Dallos

Bei Dallos handelt es sich um die erste OVA-Produktion überhaupt. Durch die weite Verbreitung von VCRs in den 80ern gab es dort nämlich in der Anime-Landschaft für gut zwei Dekaden einen richtigen Boom an Direct-to-Video Produktionen. Das hatte mehrere Gründe. Ein nicht unbeachtlicher davon war einfach auch, weil diesen Produktionen so gut wie keine Zwänge auferlegt waren. Was im Fernsehen gezeigt werden kann war sehr restriktiv, zudem waren TV- und Kinoproduktion stark davon abhängig, ein entsprechend großes Publikum anzulocken. OVAs hingegen konnten so gut wie alles zeigen, und durch die Produktion auf einer Folge-zu-Folge-Basis konnten auch Nischen angesprochen werden – verkaufte sich eine rausgebrachte Folge nicht, produzierte man halt keine weiteren. Dafür allerdings war die Laufzeitig entsprechend gestreckt, da zwischen Folgen Monate lagen, wodurch die Serien entsprechend kürzer und knapper gerieten. Mittlerweile kann im TV mehr gezeigt werden und sind auch kurze Serien dort ganz normal, so dass die goldene Zeit der Direct-to-Heimvideo Produktionen abgeklungen ist.

Zudem war Dallos eine frühe Regiearbeit von Mamoru Oshii. Der begann sein Schaffen Ende der 70er an diversen TV-Serien, wobei er vor allem einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung von Urusei Yatsura leistete. Zu jener Serie steuerte er auch 1983 den ersten Kinofilm bei, noch im gleichen Jahr sollte Dallos starten, mit der vierten Folge im darauffolgenden Jahr, als er auch mit Urusei Yatsura 2: Beautiful Dreamer stark gegen den Strom zu schwimmen begann, beendet werden.

Dallos spielt in einer nahen Zukunft, in der die Zivilisation auf der Erde in arge Probleme auf Grund von Überbevölkerung und Ressourcenmangel geriet. Also wurden Siedler geschickt den Mond zu kolonisieren, um dort Rohstoffe abzubauen, die der Erde wieder auf die Beine helfen können. Mittlerweile lebt allerdings bereits die dritte Generation an Siedlern auf den Mondkolonien und ist das zu einem ziemlichen Polizeistaat mutiert. Siedler haben Ringe am Kopf, über die sie nur als Arbeiternummer identifiziert werden. Jegliches Vergehen wird sofort geahndet. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis das harsche und ungedankte Leben auf dem Mond zur Rebellion führt.

Insgesamt muss ich sagen, dass Mamoru Oshii die relative Freiheit einer OVA noch nicht ganz ausnutzt, sondern weitestgehend herkömmliche Kost anbietet. Ganz besonders in den ersten zwei Folgen, Remember Bartholomew und The Order to Destroy Dallos, die erst Mal damit beschäftig sind die Konflikte und Hauptpersonen einzuführen und zu erklären, wobei es natürlich auch hier schon zu kämpferischen Auseinandersetzungen kommt. Höchstens an den doch sehr cineastischen Kamerawinkeln erkennt man ihn – am teilweise absolut unpassenden Soundtrack zumindest nicht.

Ach ja, erklären was Dallos überhaupt ist, sollte ich vielleicht auch mal. Und zwar handelt es sich dabei einfach um eine alte Ruine auf der dunklen Seite des Mondes, die wie ein Gesicht aussieht, und von vielen der Kolonisten mittlerweile als Schutzgottheit angesehen wird. Wobei auch hier Oshii überraschend wenig seiner Spiritualität einbringt, und Dallos weitestgehend nicht so wichtig für die Handlung direkt ist, sondern als Motivation und Sinnbild der darin involvierten Charaktere.

In der zweiten Hälfte der Geschichte, Raising in the Sea of Nostalgia Act I und Act II, kommt letztendlich aber doch etwas Oshii rausgeblickt. Denn hier geht die OVA doch etwas stärker auf die Politik hinter den Ereignissen und dem Hinterfragen des Krieges ein. Beispielsweise die innere Unruhe und Hinterhältigkeiten bei den Fraktionen der Mondpolitik. Gerade wenn es um Alex geht, der als Gouverneur von der Erde geschickt ist und hier sozusagen nur ein paar Jahre seinen Dienst verrichten muss, bevor er wieder zurück kann, also ganz anders vorgehen kann als diejenigen, die mit den Kolonisten weiterhin auf dem Mond leben müssen. Aber auch wird erwähnt wie einfach es ist, einen Kampf zu starten, aber wie schwer es sein kann, diesen aufrecht zu erhalten, und dann natürlich immer noch die Frage, was danach kommt. Wie man wieder zu Frieden finden kann. Wann man soweit geht, dass sich die Kluft nicht mehr schließen lässt. Wie Gewalt eigentlich nur mehr Gewalt hervorbringt. Aber Dallos macht es sich nicht einfach, bringt keine einfachen Antworten auf den Tisch. Denn auch wenn Gewalt nur zu mehr Gewalt führen kann… ist es nicht dennoch nötig irgendwann auch diese in Betracht zu ziehen, wenn friedliche Mittel nicht ausreichen?

Sehr interessant ist hierbei auch die unterschiedliche Einstellung der drei Generationen an Mond-Kolonisten. Die alte Generation, die noch von der Erde stammt, ist wesentlich Bereitwilliger wenn es darum geht, ein hartes Leben auf sich zu nehmen. Denn sie wissen, wofür sie dies tun, nämlich damit die Ökonomie auf dem blauen Planeten wieder aufgebaut werden kann, damit dessen Schönheit erhalten bleibt. Erde ist deren ursprüngliches Heimatland. Die dritte Generation hingegen sind die jungen Leute, die auf dem Mond geboren und aufgewachsen sind. Für jene ist der Mond die Heimat, sie haben die Erde nie gesehen. Sprichwörtlich, denn die Kolonie ist auf der Erdabgewandten Seite des Mondes, sie sehen die blaue Kugel also nicht mal am Himmel stehen. Die Erde hat für sie keine Bedeutung, ihnen geht es um ein gutes Leben auf dem Mond.

Das Ende bleibt dabei dann auch offen. Die aktuellen Auseinandersetzungen sind beendet. Hauptcharakter Shun hat über die Ereignisse beide Seiten des Konfliktes kennengelernt, sich ein eigenes Bild machen können, und sich für diejenige entschieden, von der er hofft, dass dies die richtige ist. Aber er kann sich nicht sicher sein. Und andere Charaktere bereiten schon die nächste Rebellion vor. Während Dallos ominös über die Ending-Credits zu leuchten beginnt.

War also insgesamt schon ein interessantes Werk von 2 Stunden. Wenn auch etwas mehr drin gewesen wäre. Aber eben auch die herkömmlichen ersten zwei Folgen bieten insgesamt noch eine unterhaltsame SciFi-Story, die Tiefe wird halt erst in der zweiten Hälfte und eigentlich auch dort nur angekratzt. Für die damalige Zeit und die Laufzeitkürze allerdings durchaus ein gutes Werk.

Detective Conan: Crimson Love Letter

Das Cineplex hier macht ein Mal im Monat eine Anime-Nacht, in der für nur eine einzelne Vorstellung ein Film läuft, meist um dessen aktuelle Lizenzierung nach Deutschland zu bewerben. Im April lief beispielsweise Genocidal Organ und diesen Monat läuft Fairy Tail: Dragon Cry. Ende Mai war hingegen ein super aktuelles Ereignis angestanden, denn es wurde der 21. Detective Conan Kinofilm, Crimson Love Letter, gezeigt, der gerade mal im Vormonat in die japanischen Kinos kam. Das kann man sich doch mal antun, nicht?

Wobei ich schon überrascht war, wie viel Werbung es vorher gab. Ich dachte da kommt kaum was, weil es eben nicht viele Standard-Trailer gibt, die zum Thema passen. Aber tatsächlich wurden viele Trailer zu auf DVD erhältlichen Anime gezeigt. Wobei mir davon jeder einzelne eher den Anschein erweckte, als würde aktuell nur nervtötender Mist nach Deutschland lizenziert werden. Nicht eines davon sah sonderlich interessant aus, vielleicht von The Empire of Corpses mal abgesehen.

Aber wir waren ja auch für Detective Conan: Crimson Love Letter da, nicht für die Trailer oder als Kommentar zum aktuellen Stand der deutschen Anime-Szene, aus der ich seit 10+ Jahren raus bin. Ich muss dazu sagen, dass ich zwar die ersten mehrere Dutzend Folgen gesehen habe, als die Serie zum ersten Mal auf RTL2 ausgestrahlt wurde, jedoch seither keine der weiteren 900 angeschaut habe. Jedenfalls war ich doch etwas überrascht, wie sich der Film gestaltete, da ich Detective Conan doch etwas anders in Erinnerung hatte.

