also gehen wir weiter mit Freelancern durch die Gegend. Im zweiten Kristall ist der Beastmaster, also immer noch Freelancern. Die können das stärkste Equip ausrüsten, somit alle frühen Bosse via Haudrauf überwältigen. Für die Untote Siren schmeißen wir noch ein paar Potions, Garula paralysieren wir mit der Peitsche von Magissa. Magissa und ihr Ehemann waren tatsächlich der einzig etwas härtere Kampf, aber auch hier sind wir beim zweiten Anlauf durchgekommen. Nachdem wir Karnak erreichen kaufen wir ein paar Rods und brechen die bei den nächsten Bossen, um einfaches Spiel zu haben. Dritter Kristall erreicht, wir ziehen Time Mage. Das ist der letzte Job, den ich bisher noch nie gezogen hatte. Den können wir nun ausrüsten, genauso wie den Beastmaster. Die nächsten Bosse fallen natürlich auch alle an gebrochenen Stäben der Time Mages. Für den Sandworm lasse ich den Beastmaster allerdings die Dhorme Chimera fangen und befreien (für Aqua Breath von 2.500 Schaden!) und bei Archaeoaevis die Kombo an Aegier und Ronkan Knight werfen (was quasi ein Instakill ist). Der letzte gezogene Job ist der Samurai.

Damit haben wir ein Team, welches abgesehen vom Samurai ziemlich fragil ist und auch ohne eigene Heilfähigkeiten aufwartet. Also bin ich ein wenig im Wind Shrine Elixiere grinden gegangen. Wahrscheinlich unnötig, zumal ab World 2 ja endlich die High Potions kaufbar sind und somit immer 99 im Gepäck gehalten sein können, aber Vorsicht vor Nachsicht und so.

Dank des Samurais werden wir übrigens eine ziemlich einfache Zeit haben. Der lernt nämlich den Iainuki-Skill. Jener geht auf die komplette Gegnergruppe und ist eine Wahrscheinlichkeit auf Instakill, solange jene nicht den dagegen schützenden Heavy-Status haben. Dies allen vier Charakteren gegeben und so gut wie jeder Zufallskampf plus ein paar Bosse sind innerhalb der ersten Spam-Runde davon erledigt. Es ist lediglich so, dass die Fähigkeit mit leichter Verzögerung abgeht, so dass man normalerweise zumindest von jedem Gegner einen Angriff einsteckt, aber dafür haben wir ja jetzt die 99 High Potions zum wieder hoch heilen.

Was besondere Taktiken gegen Bosse der World 2 angeht, so besiegen wir den untoten T-Rex mal wieder mit einer Phoenix Down. Dragon Pod und seine Blüten sind nicht Heavy und fallen in der Gruppe zum Iainuki-Skill. Gilgamesh ist Heavy aber nicht gegen den Death-Spell immun, welches durch einen vom Beastmaster gefangenen Aquathorn (geholfen durch den Kornago Gourd, mit dem Monster einfacher zu fangen sind) gecastet wird. Im Barrier Tower holen wir uns natürlich vier Reflect Rings und Atomos ist ja immer eigentlich mit draufknüppeln zu besiegen, während er noch damit beschäftigt ist, den ersten durch Meteor getöteten Charakter einzusaugen (spätestens beim zweiten). Die Guardians im Forest of Moore sind in vielen Fiesta Job-Kombination eine haarige Angelegenheit. Was sie nicht sind ist Heavy. Und dementsprechend hatte ich diesmal dank Iainuki ausnahmsweise ein sehr einfaches Spiel. Exdeath am Ende der Welt hat sogar mal ziemlich lange ausgehalten, weil er weniger darauf bedacht war, Zauber zu spammen, die meine Reflect Rings auf ihn zurückwerfen konnten.

In World 3 gibt es für uns diesmal sogar relativ viel zu tun. Da wir Time Mage haben, ist der Great Sea Trench ausnahmsweise mal ein Dungeon, um uns am Ende Meteor abzustauben. Um dorthin zu gelangen müssen aber erst die Fork Tower bestritten werden, und dafür ist der Island Shrine zu machen. Alles nicht allzu hart. Omniscient fällt beispielsweise dank der Reflect Rings zu seinen eigenen Zaubern. Das Trio am Ende des Great Sea Trench ist nicht Heavy und somit quasi nonexistent. Auch nicht Heavy sind die Cherie-Gegner im Phoenix Tower, was diesmal das Grinden von vier Hermes Sandals umso einfacher macht. Damit geht der Iainuki-Skill aller vier Charaktere nun sogar vor den Gegnern ab und wir besiegen die meisten Gruppen, bevor sie etwas tun können.

Unter beständigem Haste-Skill durch sie (und natürlich dem komplett aufgepowertem Chicken Knife) ist der Interdimensional Rift und seine Bosse wie jedes Fiesta relativ einfach sogar mehr oder minder mit Haudrauf ohne große Taktik schaffbar. Für Catastroph konnten wir dank des Time Mages aber immerhin mal Float auf alle sprechen, um dem Earth Shaker entgegenzuwirken. Nicht, dass es nötig war, die Peitsche des Beastmasters hat Catastrophe fast jede Runde paralysiert, so dass er zu gar nichts kam. Auch interessant von Halycarnassus nicht komplett gefroscht zu werden, da der Dancer ja ein Ribbon ausgerüstet hat, so dass der Boss sogar noch bevor er uns wieder entfroscht an Sword Dance mit dem Chicken Knife fiel. Twintania kann dann wie übliche ge-insta-deathed werden, sobald er sich aufzuladen beginnt. Für Exdeath und Neo-Exdeath haben wir natürlich den Iainuki-Skill ausgezogen und stattdessen den anderen drei Charakteren das Equip Ribbon vom Dancer gegeben, damit sie gegen Statusveränderungen immun sind. Dachte ich zumindest. Tatsächlich haben die meisten Grand Crosse, die zufällig solche aufs Team verteilen, nichts bewirkt. Ein Confuse und ein Death mit dem 30 Sekunden Timer gingen allerdings doch durch, Ribbons helfen also doch nicht ganz gegen alle Statusabnormalitäten. Dennoch, ein Magic Lamp Odin geworfen und danach den Dancer und Time Mage Meteor spammen lassen, während Samurai und Beastmaster mit Elixieren allen Schaden sofort hochheilen (und die MP nebenbei regenerieren) und der Kampf war relativ simpel.

The Tora-san Franchise I

Bei Tora-san handelt es sich um einen Meilenstein der japanischen Popkultur. Der Charakter wurde ursprünglich 1968 für die TV-Serie Otoko wa Tsurai yo erfunden und fand dort enorme Resonanz. So sehr, dass man nach deren Beendigung einen Film-Reboot unter dem gleichen Namen in 1969 in die Kinos brachte. Welcher noch erfolgreicher war und von dort ab bis 1995 jährlich neue Inkarnationen fand, es insgesamt auf 48 Filme bringend. Alle mit Kiyoshi Atsumi in der Hauptrolle als Tora-san, weswegen die Reihe unter japanischen Fans als Tora-san Serie bekannt ist, was auch zur westlichen Namensgebung verwendet wurde. Fast alle unter Regie von Yoji Yamada entstanden, welcher nach dem Tod von Kiyoshi Atsumi entschied, die Reihe nicht fortzuführen. Wie auch, wenn die Rolle so intrinsisch mit jenem verbunden ist?

