Shark Week – Sharknado 6

Nach sechs Jahren war es also an der Zeit Sharknado ein Ende zu setzen. Jeden Sommer zur Shark Week im TV gestartet, fand sich der sechste Film als The Last Sharknado: It’s About Time auf den Bildschirmen wieder. Passt aber auch, immerhin ist das Original auf dem Höhepunkt der Zeiten für dumm-trashige Billo-Haifilme gestartet, welche seit ein paar Jahren auch schon wieder vorüber ist.

Im fünften Film ist übrigens die Welt untergegangen. Nur Hauptcharakter Fin hatte überlebt. Aber sein Zeitreisender Sohn hat ihn ebenfalls auf Zeitreise geschickt, um die Sharknados für immer auszuschalten, und damit die Zeitlinie wieder geradezubiegen. Wir starten Sharknado 6 also in der Vergangenheit. Und finden heraus, dass der Sohn so ziemlich jeden mehr oder weniger wichtigen Charakter der Franchise, der gestorben war, gerettet und auch in unterschiedlichen Zeitzonen untergebracht hat.

Das Team reitet also mal einen Flugsaurier durch die prähistorische Zeit, zieht für Merlin Exkalibur aus dem Stein, hilft Amerika im Unabhängkeitskrieg, trifft im Wilden Westen auf Billy the Kid, tanzt in den 60er Jahren am Strand „den Hai“, oder findet sich in einer Horrorzukunft wieder, die ausschließtlich von Tara-Reid-Klonen bevölkert ist. Zusammenhänge? Ja man springt halt überall hin, wo Sharknados auftauchen, um die aufzuhalten, bis man irgendwann den allerersten in 2013 hinter sich hat und alles dann irgendwie nie geschehen ist. Zumindest nachdem man dem Endboss Tara Reid gegenüberstand, die in einem Raum und Zeit kollabierenden Sharknado vom Roboterkopf einer anderen Tara Reid gelasert wird, während wichtige Persönlichkeiten (oder schlechte Schauspieler in noch schlechteren Kostümen, die signifikierende One Liner produzieren) um sie herumwirbeln.

Mein größtes Problem mit diesen Billo-Trash-Filmen ist ja immer, dass sie zu lang sind. Selbst diejenigen, die nicht einfach nur peinlich sind, sondern tatsächlich Unterhaltungsfaktor bieten, darunter zuvorderst die vorigen Sharkandos, wären alle dennoch verbessert, wenn man die 80 Minuten in 50 zusammengerafft hätte. Der letzte Sharknado ist auch nicht kürzer. Aber er hilft sich dadurch aus, dass er episodischer ist. Wenn alle 15 bis 20 Minuten eine neue Epoche beginnt, dann bringt das schon bitter nötige Kurzweil in eine Reihe, die eh schon seit mindestens drei Filmen ausgelutscht ist.

Das nichts hier Sinn ergibt, Budget für mehr statt bessere Effekte ausgegeben wird, Tara Reid nie schauspielern gelernt hat, Dialoge wie Motivationen von Charakteren absolut hirnverbrannt sind. Ja all das sollte im Prinzip eh erwartet werden, wenn man in so einen Film geht, und schon allenvoran in den sechsten in Folge. Man sollte hierbei nicht nur das Hirn abschalten, ich glaube als Schutzreaktion schaltet sich das automatisch ab. Spätestens dann, wenn der Film einen die Artus-Legende als echte Historie verkaufen will, und die herrlich chargierende Drag Queen dort ohne wirklichen Grund ständig ins Bild springt.

Für viel dummen Unterhaltsungswert ist also gesorgt. Wurde aber auch Zeit. Bestenfalls noch in Gruppe geschaut, dann ist das eh eine wahre Gaudi.

Shark Week – Sharktopus vs Whalewolf

Willkommen zurück im trüben Wasser der billigen Haiangriffs-Filme, die alle natürlich nicht wahres Haiverhalten wiedergeben, und dem eh schon schlechten Ruf der bedrohten Tiere schaden, auch wenn sie keiner Ernst nimmt, weil sich unterbewusst bei genug Beschallung ja doch was festsetzt, und ja das ist immer noch der gleiche Satz. Aber Hirn abschalten und unterhalten werden ist der kapitalistische Wert unserer modernen Gesellschaft, und wer bin ich als insignifikante Einzelperson, diesem Strom entgegenschwimmen zu wollen? Wasserwortspiele. Weil Haifilme. Gecheckt? Jetzt schon, immerhin hab ichs gerade klargestellt. Nichts zu danken. Ich schreibe das hier direkt nach dem Twin Peaks S3 Beitrag, vielleicht erklärt das einiges.

Ich weiß ja, dass Haie eigentlich gar nicht so übel sind. In der Regel sind sie auch nicht halb Oktopus. Ich weiß sogar, dass Orcas keine Wale sondern Delphine sind, was die Macher von Sharktopus vs Whalewolf schon mal nicht wussten. Immerhin wussten sie, dass es Meeressäuger statt Fische sind, wie die fiese Doktorin dem blöden Sportler korrigieren kann, damit wir auch mitbekommen, dass Frau Mengele schlau ist und studiert hat. Am MIT. Da ich jedenfalls weiß, dass Haie keine Monster sind, ganz im Gegensatz zu Spinnen, kann ich mich ruhigen Gewissens zurücklehnen und dabei zusehen, wie in einem Haimonsterfilm die Luzi abgeht.

Wenn sie das denn würde. Diese SyFy/Asylum-Dinger haben häufig das Problem, schlichtweg ein wenig langweilig zu sein. In seinem bisher dritten Outing als Menschenfresser Haitopus hat sich immerhin schon ein wenig was getan. Es gibt mehr der billigen Pixel-CG-Monster zu sehen. Es gibt mehr schlechtes CG-Blut in die Kamera spritzend. Und man nimmt sich klar und deutlich nicht allzu ernst, sondern die billige Optik, schlechten Dialoge, und irrsinnigen Entscheidungen der Charaktere kommen gleichermaßen aus der Inkompetenz der Produktion, als es auch bewusst trashig gewollt ist.

Gewollt schlecht ist natürlich nicht zwangsläufig automatisch gut oder unterhaltsam, sondern grundsätzlich erst Mal nur „Ziel erreicht“. Wenn ich mir zum Ziel setze, den ganzen Tag im Bett liegenbleiben zu wollen, kann ich das auch ganz einfach erreichen, wird aber dadurch nicht Applaudierenswert.

Frau Doktor Mengele, die eigentlich einen anderen Namen hat, aber den weiß ich nicht mehr, und Wikipedia öffnen dauert bis zu einer Minute, um nachzuforschen, ist jedenfalls wie jeder Deutsche Doktor eigentlich nur darauf aus, seinen Übermenschen zu kreieren. Und was sind die beiden Apex-Predatoren, deren Gene man braucht, um Superman zu erschaffen? Wolf und Killerwal. Der immer noch kein Wal ist, sondern ein Delphin. Die sind aber auch fies. Und Sharktopus vs Dolf klingt halt nicht so gut.

Dabei kommt eigentlich aber ein Schoßhündchen raus ohne jegliche Intelligenz, und ich nehme das mal als beißende Satire dazu, was nach Alphas schreiende Nazis denn so eigentlich wirklich produzieren würden. Andere Menschen, die nicht Frau Doktor Mengele sind, wie beispielsweise deren Sprechstundenhilfe im Porno-Krankenschwestern-Outfit, bringt er trotzdem um. Unschuldige umbringen benötigt aber auch kein Übermenschentum, sondern man muss nur scheiße sein. Ach ja, mit dem Sharktopus kloppt er sich auch regelmäßig, obwohl man meinen sollte ein hauptsächlich Wassser- und hauptsächlich Landbasiertes Monster kämen sich gar nicht so viel in die Quere, wie die beiden das letztendlich tun. Wenn man halt auf einer Insel ist schon.

