Corpse Party (2015)

Zufällig lief neulich der 2015er Live Action zu Corpse Party bei uns im kleinen Nischenkino, da er wohl bald seine Deutschlandveröffentlichung hat, und da geht man doch ruhig mal hin. Vom Regisseur, der uns auch Hitori Kakurenbo beschert hat, was jetzt nicht unbedingt eine Auszeichnung ist. Doch zu Corpse Party kann ich aber ruhigen Gewissens sagen: Es ist ein ziemlich schlechter Film, und jeder sollte ihn sehen.

Grundsätzlich geht der Film die gleiche Handlung ab, nur natürlich viel schneller. Eine Gruppe Teens macht ein dämliches Ritual, bei dem Sachiko angerufen wird, weil man sich dann angeblich niemals trennen wird. Stimmt so gesehen auch, denn es versetzt die Schüler in die Grundschule, in der drei Kinder umgebracht wurden, und aus der es kein Entrinnen gibt, bevor nicht der Geist von Sachiko beschwichtigt wird. Die große Wendung am Ende, wer der wahre Kindsmörder ist, welche im Spiel ziemlich offensichtlich war, und im Film etwas weniger so ist da er so viel schneller voranschreitet, weniger Aufbau bietet, mit inbegriffen.

Was der Film sogar fast etwas besser hervorbringt als das Spiel, dem geschuldet das er sich nicht wie das Visual Novel mehrere Pfade und Bad Ends basierend auf die Multiple-Choice-Möglichkeiten leisten kann, sondern alles in eine straffe Narration packen muss, ist das die Extremsituation nicht gerade das Beste aus diesen Kids herauszulocken vermag.

Die kleine Schwester, der nervigste Charakter, der bitter aus der Riege im Spiel hervorgestochen ist, ist übrigens immer noch mit dabei, auch wenn ihre Route eine ist, die zum Großteil verändert wurde. Es ist ihr mit dem Film-Casting definitiv nicht geholfen worden, denn die Schauspielerin schaut genauso alt aus wie der Rest der Truppe, verhält sich aber weiterhin wie eine unterbelichtete 6-Jährige. Aber wenigstens gibt es jetzt weniger Zeit mir ihr. Einschiffen darf sie sich dennoch auch hier, für diejenigen, dessen Fetisch das war.

Allgemein hilft es einem in den Grundzügen so simplen und vorhersehbaren Horror-Plot wie in Corpse Party natürlich wenig, wenn man ihn in einen kurzen, geradlinigen Film stecken muss, dem sowohl die Interaktion des Spielers mit dem Geschehen abgeht, als auch die interessante Kapitelstruktur mit den verschiedenen Endmöglichkeiten. Außerdem ist das Ding billig gemacht, die Schauspieler bieten alle eher unterirdische Leistungen, und die deutsche Synchro ist auch nicht unbedingt hochwertig.

Das ist aber alles absolut irrelevant. Schaut den Film dennoch unbedingt, und das auf jeden Fall in einer Riege an Freunden, oder Leuten, die ihr zu solchen machen wollt. Denn Corpse Party (Live Action) ist die witzigste Komödie unseres Jahrhunderts.

Der Film ist einfach so absolut chaotisch und unbegreiflich, es grenzt an vielen Punkte stark an Parodie. Wenn die Charaktere dann schlecht geschauspielert in absolute hysterisch-witzige Emotionen verfallen, oder diese absolut dämlichen hormonellen Entscheidungen treffen, die sie sicher umbringen werden, und das Ganze nur übertrieben und aus dem Nichts kommend wirkt. Wenn der Gore ebenfalls so absolut überdramatisiert wie gleichzeitig nonchalant präsentiert wird. Als die Lehrerin zu Beginn die Türe aufmacht und ohne jegliches Trara den Schädel eingehämmert bekommt, oder die eine Schülerin von den beiden kleinen Kindern so fest gegen die Mauer geworfen wird, dass ihr Körper explodiert. Wenn der eine Kerl fasziniert vor dieser Pfütze, die mal seine Mitschülerin war, steht, und einen Anruf von ihrem Geist bekommt, er solle ihr nicht auf die Organe starren. Ich habe mich weggeschmissen vor Lachen während des Filmes.

Das ist es einfach. Die Momente, die im Spiel grausam sind, die im Spiel leichte unheimliche Atmosphäre aufbauen, die Charaktermomente zeigen, einfach die überraschen oder erschrecken oder mitfühlend machen sollen… sind alle im Film absolut lächerlich und das auf die beste unfreiwillige Art und Weise, die man sich nur wünschen könnte. Hut ab Corpse Party, ich habe selten so gelacht, Unterhaltungswert 10/10.

Advertisements

American Horror Story: Cult

Auch dieses, bzw. mittlerweile dann ja doch schon letztes Jahr, gab es eine neue Staffel von American Horror Story. Diese nennt sich Cult und nimmt sich zu gegebenem Anlass direkt mal den Totalausfall der amerikanischen Präsidentschaftswahl an. Oder das zumindest zu Beginn.

Ich meine, AHS ist immerhin kein South Park, bei dem man eine Woche vor Ausstrahlung erst das Skript schreibt. Von daher kann man natürlich davon ausgehen, dass die Präsidentschaftswahl oder zumindest deren ultimatives Ergebnis sich nur sehr gut mit dem Hauptthema der Staffel paaren lies. Denn dieses ist dem Untertitel geschuldet eines um Sekten. Hauptsächlich eben, wie charismatische Soziopathen es schaffen, Leute von ihren immer extremeren Vorstellungen zu überzeugen. Maßgeblich natürlich dadurch, dass sich Menschen von ihrem Staat und sozialem Umfeld im Stich gelassen fühlen, weil sie in zumindest als immer chaotischer und schlimmer werdend wahrgenommenen Zeiten nach einfachen Lösungen suchen, und nach jemandem, der ihnen eine klare Linie vorgibt, ihnen die Verantwortung fürs eigene Leben abzunehmen bereit ist.

Das funktioniert eben ganz gut mit dem Zuckerguss der Wahlen. Denn die Präsidentschaftswahl war schon eine, die viele mit Unmut zurückgelassen hat. Schon vor dem Ergebnis war es oftmals eine Entscheidung für das kleinere Übel, denn so wirklich populär war auch Clinton selbst bei vielen Demokraten nicht. Und leider ist das amerikanische System auch noch so aufgebaut, dass es sich nur lohnt eine der beiden großen Parteien zu wählen, Stimmen an Dritte verschwendet sind.

