Happy Pride Month! Ach nein, den habe ich beim aktuellen BL-Drama-Beschauen schon verpasst. Aber CSD ist doch auch noch im Juli! Ach ne, ich glaube die habe ich auch alle verpasst. Egal, ein Mammut-Post über hübsche Jungs, die sich küssen, geht immer. Genau genommen eigentlich grenzwertig homophobisch mir vorzuwerfen, dass Pride bereits rum ist. Die geht auch das ganze Jahr über. Oh du hypothetischer Leser, den es gar nicht gibt, und der mit gar nichts vorwarf. Oder ist das meine eigene verinnerlichte Homophobie, die ich einfach nur auf eine externe Leinwand projiziere? Die nächsten 10 (+1, das sich dazwischen geschlichen hat) Dramen sind jedenfalls hier:
Although I Love You, and You?
Was für ein merkwürdiger und umständlicher englischer Titel man hier doch gewählt hat. Wenn der titelgebende Satz in der Serie an sich fällt, wird das schon flüssiger mit „I like you, how about you?“ übersetzt.
Jedenfalls spielt die Serie in Osaka, einer Region, die für sehr direkte und witzige Menschen mit komischem Akzent bekannt ist. Der aus Tokyo stammende Hisashi ist zu einem Firmenzweig hierher versetzt worden und hat Anfangsschwierigkeiten damit, sich in die spezielle Art der Menschen vor Ort einzufinden. Sakae ist hier aufgewachsen und führt ein Restaurant. Nachdem Hisashi eines Abends bei ihm isst, ist Sakae sofort Feuer und Flamme für diesen, empfindet dies zum ersten Mal wieder, nachdem sein Ex mit ihm Schluss gemacht hat.
Although I Love You machte auf mich den Eindruck einer sehr gestreckten Serie, die das Material für 6 Folgen auf 10 gedehnt hatte. Deswegen habe ich kurz den Manga, auf dem sie basiert, recherchiert, und tatsächlich ist der nur einen Sammelband an Umfang. Die Serie beginnt eigentlich sehr nett. Die beiden Charaktere haben Chemie. Ich mochte den eher heiteren und witzigen Ton, der vom Osaka-Setting stammt. Es hat gut gepasst, dass Hisashi durch Sakae mehr auftaut und andersrum Sakae wieder zu lieben lernt. Wie sehr sich Sakae um Hisahis bemüht ist goldig und Hideyoashi Kan mal wieder einfach froh, schauspielern zu dürfen. Zumal ich denke, dass er auch gern die hyperaktive Witzfigur mimt, weil ihm normalerweise die coolen Figuren zugeschrieben werden, er also mal jemand anderen darstellen darf. Alles sehr gutes Setup für eine kurze Geschichte. Doch dann mäandert das alles in späteren Folgen so ein wenig vor sich hin. Ein Ex taucht auf. Es kommt zu schlechter Kommunikation und Missverständnissen. Alles nicht ungewohnt, aber hier will daraus nicht so wirklich ein rundes Ganzes werden für mich.
Auch der Grund für den Bruch miteinander erschien mir sehr dämlich, besonders von zwei erwachsenen Menschen kommend. Klar übersteht nicht jedes Paar eine Distanzbeziehung, aber es überhaupt gar nicht erst zu versuchen ist schon seltsam. Allgemein machten die Charaktere, besonders Hisashi, den Eindruck, so geschrieben zu sein, wie es die aktuelle Szene brauchte, und nicht, wie es in sich stimmig ist.
Living With Him
Mein Interesse an Although I Love You war geweckt, weil Hideyoshi Kan eine Hauptrolle verkörperte. Living With Him wiederum, weil sein Kamen Rider Geats Co-Star Ryuga Sato in der Serie mitgespielt hat. Sollte nicht das einzige BL-Drama bleiben, bei dem ein Schauspieler den Hauptgrund ausmachte, warum ich es sehen wollte.
Ryota hat sich eigentlich auf die neue Freiheit des Lebens als Unistudent gefreut, nachdem er sich seine High-School-Jahre über viel um seine zwei Schwestern kümmern musste. Was er nicht ahnte ist, dass seine Mutter abgemacht hat, dass sich Ryota mit Kindheitsfreund Kazuhito eine Wohnung teilen wird. Kazuhito hingegen gefällt die Idee, denn er ist schon lang heimlich in Ryota verliebt.
Living With Him ist eine relativ gewöhnliche Kindheitsfreunde-zu-Liebenden Geschichte. Kazuhito ist sich seiner Gefühle bereits bewusst, drängt sich Ryota allerdings nie auf. Ryota hingegen braucht ein wenig, um herauszufinden, wie er wirklich fühlt. Zu Komplikationen kommt es kaum. Und die, welche da sind, sind eher klein. Gegen Ende macht Ryota die Sache, die ich eigentlich nicht leiden kann, wo ein Charakter einen Rückzieher macht, weil er denkt nicht gut genug für den anderen zu sein. Was im Falle von Ryota allerdings sogar zum Charakter passt, da gut etabliert ist, dass er sein Leben lang an andere gedacht und für sie zurückgesteckt hat, statt sich und seine Gefühle zu priorisieren.
Ich bin mir sicher, dass die Serie für einige sehr langweilig daherkommt, weil eben nicht viel geschieht, weil das meiste Fluff ist. Aber mir gefällt das durchaus, dass einfach mal zwei Leute unter relativ geringem Stress zueinander finden. Leider ist das Schauspiel häufig nicht so gut, was sich aber auf die meisten Rollen bezieht, von daher ist es eventuell auch ein Direktionsproblem, nicht die Darsteller an sich.
Therapy Game
Eine weitere Serie, in der Ryuga Sato mitspielt, und eine der beliebteren BLs des letzten Jahres. Zumindest habe ich viele darüber reden sehen. Ich bin da ja eher anderer Meinung zu.
Das Setup ist, dass Shizumas Freundin gerade mit ihm Schluss gemacht hat und seine beiden Kumpels ihn mit in eine Bar nehmen. Dort trifft er auf Minato, der gerade angepisst ist, weil sein großer Bruder eine neue Beziehung hat und deswegen weniger Zeit für ihn. Sie kommen ins Gespräch. Und wachen am nächsten Tag in einem Hotelzimmer nebeneinander auf. Nur das Shizuma so viel getrunken hatte, dass er sich an die Nacht nicht erinnern kann. Minato findet das scheiße und will sich damit rächen, Shizuma sich in ihn verlieben zu lassen, um ihm dann eine Absage zu erteilen. Nur das Minato die Zeit, die er anschließend mit Shizuma verbringt, wirklich wertzuschätzen lernt.
Es ist also klar, was zu dem gewohnten Bruch zwischen den beiden führen wird, sobald sie sich nähergekommen sind. Shizuma findet den Plan von Minato heraus, allerdings ist das bereits in Episode 4 von 9, also wesentlich früher, als gedacht. Und das ist ein wenig so das Problem von Therapy Game für mich, die Serie wirkt zu episodisch. Ein Problem kommt auf, um als Cliffhanger der Folge zu dienen, und in der nächsten Folge bekommen die beiden es bereits aus dem Weg geschaffen, nur damit sich eine neue Komplikation aufbauen kann. Hier hätte man eventuell etwas langwierigeres einbauen können. Ich denke dafür war Minatos Kindheitstrauma gedacht, aber das scheint erst aufs Finale wirklich zum Zuge zu kommen, statt davor große Präsenz aufzuweisen. Auch der Bruderkomplex Minatos, der in der ersten Folge extra mehrmals angesprochen wird, löst sich ziemlich sofortig in Nichts auf. Die Handlung von Therapy Game wirkt einfach für mich zu abgehakt und wirkt Substanzlos, als wüsste sie selbst nicht so genau, wo sie jetzt einen Schwerpunkt legen soll.
Die Chemie zwischen den beiden durchaus sehr attraktiven Hauptcharakteren stimmt ebenfalls nicht so ganz. Das kann aber auch ein Problem der Direktion der Schauspieler sein. Ryuga Sato spielt hier eine Nebenrolle, er ist Minatos Bruder, der eine Beziehung mit Shizumas Bruder anfängt. Und was ist sein Schauspiel hier miserabel. Sowohl in Kamen Rider Geats als auch Living With Him hat er da mehr geleistet. Und dass, obwohl in Living With Him das Schauspiel ebenfalls eher schwach war, konnte er dort eigentlich eine ganz gute Figur abgeben. Ich weiß also wirklich nicht so ganz, was hier geschehen ist.
