American Horror Story: Apocalypse

Ein neues Jahr, eine neue Staffel von American Horror Story. Eine Tradition, die so schnell nicht gebrochen werden wird, da die Serie bereits das grüne Licht bis Staffel 10 hat, uns also auf jeden Fall bis einschließlich 2020 erhalten bleiben wird.

Ich hätte dabei nicht gedacht, dass der Untertitel so direkt ist. Aber das ist er. Innerhalb der ersten Folge sorgt ein Ereignis dafür, dass die Welt untergeht, und während der nukleare Winter auf der Oberfläche sein Unwesen treibt, folgen wir nun einer kleinen Gruppe vom Collective ausgewählter (oder sich hineingekaufter, weil so ein Projekt natürlich auch finanziert werden muss) Leute in einem Bunker. Violett für den Apokalypsen-Adel mit besonders herausragenden Genen… oder viel Geld, und Grau für das ihnen dienende Fußvolk.

Im Bunker herrschen unter der schwarz gekleideten Miss Venable allerdings merkwürdig strickte Regeln. Natürlich besteht das Essen in so einer Extremsituation nicht aus besonders tollen Gaumenfreuden, aber kein Interkurs und nur ein Kuss pro Woche? Die Unterkunft ist nicht nur eingrichtet wie im viktorianischen London, sondern auch unter entsprechend puritanischer Leitung. Zumindest bis Michael Langdon auftaucht, der vom Collective stammt, und Psychospielchen mit den Bunkerbewohnern treibt, meinend er würde die Besonderen unter ihnen für eine zentrale Unterkunft auswählen, weil die einzel verstreuten bisherigen von Zombies überrannt werden.

Wie sich herausstellt ist er allerdings der Antichrist, der mit Hilfe der Iluminati die Apokalypse heraufbeschworen hat, und nun die letzten Hexen aus der dritten Staffel umbringen will, die sich ihm noch in den Weg stellen könnten. Außerdem ist er das Baby aus der ersten Staffel. Ich denke mal diesen peinlichen Satz geschrieben haben zu müssen reicht aus, um darzulegen, dass auch Apocalypse die Tradition von reichlich dämlichen Trash der Serie vortführt.

Das Problem für mich ist dabei eher wieder, dass sie häufig einige Durchhänger im Unterhaltungswert hat. Ich fand die ersten vier oder so Folgen im Bunker mit den Animositäten unter den Überlebenden und Langdons Spielchen mit ihren Egos tatsächlich recht gut und es schien in eine interessante Richtung zu gehen. Ich war echt gespannt, was geschehen würde, wenn sie in den neuen Bunker des Collectives gelangen. Das geschieht allerdings nie. Sobald wir herausgefunden haben, dass Langdon der Antichrist ist, springen wir in einen Flashback vor die Apokalypse und wie er aufwuschs, zum jetzigen sich geworden ist, und warum er die Hexen so hasst. In die Apokalypsen-Timeline geraten wir erst wieder für die finale zehnte Folge.

Das war mir ehrlich gesagt eindeutig zu viel Zeit verbracht in dem Teil der Narration, die wesentlich weniger interessant ist. Nur um herauszufinden, dass Michael eine schlechte Kindheit hatte? Dass ihn früher oder später jeder im Stich gelassen hat? Und was ist das Ziel dessen? Sympathie geht schlecht, da er als tatsächlicher Sohn Satans von Anfang an Tiere und Babysitter umgebracht hat, hat aus gutem Grund jeder ihm früher oder später den Rücken zugekehrt. Die umgedrehte Geschlechterdiskriminierung, weil die Hexen auf Grund ihrer größeren Macht auf die Warlocks hinabschauen, war sicher mal ein unterhaltsames Thema, aber auch hier wesentlich länger als erwünscht. Das ist glaube ich einfach das allgemeine Problem: Es ist nicht so, dass im Rückblick nicht interessante Themen zu finden sind, sondern das er einfach viel zu langgezogen ist. Es hätte vollkomen gereicht für drei Folgen in ihm zu verweilen und die drei letzten im Finale der Staffel wieder coolen Ereignissen in der Apokalypse zu gönnen.

Abgesehen davon, dass die Staffel sowieso rechts und links Tode wiederbelebt und sogar Zeitreisen einbringt, um Michael aufzuhalten. Da ist natürlich dann auch ein wenig das Lüftchen an Spannung raus, wann immer jemand in Gefahr ist oder etwas gehörig schief zu laufen beginnt, weil wir jetzt wissen, dass mit genug Magieschmalz alles wieder gerichtet werden könnte. Aber mittlerweile macht American Horror Story eh, was ihm gefällt. Mittendrin haben wir beispielsweise, wenn der Hexentest der 7 Wunder durchgeführt wird, einfach mal, dass die Serie in Stummfilm-Ästhetik umschaltet. Warum auch immer, fand halt jemand eine tolle Idee, egal wie merkwürdig es wirkt. Oder in einer Folge taucht aus dem Nichts Stevie Nicks auf, um einen Song zu singen, und dann nie wieder gesehen oder von geredet zu werden.

Apocalypse ist dabei auch die „Everyone is here!“ Staffel. Sie bringt die vorigen Staffeln mehr zusammen als je eine vorher. Wie gesagt sind die Ereignisse aus Murder House und die Hexen aus Coven wichtig, aber wir machen beispielsweise auch einen Abstecher nach Hotel. Und fast jeder wichtige Charakter aus einer vorigen Staffeln wird irgendwann mal durchs Bild getrieben und vom Originalschauspieler verkörpert. Ja selbst Jessica Lange haben sie zurückbekommen, der wahre Star der ersten vier Staffeln! Die Schauspieler, die nicht für diese Staffel zumindest kurz zurückgekehrt sind, kann man echt an einer Hand abzählen. Das ist natürlich der Vorteil, wenn man eine so erfolgreiche Serie mit weiterhin stabilen Einschaltquoten hat: Man kann sich mehr Cameos leisten. Abgesehen davon kann ich Bryan Murphy nur Respekt zollen, seine Erfolgsserien als Outlets zu nutzen den Traum eines jeden Schwulen zu realisieren: Jede Königin von einer Frau und jedes Sahnestück von einem Mann zu casten, für die er gerade eine Schwäche hegt.

