Lestat the Musical

Und noch mal Vampire, dank Anne Rices Vampire Chronicles. Adaptionen der ersten drei Bücher gibt es ja einige. Neben den beiden Filmen auch Comics, Manga, und demnächst anscheinend eine TV-Serie. Jedoch ebenfalls ins neue Jahrtausend, nachdem Rice mit der Serie eigentlich in Hohelied des Blutes abgeschlossen hatte, fällt eine weitere: Ein Musical basierend auf dem zweiten Buch, Fürst der Finsternis (bzw. The Vampire Lestat).

In Produktion seit 2003, also kurz nach der Film-Variante Queen of the Damned, startete es Dezember 2005 für knapp einen Monat in San Francisco. Mitte 2006 materialisierte das Musical nach Änderungen in New York am Broadway. Wo es schlechte Kritiken erntete und knappe zwei Monate später wieder abgesetzt wurde. Die Aufzeichnung des Stückes wurde sukzessive nie auf den Heimvideo-Markt gebracht. Im modernen Zeitalter von Kameras und Internet geht aber bekanntlich nichts verloren, und so lassen sich auf Youtube sowohl wackelige Aufzeichnungen der Broadway-Version wie der ursprünglichen San-Francisco-Variante finden.

Neben der Veränderung einiger Songs und Dialoge, sowie des Bühnenbildes, streicht Lestat am Broadway wohl hauptsächlich jegliche Referenzen auf den Ursprung der Vampire um Akasha und Enkil. Meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, weil dies sowieso erst für Königin der Verdammten wichtig wird, und hier nur unnötiges Beiwerk wäre, welches noch zu nichts führt. Besonders wenn man genauso schlau das eigentliche Buchende herauslässt, welches ein direkter ins dritte Buch führender Cliffhanger ist. Hat schon dem Film nicht gutgetan, beide Bücher von je ca. 600 Seiten nacherzählen zu versuchen, da ist es besser, wenn sich das Musical auf das erste zu beschränken weiß.

Mehr oder weniger zumindest, denn ein zweites Buch muss sich in Lestat dennoch wiederfinden: Das erste, Interview mit einem Vampir. Immerhin ist die Zeit mit Louis und Claudia eine sehr wichtige in der Biographie von Lestat, und kann im zweiten Buch als kurz angerissen abgehandelt werden, weil es eben bereits im ersten ausführlicher behandelt wurde. Im Musical nimmt es einen wesentlich größeren Platz ein, weil eben kein Vorwissen vorausgesetzt werden sollte.

Führt auf der anderen Seite allerdings zum Problem, dass Lestat bei einem Großteil der Ereignisse eigentlich nicht dabei ist, da das erste Buch aus der Sicht von Louis geschrieben ist. Nachdem Claudia also Lestat „umbringt“, verschwindet der aus dem Rest der Geschichte, Claudia sieht er nie wieder, Louis trifft ihn erst auf den finalen Seiten in der Moderne kurz erneut. Das ist dann natürlich etwas, welches im Musical umgeschrieben werden musste, und tatsächlich die größte Abwendung davon, wie die Ereignisse in den Büchern geschehen. Lestat ist im Musical also bei der Hinrichtung von Claudia anwesend, und Armand, der im Musical mehr oder weniger als Bösewicht herhalten muss, der Richter über sie.

Währenddessen ist es hart sich dem Gefühl zu entziehen, dass Interview das bessere Subjekt für ein Musical gewesen wäre. Das Buch ist kürzer, sowohl in Anzahl an Seiten als auch an interner Zeitspanne (besonders wenn man wie hier die weniger wichtigen Präsenz-Teile auslassen und kurz nach Claudias Tod enden würde). Der Cast an Charakteren ist überschaubarer und die Geschichte intimer. Es könnte einfach eine schlüssigere und besser ausgearbeitete Erzählung draus gemacht werden. Es ist auch so, dass Lestat das Musical hauptsächlich in diesem Teil zu glänzen weiß.

Was davor geschieht, also die eigentliche Lestat-Biographie, wirkt zerstückelt und gehetzt. Sein Leben als Mensch ist extrem kurzgehalten. Welches für die Vampirchroniken meist eine wichtige Zeitspanne ist, da die Art und Weise, wie sie gelebt haben, maßgeblich ihre Persönlichkeit und Weltsicht prägt. Eines der größten Probleme ihrer Spezies ist doch immerhin, dass sie sich schlecht neuen Zeiten anpassen können, weil sie in jener feststecken, in der sie als Mensch gelebt hatten. Die meisten Vampire begehen Selbstmord nach wenigen hundert Jahren, weil sie nicht mehr in der Welt zurechtkommen und dem ewigen Stillstand überdrüssig sind. Das Musical startet bereits mit einem erwachsenen Lestat, der die Wölfe umgebracht hat, Drängen seiner Mutter nach Paris zu entfliehen, und kurz darauf ist er bereits ein Vampir. Schnell ein wenig Hadern mit dem neuen Dasein, Mutter und besten Freund wandeln, Armands indoktriniert-mittelalterlichen Vampirglauben zerstören, und irgendwie ist schon über eine Stunde und damit die Hälfte des Musicals rum, wenn er Freund und Mutter verliert, und Marius dramatisch auftaucht. Während noch gar nicht viel geschehen schien.

Marius als Charakter leidet dabei am Meisten darunter, dass jegliche Referenzen zu Königin der Verdammten gelöscht wurden. Wenn der Vorhang sich nach der Pause wieder öffnet, merkt er Lestat über nämlich nur an ihm noch nicht in die Geheimnisse einweihen zu können, und verschwindet auch schon bis zum Finale wieder. Sein dramatischer Auftritt wirkt dementsprechend deplatziert.

Die Schauspielerin von Lestats Mutter Gabrielle, ist übrigens eine der herausragenden Leistungen im Cast. Ihre Rolle ist es auch ein wenig, die letztendlich die erste Hälfte zusammenhält und fürs frühe Finale einen gewissen Abschluss zu bieten weiß, während sie in den Büchern irgendwie schnell in Vergessenheit gerät – nachdem der Freigeist in die Wildnis verschwand sieht Lestat sie dort nur kurz wieder. Jedoch ändert auch dies nichts daran, dass die erste Hälfte des Musicals definitiv schwächelt und für Leute, welche die Bücher nicht kennen, keine richtige Resonanz bieten wird.

Die von Elton John geschriebene Musik hat ebenfalls ihre Höhen und Tiefen. Gabrielles „My Beautiful Boy“ ist beispielsweise ziemlich schwach, Lestats „Sail Me Away“ nicht viel besser, die Duette „Crimson Kiss“ und „Embrace It“ hingegen anständig.

Sich für das Musical wirklich begeistern zu können fällt also etwas schwer, wenn weder Handlung noch Musik wirklich herausragend waren. Es ist auch nicht unbedingt ein markantes Qualitätsmerkmal, dass der beste Teil, wenn das Musical doch endlich an Leben gewinnt, mehr ein Hinweis darauf ist, dass ein anderes Buch die bessere Wahl gewesen wäre.

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Vampire Hunter D XX & XXI

Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 habe ich im zweimonatlichen Rhythmus die ersten neunzehn Bände von Hideyuki Kikuchis Erfolgs-Romanreihe besprochen, die seit 35 Jahren beharrlich läuft. Und war den sehr ähnlichen Kurzgeschichten über den zu perfekten Hauptcharakter doch irgendwo dabei leid geworden. Ob drei Jahre Abstand etwas Frische dort hineingebracht haben, müssen nun die nächsten beiden Geschichten zeigen.

Scenes of an Unholy War ist der zwanzigste Band in der amerikanischen Auflage, während die japanische erst die Nummer 14 ziert. Das liegt an deren unterschiedlicher Publikations-Durchnummerierung. Zum einen sind die Bände eh nicht identisch, denn wo die japanische Auflage sich immer in relativ ebenmäßig lange Bände splittet und längere Geschichten damit auch schon mal auf 4 Parts verteilt sein können, zieht die amerikanische davon gern mal zwei Parts in einen längeren Band zusammen. Gleichzeitig ändert sich in Japan die Nummer aber auch nur mit jeder neuen Story, während Amerika jedem neuen Band auch eine neue Nummer gibt. Mysterious Journey to the North Sea ist also in Japan beispielsweise Vampire Hunter D 7 Part 1 und Vampire Hunter D 7 Part 2, während es in Nordamerika als Volume 7 und Volume 8 betitelt wird.

