Nostalgic Anime Week: Macross

Macross mag nicht ganz den kulturellen Sog wie Gundam entwickelt haben, aber ist dennoch ein großer Mainstay in Japan. Seit der ersten TV-Serie, Super Dimension Fortress Macross in 1982, sind alle paar Jahre neue Geschichten in der Franchise entstanden. Einer der absoluten Klassiker auch im Ausland ist hierbei bereits die zweite Inkarnation Macross: Do You Remember Love, welcher komplett neu geschrieben und animiert eine alternative Version der TV-Storyline erzählt, statt nur ein Zusammenschnitt daraus zu sein.

Wir schreiben das hochzukünftige Jahr 2009, die Macross ist eine transformierbare Weltraumfestung, auf der tausende Menschen leben. Nachdem sich die Menschheit plötzlich in der Mitte eines Krieges zwischen zwei Alienrassen findet, machen sie sich auf den Rückweg zur Erde. Bei einem Angriff werden allerdings Popsängerin Minmay und Pilot Hikaru mehrere Tage zusammen eingeschlossen und verlieben sich ineinander.

Als die Zentradi merken, dass menschliche Lieder ihre Kampfesfähigkeit eindämmen, wollen sie einige Testsubjekte fangen. Dies führt dazu, dass Minmay in ihre Hände fällt, während sich Hikaru und seine Vorgesetzte Misa, deren Charaktere bisher nicht miteinander kompatibel waren, auf der zerstörten Erde abstürzen. Erneut dauert es lange, bis sie gerettet werden, wodurch sich auch zwischen jenen beiden eine Romanze entwickelt.

Macross ist eine Art Space Opera, wie sie so eigentlich nur in Japan entstehen und vor allem enorm erfolgreich werden kann. Scifi-Action mit Popsongs zu mischen, und ein Idol zu einem der wichtigsten Charaktere zu machen, würde so sicherlich sonst niemandem einfallen. Dass dann ein letzter Verzweiflungskrieg der unterlegenden Menschen mitten zwischen zwei übermächtigen Alienrassen damit gewonnen wird, dass in ihnen Kulturdenken und Gefühle erwachen, nachdem ein Liebessong über das Schlachtfeld projiziert wird, sowieso. Letztendlich ist es sogar so, dass die verfeindeten Zentradi und Meltradi jeweils ausschließlich in einer männlichen und weiblichen Gesellschaft leben, die eben außer Krieg nichts kennen. Do You Remember Love ist daher ein zentrales Thema – erinnere dich an die Zeiten, als die Geschlechter liebevoll zusammengelebt haben.

Was auch wesentlich besser geregelt ist, als man wahrscheinlich denken würde, ist das Liebesdreieck zwischen Hikaru, Minmay und Misa. Zum einen ist es interessant, dass er sich für die im Militärrang über ihm stehende Misa entscheidet, nicht für das beliebte Idol. Aber es ist weitestgehend realistisch, warum er mit beiden anbandelt, wenn man mal die jeweiligen Situationen betrachtet, in denen sie sich wiederfinden, gerade für die überschaubare Spielzeit von 2 Stunden. Und natürlich kommt es zu einer Konfrontation, bei der Minmay ganz ihrem Charakter entsprechend klar die emotionalere ist, aber dennoch wird allen Beteiligten schnell klar, dass hier wichtigere Ereignisse laufen, auf die sich zuerst konzentriert werden muss. Es gibt nicht so viele Missverständnisse, Eifersüchteleien und Hin und Her, wie das in vielen anderen Medien mit einem Liebesdreieck geschieht, welche oft einfach ermüden.

Der blonde Anführer von Hikarus Kampfeinheit, der scheinbar nur schier endlos sexistische Sprüche darüber vor sich in kläfft, wie sich Männer und Frauen zu verhalten haben, ging mir ein wenig auf den Keks, ist aber schon so ziemlich das einzige schlecht gealterte Element des Filmes. Ja ganz im Gegenteil finde ich beispielsweise die ganzen Handanimierten SciFi-Aufnahmen sogar schön nostalgisch und hübsch und man merkt erst Mal, wie unterkühlt die CG-Schiffe und Explosionen diese heutzutage im Vergleich wirken lassen. Hier kommt dem Film das Alter also Zugute.

Macross: Do You Remember Love ist und bleibt also eine richtig coole Space Opera, welche groß angelegte Weltraumschlachten mit Gefühlen und Popmusik zu seinem ganz eigenen Cocktail mischt.

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Nostalgic Anime Week: Gunsmith Cats

Kenichi Sonoda hat ursprünglich bei einem Animationsstudio gearbeitet, wo er beispielsweise als Charakterdesigner von Bubblegum Crisis oder dem weiteren Klassiker Gall Force tätig war, bevor er sich als Mangaka niederlies und mit Gunsmith Cats sofort sein längstes und bekanntestes Werk schuf. Das wurde in den 90ern auch in drei OVAs gefasst, allerdings mit weitestgehend eigenständiger Handlung. Mein erster Berührungspunkt war erneut die Sichtung in einer Vox-Anime-Nacht. Und etwas darauf dann das Lesen des Manga, damals noch in amerikanischem Graphic-Novel-Format in fast 20 hochformatig-dünnen Bänden.

Rally Vincent und ihre Mitbewohnerin May Hopkins besitzen in Chicago einen Waffenladen. Zumindest ist das ihr Tagesgeschäft. Hinter der Front der Ladentheken sind die beiden nämlich auch ein Duo an Kopfgeldjägerinnen, die mit Knarre (Rally) und Granaten (May) bestückt im Sportwagen ihre Beute verfolgen. Aktuell werden sie vom ATF, da sie dummerweise nicht alle nötigen Lizenzen für ihren Laden haben, dazu gezwungen, umsonst ein Waffen- und Drogenkartell auffliegen zu lassen, was sie aber auch mit der russischen Killermaschine Radinov bekannt macht.

Wenn ich mich recht erinnere, ist die Storyline der OVA tatsächlich Original Content, nutzt die (Haupt-)Charaktere des Manga, kommt so in jenem allerdings nicht vor. Da jener teilweise aber auch sehr episodisch war, mit mal kürzeren Einsätzen der beiden, mal länger anhaltenden Antagonisten, kann ich jetzt aber auch nicht mehr sicher sagen, dass es dort nicht einen ähnlichen gäbe. Was zumindest nicht stimmt ist, dass Radinov die Tussi aus dem Manga ist, die Rally fängt und versucht zu ihrer Sexsklavin zu machen, so wie ich das fälschlich in Erinnerung hatte. Der Manga ist sowieso wesentlich sexier als die OVA, die sich darauf beschränkt, die Mädels kurz mal in Unterwäsche zu zeigen.