Eigentlich hat sich bei American Horror Story also wieder gar nicht so viel verändert. Die Serie war immer dummer Trash, aber auch immer unterhaltsam, wobei einige Staffeln halt im Unterhaltungswert mehr schwächeln als andere – Apocalypse vorrangig in der zweiten Hälfte.

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Holidays

Ein weiterer Weihnachtshorrorfilm zu den Weihnachtsfeiertagen? Ja und Nein. Denn bei Holidays handelt es sich um eine Filmanthologie, die sich in ihren 95 Minuten von Jahresbeginn bis Jahresende durch gleich neun Feiertage hangeln wird, von denen Weihnachten (und das kommende Neujahr) nur je einer ist.

Die jeweils kurze Laufzeit geht natürlich dafür Garant, dass jeweils eine geradlinige Idee schnell und schnörkellos umgesetzt gehört, ohne die Dinge unnötig verkomplizieren oder gar je überhaupt zwangsläufig erklären zu können. Manchmal funktioniert Horror so viel besser, im kleinen Brocken eines schrägen Ereignisses. Tatsächlich sind viele der Segmente auch nicht super unheimlich, sondern mit dem Zeigen eines merkwürdigen Ereignisses voll und ganz beschrieben.

Wobei durch die unterschiedlichen Teams hinter den einzelnen Feiertagen auch sehr unterschiedliche Geschichten zustande kommen. Einige davon sind wesentlich gewöhnlicher. Valentinstag beispielsweise dreht sich um eine gehänselte Teenagerin, die in ihren Sportlehrer verknall ist, und ihre Peinigerin im Wahn ermordet, um dem angebeteten deren Herz zum Tag der Liebe zu überreichen. Ganz schwarzhumorig, weil der zum einen tatsächlich einen Fundraiser für Herztransplantate geplant hat, und weil wir einige Szenen durchs schräge Hirn der Protagonistin sehen.

Halloween beispielsweise dreht sich um einen Kerl, der sich Cam-Girls hält, nicht sonderlich nett zu ihnen ist, und deswegen von denen bestraft wird. Was nicht nur ähnlich Valentinstag eine relativ gewöhnliche Story ist, sondern auch ohne dessen Flair daherkommt, ja mehr in Richtung Torture Porn geschrieben zu sein scheint, aber im eigentlich ziemlich zahmen Film davon nicht mal was zeigen darf. Dass die Ereignisse zu Halloween stattfinden ist zudem auch absolut zufällig.

Damit haben es andere „Feiertage“ natürlich einfacher als andere. Muttertag und Vatertag sind beispielsweise auch beide vertreten, und solange eine Mutter bzw. ein Vater in die Handlung eingebunden ist, kann man natürlich machen, was man will. Nicht dass es so wahnsinnig schwer gewesen wäre, ausgerechnet Halloween auf Horror zu münzen.

Wesentlich einfallsreicher kommt beispielsweise St. Patricks Day daher. Die Story beginnt damit, dass eine Lehrerin ihrer Grundschulklasse ein Video über die Ursprünge des Tages zeigt, laut dem St. Patrick Schlangen von der irischen Insel vertrieb, was ein Sinnbild für Ketzer sein soll. Und das Segment endet dann damit, dass sie in einem heidnischen Ritual tatsächlich eine Schlange zur Welt bringt. Rosemary’s Snake nennt eine Ärztin diesen Vorfall sogar direkt fürs Publikum.

Auch in Ostern werden zwei Dinge miteinander verflochten. Ein kleines Mädchen bekommt es nämlich nicht so ganz auf die Kette, warum der Feiertag sowohl sich um einen Hasen, der Schokoeier bringt, dreht, als auch um die Wiederauferstehung Christus. Kinder fragen da natürlich gern viel nach, und die Mutter ist sichtlich irgendwann genervt, warum ihre Tochter nicht einfach die Lügen, die man Kindern schon seit Ewigkeiten erzählt, einfach so schluckt. Jedenfalls bekommt das Mädchen tatsächlich nächtlichen Besuch von… einem Monster welches beide Mythen miteinander verbindet, nämlich ein Mensch mit Jesus-Stigmata und Dornenkrone aber auch mit einem (komplett Fell-/Haarlosen) Hasenkopf.

Eine Konstante der Geschichten, die sich dann doch ergibt, ist definitiv der schwarzhumorige Einschlag. Ob die Pointe jetzt wirklich so wahnsinnig schmunzeln lässt, ist natürlich wieder je unterschiedlich, aber so einen gewissen Kick gibt es immer zum Ende der Geschichte hin. Vielleicht vom Mutter- und Vatertag mal abgesehen, obwohl ich eventuell auch eventuell den Witz bei jenen schlichtweg nicht verstanden habe.

Ein kurzweiliges und spaßiges Unterfangen der mysteriösen Art haben wir also in Holidays zu verzeichnen, bei denen definitiv die Würze in der Kürze liegt. Solange man natürlich nicht absolut beinharten Horror gezeigt bekommen will, wird einem hier also ein nettes Kaleidoskop an Abwechslung geboten.

Red Christmas

Red Christmas ist ein australischer Beitrag in das nicht enden wollende Fass an weihnachtlichen Horrorfilmen. Was für mich als Mitteleuropäer natürlich irgendwie etwas befremdlich wirkt, da die südliche Hemisphäre im Dezember Sommer hat. Die ganze saftig-grüne Pflanzenwelt und sommerlichen Kleider neben Weihnachtsdeko zu sehen, ist von der Stimmung her halt irgendwie strange, wenn man dies so nicht gewohnt ist.

Wir beginnen den Film mit einem Rückblick auf eine Abtreibungsklinik vor 20 Jahren, in der ein religiöser Fanatiker eine Kofferbombe hochgehen lässt und anschließend ein Abtreibungsbaby, welches den Vorgang überlebt hat (man sollte nicht zu lang drüber nachdenken), mit heimnimmt, um es in seinem religiösen Wahn aufzuziehen.

