Black Christmas (2019)

ava-2740Frohe Feiertage und willkommen zurück zum traditionellen weihnachtlichen Horrorfilm. Dieses Jahr haben wir Black Christmas zu bieten… zum dritten Mal. Soll ja keiner sagen, dass man Geschenke nicht erneut verpacken und weiterschenken kann. Nachdem wir also das Original von 1974 und auch das wenig beliebte Remake von 2006, welches ich ganz unterhaltsam fand, bereits durch haben, ist diesmal das Remake von 2019 dran. Schon irgendwo kurios eine Franchise von drei Filmen zu sehen, die kein einziges Sequel enthält, sondern sich komplett aus Remakes zusammensetzt.

In den Film reingegangen war ich mir ziemlich sicher, eigentlich nichts mehr aus den beiden vorigen Versionen zu kennen. Beziehungsweise nur noch das Grundgerüst: Wir folgen einer Schwesternschaft an einem College, die über Weihnachten eine Party feiern wollen, und währenddessen dahingemordet werden. Wesentlich mehr Grundkern steckte glaube ich im Original nicht unbedingt. Daraus lässt sich natürlich viel Eigenes machen, was eventuell auch der Grund der doppelten Remakes ist.

Im Falle des 2019er-Filmes wir die Geschichte beispielsweise durch eine Linse des Feminismus betrachtet. Was durchaus ein interessanter Ansatz ist, finde ich, wenn man bedenkt das die Handlung wie gesagt daraus besteht, dass ausschließlich Frauen von einem Kerl ermordet werden. Ein Mädel der Schwesternschaft beispielsweise hat eine Petition gegen einen Professor am Laufen, weil dessen Literatur wie gewohnt nur weiße Männer beinhaltet. Der entsprechend schnell damit an der Hand ist, das nur von diesen Literatur über die Themen vorhanden sei, und sich sogar als Schutzschild die Abhandlung einer weiblichen Wissenschaftlerin heranholt, die mit ihm übereinstimmt. Währenddessen hat unser Hauptcharakter damit zu kämpfen, dass einer der hochangesehenen Studenten einer Bruderschaft sich auf einer Feier an ihr vergriffen hatte und ihr nicht geglaubt wurde. Nachdem die Schwesternschaft eine kleine Showeinlage kurz vor Weihnachten gibt, in dem sie mit einem frechen Lied über jenes Problem aufmerksam machen, dass es in Colleges viel zu Übergriffen kommt, die unter den Teppich gekehrt werden, bekommen sie plötzlich private Messages aufs Handy. Sie sind in Ungnade der Bruderschaften gerutscht und sollen sich vorsehen. Das ganze sogar mit einer Büste des Gründers des Colleges als Profilbild. Rechte Fuckboys lieben es ja, ihre Accounts mit Ölgemälden oder Statuen von Dichtern und Denkern zu versehen.

Der Film macht also aus dem Grundstock einen Text von Frauen, die den Mund aufmachen, und privilegierten Männern, die sie dafür als Freiwild brandmarken und zum Schweigen bringen wollen… permanent. Interessant fand ich dabei übrigens, dass dieses Remake dem Slasher eine übernatürliche Komponente hinzuführt, die es so im Original nicht gab. Die Bruderschaft ist durch ein Ritual teils vom Geiste des Gründervaters besessen. Das mag zunächst etwas merkwürdig wirken, ich habe es allerdings als Parabel interpretiert. Darüber, wie die Ideologie und Rhetorik der Mannosphäre sich korrumpierend ausbreitet und einfach Kerle indoktrinieren kann, besonders in ihren schwachen Momenten. Ja der Film hat sogar einen Nice Guy zu bieten, der total freundlich ist, weil er was von einer der Mädels will, am Ende aber auch vom Fluch besessen wird. Selbst ein Token Shield gibt es, eine der Frauen arbeitet mit der Bruderschaft zusammen, in der Hoffnung, dass sie dann verschont wird, weil sie ein gutes Mädchen war.

Ein nettes Detail ist übrigens ein Pop Quiz mitten im Film. Bevor die Scheiße am Brennen ist wird eine der Studentinnen gefragt was ihre Lieblingstiere sind. Und eines davon ist die Ameise. Eine merkwürdige Wahl. Aber sie sagt, sie mag jene, weil sie als eine Einheit zusammenarbeiten und als solche fast unbesiegbar sind. Erneut eine Parabel dazu, dass gegen das Patriarchat vorzugehen wenn dann nur wirken kann, in dem man sich vereinigt und gemeinsam für Veränderung kämpft. Und wenn dann tatsächlich alle Schwestern im Finale zusammenkommen, um der Bruderschaft ordentlich eines überzuknüppeln, dann ist das schon eine kleine Gaudi mit anzusehen.

Ach ja, und über den Spielverlauf hinweg fielen mit dann doch einige Szenen auf, die Hommage an das Original bilden und entweder fast gleich oder neu interpretiert auftauchen. Es stellt sich also nicht komplett die Frage warum dies hier Black Christmas heißt, während es so gut wie nix mit der ursprünglichen Version zu tun hätte.

Von daher: Voll unterhalten vom aktuell neuesten Black Christmas und den Themen, die es in das relativ einfache Slasher-Gerüst steckt, um es im dritten Anlauf immer noch interessant zu halten.

Lake Placid: Part Deux

ava-2731Drei Lake Placids sind wahrscheinlich bereits zwei mehr, als die meisten überhaupt ob dessen Existenz gewahr waren. Aber damit waren wir tatsächlich erst halb durch die Franchise. Es gibt wirklich noch drei weitere Filme. Die sind also ab dem zweiten Teil im Rhythmus von je 2-3 Jahren herausgekommen, bis gerade mal 2018 vorerst Schluss war.

Wie das bei Horror-Franchises so der Fall ist, werden die gern mal früher ins Finale getragen, als das wirklich real ist. Und so nennt sich der nächste Eintrag bereits Lake Placid 4: Final Chapter, manchmal auch ohne die Nummer, obwohl darauf noch zwei weitere Filme folgen sollten.

Diesmal hat sich was getan am See. Oder an den Seen. Ist das der erste Film, der benennt, dass es gleich zwei davon gibt und die Namen haben? Clear Lake und Black Lake sind das und die Krokodile sind wohl nur im Black Lake, weswegen dort nun ein Elektrozaun drum aufgestellt ist. Um Killer-Kroks drin und Zivilisten draußen zu halten. Was natürlich eines Tages schief läuft und durch eine Verkettung unwahrscheinlicher Zufälle ein ganzer Bus des Schwimm-Teams versehentlich am Strand vom Black Lake landet, denkend sie sind am ungefährlichen Clear Lake. Darunter auch die Tochter des mal wieder neuen Sheriffs. Welche Unterstützung von Reba bekommt, die das Ende des vorigen Filmes unverhofft doch überstand und nun nicht mehr wildert, sondern dem Tierschutz beigetreten ist. Der Wilderer, welcher die Dino äh Kroko-Eier verkaufen will, wird stattdessen von Robert Englund verkörpert.

Bereits mehrmals erwähnt hatte ich ja, dass es die größte Schwäche der Filme ist, dass es ein wenig schwer ist, 90 Minuten mit der Prämisse von Killerkrokodilen in einem See zu füllen. Da fügt der hiesige Film allerdings auch nicht mehr Komplikationen ein, sondern präsentiert stattdessen schlichtweg mehr Charaktere. Zugutehalten darf man ihm definitiv, dass jene ziemlich sympathisch sind, zumindest die meisten. Reba und die neue Sheriff haben beispielsweise eine gute Chemie und auch die Kids im Schwimm-Team sind zum Großteil erträglich und arbeiten teils gut zusammen. Zumindest wenn es wirklich hart auf hart kommt, davor streiten sie sich gern mal, was die beste Fluchtmöglichkeit ist. Jede Menge Extras ohne großes Zeremoniell aus dem Nichts von einem pixeligen CG-Krokodil gekillt zu sehen, wird jedenfalls nie wirklich alt und davon bietet The Final Chapter ziemlich viel. Wie alle Sequels vielleicht immer noch nicht per se ein guter Film, aber definitiv eines der besseren und spaßigeren.