Kenichi Sonoda hat dann auch definitiv drei Faibles: Attraktive Damen, schnelle Autos, und scharfe Waffen. Man sollte meinen, er sei Amerikaner. Die findet man ja so oder so ähnlich in allen seinen Manga wieder, wobei Gunsmith Cats und dessen (von mir schon nicht mehr gekannten, weil nach meiner Zeit publiziertem) Sequel einen Großteil seines Oeuvres ausmachen. Aber auch sein eigentliches Manga-Debüt, das schnell wieder eingestellte Riding Bean hatte dies, und Cannon God Eaxxxion sowieso. Der Man bleibt sich halt treu.

Viel mehr haben dann die 90 Minuten an OVA auch nicht zu bieten. Das klingt jetzt zunächst gemein und abwertend, ist so aber absolut nicht gemeint. Unseren beiden taffen Mädels Rally und Minnie zu folgen ist spaßig und unterhaltsam, es gibt harte Action, ein wenig Sexyness, und es rauchen der Auspuff und die Pistolenläufe. Wenn eine Gang bei Rally einbricht und denkt den Jackpot ob all der dort untergebrachten Waffen gemacht zu haben, nur um dummerweise feststellen zu müssen, dass die Hausbesitzerin diese auch einzusetzen weiß, ist das schon sehr witzig. Wenn sich Rally und Radinov ihre letzte Auseinandersetzung bieten, ist das ein sehr guter Klimax für die Geschichte. Gunsmith Cats ist cool und hat Unterhaltungswert, und mehr brauch es letztendlich auch nicht, um eben einen Nachmittag ganz nett rumzubekommen.

Nostalgic Anime Week: Dragon Half

Dragon Half ist eine Duologie, die es nach Deutschland erst in den Zeiten der DVD gebracht hatte, als diverse Labels ihre Back-Kataloge schnell rausgehauen haben. Das war noch zu der Zeit, wo man damit Geld machen konnte, überhaupt Anime in Deutschland zu vertreiben. Dennoch war es schon davor unter Importfreudigen eine recht bekannte Serie, auch wenn es Dragon Half natürlich nie dazu gebracht hatte, ein viel nahegelegter Klassiker zu sein. Immerhin auch 1993 in Japan nicht, so wurden wegen fehlender Absatzzahlen nur zwei der geplanten vier Folgen animiert.

Es war einmal der Ritter Rouce, der rote Blitz, vor dessen Wagemut sich alle Monster in Acht nehmen mussten, und der auszog, den roten Drachen zu erlegen. Stattdessen verliebte er sich in jenen und brachte den Dragon Half Mink hervor. Die ihrerseits wiederum in den Helden Dick Saucer verliebt ist, welcher aber wiederum vom König beauftragt wird, Mink zu erlegen, damit er an deren Mutter rankommen kann. Oder so.

Dragon Half ist nämlich eine absolut überspitzte Komödie, die sich weniger damit aufhält, dass der narrative Faden sonderlich viel Sinn ergibt, als ihn vielmehr um die Witze herum aufzubauen. Da stellt sich Mink in der zweiten OVA während eines Kampfturniers schon mal ein Dämon in den Weg, der damit prahlt, sie für den Dämonenlord zur Strecke bringen zu wollen, nachdem Mink so übel über ihn geredet hat. Woran Mink sich nicht erinnert. Woraufhin der Dämon einfach eine Kassette der ersten Folge aus der Tasche zieht, sie sich ansieht, und dann schockiert ist, dass alle für diesen Plot relevanten Szenen aus dem Endprodukt herausgeschnitten sind.

In diversen Zuständen der SD-isieriung (super deformed, wie man das zu meiner Zeit noch nannte, statt „chibi“ design) machen sich also die Charaktere selbst zum Affen. Ein schwarzer Magier kommt schon mal atmosphärisch passend in Nebelschwaden in den Raum, nur damit die Kamera anschließend gen Boden schwenkt und uns zeigt, dass jene via Trockeneis zustande kommen, die er für jenen melodramatischen Auftritt immer mit sich rumträgt. Mink macht trotz ihrer überstarken Drachenkräfte eines auf unschuldiges und liebliches Mädchen Dick Saucer gegenüber. Ein Ritter überlebt ein Schwert durch den Kopf, weil sein Gehirn so „kompakt gebaut“ ist. Selbst das Ending Theme zeigt keinerlei Anflug von Seriosität, stattdessen sinkt Mink zu Beethoven über Omeletts.

Nein, Dragon Half ist keiner der absoluten Klassiker des Genres, welchen man absolut gesehen haben muss. Das war die OVA-Serie schon in den 90ern nicht, und dass ist sie 25 Jahre später sicherlich nicht. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht dennoch sehr unterhaltsam ist. Die ganze Angelegenheit hat einfach etwas einnehmend-reizendes. Jeder, der daran beteiligt ist, scheint einfach so richtig Spaß mit dem Irrsinn gehabt zu haben. Und der Humor ist überraschend auch gar nicht schlecht gehaltert, sondern die beiden kurzweiligen Folgen auch heutzutage noch sehr amüsant.

Nostalgic Anime Week: Bubblegum Crisis

Bubblegum Crisis ist eines der Kultanime der 80er und 90er Jahre. Und eines, welches ich nie besessen habe, weil ich es bereits auf einer Vox-Anime-Nacht sichten konnte. Erinnert sich noch einer an die? Allerdings hatte ich den DVD/Soundtrack-CD-Hybriden Hyrricane Live, der Musikvideos zu den Songs der OVA enthielt. Leider ist BGC aber auch eine der Serien, die eine eher problematische Geschichte aufweist.

Produktions- und Vertriebsfirma war offiziell Youmex, Animationsstudio allerdings Artmic. So weit, so gut. Allerdings gehörten die Rechte an der Serie beiden Studios, und das führt häufig zu Streitigkeiten. Gerade bei dem explosiven Erfolg, den BGC hatte. Während zunächst noch voll Kapital daraus geschlagen wurde, mit jede Menge Merchandising und geplanten Spinoffs, verkrachten sich die beiden Studios Anfang der 90er. Womit die auf 13 Folgen geplante OVA-Serie nach 8 eingestellt wurde und auch das Spinoff A.D. Police nach 3 ihr vorzeitiges Ende fand. Artmic begann mit Bubblegum Crash einen eigenen Nachfolger, wurde von Youmex verklagt, und die Erfolgsserie war Jahrelang im legalen Limbo. Erst 1998/99, nachdem es beide Firmen nicht mehr gab, starteten zwei Reboot-Serien, die den Erfolg aber nicht mehr replizieren konnten.

