Holidays

Ein weiterer Weihnachtshorrorfilm zu den Weihnachtsfeiertagen? Ja und Nein. Denn bei Holidays handelt es sich um eine Filmanthologie, die sich in ihren 95 Minuten von Jahresbeginn bis Jahresende durch gleich neun Feiertage hangeln wird, von denen Weihnachten (und das kommende Neujahr) nur je einer ist.

Die jeweils kurze Laufzeit geht natürlich dafür Garant, dass jeweils eine geradlinige Idee schnell und schnörkellos umgesetzt gehört, ohne die Dinge unnötig verkomplizieren oder gar je überhaupt zwangsläufig erklären zu können. Manchmal funktioniert Horror so viel besser, im kleinen Brocken eines schrägen Ereignisses. Tatsächlich sind viele der Segmente auch nicht super unheimlich, sondern mit dem Zeigen eines merkwürdigen Ereignisses voll und ganz beschrieben.

Wobei durch die unterschiedlichen Teams hinter den einzelnen Feiertagen auch sehr unterschiedliche Geschichten zustande kommen. Einige davon sind wesentlich gewöhnlicher. Valentinstag beispielsweise dreht sich um eine gehänselte Teenagerin, die in ihren Sportlehrer verknall ist, und ihre Peinigerin im Wahn ermordet, um dem angebeteten deren Herz zum Tag der Liebe zu überreichen. Ganz schwarzhumorig, weil der zum einen tatsächlich einen Fundraiser für Herztransplantate geplant hat, und weil wir einige Szenen durchs schräge Hirn der Protagonistin sehen.

Halloween beispielsweise dreht sich um einen Kerl, der sich Cam-Girls hält, nicht sonderlich nett zu ihnen ist, und deswegen von denen bestraft wird. Was nicht nur ähnlich Valentinstag eine relativ gewöhnliche Story ist, sondern auch ohne dessen Flair daherkommt, ja mehr in Richtung Torture Porn geschrieben zu sein scheint, aber im eigentlich ziemlich zahmen Film davon nicht mal was zeigen darf. Dass die Ereignisse zu Halloween stattfinden ist zudem auch absolut zufällig.

Damit haben es andere „Feiertage“ natürlich einfacher als andere. Muttertag und Vatertag sind beispielsweise auch beide vertreten, und solange eine Mutter bzw. ein Vater in die Handlung eingebunden ist, kann man natürlich machen, was man will. Nicht dass es so wahnsinnig schwer gewesen wäre, ausgerechnet Halloween auf Horror zu münzen.

Wesentlich einfallsreicher kommt beispielsweise St. Patricks Day daher. Die Story beginnt damit, dass eine Lehrerin ihrer Grundschulklasse ein Video über die Ursprünge des Tages zeigt, laut dem St. Patrick Schlangen von der irischen Insel vertrieb, was ein Sinnbild für Ketzer sein soll. Und das Segment endet dann damit, dass sie in einem heidnischen Ritual tatsächlich eine Schlange zur Welt bringt. Rosemary’s Snake nennt eine Ärztin diesen Vorfall sogar direkt fürs Publikum.

Auch in Ostern werden zwei Dinge miteinander verflochten. Ein kleines Mädchen bekommt es nämlich nicht so ganz auf die Kette, warum der Feiertag sowohl sich um einen Hasen, der Schokoeier bringt, dreht, als auch um die Wiederauferstehung Christus. Kinder fragen da natürlich gern viel nach, und die Mutter ist sichtlich irgendwann genervt, warum ihre Tochter nicht einfach die Lügen, die man Kindern schon seit Ewigkeiten erzählt, einfach so schluckt. Jedenfalls bekommt das Mädchen tatsächlich nächtlichen Besuch von… einem Monster welches beide Mythen miteinander verbindet, nämlich ein Mensch mit Jesus-Stigmata und Dornenkrone aber auch mit einem (komplett Fell-/Haarlosen) Hasenkopf.

Eine Konstante der Geschichten, die sich dann doch ergibt, ist definitiv der schwarzhumorige Einschlag. Ob die Pointe jetzt wirklich so wahnsinnig schmunzeln lässt, ist natürlich wieder je unterschiedlich, aber so einen gewissen Kick gibt es immer zum Ende der Geschichte hin. Vielleicht vom Mutter- und Vatertag mal abgesehen, obwohl ich eventuell auch eventuell den Witz bei jenen schlichtweg nicht verstanden habe.

Ein kurzweiliges und spaßiges Unterfangen der mysteriösen Art haben wir also in Holidays zu verzeichnen, bei denen definitiv die Würze in der Kürze liegt. Solange man natürlich nicht absolut beinharten Horror gezeigt bekommen will, wird einem hier also ein nettes Kaleidoskop an Abwechslung geboten.

Red Christmas

Red Christmas ist ein australischer Beitrag in das nicht enden wollende Fass an weihnachtlichen Horrorfilmen. Was für mich als Mitteleuropäer natürlich irgendwie etwas befremdlich wirkt, da die südliche Hemisphäre im Dezember Sommer hat. Die ganze saftig-grüne Pflanzenwelt und sommerlichen Kleider neben Weihnachtsdeko zu sehen, ist von der Stimmung her halt irgendwie strange, wenn man dies so nicht gewohnt ist.

Wir beginnen den Film mit einem Rückblick auf eine Abtreibungsklinik vor 20 Jahren, in der ein religiöser Fanatiker eine Kofferbombe hochgehen lässt und anschließend ein Abtreibungsbaby, welches den Vorgang überlebt hat (man sollte nicht zu lang drüber nachdenken), mit heimnimmt, um es in seinem religiösen Wahn aufzuziehen.