Anacando ist ein weiteres Creature Feature aus der zweiten Hälfte der 90er, welches sich SyFy einkaufte, um in den 2000ern dann eine Reihe Low-Budget-Sequels auf die TV-Bildschirme zu werfen. Am Ende sollte die Franchise ganze vier Filme bieten, bevor mit dem fünften Anaconda-Film auch ein fünfter Lake Placid herauskam. Wir haben es nämlich hier mit einem Crossover zu tun, Lake Placid vs Anaconda.

Robert Englunds Charakter ist zurück und hat diesmal Wissenschaftler mitgebracht, die scheinbar zu einer Organisation aus den Anaconda-Filmen gehören. Sie wollen die Riesenkrokodile mit den Riesenanakondas kreuzen, um das ultimative Serum zu entwickeln. Das geht natürlich schief und plötzlich machen sich beide Spezies in den Wäldern um den Clear Lake breit. Gerade als eine Gruppe an College-Mädels dort zum traditionellen Hazing unterkommt. Und joa, geht halt die gewohnten Wege.

Leider. Es ist etwas arg schade, wie wenig der Film aus der Crossover-Prämisse macht. Die erste Stunde über bringen zum Großteil wieder die schlechten CG-Krokodile Leute um, die schlechten CG-Anakondas sieht man kaum. Und miteinander interagieren tun beide erst ganz am Ende im Finale. Wäre cool gewesen mehr territoriale Kämpfe von Schlange versus Krok zu sehen. Oder das eine Kreuzung der Spezies die Gegend unsicher zu macht, wie es am Ende des Filmes leider erst geteased wird. Stattdessen haben wir nervige College-Weiber, die durch die Gegend zicken, bis sie von was gefressen werden. Glücklicherweise ist zumindest der Charakter von Reba (zum letzten Mal) zurück und weiterhin von Yancy Buttler verkörpert, welche dem Charakter viel Leben gibt. Sie ist wirklich mit die Beste im Cast vom dritten bis fünften Film. Im finalen wird sie allerdings nicht mehr dabei sein.

Denn Lake Placid: Legacy spielt an einem ganz anderen Ort und ist nur leidlich mit den anderen Filmen verbunden. Hier haben wir es mit einer Gruppe von Öko-Terroristen zu tun, wenn man die denn so nennen will. Deren glorreiche Aktion zu Beginn des Filmes ist allerdings lediglich ein Plakat von einer Firmenzentrale zu hissen, wonach sie davon ausgehen, dass alle deren Umweltverbrechen aufgedeckt sind. Wirkliche Beweise scheinen sie zumindest nie an die Presse oder so gespielt zu haben, sondern nur „Nestle vergiftet Wasser“ von deren Firmenzentrale wehen lassen. Ist aber auch nicht so wichtig, denn der eigentliche Film beginnt dann, wenn die Gruppe Aktivisten von einem alten Freund eine Videobotschaft bekommt, dass auf einer Insel in einem See eine alte Forschungseinrichtung steht, in der unethische Experimente stattgefunden haben. Als sie dort ankommen, müssen sie feststellen, dass die riesigen Killerkrokodile von hier stammen und teils auch noch welche umgehen.

Die Lake Placids werden gerne als Horrorfilme bezeichnet. Weil halt theoretisch Leute von Monstern bzw. monströsen Tieren gefressen werden. Gern mit der Erweiterung Horror-Komödie, um zu zeigen, dass sie sich nicht so super ernst nehmen, auch wenn einige Sequels jene eher als „kein Budget = funny“ haben. Legacy ist dahingehend interessant, dass es der erste Film ist, der wirklich cineastisch komplett wie ein Horrorfilm gefilmt wurde. Schon als die Gruppe auf der Insel ankommen, finden sie ein Camp voller Menschenüberresten im Dschungel liegen, und sobald es in den Forschungskomplex geht, gibt es nur noch dunkle und neblige Gänge und klaustrophobische Räume. Hilft natürlich auch dem immer noch eher mäßigen CG-Krokodil aus, wenn es nur sparsam eingesetzt wird und hauptsächlich durch Nebel und Dunkelheit verborgen oder nur halb sichtbar bleibt.

Und ich muss sagen, ich fand das wirklich ganz gut. Nach fünf Filmen, von denen gerade die vier Sequels ziemlich identisch und billig waren, bin ich schon alleine froh darüber, mal ein anderes Setting und neue Herangehensweise an die Materie geliefert zu bekommen. Aber der Film schaut halt auch einfach besser aus als gewohnt. Wie gesagt theoretisch ist er immer noch Low Budget und man sieht das auch noch. Aber hier scheint dennoch jemand mit ein wenig Ambition dahintergestanden zu haben, der das Beste rausholen wollte. Das Stage Setting und die Kamera-Arbeit sind einfach qualitativ viel höher, nutzen die gegebenen Schauplätze viel besser. Dadurch wirkt Legacy hochwertiger.

Lake Placid: Part Un

ava-2729Ende der 90er war Hollywood wohl damit beschäftigt den Monsterfilm wieder populär zu machen. Wir hatten den amerikanischen Godzilla, wir hatten die Jurassic Park Sequels, wir hatten Anaconda, wir hatten Deep Blue Sea, und wir hatten Lake Placid. Als Teenager in der frühen Internetzeit, in der man noch von anderen Seiten strickter kurierte Beschallung hatte, habe ich sogar vier dieser Franchises gesehen.

Lake Placid allerdings nie, weil mir Killer-Krokodile dann doch zu doof waren . Wobei ich mittlerweile weiß, das der Film ein gewisses Cult Following hat. Zudem hat eine kurze Wiki-Recherche ergeben, dass es nicht bei dem einen Film geblieben ist. Mittlerweile gibt es ganze sechs Lake Placids. Sollte mich jedoch nicht sonderlich überraschen, denn Horror-, Monster- und auch Kinderfilme sind mit die drei populärsten Genre, um sie via Direct-to-DVD/TV Sequels auszuschlachten.

Also den ersten Lake Placid mal reingeschoben – bildlich gesprochen, heutzutage schiebt man ja nix physisches mehr in was anderes physisches rein, sondern klickt schlichtweg auf Play.

Der Sheriff einer kleinen Stadt im ländlichen Bundesstaat Maine wird aus der üblichen Reverie geschmissen, als ihm vorgetragen wird, ein Tier im See habe jemanden brutal getötet. Eine Leiche gibt es dazu auch. Vielleicht war es ja nur ein Bär? Das meint die eingeflogene Spezialistin eines New Yorker Museums nach Sichten der Lage nicht. Schnell ist klar, dass es sich um ein gigantisches Krokodil handelt. Und um die Lage noch zu verkomplizieren hängen dem Sheriff nicht nur die zickige New Yorkerin, sondern auch noch ein exzentrischer Millionär, der mit Krokodilen schwimmen will, am Hals.