Mittlerweile sind wie gesagt 20 Jahre vergangen und Diane möchte Weihnachten mit ihrer erweiterten Familie verbringen. Es ist ein besonderes Fest, da es das letzte sein wird, welches im Haus, in dem sie mit ihrem verstorbenen Mann ihre Kinder großgezogen hat, gefeiert werden wird. Dass sie es verkaufen und sich die letzten Jahre ihres Lebens mit den daraus erschwinglich gemachten Reisen verbringen will, stößt allerdings gerade einer Tochter schlecht auf, da sie dann auch das Haus verlassen werden muss.

Bald schon hat die Familie allerdings ganz andere Probleme, denn sie bekommen Besuch von einem merkwürdigen Vermummten, der ihnen einen Brief vorlesen möchte. Welcher Dianes Abtreibung zum Thema hat, weswegen die ursprünglich karitativ eingestellte Frau ihn wüst schimpfend wieder rauswirft. So von seiner eigenen Familie enttäuscht, bleibt Cletus natürlich nichts Anderes übrig, als sie nach und nach umzubringen.

Für seine 80 Minuten ist Red Christmas also eigentlich sehr einfach und unkompliziert aufgebaut. Durch den Rückblick zu Beginn ist sowieso gleich klar, was die Absicht von Cletus bei der Familie ist, und warum das schnell aufs Morden hinauslaufen wird. Und da überrascht der Film auch nicht sonderlich. Höchstens interessant sein könnten einige Quirks in der Familie an sich. Beispielsweise ist eine von Dianes Töchtern absolut religiös-verklemmt, hat sich einen entsprechenden Mann angelacht. Und als der eine der anderen Töchter und deren Stecher beim Rammeln erwischt, schaut er voyeuristisch heimlich zu und masturbiert dann später im Wandschrank – scheinbar mehr wegen dem nackten Hintern des Kerls. Darauf wird jedoch nie wieder eingegangen, es ist mehr ein Randgag fürs Publikum.

Was der Film allerdings zum Thema macht ist das Down-Syndrom. Es ist der Grund, warum Diane die Abtreibung überhaupt machte, denn ihr Mann war bereits krank, und mit vier Kindern, von denen bereits eines Down-Syndrom hat, wollte sie sich es nicht aufbürden ein weiteres mit jener Diagnose großziehen zu müssen. Und auch wenn der Film seinem Killer die Behinderung gibt, so muss ihm immerhin zu Gute gehalten werden, dass er überraschend sensibel mit Jerry umgeht, dem ersten Down-Kind von Diane. Insofern als dass er ein ganz normaler Charakter des Filmes ist, auf dessen Kosten keine Witze oder sonstiges gerissen werden.

So ganz retten können die wenigen Quirks in den Charakteren oder in der Regie den Film allerdings nicht. Abgesehen davon, dass einige auch einfach nerven, wie die häufig sehr wackelige und nah rangezoomte Kameraführung, die weniger die Hektik der Situation wiedergibt, als es vielmehr einfach verdammt schwer macht mitzubekommen, was überhaupt abgeht. Wenn dann endlich mal jemand umgebracht wird, dann ist Red Christmas für einen Lacher gut, denn die sind irrsinnig over the top und gleichzeitig gar nicht mal so sonderlich gory. Dazwischen ist der Film halt nicht immer der spannenste, während sich die Familie im Haus verkriecht. Das ist vielleicht auch ein wenig das Problem, denn Red Christmas mag kein schrecklicher Film sein, aber einfach schrecklich blöd zu sein, so dass man sich herrlich drüber amüsieren kann, wäre vielleicht die bessere Alternative gewesen, als das gelieferte Produkt, welches ein Stück weit einfach Eindruckslos vorbeizieht. Von einem witzigen Kill hier und da mal abgesehen stehe ich ihm zumindest sehr ambivalent gegenüber.

Frohes alljährliches Tannenbaummassaker allerseits!

Digital Devil Story: Megami Tensei

Man vergisst es immer wieder gern zwischenzeitlich, aber ursprünglich ging das ganz erste Megami Tensei aus 1987 auf ein Buch zurück, hat sich dann nur ab dem zweiten Teil klar von denen distanziert. Ich mein, die drei trashigen Groschenromane Digital Devil Story sind sowieso nur in Japan erschienen, und eine inoffizielle Übersetzung reicht ebenfalls nur bis zum Ende des zweiten Bandes. Neben den beiden Videospiel-Adaptionen gibt es allerdings auch eine Anime-OVA.

Wie der Titel Digital Devil Story: Megami Tensei schon verrät, erzählt diese nur das erste der drei Bücher nach, denn nur jener trägt Megami Tensei als Untertitel. Nakajima ist also ein Computergenie, welcher das von ihm geschriebene Dämonen-Beschwörungs-Programm nutzt, um mit Loki einen Pakt zu schließen und sich an Schulschlägern zu rächen. Dummerweise übernimmt Loki seine Lehrerin, damit die etwas weiter Computerpferdestärken einsetzt, auf das von Nakajima gar nicht geplant die Gottheit in der realen Welt materialisieren kann. Im Kampf gegen ihn steht Nakajima auch die Transferschülerin Yumiko zur Seite, denn die beiden sind die Wiedergeburten von Izanagi und Izanami, was nun auch Nakajimas Alpträume ins frühere Leben erklärt.

Viel Fleisch ist zugegeben nicht dran, denn allzu viel geschieht in den sehr kurzen Büchern tatsächlich nicht. Am Ende des ersten Bandes ist Loki besiegt und Set kündigt sich bereits als Antagonist des zweiten an, und die OVA schafft das ohne wirkliche Abstriche in popelige 45 Minuten zu packen. Ich bin geradezu etwas gewillt der ganzen Sache das Prädikat Vergessenswert aufzudrücken. Dies ist nämlich nicht meine erste Berührung mit Digital Devil Story. Ich habe die Videospiel-Adaption von Namco und Atlus in Form von Kyuuyaku Megami Tensei gespielt. Da kann man noch sagen, dass jener Dungeon Crawler letztendlich außer Intro und Charakternamen kaum noch was mit dem Buch zu tun hatte. Aber auch die inoffizielle Übersetzung der ersten beiden Romane habe ich vor vielen Jahren gelesen, sowie diese OVA hier bereits gesehen gehabt. Und konnte mich dennoch an kaum etwas erinnern. Vielleicht liegt es allerdings auch an der langen Zeit und das ich schon sehr viel Mediales konsumiere, welches beständig ältere Dinge aus dem Gedächtnis verbannt.

