Cream Lemon: Anime’s Early Erotica Classic

In den 80ern waren Videorekorder zu einem Fixpunkt in vielen Haushalten geworden. Nun konnte man Filme auch außerhalb ihrer Kino- oder Fernsehaufführungen bei sich ganz gemütlich zu Hause anschauen. In Japan hatte dies zudem große Auswirkungen auf den Anime-Markt. Die ökonomische Blasen-Hochzeit war noch voll im Gange. Und da waren neue Projekte schnell abgesegnet. Die OVA, Original Video Animation, war geboren. Einzelne Filme oder Folge-per-Folge herausgebrachte Serien, die direkt auf dem Videomarkt ausgewertet wurden.

Das hatte gewisse Vorteile. So konnten jetzt auch eher Nischenprojekte gestartet werden, für die das für eine Kinoauswertung oder Fernsehausstrahlung nötige Massenpublikum nicht da war. Da pro Folge produziert wurde, waren jene Serien schneller einstellbar, wenn sie nicht gut liefen, und machte die individuell verkaufte Folge auf weniger Publikum mehr Umsatz. Nebenbei konnten OVA-Serien zudem Dinge zeigen, die Kinos und das Fernsehen nicht bereit waren auszustrahlen. Darunter natürlich auch Pornographie. Sich endlich ganz heimlich, ohne das es jemand mitbekommt, Pornos bei sich zu Hause über Video anschauen zu können, statt in schmuddelige Pornokinos zu schleichen, gab dem Genre immerhin weltweit einen Boom. Auch im Anime-Bereich.

Die erste OVA ist allerdings überraschenderweise kein Hentai, sondern Mamoru Oshiis Dallos. Wenige Monate später folgte die erste Hentai-Reihe mit dem umstrittenden 6-teiligen Lolita Anime. Der Titel ist ziemlich selbsterklärend, nehme ich mal an. Ein weiteres halbes Jahr später startete dann der absolute Erotik-Klassiker der japanischen Anime-Landschaft: Cream Lemon. Von August 1984 bis Februar 1987 sollten ganze 16 Folgen erscheinen. Wirklich rum war es damit allerdings noch lange nicht. Eine Nachfolge-Serie startete direkt. Es gab Specials und Spinoffs. Erst 1993 legte das Anime nach dutzenden Folgen eine Pause ein, bis in den 2000ern Reboots folgten, sowohl als Anime als auch als Live Action. Selbst Videospiele machten zwischen 1986 und 2002 regelmäßige Auftritte auf japanischen PC-Platformen.

Cream Lemon war also eine große Sache. Mit beliebten wiederkehrenden Storylines wie Escalation oder Ami. Bei letzterem wurde der Hauptcharakter sogar regelrecht zu einem virtuellen Idol ähnlich Tokimeki Memorials Shiori Fujisaki. Die Langlebigkeit lies sich natürlich auch durch das Konzept an sich gut erhalten. Denn Cream Lemon ist eine Anthalogie-Reihe, sprich jede Folge ist eine neue in sich geschlossene Handlung. Mehr oder weniger zumindest, wie gesagt gab es zu den beliebteren Geschichten häufiger auch Folgeepisoden. Aus Kuriosität habe ich mir davon mal die 16 des ersten Laufs angeschaut.

Be My Baby
Die erste Episode ist bereits signifikant, weil Hauptcharakter Ami wiederholt in der Serie auftreten und ihre eigenen Spinoffs bekommen wird. Sie ist in ihren Stiefbruder Hiroshi verschossen, auf den auch alle anderen Mädels an der Schule stehen. Was Ami echt eifersüchtig macht. Als die Mutter der beiden außer Haus ist und Hiroshi Ami unter der Dusche mastubieren findet, kommt es zum ersten Sex zwischen den beiden. Eine fast wholesome Love Story über die erste Liebe, wenn da die Stiefgeschwisterei nicht wäre.

Escalation: Hardcore Tonight
Rie wurde das Herz gebrochen, als sie ihre erste heimliche Liebe, ihren Pianolehrer, mit einer anderen im Bett erwischte. Also lässt sie sich auf ein katholisches Mädcheninternat bringen, um dort ihre schulische Bildung fortzusetzen. Sie verliebt sich sofort in die coole Naomi, die ihre Gefühle erwiedert. Denn Naomi suchte eh nach einer neuen Gespielin für ihre S&M-Eskapaden.

SF Super-Dimension Legend Rall
Was vom Titel her Assoziationen zu Macross aufkommen lässt, ist dann doch näher an Dragon Half dran. Die Episode spielt zwar auf einem fremden Planeten, aber einem der Mittelalter-Fantasy. Ein Bösewicht hat gerade die Prinzessin und ihren komplett weiblichen Hofstaat entführt, und versucht nun aus ihr den Verbleib eines legendären Schwertes via Orgien zu erpessen. Eine Kriegerprinzessin wird drin verwickelt. Alles mit leichter Komik und in einem verniedlicht SD-isiertem Look.

Pop Chaser
Merwürdiger und unsinniger Titel für eine Episode, die in einer postapokalyptischen Amerika-Wüste anfängt. Schnell stellt sich aber heraus, dass auch hier wieder die Komik obsiegen wird. Kopfgeldjägerin Rio macht in New Cansas halt, wo die einzige Bar/Hotel eines voller Angestellter in Schuldmädchenuniform ist. Eine davon überredet Rio gegen die lokale Gang einzugreifen, und bezahlt sie schon mal im Voraus mit lesbischen Liebesspielchen. Alles überraschend trotz enormer Länge der Sexszene durchgehen Softcore verbleibend und sich mehr durch kreative Darstellung auszeichnend.

Amy Again
Die erste Follow-Up Folge. Nachdem ihre Mutter Amy und Stiefbruder Hiroshi am Ende von Be My Baby beim Sex erwischt hat, ist Hiroshi auf ein Internet im Ausland geschickt worden. Amy ist einsam und vermisst ihn. Als ihre Freundinnen sie mit zum Feiern nehmen, verführt der Frauenheld Konou sie. Letztendlich bricht Amy weinend zusammen und erzählt ihren Freundinnen endlich, was Sache ist, die ihr emotionalen Beistand leisten. Wer hätte gedacht, dass eine Episodenhafte Porn-Serie doch so in die Charakterbildung geht.

Escalation 2: Forbidden Sonata
Nachdem Naomi vom Internat abgegangen ist, ist auch Rie furchtbar einsam. Zum Glück wird sie von einer anderen Gespielin Naomis mit zu deren Villa gebracht. Wo die lesbischen BDSM-Orgien vor den Augen von Naomis Vater und Bruder weitergehen. Am Ende der Folge voller üblicher klassischer Musik und katholischer Scham haben die drei Mädels dann ein süßes Beisammensein, bei dem sie über ihre Zukunftswünsche nach dem Internat reden, und das sie immer darüber verbunden sein werden, Naomis Haustiere gewesen zu sein.

Mako: Sexy Symphony
Mako findet alles, was mit Sexualität zu tun hat, irgendwie eklig. Selbst wenn es um den Jungen geht, den sie mag. Besonders merkwürdig ist ein kleines Mädchen auf dem Spielplatz, welches sie regelmäßig auf zweideutige Dinge anredet. Denn sie ist eine Repräsentation Makos, die ihr Sex näherbringen wird. Das ganze Konzept ist ziemlich abgedreht, genau wie die Kamerafahrten über Makos Körper zu deren Selbstbefriedigung.

Super Virgin
Eine Jungfrau zu sein führt in diesem, mit besonders merkwürdigem Charakterdesign gesegnetem, Universum dazu, dass man Superkräfte hat. Die Super Virgins sind die Mädchen und Jungs, die jene Kräfte dazu nutzen, um die Geschlechter weiterhin voneinander zu trennen. Aber auch hier kommt es natürlich irgendwann dazu, dass man sich verliebt und entdeckt, dass aus der liebevollen Verbindung der beiden Seiten die wahre Superkraft erwächst.

Happening Summer
Yuki, welche die Annäherungsversuche ihres Kindheitsfreundes ebenfalls schrecklich findet, wird Akira vorgestellt. Denn der ist der Freund ihrer großen Schwester. Sie verguckt sich ein wenig in den coolen Kerl, aber als er sie verführen will, entdeckt sie eine Seite an Akira, die ihr doch nicht gefällt. Am Ende ist es eben der langjährige Kindheitsfreund, mit dem sie wirklich glücklich werden will. Schon interessant, dass die letzten drei Folgen alle ein wenig damit zu tun haben, dass den Protagonistinnen Sexualität zuwieder ist, gerade als sich pubertär-bedingt ihr sexuelles Erwachen einstellt.

Star Trap
Der Folgentitel ist, auch vom Font her, eine Parodie auf Star Trek. Mit dem die Folge an sich dann absolut nichts zu tun hat. Kanata und Lan, die es mit ihren Superkräften beim Training übertrieben haben, und deswegen auf der Erde zwangsstationiert wurden, bekommen eine Spezialauftrag ihres Kommandantens: Ein lebender Planet ist auf dem Weg zu uns und entführt dabei alle weiblichen Passagiere ihn kreuzender Raumschiffe. Wie die beiden Mädels herausfinden tut er das, weil der Organismus herausfinden will, wie das mit der Fortpflanzung geht. Dies und anderes in einen ungelenken Erklärbär-Monolog am Ende verpackt, damit in der Folge genug Platz für Slapstick und Lesbenaction bleibt.

Black Cat Manor
Es ist die Zeit zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Student Murakami nimmt in einem Zeitungsartikel eine gut bezahlte Aushilfsarbeitsstelle an, die ihn zu einer abgelegenen Villa führt. Dort leben nur noch die Hausherrin, ihre Teenager-Tochter und ein Dienstmädchen. Alle drei chronisch untervögelt. Scheinbar ist Murakami hauptsächlich herbeordert, um genau dies zu ändern. Doch hinter den Orgien versteckt sich ein dunkles Geheimnis um den Tod des vorigen Hausherrens.