Mittlerweile sind wie gesagt 20 Jahre vergangen und Diane möchte Weihnachten mit ihrer erweiterten Familie verbringen. Es ist ein besonderes Fest, da es das letzte sein wird, welches im Haus, in dem sie mit ihrem verstorbenen Mann ihre Kinder großgezogen hat, gefeiert werden wird. Dass sie es verkaufen und sich die letzten Jahre ihres Lebens mit den daraus erschwinglich gemachten Reisen verbringen will, stößt allerdings gerade einer Tochter schlecht auf, da sie dann auch das Haus verlassen werden muss.

Bald schon hat die Familie allerdings ganz andere Probleme, denn sie bekommen Besuch von einem merkwürdigen Vermummten, der ihnen einen Brief vorlesen möchte. Welcher Dianes Abtreibung zum Thema hat, weswegen die ursprünglich karitativ eingestellte Frau ihn wüst schimpfend wieder rauswirft. So von seiner eigenen Familie enttäuscht, bleibt Cletus natürlich nichts Anderes übrig, als sie nach und nach umzubringen.

Für seine 80 Minuten ist Red Christmas also eigentlich sehr einfach und unkompliziert aufgebaut. Durch den Rückblick zu Beginn ist sowieso gleich klar, was die Absicht von Cletus bei der Familie ist, und warum das schnell aufs Morden hinauslaufen wird. Und da überrascht der Film auch nicht sonderlich. Höchstens interessant sein könnten einige Quirks in der Familie an sich. Beispielsweise ist eine von Dianes Töchtern absolut religiös-verklemmt, hat sich einen entsprechenden Mann angelacht. Und als der eine der anderen Töchter und deren Stecher beim Rammeln erwischt, schaut er voyeuristisch heimlich zu und masturbiert dann später im Wandschrank – scheinbar mehr wegen dem nackten Hintern des Kerls. Darauf wird jedoch nie wieder eingegangen, es ist mehr ein Randgag fürs Publikum.

Was der Film allerdings zum Thema macht ist das Down-Syndrom. Es ist der Grund, warum Diane die Abtreibung überhaupt machte, denn ihr Mann war bereits krank, und mit vier Kindern, von denen bereits eines Down-Syndrom hat, wollte sie sich es nicht aufbürden ein weiteres mit jener Diagnose großziehen zu müssen. Und auch wenn der Film seinem Killer die Behinderung gibt, so muss ihm immerhin zu Gute gehalten werden, dass er überraschend sensibel mit Jerry umgeht, dem ersten Down-Kind von Diane. Insofern als dass er ein ganz normaler Charakter des Filmes ist, auf dessen Kosten keine Witze oder sonstiges gerissen werden.

So ganz retten können die wenigen Quirks in den Charakteren oder in der Regie den Film allerdings nicht. Abgesehen davon, dass einige auch einfach nerven, wie die häufig sehr wackelige und nah rangezoomte Kameraführung, die weniger die Hektik der Situation wiedergibt, als es vielmehr einfach verdammt schwer macht mitzubekommen, was überhaupt abgeht. Wenn dann endlich mal jemand umgebracht wird, dann ist Red Christmas für einen Lacher gut, denn die sind irrsinnig over the top und gleichzeitig gar nicht mal so sonderlich gory. Dazwischen ist der Film halt nicht immer der spannenste, während sich die Familie im Haus verkriecht. Das ist vielleicht auch ein wenig das Problem, denn Red Christmas mag kein schrecklicher Film sein, aber einfach schrecklich blöd zu sein, so dass man sich herrlich drüber amüsieren kann, wäre vielleicht die bessere Alternative gewesen, als das gelieferte Produkt, welches ein Stück weit einfach Eindruckslos vorbeizieht. Von einem witzigen Kill hier und da mal abgesehen stehe ich ihm zumindest sehr ambivalent gegenüber.

Frohes alljährliches Tannenbaummassaker allerseits!

A Christmas Horror Story

Bei A Christmas Horror Story handelt es sich um einen weiteren amerikanischen Horrorfilm aus dem Jahr 2015, der zur Weihnachtszeit spielt, und welcher den Krampus für sich entdeckt hat.

Nur haben wir es diesmal um eine Anthologie aus vier kaum miteinander verknüpften Geschichten zu tun. Für einige davon ist Weihnachten wichtiger, bei anderen ziemlich nebensächlich. In der einen Geschichte folgen wir drei Teenagern, die zu Weihnachten in ihre Schule einbrechen, weil sie eine Doku darüber drehen wollen, als das Gebäude noch von Nonnen geleitet wurde und nun der Geist einer bei der Abtreibung ihres Kindes gestorbenen Mädchens umgehen soll. In der nächsten folgen wir einer dysfunktionalen Familie, die zum Fest die deutsche Tante besuchen wollen, und von Krampus gejagt werden. Die Familie der dritten Geschichte geht in eine abgesperrte Zone im Wald, um ihren perfekten Weihnachtsbaum zu schlagen, nehmen aber statt ihres Kindes einen Gestaltwandler mit nach Hause. Die vierte Geschichte spielt hingegen in der Fabrik vom Weihnachtsmann, der seine zu Zombies mutierten Elfen köpfen muss.

Den Rahmen von alledem bildet William Shatner, der als DJ einer Radiostation zu Weihnachten ein wenig hier und dort kommentiert, Lieder einspielt, und über den Krieg gegen Weihnachten mosert. Weil es für gelangweilte, konservative, mittelständige Weiße ohne echte Probleme im Herzen Amerikas nichts Schlimmeres gibt, als das man in Geschäften nur noch „Frohe Feiertage“ wünscht, da in der Multikulti-Gesellschaft eben nicht jeder Kunde zwangsläufig das christliche Weihnachten feiert. Unterdrückung von Religion und Redefreiheit und all der an den Haaren herbeigezogene Müll. Hashtag White Genocide.

