American Horror Story 1984

Ein neues Jahr, eine neue Staffel American Horror Story. Mit der Serie wird das mal wie mit Supernatural sein und keiner so richtig glauben können, wenn sie abgesetzt ist, weil die irgendwie immer da war. Immerhin ist sie seit Anfang des Jahres bereits für drei weitere Staffeln grüngelichtet worden. Kann man nur hoffen, dass sie die Chance bei der kommenden beim Schopfe packen, und die zehnte Staffel American Horror Story X nennen und sie in den Weltraum verlagern.

Eine starke Überschneidung mit Friday the 13th gab es immerhin schon in der letzt durchgelaufenen Staffel 1984. Wofür stehen die 80er denn so? Freiheit, Hedonismus, Kapitalismus. Natürlich war das nicht alles, Amerika ist so gut wie nie nicht in einen Krieg verwickelt und auch die AIDS-Kriese fand in den 80ern ihren Anfang. Doch für das allgemeine Volk, und für die nostalgisch auf die Dekade zurückblickenden aktuellen Serien, war dies nicht so im Augenschein. Es gab tolle neue Technologie, Pop-Stars, Aerobic-Workouts und irgendwie schien es oberflächlich allen gut zu gehen. Auch waren die 80er was Horror angeht die Dekade der Slasher-Filme, als dunkle Unterseite des Glamours, und genau in jene Kerbe schlägt deswegen American Horror Story 1984.

Die Staffel beginnt sogar in einem Camp Redwood, wo vor über zehn Jahren ein Massaker stattfand, und welches aktuell neu eröffnet werden soll. Ein bunter Haufen, die Los Angeles mal kurzzeitig entfliehen wollen, melden sich als Aufseher fürs Camp. Und prompt geht nicht nur ein sondern gleich zwei Mörder um. Derjenige, der das Massaker in den 70ern veranstaltet hat, und bei den News, dass das Camp wieder loslegt, direkt mal aus seiner Anstalt entflohen ist. Plus ein Mörder aus LA, der unseren Hauptmädel Brooke gefolgt ist, nachdem sie ihm in der Metropole entkommen konnte.

Warum es gleich zwei Serienmörder braucht, wird auch schnell klar. Denn der Part im Camp zieht sich einfach ewig. Ich dachte ja echt, man nutze dies mehr als Aufhänger für die ersten zwei maximal drei Episoden und dann geht es zum Hauptplot oder so. Zumal ich auch darauf wartete, dass gewisse andere bekannte Gesichter noch auftauchen, die im Camp nicht dabei sind. Allen voran Sarah Paulson, die seit der allerersten Staffel in jeder zu finden war. Aber tatsächlich sitzt der letzte Main Stay der Serie diese Staffel aus. Natürlich gibt es wieder bekannte Schauspieler, die schon in vorigen Staffeln dabei waren, aber sie war eben schlicht die letztgebliebene, die tatsächlich von Anfang an dabei gewesen war.

Doch Camp Redwood zieht sich ganze 5 von den 9 Folgen. Es muss also ordentlich aufgestockt werden an Dingen, die passieren können. Gleich zwei Serienmörder. Von denen einer mit Satan im Bunde ist und nicht sterben kann. Zumal auf dem Grund des Camps, und es wird nie erklärt wodurch, scheinbar eh alle Getöteten als Geister zurückkommen. Dann sind die meisten Charaktere auch nicht, wer sie zu sein vorgeben, sondern haben eine gewisse Agenda. Abgesehen von einer. Ich hatte ja echt erwartet, dass Brooke sich nicht als das typische Final Girl herausstellt, sondern die übliche Naivität etwas anderes verbergen soll, aber leider ist ihr Charakter tatsächlich so flach gewesen. Zumindest im Redwood-Teil. Dafür ist ziemlich schnell klar, wer wirklich in 1970 die anderen Kids umgebracht hat.

Als Episode 6 dann einen Zeitsprung macht, war ich ganz erleichtert, dass wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das Camp los sind. Aber so wirklich stimmt das leider nicht. Nun springen wir stark in der Zeit hin und her, zu tragischen Ereignissen in den 40ern, aber auch wild in den 80ern herum. Aber alles hängt noch am Camp, was dort geschehen ist, und letztendlich geht es dorthin zurück. Das hat dies die übliches AHS-Problematik, dass dies etwas wirr und unorganisiert wird. Mr. Jingles, der Serienmörder der 70er, fällt mehr oder weniger aus der Serie raus. Der Night Stalker oder warum die Leute auf dem Campboden nicht endgültig sterben werden ebenfalls nie richtig befriedigend beendet. War schon etwas enttäuschend.

Es ist selbstverständlich nichts Neues, dass die Staffeln von American Horror Story gerne mal stark schwanken was die Qualität angeht. Von Staffel zu Staffel aber auch Staffel-intern. Einen gewissen Unterhaltungswert haben sie zwar immer, auf eine gewisse Dämlichkeit ist sich sowieso einzustellen, und wir schauen ja alle so oder so brav weiter. 1984 ist auch nicht die schlechteste der Staffeln bisher. Sie wirkt aber schlecht strukturiert. Der beginnende Camp-Teil zieht sich zu lang hin und danach scheint die Serie für die letzten Episoden nicht mehr so richtig zu wissen, was sie noch machen soll. Dabei wäre der Ansatz quasi gleich mehrere Slasher-Filme einer Reihe als durchgängige Serie zu präsentieren nicht der schlechteste.

Hellraiser Judgment

Im Jahre 2011 habe ich mich durch die Hellraisers geschaut, inklusive dem damals frisch erschienenen Hellraiser Revelations. Das war der neunte Teil. Kaum einer, der nicht spezifisches Interesse bekundet, wird wohl gewusst haben, dass es so viele Teile gibt. Das liegt zum Teil an dem Vertrag, den Dimension Films zur Franchise hat. Die haben 1991 die Rechte bekommen, sind als seit Hellraiser III mit dabei, behalten die Verfilmungsrechte aber nur dann, wenn sie alle X Jahre einen neuen Film mit dem Titel herausbringen.