Der erste Lake Placid ist ein ganz schaubarer Film. Mit knapp 80 Minuten ist er eventuell etwas lang, für das, was geschieht. Sonderlich komplizier wird es nie. Schnell ist klar ein Krokodil ist im See, und dann geht es nur noch um die verschiedenen Pläne, wie man es da raus bekommt, ein paar Attacken, und ob es das Risiko wert ist, es lebendig zu fangen. Ganz so häufig sieht man das Krokodil zunächst noch nicht mal, erst später bekommt es was mehr an Screentime. Ich habe mich nicht direkt gelangweilt, aber das Vorangehen ist schon etwas arg gemächlich und hätte angezogen werden können.

Etwas über Wasser halten bestimmt die Charaktere. Die finden einen guten Mittelweg dazwischen, sich etwas gegenseitig für Konflikt anzugehen, dabei aber nie zu anstrengend antagonistisch zu sein, und letztendlich eben doch zusammenarbeiten zu können. Zudem hat der Film einen gewissen subtilen Humor zu bieten. Jedermanns Highlight ist wahrscheinlich sowieso die niedliche Omi, die flucht wie ein Seemann, verkörpert von Bettie White. Allgemein sind viele Leute, die an Lake Placid teilgenommen haben, eher aus der TV-Landschaft bekannt, was eventuell erklärt, warum der Film narrativ und filmisch etwas bieder aussieht und strukturiert ist. Aber schlecht war er nicht, sondern halt so ein wenig Medium.

In den 2000ern hat der SyFy-Channel so einige Quotenerfolge mit reißerischen Monsterfilmen gehabt, und deswegen kauften die sich scheinbar auch ein paar der Namen der weniger erfolgreichen Kinofilme der späten 90er ein. Wie Anaconda und Lake Placid.

Das 2007er Lake Placid 2 ist dann auch erst Mal so ganz typische der billige TV-Follow-Up zu einem bekannteren Film. In dem er nämlich so ziemlich die Story Beats und Charaktere einfach erneut benutzt. Nur hat der neue Sheriff auch noch einen Sohn, der aus Boston hier Urlaub macht, und somit mit ein paar anderen Teens am See baden gehen kann. Um eben die 90 Minuten mit etwas mehr Charakteren und Szenen auffüllen zu können, auch wenn viele davon nerviger sind als ihre Pendants im Vorgänger. Immerhin gibt es auch eine Menge mehr Krokodil-Attacken zu sehen. Die gewohnt für diese Produktion extrem Low Budget aber doch irgendwo ganz witzig sind. Merkwürdig auch, dass sich viele Szenen so anhören, als wären die Charaktere nachträglich ziemlich schlecht im Studio neu übersynchronisiert worden. War das Sound-Equip am Set so mies, dass die Originalspur zu schlecht zu hören war?

Ansonsten bleibt zu Lake Placid 2 eben nicht viel zu sagen. Ein wenig mehr Action ist drin, aber ansonsten ist es maßgeblich eine billigere und unstrukturiertere Retour des ersten Filmes.

Und schon sind wir bei Lake Placid 3 aus dem Jahr 2010 angekommen. Erneut machen die Bickermans Probleme am See. Nach zwei alten Schachteln in den vorigen Filmen, die wild geflucht haben, und dafür verantwortlich waren, dass die Krokodile großgefüttert wurden, ist nun ein Neffe mit seiner Familie in das Haus am See gezogen. Und dessen Junge ist derjenige, der die Kroks wie Haustiere hochzüchtet. Bis die dann gewohnt anfangen auf Menschenjagd zu gehen.

So ganz aus dem üblichen Vorgehen kann sich die Franchise also nicht entwenden. Es muss scheinbar immer jemand die Viecher füttern und dann später merken, dass das vielleicht keine so tolle Idee war. Wobei die beiden alten Damen das nie bereuten, der hiesigen Junge wird das aber schon, weil die Krokodile nämlich auch seine Familie angehen werden. Ansonsten geht Lake Placid 3 jedoch immerhin wenigstens nicht die gleiche Handlung erneut ab, kopiert nicht zum dritten Mal genau die gleiche Blaupause. Ein See voller Riesenkrokodile und ein Sheriff, der die Lage in den Griff bringen muss, sind freilich kaum zu umgehen.

Qualitativ möchte ich sagen ist der Film vom Budget genauso schlecht wie der Vorgänger, die schauspielerische Leistung ist besser, und die Krokodilattacken sind gewohnt hoch. So ein wenig darüber hinwegtäuschen, dass die Prämisse „große Krokodile fressen Seeschwimmer“ eventuell etwas wenig für 90 Minuten ist, ist als beständiges Problem der Franchise immer etwas mitschwingend. Was den Film aber für mich ruiniert, ist dass ein nervtötendes Kind eine zentrale Rolle in ihm hat. Leider bekommen wir auch nicht die Genugtuung, dass er von seinen eigenen Krokodilen gefressen wird. Allgemein scheint der Film auch einfach wesentlich weniger Spaß mit sich zu haben als seine zwei Vorgänger, mag den ganzen Mist hier zu ernst zu nehmen.

Rings (2017) & The Grudge (2020)

ava-2724Sowohl was die Ring als auch die Ju-on Franchise angeht, sind die eine gewisse Konstante hier im Blog. Zu ersteren haben wir 4 Bücher, 9 Kinofilme und dieses Jahr auch einige TV-Produktionen und das Dreamcast-Spiel besprochen. Auch von Ju-on gab es bereist 11 Filme und das Wii-Spiel zu lesen. Nicht zu vergessen natürlich das Crossover Sadako vs Kayako.

Mittlerweile haben sich die Mühlen weitergedreht und selbstverständlich gibt es somit weitere Filme. Heute nehmen wir uns dabei jeweils den aktuellsten amerikanischen Produktionen an. Rings (2017), deren dritten Film in jener Franchise, und The Grudge (2020), dem vierten amerikanischen Film in der dortigen Reihe.

Rings startet mit einer irrelevanten Szene in einem Flugzeug, in dem Samara auftaucht, um sich eines ihrer Opfer zu holen, welches das Videotape nicht kopiert hat. Erst dann geht es zwei Jahre später mit dem eigentlichen Film los. Julia und Holt sind ein Paar, allerdings ist Holt auf dem Weg ins College. Ein paar Wochen später bricht der Skype-Kontakt der beiden ab und nachdem eine fremde Frau, Skye, plötzlich Julia kontaktiert, um an Holt zu kommen, beschließt Julia ins College zu fahren und nach ihm zu suchen.

Dort trifft sie auf Skye und Holts Professor Gabriel. Skye wird in Julias Anwesenheit von Samara umgebracht und plötzlich taucht Holt wieder auf. Julia erfährt, dass Gabiel das Videotape gefunden und studiert hat. Nun hat er eine Gruppe Studenten um sich gesammelt, die Partys schmeißen, das Video anschauen, und dann rechtzeitig jemand anderem eine Kopie zeigen, um Samaras Fluch weiterzubringen. Skyes Kontaktperson tauchte schlichtweg nicht rechtzeitig auf. Auch Julia sieht den verfluchten Film, kann die Datei aber nicht kopieren. Denn in ihr sind plötzlich neue Informationen enthalten.

rings2017

Rings ist einer jener Filme, die im Prinzip einfach die ursprüngliche Geschichte mit leichten Veränderungen neu erzählen. Sobald das ganze Setup im College rum ist, welches erklärt, wie das Video wieder auftauchen konnte, geht es nämlich in eine neue Investigation. Immerhin haben wir plötzlich ein neues Video im Video gefunden und Julia und Holt müssen erneut die Vergangenheit von Samara investigieren gehen, um dort Neues zu entdecken. Mit einem neuen Charakter, dem Unrecht getan wurde, und einem neuen Fluch. Familiär an Samara anschließend.