Was mir allerdings gut gefallen hat, ist, dass die Serie stark in Queer Culture angelegt ist. Minato und sein Bruder definieren sich beide als eindeutig schwul. Sie sind Stammgast in einer Gay Bar, in der eine Mama, eine Trans Frau, eine Drag Queen und ein bisexueller Mann arbeiten. Das sind wiederkehrende Nebencharaktere. Und das war mal ganz nett in einem BL Drama repräsentiert zu sehen.
Whent It Rains, It Pours
Ich bleibe dem Thema treu, denn diese Serie kam auf die Liste, weil Ito Asahi eine Hauptrolle spielt. Das ist derjenige aus Zettai BL, mit dem der Hauptcharakter hätte enden sollen, wenn die letzte Staffel nicht partout darauf aus gewesen wäre, es sich mit den Fans zu verderben.
Kazuaki und Sei leben beide in einer Sexlosen Beziehung. Kazuakis Freundin hat die Lust daran vor Jahren verloren, während Sei und sein Mitbewohner sowieso nie so ganz geklärt haben, was genau zwischen ihnen ist. Eines Tages sendet Kazuaki eine SMS an den falschen Adressaten, Sei antwortet, und die beiden kommen etwas ins Gespräch. Zunächst nicht ahnend, dass sie ihren jeweiligen Arbeitskollegen am anderen Ende haben.
When It Rains, It Pours basiert auf einem Roman und eventuell ist das auch der Grund, warum die Vibes hier definitiv anders sind, als in vielen anderen BL-Geschichten. Irgendwie hat die Handlung einen ruhigen und melancholischen Unterton, eine gewisse erwachsene Atmosphäre. Das kommt zwar auch aber eben nicht nur rein dadurch, dass die beiden Hauptcharaktere bereits in der Arbeitswelt angekommen sind statt auf Schule oder Uni zu gehen. Dass es permanent regnet trägt sicherlich auch Seines dazu bei.
Es ist auch interessant zu sehen, dass es hier rundum imperfekte Menschen sind, deren Beweggründe aber durchaus verständlich bleiben, so dass keiner rein zum Bad Guy degradiert wird. Sowohl Kazuaki wie auch Sei sind einfach in einer Beziehung steckengeblieben, die definitiv nicht mehr gut für sie oder ihre Partner ist. Für Kazuaki ist Sexualität einfach viel zu wichtig, um eine Beziehung weiterzuführen, in der diese nicht mehr existiert. Auch wenn ansonsten alles super zu laufen scheint mit Freundin Yui. Welche auch sagt, dass sie grundsätzlich in Beziehungen schnell die Lust an Sex verliert, es liegt also nicht daran, dass sie sich zu Kazuaki nicht mehr romantisch hingezogen fühlt oder eine Affäre oder sonstiges hätte. Eventuell ist sie schlicht asexuell oder zumindest etwas auf der Schiene, und das ist mit Kazuakis Sex Drive nicht kompatibel.
Sei und Fujisawa hingegen sind sehr komplex in ihrer Beziehung. Ehrlich gesagt der Punkt, bei dem ich die Auflösung nicht so mochte. Fujisawa hat Sei früh klar gemacht, dass er ihm viel bedeutet und er immer für ihn da sein wird, Sei sich aber darüber klar sein muss, dass es zwischen ihnen nie körperliche Nähe geben wird. Zusammen damit, wie stark reguliert Fujisawa sein Umfeld haben möchte, ging ich davon aus, dass dies hier in Richtung Neurodivergenz geht. Etwas später scheint es dann fast so, als würde Fujisawa es darauf anlegen, Sei mit Kleinigkeiten zu verletzen. Am Ende gibt er aber zu, dass er sehr wohl gern mit Sei eine normale Beziehung gehabt hätte, sich das aber nicht erlaubt, da er sich wegen einem dämlichen Grund dafür verantwortlich fühlt, dass Seis Eltern gestorben sind (er hat kurz Small Talk mit ihnen gehalten, weswegen sie etwas später losgefahren sind und dann in einen Unfall verwickelt waren).
Sei und Kazuaki wiederum, nachdem sie sich zunächst freundschaftlich näherkommen, dann dahinter eine größere Anziehung entsteht, und sie herausfinden wer der jeweils andere ist, gehen miteinander fremd. Na ja, ob Sei damit fremdgegangen ist, sei mal dahingestellt, wie gesagt ist die Beziehung zu Fujisawa nicht genug definiert. Aber Kazuaki ist seiner Freundin definitiv fremdgegangen. Von daher sind die beiden auch nicht komplett von Schuld reingewaschen. Um ehrlich zu sein, nachdem die beiden miteinander eine Affäre begonnen haben, und die allgemein melancholische Stimmung der Serie betrachtend, ging ich nicht mehr davon aus, dass die Serie für sie noch ein Happy Ending haben könnte. Umso überraschter war ich, dass dem doch so ist. Eventuell, die Sache bleibt noch etwas offen, wie alles in When It Rains ist die Situation etwas komplexer. Wie das im echten Leben nun mal so ist.
Mr. Unlucky Has No Choice but to Kiss!
Ein letztes Mal kommen wir auf unser Thema der bereits bekannten Schauspieler zurück. Sota Ryosuke spielte bereits einen der beiden Fantasie-Objekte der Hauptdarstellerin in Two Co-Workers Who Are Too Poisonous For Ones Eyes. Eine Serie, die ich enorm charmant fand. Aber er war auch in einem richtigen BL Drama zu sehen, nämlich als der den hiesigen Titel gebenden Mr. Unlucky in 2022.
Dessen Name, Fukuhara Kota, verspricht eigentlich enormes Glück, doch die Person dahinter erlebt genau das Gegenteil. Beständig verfolg ihn das Pech, verpasste Busse, plötzliche Regenschauer, vom Himmel fallende Vogelausscheidungen, irgendwas trifft Kota immer. Deswegen hält er sich von Leuten fern, damit sie davon nichts abbekommen, während er nach außen hin eine heitere und unbedarfte Maske aufsetzt. An der Uni wird er dem Mitstudenten Naoya vorgestellt, der nicht nur sehr attraktiv ist, sondern auch scheinbar vom Glück verfolgt. Nachdem Kota tatsächlich für die mehreren Stunden, die er in Naoyas Nähe war, kein Unglück geschieht, ist er davon überzeugt, dass sie sich auscanceln. Er fragt Naoya, ob dieser nicht immer an seiner Seite bleiben kann – der dies als Liebesbekundung versteht und sich damit einverstanden erklärt Kotas Partner zu sein. Kota kann natürlich keinen Rückzieher mehr machen, immerhin braucht er das Glück von Naoya.
Dies mag erst mal ein scheinbar etwas gemeines Setup sein. Immerhin nutzt Kota streng genommen Naoya aus. Er ist primär mit ihm zusammen, um kein Unglück zu erleiden. Doch von Anfang an sieht es auch so aus, als könne er Naoya durchaus gut leiden und auch wenn er es sich lang nicht eingesteht, scheint er einer echten Beziehung nicht abgeneigt. Es gab sogar eine Szene, die für mich implizierte, dass Naoya bereits über Kotas echte Beweggründe Bescheid weiß, aber dies stellte sich doch als anders heraus als ich dachte. Kota ist an sich auch gar kein schlechter Mensch, wenn auch nicht so lieb und nett, wie er sich gibt, was ja auch verständlich menschlich ist, so ist er doch eigentlich ein guter Kerl der an andere denkt. Endlich mal kein Unglück zu erleben ist fast so wie jemand mit chronischen Schmerzen, dem diese plötzlich genommen sind, verständlich das er versucht diese Situation beizubehalten. Abgesehen davon zeigt er durchaus Reue dahingehend Naoyas Glück auszunutzen. Ein wenig Selbstakzeptanz lernen spielt hier natürlich auch mit rein.
