Junji Ito Collection

Mensch die Zeit vergeht ja wirklich wie im Fluge, wenn man alt ist. Da ist es doch tatsächlich bereits 2012 gewesen, dass ich mich durch einige der Manga von Junji Ito gelesen haben. Darunter vor allem seiner bekanntern und längeren wie Tomie, Uzumaki und Gyo. Aber auch ein paar Bände seiner Kurzgeschichtensammlungen, wo die Storylines je nur ein Kapitel einnehmen.

Ich hatte damals gesagt, dass mir Junji Ito tatsächlich in der Kurzform gefälliger ist, als in Langform. Meiner Meinung nach eignen sich seine schrägen Ideen immer mehr dafür, nur kurz aufgezeigt zu werden und den Leser dann ohne Erklärung stehen zu lassen. Bei seinen längeren Werken hingegen kommt es oft zu seltendämlichen Erklärungsversuchen und/oder es werden immer schrägere und schrägere Ereignisse oben aufgeladen, bis ich irgendwann so ein wenig raus bin. Hellstar Remina zum Beispiel hat mir gut gefallen, so lange es darum ging, die menschlichen Abgründe zu zeigen, wenn alle kollektiv mit dem nahestehenden Tod konfrontiert werden… als Leute dann plötzlich bis in die Stratosphäre springen konnten, war ich dann aber raus.

Jedenfalls sollte die 2018er Netflix-Serie Junji Ito Collection genau mein Ding sein. Zumindest vom Konzept her. Immerhin wurden hier seinen Kurzgeschichten für die einzelnen Episoden aufgegriffen. Jeweils sogar zwei, mal teilen die sich die Laufzeit, mal nimmt eine fast die ganze Folge ein und die zweite ist nur ein kurzminütiger Epilog. Es kann also auch nicht Gefahr gelaufen werden, dass die Geschichten überstrapaziert und verwässert werden, weil plötzlich 20 Seiten Manga ganze 25 Minuten Episode füllen müssen, sondern das individuell anpassbar war. Alle Zeichen stehen also auf Erfolg.

Etwas fragwürdig ist es allerdings schon, dass der Großteil der ersten Folge von einer Souichi Storyline eingenommen wird. Ein schräger Schüler, der auf Okkultes steht, und Leute dadurch auch manipuliert, aber eher eine Witzfigur darstellt. Nun würde ich sagen, dass Junji Itos Storylines eh nicht vornehmlich Horror sind. Lasst mich das erklären. Meiner Meinung nach sind Itos Geschichten mehr „Schaut euch dieses merkwürdige Ereignis an“, nur dass die Ereignisse häufig mehr oder minder stark urmenschliche Ängste ansprechen. Aber er scheint mir immer mehr darum bemüht schräge Sachen zu zeigen, statt immer direkt darum bemüht eine Horrorgeschichte zu fabrizieren. Letztendlich hat er ja auch ein paar Comedy-Strips gezeichnet, inklusive dem Yon & Mu Manga über das Leben mit seinen Katzen. Jedoch kennt jeder Junji Ito immer nur als den Horror-Typen. Von daher finde ich es schon etwas merkwürdig die Serie ausgerechnet auf einer der humoristischeren Geschichten zu beginnen. Und auch nicht unbedingt einer der besten, meiner Meinung nach. Die Souichi Stories, von denen drei in den 12 Episoden animiert wiedergefunden werden, sagten mir zumindest alle nicht sonderlich zu.

Das ist natürlich allerdings auch zu erwarten. Immerhin werden insgesamt 26 einzelne Geschichten aufbereitet, zwei pro Folge plus zwei nachgeschobene Tomie-Specials. Das dort nicht immer was dabei sein muss, was gefällig ist, ist klar. Zumal die Geschichten wie gesagt zwar immer etwas Unheimliches oder zumindest Übernatürliches an sich haben, ansonsten aber sehr divers sind. Eben eine Collection merkwürdig-unerklärlicher Ereignisse darstellen. In Fashion Model wird eine Crew schon mal von einem Menschenfressenden Monster durch den Wald gejagt. Long Dream hingegen beschäftigt sich mit Leuten, die über endlose Träume eine neue Entwicklungsstufe und eventuell ewiges Leben erlangen. In Cloth Teacher verwandeln sich Leute plötzlich in überzeichnete Karikaturen ihrer selbst, in Slug Girl ein Mädchen in eine Schnecke.

Interessant sind die alle irgendwo. Wenn auch manche mehr auf der konzeptionellen Ebene nette Einfälle und in der Umsetzung dann doch nicht so packend sind. Für mich funktionierte grundsätzlich sowieso häufig der kosmisch-existentielle Horror und Body Horror. Plötzlich überall ständig größer werdende Löcher am Körper zu entwickeln, durch die man sogar die Luft ziehen spürt? Bei jedem Einschlafen länger und länger wegbleiben und irgendwann gar nicht mehr aufwachen zu können? Und ja, auch sich langsam in eine Schnecke zu verwandeln, besonders, wenn die einem aus dem Rachen zu kommen beginnt.

Wobei ich davon ausgehe, dass genau die gleichen Geschichten im Manga besser kommen. Tatsächlich kannte ich noch keine davon, scheinbar waren die nicht in den Bänden, die ich in 2012 von ihm gelesen habe. Was bei der Serie an sich jedenfalls auffällt ist, dass sie schlecht animiert und häufig nicht sauber gezeichnet ist und in den Szenenkompositionen oft der knackige Punch fehlt. Sie leben davon, dass das jeweilige Handlungskonzept an sich schon schrecklich genug ist, ohne der Atmosphäre mit großen cineastischen Stilmitteln beizuhelfen. Und wenn ich mich an eine Sache aus den Ito-Mangas erinnere, dann dass sie voller grausig-detaillierter Zeichnungen sind und die Panel-Abfolge mit packenden Reveals und gutem Fluss daherkommen. Die Serie an sich ist hingegen leider sehr Standard umgesetzt.

Parasite: A Tale of Two Houses

2020 ist doch das perfekte Jahr, um ins Kino zu gehen. Zumindest ins sommerliche Open Air Kino mit schön viel Abstand und frischer Luft zwischen um einen herum. Zumal es die perfekte Zeit ist, um verpasste Blockbuster nachzuholen, weil eh nichts Aktuelles läuft, sondern stattdessen alle drei Tage ein neuer Klassiker rotiert. Wie für mich auch letztendlich den Oscar-Abräumer des Frühlings, das vier Auszeichnungen gewinnende Parasite aus Korea.

Die Familie Kim wohnt ärmlich. In einer Gosse eines Armenviertels, in einer stinkende und schlecht beleuchtete Kellerwohnung, bei der durch die auf Straßenhöhe befindlichen Fenster jeder Dreck reinzieht. Sowohl die Eltern wie auch die beiden Kinder sind arbeitslos. Die Telefone abgestellt. Wifi wird sich von anderen Wohnungen gestohlen.

Da kommt es zu einem Lichtblick. Ein Freund des Sohnes Ki-Woo geht ein Jahr ins Auslandsstudium und bietet ihm an, ein gutes Wort als Nachfolger für den Englischunterricht einer Tochter aus reichem Hause einzulegen. Dass Ki-Woo gar kein Unistudent ist, muss man dabei ja nicht erwähnen, immerhin wird er es, sobald er es sich leisten kann, demnächst ja sein.

Bei der reichen Familie Park angekommen, die wie in einer eigenen abgeschotteten Oase hinter den festen Mauern ihres Grundstücks haust, wickelt Ki-Woo die Mutter auch schnell um seinen Finger und bekommt den Job als Nachhilfelehrer. Als beim Smalltalk fällt, dass der junge Sohn des Hauses künsterlisch veranlagt aber ein Problemkind ist, hat Kim-Woo seine Schwester Ki-Jung ebenfalls schnell unter falschen Tatsachen als Kunsttherapeutin eingeschleust. Jetzt noch schnell den Fahrer und die Haushälterin unter Verleumdungen rausschmeißen lassen, und schon arbeitet die ganze Familie Kim bei den gut bezahlenden Parks.