Mako: Sexy Symphony Part 2
Wir starten direkt den Tag nach der vorigen Mako-Episode, in der sie ihre Sexualität entdeckt hat. Wie sich herausstellt gibt es plötzlich zwei Repräsentationen ihrer sexuellen Gelüste, und die neue, welche wie eine erwachsene Mako aussieht, will sie zu einer Nymphomanin erziehen. Nur die Liebe ihres Kindheitsfreundes Yuu kann Mako also davor retten, ein Leben als leichtes Mädchen zu beginnen. Ich muss ja echt sagen das die Mako-Episoden nicht so meins sind.

Ami III
Ami hängt ihrem Bruder Hiroshi immer noch interher. Da kommt er überraschend vorbei. Ami ist überglücklich, zumindest solange, bis er einen entgültigen Schlussstrich unter ihre frühere Beziehung setzt. Ami flieht ins Bett von Konou, was sie aber auch nicht glücklicher macht. Das mag nach einer merkwürdigen und unbefriedigenden (pun intended) letzten Episode in der Ami-Storyline klingen. Das liegt daran, dass einen Monat später mit Going on a Journey: Ami Final Chapter ein 40-minütiger Kinofilm erscheinen sollte.

Nalice Scramble
Nalice geht auf die hochmoderne Schule, die ihr Vater leitet, und bei denen Jungs und Mädels strickt voneinander getrennt sind. Außerdem dient sie als mit Powerarmor ausgestatteten Superheldin, wenn es Probleme gibt. Wie aktuell, als drei Mitschülerinnen in Naiziuniform den Campus übernehmen wollen. Macht Nalice Scramble zur bisher abgedrehtesten Comedy der Serie, aber einer nicht mal wirklich sonderlich witzigen.

Super-Dimension Legend Rall: Ramorue‘s Counterattack
Diesmal ist der Name natürlich an den Gundam-Film Char’s Counterattack angelehnt, und hat erneut damit nichts zu tun. Ramorue, der im vorigen Teil besiegt wurde, ist wieder zurück und versucht die Dorfbewohner dahin zu kontrollieren, ihn vollends wiederzuerwecken. Er kann erneut besiegt werden, wobei er das Auftauchen einer Dunklen Königin ankündigt. Eine weitere Rall-Folge, in der sie bekämpft werden muss, gibt es allerdings nicht. Vielleicht erzählt eines der beiden Videospiele diese Story.

Escalation 3: Angel’s Epilogue
Für jedes Jahr der High School eine Folge Escalation. Aus der neu ans katholische Internat gekommenen Rie ist jetzt selbst eine Schulabgängerin geworden. Die sich von einer ihrer Liebesgespielinnen verabschieden muss. Und von ihrer Meisterin Naomi zum Abschluss weitere Lesbenorgien geschenkt bekommt. Nach einigen Episoden, in denen der Sex eher wenig Platz fand, endet Cream Lemon also noch mal mit einer, die fast nichts anderes bietet.

Das war es mit der ersten Serie Cream Lemon, zweieinhalb Jahre nach ihrem Start. So richtig geendet hat die Franchise aber wesentlich länger nicht. Genau genommen ging es sogar nahtlos weiter, denn die erste Episode New Cream Lemon stand bereits in den Startlöchern. Weitere Serien, Spinoffs und Specials sollten bis in die frühen 90er reichen. Bis zum Revival via Anime und Live Action in den 2000ern waren die 90er allerdings durchaus nicht ohne Cream Lemon, denn es gab munter Videospiele. Cream Lemon war wirklich ein großes Ding. Dies lässt sich schlecht bestreiten.

Die beliebteste Geschichte scheint dabei wirklich die Ami-Storyline zu sein. Noch während die erste Serie lief gab es hierzu ein Special und Kinofilm. In 1989 dann eine eigene Spinoff-Serie, die ihrer Geschichte ein alternatives Ende gab. In Videospielform lässt sie sich wiederfinden. Und auch im Reboot gibt es neue Ami-Folgen. Das ursprüngliche Ende habe ich mir aus Interesse dann doch mal angeschaut.

Ami Image: White Shadow ist ein zwischen Ami Again und Ami III erschienenes und spielendes Special. Mehr Clip Show und Musicvideo mit nur wenig neuen animierten Stellen darüber, wie Ami als Idol gescoutet wird. Goin on a Journey: Ami Final Chapter ist dann wirklich das Ende ihrer Geschichte. Der 40-minütige Film wurde übrigens zusammen mit Project A-Ko, einem weiteren Klassiker der 80er gerade im englischsprachigen Raum, als Double Feature in die Kinos gebracht. Das ist nicht so abwegig, wenn man betrachtet, dass A-Ko ursprünglich als Cream Lemon Folge geplant war, bevor das Projekt sich verselbstständigte. Jedenfalls ist das nicht ganz so spannende Ami-Finale dann so ziemlich das, was wir in allen Folgen geboten bekommen. Ami ist einsam und lässt sich durch andere bestimmt durchs Leben treiben. Bis sie sich dann emanzipiert. Sie beendet die Idol-Karriere. Sie macht eindeutig mit Konou schluss. Am Ende sitzt sie im Flieger nach London, um Hiroshi zu treffen.

Was natürlich beim Sichten von Cream Lemon sofort auffällt ist die Diversität der Folgen. Klar sollte es sowieso keine strickt gefolgte Handlung geben. Aber auch sonst gibt es eigentlich keine gerade, thematische Linie. Mal dreht sich alles um die erste Liebe, dann sind wir plötzlich in SciFi-Welten oder haben sogar mal einen kleinen Horror-Einschlag. Viele Folgen sind humorig angehaucht, einige behandeln ihre Charaktere aber auch mit absoluter Ernsthaftigkeit. In manchen geht es fast nur um Sex, bei anderen wirkt das eher noch schnell fünf vor Zwölf eingeworfen, um die Quote zu erfüllen. Es wird teils kreativ mit Kameraperspektiven und Animationsfahrten gespielt. Das macht die Serie doch im Nachhinein interessanter, als ich das erwartet hätte. Super sexy ist der altbackene Stoff freilich vierzig Jahre später nämlich nicht mehr. Zumindest von der Darstellung her, viele der Ideen sind natürlich Klassiker. So ein bisschen die verbotene Liebe zwischen (fast) Geschwistern oder bei kinnky Spielen im katholischen Internat geht ja immer. Ist kein Zufall, dass diese beiden die beliebtesten Handlungen waren, die auch später in Cream Lemon erneut auftauchen werden. Aber wie gesagt, Cream Lemon ist halt auch irgendwo mehr als nur reiner Porn, sondern liefert gern mal richtige Character-Arcs ab. Man weis am Ende der Reihe, wie es in einer Ami oder Rie aussieht und was für eine Reise sie emotional hinter sich haben. Da war ich sehr positiv überrascht von.

Dragon Quest: Your Story

Nachdem mit Dragon Quest: Your Story ein CG-Film basierend auf dem fünften Teil Anfang 2019 angekündigt wurde, sollte nur wenig Zeit vergehen, bis er später im gleichen Jahr noch bereits seine Prämiere in Japan feierte und Anfang 2020 auf Netflix für ein internationales Publikum landete.

Dragon Quest V: Die Hand der Himmelsbraut zu adaptieren ist natürlich eine sehr logische Entscheidung gewesen. Es ist einfach das Dragon Quest, welches sich schon von der Handlung her am besten für einen Film anbietet. Der Rest würde eher in eine episodische Abenteuer-Serie passen. Doch V hat für die Serienverhältnisse einen besonders starken narrativen Faden, einen besonders starken emotionalen Kern. Außerdem ist er, wenn man Re-Releases hinzuzählt, wohl einer der bestverkafuten Teile der Reihe. Und eben einer, dessen Handlung beim japanischen Publikum am meisten nostalgische Resonanz auslöst. Was eventuell auch der Grund ist, warum dort angeblich viele Fans das Ende nicht mochten, obwohl es ihnen eigentlich absolut zuspielen sollte.

Aber zunächst einmal fangen wir tatsächlich ganz nostalgisch mit Szenen aus dem Spiel an. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dragon Quest V ist in drei Generationen unterteilt. Es gibt eine kürzeren spielbaren Kindheitsteil, bei dem der Held mit seinem Vater durch die Lande streift. Und dann den Großteil des Spieles ausmachend ihn als Erwachsener mit Entscheidung einer von zwei Damen zu heiraten (Drei in den Remakes), und dann später mit den Kindern das ultimative Böse zu besiegen. Der Film beginnt nun mit einer kurzen Collage an Kindheitsereignissen, direkt aus dem SNES-Original genommen. Dann geht es erst in die toll aussehende CG-Welt hinein. Um den Rest der Kindheitsreise mit dem Vater weiterhin mehr oder weniger als Kurz-Collage zu zeigen, bis zur dramatischen Szene, wenn sich deren Wege scheiden.

Hier machen also noch viel mehr den Großteil des Filmes die beiden Erwachsenenstadien aus. Geändert und gestaucht hat sich natürlich erwartungsgemäß dennoch viel, um in einen durchgänigen Film von unter 2 Stunden zu passen. Der Held muss sich für eine der beiden Damen entscheiden, es ist canon Bianca. Wobei er zunächst Nera heiraten will und sich erst mal durch seine unterbewusste Programmierung kämpfen muss, um zu merken, wen er wirklich mag. Eine seltsame Szene, die Schatten vorauswirft. Den Großteil der anderen Charaktere, welche die Heldengruppe aus Dragon Quest V ausmachen, gibt es nicht bzw. reisen nicht mit ihm. Auch gibt es nur ein heldenhaftes Kind statt zwei davon.

Mir hat der Film aber auf jeden Fall unglaublich gut gefallen. Er sieht einfach toll aus. Manche mögen sich daran stören, dass das Toriyama-Charakterdesign gegen ein massentauglicheres getauscht wurde. Ich war nie ein sonderlicher Fan seiner menschlichen Designs und kann deswegen gut darauf verzichten. Die Monster sind cartoonig und sympathsich wie immer. Alles ist super durchanimiert. Sowohl die Action-Szenen als auch die Manierismen der Charaktere beim Reden. Es ist aller punktuell ernsten Momente zum Trotz gerade bis zur dritten Generation hin ein sehr leichtfüßiger und humoriger Film. Keine Ahnung, wie sehr man DQV gespielt haben muss, um emotional mitgehen zu können, ich kann es für mich persönlich ja nicht im Nachhinein wieder ungespielt machen. Für mich zumindest war es ein fantatsischt aussehender und gut umgesetzter Abenteuerfilm, der mich durchgängig gut unterhalten hat.