Aber dazu gleich mehr, worum geht es überhaupt in Crimson Love Letter? Um ein japanisches Kartenspiel, bei dem auf die Karten gewisse Gedichte geschrieben sind, und bei dem man auf die Sätze des Vorlesers agierend das richtige davon sich schnappen muss. So ein wenig Extrem-Memory sozusgen. Und genauer gesagt geht es um die Meisterschaften in jenem Spiel, bei dem die ganze Truppe eingeladen ist, weil ein Schulclub von ihnen dran teilnehmen darf. Nur kommt es prompt zu einem Todesfall und mehreren Bombenanschlägen, in die alle verwickelt werden, wodurch zusätzlich die Vergangenheit zweier rivalisierender Schulen dieses Kartenspieles aufgearbeitet werden muss.

Irgendwo währenddessen muss übrigens Kazuha einspringen und an jener Meisterschaft teilnehmen, während es zu einem Liebesdreieck zwischen ihr, Kindheitsfreund Heiji, und einer weiteren Teilnehmerin kommt, die meint er hätte ihr als Kind einen Heiratsantrag gemacht.

Weil Teen Drama ist ein Teil von Detective Conan? Daran kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Wobei ich es schon nicht schlecht finde, dass das Augenmerk zumindest was Charaktere angeht, hier eben jene drei stärker in den Vordergrund rücken, statt dass sich alles immer um Conan/Shin’ichi und Ran etc. drehen muss.

Auch nicht erinnern konnte ich mich, dass die Serienanfänge so… blöd waren? Ich mein, ich wusste das Conan mit so leicht lächerlichen Gadgets wie den Turnschuhen, dem Fußball und Skateboard daher kommt, ist ja auch eine Kinderserie und die finden diese Erfindungen sicherlich auch geil. Nur was hier an Action teilweise aufgefahren wird, hat mich doch überrascht. Da gibt es Fluchten aus einstürzenden Hochhäusern, der Sprung von jenen Dächern in Flüsse, wahnwitzige Motorradmanöver, ein Action-Setpiece unglaubwürdiger als das andere.

Ich dachte zumindest immer, Detective Conan wäre relativ bodenständige Detektivarbeit gewesen. Aber in Crimson Love Letter gibt es eben doch eine überraschende Anzahl an aufgebauschter Action, aufgebauschten Liebesdrama, und die Auflösung des Falles führt auch durch ein extrem verwirrendes Durcheinander. Ich will gar nicht behaupten, dass der Film nicht gut ist, denn es wird durchaus nie langweilig und ist echt charmant bis rasant umgesetzt… ich hatte die Franchise nur halt nicht ganz so unterhaltend-blöd-unglaubwürdig in Erinnerung. Und immerhin: Wie ein glorifiziertes Special zur Serie kommt der Film nicht rüber, da hier schon alles größer und spektakulärer ist.

Kimi no Na wa

Your Name ist das neueste Werk von Makoto Shinkai, gerade mal letztes Jahr in den japanischen Kinos gewesen. Nach dem doch sehr bodenständigen The Garden of Words kehrt er hiermit dahin zurück, seinen Romanzen doch ein wenig übernatürliche Note zu geben.

Mitsuha ist ein High-School-Mädel, die in einer kleinen Stadt im Nirgendwo lebt. Zudem ist ihr Vater der strenge Bürgermeister des Nests im Nichts und durch ihre Großmutter muss sie die vielen Rituale einer angehenden Tempeldienerin durchmachen. Ihr Leben ist also etwas restriktiv und gleichermaßen ziemlich langweilig. Da wünscht man sich doch schon mal, ein unbeschwertes und aufregendes Leben als Junge in Tokyo verleben zu dürfen.

Bamm! Und schon wacht Mitsuha im Körper von Taki auf und der in ihrem. Beide über das Fehlen und Vorhandensein gewisser neuer Körpermerkmale ziemlich erschrocken, finden sie sich doch relativ schnell mit ihrer neuen Situation zurecht. Immerhin sind sie immer noch die meiste Zeit über sie selbst, tauschen nur hier und dort Mal einen Tag dazwischen zufällig ihr Leben. Ja es tut ihnen sogar ganz gut, beispielsweise führt Takis aggressivere Art dazu, dass Mitsuha einige Lästerschwestern aus ihrer Klasse los wird, während der von Mitsuha fremdgesteuerte Körper von Taki endlich ein Date mit seinem Schwarm bekommt.

Der allerdings gar nicht mehr sein Schwarm ist, denn beide stellen fest, dass sie sich ein wenig in den anderen, den sie nur über die hinterlassenen Tagebucheinträge und Geschichten von Dritten kennengelernt haben, verliebt sind. Nachdem urplötzlich der Kontakt jedoch abbricht, macht sich Taki auf die Suche nach Mitsuha. Und findet ihre Heimatstadt von einem Kometenabsturz vernichtet vor, der fast allen Einwohnern das Leben kostete.

Was also wie eine romantische Körpertausch-Komödie anfängt, die fast schon besser als eine TV-Serie funktioniert hätte, wandelt sich dann zu einem Drama um. Mit etwas neuer Zeitreise-Mysterie, denn wie man sich schon fast denken konnte, haben die beiden gar nicht in der gleichen Zeit gelebt, sondern Mitsuha 3 Jahre vor Taki. Was auch schon irgendwo ein ziemliches Loch in der Handlung ausmacht, denn wie genau ist es den beiden nicht aufgefallen, dass es das total falsche Jahr ist, wann immer sie ganze Tage im Körper des anderen verbracht haben? Sind die Details einfach zu schwammig? Immerhin vergessen sie auch den Namen des anderen sehr schnell wieder. Ein kleiner erklärender Satz, um dieses Problem beiseite wischen zu können, hätte schon gereicht.

Der Rest des Filmes nimmt dann eben eine eher abenteuerliche und dramatische Richtung ein, wenn Taki nach Wegen sucht, wie er die eigentlich schon geschehenen Ereignisse doch noch mal abwenden kann, damit er mit Mitsuha vereint wird. Und auch das funktioniert, und das tatsächlich fast wie in einer Miniserie, da der Film gut auf 4 Episoden von je 25-30 Minuten auseinandergenommen werden könnte, da er so klar strukturiert und seine Storyparts so klar abgegrenzt sind.

Macht insgesamt einen Film, der einfach unglaublich Herzerwärmend ist. Denn trotz der Comedy-Einschläge zu Beginn und trotz des Dramas in der späteren Hälfte, bleibt er weitestgehend unaufgeregt. Es ist einfach eine interessante und herzige Geschichte darüber, wie zwei vom Schicksal füreinander bestimmte Personen zueinander finden, mit ein wenig Schlaufen hier und dort um das Herangehen interessanter zu machen, aber das Grundgerüst ist so banal wie es schlicht funktioniert.

Und selbstverständlich sieht der Film auch wieder Bombe aus. Alles an Mokoto Shinkais Aushängeschild des Scenic Porns wird aufgefahren. Wir haben wunderschöne Himmel zu jegliche Tag- und Nachtzeit und gerne auch mal per Panoramashot im Zeitraffer gleich in allen gleichzeitig gezeigt. Atemberaubende Aufnahmen von Naturschauplätzen in Mitsuhas Heimat kontrastieren mit auf ganz andere Art ebenfalls tollen Szenerien der Großstadt für Taki. Und ganz viele Großaufnahmen mit Tiefenschärfe und Lichtspiel, um selbst normale Alltagsgegenstände hübsch in Szene zu setzen.

Also kommt unterm Strich ein echt sympathischer Feel-Good-Movie in wirklich hübscher Optik zustande, der perfekt für einen Filmabend gemacht ist. (mehr …)

Nadia: The Nautilus Story

Nadia: The Secret of Blue Water, oder wie bei uns Germanen bekannt unter Die Macht des Zaubersteins, ist ein Anime-Klassiker der frühen 90er, der besonders hier in Europa sich erstaunlicher Beliebtheit erfreut. Das auch beispielsweise bei meiner frühen Anime-Prägung. Allerdings ist dessen Entstehungsgeschichte eher eine holprige gewesen.