Das hat zunächst zu mehreren Direct-to-Video Sequels geführt, deren Scripts halt so unverfilmt rumlagen, und die hastig zu einem Hellraiser umgeschrieben wurden. Ein Reboot der Franchise bzw. zumindest Remake des Originals ist passenderweise seit 2006 in der Developement Hell gefangen. Hellraiser Revelations war tatsächlich nach dem vierten Teil der erste, der wirklich als Hellraiser konzipiert und nicht zu einem umgemodelt war. Gary Tunnicliffe sollte Regie führen, konnte letztendlich aber nur das Drehbuch beisteuern. Immerhin musste Revelations in wenigen Wochen abgedreht sein, um das rechtzeitige Release vorm Auslaufen der Rechte zu sichern. Erst als die erneut bevorstand kam Tunnicliffe zum Zug und wurde Regisseur des 2018 erschienenen zehnten Teil Hellraiser Judgment.

Dessen Drehbuch er schon Jahre vorher geschrieben hatte. Da Dimension mit Revelations allerdings ihre Schuldigkeit getan hatten und vorerst keine weiteren Sequels produzieren wollten, schrieb er den Hellraiser-Bezug raus, um es als eigenständigen Horrorfilm zu realisieren. Allerdings sprang kein Produktionsstudio auf, so dass er es dann doch wieder für den nächsten Hellraiser benutzen konnte. Die Geschichte hinter dem wie und warum die Franchise überhaupt noch existiert und weitere Filme ausspuckt, ist glaube ich interessanter, als der Plot eines jeglichen Sequels, seitdem sie die Kinosäle verlassen hat.

Neuerdings scheinen die Cenobiten die Leute nicht mehr durch die Puzzle-Box einzufangen, sondern nun werden Verbrecher zu einem einsamen Haus gelockt, wo der Auditor sich ihre Sünden anhört, niederschreibt und dann über sie gerichtet wird. Alles sehr wie in einem edgy Metal-Video, welches ein Faible für Silent Hill hat. Mit einem Kerl, der die Niederschrift ist, wieder herauswürgt, von barbrüstigen Frauen dann durchwühlt und für sündig befunden wird, woraufhin der Henker hereinkommt und ihn richtet.

Das letzte Opfer des Auditors war übrigens ein Kerl, der schnell zum Hauptverdächtigen einer aktuellen Mordreihe wird. Die beiden Detektive Carter investigieren jenen Mörder, der seine Opfer je eines der zehn Gebote brüchig befunden hat. Für mich sahen die ja wie das typische Gay Power Couple aus, mit dem kernigen Kerl in Lederjacke und dem gestriegelten im Anzug. Etwas später erklärte mir der Film allerdings, dass die beiden Brüder sind, was für die Handlung auch nicht unerheblich sein wird.

Sean Carter ist derjenige, welcher der Spur zum Haus des Auditors folgt und prompt von ihm in den Richtsprozess eingebunden wird. Doch etwas geht schief, es taucht sogar ein Engel auf, der Sean befreit sehen will, weil er Gottes Werk tut. Und noch bevor der Auditor richtig Rücksprache mit Pinhead gehalten hat, ist Sean mit einem der Würfel entschwunden.

Wie sich letztendlich herausstellt ist er der Serienkiller. Als er bei der Army war hat er sich ordentlich PTSD und ein Geschmack fürs Morden geholt und macht nun im Sinne der zehn Gebote weiter. Seine finalen Opfer sollen seine Ehefrau und sein Bruder werden, da die zusammen eine Affäre hatten. Und dafür will er den Würfel nutzen, um sein Leben bei den Cenobiten gegen das der beiden einzutauschen. Verhandeln lassen die bekanntlich aber nicht mit sich. Doch dann taucht der Engel wieder auf, es gibt einen verbalen Bitch Fight mit Pinhead, der den Engel schlicht dahinschnetzelt, und zur Strafe als Mensch in unserer Realität wiedergeboren wird.

Expanded Universe Hellraiser ist Blödsinn. Was für mich die Mythologie immer ausgemacht hat, ist, dass es da keine gibt. Es gibt keinen größeren mystischen Plan, keinen eindeutigen Grund, warum die Cenobiten tun, was sie tun. Es kann nicht mit ihnen verhandelt werden, ist der Würfel geöffnet, ist man Geschichte. Alles was mit ihnen zu tun hat, ist für Menschen unbegreiflich. Dementsprechend ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass mir Judgments Herangehensweise nicht so gelegen hat. Seit wann schert sich Pinhead und seine Entourage darum, ob ihre Opfer Sünder sind oder nicht? Gab es dazu früher schon Hinweise und ich habe das nur wieder vergessen? Seit wann gibt es dort einen Gerichtsprozess? Seit wann chillt der einfach sein Leben in einem Hinterraum, während der Auditor das für ihn macht? Was soll der Mist mit dem Engel und das Pinhead wieder zum Menschen verbannt wird?

Ansonsten ist der Film ja schon kompetent. Er weiß sein niedriges Budget so einzusetzen, dass es nicht wirklich ins Auge fällt. Die Handlung ist zwar vorhersehbar aber ordentlich strukturiert und nachvollziehbar. Ob ich jetzt erneut eine „Cop der eigentlich ein Mörder ist“ Handlung gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, aber die Hellraiser-Sequels hatten auch schon Dämlicheres zu bieten. Die Klasse der ersten beiden Filme hat er freilich nicht, aber soweit wie man das von den Direct-to-DVD Inkarnationen betrachtet ist Judgment davon definitiv ein guter.