Dank der Naivität der Parks haben die gerissenen Kims leichtes Spiel mit der Familie. Ki-Woo bandelt sogar mit der Tochter an, um später in den reichen Haushalt einheiraten zu können. Alles scheint nach Plan zu laufen. Zumindest bis die Parks einen Camping-Ausflug machen und die Kims es sich in deren Villa richtig gut gehen lassen. Denn plötzlich steht die vorige Haushälterin vor der Türe. Sie hat nämlich was im Keller vergessen. Ihren im geheimen Bunker lebenden Ehemann. Ab da geht alles bergab.

Parasite ist ein interessanter Film. Er beginnt im Prinzip wie eine schwarze Komödie. Wie sich die Kims mit viel Charme und Witz und leichtfüßiger Hinterhältigkeit zu klassischer Musik in das Leben der Parks bugsieren, ist echt zu viel Schmunzlern gut. Genau wie die Parks sich so weltfremd auf einige Situation verhalten. Und dann, mit der Offenlegung des Geheimnisses im Keller kippt alles. Der Kampf zwischen den beiden ärmlichen Familien verwandelt den Film in einen dramatischen Thriller, aus dem keiner verschont hervorkommen kann, und es nur darum geht, wie lange die Endeskalation noch aufgeschoben werden kann. Der Film legt vom Ton her eine komplette Metamorphose hin.

Als Lackmustest zur Beurteilung des Charakters von denen, die den Film geschaut haben, dient übrigens immer gerne die Frage „Wer ist der Parasit?“. Wer hier mit den Kims antwortet ist Teil der Bourgeoisie, des Problemes. Ohne Empathie für jene, denen es schlecht im Leben geht. Wer identifiziert sich schon mit den Reichen, den habenden Parks? Nein nein, die richtige Antwort ist doch, dass die Parks die Parasiten sind, die ohne die Ausbeutung der Arbeitskraft der von ihnen abhängigen Kims ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen würden. Wozu gibt es immerhin die kurze Szene, nachdem die alte Haushälterin rausgeworfen ist und bevor Mutter Kim als neue eingestellt wird, in der Frau Park hoffnungslos am Haushalt scheitert? Das stimmt schon.

Allerdings verstehe ich, wie man die Kims als die Parasiten sehen kann. Wie sie sich in die unbedachte Familie Park einschleichen und sie ohne Skrupel ausnutzen. Sehe ich das so, weil ich nicht Teil des Proletariats bin und nie ernste Geldsorgen hatte oder in einer Bruchbude dahingesiecht habe? Möglich. Dennoch möchte ich den Gedanken in den Raum werfen das, ja, die Kims können genauso gut wie die Parks als Parasiten angesehen werden. Und das dies den sozialen Kommentar um die kapitalistische Klassengesellschaft des Filmes nicht kaputt macht. Denn wenn die Kims Parasiten sind, dann weil sie es sich nicht anders leisten können. Sie müssen die Parks ausnutzen, wenn sie nicht langsam in ihrer Bruchbude eingehen wollen. Mutter Kim sagt nicht zu unrecht, dass die Parks immer so nette und naive Menschen sind, weil sie es sich leisten können. Weil sie nicht permanent ums Überleben kämpfen müssen. Und das, wie die Auseinandersetzung mit der ehemaligen Haushälterin und ihren Mann zeigt, zum Großteil im Kampf mit anderen Leuten aus der Unterschicht.

Die Parks haben nichts zu verlieren. Sie werden interessanterweise im Film nie als wirklich üble Menschen gezeigt. Oder als ein Menschenschlag, der partout andere zur eigenen Verbesserung ausnutzt. Denn sie sind schon in der Oberschicht angekommen und können es sich im Gegensatz zu den Kims leisten sich chilliger zu verhalten. Ihr Verbrechen ist eher eines von Ignoranz und Vernachlässigung. Sie kümmern sich schlichtweg nicht um ihre Angestellten. Dass der komplette Haushalt der Parks eigentlich eine Kontinentalverschiebung durchgeht, nachdem alle Angestellten in kürzester Zeit komplett ausgetauscht werden, ist gar keine Sache. Für sie sind die austauschbar und niemand spricht je über die langjährigen vorigen Bediensteten, nachdem sie entlassen wurden. Herr Park sagt sogar ein Mal zu seiner Frau, dass bisher mit den neuen alles gut läuft, weil sie noch keine Grenze überschritten haben, auch wenn der Körpergeruch des Fahrers dem schon sehr nahe kommt. Dies zeigt, wie schnell es geschehen kann, von den Parks wieder rausgeworfen zu werden, ohne das die sich groß was dabei denken. Weil eventuell ein ungeschriebener und arbiträrer Deal Breaker vollzogen wurde, von dem keiner was wusste.

Eben weil die Parks nicht übertrieben schurkisch chargieren, entzieht sich die Geschichte der häufigen Fallgrube, dass dies ein an Menschen festgemachter Einzelfall ist. Stattdessen kommen wir dahin zurück, dass im Sinnbild dieser zwei Familien das eigentlich inhärente Problem der Klassengesellschaft aufgezeigt wird. Eine Gesellschaft, in der Reiche ganz natürlich und unbekümmert ihre Angestellten als austauschbare Arbeiterbienen ansehen, weil das als selbstverständlich angesehen wird. Als etwas, was gar nicht hinterfragt werden muss. Währen die Kims zu sehr damit beschäftigt sind um ihr Überleben und gegen andere aufstrebende Arme um die wenigen Möglichkeiten, die ihnen gegeben sind, zu kämpfen. Über gesellschaftliche Probleme philosophieren zu können bleibt da gar keine Zeit. Das System an sich ist der Schurke.

Shubh Mangal Zyada Saavdhan

Hallo Bollywood, so sieht man sich also wieder. Meine Berührungspunkte mit dem indischen Erfolgskino sind kurz und lange her. Auch ich war beim Großereignis dabei, als RTL2 Mitte der 2000 Sometimes Happy, Sometimes Sad ausstrahlte. Einer der erfolgreichsten Bollywood-Filme im Ausland bis zum heutigen Tage. Und damit echt große Einspielergebnisse fuhr, so dass eine Weile lang weiteres Bollywood ausgestrahlt wurde. Da war ich schon nicht mehr dabei, obwohl mir ersterer Film gut gefallen hatte.

So nebenbei habe ich ein bisschen darüber über Molodezhnaja mitbekommen. Mit seinen über 20 Jahren Bestehen auch bereits ein Urgestein im deutschsprachigen Internet, welches ich vor ungefähr 10 Jahren entdeckte, auf der Suche nach einer mehr Asia-zentrierten Filmreviewseite. Da war und ist Bollywood ein großes Thema gewesen und mir mittlerweile auch klar, dass indisches Filmeschaffen auch weit über jenen Bereich hinausgeht. Aber abgesehen vom Lesen einiger Reviews hat es mich nicht ins Selberschauen zurückgetrieben.

Shubh Mangal Zyada Saavdhan fiel mir jetzt aber ins Auge. Ein ganz aktueller Film von 2020 sogar. Wie bei den meisten Liebeskomödien/-dramen aus Bollywood dreht der sich zentral um eine Hochzeit. Das besondere daran ist allerdings, dass unser zentrales Paar aus zwei Männern besteht.

Aman kommt aus einer ländlich angesiedelten Großfamilie, wohnt und arbeitet nun aber in der Metropole Delhi. Wo er Kartik getroffen hat, der aus ärmlichern Verhältnissen kommt und über seine Homosexualität mit dem Vater gebrochen hat. Die Familie von Aman weiß über dessen Sexualität hingegen gar nicht Bescheid. Deswegen plant Aman auch gar nicht auf der großen überladenen Familienhochzeit seiner Verwandten aufzutauchen.

