Anime Quickies: Boys Love in a Band and Yakuza at Home

ava-2697Willkommen zurück oh Freunde der japanischen Zeichentrickkunst. Auch Heute haben wir wieder eine Reihe an Anime auf einmal zu bieten. Allerdings nicht mehrere Einträge in der selben Franchise, sondern fünf eigenständige Serien, zu denen es sich anbietet, sie in relativen Blurbs zu halten.

Beastars Season 2

Die erste Staffel lies ja noch offen, wer der Mörder an der Schule der antropomorphen Tiere ist. In der zweiten Staffel findet das Legosi sogar relativ früh heraus. Und es entwickelt sich ein Psychospielchen zwischen den beiden, da Legosi ihn nicht so einfach auffliegen lassen kann. Währenddessen struggelt Louis damit, von einer Lichtgestalt zum Anführer einer Gang im Schatten der Gesellschaft gewechselt zu sein.

Die Serie ist weiterhin spannend und packend wie eh und jeh. Erneut wird viel das heikle Gleichgewicht im Zusammenleben von Herbivoren und Carnivoren behandelt. Im Gegensatz zur ersten Staffel ist diesmal allerdings die Sexualität kein so zentrales Thema, sondern es geht wesentlich stärker um Freundschaften. Weswegen Haru auch eine eher kleine Rolle hat und stattdessen die Dualität zwischen Legosi und Louis ins Zentrum rückt, die weiterhin gegensätzliche Seiten einer Medaille darstellen.

Jujutsu Kaisen

Yuji ist ein athletischer aber etwas fauler Schüler, der in die okulte Parallelwelt gezogen wird, als er versehentlich ein magisches Artifakt schluckt. Denn der mumifizierte Finger Sukunas nimmt von ihm Besitz. Yuji wird kurzerhand an eine Magieschule umgesiedelt, damit er mit seinen neuen Kräften bei der Dämonenbekämpfung helfen und gleichzeitig unter Aufsicht der Exorzisten bleiben kann.

Jujutus Kaisen ist genau genommen eine recht typische Mainstream-Shonen-Serie mit den üblichen Story-Beats und Charakter-Stereotypen. Davon habe ich schon lange keine mehr gesehen, weil die immer endlos waren. Netterweise sind Anime mittlerweile allerdings kurzweiliger und selbst jene Mainstream-Serien kommen in überschaubaren Staffeln heraus. Das führt zu einem wesentlich besseren Pacing und weniger Füller. Und tatsächlich hat mir Jujutsu Kaisen sehr gut gefallen. Die Serie geht sehr zügig voran (noch vor 15 Jahren hätte man aus den Story-Arcs der ersten Staffel locker drei gemacht), die Charaktere sind sympathisch und vor allem ist die Action wirklich gut animiert und mitreißend.

Dragon Goes House-Hunting

Letty ist ein roter Drache, welche eigentlich zu den mächtigsten Kreaturen in der Fantasy-Welt gehören. Doch Letty selbst ist ziemlich nutzlos und wird letztendlich von seinem Klan rausgeworfen. Also muss er eine neue Bleibe finden. Netterweise trifft er auf Diaria, der ehemalige Dark Lord, der nun Immobilienmakler ist.

Erwartungsgemäß ist Dragon Goes House-Hunting eine ziemlich niedliche kleine Comedy-Serie. Es wird auf der Suche nach der richtigen Unterkunft für Letty auf die üblichen Fantasy-Tropes angespielt und sich über sie lustig gemacht. Alles allerdings ziemlich wholesome, denn Letty ist ein echt netter Typ und Diaria ihm sehr wohlgewollt. Keine besonders mitreißende Must-Have-Serie, aber eine nette fluffige Unterhaltung für zwischendurch.

Given

Ritsuka ist ein musikalischen Wunderkind in einer kleinen Indieband, der ein wenig die Lust an der Musik zu verlieren scheint. Bis er auf Mafuyu trifft, der unbedingt mehr über Musik lernen will und den Ritsuka in die Band aufzunehmen versucht. Wobei sein Interesse an ihm irgendwann romantischen Untertöne annimmt.

Given ist eine sehr nette Coming of Age Boys Love Story. Es geht hauptsächlich auf die Dynamik der vier Jungs der Band ein auf ihren Weg zu ihrem ersten Live Auftritt. Und um die erste Liebe, zumindest die von Ritsuka. Mafuyu hat dabei einen gewissen dunklen Schatten in seiner Vergangenheit, der aufgearbeitet gehört, aber netterweise ist Ausnahmsweise die Homosexualität an sich kein großer Deal. Die wird von allen ziemlich schnell akzeptiert, selbst Ritsukas erste Panik ist mehr „Oh Gott ich bin zum ersten mal verliebt, was mach ich nur“ und nicht „Oh Gott darf ich überhaupt einen anderen Mann lieben“. Insgesamt also auch eine sehr charmant entspannte Serie über die erste Liebe und die Leidenschaft zur Musik.

The Way of the Househusband

Tatsu war mal der berüchtigte „Immortal Dragon“ in Yakuza-Kreisen. Mittlerweile ist Tatsu-Chan aber mit der Büroangestellten Miku verheiratet und hütet das Haus für sie.

Hierbei handelt es sich um eine weitere charmante Komödie, bei der natürlich die meisten Gags auf die Juxtaposition zwischen Tatsus Yakuza-Manierismen und seinem stinknormalen Hausmann-Alltag liegt. Wenn er es lebensbedrohlich wichtig nimmt, es rechtzeitig zum Supermarkt-Sale zu schaffen, oder die Flecken aus der Wäsche zu prügeln. Die Original Net Animation ist dabei allerdings etwas billig gemacht. Es wurden eindeutig einfach die einzelnen Panels des Manga eingescannt, koloriert und dann bestenfalls rudimentär wenn überhaupt animiert. Das schnelle Vorangehen (jede Episode besteht aus mehreren Geschichten) und Voice Acting haucht dem allerdings ganz gut Leben ein und rettet das Comedic Timing bedeutend. Ich fands sehr unterhaltsam.

Project A-Ko times Five

ava-2695Project A-Ko ist ein weiterer der großen Klassiker der 80er. Als ich Ende der 90er meinen Einstieg hatte, gab es noch reichlich Seiten, welche die Komödie hoch lobten. Zumindest jene, welche englische Importe kannten, denn ein Deutschland-Release gab es nicht. Was eventuell auch erklärt, warum schon bereits kurz danach, als die deutschen Releases an Quantität stetig zunahmen, A-Ko schnell an Relevanz und Visibilität verlor. Kurz gesagt ist es ein weiteres jener Anime, welches in den Jahren nach Release jeder kannte, und das dann abrupt aus dem Zeitgeist verschwand.

Eine zusätzliche interessante Sache ist zudem, dass Project A-Ko als eine Episode in der Anthologie an erotischen OVAs Cream Lemon startete. Bekam dann allerdings doch ein gehöriges Upgrade und wurde als 80-minütiger eigenständiger Kinofilm realisiert. Es war sogar ein Double Feature zusammen mit Ami Final Chapter, dem Kinofilm-Ende einer der bekanntesten Cream Lemon Handlungen. Vom Porn ist im finalen Project A-Ko übrigens nichts übrig, höchsten ein oder zwei Szenen mit rausgeholter Titte erinnert noch leicht an den Ursprung.

Die superstarke A-Ko, mit ihrem Groupie und bester Kindheitsfreundin C-Ko im Schlepptau, kommt regelmäßig zu spät zur Schule. Wo die reiche B-Ko bereits auf sie wartet, welche nicht nur seit dem Kindergarten eine Rivalität mit A-Ko pflegt (an die sich jene nicht mal mehr erinnert), sondern auch eine Obsession mit C-Ko entwickelt hat. Hier sei erwähnt das ziemlich viele Cream Lemon Episoden Lesbenspiele beinhalten. Nun besteht der Großteil des Filme aus den ständigen Streitereien und Kämpfen zwischen A-Ko und B-Ko. Bis dann aufs Finale doch ein wenig Handlung hereinkommt. Wenn Aliens auftauchen, die ihre verlorengegangene Prinzessin zurückholen wollen: C-Ko.