Witzig aber das es, Titel der Serie hin oder her, nur zu einem einzigen Kuss während der acht Folgen kommt. Der allumfassend perfekte Naoya drängt sich nämlich Kota niemals auf, gibt ihm jegliche Zeit, sich daran zu gewöhnen mit ihm zusammen zu sein. Halt die übliche Wunscherfüllung des „der beliebteste Mann des Campus ist mir verfallen, obwohl ich nicht weiß, was er in mir sieht“. Funktioniert bei mir immer. Und mittlerweile habe ich mich hinlänglich daran gewöhnt, in 95% an japanischen BL Dramas keine richtigen Küsse zu sehen, sondern nur seltenes und kurzes Aufeinanderhalten der geschlossenen Lippen.
Unterhaltungswert hat die Serie auf jeden Fall. Nicht nur waren mir beide Charaktere sympathisch, sondern es gibt auch viel Humor. Eben durch die Dinge, die Kota geschehen und seine inneren Reaktionen darauf. Wenn er ganz dramatisch unter vorgehaltener Waffe gekidnappt wird, sich das aber innerhalb von Minuten auflöst, weil Naoya demjenigen gut zureden kann. Es wird nie sehr ernst in Mr. Unlucky Has No Choice but to Kiss, es bleibt beständig eher heiter bis fluffig. Schlicht allumfassend eine sehr angenehme Show.
Bin es übrigens nur ich, oder sieht Sato Yusuke in vielen Kameraperspektiven aus wie Machida Keita? Nicht in Form von Zwillingen, aber als ob sie zumindest Brüder sein könnten. Sicherlich nicht die schlechteste Assoziation, die einem geschehen kann.
My Personal Weatherman
Wir sind fertig mit den Serien, in denen mir bereits bekannte Schauspieler auftauchen. Oder zumindest Serien, die ich bewusst aus jenem Grunde gewählt habe. Der Rest sprang mir auf andere Art und Weise ins Auge, aber garantieren das dort nicht irgendwo jemand drin rumspringt, der schon in einer anderen Show war, kann ich auch wiederum nicht.
Yoh und Mizuki leben zusammen, allerdings unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Yohs Leidenschaft ist das Zeichnen und er zeichnet beruflich Manga, allerdings leider nicht sehr erfolgreich. Als er Mizuki gestand, dass er seinen Traum wohl aufgeben müsste, hat der ihm einen Vorschlag gemacht: Mizuki wird als Wetteransager erfolgreich genug, um für beide die Lebensgrundlage zu verdienen, Yoh muss dafür aber jedem seiner Befehle Folge leisten. Yoh muss sich um Geld also keine Sorgen machen, schmeißt dafür den Haushalt und schläft mit Mizuki, wann immer der das will.
Das Setup von My Personal Weatherman ist also eine ziemlich rote Flagge für toxische Beziehungen. Überkommt dies dadurch, dass dies hier natürlich nicht echt und nur Fantasie ist. Und das klar ist, wie sehr Mizuki an Yoh hängt und wirklich nur das Beste für ihn will. Die Serie ist auch schlau genug, alles möglich gut abzuwiegeln. Yoh widerspricht Mizuki zunächst beispielsweise nie, so dass der ihn nie zu etwas drängt, was jener explizit nicht wollte. Erst später wird Mizuki über seine Eifersucht hinweg kontrollierender.
Aber ganz ehrlich gesagt verstehe ich die Wunschvorstellung aus der die Fantasie zu so einer Geschichte entsteht sogar. Ich bin jemand der nie Ambitionen hatte, nie Bindungen zu anderen aufbauen konnte, und vor allem der es scheinbar einfach nicht hinbekommt, ein normales Leben zu führen, ein echter Mensch zu sein. Das mag nicht jedem verständlich sein, aber ich bin mit Dingen des normalen Lebens, welche jeder nebenbei meistert, schnell überfordert und bekomme nichts für mich selbst geregelt. Daher verstehe ich etwas den Traum davon, dass plötzlich einfach jemand um die Ecke kommt, der obwohl ich nichts zu bieten habe, Interesse entwickelt hat. Und vor allem der die Kontrolle übernimmt. Keine Ängste, Sorgen oder Ungewissheit mehr, einfach so leben, wie jemand, der das Beste für mich will, es mir vorgibt. Keine Selbstverantwortung mehr schultern müssen, sondern jemanden das eigene Leben in geregelte Bahnen leiten lassen. Jemand, der weiß wie es geht, vorgeben zu lassen, wie ein glückliches Leben als normaler Mensch funktioniert. My Personal Weatherman ist schon ein bisschen ein Kink von mir.
Nicht das Yoh immer glücklich ist, oder Mizuki. Sie beide haben ihre Probleme damit, wie undefiniert ihre Beziehung ist. Können die Gefühle füreinander nicht in Worte fassen. Gerade Yoh ist sich seiner lange Zeit über nicht mal selbst gewiss, bis er am Ende eingestehen muss, dass er es doch etwas masochistisch mag, wenn Yoh gemein zu ihm ist. Besonders witzig ist hier, wenn Yoh sich darüber beschwert, dass sein Editor mehr Platz für Sex in seinem aktuellen Manga wünscht, er es aber für extrem wichtig hält, dass die Liebesbekundung genug Raum hat. Die mit ihm befreundete Mangaka fragt daraufhin zu Recht, warum er nicht dahin wechselt Boys Love zu zeichnen, in denen sowas in der Regel wichtiger ist. Woraufhin Yoh meint, dass er Frauen mag und deswegen Hetero-Hentai zeichnet. Was seine Kollegin stutzig macht, immerhin ist Yoh ja in einer homosexuellen Beziehung und spricht ständig nur darüber, wie sehr er das Gesicht von Mizuki mag. Nicht nur ist diese Szene ziemlich erheiternd, sondern zeigt eben auch wie wenig Yoh sich selbst bewusst ist.
Ein besonderes Schmankerl ist natürlich wie immer, dass einer der beiden Charaktere eigentlich ein unscheinbarer Nerd sein soll, der optisch nicht zu seinem attraktiven Partner passt. Aber abgesehen vom Standard, ihm den Pony in die Stirn zu kämmen, hat man wenig gemacht, um Mashiko Atsuki nicht wie das Model aussehen zu lassen, welches er ist. Ich glaub das ist tatsächlich eines meiner liebsten Tropes, weil es nie nicht witzig ist, wenn alle so tun müssen, als wäre ein absoluter Schönling ein unscheinbarer Allerweltskerl, als unterlägen alle eine Massenpsychose.
The 8.2 Second Rule
Amai ist ein High School Schüler, dessen Hobby es ist Süßigkeiten zu backen. Gern würde er sich in jemanden verlieben und da hört er davon, dass angeblich, wenn man sich für 8,2 Sekunden ununterbrochen in die Augen schaut, dies geschehen soll. So ist das Setup, welches in der Kurzserie jede Folge für den gleichen Ablauf sorgt. Amai trifft auf einen Mitschüler, an dem er Interesse entwickelt. Findet heraus, dass derjenige aktuell ein Problem hat. Backt eine Süßigkeit, die eine Metapher für dessen Lösung ist und überreicht sie dem Angebeteten. Der kommt über sein Problem hinweg, beide schauen sich in die Augen, aber kurz bevor sie die 8 Sekunden erreichen können, werden sie unterbrochen und Amai muss herausfinden, dass der andere Junge bereits eine Freundin hat oder anderweitig eingebunden aktuell keine Beziehung sucht. In der nächsten Folge geht das ganze mit einem neuen Mitschüler von vorn los.
Das klingt jetzt nicht nach viel, und das liegt daran, dass es sich bei The 8.2 Second Rule wie gesagt um eine Miniserie handelt. Es gibt lediglich 5 Folgen, die jeweils nur 10 Minuten Länge aufwarten. Die komplette Serie zusammengenommen enthält also gerade mal 50 Minuten Laufzeit. Da lässt sich natürlich nicht viel stemmen, aber gleichzeitig kann der simple und wiederkehrende Aufbau auch nicht langweilig werden. Es ist auf jeden Fall knuffig und herzallerliebst, wie Amai sich Gedanken um seine Mitschüler macht, und auf seine Art und Weise versucht, sie aufzumuntern und zu helfen. Und wie das zu so einer Show dazugehört, ist die Herstellung der Süßigkeit natürlich wichtig, Amai gibt uns währenddessen einen kleinen Überblick über die Geschichte des Desserts und warum er meint, dass es in der Situation weiterhilft, und am Ende der Credits wird das Rezept zum Selbermachen eingeblendet.