Die Umstände wollen es anders und Aman taucht mit Kartik doch bei der Familienfeier auf. Nur erwischt sein Vater ihn dabei, wie er seinen Freund küsst, und reagiert darauf eher suboptimal. Versucht die beiden während der Hochzeit auseinanderzuhalten. Was den eigentlich zurückhaltenden Aman dazu bringt, vor versammelter Familien- und Gästeschafft Kartik zu küssen. Jetzt läuft erst recht alles aus den Fugen.

Trailer zu Bollywood-Filmen sind schon ihre eigene Sache. Shub Mangal sah da fast nach wholesome content aus. Das bunte treiben zur eingängigen Musik mit ein paar typsichen Tanzeinlagen. Klar ein wenig Familientrubel und über-emotionales Geheule gehört dazu. Dass sich Amans Familie aber wirklich so komplett gegen seine Beziehung stellen und ihn „heilen“ wollen würde, hätte ich gar nicht mal erwartet. Letztendlich ist es mit all seiner bunten Optik und seinem überdrehten Familienhumor zum Trotz nämlich doch noch ein Film über den Kampf akzeptiert zu werden.

Was vor dem indischen Background auch ganz interessant ist. Hier gibt es immerhin viele Dinge zu beachten, die man sich, wenn man aus dem Kulturkreis nicht kommt, nicht oder zumindest zunächst nicht gewahr wird. Ab einem gewissen Alter verheiratet zu sein und Kinder zu zeugen ist in Idien immerhin vielerorts noch eine soziale Obligation. Ehe aus Liebe gar keine Priorität, sondern es wird ein sozial anerkannter Partner von der Familie ausgewählt. Es gibt ein starkes Clandenken und das Kastensystem ist immer noch nicht aus den Köpfen der Leute.

Tatsächlich offeriert Kusum, die Amans Familie für eine Hochzeit mit ihm auserwählt hat, einen Deal. Sie ist nämlich auch in jemand anderen verliebt, der kommt aber aus der sozialen Unterschicht, aus der falschen Kaste, und damit haben die beiden keine Chance zu heiraten. Warum sollten Aman und Kusum also nicht wie ihre Familien das wollen zum Schein heiraten und dann jeweils mit ihren Geliebten leben? Amans Eltern liebten ja auch jeweils jemand anderen, bevor sie miteinander verheiratet wurden. Gesellschaftlich ist Heirat in Indien eine ganz andere Nummer eben. Zeigt auch den gesellschaftlichen Wandel des Landes, wo die junge Generation wesentlich offenere Ohren für die „Liebe ist halt Liebe“-Argumentation hat, statt die ältere Generation, bei denen das individuelle Gefühlsleben nichts mit Heirat zu tun hat.

Und dann bringt das Finale noch das Problem von Sektion 377 der indischen Gesetzgebung in den Raum. Homosexualität ist in Indien ein strafbares Verbrechen. Oder war es zumindest bis 2018, als das Oberste Gericht beschloss einvernehmliche Beziehung zwischen Erwachsenen zu legalisieren. Das dient sogar als Finale des Filmes, der sprichwörtlich am Tag jener historischen Entscheidung endet.

Das hat den Film für mich insgesamt ziemlich interessant gemacht. Die verschiedenen Argumentation von Aman und Kartik, um zur Familie durchzudringen, gab es schon zur Genüge in entsprechenden Filmen. Liebe ist Liebe. Man ist so geboren. Warum ist deine spontane emotionale Rekation auf jemanden natürlich meine genau gleiche Reaktion auf meinen Partner aber angeblich eine Krankheit. Sind es nicht gesellschaftliche Zwänge und die Zuschüttung mit heteronormativen Partnerbildungen in den Medien jene, durch die wir das als Normal ansehen und alles andere dadurch automatisch als Abnormal.

Aber das alles war für mich halt in einem eher ungewohnten Päckchen verpackt. Manchmal etwas übertrieben sentimental und dramatisch, klar. Aber doch immer mit viel Schwung und auch mit dem Herz am richtigen Fleck.

Corpse Party (2015)

Zufällig lief neulich der 2015er Live Action zu Corpse Party bei uns im kleinen Nischenkino, da er wohl bald seine Deutschlandveröffentlichung hat, und da geht man doch ruhig mal hin. Vom Regisseur, der uns auch Hitori Kakurenbo beschert hat, was jetzt nicht unbedingt eine Auszeichnung ist. Doch zu Corpse Party kann ich aber ruhigen Gewissens sagen: Es ist ein ziemlich schlechter Film, und jeder sollte ihn sehen.

Grundsätzlich geht der Film die gleiche Handlung ab, nur natürlich viel schneller. Eine Gruppe Teens macht ein dämliches Ritual, bei dem Sachiko angerufen wird, weil man sich dann angeblich niemals trennen wird. Stimmt so gesehen auch, denn es versetzt die Schüler in die Grundschule, in der drei Kinder umgebracht wurden, und aus der es kein Entrinnen gibt, bevor nicht der Geist von Sachiko beschwichtigt wird. Die große Wendung am Ende, wer der wahre Kindsmörder ist, welche im Spiel ziemlich offensichtlich war, und im Film etwas weniger so ist da er so viel schneller voranschreitet, weniger Aufbau bietet, mit inbegriffen.

Was der Film sogar fast etwas besser hervorbringt als das Spiel, dem geschuldet das er sich nicht wie das Visual Novel mehrere Pfade und Bad Ends basierend auf die Multiple-Choice-Möglichkeiten leisten kann, sondern alles in eine straffe Narration packen muss, ist das die Extremsituation nicht gerade das Beste aus diesen Kids herauszulocken vermag.

Die kleine Schwester, der nervigste Charakter, der bitter aus der Riege im Spiel hervorgestochen ist, ist übrigens immer noch mit dabei, auch wenn ihre Route eine ist, die zum Großteil verändert wurde. Es ist ihr mit dem Film-Casting definitiv nicht geholfen worden, denn die Schauspielerin schaut genauso alt aus wie der Rest der Truppe, verhält sich aber weiterhin wie eine unterbelichtete 6-Jährige. Aber wenigstens gibt es jetzt weniger Zeit mir ihr. Einschiffen darf sie sich dennoch auch hier, für diejenigen, dessen Fetisch das war.

Allgemein hilft es einem in den Grundzügen so simplen und vorhersehbaren Horror-Plot wie in Corpse Party natürlich wenig, wenn man ihn in einen kurzen, geradlinigen Film stecken muss, dem sowohl die Interaktion des Spielers mit dem Geschehen abgeht, als auch die interessante Kapitelstruktur mit den verschiedenen Endmöglichkeiten. Außerdem ist das Ding billig gemacht, die Schauspieler bieten alle eher unterirdische Leistungen, und die deutsche Synchro ist auch nicht unbedingt hochwertig.

Das ist aber alles absolut irrelevant. Schaut den Film dennoch unbedingt, und das auf jeden Fall in einer Riege an Freunden, oder Leuten, die ihr zu solchen machen wollt. Denn Corpse Party (Live Action) ist die witzigste Komödie unseres Jahrhunderts.

Der Film ist einfach so absolut chaotisch und unbegreiflich, es grenzt an vielen Punkte stark an Parodie. Wenn die Charaktere dann schlecht geschauspielert in absolute hysterisch-witzige Emotionen verfallen, oder diese absolut dämlichen hormonellen Entscheidungen treffen, die sie sicher umbringen werden, und das Ganze nur übertrieben und aus dem Nichts kommend wirkt. Wenn der Gore ebenfalls so absolut überdramatisiert wie gleichzeitig nonchalant präsentiert wird. Als die Lehrerin zu Beginn die Türe aufmacht und ohne jegliches Trara den Schädel eingehämmert bekommt, oder die eine Schülerin von den beiden kleinen Kindern so fest gegen die Mauer geworfen wird, dass ihr Körper explodiert. Wenn der eine Kerl fasziniert vor dieser Pfütze, die mal seine Mitschülerin war, steht, und einen Anruf von ihrem Geist bekommt, er solle ihr nicht auf die Organe starren. Ich habe mich weggeschmissen vor Lachen während des Filmes.