Ich fand den Film jedenfalls insgesamt gut. Das Tape via Digitalisierung in eine neue Ära zu bringen war eine gute Idee. Eine, welche die Sadako 3D Filme bereits hatten. Allerdings ist Rings wesentlich besser als jene. Stringenter und logischer. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sie aus der Modernisierung am Ende nicht viel machen, sondern auf die letzte Stunde hin eine neue Recherche-Aktion in den erweiterten Fluch einbinden. Aber ein neues Mysterium aufzudecken ist nicht langweilig gewesen. Die Revelation am Ende, wer wirklich hinter den neuen Bildern steckt, vielleicht etwas konstruiert, aber damit kann ich leben.

Lediglich etwas schade ist die Tatsache, dass das Schauspiel ziemlich uninteressiert wirkt. Als würden die Charaktere durch den Film schlafwandeln, selten richtig Emotion zeigen, sondern immer etwas neben sich stehend wirkend. Das ist allerdings eine Gemeinsamkeit zwischen allen Rollen, von daher liegt das wahrscheinlich an der Regie, welche das so dargestellt haben wollte.

The Grudge started in 2004 in Tokyo. Eine Frau kommt aus dem verfluchten Haus, in dem Kayako spukt, und bricht ihren Japan-Aufenthalt sofort ab, um zurück nach Amerika zu ihrer Familie zu kommen.

Zwei Jahre später folgen wir Detective Muldoon, die gerade wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt, nachdem vor einigen Monaten ihr Mann an Krebs gestorben ist und sie mit ihrem Sohn zurückließ. Sie und ihr Partner finden ein vor einiger Zeit von der Straße abgekommenes Auto in den Wäldern, in dem eine verweste Leiche sitzt. Alles führt zurück zum Haus in Reyburn Drive 44, doch ihr Partner rät Muldoon davon ab, dort hinzufahren, denn angeblich ist das Haus verflucht. Muldoon macht es natürlich dennoch.

grudge2020

Die Ju-on-Filme werden gern in Vignetten erzählt. Ein Charakter betritt das verfluchte Haus, wird irgendwann von den Geistern dahingemeuchelt, und wir wechseln zu einem neuen Charakter, welcher das Haus betritt. Auch 2020s The Grudge nimmt sich daran Inspiration, verbindet die Teile allerdings stärker miteinander.

Denn im Prinzip haben wir drei Zeitebenen. 2004, als die Frau aus Tokyo flieht und zu ihrer Familie im Reyburn Drive 44 zurückkehrt. In 2005 ist das Haus bereits an eine neues, älteres Pärchen vermietet. Und nun in 2006 versucht Muldoon aufzudecken, was alles im Haus geschehen ist, und wie sie selbst den Fluch wieder loswerden kann. Der Link zu Kayako ist dabei ziemlich schwach. Lediglich die Beginnszene in Tokyo zeigt uns, wie der Fluch ursprünglich in das neue Haus übersiedeln konnte. Aber eigentlich könnte das auch ein eigenständiger Horrorfilm sein. Wir werden Kayako und ihren Sohn nie sehen und auch das ikonische Todesrasseln geschieht nicht.

Allgemein wirkte der Film fast auf mich, als hätte das Studio ein Script rumliegen gehabt, welches schnell als Grudge-Film umgeschrieben in die Verfilmung gegeben wurde. Sowas geschieht durchaus häufiger, in der Hellraiser-Franchise ist diese Vorgehen beispielsweise gang und gäbe. Kurios daran ist, dass es sich so jedoch anfühlt, als wäre das Script ursprünglich nicht mal für einen Horrorfilm gewesen. Der ganze Film ist in jenem sehr zurückhaltenden und melancholischen Ton gehalten. Alle Charaktere handeln sehr vom Leben gezeichnet. Haben mit dem Verlust von Geliebten zu kämpfen. Fast so, als versuchte der Film ein Crime Drama und Charakterstudio zu sein. Nur damit dann immer mal wieder plötzlich ein lauter Jump Scare geschieht und einen daran erinnert das dies hier doch ein Horrorfilm ist.

Im Endeffekt kommt dann nichts so richtig dabei rum. Ein Horrorfilm, der langsam ist und mehr introspektiv auf die Charaktere eingeht, kann funktionieren. Aber zum einen beißt sich das hier mit den lauten Haudrauf-Scares. Und zum anderen schert sich der Film doch nie tiefgehend darum, den Charakteren eine Resolution zu geben – lediglich dem Fluch.

Rings (2017) ist also sehenswert und passt sich in die Franchise ein, The Grude (2020) in beiden Aspekten schon weniger.

Ring on TV

ava-2719Das Ring-Phänomen kursierte im Westen hauptsächlich Anfang der 2000er-Jahre, als die japanische Buch- sowie Film-Trilogie rüber schwappte und die amerikanischen Remakes starteten. In Japan war die Welle zu der Zeit allerdings schon so ziemlich rum. Die Bücher sowie Kino-Trilogie und auch Nebenzeug wie die Mangas waren alle zwischen 1991 und 2000 dort bereits erschienen. Und wo wir gerade bei Nebenzeug sind, gab es dort in den 90ern durchaus noch mehr, was es nicht offiziell in den Westen schaffte.

TV-Produktionen beispielsweise. Sogar gleich drei davon. Gegen Ende des Hypes in 1999 erschienen beispielsweise gleich zwei TV-Serien, die sich der Nacherzählung der Bücher Ring und Rasen (a.k.a Spiral) annahmen… auf Loop hatte dann wohl keiner mehr Bock. Schon im Jahre 1995 jedoch lief Ring über die Bildschirme der Nation. Als TV-Film und damit erste von vielen Verfilmungen der Originalgeschichte.

Als solch frühe Verfilmung ist es auch jene, die dem Buch über ziemlich Originalgetreu ist. Was bedeutet, dass es dessen Stärken und Schwächen gegenüber der bekannteren 1998er-Verfilmung hat. Ich bin ja der Meinung, dass jene spätere Verfilmung dem Grundstoff einen Gefallen tut, weil sie die Geschichte simplifiziert und einiges an unnötigem Schock-Value-Zeug, welches ein wenig dämlich ist, herauslässt. Sadakos Kindheitsgeschichte ist tragisch genug, ohne hinzufügen zu müssen, dass sie ein Hermaphrodit war und eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Vater hatte. Außerdem ist die Dynamik der geänderten Hauptcharaktere interessanter, als alleinerziehende Mutter und deren Ex-Mann.

Im hiesigen Film, ganz wie im Buch, ist Sadakos Geschichte komplett intakt und rein exploitativ gehalten. Und unsere beiden Hauptcharaktere sind ein männlicher Reporter und dessen befreundeter Professor. Nur das die beiden ganz wie im Buch wenig Chemie miteinander haben, gerade Takayama ist ziemlich emotionslos und kühl. Immerhin hat man es herausgelassen, dass er nebenbei mal kurz erwähnt, er sei ein Vergewaltiger, als wäre das ein Hobby oder so. Asakawa ist durchaus ein netter Kerl, immerhin versucht er später seine schwangere Frau zu retten, kommt jedoch einfach etwas langweilig als Charakter rüber.

ring1995

Als Stärke ist der Version allerdings definitiv zu Gute zu halten, dass die Detektivarbeit nicht zu kurz kommt. Die 1998er-Version und allen danach, weil sie sich so stark an jene halten, sind die Investigation der beiden Charaktere häufig etwas arg kurz geraten. Hier nimmt sie wie im Buch allerdings einen wesentlich höheren Stellenwert ein. Die 1995er-Version hat wesentlich mehr Aspekte eines Krimis, nur das der Täter im Übernatürlichen zu suchen ist, während die späteren Versionen den Mystery- und Horror-Aspekt des Materials in den Vordergrund rücken.