Kommen wir aber zurück dazu, ob Sharktopus vs Whalewolf das einzige Ziel erfüllt, welches man je maximal davon hätte erwarten können: Unterhatungswert, ja/nein? Die Antwort darauf ist ein definitives „geht gerade so“. Kann man schauen, sollte man aber nicht. Es sei denn man steht halt wirklich auf Horror C-Trash und/oder Haiangriffsfilme jeglicher Art. Es gibt da eh nicht viele wirklich gute, aber es gibt viele unterhaltsamere als die Sharktopusse. Shartopussies? Sharktopen? Was ist die Mehrzahl von Oktopus? Wenn die Antwort ja nur einfach über wenige Klicks zu finden wäre…

Shark Week VI – Sharktopus vs Pteracuda

Statt wie die ganzen anderen Billo-Monsterstreifen sofort hinter dem ersten Sharktopus hinterher zu hechten, dauerte es vier Jahre, bevor die Welt mit dem SyFy Original Sharktopus vs Pteracuda beglückt wurde. Direkt das Jahr darauf folgte Sharktopus vs Whalewolf, und seither ist es erst Mal wieder ruhig geworden in den Zwittermonster-Filmen. Producer der Franchise, Roger Corman, ist übrigens seit den 50ern im Business aktiv und hat der Menschheit Geschenke wie die Carnosaurs, Slumber Party Massacres oder den Original Piranha gemacht.

Der Film startet dann auch damit, wie der vorigen Film endete, in dem der Sharktopus ein paar Leute frisst und dann explodiert wird, um ihn unschädlich zu machen. Jedoch gehört zu dem ins Meer hinaustreibenden Überresten der Bestie auch ein Eisack, den eine Meeresbiologin herausfischt und ihren eigenen Sharktopus heranzüchtet. Dem geldgeilen Onkel des hispanischen Mädels gehört allerdings auch ein Aquarium und somit möchte er den Sharktopus zur reißerischen Touristenattraktion machen.

Derweil an einem andern Ort lässt Dr. Symes seine neue biologische Waffe testen, nämlich einen wiedererweckten Pterodactylus. Wie wir alle dank Jurassic Park wissen, ist Dino-DNA allerdings unvollständig und der gute Doc hat sie mit Barakuda-Genen aufgestockt, damit das Vieh nicht nur zu Land und Luft, sondern auch zu Wasser tödlich sein kann. Welches Militär will schon keine lebende, prähistorische Drone einsetzen? Mitarbeiter Vladimir hat allerdings einen anderen Auftraggeber und manipuliert das Experiment, so dass der Pteracuda unter seine Kontrolle kommt – die er prompt wieder verliert, so dass das Vieh komplett außer Rand und Band gerät.

Was bedeutet, dass Symes nun den Sharktopus steuern will, mit einem eingepflanzten Kontrollgerät, dass ihn ausschließlich den Pteracuda bekämpfen lassen will. Denn was ist schon eine besser Waffe gegen ein Flugmonster als ein auf Salzwasser angewiesenes Gegenmonster, wenn der Pteracuda schon das eigene Sondereinsatzkommando abgesehen des Anführers abgemetzelt hat.

Für wen sollte ich in dem Film eigentlich sein? Für den Sharktopus, der auf friedlich trainiert werden sollte, aber doch auch von sich aus genug umbringt, sobald er frei ist? Den Pteracuda sicherlich nicht. Die Meeresbiologin, die offen zugibt, eigentlich wegen des Ruhmes das Forschungsinteresse am Sharktopus zu haben? Den Anführer des Einsatzkommandos, dem sie extra eine kleine Tochter gegeben haben, der als Söldner aber bisher sicherlich ohne zu fragen Befehlen von Leuten wie Symes gefolgt ist? Immerhin sieht der echt gut aus, behält aber dummerweise auch den ganzen Film über sein Shirt an. Und warum überhaupt sind alle Schurken als Fremdlinge codiert? Der Russe hat einen starken Akzent, der Geldgierige Onkel auch, und selbst Dr. Rico Symes hat vom Look her einen leicht hispanischen Einschlag.

Mir mag alle paar Jahre mal wieder nach so einer Shark Week sein, aber wenn ich mich dann doch durch die Filme schaue, gibt es einige, bei denen ich mich wieder daran erinnere, warum ich schon länger keine mehr gemacht habe. Diese Woche bisher war zumindest nicht sonderlich ergiebig an Unterhaltungswert. Sharktopus vs. Pteracuda ist nämlich auch ein wenig langweilig. Manchmal schmunzelte ich kurz, weil der Film immerhin ein paar schön fiese Tode hat und damit so nonchalant umgeht. Und natürlich das Highlight Conan O’Brian gemordet zu sehen. Der Rest war halt nur schlecht. Keine großartige Handlung, die über Wasser hält; keine Charaktere, an die man sich hängen kann; und das üblich schwachbrüstige CG, mit dem nicht richtig interagiert werden kann, sondern Schauspieler halt einfach so wild um sich fuchteln und die in Größe variierenden Monster in die Nähe gecomputert werden.

Shark Week VI – Sharknado 4

Da ich ein Jahr mit meinen Shark Weeks übersprungen habe, gibt es auch reichlich Aufholbedarf was die Franchise Sharknado angeht, die ja angeblich dieses Jahr ihren letzten Eintrag erhalten soll. Sechs Filme in sechs aufeinander folgenden Jahren sollte auch wirklich genug sein. Nicht, dass ich dem bereits trauen würde, persönlich gehe ich voll und ganz davon aus, dass wir 2020 einen Reboot sehen werden.

Sharknado: The 4th Awakens macht auch ziemlich klar, in welchem Jahr er erschienen ist, mehr oder weniger, denn genau genommen ist der bereits in Jahr vor der siebten Episode von Star Wars gelaufen. Das erklärt eventuell auch, warum er gerade mal so gar nichts mit ihm zu tun hat. Der Kontext-Text, der einem zu Beginn erklärt, was zwischen dem dritten und vierten Film geschehen ist, da man einen Time Skip von 5 Jahren hinlegt, ist in Star-Wars-Manier. Außerdem bekommt Roboter-Tara-Reid ein Lightsaber-Upgrade, welches sie aber nie zur Haibekämpfung einsetzen wird. Ansonsten ist der Untertitel von Sharknado 4 nur Schall und Rauch, statt wirklich sinnig zum Film zu gehören.

Was ein durchgehendes Problem ist, aber gehen wir doch zunächst mal auf die Story-Basics ein: Es sind fünf Jahre seit dem letzten Filmes vergangen, und die Firma Astro-X (die überraschend keine Evil Corp ist) hat überall Stationen aufgestellt, die Sharknados bereits zerstören, bevor sie richtig aufkommen können. Fins Vater ist aus dem All gerettet worden und arbeitet mit Fins Tochter für Astro X. Fin selbst hat eine Farm in Kansas, ums über den Tod von April hinweg zu kommen. Die lebt aber noch, als Roboter von ihrem Vater wieder zusammengewerkelt, in einem Geheimlabor. Und dann kommen doch neue Sharknados auf, die nicht abgefangen werden können, weil sie nicht auf Wasser basieren, sondern Sandteufel mit Haien drin sind etc.

Dass April wieder dabei ist, halte ich dabei für keinen sonderlichen Spoiler an dieser Stelle. Klar blieb deren Schicksal am Ende des letzten Filmes offen und es durfte per Twitter gevotet werden, ob sie wieder mit dabei sein wird oder nicht. Doch wurde ja bereits im Vorfeld angekündigt, dass Tara Reid erneut unter Vertrag ist, sie prangert auf dem Poster, und obwohl die ersten 20 Minuten des Filmes es so erscheinen lassen, als wäre sie wirklich von uns gegangen, benennt die anschließenden Titelsequenz sie bereits als zweiten Akteur nach Ian Ziering, noch bevor wir sie wirklich im Film zu sehen bekommen.