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Das Script des ersten Projekt A-Ko ist ziemlich dünn und wie gesagt hauptsächlich auf der eindimensionalen Dynamik der drei Ko-Mädels beschränkt. Der Film ist absoluter Slapstick-Nonsens. A-Ko hat übermenschliche Kräfte, die nie erklärt werden. B-Ko eine Bande an überdrehten Schergen und baut ständig neue Mechs und Power Suits für die Auseinandersetzungen. C-Ko verhält sich wie eine 5-Jährige und schreit und heult ständig. Es gibt unglaublich viele visuelle Anspielungen an Anime aus der Zeit, die zumeist in Vergessenheit geraten sein werden. Wie viel davon Sinn macht sei eh mal dahingestellt. Der Gag bei einer von B-Kos Handlangern ist beispielsweise, dass sie ebenfalls eine 16-Jährige Schülerin sein soll, allerdings wie ein muskulöser Kerl gebaut ist, trotzdem ihre Piepsstimme behält. Ihr Design und Kampf Moves sind dabei direkt Fist of the North Star entnommen. Der Anführer der Aliens ist an Captain Harlock angelehnt und der ganze Gag ist das sie ohne Alkohol nicht funktionstüchtig ist.

Ich muss sagen, dass ich die Energie des Filmes absolut mochte. Er steht nie still, ständig geschieht etwas, und alles ist für die Mitt-80er richtig gut animiert. Mir wurde nie langweilig beim Schauen. Aber gelacht habe ich auch nicht. Ich glaube ich bin mittlerweile über diesen extremen Slapstick- und Referenzen-Humor ohne wirkliche Pointe, der nur auf Randomness und Überdrehtheit setzt, einfach hinweg. Früher war das mal meins. Das 2001er Puni Puni Poemie schlägt beispielsweise genau in die gleiche Kerbe wie Project A-Ko und damals fand ich die OVA zum Wegschmeißen komisch. Von daher will ich jenen Humor nicht unbedingt schlechtreden, aber drüber lachen kann ich zwanzig Jahre später nicht mehr.

Die Popularität des Erstlings führte zu drei direkten Follow-Up Filmen, die allerdings eine wesentlich geringere Laufzeit von 40-55 Minuten aufweisen. Die wurden immer im Westen als OVAs vermarktet und liegen deswegen hauptsächlich im 4:3-Format vor, allerdings sind sie angeblich in Japan in die Kinos gekommen. Würde mich nicht wundern, denn die Animationsqualität ist gleichbleibend hoch. Und es ist dort nicht ungewöhnlich, dass ein Anime-Kinofilm nur 30-60 Minuten aufweist – die werden dann eben in Features mit anderen kürzeren Filmen gezeigt.

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Project A-ko 2: Plot of the Daitokuji Financial Group started damit, dass das crashgelandete Alien-Schiff zu einer Vergnügungsinsel umgebaut wurde. Während die Mädels ihre Sommerferien im Pool etc. verbringen, wollen sowohl B-Kos raffgieriger CEO-Vater wie auch einige weltweite Regierungen die Alien-Technologie für sich gewinnen. Project A-ko 3: Cinderella Rhapsody hingegen findet in den nächsten Frühlingsferien statt. A-Ko und B-Ko vergucken sich beide in den Schönling Kei. Der wiederum nur Augen für C-Ko hat, welche ihn hasst. Anscheinend war der Lehrerin-Charakter relativ beliebt, denn in Project A-ko: FINAL hat sie eine zentralere Rolle. Sie soll sowohl Kei heiraten, was A-Ko und B-Ko natürlich verhindern wollen, als ist auch möglicherweise die zentrale Figur eine Welt-endenden Legende. Was sich als roter Hering herausstellt und nur Screentime füllt.

Wer das erste Project A-Ko mochte, dem werden auch die drei jährlich erschienenen Nachfolger gefallen. Denn die Serie bleibt sich treu. Die Charaktere sind der gleiche Archetyp – was leider bedeutet, dass C-Ko nie aufhören wird nervtötend zu kreischen. Sie sind eine Aneinanderreihung schräger Ereignisse voller Unsinns-Humor. Der narrative Faden scheint etwas stringenter in ihnen, was aber mehr an der kürzeren Laufzeit liegt, statt daran, dass die Handlung wesentlich wichtiger geworden wäre. Aber die Energie bleibt hoch und unterhaltsam, eben wegen der Kürze noch mehr als vorher.

Den vierten Film FINAL zu nennen stellte sich bereits im Jahr darauf als Täuschung heraus, als A-Ko the Versus erschien, im Westen eher als Project A-Ko: Uncivil Wars bekannt. Diesmal sogar tatsächlich eine OVA, was man an der wesentlich niedrigeren Animationsqualität auch sehen kann. Tatsächlich handelt es sich hierbei allerdings um die längste A-Ko Geschichte, denn die zwei 50-minütigen Folgen haben eine durchgängige Handlung.

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Im hiesigen alternativen Universum sind A-Ko und B-Ko befreundet und jagen zusammen Monster in der Wüste. C-Ko hat man zu einem 10-jährigen Kleinkind gemacht, was wesentlich besser zu ihren nervigen Manierismen passt. Sie ist zudem Tochter eines reichen CEO und wird von Piraten für Lösegeld gekidnappt. Fällt jenen aber aus den Händen und in jene von A-Ko und C-Ko. Was entsprechend viel Gerangel mit sich bringt. Bis Aliens auftauchen, die C-Ko haben wollen, um ihre Anführerin wiederzuerwecken, welche das Universum beenden und eine neue Utopie erschaffen soll.

A-Ko the Versus hat sich immer noch den Humor zum Teil beibehalten. Es gibt immer noch übertriebene Funny Faces und jede Menge hin und her zwischen den Charakteren. Diesmal allerdings auch eine definitiv wichtige Sci-Fi-Handlung, in welche das eingebettet ist. Das Problem dabei ist allerdings, dass dadurch A-Ko the Versus irgendwie den Charme der Vorgänger einbüßt. Es kommt einfach daher wie jede generische SciFi-Story mit ein wenig eingestreuten Humor. Ich kann verstehen, warum danach keine weiteren A-Ko Projekte gemacht wurden, denn sicherlich hat the Versus die A-Ko-Fans ziemlich kalt gelassen.

Violet Evergarden

ava-2674Violet Evergarden ist ein Anime, welches auf einem Light Novel basiert. Das hat mittlerweile eine ziemlich schlechte Reputation an sich, dank unglaublich vieler schlecht geschriebener Wish Fullfilment Isekais, die in den letzten Jahren die Anime-Seasons vollgemüllt haben. Doch wir müssen uns hier mal daran erinnern, dass die nicht grundsätzlich schlecht sein müssen. Das hoch profilierte Studio Kyoto Animation, welches für Violet Evergarden verantwortlich zeichnet, hat uns immerhin bereits vor geraumer Zeit ein sehr gutes Anime basierend auf Light Novels geschenkt gehabt: The Melancholy of Suzumiya Haruhi.

Genau genommen ist die Bindung hier sogar noch stärker. Denn Violet Evergarden das Light Novel ist von niemand anderem als Kyoto Animations dafür vorgesehenen Subdivision herausgebracht worden, bevor man es sozusagen dann im eigenen Hause zu einem Anime verarbeitete. Das Light Novel ist zudem ziemlich knackig prägnant gehalten, spannt es doch lediglich vier Bände, von denen die ersten beiden die Hauptgeschichte sind.

Die Geschichte dreht sich um die Titelgebende Violet Evergarden, wobei beide Namen dem Mädchen nachträglich gegeben wurden. Das in sich gekehrte Mädchen wurde vom Militär aufgegriffen und als Killermaschine entdeckt. Anschließend an Gilbert gegeben, der als ihr neuer Vorgesetzter sie als Kriegswerkzeug einsetzen sollte. Gilbert war der erste Mensch, der ihr Zuneigung und Fürsorge entgegenbrachte und dem Mädchen den Namen Violet gab. Auf einem dramatischen Militäreinsatz gegen Ende des Krieges verlor Violet ihre Arme und Gilbert, an dem sie wie an nichts anderem hing, starb vor ihren Augen. Er hinterließ Violet mit den Worten „Ich liebe dich“, die das emotional zurückliegende Mädchen nicht versteht.

Der Krieg ist also nun zu Ende. Violet meint damit, ihren Zweck verloren zu haben. Doch sie wird in einer Postgesellschaft aufgenommen, in der sie arbeiten soll. Dort entdeckt sie die Memory Dolls: Weibliche Angestellte, die für andere Briefe verfassen. Und das nicht nur im Diktat, sondern teils auch empathisch dabei deren wahren Gefühle zu Papier bringen müssend. Die militärisch-effiziente Violet könnte nicht weiter davon entfernt sein, für diesen Posten geeignet zu sein. Dennoch bittet sie darum, eine Memory Doll werden zu dürfen, um die Gefühle anderer verstehen zu lernen und dadurch eventuell auch irgendwann zu verstehen, was die letzten Worte Gilberts bedeuteten.