Ich bin über die Serie zum ersten Mal vor etwas über 15 Jahren gestolpert, als ich die besonders auf asiatische Filme ausgelegte Homepage Molodezhnaja entdeckte und für ein paar Jahre regelmäßig gelesen habe. Fünfzig Filme über mehrere Dekaden unter den gleichen Leuten erschienen klang enorm spannend. Damals schaute ich den ersten, fand ihn gut, und vergas dann komplett weiterzumachen. Das muss irgendwann zwischen 2008 und 2010 gewesen sein, weil der Blogpost dazu nicht hier zu finden ist, also war es noch zu Zeiten bei Myblog. Komisch, dass ich damals keine wöchentliche Beschauung draus machte. Immerhin war das zu Zeiten, als ich die Godzilla Sundays, Female Prisoner Scorpion Fridays und Lone Wolf and Cub Wednesdays hatte. Keine Tora-san Saturdays mit einem Blogeintrag pro Film jede Woche? Scheinbar nicht.

Jedenfalls spukt mir die Reihe seither alle paar Jahre im Kopf herum, und nun habe ich mich dazu durchgerungen, sie mir doch alle anzuschauen. Los geht’s mit den ersten zehn Filmen, erschienen zwischen 1969 und 1972! Otoko wa Tsurai yo übersetzt sich übrigens als etwa „Es ist schwer ein Mann zu sein“ und ist in jedem japanischen Titel zu finden, ich benutze hier aber die westlichen Namen.

Tora-san, Our Lovable Tramp (1969)

Im ersten Film kehrt Torajiro nach 20 Jahren zum ersten Mal in seine Heimatstadt zurück, welche er nach einem Streit mit seinem Vater verlassen hatte. Die Eltern sind mittlerweile tot, seine Schwester Sakura wuchs bei Onkel und Tante auf. Sakura hat Aussicht auf eine gute Ehe, beim Treffen mit der Familie führt Tora-sans grobschlächtiges Verhalten allerdings dazu, dass dies ins Wasser fällt.

Hausierer und Straßenverkäufer Tora-san verlässt die Stadt wieder, trifft allerdings auf den benachbarten Priester und seine Tochter im Urlaub, mit denen er letztendlich zurückkommt. Ein netter Fabrikarbeiter umwirbt Sakura mittlerweile, aber auch das ruiniert Tora-san beinahe, letztendlich finden die beiden jedoch dennoch in Heirat zueinander. Tora-san hat sich mittlerweile in die Priester-Tochter verguckt, die allerdings zu jung und hübsch für ihn ist, und letztendlich einen anderen Verlobten findet. Daraufhin zieht Tora-san erneut seiner Wege.

Der erste Film ist eine gute Einführung in den Charakter Tora-san. Etwas laut, etwas tollpatschig, etwas ungehobelt, mit vielen Ecken und Kanten, aber eigentlich schon immer bemüht und mit guten Absichten. Als er Sakura mit den Fabrikarbeitern abhängen sieht, sagt er beispielsweise noch großspurig, dass seine Schwester etwas Besseres verdient hat. Als einer von ihnen dann aber eindeutig in sie verliebt ist, gibt er sofort klein bei und versucht ihm bei der Brautwerbung zu helfen. Er hat halt schon ein gutes und hilfsbereites Herz, auch wenn er viel in seinem Übermut verbockt. Es gibt schon einen Grund, warum die Priestertochter gern zum Spaß mit ihm Dinge unternommen hat. Auch wenn es dem Zuschauer genau wie allen Charakteren im Film klar war, dass er nicht ihre Güteklasse ist und sich dort nur was vorgemacht hat.

Eine interessante Konstante im Film ist auch, gerade auf den japanischen Titel „Es ist schwer ein Mann zu sein“ gehend, Männer, die mit der Familie brechen/von ihr verstoßen werden. Tora-san verlässt die Heimatstadt nach einem Streit mit dem Vater und kehrt erst jetzt zurück. Sein jüngerer Unterling, der auch Straßenhändler ist, ist ebenfalls aus der Heimat entflohen. Und der Fabrikarbeiter, der Sakura umwirbt, kommt eigentlich aus einer guten Akademikerfamilie, die ihn verstoßen hat.

Was übrigens retrospektiv am Film sehr interessant ist, ist die Tatsache, dass wir hier einen Einblick in das alltägliche japanische Leben bekommen. Natürlich ein wenig dramaturgisch aufbereitet, wir schauen immer noch einen Film und keine Doku, aber eben dennoch auf dem damaligen Leben basierend. Und so ist Tora-San, Our Lovable Tramp auch ein kleines bisschen ein Zeitfenster in ein Japan, wie es vor fast 60 Jahren existiert hat. Wie damals gelebt wurde und welche Attitüden vorherrschten.

Tora-san’s Cherished Mother (1969)

Tora-san bekommt die Nachricht, dass seine Mutter mittlerweile in einem Hotel in Kyoto arbeitet. Sein ehemaliger Lehrer und dessen Tochter überreden ihn, die Chance zu nutzen, um sie endlich zu treffen. Hierfür muss man wissen, dass Tora-sans aus einer Affäre seines Vaters mit einer Geisha geboren ist, Tora-san aber mit dem Vater und dessen Ehefrau aufwuchs und seine leibliche Mutter nicht kennt. Schnell stellt sich heraus, dass er sein Temperament und überstürztes Handeln von ihr geerbt hat und die beiden geraten aneinander. Tora-san schwört sie nie wiedersehen zu wollen und verbringt stattdessen Zeit mit dem Lehrer und seiner Tochter. Doch jener verstirbt und die Tochter hat bereits einen anderen Verlobten.

Der englische Titel des zweiten Filmes mag nicht ganz fehlverleiten, aber so richtig das Herzstück des Filmes mag er auch wiederum nicht treffen. Der mal wieder ganz andere japanische Titel ist übrigens lediglich „Es ist schwer ein Mann zu sein: Die Fortsetzung“. Ein wenig spröde. Jedenfalls ist die Mutter ein Charakter im Film, ja das stimmt schon, aber der wirkliche emotionale Kern ist Tora-sans Beziehung zu seinem ehemaligen Lehrer, mit dem er etwas wie eine Vater-Sohn-Verbindung aufzubauen beginnt, bevor jener verstirbt. Tora-sans’s Cherished Teacher wäre irgendwo ein treffenderer Name gewesen. Mit der Mutter versöhnt er sich zwar auch wieder, aber das ist dem Film so unwichtig, dass er diese Aussprache und das Zusammenwachsen gar nicht behandelt, sondern lediglich zum Ende kurz zeigt, dass die beiden sich nun anscheinend verstehen.

Tora-san: His Tender Love (1970)

Als Tora-san mal wieder Halt bei seiner Familie macht, haben die eine Überraschung für ihn zu bieten: Sie haben eine Frau gefunden, die zur Ehe mit ihm bereit ist. Tora muss feststellen, dass er die sogar kennt und sich gut mit ihr versteht. Dummerweise ist sie über ihren Ex nicht hinweg und Tora kann das so nicht stehen lassen und bringt die beiden wieder zusammen, bevor er weiterreist. Er fängt an in einem Gasthaus zu arbeiten, weil er sich in die attraktive Leiterin davon verschossen hat, die aber wie üblich einen besseren Mann findet. Bis Tora sein Herz erneut gebrochen bekommt hilft er allerdings noch ihrem jüngeren Bruder aus mit dessen Angebeteten anzubandeln.

