Fall in Love, Maidens: Sakura Taisen 4

Ursprünglih war geplant, dass Ogami nach Sakura Taisen 2 sozusagen auf eine Weltreise geht, und in verschiedenen Regionen neue Truppen an Mädels ausbildet. Zuerst Paris in Sakura Taisen 3, anschließend wäre nach einer kurzen Rückkehr zu den Tokyo-Mädels im Kinofilm New York in Sakura Taisen 4 drangekommen. Doch dann kam was dazwischen: Der Tod von Sega als Konsolenhersteller. Nach einem zumindest regional bedingt erfolgreichen Master System und dem Hit des Mega Drives, ging es die folgenden Jahre für die Firma stetig bergab. Zunächst mit wenig erfolgreichen Lebenserweiterungsversuchen ihres 16bit-Systems, dann mit einem sich nicht durchgesetzten Saturn, und letztendlich sollte der letzte Versuch im innovativen Dreamcast ebenfalls nicht fruchten. Noch im gleichen Monat, in dem Sakura Taisen 3 auf den Markt kam, wurde die Unterstützung des Dreamcasts seitens Sega offiziell eingestellt.

Doch auch wenn das Dreamcast nicht genug Fans fand, um Sega zum kommerziellen Erfolg zu verhelfen, so war die kleine Basis doch hartnäckig, und das System wurde von Drittanbietern noch Jahre über seinen Tod hinaus bedient, wesentlich weiter, als das bei allen anderen Konsolen der Fall war. Und auch Red Company und Segas Overworks konnten den Hauptzweig davon überzeugen, statt Sakura Taisen 4 auf die PS2 zu hieven, stattdessen zumindest die Ogami-Ära mit einem Schwanensong auf dem Dreamcast zu beenden, und das Setting in New York für einen Neustart mit frischem Cast in Sakura Taisen 5 aufzuheben.

„Wie bekommen wir in 10 Monaten ein volles Spiel realisiert?“

Allerdings unter der Voraussetzung, dass Sakura Taisen 4 bereits ein Jahr nach dem dritten Teil in den Händlerregalen stehen musste. Gleichzeitig erschien die Sakura Taisen Premium Box, die alle vier Hauptspiele, und damit alle der Ogami-Zeit, in sich vereinte. Und über eine Viertelmillionen abgesetzte Einheiten konnten sich für den vierten Teil durchaus sehen lassen, wenn man mal alle Widrigkeiten mitbedenkt. Immerhin verpasst das Spiel damit nur knapp die Top 10 der bestverkauften Spiele Japans für die Plattform.

Die kurz Entwicklungszeit macht Sakura Taisen 4 natürlich zum schwachbrüstigsten der Einträge in die Serie, das Spiel kommt beispielsweise auf einer einzelnen Disc daher, statt wie üblich mehrere zu füllen – und so eine GD-Rom fürs Dreamcast hat nicht mal so viel mehr Fassungsvermögen als eine reguläre CD. Statt wie eine Anime-Serie mit knapp einem Dutzend Episoden über den Zeitraum von ungefähr einem halben Jahr Storyline zu reflektieren, findet das vierte Spiel wie ein Film in drei direkt ineinander übergehenden Akten über den Verlauf weniger aufeinanderfolgender Tage statt. Ein wenig habe ich die „Nächstes Mal bei Sakura Taisen“ Ausblicke am Ende ja schon vermisst.

So viele Mädels zur Auswahl, dass sie gar nicht mehr auf einen Bildschirm passen.

Wobei sich die einzelnen Akte gar nicht mal so anders anfühlen, als Episoden das in vorigen Spielen taten, was ihren Inhalt angeht. Es geht nur eine ganz Ecke schneller voran. Aber im Prinzip ist das hier Gebotene schon eine typische Sakura-Taisen-Handlung, nur im Schnelldurchlauf erzählt. Ein wenig, als würde man drei Episoden aneinanderreihen, dazwischen nur sieben überspringen. Quasi eine Episode 1, Ogami kehrt nach Tokyo zur Teito Truppe zurück, jedoch erwacht eine neue Bedrohung, gefolgt von Episode 3 oder 4, in dem die Kämpfertruppe ihre erste richtige Niederlage gegen den neuen Bösewicht hat, so dass die Pariser Mädchen zur Unterstützung vorbeikommen müssen, und dann direkt hinein in Episode 10 mit der finalen Schlacht und dem Epilog-Ende. Selbst die Laufzeit hält sich strickt an den gewohnten Schnitt von ca. 2.5 Stunden pro Akt, wobei ungefähr 2 ans Lesen des Visual Novels zum Voranbringen der Story und Interagieren mit den Mädels abfällt, während die letzte halbe Stunde im SRPG-Part gekämpft wird, abgesehen vom finalen Akt, wo der Kampf-Anteil etwas erhöht ist.

