Vampire Hunter D XXIV & XXV

Willkommen zurück beim Halbvampir, der Vampire jagd, in seiner neunzehnten und zwanzigsten Jagd auf Vampire. In der US-Auflage Band Nummer 24 und 25 dann. Ein Viertelhundert ist voll, und wir haben bei der jährlich erscheinenden Reihe gerade mal auf das Jahr 2008 aufgeschlossen. Ich glaube ab jetzt lasse ich es dabei auch bleiben.

In Throng of Heretics erwachen die Überlebenden des Zeno-Vampirclans, nachdem vor Jahrhunderten die örtliche Bevölkerung einen Großteil von ihnen dahingemeuchelt hat. Die sind also auf Rache an deren Nachkommen aus. Darunter auch der Bürgermeister der Stadt, der zum Schutz mehrere Vampirjäger angeheuert hat. Dummerweise ist seine Tochter auch gerade auf dem Weg vom Studium in der sicheren Hauptstadt zurück in die Heimat und wird prompt entführt. Letztendlich führt es D in den ewiglich einsam und verlassen durch die Gegend fahrenden High-Tech-Zug des ehemaligen Lords zum Showdown.

Bei Undead Island ist es hingegen so, dass in unmittelbarere Nähe eines Fischerdorfes eine verbotene Insel liegt. Dort hat es mal einige Bewohner durch die Sirenenrufe der Vampirnobilität hingezogen, die nie wieder aufgetaucht sind. Aktuell ist dies wieder geschehen, und bevor die Dörfler zu unsterblichen Vampirsklaven gemacht werden können, macht sich ein Rettungstrupp auf den Weg auf die Insel. Auf der auch D in Privatangelegenheit ist.

Interessant an den Geschichten ist natürlich wie immer nicht der Charakter von D an sich. Der unsterbliche, unbesiegbare, wunderschöne Superdhampir, dem niemand das Wasser zu reichen gewachsen ist. Oder auch nur das Recht besäße mit dem Gedanken an Wasser in seiner generellen Nähe aufzutauchen. Aber das sich an den elementaren Fehlern der Reihe nach zwanzig Geschichten was ändert, habe ich nicht erwartet. Ausnahmsweise ist es sogar zumindest mal Story-relevant. Denn die Tragödie zwischen Vampirgräfin und ihrem unsterblichen Gemahl in Undead Island geht darauf zurück, dass D den Kerl zum Cuck gemacht hat, da die Gräfin D nicht wiederstehen konnte.

Ansonsten sind es eher wieder die Nebencharaktere und wann immer sie ins Zentrum der Geschehnisse kommen, am Besten noch nachdem sie von ihrem Superretter D getrennt wurden, bei denen Leben in die Geschichte kommt. Die agieren immerhin nicht im God Mode und dürfen sich sogar zu Emotionen hinreißen lassen. Gerade der Junge, der in Throng of Heretics alles darum gibt, die Tochter der Bürgermeisterin zu retten. Sowie das toughe Mädel in Undead Island, das sich in die Rettungstruppe eingeschlichen hat.

Eine weitere Sache, die in den beiden Geschichten mal wieder etwas stärker mitschwingt, ist die gewisse Einsamkeit und Traurigkeit, die bei der Nobilität mitschwingt. Die Unsterblichen, die im Größenwahn kolossale Schlösser und Anlagen bauten. Alle hypertechnologisiert aber im romantischen Vampirlook. Und dann doch dem Untergang anheimgefallen sind, teils gar nicht unwillentlich. Jetzt nur noch vereinzelt aus Zeit und Macht gelöst in ihren ehemaligen Festungen hausend, überall weiterhin funktionierende aber nicht mehr gebrauchte oder verstandene Mechaniken hinterlassend. Gerade der gigantische Zug mit seinen nur zwei übriggebliebenen Vampirpassagieren ist hier ein gutes Beispiel für diese Atmosphäre.

Was in Sachen Throng of Heretics übrigens noch erwähnenswert ist, ist die Veröffentlichung. Das war nämlich, bevor es in einen Sammelband gefasst wurde, ein Phone Novel. Die gerade in Japan unter jungen Erwachsenen beliebte und Anfang des Jahrtausends aufgekommenen Phone Novels sind im Prinzip Fortsetzungsgeschichten, die wöchentlich um ein paar Seiten erweitert eben über den Handyanbieter aufs Mobilgerät geladen werden konnten. Das verändet natürlich die Struktur wesentlich, da nun jedes dieser Teile einen gewissen Biss haben muss und die Geschichte in kleineren Etappen geschrieben wird, dafür aber zu regelmäßigen Deadlines fertig sein musste. Kikuchi scheint im Nachwort das nicht super überzeugt zu haben. Und ganz ehrlich gesagt hinterlässt die Geschichte auch das Gefühl, nicht gut durchgeplant, sondern eben so nach und nach spontan erweitert worden zu sein. Es fehlt hier etwas an der Throughline.

Fangs

Ich habe einen Comic gelesen! Das passiert nicht allzu häufig. Mancher mag jetzt sagen das ich ja mal zehn Jahre lang sehr viele Manga, also japanische Comics, gelesen hätte. Aber als ein richtiger Dating-Sim-spielender, Filme in OmU sehender, Lamento One Coin Figures besitzender Weeb behaupte natürlich ganz strickt, dass das ein himmelweiter Unterschied ist. Wäre ich jemand, der sich wirklich mit (westlichen) Comics auskennt, würde ich eh den Begriff Graphic Novels satt Comics benutzen, um mir vormachen zu können, dadurch mehr Prestige zu haben.

Aber was habe ich denn überhaupt gelesen? Passend zum Halloween-Monat wäre das Fangs von Sarah Andersen. Der Autorin von Sarah’s Scribbles, wie das Cover verrät. Diese kurze Comedy-Strips sind mir übrigens bekannt, denn ich folge ihr auf Twitter, wodurch sie mir regelmäßig in die Timeline gespült werden und ich kann das nur weiterempfehlen (@SarahCAndersen folgen).

Prestige, um sich über schnöde Comics erhaben zu fühlen, bringt übrigens auch Fangs mit. Denn es ist im Taschenbuchformat mit Hardcover und im roten Plüscheinband mit schwarzen Stanzdruck gehalten. Der schwarz-weiß gezeichnete Inhalt kommt auf dickem Hochglanzpapier statt der üblichen Wegwerfware. Dadurch wirken die 100 Seiten gleich auch dicker und der Preis von 15$ gerechtfertigter. Die Rückseite wird nicht unnötig von Werbetexten oder sonstigem Aufdruck, abgeshen eines kursiven „I want your love BLOOD“, gestört, minimalistisch-edel ist hier die Ansage. Verlag/Preis/ISBN kommen stattdessen auf einem abnehmbaren Pappreiter daher, auf dem aber auch zum Inhalt nur der eine Satz „A love story between a vampire and a werewolf“ zu vernehmen ist.

Da mag man ja fast einen kitschigen YA-Roman über einen hübschen, romantischen Stalker und sein durschnittliches sofort Hals-über-Kopf verliebtes Opfer erwarten, wenn man diese Zeile und den Einband so sieht. Dem ist natürlich nicht so, denn Andersen bleibt ihren Humor-Wurzeln treu.

Und ihrem gewohnten Format. Denn auch in Fangs gibt es wie bei den meisten Webcomics keine übergeordnette Handlung, sondern nur eine verbindende Thematik. Jede Seite, die maximal 4 Panels enthält, ist also ein relativ in sich abgeschlossenes Ereignis mit einer eigenen Punchline. Tatsächlich ist Fangs ursprünglich als Webcomic erschienen und um 25% erweiterten Inhalt nun ins plüschige Hardcover gepresst worden.

Besagtes verbindendes Thema ist natürlich die Beziehung zwischen Vampir Elsie und Werwolf Jimmy. Im Gegensatz zu so vielen anderen übernatürlichem Lore sind jene Monster nicht von Natur aus Totfeinde. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass ihre Beziehung nicht dennoch gewisse Hürden mit sich bringt. Knnoblauch essen ist out – sollte aber auch in einer nicht vampirischen Beziehung vermieden werden, wenn man Wert aufs Küssen legt. Ein weiterer Abturner ist, morgens die Vorhänge für die aufgehende Sonne zu öffen, um frisch in den Tag zu starten, wenn aus der Vampirfreundin kein Kohlebricket werden soll. Die wiederum muss sich ihre über Jahrhunderte angesammelten Vintage-Accessoires aus Silber abgewöhnen, wenn sie ihren Werwolffreund berühren will. Die Beziehung bringt allerdings auch Vorteile mit sich. Ist es im Sommer unerträglich heiß, kann sich Jimmy immer an den leichentot-kalten Körper von Elsie schmiegen. Während sie zu jedem Vollmond mit einem übergroßen Hund kuscheln darf.