His Tender Love ist einer von nur zwei der insgesamt fünfzig Filme, bei denen Yoji Yamada nicht selbst Regie geführt hat. Allerdings war er weiterhin am Drehbuch beteiligt, weswegen eigentlich auch kein großer Stilbruch zu verbuchen ist. His Tender Love geht ein wenig stärker in die Slapstick-Comedy denn das ernste Drama, aber die beiden vorigen Filme haben jene zwei Komponente bereits unterschiedlich gewichtet gehabt. Kiyoshi Atsumi kann jedenfalls sein Joke-Timing ordentlich präsentieren. Was nicht bedeutet, dass es gar keine ernsthaft emotionalen Szenen gibt. Der wahre Kern der Reihe scheint bisher definitiv die Familie zu sein. Und so kommt es zu einigen Tränen zu beginn, wenn Tora wieder was verbockt, und sein loses Mundwerk seinen Onkel und Tante beleidigt. Was er ja nie so richtig meint, worüber sich alle bewusst sind, weswegen mit etwas Abstand wieder alles vergeben und vergessen ist. Tora hat eigentlich schon ein gutes Herz, was auch hier gut durchsickert, in dem er gleich zwei anderen Paaren zur Liebe verhilft. Auch wenn es schon sehr die Attitüde der damaligen Zeit ist, dass die Frau ihrem Mann vergeben soll, wenn er mal ein oder zwei kleine Affären hat, solange er weiterhin zu ihr steht.

Tora-san’s Grand Scheme (1970)

Die Formel der Tora-san-Filme ist hier bereits klar, haben doch schon alle Filme ihr gefolgt. Tora-san kommt von seinen Reisen zurück nach Hause. Er vermasselt irgendwas, gerät in Streit mit der Familie, und geht erneut auf Reisen. Anschließend, oft auf der Reise, trifft er auf einen Fremden, dem er mit den Problemen weiterhilft, sowie auf eine hübsche Frau, in der er sich verliebt, eventuell ist dies ein und dieselbe Person. Die wählt einen anderen, alle haben Mitleid mit Tora, der erneut auf Reisen geht, um über sein gebrochenes Herz hinweg zu kommen.

Hier besteht der erste Plot daraus, dass Tora beim Pferderennen eine Millionen Yen gewinnt und seiner Familie und sich eine Reise nach Hawaii bucht. Doch er erliegt einem Schwindler und so müssen die Torayas sich daheim verstecken, um das Gesicht nicht zu verlieren. Sie fliegen auf. Streit. Tora zieht weiter. Überraschend ist der zweite Plot dann aber nicht auf der Reise, sondern nachdem er von ihr erneut wiederkehrt. Onkel und Tante haben sein Zimmer untervermiete an die hübsche junge Lehrerin, die neu in der Gegend ist. Tora verliebt sich, hilft ihr über die Trauer um den verstorbenen Vater hinweg, sie wählt einen anderen. Tora zieht weiter.

Auffällig diesmal ist, dass die Gewichtung anders als sonst ist. Normalerweise ist der erste Plot, bei dem er sich mit der Familie verkracht, sehr kurz, hier nimmt er die Hälfte der Filmlaufzeit ein. Eventuell ist es auch dessen geschuldet, dass der zweite Plot um die Lehrerin etwas schwächelt. Wir finden weder heraus, warum sie mit dem Vater gebrochen hat. Noch kommt es zu einem richtigen Einverständnis zwischen ihr und Tora darüber, dass beide einen verstorbenen Vater haben, mit denen sie Probleme hatten, dessen Verlust aber dennoch schmerzte. Der Mann, für den sie sich entscheidet, taucht auch sehr kurzfristig auf. Die zweite Hälfte macht den Eindruck, als wäre hier mehr zu holen gewesen, hätte die Handlung besser ausgearbeitet sein können. Vielleicht wäre unter der Regie von Yoji Yamada mehr möglich gewesen, denn dies ist der zweite der nur zwei Filme, bei dem er diese Rolle nicht erfüllte. Aber wie gewohnt, das Drehbuch stammt eigentlich (mit) von ihm.

Tora-san’s Runaway (1970)

Tora-san nimmt den Witz der Familie, der Onkel läge im Sterben, zu ernst und gerät darüber mit ihnen in den Streit. Seine Schwester Sakura meint zu Tora, dass er mittlerweile zu alt für sein Landstreicher-Leben ist und einem ehrlichen Beruf nachgehen soll. Ein alter Chef von ihm liegt tatsächlich im Krankenhaus und will vor dem Tod seinen Sohn noch mal sehen, der aber nicht zu ihm kommt, da sich der Vater nie um ihn oder die Mutter kümmerte. Tora-san beschließt den Rat Sakuras anzunehmen und einen schweißtreibenden steten Beruf nachzugehen. Er landet in einem Tofu-Shop. Als Sakura ihn dort besucht und die junge Tochter der Ladeninhaberin trifft, schwant ihr Übles. Und natürlich hat Tora sich in sie verguckt, natürlich hat diese bereits einen anderen, und am Ende gibt Tora-san das ehrliche Leben auf und zieht weiter.

War ein interessanter Zufall, dass dieser Film mit einem verlängerten Witz über den mutmaßlichen Tod von Toras Onkel beginnt. Denn nur ein paar Tage vorher hatte ich entdeckt, dass dessen Schauspieler, Shin Morikawa, 1972 tatsächlich verstorben ist, uns also nicht mehr lange begleiten wird.

Yoji Yamada ist zurück auf dem Regie-Stuhl, wo er uns nun bis ans Ende der Reihe erhalten bleibt. Und auch wenn keine großen Unterschiede zwischen den Filmen zu verzeichnen sind, so bilde ich mir doch ein, dass der Ton ein wenig anders ist. Nachdem die vorigen beiden Filme die komödiantische Seite stärker aufgedreht haben, ist hier wieder auch viel melancholischer Unterton dabei. Wenn Tora-san, durch Sakura angefixt, realisiert, dass er sein Leben vergeudet. Wenn der vorige Boss stirbt ohne seinen Sohn noch einmal gesehen zu haben. Übrigens erfrischend zu sehen, dass dieser ihn nicht besucht, ihm nicht Vergebung schuldig ist, nur weil der Vater alles am Lebensende plötzlich bereut. Vaterprobleme spielen allgemein, wie damals im ersten Eintrag, bei vielen Nebencharakteren wieder eine Rolle. Und auch der Abschied von der Madonna des Filmes, der jungen Frau, in die sich Tora verliebt, ist reumütiger und macht Tora mehr zu schaffen. Yamada weiß es halt sowohl die Komik wie die Dramatik des Lebens seiner Hauptfigur gleichermaßen aufzuzeigen

Tora-san’s Shattered Romance (1971)

Diesmal hilft Tora-san einer Frau, die mir ihrem Liebhaber durchgebrannt ist und nun ein uneheliches Kind hat, zu ihrem Vater zurück. Der sie aber wieder rauswirft, da er im Alter nicht für sie aufkommen kann. Wehmütig zieht es auch Tora-san ins Familienhaus seines Onkels und Tante zurück. Die haben sein Zimmer mal wieder untervermietet, an eine attraktive junge Frau, die sich ebenfalls von ihrem Mann getrennt hat. Natürlich sieht jeder außer Tora es schon kommen, nämlich dass er sich in jene verliebt, seine Gefühle allerdings nicht erwidert werden. Sie kehrt am Filmende zu ihrem Mann zurück.