Und dann müssen wir jetzt mal Spoiler-mäßig über das Ende reden. Wie sich herausstellt gibt es einen guten Grund, warum der Film nicht Dragon Quest V The Movie heißt, sondern als Your Story betitelt ist. Denn es stellt sich heraus, dass alles Geschehene nur ein VR-Abenteuer ist. Als Dragon Quest V auf dem Super Famicom herausgebracht wurde, hat es Japan im Sturm erobert (wie alle Dragon Quests). Und auch unseren Protagonisten. Als Kind hat er sich in die Welt und Charaktere des Spieles verliebt. Seither hat er DQV wiederholt gespielt, um mit seinen altbekannten fiktiven Freunden rumzuhängen und das Abenteuer erneut zu bestreiten. Also ist er natürlich auch einer der ersten, der die neue VR-Maschine ausprobiert, die aus DQV ein personalisiertes und am eigenen Leibe erfahrbares Abenteuer macht.

Dragon Quest: Your Story ist also eine Ode an die Nostalgie einer ganzen Generation mittlerweile erwachsener Japaner, die 1992 mit Dragon Quest V aufgewachsen sind. Und symbolisch im Prinzip auf alles anwendbar. Auf das eine Spiel, Buch, Film, Serie, in die man sich als Kind verliebt hat. Die regelmäßig erneut konsumiert werden. Die Gefühle, die man den darin enthaltenen Welten und Charakteren entgegenbringt sind real. Sich hin und wieder in sie fliehen und an die gute alte Zeit denken zu wollen ist legitim. So sagt es zumindest Your Story. Nicht jedem mag dieser Einschlag in die Meta-Ebene fürs den Klimax gefallen, ich fand es aber tatsächlich eine sehr herzerwärmende Idee. Und erstaunlich mutig für eine es normalerweise eher safe spielende Franchise wie Dragon Quest.

Puella Magi Madoka Magica

Das Genre Magical Girl ist aus der Anime-Landschaft nicht mehr wegzudenken, seit dem Sally the Witch 1966 den Anfang bereitete. Seither gab es Aufs und Abs, doch jede Dekade kann sich rühmen mindestens eine Show gehabt zu haben, die dem Genre einen neuen Popularitätsschub gab. Und auch dazwischen war es nie komplett weg.

Wo auch immer Popkultur ist, ist allerdings auch Counter Culture nicht weit. Mit dem Erfolg der bunten und überzuckerten Serien, die als Wish Fullfilment für junge Mädchen gedacht sind, waren Serien nie weit, die genau gegenteilig liefen. Die sich das Genre padodistisch vornahmen. Die es durch einen düsteren oder sexy Anstrich einem älteren Publikum schmackhaft machen wollten. Oder die clever die Conventionen als Symbolik und zur Dekonstruktion von Kindheitsfantasien nutzten. Schon immer. Die 70er hatten Cutie Honey. Die 90er Devil Hunter Yohko oder Revolutionary Girl Utena.

Ein richtiger Trend zu „Magical Girl, aber mach es ernst/düster“ lässt sich definitiv ab 2000 abzeichnen. Nicht verwunderlich, bei einer Dekade, die mehr Genre-Shows als je zuvor produzierte, auch mehr Ausreißer zu verbuchen. Bis zum Jahr 2011, als Madoka Magica über die Bildschirme lief, kann man fiese Magical Girl Shows eigentlich schon nicht mehr als die Außenseiter bezeichnen, sondern als etablierten Seitenarm.

Was sich Madoka Magica dabei maßgeblich auf die Agenda geschrieben hat, ist die Dekonstruktion des Genres. Die Serie macht für die ersten zwei Drittel ihrer Laufzeit regelrecht den Eindruck, als hätte man eine Checkliste aller Magical-Girl-Konventionen gemacht, um sie dann ins Negative umzukehren.

Auch hier gibt es ein süßes Maskottchen, welches den Mädchen die Kräfte zur Verwandlung verleiht. Nur das die Serie von Beginn an ein Faible dafür hat, in unangenehmen Großaufnahmen und von tiefengelegten Kamerawinkeln auf das Gesicht mit den nie blinkenden Augen und stets Emotionslosem uWu-Mund zu halten. Damit klar ist, hier ist was nicht koscher.

Zudem ist ein Magical Girl zu werden keine Belohnung. Es wird ein Vertrag mit dem Maskottchen eingegangen. Die Belohnung ist, dass sie einen Wunsch, egal welchen, erfüllen können. Und im Austausch muss als Magical Girl gegen Hexen und ihre Familiars im Kampf angetreten werden. Schon alleine an jenem Grundstock wird gezeigt, dass ein Magical Girl zu sein in dieser Serie nicht positiv ist, wenn ein so großes Gegengewicht wie jeglichen Wunsch erfüllt bekommen zu können als Köder dafür herhalten muss, sich überhaupt darauf einzulassen. Noch bevor wir herausfinden, dass die Magical Girls während der Kämpfe sterben können.

Dies hat natürlich auch einen Anstrich der Ausnutzung. Die Reinheit jugendlicher Naivität und die Macht von Wünschen ist häufig eine Quelle an Kraft in diesen Serien. Hier nutzen die Maskottchen gezielt die Naitivät und die Hoffnungen und Wünsche junger Mädchen aus, um sie dazu zu überreden, Magical Girls zu werden. Häufig erscheinen sie ihnen in der Stunde größter Not, um gezielt Schwäche auszunutzen.

Wenn der Kampf gegen Hexen so gefährlich ist, sollte man meinen, dass zusammen zu kämpfen von Vorteil wäre. Immerhin ist die Freundschaft einer Gruppe an Magical Girls auch immer ein zentraler Aspekt der „normalen“ Serien im Genre. Madoka Magica stellt dies auf den Kopf indem Hexen Grief Seeds hinterlassen, die Magical Girls benötigen, um ihre verbrauchte Energie aufzufrischen. Da es diese Art von Belohnung gibt, die nur eine von ihnen benutzen kann, arbeiten sie natürlich auch lieber alleine. Ja streiten sich teilweise sogar untereinander um Territorium und Jagdtrophäen. Kameradschaft unter Magical Girls gibt es so gut wie nicht in Madoka Magica.

Den heroischen Wunsch die Welt und Menschheit zu retten, weil dies einfach das Richtige zu tun ist, gleich auch nicht. Man wird nicht Magical Girl, weil man helfen will. Man wird Magical Girl, weil man seinen egoistischen Wunsch erfüllt sehen will. Dazu kommt noch, dass Familiars zu Hexen werden können, wenn sie genug Menschen zerstört haben. Familiars sind schwächer als Hexen. Sie auszuschalten, wenn der Kampf noch einfach ist und bevor sie zu viel Unheil anrichten, wäre also gut? Aber nur Hexen haben die Grief Seeds. Manche Magical Girls lassen Familiars also gezielt wachsen und Unheil unter der Bevölkerung anrichten, damit sie zu Hexen heranreifen können, damit der Kampf auch eine Belohnung für sie bereithält.

Natürlich macht es noch lang keine gute Show aus, wenn man ständig versucht zu zeigen, wie clever man doch ist, in dem bewusst jede einzelne Trope eines Genres dekonstruiert wird. Vor allem wenn man in 2011 kaum der erste ist, der das Konzept für sich entdeckt hat. Ganz uninteressant ist es allerdings allemal nicht. Sich als Zuschauer zu überlegen, wie die nächste Konventionsumkehrung aussehen wird. Sich zu überlegen, wie die aktuelle Szene in das Anti-Magical-Girl Konzept passt. Nur auf Dauer hält es eben nicht über Wasser.

Eine andere sehenswerte Sache in der Serie wären da die Labyrinthe, welche die Hexen erschaffen. Sozusagen Parallelwelten, in die sie sich schützend flüchten, während sie von dort aus die Realität negativ beeinflussen. Das Ganze hat einen sehr Popup-Buch-Look. Irgendwo zwischen düsterem Märchen und dementen Alice im Wunderland. Ein bewusster Stilbruch zum restlichen Look der Serie, und definitiv der interessantere der beiden Looks. Was allerdings erneut nur durch die Kontrastierung funktionniert.

Das ist glaube ich im Nachhinein auch ein wenig das Problem von Madoka Magica an sich. Die komplette Serie funktioniert hauptsächlich durch den Kontrast. Magical Girl, aber düster. Niedliche Charaktere, aber ernste Probleme. Alle Stereotypen in ihren Umkehrschluss gewandelt. Es ist kein Problem beim ersten Anschauen der Serie, während dessen sie schon ziemlich cool und interessant ist. Aber ich kann mir nicht vorstellen sie erneut zu schauen und nicht ein wenig gelangweilt zu sein. Die eigentliche Handlung kommt dafür nämlich zu spät erst wirklich auf die letzten Episoden zum Tragen. Die Charaktere bekommen zu spät Tiefe. Und obwohl sich die Serie unglaublich clever vorkommt, so macht sie doch nie einen wirklichen Versuch darin, das Genre als Vehikel für metaphysische Thematiken oder akademische Dekonstruktion zu verwenden. Madoka Magica ist kein Princess Tutu oder Revolutionary Girl Utena. Die Serie ist mehr daran interessiert edgy zu sein denn echte Schläue darzubieten. Was wie gesagt beim ersten Anschauen auch gar nicht schadet. Ich denke Madoka Magica bleibt einem zudem wesentlich länger im Gedächtnis, wenn es die erste Serie dieser Art für einen ist.

Jedoch ist die Serie nicht alles, was es zu Madoka Magica gibt. Stattdessen haben wir auch noch den Film Rebellion, der direkt ans Ende der Serie ansetzt. Und der erscheint ein wenig wie das End of Evangelion oder Adolescence Apocalypse der Serie. Nicht vom Content her, so ersetzt er weder das Ende noch ist eine eigenständige Neuerzählung, sondern schon schlicht eine Fortsetzung der Ereignisse.