Selbst spielerisch wird mehr oder minder das volle Programm über die circa 8 Stunden Spielzeit anberaumt. Über das LIPS-System muss sich rangehalten werden, wann immer man im VN-Teil um eine Antwort gebeten wird, oder Ogami antwortet nach Ablauf des Timers gleich gar nicht. Wobei ich es diesmal nicht hatte, dass Antworten durchs Warten hinzugekommen wären oder sich verändert haben, aber vielleicht habe ich einfach immer zu schnell bereits eine ausgewählt gehabt. Ein oder zwei Mal durften über eine Event-Chain unter längerem Timer mehrere Antworten in Folge gewählt, oder über die Höhe einer Leiste die Kraft hinter der Antwort eingestellt werden. Ein wenig auf einem Bild herumklicken, um das Gespräch auf die Haare, Klamotten oder den Teddy eines Mädchens zu lenken, ist vorhanden, jedoch keine Gesprächsrunden wie in Sakura Taisen 3.

Sumire trat das Jahr darauf sowieso aus der Franchise aus.

Ein Mal pro Akt gibt es die Free Movement, in der Ogami frei durch das Theater bewegt werden kann. Jeder besuchte Raum geht dabei vom Timer ab, und irgendwann geht die Story dann weiter. Es ist also nicht immer möglich, jedes der Mädchen zu besuchen, um Smalltalk via LIPS zu halten, und deren Zuneigung zu Ogami zu erhöhen, damit sie unter den Top 5 der 13 Kämpferinnen gegen Ende steht, aus denen sich die wahre Liebe herausgesucht werden darf, mit der man das Ende im Epilog sehen wird. Schon gar nicht, wenn man stattdessen ein Schwätzchen mit Nebencharakteren hält, am Geschenkeshop eine der Headshots der Theatertruppe einkauft, oder der Einladung zum einen Minispiel (Mahjong) folgt.

Seine One True Waifu zu wählen, ist auch einer der Hauptkonflikte des vierten Teiles. Bisher konnte man natürlich jedes der drei vorigen Spiele mit einem anderen Mädchen enden. Und natürlich via System Save auch durch mehrere Durchläufe irgendwann von jeder das Ende freigeschaltet haben. Grundsätzlich auch in Sakura Taisen 4, dessen Save File über 13 Icons sogar direkt zeigt, mit welcher Kämpferin das Ende bereits gesehen ist, falls man bei einem Dutzend möglicher Kandidatinnen irgendwann vergisst, welche Trophäen davon schon im Schrank stehen. Doch so wirklich mit Polygamie hat es Sakura Taisen leider nicht, es gibt keine Harem-Enden oder Dreiecksbeziehungen, sondern das eine Mädchen, mit dem man den aktuellen Durchlauf beendet, ist für jenen dann auch die einzig Wahre für Ogami gewesen, und selbst im Paris-Ausflug kann man den Französinnen schön brav sagen, dass man an einer Romanze nicht interessiert ist, weil man eine Zukünftige in Tokyo sitzen hat.

Wenn Pariserinnen mitbekommen, dass sie nur der Urlaubsflirt waren…

Hat der Spieler allerdings die Option für einen Urlaubsflirt genutzt, so bemüht sich Sakura Taisen 4 darum, dies endgültig zu regeln. Wer die DC-Ports der ersten beiden Spiele besitzt, kann von allen drei Vorgängern Save Files importieren, alternativ fragt Kommandant Yoneda zu Beginn dieses Spiels aber auch etwas indiskret, ob man sich in eine Pariserin verguckt hat, und/oder ob man hier in Tokyo jemand Besonderen sitzen hat. Ich habe beispielsweise ganz ehrlich sowohl Glycine und Sakura angegeben, deren Enden ich ja tatsächlich erspielt hatte. Das führte natürlich zu gewissen Spannungen, sobald die Pariser und Tokyoter Kämpfertruppe aufeinandergetroffen sind, und am Ende musste sich mein Ogami entscheiden, wen er wirklich zur Seinen machen will, während der jeweils andere Part des Liebesdreiecks großzügig aufgibt. Damit Ogami sein draufgängerisches Junggesellenleben mit dem finalen Eintrag in seine Geschichte endgültig aufgeben und die Liebesakte Sakura Taisen geschlossen werden konnte.