Es ist schon sehr erheiternd, dass mittlerweile jeder um Tora herum genau weiß, wie er tickt. Besonders was die Frauen angeht. Wann immer es der schlechtmöglichste Zeitpunkt für sein Auftauchen ist, meinen Onkel und Tante zueinander, dass er normalerweise genau jetzt hereinkommen würde… und dann geschieht es auch. Scheinbar hat die Tora-san Reihe ihre eigene Formelhaftigkeit schlichtweg zu einem Running Gag gemacht. Schön ist aber auch, was Tora seiner Schwester antwortet, wenn diese ihn sogar direkt darauf anredet, dass die Liebe natürlich mal wieder hoffnungslos war. Nämlich dass man mit dem Herz liebt, nicht mit dem Kopf. Wenn sich Gefühle entwickeln, kann Tora-san nicht anders, als ihnen hoffnungsvoll nachzugehen. Was ein putziges Kerlchen.

Das unterliegende Thema, dass Frauen besser bei ihren Männern bleiben sollten, ist natürlich genau wie das Schwarz-Weiß-Fernsehen und die Kleidung sehr die damalige Zeit widerspiegelnd. Interessant aber, dass Tora diesmal nicht viel hin und her reist. Nach dem Start, in dem er der jungen Mutter zu helfen versucht, bleibt er den Rest des Filmes über bei Onkel und Tante, wir verbringen diesmal sehr viel Zeit mit der Familie, deren Freundeskreis und der Madonna des Filmes. Und da die Familie immer das Herzstück der Reihe gewesen ist, ist das natürlich sehr bereichernd und bringt Stringenz in die Handlung.

Tora-san: The Good Samaritan (1971)

Als Tora mal wieder nach Hause in Shibamata findet, muss er lernen, dass er nicht der einzige Besucher ist – seine Mutter hat Onkel und Tante ebenfalls einen Besuch abgestattet, denn sie wollte Toras Frau kennenlernen. Scheinbar hat sie eine Einladung zur Beinahe-Ehe gesendet bekommen, sie aber niemand darüber aufgeklärt, dass daraus nichts geworden ist. Als Tora auf sie trifft geraten sie auch in Streit darüber, zum einen dass sie ihn als Kind aufgegeben hat, zum anderen dass er mal seine Frauen-Ansprüche runterschrauben und endlich heiraten soll.

Tatsächlich trifft Tora kurz darauf auf Hanako, ein offenes und herziges Mädchen mit Intelligenzminderung, weswegen sie sich leicht ausnutzen lässt. Tora nimmt sie unter seine Schwingen und freundet sich mit ihr an. Ja sie scheint dem Gedanken nicht mal abgeneigt ihn zu heiraten. Bis ein Bekannter aus ihrem Dorf auftaucht, um sie wieder dorthin mitzunehmen, wo sie wirklich glücklich ist.

Das harte Leben der Menschen wiederzugeben ist der Serie auch schon immer wichtig gewesen. Und so bemerkt beispielsweise Tora auf seiner hiesigen Reise, wie schade es doch ist, dass viele ihre Heimatdörfer verlassen müssen, in der Hoffnung der Armut entkommen zu können. Und Hanako ist letztendlich ein solches Mädchen, welches mit großen Versprechungen in die Stadt gelockt und dort ihre Gutmütigkeit ausgenutzt wurde. Es ist durchaus auch herzallerliebst, wie sehr sich Tora um sie kümmert, eindeutig nichts von ihr erwartend, nur damit sie dann meint, sie könnten einander heiraten. So nahe daran, dass es mit einer Frau doch für ihn klappen könnte, ist Tora noch nie gekommen. Schade ist ein allerdings das der Film Hanako, auch wenn sie jeder gut leiden kann und der Film grundsätzlich schon Sympathie für sie hat, zwischen den Zeilen wegen ihrer geistigen Einfachheit als minder anzusehen scheint. Aber das ist halt auch ein Zeichen der Zeit eines vor 55 Jahren gedrehten Filmes.

Tora-san’s Love Call (1971)

Was mir bei The Good Samaritan etwas fehlte, ist der Blick auf die anderen Charaktere. Der Film hatte mehr Stringenz als üblich, aber sich dafür auch hauptsächlich auf Tora und Hanako beschränkt. Auch wenn sie dadurch etwas episodisch wirken können, mag ich es an den anderen Filmen, dass sie kleine Fenster in das Leben aller Charaktere bieten. Das gibt ihnen zudem etwas Bodenständiges. Dadurch geholfen, dass es nicht nur viele sporadisch bis regelmäßig wiederkehrende Charaktere gibt, sondern dass jene immer von den gleichen Schauspielern porträtiert zu werden scheinen. Im Tora-san Universum ist niemand austauschbar.

Und in Love Call bekommen wir wieder viel vom Leben der Menschen mit. Da freundet sich Tora mit einer Wandertruppe von Schauspielern an, die in Gaststätten Kabuki vorführen. Dabei mitschwingend das dies, genau wie Toras Straßenverkäufer-Dasein, etwas ist, was im modernen Japan der 70er-Jahre am Aussterben ist. Sakura und Hiroshi müssen kurzfristig weg, um der Beerdigung von Hiroshis Mutter beizuwohnen. Tora taucht dort ebenfalls auf und tritt natürlich wieder in viele Fettnäpfchen. Aber es kommt auch zum Streit in Hiroshis Familie, als jener meint die Mutter wäre nicht glücklich gewesen die Magd für Mann und Söhne sein zu müssen, während sein Bruder meint in ihren letzten Worten hätte sie gesagt zufrieden sterben zu können. Und wie das im echten Leben so ist gibt es da keinen einfachen Abschluss zu. Hat die Mutter sich mit dem anderen Leben zurechtgefunden und auch dort ihr Glück gesehen? Oder hat sie bis zum Ende allen etwas vorgemacht? Das könnte nur sie beantworten. Es kommt auch zu keiner großen Aussprache zwischen den Brüdern, sondern sie gehen wieder ihrer eigenen Wege. Leute sprechen den Nixon Shock an, der aktuell gerade für ökonomische Ungewissheit im Land sorgt. Rundum man fühlt sich wirklich, als bekäme man durch diese fiktiven Charaktere einen Einblick in das Leben des gemeinen Japaners der 70er Jahre.

Diesmal verliebt sich Tora übrigens in eine Cafebesitzerin, die in die Nachbarschaft gezogen ist. Nachdem Hiroshis Vater ihm geraten hat, dass Mensch nicht ewig alleine sein kann, das Leben nur durch andere Menschen lebenswert wird. Etwas reumütig von ihm, der seine Karriere ebenfalls vor die Familie stellte. Aber Tora ist ja fast ganz allein, eine ewig wandernde Seele, die nur hin und wieder bei der Familie einkehrt. Mit der neuen Frau klappt es sogar fast, sie mag Tora eindeutig, und sie meint sogar ein Leben auf der ständigen Reise könne spannend sein. Tora-san ist dann derjenige, der dem nicht weiter folgt, denn er ist sich bewusst das diese romantische Verklärtheit der Realität nicht standhalten kann, und solange er als reisender Händler durch die Lande zieht er keiner Frau ein glückliches Leben bieten können wird.