Und so liest es sich geschwind durch die kurzen Comic-Strips, die eine überraschend wholesome Beziehung zwischen den beiden porträtiert. Mit ganz außergewöhnlichen aber doch alltäglichen Problemen, die hauptsächlich in Legenden um Vampire und Werwölfe fußen… oder auch einfach den Hundestatus von Jimmy beispielsweise aufs Korn nehmen, wenn er nicht wiederstehen kann selbst in menschlicher Form Eichhörnchen zu jagen. Mit viel Charm und Herz und vor allem ganz viel des üblichen geistreichen Humors und Situationskomik, die man von Andersen gewohnt ist. Was ein angenehmes quirliges kleines Lesevergnügen.

Vampire Hunter D XXII & XXIII

Mehr vom Vamp-Jäger mit Initialien-Namen D. Künstler, die denken, nur einen Vornamen zu brauchen, haben noch gar nicht die richtige Coolness entdeckt, sogar nur einen einzelnen Buchstaben zu benötigen, und schon weiß jeder, wer gemeint ist.

Die aktuellen Geschichten sind benannt White Devil Mountain, welches in Japan Part 1 und 2 des Volumen 17 sind, in Amerika zu Band 22 zusammengefasst wurden, und Iriya the Berserker, welches als Oneshot Volumen 18 respektive Buch 23 füllt und somit nur die halbe Lesefreude fürs Geld bietet.

In White Devil Mountain crashlandet ein Frachter, der eigentlich einen mit Ketten gebundenen Sarg eines Vampirnoblen überbringen sollte, auf besagtem Berg. Natürlich nicht zufällig, denn der darin befindliche Gilzen hatte hier sein Schloss und will zu seinem Ruhm zurückkommen, nachdem andere Vampire, inklusive seiner eigenen Mutter, ihn für so gefährlich hielten, dass sie in gekettet und vergraben haben. All das nur, weil er andere Pläne hatte den Untergang seiner Spezies mit Hilfe von Alientechnologie zu verhindern, statt wie der Heilige Urvater Vampire und Menschen kreuzen zu wollen.

Doch D ist nicht alleine beim Bergsteigen, und ich meine damit nicht den nervtötenden Parasiten, den er in der Hand hat. Denn eine andere Jägerin, ein Söldner, eine Ärztin und ihr Bodyguard, sowie ein kleiner Junge, der seinen Vater an den Berg verlor, begehen ebenfalls den Aufstieg.

Vampire Hunter D ist dann am Besten, wenn es sich nicht viel um D dreht. Dabei bleibe ich. Über den gibt es eh nichts zu wissen. Abgesehen von den paar Kleinigkeiten, die sowieso jedes Buch ewiglich zu wiederholen sich genötigt sieht. Ist er das einzig Erfolgreiche Resultat der Versuche des Urvasters? Klar. Darf das nie voll ausgesprochen werden, weil er sonst sauer wird? Auch. Ist er so hübsch, dass jeder Frau, jedem Mann, und allem dazwischen sofort die Hose feucht vor Wollust wird? Natürlich. Ist er so Respekteinflösßend, dass jedem seiner Gegner sofort die Hose feucht vor Angstpipi wird? Das auch. Ist er kühl und Emotionslos und es total uncharakteristisch für ihn, wann immer er mehr als absolut nötig redet, sich um jemand kümmert, sich für jemandes Geschichte interessiert, obwohl das mindestens einmalig pro Buch geschieht? Jep. Ist er so unbesiegbar, dass selbst wenn Part 1 auf eine Cliffhanger mit einem aufgespießten D endet, man sich absolut sicher sein kann, dass er da Problemlos nach spätestens drei Sätzen in Part 2 wieder auf voller Höhe ist? Selbstredend.

Gewohnt sind also die Stellen in White Devil Mountain die interessantesten, wenn D von den anderen getrennt wird. Wenn wir die frischen Fähigkeiten der neuen Charaktere ausloten und sie um ihr Leben kämpfen müssen, ohne das Super-Halbvamp D mit einem Schulterzucken ganze Armeen für sie besiegen kann und dabei die Frisur auch noch dank Drei-Wetter-Taft perfekt sitzt.

Dennoch kann ich mich dem Gefühl nicht erwehren, dass es einen sogar noch interessanten Charakter gegeben hätte, um den sich das Buch hätte drehen können: Antagonist Gilzen. Via eines verlängerten Flashbacks in die Zeit, als er die Opposition gegen den Urvater bildete. Warum er einen anderen Weg einschlagen wollte und was seine Überzeugungen waren. Warum sich letztendlich selbst seine eigenen Verbündeten gegen ihn stellten. Dass D zu Beginn des Buches seine menschlichen Begleiter fragt, ob der Vampirismus nicht auch eine Form von Leben, ein neues Leben statt das Ende des Lebens darstellt, wird auch nie wieder aufgegriffen, und mal Teile dieser Bücher aus sicht des Vampiradels zu präsentieren, hätte diesen Blickpunkt erweitern können. Und wenn man schon doppelte Seiten füllen kann, wäre hierfür doch genug Platz. Doch stattdessen gibt es halt eben einfach die doppelte Anzahl an (zugegeben immer imaginiativer) Monster zu besiegen, bevor Gilzen gegen D verlieren darf. Und wirkt das Ende halt ausnahmsweise Mal nicht aufs letzte Kapitel überhastet.

In Iriya the Berserker trifft D hingegen auf die hübsche Iriya, die eigentlich wie ein Mädchen von nebenan wirkt, aber eine prämierte Jägerin ist. Seit eine Gruppe Vampire zum Spaß ihre Familie überfielen, die Eltern umbrachten, und die acht Geschwister vampirisierten und entführten, Iriya zum Sterben zurückliesen, hat sie Rache an jenen geschworen. Wenn sie kämpft, scheint Iriya zu einem anderen Menschen zu werden, und genau dahinter scheint ein Geheimnis zu stecken.

Es gibt übrigens auch einen Vampir in der Gruppe, der durchaus dem entgegensieht, von Iriya endlich für seine Sünden bestraft zu werden. Was mal wieder das übliche Baiting ist, dass der Vampiradel eben nicht nur aus Monstern besteht, sondern einige mehr oder weniger viel Menschlichkeit sich behalten konnten. Ich frage mich echt, warum Kikushi nie auf die Idee gekommen ist, mal stärker deren Blickwinkel einzubeziehen. Ist ja nicht so, dass der Mann keine prinzipiell guten Ideen hat, er schreibt nur häufig nicht über sie, sondern fällt auf seine Standard-Phrasen zu D und generelle Strukturen zurück, welche die Romane gern mal wie aus dem Baukasten zusammengesetzt wirken lassen.

Wenigstens ist die Geschichte von Iriya an sich relativ interessant geraten und mit viel dramatischer Tragik bestückt. Von daher kann immerhin gesagt werden, dass er diesmal nicht an der interssanten Geschichte vorbeigeschrieben hätte.

Universal Monsters – Dracula’s Daughter

Hollywood war früher keinen Deut besser. Wunderbar ersichtlich an Universals Produktion Dracula’s Daugther. Sequel zu einem ihrer beliebtesten Streifen. Teil eines gigantischen, übergeordneten Monster-Universum zum Gelddrucken. Die Adaptionsrechte an Stokers Kurzgeschichte von MGM schnell geschnappt, um Universal für die Rechteabtretung ordentlich blechen zu lassen. Wiederholt umgeschrieben, bis das Script allen Studiobossen gefiel. Drehbeginn war sogar noch vor dessen Finalisierung, um es möglichst schnell abgedreht und in den Kinos zu haben. Mit einer Hauptdarstellerin, welche die Rolle eigentlich nicht wollte, um nicht a la Lugosi im Typecast zu landen.