Die Tatsache, dass Ring 1995 auch die etwas trashigen Aspekte des Buches mit adaptiert, passt allerdings ganz gut in dessen Look rein. Immerhin ist das hier weiterhin eine TV-Produktion. Mit entsprechend niedrigem Budget, rudimentären Kameraführung und etwas übertriebenem Schauspiel. Dadurch hat die ganze Produktion etwas von einem Crime Serial der Zeit. Die Kanzenban-Version unterstreicht jene Trash-Mystery-Vibes etwas zusätzlich dadurch, dass sie in einigen Szenen relativ plakativ nackte Titten einstreut, die in der Fernsehausstrahlung natürlich nicht waren.

Damit ist Ring: Kanzenban definitiv eine interessante Kuriosität in den Ring-Verfilmungen. Eben weil sie die einzige ist, die dem Buch so getreu ist. Und weil sie den billigen TV-Look auffährt. Das hat einen gewissen Charm an sich. Man fühlt sich, als säße man wieder als Kind nachts vorm CRT-Fernseher und hätte beim Zappen einen trashigen Horrorfilm entdeckt. Ich finde es gut, dass spätere Verfilmungen dem Material etwas mehr Klasse zu geben versuchen, aber die hiesig präsentierte Variante ist zumindest ein interessanter Kontrast dazu.

Die 1999er TV-Serie Ring: The Final Chapter, welches wirklich die letzte japanische Interpretation des ersten Buches sein sollte, änderte dafür umso mehr. Muss sie ja auch irgendwo, denn es gilt 12 Folgen von 45 Minuten zu füllen.

Beispielsweise hat man hier, nachdem das Video gesehen wurde, ganze 13 Tage, bevor man stirbt. Häufig behandelt also je eine Folge auch einen Tag Investigation. Welche nun von vier Hauptcharakteren ausgeführt wird. Asakawa ist dabei ein Mann wie im Buch, scheinbar mochte man aber den Punkt des alleinerziehenden Elternteils aus dem 1998er-Film, und somit ist seine Frau verstorben und er zieht sein Kind alleine groß. Eine Kollegin von ihm übernimmt einen Teil der Investigation als Reporter in das Mysterium des Videotapes und die Geschichte von Sadako. Zusätzlich gibt es eine Forscherin neu im Quartett, die hauptsächlich den medizinischen Aspekt das Fluches übernimmt – Sadakos Tuberkulose gebunden mit dem Fluch gestaltet sich als ein aggressives Virus und so finden wir bereits ein paar der pseudo-medizinischen Erklärungen aus dem zweiten Buch hier mit heraus.

ring1999

Takayama ist auch in dieser Version ein Professor, der sich mit Flüchen beschäftigt, ansonsten aber ein komplett anderer Charakter. Es wurde ein junger Schönling für ihn gecastet, der natürlich nicht einfach mal so jemanden vergewaltigt hat. Stattdessen hat er eine mental angeschlagene Schwester, um die er sich kümmert. Kommt aber dennoch ziemlich undurchsichtig rüber, weil er den ganzen Fluch nur als ein erheiterndes Spiel ansieht und wenig Empathie für andere über hat. Hauptsächlich wird er dafür genutzt, Dinge zu verkomplizieren. Zusammen mit der Tatsache, dass Asakawa anderen Infos vorenthält, unter dem Deckmantel sie nicht reinziehen zu wollen, was natürlich meist mehr Schaden anrichtet, und erneut die Untersuchungen auf mehr Folgen zieht. Überraschenderweise mochte ich Asakawa in der hiesigen Inkarnation nicht sonderlich, eben weil er ständig für andere Charaktere entscheidet und Sachen verschweigt – dazu macht der Schauspieler auch noch ständig diese merkwürdige Gesicht, bei dem er die Lippen zusammenpresst, wann immer er sich sorgt oder nachdenklich sein soll, was natürlich praktisch ständig ist.

Gern spielt die Serie zudem mit den Erwartungen der Zuschauer, die den Stoff bereits kennen – dank Buch, TV-Film und Kinofilm keine geringe Möglichkeit. Am Ende der ersten Folge sieht Asakawa beispielsweise das Video. Und zu unsrer Überraschung ist es nur eine Aufnahme von einem Musikvideo eines Popstars. Sozusagen als Doppel-Twist ist es aber dennoch das verfluchte Video, denn Sadako hat mit spiritueller Projektion die verfluchten Szenen hinter jenem versteckt.

Tatsächlich hat Ring: The Final Chapter zum Großteil den gleichen Charme wie Ring: Kanzenban. Erneut als ob als Kind oder Teenager beim Zappen durchs TV irgendwo einen mysteriöse Serie gefunden wurde, von der man noch nie gehört hat, und der man dann ein paar Wochen folgt. Sie ist auch gar nicht schlecht gemacht, nur halt eindeutig TV-Niveau. Und für Leute, die bereits so wie ich einige Versionen der Geschichte kennen, ist es natürlich interessant, die ganzen Unterschiede zu finden.

Twilight of the Dark Master & Bio Hunter

ava-2717Als Einleitung darf diesmal wieder ein Schwank aus meiner Jugend herhalten. Damals zu goldenen Zeiten von Anime in Deutschland, als der Boom in der ersten Dekade der 2000er so richtig durchstartete, tauchten so einige Firmen auf den Anime-DVD-Markt auf. An eine kleine davon erinnere ich mich unerfindlicherweise immer mal wieder, allerdings nur durch deren publizierten Werke, nicht mehr deren Namen.

Warum das so war liegt glaube ich daran, dass selbst damals schon deren Line-up unglaublich altbacken erschien. Soweit ich weiß brachten die nur eine Hand voll 90er-Jahre Horror OVAs raus und das wars. Produziert von Studio Madhouse, also schon einem hoch-profilierten Studio, aber dennoch irgendwo ziemlich B- und C-Riege an Anime, die keiner so richtig kennt. Die man eben in den 90ern irgendwo unter all den anderen hartgesottenen OVAs wie Baoh oder MD Geist und Co. gefunden hätte, zu denen Mitte 2000 aber das Publikum so nicht mehr großflächig da war. Hatte immer ein wenig den Eindruck, dass da jemand ein super billig zu habendes Anime-Packet eingekauft hatte.

Aha! Ich habe mal kurz nachgeschaut. VLC Communications hieß die Firma. Und die haben auch Vampire Hunter D: Bloodlust herausgebracht. Wohl deren einzig großes Release. Ich wäre tatsächlich nicht überrascht, wenn die anderen Anime schlicht im Kauf-Packet mit drin waren. Das gibt es manchmal, dass ein Studio eine begehrte Lizenz nur ins Ausland abgibt, wenn es im Packet mit weniger Hitverdächtigem Material erstanden wird. Zwie habe ich jetzt mal nachgeholt, weil sie mir eben unbegründet immer mal wieder durch den Kopf schwirren: Twilight of the Dark Master und Bio Hunter.

twilightmaster

Twilight of the Dark Master spielt in einem dystopischen Tokyo der Zukunft. Shizuka hat ein romantisches Date mit ihrem Verlobten, als jener sich plötzlich in ein Monster verwandelt, sie angreift, und dann flieht. Das lässt die junge Frau nicht los, und sie sucht verzweifelt nach jemandem, der jenes Monster für sie jagt. Und findet letztendlich auch jemanden: Den andersweltlich-femininen und unterkühlten Shijo. Jener hat magische Fähigkeiten und es scheint sein Job, Dämonenverbrechen aufzudecken.