Nun handhaben es Anthologien meist so, dass sie ihre verschiedenen Geschichten nacheinander abhandeln. Um sie vage miteinander zu verknüpfen läuft vielleicht mal wer aus einer anderen durch den Hintergrund oder offenbart die letzte doch einen größeren Zusammenhang, aber zunächst läuft jede Geschichte für sich. Warum das normalerweise so gehandhabt wird, zeigt sich ganz gut in A Christmas Horror Story, welches nämlich nicht dieser Konvention folgt. Stattdessen hält er sich an eine normale Filmstruktur und springt Szene für Szene zwischen den Geschehnissen hin und her. Das funktioniert bei einem normalen Film, der einen eindeutigen Hauptfokus hat, aber nicht so sehr bei einer Anthologie. Denn so häufig zwischen Charaktergruppen, Handlungssträngen und Lokalitäten hin und her zu wechseln, die alle gleiche Gewichtung haben, ist eher verwirrend und wirkt wie ein Durcheinander.

Ansonsten ist es halt so, wie das bei Anthologien häufiger der Fall ist, dass sich die Gefälligkeit des Filmes stark danach richtet, in welcher Storyline man sich gerade bewegt. Wobei ich schon sagen muss, dass die alle keine großen Sprünge machen. Am interessantesten ist im Prinzip diejenige, die am stärksten heraussticht, nämlich der Weihnachtsmann im Kampf gegen seine Zombiehelfer. Die Handlung ist zwar auch ein wenig simple durch die insgesamt kurze Zeit, aber doch sehr unterhaltsam, von der Grundidee nicht so Standard, und vor allem auch mit einer netten Wendung fürs Ende bestückt, die darauf aufbaut, dass diese Handlung so anders ist. Die anderen drei sind halt so ein wenig gehabt, durch ihre Kürze und den schnellen Wechsel zwischen ihnen nicht komplett langweilig, werden einen aber auch nicht wirklich vom Hocker hauen.

Frohe Festtage und der ganze Kram dann auch von mir.

Krampus

Ich muss eingestehen, bevor Horror-Hollywood vor wenigen Jahren ihn kurzzeitig für sich entdeckte, habe ich noch nie vom Krampus gehört gehabt. Allerdings scheint es so, dass der zwar gern der deutschen Folklore zugeteilt wird, aber dann doch stark auf den alpinen Raum von Bayern über Österreich nach Tirol beheimatet ist. Mir als Nordhesse wäre das Vieh zumindest noch nie über den Weg gelaufen.

Der nach ihm benannte Film Krampus ist übrigens dahingehend sehr interessant, als dass er mich ein wenig an Gremlins erinnert. Für kleiner Kinder ist er nämlich wohl schon etwas zu gruselig, aber insgesamt doch handzahm genug, als dass man ihn mit den etwas Größeren als Familien-Gruselstreifen zu Weihnachten schauen könnte.

Bestenfalls denjenigen, die eine leicht zynische Ader haben. Horrorfilme zu Weihnachten, wenn der Tag an sich nicht eher zufällig gewählt scheint, sind natürlich von Natur aus eher mit einem differenzierten Blick auf den Feiertag ausgestattet, statt es als absolut wundervollste Zeit des Jahres voller Kuscheleinheiten zu präsentieren. Krampus allerdings ist schon fast eine schwarze Komödie an gewissen Stellen. Darauf stimmt uns bereits die Einstiegsszene ein, die eine außer Kontrolle geratene Bande von Leuten im finalen Rausch die Weihnachtsgeschenke zu kaufen zeigt, sich die gegenseitig aus den Händen reißend, die eigenen Kinder fast niedertrampelnd. Und dazu immer schön ein Weihnachtslied.

Der Hauptfilm an sich geht natürlich zu einer Familie nach Hause, deren nahe Verwandten zum Weihnachtsfest eingeladen sind. Obwohl sich keiner davon wirklich sonderlich leiden kann. Die einen werden für Snobs gehalten, die anderen für White Trash. Und die unleidliche Tante, die eh alles scheiße findet, ist auch noch mit dabei. Da ist es klar, dass man sich fast sofort auf die Nerven geht, passiv-aggressive Töne durch die Gegend fliegen, und die Spannungen gerade unter den Kids irgendwann zu eskalieren drohen.

Doch was bringt eine Familie zu Weihnachten schon besser zusammen, als plötzlich in einem Schneesturm im eigenen Hause gefangen zu sein, während der Krampus die Nachbarscheit heimsucht, um sich diejenigen vorzuknöpfen, die zum Fest nicht bemüht fröhlich und glücklich sind, so wie sich das gehört?

Was ich Krampus allerdings echt hoch anrechne ist, dass es sehr mit den Erwartungen des Publikums zu spielen weiß. Eben weil er relativ harmlos gehalten ist. Die Monster sind zwar schon unheimlich designt, aber es gibt kein wirkliches Blut zu sehen, Charaktere sterben alle Off Screen, und nackte Tatsachen sind ebenfalls absent. Gerade deswegen erwartet man halt fast, dass dies wie eingangs erwähnt so ein Stück weit Familienhorror ist. Dass es hier darum gehen wird, das die Familie nur im gemeinsamen Kampf zusammenfinden muss. Den wahren Sinn von Weihnachten entdeckt. Alles am Ende irgendwie doch überstanden wird und gut ausgeht.

Aber genau das liefert Krampus eben nicht. Wenn die Teenie-Tochter bereits nach einer halben Stunde doch kurz in das Schneetreiben geht, um ihren wenige Häuser entfernten Freund aufzusuchen, und der Krampus sie zu jagen beginnt. Ja das ist doch eindeutig nur da, damit ein Familienangehöriger die Gefahr zu Gesicht bekommt und die anderen darauf aufmerksam machen kann. Sie wird es doch bestimmt wieder zurück nach Hause schaffen. Nope. Und in der finalen halben Stunde, auf die wahrscheinlich fast das ganze Special-Effects-Budget verwendet wurde, geht sowieso alles drunter und drüber – was für eine Gaudi.