Die finalisierte Version setzt direkt dort an, wo Dracula aufhörte. Van Helsing hat den Grafen gepflockt, und wird von der Polizei aufgegriffen. So einen alten Kerl in einer Krypta mit zwei Leichen ist immerhin verdächtig. Nur das bald eine der Leichen fehlt. Denn Gräfin Zaleska hat sich Draculas Leichnam geschnappt, um ihn rituell zu verbrennen. Nicht als letzte Salbung, oder um ihn wiederzuerwecken. Nein, Draculas Tochter hofft einfach nun von ihrem Blutsauger-Fluch befreit zu sein.

Ist sie nicht. Die gute Gräfin streunt weiterhin aufgewühlt durch die nächtlichen Londoner Straßen, bis sie attraktive junge Dinger mit verführerischen Halsschlagadern trifft, an denen sie sich festsaugen kann. Doch eine letzte Hoffnung bleibt ihr. Doctor Garth, der zufälligerweise auch Van Helsing bei seiner Mordanklage helfen soll. Denn Gräfin Zaleska bekommt mit, dass jener Süchtige therapiert.

Dracula’s Daughter ist immerhin besser geworden, als man sich bei dem ganzen Developement-Trubel, der sich darum gerankt hat, denken mag. So absolut der Reißer mag er jedoch immer noch nicht sein. Dafür ist der Film etwas zu langatmig und stellenweise Ereignislos, obwohl er gerade mal 70 Minuten füllt. Hier merkt man wahrscheinlich am ehesten, wie häufig das Script geändert wurde, und dass es erst nach Drehbeginn fertig war.

Zwei Dinge machen den Film allerdings auch aus heutiger Sicht noch interessant und elevieren ihn über das durchwachsene Script. Zunächst ist da das schauspielerische Talent von Gloria Holden als Gräfin. Sie spielt ihre Rolle mit einer aritokratisch-kühlen Distanziertheit, aber doch mit einer darunterliegenden Fragilität, die sie weit über alle anderen Akteuere stellt. Ihre Darstellung ist ein Urkern der Goth Lady. Sexy, erhaben, düster.

Und dann sind da die homoerotischen Untertöne. Sicherlich mag Zaleskas erstes Opfer ein Mann sein, in einem schnellen Blinzel-und-du-hast-es-verpasst, fast wie zum Alibi. Denn wesentlich interessierter scheint sie an jungen Damen zu sein. Die Szene mit dem Model, wenn sie sich ihrer Sucht stellen will und ihr dann doch erliegt, versprüht eine ordentliche Portion Erotizismus, so dass sie gegenüber der ursprünglich geplanten Version verharmlost wurde. Das unruhige Herumschleichen auf Londoner Straße auf der Suche nach neuen Opfern oder der verzweifelte Versuch, sich über Therapie von ihrem Dasein zu befreien, bringt gerade im Kontext der Enstehungszeit natürlich auch ihren ganz eigenen Subtext mit. Wenn auch natürlich keinen eindeutig positiven, die homosexuell konnotierte Rolle als gefährlichen Räuber zu haben. Nicht das der Film ihr nicht zumindest zu Beginn noch eine gewisse Sympathik gegenüberbringt, die wir aber durchaus auch schon früher bei „Monstern“ wie im Hunchback of Notre Dame oder Frankenstein sahen.

Zusätzlich etwas Schwung in die Sache bringt die Beziehung vom jungen Doctor Garth zu seiner Sekretärin. Die starke, unabhänige Frau ist nämlich ziemlich selbtsbewusst und schnippisch, und er weiß ganz genau, wie er das erwiedern muss. Deren Interaktionen miteinander ist sodann auch das andere schauspielerische Highlight neben Holden. Diese humorigen Einlagen zusammen mit der Dramatik hinter der Figur der Gräfin lassen letztendlich nur wenig Platz für Horror oder auch nur Grusel im Film.

Schlecht ist der Film also nicht. Oftmals aber eher interessant denn wirklich gut. Dadurch geholfen, dass das Unterfangen würzig-kurz bleibt. Länger hätte er nämlich wirklich nicht sein dürfen.

Lestat the Musical

Und noch mal Vampire, dank Anne Rices Vampire Chronicles. Adaptionen der ersten drei Bücher gibt es ja einige. Neben den beiden Filmen auch Comics, Manga, und demnächst anscheinend eine TV-Serie. Jedoch ebenfalls ins neue Jahrtausend, nachdem Rice mit der Serie eigentlich in Hohelied des Blutes abgeschlossen hatte, fällt eine weitere: Ein Musical basierend auf dem zweiten Buch, Fürst der Finsternis (bzw. The Vampire Lestat).

In Produktion seit 2003, also kurz nach der Film-Variante Queen of the Damned, startete es Dezember 2005 für knapp einen Monat in San Francisco. Mitte 2006 materialisierte das Musical nach Änderungen in New York am Broadway. Wo es schlechte Kritiken erntete und knappe zwei Monate später wieder abgesetzt wurde. Die Aufzeichnung des Stückes wurde sukzessive nie auf den Heimvideo-Markt gebracht. Im modernen Zeitalter von Kameras und Internet geht aber bekanntlich nichts verloren, und so lassen sich auf Youtube sowohl wackelige Aufzeichnungen der Broadway-Version wie der ursprünglichen San-Francisco-Variante finden.

Neben der Veränderung einiger Songs und Dialoge, sowie des Bühnenbildes, streicht Lestat am Broadway wohl hauptsächlich jegliche Referenzen auf den Ursprung der Vampire um Akasha und Enkil. Meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, weil dies sowieso erst für Königin der Verdammten wichtig wird, und hier nur unnötiges Beiwerk wäre, welches noch zu nichts führt. Besonders wenn man genauso schlau das eigentliche Buchende herauslässt, welches ein direkter ins dritte Buch führender Cliffhanger ist. Hat schon dem Film nicht gutgetan, beide Bücher von je ca. 600 Seiten nacherzählen zu versuchen, da ist es besser, wenn sich das Musical auf das erste zu beschränken weiß.

Mehr oder weniger zumindest, denn ein zweites Buch muss sich in Lestat dennoch wiederfinden: Das erste, Interview mit einem Vampir. Immerhin ist die Zeit mit Louis und Claudia eine sehr wichtige in der Biographie von Lestat, und kann im zweiten Buch als kurz angerissen abgehandelt werden, weil es eben bereits im ersten ausführlicher behandelt wurde. Im Musical nimmt es einen wesentlich größeren Platz ein, weil eben kein Vorwissen vorausgesetzt werden sollte.

Führt auf der anderen Seite allerdings zum Problem, dass Lestat bei einem Großteil der Ereignisse eigentlich nicht dabei ist, da das erste Buch aus der Sicht von Louis geschrieben ist. Nachdem Claudia also Lestat „umbringt“, verschwindet der aus dem Rest der Geschichte, Claudia sieht er nie wieder, Louis trifft ihn erst auf den finalen Seiten in der Moderne kurz erneut. Das ist dann natürlich etwas, welches im Musical umgeschrieben werden musste, und tatsächlich die größte Abwendung davon, wie die Ereignisse in den Büchern geschehen. Lestat ist im Musical also bei der Hinrichtung von Claudia anwesend, und Armand, der im Musical mehr oder weniger als Bösewicht herhalten muss, der Richter über sie.

Währenddessen ist es hart sich dem Gefühl zu entziehen, dass Interview das bessere Subjekt für ein Musical gewesen wäre. Das Buch ist kürzer, sowohl in Anzahl an Seiten als auch an interner Zeitspanne (besonders wenn man wie hier die weniger wichtigen Präsenz-Teile auslassen und kurz nach Claudias Tod enden würde). Der Cast an Charakteren ist überschaubarer und die Geschichte intimer. Es könnte einfach eine schlüssigere und besser ausgearbeitete Erzählung draus gemacht werden. Es ist auch so, dass Lestat das Musical hauptsächlich in diesem Teil zu glänzen weiß.