Und dadurch, dass es letztendlich Trump geworden ist, kann sich AHS: Cult so richtig auf die uramerikanische Kleinstadtangst einlassen. Eben zum einen der Radikalisierung der Alt-Right und dem ganzen Anhang, die schleichend und vor allem auch bei jungen Männern im Internet, zu dem Ergebnis geführt hat, mit dem nun gelebt werden muss. Aber auch die liberale Wählerschaft der Demokraten, die dank des Trump-Regimes darum zittern dürfen, dass ihnen langsam aber sicher ihre Rechte wieder aberkannt werden, oder die Nachbarschaft von Neo-Nazis überschwemmt wird.

Optisch bleibt die Serie übrigens bei der brachialen, realistischen Darstellung der vorigen Staffel. Das Opening mag zurück sein, das Promotionsmaterial wieder viel Glamour und Class verbreiten, doch die Optik ist wieder bodenständiger und ernster. Was der Thematik durchaus auch ganz gut tu.

Wobei ich persönlich die Staffel im späteren Verlauf besser fand, als eben der Bezug auf die aktuelle politische Lage immer notdürftiger wurde, und die eigentliche Handlung um den Kult angefangen wurde. So ganz verschwunden ist es nie, aber AHS ist halt einfach eine viel zu dumme Serie, um wirklich etwas aussagen zu können, und da nimmt sich Cult nichts. Ganz so wie jede Staffel kommen immer mehr Nebenhandlungen hinein, hier noch eine Abzweigung, hier noch eine Biegung in die Geschehnisse. Nicht alle wirklich zwangsläufig zu einem befriedigenden Ende gebracht, und allgemein die Serie zu verwässernd, um wirklich am Ende des Tages eine Punkt und eine Aussage zu bieten. AHS schaut man für den Unterhaltungswert, nicht um dabei auch das Hirn aktiviert zu haben.

Und so wird von 4Chan bis zu den extremen First Wave Feministen, die plötzlich eigentlich der Zodiac Killer waren, weil sie alle Männer umbringen wollten, alles geboten. Warum junge Menschen dennoch rechts wählen, warum die snobistische Einstellung vieler Linker keinen für ihre Seite gewinnen kann, gezielt geschürte Panik durch fingierte Überfälle, um die immer bessere Kriminalstatistik zu untergraben und subjektive Gefahr der objektiven Lage entgegenzusetzen – und am Ende gibt es doch das Matriarchat als richtige Gruppe von Frauen in Kutten. Wilder Ritt, abgedreht und unterhaltsam, aber wann immer die Serie droht vielleicht doch einen nuancierten Punkt zu machen, wird das von einer an den Haaren herbeigezogenen Idee wieder untergraben. Aber hey, Subtilität oder Hirn kann man der aktuell realen politischen Lage in den USA tatsächlich nicht vorwerfen, von daher ist AHS vielleicht gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt, wie sie das mal war.

A Christmas Horror Story

Bei A Christmas Horror Story handelt es sich um einen weiteren amerikanischen Horrorfilm aus dem Jahr 2015, der zur Weihnachtszeit spielt, und welcher den Krampus für sich entdeckt hat.

Nur haben wir es diesmal um eine Anthologie aus vier kaum miteinander verknüpften Geschichten zu tun. Für einige davon ist Weihnachten wichtiger, bei anderen ziemlich nebensächlich. In der einen Geschichte folgen wir drei Teenagern, die zu Weihnachten in ihre Schule einbrechen, weil sie eine Doku darüber drehen wollen, als das Gebäude noch von Nonnen geleitet wurde und nun der Geist einer bei der Abtreibung ihres Kindes gestorbenen Mädchens umgehen soll. In der nächsten folgen wir einer dysfunktionalen Familie, die zum Fest die deutsche Tante besuchen wollen, und von Krampus gejagt werden. Die Familie der dritten Geschichte geht in eine abgesperrte Zone im Wald, um ihren perfekten Weihnachtsbaum zu schlagen, nehmen aber statt ihres Kindes einen Gestaltwandler mit nach Hause. Die vierte Geschichte spielt hingegen in der Fabrik vom Weihnachtsmann, der seine zu Zombies mutierten Elfen köpfen muss.

Den Rahmen von alledem bildet William Shatner, der als DJ einer Radiostation zu Weihnachten ein wenig hier und dort kommentiert, Lieder einspielt, und über den Krieg gegen Weihnachten mosert. Weil es für gelangweilte, konservative, mittelständige Weiße ohne echte Probleme im Herzen Amerikas nichts Schlimmeres gibt, als das man in Geschäften nur noch „Frohe Feiertage“ wünscht, da in der Multikulti-Gesellschaft eben nicht jeder Kunde zwangsläufig das christliche Weihnachten feiert. Unterdrückung von Religion und Redefreiheit und all der an den Haaren herbeigezogene Müll. Hashtag White Genocide.

Nun handhaben es Anthologien meist so, dass sie ihre verschiedenen Geschichten nacheinander abhandeln. Um sie vage miteinander zu verknüpfen läuft vielleicht mal wer aus einer anderen durch den Hintergrund oder offenbart die letzte doch einen größeren Zusammenhang, aber zunächst läuft jede Geschichte für sich. Warum das normalerweise so gehandhabt wird, zeigt sich ganz gut in A Christmas Horror Story, welches nämlich nicht dieser Konvention folgt. Stattdessen hält er sich an eine normale Filmstruktur und springt Szene für Szene zwischen den Geschehnissen hin und her. Das funktioniert bei einem normalen Film, der einen eindeutigen Hauptfokus hat, aber nicht so sehr bei einer Anthologie. Denn so häufig zwischen Charaktergruppen, Handlungssträngen und Lokalitäten hin und her zu wechseln, die alle gleiche Gewichtung haben, ist eher verwirrend und wirkt wie ein Durcheinander.

Ansonsten ist es halt so, wie das bei Anthologien häufiger der Fall ist, dass sich die Gefälligkeit des Filmes stark danach richtet, in welcher Storyline man sich gerade bewegt. Wobei ich schon sagen muss, dass die alle keine großen Sprünge machen. Am interessantesten ist im Prinzip diejenige, die am stärksten heraussticht, nämlich der Weihnachtsmann im Kampf gegen seine Zombiehelfer. Die Handlung ist zwar auch ein wenig simple durch die insgesamt kurze Zeit, aber doch sehr unterhaltsam, von der Grundidee nicht so Standard, und vor allem auch mit einer netten Wendung fürs Ende bestückt, die darauf aufbaut, dass diese Handlung so anders ist. Die anderen drei sind halt so ein wenig gehabt, durch ihre Kürze und den schnellen Wechsel zwischen ihnen nicht komplett langweilig, werden einen aber auch nicht wirklich vom Hocker hauen.