Eine witzige Sache auch zu Beginn des Filmes. Die Familie erfährt, dass eine Nachbarin Tora schlechtredet. Und alle sind darüber empört. Die gute Dame scheint nichts gesagt zu haben, was sie nicht selbst ständig sagen. Aber es ist klar, wir als Familie dürfen das, wenn das aber ein Fremder tut stehen wir zusammen!

Tora-san’s Dear Old Home (1972)

Wir haben das Jahr 1972 erreicht und damit den Punkt, an dem sich die Reihe auf ein Release-Schema gefestigt hat. Ab nun wird es jedes Jahr zwei Filme geben, einen im Sommer und einen im Winter.

Ich habe gerade erst geschrieben, dass im Tora-san Universum niemand austauschbar scheint. Und schon werde ich vom Gegenteil belehrt. Shin Morikawa, der in den vorigen acht Filmen Toras Onkel mimte, verstarb im Alter von 60 Jahren Anfang 1972. Statt auch seinen Charakter als verstorben zu behandeln und gegebenenfalls einen neuen mit gleicher Aufgabe einzuführen, wurde der Onkel schlicht mit Tatsuo Matsumura neu besetzt. Der war bereits in einem vorigen Film in einer Nebenrolle zu sehen, und wird auch in Zukunft die Rollen wechseln, denn als Onkel bleibt er uns nur zwei Jahre treu.

Vielleicht wollte man das emotional harte Thema eines verstorbenen Familienangehörigen auch herauslassen, weil es nicht in die Atmosphäre des Filmes passt. Diesmal kommt Tora nach Hause, nur um zu sehen, dass sein Zimmer mal wieder zur Vermietung preisgegeben ist. Empört stürmt er davon, um woanders unterzukommen, nur damit der Immobilienhändler ihn witzigerweise wieder zur Familie zurückbringt, um sein eigenes Zimmer zu mieten. Wieder auf Reisen gegangen trifft Tora-san auf drei junge Frauen, die ihre letzte gemeinsame Reise als Freundinnen begehen, bevor eine von ihnen heiraten wird, und schließt sich ihnen an. Zusammen haben die drei einen netten Tripp und anschließend schaut die nette Utako auch so hin und wieder bei Tora und seiner Familie vorbei, die ihr letztendlich gut zureden, sich trotz Komplikationen auf die Ehe mit ihrem Schwarm einzulassen.

Der neunte Film ist definitiv der seichteste der Franchise. Sehr humorig, sehr leichtfüßig, einfach gute Vibes ausstrahlend. Es gibt das eine oder andere Problem, aber noch nie wirkten sie so überwindbar wie hier. Das passt, zusammen mit dem Road Trip der drei Mädels, sehr gut atmosphärische für einen Sommerfilm. Da wäre ein toter Onkel vielleicht doch zu viel stilistischer Bruch gewesen.

Tora-san’s Dream Come True (1972)

Torajiro will sich mal wieder niederlassen, was seine Familie diesmal sogar überraschend ernst nimmt, alle begeben sich auf Suche nach einer Frau für ihn. Doch wann immer sein Name fällt, ist dies das Ende der Heiratsgespräche, und so zieht Tora weiter. Nur um an einer Reisestation über ein trauriges Schicksal zu erfahren. Ein anderer fliegender Händler, der häufig im Gasthaus Station machte und alle mit seinen witzigen Reisegeschichten aufgeheitert hat, ist dort vor kurzem verstorben. Ohne Angehörige hat man ihn vor Ort zu Grabe tragen müssen. Ein trauriger Ausblick auch auf Toras Zukunft, der genau das gleiche Leben führt.

Zurück Daheim haben sich zwei neue Charaktere eingefunden. Toras Zimmer ist mal wieder untervermietet, an Professor Okakura. Und Toras frühere Mitschülerin Chiyo hat einen Schönheitssalon in der Nachbarschaft eröffnet. Tora schwärmt allerdings nur kurz für sie, nachdem er Okakura wegen der gleichen leicht tollpatschigen Verliebtheit zunächst neckt, versucht er die beiden anschließend zu verkuppeln. Chiyo hat allerdings kein Interesse an Okakura, sondern an Tora, aber auch daraus wird dann nichts mehr.

Dream Come True ist ein Film, der sich anfühlt, als wären die zwei Scripts von individuellen Filmen versehentlich zusammengeworfen worden. Die erste Hälfte ist mit der erfolglosen Brautschau und besonders der Geschichte über den verstorbenen Reisenden nicht nur sehr dramatisch, sondern sogar überraschend düster. Nur damit sich dann in der zweiten Hälfte direkt zwei Toras in ihm und den Professor humorig die Klinke geben was das Werben von Chiyo angeht. Sicherlich, die Filme haben immer mehr oder weniger viel Tragik auch in die humorigen Geschichten gepackt, aber hier reiben sich die beiden Hälften doch überraschend stark aneinander. Aber schon interessant, dass zunächst in der Serie Toras Verliebtheit in die Damenwelt als eigentlich von Anfang an hoffnungslos dargestellt wurde, während er in den letzten drei Filmen doch immer eine reale Chance hatte, die er allerdings dann doch nicht wahrnimmt. Ja in Dream Come True scheint er sich sogar überraschend wenig romantisch für Chiyo zu interessieren

Iblard: The City of Hatching Laputa

Gerade die japanische PS1-Bibliothek ist voller interessanter Spielversuche. Da wurde richtig viel mit der neuen dritten Dimension rumexperimentiert. System Sacom sind da kein unbeschriebenes Blatt, die ich hauptsächlich durch schräge FMV-Adventures kenne, auf die sie sich in den späteren 90ern spezialisiert hatten, bevor sie dem Videospielmarkt entstiegen sind und auf die Produktion von PC-Hardware umorientierten.

Ein weiteres ihrer Werke ist Iblard: Laputa no Kaeru Machi, welches 1997 nur in Japan auf die PS1 aufschlug. Aber Iblard ist kein Videospiel, also ja doch es ist schon eines, aber nicht vom Ursprung her. Naohisa Inoue ist ein japanischer Künstler und mittlerweile auch Professor der Künste an der Seian Universität. Die meisten seiner Gemälde sind dabei in einer von ihm kreierten Fantasiewelt angesiedelt. Von ihm Iblard getauft. Dank diesen Gemälden war er auch zeitweise beim Studio Ghibli angestellt, seine Gemälde dienten sowohl als Inspiration der Traumsequenz in Whisper of the Heart, sowie wurden auch zwei Kurzfilme (Iblard Jikan und Hoshi o Katta Hi) vom Studio produziert. Und System Sacom dachten sich eben in 1997, dass diese Welt perfekt dazu wäre, auf der PS1 durchstreift zu werden.