Das ist es einfach. Die Momente, die im Spiel grausam sind, die im Spiel leichte unheimliche Atmosphäre aufbauen, die Charaktermomente zeigen, einfach die überraschen oder erschrecken oder mitfühlend machen sollen… sind alle im Film absolut lächerlich und das auf die beste unfreiwillige Art und Weise, die man sich nur wünschen könnte. Hut ab Corpse Party, ich habe selten so gelacht, Unterhaltungswert 10/10.

Love Exposure

Zu seinem jährlichen Update im Blog hat der gute DarkIkarus für dessen Geburtstag schon vor geraumer Zeit ein Gewinnspiel rausgehauen. Was jetzt darin gefruchtet hat, dass mir die DVD zu Love Exposure zugeschickt wurde, weil ich mich von der Filmwahl überraschen lassen wollte, statt selbst was herauszusuchen. Als mir auf dem Cover dann „Ein Film von Sion Sono“ entgegen lachte, kam mir gleich die Reaktion „ist das nicht der, dessen Filme alle 4 Stunden dauern?“ und tatsächlich prangt auf dem Backcover, das dieser 228 Minuten auf 2 DVDs verteilt. Ikki hat gleich beschwichtigend eingeworfen, dass es einem gar nicht so lang vorkommen würde. Und tatsächlich kann ich dies bestätigen, denn ich war keine Minute des Filmes über auch nur in Gefahr gelangweilt zu sein.

Protagonist des Filmes ist Yu, der in einer katholischen Familie aufwächst, und nachdem seine Mutter stirbt dessen Vater sogar das Amt des Priesters aufnimmt. Zunächst für seine ermutigenden Predigten bekannt, ändert sich das, nachdem sich ihm das Flittchen Kaori an den Hals wirft, in Windeseile sich zum Christentum bekehren lässt, bei den beiden als Geliebte einzieht, und dann wankelmütig den Vater doch wieder verlässt, weil der sie nicht heiraten kann. Yus Vater wird besessen von der Sünde und macht seinem absoluten Gutmensch-Sohn vorwürfe, zu denken man würde nicht sündigen, wäre selbst eine Sünde. Um den Vater bei den täglichen Beichten gefällig zu sein, erfindet Yu also Sünden, aber da blickt der Priester durch, also beginnt Yu tatsächlich zu sündigen, alles für die Interaktion mit und Vergebung von ihm. Dass er in einer Gang ist, berührt den Vater nicht weiter, aber als dann eine sexuelle Komponente hinzu kommt, weil Yu Meister darin wird, Mädels unter den Rock zu fotografieren, schlägt ihn sein Vater zum ersten Mal. Das findet Yu sogar noch besser, da er nun endlich wieder Vaterfigur statt nur vergebender Priester ist. Womit er nicht rechnet ist, dass sein Vater ihn einfach aus der Kirche wirft, Yu alleine im Haus mit einem Taschengeld leben lässt, und gar keinen Kontakt mehr pflegt.

Aber Yu hat ja seine neue Familie im Sinne von gleichaltrigen Gangmitgliedern, die sogar eigentlich ganz nett sind. Als er eine Wette mit ihnen verliert, muss Yu als Frau verkleidet durch die Straßen gehen. Und statt sich eine weibliche Schuluniform anzuziehen und total einen auf verlegen zu machen, geht auch hier Yu gegen alle Erwartungen und verkleidet sich einfach als Female Prisoner Scorpion Sasori und schreitet voller nicht geahntem Selbstbewusstsein durch die Straßen. Wo er auf Yoko trifft und eine Offenbarung hat, die uns 56 Minuten im Film endlich die Title Card gibt. Endlich hat er das Mädchen gefunden, bei dem er spontan einen Ständer hat, seine Maria die er seiner Mutter zu heiraten versprochen hat. Da Yu allerdings verkleidet ist, und Yoko nichts von Männern wissen will, seitdem ihr Vater sie begrapscht hat, denkt Yoko nun stattdessen, dass sie eine Lesbe und in die ihr helfende Sasori verliebt ist.

All das beobachtet die ebenfalls gleichaltrige Koike, die mit Wellensittich und zwei Handlangern beständig Yu beobachtet, nachdem sie ihn vor der Kirche im Regen beten und von der Erbsünde hat reden hören. Denn Koike ist das Oberhaupt der Zero-Church-Sekte, nachdem sie ihren Vater umgebracht hat, der sie beim Aufwachsen beständig von der Erbsünde erzählend verprügelte. Sie heckt einen Plan aus, wie sie auch Yus Familie zu Mitgliedern machen kann.

Während der Film in der ersten Stunde mehr oder weniger „Beschissene Eltern: Der Film“ war, sind wir nun in einer Teeny Dramedy für die nächste Stunde gelandet. Denn Yoko und Kaori ziehen zusammen durch die Lande und Kaori versöhnt sich mit dem Vater von Yu. Dadurch sind Yu und Yoko nun fast Geschwister, während Yu in Yoko verknallt ist, Yoko ihn aber nicht ausstehen kann, dafür sich in Sasori verguckt hat, die ja eigentlich Yu ist. Und dann lässt sich Koike auch noch in deren Klasse einschleusen und tut so, als wäre sie im Geheimen Sasori, und fängt somit eine Beziehung mit Yoko an, obwohl sie eigentlich hinter Yu her ist. Viele schräge Missverständnisse und verletzte Gefühle folgen.

Nur dann macht der Film im dritten Teil erneut eine Kehrtwende und wird zum Drama um eine von einer Sekte vereinnahmte Familie. Nachdem Koike das fragile Familiengleichgewicht zerstört hat und alle in die Zero-Church indoktriniert bekommt, nur Yu nicht, der sein Möglichstes versucht, um Yoko dort wieder raus zu bekommen, aber selbst sich immer weiter verstrickt.

Und worum ging es bei diesem wilden Ritt durch den Irrwitz und jegliche erdenkliche menschliche Emotion, die man nur haben kann, eigentlich? Na um die Liebe natürlich, sagt doch schon der Titel. Die Liebe ist die zentrale Motivation für jeden dieser Charaktere. Der Vater von Yu zerbricht an der zur Mutter gefolgt von Kaori. Yu tut alles, um an Yoko zu kommen, egal wie fragwürdig einige Vorgehen sind, immer strack geradeaus getrieben von seiner magischen Erektion. Kaori selbst ist dabei auch nie als die fiese Familienzerstörerin dargestellt, sondern ist ernsthaft in Yus Vater verknallt, nur eben sehr wankelmütig und unzufrieden. Koike schmiedet alle ihre Pläne nur, weil sie mit Yu zusammen sein will. Was dabei natürlich immer damit einhergeht ist allerdings auch das Thema der Obsession. Die drei Väter von Yu, Yoko und Koike verderben ihre Kinder durch ihre Obsession mit der Sünde, was natürlich gerade im in Japan eigentlich raren aber hier im Film sehr zentralen Katholizismus gut bedient werden kann. Koike ist absolut besessen von Yu, und Yu zunächst davon es einem Vater recht zu machen dann von Yoko, und Kaori sowieso total Gefühlsgesteuert. Und nach dem überraschend emotionalen Part in der Irrenanstalt gibt es ja doch quasi ein Happy End, nicht nur für Hauptpärchen Yu und Yoko, sondern auch sein Vater und Kaori werden nicht vergessen, die sich nun endlich beruhigt haben.