Schön vor allem auch, dass die Omi von einer österreichischen Schauspielerin verkörpert wird. Um an die Folklore anzuknüpfen ist die nämlich deutschstämmig und spricht auch fast nur unsere Landessprache den kompletten Film über. Was übrigens ein weiterer netter Gag ist, wenn sie dann doch der Einfachheit halber (die meisten Familienangehörigen verstehen kein Deutsch, so dass der Junge meist übersetzt) eine kurze Geschichte in Englisch erzählt, und die Tante meint, sie hätte schon immer gewusst, dass die Omi nur zu starrköpfig ist, die Sprache zu sprechen. Die Omi ist sowieso der härteste Charakter des Filmes und der in einer Animations-Sequenz erzählte Flashback an die Nachkriegszeit, in der sie bereits auf den Krampus traf, ziemlich cool.

Super unterhaltend war der Film einfach. Ich habe per se kein Problem mit dem Weihnachtsfest, aber gleichzeitig finde ich es halt auch immer erheiternd, auch so einen eher zynischen Blick drauf geworfen zu sehnen. Und Krampus ist einfach herrlich gemein von seiner Wesensart her, sowohl dem Fest wie auch der Familie gegenüber. Aber eben auf eine schwarzhumorige Art und Weise. Hat mir echt total gefallen.

Winter’s Tale

ava-2107Akiva Goldsman hat mir jetzt erst mal gar nichts gesagt. Das ist der Regisseur vom auf einem Roman basierenden Winter’s Tale – ein wenig bekannter und noch weniger gemochter Film, in dem allerdings jede Menge bekannter Gesichter zu sehen sind. Da scheint der Herr Goldsman bei vielen Schauspielern die Leichen im Keller zu kennen, um sie hierfür verpflichtet zu bekommen. Ihn ge-Wikipedia-ed ist der gute Mann auch tatsächlich schon sehr lang im Business, allerdings normalerweise als Schreiber, selten auch Produzent, abgesehen von zwei kommenden Filmen ist Winter’s Tale allerdings sein einziger Posten in der Regie. Als Schreiberling war er übrigens an so unterschiedlichen Projekten beteiligt wie zum einen dem Oscar-prämierten A Beautiful Mind, aber auch dem berühmt-berüchtigten Batman & Robin.

Der Film hat auch bei den wenigen, die ihn geschaut haben, so den Ruf weg ein ziemlich verworrener und unsinniger Mist zu sein, ob er genau deswegen aber unterhält ist dann schon wieder strittig. Ich fand Winter’s Tale nun ganz ehrlich gesagt gar nicht so schwer zu folgen oder so extrem beliebig aneinandergereiht. Der Film versucht halt eben ein modernes Märchen zu sein, und geht deswegen auch davon aus, dass man einige Ding eben einfach so als solche schluckt. Das tun wir bei klassischen Märchen in einer Fantasy-Welt auch ganz gut, bei einem Winter’s Tale, welches im realistischen New York der Moderne und vor knapp 100 Jahren angesiedelt ist, ist unser so schöner Suspension of Disbelief aber gleich auch ein Stück weniger stark.

Es gibt also zwar viel luftiges Gebrabbel im Film darüber, dass die Sterne eigentlich Menschen sind, die nachdem sie in die Nachwelt eingehen, ihre Flügel bekommen. Dass wir alle über Licht miteinander verbunden sind. Viel über Schicksal und Bestimmung. Aber darunter ist eine ziemlich einfach nachvollziehbare Grundhandlung.

Die da nämlich wäre, dass Colin Farrell als Waisenkind aufgewachsen ist und sich als Dieb durchs Leben geschlagen hat, für einige Zeit beim Kriminalboss Russell Crowe arbeitete. Der wollt ihn zu seinem Nachwuchs heranzüchten, aber irgendwann haben die beiden miteinander gebrochen und nun will Crowe Rache. Warum genau gebrochen wurde, warum genau er jetzt so stinkig ist, dass er Farrell unbedingt tot sehen will, sind so Sachen, die dem Film nicht wichtig sind, und die deswegen auch nicht mal in einem Halbsatz kurz erklärt wurden. Es sei denn vielleicht von Crowe, denn ich hab ehrlich gesagt nur jedes zweite Wort verstanden, was der gute Kerl, Gott möge sein Talentfreies Herz schützen, so vor sich hin genuschelt hat.

Bei einem Einbruchsversuch jedenfalls stößt Farrell auf eine hübsche Rothaarige, und die beiden Seelenverwandten verfallen augenblicklich der Liebe auf den ersten Blick. Sie ist allerdings nicht nur aus gutem und reichen Hause, sondern auch tödlich erkrankt. Doch die beiden verbringen ein wenig Zeit miteinander, bis sie dann stirbt. Wobei ohne das dies jemand herausfinden würde, Crowe da ein wenig nachgeholfen hat.

Sobald wir für das Finale ins aktuelle Jahr kommen, wird es dann ein wenig wirrer, weil die übernatürlichen Ereignisse stärker an Bedeutung gewinnen. Auf jeden Fall lebt Farrell unter Amnesie noch, weil jedem Menschen ein Wunder zusteht, und das seiner Rothaarigen lies ihm am Leben. Damit er hier und jetzt sein Wunder dafür nutzen kann, um die Krebskranke Tochter von Jennifer Connelly zu retten.