Es dauert wenn ich mich recht erinnere übrigens keine volle Seite, bis zum ersten Mal erwähnt wird, dass D so wunderhübsch und majestätisch ist, dass jeder Frau sofort das Höschen nass wird, und jeder Mann seine Sexualität in Frage zu stellen beginnt. Da war ich ja direkt wieder raus, Es-leid-sein schoss sofort von 0 auf 100.

Jedenfalls ist D bereits dreimalig auf ein merkwürdiges Pärchen getroffen, in einem sehr fragmentierten Anfang des Romans, bis er zum dritten Mal auf die beiden treffen und die eigentliche Geschichte beginnen darf. Nämlich in einer kleinen Stadt, die von einer Gang mit Namen Black Death terrorisiert wird. Hierfür sind einige Kämpfer rekrutiert worden, um gegen sie anzutreten, darunter auch D. Während das ungleiche Pärchen Rust und Lira vorübergehend den Sheriff und seine Helferin abgeben.

Und… öhm, so wahnsinnig viel passiert über die wenigen hundert Seiten des Buches nicht. Wir haben ein wenig was über Pseudo-Nobilität, sprich von Vampiren gebissene Menschen, die nicht vollkommen zu Vampiren werden, aber doch viele ihre Charakteristiken annehmen. Die Black Death Gang wird von so einem angeführt, der natürlich sehr gefährlich ist. Rust stellt sich auch als einer heraus, allerdings hat er sich unter Kontrolle, und Lira einen Vertrag mit ihm, sein Dasein zu beenden, sollte er durchdrehen. D darf mal schnell dem Sonnensyndrom anheimfallen, was ihn extrem schwächt, weil er zu lange in der sengenden Sonne war, aber irgendwie wirklich was daraus wird nicht. Sein Erschaffer taucht kurz auf, wird aber immer nur mystisch umschrieben, statt Dracula genannt zu werden, und verschwindet auch wieder ohne selbst was zu machen außer die Black Death Gang zu wandeln.

Ich weiß nicht, irgendwie fand ich die Geschehnisse in Scenes of an Unholy War ziemlich fragmentiert. Dinge Geschehen, Charaktere werden aktiv, und es war immer klar was und aus welchem Grund, aber so richtig eine befriedigende, schlüssige Narration wurde nicht draus. Ich musste häufiger überlegen, was denn vorher geschehen war, und dann war klar, warum dies zum Aktuellen geführt hat, aber so wirklich organisch war der Ablauf eher nicht. Kikuchi nennt übrigens im Nachwort, dass Futaro Yamadas Reihe The Kouga Ninja Scrolls ihn zum Autor gemacht hat, und das Scenes of an Unholy War im Speziellen von den verschiedenen zur Schau gestellten Kräften der dortigen Charaktere inspiriert wurde. Vielleicht hat der gute Mann schlichtweg sich Krieger mit verschiedenen Superkräften ausgedacht und erst dann die notdürftige Vampire Hunter D Handlung drumherum gebaut. Würde zumindest einiges erklären.

In Record of the Blood Battle wird uns dann aber auch endlich mal was Neues aufgetischt! Wie Kikuchi im Nachwort erklärt, sollte die Nobility zwar immer fürchterliche Monster bleiben, doch irgendwie hat er sich über die Jahre ein wenig für sie erwärmt und wollte einen Vertreter schaffen, der nicht ganz so extrem ist. Scheinbar hat er vergessen, dass Mayerling im dritten Buch, Demon Deathchase, bereits ein Guter war, der nur für die (erwiderte) Liebe zu seinem Menschenmädchen gekämpft hat. Zwischen 1985 und 2004 liegen wohlweislich aber auch fast 20 Jahre, es sei ihm also vergeben.

Das schafft er, in dem er den hiesigen Noblen komplett widersprüchlich deren bisher präsentierten Bildes gestaltet, ein Kontra zum tragenden Titel, und ihn auch noch komplett aus dem Zeitgeschehen herausreißt. Es ist nämlich so, dass in einem Dorf ein merkwürdiges Objekt gefunden wird, welches sich als Grab eines Noblen herausstellt. Der hat sich satte 5.000 Jahre zur Ruhe gelegt und wird natürlich ausgerechnet hier und jetzt, in 5 Minuten, daraus emporsteigen, gerade als D dort ist. Dabei roch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer bereits die krasse Kohle, weil alles, was mit der Nobility zu tun hat, eigentlich in der Hauptstadt für die Forschung ordentlich Cash bringt. Ein Vertreter der Spezies an sich natürlich auch.

Was dort entsteigt würde allerdings niemand für einen Vampir halten. Denn der Kerl ist kleinwüchsig, kahl und korpulent. Mit einem enormen Ego und großen Maul, dennoch von niemanden wirklich für voll genommen. Und mit fast keinen besonderen Kräften, die er nämlich alle dafür geopfert hat, sich trotz seines Vampirismus in der Sonne bewegen zu können. Er war nämlich ein Forscher, und das sogar für den Ahnherren, im Versuch Vampire zu erschaffen, die sich nicht von jener Schwäche beeindrucken lassen. Dadurch kennt er natürlich auch D bereits.

Was folgt ist ein wenig ein Road Trip. D will den Noblen in die nächste Stadt mit Gerichtshof bringen, da seine Gräueltaten im Namen der Forschung nicht verjährt sind, was Verbrechen von Vampiren grundsätzlich nicht tun. Aber auf dem Weg dahin stolpern sie über ein paar Steine. Seien es nun diverse Banditengruppen, die hinter dem Geld her sind, welche die Auslieferung des Vampires an die Forschung bringen kann. Oder irgendwelche Monster, die in den Gebieten leben. Oder auch einfach Menschen, deren Hass auf die Vampire so lang einsitzt, dass sie ihn zerstört oder gepeinigt sehen wollen, obwohl sie Generationen von den ehemaligen Schandtaten entfernt sind. Dieser Zirkel des Hasses und aufzeigen, dass auch die Menschen zu Gräueltaten mächtig sind, liefe vielleicht etwas besser, wenn der besagte Noble sich eben nicht in der Vergangenheit zu so vielen Gräueltaten hinreißen lassen hätte und das auch noch als selbstverständlich ansieht, statt irgendwelche Reue zu zeigen.

Doch wenigstens sind die Vibes diesmal ganz andere. Einfach weil der besagte Noble so eine Lachfigur ist und selbst D manchmal an den Rand dessen gerät durch ihn aus dem Tritt zu kommen. Ja er geht sogar für ein paar Kapitel ganz aus der Geschichte raus, was doch mal erfrischen anders ist, als ständig den unfehlbaren Super-Dhampir als Fokus zu haben. Alleine jene Andersartigkeit hebt das Buch schon wesentlich aus seinen Brüdern hervor.

Adventure Week #19: Dracula – Love Kills

Ein paar Adventure-Game-Homepages listen das Sequel zu Frogwares Dracula Origin als gecanceltes Projekt. Mit ein paar wenigen Concept Artworks, die alle im Nachfolger drin sind, Love Kills ist also durchaus nicht in eine komplett andere Richtung gegangen, als ein ursprüngliches Origin 2 beispielsweise gewesen wäre. Warum also fälschlicherweise als abgesagt gelistet? Weil sie es unter ihrem Sublabel Waterlily Games herausbrachten und ins Genre der Hidden Object Games verfrachteten.

Und dieses Spielegenre hat eine ähnliche Last mich sich zu tragen, wie die vielen Nancy Drew Adventure Games: Obwohl zahlreich und profitabel, werden sie ob ihrer vorrangig weiblichen Zielgruppe weitestgehend von den Medien und Gamern gar nicht erst wahrgenommen.