Das ist selbstverständlich eher bescheidenes Lob. So richtig irgendeines dieser Sequels hätte es nicht gebraucht und auch Judgment reiht sich dann mit wenig Entusiasmus eher unter „halt noch einer“ ein. Schaubar ja, nötig aber nicht.

Sheitan

Nachdem wir also den britischen Zombie-Comedy-Horror-Musical-Weinhachtsfilm hinter uns gebracht haben, kommen wir zum französischen Erotik-Comedy-Horror zur Weihnachtszeit mit Sheitan aus dem Jahre 2006.

Der beginnt einen Tag vor Weihnachten im Club Styxx, wo Bart und seine zwei Freunde sich direkt unsympathisch machen. Wollen Party auf lau machen und kloppen sich auch noch, so dass sie rausgeworfen werden. Doch die sexy Bekanntschaft Eve meint, sie können ja einfach zum Haus ihrer Familie auf dem Land fahren.

Das stellt sich als nettes aber nicht ganz unbewohntes Anwesen heraus, da der schräge Haushälter und seine schwangere Frau anwesend sind. Während die Truppe sich wie der Haufen Arschlöcher verhält, der sie sind, müssen sie die Bekanntschaft der sich mehr als merkwürdig verhaltenden Dorfgemeinschaft machen, und sich von der verführerischen Eve am langen Arm halten lassen. Und dann erzählt Haushälter Joseph, der scheinbar einen Narren ausgerechnet am unzufriedenen Bart gefressen hat, eine nette Geschichte, wenn das Abendgespräch plötzlich auf Religion kommt und die Muslimen in der Gruppe den Atheisten vorwerfen, der Sheitan (Satan) spreche aus ihnen.

Es gab einmal einen Mann, der wollte unbesiegbar werden. Also kam der Teufel vorbei und bot ihm einen Pakt an. Der Mann nahm an, wurde überstark, und feierte das, in dem er seine Schwester durchnudelte. Die war nun allerdings geschwängert und das Baby wird das Satans sein, wenn der Mann nicht vor dessen Geburt um 12 Uhr Mitternacht zum Weihnachtsabend ein Opfer bereithält.

Sheitan ist ein französischer Film. Ein sehr fanzösischer Film. Und ich meine das jetzt nicht auf den simplen Fakt bezogen, dass es ein Film aus dem Produktionsland Frankreich ist. Das ist er natürlich auch. Aber er ist halt auch einfach sehr „französisch“, wie das Adjektiv, um ein gewisses Klischee von französischen Filmen zu bezeichnen. Weil es ein wenig mehr als nur „seltsam“ oder „merkwürdig“ mitschwingen lässt. Aber ja, Sheitan ist merkwürdig. Französisch-merkwürdig. Aber nicht das witzige französisch-merkwürdig. Leider. Sondern Sheitan ist eher nervtötend französisch-seltsam.

Das ganze Ding ist laut, und dreckig, und chaotisch, und seltsam. Die Begebenheiten merkwürdig, die Charaktere alle unsymphatisch, die Handlungen nicht nachvollziehbar. Man weiß nicht so recht, warum was gerade geschieht, und einem ist auch egal, was welchen Charakteren potentiell zustoßen könnte. Ich zumindest war mehr überfordert denn unterhalten vom Geschehen. Ich fand das Gezeigte übrigens auch weder sonderlich erotisch noch sonderlich witzig, so mal dabeigesagt, da dies hier ja als Erotic Horor-Comedy deklariert wird.

Anna and the Apocalypse

Zu Weihnachten gibt es ja normalerweise ganz zynisch immer thematisch passende Horrorfilme. Dem ist auch dieses Jahr so. Ich bin also mal wieder durch die Wikipedia-Liste an Christmas Horror gegangen. Welches alles von Horrorfilmen, in denen der Feiertag zentral wichtig ist, bis hin zu jenen, wo man nur durch einen Weihnachtsbaum in einer Szene im Hintergrund erraten kann, dass es zufällig an jenen Feiertagen spielt, enthält. Und mir war dabei dann doch mal nach etwas Speziellerem statt dem x-ten Weihnachts-Slasher im Santa-Clause-Kostüm, oder einem Creature Horror mit einer düster-mythologischen Weihnachts-Märchenfigur.

Als ich dann auf Filme mit der Bezeichnung „British Christmas Zombie Horror Comedy Musical“ und „French Erotic Horror Comedy“ gestoßen bin, war ich sofort Ready to Go. Den Anfang macht dabei Anna and the Apocalypse. Also das Weihnachts-Zombie-Musical unter den beiden Spezialinteressen-Filmen.

Ein gänzlich beschissenes Weihnachten steht an. So hat der Vater von Anna beispielsweise gerade herausgefunden, dass sie nach der High School nicht direkt an die Uni gehen, sondern erst Mal ein Jahr reisen will, was ihm so gar nicht gefällt. Schul-Schönling Nick, mit dem sie einen One-Night-Stand hatte, verhält sich auch ziemlich arschig. Währenddessen geht es ihrem besten Freund John auf den Zeiger, dass er nicht ihr Boyfriend ist. Und Steph, die eigentlich einen Artikel über das Obdachlosenproblem der Kommune in die Schülerzeitung bringen will, wird eiskalt vom stellvertretenden Direktor Mr. Savage abgesägt.

High School Drama eben. Welches allerdings am nächsten Tag prompt etwas in Perspektvie gerückt wird. Da sich die Kleinstadt nämlich plötzlich mitten in einem Zombieinfestationsausbruch befindet und ums Überleben gekämpft werden muss. All in this together~!