Hayao Miyazaki hatte bereits zu seinen Zeiten als Macher von TV-Serien für Toho Animation eine frühe Story-Idee in diese Richtung, aus der allerdings nichts wurde – jedoch verwertete er die Sache mit den untergegangenen Zivilisationen und Mädchen mit blauen Zaubersteinen für Laputa: Das Schloss im Himmel später beim Studio Ghibli. Irgendwann geriet dann Gainax daran, die TV-Serie doch zu machen. Allerdings war Gainax vor dem weltweiten Superhit Neon Genesis Evangelion ein Studio, welches ständig kurz vorm Bankrott stand. Führte dazu, dass Nadia zum Großteil von NHK bezahlt wurde, im Gegenzug Gainax allerdings nicht die Rechte am Anime hatte, sondern lediglich Merch dazu selbst erstellen durfte.

Dies führte auch dazu, dass nachdem die auf 26 Folgen geplante Serie ein Überraschungshit war, Gainax dazu verdonnert wurde, dies doch bitte auf 39 Wochen zu erweitern. So spät in die Produktion nur möglich, indem Gainax kurz vorm Serien-Finale eine Füller-Arc einführen musste. Die berühmt-berüchtigten Insel-/Afrika-Folgen, die von solch erbärmlicher Qualität und so unnötig für das restliche Seriengeschehen sind, dass selbst die größten Nadia-Fans sie kein zweites Mal schauen. Ein Jahr später kam sogar noch ein die Franchise melkender und deren Popularität begrabender Film heraus, der mehr Recap dann Neues ist, und mit dem Gainax gar nichts zu tun hatte.

Hideaki Anno, der die Regie der TV-Version führte, war allerdings immer daran interessiert wirklich einen Film zu erstellen, der seinen Director’s Cut der Serie darstellt, ohne die ganzen Zugeständnisse, die an NHK gemacht werden mussten. Sozusagen sein Rebuild of Nadia. Das gab es sogesehen zwar nie, aber letztendlich doch ein seltenen Recut der Serienfolgen in 3 Filmversionen, die dem zumindest nahe kommen sollen: Die Nautilus Story. Die erschien nur in Japan auf VHS und LD, allerdings waren Fans so nett sie basierend auf dem englischen Dub-Release zu kreieren. Ja, ich bin mir bewusst wie fake das alles klingt.

Der erste Film, Nautilus, the Fantastic Submarine, spannt dabei die Folgen 1-9. Sprich so ziemlich das ganze Setup der Serie. Von Jeans Treffen auf Nadia, hin zu deren Verfolgung durch Grandis Gang, weil die an Nadias Amulett Blue Water wollen. Kurzes Treffen auf Captain Nemo und seine Nautilus-Crew, bis zu einer ersten Auseinandersetzung mit Gargoyle und seinem Kult um Neo Atlantis, die ebenfalls Blue Water begehren. Endet dann im Prinzip an dem Punkt, an dem alle endgültig von der Nautilus als neue Passagiere aufgenommen werden und wir die große Offenbarung bekommen, dass Nemo selbst einen Blue Water hat.

Das macht thematisch eben schon einen ziemlich runden Film aus, weil wirklich sozusagen alle Schachfiguren auf Position gebracht werden und die demnächst eine geraume Zeit miteinander verbringende Truppe zusammengeworfen wurde. Die Abenteuer auf der Nautilus können dann den nächsten Film ausmachen. Ganz rund läuft der Film zwar nicht, da immer noch offensichtlich ist, dass hier einzelne Szenen aus einer Serie zusammengeschnitten wurden. Dadurch sind die Überleitungen häufig etwas holprig und auch ein paar Dinge werden etwas plötzlich angesprochen. Doch insgesamt funktioniert der Teil als ganzer Film schon recht gut, wobei natürlich bei 9 Folgen a 22 Minuten zu einem Film von 120 Minuten zusammengeschnitten auch noch gar nicht ganz so viel Federn gelassen wurden, da die Spielzeit nicht mal halbiert wurde.

Übrigens ist der englische Dub mal so nebenbei angemerkt zwar von guter Qualität, was bei Anime eher nicht so häufig der Fall ist, jedoch nervt mich persönlich Jeans französischer Akzent ganz gewaltig.

Den Mittelteil behandelt dann der zweite Film, Nautilus‘ Biggest Crisis, bei dem die Folgen 11 bis 22 abgehandelt werden. Wer genau aufgepasst hat, wird festgestellt haben, dass dort die Folge 10 in der Auflistung fehlt. Das liegt darin begründet, dass sie komplett herausgefallen ist. Die Sache ist die, dass The Secret of Blue Water im Mittelteil eben auf Abenteuer-Serien-Modus umschaltet und erst mal mehr oder weniger episodische Geschichten bietet, bei der unsere drei Parteien aus Hauptcharakteren, Grandis Gang und Nautilus Crew sich beschnuppern und zusammenwachsen dürfen. Davon ist in einem Filmzusammenschnitt, der sich auf das Wesentliche beschränken muss, nicht mehr ganz so viel übrig.

Das macht diesen auch definitiv zum schwächsten Film und den, der am meisten davon profitiert hätte, wenn dies noch Mal neu für das Format umgeschrieben und neu animiert hätte werden können. Die beiden Highlights sind definitiv die beiden Wesentlichkeiten, zum einen der sehr atmosphärische Besuch der Atlantis-Ruinen, wenn die Verstorbenen der Nautilus-Crew vom Rest zu Grabe getragen werden, und dann das große Finale des Filmes, bei dem die beiden Episoden 21 und 22, wenn die Nautilus im großen Gefecht gegen Gargoyle zerstört und Elektras tragische Vergangenheit behandelt werden, fast komplett ungeschnitten verwendet werden.

Aber alles, was dazwischen geschieht, hat eben Probleme. Die netten kleinen Episoden mit den Charakteren so stark komprimiert wirken eben zu sprunghaft und fragmentiert, und so wirklich genug geboten, als dass sie wirklich einem sympathisch werden, ist nicht dabei. Die Entwicklung von Grandis Crew von den ersten Schurken zu den liebenswerten Mitstreitern geht verloren. Die Crew-Mitglieder, die sterben, kennen wir nicht. Selbst die Haupt-Crew um Elektra und Nemo und die beiden fürs Finale so wichtigen Figuren, sind zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas unbekannt.

Wer immer noch aufpasst, dem wird aufgefallen sein, dass damit der dritte Film, Inheritor of the Stars, die Folgen 23 bis 39 wiedergeben muss. Was nicht nur die größte Anzahl darstellt, sondern direkt mit dem eingangs erwähnten berüchtigten Insel-/Afrika-Teil beginnt. Deswegen spannt der Film auch eigentlich die wenigsten Folgen, denn fast die kompletten 120 Minuten werden vom großen Endgame der Serie, die Folgen 35 bis 39, fast uneditiert aneinandergereiht eingenommen.

Letztendlich zeigen die ersten paar Dutzend Sekunden des Filmes wie Nadia und Jean in Episode 23 auf der Insel angespült werden, dann wird direkt auf Episode 28 gesprungen, wenn Grandis Gang zu ihnen stößt, nach nur etwas über 3 Minuten sind wir schon bei den einzig wirklich für die Handlung relevanten Teilen der Insel-Episoden, wenn Jean und Nadia in Episode 30 und 31 das Innere der Insel entdecken und nach gerade mal einer Viertelstunde sind wir auch schon beim Beginn von Episode 35 angelangt. Richtig gelesen, die Episoden 23 bis 34, 12 Folgen a 22 Minuten, machen im Zusammenschnitt nur noch 15 Minuten aus, und nichts von Wert ging verloren.

Ein wenig das Problem aus dem vorigen Film besteht natürlich weiterhin, nämlich dass die mickrigen Überreste der Insel-Abenteuer natürlich so zusammengeschnitten, auch wenn nichts Wichtiges fehlt, etwas überhastet und sprunghaft wirken, da eben für ein TV-Format geschrieben und eigentlich mehrere Folgen dazwischen habend. Erneut komplett neu für ein Filmformat geschrieben hätte dies leicht bereinigt werden können, aber ist es eben nicht.

Die beste Entscheidung war es auf jeden Fall, denn wie gesagt führt dies dazu, dass alle Geschehnisse ab Folge 35 komplett ohne Federn lassen zu müssen gezeigt werden können. Und das Finale ist nach wie vor so genial, dass es immerhin die Original-TV-Serie dazu gebracht hat, zu einem absoluten Klassiker zu werden, statt dank des Insel-Teiles komplett zerstört zu werden.

Aber so interessant wie das Schauen von The Nautilus Story ist, so eindeutig ist dies hier eben dennoch nicht die ultimative Form von Nadia gewesen. Wie bereits zweimalig erwähnt hätte jene durchaus in drei Filmen a 2 Stunden geschehen können. Wenn Hideaki Anno tatsächlich das Script komplett im Format dreier Filme neu schreiben und animieren hätte können, statt sie aus Versatzstücken der Serie zusammen zu schustern. So hätten die Ereignisse flüssiger ineinander übergehen können, Dinge in der zeitlichen Abfolge zum besseren Funktionieren umgestellt werden, und im Mittelteil etwas Luft für die Charakter-Abenteuer geschaffen werden können.

