American Horror Story: Double Feature

ava-2662Nachdem das Covid-Jahr ausgesetzt wurde (also das erste zumindest), war es Ende letzten Jahres wieder soweit für die nun nicht mehr ganz jährliche Tradition einer neuen Staffel American Horror Story. Diesmal waren sogar Sarah Paulsen und Even Peters wieder dabei, die damit in jeder der mittlerweile zehn Staffel mit der Ausnahme von 1984 mitgespielt haben.

Die Inspiration sind diesmal gute alte Lovecraftian Vibes. Wir gehen in eine New England Küstenstadt in den USA, die im Sommer ein Tourismus-Ziel ist, aber im Winter einschläft. Gerade in jenem weniger bevölkerten und leicht melancholischen Winter zieht Schreiberling Harry Gardner mit seiner kleinen Familie vorübergehend hierher. Er, um in Ruhe ein neues TV-Script zu erstellen, während seine Frau das Haus für die im Sommer zurückkehrenden Bewohner umdesignen soll. Doch die Muse will nicht treffen, zumindest nicht, bis Harry auf zwei berühmte Exzentriker seines Berufsstandes trifft, die ihm ihre geheime Pille unterjubeln. Der einzige Nebeneffekt? Hunger nach Menschen, und für jene ohne kreativen Funken ein Dasein als Ghoul.

Quatsch, in Wirklichkeit dreht sich die neue Staffel um Aliens. Als vier Freunde auf einem Camping-Auslauf verlorengehen, finden sie sich anschließend geschwängert wieder vor – einschließlich der Männer. Schnell werden sie von der Regierung aufgegriffen und in ein Geheimlabor geschafft, wo seit den 1950ern, als sich Aliens zum ersten Mal an die US-Regierung wandten, Versuche die beiden Spezies zu kreuzen vonstatten gehen.

Welche Synopsis stimmt nun? Beide. Denn American Horror Story ist nicht umsonst als Double Feature betitelt. So laufen die ersten sechs Folgen unter dem Nebentitel Red Tide und die finalen vier unter Death Valley, mit jeweils komplett eigenständigen Handlungssträngen und Charakteren, die mal in die B-Movie Ecke der Aliens und mal der Fischmenschen geht. Von den Vibes her zumindest.

Das ganze Unterfangen ist dabei gewohnt ziemlich trashig. Wobei Red Tide noch etwas mehr hergibt. Geht es doch hier um ambitionierte Menschen, die in der Mittelmäßigkeit gefangen sind, und was sie alles tun würden, um aus ihr zu entfliehen und ihr wahrgenommenes volles Potential auszuschöpfen. Inklusive der Angst, doch nicht gut genug zu sein. Wie gesagt transformieren die Pillen nur jene, die schon einen kreativen Funken innehalten, zu wahren Genies auf ihrem Gebiet. Wer tatsächlich mittelmäßig war, der entwickelt sich sogar zurück in einen verstandslosen Zombie, der die Küste nach Opfern absucht. All das gebündelt an eine Stadt, in der das ein offenes Geheimnis ist, von dem niemand zu viel wissen will, die sich aber gewahr sind, dass ihr Lebensdasein vom davon abhängt.

Das macht die erste Storyline zur ambitionierten und besser ausgearbeiteten. Eine die gut unterhält und viel zu einem Klimax aufbaut… und dann leider in bester American Horror Story Tradition nicht weiß, wie sie es wirklich beenden soll. Wie immer war die erste Hälfte der Handlung echt cool, die zweite etwas mäandernd und sich verlierend, und die Finalfolge ziemlicher Mist.

Death Valley ist hingegen eher eine Fußnote in der Staffel. Konstant ungefähr auf dem gleichen Niveau, welches weder sonderlich herausragend interessant noch besonders schlecht ist, sondern so auf Mittelschiene mit seinen nur vier Episoden an einem vorbeirauscht. Der interessanteste Aspekt ist noch, dass so ziemlich jede Verschwörungstheorie der US-Regierungsgeschichte aufgegriffen wird, von Area 51 zu Affären im Präsidentenhaus. Vieles davon, was nicht direkt mit Aliens zu tun hat, üblicherweise eher für Shock Value eingebaut. So ist American Horror Story halt.

Ich war echt an dieser Staffel interessiert. Wegen ihres Konzepts. Denn bisher war es immer so, dass viele Seasons von American Horror Story mit ihrer Länge zu kämpfen hatten. Zehn bis dreizehn Folgen füllen wollend, aber scheinbar ab der Halbwertszeit nicht so richtig wissend, was man noch weiter machen soll. Vorigen Staffeln haben das schon ein wenig mitigieren wollen, in dem sie einen gewissen Cut in der Handlung hatten. Roanoke beispielsweise, wo die finalen Folgen in die Reality TV Sendung gehen, oder 1984 mit seinem Zeitsprung. Hier nun wirklich zwei komplett unabhängige kürzere Handlungen bieten zu wollen, hätte für mehr Stringenz und einem dichteren Ablauf führen können. Leider ist im Endeffekt Red Tide allerdings mit den gleichen Problemen der vorigen Staffeln nur im Kleinformat bestückt, während Death Valley mehr oder weniger gar nicht richtig zu packen weiß.

Better Watch Out

ava-2655Es ist so weit, die Zeit im Jahr ist gekommen, es weihnachtet sehr. Nebst anderer anstehender Feiertage diverser Kulturgruppen und Religionen. Ich wünsche also allen dort gut durchzukommen. Wer wie immer eine Runde Zynismus dazu braucht, die Tage zu überstehen, für den gibt es bekanntlich reichlich Horrorfilme. Wie beispielsweise auch den 2016ern Better Watch Out, den ich dieses Jahr gesichtet habe.

Ashley, die demnächst aufs College gehen wird, und deswegen momentan Probleme mit ihrem zurückbleibenden Freund hat, wird vorher noch ein letztes Mal ihrem Nebenjob nachgehen. Nämlich auf den Sohn der Lenners, Luke, aufzupassen, während die auf einer Weihnachtsfeier sind. Luke ist schon eine Weile in die ältere Ashley verschossen und sieht nun seine Chance jetzt mit ihr anzubandeln.

Das blockt Ashley ziemlich direkt ab, wobei die beiden sowieso schnell andere Probleme bekommen. Merkwürdige Anrufe und Geräusche ums Haus. Eine plötzlich offene Türe. Und schon geht ein Maskierter mit einer Schrotflinte um, gegen den sich die beiden erwehren müssen.

So weit, so üblich das Setup für einen Weihnachts-Slasher. Dabei bleibt es allerdings nicht, der Film wird ziemlich schnell auf den Kopf gestellt. Um darüber zu reden, warum er mir deswegen so gut gefallen hat, muss ich natürlich ab jetzt auch viel spoilern. Mal so als Warnung für diejenigen, die weiterlesen wollen.

Wie sich nämlich schnell herausstellt, ist der Einbrecher der beste Freund von Luke. Luke wollte Ashley einfach erschrecken und sich wie der Held aufspielen, der die Gefahr aus dem Weg räumt, um bei ihr zu punkten. Jetzt, wo Ashley ihm auf die Schliche gekommen ist, wird daraus natürlich nichts, sondern er hat es mit einer aufgebrachten Babysitterin zu tun. Die er kurzerhand die Treppe runterschmeißt, um sie auzuknocken. Ashley erwacht an einen Stuhl geknebelt wieder, während Luke und dessen Freund sichtlich Freude an ihrem Schabernack haben. Da taucht Ashleys Freund unverhofft beim Haus auf und die Situation droht ihnen zu entgleiten.