Was davor geschieht, also die eigentliche Lestat-Biographie, wirkt zerstückelt und gehetzt. Sein Leben als Mensch ist extrem kurzgehalten. Welches für die Vampirchroniken meist eine wichtige Zeitspanne ist, da die Art und Weise, wie sie gelebt haben, maßgeblich ihre Persönlichkeit und Weltsicht prägt. Eines der größten Probleme ihrer Spezies ist doch immerhin, dass sie sich schlecht neuen Zeiten anpassen können, weil sie in jener feststecken, in der sie als Mensch gelebt hatten. Die meisten Vampire begehen Selbstmord nach wenigen hundert Jahren, weil sie nicht mehr in der Welt zurechtkommen und dem ewigen Stillstand überdrüssig sind. Das Musical startet bereits mit einem erwachsenen Lestat, der die Wölfe umgebracht hat, Drängen seiner Mutter nach Paris zu entfliehen, und kurz darauf ist er bereits ein Vampir. Schnell ein wenig Hadern mit dem neuen Dasein, Mutter und besten Freund wandeln, Armands indoktriniert-mittelalterlichen Vampirglauben zerstören, und irgendwie ist schon über eine Stunde und damit die Hälfte des Musicals rum, wenn er Freund und Mutter verliert, und Marius dramatisch auftaucht. Während noch gar nicht viel geschehen schien.

Marius als Charakter leidet dabei am Meisten darunter, dass jegliche Referenzen zu Königin der Verdammten gelöscht wurden. Wenn der Vorhang sich nach der Pause wieder öffnet, merkt er Lestat über nämlich nur an ihm noch nicht in die Geheimnisse einweihen zu können, und verschwindet auch schon bis zum Finale wieder. Sein dramatischer Auftritt wirkt dementsprechend deplatziert.

Die Schauspielerin von Lestats Mutter Gabrielle, ist übrigens eine der herausragenden Leistungen im Cast. Ihre Rolle ist es auch ein wenig, die letztendlich die erste Hälfte zusammenhält und fürs frühe Finale einen gewissen Abschluss zu bieten weiß, während sie in den Büchern irgendwie schnell in Vergessenheit gerät – nachdem der Freigeist in die Wildnis verschwand sieht Lestat sie dort nur kurz wieder. Jedoch ändert auch dies nichts daran, dass die erste Hälfte des Musicals definitiv schwächelt und für Leute, welche die Bücher nicht kennen, keine richtige Resonanz bieten wird.

Die von Elton John geschriebene Musik hat ebenfalls ihre Höhen und Tiefen. Gabrielles „My Beautiful Boy“ ist beispielsweise ziemlich schwach, Lestats „Sail Me Away“ nicht viel besser, die Duette „Crimson Kiss“ und „Embrace It“ hingegen anständig.

Sich für das Musical wirklich begeistern zu können fällt also etwas schwer, wenn weder Handlung noch Musik wirklich herausragend waren. Es ist auch nicht unbedingt ein markantes Qualitätsmerkmal, dass der beste Teil, wenn das Musical doch endlich an Leben gewinnt, mehr ein Hinweis darauf ist, dass ein anderes Buch die bessere Wahl gewesen wäre.

Vampire Hunter D XX & XXI

Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 habe ich im zweimonatlichen Rhythmus die ersten neunzehn Bände von Hideyuki Kikuchis Erfolgs-Romanreihe besprochen, die seit 35 Jahren beharrlich läuft. Und war den sehr ähnlichen Kurzgeschichten über den zu perfekten Hauptcharakter doch irgendwo dabei leid geworden. Ob drei Jahre Abstand etwas Frische dort hineingebracht haben, müssen nun die nächsten beiden Geschichten zeigen.

Scenes of an Unholy War ist der zwanzigste Band in der amerikanischen Auflage, während die japanische erst die Nummer 14 ziert. Das liegt an deren unterschiedlicher Publikations-Durchnummerierung. Zum einen sind die Bände eh nicht identisch, denn wo die japanische Auflage sich immer in relativ ebenmäßig lange Bände splittet und längere Geschichten damit auch schon mal auf 4 Parts verteilt sein können, zieht die amerikanische davon gern mal zwei Parts in einen längeren Band zusammen. Gleichzeitig ändert sich in Japan die Nummer aber auch nur mit jeder neuen Story, während Amerika jedem neuen Band auch eine neue Nummer gibt. Mysterious Journey to the North Sea ist also in Japan beispielsweise Vampire Hunter D 7 Part 1 und Vampire Hunter D 7 Part 2, während es in Nordamerika als Volume 7 und Volume 8 betitelt wird.

Es dauert wenn ich mich recht erinnere übrigens keine volle Seite, bis zum ersten Mal erwähnt wird, dass D so wunderhübsch und majestätisch ist, dass jeder Frau sofort das Höschen nass wird, und jeder Mann seine Sexualität in Frage zu stellen beginnt. Da war ich ja direkt wieder raus, Es-leid-sein schoss sofort von 0 auf 100.

Jedenfalls ist D bereits dreimalig auf ein merkwürdiges Pärchen getroffen, in einem sehr fragmentierten Anfang des Romans, bis er zum dritten Mal auf die beiden treffen und die eigentliche Geschichte beginnen darf. Nämlich in einer kleinen Stadt, die von einer Gang mit Namen Black Death terrorisiert wird. Hierfür sind einige Kämpfer rekrutiert worden, um gegen sie anzutreten, darunter auch D. Während das ungleiche Pärchen Rust und Lira vorübergehend den Sheriff und seine Helferin abgeben.

Und… öhm, so wahnsinnig viel passiert über die wenigen hundert Seiten des Buches nicht. Wir haben ein wenig was über Pseudo-Nobilität, sprich von Vampiren gebissene Menschen, die nicht vollkommen zu Vampiren werden, aber doch viele ihre Charakteristiken annehmen. Die Black Death Gang wird von so einem angeführt, der natürlich sehr gefährlich ist. Rust stellt sich auch als einer heraus, allerdings hat er sich unter Kontrolle, und Lira einen Vertrag mit ihm, sein Dasein zu beenden, sollte er durchdrehen. D darf mal schnell dem Sonnensyndrom anheimfallen, was ihn extrem schwächt, weil er zu lange in der sengenden Sonne war, aber irgendwie wirklich was daraus wird nicht. Sein Erschaffer taucht kurz auf, wird aber immer nur mystisch umschrieben, statt Dracula genannt zu werden, und verschwindet auch wieder ohne selbst was zu machen außer die Black Death Gang zu wandeln.

Ich weiß nicht, irgendwie fand ich die Geschehnisse in Scenes of an Unholy War ziemlich fragmentiert. Dinge Geschehen, Charaktere werden aktiv, und es war immer klar was und aus welchem Grund, aber so richtig eine befriedigende, schlüssige Narration wurde nicht draus. Ich musste häufiger überlegen, was denn vorher geschehen war, und dann war klar, warum dies zum Aktuellen geführt hat, aber so wirklich organisch war der Ablauf eher nicht. Kikuchi nennt übrigens im Nachwort, dass Futaro Yamadas Reihe The Kouga Ninja Scrolls ihn zum Autor gemacht hat, und das Scenes of an Unholy War im Speziellen von den verschiedenen zur Schau gestellten Kräften der dortigen Charaktere inspiriert wurde. Vielleicht hat der gute Mann schlichtweg sich Krieger mit verschiedenen Superkräften ausgedacht und erst dann die notdürftige Vampire Hunter D Handlung drumherum gebaut. Würde zumindest einiges erklären.

In Record of the Blood Battle wird uns dann aber auch endlich mal was Neues aufgetischt! Wie Kikuchi im Nachwort erklärt, sollte die Nobility zwar immer fürchterliche Monster bleiben, doch irgendwie hat er sich über die Jahre ein wenig für sie erwärmt und wollte einen Vertreter schaffen, der nicht ganz so extrem ist. Scheinbar hat er vergessen, dass Mayerling im dritten Buch, Demon Deathchase, bereits ein Guter war, der nur für die (erwiderte) Liebe zu seinem Menschenmädchen gekämpft hat. Zwischen 1985 und 2004 liegen wohlweislich aber auch fast 20 Jahre, es sei ihm also vergeben.

Das schafft er, in dem er den hiesigen Noblen komplett widersprüchlich deren bisher präsentierten Bildes gestaltet, ein Kontra zum tragenden Titel, und ihn auch noch komplett aus dem Zeitgeschehen herausreißt. Es ist nämlich so, dass in einem Dorf ein merkwürdiges Objekt gefunden wird, welches sich als Grab eines Noblen herausstellt. Der hat sich satte 5.000 Jahre zur Ruhe gelegt und wird natürlich ausgerechnet hier und jetzt, in 5 Minuten, daraus emporsteigen, gerade als D dort ist. Dabei roch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer bereits die krasse Kohle, weil alles, was mit der Nobility zu tun hat, eigentlich in der Hauptstadt für die Forschung ordentlich Cash bringt. Ein Vertreter der Spezies an sich natürlich auch.