Im Gegensatz zum ersten Teil, in dem wir Van Helsing auf seiner Spurensuche nach Dracula gespielt haben, schlüpfen wir diesmal tatsächlich in die Rolle des besiegten Obervampirs. Der ist an sich immer noch kein Guter, denn eigentlich geht er nur gegen die Weltübernahmepläne der Vampirkönigin vor, weil er der mächtigste Vampir bleiben will, und weil sie seine Mina entführt hat. So direkt stellen kann er die Vampirin allerdings auch nicht, da seine Kräfte durchs Besiegen in Origin noch nicht komplett regeneriert sind. Und somit haben wir den Spielablauf auch schon vor uns: Dracula holt sich mit Hilfe von Igor und Van Helsing die nötigen Gegenstände, um sich 6 Segen zu beschaffen, die ihm seine Mächte zurückbringen.

Ja, Van Helsing begleitet seinen Erzfeind helfend auf der Reise, wobei er sowie Igor eigentlich mehr dafür da sind das Hint-System zu aktivieren, nicht wirklich bei der Puzzlelösung aktiv werden. Der Professor ist es dann auch, der immer mahnt, wenn wir als Dracula eine Untergebene der Vampirkönigin besiegen und Blut trinken wollen. Er wird den Pflock allerdings nie gegen Dracula erheben, sondern ob wir nun die Helfer ausgeschlürft haben oder nicht, bestimmt nur welches Ende wir zu sehen bekommen werden. Wer wie ich beispielsweise immer schön zulangt, darf miterleben, wie Dracula aus seiner Mina ebenfalls einen Vampir macht, um sie zu stärken und in Zukunft weniger angreifbar zu machen. Ich nehme mal an, dass dies als das moralische Bad End gesehen wird, auch wenn ich nicht sehe, was am Resultat jetzt besonders schlecht ist.

Blut wird übrigens benötigt, um die wiedererwachten Vampirkräfte von Dracula zu nutzen. Um an gewissen Gegenstände zu gelangen, ist nämlich nötig, dass er sie mit Telekinese herüberschweben lässt, selbst als Fledermaus durch enge Öffnungen gelangt, mit übermenschlicher Kraft draufhaut, oder via drittem Auge sichtbar macht. Diese sind nicht optional, um das Bluttrinken dennoch als Moralmechanik einzubinden allerdings auch mehr oder weniger sinnig Blutphiolen über die Bildschirme verteilt. Die Helfer anzuzapfen ist also nicht zwangsläufig nötig, macht die Sache nur einfacher, als nach den kleinen Flaschen zu suchen.

Was interessant ist, ist übrigens, dass Dracula: Love Kills kein reines Wimmelbild ist. Stattdessen mixt es drei Arten von Adventure Game zusammen. Zum einen haben wir durchaus traditionelle Mechaniken, in denen einfach gewissen Gegenstände aufgenommen und an der richtigen Stelle eingesetzt werden müssen, um weitergelangen zu können. Manche öffnen aber tatsächlich nur ein Wimmelbild, bei dem alle in der Liste befindlichen Dinge auf dem Hintergrund gefunden werden müssen, um einen benötigten Gegenstand zu erhalten. Und manchmal darf man auch wie bei Puzzle-Boxen a la Professor Layton oder 7th Guest (oder kürzlich Shivers) in sich geschlossene Minispiele/-rätsel bestehen, wie ein Mosaik richtig zusammenzusetzen oder Kugeln durch ein Labyrinth in die richtigen Löcher zu bugsieren.

Mit zwei wählbaren Schwierigkeitsgraden ist das Spiel hierbei weitestgehend ausgewogen, wobei schon so zwei oder drei Puzzle herausstechen, die bedeutend schwerer sind, und wo das gute alte „Einfach mal ne halbe Stunde wild klicken, bis alles automatisch richtig fällt“ angebracht war. Gerade das Verschiebemosaik mit dem Hahn drauf war ein Grauen. Und zwei oder drei andere, allerdings dies weniger, weil die Lösung an sich schwer gewesen wäre, sondern mehr, weil der optische Indikator was zu tun ist nicht wirklich eindeutig war. Die Kugeln mit den Zahlen drauf zu verbinden hat mich zumindest ewig gebraucht, bis mir einleuchten wollte, dass die Nummer auf ihnen die nötigen Verbindungsstücke angeben sollen. Vielleicht stand ich aber auch nur auf dem Schlauch.

Ich muss sagen, ich fand Dracula: Love Kills ein ziemlich angenehmes und chilliges Erlebnis. Ich bevorzugte sogar fast die casual Hidden Objekt Bilder gegenüber den Minispielen und Gegenstandsrätseln. Wobei alles in einem Spiel verbunden zu haben halt auch die nötige Abwechslung mit sich bringt, die definitiv nicht dagewesen wäre, hätte die Handlung einen einfach nur durch drei Dutzend Wimmelbilder gelotst. War definitiv ein nettes kleines Spielchen am Rande.

The Bloody Red Baron

Das 1995 von Kim Newman geschriebene The Bloody Red Baron ist der zweite Eintrag in dessen alternative Historie um Anno Dracula. Schon irgendwie ein Sequel zum der Serie gebenden ersten Buch, aber dennoch eine ganze Ecke davon entfernt, spielt es doch gut 30 Jahre später. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges, wie man sich ob des Titels sicherlich bereits denken konnte.

Um es noch mal kurz zu Rekapitulieren: Die Welt von Anno Dracula ist im Prinzip wie die von True Blood, nur nicht in der Moderne spielend. Sprich Vampire leben relativ normal in der menschlichen Gesellschaft. Der Vampirismus ist hier sogar recht en vogue, es beispielsweise chic in noblen Familien ihre Nachkommen in der Blüte ihrer Jugend zwischen 18-20 von einem Vampiralten wandeln zu lassen. Kim Newman ist es aber nicht satt, einfach Vampire in reale Geschichte einzubauen, sondern nimmt sich auch gern fiktiven und hab-fiktiven Charakteren an. Anno Dracula spielte beispielsweise in einem viktorianischen England, in dem die Ereignisse von Bram Stokers Dracula (welches als Roman weiterhin existiert) geschehen sind, allerdings mit dem Sieg Draculas ausgingen, der anschließend die Queen ehelichte und England regierte.

Am Ende des Buches war er besiegt und vertrieben. Jedoch eröffnet uns The Bloody Red Baron, dass er in den folgenden drei Jahrzehnten zunächst den Vampirismus in der russischen Zarenfamilie verbreitete, und letztendlich in Deutschland landete, wo er nun mit dem Kaiser den Ersten Weltkrieg angezettelt hat. Welcher durch die Kampfflieger ganz neue Züge annimmt. Zu denen auch der Rote Baron gehört, den es tatsächlich auch gab, um den tatsächlich in der deutschen Kriegspropaganda ein unglaublicher Heldenmythos aufgebaut wurde, und von dem es tatsächlich die Biographie Der Rote Kampfflieger gab.

In der Welt von Anno Dracula hat er diese allerdings nicht selbst verfasst, sondern sich die Deutschen den zum Vampir gewandelten und in den jüdischen Slums Prags dahin siechenden Edgar Poe – Allen hat er sich nach dem Wandel streichen lassen – geschnappt, der nun die Einsätze vom Jagdgeschwader 1 beobachten und Interviews mit Richthofen führen soll, um dessen Der Rote Kampfflieger für ihn zu verfassen.

Auf der Seite der Alliierten hingegen steht beispielsweise unser Hauptcharakter aus Anno Dracula, Beauregard, der nun nicht mehr mit seiner Vampirin aus jenem Buch zusammenlebt. Der überwacht allerdings nur die britischen Kampfvorbereitungen für den Diogenes Club. Tatsächlich folgen wir allerdings wesentlich häufiger seiner Freundin und selbst Vampirin Kate, und dem in die Militärhierarchie hineingeratenden Edwin, die beide stark verändert aus den Grauen des Krieges herauskommen werden.

Weiter munter eingebaut ist die verführerische Spionin Mata Hari, Churchill als Vampir, die beiden Doktoren Caligari und Moreau, und ein auch hier schwuler und schnell toter Friedrich Murnau, und so einige mehr. Es ist immer wieder interessant, wenn man über einen bekannten Namen stolpert, den es entweder wirklich gegeben hat oder aus bekannten Geschichten stammt, und wie Newman jene in seine Geschichten eingebunden hat.