Letztendlich gibt es einfach keine perfekte Art sich Nadia: The Secret of Blue Water anzuschauen, da alle drei Möglichkeiten etwas leiden. The Nautilus Story komprimiert dann doch etwas zu sehr. Alle 39 Folgen der TV-Serie zu sehen beinhaltet eben auch ein Dutzend der schlechtesten Folgen, die ein Fernseher je auszustrahlen gezwungen wurde. Die beste Variante ist wohl tatsächlich sich die Folgen 1-22 anzuschauen, dann die Folgen 30 und 31 für die dortigen Reveals, und dann mit Episode 35 bis 39 zu enden. Eben die komplette Abenteuerserie inklusive charmanter Nebenhandlungen, aber allen irrelevanten Insel-Füller außen vor lassen. Perfekt immer noch nicht, da die beiden halb-wichtigen Inselfolgen eben total aus dem Zusammenhang gerissen sind, aber besser als die beiden Alternativen.

Sakura Taisen: Katsudō Shashin

Da Sakura Wars: So Long, My Love leider etwas kurz angebunden ist, wenn es darum geht, einem Backstory zur sechsten gewinnbaren Kämpferin Ratchet zu geben, ich allerdings mich daran erinnern konnte, dass sie zum ersten Mal in Sakura Wars: The Movie auftaucht, habe ich mir jenen noch Mal angeschaut, um dort vielleicht etwas mehr bei rauszufinden.

Mal so vorab: Ich habe mehrere Anime zur Franchise in meinem Leben geschaut, alle schon eine geraume Weile her. Die 4-teilige OVA, die als Prequel zum ersten Spiel herhält. Eine weiter 6-Folgen-OVA, die lediglich „Ein Tag im Leben von…“ Geschichten zu den Tokyoter Schönheiten darstellte. Besagten Film so vor 15 Jahren auf einer AnimagiC. Und die TV-Serie, die ausnahmsweise mal das erste Spiel nacherzählt, statt nur als Nebengeschichte zu einem davon oder Abenteuer eines der Mädels darstellt. Ich erinnere mich nicht mehr wirklich an irgendwas, was in einem davon geschehen wäre. Warum, dazu kommen wir später.

Der erste und einzige Kinofilm ist übrigens Ende 2001 in die japanischen Lichtspielhäuser gekommen, also im Jahr, in dem Sakura Wars 3 nach drei Jahren Wartezeit seit dem letzten Hauptteil auf dem Dreamcast einschlug. Sakura Wars 3 ist der Teil, in dem Oogami Japan verlässt, um sich mit den Pariser Mädchen zu vergnügen, während sein abgenutzter Tokyoter Harem auf ihn warten darf. Das ist dann im Prinzip auch schon das Ereignis, um welches sich der Film aufbaut: Die Rückkehr Oogamis zur japanischen Kämpfertruppe.

Bis dahin vergeht allerdings noch etwas Zeit. Zunächst einmal ist Weihnachten und die Mädels veranstalten eine festliche Bühnenshow und Leni hat ihren 17. Geburtstag. Nichts davon ist wirklich signifikant für den Rest des Filmes, aber was im Film ist das schon. Kurz darauf stößt die blonde Amerikanerin Ratchet Altair zur Truppe. Sie ist zusammen mit Leni und Orihime (die beiden Newcomer aus Sakura Wars 2) Teil eines Versuches gewesen, eine Truppe in Europa aufzubauen, was aber irgendwie schief gelaufen ist. Genaue Hintergründe finden wir nicht heraus. Gleichzeitig gibt es allerdings auch neue Mechs, die ohne das Menschen in ihnen sitzen müssen laufen, die unsere Mädels obsolet zu machen drohen. Wenn denn nicht der sie vermarktende Kerl mit der Frisur wie Tingelangel-Bobs verstoßenes Kind, eigentlich der Bösewicht wäre, und die Teile von irgendwelchen Kouma-Mutationen, gegen die sie eigentlich kämpfen sollten, gesteuert wären.

Jedenfalls werden einige von Japans Militäroberhäupter vom Big Bad mit der japanischsten Englisch-Aussprache, die man je nicht verstehen könnte, entführt. Maria investigiert und geht auch verloren. Die Mädels stellen sich zum Kampf und unterliegen fast, bis Oogami aufs Finale auftaucht, ihnen Mut zuspricht, und so der JRPG-Endboss-verwandelte Bösewicht besiegt werden kann. Und die letzten zehn Minuten des Filmes macht dann ein Bühnenstück mit Ratchet und Sakura aus, in dem deren Konflikt beigelegt wird, der vorher nicht wesentlich da war.

Ok Leute, Klartext. Ein Grund warum ich mich an kaum etwas aus den diversen Anime zu Sakura Wars erinnere ist sicherlich, dass deren Anschauen schon echt lang her ist. Ein anderer Grund ist sicherlich aber auch, dass die alle nicht viel her machen. Wie gesagt haben die meisten davon nicht mal wirklich eine Haupthandlung oder jene wird nie wahnsinnig wichtig, sondern verkaufen sich als Nebengeschichten zu den Waifus aus den Spielen. Wer natürlich nicht schon Interesse für jene aus eben besagten Games mitbringt, der ist ziemlich auf verlorenem Posten, was den Unterhaltungswert der Folgen angeht.

Auch Sakura Wars: The Movie hat wenig zu bieten, wenn man nicht einfach all die Mädels gut durchanimiert auf großer Leinwand anschauen will, und Oogamis Rückkehr aus Paris für einen ein wichtiges Ereignis darstellt. Denn so wirklich die Zeit für die Mädels kann sich der Film nicht nehmen, hier wird definitiv auf Vorwissen aus den ersten beiden Spielen gebaut. Aber auch was letztendlich der Plan des Bösewichtes war, geht mir irgendwie ab. Irgendwie entführt er halt ein paar Leute, zwirbelt ein wenig seinen Bart, dann tauchen die Mädels auf, er verwandelt sich zum finalen Boss, und dann wird er besiegt. Was genau der Masterplan war, wäre mir jetzt nicht aufgegangen, um ehrlich zu sein.

Gleiches mit Ratchet, über die wir wenig herausfinden, und bei der nie wirklich ein Konflikt zu den anderen Mädchen aufbrodeln will. Wenn sie auftaucht ist Leni schlecht auf sie zu sprechen, verlässt aber schlichtweg beleidigt den Raum und die beiden haben den Rest des Filmes keine Interaktion mehr miteinander. Orihime begrüßt sie zunächst freundlich, platzt zur Filmmitte dann plötzlich damit heraus, dass sie Ratchet nicht nachstehen will, und erneut gibt es anschließend keine Interaktion zwischen ihnen mehr. Wenn Ratchet einen Kerl fast umbringt, stoppt Sakura sie und meint so würde sie das nicht machen, Ratchet meint sie wollte nur effektiv sein, und beide zucken mit der Schulter und gehen. Irgendwo scheint der Film einfach anzunehmen, dass wir mitbekommen Ratchets Kühle und Alleingängertum wären ein Problem, welches am Ende durch Gesang gelöst werden muss, baut es aber über seine 80 Minuten nie wirklich als echten Konflikt auf.

Dazu kommen dann noch extrem kurz gehaltene Kämpfe, von denen viel auch noch in dunklen Nachtszenen stattfindet, um das schlechte CG zu kaschieren. Von daher ist auch was Action angeht eher wenig geboten, an dem man sich festhalten kann.

Macht unterm Strich ein ziemliches Nichts an Film. Keine interessanten Charaktere, eine bestenfalls lückenhafte Handlung, gute Animationen die aber nie zu cooler Action verwendet werden… insgesamt ein Satz mit X.

When Marnie Was There

2014 war es dann also soweit, der allerletzte Ghibli-Film kam in die japanischen Kinos. Nach knapp 20 Filmen und 30 Jahren ging eine Ära zu Ende. Und der letzte Eintrag kommt nicht von Miyazaki, nicht von Takahata, sondern entstand unter Regie von Hiromasa Yonebayashi, dem wir davor Arrietty zu verdanken hatten.