Die übernatürlichen Ereignisse, die in dieses Fabel eingebunden werden, sind wahrscheinlich, was so viele Leute etwas sauer aufstoßen lässt, und das nichts von jenen erklärt wird, warum sie den Film schwer zu folgen finden. Denn wie gesagt, wenn man die einfach so schluckt, sofern man das kann, und sich auf die Hauptstory fokussiert, ist das gar nicht so komplex. Aus irgendwelchen Gründen ist Crowe halt ein Dämon, und der Film kann nie so ganz klar machen, wer davon überhaupt weis und wer nicht. Als Spirit Guide taucht ein weißes Pferd mit Flügeln auf, um Farrell, der es nur „Pferd“ nennt, zu helfen. Amnesie ist jetzt auch kein sonderlich guter Erklärungsgrund, warum Farrell so mal dezent nicht auffällt, dass er 100 Jahre über weder stirbt noch auch nur altert. Will Smith, der alte Charmeur, ist als gelangweilt-trockener Lucifer komplett fehlgecastet. Und während die Liebesgeschichte in der Vergangenheit durchaus ihre Momente hat, ist die Jetzt-Timeline mit ner knappen halben Stunde viel zu kurz, als das man sich was darum scheren würde, was mit dem Kind geschieht. Und dabei cheatet der Film schon, in dem er die immer hinreißende Jennifer Connelly als die alleinerziehende Mutter castet, und dem Kind Krebs gibt. Als für mich unbekannte Charaktere, die erst kurz vor Schluss im Film auftauchen, wirkt das halt dennoch nicht.

Von daher macht Winter’s Tale auch wenn man es als modernes Märchen, welches seine Übernatürlichkeiten gar nicht erklären will und für einen vielleicht auch nicht muss, und vielleicht auch eine Botschaft ist sich nicht vor dem Tod fürchten zu müssen, durchaus nicht alles richtig. Ein paar Erklärungen wären mir auch lieb gewesen, wie gesagt, Suspension of Disbelief trägt einen in einem 90% realistischen Setting nur so weit. Auch Harry Potter muss erst mal gewisse Dinge seiner Magie-Welt etablieren, bevor wir schlucken, was diese Zauberlehrlinge alles veranstalten können, und die Reihe geht extra von realer Realität auf Hogwarts über. Wobei es halt hauptsächlich am zweiten Part in der Moderne für mich hapert, rausgelassen und verlängert könnte der Film wesentlich besser wirken. Traditionell jede Weihnachten anschauen, weil er so schön ist, werde ich ihn definitiv nicht, aber ganz so mies und unverständlich fand ich ihn nun auch wieder nicht. Ist vielleicht gerade das Problem, wenn er für mich genauso lächerlich und lachhaft wäre, wie für so einige andere, könnte ihn das zum entsprechend wiedergeschauten Kultfilm machen, statt in der Vergessenheit zu verschwinden.

winterstale

Treevenge & Don’t Open Till Christmas

ava-2106Statt der üblichen zwei Einträge an zwei Feiertagen gibt es stattdessen was weihnachtlich-festlichen Horror-Gruß von mir ein Double-Feature. Und zwar weil es diesmal keine zwei Filme von Spielfilmlänge gibt. Neben einem Film voller Länge gibt es sozusagen als zusätzliches Schmankerl noch eine bluttriefende Sahnehaube oben als Einleitungs-Einstimmung in Form eines Kurzfilmes drauf.

Der da wäre Treevenge, ein offensichtliches Portmanteau aus Tree und Revenge. Hierbei handelt es sich um einen 16-minütigen Kurzfilm von Jason Eisener, der auch Segmente zu den bekannteren Horror-Filmen The ABCs of Death und V/H/S/2 liefern sollte.

Und wir beginnen im beschaulich verschneiten Wald voller hübsch gewachsener Nadelbäume. Doch die Idylle wird schnell durchbrochen, wenn ein Haufen Hillbillies mit rostigen Sägen und Äxten, schreiend und fluchend wie Wikinger auf Beutezug, über den Wald herfallen. Wild um sich schlagende Äxte, röhrende Kettensägen, fliegende Holzsplitter, und die Bäume fallen wie die Fliegen. Nicht nur die ansehnlichen, die in Jutesäcke gesperrt und verschleppt werden, sondern auch die hässlichen, die direkt vor Ort auf einem Scheiterhaufen das Zeitliche segnen dürfen. Als besonderes Schmankerl untertitelt der Film die panischen Schreie und verwirrten Aussprüche der Bäume.

Ankommen tun, zumindest jene die überleben, die Nadelbäume auf dem Sklavenmarkt, wo sie in Reihe und Glied aufgestellt und von Schaulustigen begutachtet werden, bis sie ihren Favoriten herausgepickt haben, und erneut eine blinde Entführungsfahrt zum Wohnzimmer der neuen Master beginnt. Wo die Bäume unter manischem Lachen angekettet und mit ordinärem Schmuck verziert werden.

Doch sie warten nur ihre Chance ab, bis am nächsten Morgen die ganze Familie zur Bescherung direkt vor ihnen sitzt. Und dann beginnt das Vergeltungs-Massaker. Die Bäume greifen sich ihre neuen Herren und deren Familien, schlitzen sie mit den spitzen Ornamenten auf, würgen sie mit ihren Ästen, stecken Nadeln in jede Körperöffnung, oder hauen mit ihrem Stamm deren Köpfe zu Brei.

Was eine Gaudi! Simple Idee, nämlich das allweihnachtliche Abholzen und Aufstellen von Nadelbäumen als ein Massaker und sukzessive Revenge-Horror aufzuziehen. Kurz und bündig, extrem übertrieben und manisch geschauspielert, und schön fies blutig im Abgang. Wer zu Weihnachten nur kurz Zeit hat, bekommt hier den perfekten Happen Festtags-Horror geboten.

treevenge

Don’t Open Til Christmas ist wieder ein etwas älterer Weihnachtsslasher, nämlich stammend aus 1984, mit gewohntem Feature Length. Und wohl etwas problematisch gewesen aus der Türe zu kriegen. Erster Regisseur stieg aus, zweiter war dies nur für eine knappe Woche, dritter lies Dinge umschreiben und neu filmen, und letztendlich kam der erste Regisseur zurück, um alles zu einem Ganzen zusammenzuflicken und zwei Jahre nach Drehbeginn endlich fertig zu haben.