Was ich nun von Iblard der Software erwartet hatte, war im Prinzip ein Walking Sim. Ich bin ähnliche Spiele auf der Konsole ja gewohnt. In Aquanaut’s Holiday geht es darum frei den Ozean zu durchstreifen und halt zu entdecken, was man zufällig entdeckt. In LSD Dream Simulator geht man von einem Traumbild zum nächsten. Kaze no Notam schien zumindest dafür gemacht, sich im Ballon durch die Landschaft treiben zu lassen, auch wenn es überraschend Zielvoraussetzungen einband. Ich glaube es war nicht ganz abwegig, davon auszugehen, dass in Iblard eben die Gemäldelandschaften Naohisa Inoues durchwandert werden und wenig mehr. Dem ist allerdings nicht der Fall, System Sacom haben dies alles doch wesentlich mehr in gewöhnliche Game-Elemente eingebunden.

Das beginnt schon damit, dass dies alles hier in eine Story-Struktur gepresst ist. Das Spiel beginnt in einer modernen Großstadt. Der Spieler hat von seinem Vater immer aus dem Märchenbuch von Iblard vorgelesen bekommen. Eines Tages sieht er eine junge Frau mit einem Maulwurf und Frosch einen roten Edelstein aufsammeln. Ihnen gefolgt versetzt es den Protagonisten nach Iblard. Dort angekommen findet er heraus, dass bestimmte Edelsteine gesammelt werden müssen, um Laputa zum schlüpfen zu bringen. Dies ist die einzige Möglichkeit in seine Welt zurückzukommen. Gleichzeitig ist die erzeugte Energie auch von einem militaristischen Imperium gesucht. Und ein wenig die physische Inkarnation der eigenen Depression in Form von Elefanten wird auch bekämpft.

Die Welt besteht aus 10 einzelnen Stages, alle inspiriert von einem anderen Bild von Naohisa Inoue, welche nach Beendigen des Spieles sogar in einer Galerie freigeschaltet werden. Zum Start sind wir beispielsweise in einem Heckenlabyrinth mit Bahnhof. Später in einem Wald mit einem Giganten, dessen Sprache wir nicht verstehen. In einem Feld, welches von Raptoren besiedelt ist. Springen zwischen in der Luft schwebenden Inseln hin und her. Durchwandern einen Wald voller großer Pilze. Oder begehen eine kunterbunte Stadtlandschaft. Dies alles inspiriert von seinen Bildern, ja, aber eben umgesetzt in rudimentärem PS1-3D. Da geht schon ein wenig von der Fantastik der Bilder flöten, durchaus. Aber uninteressant sind die Landschaften durchaus auch nicht. Zumal sich die Bilder noch sehr gut für eine Umsetzung anbieten, sind sie doch nicht komplett fantastisch sind, sondern oftmals Bodenständige Elemente wie Einkaufsstraßen, Wälder und Inseln, beinhalten, deren Komponenten nur neu zusammengewürfelt werden, um dem eine fantastische Note zu geben.

Was nun in den Stages zu tun ist, ist oftmals simpel. Ein paar Schalter benutzen, ein paar Steine auffinden und in die richtige Öffnung stecken, die richtigen Sprungbretter begehen – recht simple Dinge, um die kleinen Gebiete durchwandert und zum Übergang ins nächste zu kommen. Gegebenenfalls einen der Edelsteine zum Erwecken von Laputa mit eingesteckt. Sonderlich schwer ist es nie herauszufinden, was zu tun ist, weil nur mit einer begrenzten Anzahl an Dingen interagiert, nur wenige Items aufgenommen werden können. Da ist auch mit Trial und Error selbst an den abwegigeren Zusammenhänge schnell vorbeigekommen. Gegner tauchen ebenfalls sporadisch auf, die mit dem Bumerang ausgeschaltet werden. Die Lebensleiste ist via fünf Sterne angezeigt, allerdings findet man so häufig Regenerierung, dass es eher abwegig ist, an den wenigen Gefahrenquellen wirklich je die komplette Lebensleiste zu verlieren. Es überrascht regelrecht, wie schnöde und konventionell das Adventure-Gameplay in einem Spiel ist, welches sich in einer solchen Fantasiewelt verortet.

Es wirkt halt schon so, als wäre die Ursprungsintention gewesen, die Gemäldelandschaften zu durchwandern und in sich aufzunehmen, jemand traute aber nicht ganz, dass dies genug ist, also wurden ein paar Spielmechaniken eingebunden, um Iblard in die Form eines traditionelleren Videospiels zu pressen. Selbst als solches ist es nämlich immer noch wenig fordernd, innerhalb von 2 Stunden beendet, und der interessanteste Aspekt ist und bleibt die Landschaft, durch die gepuzzelt wird, nicht das Spielgeschehen an sich. Diese macht es durchaus wert, das Spiel einmalig selbst zu erleben, aber ich hätte doch etwas mehr erwartet, oder eine weniger gewöhnliche Spielerfahrung zumindest. Ich bin fast etwas überrascht, dass sich nach dem Ende nicht zumindest ein Free Roam Modus freischaltet, in dem die Stages erneut ohne Einschränkung durchlaufen werden dürfen.

Certainly Simple: Oharuchan Go Go Go!

Willkommen zurück zur Simple-Reihe von D3 Publisher, zu denen wir in 2022 bereits jeden Monat einen Eintrag zu je zwei Games hier hatten, plus dann ein paar zusätzlich Artikel in 2023. Grundlage noch mal rekapituliert: D3 ist wie ihr Name bereits sagt lediglich der Publisher, haben sich von diversen Studios auf diversen Plattformen dutzende an Spielen herstellen lassen, unter kleinem Budget, mit kleinem Umfang, aber dafür auch für einen kleinen Preis.

Heute geht es um das PS2-Spiel mit dem sehr simplen und bündigen Namen Simple 2000 Series Vol. 114: The Onna Okappichi Torimonochou – Oharuchan Go Go Go!, mit 2007 ein spätes Release auf der Konsole, und nur in Japan erschienen.

Angesiedelt in einer schrägen Parallel-Variante Japans, die aussieht wie eine Las Vegas Vergnügungspark-Version der Showa-Ära, kämpft sich die titelgebende Polizistin Oharu mit Sai-Gabeln und im Kimono durch die modern-urbanen Straßen, gesäumt von Darumas und einer japanischen Freiheitsstatue, um eine kriminelle Organisation zu beseitigen. Unterteilt ist das vom Ablauf her in fünf Kapitel von je fünf, aber eigentlich nur vier, Stages. Deren Ziel ist es immer den Bosskampf ausfindig zu machen, und jenen natürlich auch zu bestehen, bevor das Zeitlimit von 20 Minuten abgelaufen ist. In den ersten drei Stages präsentieren sich generische Bosse, im vierten dann mit etwas Story-Text bestückt einer der Hauptakteure der Organisation. Ist jener besiegt wird das nächste Kapitel freigeschaltet und das bis nach fünf Kapiteln und somit 20 Stages deren Obermotz das Zeitliche gesegnet hat. Das jeweils fünfte Bonus-Stage des Kapitel hat sich mir nie freigeschaltet, ich gehe mal davon aus, dass man dafür 100% der Sternen-Collectibles in den vier Leveln davor erreichen muss. Nein danke.