Aber selbst dafür hat das Spiel noch einen doppelten Boden. Einen Großteil der unvorhergesehenen Ereignisse sind nämlich gar keine, sondern ein lange von Luke angelegter Plan, der auch nach und nach aufzugehen scheint, während sich die Leichen anzusammeln beginnen.

Better Watch Out ist ein ziemlich zeitgemäßer Slasher. Rum sind die Zeiten, in denen die Killer schmuddelige Kerle waren, die in die reine Vorstadt eingedrungen sind. Keine Entflohene aus einem Gefängnis oder einer Irrenanstalt mehr. Mittlerweile sitzen die Killer in Suburbia selbst, herangezogen von gutbürgerlichen Eltern. Es sind die Nice Guys, die meinen fürs Nettsein eine Belohnung bekommen zu müssen, was eine wenige nette Einstellung ist. Luke kann nicht verstehen, warum Ashley sich immer Arschlöcher als Freunde nimmt – eine Sache, die eher übertrieben erscheint, wenn wir ihren aktuellen Freund treffen, und wahrscheinlich nur daher rührt, dass die Babysitterin sich bei ihm auch schon mal ausgelassen hat, wenn die Beziehung gerade nicht so toll lief. Luke ist doch immer so schön nett zu ihr, da hat sie doch gefälligst mit ihm anzubandeln – seiner Meinung nach zumindest.

Es wird schnell klar, dass Luke bisher mit allem durchgekommen ist, was er gemacht hat. Weil er eben ein nett und harmlos aussehender weißer Junge aus der Vorstadt ist. Solange er immer auf brav tut, kann er wohl keiner Fliege was zuleide tun. Also ist es für ihn fast natürlich, davon auszugehen, dass er eben zu bekommen hat, was er will, und wenn dabei was unsauber läuft, wird er sich schon rauswinden können.

Dazu sei auch gesagt, dass die Darsteller von Ashley und Luke eine echt gute Leistung bringen. Ashley ist ein super Final Girl, die tough und kalkuliert sofort auf Situationen zu reagieren weiß. Luke derweilen hat eben dieses amorale Anrechtsgefühl, die eiskalte Planungsausführung, aber gepaart mit dem noch fast kindlichem Spaß am Böse sein und Wutanfall wenn etwas oder jemand eben nicht nach Plan läuft.

Spannender und überraschender Film mit gutem Schauspiel also.

All Through the House

Frohe Weihnachten oder was sonst so gerade im Hause oder unter der Brücke gefeiert wird! Wie lässt sich denn ein Tag der Familie und Besinnlichkeit am besten feiern? Mit ein bisschen Mord natürlich. Im Weihnachts-Slasher All Through the House von 2015 zum Beispiel.

Rachel kommt zum Weihnachtsfest nach längerer Zeit endlich wieder in die Nachbarschaft zurück, in der sie aufgewachsen ist, um mit ihrer Großmutter zu feiern. Und ein Geschenk für ihre Mutter dazulassen, denn über deren Tod ist sie nie hinweggekommen und hat dies seither zur Tradition gemacht. Rachels Mutter ist allerdings nicht der einzige mysteriöse Tod, der die beschauliche Nachbarschaft heimgesucht hat. Vor 15 Jahren ist auch der Mann der Nachbarin tot aufgefunden worden und die Tochter, die wegen einer Krankheit eigentlich immer im Haus geblieben ist, spurlos verschwunden.

Darum haben sich natürlich so einige Gerüchte gerankt, aber nach über einer Dekade nimmt das eh keiner mehr so ganz ernst. Man hat für die Exzentrik der Nachbarin gegenüber halt ein wenig Gutmütigkeit übrig, weil sie diese Schickshalsschläge scheinbar nie überwunden hat. Da hinterfragt man auch die unheimlichen Mannequins, die sie als Festtagsdekoration im ganzen Haus aufgestellt hat, nicht.

Als Rachel mit ihren Freundinnen allerdings helfen sollen, das Haus der Nachbarin zu dekorieren, weil sie noch was vorhat, geraten die drei prompt an einen Killer im Weihnachtsmannkostüm, der seinen Opfern mit einer Gartenschere zu Leibe rückt.

All Through the House ist ein sehr erheiternder Film. Ich gehe schon mal direkt davon aus, dass das hier ein Indie-Film ist, der wahrscheinlich nur auf Festspielen lief, bevor er fürs Heimvideo vermarktet wurde. Denn er wirkt etwas… ich will mal sagen billig, auch wenn ich das nicht vollends negativ finde. Die klar budgetierte Optik, die Kameraführung, und das mäßige Schauspiel haben zumindest diesen eindeutigen Geruch von einem Studentenfilm oder ähnlichen Amateurwerk. Dazu dann noch das Make Up der Mädels, durch das sie zusammen mit der schauspielerischen Leistung so erscheinen, als hätte jemand Porno Starlets für die Rollen verpflichtet.

Das ist übrigens ein guter Stichpunkt. Denn tatsächlich bestehen gefühlt 90% des Filmes daraus, dass Pärchen super scharf aufeinander sind und am Weihnachtstag unbedingt kinky Sex miteinander haben wollen. Und der Mörder riecht das scheinbar wie ein Hund die Fährte, so dass er prompt auftaucht, um den Mädels in die Brust zu stechen und den Kerlen den Schwanz abzuschneiden. Der Film hat eine gewisse Obsession für den Mord zur Beischlafverhinderung und der Entmannung der Opfer… und das nicht ohne Grund, wie man sich schnell durch einiges Forshadowing denken kann.

Ist auf jeden Fall ganz amüsant, dass scheinbar die ganze Nachbarschaft nicht mit ihren Familien zu Weihnachten zusammen ist, sondern nur mal wieder richtig gut vögeln wollen und ihnen das zum Verhängnis wird. Außerdem dekorieren alle ihre Häuser als wäre es Halloween, kein Wunder das niemand die Mannequins der Nachbarin merkwürdig findet.

All Through the Houses ist definitiv ein Film, der von einem Slasher-Fan gemacht ist. Denn er hat viel von 80er-Exploitation. Er wird ziemlich blutig, wie gesagt gibt es auch mal nackte Haut zu sehen, und die ganze Hintergrundgeschichte ist ziemlich in der Sleepaway Camp Generation anzusiedeln. Wie gut man jenen (vorhersehbaren) Twist findet, muss natürlich selbst entschieden werden. Ich nahm es wenig angreifend auf. Es ist halt ein etwas überholtes Klischee, aber der Film will eben genau jene Hochzeiten des Slashers wieder auferleben lassen. Und das schafft er in ganz launiger Art und Weise auf jeden Fall, denn langweilig wird er nie.

GameBoy(?) Obscurities: Deadeus

Mit Deadeus kommen wir wieder zu einem Indie-Game, das nur faked ein GameBoy Spiel zu sein. Oder etwa doch nicht? Ganz so einfach ist es nämlich nicht, da das auf Itch.io erhätliche Spiel tatsächlich nicht nur aussieht wie ein GameBoy Spiel, nicht nur unter dessen Restriktionen gemacht ist, sondern tatsächlich soweit geht, eine echte GB-ROM darzustellen, die wie jedes andere GB-Spiel auch legitim abgespielt werden kann.