Die Serie nimmt sich nicht allzu ernst, Amai hat keinen langen Herzschmerz, sondern ist immer schnell schon an einem neuen möglichen Partner interessiert. Man bekommt das Gefühl, dass er schon zufrieden ist, einem Mitmenschen mit seinem Hobby helfen zu können. Die Probleme der Mitschüler sind durchaus generisch nachvollziehbar und der Ratschlag Amais nette Plattitüden, an die sich zu halten niemandem schaden kann, häufig sowieso auf ähnlicher Ebene sein Bestes zu geben und sich von kleinen Rückschlägen und Fehlern nicht abbringen zu lassen. Niedlich, kurz, eine cozy Serie.
I’m Kishi Knight: Your Private Tutor
Oder auch unter dem japanischen Titel Kateikyoshi no Kishi Knight desu bekannt, überraschend scheint man die Serie weniger häufig in ihrem übersetzten Titel anzutreffen. Jeder hat ja so seine Tropes, die ihn interessieren. Oder auch nicht. Ich bin zum Beispiel nicht so interessiert and der Rivals/Enemies-to-Lovers Pipeline, wo sich die beiden Charaktere eine Weile nicht ausstehen können. Was für mich aber immer wieder funktioniert ist Delinquent + Posh Guy Dynamiken. Weil sich in der Regel der Yankee sehr Macho und eventuell auch zunächst kühl gibt, aber normalerweise von Anfang an eine klare (heimliche) Attraktion besteht.
So auch in Kishi Knight. Toru und seine drei Freunde sind solche Problemschüler, die den Unterricht schwänzen, schlechte Noten schreiben, und sich mit anderen Kerlen prügeln. Um seinen Abschluss doch noch irgendwie zu retten, engagiert seine Mutter, von der er das Verhalten eigentlich geerbt hat, einen privaten Nachhilfelehrer. Der attraktive und immer im adretten Anzug auftretende Kishi wird’s, und obwohl Toru ihn eigentlich vergraulen wollte, verfällt er dem Charme des Lehrers sofort.
Witzig ist sowieso, dass Toru eigentlich ein absoluter Softie ist, nicht nur was Kishi angeht. Er und seine Freunde mögen den Unterricht schwänzen, verbringen ihre Zeit dann aber mit Mahjon-Spielen im Clubraum, statt Stress in der Schule zu verbreiten. Sie schlagen sich nur mit anderen Yankees. Ja sie nutzen sogar den Zebrastreifen, wenn kleine Kinder in der Nähe sind, um kein schlechtes Vorbild abzugeben. Toru ist also eigentlich ein ziemlich herzallerliebster Kerl, der nur die Yankee-Ästhetik wegen eines älteren Schülers, den er idolisierte, angenommen hat. Und sein Gegenstück Kishi ist ein sehr aufgeschlossener und positiver Mensch, der sich eben von Torus Optik zu keinen falschen Vorurteilen verleiten lässt, sondern in ganz normal behandelt. Selbst wenn Toru noch keine einzige Frage in Probetests richtig beantwortet, gibt es volle Unterstützung von Kishi, der gezielt nach Ansatzpunkten sucht, wie Toru zum Lernen zu begeistern ist.
Das Highlight der Serie ist und bleibt allerdings Schauspieler Tanaka Koki als Toru, dessen inneres Gefühlsleben mit viel schrägen Gesichtsausdrücken und übertriebenem Slapstick hervorbricht. Tanaka hält sich absolut nicht zurück, gibt der Rolle einhundert Prozent, gibt immer alles. Das rechne ich ihm hoch an, viele junge Schauspieler, die aus Idol Groups kommen, wären sicherlich mehr damit belastet immer noch attraktiv wirken zu wollen, aber Tanaka zieht eine hässliche Fratze nach der anderen.
Da Toru noch minderjährig ist und Kishi zusätzlich eine Lehrerrolle ihm gegenüber erfüllt, geht die Serie natürlich sicher, dass es nicht direkt zu einer Romanze kommt. Toru hat einen Crush entwickelt, und dabei bleibt es zunächst auch. Was Kishi ihm gegenüber empfindet wird nicht angesprochen. Zumindest in der Serie, dafür gibt es dann nämlich die beiden Specials. Einige Zeit nachdem Toru sich entschlossen hat selbst Lehrer werden zu wollen und Kishi nicht mehr Nachhilfe gibt, treffen die beiden sich nämlich wieder. Und es ist impliziert, dass daraus mehr werden könnte, sobald Toru auf die Uni geht. Wie wäre es denn mit einer zweiten Staffel, „I’m Kishi Knight: Your Boyfriend“?, hahaha
Schauen würde ich sie auf jeden Fall, mir hat Kishi Knight sehr gut gefallen. Einfach so eine komfortable kleine Serie mit guten Vibes um charmante und witzige Charaktere, die sich freundschaftlich und eventuell später mehr entgegenkommen. Die das Leben einander für ein Jahr bereichern, bevor sich die Wege vorerst wieder trennen. Ein wenig bittersüß der Schulabschluss. Keine wöchentliche Nachhilfe mehr. Und auch kein tägliches Abhängen mit den drei Yankee-Freunden im Clubraum mehr. Übrigens auch drei herrlich schräge Gesellen, erneute eine gute Wahl in deren Schauspielern getroffen.
Der Manga ist übrigens vom gleichen Zeichner wie Babanbabanban Vampire. Und ich war doch etwas überrascht herauszufinden, dass dies nicht nur ein Mann ist, sondern auch ein Mann, der mit einer Frau verheiratet ist. Witzig, dass er scheinbar gern BL und BL-nahe Geschichten zu kreieren mag, in diesem von Frauen dominierten Genre.
Eternal Yesterday
Kommen wir noch mal zurück zu den Serien, die ich wegen Schauspielern schaute. Eternal Yesterday ist nicht eine solche. Aber es gab eine Homepage, die ich dafür verwendete, die vorigen Serien der Kategorie zu finden. In die Suchfunktion bei BLWatcher lässt sich nämlich herrlich einfach der Schauspielername eingeben, und dann spuckt es alles aus, was auf der weitläufigen Seite an BL Dramen mit jenem zusammenhängt. Für Reviews war ich nicht auf der Seite, aber dennoch fiel mir Eternal Yesterday ins Auge, da es nämlich auf der Top-Liste der besten BL Dramen an oberster Stelle stand.
Mitsuru ist ein nach außen hin kühler und abweisender Charakter, der deswegen keine Freunde an seiner Schule hat. Koichi hingegen ist immer der Mittelpunkt und versteht sich mit allen gut. Als sich die Blicke der beiden zum ersten Mal treffen und sie Interesse aneinander entwickeln, ist es dementsprechend Koichi, der auf Mitsuru zugeht, und über die nächste Zeit hinweg dessen eisige Mauern zu schmelzen weiß, bis sie zu besten Freunden werden. Und dann, in einem verregneten Sommer, wenn sie sich beim Camping einander die Liebe gestehen, werden sie sogar mehr. Leider bleibt ihnen das Glück nicht hold, wenn Koichi auf dem gemeinsamen Weg zur Schule von einem Truck überfahren wird und stirbt. Mitsuru kann zunächst gar nicht fassen, was da geschehen ist, und noch weniger, als Koichis Leiche wieder aufsteht.
Eternal Yesterday ist eine Serie, bei der man von Anfang an nicht viel Hoffnung für die beiden entwickelt. Denn die erste Szene, die wir gezeigt bekommen, ist bereits der Tod von Koichi. Erst dann gibt es einen Rückblick dazu, wie die beiden Freunde wurden. Episode 2 beginnt dann mit Koichis Auferstehung, aber dort hängt von Anfang an ein Damokles-Schwert drüber. Ähnlich wie bei One Room Angel kann man sich von Beginn an denken, dass dieser Zustand des Zusammenseins der beiden Protagonisten nicht lang anhalten können wird. Mitsuru und Koichi können es nicht wahrhaben, dass sie so plötzlich voneinander getrennt werden, und dadurch schafft es Koichi irgendwie magisch noch weiter zu existieren. Die beiden versuchen schmerzhaft in einem ewigen Gestern zu leben, in dem alles noch in Ordnung war, aber auf Dauer kann das natürlich nicht sein. Die Realität der Situation muss irgendwann Einzug halten und das ist nun leider einmal, dass es Koichi nicht mehr gibt. Die fünf Stufen der Trauer beginnen immerhin mit dem „Leugnen“. Koichi ist noch da, wir sind noch zusammen. Und so verbringen wir die Folgen mit den beiden, wie sie über die weiteren Stufen bei „Akzeptanz“ ankommen müssen, dass sie eben nur so kurz miteinander hatten. Besser geliebt und jene verloren zu haben, als nie geliebt worden zu sein.