Dafür wirkt er wesentlich weniger restriktiert als die TV-Serie. Natürlich was das Budget und die Optik angeht alleine. Während der 2 Stunden befinden sich die Charaktere fast ausschließlich im Labyrinth einer Hexe. Nachdem die erste halbe Stunde also hauptsächlich konventionelle Optik bot, geht es anschließend in surreale Welten zwischen Popup-Dark-Fairytale und postapokalyptischer Szenerie. Losgelöst davon, dass die Umgebung wahnsinnig viel Sinn machen muss. Wie viel Sinn hinter der Symbolik herrscht, sei mal wieder dahingestellt, toll aussehen tut der Film allerdings allemal.

Aber jetzt ist die Handlung halt auch davon losgelöst ständig versuchen zu müssen „clever“ zu sein. Die Tropes sind schon zur Genüge während der 12 TV-Folgen dekonstruiert worden. Damit muss keine Zeit mehr verschwendet werden. Stattdessen kann sich der Narrativ wirklich komplett auf eine Charakter-getragene Handlung konzentrieren. Der emotionale Kern ist einfach viel besser. Ja der Film nimmt sogar einige der Serien-Anti-Magical-Girl-Sachen zurück. Indem er die Mädchen hier beispielsweise tatsächlich als typische Magical Girl Truppe zeigt, die zusammen kämpfen. Das macht es wesentlich stärker, wenn Dinge beginnen schiefzulaufen, statt wenn von Anfang an alles aussichtslos wirkt.

Natürlich muss man die TV-Serie kennen. Oder deren Zusammenschnitt in die zwei Filme Beginnings und Eternal. Ansonsten macht Rebellion keinen Sinn, beziehungsweise dass schon ein Stück weit, aber das richtige Payoff fehlt einem schlicht. Und ich möchte erneut erwähnen, dass all meiner Unkenrufe zum trotz darüber, dass die Serie nicht halb so clever ist, wie sie denkt, sie durchaus sehenswert ist. Die richtige Sahnehaube an Madoka Magica wird aber erst zum Schluss mit dem Film Rebellion geliefert.

Beastars

Beastars war eines der Hype-Anime der letzten Jahre, basierend auf einen laufenden und aktuell satte 17 Bände umfassenden Manga, mit einer bereits angekündigten zweiten Staffel. Und da ich es zwischen den Jahren geschaut habe, kann ich doch gleich mal meine Plattform nutzen, um zu sagen, ob es sich lohnt die 12 Folgen Lebenszeit dran zu verlieren, wenn es im März offiziell für den Westen auf Netflix aufschlägt.

Wobei ich natürlich schon alleien vom charmanten Stop-Motion-Opening eingenommen war. Aber das ist natürlich eine sehr persönliche Präferenz. Sowie ein unikater Stil nur für jene Eröffnungssequenz, nicht der Animationsstil der Serie an sich. Dort handelt es sich nämlich um CG. Was für mich persönlich ja immer etwas Eingewöhnung benötigt. Weil es häufig so ein merkwürdiges Gemisch ist zwischen eigentlich viele weiche Bewegungsabläufe darstellen zu können, diese dann aber bewusst abgehackt wirken zu lassen, um sich traditioneller Frame-Animation anzunähern. Bei Beastars hatte ich mich allerdings ziemlich schnell dran gewöhnt, was eventuell auch daran liegt, dass nur die Charaktere CGI sind und die Hintergründe weiterhin 2D-Zeichnungen. Oder weil der Content der Serie mich genug ablenkend packte, ich habe die 12 Folgen nämlich in 2 Tagen durch-gebinged.

Beastars handelt in einer Welt, in der anthropomorphe Tiere in prinzipiell unserer Gesellschaft leben was den Entwicklungsstand angeht. Der Unterschied ist halt, dass bei ihnen noch die tierischen Urahnen einen Einfluss haben. Herbivore und Karnivore leben noch nicht so lange friedlich zusammen, da erstere die Beute der letzteren sind. Doch mittlerweile ist angeblich alles anders. Dass dies noch nicht perfekt läuft, müssen die Schüler von Cherryton allerdings in der ersten Folge bereits feststellen, als das Alpaka Tem von einem mysteriösen Karnivoren Mörder gerissen aufgefunden wird. Dies streut Angst und neue Animositäten zwischen den beiden Fraktionen der Schüler.

Legosi glaubt nicht nur fest an das friedliche Zusammenleben, sondern tut auch sein Möglichstes, um unauffällig zu bleiben. Er ist nämlich ein Grauwolf, ein berüchtigter Predator also. Von seiner Persönlichkeit her könnte Legosi allerdings nicht weiter davon entfernt sein, denn er ist zurückhaltend, schüchtern, leicht introvertiert, und immer hilfsbereit. Das führt dazu, dass er Konflikte umgehen will, wenn er in eine Schlägerei mit einem anderen Karnivoren landet immer absichtlich verliert, um seine Größe zu verschleiern nur gebeugt läuft. Selbst beim Drama-Club, dem er angehört, ist er nur hinter der Bühne zu finden.

Umso verstörender ist es für ihn, als er eines nachts die Fährte des Zwerghasens Haru aufnimmt und seine animalischen Instinkte nicht zurückhalten kann, sondern sie angreift. Die gemobbte Mitschülerin ist sich selbst nicht mal sicher, ob sie entkommen oder ein Ende finden will. Doch da Legosi dann noch zögert, kann sie entkommen. Von nun an ist er aber besessen von der Mitschülerin, durch komplexe Gefühle, die er zum ersten Mal in sich entdeckt.

Es mag etwas komisch klingen zunächst, aber Beastars hat mich etwas an Utena erinnert. Absolut nicht von der Optik versteht sich, denn Beastars bietet keinen Kitsch und ist sehr bodenständig gehalten. Eher von der Thematik und der Herangehensweise her bekam ich ähnliche Vibes. Beide Serien spielen an einer High School, die ein wenig den Eindruck einer abgeschotteten Welt gegenüber dem Leben drumherum macht, in der die Schüler in ihrer eigenen kleinen Gesellschaft leben. Und dann behandelt die Serie den Schmerz des Erwachsenwerdens, das Zurücklassen kindlicher Ideale beim Heranwachsen zu einem Erwachsenen, das Erwachen von Sexualität, aber all das zum Teil stark symbolisch. Utena packt dies eben in eine verkitschte Optik aus Märchen und Magical Girl. Beastars hingegen ist eher düster und bodenständig und nutzt Parallelen aus Fabeln und dem Tierreich.

Dies funktioniert besonders dadurch gut, da jemanden zu „essen/verschlingen“ ein bekannter japanischer Euphemismus für Sex ist. Sexualität spielt eine wichtige Rolle in Beastars. Zwerghase Haru beispielsweise, als eine der schwächsten Herbivoren, wurde immer entsprechend leicht herablassend behandelt, als könne sie nichts selbst. Bis sie eine Sache entdeckte, bei der sie auf Augenhöhe mit ihren Partnern ist: Sex. Seither geht sie sehr freimütig damit um und schläft mit ziemlich jedem, der das von ihr will. Was sie nach und nach zur gemobbten Außenseiterin gemacht hat. Gleichzeitig fühlt sich das perfekte Schul-Idol Loius, ein Hirsch, der immer vor allem die Fassade des Perfektionismusses aufrechthält, nur beim Beischlaf mit Haru dazu möglich, sich endlich mal fallenzulassen. In Legosi wiederum erwachen durch das Treffen auf Haru ganz neue Gefühle in ihm, sehr dringlich-animalische, bei denen er selbst zunächst nicht weiß, ob es Liebe ist, oder doch nur die Besitzansprüche eines Jägers seiner Beute gegenüber.

Die Tragik ist selbstverständlich, dass es schwer denklich ist, wie ein Hase und ein Wolf überhaupt ein Paar sein sollten. Selbst wenn sich herausstellen würde, dass Haru auch etwas für Legosi empfindet, und der sich endlich über seine eigenen Gefühle ihr gegenüber klar wird. Man feuert die emotional abgekühlte Häsin und den unsicheren Wolf geradezu an, endlich zueinander zu finden.

Wie dies geschieht finde ich hingegen als einzige Sache in der Staffel als etwas unglücklich geregelt. Haru wird entführt und Legosi rettet sie, was beiden deutlich die Augen für die Gefühle einander gegenüber öffnet. Das ist an sich schon ein ziemlich arges Klischee an sich, die Damsel in Distress und der rettende Held, und durch die Extremsituation muss man sich nun halt lieben. Netterweise macht es die Serie sich dann doch nicht ganz so einfach. Das eigentliche Problem für mich war, dass Haru von der Mafia entführt wird. Von einer Gruppe mehrerer Dutzend Löwen. Und Legosi sich fast im Alleingang durch sie hindurchkämpft, nur mit Unterstützung eines helfenden Pandas. Dessen Hilfeangebot war genauso unrealistisch für mich war, wie dass sich Legosi immer noch durch den Großteil der bewaffneten Verbrecher durchgeprügelt bekommt. Und ziemlich unnötig, da es andere Arten gab, Haru in Gefahr zu bringen, aus dem ein einsamer Wolf sie hätte befreien können. Den Tiger-Mitschüler beispielsweise über seine Obsession nach der Droge Hasenblut auf Haru einfallen zu lassen. Den Mörder der ersten Episode zurückzubringen, der in der ersten Staffel nie wieder auftauchen wird. Oder das die andere Häsin, die Haru mobbt, weil ihr Freund mit ihr geschlafen hat, zwei oder drei Raudis engagiert, die Haru entführen. Durch den Kampf gegen mehrere wenige andere Karnivore hätte man auch gut darstellen können, was für eine Kraft Legosie die ganze Zeit unterdrückte. Dass sich ein Schüler durch einen ganzen Yakuza-Clan schlägt, fand ich hingegen überraschend dämlich für eine ansonsten eigentlich sehr bodenständige Serie, die ihr Drama möglichst realistisch angeht.