Das kurze Adventure Game startet übrigens harmlos genug. Wir, ein unbedarfter Jüngling, träumen im Schlaf von der über uns wachenden Sonne. Wie schön. Bis sie dann zu einem riesiegen verwachsenen Augapfel wird, der sich als Eldritch Horror für in drei Tagen ankündigt. Nach dem Aufwachen können wir aufatmen, war doch alles nur ein sehr real erscheinender Alptraum.

Bis sich beim Herumfragen im Dorf herausstellt, dass alle anderen Kinder auch diesen Traum hatten. Nur die Erwachsenen wiegeln alles schnell ab. Da kann man doch mal erkunden gehen. Beispielsweise in die Schule, wo Unterricht von der Vergangenheit des Dorfes erzählt, aber immer bei einer fies zu drohenden Stelle abbricht. In die Berge, wo plötzlich ein Kuttenmensch uns einen mysteriösen Schlüssel überreicht. Oder in die Polizeistation, wo der neueste Insasse uns entgegenbrüllt, dass er in drei Tagen befreit wird und alle umbringen wird.

Deadeus ist also natürlich ein Horror-Game. Allerdings in bester Adventure-Manier wird im Prinzip sich nur durch die Hand voll Bildschirme des Dorfes gefragt und ein paar wenige Items eingesammelt, die auf ihren passenden Einsatz warten. Einer wirklichen Gefahr ist man nie ausgesetzt. Auch kann an sich nichts verpasst werden. Denn der nächste Tag bricht erst dann an, wenn man sich manuell ins Bett begiebt. Es bleibt also alle Zeit der Welt alles abzugrasen und mit jedem zu sprechen, bis er oder sie sich (schnell) zu wiederholen beginnt. Das macht es natürlich nicht weniger interessant, zumindest beim ersten Durchspielen, die Geheimnisse um den im Dorf beheimateten Kult herauszufinden. Mit jedem Tag bricht die Maske nämlich etwas mehr und die fiese Fratze darunter kommt langsam hervor.

Richtig interessant wird es dann auf den dritten und letzten Tag. Hier können nämlich angeblich bis zu elf Enden erspielt werden, je nachdem, was so gemacht wird. Im eigenen Tagebuch kann übrigens immer gespeichert werden, so dass man einen Save direkt nach dem Aufwachen erstellen und dann alles Mögliche ausprobieren kann. Ich habe nicht alle Enden gesehen, aber doch recht viele. Wobei natürlich nicht ganz klar ist, ob nicht doch an den beiden Vortagen etwas anders gemacht zu haben zum einen oder anderen zusätzlichen verhilft, oder ob ich einfach nur nicht durch alle Möglichkeiten im finalen Tag geblickt habe.

Manche Enden sind ganz einfach. Beispielsweise das Dorf schlicht hinter sich zu lassen. Oder direkt wieder schlafen zu gehen und den kosmischen Gott kommen lassen. Natürlich kann auch durch den Erhalt aller fünf benötigter Gegenstände das Ritual vollzogen werden. Oder man holt sich das Kultmesser und beginnt von sich aus die 37 Opfer abzumeucheln. Wer zumindest seine Mutter ersticht kann einen Schlüssel bekommen, um endlich herauszufinden, was in der verschlossenen Berghöhle für ein Geheimnis wartet. Auch das Sonnenportal auf dem Berg kann sich alleine oder in Gesellschaft betrachtet werden. Eventuell will man auch Silent Hill 2 nachstellen und ertränkt sich einfach.

Das alles dauert nicht sehr lange. Die ersten beiden Tage vielleicht je 20 Minuten, bis alles durchsucht und angesprochen wurde. Der letzte Tag dann natürlich was länger, je nachdem, wie häufig man wieder lädt um nach weiteren Enden Ausschau zu halten. Ein interessanter kleiner Happen (free to play) Horror. Wenn auch nach dem ersten Spielen wahrscheinlich  abzuhaken.

Adventure Week: Goetia

Keiner traut einer großen Firma, schon gar nicht, wenn sie seit Jahrzehnten keine guten Spiele mehr produziert hat. Da muss ein Plan entworfen werden das Image wieder aufzupolieren. Square Enix hat beispielsweise mal kurzzeitig einige Atlus-Spiele in Europa publiziert, sich über Eidos starke Marken einverleibt, und sich im Square Enix Collective Indies angenommen. Darüber beispielsweise ist auch Goetia, ein gruseliges kleines Point and Blick vom kleinen Studio Sushee, erschienen.

Wir spielen Abigail in den 1940er Jahren. Das Mädchen ist leicht verwirrt, was man ihr allerdings nachsehen sollte. Immerhin ist ihr Geist frisch ihrem Grabe entstiegen, wodurch die Gedanken schon mal leicht vernebelt sein können. Besonders wenn die Welt dann auch noch so stark anders ist, als man sie von vorm eigenen Tod vor einigen Jahrzehnten in Erinnerung hat. Das Familienanwesen, Blackwood Manor, ist beispielsweise plötzlich komplett ausgestorben, genau wie der benachbarete Wald und das naheliegende Dorf. Da kann doch was nicht mit rechten Dingen zugehen.

Das Anwesen betreten ist auch schnell ein erster Anhaltspunkt gefunden. Scheinbar hat der von Dämonenriten besessene Vater tatsächlich endlich Erfolg gehabt, denn viele Bereiche des Hauses sind hinter den Siegeln von verschiedenen Entitäten verschlossen, deren Gegensiegel erst gefunden werden müssen. Ein Rabengesichtiger davon steht Abigail immerhin hilfreich zur Seite… sofern man ihm denn trauen will.

Ziel des Spieles ist jetzt natürlich, das Geheimnis dessen herauszufinden, warum Blackwood Manor verlassen wurde und was aus der Familie von Abigail in der Zwischenzeit geworden ist. In dem die zunächst wenigen Räume des Anwesens sowie die zwei bis drei umliegenden Gebiete durchpuzzelt werden. Bis dann eine genauere Erklärung zu einem der Dämonen in einem der vielen Notizen gefunden wird, welche auch die Gegenrune enthalten. Ganz am Ende darf sich dann noch mal auf eine längere Session im nun komplett freigeschalteten Haus inklusive zwei möglicher Enden eingestellt werden.

Dabei sei beruhigend gesagt, dass das Spiel natürlich nicht alle 72 Dämonen aus der Ars Goetia verbaut hat. Es reicht von ungefähr einem halben Dutzend die Runen zu finden, um das Haus freizulegen. Wodurch die Aufgabe allerdings nicht leichter wird.

Das Spiel gibt einen schon etwas Unterstüzung mit auf den Weg. Hotspots sind einfach zu finden und man ist immer auf maximal drei Interaktionsmöglichkeiten beschränkt: Ansehen für meist eine Beschreibung, direkte Benutzung, oder sie wie ein Poltergeist aufzunehmen, um sie woanders einsetzen zu können. Es gibt eine Karte mit Shortcut-Warps. In einem Journal wird alles bisher Herausgefundene schön brav katalogisiert. Und so viele Lokalitäten gibt es ja nun auch nicht, die zudem alle noch in Sidescrolling-Ansicht gehalten sind. Da sollte das hier doch eine easy Angelegenheit sein. Der Schein trügt allerdings.