Ich reiteriere hier dann mal zwei Dinge über mich. Ich mag Musicals und habe an die keine besonders hohen Ansprüche. Wenn sie peppig ausschauen und die Musik eingängig ist, reicht mir das. Ich hab es nicht so mit Zombiefilmen oder Zombiemedia im allgemeinen. Ich mag Shaun of the Dead und Warm Bodies und vieles andere geht ein wenig an mir vorbei. Mit Anna and the Apocalypse gibt es nun aber auch einen dritten Zombiefilm, den ich immer wieder schauen könnte.

Es ist halt einfach so ein unterhaltsamer und spaßiger Genre-Mix. Natürlich klingen die Songs ein wenig arg nach High School Musical. Das ist natürlich so gewollt, weil sie damit ziemlich gut mit dem Rest kontrastieren. Das sollte klar sein, wenn in einer Zombieapokalypse plötzlich ein Song mit dem Titel „What a Time to be Alive“ angestimmt wird. Oder wenn der Tag, nachdem die Alltagsprobleme der Charaktere dargelegt wurden, sie mit einem fröhlichen Song darüber aufwachen, dass sie ihr Leben ändern werden und alles im Licht des neuen Tages sehen. Eben der übliche Motivationssong eines solchen Musicals. Nur dummerweise ist das der Tag, an dem das Virus die Stadt eingeholt hat. Während die Kids das also singen, natürlich mit der Welt um sich herum auscancelnden Kopfhörern im Ohr, ist hinter ihnen das absolute Chaos am ausbrechen.

Der Film nimmt sich also weitestgehend nicht wirklich ernst, sondern ist mehr eine schwarzhumorige Komödie. Bei der die Zombie-Köpfe auch schon mal platzen wie reife Melonen. So wirklich grausig soll diese Übertreibung eben auch nicht sein, sondern fun carnage bieten.

Aber es schleichen sich immer mal wieder partiell in guter Vorahnung auch ernste Momente ein, wenn die Charaktere doch an die Aussichtslosigkeit der aktuellen Situation geraten. Denn nach einer Stunde mit hauptsächlich Musik, Blut und Klamauk, wird der Film noch mal richtig ernst. Und das Drama funktioniert statt aus dem Nichts zu kommen, eben weil es schon jene vorigen Einschübe gab. Und weil die Charaktere doch erstaunlich rund und gut ausgebaut sind für einen solchen Film. Sie sind eben nicht nur eindimensionale Archetypen eines Horror- oder Comedy-Films, obwohl wenn mit jenen Rollenverhältnissen immer wieder gern gespielt wird.

Ich möchte Anna and the Apocalypse fast beste Weihnachtsunterhaltung für die ganze Familie nennen. Dafür sind die einzelnen Gore-Spitzen dann aber eventuell doch zu hart. Also zumindest für echte Kinder. Aber wenn die bereits Teenager sind, dann passt der Film schon gut. Weil er so gut unterhält. Weil er so frisch und anders ist. Aber weil er gegen Ende auch ehrlich nahegehen kann. Immer wieder schön, wenn man so einen Film entdeckt, den man nie auf dem Schirm hatte, und der zu einem Favoriten avanciert.

The Unkindness of Ravens

The Unkindness of Ravens habe ich als zweiten Teil in der Owlman-Trilogie geschaut, auch wenn ich im Nachhinein nicht genau weiß, was mich auf den Trichter gebracht hat. Vielleicht einfach, weil es der zweite Indie-Horror von Lawrie Brewster und Hex Media ist, deren dritter ein Owlman-Prequel ist. Das habe ich beim schnell drüberlesen dann eventuell fälschlich als thematische Trilogie aufgefasst.

Zumal der Hauptcharakter erneut von Jamie Scott Gordon verkörpert wird. Allerdings ist das einfach ein schottischer Schauspieler, den sich Lawrie Brewster gern für seine Filme casted. Denn er verkörpert hier eine gänzlich ander Person als in Lord of Tears, dem ersten Owlman-Film.

Er ist Andrew, ein unter PTSD leitender Kriegsveteran. Er hat immer mal wieder Flashes zurück in seinen Einsatz. An das Chaos, das Feuer, das Blut, und die Toten, die von den Raben zerfressen werden. Vor denen hat er eine ganz besondere Phobie entwickelt. Andrew fotografiert gern die Natur und schreibt Gedichte, aber sobald ein Rabe im Bild ist, sperrt sich sein Finger und er kann den Auslöser nicht betätigen.

Da es in der Stadt eher wenig Natur gibt, macht ihm seine Therapeutin einen Vorschlag. Sie hat den Schlüssel für eine Cottage in den verlassenen schottischen Highlands, und meint, er solle dort ein Wochenende alleien verbringen um zu sich zu finden. An die Natur gehen. Fotos machen. Gedichte schreiben. Langsam wahnsinnig werden. Sich wiederholt von den Kriegsverbrechen und toten Kollegen heimsuchen lassen. Mit seinem militärischen Spiegelbild Streitgespräche führen. Von Rabenmenschen verfolgt werden, die ihren Opfern die Augen rausreißen. Halt alles schön therapeutisch.

Ich mein, ob es jetzt wirklich als Trilogie gemeint ist oder nicht, thematisch nicht ganz unähnlich sind sich Lord of Tears und The Unkindness of Ravens schon. In beiden folgen wir einem kernigen Ginger mit Wahnvorstellungen. Der von mythischen Vogelmenschen bedroht wird. Mit Flashbacks ob vergangener Schandtaten.

Nur ist The Unkindness of Ravens mit 85 Minuten ungefähr 20 kürzer als Lord of Tears. Dem ich ja damals attestiert hatte, dass er einfach ein wenig langweilig ist, weil nicht viel geschieht, und das nur sehr langsam. Da ist es doch schön, dass dieser Film tatsächlich etwas kürzer geraten ist. Dafür ist die Handlung diesmal halt aber auch noch simpler.