So wie eine Zigarre manchmal einfach nur eine Zigarrie ist, ist freilich das „Fressen“ manchmal auch einfach nur ein Fressen und keine Symbolik für Geschlechtsverkehr. Das hinter der schönen Fassade des trauten Beisammenseins immer noch mörderische Urinstinke herrschen, bekommen wir mehrmals gezeigt, so dass der Mord zu Serienbeginn nicht mehr als das so herausragende Ereignis dasteht. Wenn es auf einem kurzen Tripp in die Stadt geht, sieht man dort zwar auch alle Erwachsenen schön miteinander leben, doch in den Hintergassen stolpert die Gruppe in den Schwarzmarkt. Wo Karnivoren illegal das Fleisch von Herbivoren erstehen. Und einige Mitschüler von Legosi können sich kaum zurückhalten, endlich mal richtiges Fleisch und Blut schmecken zu wollen. Gleichzeitig führt dieses Karnivore vs Herbivore aber auch als soziales Klassenkonstrukt zu Minderwertigkeitskomplexen. Es wird mehrmals erwähnt, wie selbstsicher und edel sich (Apex-)Predatoren einfach von Natur aus bewegen, was ein Herbivor so nie tun würde. Gerade Schul-Idol Louis hat einen extremen Komplex dahingehend eigentlich der Schwächere zu sein. Was auch gut in einer Szene dargestellt wird, in der eine Wölfin ihm eine Kriegserklärung ob des Idol-Daseins macht und einfach zu Boden drückt. Die zierlich dargestellte Wölfin hat kein Problem damit, den großgewachsenen Hirsch an den Boden zu nageln, weil sie als Karnivore von Natur aus mehr Kraft mitbringt. Bestätigt das Gefühl von Loius, dass egal wie sehr er sich anstrengt, er immer einen Nachteil haben wird.

Ist halt schon viel Teenager-Drama drin in Beastars, immerhin sind das unsere Hauptcharaktere und es geht um deren Leben und Wachstumsschmerzen. Ich fand es von dieser einen erwähnten Instanz gegen Ende abgesehen aber sehr spannend und interessant und konnte kaum aufhören zu schauen. Bin auch sehr gespannt auf die zweite Staffel und wie dort das Mordmysterium vom Anfang eventuell wieder aufgegriffen wird. Wie es mit Haru und Legosi weitergeht. Und ob es doch noch was zu bedeuten hat, dass das Opening Louis vage wie den Antagonisten repräsentierte, der aber zumindest in Staffel 1 noch gar nicht der Psychospielchen spielende Fadenzieher ist, sondern seine eigenen Probleme mitbringt und zum Glück wesentlich runder als zunächst befürchtet war.

Mardock Scramble – Third Exhaust

Der finale Film, The Third Exhaust, startet genau dort, wo der zweite Film aufhörte: Im Casino. Wer dachte, dass eine halbe Stunde der knappen Stunde des vorigen Films ans Glücksspiel zu verlieren, bereits eine ziemliche Zeitverschwendung war, wird hier nicht glücklicher gemacht. Auch die dritte Stunde der Saga wird zur Hälfte davon eingenommen. Damit ist ein drittel der Spielzeit von Mardock Scramble im Casino zugebracht.

Und sicherlich gibt es auch Anime, die Glücksspiel als zentrale Thematik interessant aufbereiten können. Mardock Scramble gehört aber nicht dazu. Dafür ist das immer alles viel zu einseitig. Entweder gewinnt Rune-Balot haushoch, oder sie verliert alle Spiele. Zumindest bis über ewige innere Monologe mit Oeufcoque hinter dessen Trick gekommen wurde, und Rune-Balot wieder einseitig gewinnen darf. Es gibt nie ein richtiges Tauziehen, nie einen Clash der Strategien.

Sind wir endlich aus diesem unsäglichen Casinos raus, geht es dafür umso überstürzter. Sie haben aus den Chips die Erinnerungen von Shell geholt, und finden endlich heraus, warum er Mädels umbringt. Er selbst wurde von seiner Mutter vergewaltigt, bis er jene umbrachte. Deren Asche war der erste blaue Diamant. Dann war er aber mal eine weile glücklich mit jemandem liiert, bis die ihm offenbarte, dass sie ebenfalls als junges Mädchen von ihrem Vater missbraucht wurde. Sie ist dann irgendwie auch gestorben, so richtig wie wann und warum hab ich nicht mitbekommen. Alles hat Shell dann jedenfalls so sehr mitgenommen, dass er anfing, misshandelte Mädchen aufzunehmen, sie früher oder später aber wie seine Mutter umzubringen und zu blauen Diamanten zu verarbeiten.

Die Gerichtsverhandlung gegen Shell, um die es ja eigentlich gehen soll, und für die man seine Erinnerungen als Beweise brauchte, sehen wir übrigens gar nicht. Sondern nur die Szene, wie er schon als Verurteilter abgeführt wird. Na da hat es sich doch echt gelohnt, das Casino auf eine volle Stunde zu ziehen. Musste man ja nur so eine Unwichtigkeit für einsparen, wie der eigentliche Verhandlungshöhepunkt gegen den Antagonisten.

Der entkommt und bringt seine Verlobte um, durch die er ja zur October Corp eine Verbindung hatte. Und wir finden heraus, dass auch sie von ihrem Vater, dem Oberhaupt der October Corp, misshandelt wurde. Ich schwör, Mardock Scrambles einziger Modus Operandi ist, Charaktere, die ein Trauma brauchen, eine Misshandlung anzuhängen, und Bösewichte als Pädophile darzustellen. Mardock Scramble ist das edgedordigste Anime, das ich seit RIN: Daughters of Mnemosyne geschaut habe.

Shell will den October Corp Präsidenten erschießen, der ist jetzt irgendwie wichtig, auch wenn er nur zwei Sätze im Film hatte. Hält sich dann aber doch zurück. Genauso, wie sie Shell verschont, sondern ihm nur seine Erinnerungen wieder einpflanzt, davon überzeugt, dass er dann nicht mehr mordet. Das ist wohl ihre Character Arc. Statt Oeufcoques Kräfte wie am Ende vom ersten Film im Rachewahn zu missbrauchen, behält sie einen kühlen Kopf und lässt die Rechtssprechung über sie entscheiden. Boiled will sie ebenfalls verschonen, aber der geht zu brutal gegen sie vor und lässt sein Leben. Was er aber gut findet. Und dann ist Mardock Scramble auch ziemlich sang- und klanglos vorbei.

Mardock Scramble war im Ganzen schon eine Enttäuschung. Es möchte so gerne das neue Ghost in the Shell sein, ist aber viel zu dämlich dafür. Dabei gibt es durchaus viele interessante Ansätze, die man verfolgen kann. Nicht nur was das World Building angeht, wie ich es schon beim zweiten Film bemängelte. Sondern auch Tiefenpsychologisches. Die ganze Shell-Revelation ist so kurzangebunden und abgehackt, dass man schnell die Übersicht verlieren kann. Was war genau mit seiner Freundin geschehen? Warum meint Rune-Balot, dass seine Erinnerungen ihn vom Morden abhalten werden? Ist das unterbewusste Halb-Erinnern an sein Kindheitstrauma ohne konkrete und klare Erinnerungen der Grund seiner Psychose? Hält er sich die misshandelten Mädchen, weil er sie unterbewusst als Ersatz der vergessenen Freundin sieht? Oder Boiled. Was macht es aus einem Menschen, wenn man ihm nicht nur die Emotionen nimmt, sondern auch die Not zum Schlafen? Als Supersoldat sicherlich geil, aber was macht es psychisch mit einem Menschen, nie zur Ruhe zu kommen, nie abschalten zu können?

Das interessiert Mardock Scramble aber irgendwie alles nicht. Traumata sind plakativ und möglichst fies, gleichzeitig aber doch irgendwie immer wieder das gleiche. Action-Szenen möglichst schnell und brachial. Hier und dort mal ne Titte ins Bild halten. Extreme Gesichtszüge und Reaktions-Cose-Ups. Aber wirklich spannend ist es dann dennoch nicht, wenn man plötzlich eine volle Stunde tote Zeit mit langweiligen Casino-Gesprächen füllt.

Rumic World II: Laughing Target & Mermaids

Rumiko Takahashi ist mehr für ihre Romanzen und Komödien bekannt. Einen gewissen Touch beider Dinge scheint zumindest allen ihren bekannten Geschichten innezuwohnen. Doch die Frau kann auch Horror, wie sie beispielsweise in der Kurzgeschichte Laughing Target zeigte, oder auch in ihrem dreibändigen Mermaid Saga.

Yuzuru ist ein bei den Mädels an seiner Schule nicht ganz unbeliebter Teenager, hat aber bereits eine Freundin in Satomi, mit der er zusammen im Bogenschießklub ist. Die ist wohlweislich nicht so begeistert, als Yuzuru nebenbei erwähnt, dass von nun an seine Verlobte bei ihm wohnen wird, von der sie noch nie was gehört hat. Ist nämlich so, dass Yuzuru und seine Cousine Azusa sich als kleine Kinder versprochen wurden, weil die Mutter von Azusa und Oberhaupt der Familie darauf bestand. Das ist so viele Jahre her, dass sich Yuzuru nicht vorstellen kann, Azusa würde das noch für voll nehmen. Tut die aber ungemein.

Das Setup von Laughing Target klingt zugegeben auch absolut danach, als hätten wir es mit einer typischen Verwechslungkomödie von Takahashi zu tun, diese Charakterkonstellation könnte so auch aus Ranma 1/2 stammen.

Stattdessen ist das hier aber eine Horror-Geschichte. Sehen wir schon direkt am Anfang, denn eigentlich startet die OVA mit einem Stimmungsvollen Rückblick, in dem Azusas Mutter panisch das Haus durchsucht, während wir Azusa als Kleinkind auf ein Geisterumwobenes Grabmal zukommen sehen, endend in einer Vision der Mutter einer dämonenbesessenen Azusa, die sich dann doch in das lachend-spielende Kind wandelt. Übrigens die einzige Szene im Anime mit dem Titel Laughing Target, in dem Azusa lachen wird.

Die restliche Zeit, sobald Azusa wieder im Leben von Yuzuru angekommen ist, besteht daraus, dass Satomi etwas grantig ist, weil er keine Klarheit schafft, während Azusa eindeutig eifersüchtig ist und mit zunehmenden warnenden Attacken Satomi langsam in die Verzweiflung treibt. Dazu kommt noch der eine oder andere Rückblick, wie das Azusa als Kind beinahe von einem Jungen vergewaltigt worden wäre, ihn jedoch mit einem Stein erschlug und dämonische Verbündete die Leiche fraßen, oder wie sie ihre Mutter beseitigte, als diese sie erwürgen wollte, nachdem der klar wurde, dass Azusa besessen ist. Das soll wohl etwas Sympathie für Azusa wecken, die zu Beginn der OVA auch immer mal wieder versucht sich gegenüber Satomi zu zügeln. Aber teilweise verwirren sie ein wenig die Timeline, wann und warum Azusa jetzt wirklich besessen wurde und wie diese Inbesitznahme sich nun genau gestaltet.