Um jenen Boss-Raum ausfindig zu machen ist allerdings eine von diversen Challenges zu bestehen. Beispielsweise muss Oharu eine gewisse Anzahl an generischen Gegnern besiegen. Oder sie hat eine Anzahl verteilter Gegenstände aufzusammeln. Für den Hauptboss des Kapitels sind Schlüssel einzusammeln, die randomisiert von Gegnern hinterlassen werden. Das alles in ein und der gleichen Stadt, die aus einer geringen Anzahl von Arealen besteht, wobei jedes Stage ein wenig abändert, welche Ein- und Ausgänge aktiv sind, so dass sich deren Beschreiten etwas abändert. Was natürlich dennoch nichts daran ändert, dass für alle 20 Stages prinzipiell die gleichen paar Bildschirme durchwandert werden und leichte Abwandlungen der gleichen paar Gegner zu besiegen sind. Das wird mit der Zeit schon etwas fade, besonders wenn man auch noch viel Zeit daran verplempert, dass der Eingang zum Boss zu finden ist. Dieser ist zwar auf der Karte markiert, aber da immer nur die Karte des aktuellen Bildschirms eingeblendet ist, kann man hier schon mal wild durch die Areale zirkeln, wahrscheinlich immer einen Ausgang übersehend, bevor endlich in jenes Gebiet gestolpert wird, in dem die Türe freigeschaltet wurde. Zudem macht die Kamera, gerade in engen Straßen und nahe den Gebäuden, gern was sie will. Und Oharu kämpft etwas behäbig, ihre Sprünge sind sehr kurz und es kämpft sich am Sichersten, in dem zunächst der Angriff des Gegners abgewartet wird, statt zuerst zu schlagen. Denn sollte Oharu in einer Animation sein und von einem Gegner zuerst getroffen werden, wird ihre Attacke gecancelt, was besonders schnell geschieht, wenn eine Gruppe Gegner sie umschwärmt hat. Und Schwarmverhalten ist deren Standard. Gerade die Bosskämpfe in ihren engen Räumen laufen stark darauf hinaus, ob man sie innerhalb einer Kombination erschlägt, oder ob einen die zusätzlichen Gegner ständig aus der Finisher-Animation herausschlagen. Denn Bosse sind erst besiegt, wenn Oharu sie bewusstlos prügelt und dann mit ihrer Lasso-Attacke unschädlich macht, die aber auch einen gewissen Windup hat.

Einen kleinen Shop zum Einkaufen zwischen den Stages gibt es obligatorisch auch, in dem für das von Gegnern und dem End-Score jedes Einsatzes erhaltene Geld überraschend viel für ein 5-Stunden-Spiel eingekauft werden kann. Neue Haarnadeln, Waffen und Kimonos für Oharu beispielsweise, die nicht nur kosmetisch ihr Aussehen etwas ändern, sondern auch leicht unterschiedliche Angriffs- und Defensivwerte und eventuell sogar ein Spezialeigenschaft beinhalten. Die größten Charakterverbesserungen gibt es allerdings auf der letzten Seite, wo neue Moves und größere Statusaufwertungen warten. Das Titel-Gebende Detektivtagebuch Oharus, in dem sie über die erfolgreichen Fälle berichtet, sind auch nachlesbar, was sicherlich ein netter Touch ist, sofern man Japanisch lesen kann.

Es ist etwas schade, dass der Ablauf des Spieles so repetitiv ist und sich das Kampfsystem so behäbig steuern lässt. Natürlich sind von den Spielen der Simple 2000 Line keine großen Sprünge zu erwarten, aber hier haben Tamsoft mit ihren vorigen Oneechanbaras dennoch bereits bewiesen, dass sie es besser können. Ich möchte es ihnen anrechnen, dass sie nicht einfach 1:1 das gleiche System nur in einem geänderten Setting erneut verwendet haben. Hätte allerdings eventuell ein unterhaltsameres Spiel abgegeben.

A Digital Paper Trail and the Mortality of Everything

Ich bin vor kurzem den kleinen Hasenbau hinuntergegangen, welcher die Karriere von Hamao Kyousuke ist. Ich weiß nicht, irgendwie hatte es etwas Interessantes, wie viel der in 7 Jahren nach seiner Entdeckung als 16-jähriger abgedreht hat, nur um dann wegen anderer Ambitionen dem Showbusiness den Rücken zuzukehren. Darunter aber auch viele Filme, die keine großen Klassiker geworden und sowieso nicht außerhalb Japans bekannt sind. Über die kurze Suche nach Infos zu jenen bin ich deswegen jedenfalls eher auf japanischen Seiten gelandet. Und dann auf einem Ameblo, wo auch jemand retrospektiv Interesse an Hamao entwickelte, aber im Gegensatz zu mir sogar dessen Filme schaute.

Aber jene Seite zu entdecken hat mich direkt wieder sehr nostalgisch gemacht. Ameblo ist eine Unterseite der Social Media Company Ameba. Und auf Blogs ausgerichtet. So ein wenig vergleichbar mit Tumblr und Livejournal, wo über eine Plattform viele Privatleute ihre eigenen Gedanken via Blogartikel teilen, aber wegen der zentralen Plattform sich gut connecten und finden können. Nur das diese Plattform ein wenig offizieller war, etwas wie Twitter bei uns, denn selbst berühmte Persönlichkeiten nutzten sie, um über ihre Projekte auf dem Laufenden zu halten. Ameblo scheint sogar noch ganz gut besucht zu sein, auch wenn ich davon ausgehe, dass die Glanzzeit ein wenig rum ist. So etwas ist für mich einfach sehr intrinsisch das Internet der 2010er Jahre, während mittlerweile Leute eher in Short Form Content und über Videos unterwegs sind.

Sehr schade finde ich dennoch, dass diese Zeit vorüber ist. Ich bin mir voll bewusst, dass sich häufig „damals war’s besser“ auch als „damals war ich jünger und ich möchte in diese als simpler empfundene Zeiten zurück“ übersetzen lässt. Sicherlich werden in zehn Jahren Leute auch dem Internet aus 2026 hinterher trauern. Aber so ein wenig mag sich mir das Gefühl nicht entziehen, dass ungefähr zwischen 2010 bis 2015 die beste Zeit im Netz war. Damals war es noch voller kleiner privater Anlaufstellen. Der eigenen Homepage, dem eigenen Blog, dem privaten Social Media Account, den Spezialinteressen-Foren. Aber jene bereits auf wenige zentrale Plattformen zusammengezogen, wodurch sich zu finden und miteinander zu interagieren einfache war. Diese Zeiten sind leider rum. Gerade als Twitter kaputtgegangen ist beispielsweise, wo gefühlt jeder zu finden war und man sich schnell auf dem Laufenden halten konnte. Blogs schreibt so gut wie keiner mehr. Ich war zwar selbst nie auf Tumblr oder Livejournal, aber ich glaube damals konnte man dort eine richtig gute Zeit mit Gleichgesinnten haben, während es aktuell eher überrascht, dass die überhaupt noch online sind. Mittlerweile gibt es sicherlich Alternativen, hat das Internet einfach eine andere Form angenommen, kommen Kids auch so noch zueinander, und ich bin einfach zu alt, um mich noch in den neuen Strukturen einzubinden. Aber so ein wenig das es schlechter geworden ist, kann sich mir das Gefühl nicht entziehen. Auch weil so viel von Bots überrannt ist, so viel nur noch Engagement Baiting ist. Selbst Privatpersonen auf ihren eigenen Accounts klingen mittlerweile mehr, als wollten sie Memes und Viralität replizieren, statt authentischer zu schreiben.