Die Handlungsstruktur ist dabei eher episodisch angelegt. Schauplatz ist Tokyo in einem dystopischen 2032, in dem die Kluft zwischen Arm und Reich enorm ist, während die Welt essentiell von Megacorps regiert wird. Genom ist die größte davon, da sie Boomer bauen – State of the Art Cyborgs. Durchaus als normales Kommerzprodukt, doch von denen werden wir in der Serie wenig zu sehen bekommen, denn natürlich dienen sie auch als Waffen und BGC behandelt den Kampf der Knight Sabers, einer Truppe an taffen Frauen, die in ihren eigenen Battle-Suits in Sachen Boomer-Kriminalität agieren.

Es gibt natürlich hier und dort mal einen roten Faden, der sich über die Serie erstreckt, oder das Ereignisse einer OVA die nächste beeinflusst, doch weitestgehend haben wir es hier mit in sich geschlossenen Ereignissen zu tun. Was die Serie nämlich viel mehr auszeichnet ist, wie cool sie einfach ist. Die Blade-Runner-esque Atmosphäre ist sowieso eine, die man so dargestellt nur in Medien aus dieser Dekade finden wird. Die brachialen Kämpfe gegen die Boomer sind geil, und bekommen ihre besondere Note dadurch, dass nebenbei gern J-Pop eingespielt wird. Denn eine unserer Knight Sabers ist nebenbei Sängerin. Ernste Action und Gesang zu mischen hat BGC sicherlich nicht erfunden (Macross hat ein ähnliches Konzept zum Beispiel), aber Mensch wenn wir das nicht alle damals Mitte der 90er für den coolsten Mix ever gehalten haben! Youmex war auch ein Musik-Label, und ich wäre nicht überrascht, wenn die Soundtracks letztendlich mehr eingespielt haben, als das Anime an sich. Der OST ist jedenfalls weiterhin einer der absoluten Highlights der Serie!

Was mir persönlich allerdings auch gut gefallen hat, ist wie viele starke Frauen es in der Serie gibt. Fast alle Haupt- und Nebencharaktere, die keine Schurken sind, sind weiblich (außerhalb ein paar wiederkehrender A.D. Police Kerle). Und die Serie ist auch sehr gut darin, die Kameradschaft zwischen ihnen zu präsentieren. Die Knight Sabers zerstreiten sich beispielsweise nie in einem Cat Fight, der so häufig für Drama in entsprechenden Serien genutzt wird. Selbst als Priss das Team verlassen will, sind alle unterstützend. Und ein paar gute lesbische Verhältnisse gibt es bei einigen der Nebencharaktere auch. Obendrauf einen schwulen Nebencharakter bei der A.D. Police, der für Anime geradezu uncharakteristisch normal und integriert dargestellt ist. Ich weiß nicht, was genau in den 80ern in der Anime-Szene abgegangen ist, aber gerade bei den Sci-Fi-Serien gab es überraschend viel Progressives zu sehen.

Witzig ist natürlich auch zu sehen, was für eine Art von Future Tech man sich Ende der 80er so vorgestellt hat. Im Jahre 2032 nutzen wir immer noch Telefonzellen! Gedruckte Zeitschriften existieren noch, aber nun kommen sie direkt per Fax nach Hause! Computer sind zwar allgegenwärtig, aber weiterhin mit kleinen CRT-Monitor-Kästen ausgestattet. Herrlich.

Ein wenig ungleich sind die Folgen natürlich schon. In der Laufzeit zwischen 30 bis 50 Minuten, in der Animatiosqualität über die Jahre, und natürlich auch ein wenig in der Stärke der einzelnen Handlungen. Besonders gefallen haben mir dabei die finalen drei Episoden, die inszenatorisch einfach am besten waren. Aber auch bei den vorigen Folgen sind keine Stinker dabei, und ich glaube mir haben die Vibes der Reihe mittlerweile sogar besser gefallen, als beim letzten Schauen vor 20 Jahren. Weil es Serien wie BGC so heutzutage auch einfach nicht mehr gibt.

Nostalgic Anime Week: Angel’s Egg

Zurück in die Frühzeiten der von mir geschauten Anime, diesmal mit einem der ersten, die ich über Fantsubs gesichtet habe, da der limitiert releaste Indie-Film anders nicht verständlich zu bekommen war, nachdem diverse Quellen ihn mir schmackhaft gemacht hatten.

Bei Angel’s Egg handelt es sich um eine OVA von unserem Anime-Auteur Mamoru Oshii, und eines seiner frühesten Werke. Nachdem er über die Adaption von der Romcom Urusei Yatsurei ins Business einstieg, dort den konventionellen ersten und alles andere als konventionellen zweiten Film Beautiful Dreamer ablieferte, erschuf er mit Dallos die allererste OVA. Um kurz darauf zusammen mit Charakterdesigner Yoshitaka Amano das leider alles andere als erfolgreiche aber zu einem Arthouse-Klassiker avancierende Angel’s Egg zu gebären. An allen Ecken und Enden voller Symbolismus, geprägt von einer Glaubenskrise des japanischen Christen Oshii, ein Film der wenigen Worte und noch weniger Charaktere. Ein audiovisuelles Erlebnis, von dem selbst Mamoru Oshii in Interviews behauptet, nicht vollkommen zu wissen, was er bedeuten soll.

Wir beginnen mit der Großaufnahme von Kinderhänden, die gut durchanimiert gestikulieren, plötzlich zu denen eines Erwachsenen werden, der die Faust zusammendrückt, begleitet vom Geräusch etwas Zerplatzenden.

Szenenwechsel. Ein junger Mann steht in einer postapokalyptisch anmutenden Szenerie, mit einem riesigen Ei, durch dessen Transparenz ein Vogelembyro zu sehen ist, auf einer Baumkrone. Eine Kugel, die wie ein mechanischer Augapfel erscheint, schwebt aus den Wolken herab. Bei Nahaufnahme sehen wir, dass es mit Statuen von Betenden bestückt ist.

Erneuter Szenenwechsel, diesmal beginnen wir wirklich den narrativen Fanden, soweit man das bei diesem Film behaupten kann. Ein Mädchen erwacht. Neben einem Ei. Und macht sich auf die Reise mit jenem. Diese wird sie nach einem Marsch durch die Natur auch in eine Altstadt führen, die verlassen scheint. Manchmal rennen aber Schwadrone von schattenhaften Figuren mit Speeren durch die Straßen, vor denen sie sich versteckt. Einer Prozession an Panzern entsteigt der junge Mann vom Beginn und schließt sich ihr an. Fasziniert ist er mit der Frage, was in dem Ei ist, welches das Mädchen so behütet, die ihm darauf allerdings keine Antwort gibt.