Was dort entsteigt würde allerdings niemand für einen Vampir halten. Denn der Kerl ist kleinwüchsig, kahl und korpulent. Mit einem enormen Ego und großen Maul, dennoch von niemanden wirklich für voll genommen. Und mit fast keinen besonderen Kräften, die er nämlich alle dafür geopfert hat, sich trotz seines Vampirismus in der Sonne bewegen zu können. Er war nämlich ein Forscher, und das sogar für den Ahnherren, im Versuch Vampire zu erschaffen, die sich nicht von jener Schwäche beeindrucken lassen. Dadurch kennt er natürlich auch D bereits.

Was folgt ist ein wenig ein Road Trip. D will den Noblen in die nächste Stadt mit Gerichtshof bringen, da seine Gräueltaten im Namen der Forschung nicht verjährt sind, was Verbrechen von Vampiren grundsätzlich nicht tun. Aber auf dem Weg dahin stolpern sie über ein paar Steine. Seien es nun diverse Banditengruppen, die hinter dem Geld her sind, welche die Auslieferung des Vampires an die Forschung bringen kann. Oder irgendwelche Monster, die in den Gebieten leben. Oder auch einfach Menschen, deren Hass auf die Vampire so lang einsitzt, dass sie ihn zerstört oder gepeinigt sehen wollen, obwohl sie Generationen von den ehemaligen Schandtaten entfernt sind. Dieser Zirkel des Hasses und aufzeigen, dass auch die Menschen zu Gräueltaten mächtig sind, liefe vielleicht etwas besser, wenn der besagte Noble sich eben nicht in der Vergangenheit zu so vielen Gräueltaten hinreißen lassen hätte und das auch noch als selbstverständlich ansieht, statt irgendwelche Reue zu zeigen.

Doch wenigstens sind die Vibes diesmal ganz andere. Einfach weil der besagte Noble so eine Lachfigur ist und selbst D manchmal an den Rand dessen gerät durch ihn aus dem Tritt zu kommen. Ja er geht sogar für ein paar Kapitel ganz aus der Geschichte raus, was doch mal erfrischen anders ist, als ständig den unfehlbaren Super-Dhampir als Fokus zu haben. Alleine jene Andersartigkeit hebt das Buch schon wesentlich aus seinen Brüdern hervor.

Adventure Week #19: Dracula – Love Kills

Ein paar Adventure-Game-Homepages listen das Sequel zu Frogwares Dracula Origin als gecanceltes Projekt. Mit ein paar wenigen Concept Artworks, die alle im Nachfolger drin sind, Love Kills ist also durchaus nicht in eine komplett andere Richtung gegangen, als ein ursprüngliches Origin 2 beispielsweise gewesen wäre. Warum also fälschlicherweise als abgesagt gelistet? Weil sie es unter ihrem Sublabel Waterlily Games herausbrachten und ins Genre der Hidden Object Games verfrachteten.

Und dieses Spielegenre hat eine ähnliche Last mich sich zu tragen, wie die vielen Nancy Drew Adventure Games: Obwohl zahlreich und profitabel, werden sie ob ihrer vorrangig weiblichen Zielgruppe weitestgehend von den Medien und Gamern gar nicht erst wahrgenommen.

Im Gegensatz zum ersten Teil, in dem wir Van Helsing auf seiner Spurensuche nach Dracula gespielt haben, schlüpfen wir diesmal tatsächlich in die Rolle des besiegten Obervampirs. Der ist an sich immer noch kein Guter, denn eigentlich geht er nur gegen die Weltübernahmepläne der Vampirkönigin vor, weil er der mächtigste Vampir bleiben will, und weil sie seine Mina entführt hat. So direkt stellen kann er die Vampirin allerdings auch nicht, da seine Kräfte durchs Besiegen in Origin noch nicht komplett regeneriert sind. Und somit haben wir den Spielablauf auch schon vor uns: Dracula holt sich mit Hilfe von Igor und Van Helsing die nötigen Gegenstände, um sich 6 Segen zu beschaffen, die ihm seine Mächte zurückbringen.

Ja, Van Helsing begleitet seinen Erzfeind helfend auf der Reise, wobei er sowie Igor eigentlich mehr dafür da sind das Hint-System zu aktivieren, nicht wirklich bei der Puzzlelösung aktiv werden. Der Professor ist es dann auch, der immer mahnt, wenn wir als Dracula eine Untergebene der Vampirkönigin besiegen und Blut trinken wollen. Er wird den Pflock allerdings nie gegen Dracula erheben, sondern ob wir nun die Helfer ausgeschlürft haben oder nicht, bestimmt nur welches Ende wir zu sehen bekommen werden. Wer wie ich beispielsweise immer schön zulangt, darf miterleben, wie Dracula aus seiner Mina ebenfalls einen Vampir macht, um sie zu stärken und in Zukunft weniger angreifbar zu machen. Ich nehme mal an, dass dies als das moralische Bad End gesehen wird, auch wenn ich nicht sehe, was am Resultat jetzt besonders schlecht ist.

Blut wird übrigens benötigt, um die wiedererwachten Vampirkräfte von Dracula zu nutzen. Um an gewissen Gegenstände zu gelangen, ist nämlich nötig, dass er sie mit Telekinese herüberschweben lässt, selbst als Fledermaus durch enge Öffnungen gelangt, mit übermenschlicher Kraft draufhaut, oder via drittem Auge sichtbar macht. Diese sind nicht optional, um das Bluttrinken dennoch als Moralmechanik einzubinden allerdings auch mehr oder weniger sinnig Blutphiolen über die Bildschirme verteilt. Die Helfer anzuzapfen ist also nicht zwangsläufig nötig, macht die Sache nur einfacher, als nach den kleinen Flaschen zu suchen.

Was interessant ist, ist übrigens, dass Dracula: Love Kills kein reines Wimmelbild ist. Stattdessen mixt es drei Arten von Adventure Game zusammen. Zum einen haben wir durchaus traditionelle Mechaniken, in denen einfach gewissen Gegenstände aufgenommen und an der richtigen Stelle eingesetzt werden müssen, um weitergelangen zu können. Manche öffnen aber tatsächlich nur ein Wimmelbild, bei dem alle in der Liste befindlichen Dinge auf dem Hintergrund gefunden werden müssen, um einen benötigten Gegenstand zu erhalten. Und manchmal darf man auch wie bei Puzzle-Boxen a la Professor Layton oder 7th Guest (oder kürzlich Shivers) in sich geschlossene Minispiele/-rätsel bestehen, wie ein Mosaik richtig zusammenzusetzen oder Kugeln durch ein Labyrinth in die richtigen Löcher zu bugsieren.

Mit zwei wählbaren Schwierigkeitsgraden ist das Spiel hierbei weitestgehend ausgewogen, wobei schon so zwei oder drei Puzzle herausstechen, die bedeutend schwerer sind, und wo das gute alte „Einfach mal ne halbe Stunde wild klicken, bis alles automatisch richtig fällt“ angebracht war. Gerade das Verschiebemosaik mit dem Hahn drauf war ein Grauen. Und zwei oder drei andere, allerdings dies weniger, weil die Lösung an sich schwer gewesen wäre, sondern mehr, weil der optische Indikator was zu tun ist nicht wirklich eindeutig war. Die Kugeln mit den Zahlen drauf zu verbinden hat mich zumindest ewig gebraucht, bis mir einleuchten wollte, dass die Nummer auf ihnen die nötigen Verbindungsstücke angeben sollen. Vielleicht stand ich aber auch nur auf dem Schlauch.

Ich muss sagen, ich fand Dracula: Love Kills ein ziemlich angenehmes und chilliges Erlebnis. Ich bevorzugte sogar fast die casual Hidden Objekt Bilder gegenüber den Minispielen und Gegenstandsrätseln. Wobei alles in einem Spiel verbunden zu haben halt auch die nötige Abwechslung mit sich bringt, die definitiv nicht dagewesen wäre, hätte die Handlung einen einfach nur durch drei Dutzend Wimmelbilder gelotst. War definitiv ein nettes kleines Spielchen am Rande.