Was bei alledem nicht zu unterschätzen ist, ist der pure Unterhaltungswert des überlangen Filmes, der es schafft nie langweilig zu werden. Es vergeht so gut wie nie Zeit, ohne dass nicht doch der spritzige Humor erneut aufkommt, die schrägen Charaktere in überraschende Manierismen verfallen, oder der Film ein wenig der Frivolität fröhnt. Die eigenen Perversionen zu umarmen statt sich dafür zu geißeln ist nämlich letztendlich ebenfalls ein Plädoyer von Love Exposure. Das gibt der Achterbahnfahrt eine durchgehende Frische und einen Überraschungsfaktor, selbst in den ernsteren Teilen der Geschichte, weswegen man Gedanklich nie abzuschweifen in Gefahr gerät, da man sowieso von den Eindrücken auf der Leinwand fast überfordert ist. Das alles in interessanten Bildern von Marien-Erscheinungen zu faken Plastik-Erektionen oder Fotos von Mädchen-Unterhöschen. Alles, was man im Medium Film zu erwarten dachte und mehr, verpackt in 228 Minuten mentaler Wasserrutsche und Tour de Force an Exzess. Zurückhaltung findet man woanders, und das ist auch gut so.

Sadako vs Kayako

7 Ring-Filme und 8 Ju-ons später, und das rechnet nur die japanischen Inkarnationen ohne die amerikanischen Remakes und deren Sequels, sollte es also zum großen Crossover kommen: Sadako vs. Kayako. Mit ordentlich Marketing dahinter den persönlichen blassen Lieblings-Geist zu wählen, oder das anhand des Popcorns, welches man zur Vorstellung kauft, festzumachen.

Das Versus im Titel kann dabei schnell täuschen, denn für den Großteil der 100 Minuten an Film treffen die beiden Franchises nicht wirklich aufeinander, sondern laufen gemütlich aneinander vorbei. Hauptcharaktere sind zwei Studentinnen im Ring-Part und eine Schülerin im Ju-on-Part des Filmes. Deren Namen ich allerdings schon wieder vergessen habe, also nennen wir sie einfach mal A-Ko, B-Ko und C-Ko.

A-Ko und B-Ko sind es jedenfalls, die direkt zu Beginn des Filmes bei einer Vorlesung am Wegdösen sind. Kann man ihnen kaum verübeln, denn der Professor doziert was über Memes und urbane Mythen. Wobei er eine besondere Manie dem verfluchten Video gegenüber hat. Übrigens wird er auch den weiteren Filmverlauf über besessen davon sein, auf Sadako zu treffen, man sollte aber nicht erwarten, dass diese Fixation jemals wirklich erklärt würde.

Um das Hochzeitsvideo der Eltern von B-Ko von Kasette auf DVD zu überspielen besorgen die beiden sich einen alten Videorekorder, in dem praktischerweise noch das verfluchte Video drin steckt. Wie wir später herausfinden war den Verkäufern des 2nd-Hand-Shops dies durchaus bekannt, und sie fanden es drin zu lassen einen coolen Gag, die Idioten. Ach ja, und wir bekommen auch mit, dass aus irgendwelchen Gründen Sadakos Fluch im Film geändert wurde: Sie tötet nun innerhalb von 2 Tagen statt 7 und das Video zu vervielfältigen und jemand anderem zu zeigen ist nur ein Mythos und funktioniert nicht wirklich. Das Video an sich ist auch ein ganz anderes, viel kürzer, und ziemlich lahm, was aber auch daran liegen kann, dass der Film es uns die ersten paar Mal nicht zeigt, sondern nur die geschockte Reaktion der Zuschauer, und somit einen ziemlichen Hype und nichts aufbaut.

C-Ko derweil zieht mit ihren Eltern in eine neue Nachbarschaft und das Haus auf der anderen Straßenseite ist natürlich ausgerechnet das verlassene Horrorhaus, in dem Herr Saeki seinen Frau und Sohn ermordet hat (hier wird die Katze ausgespart), die seither die Treppen des Gemäuers hoch und runter rasseln, um jeden umzubringen, der das Anwesen betritt.

Hauptsächlich folgen wir im Film allerdings den frisch von Sadako verfluchten A-Ko und B-Ko, die das Video dem Professor zeigen, der die Hilfe eines Mediums heranzieht, wobei Sadako allerdings alle umbringt bis auf einen besonders spirituell begabten Rebellen mit miserabel schauspielernder blinden Loli im Gepäck. Der kommt auf die glorreiche Idee sowohl Sadakos Fluch auf A-Ko wie Kayakos Fluch auf C-Ko loszuwerden, in dem er beide im Saeki-Haus das Video erneut schauen lässt, damit die Geister sich gegenseitig angehen.

Das ist dann aber auch erst im Finale des Filmes und Sadako und Kayako Versus-en sich nur für kurze 5 Minuten am Ende, bevor sie zu einem Super-Rachegeist verschmelzen und der Film uns mit einem Cliffhanger an Sequel-Bait hinterlässt.

Der schale Beigeschmack des Filmes bleibt dann auch insgesamt hängen. Statt die beiden urbanen Mythen um Sadako und Kayako wirklich miteinander einen Film zu verweben, laufen halt zwei unterdurchschnittliche parallel zueinander. Und das, obwohl bei beiden nicht viel an Hintergrundstory dahinter steckt, so dass es sicherlich einfach möglich gewesen wäre. Zu Kayako und Toshio gab es eh noch nie viel zu wissen, und bei Sadako kommt eben auch nur rum, wie der Fluch (hier) funktioniert. Gerade die beiden Flüche auch als Gerücht und Geistergeschichten bestehen zu haben, hätte man nutzen können, um die Charaktere denen aktiv nachgehen zu lassen, statt das die erneut einfach so zufällig in die Flüche hinein stolpern. Horror kommt eh keiner so richtig auf, da weder wirklich Atmosphäre aufgebaut wird, und die Todesarten hier schon eher was komödiantisches haben, statt wirklich ernstzunehmend zu sein. Dieser unfreiwillige Humor sind jedoch schon die einzigen kurzen Highlights des ansonsten lahmen Filmes.

Shin Godzilla

ava-2129War schon irgendwie komisch, dass der Godzilla-Film zum 60. Jubiläum eine amerikanische statt japanische Produktion wurde. Aber da die jetzt erst mal damit beschäftigt sind King Kong neu aufzulegen, um die beiden Monster dann anschließend gegeneinander antreten zu lassen wie damals in 1962, füllen doch die Japaner die Lücke. Immerhin hat Godzilla (2014) gut Kohle gebracht, da kann man sich mal wieder an einem jährlichen Japan-Output wagen. Und immerhin, 2016s Shin Godzilla hatte bombige Einspielergebnisse, für dieses Jahr steht bereits der nächste Streifen an, wenn auch überraschend als Animationsfilm.

Was übrigens nicht ganz uninteressant ist, ist die Wahl des Regisseurs, der zugleich auch das Script schrieb. Dafür verpflichtete man nämlich niemand anderen als Hideaki Anno, frisch im Burnout die Rebuild of Evangelions ewig nicht auf die Leinwände zu bekommen. Und man merkt seine Handschrift schon stark im Film. Es gibt jede Menge kurze Einblendungen von Verkehrsschildern/Verkabelungen sowie viel hin und her in Konferenzräumen. Entweder weite Shots, die die Räume groß und leer wirken lassen, oder extreme Closeups auf die Charaktere. Gerne mal die Kamera direkt am Hinterkopf von jemandem kleben lassen, während ein anderer im Hintergrund redet. Selbst die Musik klingt stellenweise wie direkt aus Evangelion entnommen.