Zumindest nicht, bis nicht gegen Ende der Reise der beiden der junge Mann ihr die biblische Geschichte der Sintflut erzählt. Allerdings mit einem anderen Ausgang. Denn der Vogel kehrte nie zur Arche zurück. Deswegen wurde auf ihr verweilt, bis die Existenz des Vogels oder einer Außenwelt vergessen war, ja die Überlebenden nicht mehr wussten, wer sie überhaupt selbst sind. Daraufhin meint das Mädchen den Vogel gefunden zu haben, zeigt ihm das Fossil eines Engels, und meint einen neuen aus dem Ei auszubrüten.

Der junge Mann zerbricht das Ei, das Mädchen schreit, wirft sich ins Wasser, wächst zu einer jungen Frau, und die Welt ist plötzlich von Eiern übersäht, während neben den Statuen der Betenden auf dem mechanischen Auge auch eine des Ei-behütenden Mädchens erscheint. Beim langsamen Zoom in den Himmel sehen wir, dass all dies auf einer kleinen Insel im weiten Ozean stattfand.

Wie gesagt ist es nötig, sich einige Dinge um die Erschaffung dieses Werkes in Erinnerung zu rufen. Die viele christliche Symbolik kommt nicht von irgendwo, denn Oshii war gläubiger Christ und zur damaligen Zeit in einer spirituellen Krise, die er verarbeiten wollte. Seine Kenntnisse reichen also über das übliche „Ich hab mal irgendwann Paradise Lost gelesen“ hinaus. Und da er den Film zusammen mit Amano alleinig ausarbeitete, redete ihm niemand rein. Aber nicht zuletzt auch wichtig ist einfach, dass er wiederholt zu seinem Schaffungsprozess die Prioritätenliste wie folgt angab: Zuerst das Visuelle, Handlung zweitrangig, Charaktere an hinterster Stelle.

So kommt dann auch ein Film wie Angel’s Egg zustande. In dem die Charaktere die meiste Zeit schweigen, keinerlei Gefühlsregung zeigen, bei denen aber doch so viel impliziert zu sein scheint. Der junge Mann erzählt die Sintflutgeschichte genauso unterkühlt wie alles, dennoch schwingt dort eine große Hoffnungslosigkeit mit, die das Mädchen scheinbar mit dem Aufzeigen neuer Hoffnung im Ei aushebeln will, was seine Obsession jedoch nur zu vergrößern scheint und der letzte Push ist, dass Ei zu zerbrechen. Ein Film, bei dem jedes einzelne Bild voller Symbolik zu sein scheint, von denen man aber nie weiß, was sie genau aussagen will. Das Mädchen trägt das Ei unter ihrem Kleid wie einen Schwangerschaftsbauch, wann immer wir es aus der Sicht vom jungen Mann sehen, dem sie zunächst nicht traut, scheint sie merkwürdig sinnlich, und nachdem er das Ei zerstört, wird aus ihr eine junge Frau. Wasser ist ein wichtiges Element im Film, nicht nur am Ende mit der biblischen Geschichte, sondern wir sehen das Mädchen auch wiederholt Flaschen in den Ruinen suchen, damit sie die an Wasserquellen auffüllen und daraus trinken kann, gegen Ende gibt es eine schier endlose Wendeltreppe, die mit halb getrunken Flaschen gesäumt ist. Die grauen Gestalten in der Stadt gehen auf Fischjagd, obwohl es keine Fische gibt, stattdessen die immateriellen Schatten von Quastenflossern über die Häuserwände ziehen. Wenn das mechanische Auge zu Beginn aus der Wolkendecke bricht, weist ein schrägstehender Turn auf es, als wäre dies eine Flinte, wenn das „Auge“ am Ende dem Wasser entsteigt, wirkt dies, al würde es weinen. Der junge Mann trägt ebenfalls eine überdekorierte Waffe mit sich, die es so aussehen lässt, als habe er ein Kreuz geschultert.

Ich bin ja nicht immer der Fan von artsy fartsy Indiefilmen, wenn sie mir zu prätentiös und selbstverliebt daherkommen, oder einfach stinkend langweilen. Auf Angel’s Egg kann ich mich aber voll und ganz einlassen. Es hilft hier sicherlich, dass der Film tatsächlich maßgeblich einem Verarbeitungszweck zu dienen scheint, Oshii aber selbst die Hände in die Luft wirft, wenn es darum geht, ihm einen kompletten Sinn entnehmen zu wollen. Es kann viel interpretiert werden, denn der Film lässt einfach mal alles offen, was an sich schon interessant ist, und sicherlich bei unterschiedlichen Personen aber auch bei den gleichen an verschiedenen Sichtungen, zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt. Aber man muss ihn nicht mal verkopfen, man kann sich eben einfach auch absolut auf die Reise einlassen und schlicht beschallten lassen. Die ruhige und melancholische Atmosphäre der düsteren und detaillierten Szenarien auf sich wirken lassen. Interessanterweise hatte ich Angel’s Egg als Kurzfilm von nur so 30-40 Minuten in Erinnerung, weil eigentlich nicht viel geschieht, musste jetzt beim erneuten Schauen allerdings feststellen, dass er doch volle 70 Minuten einnimmt. Auf eine gemächliche und meditative Herangehensweise an die vielleicht oder auch nicht vorhandene Materie sollte sich also sowieso eingestellt werden.

Minna Atsumare! Falcom Gakuen

Minna Atsumare! Falcom Gakuen ist einer jener Scetch-Mangas, die in gerade mal 4 Panels einen kurzen Witz erzählen. Dies lief eine Weile so, immerhin hat er es letztendlich auf drei Sammelbände gebracht. Darauf wiederum basierend lief in 2014 und 2015 jeweils eine Anime-Staffel, die es auf insgesamt 25 Episoden schaffen. Oder besser Minisodes, denn sie sind gerade mal 2 Minuten lang, und ein Viertel davon nimmt das Opening ein.