Die OVA bewegt sich auch mal wieder sehr langsam. Es ist eben schon stark merklich, dass die in Rumic World zusammengefassten Storys nur One-Shots von einem einzelnen Kapitel sind. Ein paar Dutzend Seiten Manga füllt nicht gut satte 50 Minuten in der animierten Rumic World von Studio Pierrot aus. Laughing Target kommt hierbei gegenüber Fire Tripper und Maris the Chojo noch am stringentesten rüber, so als langsam schleichender Horror, doch hätte ähnlich anmutende Szenen auch durchaus gern ein bisschen weniger häufig wiederholen können.

Besonders gut für die Atmosphäre ist aber definitiv die ambitionierte Präsentation, welche die sehr gewöhnliche und simple Handlung etwas aufwertet. Die vorigen beiden OVAs hatten schon ein paar sehr gute Szenenkompositionen, und Laughing Target dreht hier noch mal auf. Vor allem natürlich auch in den alptraumhaften Rückblicken oder den Attacken von Azusa. Aber auch das ein Großteil der Szenen in Blautönen gehalten ist, bringt dann das aufblitzen von rotem Blut beispielsweise gut zur Geltung. Auch zwei sehr gute Insert Songs sind wieder mit von der Partie, besonders der unheimliche Liebessong wenn Azusa bei Yuzuru auftaucht.

Die Mermaid Saga gehört als Manga nicht in die Rumic World, immerhin ist es kein One-Shot, sondern füllt ganze drei Bände. Konzeptionell ist es allerdings nicht unähnlich, da auch hier in jedem Kapitel eine eigene Episode erzählt wird, die Thematik nur zwischen ihnen konstant ist und die beiden Hauptcharakter gleich bleiben. Einem solchen Kapitel, Mermaid Forest, wurde sich dann von Studio Pierrot in den üblichen 50 Minuten angegangen, weswegen die OVA-Variante dann doch zu deren Rumic World Line-Up zählt. Die zwei Jahre später umgesetzte OVA Mermaid Scar hingegen stammt von Studio Madhouse, ist also nicht mal als Anime eine Rumic World Geschichte. Passt hier aber trotzdem, also sprechen wir auch darüber.

Dabei geht dies hier auf die japanische Mythologie um Ningyo zurück, die häufig nicht wie die verführerischen Sirenen der westlichen Literatur dargestellt wurden, sondern einen monströsen Oberkörpfer oder gar nur Kopf mit einem Fischschwanz verbanden. Rumiko Takahashi kulminiert das ein wenig darin, dass die für uns traditionellen hübschen Meerjungfrauen sich eben auch in ein Monster verwandeln können. Und behandelt vor allem die japanische Legende, dass ihr Fleisch zu essen unsterblich macht.

Deswegen werden sie natürlich gern gejagt und getötet, um endlich die Unsterblichkeit erlangen zu können, bzw. sogar lebendgelassen eingesperrt, um es nach Belieben aus ihnen herausschneiden zu können. Was den Meerjungfrauen eine tragische Komponente geben würde, wenn sie jemals eine Figur in diesen Geschichten wären, doch Mermaid Forest und Mermaid’s Scar präsentieren sie mehr wie die nicht greifbaren mythologischen Wesen und erzählen stattdessen lieber Geschichten von menschlichen Drama, die durch sie verursacht werden.

Hier ist auch wichtig zu wissen, dass das Fleisch einer Meerjungfrau giftig ist. Nur wenige Menschen überstehen dessen Konsum unbeschadet, die meisten sterben entweder oder werden zu Monstern. Yuta beispielsweise hat Jahrhunderte einsam die Erde bewandert, bis er endlich mit Mana eine ander Unsterbliche traf. Die beiden sind dann auch, zusammen mit der Unsterblichkeitslegende, das Bindeglied der Kapitel in Mermaid Saga. Denn nachdem Yuta so lange niemand anderen angetroffen hat, scheinen die beiden plötzlich nirgendwo mehr hinreißen zu können, ohne auf Leute zu treffen, die Meerjungfrauenfleisch gekostet haben.

In Mermaid Forest wäre da beispielsweise Towa, deren Zwillingsschwester Sawa der Todkranken in der Jugend Meerjungfrauenblut zu trinken gab. Über die letzten Jahrzehnte ist Towa auch tatsächlich nicht gealtert, bekam aber eine Monsterklaue gewachsen, die sie regelmäßig mit den Händen verstorbener Mädchen auswechselt. Sie ist besessen davon, die Meerjungfrau zu finden, der Sawa das Blut entnahm, die möchte das Familiengeheimnis aber nicht teilen. Bis Towa versucht ihren Kopf auf den Körper von Mana verpflanzen zu lassen, und Sawa doch Skrupel davor hat, ein lebendiges Mädchen umzubringen (auch Unsterbliche überleben eine Köpfung nicht). Doch Towa möchte das Meerjungfrauenfleisch gar nicht für sich, sie wollte nie unsterblich sein und war mit ihrem Leben zufrieden. Nein, sie möchte das Sawa davon isst, damit sie zur Strafe zu einem Monster wird, denn Sawa gab ihr damals nur das Blut, um zu testen, ob die Unsterblichkeit wirklich bei den Zwillingen funktionieren kann.

In Mermaid’s Scar treffen Yuta und Mana stattdessen auf den kleinen Jungen Masato, der frisch zu seiner Mutter in ein abgelegenes Anwesen zieht. Was zunächst so aussieht, als würde er von ihr misshandelt werden, hat aber ganz andere Gründe. Masato ist unsterblich, da sich als Kind aber schlecht alleine durch die Gesellschaft manövriert werden kann, bietet er regelmäßig Frauen das Meerjungfrauenfleisch an, um sich Kompagnons zu züchten. Die sterben aber häufig nach einigen Jahrzehnten bereits und Masato zieht weiter. In Mana meint er jetzt eine permanentere Lösung gefunden zu haben.

Die ruhige und gemächliche Vorgehensweise funktioniert hier für mich erneut eindeutig besser, denn es geht eben mehr um das menschliche Drama statt um den Horror in den Geschichten. Wobei es eindeutig tonal Unterschiede zwischen den beiden OVAs gibt, denn Mermaid’s Scar geht zügiger voran, bietet mehr Action als das langsam entfaltende Familiendrama von Mermaid Forest, welches in der ersten Hälfte wieder viel dahin mäandert. Scar sieht auch schicker aus, wobei Madhouse auch gar nicht sonderlich versucht hat, das Original-Charakterdesign einzufangen.

Mardock Scramble – Second Combustion

Beim letzten Mal: Die misshandelte Rune-Ballot wird von Shell in die Luft gesprengt, aber von Easter und Oeufcoque kämpferisch aufgebessert rekonstruiert, um Shell hinter Gittern bringen zu können. Der setzt jedoch Boiled auf sie an, welcher Oeufcoque erneut zu seiner Waffe machen will. Rune-Ballot dreht auf Grund ihres Machthochs kurz durch, Oeufcoque reagiert mit einer Abstoßreaktion, es sieht so aus, als hätte Boiled sie erledigt.

Dem ist natürlich nicht so, ansonsten hätten wir kaum zwei weitere Filme, es sei denn Mardock Scramble zieht einen Psycho ab und ändert plötzlich den Hauptcharakter. Tut die Reihe natürlich nicht. Gerade, als Boiled Rune-Ballot erschießen will, kommt Dr. Easter in einem riesigen Ei vorbeigeflogen und nimmt Rune-Ballot und Oeufcoque mit in Sicherheit.

Sie wacht in Paradies wieder auf, einem Forschungslabor, in dem Projekte wie Scramble 09 gestartet sind, die experimentalen Technologien entwickelt werden, und Rune-Ballot sowie Oeufcoque geheilt werden können. Rune-Ballot ist dabei untröstlich, dass es ihrem Mitstreiter dank ihr so schlecht geht, lässt sich allerdigns von einem weiteren stummen Psi-Begabten etwas ablenken. Der nennt sich Tweedledee und führt sie im Paradies rum. Erklärt ihr, dass drei Forscher es ursprünglich erbaut haben. Dass nicht nur Scramble 09 sondern auch die ihm entgegengesetzte October Group hier ihren Ursprung fanden. Lässt sie mit einem der Hauptforscher reden, der nun noch als Kopf in einem Vogelkäfig weiterbesteht, und zeigt ihr seinen schwulen Lover in Form des Delphins Tweedledum.

All der Blödsinn nimmt ein jähes Ende, wenn Boiled vorbeikommt, weil er natürlich immer noch Rune-Ballot und Oeufcoque erledigen muss. Die fliegen aber einfach wieder weg. Mittlerweile wissen wir dann auch, dass die Erinnerungen von Shell, die er regelmäßig wegen seines Hirnimplantats verliert und deswegen abspeichern lässt, in vier Chips in einem Kasino der October Group, in die Shell einheiraten will, um mehr Immunität gegenüber der Justiz zu haben, versteckt sind. Also geben sich Easter und Rune-Ballot als Glücksspieler aus und versuchen mehrere Millionen zu gewinnen, um an die hochkarätigen Chips zu gelangen. Der Film stoppt genau dann, wenn sie mit Black Jack beginnen wollen.

Ich dachte ja irgendwie, dass die drei Filme bei je knapp einer Stunde echt hetzen müssen, um alles gezeigt zu bekommen, was sie einem zeigen wollen. Dass es noch dem Aufbau im ersten Film jetzt so richtig losgeht. Aber eigentlich steigt Mardock Scramble: The Second Combustion so richtig auf die Bremse. Ganz zusammenhängend erscheinen die Ereignisse sowieso nicht, sondern sind zwischen Paradies und Kasino hart voneinander getrennt, als wären zwei Folgen einer TV-Serie aneinander getackert worden.