The Bloody Red Baron

Das 1995 von Kim Newman geschriebene The Bloody Red Baron ist der zweite Eintrag in dessen alternative Historie um Anno Dracula. Schon irgendwie ein Sequel zum der Serie gebenden ersten Buch, aber dennoch eine ganze Ecke davon entfernt, spielt es doch gut 30 Jahre später. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges, wie man sich ob des Titels sicherlich bereits denken konnte.

Um es noch mal kurz zu Rekapitulieren: Die Welt von Anno Dracula ist im Prinzip wie die von True Blood, nur nicht in der Moderne spielend. Sprich Vampire leben relativ normal in der menschlichen Gesellschaft. Der Vampirismus ist hier sogar recht en vogue, es beispielsweise chic in noblen Familien ihre Nachkommen in der Blüte ihrer Jugend zwischen 18-20 von einem Vampiralten wandeln zu lassen. Kim Newman ist es aber nicht satt, einfach Vampire in reale Geschichte einzubauen, sondern nimmt sich auch gern fiktiven und hab-fiktiven Charakteren an. Anno Dracula spielte beispielsweise in einem viktorianischen England, in dem die Ereignisse von Bram Stokers Dracula (welches als Roman weiterhin existiert) geschehen sind, allerdings mit dem Sieg Draculas ausgingen, der anschließend die Queen ehelichte und England regierte.

Am Ende des Buches war er besiegt und vertrieben. Jedoch eröffnet uns The Bloody Red Baron, dass er in den folgenden drei Jahrzehnten zunächst den Vampirismus in der russischen Zarenfamilie verbreitete, und letztendlich in Deutschland landete, wo er nun mit dem Kaiser den Ersten Weltkrieg angezettelt hat. Welcher durch die Kampfflieger ganz neue Züge annimmt. Zu denen auch der Rote Baron gehört, den es tatsächlich auch gab, um den tatsächlich in der deutschen Kriegspropaganda ein unglaublicher Heldenmythos aufgebaut wurde, und von dem es tatsächlich die Biographie Der Rote Kampfflieger gab.

In der Welt von Anno Dracula hat er diese allerdings nicht selbst verfasst, sondern sich die Deutschen den zum Vampir gewandelten und in den jüdischen Slums Prags dahin siechenden Edgar Poe – Allen hat er sich nach dem Wandel streichen lassen – geschnappt, der nun die Einsätze vom Jagdgeschwader 1 beobachten und Interviews mit Richthofen führen soll, um dessen Der Rote Kampfflieger für ihn zu verfassen.

Auf der Seite der Alliierten hingegen steht beispielsweise unser Hauptcharakter aus Anno Dracula, Beauregard, der nun nicht mehr mit seiner Vampirin aus jenem Buch zusammenlebt. Der überwacht allerdings nur die britischen Kampfvorbereitungen für den Diogenes Club. Tatsächlich folgen wir allerdings wesentlich häufiger seiner Freundin und selbst Vampirin Kate, und dem in die Militärhierarchie hineingeratenden Edwin, die beide stark verändert aus den Grauen des Krieges herauskommen werden.

Weiter munter eingebaut ist die verführerische Spionin Mata Hari, Churchill als Vampir, die beiden Doktoren Caligari und Moreau, und ein auch hier schwuler und schnell toter Friedrich Murnau, und so einige mehr. Es ist immer wieder interessant, wenn man über einen bekannten Namen stolpert, den es entweder wirklich gegeben hat oder aus bekannten Geschichten stammt, und wie Newman jene in seine Geschichten eingebunden hat.

Was mich bei den Büchern immer wieder einnimmt ist, wie dicht sie doch geschrieben sind. Denn eigentlich geschieht über weite Teile, bis es im Finale dann in der Kaiserschlacht passend Schlag auf Schlag geht, gar nicht ganz so viel. Stattdessen wird viel geredet, wobei uns vor allem die Welt und die involvierten Charaktere nahegebracht werden. Das ist aber doch so reichhaltig geschrieben, dass man dennoch vollkommen satt aus einem Kapitel heraus kommt. Abgesehen davon ist es natürlich sowieso vorteilhaft, einen Krieg aus Charakter-individueller Sicht zu schreiben, um die Hierarchien dahinter, die involvierten Ideologien, wie jene später angegriffen werden, und das allgemeine Chaos in der Schlacht, wiedezugeben. Das gibt The Bloody Red Baron, trotz der pulpigen Alternative History, in dem es spielt, sogar etwas mehr Klasse, als Anno Dracula hatte.

Vampire Chronicles – Prince Lestat

ava-2072In 2003 hat Anne Rice mit Blood Canticle also ihren Ragequit der Vampirchroniken hingelegt, derer und dessen Fans längst überdrüssig geworden. Stattdessen ging sie ihrem wiederentdeckten christlichen Glauben in Büchern nach, zu denen der wohl besser passt. Sie schrieb endlich ihre Jesus-Trilogie, oder zumindest die ersten zwei Bücher davon. Dann zwei Bücher der Songs of Seraphim. Aber irgendwie schien das nicht so viel einzuspielen wie ihre Goth-Horror-Romane. Also zurück zum Übernatürlichen durch Werwölfe mit The Wolf Gift Chronicles, und dann hatte sie plötzlich doch unbedingt neuen Vampirstoff, den sei ja schon längst erzählen wollte. Nach Claudia’s Story, einem Comic der Interview with the Vampire aus Claudias Sicht nacherzählt, kam also 2014 mit Prince Lestat nach 11 Jahren das erste neue Buch der Vampirchronik raus, und ein weiteres Buch steht für Ende des Jahres in den Startlöchern.

Man kann dann immerhin dem Buch zu Gute halten, dass es sich diesmal auch tatsächlich so liest, als wollte Anne Rice es schreiben, ganz im Gegenteil zum vorigen Schlusskapitel, Hohelied des Blutes, das sich ziemlich dahingeschludert gelesen hat und ständig passiv-aggressiv bis einfach nur aggressiv sich über die Leserschaft der Vampirchroniken und ihre Erwartungshaltungen beschwert hat.

Was nicht wirklich bedeutet das Prince Lestat ein gutes Buch ist, nur weil es etwas besser geschrieben ist. Genau genommen liest sich das ganze Ding extrem nach Fanfiction. Inklusive der Eigenschaft, dass das Ding erst mal für gut die erste Dreiviertel Länge mehr oder minder vor sich hin mäandert, bis es dann überstürzt einen Klimax hervorzaubert. Ist zwar nicht so, dass jenes Finale jetzt komplett aus dem Nichts ohne jegliches Buildup käme, wie das bei Twilight der Fall gewesen war, aber so ein wenig Ereignislos wirkt der Groß des Buches schon, bis dann der etwas schnell über die Bühne gebrachte Payoff kommt.

Prince Lestat ist übrigens das erste Buch der Vampirchronik, welches nicht als fiktive Biographie geschrieben ist. Die Kapitel mit Lestat als Hauptcharakter sind immer noch aus dessen Perspektive geschrieben, die diversen Kapitel der anderen Charaktere aber eben nicht. Und hier kommen viele Charaktere vor, jedoch nicht unbedingt viele neue, gleichzeitig aber auch nicht viele bekannte. In bester Fanfiction-Manier wirft uns Prince Lestat nämlich lauter Nebenrollen aus den vorigen Büchern hin, die dort teilweise nicht mal eines Namens würdig waren, und spinnt sich was zu jenen zurecht. Außerdem werden die eigentlich keiner Erklärung bedurften Entstehungsgeschichte der Talamasca und der Wesensart des Geistes Amel, welcher damals mit Akasha verschmolz und die Vampirrasse hervorbrachte, gelüftet. Viel liest sich halt wirklich so, als hätte ein Fan der Reihe sich hingesetzt, und eine weitere Geschichte um Super-Lieblings-Vampir Lestat geschrieben, mit jede Menge „schau wie viel ich weiß“-Referenzen aus den vorigen Dutzend Büchern gespickt, deren Lücken und offenen Geheimnisse zusätzlich füllend.