Das Konzept ist, dass alle Charaktere aus den verschiedenen Spielen von Falcom in Xanadu zusammenkommen, da sich ihre Persönlichkeit zum Schlechteren verändert hat, wo sie nun zur Schule gehen, um zu ihrem wahren Charakter zurückzufinden. Oder so ähnlich, ist ja auch weitläufig egal. Schon ein wenig seltsam, dass dies in Xanadu geschieht, immerhin ist die Falcom-Franchise, aus der viele Subserien entsprangen, Dragon Slayer und nicht das selbst dort als Subserie entstandene Xanadu.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf deren beiden populärsten Serien, zum einen Ys, wobei jeder, der nicht Adol oder Dark Fact ist, ziemlich am Rand rumdümpelt, sowie Legend of Heroes, wobei erneut hauptsächlich der Cast aus den Kisekis/Trails viel Screentime bekommt. Obskurere Auftritte wären der Prinz aus Dragon Slayer Jr., der legendäre Held aus dem ersten Dragon Slayer, viele andere allerdings sind schlichtweg degradiert mal kurz im Hintergrund stehen zu dürfen.

Das große Problem dabei ist, dass es die Serie nie schafft, so wirklich witzig zu sein. Ein paar Anspielungen sind ganz niedlich, gerade im Gerangel zwischen Adol und Dark Fact, von denen der eine oder andere eventuell irgendwann einen Screencap in der Timeline hatte. Ganz nette Idee, dass Adol, nachdem er für Diebstahl verhaftet wird, ganz lapidar fragt, was so schlimm daran ist, wenn ein Abenteurer Dinge aus den Schubladen anderer nimmt. Weil man das in RPGs ja notorisch macht. Oder wenn er sich mit Dark Fact das erste Mal kabbelt, und ihn einfach rammt, weil dies das merkwürdige Kampfsystem der oldschool Ys referenziert. Oder das Dark Fact, wenn er sich angegriffen fühlt, als Schutzmechanik Fallgruben erscheinen lässt, ganz wie im Bosskampf gegen ihn. Wenn plötzlich alle Adols aus den verschiedenen Ys auftauchen, und darunter der schrecklich aggressiv verwestliche vom Mega Drive Cover ist – wobei man die Chance vertan hat, die anderen optisch nach ihrer Ära zu unterscheiden.

Dies ist allerdings wohlweislich alles nichts, weswegen man sinnübertragend lachend am Boden liegen wird. Sondern mehr Instanzen, bei denen man mal kurz in sich hinein schmunzelt und dann weiterzieht. Und das auch nur beim ersten Mal. Wenn die den West-Adol zum dritten Mal ins Bild schieben, oder Dark Fact zum vierten Mal den Boden verschwindet lässt, ist man schon lang drüber weg.

Der Großteil des Humors ist sowieso absolut basische Haudrauf-Unkomik, die so in jedem generischen japanischen Werk sein könnte. Und die einfach nicht witzig sind. Spieler von Trails in the Sky mögen sich daran erinnern, dass Joshua dort kurz dazu gezwungen wird, sich als Mädchen zu verkleiden. Das nutzt Falcom Gakuen dazu, dass Joshua nun zufällig immer mal wieder Kleid und Perücke anzieht, weil er nun angeblich eine Obsession damit hat, ein attraktives Mädchen zu sein, woraufhin ihn jemand als pervers bezeichnet und der Zero no Kiseki Cast ihn eventuell verhaftet. Das ist der ganze Witz. Kisekis Playboy-Charakter taucht beliebig nackt auf, jemand nennt ihn pervers, eventuell wird er verhaftet. Das war es auch schon. Aisha aus Ys Seven wird vorgehalten, dass sie flachbrüstig ist. Hier bitte lachen.

Es ist einfach unglaublich, wie absolut unkreativ Falcom Gakuen einfach im Großteil seiner Witze ist. Bei denen man eine Pointe gleich gar nicht erwarten sollte. Es wäre geradezu einschläfernd, wenn die Folgen nicht so schnell rum wären. Der krude Zeichenstil und schlechte Animationen sollen wohl einen passenden Low-Budget-Look verpassen, der aber ebenfalls keinerlei Charme versprüht. Was zugegeben zur Serie tatsächlich passt. Uncharmante, nicht witzige, langweilige Zeitverschwendung.

Digital Devil Story: Megami Tensei

Man vergisst es immer wieder gern zwischenzeitlich, aber ursprünglich ging das ganz erste Megami Tensei aus 1987 auf ein Buch zurück, hat sich dann nur ab dem zweiten Teil klar von denen distanziert. Ich mein, die drei trashigen Groschenromane Digital Devil Story sind sowieso nur in Japan erschienen, und eine inoffizielle Übersetzung reicht ebenfalls nur bis zum Ende des zweiten Bandes. Neben den beiden Videospiel-Adaptionen gibt es allerdings auch eine Anime-OVA.

Wie der Titel Digital Devil Story: Megami Tensei schon verrät, erzählt diese nur das erste der drei Bücher nach, denn nur jener trägt Megami Tensei als Untertitel. Nakajima ist also ein Computergenie, welcher das von ihm geschriebene Dämonen-Beschwörungs-Programm nutzt, um mit Loki einen Pakt zu schließen und sich an Schulschlägern zu rächen. Dummerweise übernimmt Loki seine Lehrerin, damit die etwas weiter Computerpferdestärken einsetzt, auf das von Nakajima gar nicht geplant die Gottheit in der realen Welt materialisieren kann. Im Kampf gegen ihn steht Nakajima auch die Transferschülerin Yumiko zur Seite, denn die beiden sind die Wiedergeburten von Izanagi und Izanami, was nun auch Nakajimas Alpträume ins frühere Leben erklärt.

Viel Fleisch ist zugegeben nicht dran, denn allzu viel geschieht in den sehr kurzen Büchern tatsächlich nicht. Am Ende des ersten Bandes ist Loki besiegt und Set kündigt sich bereits als Antagonist des zweiten an, und die OVA schafft das ohne wirkliche Abstriche in popelige 45 Minuten zu packen. Ich bin geradezu etwas gewillt der ganzen Sache das Prädikat Vergessenswert aufzudrücken. Dies ist nämlich nicht meine erste Berührung mit Digital Devil Story. Ich habe die Videospiel-Adaption von Namco und Atlus in Form von Kyuuyaku Megami Tensei gespielt. Da kann man noch sagen, dass jener Dungeon Crawler letztendlich außer Intro und Charakternamen kaum noch was mit dem Buch zu tun hatte. Aber auch die inoffizielle Übersetzung der ersten beiden Romane habe ich vor vielen Jahren gelesen, sowie diese OVA hier bereits gesehen gehabt. Und konnte mich dennoch an kaum etwas erinnern. Vielleicht liegt es allerdings auch an der langen Zeit und das ich schon sehr viel Mediales konsumiere, welches beständig ältere Dinge aus dem Gedächtnis verbannt.