Frohe Festtage und der ganze Kram dann auch von mir.

Krampus

Ich muss eingestehen, bevor Horror-Hollywood vor wenigen Jahren ihn kurzzeitig für sich entdeckte, habe ich noch nie vom Krampus gehört gehabt. Allerdings scheint es so, dass der zwar gern der deutschen Folklore zugeteilt wird, aber dann doch stark auf den alpinen Raum von Bayern über Österreich nach Tirol beheimatet ist. Mir als Nordhesse wäre das Vieh zumindest noch nie über den Weg gelaufen.

Der nach ihm benannte Film Krampus ist übrigens dahingehend sehr interessant, als dass er mich ein wenig an Gremlins erinnert. Für kleiner Kinder ist er nämlich wohl schon etwas zu gruselig, aber insgesamt doch handzahm genug, als dass man ihn mit den etwas Größeren als Familien-Gruselstreifen zu Weihnachten schauen könnte.

Bestenfalls denjenigen, die eine leicht zynische Ader haben. Horrorfilme zu Weihnachten, wenn der Tag an sich nicht eher zufällig gewählt scheint, sind natürlich von Natur aus eher mit einem differenzierten Blick auf den Feiertag ausgestattet, statt es als absolut wundervollste Zeit des Jahres voller Kuscheleinheiten zu präsentieren. Krampus allerdings ist schon fast eine schwarze Komödie an gewissen Stellen. Darauf stimmt uns bereits die Einstiegsszene ein, die eine außer Kontrolle geratene Bande von Leuten im finalen Rausch die Weihnachtsgeschenke zu kaufen zeigt, sich die gegenseitig aus den Händen reißend, die eigenen Kinder fast niedertrampelnd. Und dazu immer schön ein Weihnachtslied.

Der Hauptfilm an sich geht natürlich zu einer Familie nach Hause, deren nahe Verwandten zum Weihnachtsfest eingeladen sind. Obwohl sich keiner davon wirklich sonderlich leiden kann. Die einen werden für Snobs gehalten, die anderen für White Trash. Und die unleidliche Tante, die eh alles scheiße findet, ist auch noch mit dabei. Da ist es klar, dass man sich fast sofort auf die Nerven geht, passiv-aggressive Töne durch die Gegend fliegen, und die Spannungen gerade unter den Kids irgendwann zu eskalieren drohen.

Doch was bringt eine Familie zu Weihnachten schon besser zusammen, als plötzlich in einem Schneesturm im eigenen Hause gefangen zu sein, während der Krampus die Nachbarscheit heimsucht, um sich diejenigen vorzuknöpfen, die zum Fest nicht bemüht fröhlich und glücklich sind, so wie sich das gehört?

Was ich Krampus allerdings echt hoch anrechne ist, dass es sehr mit den Erwartungen des Publikums zu spielen weiß. Eben weil er relativ harmlos gehalten ist. Die Monster sind zwar schon unheimlich designt, aber es gibt kein wirkliches Blut zu sehen, Charaktere sterben alle Off Screen, und nackte Tatsachen sind ebenfalls absent. Gerade deswegen erwartet man halt fast, dass dies wie eingangs erwähnt so ein Stück weit Familienhorror ist. Dass es hier darum gehen wird, das die Familie nur im gemeinsamen Kampf zusammenfinden muss. Den wahren Sinn von Weihnachten entdeckt. Alles am Ende irgendwie doch überstanden wird und gut ausgeht.

Aber genau das liefert Krampus eben nicht. Wenn die Teenie-Tochter bereits nach einer halben Stunde doch kurz in das Schneetreiben geht, um ihren wenige Häuser entfernten Freund aufzusuchen, und der Krampus sie zu jagen beginnt. Ja das ist doch eindeutig nur da, damit ein Familienangehöriger die Gefahr zu Gesicht bekommt und die anderen darauf aufmerksam machen kann. Sie wird es doch bestimmt wieder zurück nach Hause schaffen. Nope. Und in der finalen halben Stunde, auf die wahrscheinlich fast das ganze Special-Effects-Budget verwendet wurde, geht sowieso alles drunter und drüber – was für eine Gaudi.

Schön vor allem auch, dass die Omi von einer österreichischen Schauspielerin verkörpert wird. Um an die Folklore anzuknüpfen ist die nämlich deutschstämmig und spricht auch fast nur unsere Landessprache den kompletten Film über. Was übrigens ein weiterer netter Gag ist, wenn sie dann doch der Einfachheit halber (die meisten Familienangehörigen verstehen kein Deutsch, so dass der Junge meist übersetzt) eine kurze Geschichte in Englisch erzählt, und die Tante meint, sie hätte schon immer gewusst, dass die Omi nur zu starrköpfig ist, die Sprache zu sprechen. Die Omi ist sowieso der härteste Charakter des Filmes und der in einer Animations-Sequenz erzählte Flashback an die Nachkriegszeit, in der sie bereits auf den Krampus traf, ziemlich cool.

Super unterhaltend war der Film einfach. Ich habe per se kein Problem mit dem Weihnachtsfest, aber gleichzeitig finde ich es halt auch immer erheiternd, auch so einen eher zynischen Blick drauf geworfen zu sehnen. Und Krampus ist einfach herrlich gemein von seiner Wesensart her, sowohl dem Fest wie auch der Familie gegenüber. Aber eben auf eine schwarzhumorige Art und Weise. Hat mir echt total gefallen.

Sadako vs Kayako

7 Ring-Filme und 8 Ju-ons später, und das rechnet nur die japanischen Inkarnationen ohne die amerikanischen Remakes und deren Sequels, sollte es also zum großen Crossover kommen: Sadako vs. Kayako. Mit ordentlich Marketing dahinter den persönlichen blassen Lieblings-Geist zu wählen, oder das anhand des Popcorns, welches man zur Vorstellung kauft, festzumachen.

Das Versus im Titel kann dabei schnell täuschen, denn für den Großteil der 100 Minuten an Film treffen die beiden Franchises nicht wirklich aufeinander, sondern laufen gemütlich aneinander vorbei. Hauptcharaktere sind zwei Studentinnen im Ring-Part und eine Schülerin im Ju-on-Part des Filmes. Deren Namen ich allerdings schon wieder vergessen habe, also nennen wir sie einfach mal A-Ko, B-Ko und C-Ko.