Im Paradies wird viel geredet, letztendlich geht es allerdings um wenig. Die Charaktere philosophieren munter von der Leber weg, aber so richtig die Bedeutung für das größere Ganze in Mardock Scramble will sich mir aus ihnen nicht erschließen. Es ist mehr die obligatorische psychedelische Episode, um den Stoff erneut intelligenter wirken zu lassen, als er letztendlich ist. Natürlich mit erneut viel Möchtegern-Shockvalue-Edgyness, wie der homosexuellen Beziehung (Skandalös!) und dann noch zwischen einem Jungen und seinem Bruder, der auch noch ein Delphin ist. Oder halt Leuten, die als Köpfe weiterexistieren.

Im Kasino geschieht dann in der zweiten Hälfte des Filmes scheinbar gar nichts. Rune-Ballot und Easter haben erneut wenig bereichernde Gespräche darüber, wie man auch ohne Cheaten ein Spiel so liest, dass man eigentlich nur gewinnen kann. Außerdem beißt sich Rune-Ballot an einer coolen Dame beim Roulette fast die Zähne aus, bis sie gegen sie gewinnt. Aber letztendlich sehen wir den beiden nur dabei zu, wie sie beim Glücksspiel gewinnen und sonst nichts. Und dann ist das noch nicht mal rum, sondern stoppt einfach mittendrin, wenn es zum Black Jack geht.

Das lässt den ganzen Film ehrlich gesagt etwas unbefriedigend erscheinen, weil es zu wenigen Höhepunkten kommt. Immerhin finden wir die eine oder andere Sache raus, wie beispielsweise die Vergangenheit von Boiled und warum Oeufcoque ihm so wichtig ist. Und das immerhin in stilsicheren Bildern, denn das Paradies wirkt schon sehr cool, gerade wieder in den üblichen kühlen Cyberpunkfarben gehalten, und auch das Kasino ist sehr stilsicher umgesetzt.

Ich glaube ein Problem, welches ich mit Mardock Scramble habe, ist zudem, dass ich kein Gefühl für die Welt habe. So viel, gerade im ersten Film, doch über die Charaktere, die wissenschaftlichen Einrichtungen, die staatlichen Projekte, erzählt wurde, so wirkt das nie wie aus einer stimmigen Welt. Es sind mehr Erklärungen dafür, warum die Dinge jetzt so sind, wie Mardock Scramble sie gerade in der Szene braucht, ohne dabei je auf das größere Ganze einzugehen. Mardock Scramble erklärt kleine Versatzstücke, aber zeigt einem nie wirklich die Welt, in der dies alles möglich ist und warum. Dadurch existiert und geschieht alles in diesen Filmen so ein wenig im luftleeren Raum für mich.

Mardock Scramble – First Compression

Mardock Scramble hat einen gewissen Weg hinter sich gelegt. Ursprünglich 2003 als dreitiliger Roman von Tow Ubukata (Heroic Age, Le Chevalier D’Eon) erschienen, dann ab 2009 in sieben Bände Manga gefasst, sollte nach der 2006 gecancelten OVA doch noch eine Anime-Version erscheinen: Ab 2010 jährlich ein Roman zu einem Film einer knappen Stunde zusammengefasst.

Unsere Hauptakteurin hatte bisher kein sonderlich einfaches Leben, dabei ist sie immer noch ein Teenager. Rune Balot ist mit einer Drogenabhängigen Mutter und einem Vater, der sie ab dem 12. Lebensjahr sexuell missbraucht hat, aufgewachsen. Als der Bruder das mitbekam, und den Vater erschoss, wurde er weggesperrt. Rune Balot rutschte in die Mädchenprostitution ab und wurde letztendlich von Shell aufgenommen, der diverse Unternehmen am Rande der Legalität leitet, unter dem Versprechen, er wäre endlich jemand, der Rune Balot lieben wird.

Ist aber nicht wirklich so gekommen, denn der erste Film startet damit, dass Shell in seiner Limousine Sex mit Rune Balot hat, welche die ganze Aktion ziemlich teilnahmslos über sich ergehen lässt, und dann das Mädchen ins Auto einsperrt und explodieren lässt. Denn er macht gerne junge Dinge von sich abhängig, ermordert sie, nachdem er ihnen überdrüssig ist, und stellt aus deren Asche blaue Edelsteine her.

Allerdings wurden Shell und Rune Balot bei ihrem letzten Schäferstündchen überwacht. Easter, seines Zeichens Wissenschaflter und Scramble 09 Agent, sowie die künstliche Intelligenz und transformierbare Waffe Oeufcoque an seiner Seite, investigieren Shell schon eine Weile, und nutzen die Gelegenheit, um Rune Balot aus den Flammen zu retten. Ihr wird der Körper wiederhergestellt, was allerdings mit dem Verlust ihrer Stimme einhergeht, nachdem Rune Balots Unterbewusstsein den Tod abgelehnt und sich für Scramble 09 bereiterklärt hat.

Scramble 09 ist eine Spezialaktion der Justiz, um experimentelle Methoden zur Überhand nehmenden Verbrechensbekämpfung einzusetzen. Beispielsweise einem 15-jährigen Mädchen einen künstlichen Körper zu geben und Oeufcoque als Waffe zur Seite zu stellen. Zumal Rune Balot auch vor Gericht gegen Shell aussagen soll. Wobei sich die erste Verhandlung auf Befragung ob ihres Familienlebens beschränkt, um sie zu diskreditieren.

Doch Rune Balot macht eine gute Figur, und Shell lässt seinen Handlanger Boiled zum Zuge kommen, der ehemals Partner von Oeufcoque war und seine Waffe sowieso zurückholen will. Als Unterstützung holt der sich vier Auftragsmörder, welche die Körperteile ihrer Opfer sammeln, die aber von der erstarkten Rune Balot mit Leichtigkeit zur Strecke gebracht werden. Auf diesem Machthoch dreht das misshandelte Mädchen jedoch ab, wiedersetzt sich Oeufcoques Richtlinien, was eine Abstoßungsreaktion von ihm verursacht und Boiled einfaches Spiel lässt. Wir enden auf dem Cliffhanger, nachddem es so aussieht, als würde Boiled Rune Balot erschießen.

Mardock Scramble erinnerte mich ein wenig an zwei etwas ältere Anime, und auch generell mehr wie eines, welches ich zeitlich mehr wie ein Produkt Mitte der 90er bis 2000 eingeschätzt hätte. Kann natürlich daran liegen, dass dies die Anime sind, mit denen ich am meisten Berührungspunkte habe. Aber das die Originalgeschichte von 2003 stammt überrascht mich zumindest nicht.

Zunächst einmal hätten wir da Ghost in the Shell. Das Sci-Fi-Cyberpunk Anime schlechthin. Nur mutet Mardock Scramble mehr an wie ein Ghost in the Shell, welches eben nicht durch den verkopften Mamoru Oshii unter intelligenter Linse neu interpretiert wurde und das Bild, welches wir von der Franchise ab da an hatten, maßgeblich geprägt hat. Sondern mehr, als ob ein weniger ambitionierter Regisseur den pulpigeren Manga originalgetreuer umgesetzt hatte.

Und gleichzeitig erinnerte mich viel von der Geschichte auch an Yasuomi Umetsus Kite, mit dem misshandelten Mädchen, das zur Killermaschine ausgebildet wird. Nur eben weniger Porn. Wobei Mardock Scramble mit nackten Tatsachen und aufs Finale Burtalität auch nicht wirklich zurückhält.

Allgemein wirkt dies hier wie ein Film, der denkt intelligent zu sein, aber es so richtig nicht hinbekommt. Dystopische Megastädte im Neonlicht des Cyberpunks gehen da natürlich immer, genau wie viel der Hintergründe lange im Dunkeln zu lassen und erst nach und nach aufzudecken. Um die Sache komplexer wirken zu lassen, als dies die relative Standardhandlung zumindest des ersten Filmes der Trilogie eigentlich ist. Charaktertiefe, philosophische Zukunftsfragen, oder soziale Gesellschaftskritk wird man in Mardock Scramble: The First Compression zumindest noch nicht finden.

Dafür viel Edgyness, welche so ein wenig das wiederspiegelt, was ein 12-Jähriger für mal so richtig cool und krank ansehen würde. Rune Balot ist häufiger (halb)nackt denn angezogen im Film, immer durchaus aus sinnigem Grund in der Theorie, aber natürlich schon auch voll den Effekt fürs Publikum auskostend. Dazu natürlich noch die großzügig aufgepflasterte Familiengeschichte von Rune Balot. Und das Design der Auftragskillertruppe, die tasächlich die von ihren Opfern genommen Körperteile sich selbst einpflanzen – einer hat lauter blinkede Augen am Oberkörper, einer dutzende Titten vom Blähbauch hängen, und ihr Anführer setzt sich doch tatsächlich seine aktuell präferierte Vagina in die rechte Hand. Ich musste da dann doch etwas lachen, weil spätestens hier war das Edgy so tryhard, dass es für mich leicht ins Lächerliche kippte.

Was allerdings immer geht, ist der Look. Viele der Szenen in Mardock Scramble sind atmosphärisch und Genresicher in kühlen Blau- und Grüntönen gehalten, mit Akzenten aus Gelb. Da kommt doch das dystopische Cyberpunkfeeling zwischen den Glasfassaden der Wolkenkratzer auf. Leider sind die Animationen nicht immer so sauber und stechen die CG-Autos unangenehm heraus, aber darüber kann ich hinwegsehen.

Style ist also auf jeden Fall gegeben, woran es im ersten Film noch etwas hapert ist dahingehend auch die Substance. Bei gerade Mal einer Stunde sind wir aber auch noch nicht weit ins Geschehen gekommen, wodurch sich hier durchaus noch Besserung in den beiden Nachfolgern einstellen kann. Bisherig vorläufiges Verdikt ist allerdings noch mehr gen Mittelmaß strebend.

Rumic World I: Fire Tripper & Maris the Chojo

Rumiko Takahashi ist hauptsächlich durch ihre endlos langen Serien bekannt, von denen sich ihre komplette Karriere hindurch eine an die andere reihte. Von 1978 bis 1987 lief Urusei Yatsura in 34 Bänden, 15 Bände Maison Ikkoku nebenbei, bis 1996 dann Ranma 1/2 in 38 bänden, gefolgt von 56 Bänden Inuyasha bis 2008, abschließend mit 40 Bänden Rin-ne konkludierend in 2017.