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Auch beim Geschehen auf den Straßen Tokyos favorisiert Anno ähnlich dem 2014er-Film die Kamerawinkel eher auf Bodenlevel nach oben gereckt zu halten, und auch hier gern entweder weit weg oder ganz nah am Geschehen. Zusammen mit der Tatsache, dass wir hier so viele Einblendungen der Bevölkerung bei der Flucht, beim Wiederaufbau oder in den Bunkern bekommen, wirkt Shin Godzilla so nah und persönlich wie kaum ein anderer Film der Franchise. Denn er geht den gleichen Weg wie jeder Reboot, in dem Godzilla nämlich das einzige Monster ist, und die Sache wie ein ernster Katastrophenfilm aufgezogen wird.

Und ja, es bleibt bei einem Monster, auch wenn Anno hier uns clever etwas täuscht. Der Film beginnt im Prinzip direkt damit, dass ein unidentifiziertes Wesen in der Bucht von Tokyo auftaucht, wir sehen aber nur Wellen und von der Hitze verdampfendes Wasser, wenig mehr. Nach 10 Minuten bekommen wir dann den Reveal. Bis hierhin dachte man natürlich das wäre erneut einer der Filme, die ein großes Ding daraus machen das Monster lange bedeckt zu halten, obwohl wir alle ja wissen das es Godzilla ist und wie der generell aussieht. Tja, stattdessen schiebt sich ein schon fast komisch aussehendes Vieh durch die Straßen von Tokyo, welches etwas wie eine geschmolzene Wärmflaschenversion von Gamera aussieht. Beinahe lächerlich und bemitleidenswert, wirklich, wenn Anno nicht bereits hier deutlich machen würde, wie viel das Vieh bereits zerstört, mit wackeligen Kameraaufnahmen von fliehender Bevölkerung etc. Zehn Minuten später haben wir dann den richtigen Reveal: Es ist nämlich doch Godzilla. Im hiesigen Film kommt er nämlich durch Umweltverschmutzung zustande, ist ein konstant bedrohlicher mutierendes Urzeitwesen, dass viel radioaktive Abfälle gefressen hat, die einfach so ins Meer gekippt wurden.

Eine weitere Sache, die Shin Godzilla zum ersten Mal adressiert ist übrigens, dass es gar nicht so einfach ist, mitten über dem dicht bevölkerten Tokyo gegen Godzilla zu kämpfen. Vor jedem Waffeneinsatz muss erst das Ok des Premierministers höchstpersönlich kommen. Das macht auch den finalen Einsatz von nuklearen Raketen besonders gewichtig, da der Film schon bei normalen ein großes Ding draus gemacht hat. Atomare Verseuchung allgemein ist wieder groß im Film, denn auch Godzilla hinterlässt entsprechende Ausdünstungen, über den Film hinweg kann keiner so genau sagen, ob die Innenstadt von Tokyo überhaupt anschließen noch bewohnbar sein wird.

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Dabei begeht Shin Godzilla nie den gleichen Fehler, den Godzilla (2014) machte, und wird nicht langweilig. Kurz nachdem er zu Godzilla mutiert ist und doch ein wenig mehr von Tokyo zerstören konnte, verschwindet das Megamonster erst Mal kurz. Verschnaufpause die zeigt, wie sich Tokyo wieder zu heilen versucht. Nur damit ein größer gewordener Godzilla kurz darauf erst so richtig loslegt was die Stadtzerstörung angeht. Von jener kurzen Pause ab haben wir also so ziemlich den konstanten Film über das Monster onscreen. Es mag grundsätzlich lobenswert sein, dass sich Godzilla (2014) etwas zurückzunehmen wusste. Doch der Film hat einfach extrem für den anderen amerikanischen Eintrag, Godzilla (1998), überkompensieren wollen, wollte zu viel Klasse zeigen, in dem ein Indie-Regisseur verpflichtet wurde, der zum Großteil seine Monster nicht zeigt und auch deren Zerstörung erst mal nur in Ruinen, nachdem die Monster schon durch sind. Wir schauen aber einen Godzilla-Film eben genau aus dem Grund um Gigamonster beim Stadtplanieren zuzuschauen. Und Anno beweist hier eben sehr gut das, nur weil man das Monster viel zu sehen bekommt, ein Film nicht automatisch trashy oder lächerlich wird. Wenn das richtig gefilmt ist, bleibt es dennoch ein ernstzunehmender Katastrophenfilm.

Denn Shin Godzilla ist bewusst bierernst gehalten. Was dadurch unterstützt wird, dass wir mal keinen nervigen menschlichen Charakteren folgen, sondern eher die Entscheider in einer Katastrophensituation und ihre Stäbe dabei beobachten, wie sie gegen ein plötzlich auftauchendes Monster agieren. Mit viel Monster und viel Zerstörung dazwischen, damit die Angelegenheit nicht trocken und langweilig wird. So hat ein ernster Godzilla-Film auszusehen und nicht anders.

Gekijōban Zero

ava-2065Gekijōban ist ein Zusatz, den viele japanische Filme tragen, denn übersetzt heißt es nichts anderes als „der Film“, wird also normalerweise Verfilmungen anderer Medien angehängt, oder wenn es eine TV/Direct to DVD Produktion auf die Kinoleinwand verschlägt. Im hiesigen Falle einer Verfilmung eines Romans basierend auf einer Spiele-Franchise. Nämlich einer Survival-Horor-Reihe von Tecmo. Jetzt geklingelt? Jepp, Zero ist der japanische Titel unseres europäischen Project Zero, Nordamerikas Fatal Frame. Kleines fun fact: Japaner lieben ihre Wortspiele, und dies erklärt auch deren Titelgebung, denn das genutzte Schriftzeichen bedeutet zwar Null/Nichts (Zero), wird aber ähnlich dem japanischen Wort für Geist ausgesprochen.

Die Project Zeros haben ja alle fünf eigentlich so ziemlich die gleiche Handlung, und zwar verschlägt es ein oder mehrere niedliche Mädels (und evtl. einen Kerl) in ein verlassenes Dorf oder Anwesen, dessen Geschichte auf blutige Opferrituale zurückzuführen ist, und die deswegen von rachsüchtigen Geistern heimgesucht werden, die nur mit spirituellen Kameras erlöst werden können. Zero the Movie hat bei „niedliche Mädels“ aufgehört mitzulesen.

Denn der Film spielt an einer katholischen Mädchen-Schule, bei dem ein Gerücht umgeht, dass man nur das Bild seines Schwarms küssen muss, damit was gutes geschieht. Lesbische Neigungen brodeln natürlich ordentlich auf, und so ziemlich die halbe Schule knutscht das Foto vom beliebtesten Mädel Aya, nachdem jene angefangen hat, sich in ihrem Zimmer einzuschließen. Dummerweise führt das allerdings dazu, dass mehr und mehr der Mädels immer häufiger auftretende (Tag-)Träume von Ayas Geist haben, ihnen auftragend sie vom Fluch zu befreien. Und nach einigen Tagen verschwinden die besessenen Mädels dann spurlos.

Fast halb durch den Film hindurch tauchen sie dann alle ertränkt im Fluss auf, und auch Aya verlässt endlich ihr Zimmer, um dabei zu helfen, aufzudecken, was hier eigentlich wirklich los ist. Dabei finden sie unter anderem heraus, dass es nicht ganz ungewöhnlich war, dass sich verliebte Mädels, die auf dies Schule gingen, gemeinsam in einem benachbarten See ertränkt haben, bevor sie voneinander getrennt und ihren auserwählten Ehemännern in die Arme getrieben werden konnten.

Zero the Movie erinnert absolut und rein gar nicht an Project Zero. Ich mein es gibt zwei oder drei Szenen, in denen die Schülerinnen auf einen kleinen jungen mit altmodischer Kamera treffen, der meint durch sie könne er Geister sehen, aber all jene Szenen könnten komplett aus dem Film geschnitten werden, ohne das sich irgendwas an der Handlung ändern würde, und die Mädels sehen reichlich Geister auch ohne die Hilfe einer Kamera. Woran mich Zero the Movie stattdessen viel eher erinnerte, waren die koreanischen Whispering Corridors Filme. Angesiedelt an einer Mädchenschule, Gerüchte spielen eine Rolle, es gilt herauszufinden weswegen der Geist umgeht, und selbst der lesbische Subtext und die Herangehensweise näher eines Dramas denn Horror-Films ist aus jenen bekannt.