Tatsächlich ist das Interessanteste am Anime der Look und Feel, und das wahrscheinlich auch nur für solche wie mich, welche die entsprechende Ära miterlebt haben. Es ist witzig die ganzen alten Computer zu sehen, die so viel leisten konnten wie heutzutage ein Smartphone, aber eine ganze Wand einnehmen und quietschend die Bänder ins Rollen bringen. Mit den alten CRT-Monitoren vor sich. Und natürlich das Design einer typischen 80s-Horror-OVA. Von den Charakter- über die Gegnerdesigns. Die Handanimation und der damit einhergehende etwas verwaschene und graustichige Look. Ein wenig Sexyness und ganz viel Blutspritzer und Dämonenfratzen. Und in den Alpträumen, wenn Nakajima als Izanagi von der Mumie Izanamis verfolgt wird, ein Uptempo-Track als Musik, der wirklich nur in einer Horror-Story der damaligen Zeit verwendet sein konnte.

Ob einen das über die immerhin kurzweiligen 45 Minuten an Standard-Cyber-Horror der Ära verhilft, ist dann natürlich von jedem selbst zu beantworten.

Mary to Majo no Hana

Vorletztes Wochenende war nicht nur Ant-Man and the Wasp im Kino angesagt, sondern auch eine Vorstellung vom frisch ins deutsche synchronisierte Mary und die Blume der Hexen. Das ist der erste Film von Studio Ponoc, gegründet maßgeblich von Ex-Ghibli-Mitarbeitern. Was man auch sofort sieht, da nämlich strukturell und visuell alles versucht wurde, dies wie einen Film vom Studio Ghibli aussehen zu lassen, inklusive dem Poster- und Fontdesign beim deutschen Verleih Peppermint Anime.

Mary hat in den Schulferien ein wenig mit sich selbst zu schaffen. Sie ist bereits vor ihren Eltern zur Oma ins kleine Dorf gereist, in dem es einfach nicht viel zu tun gibt. Anderen helfen ist auch schwer, wenn man so tollpatschig wie Mary ist. Und ihre sperrigen roten Haare konnte sie sowieso noch nie leiden, da hilft es nicht das der Nachbarsjunge Peter sie als rotes Äffchen bezeichnet.

Beim Trip in den nahegelegenen Wald entdeckt Mary einen seltsamen Besen und eine wunderschöne Blume, die der Gärtner als „Flieg bei Nacht“ bezeichnet, und die laut Sagen von Hexen gesucht wurden. Die zerquetsche Blüte führt dann auch dazu, dass Mary für einen Tag zaubern kann und vor allem mit dem sich verselbstständigenden Besen zur Hexenakademie fliegt. Wo sie auf Grund von Missverständnissen als neue Schülerin betrachtet wird, und nachdem sie sich Komplimente ob ihrer nur Superhexen vorbehaltenen Haarfarbe und immenser Zauberkräfte abholen durfte, ist Mary auch nicht mehr so erpicht darauf, dies sofort aufklären zu müssen.

Zurück im Dorf muss sie allerdings feststellen, dass sie schon längst aufgeflogen ist. Denn Peter wurde entführt und ihr die Nachricht hinterlassen, dass sie die mächtige Hexenblume vorbeibringen soll, wenn sie ihn zurückhaben will.

Die Regie bei Mary und die Blume der Hexen führte Hiromasa Yonebayashi, der diese Rolle bisher bei zwei Filmen innehatte, beide von Studio Ghibli: Arrietty – Die wundersame Welt der Borger, und Erinnerungen an Marnie. Tatsächlich würde ich Mary auch auf eine ähnliche Schiene schieben: Es ist ein süß-bezaubernder Film, aber ganz den Höhepunkten Ghiblis nicht gewachsen, Ponoc konnten sich aus dem langen Schatten des ehemaligen Arbeitgebers nicht befreien.

Das lag für mich etwas an der unebenen Struktur. Nach einem Action-Feuerwerk von einem Opener, gelangen wir in einen langen ersten Akt, in dem nicht viel geschieht. Bis Mary ihren unfreiwilligen Trip zur Hexenschule hat, und der eigentliche Plot endlich loslegt, werden so einige Minuten vergehen. Wir bekommen hier Mary nähergebracht und lernen weitere Dorfbewohner kennen, aber dennoch bleiben die Charaktere etwas blass und abgesehen von Mary und Peter werden sie sowieso nicht mehr wichtig. Die zentrale Botschaft des Filmes, nämlich das es Ok ist sein normales Selbst zu sein, keine Magie beherrscht werden muss um sich zu mögen, sozusagen die Antithese der üblichen Auserwählten-Abenteuergeschichten a la Harry Potter, wird hier auch noch nicht so wirklich aufgebaut. Klar wäre Mary gern wer anders, dies scheint sich jedoch hauptsächlich auf ihre Haarfarbe zu beschränken, sie hat keine Tagträume darüber ein genialer Protegé oder ähnliches zu sein.

Wenn der Film allerdings richtig loslegt, bin ich wieder voll mit dabei. Es ist schön, dass es sozusagen keine echten Schurken gibt, sondern nur zwei Antagonisten mit fehlgeleiteten Ambitionen. Der Film ist super animiert und jeder Hintergrund mit vielen Details ausgestattet. Gerade auch viele kleine Animationen, wie die abwertenden Gesichtsausdrücke der schwarzen Katze in Marys Armen, wenn sie sich aufplustert, sind sehr charmante Randnotizen. Die Welt an sich ist ein verzauberter Ort an verwunschenen Wäldern, kleinen Hexenhäuschen und imaginativer Vorrichtungen in der Magieschule. Und wie gesagt, dass Mary eigentlich ein ganz normales Mädchen ist, das sich nur zufällig Zauberkräfte leiht, aber kein herausragendes Talent ist und als heimlicher Messias entdeckt wird, ist auch mal angenehm anders. Hier legt der Film an Action und Witz ordentlich zu.

Macht für mich unterm Schnitt einen angenehmen und netten kleinen Film aus, der die langsame erste Hälfte etwas besser hätte nutzen können, aber dann besonders in der zweiten Hälfte gut unterhält und durchgängig durch die visuelle Komponente zu überzeugen weiß. Die deutsche Synchro ist übrigens auch gut gelungen.

InuYasha VIII

Im Jahr 2008 fand InuYasha dann nach 12 Jahren mit Band 56 und über 500 Kapiteln sein Ende. Somit wurde unter fast gleichen Team auch das 2004 vorzeitig beendete Anime in 2009 erneut aufgegriffen, und die finalen Geschehnisse in den 26 Folgen von InuYahsa: The Final Act umgesetzt. Bereits im Jahr davor, als der Manga beendet war, gab es übrigens eine InuYasha OVA, welche sein Erlangen des schwarzen Tessaiga behandelt, die allerdings dann als Episode 15 in The Final Act integriert wurde.