Tatsächlich ist das Interessanteste am Anime der Look und Feel, und das wahrscheinlich auch nur für solche wie mich, welche die entsprechende Ära miterlebt haben. Es ist witzig die ganzen alten Computer zu sehen, die so viel leisten konnten wie heutzutage ein Smartphone, aber eine ganze Wand einnehmen und quietschend die Bänder ins Rollen bringen. Mit den alten CRT-Monitoren vor sich. Und natürlich das Design einer typischen 80s-Horror-OVA. Von den Charakter- über die Gegnerdesigns. Die Handanimation und der damit einhergehende etwas verwaschene und graustichige Look. Ein wenig Sexyness und ganz viel Blutspritzer und Dämonenfratzen. Und in den Alpträumen, wenn Nakajima als Izanagi von der Mumie Izanamis verfolgt wird, ein Uptempo-Track als Musik, der wirklich nur in einer Horror-Story der damaligen Zeit verwendet sein konnte.

Ob einen das über die immerhin kurzweiligen 45 Minuten an Standard-Cyber-Horror der Ära verhilft, ist dann natürlich von jedem selbst zu beantworten.

Resident Evil: Vendetta

Das Jahr 2017 sah einige neue Aktivität in der Resident-Evil-Franchise. Neben dem Release vom Live Action The Final Chapter und dem neuesten Videospiel Resident Evil 7: Biohazard, kam es nämlich auch zum dritten CGI-Film mit Resident Evil: Vendetta.

Der bringt uns den beliebtesten Charakter der Franchise zurück: Rebecca Chambers! Jetzt Professor Chambers, in einem argen Bruch mit der Suspension of Disbelief. Man hat ja über die Jahre so einigen Blödsinn im Namen von Resident Evil zu schlucken gelernt. Chris boxt einen Felsen? Klar. Ein Zombie-Elefant? Warum nicht. Whesker als Präsident? Ok. Aber „Professor Chambers“ geht dann doch etwas arg weit.

Sie ist sogar ein sehr integraler Charakter des Filmes. Denn ein Zombie-Virus geht um. Wow, in Resident Evil? Nicht doch. Tatsächlich ist es allerdings ein neuer, der die Zombies zu wesentlich effektiveren Waffen macht, da sie von Hersteller Arias kontrolliert werden, und somit nicht einfach jeden angreifen, den sie sehen. Rebecca, das Professoren-Superhin, hat ein Gegenmittel gefunden. Dann sieht sie auch noch aus wie die tote Frau von Arias, dem die Regierung einfach mal die Hochzeit zerbombt hat, woraufhin alle außer ihm starben, was ihn überhaupt zu seiner Zombie-Vendetta verleitet.

Was ich hieran persönlich ganz interessant fand, war die Tatsache, dass Shinji Mikami in einem Interview sagte, dass er passive weibliche Charaktere wie Rebecca gar nicht leiden kann, und nicht im Original Resident Evil haben wollte. Wirft natürlich ein wenig die Frage auf, warum man ihre Rolle im REmake nicht etwas angepasst hat, oder warum Jill in besagtem Spiel in jeder zweiten Cutscene auf den Hintern fällt und von Barry gerettet werden muss. Interessant ist das aber auch im Kontext mit Vendetta, mit dem Mikami natürlich nichts zu tun hatte. Denn Rebecca ist hier ein durchaus sehr starker und sich durchsetzender Charakter, wenn auch wie gewohnt als Medic bzw. Professor keine Kämpferin. Oder zumindest bis sie halb durch den Film durch vom Schurken entführt und zur Damsel in Distress gemacht wird. Da musste ich dann doch etwas schmunzelnd an das Interview denken.

Netterweise hat sie gleich zwei Kerle, die um ihre Befreiung kämpfen. Zum einen Leon, der wie immer in den Filmen leider nicht der DMC-Dante-light Sprücheklopfer und witziges Kerlchen bekannt aus Resident Evil 4 ist, sondern weiterhin relativ selbstmitleidig auf den Grund von Alkoholflaschen schaut, bevor er von Rebecca ins Gewissen geredet bekommt, dass man vielleicht doch mal ein paar Zombies abknallen gehen sollte. Dann stiehlt der Alte aber echt das Rampenlicht, ist Leon doch der Einzige, der hier die coolen Slow-Motion Shots bekommt im Schusswechsel mit Zombies oder auf dem Motorrad gegen Zombie-Hunde. Chris ist auch mit dabei, eigentlich der Charakter, den wir am meisten sehen werden, und absolut goldig in seiner Daddy-Nummer gegenüber Rebecca.

Aus der ganzen Sache damit, zu hinterfragen, ob eine Regierung überhaupt unterstützenswert ist, die viele Unschuldige auf einer Hochzeit umbringen, nur um einen Waffenhändler zu erledigen, macht der Film natürlich letztendlich nichts. Genau wie die beiden Freunde von Arias, Nina Williams für Arme und ihr Hühnen-Vater zwar wichtig aussehen, dies jedoch nie werden. Resident Evil halt, wen kümmert schon die Handlung – den Film an sich sicherlich eher nur auf drittrangiger Stelle. Dafür kommt er dem Rest aber nicht in den Weg.

Er ist nämlich dennoch ziemlich gefällig und vielleicht bisher die beste Film-Inkarnation der Franchise. Einfach weil er ziemlich launig unterhält. Ob es nun die Anfangsszene in der Villa ist, in der Chris mit Einsatzteam durch die dunklen Gänge geht und einer nach dem anderen von Zombie-Kindern zerfleischt wird. Teilweise in atmosphärischer Egoperspektive. Oder dann eben später, wenn die Action so richtig aufdreht, und gegen die Horden an Zombies vorgegangen wird. Dabei immer dämlicher aber auch witziger werdend. Kulminierend in einem Nachkampf Chris vs. Arias, in dem sich die beiden mit Knarren beschießen, aber dauerhaft trotz nächste Nähe verfehlen, weil sie mit Akrobatik und Fisticuffs einander beständig ausweichen. Etwas besser aussehen könnte der Film lediglich, hinkt er doch weit hinter anderen CG-Filmen wie beispielsweise Kingsglaive hinterher.