Die Vampire sind dabei übrigens so Zahnlos wie aus den letzteren Büchern der Vampirchronik bekannt. Alle sind so Herzensgut, so rein, so liebend, sich gegenseitig toll findend und vertrauend, und Umarmungen und Bussi Bussi, und blergh. Dass die Alten, die Kinder der Millennien, mal sehr rar war, weil kaum einer in jenes hohe Alter überlebt, ohne sich selbst zu zerstören, oder das Vampire notorische Einzelgänger sind, weil man es nur so lange mit ein und derselben Person aushält, ist auch Schnee von Gestern. Da Buch hier führt Dutzende an Uralten vor. Und fast jeder scheint plötzlich seine eigene kleine Enklave mit seinen Lieblingen gegründet zu haben. Ja Anne Rice ändert das ganze Branding ihrer Vampire ohne Biss am Ende des Buches, in dem sie über ihre Blutschuld hinweg kommen. Kein Denken mehr, man wäre böse. Keine Schuld mehr, weil man sich von Menschen ernährt. Keine Komplexe, weil man Untot ist. Vampire sind die neuen Blumenkinder, von nun an organisiert zusammenlebend, sich liebend, sich nur von Verbrechern ernährend. Mit ihrem Prinz Lestat in der Mitte.

Denn letztendlich war das der ganze Sinn und Zweck des Buches. Alle Vampire zusammenführen. Ihre komplette Existenz dem Anpassen, worüber Anne Rice schon seit geraumer Zeit lieber schreibt. Über Liebe deines Nächsten gegenüber, nicht mehr über Blutrünstige ihrer eigenen Existenz überdrüssigen Monster. Und ihren Liebling Lestat endlich noch mehr ver-Mary-Sue-en als er das eh schon war. Konnte er doch eh schon alles, fanden ihn doch eh schon alle unwiderstehlich, mit Akashas Blut stärker und begabter als seine Lebensdauer das zulassen sollte. Hier nun übernimmt er den Geist Amel in sich, der jetzt auch ein eigenen Charakter und ein Selbst entwickelt hat, natürlich hauptsächlich um geliebt werden zu können. Damit wird er das Zentrum der Vampire, da er deren Urkern in sich trägt, und alle applaudieren und feiern und fügen sich jeder Entscheidung ihres neuen Monarchen, nicht einer stellt sich dagegen oder findet es zu gefährlich ihre Lebensquelle in einem für seine Unberechenbarkeit bekannten Kerl zu sehen. Weil Lestat eben einfach zu toll ist, um nicht sofort von jedem geliebt und akzeptiert und bewundert zu werden.

So sehr also die spezifischen Kritikpunkte an Hohelied des Blutes für Prince Lestat aus dem Weg geräumt sind, so bestehen die zu den unmittelbar davor gekommenen Büchern also leider weiterhin. Den Vampirchroniken wäre wenig genommen gewesen, wenn sie nach Königin der Verdammten aufgehört hätten, und daran ändert auch Prince Lestat im Endeffekt nichts.

Blood Omen 2

ava-2068Bereits 1999, als das erste Soul Reaver erschien, wurde sich so einige Gedanken gemacht, wie man die heiße neue Franchise, die dort an der Hand lag, möglichst gewinnbringend umschlagen konnte. Nachdem also bereits das Ende von Soul Reaver abgeändert wurde, um eben nicht der Saga ein definitives Ende zu geben, sondern weitere Teile produzieren zu können, kam man auf eine weitere Idee. Die da wäre einfach zwei Teams an Legacy of Kain arbeiten zu lassen, eines für die Raziel-Arc in den Soul Reavers, ein zweites sollte sich Kain in den Blood Omens annehmen. Dadurch konnte bereits ein Jahr nachdem Soul Reaver 2 herausgekommen war, das gleichzeitig in Produktion befindliche Blood Omen 2 auf den Markt gebracht werden.

Grundsätzlich muss das keine schlechte Idee sein. Immerhin gibt es eine dicke zeitliche Lücke zwischen dem Ende von Blood Omen und dem Beginn von Soul Reaver. Und Soul Reaver 2 führt zudem die Zeitparadoxe in die Franchise ein. Warum sich also nicht dem ursprünglichen Charakter Kain zuwenden, um zu zeigen, wie aus dem von Blood Omen der aus Soul Reaver wurde? Warum seiner Kreativität nicht in non-canon Paradoxen seinen freien Lauf lassen? Problematisch wird es natürlich, wenn man die Franchise eben nicht unter dem Gewicht seiner komplexen Story einbrechen lassen will, und kanonische Einträge macht, die dennoch nicht passen, weil sie von einem teils unwissenden Team gleichzeitig mit anderen Teilen in Entwicklung sind, und von oben explizit gewünscht ist, die Handlung möglichst gering und einfach zu halten. Denn die Story ist so ziemlich der Hauptgrund, warum die Legacy of Kain Reihe überhaupt gespielt wurde, das Gameplay war noch nie Spitze aber eben auch nebenrangig.

Kain wird also ein paar Jahrhunderte nach Blood Omen jedoch bevor Soul Reaver von Umah erweckt. Und gleich ein kleiner Schock für Spieler der Franchise was das Design des Dinges angeht. Vom distinkten Look der Reihe ist nicht viel übrig geblieben, die neuen Charaktere sind so generisch wie schlecht designt. Die Antagonisten der Sarafan beispielsweise rennen alle wie Cyber-Ritter herum, während die Vampire der Cabal, zu denen Umah gehört, alle wie nuttige Ninjas aussehen. Umah trägt essentiell einen Stoffstreifen über den Silicontitten und ein Stahldreieck über der Möse, und wenig mehr. Der Hauptbösewicht Sarafan Lord rennt in einer generischen Ganzkörperrüstung rum, die mit neongrünen Lichtern gespickt ist. Nichts hiervon sieht aus, als wäre das aus der Welt von Blood Omen oder führte in die von Soul Reaver.

Ach ja, in einem 10-minütigen Dialog gibt uns Umah dann auch das Setting wieder: Kains Vampirarmee wurde von dem wiedererweckten Sarafan und deren Lord besiegt, der nun den Soul Reaver (der ziemlich unwichtig für die Gesamtheit des Spieles sein wird) in Händen hält, und eine neue fast Vampir-lose Welt geschaffen hat. Die Cabal ist die letzte vampirische Widerstandsbewegung, einige frühere Mitstreiter Kains zu den Sarafan übergelaufen. Also nimmt sich Kain an, die Welt wieder eine von Vampiren regierte zu machen, in dem er einen Weg findet, wie er den Sarafan Lord besiegen und den Soul Reaver wieder in Händen halten kann. All das natürlich, während üblicherweise jeder Cabal-NPCs sagt „vertraue mir und dem, was ich dir sage“ während Kain erwidert „ich lasse mich nicht manipulieren“, nur um dann genau zu tun, was die von ihm wollten. Ist dann aber auch egal, denn Ränkeschmiederei wird man in Blood Omen 2 nicht finden, die Handlung ist so geradlinig, wie sie am Anfang des Spieles ausgelegt wurde. Die Cabal sind die Guten, oder zumindest auf der Seite von Kain, die Sarafan und ihr Lord (unter denen es der Menschheit praktischerweise auch nicht wesentlich besser zu gehen scheint) die Bösen, die besiegt gehören. Die einzige Komplikation, und dieses Wort zu nehmen ist sehr großzügig, stellen die in Soul Reaver 2 angesprochenen Hylden dar, von denen wir hier herausfinden, wer sie sind: Schnäuzer-zwirbelnde Bösewichte, die sich die Sarafan zu Eigen gemacht haben. An Kains Mission ändert sich durch ihr Auftauchen dann auch nichts: Besiege den Sarafan Lord und du schlägst die Hylden mit.

So einfach wie dies ist, macht es in sich selbst noch nicht mal unbedingt Sinn. Oder besser gesagt der Charakter Kain im hiesigen Spiel nicht. Bestechend ist, dass er sein übliches Antiheld-Ding dreht, wo er beteuert sich um niemanden was zu scheren, außer darum wieder die Macht zu erlangen. Dem geht er konsequent so auch für zwei Drittel des Spieles nach. Im Finale, obwohl weder seine Worte noch Taten irgendwie in jene Richtung deuteten, kümmert er sich dann aber plötzlich angeblich trotzdem was um die Cabal und deren Anhängern, und trauert der toten Umah sogar als seine potentielle Königin hinterher? Dieses Hero-Babble von ihm kommt absolut aus dem Nichts und macht keinen Sinn damit, wer Kain ist, weder in den anderen Spielen, noch bisher in Blood Omen 2. Wenn man seinem Charakter eine Entwicklung geben wollte, dann hätte man vielleicht wirklich ihn sich entwickeln sehen müssen, statt das er seine Meinung plötzlich um 180° dreht – und ihn zu einem weniger interessanten, weniger grauen Helden machen zu wollen, ist sicherlich sowieso keine gute Idee.