Denn Zero the Movie wirklich als Drama mit Geistern drin zu sehen, statt einen waschechten Horror-Film zu erwarten, täte echt gut, denn ansonsten spielt der Film komplett an den Erwartungen vorbei. Wie gesagt ist die Gangart und der Ton eher gemächlich, es kommt nie wirklich zu erschreckenden Ereignissen. Die Geistererscheinungen sind alle sehr hübsch inszeniert, bedrohen die Mädchen aber nie auch nur im Geringsten. Das hier ist wirklich mehr ein Drama um einen Mord, der an einer Mädchenschule geschehen ist, bei dem die Geistererscheinung nur dazu dient, die Investigation loszutreten. Plus ein wenig Sozialkritik, da Homosexualität in Japan immer noch nicht super anerkannt ist, sondern von der Borg-Gesellschaft erwartet wird, dass du noch etwas Herumprobieren als Jugendlicher zu Sinnen kommst und wie alle Erwachsenen heiratest und deine 1,5 Kinder zeugst.

Und ganz ehrlich gesagt ist der Film auf sich alleine stehend gar nicht mal so übel. Ich mochte den Look, ich mochte die Handlung, ich mochte die Art und Weise, wie dies alles präsentiert und nach und nach aufgedeckt wurde. Dennoch ist es halt echt komisch, dass Zero the Movie absolut gar nichts mit den Spielen zu tun hat, auch wenn da die Schuldigkeit anscheinend in besagtem Roman zu suchen ist, auf dem der Film basiert, und der von daher schon scheinbar die Spiele komplett links liegen lies.

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Ju-on: Part Cinq

ava-2063Ju-On ist einfach nicht tot zu kriegen. 2000 begonnen (bzw. 1998, wenn man die beiden Mini-Episoden zählt) kamen in sechs Jahren sechs Filme auf die japanischen und amerikanischen Bildschirme. Dann zum Jubiläum 2009 gleich drei weitere. Und wieder fünf Jahre später ging es erneut los: 2014 begann eine neue Duologie mit Beginning of the End, in 2015 gefolgt von Final Curse, und da bei Ju-On nichts final ist, stand 2016 mit Sadako vs Kayako ein Crossover mit der Ring-Franchise an, die genauso wenig tot zu kriegen ist. Selbst Hollywood will wieder was neues beisteuern, so war ebenfalls zum 15-jährigen in 2014 ein weiterer The Grudge geplant, der aber seither in Development Hell abgetaucht ist.

Ju-On: The Beginning of the End folgt hauptsächlich Yui, die als frisch gebackene Lehrerin ihre erste Grundschulklasse zugewiesen bekommt, jedoch feststellen muss, dass der Schüler Toshio nie aufzutauchen scheint. Der vorige Lehrer der Klasse ging dem bereits nach, und ist nun tot. Als sie das Haus der Saekis besucht, trifft sie dort nur auf Toshios merkwürdige Mutter Kayako, und flieht nach ein paar seltsamen Begebenheiten dem Haus. Ab jetzt hat sie allerdings merkwürdige Episoden, die bedrohlicher und häufiger werden, und selbst auf ihren Freund scheint sich dies langsam auszubreiten, der seltsamerweise in der zweiten Hälfte des Filmes plötzlich den Großteil der Investigationsarbeit übernimmt, während Yui kurzzeitig etwas in den Hintergrund gerät.

Dazwischen haben wir allerdings eine zweite Timeline, der wir folgen, und die in 2004 stattfindet. Vier Schülerinnen besuchen das angeblich verfluchte Haus, in dem ein Kind umgebracht wurde, und sind etwas enttäuscht, dass es wie jedes zum Verkauf leerstehende Haus aussieht. Spektakulärer ist da schon das, sobald sie wieder zu Hause sind, sie vom Geisterjungen verfolgt werden. Im Prinzip dient letztendlich dies als erweiterte Episode darum, wie Kayako Saeki mit ihrem Mann ins Haus eingezogen ist, besessen davon ein Kind zu bekommen, und letztendlich den Geist vom ermordeten Toshio zur Welt brachte, bis der Vater erneut gründlich aufräumte und alle umbrachte.

Mehr oder weniger alle zumindest, denn Ju-On: The Final Curse setzt genau dort an, wo The Begining of the End aufhörte. Die Rückblicke ins Jahr 2004 sind rum, denn wir wissen ja jetzt die Origins-Story der beiden Geister, die in 2014 Yui und Co. nachgestellt sind. Hier sind wir jetzt kurz nach dem Spurlosen verschwinden von eben Yui bei ihrer Schwester Mai und deren Freund, die anfängt die Begebenheiten um die letzten Tage und Wochen ihrer Schwester aufzudecken, während sie selbst vom Fluch heimgesucht werden. Als Nebenhandlung haben wir die Schülerin Reo, deren Mutter ihren Cousin aufnimmt, seitdem dessen Mutter umgebracht wurde und der Vater verschwunden ist. Die Tatsache, dass wir den Vater zwar Kayako und die Katze, aber theoretisch nicht Toshio on screen haben umbringen lassen, sowie das wir den bei Reo aufgenommenen Jungen zunächst immer nur per Hinterkopf sehen, sollte jedem sofort klar machen, dass dies der überlebende Toshio ist, lang bevor nach 30 Minuten der Film das als große Offenbarung hinstellt.

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Nachdem Black Ghost/White Ghost also ihre eigenes Ding gedreht haben, sind wir in der neuesten Ju-On Duologie zurück beim miauenden Toshio und seiner rasselnden Mutter Kayako, die jedem nachzustellen beginnen, der das Haus betritt, in dem sie umgebracht wurden. Die Sache läuft also nicht wirklich wesentlich anders ab, als in den alten Filmen von Anfang-Mitte 2000, nur das die erneut erzählte Origins-Story etwas anders und erweitert ist, weil sie im Prinzip diesmal einen kompletten Film von 90 Minuten durchhalten muss, bis es im zweiten Teil weitere 90 Minuten darum geht, zu sehen, ob man dagegen vielleicht was machen kann. Und wie immer in diesen Filmen gibt es keine Antworten eben darauf, sondern nur die Erkenntnis, dass der Fluch, wo er nun schon Mal auf die Welt losgelassen ist, nicht abwendbar ist. Selbst wenn man das verfluchte Haus an sich zerstört, denn Toshio und Kayako hängen sich schlichtweg an jeden ran, der es betreten hat, und ziehen eben bei denen ein, wodurch sich der Fluch erweitert. Im Prinzip wäre die beste Vorgehensweise das Saeki-Haus einfach abzuschotten, so dass die beiden Geister darinnen versauern können, ohne je in menschlichen Kontakt zu kommen.

Die Handlung ist also mal wieder gewohnt etwas dünn und gewohnt wiederholt, wie man das von der Franchise mittlerweile wohl gewohnt ist. Dennoch haben es The Beginning of the End und The Final Curse geschafft, mich nicht wirklich zu langweilen. Es mag etwas daran liegen, dass meine Erwartungen bei etwas mit Ju-On im Titel sowieso gezügelt beginnen. Es mag auch teilweise damit zusammenhängen, dass ich nach all den 1313s einfach schon froh über Filme bin, die halbwegs kompetent gefilmt, inszeniert, geschauspielert sind, und sogar mal wieder Horror bieten. Was auch immer eventuell unterbewusst mitgeholfen hat, aber ich würde die neuen Filme, die prinzipiell eigentlich eh nur einer von 3 Stunden zweigeteilt ist, durchaus als einige der besseren Einträge in die Franchise nennen.