Was mich bei den Büchern immer wieder einnimmt ist, wie dicht sie doch geschrieben sind. Denn eigentlich geschieht über weite Teile, bis es im Finale dann in der Kaiserschlacht passend Schlag auf Schlag geht, gar nicht ganz so viel. Stattdessen wird viel geredet, wobei uns vor allem die Welt und die involvierten Charaktere nahegebracht werden. Das ist aber doch so reichhaltig geschrieben, dass man dennoch vollkommen satt aus einem Kapitel heraus kommt. Abgesehen davon ist es natürlich sowieso vorteilhaft, einen Krieg aus Charakter-individueller Sicht zu schreiben, um die Hierarchien dahinter, die involvierten Ideologien, wie jene später angegriffen werden, und das allgemeine Chaos in der Schlacht, wiedezugeben. Das gibt The Bloody Red Baron, trotz der pulpigen Alternative History, in dem es spielt, sogar etwas mehr Klasse, als Anno Dracula hatte.

Vampire Chronicles – Prince Lestat

ava-2072In 2003 hat Anne Rice mit Blood Canticle also ihren Ragequit der Vampirchroniken hingelegt, derer und dessen Fans längst überdrüssig geworden. Stattdessen ging sie ihrem wiederentdeckten christlichen Glauben in Büchern nach, zu denen der wohl besser passt. Sie schrieb endlich ihre Jesus-Trilogie, oder zumindest die ersten zwei Bücher davon. Dann zwei Bücher der Songs of Seraphim. Aber irgendwie schien das nicht so viel einzuspielen wie ihre Goth-Horror-Romane. Also zurück zum Übernatürlichen durch Werwölfe mit The Wolf Gift Chronicles, und dann hatte sie plötzlich doch unbedingt neuen Vampirstoff, den sei ja schon längst erzählen wollte. Nach Claudia’s Story, einem Comic der Interview with the Vampire aus Claudias Sicht nacherzählt, kam also 2014 mit Prince Lestat nach 11 Jahren das erste neue Buch der Vampirchronik raus, und ein weiteres Buch steht für Ende des Jahres in den Startlöchern.

Man kann dann immerhin dem Buch zu Gute halten, dass es sich diesmal auch tatsächlich so liest, als wollte Anne Rice es schreiben, ganz im Gegenteil zum vorigen Schlusskapitel, Hohelied des Blutes, das sich ziemlich dahingeschludert gelesen hat und ständig passiv-aggressiv bis einfach nur aggressiv sich über die Leserschaft der Vampirchroniken und ihre Erwartungshaltungen beschwert hat.

Was nicht wirklich bedeutet das Prince Lestat ein gutes Buch ist, nur weil es etwas besser geschrieben ist. Genau genommen liest sich das ganze Ding extrem nach Fanfiction. Inklusive der Eigenschaft, dass das Ding erst mal für gut die erste Dreiviertel Länge mehr oder minder vor sich hin mäandert, bis es dann überstürzt einen Klimax hervorzaubert. Ist zwar nicht so, dass jenes Finale jetzt komplett aus dem Nichts ohne jegliches Buildup käme, wie das bei Twilight der Fall gewesen war, aber so ein wenig Ereignislos wirkt der Groß des Buches schon, bis dann der etwas schnell über die Bühne gebrachte Payoff kommt.

Prince Lestat ist übrigens das erste Buch der Vampirchronik, welches nicht als fiktive Biographie geschrieben ist. Die Kapitel mit Lestat als Hauptcharakter sind immer noch aus dessen Perspektive geschrieben, die diversen Kapitel der anderen Charaktere aber eben nicht. Und hier kommen viele Charaktere vor, jedoch nicht unbedingt viele neue, gleichzeitig aber auch nicht viele bekannte. In bester Fanfiction-Manier wirft uns Prince Lestat nämlich lauter Nebenrollen aus den vorigen Büchern hin, die dort teilweise nicht mal eines Namens würdig waren, und spinnt sich was zu jenen zurecht. Außerdem werden die eigentlich keiner Erklärung bedurften Entstehungsgeschichte der Talamasca und der Wesensart des Geistes Amel, welcher damals mit Akasha verschmolz und die Vampirrasse hervorbrachte, gelüftet. Viel liest sich halt wirklich so, als hätte ein Fan der Reihe sich hingesetzt, und eine weitere Geschichte um Super-Lieblings-Vampir Lestat geschrieben, mit jede Menge „schau wie viel ich weiß“-Referenzen aus den vorigen Dutzend Büchern gespickt, deren Lücken und offenen Geheimnisse zusätzlich füllend.

Die Vampire sind dabei übrigens so Zahnlos wie aus den letzteren Büchern der Vampirchronik bekannt. Alle sind so Herzensgut, so rein, so liebend, sich gegenseitig toll findend und vertrauend, und Umarmungen und Bussi Bussi, und blergh. Dass die Alten, die Kinder der Millennien, mal sehr rar war, weil kaum einer in jenes hohe Alter überlebt, ohne sich selbst zu zerstören, oder das Vampire notorische Einzelgänger sind, weil man es nur so lange mit ein und derselben Person aushält, ist auch Schnee von Gestern. Da Buch hier führt Dutzende an Uralten vor. Und fast jeder scheint plötzlich seine eigene kleine Enklave mit seinen Lieblingen gegründet zu haben. Ja Anne Rice ändert das ganze Branding ihrer Vampire ohne Biss am Ende des Buches, in dem sie über ihre Blutschuld hinweg kommen. Kein Denken mehr, man wäre böse. Keine Schuld mehr, weil man sich von Menschen ernährt. Keine Komplexe, weil man Untot ist. Vampire sind die neuen Blumenkinder, von nun an organisiert zusammenlebend, sich liebend, sich nur von Verbrechern ernährend. Mit ihrem Prinz Lestat in der Mitte.

Denn letztendlich war das der ganze Sinn und Zweck des Buches. Alle Vampire zusammenführen. Ihre komplette Existenz dem Anpassen, worüber Anne Rice schon seit geraumer Zeit lieber schreibt. Über Liebe deines Nächsten gegenüber, nicht mehr über Blutrünstige ihrer eigenen Existenz überdrüssigen Monster. Und ihren Liebling Lestat endlich noch mehr ver-Mary-Sue-en als er das eh schon war. Konnte er doch eh schon alles, fanden ihn doch eh schon alle unwiderstehlich, mit Akashas Blut stärker und begabter als seine Lebensdauer das zulassen sollte. Hier nun übernimmt er den Geist Amel in sich, der jetzt auch ein eigenen Charakter und ein Selbst entwickelt hat, natürlich hauptsächlich um geliebt werden zu können. Damit wird er das Zentrum der Vampire, da er deren Urkern in sich trägt, und alle applaudieren und feiern und fügen sich jeder Entscheidung ihres neuen Monarchen, nicht einer stellt sich dagegen oder findet es zu gefährlich ihre Lebensquelle in einem für seine Unberechenbarkeit bekannten Kerl zu sehen. Weil Lestat eben einfach zu toll ist, um nicht sofort von jedem geliebt und akzeptiert und bewundert zu werden.

So sehr also die spezifischen Kritikpunkte an Hohelied des Blutes für Prince Lestat aus dem Weg geräumt sind, so bestehen die zu den unmittelbar davor gekommenen Büchern also leider weiterhin. Den Vampirchroniken wäre wenig genommen gewesen, wenn sie nach Königin der Verdammten aufgehört hätten, und daran ändert auch Prince Lestat im Endeffekt nichts.

Blood Omen 2

ava-2068Bereits 1999, als das erste Soul Reaver erschien, wurde sich so einige Gedanken gemacht, wie man die heiße neue Franchise, die dort an der Hand lag, möglichst gewinnbringend umschlagen konnte. Nachdem also bereits das Ende von Soul Reaver abgeändert wurde, um eben nicht der Saga ein definitives Ende zu geben, sondern weitere Teile produzieren zu können, kam man auf eine weitere Idee. Die da wäre einfach zwei Teams an Legacy of Kain arbeiten zu lassen, eines für die Raziel-Arc in den Soul Reavers, ein zweites sollte sich Kain in den Blood Omens annehmen. Dadurch konnte bereits ein Jahr nachdem Soul Reaver 2 herausgekommen war, das gleichzeitig in Produktion befindliche Blood Omen 2 auf den Markt gebracht werden.