Nach einem Streifen durch das Rotlichtbezirk der Stadt findet jener allerdings heraus, dass dahinter eine große Pharmafirma steckt, die Drogen herstellt, welche zur Mosnterverwandlung führen. Und noch weiter dahinter steckt ein alter Dämon, der mit Shijo noch ein Wörtchen zu reden hat.

Die OVA ist gerade mal 45 Minuten lang und basiert auf einem einbändigen Manga. Ich hätte wirklich gedacht, dass der Manga wesentlich länger ist. Denn der Film schreit geradezu danach, dass hier eine komplexe Welt voller Plotlines in total kurzer Zeit abgerissen ist. Es ist erstaunlich schwer zu folgen, warum was gerade geschieht. Einfach, weil alles so schnell geht und Charaktere und Szenen die Hälfte der Zeit über aus dem Nichts zu kommen scheinen. Eine Cyberpunk-Zukunft, die nie erklärt wird. Drogen, die Leute in Monster verwandeln. Altertümliche Magier und Schutzgottheiten. Eine Legende über eine gespaltene Gottheit. Irgendwo dazwischen noch das menschliche Drama von Shizuka. Es ist ein wenig viel.

Aber was sieht das Ding gut aus. Twilight of the Dark Master ist 90er-Jahre Madhouse in ihren feinsten Zügen. Alles ist super durchanimiert. Und die Optik und Atmosphäre sind bestechend. Von den gigantischen nächtlichen Stadtlandschaften. Hin zu in Nebel und Reklamelichtern gehaltenen Szenerien. Stylische Antagonisten in traditioneller chinesischer Kleidung. Der gender-nonconforming Shijo mit seiner blassen Optik im tiefschwarzen Mantel. Wenn der Film als irgendwas funktioniert, dann als stylisches Moodpiece, dem man gern zusieht, auch nachdem abgeschaltet wurde, warum narrativ irgendwas geschieht.

biohunter

Auch in der Welt von Bio Hunter verwandeln sich Leute plötzlich in Monster, allerdings liegt es hier an einem mysteriösen Virus. Komada und Koshigaya sind zwei Biologen an der Universität, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, jene Monster zu jagen. Da Komada selbst infiziert ist, kann er sich nämlich in eines verwandeln, um die Seiten im Kampf auszugleichen. Eines Nachts treffen sie auf eine Hilfe-suchende Frau, die in die aktuelle Mordserie, welche die beiden investigieren, verwickelt zu sein scheint.

Auch das 60-minütige Bio Hunter basiert auf einem einbändigen Manga. Und wirkt erneut so, als wäre das Ursprungsmaterial wesentlich länger. Die OVA kommt ein bisschen wie der Pilotfilm zu einer Serie daher. Sozusagen der erste Fall unserer beiden Bio Hunter, bevor es dann in die Monster des Tages Episoden geht. Denn der Film endet nach einem Kampf gegen den aktuellen Hauptgegner etwas abrupt einfach. Bis dahin wirkt er außerdem erneut etwas gehetzt darin, möglichst viel Material unterzubringen. Der Handlung ist wesentlich einfacher zu folgen als Twilight of the Dark Master, aber die Szenen rauschen doch etwas plötzlich ineinander. Wobei überraschend viel Platz für trockene Exposition eingeräumt wird, bevor es dann wieder in ein ziemlich blutiges Monsterspektakel geht.

Während die Animationen erneut gewohnt gut sind, greift Bio Hunter allerdings auf eine eher bodenständige Optik zurück. Die Welt ist die unsere (nur mit einer Monsterepidemie) und auch das Charakterdesign ist realistisch gehalten. Dadurch wird der generische Splatterfilm dann aber eben nichtmal visuell über seine Maßen gehoben. Er bleibt ziemlich meh.

Welcome to Raccoon City

ava-2715Fünf Jahre ist es her, dass die Resident Evil Filmreihe von Paul W. S. Anderson und mit Milla Jovovich zu Ende gegangen ist. Nicht gemocht und dennoch ziemlich gut Kohle gemacht, war es natürlich klar, dass Constantin Film weitermachen würde. Und so ist letztes Jahr mit Welcome to Raccoon City ein Reboot erschienen.

Ein Film, der sich wesentlich stärker an die Spiele hält. In Interviews wurde das Möglichste getan, um zu beteuern, dass man sich von den verhassten vorigen Filmen abkapselt. Das man die Reihe hier ernst nehmen wird. Man mache endlich einen Film für die richtigen Fans war das Motto.

Nur das man die Hardcore-Fans schon alleine durch die Charaktere alle direkt wieder gegen sich bringt. Welcome to Raccoon City verbindet die Geschehnisse der ersten beiden Teile in einen Film. Während das STARS-Team also die Spencer Mansion durchsucht, verteidigen der Rest der Raccoon Police ihr Department davor, von Zombies überrannt zu werden. Mit zum Großteil den dazugehörigen Charakteren… oder zumindest deren Namen. Denn sowohl deren Aussehen als auch deren Verhalten läuft nicht mit den aus den Spielen bekannten Charakteren überein. Leon ist nun beispielsweise der trottelige Frischling, über den sich alle lustig machen, statt der beherzte Rookie, der an seinem ersten Arbeitstag bereits heroisch sein muss. Wesker sieht aus wie ein junger Barrie und übernimmt im Prinzip auch eine ähnliche Rolle, denn er ist nicht mehr der Bösewicht der Handlung, sondern wird von einer mysteriösen Organisation dazu benutzt, seine Kammeraden zu verraten, um Beweise zu sammeln, die Umbrella auffliegen lassen. Die monströse Lisa taucht kurz auf, um Claire im RPD zu helfen, weil die beiden sich als Kinder angefreundet hatten. Denn Claire und Chris waren Waisenkinder in Raccoon City und William Burken, der wahre Schurke des Filmes, hat dort unethische Experimente ausgeführt.

Es ist alles schon irgendwie etwas merkwürdig. Wenn die Charaktere andere Namen hätten, wüsste man nicht, wer aus den Spielen sie sein sollten. Aber darf ich mal ganz ehrlich sein? Das hat mich noch nicht mal extrem gestört. Ich bin grundsätzlich Ok damit, eine Alternate Reality Version der Ereignisse zu erzählen, in denen stark zusammengeraffte Versionen der ersten beiden Spieleplots, die ja eh nicht so ausschweifend sind, nacherzählt werden und dabei die Charaktere nur im Namen gleich sind.

Mein Problem ist viel mehr, dass der Film, im Wunsch die Materie ernst zu nehmen, sich selbst viel zu ernst nimmt. Resident Evil ist eine reichlich dämliche Franchise. Die Handlungen sind hirnrissig. Die Charaktere mögen gutmütig sein, handeln aber oft dämlich. Sie lassen sich zum Kontrast des Gravitas der Situation, in der sie sich befinden, zu geradezu schrägen Konversationen und Sprücheklopferei hinreißen. Die Resident Evil Spiele sind alle, als hätte man ein B-Movie Script mit Survival Horror Gameplay hinterfüttert. Und davon ist in Welcome to Raccoon City nichts mehr übrig. Die Charaktere kommen alle rüber, als wären sie miserabel drauf. Es gibt keine übertriebene Schießerei. Auf die Idee einen großen grauen Mann oder Riesenschlange einzubinden, muss man gar nicht erst kommen. Abgesehen davon ist das Budget eh nur ausreichen für: 1 x Zombiehund, 1 x Zombiekrähe, 1 x Licker und 1 x mutierter Burkin. Während des Filmes kommt einfach weder gewollt noch ungewollt Spaß auf. Weder Spaß an Dämlichkeit noch Spaß an Action.