Auch schlichtweg, weil sie einem mehr zeigen. Die früheren Filme hatten meist außer Suspens wenig zu bieten, in dem jeder Charakter zuerst langsam und dann häufiger einen weißen Schatten im Augenwinkel sah, bis sie dann plötzlich einem der Geister direkt gegenüberstanden, und Cut zum nächsten todgeweihten Charakter. Die beiden neuen Filme wirken sowieso von vornherein besser zusammenhängend und weniger episodisch. In Serien-Tradition sind sie immer nach in Vignetten unterteilt, die nach dem Charakter benannt sind, dem wir folgen. Doch diesmal hängen die eben besser zusammen. In The Beginning of the End sind das beispielsweise die vier Mädels in 2004 und Yui und ihr Freund in 2014, die zusammengenommen eben eine durchgehende Timeline erzählen.

Außerdem sind die Todesarten und Scares wesentlich vielfältiger, scheinen sich aus den vorigen Filmen genau wie aus anderen Horror-Ikonen zu bedienen. Der abgerissene Unterkiefer kommt beispielsweise aus einem der amerikanischen The Grudge, wenn ich mich recht erinnere. Und ganz grundlos ist ein Symptom des Fluches eine Besessenheit mit Spiralen, als wäre man kurzzeitig in einem Uzumaki gelandet. Einige Todesarten sind echt fies, andere sogar wieder unfreiwillig komisch, wie der merkwürdige Effekt, wenn sich der Mund des einen Mädels wie bei einer schmelzenden Aufblaspuppe langzieht, bevor der Kiefer reißt. Oder wenn einem Kerl das Genick gebrochen wird und er mit verdrehtem Kopf auf seine Freundin zuläuft. Dass Papa Saeki so gründlich ist selbst die Familienkatze in die Mikrowelle zu werfen, wird mich glaub ich auch nie nicht schmunzeln lassen.

Ganz sehenswert sind die beiden Einträge, wenn man ein Faible für J-Horror mitbringt, also auf jeden Fall. Aufgelöst wird erneut nicht viel, dafür aber ein Potpourri an Klischees des Genres in einen soliden 3-Stündiger gebündelt. Ein wenig Trägheit lässt sich natürlich in Film 10 und 11 einer relativ ähnlich gestrickten Franchise nicht abschütteln, wer allerdings noch kein einziges Ju-On gesehen hat, sollte vielleicht auch einfach hier starten, bei den beiden Teilen mit dem meisten Unterhaltungswert, und bevor einem das Konzept etwas müde wird.

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Shark Week V – Jaws in Japan

ava-2022Über das Jahr 2014 hinweg hatten wir hier im Blog nicht weniger als 4 Shark Weeks, jeweils angeführt von einem der Jaws-Filme, dem Klassiker des Monsterhai-Subgenres. Dass es da a) wesentlich mehr jener Filme bereits gibt und b) ungebrochen regelmäßig weitere auf SyFy geworfen werden, war ja mehr als klar, immerhin lassen die jene gerne in Tandem zur sommerlichen Shark Week auf dem Discovery Channel laufen. Und mir selbst war auch mal wieder danach, ein wenig zu schauen, also Shark Week Nummer Fünf. Offizielle Jaws gibt es zwar keine weiteren, aber durchaus den einen oder anderen Hai-Film, dessen Titel einem gern dies glauben machte, um auf deren Popularität aufzuspringen. Jaws in Japan tat dies wohlweislich eher spät, der Film ist nämlich von 2009, über zwanzig Jahre nach dem letzten Jaws erschienen.

Deswegen kam der Film auch in Namens-Probleme und wurde im Westen zu Psycho Shark umbenannt. Da die Mädels in einem Hotel umgebracht werden, eine davon sogar unter der Dusche, gehe ich Mal stark davon aus, dass auch dies eine Anspielung auf einen sogar noch älteren Klassiker ist. Die ersten fünf Minuten des Filmes schauen dann auch zunächst aus wie jeder Haiattack-Film ever, wechselnd zu Paranormal Activity, um dann Poltergeist in Erinnerung zu rufen. Mit Originalität gesegnet ist Jaws in Japan schon mal nicht.

Ich wäre ehrlich gesagt auch sehr überrascht, wenn der Film mit so was schnödem wie einem Script gesegnet gewesen wäre. Das Ding wird eher eine Idee gewesen sein, die jemand in zwei Sätzen auf ein Taschentuch gekritzelt hat, um dann einfach irgendwann mal munter drauf los zu filmen. Und das Ganze auf einem Trinkgeld-Budget. Jaws in Japan ist nämlich auch, zumindest teilweise, ein Found Footage Film, denn die Mädels, die in diesem Hotel Strandurlaub machen, bekommen vom Betreiber eine Videokamera in die Hände gedrückt, um sich gegenseitig filmen zu können. Sprich gut die Hälfte des Filmes besteht aus jenen verwackelnden und blechern klingenden Aufnahmen. Die fünf Darstellerinnen sind wohl auch billig zu haben gewesene Gravure Models oder so – das ist sozusagen Pinup in Japan, die Mädels machen Erotikaufnahmen, ohne sich dabei komplett zu entblößen. Denn im Gegensatz zu normalen japanischen Idols/Schauspielerinnen sind sie nicht krankhaft untergewichtig, sondern haben sogar ein oder zwei Kilo auf den Rippen, was in jenem Geschäft brauchbar ist, weil es eben zu Rundungen führt. Dafür ist aber auch keinerlei schauspielerische Leistung vorhanden.

Was natürlich nicht hilft ist, dass den unerfahrenen Mädels scheinbar keine Direktion gegeben war. Gut Dreiviertel der Szenen im Film wirken so, als hätte man den Mädels eine Kamera in die Hände gedrückt und gesagt „tollt mal davor rum, zeigt ordentlich Titten und Arsch, und unterhaltet euch halt irgendwie“. Denn das machen gut 50 der 70 Minuten des Filmes aus. Endlose Szenen der ersten Dreiergruppe oder dem aktuellen Duo, die vor der Kamera posieren, und dabei in schrecklich künstlichen Idol-Stimmchen entweder vor sich hin quietschen oder die ewig gleichen hohlen Floskeln in Non-Konversationen wiederholen. Jaws in Japan zu schauen erinnert schnell an Wassertortur.

Wenn dann doch mal was passiert, kann man sich glücklich schätzen, denn das bedeutet der Film ist so gut wie rum, nämlich auf den 20 Minuten seiner Zielgeraden. Viel sollte man vom antiklimaktischen Finale immer noch nicht erwarten, aber nachdem Mädel A sich durch endlose ereignislose Videoaufnahmen des ersten Trios geschaut hat, merkt sie halt, wer sie umgebracht hat, und versucht Mädel B vor Mr. Bates zu warnen. Den sie fast damit ausschaltet, in dem sie einfach in ihn rein läuft, und ins Meer tackelt – wohlgemerkt rennt sie geradeaus auf ihn zu, er sieht sie von Weitem kommen, und hat ein Messer in der Hand, es ist also etwas merkwürdig, dass die Aktion überhaupt klappt. Der Hai taucht dann auch auf, in genau 2 Szenen zum Schluss für jeweils 3 Sekunden, in denen er es schafft auch mal wieder von sehr unterschiedlicher Größe zu sein.

Ne, Jaws in Japan, so geht es ja nicht, bei einem trashigen Hai-Filmchen hät ich schon gern mehr, als 70 Minuten gebannte Langeweile. Kein Spaß, keine Spannung, und schon mal gar keine Überraschung liefert uns Psycho Shark. Das wenige, was geschieht, macht weder Sinn, noch ist überhaupt am Ende alles erklärt, und scheiße aussehen tut die ganze Angelegenheit auch noch. Aber hey, wer die Venus Clips in Dead or Alive Paradise spannend fand, der bekommt hier 70 Minuten davon geboten, denn viel mehr als Bikini-bekleidete Ärsche und Titten liefert der Film nicht auf die Flimmerkiste.

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