Die meisten Hinweise zur Puzzle-Lösung, von denen es reichlich im Spiel gibt, werden im Text der vielen Notizzettel und Bücher versteckt sein. Die sind überall verstreut und es teilweise nicht einfach, aus ihren Texten auch immer den Hinweis herauszuziehen, oder zu wissen, für welches Rätsel im Haus diese einen Lösungstipp geben. Es hat mich ehrlich gesagt häufiger an Myst erinnert. Eigentlich ist immer alles gegeben, um das Problem lösen zu können, aber des Öfteren mal klickt das alles erst nach der Lösung bei einem im Kopf. Manche Sachen sind natürlich auch einfach, und manche über ein wenig Probiererei ohne Ahnung schaffbar. Aber so einige Dinge brauchen schon viel Knobelei, um überhaupt zu verstehen, was von einem abverlangt wird, geschweige denn dann noch auf das richtige Ergebnis zu kommen.

Goetia ist, was man einen slow burn nennt. Die hübsche gediegene Optik im Herrenhaus mit einer sich zurückhaltenden aber zur Ära passenden Musik. Keine Möglichkeit in Bedrängnis zu geraten, da Abigail ja eh schon tot ist. Also fast immer alleine als diese Seelenkugel durch die Räumlichkeiten zu schweben und sich an der Tüftelei der vielen offenen Rätsel probieren. Goetia hat einen eigentlich angenehm relaxten Vibe. Wesentlich mehr Mystery denn Horror. Öfter allerdings eher was für den gehobenen Adventurer.

Junji Ito Collection

Mensch die Zeit vergeht ja wirklich wie im Fluge, wenn man alt ist. Da ist es doch tatsächlich bereits 2012 gewesen, dass ich mich durch einige der Manga von Junji Ito gelesen haben. Darunter vor allem seiner bekanntern und längeren wie Tomie, Uzumaki und Gyo. Aber auch ein paar Bände seiner Kurzgeschichtensammlungen, wo die Storylines je nur ein Kapitel einnehmen.

Ich hatte damals gesagt, dass mir Junji Ito tatsächlich in der Kurzform gefälliger ist, als in Langform. Meiner Meinung nach eignen sich seine schrägen Ideen immer mehr dafür, nur kurz aufgezeigt zu werden und den Leser dann ohne Erklärung stehen zu lassen. Bei seinen längeren Werken hingegen kommt es oft zu seltendämlichen Erklärungsversuchen und/oder es werden immer schrägere und schrägere Ereignisse oben aufgeladen, bis ich irgendwann so ein wenig raus bin. Hellstar Remina zum Beispiel hat mir gut gefallen, so lange es darum ging, die menschlichen Abgründe zu zeigen, wenn alle kollektiv mit dem nahestehenden Tod konfrontiert werden… als Leute dann plötzlich bis in die Stratosphäre springen konnten, war ich dann aber raus.

Jedenfalls sollte die 2018er Netflix-Serie Junji Ito Collection genau mein Ding sein. Zumindest vom Konzept her. Immerhin wurden hier seinen Kurzgeschichten für die einzelnen Episoden aufgegriffen. Jeweils sogar zwei, mal teilen die sich die Laufzeit, mal nimmt eine fast die ganze Folge ein und die zweite ist nur ein kurzminütiger Epilog. Es kann also auch nicht Gefahr gelaufen werden, dass die Geschichten überstrapaziert und verwässert werden, weil plötzlich 20 Seiten Manga ganze 25 Minuten Episode füllen müssen, sondern das individuell anpassbar war. Alle Zeichen stehen also auf Erfolg.

Etwas fragwürdig ist es allerdings schon, dass der Großteil der ersten Folge von einer Souichi Storyline eingenommen wird. Ein schräger Schüler, der auf Okkultes steht, und Leute dadurch auch manipuliert, aber eher eine Witzfigur darstellt. Nun würde ich sagen, dass Junji Itos Storylines eh nicht vornehmlich Horror sind. Lasst mich das erklären. Meiner Meinung nach sind Itos Geschichten mehr „Schaut euch dieses merkwürdige Ereignis an“, nur dass die Ereignisse häufig mehr oder minder stark urmenschliche Ängste ansprechen. Aber er scheint mir immer mehr darum bemüht schräge Sachen zu zeigen, statt immer direkt darum bemüht eine Horrorgeschichte zu fabrizieren. Letztendlich hat er ja auch ein paar Comedy-Strips gezeichnet, inklusive dem Yon & Mu Manga über das Leben mit seinen Katzen. Jedoch kennt jeder Junji Ito immer nur als den Horror-Typen. Von daher finde ich es schon etwas merkwürdig die Serie ausgerechnet auf einer der humoristischeren Geschichten zu beginnen. Und auch nicht unbedingt einer der besten, meiner Meinung nach. Die Souichi Stories, von denen drei in den 12 Episoden animiert wiedergefunden werden, sagten mir zumindest alle nicht sonderlich zu.

Das ist natürlich allerdings auch zu erwarten. Immerhin werden insgesamt 26 einzelne Geschichten aufbereitet, zwei pro Folge plus zwei nachgeschobene Tomie-Specials. Das dort nicht immer was dabei sein muss, was gefällig ist, ist klar. Zumal die Geschichten wie gesagt zwar immer etwas Unheimliches oder zumindest Übernatürliches an sich haben, ansonsten aber sehr divers sind. Eben eine Collection merkwürdig-unerklärlicher Ereignisse darstellen. In Fashion Model wird eine Crew schon mal von einem Menschenfressenden Monster durch den Wald gejagt. Long Dream hingegen beschäftigt sich mit Leuten, die über endlose Träume eine neue Entwicklungsstufe und eventuell ewiges Leben erlangen. In Cloth Teacher verwandeln sich Leute plötzlich in überzeichnete Karikaturen ihrer selbst, in Slug Girl ein Mädchen in eine Schnecke.

Interessant sind die alle irgendwo. Wenn auch manche mehr auf der konzeptionellen Ebene nette Einfälle und in der Umsetzung dann doch nicht so packend sind. Für mich funktionierte grundsätzlich sowieso häufig der kosmisch-existentielle Horror und Body Horror. Plötzlich überall ständig größer werdende Löcher am Körper zu entwickeln, durch die man sogar die Luft ziehen spürt? Bei jedem Einschlafen länger und länger wegbleiben und irgendwann gar nicht mehr aufwachen zu können? Und ja, auch sich langsam in eine Schnecke zu verwandeln, besonders, wenn die einem aus dem Rachen zu kommen beginnt.

Wobei ich davon ausgehe, dass genau die gleichen Geschichten im Manga besser kommen. Tatsächlich kannte ich noch keine davon, scheinbar waren die nicht in den Bänden, die ich in 2012 von ihm gelesen habe. Was bei der Serie an sich jedenfalls auffällt ist, dass sie schlecht animiert und häufig nicht sauber gezeichnet ist und in den Szenenkompositionen oft der knackige Punch fehlt. Sie leben davon, dass das jeweilige Handlungskonzept an sich schon schrecklich genug ist, ohne der Atmosphäre mit großen cineastischen Stilmitteln beizuhelfen. Und wenn ich mich an eine Sache aus den Ito-Mangas erinnere, dann dass sie voller grausig-detaillierter Zeichnungen sind und die Panel-Abfolge mit packenden Reveals und gutem Fluss daherkommen. Die Serie an sich ist hingegen leider sehr Standard umgesetzt.