A-Ko und B-Ko sind es jedenfalls, die direkt zu Beginn des Filmes bei einer Vorlesung am Wegdösen sind. Kann man ihnen kaum verübeln, denn der Professor doziert was über Memes und urbane Mythen. Wobei er eine besondere Manie dem verfluchten Video gegenüber hat. Übrigens wird er auch den weiteren Filmverlauf über besessen davon sein, auf Sadako zu treffen, man sollte aber nicht erwarten, dass diese Fixation jemals wirklich erklärt würde.

Um das Hochzeitsvideo der Eltern von B-Ko von Kasette auf DVD zu überspielen besorgen die beiden sich einen alten Videorekorder, in dem praktischerweise noch das verfluchte Video drin steckt. Wie wir später herausfinden war den Verkäufern des 2nd-Hand-Shops dies durchaus bekannt, und sie fanden es drin zu lassen einen coolen Gag, die Idioten. Ach ja, und wir bekommen auch mit, dass aus irgendwelchen Gründen Sadakos Fluch im Film geändert wurde: Sie tötet nun innerhalb von 2 Tagen statt 7 und das Video zu vervielfältigen und jemand anderem zu zeigen ist nur ein Mythos und funktioniert nicht wirklich. Das Video an sich ist auch ein ganz anderes, viel kürzer, und ziemlich lahm, was aber auch daran liegen kann, dass der Film es uns die ersten paar Mal nicht zeigt, sondern nur die geschockte Reaktion der Zuschauer, und somit einen ziemlichen Hype und nichts aufbaut.

C-Ko derweil zieht mit ihren Eltern in eine neue Nachbarschaft und das Haus auf der anderen Straßenseite ist natürlich ausgerechnet das verlassene Horrorhaus, in dem Herr Saeki seinen Frau und Sohn ermordet hat (hier wird die Katze ausgespart), die seither die Treppen des Gemäuers hoch und runter rasseln, um jeden umzubringen, der das Anwesen betritt.

Hauptsächlich folgen wir im Film allerdings den frisch von Sadako verfluchten A-Ko und B-Ko, die das Video dem Professor zeigen, der die Hilfe eines Mediums heranzieht, wobei Sadako allerdings alle umbringt bis auf einen besonders spirituell begabten Rebellen mit miserabel schauspielernder blinden Loli im Gepäck. Der kommt auf die glorreiche Idee sowohl Sadakos Fluch auf A-Ko wie Kayakos Fluch auf C-Ko loszuwerden, in dem er beide im Saeki-Haus das Video erneut schauen lässt, damit die Geister sich gegenseitig angehen.

Das ist dann aber auch erst im Finale des Filmes und Sadako und Kayako Versus-en sich nur für kurze 5 Minuten am Ende, bevor sie zu einem Super-Rachegeist verschmelzen und der Film uns mit einem Cliffhanger an Sequel-Bait hinterlässt.

Der schale Beigeschmack des Filmes bleibt dann auch insgesamt hängen. Statt die beiden urbanen Mythen um Sadako und Kayako wirklich miteinander einen Film zu verweben, laufen halt zwei unterdurchschnittliche parallel zueinander. Und das, obwohl bei beiden nicht viel an Hintergrundstory dahinter steckt, so dass es sicherlich einfach möglich gewesen wäre. Zu Kayako und Toshio gab es eh noch nie viel zu wissen, und bei Sadako kommt eben auch nur rum, wie der Fluch (hier) funktioniert. Gerade die beiden Flüche auch als Gerücht und Geistergeschichten bestehen zu haben, hätte man nutzen können, um die Charaktere denen aktiv nachgehen zu lassen, statt das die erneut einfach so zufällig in die Flüche hinein stolpern. Horror kommt eh keiner so richtig auf, da weder wirklich Atmosphäre aufgebaut wird, und die Todesarten hier schon eher was komödiantisches haben, statt wirklich ernstzunehmend zu sein. Dieser unfreiwillige Humor sind jedoch schon die einzigen kurzen Highlights des ansonsten lahmen Filmes.

Phantasm: Ravager

Bereits Anfang des neuen Jahrtausends, also die übliche halbe Dekade nach dem letzten Film, kamen erste Versuche auf, einen fünften Phantasm zu machen. Nun ist die Serie allerdings selbst zu deren Hochzeit bestenfalls ein Kult-Klassiker gewesen. Dass hat natürlich den Vorteil gehabt, dass nur dann ein Film produziert wurde, wenn die Beteiligten wirklich einen machen wollten, und das auch bei den gleichen Beteiligten, statt das ein Studio für den schnellen Cashgrab komplett Unbeteiligte schnelle Sequels raushauen lassen hat. Dann wiederum ist es natürlich auch immer entsprechend schwer, ein Studio davon zu überzeugen, einen weiteren Film zu finanzieren.

Deswegen wurde dann doch erst 2016 etwas daraus, mit fast zwanzig Jahren seit Phantasm IV: Oblivion hinter sich, dass Phantasm: Ravager das Licht der Welt sah. Erneut von Don Coscarelli, der allerdings zum ersten Mal nur am Drehbuch geschrieben und produziert, aber nicht selbst Regie geführt hat. Mit Angus Scrimm zum fünften Mal in der Rolle des Tall Man (und zum letzten, da er noch vor Release verstarb), mit Reggie Bannister zum fünften Mal als Reggie, und mit A. Michael Baldwin und Bill Thornbury zum vierten Mal in der Rolle der Brüder Mike und Jody. Selbst die beiden Nebenrollen der Rocky aus Phantasm III und Lady in Lavender aus Phantasm, die kurz auftauchen, werden von den gleichen Akteurinnen dargestellt.

Das macht es immer schwer die Phantasms nicht zu mögen, denn es ist halt einfach so viel ehrliches Interesse von allen dabei, wenn es darum geht, einen weiteren Film zu machen. Da wird nicht mal schnell was abgefilmt, um die Rechte an der Franchise nicht zu verlieren oder was es sonst so merkwürdige Gründe geben könnte. Nö, alle haben halt Bock drauf und ihren Spaß am Dreh. Das rettet dann selbst sowas wie Phantasm: Ravager etwas, der ansonsten manchmal nahe an der Qualität eines Asylum-Filmes kratzt.