Resident Evil: Vendetta ist absolut dämlich, aber auch absolut unterhaltend. Prädikat Sehenswert.

Resident Evil: The Final Chapter

Man kann der Resident Evil Film-Franchise so einiges vorwerfen, von minderer Qualität zu schlechter Reputation, aber sicherlich nicht, dass sie nicht profitabel gewesen wäre. Wo ständig Videospiele für Verfilmungen optioniert werden, daraus dann aber gar nicht so häufig etwas wird, oder wenn dann nach einem oder zwei Filmen wieder eingehen, lief Resident Evil immerhin für 14 Jahre und brachte 6 Filme hervor. Plus bereits Gespräche über ein Reboot und weiterer Zusammenarbeit von Capcom, Constantin Film und Paul W.S. Anderson im bereits im Filmen befindlichen Monster Hunter.

Und das, wo die Filme auch noch ein durchgängig überschaubares und relativ konstantes Budget von für Hollywood mageren 40-60 Millionen Dollar hatten, während die Abverkäufe mehr und mehr Gewinn machten. Kurioserweise sinkend im eigenen Land, aber steigend in ausländischen Märkten. Ist vielleicht so ein Ding wie Fluch der Karibik, welches auch nur noch existiert, weil es in China unglaublich an den Kassen klingelt, während der Rest der Welt seit zwei Filmen über die Franchise hinweg ist.

Mit den Videospielen hatten die Filme irgendwie sowieso schnell gar nichts mehr zu tun. Was vielleicht im Grundsatz keine schlechte Idee ist. Die Spiele haben schwachsinnige Charaktere in dämlichen Handlung zu bieten, und sind dann am besten, wenn man sich dessen voll bewusst ist und den Blödsinn regelrecht zelebriert wie ein Resident Evil 4, oder möglichst wenig Handlung bietet wie das erste Resident Evil. Sich stark vom Ursprungsmaterial wegzubewegen hätte hier zumindest die Möglichkeit gegeben, die Filme besser zu schreiben. Dem ist wie wir wissen allerdings nicht so gewesen.

Genau genommen erinnert man sich eh kaum daran, was in vorigen Filmen geschieht, die aber netterweise immer einen schnellen Recap bieten, nach dem zu urteilen sowieso nie viel von Wert geschehen ist. Wobei The Final Chapter ordentlich Backstory zum Ursprung des T-Virus und Umbrella gibt, von denen ich echt nicht sicher wäre, dass dies so direkt überhaupt mal in den vorigen fünf Filmen angesprochen wurde. Nachdem dies das Schlusskapitel ist und so auf die Tochter des Forschers, die als Bildnis für die Computer-KI Red Queen aus dem ersten Teil herhalten durfte, rumgeritten wird, ist sicherlich auch schnell jedem klar, welches Geheimnis hier um Amnesie-Alice gelüftet werden wird.

Ich dachte übrigens auch, dass der vorige Film darauf geendet hatte, dass sich Alice und ihre Company in Washington DC getroffen haben, um ein letztes Gefecht zu schlagen. Keine Ahnung, ob da in der Babypause von Milla Jovovich zu viele Schauspieler für abgesprungen sind, oder was auch immer, aber The Final Chapter erklärt uns, dass dies nur eine Falle von Whesker war und nun ist Alice wieder alleine unterwegs. Die Red Queen kontaktiert sie, meinend dass die letzten tausend menschlichen Überlebenden innerhalb von 48 Stunden aussterben werden, es sei denn, sie kommt zum Umbrella-HQ aus dem ersten Teil im zerbombten Raccoon City zurück, um ein dort gelagertes Antivirus zu entlassen. Wie praktisch.

Ach ja, und Umbrella ist nicht voller Idioten, die keinen Virustest machen können, ohne dabei versehentlich das halbe Land zu infizieren, sondern zumindest in der Filmfranchise dürfen wir herausfinden, dass dies eine gezielt eingefädelte Apokalypse ist. Da die Erde in naher Zukunft durch Umweltzerstörung und Überbevölkerung eingegangen wäre, haben die Umbrella-Obrigen auf eine regenerierende Zombie-Apokalypse gesetzt, während sie sich im Kryptoschlaf auf eine bessere Zukunft der Elite freuen. Klar, warum auch nicht.

Im Prinzip besteht der Film nun aus dem Trip von Alice nach Raccoon City, auf dem sie an Umbrella-Militärs gerät, und auch einen Fight in den Ruinen angekommen gegen Sie mit weiteren Überlebenden hat. Plus dann der Gang durch das wieder aktivierte Sicherheitssystem des unterirdischen HQs.

Alles leidlich unterhaltsam, da die Action nämlich nie wirklich abzubrechen vermag, und man sich um viel mehr sowieso nie zu scheren gewusst hat. Dass das Budget nie wesentlich erhöht wurde, sieht man dabei allerdings leider, denn die CG-Effekte sind weiterhin mau, und allgemein kaschiert der Film viel durch dunkle Shots und verwackelter Kamera, auch in Sachen Action-Chorographie. Zudem sind die Gegnerdesigns halt auch nicht der Bringer, sondern hauptsächlich stinknormale Zombies, an denen sich die Welt vor Jahren tot gesehen hat. Resident Evil verkam relativ schnell zu einem durchschnittlichen und Identitätslosen Zombie-Action, und daran wird auch The Final Chapter nichts mehr ändern. Milla Jovovich hat immerhin wie immer ihren Spaß und Onscreen Charisma, auch wenn man aus ihrer Rolle natürlich nicht viel rausholen kann.

Ich bin einer, der sich nie über die Filme so aufregen konnte, wie das manch anderer vermag. Was aber auch nicht bedeutet, dass ich sie sonderlich gut finde. Für mich dümpelten die alle mehr oder weniger zwischen langweilig bis ganz schaubar dahin. Das ist keine hohe Auszeichnung, aber dann wiederum scheinen die Projekte nie sonderlich ambitioniert gewesen zu sein. The Final Chapter fällt da so ein wenig in den oberen Bereich der niedrig angesiedelten RE-Film-Qualität: Man wird nicht einschlafen, aber den Film nach einer Woche bestimmt schon wieder vergessen haben.