Immerhin kann man Blood Omen 2 zugute halten, dass die Story nicht viel in den Weg kommt. Zu Beginn und Ende jedes der elf Kapitel und Beginn der Bosskämpfe wird ein kleiner Dialog gehalten, aber im Großen und Ganzen halten sich die Charaktere für die Franchise ziemlich zurück was endloses Geschwafel angeht. Wahrscheinlich weil Blood Omen 2 wenig bis nichts zu sagen hat, selbst das Ende ist total kurz angebunden. Nicht, dass einen das Spiel nicht dennoch maßlos langweilt, aber das eben durch sein suboptimales Gameplay.

Wir spielen also wieder als Kain, dem Vampir aus Blood Omen. Von daher bringt Blood Omen 2 eine Konstante aus dem ersten Spiel zurück, die der Zombie Raziel nicht berücksichtigen musste: Vampire sind Bluttrinker. Wie im ersten Teil besteht Kains Lebensleiste aus Blut, und wie im dortigen Teil verringert sich jene konstant, auch wenn er nicht von Gegnern getroffen wird. Was allerdings neu in Blood Omen 2 ist, ist das Gegner und NPCs auszusaugen auch Kains Lore-Meter erhöht. Das kann man sich ein wenig wie Erfahrungspunkte vorstellen, denn sobald die Lore-Phiole gefüllt ist, wird die Blut-Phiole a.k.a Lebensleiste von Kain etwas länger. Das führt natürlich dazu, dass es anzuraten ist, jeden Gegner zu bekämpfen und auszusaugen, egal ob dies nun nötig ist oder nicht, da sie eben nicht nur die Lebensleiste auffüllen, sondern auch die Lore-Leiste.

Das nervt ganz gewaltig, um ehrlich zu sein. Ich fand es in den beiden Soul Reavern ganz gut, dass man mit einigen Ausnahmen durchaus Gegner auch ignorieren konnte. Seien wir mal ehrlich, sonderlich interessant war das Kampfsystem der Franchise noch nie, sondern meist so einfach wie langwierig. Bei genug Bewegungsspielraum einfach Gegnern links stehen lassen zu können war da ein Segen. Das gibt es in Blood Omen 2 im Prinzip nicht mehr, es sei denn man möchte auf Erfahrungspunkte und Verbesserung der Lebensleiste verzichten, was natürlich nicht anzuraten ist. Also jeden einzelnen Gegner bekämpfen. Und das Kampfsystem ist nicht gerade interessanter geworden. Überraschend bewegt sich Kain sowieso gemächlicher als Raziel, von Vampir-gleichen Reflexen kann echt nicht die Rede sein. Eine Attack-Kombination dauert in der Ausführung und kann nicht ausgecancelt werden. Eine Spezialattacke hat eine lange Animation (netterweise ist man währenddessen allerdings unantastbar), und wenn eine Gegner-Kombo Kain umwirft, braucht er länger zum Aufstehen, als ein Käfer auf dem Rücken.

Dabei sind besagte Kämpfe übrigens so einfach wie tödlich. Jeder Gegner ist auf die gleiche Art und Weise ausschaltbar. Ins Visier nehmen, Kain alle Attacken blocken zu lassen, bis sich sein Spezialmeter aufgefüllt hat, und dann den Gegner mit einer nicht blockierbaren Spezialattacke umnieten. Das ist so langwierig wie es langweilig ist. Jedoch die einzig effektive Art zu kämpfen. Sicherlich kann man auch versuchen den Gegner zwischen seinen Kombos eine reinzuhauen, jedoch blocken die selbst so viel, und halten so viele Schläge aus, dass das Warten auf die Spezialleiste kaum länger dauert. Und ungefährlicher ist. Denn wenn der Gegner doch mal eine Attacke reinbekommt, entweder weil man nicht geblockt hat, oder weil es einer derjenigen ist, der eine blockumgehende Spezialattacke hat, der man nicht schnell genug ausgewichen ist, zieht das mit Pech durchaus mal ein Viertel bis Drittel der Lebensleiste von Kain ab. Das ist natürlich super nervig. Zum einen muss man die Kämpfe so sicher wie möglich angehen, was sie so lang wie möglich ausweitet. Zum anderen wenn man doch mal was falsch macht, oder dummerweise mehr als einem Gegner gleichzeitig gegenübersteht, ist ein Ableben gar nicht mal so unsicher, und man darf die ganze Sektion seit des letzten Checkpoints erneut durchlaufen und erneut langwierig alle Gegener darin bekämpfen.

Macht übrigens auch das Waffensystem des Spieles obsolet. Davon liegen genug im Spiel rum, und jede Waffe eines toten Gegners kann aufgehoben werden, und Kain wird mit ihnen statt seinen Klauen kämpfen. Davon wie schnell er zuschlägt oder wie gut er blockt, scheint zwischen ihnen allerdings kein Unterschied zu bestehen, lediglich wie viel Schaden sie verursachen. Sie brechen allerdings auch überraschend schnell durchs Austeilen aber auch Einstecken. Sprich nachdem man alle Attacken eines Gegners mit ihnen geblockt hat, sind sie eh kurz vorm Bruch, und wenn man die Spezialattacken zum Vernichten der Opposition nimmt, braucht man die Waffen eigentlich eh nicht. Ein weiteres nettes aber vernachlässigtes System ist Stealth. Gewisse Bereiche in Blood Omen 2 sind von Nebel umhüllt. Kain nun in seine Nebelform gleiten zu lassen, und man kann sich an Gegnern anschleichen und sie Insta-Killen. Ziemlich cool eigentlich, aber Blood Omen 2 hält mit jenen Nebelgebieten ordentlich zurück, und bietet zudem gern auch mal Gegner, die Vampir-Präsenz spüren können, auch wenn man in Nebelform ist. So häufig wird man also nicht auf Ezio machen dürfen. Was schade ist, da jene Stealth-Gebiete eindeutig der einzige Moment in den Lokalitäten waren, in denen ich nicht hoffnungslos gelangweilt war.

Denn auch deren Aufbau ist mehr als uninspiriert. So ziemlich jedes Gebiet in allen elf Kapiteln ist ein weitestgehend geradliniger Schlauch, mit einer verschlossenen Türe am Ende, und zwischen einem und fünf Schaltern im einzig abzweigenden Schlauch, die umgelegt werden müssen, um besagte Türe zu öffnen. Alle Wegblockaden im Spiel zu öffnen ist absolut hirnlos einfach, und besteht zu 90% daraus, die gleichen Schalter zu betätigen. Klar, mal per Telekinese über einen Abgrund hinweg, oder per Charm durch einen NPC, aber was zu tun ist ist immer absolut klar, und läuft immer auf eine Ansammlung an Schaltern hinaus. Gähn. Und weil alles andere in Blood Omen 2 bereits darauf ausgelegt zu sein scheint, möglichst viel möglichst grundlos die Lebenszeit der Spieler zu stehlen, gibt es Glyph-Schalter, die erst mit Energie versorgt werden müssen. In dem man woanders einen Schalter bestätigt und dann darauf warten muss, bis die Glyph-Energie langsam und gemächlich die Leitung entlang zum Glyph-Schalter gekrochen ist. Bäh.

Und das ist einfach alles, was Blood Omen 2 ist: Langweilig wenn es nicht gerade nervt, manchmal beides. Lahme Story. Dämliche Charaktere. Sinnbefreites Quest. Geradlinige Areale mit hirnlosen und immer gleichen Puzzeln. Gegner und Bosse, die darauf aus sind, möglichst lange zum Ableben zu brauchen. Blutsaug-, Aufsteh- und Glyphenergie-Animationen, die nur noch mehr repetitiv Zeit stehlen. Blood Omen 2 hat nicht grundlos den Ruf, dass Spiel der Franchise zu sein, um das man einen Bogen machen sollte. Es fügt der Handlung nichts von Wert hinzu, und ist eine lästige Arbeit zu spielen.