In dreizehn Episoden, die tatsächlich weitestgehend episodisch sind, erleben wir nun also das Wachstum von Violet. Aber auch der Welt um sie herum, die ja gerade erst aus dem Krieg erwacht ist. Dadurch, dass sie die Gefühle anderer auf sich zulassen muss, um sie in Briefen wiederzugeben, taut auch Violet selbst auf. Wir bekommen sowohl die Geschichte derer Personen präsentiert, für die der Brief verfasst wird, als auch die Geschichte von Violet weitergesponnen. Wie sie lernt zu fühlen. Wie ihr Bewusstsein dazu erwacht, was sie im Krieg gemacht hat. Wie sie dies schmerzhaft zu verarbeiten versucht. Und natürlich immer Gilbert über ihr schwebend, als derjenige, der ihr den Anstoß dazu gegeben hat, den sie nicht loszulassen bereit ist.

Ein paar holprige Dinge muss man dabei außer Acht lassen können. Zumindest im Anime wird beispielsweise nie geklärt, warum jeder außer Gilbert das blonde Mädchen sofort als Kampf- und Killermaschine sah. Als reine Aufziehpuppe, die man für die eigenen Zwecke benutzen kann, die aber nichts fühlt. Warum man ein junges Mädchen überhaupt im Militär aufnehmen würde. Aus der Richtung wird nie Klärung kommen, man muss das als gegeben hinnehmen. Außerdem gibt es in der Erzählstruktur einen ziemlichen Sprung zwischen der vierten und fünften Episode. Nachdem sich der Beginn stark damit beschäftigt hat, dass Violet ein Defizit an Empathie mitbringt und deswegen enorme Probleme als Memory Doll hat, ist sie in der nächsten Episode plötzlich eine hochbegehrte Doll, welche sogar vom Adel persönlich mit Namen angefragt wird.

Es gibt tatsächlich eine vierzehnte Episode, eine OVA, die später in der Heimkinoauswertung hinzugegeben wurde, welche zwischen jenen zwei Episoden spielt. So ganz mag jene den enormen Sprung in Violets Reputation zwar nicht überbrücken, doch zumindest ein wenig Besserung ergibt sich dadurch. Umso merkwürdiger, dass jene Geschichte nicht in der TV-Ausstrahlung enthalten war.

Wer jene zwei Lücken großzügig übersehen kann, bekommt mit Violet Evergarden allerdings eine unglaublich gefühlvolle und ruhige wenn dennoch emotional sehr dramatische Serie geboten. Eine über einen Charakter, der via der Geschichten und Emotionen anderer zu sich selbst zu finden sucht. Sozusagen durch einen beständigen Therapieprozess geht. Teils mit liebevollen, teils mit schmerzhaften Schicksalen in Verbindung gerät. Und das alles natürlich typisch Kyoto Animation auch mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und animiert. Ein wirklich gefühlvolles Kleinod von einer Serie.

Ich mein das Land, in dem dies alles spielt trägt den deutschen Namen „Leidenschaftlich“. Das sollte eigentlich schon ziemlich klar sagen, dass man es hier mit einem emotional sehr hochspielendem Drama zu tun bekommt.

Und dann gibt es da ja noch die beiden Filme. Zunächst erschien Violet Evergarden: Eternity and the Auto Memory Doll, welches teils auf dem dritten Sidestory-Band basiert. Der Film dreht sich um das Schicksal zweier Geschwister, die voneinander getrennt wurden, und über Briefe wieder zueinanderfinden. Dabei ist die Geschichte zweigeteilt. In der ersten Hälfte macht Violet die Bekanntschaft der älteren Schwester an einem Internat. In der zweiten Hälfte bekommt Mitarbeiter Benedict einen neuen Lehrling, welcher sich als die jüngere Schwester herausstellt. Der Film ist fast etwas leichtfüßiger als die Serie, wahrscheinlich weil der Plot wesentlich mehr Zeit als eine TV-Episode zur Entfaltung hat. Dennoch fließen so einige Tränen, besonders am Ende des Filmes.

Das Finale der Reihe, schlicht Violet Evergarden: The Movie genannt, ist dann im Prinzip wie die Aneinanderreihung neuer Finalepisoden für die Serie. Zunächst einmal bekommt Violet es wieder mit einem Einzelschicksal zu tun, denn ein totkranker Junge beauftragt sie, die letzten Wünsche an seine Familie niederzuschreiben. Doch dann werden Violets Wunden um Gilbert neu aufgerissen, nachdem es am Ende von Episode 13 fast so aussah, als wäre sie über dessen Verlust hinweg. Denn er lebt doch noch, aus Schuld dem gegenüber, was er im Krieg getan hat, allerdings nun unter neuem Namen auf einer abgelegenen Insel. Ich war ehrlich gesagt zunächst nicht so sicher, ob es mir gefällt, dass er doch noch am Leben ist. Und ob das nicht den ganzen Sinn der bisherigen Erzählung um Violet verwässert. Doch ich würde lügen, wenn ich am Ende nicht doch mitgefiebert hätte, ob Violet es endlich schafft glücklich zu werden.

Genau damit steht oder fällt nämlich letztendlich, wie sehr einem Violet Evergarden gefallen wird. Man muss abschalten und sich tatsächlich auf einer emotionalen Ebene mit den Geschichten mittreiben lassen können. Sich von den Schicksalen in der Serie berühren lassen. Sich vielleicht sogar ein wenig Katharsis beim Mitheulen verschaffen. Mich hat die Serie tatsächlich wesentlich mehr bewegt und berührt, als ich das erwartet hätte.

I want to connect, or watching Sarazanmai

ava-2669Bei Sarazanmai handelt es sich um die neueste Show von Kunihiko Ikuhara, der uns bereits Serien wie Revolutionary Girl Utena, Mawaru Penguindrum or Love Bullett Yurikuma Arashi beschert hat. Wobei die Serie bereits 2019 gelaufen ist, aber wie das im Leben nun Mal so ist, finden sich gewisse Dinge immer wieder gerade so unter der aktuellen Priorität. Dabei mag ich ja Ikuhara-Shows. Immer die Einfachsten sind sie aber auch wieder nicht.

Kappa. Nein, nicht der Buchstabe im griechischen Alphabet. Das japanische Mythologie-Wesen, welches in Spielen und Anime gern gesehen ist. Und Kappa sind auch wichtig für Sarazanmai. Die humanoid-froschig dargestellten Wesen sind dabei hauptsächlich für ihre Liebe für Gurken bekannt. Aber die mal freundlich mal tödlich gesonnenen Trickster haben auch viel arschiges. So besagt ihre Mythologie, dass sie Menschen das Organ Shirikodama, dessen Funktion je nach Legende variiert, aussaugen, oder das Kappa durch ein anfurzen vertrieben werden können. Bleibt bei mir. Das ist wichtige Information für Sarazanmai.

Denn die Serie dreht sich um die drei Jungs Kazuki, Toi und Enta, die über ein Missgeschick an den Kappa-Prinz geraten, welcher das Trio selbst in Kappas verwandelt. Um ihre menschliche Form zurückzubekommen, müssen sie einem zum Monster des Tages mutierten Menschen sein Shirikodama entziehen. Um sowohl die Bedrohung durch jenen zu eliminieren, als auch dem Kappa-Prinz jenes zu füttern. Dafür bekommen sie dann einen Teller Hoffnung. Fünf davon gesammelt, und ein Wunsch kann erfüllt werden.

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Das Problem dabei? Um das Shirikodama zu entziehen, müssen die drei Jungs auf einer Wellenlänge sein. Es benötigt, dass sie sich einander komplett öffnen. Und in jenem Prozess wird eines ihrer wohlgehüteten Geheimnisse mit den anderen geteilt. Unangenehm, aber etwas, was alle drei auf sich nehmen, um ihren geheimsten Wunsch erfüllt bekommen zu sehen.

Somit ist der Einsatz als Kappas ein ständiges hin und her zwischen dem Trio. Zum einen müssen sie sich näher kommen, allerdings auch befürchten, ihre dunklen Geheimnisse könnten die anderen beiden wieder abstoßen. Sie tun dies, um ihren Wunsch erfüllt zu bekommen, aber da jeder einen geheimen Wunsch mit sich trägt, bedeutet das auch, dass sie am Ende in Wettstreit miteinander stehen werden, welchen sie wirklich erfüllt bekommen können.

Und am Ende des Tages sehen wir eine kleine Szene mit den beiden Polizisten Mabu und Reo, die für die Kappa-Feinde der Otter arbeiten, welche obsessiven Menschen die Energie entziehen, wodurch jene zum Monster des Tages werden. Immer vorher fragend: „Begierde oder Liebe?“

Sarazanmai ist eine Show, die eigentlich keiner Tiefenanalyse benötigt. Was nicht bedeutet, dass sie unter den ganzen Arsch-bezogenen Witzen und Wortspielen nicht etwas auszusagen hat. Das hat sie durchaus. Und das packt sie auch gern in Symbolik. Aber am Ende des Tages ist Sarazanmai wohl die Serie Ikuharas, die am transparentesten damit ist, was sie sagen will. Es benötig wenig hinterfragen des Geschehenen oder der Symbolik, denn alles wird eigentlich früher oder später, und das meist früher, auch direkt angesprochen.