Grundsätzlich muss das keine schlechte Idee sein. Immerhin gibt es eine dicke zeitliche Lücke zwischen dem Ende von Blood Omen und dem Beginn von Soul Reaver. Und Soul Reaver 2 führt zudem die Zeitparadoxe in die Franchise ein. Warum sich also nicht dem ursprünglichen Charakter Kain zuwenden, um zu zeigen, wie aus dem von Blood Omen der aus Soul Reaver wurde? Warum seiner Kreativität nicht in non-canon Paradoxen seinen freien Lauf lassen? Problematisch wird es natürlich, wenn man die Franchise eben nicht unter dem Gewicht seiner komplexen Story einbrechen lassen will, und kanonische Einträge macht, die dennoch nicht passen, weil sie von einem teils unwissenden Team gleichzeitig mit anderen Teilen in Entwicklung sind, und von oben explizit gewünscht ist, die Handlung möglichst gering und einfach zu halten. Denn die Story ist so ziemlich der Hauptgrund, warum die Legacy of Kain Reihe überhaupt gespielt wurde, das Gameplay war noch nie Spitze aber eben auch nebenrangig.

Kain wird also ein paar Jahrhunderte nach Blood Omen jedoch bevor Soul Reaver von Umah erweckt. Und gleich ein kleiner Schock für Spieler der Franchise was das Design des Dinges angeht. Vom distinkten Look der Reihe ist nicht viel übrig geblieben, die neuen Charaktere sind so generisch wie schlecht designt. Die Antagonisten der Sarafan beispielsweise rennen alle wie Cyber-Ritter herum, während die Vampire der Cabal, zu denen Umah gehört, alle wie nuttige Ninjas aussehen. Umah trägt essentiell einen Stoffstreifen über den Silicontitten und ein Stahldreieck über der Möse, und wenig mehr. Der Hauptbösewicht Sarafan Lord rennt in einer generischen Ganzkörperrüstung rum, die mit neongrünen Lichtern gespickt ist. Nichts hiervon sieht aus, als wäre das aus der Welt von Blood Omen oder führte in die von Soul Reaver.

Ach ja, in einem 10-minütigen Dialog gibt uns Umah dann auch das Setting wieder: Kains Vampirarmee wurde von dem wiedererweckten Sarafan und deren Lord besiegt, der nun den Soul Reaver (der ziemlich unwichtig für die Gesamtheit des Spieles sein wird) in Händen hält, und eine neue fast Vampir-lose Welt geschaffen hat. Die Cabal ist die letzte vampirische Widerstandsbewegung, einige frühere Mitstreiter Kains zu den Sarafan übergelaufen. Also nimmt sich Kain an, die Welt wieder eine von Vampiren regierte zu machen, in dem er einen Weg findet, wie er den Sarafan Lord besiegen und den Soul Reaver wieder in Händen halten kann. All das natürlich, während üblicherweise jeder Cabal-NPCs sagt „vertraue mir und dem, was ich dir sage“ während Kain erwidert „ich lasse mich nicht manipulieren“, nur um dann genau zu tun, was die von ihm wollten. Ist dann aber auch egal, denn Ränkeschmiederei wird man in Blood Omen 2 nicht finden, die Handlung ist so geradlinig, wie sie am Anfang des Spieles ausgelegt wurde. Die Cabal sind die Guten, oder zumindest auf der Seite von Kain, die Sarafan und ihr Lord (unter denen es der Menschheit praktischerweise auch nicht wesentlich besser zu gehen scheint) die Bösen, die besiegt gehören. Die einzige Komplikation, und dieses Wort zu nehmen ist sehr großzügig, stellen die in Soul Reaver 2 angesprochenen Hylden dar, von denen wir hier herausfinden, wer sie sind: Schnäuzer-zwirbelnde Bösewichte, die sich die Sarafan zu Eigen gemacht haben. An Kains Mission ändert sich durch ihr Auftauchen dann auch nichts: Besiege den Sarafan Lord und du schlägst die Hylden mit.

So einfach wie dies ist, macht es in sich selbst noch nicht mal unbedingt Sinn. Oder besser gesagt der Charakter Kain im hiesigen Spiel nicht. Bestechend ist, dass er sein übliches Antiheld-Ding dreht, wo er beteuert sich um niemanden was zu scheren, außer darum wieder die Macht zu erlangen. Dem geht er konsequent so auch für zwei Drittel des Spieles nach. Im Finale, obwohl weder seine Worte noch Taten irgendwie in jene Richtung deuteten, kümmert er sich dann aber plötzlich angeblich trotzdem was um die Cabal und deren Anhängern, und trauert der toten Umah sogar als seine potentielle Königin hinterher? Dieses Hero-Babble von ihm kommt absolut aus dem Nichts und macht keinen Sinn damit, wer Kain ist, weder in den anderen Spielen, noch bisher in Blood Omen 2. Wenn man seinem Charakter eine Entwicklung geben wollte, dann hätte man vielleicht wirklich ihn sich entwickeln sehen müssen, statt das er seine Meinung plötzlich um 180° dreht – und ihn zu einem weniger interessanten, weniger grauen Helden machen zu wollen, ist sicherlich sowieso keine gute Idee.

Immerhin kann man Blood Omen 2 zugute halten, dass die Story nicht viel in den Weg kommt. Zu Beginn und Ende jedes der elf Kapitel und Beginn der Bosskämpfe wird ein kleiner Dialog gehalten, aber im Großen und Ganzen halten sich die Charaktere für die Franchise ziemlich zurück was endloses Geschwafel angeht. Wahrscheinlich weil Blood Omen 2 wenig bis nichts zu sagen hat, selbst das Ende ist total kurz angebunden. Nicht, dass einen das Spiel nicht dennoch maßlos langweilt, aber das eben durch sein suboptimales Gameplay.

Wir spielen also wieder als Kain, dem Vampir aus Blood Omen. Von daher bringt Blood Omen 2 eine Konstante aus dem ersten Spiel zurück, die der Zombie Raziel nicht berücksichtigen musste: Vampire sind Bluttrinker. Wie im ersten Teil besteht Kains Lebensleiste aus Blut, und wie im dortigen Teil verringert sich jene konstant, auch wenn er nicht von Gegnern getroffen wird. Was allerdings neu in Blood Omen 2 ist, ist das Gegner und NPCs auszusaugen auch Kains Lore-Meter erhöht. Das kann man sich ein wenig wie Erfahrungspunkte vorstellen, denn sobald die Lore-Phiole gefüllt ist, wird die Blut-Phiole a.k.a Lebensleiste von Kain etwas länger. Das führt natürlich dazu, dass es anzuraten ist, jeden Gegner zu bekämpfen und auszusaugen, egal ob dies nun nötig ist oder nicht, da sie eben nicht nur die Lebensleiste auffüllen, sondern auch die Lore-Leiste.

Das nervt ganz gewaltig, um ehrlich zu sein. Ich fand es in den beiden Soul Reavern ganz gut, dass man mit einigen Ausnahmen durchaus Gegner auch ignorieren konnte. Seien wir mal ehrlich, sonderlich interessant war das Kampfsystem der Franchise noch nie, sondern meist so einfach wie langwierig. Bei genug Bewegungsspielraum einfach Gegnern links stehen lassen zu können war da ein Segen. Das gibt es in Blood Omen 2 im Prinzip nicht mehr, es sei denn man möchte auf Erfahrungspunkte und Verbesserung der Lebensleiste verzichten, was natürlich nicht anzuraten ist. Also jeden einzelnen Gegner bekämpfen. Und das Kampfsystem ist nicht gerade interessanter geworden. Überraschend bewegt sich Kain sowieso gemächlicher als Raziel, von Vampir-gleichen Reflexen kann echt nicht die Rede sein. Eine Attack-Kombination dauert in der Ausführung und kann nicht ausgecancelt werden. Eine Spezialattacke hat eine lange Animation (netterweise ist man währenddessen allerdings unantastbar), und wenn eine Gegner-Kombo Kain umwirft, braucht er länger zum Aufstehen, als ein Käfer auf dem Rücken.