Was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. So einen PTSD-Soldaten langsam dem Wahnsinn verfallen zusehen, mit ordentlich Flashbacks und Visionen, mehr oder weniger eine One-Man-Show sozusagen, kann schon interessant sein. Und The Unkindness of Ravens war auch stringenter und hatte weniger tote Luft als Lord of Tears. Wobei aber auch Ravens bei 50 Minuten mehr oder weniger sein Pulver verschossen hat. Erneut startet er ziemlich langsam mit vielen hübschen Naturlandschaften, von denen Andrew seine Fotos macht. Dann creepen die Rabenmenschen langsam ins Bild. Und sobald Andrew unter ordentlich Trauma bereits mit sich selbst gestritten, die Gräueltaten im Krieg geflashbackt hat, und von den Raben zum ersten Mal panisch durch den Wald gejagt wurde, haben wir eigentlich schon alles gesehen. Zehn weitere Minuten der Endeskalation und mit 60 abzuschließen hätte hier auch gereicht. Stattdessen flaut der Film erst noch mal ab, bevor es ins Finale geht.

Aber es gibt sicherlich auch Leute mit Herz für die gemächlicheren Horror-Filme, deren Pacing zurückgeschraubt ist, die eben ein bisschen mehr Artsy sich mit hübscher Natur und verschwurbelter Poesie auffüllen. Das ist nicht immer so ganz meins. Wobei The Unkindness of Ravens schon Ok war, definitiv nicht so langweilte wie Lord of Tears.

Tales of Halloween

Das Jahr ist 2015. Der Ort ist die Indie-Produktionsfirma epic. Die Protagonisten sind ein Dutzend Regisseure. So entstand Tales of Halloween, ein Anthologien-Horror-Film zum besten Fest des Jahres.

Als Gesamtwerk ist der Film dabei knapp unter 100 Minuten lang, beinhaltet allerdings ganze 10 Segmente. Da muss natürlich noch ein wenig was für Opening- und Endingcredits abgezogen werden. Eine einzelne Geschichte ist also auf unter 10 Minuten beschränkt. Wir gehen daher zügig durch das Geschehen. Welches, wie wir im Finale herausfinden, tatsächlich alles an ein und der selben Nacht in der gleichen amerikanischen Kleinstadt stattfindet. Die haben wohl jährlich so ein kleines Problem, dass zu Halloween alles drunter und drüber geht.

Und schon hätte ich gern, dass man im Jahreszyklus einen Anthologie-Film zu Halloween raushauen würde. Das könnte doch echt spaßig sein.

Die überschaubare Zeit im Auge behaltend sind die einzelnen Geschichten natürlich sehr basisch. Sie hängen immerhin nicht zusammen, auch wenn sie am gleichen Abend geschehen sollen. Dafür bekommt man natürlich so einiges in der Zeit geboten. Ob nun zwei Babysitter die Legende eines Jungen erzählen, der nie Süßigkeiten essen durfte, und sie deswegen Leuten an Halloween aus dem Magen frisst, wenn man ihm keine Opfergabe bringt. Und der natürlich prompt auftaucht, nur damit das Babygesittete Kind am Ende wie der Mörder seiner Aufpasser aussieht. Oder wenn wir in einer schwarzhumorigen Parodie von Friday the 13th stecken, bei dem ein Alien das Teeny-Opfer vom Hockey-Masken-Mann übernimmt und sich beide gegenseitig kaputthauen. Vielleicht geht auch einfach nur ein riesiger Killer-Kürbis um.

Es sollte wohl klar sein, dass die Geschichten nicht nur Horror beinhalten, sondern mal mehr oder mal weniger viel Witz mit hineinbringen. Der ist manchmal fieser als andermal, genau wie manche Segmente mit mehr Gore aufwarten als andere. Gerade das erste setzt hier eigentlich den Brutalitätshöhepunkt, während sich der Rest entweder mehr zurückhält oder es so überspitzt, dass es wieder eine Komik hat.

Ich war jedenfalls gut unterhalten mit den kurzweiligen Happen an Horrorgeschichten. Das ist wirklich der perfekte Halloween-Watch. Und es ist schade, dass daraus keine Tales of Halloween Reihe wurde, bei dem sich regelmäßig kreativ in kleinen Segmenten ausgetobt werden konnte.

Universal Monsters – Dracula’s Daughter

Hollywood war früher keinen Deut besser. Wunderbar ersichtlich an Universals Produktion Dracula’s Daugther. Sequel zu einem ihrer beliebtesten Streifen. Teil eines gigantischen, übergeordneten Monster-Universum zum Gelddrucken. Die Adaptionsrechte an Stokers Kurzgeschichte von MGM schnell geschnappt, um Universal für die Rechteabtretung ordentlich blechen zu lassen. Wiederholt umgeschrieben, bis das Script allen Studiobossen gefiel. Drehbeginn war sogar noch vor dessen Finalisierung, um es möglichst schnell abgedreht und in den Kinos zu haben. Mit einer Hauptdarstellerin, welche die Rolle eigentlich nicht wollte, um nicht a la Lugosi im Typecast zu landen.

Die finalisierte Version setzt direkt dort an, wo Dracula aufhörte. Van Helsing hat den Grafen gepflockt, und wird von der Polizei aufgegriffen. So einen alten Kerl in einer Krypta mit zwei Leichen ist immerhin verdächtig. Nur das bald eine der Leichen fehlt. Denn Gräfin Zaleska hat sich Draculas Leichnam geschnappt, um ihn rituell zu verbrennen. Nicht als letzte Salbung, oder um ihn wiederzuerwecken. Nein, Draculas Tochter hofft einfach nun von ihrem Blutsauger-Fluch befreit zu sein.