Der vierte Sharknado war für mich einfach unglaublich… anstrengend. Wenn einer dieser Berufs-Streamer, die permanent irgendwelchen unzusammenhängenden Nonsens vor sich hin brabbeln, um die tote Luft zu füllen, und eine forcierte Referenz nach der anderen für Witze mit Pointe subsidieren, zu einem Film geworden wäre, käme Sharknado: The 4th Awakens dabei heraus. Denn die Handlung an sich ist eigentlich ziemlich mau. Es kommt halt zu neuen Sharknados, Fin und seine Family werden von jenen fast gejagt wie die Familie in Jaws von den Haien, also müssen sie es notgedrungen via der üblichen Kettensägen mit denen aufnehmen, bis dann am Ende wieder alles gut ist.

Den Großteil der Spielzeit scheint der Film stattdessen nämlich mit Cameos zu füllen. War ja schon immer so, dass die Sharknado-Filme irgendwelche Reality-TV-Sternchen und gealterte Promis von Anno Dazumal unter Vertrag genommen haben, um sie mal kurz ins Bild zu halten. Aber so viel wie hier kam es mir noch nie vor. Die meisten Lokalitäten und Szenen scheinen weniger im Film zu sein, weil sie dafür einen Zweck erfüllen, sondern weil dadurch innerhalb kürzester Zeit diese Mini-Szenen mit mehr oder weniger bekannten Gesichtern gefüllt werden konnten. Das ganze häufig nicht mal mit einem Witz an ihren Cameo gebunden, sondern wirklich als reines „kennste den noch?“ ins Bild gehalten. Und wenn doch mal ein Witz dabei ist, glaubt der Film nicht wirklich, dass man den versteht. Wenn Fin beispielsweise in Texas eine Kettensäge kauft, und die Verkäuferin meint, ihr Cousin würde die immer benutzen, um nervige Teens vom Grundstück zu vertreiben, blendet die Kamera auf einen Schauspieler aus den Texas Chainsaw Massacres um. Nette Idee, meinen Goodwill verliert er dann aber wieder, und bekommt stattdessen ein Augenrollen geschenkt, wenn in der nächsten Szene beide vors Haus rennen, um Haie mit Kettensägen zu malträtieren, zum Ruf „Es wäre nicht Texas ohne ein Kettensägen-Massaker“.

Die Referenzen hören bei Z-Promis allerdings längst nicht auf. Die Dialoge im Film sind nur so gespickt mit mehr oder weniger erinnerungswürdigen One-Linern und Meme-Potential aus anderen Filmen. Come with me, if you want to live. We are not in Kansas anymore. Und viel zu viele mehr. Jedoch erneut das gleiche Problem: Quantität statt Qualität. Alles ist so halbherzig ins Script verballert, dass es jeglicher Pointe fehlt, sondern es ist erneut reines „kennste den Spruch?“. Das ist nicht nur in seiner Zusammenhangslosigkeit nicht witzig, sondern in der Densität auch absolut anstrengend. Eben auch bereits symptomatisch im Untertitel des Filmes behaftet, der ja Star Wars „parodiert“, daraus wie eingangs erwähnt aber absolut nichts macht.

Und das war einfach so wirklich der Film rundum für mich. Da mag noch so viel brachial geschehen. Noch so häufig ein neuer stumpfsinniger XYZ-Nado im Film auftauchen. Der Film noch so schnell durch Szenen und Lokalitäten hetzen. Mechs und Roboter integriert werden. Wenn das alles so ein zusammenhangsloser Brei ist, der nie wirklich humorig sein kann, weil er eben keine echten Witze sondern nur flaue Referenzen bietet, dann ist das einfach irgendwo anstrengen, nervig und absolut nicht unterhaltsam. Vielleicht ist die Luft auch einfach raus aus der Franchise.

Shark Week VI – Cruel Jaws

Sommerzeit ist Haisaison, dieses Jahr Mal erneut mit einer Woche an (meist) dämlichen Killerfisch-Filmen, die alle die Realität der Spezies nicht wiederspiegeln, aber seit wann sind Filme denn auch schon Realitätsnah, gell? Den Anfang darf traditionell ein Jaws-Film machen, die mir eigentlich bereits nach der vierten Woche offiziell ausgegangen sind. Auf deren Namen aufspringen ist allerdings auch nie schlecht, so beispielsweise geschehen 1995 mit Cruel Jaws, der manchmal sogar noch dreister als Jaws 5 vermarktet wurde.

Die Handlung geht generell gesehen auch über ähnliche Eckpunkte vonstatten. Beispielsweise haben wir auch hier einen Bürgermeister, der die Haigefahr möglichst kleinreden will, und keine Evakuierung anberaumt, weil gerade Hochsaison für den Tourismus ist. Und auch hier wird frühzeitig ein kleinerer Hai gefangen, weswegen die Obrigkeit die Sache für abgeschlossen betrachtet.

Nur kommen dort gefühlt noch tausend andere Subplots hinzu. Wo der erste Jaws vielleicht etwas schwachbrüstig war, wird Cruel Jaws stattdessen nämlich etwas arg überladen. So hat unsere zentrale Familie eine Delphinshow, die aber abgesagt werden soll, damit der Fiesling des Filmes dort ein Hotel bauen kann. Außerdem haben sie die Mutter bei einer Haiattacke verloren und die Tochter mit der nervigen Heliumstimme sitzt nun im Rollstuhl. Der Sohn hingegen ist in einer Beziehung a la Romeo und Julia mit der Tochter des Fieslings. Der Sohn des Fieslings hat hingegen eine Gang an Arschlöchern, die allgemein allen das Leben schwer zu machen scheinen wollen, einfach weil das so viel Spaß macht. Ein weiterer Hauptcharakter, diesmal ohne Verwandtschaftsverhältnis zu einer der verfeindeten Familien, hat Probleme damit, dass seine Freundin sich wegen seiner Meeresforschung vernachlässigt fühlt, woraufhin die auch auf einer Party einfach mal mit dem Sohn des Fieslings rum macht. Gerade letzteres ist schon geradezu perfide ausgeklügelt. Dadurch, dass sie einem der „guten“ Hauptcharaktere viel bedeutet, dürfen wir uns schlecht für ihn fühlen, wenn die Alte vom Hai gefressen wird, aber netterweise nicht allzu schlecht, weil sie ja fremd geknutscht hat und damit moralisch verwerflich aus dem engen Kreis der „guten“ Charaktere fällt.

Der Film ist übrigens anscheinend, wenn auch unter Pseudonym entstanden, von Bruno Mattei, der einen Ruf für low budget Gore-Feste hat. Dies kann man bei Cruel Jaws so aber nicht unterschreiben. Also den Titel „Low Budget“ auf jeden Fall schon. Denn die Leute können nicht nur alle nicht schauspielern, sondern das Script ergibt auch Stellenweise keinen Sinn, was den Zusammenhang zwischen ursprünglicher Aussage von Charakter A und darauf folgende Antwort von Charakter B angeht. Auch sind alle Haiaufnahmen die ewig gleich wiederholten Shots aus entweder Styropor-Fisch oder Stock Footage, die teilweise auch noch eindeutig unterschiedliche Haie verwenden, von denen ich mir nicht mal sicher bin, dass die immer die gleiche Spezies sind. Sieht halt aus wie ein billiger Fernsehfilm, der direkt nach Jaws gedreht wurde.

Was aber nicht unterschrieben werden kann, ist das mit dem Gore-Fest. Denn Cruel Jaws bleibt absolut handzahm, wir werden nie irgendwelche brutalen Haiattacken zu Gesicht bekommen, sondern zum Großteil nur Akteure, die schlecht auf Stock Footage reagieren. Mit einem falschen Hai zu interagieren würde ja auch voraussetzen, dass man einen falschen Hai hat bzw. jener nicht aus drei Styropor-Dreiecken zusammengeklebt wurde und kurz vorm Auseinanderfallen ist bzw. der Styropor-Hai nicht Stock Footage eines anderen Filmes ist. Die einzelnen Haie passen nämlich eventuell auch deswegen nicht zusammen, weil Cruel Jaws anscheinend die Szenen mit dem Apex-Fisch aus anderen Filmen geklaut hat.