Dabei sind besagte Kämpfe übrigens so einfach wie tödlich. Jeder Gegner ist auf die gleiche Art und Weise ausschaltbar. Ins Visier nehmen, Kain alle Attacken blocken zu lassen, bis sich sein Spezialmeter aufgefüllt hat, und dann den Gegner mit einer nicht blockierbaren Spezialattacke umnieten. Das ist so langwierig wie es langweilig ist. Jedoch die einzig effektive Art zu kämpfen. Sicherlich kann man auch versuchen den Gegner zwischen seinen Kombos eine reinzuhauen, jedoch blocken die selbst so viel, und halten so viele Schläge aus, dass das Warten auf die Spezialleiste kaum länger dauert. Und ungefährlicher ist. Denn wenn der Gegner doch mal eine Attacke reinbekommt, entweder weil man nicht geblockt hat, oder weil es einer derjenigen ist, der eine blockumgehende Spezialattacke hat, der man nicht schnell genug ausgewichen ist, zieht das mit Pech durchaus mal ein Viertel bis Drittel der Lebensleiste von Kain ab. Das ist natürlich super nervig. Zum einen muss man die Kämpfe so sicher wie möglich angehen, was sie so lang wie möglich ausweitet. Zum anderen wenn man doch mal was falsch macht, oder dummerweise mehr als einem Gegner gleichzeitig gegenübersteht, ist ein Ableben gar nicht mal so unsicher, und man darf die ganze Sektion seit des letzten Checkpoints erneut durchlaufen und erneut langwierig alle Gegener darin bekämpfen.

Macht übrigens auch das Waffensystem des Spieles obsolet. Davon liegen genug im Spiel rum, und jede Waffe eines toten Gegners kann aufgehoben werden, und Kain wird mit ihnen statt seinen Klauen kämpfen. Davon wie schnell er zuschlägt oder wie gut er blockt, scheint zwischen ihnen allerdings kein Unterschied zu bestehen, lediglich wie viel Schaden sie verursachen. Sie brechen allerdings auch überraschend schnell durchs Austeilen aber auch Einstecken. Sprich nachdem man alle Attacken eines Gegners mit ihnen geblockt hat, sind sie eh kurz vorm Bruch, und wenn man die Spezialattacken zum Vernichten der Opposition nimmt, braucht man die Waffen eigentlich eh nicht. Ein weiteres nettes aber vernachlässigtes System ist Stealth. Gewisse Bereiche in Blood Omen 2 sind von Nebel umhüllt. Kain nun in seine Nebelform gleiten zu lassen, und man kann sich an Gegnern anschleichen und sie Insta-Killen. Ziemlich cool eigentlich, aber Blood Omen 2 hält mit jenen Nebelgebieten ordentlich zurück, und bietet zudem gern auch mal Gegner, die Vampir-Präsenz spüren können, auch wenn man in Nebelform ist. So häufig wird man also nicht auf Ezio machen dürfen. Was schade ist, da jene Stealth-Gebiete eindeutig der einzige Moment in den Lokalitäten waren, in denen ich nicht hoffnungslos gelangweilt war.

Denn auch deren Aufbau ist mehr als uninspiriert. So ziemlich jedes Gebiet in allen elf Kapiteln ist ein weitestgehend geradliniger Schlauch, mit einer verschlossenen Türe am Ende, und zwischen einem und fünf Schaltern im einzig abzweigenden Schlauch, die umgelegt werden müssen, um besagte Türe zu öffnen. Alle Wegblockaden im Spiel zu öffnen ist absolut hirnlos einfach, und besteht zu 90% daraus, die gleichen Schalter zu betätigen. Klar, mal per Telekinese über einen Abgrund hinweg, oder per Charm durch einen NPC, aber was zu tun ist ist immer absolut klar, und läuft immer auf eine Ansammlung an Schaltern hinaus. Gähn. Und weil alles andere in Blood Omen 2 bereits darauf ausgelegt zu sein scheint, möglichst viel möglichst grundlos die Lebenszeit der Spieler zu stehlen, gibt es Glyph-Schalter, die erst mit Energie versorgt werden müssen. In dem man woanders einen Schalter bestätigt und dann darauf warten muss, bis die Glyph-Energie langsam und gemächlich die Leitung entlang zum Glyph-Schalter gekrochen ist. Bäh.

Und das ist einfach alles, was Blood Omen 2 ist: Langweilig wenn es nicht gerade nervt, manchmal beides. Lahme Story. Dämliche Charaktere. Sinnbefreites Quest. Geradlinige Areale mit hirnlosen und immer gleichen Puzzeln. Gegner und Bosse, die darauf aus sind, möglichst lange zum Ableben zu brauchen. Blutsaug-, Aufsteh- und Glyphenergie-Animationen, die nur noch mehr repetitiv Zeit stehlen. Blood Omen 2 hat nicht grundlos den Ruf, dass Spiel der Franchise zu sein, um das man einen Bogen machen sollte. Es fügt der Handlung nichts von Wert hinzu, und ist eine lästige Arbeit zu spielen.

Adventure Week #16: The Blood Legacy

ava-1928Wie bei den ersten beiden Draculas, so wurden auch die Episoden 4 und 5 im gleichen Jahr herausgebracht, und erneut sind sie eigentlich jeweils nur ein halbes Spiels, ergeben erst zusammen die komplette Handlung.

Das Ende von Dracula 4, welches implizierte, dass Adam Stoker Dracula ist, wird übrigens direkt zu Beginn von Dracula 5 als Fakeout aufgelöst, Ellen hatte nur eine der Halluzinationen, die mit ihrem Krankheitsbild einher gehen. Und genau das hat mich mal wieder realisieren lassen, dass man hier mehr hätte raus machen können. Ähnlich wie Dracula 3 damit anfing, dass der ganze Vampirmythos vielleicht wissenschaftlich zu beweisender Unfug ist, und es ganz cool gewesen wäre, wenn letztendlich tatsächlich nur eine Mordserie oder Krankheit oder so umgegangen wäre, und das Spiel dann, wenn es doch „nur“ um Dracula gegen Ende hin ging an Interesse verlor.

Das hätte man ja in Dracula 4 und 5 nachholen können, aber eben noch besser aufgezogen. Eben weil Alpträume und Wahnvorstellungen zum Krankheitsbild von Ellen gehören, hätte man genau damit stärker spielen können, eben mit dem Verwischen von Realität und Traum, was ist wahr, gibt es wirklich Vampire, wie viel bildet sich Ellen letztendlich vielleicht nur ein? Aber damit macht die Duologie wieder nichts, sondern hat am Ende von Dracual 4 die Realisation, dass es Dracula eben gibt, und da geht Dracula 5 auch strack mit weiter, eben über ein paar weitere Myst-Puzzle zur finalen Konfrontation mit dem Fürsten.

Dafür wird mehr mit der Lebensleiste gemacht? Ich mein zumindest gibt es in der Hauptlokalität nicht mehr einen endlosen Vorrat an Regenerierung, jedoch immer noch genug Medizin zu finden, als das man nicht wirklich sterben würde im Spiel. Wobei, sterben kann man glaub ich eh nicht, sondern bekommt nur wieder ein paar Punkte vom durchs Lösen der Rätsel erhöhten, und ultimativ bedeutungslosen, Score abgezogen, wenn man einen Back Out hat, weil man sie nicht rechtzeitig nimmt. Wie gesagt, scheint sich eh nur an vorgegebenen Punkten zu verringern, von daher ist es natürlich eh einfach den Überblick darüber zu haben, wie viel Heilung man ins Spiel packen muss, damit der Spieler nicht in Probleme läuft, aber warum dann überhaupt das System? Riecht nach einem Einfall früher in der Entwicklung, welches dann im finalen Produkt wegen Änderungen keinen praktischen Nutzen mehr hat, aber auch nicht einfach herausgenommen wurde.

Aber so vom Adventure-Teil, sprich den Rätseln her, fand ich jetzt Dracula 4 und 5 nicht total übel. Etwas sehr Standard, und die Spiele sind halt irgendwo zu kurz und machen nicht genug aus ihrer Prämisse, aber von den Rätseln her sind es ganz brauchbare, kurzweilige Zeitkiller gewesen.

Adventure Week #16: The Shadow of the Dragon

ava-1927Und wieder Microids, wenn auch nur als Publisher. Bereits im Jahr 2000 gab es mit Dracula Resurrection und Dracula: The Last Sanctuary eine Duologie an Spielen, die eigentlich nur je die Hälfte eines Komplettspieles sind. Das gefolgt vom nicht wirklich auf sie aufbauenden Dracula 3: Path of the Dragon in 2008. 2013 durfte dann mit Dracula 4: Shadow of the Dragon weitergemacht werden.