Anna kann sich selbst nicht sonderlich leiden. Und so wahnsinnig viel zu mögen gibt es auch nicht. Sie ist eine Außenseiterin, nicht sonderlich ehrlich, schlecht im Sozialisieren, und neigt zu Ausrastern wenn dann doch mal ein Ton aus ihr heraus kommt. Allerdings hat sie auch Asthma und einen ausländischen Einschlag im Look zwischen all den Japanern, bei denen nicht herauszustechen an oberster Tagesordnung steht. Ach ja, Ziehkind ist sie auch noch, und keine „echte“ Familie zu haben ist da jetzt auch kein gesellschaftlicher Pluspunkt. Wobei schwer zu sagen ist, was da schon vorher im Leben von Anna gelaufen ist, und wie viel sie sich selbst ausgrenzt, zumindest in ihrer aktuellen Situation scheint ihr wenig Antipathie entgegen zu kommen und alle gut und zivil mit ihr umzugehen.

Das ist halt allgemein immer ein wenig das Problem bei Filmen, bei denen die Hauptfigur an Depressionen leidet: Sie ist schwer dem Zuschauer wirklich sympathisch zu machen. Sich selbst und sein Leben nicht genießen zu können, selbst wenn man es gar nicht so schlimm hat, ist ja einer der Mitgründe, warum man sich in dieser Situation selbst nicht leiden kann, was den Teufelskreis nur zusätzlich anheizt.

Jedenfalls wird Anna aufs Land zu Verwandten der Ziehmutter geschickt, damit sie an der frischen Luft besser atmen kann. Wo erneut die Kids eigentlich nett zu ihr sind, sie sich in einem von der Aufmerksamkeit genervten Ausbruch das wieder selbst verdirbt. Bis sie dann in einem herrschaftlichen Haus am See auf Marnie trifft, mit der sie sofort klickt, und mit der alles leicht läuft. Nur ist die hübsche Marnie lediglich abends zu treffen und Anna wacht nach den Treffen einfach irgendwo am Wegesrand auf. Am Tag scheint das Haus hingegen komplett unbewohnt zu sein. Ist Marnie also gar nicht echt?

Die beiden Mädchen sind dann tatsächlich stark miteinander verknüpft, auf welche Art und Weise und das Marnie so gesehen eben nicht echt ist, ist natürlich klar bevor es der Film wirklich erklärt. Wobei ich, wenn man auf die letzten 15 Minuten kurz die Lebensgeschichte von Marnie angerissen bekommt, mich nicht ganz dem Gefühl erwehren konnte, dass ihr Leben den interessanteren Film ausgemacht hätte. Wenn schon nicht mit ihr als Hauptcharakter, dann doch indem über den Verlauf hinweg Anna als Außenstehende immer mehr Einblicke in deren Leben bekommt. So bildet Marnie eher einen Kontrast zu Anna und den Katalysator dafür, dass sie mehr mit sich in Einklang kommt.

Erinnerungen an Marnie erinnerte mich dabei tatsächlich sehr an Arrietty. Nicht vom Setting her, denn der Film spielt wie gesagt in Japan, was mich zunächst etwas verblüffte, aber letztendlich auch mit veränderter Nationalität funktioniert. In 2014 vielleicht in Japan sogar noch besser, da es dort mehr soziale Zwänge und Ausgrenzungen gibt gegenüber England. Auch der desaströse Soundtrack wiederholt sich glücklicherweise nicht. Aber ich komme bei Marnie zu einem ähnlichen Ergebnis wie bei Arietty. Und zwar das es ein schon recht netter Film ist, aber eben die Magie der wirklich großen Ghiblis nicht ganz eingefangen werden kann. Studio Ghibli hätte aber definitiv auch auf einem schlechteren Film enden können.

The Tale of Princess Kaguya

Wird langsam Zeit, dass die Akte Ghibli geschlossen wird. Nachdem bereits Hayao Miyazaki mit Wie der Wind sich hebt seine Abschlussvorstellung ins japanische Kino brachte, durfte auch Mitbegründer des der Leinwand entsagenden Studios Isao Takahata einen großen, letzten Film machen. Sein erster Ghibli seit 1999s Meine Nachbarn die Yamadas und seine erste Regie-Arbeit seit jenem Film abgesehen eines Segmentes in einem Kollaborationsprojektes. Insgesamt hat uns Takahata von den über 20 Ghiblis tatsächlich „nur“ 5 gebracht, aber er war auch nie ganz der gleiche Kinokassen-Garant wie Miyazaki und ist bekannt Deadlines schlecht einhalten zu können. Bis zum Ende, denn Die Legend der Prinzessin Kaguya sollte ursprünglich als Double-Feature mit Wie der Wind sich hebt in die Kinos Japans kommen, sozusagen gleichzeitig die beiden großen Ghibli-Regisseure verabschiedet werden, stattdessen musste er allerdings um einige Monate verschoben werden.

Ein etwas abseits eines kleinen Bergdorfes lebender Bambusschneider findet jedenfalls eines Tages einen übernatürlich leuchtenden Sprössling, aus der ein Puppenhaftes Mädchen fällt, welches sich kurz darauf in ein Baby verwandelt. Der gutmütige Kerl, der sie für eine vom Himmel geschickte Prinzessin hält, zieht die Kleine mit seiner Frau groß. Und groß wird sie schnell, denn das Prinzesschen hat ein beschleunigtes Wachstum, welches alle Bauern der Gegend ziemlich gutmütig einfach so hinnehmen.

Doch als das Mädchen langsam (oder doch schnell) größer wird, und der Bauer im leuchtenden Bambus Gold und schöne Kleider findet, setzt sich in seinem Kopf die Idee fest, dass der Himmel von ihm will, dass sie tatsächlich wie eine Prinzessin aufwachsen kann. Also baut er mit dem Vermögen ein großes Anwesen in der Stadt und reißt die Familie aus dem bescheidenen aber ruhig-besinnlichen Leben in den Bergen, um dort einen Hofstaat aufzubauen.

Gerade das wilde Mädchen, der es Spaß macht durch die Gegend zu tollen und mit den Jungs Abenteuer zu erleben, wird dort nicht glücklich. Eine Dame tut dies, eine Dame tut jenes, und vor allem eine Dame tut viele Dinge gar nicht, ist was ihr schnell von der Zofe beigebracht wird. Nach ihrer Namensfeier darf sie sich Kaguya nennen, und bekommt prompt wegen ihrer Schönheit die Aufwartung von Edelleuten gemacht. Die kein wahres Interesse an ihr haben, und ihr unhaltbare Versprechungen machen, die das gewitzte Mädel allerdings einfordert, bevor sie zur Heirat willig ist.

Es ist eine schöne Erzählung geworden, mit dem Drama und der Melancholie, die wir aus Takahata-Filmen wie Die letzten Glühwürmchen und Tränen der Erinnerung kennen, aber auch mit etwas des Witzes aus Pom Poko und Meine Nachbarn die Yamadas. Es ist ein Appell daran das Glück in den kleinen Dingen zu suchen, mit weniger zufrieden zu sein statt immer noch nach mehr zu verlangen. Das Leben in den Bergen mag nicht immer leicht sein, immerhin war gerade in dieser Ära arm zu sein auch kein Wunschkonzert, doch dies spricht der Film eher kurz an und zeigt dies nie in Bildern. Stattdessen ist das Leben dort, zumindest für Hauptfigur Kaguya, hauptsächlich Spaß und Spiel und die Natur gibt reichlich um zufrieden sein zu können. Das Leben in der Stadt, vom fälschlicherweise nach immer mehr Ansehen strebenden Vater, der dies durchaus fehlgeleitet fürs Glück seiner Ziehtochter hält, hingegen bringt einen Überfluss aber auch beklemmende soziale Zwänge mit sich. Gerade für ein Mädchen in der Ära, aber es ist ja jetzt nicht so, dass die japanische Gesellschaft nicht bis heute von tausend beengenden ungeschriebenen Gesetzen geregelt wäre.

Ist allerdings nicht alles tragisch, was im Film geschieht. Nicht nur hat Kaguya viel Spaß als Kind in den Bergen, sondern wie in Takahatas Heidi für Toei Animation, hat sie sich etwas von jener Leichtigkeit auch mit in die Stadt genommen. Einige kleine humorige Stellen bietet der Film auch, wie wenn der Ziehmutter plötzlich magisch die Milch einschießt, um Kaguya großziehen zu können, oder wie sie ihre Verehrer austrickst. Und Kaguya kleine Zofe mit dem Breitmaulgesicht ist sowieso der heimliche Star des Filmes.

Das funktioniert natürlich so oder so, selbst wenn man kein Japaner ist, eben dadurch das Kaguya langsam aufwächst. Wer erinnert sich nicht gern verklärt an die Kindertage, in denen das Leben simpler und das Glück einfach zu greifen war? Während mit dem Erwachsenwerden mehr soziale Konventionen und Verantwortungen auf einen warten. So findet sich jeder ein wenig in der Legende der Prinzessin Kaguya wieder.