Manchmal kann man sich ein Auflachen echt nicht verkneifen, weil Cruel Jaws einfach zu schlecht gemacht ist. Wirklich was über diese insulare Erheiterung hinaus wird man in den 90 Minuten aber nicht finden.

The Pit and the Pendulum

Nur weil es keine 1313 mehr gibt, ist natürlich nicht zwangsläufig der Boden der DeCoteau-Kiste erreicht. Masochisten wie ich, denen es doch nach mehr Pein verlangt, aber bei körperlicher eine Pussy sind, haben da noch zahlreiche Möglichkeiten, ihrem Fetisch nachzugehen. Immerhin hat der Mann über hundert Filme auf dem Buckel seiner IMDB-Liste.

Edgar Allan Poe ist da immer eine gute Wahl, weil dessen Geschichten alle Public Domain sind, sein Name aber einen gewissen Gravitas hat. Und viele sehr vage Kurzgeschichten sind, die man letztendlich eh auslegen kann, wie man lustig ist. DeCoteau hat das ja bereits mit einem House of Usher gemacht, welches plötzlich von heißen Jünglingen in Unterwäsche bewohnt war. Wobei ich Poe absolut nicht kenne, von daher meine Hand nicht ins Feuer legen könnte, ob es bei The House of Usher und The Pit and the Pendulum nicht tatsächlich um stahlharte Bauchmuskeln und engsitzende Boxer Briefs ginge.

The Pit and the Pendulum startet schon mal mit einem autoritär sprechendem Kerl, dessen luftige Sprüche höchstwahrscheinlich direkte Zitate aus der Poe-Geschichte sind, und genauso eventuell auch schon die einzige Verbindung zu jener darstellen. Jedenfalls philosophiert er zwei gefesselten Gestalten ins Gesicht, und das in einem komplett blau getünchten Raum. Ich bin mir da ja immer nicht so sicher, ob das eine stilistische Entscheidung von DeCoteau darstellen soll, oder schlichtweg schlechtes Day for Night darstellt.

Besagter Raum ist übrigens nicht in DeCoteaus Haus, dem heimlichen Star eines Großteils seiner Filme. Dafür im gleichen, in dem er bereits House of Usher gefilmt hat, denn so eine Location muss doch für mindestens zwei Dutzend Filme herhalten, wenn man sie schon ein ganzes Wochenende gemietet hat. Um dann aber doch keine zu großen Kulturschock zu haben, trifft natürlich gleich ein Wagen voller junger, attraktiver Kerle und deren Alibi-Mädel ein. Das sind angeblich Sportstudenten, wobei einer davon eindeutig schon jenseits der Dreißig ist, die einfach mal spontan auf eine Anzeige für Hypnosetherapie reagierend hierher gefahren sind. Voll seriös und so.

Geleitet wird das von der obligatorischen älteren Tussi, deren Schönheits-OP sie nicht nur wie ein undefinierbares Alter zwischen 40 und 70 ausschauen lassen, sondern auch einen distinkten Look einer aufblasbaren Puppe verleihen. Die hat einfach mal so die Praxis ihres Vaters übernommen, der verrückt war und Leute umgebracht hat. Wird ja immer seriöser diese Therapie. Eine von dann doch gleich zwei Alibi-Mädels ist ob deren Familienvergangenheit auch gleich ziemlich skeptisch, während einer der Typen das sofort wegwischt und unangemessen vertrauensvoll ist. Der Rest der Gruppe äußert sich nicht, aber dableiben tun sie auf jeden Fall. Die sind auch viel zu sehr damit beschäftigt, sich Porn-Dialoge aus dem Nichts an den Kopf zu werfen. Wie das eine Mädel, welches einfach mal so unaufgefordert dem anderen Mädel, welches sie seit gut 5 Minuten kennt, erzählt, dass sie noch Jungfrau ist, woraufhin jene sie erst Mal anflirtet.

Um jegliche Anflüge von Unseriösität endgültig auszumerzen, nimmt sich Frau Aufblaspuppe auch direkt erst mal den muskelbepacktesten Kerl mit in ihren Velvet Room, und unterzieht ihn der Hypnosetherapie. Strip-Hypnotherapie! In Unterwäsche therapiert es sich gleich viel besser. Vor allem wenn die Therapeutin sich auch noch an einem trockenstimuliert. Und den Kerl dann umbringt. Nehme ich mal an. Genau wie der Sex komplett bekleidet erfolgt ist, sieht man nach dem Mord auch keinerlei Verletzung an dem Kerl. Während der Hypnose sieht man übrigens ein Pendel und der Kerl steigt geistig in eine Grube hinab. Damit ist der Titel wohl gerechtfertigt, denn keines von beidem wird Handlungsbedingt wirklich wichtig werden.

Damit hat sich auch geklärt, ob David DeCoteau den Blaufilter für Traumsequenzen, Day for Night oder doch einfach stilistisch verwendet. Für maximale Verwirrung und einen über die Hälfte der Spielzeit in besagt unterkühlten Tönen gehaltenen Film nämlich gleich für alles drei. Nachts ist alles Blau. Unter Hypnose ist alles Blau. Und einfach weil es mysteriös aussieht, ist der Therapieraum grundsätzlich Blau, egal ob in wachem Zustand am Tage oder unter Hypnose in der Nacht.

Unter dem Banner von Dialogen, die nirgendwo hinführen, gibt es anschließend übrigens eine seltsam unkomfortables Dinner zwischen dem Rest der Truppe und der Aufblaspuppe. Bei der sie ihre tragische Kindheit eines an ihr experimentierenden Vaters offenbart. Und das die Hypnose dazu da ist, das Schmerzempfinden auszuschalten. Und ihr Vater tatsächlich Leute umgebracht hat. Und das stört Mal wieder keinen so wirklich. Genauso wie alle anzweifeln, dass das erste Mordopfer angeblich einfach so wieder heimgefahren ist, aber auch dem Gedankengang nicht weiter folgen. Dann wiederum sind sie auch alle angetrunken und damit beschäftigt, sich gegenseitig die Zungen in den Hals stecken zu wollen. Weil das hier eindeutig ein Porn-Script war, bevor es verharmlost wurde.

Case in Point: Anschließend nimmt sich Aufblaspuppe zwei der anderen Kerle mit, und während die sich in Unterwäsche bei überraschend legitim ausschauendem Wrestling die fast nackten Körper aneinander reiben, kommen plötzlich die Titten raus. Woah, so viel nackte weibliche Haut… bin ich in den Film eines anderen Regisseurs gefallen? Gefolgt wird das davon, dass die zwei verbliebenden Kerle und die beiden Mädels sich jeweilig queerer Liebe zueinander hingeben. Schwule und lesbische Küsse, statt sich die Kerle immer nur schöne Augen machen, aber dann dennoch #NoHomo sein zu lassen? Davide DeCoteau, heute sind wir aber mal so richtig wagemutig!

Ok, jedenfalls ist es so, dass die Experimente des Vaters an Frau Aufblaspuppe erfolgreich waren, und sie deswegen kein Schmerzempfinden mehr hat. Was ich ja irgendwo nicht positiv ersehen kann. Ich mein Schmerz ist ein Warnhinweis des Körpers sich nicht kaputt zu machen. Außerdem behandelt der Film das so ein wenig, als hätte sie auch kein Gefühlsempfinden mehr, obwohl sie das eindeutig hat. Die Experimente fortführen tut sie auch nur, um einen Gleichgesinnten zu haben, weil sie so alleine ist. Und ihren Bruder hat sie im Keller weggesperrt, weil bei ihm die Experimente zu einer Überempfindlichkeit geführt haben.

Das macht für mich halt alles erneut keinen wirklichen Sinn. Zum einen, warum der Deckmantel der Klinik, statt einfach einen BDSM-Swingerclub zu eröffnen? Die machen schräge Sexspielchen mit Schmerz freiwillig mit, und wenn einer verschwindet kommt das nicht so schnell raus. Warum ist ihr Fehlen von Schmerzempfinden so eine Hürde einen Partner zu finden? Oder warum kann sie nicht einfach mit ihrem Bruder zusammenleben statt ihn im Wandschrank einzusperren? Dass hier nie mal beleuchtet wird, warum die Gruppe an Studenten überhaupt bei einer solchen Therapie mitmachen wollen, wäre auch mal interessanter gewesen, als einfach „weil sportliche Leistung“ einzuwerfen.