Denn wenig überraschend geht es letztendlich um das intrinsische menschliche Bedürfnis danach, mit anderen Bindungen einzugehen. Auf die verschiedenste Art und Weise. Beispielsweise familiär. Kazuki ist adoptiert und hat somit immer im Hinterkopf die Befürchtung, dass er nicht wirklich zu seiner Familie gehört. Oder romantische Bindungen. Enta ist Kazukis langjähriger Kindheitsfreund und sein größtes Geheimnis ist, dass er in ihn verliebt ist. Oder auch freundschaftlich, im Bemühen der drei Jungs als Gruppe zu funktionieren und einander auszuhelfen. Sarazanmai scheut dabei nicht davor zurück, zu zeigen, dass Bindungen einzugehen eben auch anstrengend und unheimlich sein kann. Auf jedem Stück miteinander zu hinterfragen, wie sehr man sich einander öffnen kann, welche Dinge man lieber für sich behält. Die tiefsten Bindungen sind jene, wo man sich alles einander sagen kann, aber auf den Weg dahin kann man sich auch gegenseitig verletzen und findet eventuell heraus, das jene Person nicht mit einem bis zu jenem Endstadium zu gehen bereit ist.

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Liebe ist natürlich der stärkste Begriff für eine starke Bindung, sei sie nun romantisch gemeint oder nicht. Deswegen können die „Bösewichter“ der Otter auch nichts mit jenen anfangen, bei denen sich die Motivation als Liebe herausstellt. Stattdessen benötigen sie jene, bei denen die Gefühle in Begierde umgekippt sind. Die meisten Menschen, die zum Monster des Tages werden, haben einen gewissen Kink, der dazu geführt hat, dass sie sich nicht anderen öffnen können. Jenes Verlangen ist dann solange gewachsen, bis sie abgeschottet von der „normalen“ Gesellschaft zum einfachen auszunutzenden Opfer wurden. Es ist einfach sich obsessiv auf eine Person zu versteifen oder an der Ablehnung zugrunde zu gehen. Aber das ist nicht der Weg zum Glück. In seiner eigenen abgeschotteten Welt zurückzubleiben ein Fehler.

Interessant ist übrigens, dass Ikuhara wie üblich zwar eine gewisse Queerness einbaut, jene aber nie wirklich wichtig ist. Dass Enta in Kazuki verliebt ist wird von Kazuki akzeptiert, aber nicht erwidert. Und Enta kann damit leben, dass dies eine platonische Beziehung bleiben wird. Das erste Geheimnis, welches wir herausfinden, ist, dass Kazuki ein Crossdresser ist. Aber genauso schnell finden wir heraus, dass er dies tut, weil er vorgibt, das Idol seines kleinen Bruders zu sein. Kazuki selbst findet persönlich nichts daran.

Sarazanmai ist einfach gute Ikuhara-Unterhaltung. Bunt, mit viel Drive, so witzig wie es ernst ist. Immer darauf konzentriert, dass das teils widersprüchlich menschliche Gefühlsleben seiner Charaktere für einen nachvollziehbar wie interessant bleibt.

JoJo: Phantom Blood & Battle Tendency

ava-2663Jojo’s Bizarre Adventure ist ein ziemlich großes Ding. Der Manga startete in 1987, ist demnach seit über 30 Jahren am Laufen, und hat gerade letztes Jahr seine achte Story Arc zu Ende gebracht, bereits über 100 Volumes zählend. Mir persönlich sagten Hirohiko Arakis Werke bisher nichts, mit einer Ausnahme, und zwar die Anime-Adatption von Baoh, welches ziemlicher Trash war.

Aber ich meine ganz so einfach war an JoJo auch nicht heranzukommen. Obwohl der Manga ein Megahit in Japan war, besonders mit dem beginn der dritten Story Arc und ihren Stands, so hat eine westliche Publikation lange auf sich warten lassen. Ein englisches Release erfolgte erst in den 2010er Jahren und in Deutschland gibt es den Manga erst seit letztem Jahr. Auch Anime-Adaptionen hatten sich ziemlich rar gemacht. So gibt es eine OVA-Serie aus den 90ern, die aber nur die dritte Story-Arc abhandelt. Einem Kinofilm der ersten Story wurde vom Zeichner die Publikation verwehrt, womit er zu Lost Media gehört. Erst 2012 wurde sich drangesetzt die Reihe von Anfang an in einer TV-Serie durch zu erzählen. 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Mangas und an das junge Studio David Production gehend.

Ich bin jetzt durch, zumindest mit der allersten Staffel. Welche allerdings bereits die ersten beiden Story Arcs abhandelt, da Phantom Blood mit 5 Bänden und Battle Tendency mit 7 Bänden zusammen genommen selbst noch kürzer sind, als alle darauffolgenden. Wer sich über die Zahlen wundert, muss erneut in Betracht ziehen, wie spät die westlichen Veröffentlichungen erst erfolgten, so dass deren Anzahl geringer ist, weil sie auf gebündelten Re-Releases basieren.

26 Folgen also für ganze zwei Story Arcs, und das auch nicht mehr oder weniger mittig getrennt, sondern nur 9 Folgen für Phantom Blood, während Battle Tendency der Löwenanteil zugestanden bekommt. Das macht schon ein wenig den Eindruck, als wären die die beiden Handlungen nur umgesetzt worden, um die Serie komplett zu haben, und man möglichst schnell zu den richtig beliebten Geschichten der dritten Story Arc und danach kommen kann. Dem Eindruck wird auch nicht widersprochen, wenn die Folgen dann endlich gesichtet sind.

Phantom Blood hat absolut ein miserables Pacing. In der ersten Episode trifft ein junger Jonathan Joestar auf seinen Adoptivbruder Dio, der sofort unbeschreiblich schrecklich zu ihm ist, seinen Hund umbringt, seiner Liebe den ersten Kuss stielt, und sich beim Vater dennoch zum Liebling gebiert. Und dann fängt die zweite Episode plötzlich Jahre später an, Jonathan und Dio sehen aus wie 25-jährige Bodybuilder, sind aber im letzten Jahr ihrer High School, und können sich plötzlich gut leiden? Beziehungsweise tun sie zumindest so, bis dann Dio den Vater des Erbes wegen umbringen will, aufgehalten wird, und mit einer Steinmaske zum Vampir wird, den Jonathan sich zum Ziel setzt aufzuhalten. All das geschieht super schnell und abgehakt mit fast keinem Build Up.

Dio wird von allen als Supergenie bezeichnet, obwohl seine Ränkeschmiede super offensichtlich sind und er auch die Hälfte der Zeit verkackt. Eine Sache, die sich eh durch sie Serie zieht, dass nicht sonderlich intelligente Charaktere als solche von noch dümmeren Charakteren hochgehyped werden. Allgemein verkommen viele Nebencharaktere dazu, nichts tuend an der Seite zu stehen, und einem als Zuschauer lautstark entgegenzubrüllen, was genau jetzt geschieht und warum, obwohl wir das offensichtlich sehen, weil sie das Publikum für genauso dämlich zu halten scheinen, wie die Charaktere in der Serie.

Aber hey, Phantom Blood ist ja immerhin super kurzgehalten und auch die am wenigsten beliebte Story Arc, es kann ja noch besser werden.

Battle Tendency dreht sich um Jonathans Enkel Joseph Joestar, der gegen drei wiedererweckte Supervampire kämpfen muss, welche die Steinmasken ursprünglich entworfen haben. In bester Shonen-Kampf-Serien-Manier mit ordentlich Trainingsmontage bei Lehrerein Lisa Lisa und mit einem Kerl an der Seite, der vom Rivalen zum Freund wird.

Und ehrlich gesagt viel besser wird es nicht. Das Pacing ist nicht mehr ganz so hakelig, da man nun mehr Episoden zur Verfügung hat. Aber der Rest der Serie konnte mich dennoch nicht überzeugen. Weiterhin sind alle Charaktere lautstark und nervtötend am Rumschreien, um das eh schon Gesehene noch mal dem Zuschauer klarzumachen. Jojo ist ein super Beispiel wie man „show, don’t tell“ nicht macht. Speedwagon verkommt absolut zum Nicht-Charakter, der nur an der Seitenlinie rumschreit statt je was zu machen. Und Joseph ist einfach nicht sonderlich sympathisch.