Corpse Party (2015)

Zufällig lief neulich der 2015er Live Action zu Corpse Party bei uns im kleinen Nischenkino, da er wohl bald seine Deutschlandveröffentlichung hat, und da geht man doch ruhig mal hin. Vom Regisseur, der uns auch Hitori Kakurenbo beschert hat, was jetzt nicht unbedingt eine Auszeichnung ist. Doch zu Corpse Party kann ich aber ruhigen Gewissens sagen: Es ist ein ziemlich schlechter Film, und jeder sollte ihn sehen.

Grundsätzlich geht der Film die gleiche Handlung ab, nur natürlich viel schneller. Eine Gruppe Teens macht ein dämliches Ritual, bei dem Sachiko angerufen wird, weil man sich dann angeblich niemals trennen wird. Stimmt so gesehen auch, denn es versetzt die Schüler in die Grundschule, in der drei Kinder umgebracht wurden, und aus der es kein Entrinnen gibt, bevor nicht der Geist von Sachiko beschwichtigt wird. Die große Wendung am Ende, wer der wahre Kindsmörder ist, welche im Spiel ziemlich offensichtlich war, und im Film etwas weniger so ist da er so viel schneller voranschreitet, weniger Aufbau bietet, mit inbegriffen.

Was der Film sogar fast etwas besser hervorbringt als das Spiel, dem geschuldet das er sich nicht wie das Visual Novel mehrere Pfade und Bad Ends basierend auf die Multiple-Choice-Möglichkeiten leisten kann, sondern alles in eine straffe Narration packen muss, ist das die Extremsituation nicht gerade das Beste aus diesen Kids herauszulocken vermag.

Die kleine Schwester, der nervigste Charakter, der bitter aus der Riege im Spiel hervorgestochen ist, ist übrigens immer noch mit dabei, auch wenn ihre Route eine ist, die zum Großteil verändert wurde. Es ist ihr mit dem Film-Casting definitiv nicht geholfen worden, denn die Schauspielerin schaut genauso alt aus wie der Rest der Truppe, verhält sich aber weiterhin wie eine unterbelichtete 6-Jährige. Aber wenigstens gibt es jetzt weniger Zeit mir ihr. Einschiffen darf sie sich dennoch auch hier, für diejenigen, dessen Fetisch das war.

Allgemein hilft es einem in den Grundzügen so simplen und vorhersehbaren Horror-Plot wie in Corpse Party natürlich wenig, wenn man ihn in einen kurzen, geradlinigen Film stecken muss, dem sowohl die Interaktion des Spielers mit dem Geschehen abgeht, als auch die interessante Kapitelstruktur mit den verschiedenen Endmöglichkeiten. Außerdem ist das Ding billig gemacht, die Schauspieler bieten alle eher unterirdische Leistungen, und die deutsche Synchro ist auch nicht unbedingt hochwertig.

Das ist aber alles absolut irrelevant. Schaut den Film dennoch unbedingt, und das auf jeden Fall in einer Riege an Freunden, oder Leuten, die ihr zu solchen machen wollt. Denn Corpse Party (Live Action) ist die witzigste Komödie unseres Jahrhunderts.

Der Film ist einfach so absolut chaotisch und unbegreiflich, es grenzt an vielen Punkte stark an Parodie. Wenn die Charaktere dann schlecht geschauspielert in absolute hysterisch-witzige Emotionen verfallen, oder diese absolut dämlichen hormonellen Entscheidungen treffen, die sie sicher umbringen werden, und das Ganze nur übertrieben und aus dem Nichts kommend wirkt. Wenn der Gore ebenfalls so absolut überdramatisiert wie gleichzeitig nonchalant präsentiert wird. Als die Lehrerin zu Beginn die Türe aufmacht und ohne jegliches Trara den Schädel eingehämmert bekommt, oder die eine Schülerin von den beiden kleinen Kindern so fest gegen die Mauer geworfen wird, dass ihr Körper explodiert. Wenn der eine Kerl fasziniert vor dieser Pfütze, die mal seine Mitschülerin war, steht, und einen Anruf von ihrem Geist bekommt, er solle ihr nicht auf die Organe starren. Ich habe mich weggeschmissen vor Lachen während des Filmes.

Das ist es einfach. Die Momente, die im Spiel grausam sind, die im Spiel leichte unheimliche Atmosphäre aufbauen, die Charaktermomente zeigen, einfach die überraschen oder erschrecken oder mitfühlend machen sollen… sind alle im Film absolut lächerlich und das auf die beste unfreiwillige Art und Weise, die man sich nur wünschen könnte. Hut ab Corpse Party, ich habe selten so gelacht, Unterhaltungswert 10/10.

American Horror Story: Cult

Auch dieses, bzw. mittlerweile dann ja doch schon letztes Jahr, gab es eine neue Staffel von American Horror Story. Diese nennt sich Cult und nimmt sich zu gegebenem Anlass direkt mal den Totalausfall der amerikanischen Präsidentschaftswahl an. Oder das zumindest zu Beginn.

Ich meine, AHS ist immerhin kein South Park, bei dem man eine Woche vor Ausstrahlung erst das Skript schreibt. Von daher kann man natürlich davon ausgehen, dass die Präsidentschaftswahl oder zumindest deren ultimatives Ergebnis sich nur sehr gut mit dem Hauptthema der Staffel paaren lies. Denn dieses ist dem Untertitel geschuldet eines um Sekten. Hauptsächlich eben, wie charismatische Soziopathen es schaffen, Leute von ihren immer extremeren Vorstellungen zu überzeugen. Maßgeblich natürlich dadurch, dass sich Menschen von ihrem Staat und sozialem Umfeld im Stich gelassen fühlen, weil sie in zumindest als immer chaotischer und schlimmer werdend wahrgenommenen Zeiten nach einfachen Lösungen suchen, und nach jemandem, der ihnen eine klare Linie vorgibt, ihnen die Verantwortung fürs eigene Leben abzunehmen bereit ist.