Ich weiß ja nicht, so wirklich gut ist The Pit and the Pendulum zwar nicht, aber überraschend unschlecht für einen DeCoteau. Also schlecht und billig und unsicher immer noch, aber nicht so extrem, wie ich das von so manch anderem Eintrag gewöhnt bin. Dann zwar auch nicht so unfreiwillig witzig wie so mancher, aber auch nicht so langweilig wie manch anderer. Sondern so seicht-unterhaltsames Mittelfeld?

1313: UFO Invasion

Och mei, sind wir doch beim letzten 1313 angekommen. Es scheint noch gar nicht lange her zu sein, dass es immer einen weiteren Film in meiner Zukunft gab, mit dem ich potentielle Insomnie heilen und mir gleichzeitig ordentlich Körperkomplexe einfangen konnte. 14 Filme später ist mir bei Ersterem nicht geholfen, sondern hat nur Auswirkungen auf Letzteres gesehen.

Aber UFO Invasion (diesmal kein schreiendes Satzzeichen im Titel) fängt sogar richtig mit Action an! Das verdient ein schreiendes Satzzeichen! Denn statt schon mal 5 Minuten damit gefüllt zu bekommen, dass die Kamera über die ewig gleiche Szenerie aus Establishment Shots streift, in der Regel die gleichen von DeCoteaus Haus wie zu Beginn fast aller 1313s, steht schon nach unter einer Minute der erste Kerl mit nacktem Oberkörper im Haus und Hallo-t sich die Gänge hoch und runter. Je mehr sich ändert, umso mehr bleibt gleich.

Manchmal, wenn meine Gedanken sich nicht in den Windungen der Oberkörpermuskeln der Akteure verlieren, oder ich der ganzen Fleischbeschau schlichtweg überdrüssig geworden bin, frag ich mich ja schon wo die überhaupt immer herkommen. Ständig tauchen in diesen Filmen Kerle auf, die man vorher nie gesehen hat, die aber nichts außer die Kleidung an ihrem Leibe mit sich tragen, und selbst davon nicht sonderlich viel, und durch das Haus geistern und nach Leuten suchen, die wir eventuell nie sehen werden. Waren die hier verabredet und der Erdboden hat sich kurz vorher aufgetan und alle anderen verschluckt? Sind alle spontan von UFOs entführt worden? Ist das die lang seit 14 Filmen angesetzte UFO-Invasion? Hat sich das Vakuum in den Köpfen der Schönlinge spontan ins Unendliche ausgeweitet, bis selbst die härtesten Muskeln ihre Form nicht mehr aufrechterhalten konnten?

Jedenfalls wird der Kerl plötzlich von einer Mikroskopansicht attackiert und erwacht nur in weißer Buchse auf ein Bett gefesselt. Arbeiten die Aliens etwa mit dem Bermudadreieck? Sind die Atlanter eigentlich Aliens? Haben Aliens die Hochkultur von Atlantis beeinflusst? Ist die rothaarige Cougar, die sich ihn dabei beguckt eines der Aliens? Oder wirkt ihr Gesicht nur dank Schönheitschirurgie so außerirdisch, und sie ist eigentlich im Begriff sich einen heißen Frankenstein zu bauen? Oder sind die “Monster” in Werken von David DeCoteau einfach nur unkreativ in ihrem Fetisch? Fragen, die keiner stellt, und keiner beantwortet.

Wäre da nur nicht der total laute und hohe Ton, der für DeCoteau wohl „Alien“ aussagt, und den er für mehrere Minuten im Hintergrund einspielt. Der ist sowas von nervig, ich glaub die ganze Hundenachbarschaft von mir hat wild zu kläffen begonnen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den dumpfen Herzschlag-Sound, den er in 90% seiner Filme einspielt, je zurückhaben wollen würde, aber wenn das hier die Alternative ist, dann nehme ich doch lieber das bekannte und kleinere Übel.

Egal, wenn der Film dann nach dem ersten Rando-Opfer so wirklich beginnt, finden wir heraus, dass die rothaarige MILF das Gebäude an eine Gruppe Studenten untervermieten will. Derjenige, der es sich stellvertretend anschaut, ist sogar an Alienkulturen interessiert. Was ein Zufall aber auch. Ach ja, DeCouteaus Haus hält diesmal übrigens als Roswell her. Weil Aliens. Ich bin ja überrascht, dass es nicht gleich Area 51 ist. Jedenfalls glaube ich, dass es im Dialog hierum ging, der Soundmix ist gewohnt mal wieder so schlecht, dass man nur jedes dritte Wort versteht.

Obwohl die drei Studenten eigentlich beteuern dringend studieren und ihre Thesis schreiben zu müssen, oder was Stundenten auch immer machen, wenn sie nicht gerade ihre Lesungen verschlafen, springen sie natürlich erst mal in Unterwäsche in den Pool. Dem Sirenengesang der prompt daraus ertönenden Porn-Mucke kann halt nicht entwichen werden. Er ist wie eine gigantische Venusfliegenfalle, nur dass er statt zu morden lediglich die Unterhose durchsichtig macht. Keine Klagen meinerseits.

Man sollte sich selbstverständlich auch nicht davon täuschen lassen, dass drei knackig junge Kerle abgeschieden in einem hübsch ausstaffierten Haus leben wollen, miteinander gern im Pool tollen, oder den kompletten Tag nur in Boxershorts umeinander rum laufen, denn die sind aboslut #NoHomo und nur gute Freunde die total auf Pussy stehen. Man muss halt auch über seinen Tellerrand der Schwulenklischees hinausschauen können, und sich eingestehen, dass die junge Generation schlichtweg altertümliche Macho-Klischees zu brechen weiß. Einer der drei Adonisse ist sogar ganz gezielt auf Granny-Action aus, weil es immer mindestens ein Kerl in diesen Filmen auf die Rentnerin, der das Haus gehört, abgesehen hat.

Nach so viel Produktivität im Etablieren, worum es geht, ist natürlich prompt der Moment gekommen, wenn sich der Film so langsam aufzulösen beginnt. Hauptcharakter-Blondie verlässt nämlich seine frisch gegründete Kommune, um Roswell zu investigieren. Was zu nicht viel führt, außer dass er essenziell bis zum Finale aus dem Film raus ist. Nur unterbrochen mit überraschenden Shots, zu denen er tatsächlich zu einem dämlichen Voice Over durch die Gegend fährt und auch in einer Stadt auf und ab läuft. Ich hätte ja erwartet, dass sie ihn nur drei Mal DeCoteaus Garten entlang streifen filmen und dann diese ewig wiederholen, aber für den letzten Film hat man sich scheinbar nochmal in Unkosten geschmissen. Oder der Kerl war eh unterwegs, weil David DeCoteau doch den Boden seiner schier endlosen Kiste an weißer und schwarzer Unterwäsche aller erdenklichen Knackarsch-Komfortgrößen erreicht hatte, und der neue kaufen gehen musste, und man hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt.

Mit dem Hauptcharakter aus dem Film entstiegen ist stattdessen die Zeit gekommen, in der Rando Collegestudenten einer nach dem anderen auf der Türschwelle auftauchen. Und es ist klar, dass dies alles Collegestudenten sind, weil sie einfach nicht aufhören können blöde Dudebro-Sprüche vor sich hin zu maulen, bis man ihnen dreimalig den Tod gewünscht hat. Jedenfalls tauchen alle gewohnt mit nacktem Torso beim Haus auf, welches plötzlich völlig leer ist, weil sich immer nur so viele oder wenige andere Personen darin befinden, wie es das Script benötigt, nicht wie viele anhand voriger und folgender Szenen wirklich gerade vor Ort sein sollten, und verschwinden dann, nachdem sie sich kurz in Unterwäsche gefesselt auf dem Bett hin und her winden durften. Es wird dabei viel „Hallo“ gerufen. Nie geantwortet. Bei jenen endlosen Wegen durchs Haus ist mir immerhin eine neue Hahnenfigur auf einer der Anrichten aufgefallen, welche ich sehr passend finde, mal so vom englischen Begriff für Hahn her.