Alle Charaktere werden als so edel und nobel und intelligent, oder als absolut böses Superwesen porträtiert, aber das erneut mehr in Worten als in Bildern. Es gibt allgemein absolut kein Build Up für plötzlich super dramatisch eskalierende Sachen. Wenn Charaktere sterben, dann ist da keine Emotion dahinter, egal wie lauthals alle anderen Rumheulen.

Und gut aussehen tut die ganze Angelegenheit auch noch nicht mal. Dabei ist Araki dafür bekannt, dass seine Zeichnungen super stylisch sind. Ein wenig sieht man das Aushängeschild noch. Araki ist dafür bekannt europäischen Glamour und High Fashion zu mögen. Das merkt man daran, wenn der finale Showdown gegen ACDC plötzlich in Sankt Moritz stattfindet. Das sieht man daran, dass seine muskulösen Kerle ständig posieren wie in High Fashion Shoots und der Kleidungsstil sehr heraussticht. Und natürlich sind die meisten Charaktere nach Bands und Songs benannt. Aber all das kommt in der Serie nicht wirklich visuell besonders herüber. Die Openings sind super stylisch und gut durchanimiert, und in den eigentlichen Episoden sieht man davon nichts mehr. Hin und wieder werden Sound Words auf den Bildschirm gekleistert, und wenn doch mal ein Charakter introspektiv nachdenkt statt alles laut herauszuschreien, wird die Szenen manchmal im Regenbogen eingefärbt. Aber die meiste Zeit ist weder der Zeichenstil sonderlich konsistent, noch die Animationen besonders flüssig, noch die Cinematographie besonders interessant.

Ich hoffe ein wenig, dass sich all dies bessern wird. Wie gesagt ist die nächste Story Arc jene, die so richtig populär wurde. Von daher hoffe ich einfach, dass die Handlung interessanter wird. Und das mit einer kompletten Staffel für die Story Arc auch mehr Zeit ist, Dinge sacken und sich aufbauen zu lassen, statt aus dem Nichts zu eskalieren. Und das David Production endlich ein Budget bekommt, so dass die Serie auch visuell mehr zu den Openings stilistisch aufzieht statt so nüchtern daherzukommen.

Denn ein wenig mögen wollte ich JoJo schon. Der Stilbruch zwischen dem maskulinen Shonen Anime und der High Fashion Optik versprach interessant zu sein. Und extrem melodramatisch voller strunzdummer Charaktere zu sein kann auch seinen Charme haben. JoJo bringt alles dazu mit, eine unterhaltsame Soap Opera zu sein. Doch der Funke wollte in der ersten Staffel noch nicht dauerhaft für mich überspringen.

Godzilla vs Kong & Singular Point

ava-2659Und schon widmen wir uns wieder einem Altbekannten, der uns im letzten Jahr sogar gleich zweimalig besucht hat. Denn sowohl das amerikanische MonsterVerse ging mit Godzilla vs Kong in die nächste Runde, als auch mit Singular Point ein neues Anime in die Startlöcher gestellt wurde.

Godzilla vs Kong baut dabei natürlich sowohl auf die beiden vorigen Godzilla-Filme auf, die seit dem 2014er Reboot erschienen sind, wie auch auf Kong: Skull Island. In der hiesigen Kontinuität sind die Kaiju also bekannte Größen, die jederzeit auftauchen können, weswegen die Organisation Monarch sie zu erforschen hofft. Das tun sie aktuell beispielsweise mit Kong, der unter einem Dom gefangen ist, der ihm vorgaukeln soll, weiterhin auf Skull Island zu sein. Was nicht so ganz gelingen will, aber die Gehörlose Adoptivtochter der Hauptforscherin im Projekt kann ihn immer wieder beruhigen, denn die beiden verständigen sich über Zeichensprache.

Derweil ist die Firma Apex daran interessiert, in das Erdinnere einzudringen, da man von der Theorie der hohlen Erde überzeugt ist, und dort ein Ökosystem mit enormer Energiequelle vermutet, welche die Menschheit in eine neue Zukunft leiten kann. Da es sich um den ehemaligen Lebensraum der Superbestien handelt, soll Kong sie dorthin führen.

Aber auch mit Godzilla muss gerechnet werden, welcher von den Energiequellen und Anwesenheit Kongs angezogen wird, da es ja bekanntlich nur einen unter den Kaiju geben kann, und die sich zum ständigen Kampf zueinander gezogen fühlen. Am Ende darf sogar noch Mecha Godzilla mitmischen, der dank der Energie aus einem der Ghidora-Schädel zum Leben erweckt wird.

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Es ist schon etwas merkwürdig den Film in 2021 zu schauen. Denn er geht hart auf Verschwörungstheorien ein. Nun ist es nicht ungewöhnlich in solchen Filmen, dass es die kleine Widerstandbewegung gibt, welche die wahren Machenschaften aufzudecken weiß. Oder das genau der eine Wissenschaftler, auf den niemand gehört hat, Recht hatte. Mittlerweile sind aber eben auch so viele verschrobene Verschwörungstheoretiker in der Realität sehr laut geworden, welches es etwas schwer macht, auf jene Underdog-Geschichten zu bauen.

Das ist nämlich auch im Prinzip, was nun die Lücken zwischen den Monsterkämpfen füllt. Die Godzilla-Filme waren ja noch nie sonderlich herausragend darin, den Zuschauer für die menschliche Komponente zu interessieren, auch wenn deren Perspektive die Filme eigentlich erden soll. Und ich meine damit nicht nur den Reboot, sondern die komplette Franchise, erinnere an der hiesigen Stelle daran, dass ich im Vorläufer zum hiesigen Blog mich durch alle japanischen Filme und einige Spinoffs geschaut habe. Godzilla vs Kong setzt dann auch darauf, dass man sich automatisch auf diverse Archetypen einlassen kann und bietet abgesehen von der Bindung des tauben Mädchens zu Kong wenig Charakterisierung.

Im Gegensatz zum 2014er-Film, dem der menschliche Blickwinkel auf die Katastrophe allerdings wichtig war, und das mit absoluten Pappaufstellern als Hauptcharaktere vermasselt hat, geht es Godzilla vs Kong aber auch wesentlich mehr um die Monster. Darum, sie cool in Szene zu setzen und sie sich regelmäßig brachial kloppen zu lassen. Ja am Ende dürfen die beiden sogar ihre Differenzen beiseite legen und kooperativ den Mecha Godzilla ausschalten. Genug Spektakel und Action ist also da.

Und als solches reines Popkorn-Kino unterhält der Film auch gut. Kein Hirn aber dafür viel Action. Uns wurden zwei Kaiju und ordentlich Haudrauf versprochen, und das bekommen wir auch geliefert. Nicht mehr und nicht weniger.

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Das 13 Episoden Anime Godzilla: Singular Point will da schon intelligenter sein. Setup ist das Jahr 2030, bei dem wir zwei verschiedenen Charakteren folgen, die zwangsläufig über das gleiche Phänomen zusammengebracht werden. Arbeiter Yun soll eine mysteriöse Energie-Fluktuation in einer verlassenen Villa untersuchen. Verursacht wird das durch einen Apparat, der plötzlich angefangen hat, einen alten Song zu spielen. Physikstudentin Mei derweil soll den Arbeitern der Misakioku-Organisation dabei helfen, plötzlich aufgetretene unbekannte Signale zu identifizieren. Auch hier steckt jenes altertümliche Lied dahinter. Was beide noch nicht wissen ist, dass im aufgegebenen Keller von Misakioku ein Godzilla-Schädel liegt, der plötzlich seine Aktivität wieder aufgenommen hat. Das weltweit aufkommende Phänomen von rotem Staub und wiedererweckten prähistorischen Kaiju lenkt davon natürlich auch gewaltig ab.

Der Elefant im Raum ist zunächst schonmal, dass die Serie zwar Godzilla im Namen trägt, das titelgebende Monster in voller Pracht aber erst gegen Ende zu sehen sein wird. Stattdessen fallen erst Mal diverse Kaiju, viele davon Neuinterpretationen alter Bekannter aus der Franchise, über die Erde her. Selbst ein im charmanten Retrocharme designter Jet Jaguar darf seinen Auftritt in Singular Point haben. Wer damit zufrieden ist, generell viel Kaiju-Action zu Gesicht zu bekommen, und nicht unbedingt Godzilla vermisst, bekommt schon sein Fett weg.

Wer allerdings nur Action sehen will, dem wird die Handlung immer wieder dazwischen funken. So interessant das Mysterium darum, warum die Kaiju plötzlich auftauchen, auch ist, so sehr verliert sich Singular Point nämlich auch gerne in langen Gesprächen über theoretische Physik und damit einhergehende parallele Zeitlinien etc. pp. Das lässt die Serie durchaus erstmal smarter erscheinen als viele andere Godzilla-Produktionen, am Ende kommt aber auch die Frage auf, ob all dies zur Erklärung wirklich nötig war. Das Hirn schalte schon gern mal auf Durchzug, wenn wieder ein mehrere Minuten langer Textnachrichten-Austausch zwischen Yun und Mei beginnt, bei dem man eh nur die Hälfte des Techno-Babbles versteht.