Gerade die erste Hälfte des Filmes macht nicht den besten Eindruck. Hauptsächlich fokussiert auf Reggie, der aus der Höllendimension wieder ausgespuckt etwas alleine durch die Wüste geistert, von einem Mädel aufgegabelt wird, zwischenzeitlich allerdings Flashes hat, in dem alles Erlebte nur Fantasie war und Mike ihm in einem Heim offenbart, dass er Demenz hat. Das alles optisch extrem billig und langweilig gefilmt, und so wirklich richtig was scheint nicht zu geschehen, wären die Akteure 50 Jahre jünger und in Unterhose, könnte man es fast für einen Film von David DeCoteau halten. Mal schnell im Garten ein paar Leute durch die Gegend scheuchen und einander Unwichtigkeiten erzählen lassen.

Die zweite Hälfte zeigt dann, dass hier wohl doch jemand ein Drehbuch geschrieben hatte, laut dem etwas geschehen soll. Und vielleicht auch ein wenig viel geschehen soll, denn es wird zusehends schwerer am Ball zu bleiben. Reggie stürzt von einer Welt aus den vorigen Phantasms in die nächste, trifft Charaktere, die helfen oder auch nicht, und letztendlich ist er in einer vom Tall Man überrannten Zukunft und schlägt sich mit dem Rebellen-Anführer Mike durch? Nur um dann am Ende endlich mit Mike und Jody vereint im Auto zu sitzen, weißer Flash, und wir sehen ihn im Heim von beiden umgeben im Bett sterben. War etwa doch alles nur Einbildung? Sind das hier Parallelwelten? Was von all dem war denn jetzt nun echt und was nicht? Keine Ahnung, zumal der Film es zusätzlich verwirrt, in dem es noch eine Mid-Credit-Szene gibt, in der Rocky eins Auto zusteigt. Also doch nicht nur Wahnvorstellung eines Sterbenden?

Und so klingt Phantasm aus. Nehme ich zumindest mal an, denn erneut gibt es genügend Ansatzpunkte, um das in weiteren fünf bis zwanzig Jahren weiterzuspinnen, aber mit dem Tod von Angus Scrimm denke ich nicht, dass da noch jemand Lust zu haben wird. Zumal auch der Schauspieler von Reggie mittlerweile über 70 ist und es nicht mehr ewig machen wird. Eigentlich hätte man die Franchise schlafen lassen können, denn Ravager ist halt vom Look extrem billig, und zuerst etwas langweilig aber hintendran dann unnötig verwirrend. So richtig, was man hier mitnehmen soll, ist mir nicht klar geworden. Aber wie eingangs erwähnt, richtig nicht mögen kann man das Produkt halt auch nicht, weil es alle hiermit so verdammt ehrlich gemeint haben.

Event Horizon

Event Horizon ist ein Film mit einer sehr geplagten Entstehungsgeschichte. Was ursprünglich als The Shining, aber im Weltall und mit viel Gore geplant war, sollte sowohl während der Produktion als auch davor und danach unter Zeitdruck kommen. Ein unfertiger 130-Minuten-Cut hatte miserable Ergebnisse während eines Text-Screenings, weswegen das Ding auf 95 Minuten zurechtgestutzt wurde. Irgendwann wurde sogar ein Versuch unternommen, Event Horizon auf PG13 zu bringen, um mehr Publikum anzuziehen, was dann jedoch wieder rückgängig gemacht wurde.

Natürlich ist es sowieso etwas fraglich, wie viel der Film von Paul Anderson hätte werden können. Das ist der Paul Anderson, der mit Milla Jovovich verheiratet ist, und uns so filmische Perlen wie Mortal Kombat, die Resident Evils oder Dead or Alive beschert hat, und scheinbar momentan an einem zu Monster Hunter arbeitet. Dann wiederum ist ein Regisseur auch nicht alleinig an der Entstehung eines Filmes beteiligt, und aus Event Horizon hätte sicherlich zumindest mehr werden können, wenn mehr Zeit eingeräumt worden wäre, sowohl für die Produktion als auch für die Gesamtspielzeit.

Dass der Film stark runtergekürzt ist, merkt man eigentlich auch schon direkt zu Beginn. In schnellen Texttafeln wird uns davon erzählt, dass Menschen in der Zukunft, die jetzt 20 Jahre nach Filmrelease schon Vergangenheit ist, angefangen haben bemannt das All zu erforschen, und 2040 das besondere Exkursionsschifft Event Horizon mit einem speziellen Antrieb in unbekannte Weiten vorstoßen sollte, jedoch direkt zu dessen Aktivierung im Orbit des Neptuns spurlos verschwunden ging. Das kann man natürlich auch hübscher aufbereiten, auch wenn Backstory in schnöden Texttafeln jetzt auch nicht komplett ungewohnt zu Filmstarts sind.

Dann sehen wir Weir in einer Raumstation im Orbit der Erde, in der er Bilder seiner Frau betrachtet. Harter Cut und plötzlich ist er auf einem anderen Raumschiff, Mitglied einer Crew, und die sind auf der Mission einem Rettungssignal zu folgen, welches scheinbar von der wieder aufgetauchten Event Horizion (es sind 7 Jahre seit deren Verschwinden) ausgeht. Dass hier definitiv mindestens zwei Szenen flöten gegangen sind, in denen Weir sich der Truppe anschließt und die Mission genauer erklärt wird, ist hierbei ziemlich klar. So wäre es fast besser gewesen, die erste Szene mit Weir auch zu opfern und es so aussehen zu lassen, als wäre er von Beginn an ein Crewmitglied gewesen.

Viel mehr als das beginnende Setup, welches nicht wirklich über sehr viel mehr Spielzeit erklärt wird, als die letzten zwei Absätze zu lesen eingenommen haben kann, ist dann auch nicht mehr an Handlung. Geschehen tun schon noch diverse Dinge, aber viel mehr Story gibt es dazu nicht. Die Event Horizon war also statt durch den Raum zu springen in einer Höllendimension, in der alle wahnsinnig wurden und sich Cenobiten-mäßig gesexzerstückelt haben. Und jetzt haben die darauf neu gestrandeten Retter auch langsam merkwürdige Visionen und Weir wird ganz vom Schiff eingenommen und will alle umbringen.

Alles sehr vorhersehbar. Weil halt typisch besessenes Horror-Haus, welches seine Bewohner in den Ruin treibt, nur eben auf einem Raumschiff und mit dem Setdesign von Hellraiser. Alles ist dunkel und kantig, mit unnötigen Spitzen und Stacheln versehen und in einer der Höllenversionen wird die Crew aufgespießt und mit Stacheldraht durchzogen gezeigt.