Merkt man dem Film leider auch irgendwie an, dass viel zwischenzeitlich geändert, schnell abgedreht, oder schnell zusammengeschustert ist. Manche Szenen wirken von ihrer Kameraführung und ihrem Schauspiel eher wie ein Indie-Projekt. Die Reihenfolge der Szenen ist fast beliebig und viele enden einfach abgehackt und eine neue beginnt genauso ohne wirkliche Überleitung warum wir jetzt wo ganz anders sind und was ganz anderes sehen. Ja die Investigations-Szenen von New Scotland Yard in die Weihnachts-Mordserie und die geradezu random eingestreuten und oftmals viel zu kurz gehaltenen Kill-Szenen wirken geradezu wie aus zwei komplett unterschiedlichen Filmen kommend. Dazu dann noch einige Momente, wo Charaktere eindeutig nachträglich mit anderem Dialog übersynchronisiert wurden, ein Sound-Mix bei dem man manchmal die Dialoge eh kaum über die laute Musik hört, und ein total unzusammenhängendes Ende. Ja das dies hier ein Problemprojekt war, das notdürftig irgendwie rausgehauen wurde, ist schon ziemlich deutlich zu erkennen.

Leider ist es auch kein sonderlich launiger gut-schlechter Film geworden, sondern um ganz genau zu sein ein eher ziemlich langweiliger. Wie bereits erwähnt sind die Kill-Szenen eigentlich viel zu kurz und ziemlich unkreativ und für heutige Verhältnisse auch harmlos, um wirklich Stimmung zu bereiten. Die meisten Opfer werden noch bevor sie richtig realisieren, dass sie sich in Gefahr befinden, mit einem Klappmesser abgestochen und die Szene ist auch schon rum. Mit zwei Ausnahmen zumindest, eine längere Verfolgungsszene zur Filmmitte hin ist stimmungsvoll, und das dem einen Weihnachtsmann auf dem Pissoir der Schwanz abgeschnitten wird wenigstens unerwartet kreativ.

Auch sicher unerwartet ist, dass der Film gegen Ende plötzlich das Mädel und ihren Freund, denen bisher weite Teile über gefolgt wurde (ihr Vater ist das erste Opfer und er steht unter Mordverdacht), komplett aus dem Film verschwinden. Er ist irgendwann einfach nicht mehr dabei, und sie wird ermordet, und ein anderes Mädel darf plötzlich für die letzte Szene unsere Heldin abgeben, die gegen den Mörder ankämpft. Und das auch noch, obwohl sie eine Stripperin ist. Zusammen damit, dass das Aktmodell den Film überlebt, ist klar, dass wir hier keinen amerikanischen Slasher vor uns haben können.

Egal, so unsinnig und schlecht gemacht der Film ist, so wenig davon ist eben wirklich unterhaltsam, da der Film wirklich weitestgehend ohne spannende, grausame, oder freiwillige noch unfreiwillig komische Einlagen aufwartet. Kann also getrost übersprungen werden.

tillxmas

Rare Exports: A Christmas Tale

ava-1949Auch bei Rare Exports handelt es sich um einen weihnachtlichen Horrorfilm aus dem europäischen Ausland, diesmal war Finnland der Übeltäter. Und auch dies hier ist ein „was wäre wenn… der Weihnachtsmann ganz fies wäre“.

Denn an der finnisch-russischen Grenze hat ein Unternehmer einen Haufen Kerle angeheuert, um ein altertümliches Grab im Berg freizulegen: Das des Weihnachtsmannes. Weil der war ursprünglich ja mal ein Monster, welches die Kids bestraft hat, die nicht artig sind. Und welches Kind ist schon das ganze Jahr über wirklich durchgängig artig? Gar keines natürlich.

Jedenfalls gibt es auch einen Haufen Finnen auf der anderen Seite des Zaunes, deren Ertrag darin liegt, Rentiere zu herden und schlachten. Und plötzlich liegen alle Tiere tot am Fuße des Berges. Und dann verschwinden alle ihre Kinder abgesehen vom nervigsten. Einen verwilderten Greis mit Rauschebart, der um sich beißt und nur dann animiert, wenn Nerv-Kind in der Nähe ist, bekommen sie ebenfalls gefangen. Doch dann geht der Film in eine etwas andere Richtung, als man nach dem Suspense-Build-up gedacht hätte.

Rare Exports ist ein ganz cooler und definitiv unterhaltsamer Film, aber ein etwas unebener. Die erste Stunde mit dem langsam aufbauenden Mysterium um den Weihnachtsmann und den Gefangenen sind echt gut aufgezogen. Ein Fehler war definitiv, dass das Nerv-Kind letztendlich der Fokus des Filmes ist, statt das die Erwachsenen zentraler sind. Das gibt dem Film stellenweise fast den Beat eines Action-Filmes für Kinder.

Und dann, wenn nach der ersten Stunde die Sache aufgelöst wird, dann passt das irgendwie nicht mehr so ganz. Die Sache ist die, Rare Exports war zunächst ein Kurzfilm im Internet, der zwecks guter Resonanz in den Abendfüller gewandelt wurde. Und nach einer vollen Stunde des Aufbaus geht der Film urplötzlich wie gehetzt direkt in einen Klimax über, der weder so richtig passen will, und mit knapp 10 Minuten auch zu plötzlich, kurz und holprig daher kommt. Tatsächlich so, als wäre dieses Finale der Kurzfilm gewesen, und man habe einfach eine Stunde Suspens davor gehängt, um den Film zu strecken. Denn jene 10 Minuten auf sich alleinstehend sind eigentlich eine ganz clevere und schwarzhumorige Punchline auf die Verkommerzialisierung von Weihnachten. Nur passt es halt nicht ans Ende eines Filmes, der vorher eine Stunde lang Lost-Mystery war.