Wir bekommen auch unsere letzte Duschszene in einem dieser Filme geboten, was einen schon etwas schwermütig mache kann. Nie wieder. Da muss man sich doch prompt eine Träne aus dem Gesicht, oder wenigstens etwas Precum aus dem Schritt, wischen. Jene dank des niedlichen Kerls, der entweder total stoned, in einer Sprechrolle vollkommen fehlplatziert, oder ein überraschend attraktiver animierter Leichnam ist.

Nachdem dann alle tot oder verschwunden oder wie auch immer sind, darf Blondie zurückkehren, und der Film seine blöde Wendung offenbaren, die irgendjemand, als er die Handlung via zwei Sätze auf eine Serviette gekritzelt hat, bestimmt total geil fand. Und der Film klingt aus, obwohl wir noch nicht ein UFO gesehen haben oder mal jemandem zumindest eine blöde Halloween-Aliengummimaske aufgesetzt wurde.

1313: Frankenqueen

Wenn ich den Titel Frankenqueen höre, muss ich irgendwie unweigerlich an Rocky Horror Picture Show denken. Aber so eine herrliche Camp-Feier ist natürlich ein 1313 im Leben nicht. Es braucht für mich als Deutschen halt auch einen Moment, um zu realisieren, dass Frankenqueen sich schön auf Frankenstein reimt, zumindest wenn man es falsch-amerikanisch ausspricht.

Der Film beginnt allerdings ausnahmsweise mal nicht damit, dass ein halbnackter Kerl nach dem anderen bei David DeCoteaus Haus ankommt. Nein, hier kommen sie gleich im Doppelpack, und im Haus werden die bereits von drei weiteren erwartet! Eine Person alleine könnte natürlich auch nicht diese super Exposition Talks mit sich selbst führen, die uns als Publikum sagen, was Sache ist, aber total unnatürlich einander zu sagen sind.

Die beiden sind also zusammen in einer Limo angekommen. Kein Grund die zeigen zu müssen, kostet auch nur Geld. Allerdings finden sie erst jetzt die Zeit, sich gegenseitig vorzustellen. Keine Ahnung, um dem Publikum die Namen der beiden mitzuteilen, hätte man diese auch einfach in den Dialog hineinschreiben können, und in wenigen Minuten müssen sie sich eh dem Rest im Haus vorstellen. Ach ja, und sie sind hergekommen als Versuchsobjekte einer berühmten Schönheitschirurgin. Naive Blonde findet das ganz cool, Bitchy Brunette hingegen ist eben total zickig deren Reputation gegenüber.

Im Gespräch mit den nächsten dreien – Black Dude, Tall Dumb und Playboy – ergibt sich dann, dass die gute Frau Doktorin auch noch in Cash zahlt. All das nur dafür, ein Wochenende lang in deren Villa abzuhängen, im Pool zu schwimmen, und sich verköstigen zu lassen. Und scheinbar findet das immer noch keiner von denen fischig. Was hat die ein Glück, dass die Kerle alle schön und dazu noch schön dumm sind. Ein wenig bitchy sind sie zudem auch noch alle von Zeit zu Zeit. Abgesehen von Naive Blonde, mein heimlicher Favorit, der ist total niedlich. Mein wahrer Favorit ist allerdings Tall Dumb, weil der von allen am besten aussieht, und ich ein oberflächliches Stück bin.

Besagter Favorit ist auch der erste, der wie ein Unterwäschemodelzombie durch das Haus schlendern darf, während plötzlich nirgendwo mehr sonst jemand zu sehen ist, und das Bild ganz leicht bläulich getüncht ist. Ich weiß bei denen immer nicht, ob dann jetzt mal wieder Nacht sein soll, obwohl die kalifornische Sonne eindeutig im Zenit steht, oder das eine Traumsequenz darstellt, oder was. Auch weiß ich nicht, warum DeCoteau so ein Faible dafür hat, wenn die Kerle die Treppe hochgehen, dies vom unteren Stockwerk durch das Geländer zu filmen, statt hinter ihnen zu bleiben. Wäre der Kerl nicht so groß, würde man so überhaupt nicht seinen Knackarsch sehen können.

Jedenfalls war ich schon ganz betrübt, dass ausgerechnet der Kerl mit dem besten Torso als erster sterben muss. Aber dann doch nicht. Er geht nur mehrere Minuten lang die Gänge des Hauses auf und ab, legt sich dann aufs Bett, Frau Doktor hält einen Leuchtstick über ihn, während total wissenschaftliche Scan-Geräusche eingespielt werden, und dann sehen wir wiederholte Aufnahmen von ihm die Gänge entlang schleichen. Dann gibt es einen harten Cut und es ist wieder Tag und die ganzen Kerle sitzen im Pool. Inklusive ihm, er ist also auch nicht verschwunden oder offscreen ermordet worden oder sonstwas. Aber der Film ist nun 10 Minuten länger, es hat also nicht nichts gebracht.

Irgendwann ist klar, dass Kissable Lips… ne warte, ich meine Bitchy Brunette, so bitchy ist, weil er meint all die tollen technischen Superdinge seien vom verstorbenen Mann der Doktorin entwickelt worden, und sie hält dies Durchbrüche jetzt zurück, nur um die beste Schönheitschirurgin zu sein. Er ist also ein Spion, der hier einklauen gehen will. Dafür ist die Doktorin, die merkwürdigerweise nicht von DeCoteaus BFF Michelle Bauer gespielt wird, allerdings viel zu gewitzt.

Allgemein ist das Script häufiger mal überraschend launig und humorig geschrieben für die ansonsten so faden 1313, die öfter mal sogar ganz ohne Dialoge auskommen würden. Hauptsächlich bekommt die Doktorin so einige schneidige Kommentare ihren Boytoys gegenüber rein, besonders wenn sie die einzeln mit einem Türstopper scannt und zynische Bemerkungen über sie ablässt. Da versucht der Playboy schon mal eine seiner lahmen Anmachversuche mit dem Spruch „So… I was thinking…“ einzuleiten, und wird von ihr sofort mit einem „Nope you weren’t. Says it right here on the scale“ unterbrochen.

Mittlerweile bin ich ja auch der Überzeugung, dass David DeCoteaus Pool einfach au naturel mit Porno-Musik kommt, sobald er registriert, dass jemand zu schwimmen beginnt. Apropos obligatorische Szenen. 55 Minuten in den Film ist wohl aufgefallen, dass noch keiner unter der Dusche im Obergeschoss stand, und so muss natürlich noch schnell eine Szene mit dem heimlichen Star aller dieser Filme eingeworfen werden. Ein wenig kurz gehalten, aber dafür gibt es nach 62 Minuten eine Bonusrunde in Form einer weiteren Duschszene. Unterbricht ganz plötzlich sogar eine begonnene Traumsequenz eines rumlaufenden Kerls – der Blaufilter scheint nicht Nacht zu signifizieren, wodurch sich die Frage stellt, wo plötzlich währenddessen all die anderen Kerle hin sind. So richtige Duschszenen sind das eh nicht, sondern eher „ich reibe Wasser auf meine Muckis“ Szenen. Und endlich, auch wenn es wohl nur ein Versehen ist, bekommen wir nach Dutzenden an austauschbaren Schönlingen, die nur in Unterwäsche durch DeCoteaus Haus gestreift sind, mal einen, dessen ganz besondere Silhouette darin ersichtlich ist.