Im SRPG-Part des Spieles, der das ganze Bilderbuch-Lesen aufzulockern am Ende eines jeden Aktes eingefügt wird, hat sich ebenfalls nichts geändert. Es wird die Engine aus Sakura Taisen 3 erneut verwendet, der vierte Teil erfindet sogar Gründe, warum sich die Trupp auf mehrere Schauplätze pro Einsatz aufteilen muss, damit Ogami nie mehr als fünf Mädchen an seinem Einsatzort zur Verfügung hat, da sie scheinbar nur für sechs Einheiten konzipiert ist. Noch mal kurz im Überblick hat jede Einheit einen Balken, der in Aktionspunkte unterteilt ist. Sich über das Kampffeldbewegen zieht je nachdem, wie weit, sowie anzugreifen je nachdem, wie viele Schläge draufgesemmelt werden, verschieden viele der Punkte ab. Defensivhaltung, Special-Meter boosten, oder eine Einheit heilen kostet auch unterschiedlich viel. Das ganze durch die von Ogami änderbaren Taktiken bestimmt, die einige Kommandos teurer oder billiger im Gebrauch machen, oder komplett verhindern.

Coole Title Cards für die Bosse gibt es immer noch.

Auch kann Ogami wieder drei Mal pro Kampf eine andere Einheit vor jeglichem Schaden schützen, was zusätzlich die Zuneigung der beiden bestimmt. Erfahrung und Level gibt es keine, nur ein paar Status-Boni durch besagte Zuneigung. Sollte eine Einheit doch mal fallen, so gibt das ein Zuneigungs-Minus, aber ansonsten steht sie in der nächsten Phase wieder komplett geheilt auf dem Kampffeld. Allgemein bleibt Sakura Taisen so einfach wie eh und je. Der übliche schnelle Weg zum Sieg, nämlich die Taktik, die den individuellen Heilungs-Move ausschaltet, dafür für nur einen Punkt die Specials boosten lässt, macht schnell Kleinholz aus jeglicher Opposition, solange man eine Einheit mitbringt, deren Special eine AOE-Gruppenheilung ist, auf die zurückgefallen werden kann. Einzige Besonderheit im vierten Teil ist der finale Kampf, in dem Ogami mit seiner Waifu zusammen einen neuen Koubu steuert, was aber essentiell keinen Unterschied im Handling macht.

Zum großen Abschluss involviert Sakura Taisen 4 natürlich alle bereits bekannten Charaktere. Nicht nur kommen den 8 Mädchen aus Tokyo die 5 aus Paris zur Hilfe. Die Teito-Supports haben auch eine Schaltung nach Paris, damit Mel und Ci ihnen aushelfen. Kayama darf seine Gitarre zupfen und Ogami nerven. Selbst die schreckliche Bara-Gumi taucht erneut auf, um Ogami mit ihrem weibischen Verhalten unkomfortabel zu machen, keinen Nutzen zu haben, und uns einen letzten Unwitz darüber reinzudrücken, dass Schwule keine echten Männer sind. Nicht jeder Charakter aus der Ogami-Storyline wird vermisst werden. Kurz kommen sie natürlich sowieso alle ein wenig. Gerade bei der Wahl der künftigen Braut baut das Spiel stark darauf, dass man die Mädels bereits alle aus den vorigen Spielen kennt, denn 13 Waifus wird man in unter zehn Stunden einfach nicht ausgiebig beleuchten können, gerade wenn man noch allen Nebencharakteren einen Auftritt verschafft und eine Haupthandlung mit neuem Schurken einbaut. Aber für Neuankömmlinge ist Sakura Taisen 4 auch nie gedacht gewesen, sondern als ein letztes Abschiedsgeschenk an die treuen Fans, die zum letzten Mal auf einer Sega-Platform zum letzten Mal ein kurzes Abenteuer mit den liebgewonnen Charakteren erleben wollen.