Man kann also sagen, dass Singular Point fast ins entgegengesetzte Extrem so vieler anderer Godzilla-Projekte verfällt. Es mag es zwar schaffen neben der Monster-Action auch tatsächlich ein interessantes Mysterium um deren Erscheinen aufzubauen, schlägt dabei aber immer mal wieder über die Stränge, dies wissenschaftlich fundieren zu wollen. Macht die Serie dahingehend manchmal etwas anstrengender als nötig, aber unterm Schnitt bleibt sie absolut schauenswert. Besonders für alteingesessene Fans, die was damit anfangen können, wenn plötzlich Manda oder Kumonga aus der Showa-Ära auftauchen.

Netflixvania

ava-2637Wir kommen zurück zu Castlevania, bleiben aber bei den Netflix-Serien. Deren Herangehen an Castlevania will ich nämlich auch schon eigentlich ewig schauen, habe es dann aber immer wieder doch verschoben. Da sie mittlerweile allerdings mit Staffel 4 abgeschlossen ist, fasste ich mir ein Herz. Rein in die 32 Folgen also!

Ich kann mich sogar noch gut daran erinnern, wie Mitte der 2000ern die Nachricht eintrudelte, dass ein Film basierend auf Castlevania geplant war. Da konnten die entsprechenden Gaming-Communities natürlich mal wieder schön am Rad drehen, obwohl dann wie gar nicht mal so unüblich nichts dabei rum kam. Zumindest zunächst nicht, denn Castlevania verschwand in der Developement Hell, bis es gut zehn Jahre später eben auf Netflix als Serie wieder auftauchte.

Es ist der Serie allerdings durchaus noch sehr stark anzumerken, dass das frühere Konzept mal eine Film-Trilogie war. Gerade die erste Staffel von gerade mal 4 Folgen fühlt sich doch bedächtig danach an, als hätte man das Script des ersten Filmes schlichtweg aufgeteilt. Wir sehen zunächst die Backstory wie Dracula auf seine menschliche Frau traf und nach deren Hinrichtung als Hexe seine Rache über das Land verbreitete. Wir treffen auf den letzten Belmont Trevor, wie er zu Magierin Sypha findet, und am Ende der ersten Staffel stößt Alucard zu ihnen, um endlich den Zug gegen Draculas Schloss zu starten.

Wichtig hierbei ist zu erkennen, dass sich die Serie die Grundlagen von Castlevania III nimmt, aber letztendlich sein eigenes Ding draus dreht. Wie dort überzieht Dracula das Land mit Terror. Wie dort kommen Trevor, Sypha und Alucard zusammen (Grant fehlt allerdings). Letztendlich holt sich die Serie Inspiration aus mehreren Spielen über ihren Verlauf hinweg, ohne sich zu sehr von denen zurückhalten zu lassen. Was wahrscheinlich eine gute Idee ist, um besser in die neue filmische Struktur zu passen.

Es ist aber durchaus auch immer wieder cool, wenn man dann einen direkten Nod findet. Wenn zwischen den eher generischen Monstern von Dracula einer der Spielebosse auftaucht. Wenn in der Bibliothek der Belmonts das Skelett einer Skelettschlange liegt. Oder ein Bildnis des Hauptcharakters aus Lament of Innocence hängt. Und natürlich wenn plötzlich Bloody Tears loslegt beim Sturm auf das Schloss.

Man kann dann auch davon ausgehen, dass die 8 Folgen von Staffel 2 hauptsächlich aus den Scripten der verbliebenen zwei Filme bestehen. Wobei einige neue Charaktere auf der Seite Draculas eingeführt werden, unter anderem bekannte Spiele-Gesichter wie Carmilla, Isaac oder Hector, erneut mehr oder weniger verändert zu ihren dortigen Pendanten. Gerade jene drei wirken doch nachträglich reingeschrieben, um Futter für die folgenden Staffeln zu haben. Was leider auch dazu führt, dass jene Diener Draculas, die mit ihm in dieser Staffel untergehen, wenig Charakterisierung bekommen. Es wirkt so doch etwas, als würde die Staffel zunächst Luft treten, bis es dann ins heiße Finale gehen kann.

Nachdem geteased worden war, dass Dracula wiederbelebt werden könnte, was ja auch in den Spielen reichlich geschieht, ging ich davon aus, dass Staffel 3 hauptsächlich der Kampf gegen Carmilla sein würde, und Dracula dann für die finale vierte Staffel wieder herhält.

Umso überraschter war ich, als Staffel 3 dann erneut ein wenig so wirkte, als ob Luft getreten wird. Es geschieht tatsächlich so einiges bei den unterschiedlichen Charakteren, die diesmal weit über die Welt zersplittert sind. Doch am Ende fühlte es sich einfach etwas für mich so an, als wurde Zeit geschunden, bis es dann in der letzten Staffel zum großen Clash kommen kann. Besonders was Alucard geschieht wirkte doch sehr unnötig.

Letzteres ist dann auch das Einzige, was meiner Meinung nach in Staffel 4 keine wirkliche Auswirkung hat, weil er sofort wieder zum Alucard am Ende von Staffel 2 wird. Doch kann ich sagen, dass nach der wirklich guten vierten Staffel ich auch die dritte in einem anderen Licht sah. Die letzte Staffel ist eben nicht nur das große Finale der Action und Aufeinandertreffen aller angelaufener Charaktere – auch wenn die auch sehr geil ist, besonders der letzte Kampf Carmillas. Nein die letzte Staffel bietet auch überraschend viel Charakterisierung. Die persönliche Handlung eines jeden Beteiligten kommt hier zu einem Abschluss, und das würde dann doch nicht so gut wirken, wenn wir nicht so viel Zeit mit ihnen in Staffel 3 verbracht hätten.

Von daher kann ich summa sumarum nur sagen, dass mir die Serie echt gut gefallen hat. Sie hat ihre Höhen und Tiefen, es ist halt doch ein etwas steiniger Ritt gewesen die Developement Hell Filme in eine längere Serie zu bringen. Doch am Ende hat es sich gelohnt. Ich fand die Charaktere interessant, es gab immer genug Action oder schnippische Gespräche, um am Ball zu bleiben. Lediglich die Animation braucht etwas, bis sie auf Höhe kommt.

Twinkle Yell!, or Watching Sailor Moon Eternal

ava-2617Gefühlt ewig ist es her, dass wir das letzte Mal über Sailor Moon Crystal gesprochen haben. Immerhin handelt es sich dabei um das Geburtstagsprojekt zum 10-jährigen Jubiläum der Franchise, welches Manga-getreu jenen in ein neues Anime fasst. Nächstes Jahr wird die Reihe nun schon 20 Jahre und wir sind noch nicht mit dem Crystal-Projekt durch.

Zugegeben fing die Ausstrahlung des Projektes auch verspätet an, nämlich erst 2014 auf Nico Douga, als die ersten beiden Story Arcs als Sailor Moon Crystal gestreamt wurden. Aber bereits 2016, dem Jahr nach deren Ende, lief im japanischen TV mit Season III schon der nächste Handlungsstrang. Anfang 2017 dann die Bestätigung, dass auch der Dream-Teil des Mangas um den Dead Moon Circus ein Anime bekommen würde. Mitte 2017 jedoch die überraschende Ansage, dass es keine TV-Staffel, sondern in zwei Filmen erzählt werden wird. Und dann lange Stille. Letztendlich wurde das Release auf das unheilschwangere Jahr 2020 gesetzt, anschließend prompt wegen Covid verschoben. Aber jetzt, 2021 ist es endlich soweit: Die vierte Story Arc Sailor Moon Crystal ist draußen, wenn auch mittlerweile umbenannt als Sailor Moon Eternal.

Und es kann den Filmen wirklich niemand nachsagen, dass sie nicht genau das liefern, was das Konzept des Reboots ist: Die einzelnen Kapitel des Mangas weitestgehend getreu wiederzugeben statt wie im früheren Anime teils eigene Wege zu gehen.

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So macht sich Chibi Usa am Anfang von Part 1 bereit, ins 30. Jahrhundert zurückzukehren, ihre Zeitreisefähigkeiten werden allerdings blockiert, nachdem durch eine Mondfinsternis der Dead Moon Circus sich in der Stadt eingenistet hat. Auch die Verwandlungen der Sailor Senshi werden zunächst blockiert. Helios sucht Chibi Usa in ihrem Traum auf, verleiht ihr und Usagi neue Kräfte fürs Kämpfen. Das Amazonentrio greift die restlichen Mädels an, die in der Gefahrensituation auch zu neuen Kräften erwachen und die drei Feinde schnell aus dem Weg räumen. Das Amazonenquartett macht anschließend ernst.