Aber immerhin bekommen sie noch ein paar wenige Tage, um sich noch richtig voneinander verabschieden zu können, sich noch mal voll ihrer Liebe zueinander bewusst sein können, noch mal für sich von Freunden und Familie Abschied nehmen können, sich noch mal zu verinnerlichen was man hatte. All das herzallerliebst, auch wie wir in Rückblicken erfahren, wie die beiden zusammengekommen sind, wie glücklich sie miteinander waren. Bittersüß, da die Zeit tickt und dies bald rum sein wird, aber dennoch schön mitzuerleben. Eine Besonderheit hier ist übrigens, dass die Serie aus dem Blickwinkel von Mitsuru erzählt wird. Wir sehen nur Begebenheiten, bei denen er dabei war. Und er präsentiert uns mit permanenten Voice Over seine Innenleben und Gedanken. Wir wissen also immer sehr genau, was Koichi ihm bedeutet, selbst über das, was Mitsuru Verbalisieren kann hinaus. Und dann ganz am Ende der letzten Folge ändert sich das und wir bekommen noch eine kurze Szene aus dem Blickwinkel Koichis, ein Schnelldurchlauf des Geschehenen, in dem nun Koichis Voice Over erzählen kann, wie viel es ihm bedeutete von Mitsuru geliebt worden zu sein. Spätestens da war es ja ehrlich gesagt um mich geschehen.
Es gibt hier einige Meditation über das Leben, die Liebe und die Trauer, die mir dabei sehr gefallen haben. Am Ende der Serie beispielsweise, wenn Koichi dann verschwunden ist, fragt Mitsuru seinen Vater, wie er über seine Trauer hinwegkommen kann. Und statt irgendwelcher Schaler Facebook-Motivationssprüche aufzutischen hält der Vater kurz inne, legt seinem Sohn die Hand auf die Schulter und meint schlichtweg, er müsse seine Trauer nie überwinden. Um mal hier den besten Spruch ausgerechnet aus dem Marvel-Universum zu zitieren: „What is grief, if not love persevering?” Natürlich muss Mitsuru lernen sein Leben weiterleben zu können, auch ohne Koichi. Aber wer sagt, dass er dessen Verlust je überwinden muss, dass er Koichi nicht immer vermissen darf? Die Trauer ist der Beweis dafür, dass er ihn liebte. Und so verbleibt Mitsuru dann auch, wenn wir ihn in einer Szene ein paar Jahre später wiedersehen. Er hat sein Leben im Griff, aber er wird auch immer Gewahr bleiben, dass Koichi nicht mehr an seiner Seite ist.
Eine weitere echt interessante Szene ist, wenn etwas früher in der Serie ein Lehrer mit einer ähnlichen Geschichte kommt. Auch er hat vor 20 Jahren seine große Liebe, seine Nummer Eins im Leben, verloren. Und deswegen lässt er sich auf keine neue Romanze ein, weil er es für unfair findet, dass jeder neue Partner nur seine Nummer Zwei sein können wird, meint sie verdienen es auch jemandes Nummer Eins zu sein. Koichi fragt daraufhin, warum man nicht mehrere Nummer Einsen haben kann, mehrere Menschen die man gleich viel liebt. Ich bin nämlich jemand, der der Meinung ist, dass so etwas gehen kann. Liebe ist kein endliches Gut, sondern eine Emotion. Einer Person davon zu geben bedeutet nicht, dass man weniger Restliebe über hat, um sie an andere zu verteilen. Die Zeit, die man mit Menschen verbringen kann, ist begrenzt, aber das Gefühl Liebe nicht. Und somit lässt die Serie eben nicht nur einen möglichen Weg offen, wie man nach dem Verlust eines geliebten Menschen weiter zu existieren hat. Es ist genauso legitim sich erneut zu verlieben, eine zweite Nummer Eins zu haben, dies bedeutet nicht, dass man die Person, die man verloren hat weniger liebt, oder der neuen nicht die gleiche Liebe zukommen lassen kann. Genauso wie es legitim ist ewig mit seiner Trauer weiterzuleben und nie wieder einen neuen Partner zu finden. Menschen sind unterschiedlich, das Leben und Gefühle sind komplex, es gibt keine Standardlösung fürs Weiterleben.
Eine phänomenale, ruhige, manchmal heitere, oftmals traurige Serie über die Liebe und über die Trauer, eben über beides, denn was ist schon Trauer, wenn nicht Liebe, die überdauert?
My Secret Vampire
Wir verschwinden aus Japan und gehen in die asiatische Nachbarschaft für die nächsten Einträge. My Secret Vampire ist ein koreanisches BL Drama um ein Quartett (junger attraktiver natürlich) Vampire, die eine Hausgemeinschaft bilden, und die plötzlich einen Menschen als Mitbewohner aufs Auge gedrückt bekommen. Alle, da sie das Blutplasma aus der Kühltheke leid sind, haben sofort Interesse daran, endlich mal frisch aus Donghas Hals zu trinken. Nur Juwon, das Halbblut, steht ihnen im Weg.
Als ich über My Secret Vampire gestolpert bin, wusste ich sofort, dass es auf die Watchlist gepackt werden muss. Ein koranisches Vampir BL Drama? Das sind drei meiner liebsten Dinge! Süße koreanische Jungs. In einem BL Drama. Und dann auch noch ein domestizierter Vampir-Boyfriend! Was kann da schon schief gehen?
Ja so ein paar Sachen können da schiefgehen. Hierbei handelt es sich um eine Webserie von 8 Folgen a 15 Minuten. Das gibt der Serie also die Länge eines Filmes. Durchaus nicht zu wenig, aber oftmals sind diese kurzen Webserien ein schlechtes Zeichen. Zu Beginn dachte ich sogar fast, dies sei originär eine jener 2-Minuten Vertical Series gewesen, die wegen Popularität in „volle“ Episoden für ein anderes Streamingportal zusammengezogen wurde. Denn die erste Hälfte ist wirklich schwach. Von Chemie zwischen Juwon und Dongha kann keine Rede sein. Es fühlt sich nie so an, als wäre das von Juwon nur eine kalte Fassade, um Distanz zu wahren, sondern als könne er Dongha tatsächlich schlichtweg nicht leiden. Warum Dongha dennoch Interesse an ihm entwickelt, kommt nicht wirklich rüber. Ob von einem Menschen zu trinken nun schlecht oder Ok oder moralisch Grau ist, ist auch nie so ganz klar. Anscheinend geht das unter gewissen Voraussetzungen schon, ohne das Opfer in Gefahr zu bringen, aber so richtig definitive Aussagen macht die Serie nicht. Ewige Klischees werden abgefrühstückt, inklusive einer Rettung von Dongha durch Juwon, als ein Kunde bei dessen Arbeit aggressiv wird, die so schlecht geschnitten ist, dass man dem genauen Ablauf kaum folgen kann.
Aber… überraschend bessert sich das in der zweiten Hälfte der Serie. Der Funke zwischen den beiden mag überspringen. Die Szene im Bad, wenn Juwon scherzt das Dongha noch ein altes Flip Phone hat, der offenbart das er es von seinen verstorbenen Eltern bekommen hat, war sehr herzig und der Moment, wo die Serie für mich zu funktionieren begann. Die anderen drei mögen Dongha mittlerweile zu sehr, um wirklich daran zu denken, von ihm zu trinken. Es hilft auch, dass die Serie, schlecht geschrieben wie sie gerade zu Anfang sein mag, durch die Bank weg gutes bis sehr gutes Schauspiel bereithält.
Addicted & Heroin
Wenn es um Addicted geht, so ist die Geschichte, welche die Serie umrandet, fast interessanter, als die Serie an sich. Denn Addicted ist ein BL Drama aus Festland-China, die bekanntermaßen nicht besonders großzügig mit der Darstellung homosexuellen Materials sein dürfen, und dann bereits aus 2016! Scheinbar dachte man sich, dass ein solches Nischen-Genre unterm Radar fliegt, solange es als Webserie erscheint. Tja, Addicted war ein Überraschungshit, schaffte es in kürzester Zeit zu den meistgesehen Serien der Plattform. Und das machte natürlich die chinesischen Behörden auf sie aufmerksam. Addicted wurde drei Folgen vorm Finale von der Plattform entfernt. Den beiden Hauptdarstellern ist es bis Heute untersagt zusammen vor der Kamera zu stehen.