Genau wie Character Cutins, wenn eine Einheit (hier der Doppel-Soubu) dran kommt.

Dieses Gefühl des letzten Hurrahs, aber dennoch Ende einer Ära, zieht sich dann auch durch das ganze Spiel und ist von Anfang an präsent. Sakura Taisen 4 öffnet mit einem Opening, welches uns alle Mädchen präsentiert (Paris kommt allerdings ein wenig kurz), und zu dem das gewohnte Geki! Teikoku Kagekidan zurück ist, diesmal allerdings gesungen von Hauptcharakter Ogami mit den Mädels als Chor. Direkt darauf stimmt das Spiel ruhige Töne an, blendet zu leichter Spieluhrmusik auf schwarzem Hintergrund den Beginn von Gondola no Uta ein, welches auch den Untertitel hergibt: Das Leben ist kurz, verliebe dich Mädchen. Bevor das Rot der Lippen verblasst. Bevor das heiße Blut gefriert. Denn es gibt kein Morgen. Diese nostalgische Note sofort wieder wegkehrend wird direkt ein zweites Opening eingespielt, diesmal eine Ingame-Cutscene in der Ogami mit der Teito Truppe die Hauptstadt beschützt, in dem sie eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn aufhalten.

Nach diesem tonalen Hin und Her steht Ogami endlich im Spiel und Yoneda darf nach seinen zwei präferierten Mädels fragen, wir finden heraus, dass die Steampunk-Maschinen von Tokyo neuerdings zu Fehlfunktionen tendieren, und das als nächstes Bühnenstück Les Miserables angesetzt ist. Diesmal muss Ogami allerdings nicht die Tickets abreisen, sondern Yoneda überlässt ihm die leitenden Funktionen. Da das Stück bekanntlich eher weniger erheiternd ist, beschließt Ogami in seiner neuen Leitungsfunktion nachdem die Rollen verteilt wurden, dass die Hochzeit zwischen Cosette und Marius der große Höhepunkt der Darbietung sein soll, weil dies eine Hoffnung für die Zukunft wiedergibt. Dummerweise spricht er jedes Mädel einzeln darauf an, was sie von Heirat hält, gerade so vage genug, dass sich alle als mit ihm verlobt ansehen dürfen. Zu allem Überfluss drehen auch noch Maschinen im Vergnügungspark durch, den Kampf gegen welche Kohran als etwas zu persönlich ansieht, und nachdem goldener Dampf ihren Koubu durchdrehen lässt beinahe die Selbstzerstörung initiiert. Good Girl Maria rettet allerdings den Tag und so klingt Act 1 mit dem Setup der Handlung aus.

13 mögliche OTPs können gebildet werden.

Alle versuchen herauszufinden, was der Goldstaub und der goldene Dampf miteinander zu tun haben, warum sie die spirituelle Energie auslöschen, so dass die Koubus nicht mehr gesteuert werden können, und warum der Boss auf seiner Flucht eine Noh-Maske hinterlassen hat. Sie schauen sich ein Noh-Theater an, was wenig hilft, und wen man auch immer in Sakura Taisen 3 gewonnen hat, kommt aus Paris vorbei, um bei der Investigation von Ginza zu helfen. Erste Reibungen zwischen ihr und dem Tokyoter Favoriten sind die Folge. Lange kann sich jedoch nicht miteinander beschäftigt werden, denn nun wird Yonedas Schlachtschiff Mikasa durch den Golddampf zur Gefahr.

Der fühlt sich natürlich persönlich verantwortlich und bekommt seinen Hero Shot, wenn er beinahe dabei stirbt die Mikasa aufzuhalten, während Ogami zurückbleibt um das Theater zu schützen. Nachdem die anderen Koubu alle nicht mehr steuerbar sind, wird der Rest der Pariser Truppe rübergeschossen und hilft aus, den finalen Schlag macht allerdings Ogami in seinem Hero Shot. Während der Willkommensfeier wird andernorts Kayama in seiner Investigation vom Noh-maskierten Bösewicht angegriffen und bekommt seinen Hero Shot. Durch ein Manuskript finden wir zumindest heraus, dass Ginza ursprüngliche das Böse vertreiben sollte. Act 2 klingt aus, und alle männlichen Charaktere haben im letzten Teil einen letzten heroischen Moment geschenkt bekommen. Außer die Bara-Gumi, aber Schwule sind ja keine echten Männer, ba dum tiss.