Das funktioniert eben ganz gut mit dem Zuckerguss der Wahlen. Denn die Präsidentschaftswahl war schon eine, die viele mit Unmut zurückgelassen hat. Schon vor dem Ergebnis war es oftmals eine Entscheidung für das kleinere Übel, denn so wirklich populär war auch Clinton selbst bei vielen Demokraten nicht. Und leider ist das amerikanische System auch noch so aufgebaut, dass es sich nur lohnt eine der beiden großen Parteien zu wählen, Stimmen an Dritte verschwendet sind.

Und dadurch, dass es letztendlich Trump geworden ist, kann sich AHS: Cult so richtig auf die uramerikanische Kleinstadtangst einlassen. Eben zum einen der Radikalisierung der Alt-Right und dem ganzen Anhang, die schleichend und vor allem auch bei jungen Männern im Internet, zu dem Ergebnis geführt hat, mit dem nun gelebt werden muss. Aber auch die liberale Wählerschaft der Demokraten, die dank des Trump-Regimes darum zittern dürfen, dass ihnen langsam aber sicher ihre Rechte wieder aberkannt werden, oder die Nachbarschaft von Neo-Nazis überschwemmt wird.

Optisch bleibt die Serie übrigens bei der brachialen, realistischen Darstellung der vorigen Staffel. Das Opening mag zurück sein, das Promotionsmaterial wieder viel Glamour und Class verbreiten, doch die Optik ist wieder bodenständiger und ernster. Was der Thematik durchaus auch ganz gut tu.

Wobei ich persönlich die Staffel im späteren Verlauf besser fand, als eben der Bezug auf die aktuelle politische Lage immer notdürftiger wurde, und die eigentliche Handlung um den Kult angefangen wurde. So ganz verschwunden ist es nie, aber AHS ist halt einfach eine viel zu dumme Serie, um wirklich etwas aussagen zu können, und da nimmt sich Cult nichts. Ganz so wie jede Staffel kommen immer mehr Nebenhandlungen hinein, hier noch eine Abzweigung, hier noch eine Biegung in die Geschehnisse. Nicht alle wirklich zwangsläufig zu einem befriedigenden Ende gebracht, und allgemein die Serie zu verwässernd, um wirklich am Ende des Tages eine Punkt und eine Aussage zu bieten. AHS schaut man für den Unterhaltungswert, nicht um dabei auch das Hirn aktiviert zu haben.

Und so wird von 4Chan bis zu den extremen First Wave Feministen, die plötzlich eigentlich der Zodiac Killer waren, weil sie alle Männer umbringen wollten, alles geboten. Warum junge Menschen dennoch rechts wählen, warum die snobistische Einstellung vieler Linker keinen für ihre Seite gewinnen kann, gezielt geschürte Panik durch fingierte Überfälle, um die immer bessere Kriminalstatistik zu untergraben und subjektive Gefahr der objektiven Lage entgegenzusetzen – und am Ende gibt es doch das Matriarchat als richtige Gruppe von Frauen in Kutten. Wilder Ritt, abgedreht und unterhaltsam, aber wann immer die Serie droht vielleicht doch einen nuancierten Punkt zu machen, wird das von einer an den Haaren herbeigezogenen Idee wieder untergraben. Aber hey, Subtilität oder Hirn kann man der aktuell realen politischen Lage in den USA tatsächlich nicht vorwerfen, von daher ist AHS vielleicht gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt, wie sie das mal war.

A Christmas Horror Story

Bei A Christmas Horror Story handelt es sich um einen weiteren amerikanischen Horrorfilm aus dem Jahr 2015, der zur Weihnachtszeit spielt, und welcher den Krampus für sich entdeckt hat.

Nur haben wir es diesmal um eine Anthologie aus vier kaum miteinander verknüpften Geschichten zu tun. Für einige davon ist Weihnachten wichtiger, bei anderen ziemlich nebensächlich. In der einen Geschichte folgen wir drei Teenagern, die zu Weihnachten in ihre Schule einbrechen, weil sie eine Doku darüber drehen wollen, als das Gebäude noch von Nonnen geleitet wurde und nun der Geist einer bei der Abtreibung ihres Kindes gestorbenen Mädchens umgehen soll. In der nächsten folgen wir einer dysfunktionalen Familie, die zum Fest die deutsche Tante besuchen wollen, und von Krampus gejagt werden. Die Familie der dritten Geschichte geht in eine abgesperrte Zone im Wald, um ihren perfekten Weihnachtsbaum zu schlagen, nehmen aber statt ihres Kindes einen Gestaltwandler mit nach Hause. Die vierte Geschichte spielt hingegen in der Fabrik vom Weihnachtsmann, der seine zu Zombies mutierten Elfen köpfen muss.

Den Rahmen von alledem bildet William Shatner, der als DJ einer Radiostation zu Weihnachten ein wenig hier und dort kommentiert, Lieder einspielt, und über den Krieg gegen Weihnachten mosert. Weil es für gelangweilte, konservative, mittelständige Weiße ohne echte Probleme im Herzen Amerikas nichts Schlimmeres gibt, als das man in Geschäften nur noch „Frohe Feiertage“ wünscht, da in der Multikulti-Gesellschaft eben nicht jeder Kunde zwangsläufig das christliche Weihnachten feiert. Unterdrückung von Religion und Redefreiheit und all der an den Haaren herbeigezogene Müll. Hashtag White Genocide.

Nun handhaben es Anthologien meist so, dass sie ihre verschiedenen Geschichten nacheinander abhandeln. Um sie vage miteinander zu verknüpfen läuft vielleicht mal wer aus einer anderen durch den Hintergrund oder offenbart die letzte doch einen größeren Zusammenhang, aber zunächst läuft jede Geschichte für sich. Warum das normalerweise so gehandhabt wird, zeigt sich ganz gut in A Christmas Horror Story, welches nämlich nicht dieser Konvention folgt. Stattdessen hält er sich an eine normale Filmstruktur und springt Szene für Szene zwischen den Geschehnissen hin und her. Das funktioniert bei einem normalen Film, der einen eindeutigen Hauptfokus hat, aber nicht so sehr bei einer Anthologie. Denn so häufig zwischen Charaktergruppen, Handlungssträngen und Lokalitäten hin und her zu wechseln, die alle gleiche Gewichtung haben, ist eher verwirrend und wirkt wie ein Durcheinander.