Dazwischen hat die gute Frau aber durchaus auch kürzere Serien erschaffen. Beispielsweise One Pound Gospel oder die Mermaid Saga, die jeweils nur wenige Bände einnehmen. Und noch kürzer sinde ihre Oneshots, die hier und dort mal als ein Kapitel erschienen waren, und irgendwann in Anthologie-Bänden zusammengefasst wurden. Teils als Rumic World, teils als Rumiko Takahashi Anthology, teils as Rumic Theatre bekannt. Auch diese Nebenprojekte haben teils ihre Anime-Adaptionen erhalten, denen ich mich jetzt mal widmen will. Den Anfang machen die tatsächlich ebenfalls unterm Rumic World Label erschienenen OVAs aus den 80ern und frühen 90ern. Direct-to-Video in je ca. 50 Minuten erschienen.

Fire Tripper startet im feudalen Japan, als ein Dorf von Räubern überfallen und in Brand gesteckt wird. Die Kleine Suzu, gerade als ein brennender Pfeiler auf sie herabstürzt, löst sich vor den Augen ihres großen Bruders Shukumaru in Luft auf. Es hat sie ins moderne Japan teleportiert, wo sie von einer Familie adoptiert wird und ihre kurze Zeit in der ursprünglichen Heimat vergisst. Bis Suzuko 17 Jahre ist, und auf dem Nachhauseweg mit dem kleinen Nachbarsjungen Shu in die Explosion eines Gastanks gerät.

Sie teleportiert es zwischen die Toten auf einem Schlachtfeld der Sengoku-Ära. Dort gabelt sie niemand anders als Shukumaru auf, der ziemlich schnell beschließt, dass er sie heiraten wollen wird. Suzuko hingegen ist eher damit beschäftigt, herauszufinden, ob Shu noch am Leben ist. Doch sie freunden sich über die nächsten paar Tage miteinander an, und Suzuko sieht ein, dass sie es wesentlich schlechter als Shukumaru treffen könnte, wenn sie schon in dieser Ära gefangen ist. Da macht es klick bei ihr und sie realisiert, dass sie die kleine Schwster von ihm ist, gerade an dem Tag, an dem die Räuber das Dorf überfallen, sie also ursprünglich in die Zukunft reiste.

Das macht sie erneut, diesmal mit Shukumaru im Schlepptau. Der will aber nicht in der Moderne verweilen, weil sein Dorf ohne ihn wirklich aufgeschmissen wäre, und weil er seinem Adoptivvater so viel schuldet. Da macht es bei Suzuko erneut klick. Als sie mit Shu in die Explosion geriet, wurde Shu zehn Jahre früher in die Sengoku-Ära versetzt als sie. Shukumaru ist der ältere Shu, und sie sind gar nicht Blutsverwandt. Steht also nichts mehr dem im Wege, da es genau der Tag des Unfalles ist, sich erneut explodieren zu lassen und zusammen in einer der kriegerischsten Zeiten der Geschichte Japans glücklich als verheiratetes Paar zu leben.

Ich möchte fast sagen, dass Fire Tripper etwas überstrapaziert ist mit 50 Minuten, auch wenn die zugrundeliegende Idee eine interessante ist. Ich mein, dass ist ja nun wirklich keine sonderliche lange Laufzeit, aber mir war Suzuko doch ein wenig zu passiv, um mich so richtig zu scheren, bis dann die ganzen Zeitreiseverwürfnisse übernehmen und die OVA an Fahrt gewinnt. Allgemein ist Takahashis übliche Boy vs Girls Comedy stark zurückgefahren hier, die beiden kabbeln sich zwar mal, der richtige Humorschlag will aber nie kommen. Aber hey, die Songs zum Opening und Ending sind echt klasse! Und die OVA ist jetzt auch nicht direkt schlecht, sondern halt nur etwas arg Standard würde ich mal sagen.

Ein Jahr später erschien dann Maris the Chojo, orginär auch als Supergal bekannt. Titelheldin Maris hat nicht unbedingt das beste Leben. Als sie noch ein Kind war, explodierte ihr Heimatplanet, weswegen ihre Rasse floh und sich über das Universum verbreitet hat. Dummerweise sind Thanatosiden aber superstark, müssen beständig restriktive Ausrüstung anhaben, damit sie buchstäblich nicht alles versehentlich klein hauen. Das funktioniert aber nicht immer so gut.

Ihr Alkoholiker-Vater und trottelige Mutter beispielsweise vergessen die gern mal, was zu ungewollten Kollateralschäden führt, für die Maris aufkommen muss. Und sie selbst, nachdem sie sich zuerst über Damen-Wrestling durchgeschlagen hat, nun bei der Special Police als Agentin unterwegs, hat ebenfalls bereits mehrere Raumschiffe auf dem Gewissen, ist selbst nach jeder Mission pleite, weil sie genug kaputtmacht, so dass sich ihre Gage wieder auflöst.

Doch aktuell hat sie vielleicht den Jackpot gezogen. Denn der hübsche Sohn eines Reichen ist entführt worden, und die Special Police setzt sie darauf an, ihn zu befreien. Maris verliebt sich natürlich sofort in das ganze Geld des Erbens, doch muss herausfinden, dass die Entführerin eine alte Rivalin aus dem Damen-Ringen ist. Und dann verliebt sich der Kerl auch noch in die statt Maris!

Ziemlich klar, dass wir es hier mit einer reinen Komödie zu tun haben. Die Handlung ist nur die Ausrede dafür, warum Maris überhaupt einen Finger krumm machen muss, und für die 50 Minuten auch eher dürftig, weswegen Maris in der ersten Hälfte erst mal eher unzusammenhängende Dinge erleben darf. In einer Welt, in der jeder ein Idiot zu sein scheint, und keiner wirklich als der Gute bezeichnet werden kann, weil jeder seine eigenen Motive hat. Unterhaltsames kleines Ding. Erneut nicht besonders, aber ganz brauchbar schon. Und auch hier: Die diversen Insert Songs sind das eigentliche Highlight.

Nostalgic Anime Week: Macross

Macross mag nicht ganz den kulturellen Sog wie Gundam entwickelt haben, aber ist dennoch ein großer Mainstay in Japan. Seit der ersten TV-Serie, Super Dimension Fortress Macross in 1982, sind alle paar Jahre neue Geschichten in der Franchise entstanden. Einer der absoluten Klassiker auch im Ausland ist hierbei bereits die zweite Inkarnation Macross: Do You Remember Love, welcher komplett neu geschrieben und animiert eine alternative Version der TV-Storyline erzählt, statt nur ein Zusammenschnitt daraus zu sein.

Wir schreiben das hochzukünftige Jahr 2009, die Macross ist eine transformierbare Weltraumfestung, auf der tausende Menschen leben. Nachdem sich die Menschheit plötzlich in der Mitte eines Krieges zwischen zwei Alienrassen findet, machen sie sich auf den Rückweg zur Erde. Bei einem Angriff werden allerdings Popsängerin Minmay und Pilot Hikaru mehrere Tage zusammen eingeschlossen und verlieben sich ineinander.

Als die Zentradi merken, dass menschliche Lieder ihre Kampfesfähigkeit eindämmen, wollen sie einige Testsubjekte fangen. Dies führt dazu, dass Minmay in ihre Hände fällt, während sich Hikaru und seine Vorgesetzte Misa, deren Charaktere bisher nicht miteinander kompatibel waren, auf der zerstörten Erde abstürzen. Erneut dauert es lange, bis sie gerettet werden, wodurch sich auch zwischen jenen beiden eine Romanze entwickelt.

Macross ist eine Art Space Opera, wie sie so eigentlich nur in Japan entstehen und vor allem enorm erfolgreich werden kann. Scifi-Action mit Popsongs zu mischen, und ein Idol zu einem der wichtigsten Charaktere zu machen, würde so sicherlich sonst niemandem einfallen. Dass dann ein letzter Verzweiflungskrieg der unterlegenden Menschen mitten zwischen zwei übermächtigen Alienrassen damit gewonnen wird, dass in ihnen Kulturdenken und Gefühle erwachen, nachdem ein Liebessong über das Schlachtfeld projiziert wird, sowieso. Letztendlich ist es sogar so, dass die verfeindeten Zentradi und Meltradi jeweils ausschließlich in einer männlichen und weiblichen Gesellschaft leben, die eben außer Krieg nichts kennen. Do You Remember Love ist daher ein zentrales Thema – erinnere dich an die Zeiten, als die Geschlechter liebevoll zusammengelebt haben.

Was auch wesentlich besser geregelt ist, als man wahrscheinlich denken würde, ist das Liebesdreieck zwischen Hikaru, Minmay und Misa. Zum einen ist es interessant, dass er sich für die im Militärrang über ihm stehende Misa entscheidet, nicht für das beliebte Idol. Aber es ist weitestgehend realistisch, warum er mit beiden anbandelt, wenn man mal die jeweiligen Situationen betrachtet, in denen sie sich wiederfinden, gerade für die überschaubare Spielzeit von 2 Stunden. Und natürlich kommt es zu einer Konfrontation, bei der Minmay ganz ihrem Charakter entsprechend klar die emotionalere ist, aber dennoch wird allen Beteiligten schnell klar, dass hier wichtigere Ereignisse laufen, auf die sich zuerst konzentriert werden muss. Es gibt nicht so viele Missverständnisse, Eifersüchteleien und Hin und Her, wie das in vielen anderen Medien mit einem Liebesdreieck geschieht, welche oft einfach ermüden.

Der blonde Anführer von Hikarus Kampfeinheit, der scheinbar nur schier endlos sexistische Sprüche darüber vor sich in kläfft, wie sich Männer und Frauen zu verhalten haben, ging mir ein wenig auf den Keks, ist aber schon so ziemlich das einzige schlecht gealterte Element des Filmes. Ja ganz im Gegenteil finde ich beispielsweise die ganzen Handanimierten SciFi-Aufnahmen sogar schön nostalgisch und hübsch und man merkt erst Mal, wie unterkühlt die CG-Schiffe und Explosionen diese heutzutage im Vergleich wirken lassen. Hier kommt dem Film das Alter also Zugute.

Macross: Do You Remember Love ist und bleibt also eine richtig coole Space Opera, welche groß angelegte Weltraumschlachten mit Gefühlen und Popmusik zu seinem ganz eigenen Cocktail mischt.