Louyin lebt in ärmlichen Verhältnissen mit seinem Vater, nachdem die Mutter die beiden vor zehn Jahren verlassen hat, um ein vermögendes Leben für sich aufzubauen. Jetzt ist sie zurück, verheiratet mit einem reichen Mann, und will im Gegensatz zu Louyin eine Beziehung zu ihrem Sohn aufbauen. Gu Hai hingegen ist sein Leben lang reich gewesen, hat allerdings eine Mutter auf mysteriöse Umstände verloren, glaubt nicht an einen natürlichen Tod. Sein strenger Vater hat mittlerweile neu geheiratet – die Muter von Louyin. Da er nicht im gleichen Haus wie sie leben will und die Idee nicht mag, dass sein neuer Stiefbruder ebenfalls einziehen und auf seine Schule transferiert werden soll, beschließt Gu Hai alleine zu leben und die Schule zu wechseln. Nicht ahnend, dass Louyin die Angebote seiner Mutter ausgeschlagen hat und weiterhin auf die Schule geht, in der Gu Hai aufgenommen wird.
Eine Liebe zwischen Stiefbrüdern also. Wobei das die geringste rote Flagge der Serie ist, denn immerhin sind sie weder Blutsverwandt, noch miteinander als Brüder aufgewachsen, finden erst heraus, dass sich die Eltern verheiratet haben, nachdem sie bereits Gefühle füreinander entwickeln. Schwerer wiegt da schon das toxische Verhalten von Gu Hai. Besonders zu Beginn, wenn er Louyin schikaniert, mag man nicht so wirklich sehen, wie das je in einer Romanze enden soll. Abgeschwächt wird das lediglich ein wenig dadurch, dass sich Louyin zu helfen weiß und zurückschlägt. Aber auch nachdem Gu Hai sich in Louyin verliebt ist sein Verhalten sehr besitzergreifend und übergriffig, und die implizierten sexuellen Aktivitäten gerne mal eindeutigen Konsent vermissend. Das ist durchaus so gewollt, denn der Name Addicted ist eine Metapher für die Obsession, die Gu Hai zu Louying entwickelt, eben als wäre der eine Droge für ihn. Die Beziehung soll toxisch sein, dies wird hier nicht unbedingt abgewiegelt, auch wenn Louyin auf ihn einzugehen beginnt.
Dass das Ganze auf einem Web Novel basiert merkt man auch irgendwo stark, denn die Ereignisse sind weder immer sonderlich logisch, noch irgendwas anderes außer immer höchstdramatisch. Selbst diejenigen Dinge, die kein großes Drama auslösen sollten, oder die schnell mit wenigen Worten geklärt sein könnten, werden zum Maximum aufgeblasen. Es hilft nicht, dass die Serie oft etwas abgehakt wirkt, als wären Zwischenszenen der Scriptschere zum Opfer gefallen, auf sie aufbauende Szenen aber nicht entsprechend umgeschrieben, so dass ihr Fehlen stark auffällt. Besonders bestechend hier sind das B-Couple You Qui und Yang Meng, die im Promomaterial und Opening wie ein solches aufgebaut werden, aber letztendlich kaum Screentime bekommen, schon alleine nicht miteinander, und sich nie romantisch annähern. Und ab Folge Zehn, für die finalen fünf, geht eh alles total schnell und überstürzt. Als wären ursprünglich mehr Folgen geplant gewesen und man müsse nun die wichtigsten Eckpunkte aus ihnen schnell abdrehen. Jetzt kommt es einem nicht mehr so vor, als hätte man hin und wieder eine Szene zwischen Ereignissen verpasst, sondern ganze Folgen, die erklären würden, wie wir von Punkt A nach Punkt B gekommen sind. Und das, obwohl die Handlung eh nicht abgeschlossen ist, sondern auf einem Cliffhanger eines neu aufgetauchten Problems endet.
Zwei Dinge möchte ich an der Serie aber definitiv loben. Zunächst einmal ist dies, wie bodenständig sie doch wirkt, zumindest was die Optik angeht. So unrealistisch und unglaubwürdig der Handlungsverlauf auch ist, alles findet immer in Lokalitäten statt, die wie richtige Orte wirken. Nichts hat diese Soap-Optik, in der Schauplätze und Charaktere zu gelackt erscheinen. Besonders da Louyin und sein Vater arm sind und wir viel in deren Umfeld verbringen. Dies kommt wahrscheinlich maßgeblich dadurch, dass die Produktion nicht viel Geld hatte (angeblich nutzen die Schauspieler teils ihre eigene Garderobe), aber dadurch wirkt alles auch einfach realer. Die andere lobenswerte Sache ist das Schauspiel unserer beiden Hauptakteure. Die haben eine unglaublich gute Screen Presence und auch eine richtig gute Chemie miteinander. Erneut, so unglaubwürdig die eigentliche Handlung der Serie ist, so verkaufen die beiden sie mir doch überraschend oft überraschend gut.
2023 versuchte sich China dann erneut an einer Umsetzung des Romans. Diesmal unter dem Titel Stay With Me, und selbst mit den Namen aller Charaktere abgeändert. Gu Hai heißt hier Wu Bi, Louyin ist Su Yu. Ansonsten sind die Grundlagen der Handlung grundsätzlich gleich mit nur wenigen Abänderungen. Um diesmal an den chinesischen Zensurbehörden vorbeizukommen ist dies beispielsweise offiziell keine Romanze, sozusagen muss die Bindung, die sich zwischen den beiden aufbaut, auch immer die „sie waren nur Zimmergenossen“ Ausrede haben. Sie sind nur gute Freunde, nur herzige Brüder, mehr ist nicht.
Am Interessantesten ist dann an der Serie tatsächlich, wie weit man doch gehen kann, ohne zu weit zu gehen. Wie viel impliziert aber nicht offen gesagt werden kann. Wie direkt man doch indirekt sein kann. Jedem Zuschauer, der halbwegs das Hirn angeschaltet lässt, wird gegen Ende der Serie klar sein, dass Wu Bi und Su Yu ein Paar sind. Nur direkt gesagt werden darf es nicht. Wu Bi darf Su Yu heimlich im dunklen Klassenzimmer küssen. Solange es nur auf die Wange ist. Er darf Witze darüber machen, dass ihre Eltern ihre Beziehung skandalös finden würden. Solange er nicht in Worte fasst, was genau dies für eine Beziehung ist. Wu Bis Vater kann sogar Gleitmittel im Raum der beiden finden. Es darf nur nicht direkt gesagt werden, dass es dies war. Und das scheint geklappt zu haben, die Serie ist mit 24 Folgen voll durchgelaufen. Zwar endet auch sie auf einem höchst dramatischen Cliffhanger, aber dort endet wohl auch das Buch. Zum Vergleich, dort wo das 2016er Addicted aufgehört hat, ist nur ungefähr die erste Hälfte von Stay With Me rum.
Für mich war es definitiv die stärkere Adaption. Dadurch, dass mehr Zeit ist, wirkt die Serie einfach runder. Es kommt nicht zu den Handlungssprüngen des Originals, alles geht nachvollziehbarer Wege. Unlogisch und etwas schlecht geschrieben ist natürlich auch Stay With Me, dies kommt sicherlich vom Stoff, der hier adaptiert wird. Ja dadurch, dass auch die zweite noch dramatischer werdende Hälfte inkludiert ist, ist diese Variante hier eigentlich sogar schwerer zu glauben (inklusive Wu Bi wie einen Superhelden kämpfen zu sehen). Aber in sich selbst gesehen wirkt Stay With Me immerhin schlüssig. Auch mag ich erneut die beiden Hauptdarsteller sehr, die mir die Ereignisse allem zum Trotz zu verkaufen wissen und eine gute Chemie miteinander haben. Und Wu Bis Verhalten mag immer noch stark Besitzergreifend sein, ist aber zumindest etwas abgeschwächt an Toxicity. Schade dann, dass die Optik so soapy ist. Genau hier wirkt nämlich alles zu clean und zu gelackt. Von den Schauplätzen zur Ausstattung der Schauspieler, und dann wirkt es noch so, als wäre die ganze Serie via ADR im Studio nachsynchronisiert worden. Dadurch wirkt alles leider etwas unecht.