Das Problem dabei ist einfach, dass der Film absolut leer wirkt. Als würde all dies so ein wenig ohne richtigen Gravitas im luftleeren Raum geschehen. Es ist ziemlich klar, dass hier mehr Story dahintergesteckt hat, die rausgeschnitten wurde. Vor allem auch was die Charaktere angeht, von denen nur bei dreien mal kurz die Ängste angesprochen werden, die sich die Event Horizon zu Nutze macht, während drei andere absolut eindimensionale Pappaufsteller bleiben. Der Suizid von Weirs Frau bekommt mit am meisten Zeit, und ist dennoch irgendwie zu kurz, um richtig Charaktermotivation reinzubringen. Zudem gibt es da ganz eindeutig spezielle Beziehungen zwischen einigen der Crewmitgliedern, die aber alle verlorengegangen sind, wann immer jemand also für jemand anderen wichtig erscheint, kommt das aus dem Nichts. Das Ende ist dann auch irgendwie ziemlich konfus und sprunghaft.

Selbst an Gore ist letztendlich gar nicht so viel geblieben. Ein wenig eklig wird es nur in der Aufzeichnung der Orgie der ursprünglichen Crew, nachdem die aus der Höllendimension zurückgekehrt sind, und die Höllenvision der neuen Crew gegen Ende. Beide Szenen sind aber extrem kurz und so schnell geschnitten, dass man eigentlich schon wieder kaum etwas zu erkennen vermag.

All das macht die beschnittene Version von Event Horizon wirklich mehr langweilig denn sonstwas. Das Konzept dahinter ist zu kompetent, um einen richtig schlechten Film auszumachen, oder gar einen schlecht-guten Unterhaltungswert einzubringen, aber es fehlt zu viel, um dann doch einen guten und interessanten Film zu bieten.

American Horror Story: Roanoke

Die super höchst-geheime sechste Staffel von American Horror Story hat dann also den thematischen Untertitel Roanoke bekommen. Wahrscheinlich auch weil American Horror Story: Fake Reality TV irgendwo nicht so gruselig klingt, wobei beim richtigen Klientel eventuell schon, allerdings nicht mit der richtigen Bedeutung dahinter.

Denn Roanoke ist eine alte amerikanische Siedler-Kolonie, die unter mysteriösen Umständen irgendwann einfach spurlos verschwunden ist, und um die sich deswegen diverse Legenden ranken. Also jetzt in echt und wirklich, nicht nur für die Staffel an sich als Hintergrundgeschichte ausgedacht. Jedoch ist ehrlich gesagt dies eher nebensächlich, letztendlich könnte jeder andere Grund ebenfalls herangezogen werden, um zu erklären, warum das Anwesen von Geistern heimgesucht wird – das dies der Siedlungsgrund der Kolonie war, dient nämlich als wenig mehr. Ähnlich wie Lady Gagas Charakter, der alle paar Folgen mal kurz durchs Bild springt, als Ursprung der okkulten Macht in der Region herhalten darf, aber die ebenfalls hätte von anderen Dingen ersetzt werden können, weil sie alles andere als integral für die Geschichte wird. Was Einigen sicherlich auch gefallen hat, die ihre Präsenz in Hotel überfordernd fanden.

Jedenfalls ist das wahre Gimmick eben jenes, dass diese Staffel wie Reality TV daherkommt, und zwar in diversen Formen, weil sie sozusagen aus mehreren Serien besteht. Diesmal auch nur in 10 Folgen und ganz wie eine Werbeunterbrechung-habende solche Show, die es ja eigentlich bei AHS auf FX nicht gibt, sind die Folgen diesmal auch nur je 40 Minuten lang, statt ihren Stundenslot fast zu füllen (oder in Spezialfällen wie in den vorigen Staffeln sogar zu sprengen). Das macht sie auf jeden Fall schon mal ein Stück weit kurzweiliger als andere Staffeln, besonders die doch etwas überlangen Freak Show und Hotel.

Die erste fiktive Serie ist dabei My Roanoke Nightmare, welche die ersten fünf Folgen einnimmt. Sie ist wie eine Dokumentation aufgezogen. Bedeutet es gibt immer wieder Cuts im Geschehen, in denen wir die „echten“ Leute hinter der Geschichte in Kurzinterviews haben, während der Bulk des Programms (wie auch immer schön am Bildschirmrand angemerkt) lediglich Dramatic Re-Enactments sind, in denen von Schauspielern die angeblich echten Ereignisse dieser Interviewten nachgespielt werden. Vorrangig dreht es sich darum, dass ein Pärchen sich ein hübsches koloniales Anwesen im Nirgendwo gekauft hat, es dann aber mit kanibalischen Redneck-Nachbarn und den Roanoke-Geistern inklusive deren Anführerin The Butcher zu tun bekommen.

In Episode 6 wird uns dann erzählt, dass diese Serie der absolute Hit war, und deswegen ein Nachfolger in der Produktion ist, betitelt Return to Roanoke: 3 Days in Hell. Der Produzent der ersten Staffel schickt die Schauspieler sowie die echten Menschen hinter der Geschichte zusammen zum Blutmond, wenn die Scheiße so richtig abgeht, in das Anwesen zurück, um sie wie in Big Brother die drei Tage durchgängig zu filmen. Gegen Ende von Episode 6 wird uns allerdings bereits reißerisch kundgetan, dass die Serie nie zur Ausstrahlung kam, weil alle Beteiligten mit einer Ausnahme während des Drehs starben, und was wir sehen sind die Überreste der Kameraaufnahmen. Return to Roanoke, welches sich bis einschließlich Episode 9 erstreckt, ist also Found Footage, inklusive gegen Ende im Blair-Witch-Stil hinzustoßende Studenten.

Folge 10 ist dann sozusagen die Nachbereitung, die in Auszügen mehrere TV-Progamme zeigt was aus dem einzigen Überlebenden geworden ist und wie es mit dem Roanoke-Haus zu Ende geht. Dabei gehen wir über Real Crime TV zu Möchtegern-Geisterjägern bis hin zur Live-Schaltung von Nachrichten.

Es ist schon interessant in letzter Zeit einen gewissen Horror-Trend mitzubekommen, der Back to the Roots ist. Der neueste Blair Witch richtet sich an der simplen Found-Footage-Prämisse des Erstlings. Resident Evil 7 geht zurück zum Survival Horror in einem Haus. Und auch American Horror Story hat weniger überdrehte Ideen und Spektakel in seiner sechsten Staffel zu bieten. Stattdessen bleibt es relativ bodenständig, eben auch durch sein Gimmick geschuldet. Wobei Return to Roanoke schon ordentlich aufdreht im Vergleich zum etwas biederen und ehrlich gesagt leicht langweiligen My Roanoke Nightmare. Die letzte Folge unterhält dann eher durch die Kurzweil im schnellen Austausch der Fernsehformate.