Der Animationsstil derweil erinnert an Meine Nachbarn die Yamadas, denn auch Kaguya hat einen minimalistischen Stil mit viel Bleichstift-artigen Outlines und einer Kolorierung in dezenten Wasserfarben zu bieten. Allerdings ist das Design an sich realistischer und nicht so cartoonig wie die Yamadas. Wenn es dann doch mal zu einer schnellen Sequenz kommt, ist das geradezu eine Explosion an Dynamik, verlieren sich die Details gern noch mehr in schnellen Strichen, Bewegungen.

Einen runden Film hat das letzte Werk von Takahata ergeben. Zeigt seine beiden Stärken sehr gut, sowohl das Drama als auch seinen Humor, die beide gern eher subtil daher kommen.

Final Fantasy VII-2: Advent Children

ava-2119Sprechen wir doch mal über ein Final Fantasy Anime, und zwar einem großen Big Budget CGI-Streifen, nämlich Final Fantasy: The Spirits Within. Ein schwarzes Loch, das sich ausschließlich von Geld ernährte, und das lange bevor Final Fantasy XIV und Versus XIII/XV das für Square zur Mode machten. Mit so schlechten Einspielergebnissen, dass Hironobu Sakaguchi ordentlich an Cloud in der Firma verlor, bis er dann irgendwann freiwillig gegangen ist, um mit seinem Mistwalker zum Großteil weiter kommerzielle Flops zu produzieren. Das frisch dafür gegründete Nebenstudio Square Pictures wurde sofort wieder eingestampft, der Zusammenschluss mit Enix verschoben, weil die sich nicht mehr so sicher waren, ob sie mit einer Firma fusionieren wollen, die gerade so viel Geld verloren hat.

Es sollte nicht verwunderlich sein, dass SquareEnix in den beiden Jahren darauf so viele Spinoffs zu Final Fantasy rausgehauen hat, wie nie zuvor, um das finanzielle Loch zu stopfen. Wir hatten Final Fantasy X-2, als erstes direktes Spiele-Sequel zu einem der beliebtesten und aktuellsten Teile der Franchise. Und im gleichen Jahr, als besagter Titel erschien, wurde auch die Compilation of Final Fantasy VII angekündigt, die als Multimedia-Großprojekt um den wirklich beliebtesten Franchise-Eintrag so richtig die Kohle ranschaffen sollte. Unter den Zuhältern Tetsuya Nomura (Kingdom Hearts, The 3rd Birthday) und Yoshinori Kitase (Final Fanasy X-2, Final Fantasy XIII) wurde zwischen 2004 und 2007 zu Final Fantasy VII herausgehurt, was nur konnte. Mit Before Crisis, Crisis Core und Dirge of Cerberus drei Spiele, von denen nur eines gut ist, mit Lateral Biography und On a Way to a Smile zwei Kurznovellen, mit Last Order eine kurze Anime-Episode. Und mit Advent Children, dem ersten Projekt, einen weiteren kompletten abendfüllenden Film.

Den habe ich schon damals geschaut, und nicht sonderlich gemocht. Was aber ungefähr genauso speziell ein Geschmack darstellt, wie Final Fantasy VII zu mögen. Jetzt, wo ich das Spiel erneut gespielt habe, wollte ich dem Film dann aber doch noch mal einen Versuch geben. Diesmal in der Complete-Version, die 20 Minuten länger ist als das Original-Release.

Der Film fängt schon nicht gut an. Stattdessen bekommen wir drei letztendlich nutzlose Szenen, die alle schon fast komödiantisch weiter und weiter zurückspulen. Zunächst wird das Ende von Final Fanasy VII wiederholt. Klar, ist eine nette Hommage an das Spiel und vielleicht sogar ein netter Fake-Out, weil „was das Sequel beginnt wirklich am Ende-Ende?“, nur um dann 498 Jahre in die Vergangenheit zu gehen, weil Advent Children natürlich nur 2 Jahre nach Final Fantasy VII mit allen beliebten Charakteren spielen wird. Nur dann haben wir eine nutzlose Szene, in denen Kadaj und Rufus mysteriös Brabbeln, erneut 2 Wochen in die Vergangenheit eine weitere nutzlose Szene, in denen die Turks im Northern Crater von was Unbekannten angegriffen werden. Erst dann beginnt der Film richtig, in dem Marlene uns einen Recap des Spieles gibt, in dem sie ihr Möglichstes tut, jenes so langweilig und generisch wie möglich klingen zu lassen. Die 500-Jahre-später-Szene macht Sinn am Ende von Final Fantasy VII, aber keinerlei zu Beginn von Advent Children. Und die beiden mysteriösen Anheizer-Szenen, die darauf folgen, bringen dem Publikum auch noch nicht wirklich was, werden an geeigneter Stelle sowieso wiederholt. Eine einzelne jener Szenen zu Beginn des Filmes, der seine ganze Spielzeit durch sehr ängstlich zu sein scheint, dass dem Publikum zu schnell langweilig werden könnte, mag noch klar gehen, aber alle drei Szenen so direkt hintereinander geklatscht ist einfach seltsam holprig.

Was sicherlich nicht beabsichtigt war, aber irgendwo so ein wenig mein kleines Highlight ist: Wenn Cloud dann also hübsch-weinerlich in der Gegend rumschaut, mit seinem Bike los fährt, und die eigentlichen Credits beginnen, beginnt die Musik mit einem sehr ominösen Beat, genau dann, wenn „Director: Tetsuya Nomura“ eingeblendet wird. Als hätte in einem Horror-Film gerade der Killer zum ersten Mal die Leinwand betreten. Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

Egal, die Welt ist gar kein so toller Platz, obwohl Meteor nicht auf sie drauf gefallen ist, weil durch die Überdosis an Lifestream in der Atmosphäre einige Leute nun an einer Krankheit verrecken. Auch viele Kinder, die Cloud und Tifa bei sich aufgenommen haben. Darunter auch Denzel, ein kleiner Junge, der versucht Clou im Weinerlich-Dreinschauen zu schlagen, und von dem Advent Children wirklich will, dass man sich was um ihn schert, was aber nie so wirklich klappen will. Ich weiß eh nicht, warum wir überhaupt einen neuen kranken Charakter brauchen, um eine Motivation herzustellen. Cloud ist auch krank. Reicht das nicht? Und wenn schon ein niedliches Kind infizieren, weil das automatisch tragischer ist, gibt es dort doch auch noch Marlene. Na ja, Charakteren gute Motivationen für das zu geben, was sie tun, darin ist Advent Children eh nicht so gut. Deswegen gibt er denen gleich auch mehrere, die aber alle nur so halbherzig.

Beispielsweise werden Cloud und Co. schon alleine deswegen in die Ereignisse hineingezogen, weswegen es der Krankheit gar nicht bedürfte, weil die drei Sephiroths für Arme sie nicht in Ruhe lassen. Von denen ist eh nur Kadaj, der mit der dämlichsten Frisur, wirklich wichtig. Ein Trio ist es eher nur deswegen, damit es etwas logischer ist, dass die über die ganze Welt warpend auftauchen, um sich mit der FFVII-Truppe Action-Szenen zu liefern. Warum sie wann und wo auftauchen? Eher grundlos, und mehr weil der Film wirklich nicht will, dass man nach zu vielen Minuten an Gesprächen sich nicht langweilt, also schnell einen Fight zwischen einem des Idioten-Trios und einem unserer Lieblingscharaktere aus FFVII in einer der ikonischen Szenerien aus FFVII bieten. Ein Hirn scheinen sich die drei zumindest auch zu teilen, denn ihr kompletter Dialog besteht nur aus dem Wort „Mama“ in ähnlicher Frequenz wie Samus in Other M ihr „Baby“-Mantra von sich lässt, nur in 120 Minuten kondensiert.

Ich mein, klar, sie suchen nach Jenova. Warum sie deswegen geradezu Kopflos die Charaktere aus Final Fantasy VII und Hauptschauplätze des Spieles abgrasen, in der Hoffnung, irgendeiner von denen wird sie schon irgendwo dort verstecken, ist eher unklar. Warum sie denken „Hast du meine Mama“ würde dazu führen, dass die automatisch wissen, was sie wollen, statt nur „Häh?“ zu machen und ein Kampf bricht los, ist auch fraglich. Es macht das Trio nur den Film über konstant ziemlich lächerlich. Was durchaus manchmal beabsichtigt ist? Advent Children lacht glaub ich manchmal mit uns über die drei Antagonisten, manchmal sollen sie aber auch cool und bedrohlich wirken, was jedoch nie zieht. Zumindest rechne ich es Advent Children hoch an, dass es wenigstens manchmal weiß, wie blöde es ist, auch dann wenn Charaktere genug von Clouds Weinerlichkeit haben, oder die Turks ganz einfach die Turks sein dürfen.