Bereits ein Jahr später wurde uns dann die dritte Adaption spendiert, Addicted Heroin aus Thailand. Diesmal mit Hero und Poppy als Charaktere. Weil Poppy ist Mohnblume und Hero ist wie Heroin, beides Drogenreferenzen. Weil Adicted Heroin. Verstehst? Ich erwähne das nur, weil die Serie ziemlich forciert alles erklären muss, selbst einen Titel. Obwohl der schon eine ziemlich offensichtliche Metapher für das Verhalten von Gu Hai/Wu Bi/Hero gegenüber Louyin/Su Yu/Poppy ist. Aber keine Sorge, selbst das macht die Serie noch eindeutiger, in dem Hero erwähnt, dass er wie abhängig von seiner Droge Poppy ist.
Ich bekomme langsam das Gefühl, dass Thai BLs eventuell einfach nichts für mich sind. Ich bin eventuell nicht kulturell richtig sozialisiert, um auf deren Herangehensweise an die Materie zu stehen. Denn das hier ist definitiv die unrealistischste Version des eh schon etwas dämlichen Materials, mit Charakteren und Handlungsketten, die am irrsinnigsten sind und am wenigsten selbst interner Logik zu folgen scheinen wollen. Die Witze sind cringe statt witzig. Das Schauspiel ist mäßig. Der einzige Vorteil, den Thai BLs normalerweise haben, ist, dass sich die Schauspieler nicht zieren Schwule darzustellen. Es gibt mehr und echter wirkende Küsse und andere intime Körperlichkeit. Aber selbst davon gibt es in Addicted Heroin so gut wie nichts, und dabei habe ich sogar die so genannte Uncut Version geschaut. Kein Plan, was in den knapp 60 statt 45 Minuten pro Folge wirklich an Mehrwert zu holen war, ich möchte fast sagen die individuellen Szenen dauern nur viel länger an, denn die Serie hatte definitiv ihre Längen.
Kurios auch, dass die Serie mit einer „8 Jahre später“ Szeen beginnt und der Rest an sich dann eigentlich ein Rückblick ist, ohne dass dies Sinn machen würde. Jetzt wissen wir nur, dass die beiden auf jeden Fall jegliche Gefahr überleben, aber scheinbar nicht zusammenkommen oder zumindest sich wieder trennen werden, und erst Jahre später wieder aufeinandertreffen. Aber das geschieht noch nicht mal am Ende, nicht mal in der darauffolgenden 90-minütigen Spezialepisode! Wir springen nie wieder 8 Jahre in die Zukunft, um diesen Rahmen wirklich zu einem zu machen. Was sollte diese erste Szene dann? Ist überhaupt nichts an Addicted Heroin durchgeplant gewesen?
Damit sind wir am Ende der Adaptionen des Web Novels angekommen. Aber noch nicht am Ende der Addicted-Saga. Denn es gibt tatsächlich eine Folgegeschichte, die Louyin und Gu Hai 8 Jahre später wieder zusammenbringt. Und es gab dieses Jahr, also 10 Jahre nach dem ersten Addicted, eine neue Serie mit Titel Love After Addiction. Stellt sich heraus es ist ein Sequel, but keine Adaption des Folgeromans. Denn wir erinnern uns: Den beiden Darstellern des Hauptpaares ist es verboten jemals wieder zusammen vor der Kamera zu stehen.
Dies hätte man dadurch umgehen können, dass man einfach neue Schauspieler für die Rollen castet. Stattdessen geht Love After Addiction einen anderen Weg und dreht sich um You Qui und Yang Meng, sogar mit deren Originaldarstellern aus dem 2016er Addicted. Louyin und Gu Hai werden wir nie sehen, selbst in den Rückblicken zu ihren Schultagen nicht, aber die Rahmenhandlung ist die, dass alte Freunde von You Qui und Yang Meng heiraten werden, mit selbstverständlich der starken Implikation, dass es sich um Louying und Gu Hai handelt. Jedenfalls ist You Qui nun ein Schauspieler, der allerdings aktuell in Skandale verwickelt ist, welcher sich in einer Reality TV Show beweisen muss. Und vor Ort arbeitet auch Yang Meng. Die beiden hatten Gefühle in der Schule füreinander, auch wenn sie nie zu einem Paar wurden, welche jetzt wieder aufleben.
Addicted hatte versucht die chinesischen Zensurregeln zu umgehen, indem die Serie im (damals) weniger streng regulierten Internet publiziert wurde – Erfolglos. Stay With Me hingegen, in dem aller indirekter Direktheit zum Trotz nie definitiv gezeigt wird, dass die beiden ein romantisches Paar sind – mit Erfolg. Love After Addiction geht den dritten Weg BL an den chinesischen Behörden vorbei zu schmuggeln: Es ist einfach offiziell nicht in Mainland China erhältlich. Lediglich zufällig auf Plattformen, über die mit einem VPN ein Mainlander theoretisch auch auf sie zugreifen könnte. Hint hint.
Die Serie hält sich dann auch definitiv nicht zurück. You Qui und Yang Meng dürfen sich lang und ausgiebig küssen, schlafen miteinander und das neue B-Couple darf sogar ziemlich kinky miteinander umgehen. Alles natürlich noch jugendfrei gehalten, aber was angedeutet wird ist klar: Die Kerle in Love After Addiction ficken. Miteinander, wohlweißlich. Interessant hierbei übrigens angemerkt, dass die Schauspieler von You Qui und Yang Meng tatsächlich im realen Leben ein Paar zu sein scheinen.
Ich frage mich ja manchmal, ob chinesische und koreanische Stars ein wenig Body Dysmorphia entwickeln, wenn sie morgens in den Spiegel schauen und ihnen ein ganz anderes Gesicht als sie es von ihren Projekten gewohnt sind entgegenblinzelt. Natürlich ist Haar und Make-Up eine wichtige Position in jeder Filmproduktion, aber die Schauspieler in Secret Vampire und Love After Addiction haben ihr Gesicht unter so vielen Schichten stecken, so viel Skin-Bleaching-Filter angewendet, ich frag mich ob man sie ganz au naturel überhaupt wiedererkennen würde. Was ich damit sagen will ist, dass leider auch Love After Addiction sehr soapy und hochglanz wirkt. Und erneut stark mit zu offensichtlichem ADR zu kämpfen hat.
Ansonsten ist es keine schlechte Serie per se. Definitiv seichter als Addicted und seine Varianten. Dafür aber auch etwas besser geschrieben. Abgesehen von dem dramatischen Unterton des You Qui umrankenden Skandals, den die Serie nach dem Setup lang ignoriert und dann unzufrieden auflöst. Auch You Quis Insomnia wirkt etwas aufgesetzt und im größeren Bilde unwichtig. Ja, jetzt wo ich darüber nachdenke, so ein wenig auseinander fällt die Serie zum Ende hin schon. Aber bis dahin wirkt sie recht stringent. Für mich ist sie zumindest dann am besten, wenn es um am wenigsten geht, wenn es nur You Qui und Yang Meng und ihre Gefühle füreinander sind, auf die sich konzentriert wird. Keine Serie, die große Sprünge macht, aber immerhin bekommt sie die Füße vom Boden.
Honorable Mentions
The Boyfriend
Bei The Boyfriend handelt es sich um japanisches Reality TV via Netflix aus den Jahren 2024 und 2026. Die Sache hieran ist, dass es sich um eine Queere Dating Show handelt, also auch hier um schwule Romantik. Das Setup ist, dass eine Hand voll schwul-bisexueller Männer, welche angeblich zumindest die Liebe suchen, für einige Wochen zusammen in einem Haus leben. Und nebenbei einen Coffee Truck bewirtschaften. Wobei jeden Tag nur zwei von ihnen zum Arbeiten rausfahren, was natürlich mit netter Alone Time miteinander daherkommt.