Ansonsten ist es halt so, wie das bei Anthologien häufiger der Fall ist, dass sich die Gefälligkeit des Filmes stark danach richtet, in welcher Storyline man sich gerade bewegt. Wobei ich schon sagen muss, dass die alle keine großen Sprünge machen. Am interessantesten ist im Prinzip diejenige, die am stärksten heraussticht, nämlich der Weihnachtsmann im Kampf gegen seine Zombiehelfer. Die Handlung ist zwar auch ein wenig simple durch die insgesamt kurze Zeit, aber doch sehr unterhaltsam, von der Grundidee nicht so Standard, und vor allem auch mit einer netten Wendung fürs Ende bestückt, die darauf aufbaut, dass diese Handlung so anders ist. Die anderen drei sind halt so ein wenig gehabt, durch ihre Kürze und den schnellen Wechsel zwischen ihnen nicht komplett langweilig, werden einen aber auch nicht wirklich vom Hocker hauen.

Frohe Festtage und der ganze Kram dann auch von mir.

Krampus

Ich muss eingestehen, bevor Horror-Hollywood vor wenigen Jahren ihn kurzzeitig für sich entdeckte, habe ich noch nie vom Krampus gehört gehabt. Allerdings scheint es so, dass der zwar gern der deutschen Folklore zugeteilt wird, aber dann doch stark auf den alpinen Raum von Bayern über Österreich nach Tirol beheimatet ist. Mir als Nordhesse wäre das Vieh zumindest noch nie über den Weg gelaufen.

Der nach ihm benannte Film Krampus ist übrigens dahingehend sehr interessant, als dass er mich ein wenig an Gremlins erinnert. Für kleiner Kinder ist er nämlich wohl schon etwas zu gruselig, aber insgesamt doch handzahm genug, als dass man ihn mit den etwas Größeren als Familien-Gruselstreifen zu Weihnachten schauen könnte.

Bestenfalls denjenigen, die eine leicht zynische Ader haben. Horrorfilme zu Weihnachten, wenn der Tag an sich nicht eher zufällig gewählt scheint, sind natürlich von Natur aus eher mit einem differenzierten Blick auf den Feiertag ausgestattet, statt es als absolut wundervollste Zeit des Jahres voller Kuscheleinheiten zu präsentieren. Krampus allerdings ist schon fast eine schwarze Komödie an gewissen Stellen. Darauf stimmt uns bereits die Einstiegsszene ein, die eine außer Kontrolle geratene Bande von Leuten im finalen Rausch die Weihnachtsgeschenke zu kaufen zeigt, sich die gegenseitig aus den Händen reißend, die eigenen Kinder fast niedertrampelnd. Und dazu immer schön ein Weihnachtslied.

Der Hauptfilm an sich geht natürlich zu einer Familie nach Hause, deren nahe Verwandten zum Weihnachtsfest eingeladen sind. Obwohl sich keiner davon wirklich sonderlich leiden kann. Die einen werden für Snobs gehalten, die anderen für White Trash. Und die unleidliche Tante, die eh alles scheiße findet, ist auch noch mit dabei. Da ist es klar, dass man sich fast sofort auf die Nerven geht, passiv-aggressive Töne durch die Gegend fliegen, und die Spannungen gerade unter den Kids irgendwann zu eskalieren drohen.

Doch was bringt eine Familie zu Weihnachten schon besser zusammen, als plötzlich in einem Schneesturm im eigenen Hause gefangen zu sein, während der Krampus die Nachbarscheit heimsucht, um sich diejenigen vorzuknöpfen, die zum Fest nicht bemüht fröhlich und glücklich sind, so wie sich das gehört?

Was ich Krampus allerdings echt hoch anrechne ist, dass es sehr mit den Erwartungen des Publikums zu spielen weiß. Eben weil er relativ harmlos gehalten ist. Die Monster sind zwar schon unheimlich designt, aber es gibt kein wirkliches Blut zu sehen, Charaktere sterben alle Off Screen, und nackte Tatsachen sind ebenfalls absent. Gerade deswegen erwartet man halt fast, dass dies wie eingangs erwähnt so ein Stück weit Familienhorror ist. Dass es hier darum gehen wird, das die Familie nur im gemeinsamen Kampf zusammenfinden muss. Den wahren Sinn von Weihnachten entdeckt. Alles am Ende irgendwie doch überstanden wird und gut ausgeht.

Aber genau das liefert Krampus eben nicht. Wenn die Teenie-Tochter bereits nach einer halben Stunde doch kurz in das Schneetreiben geht, um ihren wenige Häuser entfernten Freund aufzusuchen, und der Krampus sie zu jagen beginnt. Ja das ist doch eindeutig nur da, damit ein Familienangehöriger die Gefahr zu Gesicht bekommt und die anderen darauf aufmerksam machen kann. Sie wird es doch bestimmt wieder zurück nach Hause schaffen. Nope. Und in der finalen halben Stunde, auf die wahrscheinlich fast das ganze Special-Effects-Budget verwendet wurde, geht sowieso alles drunter und drüber – was für eine Gaudi.

Schön vor allem auch, dass die Omi von einer österreichischen Schauspielerin verkörpert wird. Um an die Folklore anzuknüpfen ist die nämlich deutschstämmig und spricht auch fast nur unsere Landessprache den kompletten Film über. Was übrigens ein weiterer netter Gag ist, wenn sie dann doch der Einfachheit halber (die meisten Familienangehörigen verstehen kein Deutsch, so dass der Junge meist übersetzt) eine kurze Geschichte in Englisch erzählt, und die Tante meint, sie hätte schon immer gewusst, dass die Omi nur zu starrköpfig ist, die Sprache zu sprechen. Die Omi ist sowieso der härteste Charakter des Filmes und der in einer Animations-Sequenz erzählte Flashback an die Nachkriegszeit, in der sie bereits auf den Krampus traf, ziemlich cool.

Super unterhaltend war der Film einfach. Ich habe per se kein Problem mit dem Weihnachtsfest, aber gleichzeitig finde ich es halt auch immer erheiternd, auch so einen eher zynischen Blick drauf geworfen zu sehnen. Und Krampus ist einfach herrlich gemein von seiner Wesensart her, sowohl dem Fest wie auch der Familie gegenüber. Aber eben auf eine schwarzhumorige Art und Weise. Hat mir echt total gefallen.