Halloween 2018

Hallo zurück, Halloween! Lange ist es her. Ganze acht Jahre, um genau zu sein, als ich mich durch alle elf Filme der Franchise geschaut habe. Ebenfalls im Halloween-Monat. Aber auch real gesehen, immerhin war Rob Zombies Halloween II von 2009. Es dauerte also fast zehn Jahre bis es zu einem neuen Teil kam. Der erneut schlicht Halloween betitelt ist. Und ganz wie im Film zum 20-jährigen Geburtstag, H20, kehrt auch zu dem fürs 40-jährige Jubiläum niemand anderes als Ur-Scream-Queen Jamie Lee Curtis in der Rolle als Laurie Strode zur Franchise zurück!

Denn der neueste Soft-Reboot ignoriert schlichtweg alle vorigen Filme abgesehen vom allerersten. Wo Michael Myers aus der Psychiatrie ausbrach, um Leute in seiner alten Nachbarschaft umzubringen, und dabei auch auf Babysitterin Laurie traf. In der hiesigen Timeline wurde er anschließend wieder eingewiesen und ist seit vier Dekaden weggesperrt.

Laurie hat allerdings ihr Trauma vom Boogieman nie überwunden. Die Beziehung zu ihrer Tochter und dadurch auch Enkelin ist gestresst, da Laurie sie in Angst vor dem Schreckgespennst erzogen hat. Mit Waffentraining und Verbarrikadierung im eigenen Haus. Bis man ihr die Tochter wegnahm, die sich nun ein weitestgehend normales Leben aufgebaut hat. Solange ihre Mutter Laurie nicht wieder eine ihrer Episoden bekommt. Wie gerade jetzt, da Michael verlegt werden soll.

Was natürlich prompt zum Ausbruch führt. Was natürlich prompt dazu führt, dass Michael wieder in seine alte Nachbarschafft zurückkehrt. Was natürlich prompt wieder dazu führt, dass er an die drei Stroude-Frauen gerät, die sich aber zu wehren wissen.

Der Film versucht sich also wieder eher simpel zu halten wie der Erstling. Die Motive für Michaels Morden sind unerklärlich, der Grund warum er wieder in der Nachbarschaft auftaucht simpel. Er kennt ja nix anderes außer sein altes Heim. Dass er mit Laurie verwandt sein soll wird als von der Presse entwickelter Unfug abgecancelt. Wenn die Familie was weiter weggezogen wäre, hätten die Stroudes wahrscheinlich diesmal gar nichts mit ihm zu tun, denn Michael sucht sie nicht gezielt heim, sondern stolpert eher in sie. Ja man könnte sogar sagen das Laurie ihn in iherer Besessenheit jagd, statt andersherum.

Die einzige Sache, die den Film etwas komplexer macht, sind die Familienverhältnisse von Laurie. Die sind eigentlich schnell erklärt. Und ich finde es auch cool, dass die drei toughen Frauen im Finale gemeinsam gegen Myers angehen können und sich von ihrer Angst emanzipiert haben. Doch es bringt auch mit sich, dass der Film stellenweise etwas unfokussiert wirkt. Weil er mal Laurie, mal Tochter Karen, mal Enkelin Allyson folgt. Etwas mehr Fokus auf einer davon wäre schön gewesen. Und vor allem weniger auf Allyson, die nämlich hochgradisch unsympathisch ist.

Tatsächlich war es sogar richtig erfrischend wie gut eigentlich jeder im Film miteinander auskommt. Nachdem sich in Rob Zombies Halloweens scheinbar niemand wirklich leiden konnte. Hier sind alle recht nett zueinander, selbst Karen und Laurie trotz ihres gespannten Verhältnisses. Zumindest bis der Film eine Ausrede braucht, um Allyson von ihren Freunden auf der Halloween-Party zu trennen, damit sie alleine auf Michael stoßen kann. In dem nämlich aus dem Nichts ein Streit mit ihrem Partner vom Zaun gebrochen wird und ihr bester Freund ihr unangenehme Avancen auf dem Nach-Hause-Weg macht. Die Szenen wirkten deplaziert, sind so Klischeehaft wie schrecklich gewesen, und waren glaub ich mit Schuld daran, dass ich Allyson wenig leidern konnte.

Zusätzlich interessant in diesem Back to the Roots ist auch, dass sich Halloween (2018) wohlig altmodisch gebärt. Tatsächlich könnte der Großteil der Szenen so auch in einem Slasher aus den von Halloween so geprängten 80ern geschehen. Abgesehen von der einen Szene, die erklären muss, warum Allyson kein Handy dabei hat, strukturiert er sich ansonsten schön klassisch. Schön bodenständig. Düster und brachial. Keine unnötigen Schnörkel oder Effekthascherei. Einfach gute alte Slasher-Kost, wie wir sie heutzutage sonst gar nicht mehr geboten bekommen.

Ich muss eingestehen, dass ich nicht der Super-Fan von Halloween (1978) damals war. Weil ich ihm schon eine klassische Einfachheit zugestehe, die mittlerweile fast edel wirken mag, ich ihn aber dann doch so simpel fand, dass der Spannungsbogen für mich nicht immer da war. Abgesehen von einem kurz diffusen Mittelteil konnte mich aber ein ähnlich bodenständiger und geradlinig gehaltener Halloween (2018) sehr gut unterhalten. Weil ein bisschen mehr dran ist an ihm dann doch. Ich habs echt genossen.

Mimic, times three

Das 1997er Mimic ist das (US-)amerikanische Filmdebut von Guillermo del Toro und sein zweiter Feature Length Film nach dem mexikanischen Cronos von 1993. Er hat beim auf einer Kurzgeschichte basierenden Film nicht nur Regie geführt, sondern wie bei den meisten seiner Filme auch am Drehbuch mitgeschrieben. Ich habe den Film übrigens damals, als er noch relativ neu war, sogar gesehen. Nicht im Kino an sich, sondern aus der Videothek ausgeliehen. Damals gab es noch Videotheken.

An viel mehr als das Monster konnte ich mich nicht mehr erinnern. Aber nach über 20 Jahren ist das wahrscheinlich nicht so unverständlich. Vielleicht liegt es aber auch an der Qualität des Filmes.

Setup ist, dass die in Manhattan allgegenwärtigen Kakerlaken das vor allem für Kinder tödliche Strickler’s Disease verbreiten (für den Film erfunden und nicht mit Strickler Syndrome zu verwechseln). Um jene Kakerlaken-Plage zu bekämpfen, entlassen Forscher die sogenannte Judas Breed in die Kanalisation. Deren Phäromon-Ausscheidungen locken meilenweit Kakerlaken an und sind gleichzeitig tödlich für sie. Damit der Bevölkerung nicht die nächste Plage ins Haus steht, sind die Judas-Insekten natürlich nicht fortpflanzungsfähig und sollten alle nach einigen Monaten sterben.

Aber wie es in Jurrasic Park schon so schön hieß: Die Natur findet einen Weg.

Denn ein paar Jahre später zeichnen seltsame Morde und sich schattenhaft im Untergrund bewegende Männer in Mänteln im Big Apple ab. Dr. Susan Tyler findet plötzlich ein Insekt des Judas Breed, obwohl die schon lange alle tot sein sollten. Und noch schlimmer, es ist nur ein Jungtier, obwohl es die Größe der ursprünglichen Spezies hat. Die Insekten sind nämlich über die mehrere Dutzend Monate durch eine Vielzahl an Generationen mutiert und um sich unbemerkt zu bewegen, haben sie nun die Größe und bei zusammengefalteten Schwingen auch auf den ersten Blick das grobe Aussehen von Männern in Hut und Mantel angenommen. Höchste Zeit in die Kanalisation zu steigen und die Plage auszurotten, bevor sie im enormen Vermehrungsprozess, den Insekten nun mal innehaben, die Metropole übernehmen können.