Die Show ist ziemlich schnell damit, regelmäßig zu erklären, dass es hier nicht zwangsläufig darum geht, einen Partner zu finden, sondern auch einfach Freundschaften aufzubauen. Was ein wenig so wirkt, als wäre das im Nachhinein hineingeschrieben, weil nämlich in der ersten Staffel nicht viele miteinander anbandeln, aber alle sehr herzig und freundschaftlich miteinander umgehen. Alle verhalten sich sehr nett und geben aufeinander Acht, sowas ist man zumindest von westlichem Reality TV gar nicht gewohnt
Ein bisschen witzig ist schon, dass sich zum Großteil alle in die gleichen zwei Kerle verguckt zu haben schienen, Shun und Kazuto. Was dramaturgisch natürlich für die Show toll ist, aber eben auf der anderen Seite der Medaille dazu geführt hat, dass die meisten allein nach Hause gegangen sind, weil sie keinen Plan B hatten. Besonders schade fand ich das für Usak und Gensei, die wirklich super knuffig waren und wirklich es verdient haben, einen Partner zu finden. Von Taeheon hätte ich auch gern etwas mehr gesehen, der war weite Teile der Serie kaum präsent. Kommt wahrscheinlich so, wenn man nicht sonderlich aktiv jemandem nachstellt. Shun und Dai als Paar mussten mir erst mal warm werden, der oberflächliche Dai und der unsichere Shun schienen so gar nicht kompatibel, Dai so genau das Gegenteil von dem, was Shun sagt was er will. Doch mit der Zeit haben sie ganz gut zusammengepasst. Auch Alan war wesentlich weniger anstrengend, wie ich das zunächst erwartet hatte. Lediglich Ryota war die ganze Staffel über leicht merkwürdig, schien sich überhaupt nicht entscheiden zu können, und hat das schlechteste Timing der Welt an den Tag gelegt. Kazuto ist sowieso der domestizierte Traummann, mit dem man locker alt werden kann.
Wenn sich dann alle am Ende von einander verabschieden müssen, hat man wirklich das Gefühl, dass sie etwas trauern. Dass es ihnen allen gutgetan hat mal für einige Wochen aus dem Alltag herauszukommen. Und vor allem mit anderen schwulen Männern in einer WG gelebt zu haben, wo sich nicht versteckt oder hinterfragt werden muss, da alle die gleiche sexuelle Orientierung haben. Weil sie scheinbar wirklich alle gut miteinander ausgekommen sind.
Staffel 2 ist dann im Prinzip der ersten ziemlich gleich, mit den selben Vor- wie Nachteilen. Diesmal ging es zwei Monate statt nur einen, was eventuell etwas dafür da war, damit man sich noch umentscheiden kann, sollte die erste Männerwahl an einen anderen fällt. Damit sich mehr Paare finden können. Deswegen eventuell auch die drei nachträglich hinzugekommen Kandidaten, um festgefahrene romantische Einbahnstraßen wieder aufzubrechen. Witzigerweise hat das wenig geholfen. Auch in dieser Staffel schienen sich wieder alle auf die gleichen Männer gestürzt zu haben. Zunächst wollte jeder entweder William oder Huwei haben, als dann Frischfleisch nachgeschoben wurde waren alle hinter Taeheon her (ich habe also meinen Wunsch bekommen mehr von jenem zu sehen). Und erneut, der netteste Kerl, dem ich am meisten die Liebe gegönnt hätte, und der scheinbar mit allen gut befreundet war und unterstützende Gespräche geführt hat, Hiroya, ging leider leer aus. Eine Kuriosität der Staffel war auch Kazuyuki, der ebenfalls über die Zeit eine Beziehung gefunden hat… aber nicht im Haus. Er ist stattdessen zu seinem Ex zurückgekehrt, nachdem er gemerkt hat, wie sehr er doch noch an der Beziehung hängt. Die immerhin 15 Jahre gedauert hatte und scheinbar mit keinem einzigen Problem aufgewartet hat, so dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum die sich überhaupt getrennt hatten.
Ansonsten… erneut eine wohlige Atmosphäre im Haus, weil sich anscheinend alle gut verstanden und unterstützten. Es ist schon erfrischend eine Dating Reality TV Serie zu sehen, bei dem sich keiner hervorheben will, in dem er seine Rivalen schlecht macht. Selbst diejenigen, die am gleichen Typen interessiert sind, versuchen jenen mit ihrem eigenen Charme zu überzeugen, nicht indem sie den anderen in die Quere kommen.
Cherry Magic 2020 Redux
Aus gegebenem Anlass, weil ich nämlich gerade einen Rewatch machte, möchte ich noch mal über Cherry Magic reden. Die 2020er japanische Drama-Version. Ich glaube es war ein ziemlicher Glücksgriff, dass ich letztes Jahr, als ich mich richtig an BL Dramas zu probieren begann, direkt nach Takumi-kun zu Cherry Magic gegriffen habe. Hätte ich noch zwei oder drei eher durchschnittliche Serien erwischt, hätte ich es eventuell ganz sein lassen. Jedoch, dadurch das ich noch nicht viele Vergleichsmöglichkeiten hatte, habe ich damals nicht komplett gecheckt gehabt, dass es tatsächlich eine der besten Serien ist, die es in dem Bereich gibt.
Es ist echt regelrecht magisch, wie alles perfekt zusammengekommen ist. Zum einen haben wir natürlich schon ein starkes Ausgangsmaterial, welches hier adaptiert wird. Die Serie um Adachi, der zwischenmenschlich starke Kommunikationsprobleme hat, und welcher dank seiner plötzlichen Gedankenlesefähigkeit es endlich schafft, besser mit seinem Umfeld zurechtzukommen. Herausfindet das sie ihn wesentlich besser leiden können, als er das annahm, und der richtig gern mit ihnen zusammenzuarbeiten lernt. Geholfen durch die beständige Unterstützung Kurosawas, welcher sich in ihn verliebt hat. Die beide das Leben des anderen (und ihrer Mitmenschen) bereichern. Aber auch all die Änderungen im Script scheinen zum Besseren zu sein, zumindest wenn es um Live Action geht. Dass Kurosawas Wunschvorstellungen etwas weniger extrem sind oder Nozomi keine Fujoshi ist und stattdessen einfach zwei Mitarbeitern wünscht miteinander glücklich zu werden. In Form von Anime/Manga mag dies witzig gewesen sein, mit echten Schauspielern würde die Originalkonstellation eher Gefahr laufen creepy oder cartoony zu wirken. Was ein enormer Glücksgriff das Casting geleistet hat, mit allen Schauspielern, die ihren Rollen eine angenehme Nettigkeit verleihen, aber natürlich besonders Akaso Eiji und Machida Keita als Adachi und Kurosawa, die voll in ihren Rollen aufgehen und den beiden so viel geben. Akaso mit einer tollen Körperlichkeit was Adachis quirlige Reaktionen angeht, aber auch an anderer Stelle perfekt die introvertierte Schüchternheit darstellt. Machida als Kurosawa, der cool-zurückhaltend daherkommen mag, aber der mit seiner dezenten Mimik unglaublich viel Gefühl hinter der Fassade anzudeuten weiß. Selbst der OST ist so ungemein gut darin, die Atmosphäre einer jeden Szene zu unterstreichen, mag es nun ein ruhiger oder ein humoriger Moment sein. Wenn das Main Theme, gerade in seiner langsamen Variante, beginnt, habe ich direkt Pipi in den Augen.
Bei Cherry Magic (2020) ist einfach scheinbar so gut wie alles richtig gelaufen. Nicht umsonst habe ich gerade mal nach einem halben Jahr die Serie erneut geschaut. Weil sie mir so am Herzen liegt. Und weil keine andere genauso zu treffen imstande war. Ich habe durchaus mittlerweile andere richtig tolle BL Dramas geschaut, doch Cherry Magic steht eindeutig über ihnen allen. Wenn ich eine Folge beginne, schlägt direkt mein Herz schneller, schnürt sich mein Hals zu, und werden meine Augen feucht, und so eine sofortige emotionale Reaktion habe ich nur bei sehr wenigen Medien. Es ist eine reine Wunschvorstellung, die wahrscheinlich nie Realität wird, aber was wäre es so schön, wenn, nachdem der Manga dieses Jahr beendet wurde, alle noch mal für einen zweiten Film zusammenkämen, um uns weitere der wichtigsten Etappen im Leben von Adachi und Kurosawa inklusive dem Manga-Ende zu zeigen (von einer vollen 12-teiligen Abschlussstaffel mag ich mich nicht mal zu träumen trauen).