Ist sie nicht. Die gute Gräfin streunt weiterhin aufgewühlt durch die nächtlichen Londoner Straßen, bis sie attraktive junge Dinger mit verführerischen Halsschlagadern trifft, an denen sie sich festsaugen kann. Doch eine letzte Hoffnung bleibt ihr. Doctor Garth, der zufälligerweise auch Van Helsing bei seiner Mordanklage helfen soll. Denn Gräfin Zaleska bekommt mit, dass jener Süchtige therapiert.

Dracula’s Daughter ist immerhin besser geworden, als man sich bei dem ganzen Developement-Trubel, der sich darum gerankt hat, denken mag. So absolut der Reißer mag er jedoch immer noch nicht sein. Dafür ist der Film etwas zu langatmig und stellenweise Ereignislos, obwohl er gerade mal 70 Minuten füllt. Hier merkt man wahrscheinlich am ehesten, wie häufig das Script geändert wurde, und dass es erst nach Drehbeginn fertig war.

Zwei Dinge machen den Film allerdings auch aus heutiger Sicht noch interessant und elevieren ihn über das durchwachsene Script. Zunächst ist da das schauspielerische Talent von Gloria Holden als Gräfin. Sie spielt ihre Rolle mit einer aritokratisch-kühlen Distanziertheit, aber doch mit einer darunterliegenden Fragilität, die sie weit über alle anderen Akteuere stellt. Ihre Darstellung ist ein Urkern der Goth Lady. Sexy, erhaben, düster.

Und dann sind da die homoerotischen Untertöne. Sicherlich mag Zaleskas erstes Opfer ein Mann sein, in einem schnellen Blinzel-und-du-hast-es-verpasst, fast wie zum Alibi. Denn wesentlich interessierter scheint sie an jungen Damen zu sein. Die Szene mit dem Model, wenn sie sich ihrer Sucht stellen will und ihr dann doch erliegt, versprüht eine ordentliche Portion Erotizismus, so dass sie gegenüber der ursprünglich geplanten Version verharmlost wurde. Das unruhige Herumschleichen auf Londoner Straße auf der Suche nach neuen Opfern oder der verzweifelte Versuch, sich über Therapie von ihrem Dasein zu befreien, bringt gerade im Kontext der Enstehungszeit natürlich auch ihren ganz eigenen Subtext mit. Wenn auch natürlich keinen eindeutig positiven, die homosexuell konnotierte Rolle als gefährlichen Räuber zu haben. Nicht das der Film ihr nicht zumindest zu Beginn noch eine gewisse Sympathik gegenüberbringt, die wir aber durchaus auch schon früher bei „Monstern“ wie im Hunchback of Notre Dame oder Frankenstein sahen.

Zusätzlich etwas Schwung in die Sache bringt die Beziehung vom jungen Doctor Garth zu seiner Sekretärin. Die starke, unabhänige Frau ist nämlich ziemlich selbtsbewusst und schnippisch, und er weiß ganz genau, wie er das erwiedern muss. Deren Interaktionen miteinander ist sodann auch das andere schauspielerische Highlight neben Holden. Diese humorigen Einlagen zusammen mit der Dramatik hinter der Figur der Gräfin lassen letztendlich nur wenig Platz für Horror oder auch nur Grusel im Film.

Schlecht ist der Film also nicht. Oftmals aber eher interessant denn wirklich gut. Dadurch geholfen, dass das Unterfangen würzig-kurz bleibt. Länger hätte er nämlich wirklich nicht sein dürfen.

Psycho IV: The Beginning

Es geht zurück in die Hauptfranchise, wir bleiben allerdings den TV-Bildschirmen treu. Also in der Erstveröffentlichung. Meine Sichtung aller fünf Filme war natürlich konsequent auf dem gleichen Wiedergabegerät.

Norman Bates ist mal wieder draußen. Was zwischen Psycho und Psycho II durch das zwanzig Jahre Spät-Sequel noch Sinn machte, will natürlich bei den vier Jahren zwischen Psycho III und Psycho IV eher weniger wahrscheinlich erscheinen. Verheiratet ist er auch, dies dadurch erklärt, dass seine Frau Psychotherapeutin ist, und die beiden sich in der Heilanstalt kennengelernt haben, die Norman zu so einer Speed-Heilung verholfen hat.

Das dient allerdigns zunächst eh mehr als Rahmenhandlung. Denn eine Radiostation interviewt gerade Experten zum Muttermord, und da es Normans Geburtstag ist, fühlt er sich dazu geneigt, doch mal anzurufen und seine Geschichte zu erzählen. Vom Tod seines Vaters, als er noch klein war, der seine liebende Mutter so extrem veränderte, zu der eher unkomfortabel nahen Beziehung der beiden als er ein Teen war, von ihren Tobsuchtsanfällen, kulminierend darin, als sie einen neuen Mann ins Haus holt, und Norman sich dazu entschließt, beide umzubringen. Um dann doch die Leiche der Mutter wieder zu sich zu holen und in ihrem Sinne Frauen umzubringen, die sich an ihn ranmachen.

Erst am Ende kommt die Präsenz-Handlung wieder zum Zuge, wenn wir herausfinden, dass Normans Frau schwanger ist, obwohl er dem immer entgegenstand, weil er befürchtet, sein Wahnsinn könnte sich auf das Kind übertragen. Weswegen er nun seine Frau umbringen will, die Vorzeige-Therapeutin, die überhaupt nichts faul daran findet, dass Norman sie an seinem Geburtstag zum verlassenen Bates Motel bringt.

Ich stehe dem letzten Psycho mit Anthony Perkins als Normal Bates etwas gemischt gegenüber. Es ist sicherlich eine gute Idee, eher weg vom Standard-Slasher zu gehen, und sich mehr auf Norman zu fokussieren, mehr das Drama hinter der Figur zu erzählen. Immerhin ist es das, was Psycho von den anderen Slashern abgesetzt hat.