Und das ist, was ich wirklich schade finde. Im Schnitt ist der Film nämlich durchaus kompetent. Kompetent gespielt, kompetent inszeniert, immer schnell weitergehend, damit keine Langeweile aufkommt. Aber so richtig Spaß am Schauen hatte ich halt leider auch nicht.

Ach ja, und die Easter Eggs sind schon etwas penetrant. So ein paar für Fans unterzubringen ist sicherlich ganz nett . Und als Jill das Essen von Whesker stielt und meint „Das ist jetzt ein Jill Sandwich“ war das beispielsweise ganz niedlich eine Art, jenen ikonischen Satz kontextuell neu zu verbauen. Auf sich alleine gestellt hab ich mit keinem Easter Egg ein Problem, aber die erste Hälfte des Filmes ist so vollgestopft mit ihnen, dass ich wirklich einfach nur „Is ja mal gut, ich hab’s kapiert, ihr kennt die Spiele“ gestöhnt habe.

American Horror Story: Double Feature

ava-2662Nachdem das Covid-Jahr ausgesetzt wurde (also das erste zumindest), war es Ende letzten Jahres wieder soweit für die nun nicht mehr ganz jährliche Tradition einer neuen Staffel American Horror Story. Diesmal waren sogar Sarah Paulsen und Even Peters wieder dabei, die damit in jeder der mittlerweile zehn Staffel mit der Ausnahme von 1984 mitgespielt haben.

Die Inspiration sind diesmal gute alte Lovecraftian Vibes. Wir gehen in eine New England Küstenstadt in den USA, die im Sommer ein Tourismus-Ziel ist, aber im Winter einschläft. Gerade in jenem weniger bevölkerten und leicht melancholischen Winter zieht Schreiberling Harry Gardner mit seiner kleinen Familie vorübergehend hierher. Er, um in Ruhe ein neues TV-Script zu erstellen, während seine Frau das Haus für die im Sommer zurückkehrenden Bewohner umdesignen soll. Doch die Muse will nicht treffen, zumindest nicht, bis Harry auf zwei berühmte Exzentriker seines Berufsstandes trifft, die ihm ihre geheime Pille unterjubeln. Der einzige Nebeneffekt? Hunger nach Menschen, und für jene ohne kreativen Funken ein Dasein als Ghoul.

Quatsch, in Wirklichkeit dreht sich die neue Staffel um Aliens. Als vier Freunde auf einem Camping-Auslauf verlorengehen, finden sie sich anschließend geschwängert wieder vor – einschließlich der Männer. Schnell werden sie von der Regierung aufgegriffen und in ein Geheimlabor geschafft, wo seit den 1950ern, als sich Aliens zum ersten Mal an die US-Regierung wandten, Versuche die beiden Spezies zu kreuzen vonstatten gehen.

Welche Synopsis stimmt nun? Beide. Denn American Horror Story ist nicht umsonst als Double Feature betitelt. So laufen die ersten sechs Folgen unter dem Nebentitel Red Tide und die finalen vier unter Death Valley, mit jeweils komplett eigenständigen Handlungssträngen und Charakteren, die mal in die B-Movie Ecke der Aliens und mal der Fischmenschen geht. Von den Vibes her zumindest.

Das ganze Unterfangen ist dabei gewohnt ziemlich trashig. Wobei Red Tide noch etwas mehr hergibt. Geht es doch hier um ambitionierte Menschen, die in der Mittelmäßigkeit gefangen sind, und was sie alles tun würden, um aus ihr zu entfliehen und ihr wahrgenommenes volles Potential auszuschöpfen. Inklusive der Angst, doch nicht gut genug zu sein. Wie gesagt transformieren die Pillen nur jene, die schon einen kreativen Funken innehalten, zu wahren Genies auf ihrem Gebiet. Wer tatsächlich mittelmäßig war, der entwickelt sich sogar zurück in einen verstandslosen Zombie, der die Küste nach Opfern absucht. All das gebündelt an eine Stadt, in der das ein offenes Geheimnis ist, von dem niemand zu viel wissen will, die sich aber gewahr sind, dass ihr Lebensdasein vom davon abhängt.

Das macht die erste Storyline zur ambitionierten und besser ausgearbeiteten. Eine die gut unterhält und viel zu einem Klimax aufbaut… und dann leider in bester American Horror Story Tradition nicht weiß, wie sie es wirklich beenden soll. Wie immer war die erste Hälfte der Handlung echt cool, die zweite etwas mäandernd und sich verlierend, und die Finalfolge ziemlicher Mist.

Death Valley ist hingegen eher eine Fußnote in der Staffel. Konstant ungefähr auf dem gleichen Niveau, welches weder sonderlich herausragend interessant noch besonders schlecht ist, sondern so auf Mittelschiene mit seinen nur vier Episoden an einem vorbeirauscht. Der interessanteste Aspekt ist noch, dass so ziemlich jede Verschwörungstheorie der US-Regierungsgeschichte aufgegriffen wird, von Area 51 zu Affären im Präsidentenhaus. Vieles davon, was nicht direkt mit Aliens zu tun hat, üblicherweise eher für Shock Value eingebaut. So ist American Horror Story halt.

Ich war echt an dieser Staffel interessiert. Wegen ihres Konzepts. Denn bisher war es immer so, dass viele Seasons von American Horror Story mit ihrer Länge zu kämpfen hatten. Zehn bis dreizehn Folgen füllen wollend, aber scheinbar ab der Halbwertszeit nicht so richtig wissend, was man noch weiter machen soll. Vorigen Staffeln haben das schon ein wenig mitigieren wollen, in dem sie einen gewissen Cut in der Handlung hatten. Roanoke beispielsweise, wo die finalen Folgen in die Reality TV Sendung gehen, oder 1984 mit seinem Zeitsprung. Hier nun wirklich zwei komplett unabhängige kürzere Handlungen bieten zu wollen, hätte für mehr Stringenz und einem dichteren Ablauf führen können. Leider ist im Endeffekt Red Tide allerdings mit den gleichen Problemen der vorigen Staffeln nur im Kleinformat bestückt, während Death Valley mehr oder weniger gar nicht richtig zu packen weiß.

Better Watch Out

ava-2655Es ist so weit, die Zeit im Jahr ist gekommen, es weihnachtet sehr. Nebst anderer anstehender Feiertage diverser Kulturgruppen und Religionen. Ich wünsche also allen dort gut durchzukommen. Wer wie immer eine Runde Zynismus dazu braucht, die Tage zu überstehen, für den gibt es bekanntlich reichlich Horrorfilme. Wie beispielsweise auch den 2016ern Better Watch Out, den ich dieses Jahr gesichtet habe.

Ashley, die demnächst aufs College gehen wird, und deswegen momentan Probleme mit ihrem zurückbleibenden Freund hat, wird vorher noch ein letztes Mal ihrem Nebenjob nachgehen. Nämlich auf den Sohn der Lenners, Luke, aufzupassen, während die auf einer Weihnachtsfeier sind. Luke ist schon eine Weile in die ältere Ashley verschossen und sieht nun seine Chance jetzt mit ihr anzubandeln.

Das blockt Ashley ziemlich direkt ab, wobei die beiden sowieso schnell andere Probleme bekommen. Merkwürdige Anrufe und Geräusche ums Haus. Eine plötzlich offene Türe. Und schon geht ein Maskierter mit einer Schrotflinte um, gegen den sich die beiden erwehren müssen.