In Part 2 sehen wir dann die ehemaligen Outer Senshi in ihrem neuen beschaulichen Leben, das natürlich ebenfalls nicht lang anhält, bevor sie ihre Verwandlungskräfte zurückerlangen, um den anderen Mädels auszuhelfen. Wir finden heraus, dass die wahre Schurkin Nehallenia ist, die von Queen Serenity im Silver Millennium versiegelt wurde. Mit vereinten Kräften wird gegen sie angegangen.

Die Filme sind genau genommen sogar noch stärker am Manga, als die vorigen drei Staffeln das waren. Mit zwei Parts a 80 Minuten ist die Laufzeit letztendlich ja auch eher die einer halben Staffel, es muss also wenig zusätzlich Zeit gegenüber den vorigen drei Arcs aufgefüllt werden. Immerhin ist so ein Manga-Kapitel an sich doch etwas wenig Stoff für volle 20 Minuten TV-Folge. Die einzig nennenswerte Änderung ist, dass das Amazonentrio etwas sympathischer charakterisiert wird, da sie nun auch ihre eigenen Träume haben, die sie verwirklichen wollen. Bekanntlich sind Zukunftsträume und die auf ihnen basierende Hoffnung das Thema der Dream Arc. Sie geben den Figuren nicht nur Kraft, sondern Zweifel an ihrer Erfüllung auch Schwächen und Angriffsflächen.

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Für mich persönlich liegt in der Originaltreue aber auch genau der Schwachpunkt der Filme. Den Manga fast 1:1 Kapitel für Kapitel nachzuerzählen funktioniert besser in einer ebenso episodischen Serienform, aber weniger gut in einem abendfüllenden Filmformat. Hier wäre es durchaus interessanter und besser gewesen, die rigorose Struktur etwas aufzubrechen und mehrere Handlungen miteinander zu verweben und gleichzeitig laufen zu lassen. Stattdessen kommt Problem A auf, es wird relativ schnell aus dem Weg geräumt, wir kommen zu Problem B usw. Besonders offensichtlich ist das in Part 1. Wenn zunächst Chibi Usa und Usagi ihre Alter tauschen, nur damit das nach kurzem Drama schon wieder bereinigt ist, und dann eine der anderen Inner Senshi nach der anderen angegriffen wird, den Gegner besiegt, und die nächste dran ist. Diese sehr kurzen einzelnen Ereignisse mit ihren schnellen Resolutionen lassen Sailor Moon Eternal einfach häufig so wirken, als schaue man die zusammengeschnittene Cliffnotes-Version einer TV-Staffel statt eines komplett von Grund auf selbst animierten Projektes. Dabei hilft es nicht, dass die Animationen ebenso nie über das Niveau der vorigen drei Staffeln gelangen.

Von daher bleibe ich tatsächlich mit gemischten Gefühlen zurück. Die beiden Filme waren kurzweilig und ganz nett. Wahrscheinlich auch aus Nostalgie, die Sailor Senshi mal wieder in neuer Aktion zu sehen. Aber das Großereignis, welches eine Neuverfilmung des Klassikers hätte werden können und sollen, vor allem in kinoreifes Filmformat gefasst, ist mal wieder nicht dabei rausgekommen.

Our Story & Mewtwo Strikes Back

Vor fünf Jahren war das große 20. Geburtstagsjahr von Pokemon. Dazu habe ich ein paar Spiele erneut gespielt, ein paar Nachahmer auch, und sogar alle damals erhältlichen Filme beschaut. Da dies fünf Jahre her ist, haben wir natürlich mittlerweile schon den nächsten Meilenstein erreicht. Ein Vierteljahrhundert Pokemon. Wenn man sich als Spieler der ersten Gen da nicht alt fühlt. Zur Feier habe ich dann mal die (fast) aktuellsten zwei Filme geschaut.

Pocket Monsters the Movie: Our Story setzt dabei zwar die alternative Timeline des vorigen Filmes fort, ist aber ziemlich von allem losgelöst alleine genießbar. Satoshi reist hier nämlich alleine mit seinem Pikachu durch die Gegend und kommt aktuell in Fula City an. Die Stadt hat eine Legende darüber, dass das Tal ehemals schwer zu besiedeln war, bis Lugia wortwörtlich für frischen Wind sorgte. Nun wird ein Mal im Jahr das Windfest groß gefeiert, in der diese Bande mit Lugia erneuert wird. Natürlich steht genau das Fest gerade an.

Neben Satoshi hat die Feier auch jede Menge andere Leute zu den Festlichkeiten getrieben. Lisa zum Beispiel, die nach einem Unfall ihre Karriere als Profiläuferin aufgegeben hat, und für ihren kleinen Bruder ein Pokemon fangen gehen soll. Kagachi, der notorische Lügner und Geschichtenerzähler, ist mit seiner Schwester und die ihn anhimmelnde Nichte vor Ort. Team Rocket treibt wie immer ihren Schabernack. Und dann haben wir noch ein paar lokale Charaktere. Torito ist ein brillianter Pokemon-Forscher, der zu viel Lampenfieber hat, um seine Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die alte Dame Hisui hat eine Aversion gegen Pokemon, seitdem ihr eigenes vor 50 Jahren im großen Waldbrand ums Leben gekommen ist. Die Tochter des Bürgermeisters, Largo, derweil hat in den seither verbotenen Wäldern das Pokemon Zeraora getroffen, vor dem allen Angst gemacht wird.

Der Film trägt den Namen Our Story dabei zu Recht. Denn es geht Mal nicht zentral nur um Satoshi und sein Super-Pikachu, sondern tatsächlich um alle diese Menschen. Es ist die Geschichte von allen. Am Ende geht ne Menge auf einmal schief. Der Wind erlischt. Ein giftiges Gas bedroht die Stadt. Ein weiterer Waldbrand bricht aus. Ist schon fast etwas komisch, man fühlt sich fast in einem Katastrophenfilm von Roland Emmerich. Aber um all das gleichzeitig in den Griff zu bekommen braucht es eben auch den Einsatz und die Kraft vom ganzen Ensemble an Hauptcharakteren gleichzeitig, die alle über ihr vorher ausreichend etabliertes Problem hinwegkommen.

Dadurch geht es diesmal im Film auch überraschend wenig um Pokemon. Natürlich sind die allgegenwärtig. Das alltägliche Leben mit jenen Kreaturen wird hier gut dargestellt. Und auch gekämpft wird etwas, was wie der Rest des Filmes gut durchanimiert ist. Aber das Hauptaugenmerk der Handlung sind diesmal die menschlichen Charaktere und ihre Beweggründe. Die Geschichte um Furry-Bait Zeraora ist mit das schwächste Element des Filmes, weil einfach weniger interessant.

Am Ende des Tages ist Our Story einfach ein echt guter und unterhaltsamer Film. Sympathische Charaktere, attraktiv designt, eine dynamische Welt, gut durchanimiert, und genug passiert, so dass es nie langweilig wird.

Der Pokemon-Film, der 2019 den jährlichen Slot in den japanischen Kinos besetzte, sollte hingegen etwas ganz Besonderes werden. Keine neue Erzählung war er, sondern mit Mewtwo Strikes Back: Evolution wurde ein Remake des allerersten Filmes präsentiert. Komplett in CG statt der üblichen 2D-Animation. Schon irgendwie komisch, dass der nicht genau 20 Jahre nach dem ersten Film gebracht wurde, sondern ein Jahr darauf.

Viel zu sagen gibt es über den Film dabei nicht, denn er ist mehr oder weniger ein 1:1-Remake geworden. Mewtwo wird aus der DNA des legendären Mews in einem Labor gezüchtet. Hat Minderwertigkeitskomplexe. Zerstört die Anlage. Wird von Giovanni, dem Leiter Team Rockets, ausgenutzt. Flieht desillusioniert auf die Insel. Lädt ein paar Trainer, darunter die Orginal Dreier-Reisegruppe ein. Lässt seine Klone gegen deren Pokemon kämpfen, um zu beweisen, dass sie stärker sind. Satoshi versteinert beim Aufeinanderkrachen der Psychokräfte von Mew und Mewtwo. Wird wieder gesund geheult. Alle sind gute Freunde, Mewtwo macht den Gedächtnis-Wipe, Credits und Ende.