Grundsätzlich gibt es ja eh nichts gegen eine reiche Witwe einzuwenden, die sich die Tage damit vertreibt, heiße junge Kerle nur in Shorts in ihrer Villa wohnen zu lassen, und unter dem Vorwand von Experimenten ihnen beim Krafttraining etc. zuzusehen. Das ist mein nicht-so-heimlicher Lebenstraum. Doch wie Bitchy Brunette herausfindet, im Raum, der als „Downstairs Library“ angekündigt wird, dann aber eindeutig das Wohnzimmer im Obergeschoss ist, mit keinem Buch weit und breit und einem klaren Blick auf den Balkon, ist das nicht alles. Natürlich macht sich unsere Doctor Frankenqueen ein „Monster“, in dem sie aus den perfekten männlichen Ersatzteilen einen hübschen jungen Stecher zusammenschraubt. Moralisch schon etwas verwerflicher, aber durchaus auch nachvollziehbar ein Ziel. Wäre natürlich der Lacher schlechthin, wenn dieser perfekte Partner sich als schwul herausgestellt hätte, statt sich auf Ewwww-Hetenküsse mit ihr einzulassen.

Frankenqueen war wieder launiger und witziger ein Eintrag in die 1313.

1313: Hercules Unbound!

Hercules Unbound! kommt erneut mit Satzzeichen im Titel für maximales Aufmerksamkeitsgreifen daher, wobei man natürlich auch durchaus noch ein weiteres Ausrufe- und ein Fragezeichen hätte einfügen können. Aber ich glaube die kommen bei DeCoteau nur in Verbindung mit A Talking. Und A Talking Hercules!?! ist dann wieder weniger griffig.

Ich war ja echt gespannt, wie der Film aufgezogen sein wird. Soll der etwa wirklich in der Antike spielen, ähnlich wie sich Billy the Kid für den Wilden Westen ausgegeben hat? Denn eine entsprechende Location findet sich sicherlich nicht im 1-Kilometer-Umkreis von DeCoteaus Haus mal schnell. Er beginnt dann auch mit Establishment Stock Fotos der Akropolis. So weit, so gut. Sofern man nicht anfängt zu denken jedenfalls, denn die Akropolis war in der griechischen Antike weder eine Ruine, noch war sie farblos.

Immerhin erzählen uns Zeus und Hera dann, über Stock Footage einer Wolkenformation, die ich bestimmt auch bereits zum millionsten Male in den 1313s zu sehen bekomme, so ungefähr die richtige mythologische Geschichte. Oder zumindest deren Eckpfeiler: Zeus hurt sich durch die Gegend, Herkules ist ein halb-menschlicher Bastard mit besonderer Körperkraft, und Hera ist im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch eifersüchtig. Nichts mit liebenden Eltern und einem fiesen Hades wie in der Disney-Variante. Die dennoch ein gutes Stichwort bleibt, denn es kommt einem so vor, als wäre der Rest der Handlung schon so ein wenig daraus entnommen, nur mit viel rausgestrichen. Oder zumindest Herkules generelle Charakter-Entwicklung stammt von dort.

Mit all der Einführung aus dem Weg, können wir ja endlich zum Hauptschauplatz von Hercules Unbound! kommen: David DeCoteaus Haus. Oder besser gesagt dessen Garten und Swimming Pool, vor dem fast der komplette Film gedreht ist, da es im Haus dann doch nicht altgriechisch genug aussieht. Mein besonderes Highlight hierbei sind die Szenen, die aussehen wie aus einem FMV Adventure der mittigen 90er. Unkomfortabel nahe Aufnahmen von Charakterköpfen bis zur Schulter, mit den Hintergründen unter anderen Lichtverhältnissen als seien sie via Greenscreen davor gesetzt worden, und fast nie mehrere Charaktere zusammen im Bild, sondern nur ein Hin und Zurück dieser Closeups beim Reden miteinander.

Sobald ich dann die Spiegelung im Hintergrund gesehen habe, ging mir auch auf, warum diese so seltsam wirken. Die sind im Haus aufgenommen worden, keine Ahnung warum, vielleicht weil dort die Umgebungsgeräusche nicht die Hälfte der Worte schlucken, so wie das in den Außenaufnahmen der Fall ist. Es war halt windig an dem Nachmittag, an dem der Film komplett abgedreht wurde. Die Hintergründe sehen so anders aus, weil dazwischen eine Glasscheibe ist, durch die sie ausgewaschener wirken. Es wird so nah an die Leute rangezoomt, damit eben nicht irgendwo noch eine nicht-antike Wand oder so mit auf das Bild rutscht. Und wir sehen so gut wie nie zwei nebeneinander stehen, weil sich alle Charaktere genau in die gleiche Position vor die Balkonglastüre stellen müssen, damit eben nichts Ungewünschtes mit im Bild ist. Die Gespräche sind also tatsächlich getrennt voneinander ohne Gegenpartizipation aufgenommen worden. Was natürlich die eh schon nicht überragenden Schauspieler nur umso mehr glänzen lässt. Auch der leicht altertümlich angehauchte Wortlaut des Scriptes kommt denen selbstverständlich komplett natürlich über die Lippen.

Hut ab allerdings fürs Kostümdesign, welches das halbe Dutzend Kerle alle in extrem winzige Lendenschurze steckt, einem davon sowieso nur ein Taschentuch für die Hüften gegeben hat, und Athena wie Cleopatra ausstaffiert. Die ist die Alibi-Frau des Filmes und Dreh- und Angelpunkt für das wenige Geschehen, welches geschieht. Denn DeCoteaus Garten soll deren Trainingsstätte für junge Kämpfer sein. Und sie hat Herkules aufgenommen, damit er etwas aus der Reichweite von Hera raus ist. Allerdings ist er ein zu selbstüberzeugtes Arschloch in ihren Augen (generell hat sie damit nicht Unrecht), also beschließt sie, sehr wohl um die Gefahr wissend, die von Hera ausgeht, ihn über einen Trank zu schwächen.

Jedenfalls spiked der Antagonist, der seine Frisur zwischen den Außen- und Innenaufnahmen zu ändern scheint, und ganz typisch antikes Griechenland chinesische Schriftzeichen seine Seite hoch tätowiert hat, dieses Gebräu und versucht Herkules dann zu erschlagen. Nachdem er bereits einen Kerl so schwer verletzt hat, dass der sich ganze 2 Sekunden die Seite halten muss, bevor er wieder normal posen kann, der ganz plötzlich Herkules Kindheitsfreund sein soll. Damit Herk die Überzeugung gewinnt sich weniger wie ein Großkotz zu benehmen und selbst geschwächt den Ringkampf zu gewinnen. Athena übrigens bekommt nie die Retourkutsche dafür, dass all dies nur durch ihre ursprüngliche Aktion geschehen konnte.

Nicht, dass 90% des Filmes von vorig genannter Handlung eingenommen würde. Nein, der Großteil des Filmes besteht aus sich immer wiederholenden Aufnahmen der Kerle beim Training. Im weitesten Sinne. Manchmal posieren sie auch einfach nur recht unbeholfen in der Gegend, weil deren Direktion wohl höchstens „mach Bodybuilder-Bewegungen“ oder „sieh aus wie eine antike Statue“ war. Welches von beiden auch immer, so wirklich gelingen will die Umsetzung nicht. Hin und wieder dürfend die Kerle auch ein wenig joggen, oder mit Bällen und Speeren werfen wie Mädchen, oder miteinander ringen. Letzteres ist fast ein wenig erotisch, auch wenn mal wieder nicht die Extrameile gegangen wird, und keiner daran dachte, die Typen etwas einzuölen. Überhaupt ist das Framing scheinbar noch schlechter als sonst, denn regelmäßig ist das Bild zu weit rausgezoomt und von zu weit unten aufgenommen, um das Posen wirklich gut sehen zu können, und außerdem schneidet DeCoteau gern mal einen Kerl am Bildrand halb ab, obwohl auf der anderen Seite Leere klafft.