Del Toro hat übrigens seinen Namen vom Film streichen lassen wollen und wiederholt betont, dass die Erfahrung hieran dazu geführt hat, dass er sich wesentlich mehr kreative Freiheiten bei seinen folgenden Filmen sicherte. Denn die Chefetage von Dimension/Miramax hat ihm wohl enorm in den Film hineingeredet und das Drehbuch umschreiben lassen. Mittlerweile gibt es einen Director’s Cut des Filmes, aber der ist so viele Jahre nachträglich erschienen, dass ehrlich gesagt nicht mehr viel am Film verändert werden konnte.

Das Konzept ist freilich ganz intessant. Also zumindest das Konzept hinter den Monstern, welches eben auch die einzige Sache am Film war, an die ich mich noch erinnerte. Insekten sind eklig. Selbst wer das von sich aus so nicht findet, ab einer gewissen Größe macht sich bei jedem irgendwann ein wenig ein unangenehmes Kribbeln breit. Menschengroße Mörderkakerlaken, die hinter jeder Säule der U-Bahn-Stationen oder Mülltonne der nächtlichen Seitenstraße unbemerkt befinden könnten? Interessanter Ansatz.

Leider ist der Großteil des Filmes allerdings einfach nicht sonderlich interessant. Von del Toros Stil ist tatsächlich eigentlich so gut wie nichts zu sehen im Film. Der Schuhputzer und sein autistischer Junge eventuell. Das Insektendesign. Und den Mut, zwei Kinder umzubringen. Ansonsten haben wir hier keinen besonders dilletantischen sondern schon kompetent umgesetzten, aber eben absolut durchschnittlichen Horrorfilm vorliegen, der die meiste Zeit über einen ziemlichen Standard-Schema folgt und auch nicht sonderlich grausam ist.

Überraschenderweise, denn ich kann mich nicht daran erinnern, dass Mimic je als besonders beliebt oder lukrativ angsehen wurde, gab es allerdings sogar zwei Sequel. Das vermeinte ich bisher noch gar nicht zu wissen. Mimic 2 war sogar 2001 in den Kinos!

Es gibt hier nur einen wiederkehrenden Nebencharakter des vorigen Filmes, die nun hier die Hauptrolle spielt. Remy, die gute Freundin von Dr. Tyler, muss nämlich feststellen, dass die Riesenkakerlaken der Judas Breed immer noch nicht ausgesrottet sind. Genau genommen findet sich sogar eine ein, die sich mit Remy paaren will, um noch Menschenähnlichere Nachfolger zeugen zu können.

Der finale Film, Mimic 3: Sentinel, ist hingegen einen Direct to DVD Produktion gewesen. Einer der letzen Überlebenden des Strickler’s Disease ist hier der Hauptcharakter. Der Kerl ist mittlerweile in seinen 20ern, aber zum Großteil wegen seiner Atemwegsprobleme auf sein Zimmer beschränkt, von wo aus er die Nachbarschaft beobachtet und fotografiert. Und dann eines Tages feststellen muss, dass die Judas Breed Kakerlaken in ihr umgehen.

Ich habe geschrieben, dass ich vermeinte die Sequels nicht zu kennen, weil ich mir vor der Sichtung der Trilogie absolut sicher war, damals nur den ersten Teil gesehen zu haben. Aber als ich Mimic 2 schaute kamen mir doch ein paar Erinnerungen zurück. Anscheinend hatte ich den wirklich mal irgendwann im Nachtprogramm beim Zappen geschaut und wieder total vergessen gehabt. Kurios, dachte ich mir, und fing dann Mimic 3: Sentinel an. Um sofort weitere Déjà-vus zu erleben. Scheinbar habe ich auch diesen irgendwann mal in einer TV-Ausstrahlung mitgenommen und ebenfalls komplett vergessen gehabt.

Das steht natürlich ebenfalls nicht unbedingt für die Qualität der Filme. Es gibt erneut ein paar wenige interessante Momente. Remy ist beispielsweise ein sehr merkwürdig-verschrobener Charakter. Wenn ein Date schief läuft, ein Freund zum Ex wird, eben sie emotional negativ zurücklässt, macht sie ein Foto vom verheulten, genervten oder verärgerten Gesicht, um sich daran zu erinnern was die ihr angetan haben. Sie meint nie den Richtigen zu treffen, redet dann aber selbst bei einem Date dauerhaft über irgendwelche ekligen Insektenfakten. Den Rest des Filmes ist sie allerdings ein ziemlicher Standard-Charakter, die sich heroisch zwischen ihre Schüler und das Insekt stellt, und das richtige Wissen mitbringt, um gegen es kämpfen zu können. Mimic 2 verfällt leider sehr schnell wieder in ähnliche Standard-Schemata, die schon aus dem ersten Film eine unspektakuläre Nummer gemacht haben.

Bei Mimic 3: Sentinel ist auch erst mal nur Marvins Fenster zum Hof Einschlag interessant. Obsessiv seine Nachbarschaft auszuspionieren und ungefragt Fotos zu machen eben. Irgendwie hat das dann aber auch mit der Zeit weniger und weniger Relation zum Geschehen, außer natürlich einen Grund zu geben, warum er die merkwürdigen Kakerlaken-Erscheinungen so gut im Überblick hat. Jeder, der Marvins Marotte herausfindet, ist beispielsweise total Ok damit. Darunter auch eine ausspionierte Nachbarin und ein Cop. Es ist echt interessant, wie es die Mimic-Filme schaffen immer so eine interessante Idee weitestgehend undausgeschöpft zu lassen, nur um dann in langweilige und schon ewig ähnlich gesehene Horrorfilm-Schablonen zu fallen.

Mal sehen wie lange es diesmal dauert, bis ich wieder komplett vergesse, dass ich die Filme gesehen habe. Vielleicht schaue ich sie in 10-15 Jahren erneut für einen Halloween-Monat, nur um zu merken, dass ich mir was neues suchen muss, da ich sie nicht nur schon zwei Mal gesehen, sondern in 2020 auch schon besprochen habe. Möglich wäre es auf jeden Fall, denn die Filme geben echt einfach nicht viel her, an was sich erinnert werden könnte. Nicht mal schlecht genug dafür sind sie.

Jennifer’s Body

Jennifer’s Body ist ein Film, den ich absolut ignoriert habe als er herauskam. Als Vehikel für Megan Fox, frisch mit Michael Bay verkracht und ihre eigenen Wege gehen wollend. Die war für mich immer nur das sexy Fahrgestell aus den Transformers-Filmen, in denen niemand wirklich gut geschauspielert hat. Eine hübsche Fassade ohne dahinterstehendes Können. Und alles Marketing um Jennifer’s Body hat nur hochgespielt, dass dies ein Film ist, den man sich anschaut, um mehr vom Foxschen Fahrgestell zu sehen zu bekommen.

Im Nachhinein kann einem Megan Fox etwas leid tun. Bedingt zumindest, sie ist immer noch ein erfolgreicher und reicher Hollywood-Star, von daher wäre jedes Heulen auf hohem Niveau. Aber sie wollte eben was gegen ihr Image als das hübsche Püppchen, die feminine Randdekoration, die Wichsvorlage für Action-Film schauende Dudes sein. Sie hat es sogar riskiert sich gegen die Sexualisierung ihrer Rolle in den Transformers-Filmen auszusprechen und die nicht immer so tolle Zusammenarbeit mit Michael Bay in ihnen. Fox wollte sich von alledem los machen und mehr ernste Filme drehen, mehr Projekte annehmen, die ihr am Herzen lagen. Die hat dann alle keiner geschaut und sie musste vor Bay zu Kreuze kriechen, damit er sie für TMNT wieder aufnahm. Das hat sie sicher nicht verdient gehabt.