Diesmal spielen wir Ellen Cross, die fürs Museum of Modern Art in New York arbeitet und nach Rumänien reist, um die Echtheit eines Kunstwerkes zu prüfen, welches zu einer Sammlung gehört, die nach New York verschifft hätte werden sollen, aber angeblich beim Kentern des Schiffes untergegangen ist. Aber jetzt, wo angeblich ja ein Kunstwerk hier aufgetaucht ist, besteht Hoffnung, dass sie nie auf jenem aufzufinden waren. Kleiner Tipp von mir übrigens gleich vorweg: Sich das Hauptmenü genau anschauen, denn statt auf den ersten Punkt „Neues Spiel“ lieber auf den dritten Punkt „Prolog – Anleitung“ geklickt, und man bekommt den Rumänien-Teil auch selbst gespielt, statt dass dies vom Spiel übersprungen wird. Ist zwar hauptsächlich nur ein Tutorial der Spielmechaniken, die jeder Adventure-Gamer eh sofort kapiert, aber 20 Minuten mehr Spielzeit aus dem 3-Stunden-Unterfangen quetscht man so heraus, und irgendwo fühlt es sich komisch an, es nicht selbst zu spielen.

Nach Rumänien geht es dann nach England, genau genommen in die Hütte, in der Bram Stoker seinen berühmten Roman schrieb, und wo wir dessen Enkel Adam antreffen. Das ist der Hauptteil des Spieles, nehmen doch geschätzt Dreiviertel der Spielzeit das Puzzeln durch das Gebäude und die nahegelegene Krypta ein. Wie gesagt ist das Spiel an sich schon nicht sonderlich lang, und endet dann auch wie die ersten zwei Teile einfach in einem Cliffhanger, fühlt sich also so ein wenig an, als spielte man den Prolog oder Episode 1 von einer Adventure-Season.

Spielt sich übrigens sehr wie Myst, denn auch hier bewegen wir uns durch frei drehbare, vorgerenderte Sphären und haben hauptsächlich mehr oder weniger Sinn machende Puzzle zu lösen, die viel mit verzwickten Mechanismen zu tun haben. Wobei Dracula 4 nie wirklich auch nur annähernd so knifflig wird, sondern eigentlich immer gut lösbar bleibt. Und im Notfall gibt es ja noch den einfacheren Casual Mode inklusive automatischer Hotspot-Anzeige.

Eine Besonderheit des Spieles ist allerdings, dass die gute Ellen Cross an einer Blutkrankheit leidet (wie thematisch passend!), die unheilbar ist und sie langsam tötet. Das ist ins Gameplay eingebunden, in dem wir nämlich eine sich langsam neigende Lebensleiste spendiert bekommen haben, und Ellen dem mit Medikation entgegenwirken muss. Wobei es mir nicht so vor kam, als würde sie sich beständig verringern, also sozusagen eine gewisse Art von Timer einbauen, sondern an vorgegebenen Punkten nach Puzzle-Lösung verringert werden. Das Seltsame hieran allerdings ist, dass schlichtweg gesunde Nahrung zu sich zu nehmen Ellen auch heilt, und die Villa einen bodenlosen Fruchtkorb in der Küche hat, so dass diese Mechanik essentiell wieder sofort ausgehebelt ist.

Superhero Sunday – Blade Trinity

ava-1923Mit Blade: Trinity kam die Trilogie dann also zu ihrem Ende. Diesmal mit David S. Goyer im Regiestuhl, der das Drehbuch aller drei Filme schrieb, aber eben eher selten auf jenem Stuhl Platz nimmt. Wobei dies eh nur geschah, weil Wesley Snipes, der angeblich während der Produktion eine echte Diva war, und als Mit-Producer der Reihe doch ein gewisses Mitspracherecht hat, ein Veto gegen den ersten Regisseur einlegte, nur um mit der zweiten Wahl auch nicht zufrieden zu sein.

Ok, womit endet man eine Trilogie am besten? In dem man den größten, stärksten und bedrohlichsten Feind auf den Plan ruft, oder an die Anfänge der Geschichte zurückkehrt. Trinity geht an die Anfänge zum Größten, und zwar denen des Vampir-Mythos: Dracula wird von den Vampiren wiedererweckt, um gegen Staatsfeind No.1 Blade zu kämpfen. Wie auch immer der Daywalker es zu jenem Ruf geschafft hat. Ich mein, ja, er bekämpft Vampire und das auch recht erfolgreich, aber als ein Solo-Kämpfer verstehe ich nicht ganz, wie er plötzlich der Grund sein kann, dass Vampire die Ausrottung ihrer Spezies zu befürchten haben.

Fragt man sich, warum sie Dracula überhaupt brauchen, denn gleichzeitig fahren sie auch eine Schmierenkampagne gegen Blade auf, in dem sie filmen wie er einen Menschen tötet und es verbreiten, damit das FBI ihn jagt. Sie nutzen dafür übrigens einen Menschen, der sich als Vampir ausgibt, wenn Blade doch eigentlich eh deren Familiars – also normale Menschen, die für die Blutsauger arbeiten – tötet, über 1000 davon bisher, wie er später sagt. Warum nicht eh das filmen? Und wirklich, wie wird Blade plötzlich im Auge der Öffentlichkeit zum Staatsfeind No.1 und hohe Priorität beim FBI, nur weil er einen einzelnen Menschen tötet?

Egal, vielleicht war es doch ganz gut Dracula zu holen, denn das FBI kann Blade gar nicht lang festhalten, er wird nämlich von seiner neuen Scooby Gang gerettet, ein Haufen unlustiger, möchtegern-hipper Jungspunde, die angeblich schon immer im Hintergrund für seine Unterstützung trainiert wurden. Eine davon sogar die Tochter seines Mentors, dessen Familie ja eigentlich umgebracht wurde, und bei der ich mir nicht sicher bin, warum diese Verbindung überhaupt reingeschrieben werden musste, es ist nämlich nie wichtig genug, als das sie nicht einfach irgendein Mädel sein könnte, welche es auf Vampire abgesehen hat.

Der Rest des Filmes ist, uh… Blade und seine zwei Sidekicks hauptsächlich dabei, wie sie Vampire/Drake jagen oder von jenen gejagt werden, bis es dann am Ende einen gar nicht so spektakulären Endkampf gegen den perfekten Supervampir gibt, der selbst der Sonne stand halten kann.

Ach ja, Dracula hat viele Namen, geht bis auf die babylonische Zeit hier zurück, und die Scooby Gang nennt ihn doch tatsächlich Drake. Ugh.

So ungefähr gestaltet sich die Qualität des ganzen Filmes. Er ist unglaublich schlecht geschrieben, mit lauter Löchern in der Logik oder Handlung, intern sowie zu den beiden Vorgängern. Und die Dialoge sind einfach schrecklich, denn die Charaktere geben wirklich nur die generischsten Sachen von sich, die entweder absolute Situationsklischees darstellen, oder unwitzige Sprücheklopferei sind. Da wollte jemand wohl Joss Whedon emulieren, hat aber nicht den gleichen Witz. Man fühlt sich anschließend wirklich, als hätte man einige Gehirnzellen verloren, sich dies anhören zu müssen.

Schauspielerisch wird auch nicht so viel gebracht. Jessica Biel beim Versuch ein Badass zu sein, ist sowieso absolut fehlbesetzt, aber auch Ryan Reynolds macht nicht viel, und selbst Snipes versprüht kaum noch was von seinem Charme aus den Vorgängern. Ich mag das Dracula optisch eine ganze Ecke maskuliner geraten ist, als der aristokratische englische Gentleman oder metrosexuelle Schönling, der er normalerweise in aktuelleren Filmen ist, doch ist er absolut unterrepräsentiert in diesem Film. Aber immerhin, Parker Posey ist im Film, die wie immer ihren Spaß hat, und der deswegen zuzusehen wie immer eine Freude ist. Und Reynolds hat natürlich seine obligatorische Shirtless-Szene, ich glaub ich habe noch keinen Film mit dem Mann gesehen, in dem er nicht das Sixpack zeigt, und das ist auch gut so. Überhaupt gefällt mir nichts an der Szene, wenn er gefangen gehalten wird, nicht. Weder die Optik, noch die Bauchmuskeln, noch Posey als Fiesling, noch der Vampirköter.