Ich fand es irgendwo schon ganz gut, die Herangehensweise ist schon kohärenter und die Staffel in sich stimmiger als so einige der Vorgänger. Aber ganz mein Ding ist es halt auch nicht gewesen. Wie gesagt ist mir die erste fiktive Serie nicht ganz spannend genug, zumindest nicht dafür das sie ganze 5 Folgen spannt, sondern hier wäre weniger mehr gewesen, während die zweite wie so viel Found Footage ziemlich schnell an der Frage scheitert, warum überhaupt alle noch so obsessiv alles filmen, gerade weil hier die Scheiße wesentlich schneller und härter zu fliegen beginnt, dafür unterhält sie aber auch mehr. Ich mein die Seitenhiebe auf diese Art Serien sind schon interessant, genau wie die sich entwickelnde Dynamik, weil man als Zuschauer tatsächlich richtig etwas durcheinander geworfen wird, wenn die Schauspieler aus My Roanoke Nightmare in Return to Roanoke plötzlich ganz andere Charaktere sind, weil sie jetzt die Schauspieler dahinter schauspielern müssen.

Be My Valentine, Or Else…

ava-2132Es ist gar nicht so einfach, Horrofilme zu finden, die mit dem Valentinstag zu tun haben. Man sollte meinen der Tag wäre reif dafür, zynisch viele davon hervorzurufen, ganz ähnlich der Weihnachtszeit. Dann wiederum lässt sich natürlich an einem rein aus dem Kommerz geborenen Tag wesentlich besser vorbei leben, statt an einem historisch gewachsenen, dessen Stimmung schon ab Oktober verbreitet wird.

Im Falle von Be My Valentine, Or Else… sind die Alternativtitel wohl passender, er läuft nämlich auch unter Hospital Massacre, Ward 13 und X-Ray. Letzterer ist der geläufigste, der so oder so ähnlich auch zum Großteil im Ausland verwendet wurde. Deutschland kombiniert sie etwas, hier kennt man ihn als X-Ray: Der erste Mord geschah am Valentinstag.

Der Untertitel ist so auch stimmig, denn der Film beginnt direkt in einem Flashback mit drei absolut untalentierten Kinderschauspielern. Susan spielt mit einem Freund, und feuert ihn an die Spielzeuglock schneller und schneller fahren zu lassen, als wäre sie eine osteuropäische Prostituierte, die es möglichst schnell hinter sich haben will. Beobachtet werden die beiden arischen Nachwüsche von Harold, der Susan eine Valentinskarte vor die Türe legt. Die lacht aber nur mit dem anderen Jungen darüber und wirft sie weg. Also macht Harold das einzig logische, und bringt den anderen Jungen um.

Vielleicht leicht überreagiert, aber Konkurrenz muss man aus dem Weg schaffen. Und der Film erwähnt auch nie, dass daraus was geworden wäre. Susan hat kein Trauma vom Auffinden der Leiche, und Harold scheint nie irgendwelche Konsequenzen auferlegt worden zu sein, obwohl es klar war, dass er der Mörder ist. Immerhin hat Harold einen weißen Jungen umgebracht, keine Rassenminderheit, von daher sollte man meinen, es würde sich jemand drum scheren.

Jedenfalls springen wir plötzlich 19 Jahre in die Zukunft, und Susan und Harold haben jetzt ihre Haarfarben getauscht. Ach ja, sorry, Spoiler, aber Harold ist der blonde Arzt mit Namen Harry, der ohne umgebracht zu werden irgendwann gar nicht auffällig aus dem Film verschwindet, wenn die Sichtungen des maskierten Killers zu häufig werden, als das er nicht an zwei Orten gleichzeitig hätte sein müssen.

Viel besser ist das schauspielerische Talent der erwachsenen Susan auch nicht, aber dafür ist die gute Dame echt verdammt hübsch. Vielleicht verhält sich auch deswegen jeder im Krankenhaus wie ein absoluter Creep ihr gegenüber. Dann wiederum hat das Hospital so einige etwas schräge Szenen zu bieten, allen voran die drei alten Ladys – eine davon eindeutig ein Kerl mit Perücke.

Ach ja, Susan ist hier um die Ergebnisse der Standarduntersuchung zu bekommen, während ihr Ex auf die Tochter aufpasst. Sie ermahnt ihn sogar extra gut auf die Kleine aufzupassen, zugegeben in einem etwas zickigen Tonfall, woraufhin er mit einem sarkastischen „Sicher doch“ antwortet, als wollte er seiner Tochter etwas antun, nur um seine Ex zu nerven. Andererseits ist im Film wie gesagt jeder seltsam und unbegründet antagonistisch drauf. Abgesehen von Susans neuem Freund, der nur mal kurz im Auto warten soll, aber erst nach scheinbaren Stunden mal seine Torte suchen geht, nur um dann nutzlos ziemlich schnell abgemurkst zu werden.

Vielleicht sind aber auch alle so schlecht auf Susan zu sprechen, weil sie im Krankenhaus raucht, eine Sache, die in 1981 scheinbar Ok war, mittlerweile aber die schrägen Vibes unterstützt.

Jedenfalls ändert Harry, der scheinbar 19 Jahre gewartet hat, um Susan endlich sein zu machen oder umzubringen, so ganz klar ist die Sache nicht, ein paar Unterlagen um, damit Susan im Gebäude festgehalten wird und er nach und nach den Kreis der Toten um sie zuziehen kann.

Ganz ehrlich gesagt habe ich fast eine Shining-esque Erklärung erwartet, warum alle Leute sich so merkwürdig verhalten. Zumal im Krankenhaus angeblich schon früher was vorgefallen ist. Vielleicht ist es ja auf einem indianischen Friedhof errichtet und alle die im Gebäude arbeiten werden langsam verrückt. Kommt aber nie, sondern bleibt ein relativ geradliniger Slasher. Nur halt einer, der mal eine merkwürdige Einlage hier und dann wieder eine fast komische dort aufbietet, als könnte er sich auf keinen Ton festlegen.