So weit, so üblich das Setup für einen Weihnachts-Slasher. Dabei bleibt es allerdings nicht, der Film wird ziemlich schnell auf den Kopf gestellt. Um darüber zu reden, warum er mir deswegen so gut gefallen hat, muss ich natürlich ab jetzt auch viel spoilern. Mal so als Warnung für diejenigen, die weiterlesen wollen.

Wie sich nämlich schnell herausstellt, ist der Einbrecher der beste Freund von Luke. Luke wollte Ashley einfach erschrecken und sich wie der Held aufspielen, der die Gefahr aus dem Weg räumt, um bei ihr zu punkten. Jetzt, wo Ashley ihm auf die Schliche gekommen ist, wird daraus natürlich nichts, sondern er hat es mit einer aufgebrachten Babysitterin zu tun. Die er kurzerhand die Treppe runterschmeißt, um sie auzuknocken. Ashley erwacht an einen Stuhl geknebelt wieder, während Luke und dessen Freund sichtlich Freude an ihrem Schabernack haben. Da taucht Ashleys Freund unverhofft beim Haus auf und die Situation droht ihnen zu entgleiten.

Aber selbst dafür hat das Spiel noch einen doppelten Boden. Einen Großteil der unvorhergesehenen Ereignisse sind nämlich gar keine, sondern ein lange von Luke angelegter Plan, der auch nach und nach aufzugehen scheint, während sich die Leichen anzusammeln beginnen.

Better Watch Out ist ein ziemlich zeitgemäßer Slasher. Rum sind die Zeiten, in denen die Killer schmuddelige Kerle waren, die in die reine Vorstadt eingedrungen sind. Keine Entflohene aus einem Gefängnis oder einer Irrenanstalt mehr. Mittlerweile sitzen die Killer in Suburbia selbst, herangezogen von gutbürgerlichen Eltern. Es sind die Nice Guys, die meinen fürs Nettsein eine Belohnung bekommen zu müssen, was eine wenige nette Einstellung ist. Luke kann nicht verstehen, warum Ashley sich immer Arschlöcher als Freunde nimmt – eine Sache, die eher übertrieben erscheint, wenn wir ihren aktuellen Freund treffen, und wahrscheinlich nur daher rührt, dass die Babysitterin sich bei ihm auch schon mal ausgelassen hat, wenn die Beziehung gerade nicht so toll lief. Luke ist doch immer so schön nett zu ihr, da hat sie doch gefälligst mit ihm anzubandeln – seiner Meinung nach zumindest.

Es wird schnell klar, dass Luke bisher mit allem durchgekommen ist, was er gemacht hat. Weil er eben ein nett und harmlos aussehender weißer Junge aus der Vorstadt ist. Solange er immer auf brav tut, kann er wohl keiner Fliege was zuleide tun. Also ist es für ihn fast natürlich, davon auszugehen, dass er eben zu bekommen hat, was er will, und wenn dabei was unsauber läuft, wird er sich schon rauswinden können.

Dazu sei auch gesagt, dass die Darsteller von Ashley und Luke eine echt gute Leistung bringen. Ashley ist ein super Final Girl, die tough und kalkuliert sofort auf Situationen zu reagieren weiß. Luke derweilen hat eben dieses amorale Anrechtsgefühl, die eiskalte Planungsausführung, aber gepaart mit dem noch fast kindlichem Spaß am Böse sein und Wutanfall wenn etwas oder jemand eben nicht nach Plan läuft.

Spannender und überraschender Film mit gutem Schauspiel also.

All Through the House

Frohe Weihnachten oder was sonst so gerade im Hause oder unter der Brücke gefeiert wird! Wie lässt sich denn ein Tag der Familie und Besinnlichkeit am besten feiern? Mit ein bisschen Mord natürlich. Im Weihnachts-Slasher All Through the House von 2015 zum Beispiel.

Rachel kommt zum Weihnachtsfest nach längerer Zeit endlich wieder in die Nachbarschaft zurück, in der sie aufgewachsen ist, um mit ihrer Großmutter zu feiern. Und ein Geschenk für ihre Mutter dazulassen, denn über deren Tod ist sie nie hinweggekommen und hat dies seither zur Tradition gemacht. Rachels Mutter ist allerdings nicht der einzige mysteriöse Tod, der die beschauliche Nachbarschaft heimgesucht hat. Vor 15 Jahren ist auch der Mann der Nachbarin tot aufgefunden worden und die Tochter, die wegen einer Krankheit eigentlich immer im Haus geblieben ist, spurlos verschwunden.

Darum haben sich natürlich so einige Gerüchte gerankt, aber nach über einer Dekade nimmt das eh keiner mehr so ganz ernst. Man hat für die Exzentrik der Nachbarin gegenüber halt ein wenig Gutmütigkeit übrig, weil sie diese Schickshalsschläge scheinbar nie überwunden hat. Da hinterfragt man auch die unheimlichen Mannequins, die sie als Festtagsdekoration im ganzen Haus aufgestellt hat, nicht.

Als Rachel mit ihren Freundinnen allerdings helfen sollen, das Haus der Nachbarin zu dekorieren, weil sie noch was vorhat, geraten die drei prompt an einen Killer im Weihnachtsmannkostüm, der seinen Opfern mit einer Gartenschere zu Leibe rückt.

All Through the House ist ein sehr erheiternder Film. Ich gehe schon mal direkt davon aus, dass das hier ein Indie-Film ist, der wahrscheinlich nur auf Festspielen lief, bevor er fürs Heimvideo vermarktet wurde. Denn er wirkt etwas… ich will mal sagen billig, auch wenn ich das nicht vollends negativ finde. Die klar budgetierte Optik, die Kameraführung, und das mäßige Schauspiel haben zumindest diesen eindeutigen Geruch von einem Studentenfilm oder ähnlichen Amateurwerk. Dazu dann noch das Make Up der Mädels, durch das sie zusammen mit der schauspielerischen Leistung so erscheinen, als hätte jemand Porno Starlets für die Rollen verpflichtet.

Das ist übrigens ein guter Stichpunkt. Denn tatsächlich bestehen gefühlt 90% des Filmes daraus, dass Pärchen super scharf aufeinander sind und am Weihnachtstag unbedingt kinky Sex miteinander haben wollen. Und der Mörder riecht das scheinbar wie ein Hund die Fährte, so dass er prompt auftaucht, um den Mädels in die Brust zu stechen und den Kerlen den Schwanz abzuschneiden. Der Film hat eine gewisse Obsession für den Mord zur Beischlafverhinderung und der Entmannung der Opfer… und das nicht ohne Grund, wie man sich schnell durch einiges Forshadowing denken kann.

Ist auf jeden Fall ganz amüsant, dass scheinbar die ganze Nachbarschaft nicht mit ihren Familien zu Weihnachten zusammen ist, sondern nur mal wieder richtig gut vögeln wollen und ihnen das zum Verhängnis wird. Außerdem dekorieren alle ihre Häuser als wäre es Halloween, kein Wunder das niemand die Mannequins der Nachbarin merkwürdig findet.

All Through the Houses ist definitiv ein Film, der von einem Slasher-Fan gemacht ist. Denn er hat viel von 80er-Exploitation. Er wird ziemlich blutig, wie gesagt gibt es auch mal nackte Haut zu sehen, und die ganze Hintergrundgeschichte ist ziemlich in der Sleepaway Camp Generation anzusiedeln. Wie gut man jenen (vorhersehbaren) Twist findet, muss natürlich selbst entschieden werden. Ich nahm es wenig angreifend auf. Es ist halt ein etwas überholtes Klischee, aber der Film will eben genau jene Hochzeiten des Slashers wieder auferleben lassen. Und das schafft er in ganz launiger Art und Weise auf jeden Fall, denn langweilig wird er nie.