Das funktioniert zunächst auch ganz Ok. In den Szenen, wenn Norman alleine mit seiner Mutter ist. Wenn die merkwürdige Intimität zu ihr zu einem Problem wird, sobald er in die hormonellen Teenagerjahre kommt, und ihre entmannende Reaktion darauf. Sonderlich gut geschrieben oder geschauspielert oder Unerwartetes bietend ist das alles zwar nicht, aber der Teil funktioniert durchaus noch. Und immerhin ist der Film nicht so langweilig und zerstückelt wirkend, wie seine beiden Vorgänger, sondern man bleibt am Ball.

All dies fällt allerdings auseinander, sobald sich Normans Mutter einen neuen Kerl angelt. Der Typ und Normans Mutter sind geradezu Karrikaturen an fiesem Verhalten und fehlender Empathie. Hier kommt das wenig gut geschriebene Script so richtig zum Vorschein, es ist einfach fast lächerlich, wie chargierend die beiden sich gegenüber Norman verhalten. Es wäre sicherlich ein interessanterer Ansatz gewesen, dies etwas reflektierter darzustellen. Ja vielleicht sogar anzudeuten, dass die Mutter durch ihren neuen Liebhaber eventuell zur Normalität zurückgefunden und Norman ein normales Leben hätte ermöglichen können, wenn vorher nicht schon zu viel schiefgelaufen wäre und durch Missverständnisse Norman über die Klippe getreiben wird. Stattdessen sind sie halt einfach Schnäuzerzwirbelnd gemein.

Ist halt in meinen Augen ein wenig eine verpasste Chance gewesen. Und bestätigt dann erneut die Annahme, dass man tatsächlich alle Psycho-Sequels getrost überspringen kann, ohne wirklich etwas missen zu müssen.

Psycho III

Diesmal dauerte es nur drei Jahre, bis der nächste Psycho in die Kinos kam. Was hieran besonders ist, ist die Tatsache, dass Anthony Perkins selbst Regie führte. Leider floppte der Film ziemlich, woraufhin die Franchise anschließend aufs TV delegiert wurde.

Wir beginnen bei einer Nonne. Die dem Glauben abfällt. Sie hat wohl Nietzsche entdeckt, von wegen Gott ist tot und so. Und will sich deswegen vom Glockenturm stürzen. Stattdessen fällt versehentlich die Obernonne, beim Versuch sie dort wegzuziehen, in den Tod. Noch mehr Sünde. Wie viel die zählt, wenn es Gott nicht gibt, sei mal dahingestellt. Aber am Tod von jemandem Schuld zu haben, ist natürlich auch rein fürs elementare Gewissen ohne Gläubligkeit nicht der Reißer.

Sie entflieht dem Kloster. Und endet nach ein paar Komplikationen beim Bates Motel. Es ist wenig Zeit seit Psycho II vergangen, Norman ist also wieder verrückt, und lebt mit der Leiche seiner wahren Mutter zusammen. Als die Ex-Nonne sich dann zum Duschen bereitmacht, hat er auch schnell seine Routine darin gefunden, sich deren Kleid und Perücke anzuziehen, und seinen weiblichen Gast mit dem Messer einseifen zu wollen.

Doch die überrascht ihn. Statt in ihrer vollen Blöse unter der Dusche den knackigen Körper mit Wasser einzureiben, sitzt die Ex-Nonne nämlich mit aufgeschlitzten Adern im Blutdurchtränkten Badewasser. Und findet sich schnell im Krankenhaus wieder, da Norman sie gerettet hat.

Während die beiden miteinander anbandeln, lässt der neue Mitarbeiter von Norman beim Motel ordentlich wilde Partys steigen, damit es dann doch genug verruchte Schlampen gibt, die seiner Mutter missfallen könnten, und einer großzügige Akupunktur anheimfallen dürfen.

Psycho hat ja schon immer gern damit gespielt, dass Norman Bates eine charismatische Note hat. Es gibt immer dieses „Was wäre, wenn er Erlösung widerfahren könnte?“. Das Aufwachsen mit seiner Mutter hat ihn zu dem gemacht, der er im ersten Film ist, und man kann sehen, dass er unter einer normalen Kindheit stattdessen ein toller Fang geworden wäre. In Psycho II hat er endlich seine Geisteskrankheit bezwungen und eine Chance auf ein neues Leben, wird dann aber von seiner Umwelt wieder in den Rückfall getrieben. Und in Psycho III trifft er auf eine ebenfalls mental instabile Frau, die in ihm die Erlösung und Rettung ihrer Probleme sieht, und die mit ihrer Nähe und Andersartigkeit, die ihm aus dem Konzept bringt, eventuell auch ihm ein anderes Leben ermöglichen könnte.

Das Problem an den Psycho-Sequels ist allerdings schlichtweg, dass sie ziemlich langweilig sind. Die Reihe, auch wenn der Erstling als Urvater des Subgenres gelten mag, fügt sich einfach nicht wirklich gut in die Slasher der 80er ein. Es wird nicht genug gemordet, sie scheinen sich nie so sicher, wer denn jetzt Hauptcharakter sein soll, und es fehlt ihnen auch einfach weitestgehend an Struktur.

So auch in Psycho III, dessen Mittelteil irgendwie überhaupt nichts bringt. Die Nonne verschwindet sowieso einen weiten Teil aus dem Film, ohne wirklich narrativ ersetzt zu werden. Und selbst wenn sie da ist, fährt der Film lieber ein paar Morde von Norman vom Fließband, statt den Fokus zu finden, scheinbar schlichtweg aus dem Grund, weil ein Slasher doch ein paar leichtbekleidete Mädels umbringen muss.