Womit wir wieder zu Jennifer’s Body kommen. Der Film, der schlechte Kritiken und eine laue Zuschauerreaktion eingefahren hat, weil er als sexy Fox Vehikel vermarktet wurde und dann Fox gar nicht so sonderlich sexualisiert. Mittlerweile hat er sich zu einem kleinen Kultfilm entwickelt. Gerade auch unter weiblicher Zuschauerschaft. Oftmals wird er sogar als feministischer Horrorfilm bezeichnet. Das geht alles so ziemlich genau in die gegensätzliche Richtung davon, wie das Studio ihn damals beworben hat. Macht aber Sinn, wenn man erfährt, dass Diablo Cody, von der auch das quirlige Juno stammt, ihn geschrieben hat. Jetzt, zehn Jahre nach seinem Erscheinen, war mein Intersse dann plötzlich geweckt.

Der Hauptcharakter des Filmes ist eigentlich nicht Foxs Jennifer, sondern dessen beste Freundin, Amanda Seyfrieds Anita. Anita und Jennifer sind beste Freundinnen seit sie Kinder sind, auch wenn mittlerweile als Teenager das Mauerblümchen Anita nicht ganz zur sexy Jennifer passen will. Doch die beiden sind zusammengeschweißt wie eh und jeh. Wobei Jennifer die Oberhand in der Dynamik hat. Mit Leichtigkeit überredet sie beispielsweise Anita, obwohl die schon was mit ihrem Freund vor hatte, zum Auftritt einer Band in der Bar der Kleinstadt zu kommen.

Die drei Kerle der Band meinen mit Jennifer einfaches Spiel zu haben. Immerhin gibt es in jeder Kleinstadt so eine sexy Dorfschönheit, welche die Queen Bee an der High School ist und sich maßlos überschätzt. Ein wenig umgarnen, und die lassen alles mit sich machen. Jennifer landet bei denem im Van, nachdem ein Feuer in der Bar ausgebrochen ist, und wenig später taucht sie Blutüberstromt bei Anita auf.

Am nächsten Morgen will Jennifer davon nichts mehr wissen. Dafür sterben nun nach und nach Jungs an der Schule, während Anita spürt, dass etwas nicht stimmt.

Ob der Film nun so eindeutig feministisch ist, sei mal dahingestellt. Ich habe keine Gender Studies belegt gehabt, mache mir das also nicht zum Feld der Expertiese dies zu beurteilen. Interessant ist aber auf jeden Fall, dass die beiden einzig wirklich wichtigen Charaktere im Film Frauen und ihre besondere Dynamik sind. Fast alle Randfiguren sind hingegen Männer, die häufig bereits meinen zu wissen, wie die beiden ticken. Das Ritual der Band mit Jennifer als Opfer geht beispielsweise nur deswegen schief, weil der kroskotzige Sänger meint, er wisse genau, wie so Mädchen wie Jennifer drauf sind. Sich auch nur mal kurz mit ihr rückgeschlossen, hätte ruckzuck gezeigt, dass sie dafür ungeeignet ist. Aber der werte Herr weiß ja, wie Frauen so sind, wozu sich da genauer mit ihnen befassen? Der Freund von Anita ist eigentlich ein ganz netter Kerl. Aber auch hier ist herrlich die Szene, wo die beiden zum ersten Mal miteinander schlafen. Was genau dann ist, als Anita ihren kleinen Freak Out hat, weil Succubus Jennifer gerade einen anderen Kerl frisst (was sicherlich auch eine interessante bildliche Parallele ist). Die Reaktion von Anitas Freund darauf ist hingegen in etwa „Oh sorry, tu ich dir weh, bin ich etwa zu groß?“ und ich wäre beinahe lachend vom Stuhl gefallen. Absolute Scheuklappen dahingegend, wie es Anita gerade wirklich geht.

Diablo Cody hat mal in einem Interview gesagt, dass sie Horrorfilme total geil findet. Das merkt man hier auch. Und sie hat gesagt, dass Teeny-Mädels das Unheilmichste sind, was sie sich vorstellen konnte, wodurch das Konzept des Filmes geboren war. Tatsächlich ist die schizophrene Dynamik zwischen den beiden Mädels herausragend. Sie sind so gute Freundinnen, das sie sich schon geradezu telepathisch verstehen. Gleichzeitig ist da aber auch immer eine gewisse Abhängigkeit und auch Neid mitschwingend. Teenager sind halt kompliziert und unberechenbar. Ja sogar eine homoerotische Note kann man den beiden unterstellen.

Was der Film so oder so auf jeden Fall ist, ist ziemlich hip. Er hat eine unglaubliche Leichtigkeit, eine Belebtheit in sich. Der Horror ist da, aber viel spielt sich eben auch zwischenmenschlich ab. Und vor allem ist er witzig, denn die flapsigen Sprüche kommen nicht zu kurz. Es ist ein wenig ein ähnliches Gemisch, welches mir schon bei Buffy so gut gefallen hat. Es wirkt halt auch einfach so, als wären alle Beteiligte am Projekt komplett von ihm überzeugt und haben einen heiden Spaß daran, Jennifer’s Body auf die Leinwand bringen zu können. Es ist echt eine Schande, dass das kontraproduktive Marketing damals so viel kaputt gemacht hat. Den Film als schwarze Horrorkomödie für Hippe Teens (und gerade auch Mädels) zu verkaufen statt als Foxsche Fleischbeshau für pupertäre Kerle, und er hätte sicherlich viel mehr Anklang gefunden.

Three Mummies, four Movies

Die Mumie ist eine von Universals Horror-Ikonen, die in den 30ern bis 50ern regelmäßig einen Auftritt bekam. In den 90ern wollte die Firma ihre Franchise wieder auferstehen lassen, zunächst als Horrorfilm, wodurch mehrere bekannte Horror-Regisseure im Gespräch waren. Letztendlich gab es das grüne Licht für Stephen Sommers und seiner Idee, es mehr als klassischen Abenteuerfilm im Stile von Indiana Jones aufzuziehen.

Die Filme waren ein Teil meiner Jugend. Die ersten beiden zumindest hatte ich gesehen und auch auf VHS zu Hause stehen. Mit Dingen wie Stargate und Independence Day waren die immer mal wieder ein Schauen wert über die ersten paar Jahre hinweg. Witzig und unterhaltsam waren sie ja, und ich hatte mich schon als Kind für Ägypten interessiert, also war auch das Setting gefällig. Ich habe so etwas das Gefühl gehabt, dass der Stern der Mumie allerdings nur kurzlebig brannte und schnell keiner mehr drüber geredet hat. Es nicht zu einer Riesenfranchise wie das kurz darauf den Piratenfilm wiederbelebende Fluch der Karibik wurde. Auf Wikipedia recherchiert scheinen alle drei Filme allerdings recht gleichbleibend hohe Budgets und Einnahmen gehabt zu haben. Und auch viele Leute blieben ihnen treu. Von den Hauptrollen wie hinter den Kulissen.