Leider hält sich auch die Action diesmal ein ganzes Stück zurück. Blade hat mir immer ganz gut gefallen, weil es sich erlaubte etwas dunkler und fieser zu sein, etwas blutiger und brutaler, wobei die Franchise natürlich auch damit gut weg kam, weil die Vampire kurz darauf eh zu Staub zerfallen. Del Toros zweiter Teil war sogar noch etwas brutaler als der Vorgänger. Blade: Trinity rudert stattdessen zurück, ist so schnell und vage geschnitten, nutzt so viel CG, dass überhaupt kein Gewicht hinter den Kampfszenen mehr ist, sie wirken viel harmloser und blutleerer ist das Ding sowieso. Etwas schade, denn die Action ist solide, aber eben wie bei allem im Film ein deutlicher Rückschritt zu den Vorgängern zu verzeichnen.

Keine Ahnung was bei Blade: Trinity schief gelaufen ist, wahrscheinlich sind es mehrere Dinge. Dass Snipes unmöglich war, kann es nicht allein sein. Goyer mag nicht viel Erfahrung als Regisseur haben, mag der Grund für den biederen Look und Inszenierung sein, aber dies erklärt nicht das miserable Drehbuch, wo er dort doch bisher ganz brauchbare Arbeit leistete. Jedenfalls war Blade: Trinity ziemlich bleh, was schade ist, denn die Vorgängern waren eben schon launig. So hätte das nicht enden müssen. Gut, hat es auch nicht, die TV-Serie setzt wohl eh hiernach an, es geht also theoretisch weiter.

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Dracula on TV

ava-1919Die 2013 ausgestrahlte und sofort gecancelte TV-Version von Dracula schimpft sich auch ein Reimagining, weil das klingt immer gut, wenn man frisch und neu ist, besonders wenn man so ein angestaubtes Buch von 1897 als Grundlage nimmt, welches bereits neunzigmillionen Mal verfilmt wurde.

Dracula in dieser Version ist ein netter Kerl, dem als Vlad Tepes die Frau gekillt wurde, und der nachdem er daraufhin der Kirche entsagte zum blutsaugenden Monster bestraft wurde. So viel also zu Neuinterpretation. Aber tatsächlich ist es so, dass abgesehen von der Backstory wie Dracula zu Dracula wurde, die Konstellation der Charaktere doch teilweise stark anders ist. Nicht neu, allerdings nicht Bram Stokers Dracula. Sondern eher einen noch etwas älteren Klassiker in Alexandre Dumas Der Graf von Monte Christo.

Also gut, dies ist das Setup: Es gibt den Orden des Drachens, der jetzt erst Mal nach einem Dracula-Kult klingt, aber den man sich doch mehr wie die Tempelritter vorstellen kann, als christlichen Ritterorden mit viel Macht und Einfluss. Und Vlad Tepes war ein Mitglied. Aber dann kam seine Frau auf den Scheiterhaufen und er wurde Dracula. Ebenfalls ein ehemaliges Mitglied des Ordens, bis die auch seine Familie umgebracht haben, ist Van Helsing. In dieser Version von Dracula sind nun Drac und Van Helsing Verbündete, die in London aufgetaucht sind, um den Orden zu stürzen und seine Obrigen zu strafen.

Mina ist eine Medizinstudentin unter Van Helsing, und natürlich die Wiedergeburt von Draculas Frau. Harker ist weiterhin deren Verlobter, allerdings fängt es ziemlich schnell an zwischen den beiden zu kriseln, und das nicht nur, weil der düster-sexy-mächtige Neuankömmling sich auf Mina einschießt. Lucy gibt es auch noch, als beste Freundin von Mina, die heimlich Scherereien mit ihr machen will, wenn ihr versteht, was ich da andeute, ist aber weitestgehend eher unwichtig.

Wie gesagt, der Ablauf der Serie hat mich schon stark an Der Graf von Monte Christo erinnert, nur mit den Charakteren aus Bram Stokers Dracula. Oder, wegen der ziemlich identischen Hintergrundgeschichte zu Dracula, vielleicht doch eher mit den Charakteren aus Francis Ford Coppolas Version von Bram Stokers Dracula. Denn auch hier geht es letztendlich um die persönliche Vendetta eines (bzw. zweier) Mannes gegen die Mächtigen, die ihm die Frau kosteten, und dabei selbst droht zum Monster zu werden, bzw. im Spiel der Intrigen und des Verrats zur Selbstzerstörung bereit ist, um sein Ziel zu erreichen. Vor allem wo Mina und Jonathan zunächst recht unschuldige Gutmenschen zu sein scheinen, die nur in dessen Dunstkreis geraten und korrumpiert werden.

Warum Dracula nicht die Quoten brachte, um nach der ersten Staffeln a 10 Folgen weitergeführt zu werden, ist allerdings auch ersichtlich. Gerade die ersten drei Folgen, was so ungefähr so viel ist, wie Leute maximal einer Serie bereit sind zu geben, bevor sie aufgeben und nicht mehr einschalten, sind alles andere als spannend oder interessant. Ich referiere hier noch mal zu Anno Dracula, bei dem es ja um Jack the Ripper ging, der dort ein Vampirmörder ist. Im Interview am Buchende meinte der Autor, dass er die Idee der Ripper selbst ist ein Vampir sofort verwarf, weil das viel zu einfach und langweilig ist. Nun, die erste Folge von Dracula erwähnt auch nebenbei, dass der letzte Vampir, der London unsicher machte, der Täter in den Whitechappel-Morden war, also Jack the Ripper. Eine Serie wie Dracula kommt nicht auf die Idee, dass dies kein ganz so interessanter Einfall ist, sondern hält das für clever.

Zur Mitte hin hatte sich die Serie für mich etwas gebessert. Besonders dann, wenn die Ränkeschmiede wirklich etwas ins Rollen kommen, wenn sowohl der Orden wie Dracula beim gegenseitigen Zerstörungsversuch zu Straucheln beginnen, wenn die Serie auch endlich ein ganzes Stück blutiger wird – auch wenn die Action-Einlagen die ganze Staffel über ziemlich dilettantisch inszeniert bleiben werden.

Leider hat das gegen Ende hin erneut wieder etwas nachgelassen. Wenn Charaktere irgendwie aufhören der Logik zu unterstehen, und einfach die dämlichsten Sachen zu machen beginnen, einfach damit es die Handlung voran bringt. Wenn die Serie Jonathan wie das letzte Arschloch statt den korrumpierten Netten darstellen muss, damit wir Minas Anbandeln mit Dracula auch gut finden dürfen, statt einen fiesen Beziehungsbruch. Der Grund, warum Dracula aus Lucy seine erste Vampirin macht, ist an Dummheit eh nicht zu übertreffen. Hilft nicht, dass einige Dinge die komplette Staffel über mehr als vage bleiben werden. Beispielsweise warum Vlads Frau umgebracht wurde, oder die Familie von Van Helsing, und was genau die Ziele des Ordens überhaupt sind.

Dracula als Charakter ist auch etwas schizophren behandelt. Es ist ziemlich klar, dass die Serie ihn eigentlich als Guten sehen will. Gleichzeitig will man aber auch kein so Zahnloses Weichei haben wie in Dracula Untold. Und so richtig die Mitte zwischen dem gefallenden Grafen von Monte Christo und dem blutsaugenden Monster bekommt die Serie einfach nicht. Vielleicht ist ein Teil des Problems das Dracula-Darsteller Jonathan Rhys Meyers, der dem eine schreckliche Christian-Bale-Batman-Stimme gibt, wenn er versucht sexy oder bedrohlich zu sein, Mit-Produzent an dem Ding ist. Jedenfalls ist die Serie erneut in der Mitte hin besser, wenn Dracula Charakterschwächen haben darf, statt gegen Ende, wenn er zum Superhelden mutiert.

Von daher ist das die Serie eingestellt wurde kein wirklicher Verlust, besonders nachdem der beste Charakter Renfield raus ist, denn das Ding war schon eine recht ungleiche Fahrt, mit Tiefen zu Beginn und Ende.