Das hat mich auch daran denken lassen, wie viel vom Internet schlichtweg nicht mehr existiert. Vielleicht noch als Faksimile, wenn man gezielt danach im Web Archive sucht, jedoch auch dort immer weniger Momentaufnahmen zu finden sind und häufig tiefergehende Links brechen. Aber eben nicht mehr richtig existiert. „Sobald etwas im Internet ist, ist es für ewig“ stimmt halt schlichtweg nicht. Als Warnung, was man ins Web stellt, weil es einen lang verfolgen kann, ist das sicherlich gut. Grundsätzlich verschwindet aber ständig etwas aus dem Netz. Als die frühen Anbieter privater kostenloser Homepages wie Geocities ihre Server abgestellt haben, sind alle jene Inhalte mit eingegangen, und mit ihnen all das Herzblut, das ins Präsentieren des eigenen Hobbys gesteckt wurde. Als Leute das zu X degradierte Twitter verlassen und dabei ihre Accounts gelöscht haben, sind alle ihre dort vorher veröffentlichen Gedanken mit verschwunden. Als die Zeit der Foren-Communities endete wurden viele davon abgeschaltet, und haben damit alle Konversationen, die je darauf stattgefunden haben, das Zeitliche gesegnet. Als Twitch, durchaus verständlich für mich, meinte sie sind eine Live-Streaming-Plattform und nicht als Video-Archiv gedacht und haben deswegen eingeschränkt, wie viele vergangene Broadcasts man über Highlights aufbewahren kann, sind ganze Bibliotheken an Streams und die darin enthaltenen Momentaufnahmen der Community verschwunden.

Ich persönlich bin ja immer noch überrascht, dass Youtube nicht längst steigende Server-Kosten dafür angeführt hat, dass automatisch alle Videos, die sowohl ein gewisses Alter überschritten haben sowie unter gewissen Zuschauzahlen geblieben sind, gelöscht werden. Sollte das je geschehen, dann gehen all die charmanten kleinen Videos verloren. Den Jux, den man vor zwanzig Jahren mit den Freunden nach der Schule aufgenommen und online gestellt hat. Das Video, in dem man weit entfernte Verwandte und Freunde über sich auf dem Laufenden gehalten hat. Die zwölf Jahre alte Videoaufnahme des Hunde-Welpen, den man sich zugelegt hatte, der einen zehn Jahre seines Lebens begleitete, bevor er gestorben ist. Und selbst wenn nicht, wird es Youtube ewig geben? Irgendwann ist auch dessen Zeit rum und wird es abgeschaltet. Tumblr und Livejournal existieren wie gesagt noch, aber ihre Glanzzeiten hatten die vor fünfzehn Jahren, als sich dort viele ausgetauscht haben. Sofern die User sie nicht gezielt gelöscht haben, existieren all jene Blogeinträge, Gedankengänge und die durch sie entstandenen Konversationen noch. Die tollen Chats, die man mit jemanden hatte, mit dem man 2012-2014 wöchentlich online in Kontakt war, den man dann digital leider aus den Augen verloren hat, an die man aber selbst zehn Jahre plus später noch gern denkt. Sobald sich entschieden wird, dass die Plattformen online zu halten mehr kostet, als ihre Resonanz es wert ist, wird auch all dies verschwinden. All die Beweise, dass diese Verbindungen je stattgefunden haben, statt nur entfernte Erinnerungen zu sein. Das ist schon irgendwo auch traurig.

Entfernt relevant dazu denke auch ich immer mal wieder über den Tod und was dann bleibt. Ich war glaub ich ein morbides Kind, bereits als früher Teenager war mir bewusst, dass meine Existenz irgendwann enden wird und dann nichts bleibt. Aber so ein wenig als Mensch möchte man sich doch nicht eingestehen, dass dann alles rum ist. Irgendwie hätte man doch gerne, dass irgendein Beweis der eigenen Existenz das sterbliche Fleisch überlebt. Ich hatte nie Ambitionen im Leben und werde auch nie Kinder haben. Von daher werde ich nicht für Generationen in Erinnerung bleiben, entweder durch den eigenen Stammbaum, oder weil ich etwas so Tolles oder Schreckliches getan habe, so dass sich die breitere Nachwelt an mich erinnert. Wenn ich Morgen sterben würde, erinnert sich mein engster Familienkreis eventuell noch ein paar Jahre an mich. Online kommt eventuell dem einem oder anderem nach einem halben Jahr der Gedanke, schon eine Weile nichts mehr von mir gelesen zu haben, bevor dann nie wieder an mich gedacht wird. Dennoch denke ich manchmal gern, dass zumindest online meine Präsenz mich etwas überleben wird, etwas von mir überdauert.

Durch das Blog hier vielleicht. Das nie sonderlich beliebt war und Leserandrang gefunden hätte, bei dem ich durch eine besonders schlechte Zeit in 2024 mich anschließend nicht mehr in der Lage fühle, als könnte ich mich noch mitteilen, weswegen es keine regelmäßigen neuen Gedanken zu Multimedia gibt. Aber bei dem eventuell doch auch später noch mal jemand drauf landet und einen alten Gedanken von mir entdeckt. Vielleicht über einen auf Youtube hochgeladenen Twitch-VOD, in dem meine Stimme zu hören ist, die live ihren Frust durch ein Spiel zu kommen kundtat. Durch einen Tweet oder wie es Alternativseiten nennen, den ich auf Twitter oder Bluesky abgefeuert habe, über den gestolpert wird. Ich war hier, ich war nie was Besonderes, aber ich habe gelebt und hier ist der Beweis, dass ich existierte. Das ist irgendwie ganz nett.

Es hält natürlich einer längeren Beobachtung nicht stand. Denn wir sprachen ja gerade davon, wie endlich doch alles ist, selbst im angeblich ewigem Ökosystem des Internets. Falls ich an Altersschwäche sterbe, habe ich eh noch einige Jahrzehnte vor mir. Wer weiß, bis dahin ist WordPress wahrscheinlich abgestellt und somit auch dieses Blog hier nicht mehr existent. Eventuell ist Twitter dann endgültig eingegangen, und somit auch mein dortiger Account eingestampft. Vielleicht gibt es Twitch nicht mehr, vielleicht nicht mal Youtube. Und selbst wenn es diese Plattformen noch nach meinem Tode gibt, eventuell auch neue, auf denen ich aktiv war, auch jene wird es nicht ewig geben. Theoretisch gesehen ist sowieso nichts für die Ewigkeit. Selbst starke Familienmenschen werden nach einer gewissen Anzahl an Generationen nicht mehr zur aktiven Erinnerung gehören. Selbst Leute, die Großes oder Schreckliches hinterlassen haben, kann die Geschichte aus dem einen oder anderen Grund vergessen. Irgendwann wird es keine Menschen mehr geben, und somit auch niemanden, der unsere Historie weiterführt. Irgendwann wird unsere Sonne zur Supernova und die Erde verschlingen, und dann gibt es selbst diesen Planeten nicht mehr. Irgendwann wird sogar das Universum ein Ende finden. Über kurz oder lang oder noch viel länger überdauert einfach nichts.

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