Ich habe mich also mal drangesetzt, sie mir alle ansehen zu wollen. The Mummy von 1999 hat mir dabei immer noch gut gefallen. Die Schauspielerei ist gut. Das CG hat etwas gelitten aber die Schauplätze sind theoretisch immer noch gefällig. Es ist ein spannendes Abenteuer mit viel Action, welches aber auch nicht auslaugt. Weil es halt gut mit Story, sympathischen Charakteren, und charmanten Dialogen bestückt ist. Immerhin ist der Film 2 Stunden lang, das ist schon viel für den Stoff. Obligatorisch hinzugefügte tragische Hintergrundgeschichte über die Mumie hin oder her.

Das einzige was mir dennoch etwas auffiel ist, dass es optisch keine großen Sprünge macht. Also das Budget ist schon da, klar. Und alles ist auch kompetent gefilmt. Aber eben nicht darüber hinaus. Es gibt keine besonders cineastisch herausragenden und besonders interessanten Perspektiven oder Szenenkompositionen. Man hat schon viel auf den damals tatsächlich bestehenden Wow-Effekt des mittlerweile veralteten CGs gebaut. Auf welches gern direkt mit der Kamera draufgehalten wird.

The Mummy Returns zwei Jahre später war mehr vom Gleichen, und dies hatte mir damals als Teenager auch absolut gereicht. Mittlerweile nicht mehr. Klar, die Hauptdarsteller konnten alle für ihre wiederkehrenden Rollen zurückgeholte werden. Der Regisseur und die beiden Producer sind die selben. Aber irgendwie wirkt die ganze Veranstaltung hier etwas ermüdet auf mich. Dabei wird nicht viel falsch oder falscher gemacht als im Vorgänger. Filmisch sieht es gleich aus, CG gibt es sogar noch mehr ist aber auf ähnlichem Niveau, die Schauspieler spielen immer noch akzeptabel.

Ich glaube mir ist das auf die nun sogar über 2 Stunden einfach zu viel Action ohne viel Anderes. Die Additionen an die Geschichte finde ich eh ziemlich dämlich, wenn unsere beiden Hauptakteure jetzt Widergeburten aus der damaligen Zeit sind. Ich nehme mal an die Franchise war bei Kindern recht beliebt, also haben die jetzt eine nervige Kröte mit dabei, der auch in der animierten Serie auftreten darf. Und vor lauter Action vergisst man die Charaktere einfach etwas. Schön das die alle wieder da sind, aber das Zusammenspiel und die spaßigen Momente wollen einfach nicht so klappen. Stattdessen ist es viel visuelles Haudrauf und das funktioniert auf die Länge und basische Cinematographie nicht so gut.

Tomb of the Dragon Emperor lies dann sieben Jahre auf sich warten. Ich kannte in dadurch vorher gar nicht. Rob Cohen wurde diesmal Regisseur. Aber die beiden Producer sind gleich, das Budget ist noch mal gestiegen, und zwei der drei wiederkehrenden Figuren sind die gleichen Schauspieler. Rachel Weisz, die wirklich super als die süß-trottelige aber auch Abenteuerlustige Evelyn war, hat die Rolle allerdings abgelehnt. Damit hat die Franchise für mich die beste Darstellerin verloren gehabt.

Aber auch so gibt mir der Film noch weniger als der Vorgänger. Als ich mehr Charakterinterkationen in The Mummy Returns wollte, meinte ich nicht, dass ich herausfinden wollte, dass Evelyn und Rick vernachlässigende Eltern waren und ihr nun erwachsener Sohn deswegen nicht ganz so gut auf sie zu sprechen ist. Ich brauchte zwischen ihm und seinem Vater keinen Schwanzvergleich, wer der größere Abenteurer ist. Weisz ist nicht zurückgekehrt, weil sie das Script nicht mochte, und mich würde es nicht wundern, dass daran die unsympathischen Familienverhältnisse schuld waren.

Das Problem an der Franchise scheint tatsächlich zu sein, dass sie nie besonders große und herausragende Sprünge gemacht hat. Sie war außerhalb des CGs optisch kein Reißer. Weder waren es die Handlung, Charaktere oder das Schauspiel. Nichts davon war schlecht, aber eben zum Großteil schlicht passabel. Im ersten Film stört das nicht so viel, weil da noch alles frisch und leichtfüßig erscheint und die Charaktere sympathischer sind. Das hat sich aber unglaublich schnell abgenutzt. Ich bin echt überrascht wie schnell die Filme müde erschienen.

Die nicht herausragende sonder schlicht kompetente cinematische Komponente kommt bei Tomb of the Dragon Emperor übrigens am Deutlichsten hervor. Denn wenn die chinesischen Figuren kämpfen, gibt es immer mal wieder kleine Einschläge des Wuxai-Kinos. Jedoch ohne wirklich diese fließenden Bewegungen und Drahtseilakte, ohne die interessanten Kameraeinstellungen, und vor allem ohne jegliche Farbe. Es ist erstaunlich wie Braun alle drei Filme sind.

Aber eine Mumie habe ich noch. Vielleicht wurde die ursprüngliche Triloge, obwohl sie weiterhin Geld einspielte, auch deswegen eingestellt, weil sich Universal auf ihr Dark Universe einstellten. Immerhin hatte man schon zwischen den 30ern und 50ern ihre crossovernden Monster gehabt. Jeder hat mittlerweile ein Cinematic Universe, warum dieses also nicht zurückbringen? Nachdem sowohl Dracula wie auch The Mummy keinen Erfolg brachten, stampften sie es allerdings auch schon wieder ein.

Der Film hat zugegeben mit der Trilogie nichts am Hut. Diesmal gibt es eine weibliche Mumie, die zusammen mit ihrem Lover ausgeschaltet wurde. Und in Tom Cruise jenen wiederfinden will, nachdem er sie versehentlich auferweckt hat. Eine Organisation, welche die Monster unter Siegel halten will, und die von Jeckyl Hyde geführt wird, mischt auch mit. Der Film hat also eine Menge zu tun. Die individuelle Geschichte der neuen Mumie erzählen, die für das Universe übergeordnet wichtigen Figuren einführen, die Organisation bereitsstellen. Tingelt auch irgendwo mehr zwischen Abenteuer-Film in der ersten und Horror-Action in der zweiten Hälfte hin und her.

Außerdem ist es quasi ein Zombiefilm. Ich meine, theoretisch sind Mumien das ja irgendwo auch. Die hiesige darf halt auch jede Menge Untergebene als Kanonenfutter beschwören. Im Sinne von widererweckten Leichnahmen. In 2017 noch Zombies bieten zu wollen, na ich weiß ja nicht.

Allgemein hat der Film wenig zu bieten. Also er sieht passabel aus und die Action stimmt schon auch noch. Diesmal gibt es sogar die ein oder andere hübsche Kameraeinstellung. Aber es ist halt schon ein wenig wirr von der Handlung her. Nicht in dem Sinne gemeint, dass unklar wäre, was warum geschieht. So richtig zusammenpassen will stattdessen alles nicht. Auch hapert es an den Charakteren, die durch die Bank wenig sympathisch sind. Tom Cruise soll wohl ein ähnlicher loveable Rogue wie Brendan Fraser im 1999er-Film sein, kommt aber ehrlich gesagt wesentlich arschiger rüber. Abgesehen davon, dass er etwas alt ist, um von zwei so jungen Frauen umgarnt zu werden. Die Blondine redet eh nur, als wäre ihre Nase konstant verstopft, was ihrem Schauspiel nicht zuträglich ist. Nicht, dass so oder so Chemie zwischen den beiden wäre.