Es ist natürlich schon ein ziemlich großer Unterschied zwischen den beiden Anime. Wo die erste Serie mit ihren 167 Folgen sich noch ziemlich Zeit gelassen hat, um dem Manga nicht zu früh davonzurennen, muss The Final Act jetzt jede Menge Material in seinen gerade Mal 26 Folgen unterbringen. Es geht alles demnach nicht nur ziemlich schnell, bereits in der ersten Folge scheint irgendwie an mehreren Fronten plötzlich jeder mit jedem zu kämpfen, sondern die Charaktere wissen nun auch teilweise Dinge, die sie am Ende von Folge 167 noch nicht zu wissen schienen, wenn ich nichts verpasst habe.

Zum Beispiel ist es nun allgemein bekannt, dass Narakus Herz in Moryomaru ist. Genau wie sowohl Moryomaru als auch Hakudoshi jetzt offen gegen Naraku sind und ihn besiegen wollen. Soweit ich mich zurückerinnere, waren sowohl wo Narakus Herz untergekommen ist, sowie die genaue Bedeutung von Maryomaru und Hakudoshi am Ende des ersten Anime noch unbekannt, und gegen Naraku hatten sie sich auch noch nicht gestellt. Auch dass im Heiligen Juwel sich eine gute und böse Seite ständig bekämpfen und aktiv in das Geschehen eingreifen wäre mir jetzt definitiv neu gewesen. Vielleicht habe ich tatsächlich nicht immer genau genug aufgepasst? Oder es kommt wirklich daher, dass doch viel übersprungen werden musste, um die restlichen Bände abdecken zu können. Es ist ja nicht so, dass man nicht mitkommen würde, manche Dinge kommen nur etwas überraschend.

Die Serie ist nun auch nicht sonderlich zimperlich damit, Charaktere umzubringen, wodurch Gefahr tatsächlich gerade für Nebencharaktere wirklich etwas bedeutet. Beispielsweise ist am Ende von Episode 1 Hakudoshi auch schon aus der Serie ausgeschieden, und in Episode 2 wird ihm bereits Kagura folgen. Deren Ende überraschend eine der stärkeren Szenen der Serie ist, auch wenn ich erneut nicht hundertprozentig weiß, warum sich ausgerechnet Sesshomaru um sie schert. Kagura hat ihm mal ein oder zwei Tipps gegeben gehabt, in der Hoffnung er können Naraku besiegen, was sie von ihm befreien würde, aber so eine wirkliche Bindung hatten die beiden Charaktere jetzt auch nicht gerade.

Richtig gut Zeit räumt sich The Final Act dann jedoch für die tatsächlich finale Auseinandersetzung mit Naraku ein, was schon passend ist, nach all der Zeit und dem Buildup. Dies startet nämlich bereits in Episode 20 und zieht sich bis einschließlich 25. Aller Charaktere dürfen noch mal auftauchen, alle dürfen an verschiedenen Fronten kämpfen, alle haben mittlerweile Upgrades in ihren Waffen oder Fähigkeiten bekommen. Nur der arme Kouga ist mal wieder außen vor, der durfte zwar ebenfalls eine neue Waffe bekommen, aber dann doch seltsamerweise nicht fürs Finale auftauchen.

Auch ein wenig merkwürdig ist ehrlich gesagt, wie die Serie gern bei den Halbdämonen in den Vordergrund stellt, dass sie eine Wahl zwischen ihrem menschlichen und dämonischen Herz haben, als wäre dies eine Entscheidung zwischen Gut und Böse. Dabei gibt es in der Serie reichlich vollwertige Yokai, die auf der guten Seite sind. Shippo beispielsweise, und Sesshomaru kann man da mittlerweile eigentlich auch hinzuzählen. Ich glaube es gibt doch manche Punkte und Themen in der Story, die über deren Entwicklung hinweg eventuell nicht mehr hundertprozentig so passen, wie das ursprünglich mal gedacht war. Dass es nur einen richtigen Wunsch beim Heiligen Juwel gäbe, wäre mir beispielsweise auch neu, und das beim falschen das ganze Drama einfach von vorn beginnen würde.

Schön ist jedenfalls auch, dass die Serie trotz der erhöhten Gefahr und nicht ganz unbeträchtlichen Sterbequote eigentlich wieder eine sehr gute Mischung findet. Neben dem Drama und den ernsten Momenten gibt es nämlich doch auch so einige humorige Einlagen, die in ihren Manierismen so sehr Rumiko Takahashi wie nie zuvor sind, und jetzt wo sich die Stellungen finalisieren dürfen ist die Romantik zwischen den diversen Pärchen wieder ganz vorn mit dabei.

Am Ende ging alles also vielleicht doch etwas arg schnell und man hätte eher die doppelte Folgenzahl anpeilen sollen, doch kommt dennoch alles zu einem runden und befriedigenden Abschluss, und ziehe ich die etwas gehetzte Gangart von The Final Act dann dem doch zu gemächlichen Voranschreiten des ersten Anime vor.

InuYasha VII

Während der vier Jahre, die InuYasha im japanischen TV ausgestrahlt wurde, kam auch jährlich ein Film in die Kinos des Landes – immer im Dezember. Während diese zu langen Endlosserien häufig glorifizierte Specials von einer knappen Stunde darstellen, gehen die InuYasha-Filme allerdings tatsächlich jeweils volle 90-100 Minuten.

Den Anfang machte 2001, knapp über einem Jahr nach Serienstart, und ungefähr in den 50er-Folgen angesiedelt, InuYasha: Affections Touching Across Time. Hier hat einer der Splitter des Heiligen Juwels einen Dämon vom Festland wiederbelebt, dessen Vater von Inuashas Vater besiegt wurde, und der nun die Nachfolger als Oberhaupt des Klans antreten will, wofür er Inuyashas Tessaiga braucht.

Es ist irgendwie schon schön, InuYasha mal so richtig gut animiert zu sehen. An das etwas andere und eckigere Design muss sich erst mal gewöhnt werden, sowie das flüssige Animation manchmal zu Lasten von sauberen Zeichnungen geht, doch mir hat die allgemeine Dynamik im Film sehr gut gefallen, sowie der erhöhte Detailgrad der Szenerien. Das Mottendesign der Gegner fand ich auch sehr gut. Auch gibt es viele kleine visuelle Gags, die eingebaut werden, welche aufzuspüren immer wieder ein Genuss ist. Die Handlung ist relativ gewöhnlich und die Charaktere bleiben altbekannt, aber dafür wird genug Action und Witz geboten, und solche Filmproduktion, die neben einer TV-Serie herlaufen, dürfen sich eh nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, damit es nicht hinterher zu Diskrepanzen kommt.