Aber auf sich alleinstehend sind beide Teile des Filmes doch ziemlich gut, wenn sie besser zusammenpassen würden, wäre Rare Exports definitiv ein hochgepriesener Geheimtipp für die Festtage, so enttäuscht das Ende halt etwas, aber das macht die Reise dorthin ja nicht schlechter. Eben ganz wie damals bei Lost.

rareexports

Sint

ava-1948Sint, oder auch als Saint oder Saint Nick bekannt, ist unser diesjähriger Eintrag in die weihnachtlichen Horrorfilme. Mehr oder weniger, denn wie der dritte Titel durchblicken lässt geht es hier um den Nikolaus, also spielt es technisch gesehen in der Nacht auf den 6. Dezember, nicht über die Weihnachtsfeiertage. Aber ein weißbärtiger Kerl in rotem Outfit bringt im verschneiten Amsterdam Leute um? Weihnachtlich genug würde ich mal sagen.

Das Szenario ist im Prinzip ein was wäre wenn. Nämlich ein was wenn St. Nikolaus kein Heiliger wäre, sondern ein Dörfer terrorisierender Pirat? Zeigt uns nämlich der Beginn des Filmes, zu dem er mit seiner Piratencrew ein holländisches Dorf unsicher macht, diversen Tribut fordernd, wenn sie nicht wieder überfallen werden wollen. Also fackeln die Dorfbewohner nicht lang und stecken dessen Schiff an, auf das er verbrennt.

In den 70ern dann sehen wir, wie Zombie-Nick und seine Crew eine Familie in einer Hütte umbringen. Und da das hier kein amerikanischer Horrorfilm ist, dürfen sogar drei Kids im Alter von 10 und drunter daran glauben. Nur einer bleibt übrig, der kommt später wieder in den Film… mehr oder weniger.

Richtig los geht es nämlich dann im Hier und Jetzt, man erzählt sich bereits den Mythos vom immer wenn ein Vollmond auf den 6. Dezember fällt umgehenden Zombie-Piraten-Nikolaus, der nicht nur die bösen Kinder umbringt. Unsere Hauptcharaktere sind schnell abgedeckt und unsympathisch gemacht: Tussi macht mit ihrem Typen schluss, weil der mit der besten Freundin fremdgegangen ist, was aber auch nicht weiter schlimm war, denn sie selbst war auch nicht wirklich treu.

Und der Rest des Filmes… ist irgendwie fast unzusammenhängend. Nachdem die Erste dran glauben muss und eine Augenzeugin den Mörder als jemanden im Nikolaus-Outfit identifiziert, der besagte untreue Kerl als solcher verkleidet mit den Überresten seiner ermordeten Freunde aufgefunden wird, hat die Polizei ihren Sündenbock gefunden. Nur um dann doch etwas überrascht zu ein, wenn Nikki weiterhin über die Dächer reitet und seine schwarzverkohlten Peter die eigenen Reihen ausdünnen und dutzende an Kindern verschwinden.

Sint macht in einigen Szenen durchaus Spaß. Die Tatsache das hier auch kleine Kinder sterben können macht beispielsweise schnell klar, dass jeder dran glauben kann, und das jeder moralisch etwas grauer ist, bestätigt dies. Nur damit dann letztendlich eigentlich doch relativ genau die überleben, von denen man es sich dachte. Die doch recht zahlreichen Mordszenen sind ganz spannend, und Zombie-Nick auf hohem Rosse über die Dächer zu jagen, während die Polizeit auf ihn schießt, hat definitiv auch was witziges. Die Szenen dazwischen leiden nur leider etwas darunter, dass man nicht wirklich so eine Identifikationsfigur hat und genau genommen außer des Hauptkerls viele Figuren einfach aus der Narration verschwinden und genauso unmotiviert wieder auftauchen. Dessen Love Interest sieht man fast den ganzen Film über nicht mehr, und den nun erwachsenen Polizist, der der einzige Überlebende aus der 70er-Szene ist, ist auch erst wieder ganz am Ende kurz mit dabei.

Aber wenn es rund geht, dann bekommt man hier schon ziemlich launige und überraschend actionreichen Horror geboten. Vielleicht nicht ganz so schön trashig oder schwarzhumorig, wie man das hineingehend vielleicht gehofft hätte, aber schon ganz brauchbar gewesen.

sint

Silent Night

ava-1734Die weihnachtliche Horrorfilm-Tradition wird eisern fortgeführt, und zwar in diesem Jahr mit einer Franchise, die bereits zweimalig zu lesen war hier im Blog. Den Kult-Klassiker Silent Night, Deadly Night hatten wir in 2011, und seine vier Nachfolger das Jahr darauf. Ebenfalls aus 2012 stammt nun auch Silent Night, das Remake des Originals.

Ist dann aber doch gleich mal gar keines, sondern mehr ein Re-Imagining. Gleiche Grundthematik natürlich: Ein Slasher-Film, bei dem der Mörder zu Weihnachten als Santa Claus verkleidet eine Kleinstadt von der Einwohnerzahl her noch ein wenig kleiner macht. Der Film verläuft allerdings weitestgehend anders, lediglich gibt es ein paar Nods in Form von Todesarten zum Original. Auch hier wird ein Fast-Vergewaltiger mit einer Lichterkette ermordet – allerdings per Elektroschock, nicht Strangulation (wusste gar nicht, dass solche Lichterketten Starkstrom aushalten), die zu enge Lichterketten-Kette gibt es allerdings sehr wohl noch bei einem anderen Mord. Ähnlich aufgeteilt wird die ikonische Hirschdeko des Originals, denn auch Silent Night spießt ein Mädel, dass gerade voreheliche Kopulation mit ihrem Freund haben wollte, auf einem Geweih auf – allerdings fehlt hier das wichtigste, ist sie doch nicht barbusig, was wieder ein anderes Mordopfer übernehmen darf, die in einen Holzhäcksler geworfen wird. Sogar vom „Garbage Day“ darf jemand reden, dabei stammt das Meme nicht mal aus dem ersten Teil.