Diese tonalen Unstimmigkeiten sind es jedoch, die den Film davor retten zu langweilig zu werden. Denn obwohl die Kills durchaus nicht ausbleiben, sind sie mit wenigen Ausnahmen zum Ende hin nicht ganz so blutig oder brutal geraten. Herausragend ist der Film so oder so nicht, aber als Ok kann er schon noch durchgewunken werden.

xray

Treevenge & Don’t Open Till Christmas

ava-2106Statt der üblichen zwei Einträge an zwei Feiertagen gibt es stattdessen was weihnachtlich-festlichen Horror-Gruß von mir ein Double-Feature. Und zwar weil es diesmal keine zwei Filme von Spielfilmlänge gibt. Neben einem Film voller Länge gibt es sozusagen als zusätzliches Schmankerl noch eine bluttriefende Sahnehaube oben als Einleitungs-Einstimmung in Form eines Kurzfilmes drauf.

Der da wäre Treevenge, ein offensichtliches Portmanteau aus Tree und Revenge. Hierbei handelt es sich um einen 16-minütigen Kurzfilm von Jason Eisener, der auch Segmente zu den bekannteren Horror-Filmen The ABCs of Death und V/H/S/2 liefern sollte.

Und wir beginnen im beschaulich verschneiten Wald voller hübsch gewachsener Nadelbäume. Doch die Idylle wird schnell durchbrochen, wenn ein Haufen Hillbillies mit rostigen Sägen und Äxten, schreiend und fluchend wie Wikinger auf Beutezug, über den Wald herfallen. Wild um sich schlagende Äxte, röhrende Kettensägen, fliegende Holzsplitter, und die Bäume fallen wie die Fliegen. Nicht nur die ansehnlichen, die in Jutesäcke gesperrt und verschleppt werden, sondern auch die hässlichen, die direkt vor Ort auf einem Scheiterhaufen das Zeitliche segnen dürfen. Als besonderes Schmankerl untertitelt der Film die panischen Schreie und verwirrten Aussprüche der Bäume.

Ankommen tun, zumindest jene die überleben, die Nadelbäume auf dem Sklavenmarkt, wo sie in Reihe und Glied aufgestellt und von Schaulustigen begutachtet werden, bis sie ihren Favoriten herausgepickt haben, und erneut eine blinde Entführungsfahrt zum Wohnzimmer der neuen Master beginnt. Wo die Bäume unter manischem Lachen angekettet und mit ordinärem Schmuck verziert werden.

Doch sie warten nur ihre Chance ab, bis am nächsten Morgen die ganze Familie zur Bescherung direkt vor ihnen sitzt. Und dann beginnt das Vergeltungs-Massaker. Die Bäume greifen sich ihre neuen Herren und deren Familien, schlitzen sie mit den spitzen Ornamenten auf, würgen sie mit ihren Ästen, stecken Nadeln in jede Körperöffnung, oder hauen mit ihrem Stamm deren Köpfe zu Brei.

Was eine Gaudi! Simple Idee, nämlich das allweihnachtliche Abholzen und Aufstellen von Nadelbäumen als ein Massaker und sukzessive Revenge-Horror aufzuziehen. Kurz und bündig, extrem übertrieben und manisch geschauspielert, und schön fies blutig im Abgang. Wer zu Weihnachten nur kurz Zeit hat, bekommt hier den perfekten Happen Festtags-Horror geboten.

treevenge

Don’t Open Til Christmas ist wieder ein etwas älterer Weihnachtsslasher, nämlich stammend aus 1984, mit gewohntem Feature Length. Und wohl etwas problematisch gewesen aus der Türe zu kriegen. Erster Regisseur stieg aus, zweiter war dies nur für eine knappe Woche, dritter lies Dinge umschreiben und neu filmen, und letztendlich kam der erste Regisseur zurück, um alles zu einem Ganzen zusammenzuflicken und zwei Jahre nach Drehbeginn endlich fertig zu haben.

Merkt man dem Film leider auch irgendwie an, dass viel zwischenzeitlich geändert, schnell abgedreht, oder schnell zusammengeschustert ist. Manche Szenen wirken von ihrer Kameraführung und ihrem Schauspiel eher wie ein Indie-Projekt. Die Reihenfolge der Szenen ist fast beliebig und viele enden einfach abgehackt und eine neue beginnt genauso ohne wirkliche Überleitung warum wir jetzt wo ganz anders sind und was ganz anderes sehen. Ja die Investigations-Szenen von New Scotland Yard in die Weihnachts-Mordserie und die geradezu random eingestreuten und oftmals viel zu kurz gehaltenen Kill-Szenen wirken geradezu wie aus zwei komplett unterschiedlichen Filmen kommend. Dazu dann noch einige Momente, wo Charaktere eindeutig nachträglich mit anderem Dialog übersynchronisiert wurden, ein Sound-Mix bei dem man manchmal die Dialoge eh kaum über die laute Musik hört, und ein total unzusammenhängendes Ende. Ja das dies hier ein Problemprojekt war, das notdürftig irgendwie rausgehauen wurde, ist schon ziemlich deutlich zu erkennen.

Leider ist es auch kein sonderlich launiger gut-schlechter Film geworden, sondern um ganz genau zu sein ein eher ziemlich langweiliger. Wie bereits erwähnt sind die Kill-Szenen eigentlich viel zu kurz und ziemlich unkreativ und für heutige Verhältnisse auch harmlos, um wirklich Stimmung zu bereiten. Die meisten Opfer werden noch bevor sie richtig realisieren, dass sie sich in Gefahr befinden, mit einem Klappmesser abgestochen und die Szene ist auch schon rum. Mit zwei Ausnahmen zumindest, eine längere Verfolgungsszene zur Filmmitte hin ist stimmungsvoll, und das dem einen Weihnachtsmann auf dem Pissoir der Schwanz abgeschnitten wird wenigstens unerwartet kreativ.

Auch sicher unerwartet ist, dass der Film gegen Ende plötzlich das Mädel und ihren Freund, denen bisher weite Teile über gefolgt wurde (ihr Vater ist das erste Opfer und er steht unter Mordverdacht), komplett aus dem Film verschwinden. Er ist irgendwann einfach nicht mehr dabei, und sie wird ermordet, und ein anderes Mädel darf plötzlich für die letzte Szene unsere Heldin abgeben, die gegen den Mörder ankämpft. Und das auch noch, obwohl sie eine Stripperin ist. Zusammen damit, dass das Aktmodell den Film überlebt, ist klar, dass wir hier keinen amerikanischen Slasher vor uns haben können.

Egal, so unsinnig und schlecht gemacht der Film ist, so wenig davon ist eben wirklich unterhaltsam, da der Film wirklich weitestgehend ohne spannende, grausame, oder freiwillige noch unfreiwillig komische Einlagen aufwartet. Kann also getrost übersprungen werden.

tillxmas