Weniger self aware ist sicherlich die Obsession mit Handys in Advent Children, aber natürlich hat sich der Anbieter es ordentlich was kosten lassen, hier so ausgiebig gezeigt zu werden. Meist stört es mich nicht mal… aber dann gibt es da diese eine total schräge Szene so ziemlich genau zur Filmmitte hin. Wenn Clouds verloren gegangenes Handy langsam den See hinabsinkt, während man Konversationen hört, die er auf ihm mit den anderen Helden hatte. Die Musik, die Inszenierung, nichts davon passt zum Rest des Filmes, alles schreit nach Werbespot. Genauso abrupt hört die Szene auch wieder auf und der Film geht seiner Wege, als hätte man die letzten 2 Minuten nur halluziniert.

Und ich meine, die Fights sind nicht mal ganz so toll. Natürlich, zunächst wirken sie ziemlich cool. Aber schnell kommt man auf den Trichter, dass ein Großteil von ihnen nach dem gleichen Muster inszeniert ist. Und zwar schnelle Bewegungen zu schnellen Schnitten, so dass man gar nicht wirklich genau sieht, was da jetzt abgegangen ist, unterbrochen von Slow-Motion-Posing dazwischen. Entweder bewegt sich also nix oder alles zu schnell. Dämlich-spaßig hingegen ist definitiv der Sprung der Freundschaft gegen Ende. Wenn jeder Charakter Cloud einen weiteren kleinen Boost gen Bahamut gibt.

Ist sich Advent Children eigentlich darüber im Klaren, dass Cait Sith eigentlich Reeve ist? Ich bin mir nicht so sicher.

Witzig sind definitiv auch die beiden Rollen von Aeris und Zack, die weiterhin Clouds unterstützende Spirit Guides abgeben dürfen. Ist schon süß, was die Compilation of Final Fantay VII hier und in Crisis Core so ein Gewese darum macht, wie selbstaufopfernd Cloud doch ist, weil er Zacks Erinnerung durch sich weiterleben lässt. Wenn man mal bedenkt, dass er in Final Fantasy VII einfach dreist die Identität eines Toten gestohlen hat, weil Cloud ein Versager und Zack einfach cooler war. Aeris ist auch eine ganz schön gemeines Stück, wenn sie am Ende wie aus dem Nichts plötzlich das Heilwasser herabregnen lässt. So wie der Film das präsentiert, und das ist sicherlich nicht die Intention gewesen, wirkt das nämlich, als hätte sie das schon die ganze Zeit gekonnt, und wollte einfach nur die Leute mal 2 Jahre lang etwas unter der Krankheit leiden lassen. Und erneut stellt sich mir die Frage warum, wenn man es so halbherzig und plötzlich wieder herausschreiben musste, die Krankheit überhaupt in den Film geschrieben wurde? Dass das Idioten-Trio unseren Charakteren auf die Pelle rückt, Bahamut beschwört, und selbst Sephiroth obligatorisch zum Endkampf wieder herauskommt, war nicht Motivation genug, um sie wieder in den Kampf zu verwickeln?

Die Sache mit Final Fantasy VII: Advent Children ist allerdings folgend: Qualität stand sicherlich nie auf der Prioritätenliste der Macher. Natürlich wollte keiner absichtlich einen schlechten Film machen, aber ich glaube auch einfach nicht, dass einen guten Film zu machen besonders weit oben auf der Liste stand. „Ein Film, der besonders gut aussieht“ schon, „Ein Film, der besonders viel Kohle macht“ auch, aber nie „Ein guter Film, der…“. Das ist sicherlich irgendwo schon schade, aber auch ein Grund, warum ich das Ergebnis nicht hassen kann, weil nämlich die Ambition dahinter eindeutig nie da war. Final Fantasy VII: Advent Children hinterlässt mich nämlich einfach sehr ambivalent, in einem Schulterzuckenden „mir doch egal“-Zustand. Mit etwas Alkohol in einem Freundeskreis unterstützt kann es aber sicherlich eine nette Abendunterhaltung sein, weil kurzweilig und Action-gespickt ist der Film, und es gibt einiges Dämliches um es zu riffen.

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Mewtwo! I Am Here & The Terrifying Mirage Pokemon

ava-2104aZwei weitere Specials können wir noch beackern, dann haben wir alles in Über-Normal-Folgen-Länge abgearbeitet. Denn Pokemon Origins gab es bereits vor geraumer Weile (und genau genommen ist das eine 4-teilige Miniserie und kein durchgängiger Film). Den Anfang macht das allererste solche Langfassungs-Special Mewtwo! I Am Here! aus 2000. Das ist der Fernsehfilm, der ein direktes Sequel zum allerersten Kinofilm darstellt, und im Westen auch direkt auf DVD vermarktet wurde.

Startet dann auch mit ein paar Minuten Recap-Szenen aus besagtem Film, deutlich abgesetzt da immer noch in 16:9 im Gegensatz zum Haupt-Fernsehfilm in 4:3. Nur das es keine Narration zu den fast beliebig gewählt zu scheinenden Szenen gibt, weswegen derjenige, der den ersten Kinofilm nicht geschaut hat, keine Ahnung hat, was er da sieht und geschieht. Immerhin hat man die blöde Zum-Leben-Heulerei rausgelassen.

Und natürlich laufen Satoshi, Kasumi, Takeshi und unser reguläres Team Rocket aus Musashi, Koshiro und Nyarth direkt Mewtwo erneut über den Weg, der jetzt mit seinen Klon-Pokemon irgendwo auf einer Insel chillt und pseudo-philosophischen Mist vor sich hin labert, statt wirklich was zu tun.

Da sind seine Klon-Pokemon schon seltsamerweise viel aggressiver, dafür das die es im ersten Film eigentlich nur durch seine Fremdsteuerung waren. Oder auch nicht. Je nach Szene. Das Klonkatchu beispielsweise meint zu Mewtwo das Pokemon, auch geklonte, in die Außenwelt bei die Menschen gehören, sobald unser Trupp an Menschen und Nicht-Klonen auf der Insel eintrifft, schreit er allerdings Krieg und Mord, nur um anschließend mit Nyarth und Pikatchu zusammen zu arbeiten. Schon etwas schizo.

Jedenfalls will Rocket-Häuptling Sasaki immer noch Mewtwo kontrollieren und kommt deswegen mit seiner Armee vorbei, nimmt die Klonmons als Geiseln. Mewtwo vergisst, dass er mächtig genug ist, um seinen ihm direkt gegenüberstehenden Erpressern via Psychokinese den Kopf explodieren zu lassen, das Gedächtnis zu löschen plus sie weit weg zu warpen, oder einen Berg auf sie zu platzieren, sondern lässt sich fangen. Aber na ja, so kann er halt ein wenig verletzt werden, so dass Satoshi ihn mit dem reinen Wasser der nahen Quelle, über die die Charaktere den ganzen Film über zu labern nicht aufhören wollen, wieder heilen kann, bevor er wirklich Team Rocket weg beamt und deren Gedächtnis löscht. Und alle lernen die Lektion, die sie eigentlich am Ende des ersten Kinofilms bereits gelernt haben sollten.

Das war es auch schon mit Mewtwo! I Am Here! ein recht simples Konstrukt, das viel Zeit an Gelaber über Wasserquellen und Mewtwos Monologe darüber, ob auch Klone einen Platz in der Welt hätten, verschwendet. Dafür ein sehr launiges Team Rocket und eine nett-schnippische Kasumi, die man so aus den Filmen gar nicht mehr richtig kennen mag.

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Mit The Terrifying Mirage Pokemon gelangen wir zu einem weiteren Special mit Mewtwo und eines zum 10-jährigen Bestehen der Franchise. Welches sogar im Westen vor Japan ausgestrahlt wurde. Im Gegensatz zu den anderen Fernsehfilmen ist es auch relativ kurz geraten, mit 45 Minuten knapp von doppelter Folgenlänge statt die Stundenmarke zu durchbrechen.

Jedenfalls ist Satoshi mit seinem Trupp – er hat hier neben Takeshi die beiden Nerv-Geschwister Haruka und (ugh) Mastao dabei -, sowie Professor Oak und Kasumi von einem anderen Prof eingeladen, um Freundschaftskämpfe gegen dessen Mirage-Pokemon zu machen. In seinem Labor, welches aussieht wie ein Schloss, was natürlich total vertrauenswürdig ist, der Dr. Yung ist garantiert kein Fiesling.