Was ich sehr interessant finde, ist der Umkehrtrend im neuen Film. So wird immer gern bemängelt, dass moderne Remakes von Slasher-Klassikern sich zu viel Zeit nehmen, den Menschen hinter dem Mörder zu zeigen. In Silent Night, Deadly Night folgen wir Billy vom Tag, an dem der Weihnachtsmann seine Eltern tötet, zu den Terrornonnen im Waisenhaus, bis er dann als Erwachsener seine kleine Mordstour startet. Auch in Silent Night gibt es einen Grund, warum der Mörder mordet, was auch ziemlich schnell klar ist, da er den fiesen Kindern ein Päckchen zur Ankündigung des Ablebens da lässt, und zwar selbst Leuten, die wir vorher nicht etwas moralisch Verwerfliches machen sehen, auf dessen Basis er sie ironisch umbringen kann, allerdings wird jene Erklärung schnell in den finalen 3 Minuten vor den Credits durchgewunken.

Ansonsten… möh. Keine Ahnung, war ok der Film, so als Standard-Slasher. Mir fehlt ein wenig der Spaß, den man mit dem Original haben konnte, weil der einfach dümmer war und ein gewissen alten Charme mitbringt. Silent Night ist dafür zu modern aussehend und zu grimdark in der Aufmachung, um wirklich die gleiche Festtags-Gaudi mit dem Ding zu haben.

silentnight2012

Black Xmas

ava-1471Es ist mal wieder Weihnachten, und das bedeutet natürlich hier gibt es einen der drölfzillionen Horrorfilme, die zu den Festtagen angesiedelt sind. Diesmal Black Xmas (oder doch Christmas, wie die Title Card gegenüber den Covern behauptet), dem 2006er Remake des 1974er Slasher-Filmes. Oder wohl eher Reimagining.

Denn die neue Version nutzt das Original nur als grobes Grundgerüst. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist das gar nicht so unlogisch, denn das Original WAR nur ein Grundgerüst. Ein Killer bringt über den Lauf von 90 Minuten eine Gruppe Studentinnen in einem Verbindungshaus um, macht zwischendurch immer mal wieder einen verstörenden Anruf, der keinen Sinn ergibt. Das ist quasi nicht nur eine grobe Zusammenfassung des Originals, sondern tatsächlich der ganze Film. Denn das Besondere an Black Christmas war, dass alles komplett offen bleibt. Wir finden nie heraus, wer der Killer ist, bekommen ihn gar nicht erst zu Gesicht, oder warum er sich gerade diese Gruppe zum Morden ausgesucht hat.

Im neuen Black Xmas ist das alles ganz anders, ähnlich wie Rob Zombies Halloween bekommen wir hier jede Menge Hintergrundgeschichte zum guten Billy, der von seiner Mutter misshandelt wurde, mit ihr sogar ein Kind hatte, und irgendwann zu Weihnachten Plätzchen aus ihr gemacht hat. Außerdem haben wir noch einen zweiten Killer, was aber keine große Überraschung ist, da die ersten Mädels sterben, bevor wir Billy überhaupt der Anstalt entfliehen sehen, und wir bekommen auch bald in einem Flashback nahegelegt, wer das wohl sein wird.

Dass es diesmal kein (unaufgelöstes) Rätselraten um die Identität des Killers gibt, fand ich gar nicht mal schlimm. Was ich schon etwas weniger nett fand, ist das es die andere überraschende Eigenheit des Originals nicht ins Remake gemacht hat: Es war verdammt schwer rauszufinden, wer das Final Girl sein wird, während es hier von Anfang an absolut offensichtlich ist. Wobei mindestens zwei weitere Mädels immerhin auch gute Überlebenschancen haben, somit können wir zumindest um jene bangen.

Die dritte Besonderheit des Originals fehlt übrigens auch: Die POV-Shots, da wir nun ja wissen, wer der Killer ist. Allerdings ist das Motiv des allen beobachtenden Auges noch da, so sehen wir hier und dort doch Billy aus einem Loch in der Wand lugen etc., und der Killer hat einen Fetisch dafür, seinen Opfern die Augen auszureißen. Das andere Bindeglied des Filmes ist wohl die Familie, nämlich nicht nur Billys Psycho-Family, sondern auch die Mädels scheinen zum Großteil familiäre Probleme zu haben, die kurz erwähnt werden.

Die etwas unfreiwillig komischen Einlagen sind übrigens aus dem Film verschwunden, wenn man nicht mitrechnet, wie Horrorfilm-blöd alle sind. Der Wächter in der Anstalt lässt sich einfach von Billy dazu verleiten, alleine in dessen dunkle Zelle zu gehen. Selbst nachdem die Angelegenheit freaky wird und klar ist, dass ein Killer im Haus ist, weigern sich die Mädels, jenes zu verlassen, weil sie ihre vermissten Verbindungsmitglieder suchen wollen, die sie seit Stunden nicht mehr gesehen haben. Sorry Leute, aber wenn wir mal in einem Haus landen, in dem ein Killer in den Wänden steckt, und ihr geht verloren, dann habt ihr Pech gehabt, ich bin nämlich weg.

Interessant am Film ist übrigens auch durchaus das Casting, so wird man die meisten der Mädels zumindest optisch wiedererkennen. Aus Sachen wie Buffy, dem Nightmare Remake, oder den Final Destinations beispielsweise. Überhaupt ist der Film sehr gut geschauspielert, gerade Billys Mutter.

Mir hat Black Xmas auf jeden Fall gut gefallen. Die großen Unterschiede zum Original halten ihn frisch, die Charaktere sind keine Arschlöcher, es kommt so gut wie nie zu irgendwelcher Downtime und die Morde sind schön brutal ohne super eklig zu werden. Ich war gut unterhalten.

In diesem Sinne: Frohes Feiern.

blackxmas2006