Das ein Jahr darauf auf die Leinwand gebrachte The Castle Beyond the Looking Glass hingegen nimmt sich der Legende der Prinzessin Kaguya an. Beginnend mit dem Kampf gegen einen wichtigen Charakter, den der vorige Film ausgelassen hat: Naraku. Und unsere Truppe schafft es ihren Hauptantagonisten zu besiegen! Sollte natürlich jedem klar sein, dass dies nicht aufgehen kann, da die Filme nicht ihre eigene Kontinuität sind. Kagura und Kanna derweil werden von Kaguya dazu gebracht, sie wiederzubeleben, wofür jedoch auch Gegenstände im Besitz von Inuyasha und Kohaku benötigt werden, wodurch das Team auch sofort wieder involviert ist.

Wie bereits erwähnt ist es für Kinofilme zu langen Serien immer ein gewisser Drahtseilakt sowohl interessant und spannend zu sein, gleichzeitig aber absolut nicht am Status Quo rütteln zu dürfen, damit die Kontinuität noch stimmt und die Filmereignisse in der Serie ignoriert werden können. Eine Sache, die The Castle Beyond the Looking Glass nicht ganz hinbekommt. Auch wenn am Ende des Filmes sozusagen alles wieder auf Null gesetzt ist, ist es doch etwas merkwürdig, dass diese Ereignisse nie referenziert werden würden. Zumal Naraku eigentlich aktuell gar nicht präsent in der Serie war, sondern wir im Block ohne ihn herumgeirrt sind.

Ich glaube aber genau deswegen mag ich den Film ein wenig mehr als den Vorgänger. Die Dinge, die hier geschehen erscheinen halt gewichtiger, auch wenn man sich darüber im Klaren ist, dass sie keine langen Auswirkungen haben werden, so geben sie es kurzzeitig zumindest vor. Diesmal spielt auch die Romantik stärker herein statt den Fokus größer auf Action und Humor zu legen, welche natürlich dennoch ziemlich ausgewogen vorkommen. Inuyasha und Kagome dürfen sich sogar küssen – eine weitere Sache, bei der es sowohl schön ist, dass sich so weit aus dem Fenster gelehnt wird, wie es etwas befremdlich ist, dass es nie wieder einer Erwähnung finden wird. Und das obwohl hier der Film mit dem Vorfahren von Hojo ist, der ja sehr wohl in der TV-Serie wieder eingebaut wird.

Der dritte Film, Swords on an Honorable Ruler, spart sich ein Auftreten von Naraku und Kikyo, zentriert dafür allerdings einen Charakter, der in den beiden vorigen Filmen nur mal kurz durchs Bild laufen durfte: Inuyashas volldämonischer Halbbruder Sesshomaru mit seiner Entourage. Wie sich herausstellt gibt es neben dem Inuyasha vermachten Tessaiga und dem Sesshomaru vermachten Tenseiga noch ein drittes Schwert, welches der mächtige Vater der beiden benutzte. Und das in Kagomes Zeit versiegelte Sounga, welches ein eigenes Bewusstsein hat, entkommt in die feudale Ära, um dort mit einem starken Dämonen verschmelzen zu können.

Schön ist zumindest schon mal zu sagen, dass der Film die Familienverhältnisse mal wieder zur Sprache bringt, die häufig in der Serie leicht kurz kommen. Wir bekommen einen besseren Einblick darin, wer der mysteriöse Vater der beiden war, mit Szenen wie er Inuyashas Mutter davor rettet, wegen ihrem Anbandeln mit einem Dämon getötet zu werden, dabei aber selbst sein Leben lässt. Die beiden Brüder dürfen fürs Finale auch mal zusammenarbeiten und Sesshomaru durchblicken lassen, dass er sich sehr wohl auch um andere kümmert.

Dennoch fand ich den dritten Film bisher am Schwächsten, um ehrlich zu sein. Abgesehen vom Rückblick zu Beginn hat er dann doch nicht viel Neues zu sagen, er scheint von Struktur und Geschehen her zu sehr auf Autopilot zu schalten. Der Antagonist ist nicht sonderlich interessant. Und irgendwie sieht der Film auch schlechter an Zeichenstil und Animationen aus als die Vorgänger. Mich hat er im Groben, trotz seiner in der Theorie interessanten Thematik, in der Praxis leicht kalt gelassen.

2004, zum vierten Jahr in Folge, und als Abschluss wenige Monate nach dem Auslaufen der TV-Serie in Folge 167, kam im Dezember also der vierte und auch letzte Kinofilm, Fire on the Mystic Island, auf die Leinwände Japans.

Diesmal geht es auf eine Insel, auf der Menschen und Dämonen friedlich abgeschieden zusammenlebten, ordentlich Halbdämonen großgezogen haben, bis vier dämonische Kriegsgötter aufgetaucht sind, um ihnen das ordentlich zu verderben. Ihre Macht ist mittlerweile zum Teil versiegelt, doch gleichzeitig benutzen sie die letzten Halbdämonen-Kinder als zukünftige Opfergaben, um sie zurückerhalten zu wollen. Finden Inuyasha und seine Truppe natürlich nicht so geil, die genau wie Sesshomaru und Kikyo schon alleine deswegen hierhergezogen wurden, weil sie von den Kriegsgöttern gezeichnet wurden, was sie an die Insel bindet.

Das Design der Kriegsgötter basiert übrigens auf den vier Himmelsbestien, was an sich immer gut kommt, aber schon deswegen etwas merkwürdig ist, weil die TV-Serie ähnliche Bösewichte erst kürzlich davor in dem 4-Teiler um Hojos Vorfahren hatte. Ist man auf nichts Neues gekommen? Auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen mag wirken, dass den Charakteren plötzlich wieder einfällt, von den Kriegsgöttern gebrandmarkt zu sein und damit zur Insel zurückkehren zu müssen. Dadurch erklärt, dass die eh nur alle 50 Jahre auftaucht, aber irgendwie dennoch fragwürdig.

Abgesehen davon bietet sich aber ein weiterer Grundsolider Film, in denen alle wichtigen Charaktere der Serie abgesehen von Naraku mit seinem Anhang (und der komplett die Filme aussetzende Kouga) vorkommen und sich mit mindestens einem des Schurkenquartetts ein wenig Kloppen dürfen. Mit Witz, Charme und Action. Und vor allem mit einer wieder erstarkten Optik und einem gefälligen nebligen bis tropischen Insel-Setting.