Die meisten Veränderungen im Film sind eher kleinerer Natur. Die Szenenreihenfolge und ihr Inhalt sind alle erhalten geblieben. Die Original-Designs der Charaktere wurden nicht überarbeitet oder modernisiert. Selbst Pokemon, die nach der ersten Gen erschienen sind, hat man wiederstanden einzufügen. Eine Action-Szene hier und dort mag nun ein bisschen länger gehen. Oder die Überfahrt zur Insel fährend des Sturms umdesignet. Wirklich auffällige Änderung gibt es aber letztendlich nur eine.

Und zwar basiert der Film auf dem internationalen Kinorelease statt auf der kompletten japanischen Version. Das bedeutet, dass der Prolog um Mewtwos Kindheit fehlt. Wir finden also nicht mehr heraus, dass er mit Klonen der drei Starterpokemon aufgewachsen ist, was erklärt, warum er genau deren drei Endformen am Ende des Filmes in den Kampf führt. Oder das der Professor das Klonexperiment gestartet hat, um seine tote Tochter wieder zum Leben zu erwecken.

Dadurch fehlt dem Film selbstverständlich etwas an dem Gravitas, der im Original vorgeherrscht hat. Was schade ist, denn am Rest habe ich nichts zu meckern. Wie gesagt halten sich die Änderungen in den restlichen Szenen zu sehr zurück, um ihn als schlechter als das Original ansehen zu wollen. Auch mit der CG-Animation habe ich keinerlei Probleme. Die simplen Designs der Franchise eignen sich sehr gut für den Stil und man muss der Computer-Animation zu Gute halten, dass durch sie viel mehr detaillierte Animationen und aufregende Kamerafahrten möglich sind, die bei traditioneller 2D-Animation einfach ungleich mehr gekostet hätten. Das Fehlen der einen Szene ist der einzige Grund, warum ich Evolution als schwächer gegenüber des Originals einstufen würde.

Digimon, Pokemon & Clear Cards

Schon wieder Quickies? Schon wieder Quickies! Diesmal zum Thema Anime. Weil ich da drei gesehen habe, über die es zwar was zu sagen gibt, aber nicht unbedingt viel. Deswegen das alles voll effizient und ökologisch wertvoll zusammengebündelt, statt einzeln rausgehauen zu werden.

Digimon X-Evolution
Zunächst geht es direkt mit Digimon weiter. Und zwar dem Fernsehfilm X-Evolution. Keine Relation zur TV-Staffel Digimon X-cross. Sondern auf sich alleine stehend. Und komplett in der Digimon-Welt veranlagt und nur mit Digimon in den Rollen. Da die ja richtig sprechen können und eine eigene Gesellschaft haben, statt wie Pokemon Tiere zu sein, kann man das ja mal machen.

Und es ist herrlich dämlich. Also irgendwie gab es eine Art Apokalypse, nur noch wenige Digimon sind im von Gottheit Yggdrassil beherrschten Gebiet beheimatet. Aber der will einen Teil davon auslösen, weil es immer noch zu viele sind. Was in seinem Auftrag eine Art Ritterbund macht. Die haben aber nicht mit dem Erlöser-Digimon gerechnet, was von Wolfvieh zu Supermecha evolutionieren kann. So oder so ähnlich, denn trotz der gerade mal ca. 80 Minuten geschieht hier so viel Zeug mit so wenig Erklärungen, dass es echt schwer ist am Ball zu bleiben und die Übersicht zu behalten, was wir jetzt warum genau machen. Wer wen weshalb bekämpft.

Ich kann mir halt einfach das Lachen nicht verkneifen. Wenn, was Dank des CG und der üblichen Designmentalik der Franchise wie edgy Plastikfiguren aussieht, plötzlich anfängt Götter anzubeten, sich heldenhafte Ritterduelle liefert, eine Existenzkriese erfährt, oder darüber philosophiert, ob ein wenig Genozit bei zu hoher Überbevölkerung nicht doch gut ist. Es ist einfach sowas von lächerlich, dass es aus allen nicht gewollten Gründen eigentlich sogar ganz gut unterhält.

Pokemon: Twilight Wings
Pokemon: Twilight Wings hingegen ist ziemlich bodenständig. Denn es sind nur 8 Folgen von jeweils unter 10 Minuten, die zusätzlich gratis gestreamt wurden. Das Konzept ist, dass jeweils ein kleiner Einblick in einen Charakter aus den aktuellen Schwert/Schild behandelt wird. Lose zusammengehalten durch den narrativen Faden eines kleinen Jungen im Krankenhaus, der sich nichts sehnlicher wünscht, als irgendwann im Stadium zusehen zu können, wie der Champion seinen Rang verteidigt.

Mal bekommen wir einen Eindruck in die herzige Beziehung von Hop mit seinem Pokemon. Den hektischen Alltag von Workaholic Olivia. Yaroo inmitten seiner Schafherde, Kate bei ihren Modeljobs, Saida hart im Training. Plus eine nachgeschobene achte Folge, die stark den DLC anpreist. Kaufen Kinder, kaufen.

Aber tatsächlich fand ich die Episoden sehr unterhaltsam und herzig. Sie tun das, was der Anime sonst nicht schafft. Und zwar einem die Pokemon-Welt tatsächlich als lebendiges Ökosystem, das ganz normale Zusammenleben mit den Pokemon, zu zeigen. Wobei ich hier der TV-Serie natürlich auch Unrecht geben kann, denn ich habe davon ja nur damals die ersten Staffeln gesehen. Twilight Wings bietet auf jeden Fall sehr schön inszenierte und gut animierte kurze Ausflüge in die Welt von Schwert/Schild.

Card Captor Sakura: Clear Card
Zum Schluss haben wir noch Card Captor Sakura: Clear Card, von dem ich anfänglich gedacht hätte, bestimmt mehr schreiben zu müssen. Aber so wirklich bewahrheitet hat sich das nicht. Nachdem Clamp mit Tsubasa und xxxholic fertig waren, sind sie auf den Zug aufgesprungen, späte Sequels oder Reboots zu starten, um die Nostalgie derjenige, die um 2000 rum Kinder/Jugendliche waren, zu melken. In dem eine dritte Story Arc Card Captor Sakura gestartet wurde, dessen Manga bis heute noch läuft. Während das Anime bisher aus einer Staffel an 22 Episoden aus 2018 besteht.

Drei Jahre sind vergangen und Sakuras Karten werden plötzlich zu reinen glaskaren Hülsen. Aber neue Dinge machen die Stadt unsicher, die sich von ihr fangen lassen und zu ganz neuen Karten werden. Die allerdings häufig ein Äquivalent zu den Alten darstellen. Shaoran ist auch aus Hong Kong zurück, um nun an Sakuras Seite zu bleiben. Und ein neues Mädchen ist mit ihrem Butler ins ehemalige Haus von Eriol eingezogen, was sicherlich keinerlei Wichtigkeit haben wird.

Ich muss sagen, dass ich Clear Card zwar ganz nett fand, es mich aber nicht ganz abgeholt hat. Zunächst einmal ist das Pacing ganz komisch. Es macht fast den Eindruck, als hätte man dem Team kurz vor Schluss erst gesagt das… nun ja halt eben Schluss ist. Die Serie plätschert so ein wenig mit episodenhaften Eskapaden vor sich hin. Was nicht schlecht ist, die Original Clow Cards Story Arc ist ja auch so. Halt einfach jeweils die Charaktere und ihre Beziehungen etwas näherbringen und nebenbei die Karte des Tages fangen zu müssen, die narrativ wesentlich weniger wichtig ist. Doch dann auf die letzten zwei Folgen wird plötzlich ein Ball an Exposition losgetreten und ein frühzeitiges Finale geschaffen, welches sich aber wieder ausnullt, weil die Handlung ja eigentlich noch weitergeht. Das wirkte plötzlich etwas überstürzt.

Eine andere Sache, über die ich mich Gedanken beim Schauen gemacht habe, sind die Charaktere. Und zwar, ob sie eindimmensionaler geworden sind. Irgendwie kam es mir etwas so vor, als wären sie hautpsächlich nur One Trick Ponys. Kero-chan ist verfressen. Tomoyo hat eine Obession Sakura zu filmen. Shaoran hat eigentlich gar keine Persönlichkeit mehr, außer das seine Gefühle zu zeigen ihn peinlich berührt macht. Ich fand die Charaktere immer noch sehr niedlich und unterhaltsam, bin mir aber nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich sie aus der vorigen Serie noch so gut kenne. Wäre interessant zu wissen, ob sie einem auch ans Herz wachsen, wenn man nur Clear Card geschaut hat.

Das soll wie gesagt nicht heißen, dass Clear Card schlecht ist. Es ist immer noch eine ganz nette kleine Serie zum Entspannen und nebenbei wegschauen. Aber so gut wie die Sakura Card Arc der ersten Staffel wurde es halt im CCS-Anime auch leider nie wieder.