Und die Sache mit der Familiengeschichte wird sowieso immer blöder. Der erste Psycho ist ein relativ unkomplizierter Film. In Psycho II haben wir dann plötzlich Normans wahre Mutter, die selbst in einer Heilanstalt weggesperrt wurde, und deswegen Norman nichtsahnend von deren Schwester großgezogen wurde. In Psycho III ist es nun so, dass die ursprüngliche Mutter doch wirklich seine Mutter war, und die Schwester aus II nur in ihren Wahnvorstellungen dachte, Norman wäre ihr Sohn, weil sie auf dessen Vater stand.

Nur ist es so, wenn die Psycho-Sequels wenigstens so richtig blöde schlecht-doof wären, könnte man sich wenigstens daraus noch einen gewissen Unterhaltungswert ziehen. Aber die Dinger sind schon kompetent gemacht und wollen ernstgenommen werden. Und dies macht die nüchtern-schwunglosen Endresultate einfach ein wenig langweilig, weil sowohl die Klasse des Erstlings fehlt, sie aber auch nicht schlecht genug zum Riffen sind. Unspannende Durchschnittlichkeit ist hier die wahre Sünde.

Psycho II

Psycho gilt als der Grundstein des Slasher-Genres, welches seine wahre Hochzeit in den 80ern feiern sollte. Da überrascht es eventuell wenig, dass genau in jener Dekade, über 20 Jahre nach dem Original, sowohl ein eher satirisch angelegtes zweites Buch, sowie der damit nichts zu tun habende zweite Film folgen sollte.

Norman Bates gilt also 22 Jahre nach den Morden als geheilt und soll wieder in die Gesellschaft integriert werden. In dem man ihn alleine in dem Haus leben lässt, in dem er den Wahnvorstellungen seiner Mutter erlegen ist. Selbst nachdem er den ihm zugeteilten Job in einem Diner hinwirft und erneut das Motel leiten will, ist sein betreuender Arzt überraschend Ok damit.

Wer absolut nicht Ok mit der Rückkehr von Norman ist, ist Lila Loomis, die Schwester der von Norman unter der Dusche dahingemeuchelten Marion. Die macht ihren Unmut nicht nur lautstark Luft, sondern scheint Norman auch nicht alleinlassen zu wollen.

Es dauert prompt auch nicht lange, bis Norman scheinbare Nachrichten seiner toten Mutter findet, ihre Stimme hört, und sie vermeintlich in den Fenstern des Familienhauses stehen sieht. Als dann eine Arbeitskollegin bei ihm im Haus unterkommt, und Norman Telefonanrufe seiner angeblich wahren Mutter bekommt, sind die Morde quasi vorprogrammiert.

Im Prinzip ist das späte Sequel der Handlung ja zuvorkommend, denn es macht durchaus Sinn, dass man nach 20 Jahren das Verfahren um Norman Bates neu aufrollt, um zu sehen, wie weit sich sein geistiger Zustand gebessert hat. Und das Sequel geht eben einen interessanten Weg, da es ihn nun mehr oder weniger in die Opferrolle manövriert.

Immerhin hat Athony Perkins ihn schon immer als sehr charismatischen Kerl dargestellt. Norman Bates ist sozusagen der Archetyp des kaputten Kerls, den man doch bestimmt reparieren kann. Heutzutage kommt man ja fast nicht mehr drumherum, seine Serienkiller attraktiv zu gestalten, und auf die Flut an Fanfiction zu warten, in denen die wahre Liebe ihre Psychose heilen kann.

Es ist die Gesellschaft um ihn herum, die ihm übel mitspielt, die ihn schon vorverurteil, und die scheinbar sogar aktiv darauf hinarbeitet, ihn wieder in den Wahnsinn zu treiben, damit er erneut weggesperrt werden kann. Sowohl pro forma, weil davon ausgegangen wird, dass er eh wieder morden wird, als auch zur Strafe der schon begangenen Morde. Das Mysterium des Filmes gestaltet sich dann auch gleich wesentlich weniger darum, ob jemand Norman übel mitspielt, und vielmehr wer es aus welcher Motivation ist, und vor allem ob es funktionieren wird.

Das Problem für mich bei Psycho II ist somit sicherlich nicht das interessante Konzept. Sondern vielmehr die Umsetzung. Das Herz war sicherlich am rechten Fleck. Immerhin holte man sich sowohl für Bastes als auch Lila Loomis die Originalschauspieler zurück. Der Producer von Psycho II arbeitete bereits am Original und holte sich Rat bei Hitchcocks Tochter, ob jener nicht gegen ein Sequel gewesen wäre. Es gibt einige Szenen im Film, die eindeutig Hommage ans Original sind, in dem sie ähnliche Bildsprache in neuem Kontext wiederverwenden.

Aber das Resultat ist schlichtweg ein wenig auf der langweiligen Seite. Der ganez Look ist nicht so inspiriert, nicht so atmosphärisch wie das Original, sondern schaut nach absolutem Standard aus. Es gibt so gut wie keine der interessanten Kamerawinkel oder Beleuchtung. Abgsehen von Perkins kann man das Schauspiel der Rest-Truppe schlicht als kompetent beseite tun. Und auch das Script verpasst einige Chancen. Es ist schon etwas merkwürdig, dass Loomis so extrem gegen Norman eingestellt ist, zu Beginn im Gerichtssaal auch eine Unterschriftenaktion erwähnt, wir den kompletten Rest des Filmes über aber keine eigentlichen Nachbarn sehen, die etwas gegen seine Rückkehr haben, selbst die Polizei ihm relativ symphatisch gesinnt zu sein scheint. Hier hätte man mehr Druck auf den Charakter ausüben können. Auch wäre es etwas interessanter gewesen, den Film eine Szene früher zu beenden und damit offenzulassen, ob Norman nun wirklich wieder verrückt ist, oder doch nicht.

Kompetent wie das Schauspiel ist eigentlich der komplette Film und nicht mehr. Er versprüht keine Ambition oder Interesse, sondern scheint runtergedreht als wären wir schon im TV-Sequel-Land angekommen.