Mirage-Pokemon sind übrigens im Prinzip Cheats, denn das sind nur virtuelle Versionen statt echte Viecher, von daher kann man nicht nur nach Belieben jedes Legendary beschwören, sondern auch mal locker flockig jeden Typus geben oder jede mögliche Attacke draufziehen, so dass das Vieh im Prinzip komplett unantastbar wird. Sofern man die Daten hat. Und die will das Phantom der Oper für Arme, Mister Mirage, von Professor Oak haben, um das ultimative Pokemon zu beschwören. Denn ganz logischerweise bedeutet ein Zutritt zu Oaks Database auch, dass er darüber auf alle Pokemon-Forschungseinrichtungen und Poke-Center der Welt zugreifen kann. Macht Sinn. Stellt sich jedenfalls raus das perfekte Pokemon ist ein Mirage-Mewtwo, weil hier gab es Arceus wohl noch nicht.

Aber Oak ist ja nicht auf den Kopf gefallen, sondern macht den unglaublichen Logiksprung, dass die Tatsache, dass der maskierte Mr. Mirage Mew als Fehlexperiment bezeichnet, was Dr. Yung nie machen würde wenn er ein guter Professor wäre, bedeutet das Dr. Yung hinter der Maske stecken würde. Häh? Na ja, Mew besiegt Mewtwo, Yung verschwindet, und der Film endet mit einem to be continued, ist aber im Prinzip auch ganz brauchbar so abgeschlossen.

Eh, war jetzt nicht so der Renner, aber mit 45 Minuten immerhin überschaubar und schnell rum. Netterweise war der Film schlau genug, Masato für weite Teile aus der Handlung zu entfernen, außerdem ist Satoshi mal nicht der Allesretter-Jesus sondern Mew macht das so ziemlich im Alleingang. So wirklich spannend war das Ding allerdings auch nicht, obwohl eigentlich viel gekämpft wird. Liegt vielleicht auch daran, dass das Budget non-existent war und ich noch kein Stück animiertes Pokemon zu sehen bekommen habe, welches so billig und schlecht gezeichnet ausschaut. Da hilft es auch nicht in jeder zweiten Szene Dutch Angles zu nutzen, um Spannung zu suggerieren, die einfach nicht existiert.

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The Archdjinni of the Rings & The Legend of Thunder

ava-2102Kommen wir mit The Archdjinni of the Rings: Hoopa also zum letzten Kinofilm. Oder besser gesagt zum vorletzten, nur dem letzten hier jetzt zu besprechenden, da die Japaner wie immer Jahres-pünktlich im Juli bereits die Nummer 19 in die Lichtspielhäuser gebracht haben.

Diesmal befinden wir uns in der arabisch angehauchten Region der Pokemon-Welt, in der nach Anime-Standards alle Turban tragen und in Lehmhäusern wohnen. Abgesehen von Möchtegern-Dubais Glasfassaden-Downtown natürlich, aber selbst da sind die Vororte lehmig.

Jedenfalls geriet die Bevölkerung von Nicht-Dubai an Hoopa, ein Legendary mit dem Intellekt eines Kleinkindes, welches etwas zu häufig auf den Kopf gefallen ist, der im Gegenzug zu bereitgestelltem Essen deren Wünsche-Erfüller wurde. Da die Bewohner per Pokemon-Welt-Standard auch nicht unbedingt mit viel IQ gesegnet sind und sich in einer reichen Stadt voll langweilig leben lies, änderten sich die Wünsche irgendwann von „im Wohlstand leben“ und „nicht hungern oder dursten müssen“ und „keinen Krieg zu fürchten haben“ in eher schaulustige „Hey zeig uns deine Legendary-Stärke, in dem du gegen andere Legendaries kämpfst“, was ob deren Brawl beinahe die Stadt wieder gepättet hätte, wenn nicht jemand die Macht von Hoopa in eine Flasche gesperrt hätte.

Bis jetzt dessen Enkel so dämlich sind, und Klein-Hoopa dessen Kraft zurückgeben wollen, weil sie so nett mit ihm als Spielgefährten aufgewachsen sind, und natürlich prompt alles schief läuft. Satoshi und Co. sind auch da, weil die Stadt das Zentrum der Donuts ist – hey das mag vielleicht nicht mit dem arabischen Thema einhergehen, aber man wollte halt das mit den Ringen auch nutzlos kulinarisch fortführen.

Meine Güte was nervt Hoopa, sowohl in seiner vollen wie in seiner kindlichen Gestalt ist das Vieh die absolute Nervensäge. Ich bin ja auch nicht so der Freund davon, dass die zahlreich vorkommenden anderen Legendaries hier zu reinen Bauern in einem Kampf der beiden verkommen. Warum sollten die für die kämpfen wollen? Umso mehr, nachdem sie unfreiwillig plötzlich hergewünscht sind. Deren Kämpfe sind nicht mal besonders interessant gestaltet. Aber man wollte halt alle in den aktuellen Editionen/Remakes vorkommenden Legendaries und ihre Mega-Evolutionen zeigen, nehme ich mal an.

Wer Team Rocket in den letzten Filmen vermisst hat, bekommt hier allerdings mal wieder, gerade in der ersten Filmhälfte, eine gute Anzahl an Szenen mit denen geboten. Wäre vielleicht eh nicht schlecht gewesen, die zweite Hälfte zu kürzen, essentiell ist der Film nach 65 Minuten bei einem guten Abschluss und verlängert sich dann noch mal künstlich auf 80.

Und so unbegeistert endet mein Durchschauen der Kinofilme. Die meisten davon sind das Ansehen nun ehrlich wirklich nicht wert, und auch die Nummer 18 kann getrost übersprungen werden, ohne dass man im Leben was missen würde.

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Aber hey, nur weil es keine Kinofilme mehr gibt (die mit englischen Untertiteln für mich schaubar vorliegen), bedeutet nicht, dass wir auch wirklich schon durch sind. Da gibt es ja noch ein paar Specials von mehr oder weniger Spielfilmlänge. Das zweite solche bereits aus 2001 aber dem Westen lang vorenthaltene wäre Pocket Monsters Crystal: Raikou – Legend of Thunder.

Der Fernsehfilm macht natürlich direkt mal starke Abstriche in der Animationsqualität, die ja häufig selbst bei den Kinofilmen gern mal schwächelt. Man muss sich also auf viele Speedlines und neutrale Hintergründe vorbereiten. Dafür gibt es im TV in 2001 allerdings noch kein kotzhässliches CG zu ertragen.

Eigentlich ist es ja sogar mal ganz schön nicht Satoshi folgen zu müssen. Wobei Kenta jetzt zwar grundsätzlich mir schon so vorkam, als hätte er etwas mehr Persönlichkeit zu bieten, allerdings kann das selbstverständlich auch daran liegen, dass hier keine tausende Folgen an TV-Serie vorausgesetzt werden, durch die man die Charaktere schon kennen würde. Wobei die Dynamik jetzt auch nicht viel anders ist in Crystal. Kenta ist der gutherzige Idiot, der so toll ist, dass selbst bei einer Typenschwäche seines Feuer-Starters gegen ein Wasser-Pokemon der Sieg winkt. Das gehört sich bei einem Pokemon-Protagonisten wohl so, Satoshi ist ein gutherziger Idiot, der Probleme damit aus dem Weg räumt, etwas über Freundschaft und Ehrgefühlt dem entgegen zu schreiben, und Kenta in Crystal sowie Red in Origin sind auch nicht sonderlich anders. Dazu kommt noch Marina, in die er ein wenig verschossen ist, und Junichi, der für Slapstick herhalten muss. Also im Prinzip das Original-Pokemon-Trio geklont aber mit dämlicheren Frisuren weil die in Pokemon Crystal bei allen Charakteren so ein wenig merkwürdig ausschauen.

Jedenfalls geht es um Raikou, dem legendären Elektro-Hund. Und zwar wollen Team Rocket den fangen. Team Rocket hier sind das Pärchen Basho (top) und Buson (power-bottom), die ihn mit irgendeinem Kristall-Gerät anlocken und fangen wollen. So schlau sind die beiden jedoch auch nicht, denn das Gerät ist zwar gegen jegliche Elektro-Attacke immun, dafür von jedem anderen Typus einfach zerstörbar. Somit haben Kenta und Co. jetzt auch nicht so viel Probleme Raikou da rauszuboxen. Zumindest sobald sie das Ding auch mal angreifen statt nur über Gutmenschentum rumzuschreien.

Und dann darf Raikou noch lernen Menschen wieder zu vertrauen, weil Kenta und Trupp so nett zu ihm waren, obwohl gleich zwei andere Menschen ihn ja fangen und quälen wollten, und rum sind die knapp 70 Minuten. Was bleibt ist ein TV-Film der sich halt auch sehr wie ein überlanges Special anfühlt, welches er auch ist, da eigentlich gar nicht so viel geschehen ist, dafür nur alles drei Mal.

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