Wer übrigens denkt die Macher des Filmes wären sich bewusst gewesen, dass die sportlichen Leistungen bei den antiken Griechen gern mal nackt ausgeführt wurden, oder deren Gesellschaft wenig Probleme mit homosexuellen Liebschaften hatte, der ist auf der falschen Fährte. All das hier ist so stimulierend wie als Vegetarier an der Fleischtheke des Metzgers zu stehen. Und diesmal wird auch nicht mal der Anschein eines Horror-Filmes geweckt, da es weder einen mörderischen Stalker noch ein Monster gibt. Kein Kerl im sexy Minotauruskostüm, oder einer Tussi mal drei Gummischlangen ins Haar zu werfen und sie Medusa zu nennen.

Da ist es doch ganz passend, dass der Hercules at the  Training Camp eigentlich nach 60 Minuten rum ist, und die finale zehn wirklich absolute nichts Neues mehr zeigen, sondern nur die paar Minuten an Posier-Szenen, die bereits den Film um 40 Minuten unter Endlosschleife gestreckt haben, ein finales Mal abgespult werden.

1313: Billy the Kid

Bei Billy the Kid ist es nicht wie üblich so, dass die Story erst in den letzten 10 Minuten ihre Herkunft von einem schnell dahin gekritzelten Zweizeiler auf einer Serviette zeigt, nein hier gibt es sogar gleich direkt einen kleinen Situationsabriss. Und zwar ist der berüchtigte Billy angeschossen worden (zumindest sagt dies der Film uns und er hält sich den Arm zu Beginn, scheint den je nach Szene allerdings auch uneingeschränkt benutzen zu können) und auf der Flucht vor dem Sheriff, was ihn ach New Mexico und in das Hell’s Heart treibt.

Welches prompt mit Roanoke in Verbindung gebracht wird? Ist ein wenig weit ab von den Neuenglandstaaten, aber am Ende wird das sogar erklärt, wie überraschend für einen 1313. Und Hell’s Heart scheint tatsächlich der legitime Name der Stadt zu sein, in der er ankommt. Ich hätte ja eher darauf getippt, dass dies ein Name der Region oder des Tales ist, und das auch nur im Volkssagen, aber der Wilde Westen war wohl ziemlich Metal in der Benennung der Siedlungen.

Und ja, überraschend ist das hier ein Period Piece, die Angelegenheit soll tatsächlich in 1881 spielen. Ich hatte ja halb erwartet, dass der in Hell’s Heart in einen Dimensionsriss fällt und in der Gegenwart im Pool von David DeCoteaus Haus ausgespuckt wird. Oder das man einfach zwei Salontüren in dessen Wohnzimmer hängt und behauptet, dies sei der Wilde Westen. Aber man ist tatsächlich zwei Meilen weiter auf eine Farm gefahren und hat den Film in den drei rustikalen Gartenhütten mit billigen Stripper-Cowboy-Outfits gedreht. Das ist schon echt viel Mühe für einen 1313, und das sage ich ganz ohne Sarkasmus. Also zumindest so absent von Sarkasmus, wie irgendetwas sein kann, was von mir kommt.

Die Kerle versuchen sogar im Western-Akzent zu reden, was herrlich schief läuft. Besonders bei dem, der sich nur sporadisch daran erinnert dies zu tun, und dessen Stimme dann plötzlich drei Oktaven nach oben klettert, als wäre er frisch im Stimmbruch. Das ist übrigens der schlacksige Kerl im Cast, den sie ausgerechnet als Schmied einsetzen. Auch bedeutet Western für einen David DeCoteau anscheinend ein Sepia-Filter. Wobei das hier nicht alles nur etwas ausgewaschen und bräunlich ist, aber durchaus noch Farben zeigt, sondern tatsächlich eine komplette Einfärbung des Bildes vorgenommen wurde. Und das nicht so sehr in Brauntönen, sondern eher in Curry-Gelb. Abgesehen von den Traumszene, wenn Billy wie ein Ureinwohner im Blaufilter in ständig wiederholten Sprints zu sehen ist. Ich glaube ich habe selten einen solchen weißeren California Surfer Boy in einem Barbarenoutfit rumrennen sehen, seit die Beastmaster TV-Serie nicht mehr ausgestrahlt wird. An den grausamen Gelb-Filter, der die Details aus allem herauswäscht, inklusive der Muskeldefinition der Schauspieler, mit denen die 1313-Filme werben, gewöhnt man sich besser – er wird erst zum Abspann verschwinden.

Aber Billy findet sich nicht nur unter lauter männlichen Cowboys wieder, die überraschend viel Aufwand um ein gepflegtes Äußeres zu machen scheinen und einen Schopf voller Haarpflegeprodukte haben, dafür allerdings eine Allergie gegen Hemden mitbringen – man muss die Nippel halt Atmen lassen. Und außerdem sieht man an jener Epidemie der Phobie seinen Oberkörper zu verdecken, dass man im Decoteau-verse unterwegs ist. Obwohl, wenn ich den Köper dieser Kerle hätte, ich würde den wohl auch jedem unter die Nase reiben, immerhin wird der irgendwann auch mal alt und unattraktiv und man steht ohne seine einzige positive Eigenschaft auf weiter Flur. Mensch, jetzt haben mich die Männermuckis doch glatt abgelenkt. Also Billy ist nicht alleine mit drei anderen Cowboy-Strippern in der Gartenhaus-Stadt des Wilden Kalifornien, sondern es gibt auch wieder ein Alibi-Weib, welches ihn sogar gesund pflegen darf. Wer die Filme von David DeCoteau kennt, weiß mittlerweile aber eh, dass es nur zwei Rollen für die einzige Vagina-Haberin des Casts gibt: Entweder ist sie total überflüssig, oder der geheime Drahtzieher hinter dem Bösen. Ich habe auch noch nie gesehen, wie jemand, der verzweifelt so tut, als wäre er am Gesagten seines Gegenübers interessiert, so hohl dreinschauen kann wie sie.

Es kommt sogar zu Hetero-Küssen zwischen den beiden. Was nicht nur ziemlich Ewww ist, sondern jetzt wo sie die Verführerin geben soll, auch klar macht, welche der beiden Archetypen diese Rolle erfüllen wird. Aber um uns von so viel ungewollter Heterosexualität reinzuwaschen, darf wenigstens dank der Tatsache, dass das Gefängnis abgebrannt ist, der Sheriff seinen Billy auf ein kuscheliges Bett fesseln, um ihn zu einem sexy Gefangenen zu machen.

Kommt letztendlich raus, dass der Kerl, der unbedingt an Billy ran will, und den anderen Typen gern mal am Hals rumbeißt, all dies natürlich gar nicht sexuell meint. Nein, Roanoke ist damals von einem Gestaltwandler ausgelöscht worden, der dann in den Westen geflohen ist. Warum und wovor? Und hier im Westen benutzt er Hell’s Heart – ich nehme an der Name ist wie eine Fügung des Schicksals gewesen –, um einsame Wanderer zu fressen. Scheint wohl auf Diät zu sein, so häufig wird hier keiner vorbeischauen. Aber Alibi-Girl steckt eigentlich dahinter. Irgendwie, kein Plan warum. Und Billy wollen sie, weil sie unbedingt einen guten Schützen brauchen. Genauer Grund unerklärt. Außerdem darf er eh nicht mehr weg, weil er sie verraten könnte. Weil ein gesuchter Krimineller ja auch so viel Clout hat und jemand mit so einer Geschichte absolut nicht für einen Spinner gehalten würde.

Aber schön, dass sich DeCoteau von all den diversen Western-igen BGMs, die er hier benutzt, die dämlichste und lächerlichste für das spannende Finale aufgespart hat. Nicht das dieses „spannende“ Finale mehr ist, als ein wenig zu posen, ein wenig zu rennen, dann ein Cut, und die Gestaltwandler werden auch schon umgebracht, bevor man noch richtig genießen kann, dass sie nur noch Lendenschurz tragen.

Ach, so ein wenig langweilig war Billy the Kid ja dann schon. Nicht nur ging mir der Farbfilter gewaltig auf den Geist, der Film und die Akteure nehmen sich auch irgendwo zu ernst. Es geschieht immerhin mehr als in so manch anderem 1313, weswegen er nicht ganz so ermüdend ist, aber mir fehlt weite Strecken über einfach das unfreiwillig Komische.