Schadenfreude-Sakura ist beste Sakura.

Der finale Act beginnt mit netten Interaktionen der beiden Harem. Maria und Glycine beispielsweise verbindet, dass sie die Mutterfiguren sind, die ihre Truppen auf Spur halten müssen. Kohran hingegen mit ihren Späßen und wilden Erfindungen unterhält Erica und die beiden Lolis. Ogami findet die Zeit, auch die Pariserinnen so auf die Hochzeitsszene anzusprechen, dass die keine Verbindung zum Theaterstück herstellen können. Es geht auf einen Ausflug mit einer von zwei Gruppen, und anschließend kommt es im Bad zum üblichen Missverständnis, wenn Mädels einen Kerl als perversen Spanner betiteln, obwohl er zuerst da war und sie genau genommen auf ihn gestoßen sind statt andersrum. Irgendwann bekommen auch alle mit, dass Ogami jeder die Heirat „versprochen“ hat, und das stimmt sie auch nicht besser.

Strategin Kaede derweil führt die Handlung an die Ursprünge zurück, in dem sie herausfindet, dass der Bösewicht schon immer versucht hat Tokyo zu zerstören. Beispielsweise weil er den ursprünglichen Koma, den Yoneda und seine drei Mitstreiter in der Backstory zu den ersten zwei Teilen bekämpften, beschworen hat. Stellt sich heraus, er war ursprünglich dazu da, um Ginza und dadurch auch Edo zu Reichtum zu verhelfen, seine spirituellen Kräfte wurden der Bevölkerung allerdings unheimlich, weswegen sie ihn ausgeschaltet haben. Und so wurde aus ihm ein rachsüchtiger Geist, der die Stadt in den Abgrund stürzen will.

Der Bösewicht spricht wie in einer Noh-Aufführung, was… schon.. leicht… anstrengend… ist.

Die Mikasa wird vom Noh-Typen übernommen und droht ganz Tokyo zu zerstören, also wird eine Truppe gebildet, um sie zu vernichten. Neben der Wahl zur Haupt-Waifu, mit der Ogami den Doppel-Koubu steuern wird, darf er sich aus allen 13 auch noch 4 weitere Mitstreiterinnnen für die finale Schlacht auswählen, die seine persönliche Ogami Kagekidan bilden. Die kämpfen in der Luft auf dem Rücken der Mikasa, der Rest der Kagekidan zu Lande gegen Fußtruppen, beide Support-Team helfen aus, und Tsuki- wie Bara-Gumi evakuieren Zivilisten. Natürlich gewinnen wir nur gegen den abgehackt redenden Noh-Geist, in dem wir die Liebe aller ineinander channeln, und es kommt zu einer letzten Victory Pose des Original-Casts, zu dem alle eingeladen sind, die nicht in Paris versauern.

Im Epilog findet die Erstaufführung von Les Miserables noch in einem halb zerstörten Theater statt, weil die Leute uns die Bude einrennen, und wir ihnen neue Hoffnung geben wollen, statt die Aufführung zu verschieben bis die Reparaturen beendet sind. Die Supports und Bara-Gumi verabschieden sich lang von Ogami, da sie sich auflösen bzw. versetzt wurden. In einer finalen Free Movement ohne Timer kann noch mal jeder Charakter im Theater angesprochen werden, und am Abend überreicht Yoneda wie es vorauszusehen war final Ogami das Zepter des Oberkommandos über die Blumentruppe. Die Pariser Mädels verabschieden sich, eine der beiden aus dem Dreieck gibt großzügig Ogami auf, während der entweder mit seiner Erstwahl in Tokyo bleibt oder mit nach Paris übersiedelt.

Letzte Victory Pose mit allen in Tokyo befindlichen Charakteren.

Anschließend kommt der Charakter-spezifische Teil. Ich habe, weil es vielleicht eine Stunde Spielzeit zum letzten Save ist, wenn man sich durch bekannten Text schnell durchklickt, sowohl Sakura wie Glycine gewonnen. Mit Sakura trifft sich Ogami unter den Kirschblüten des Parks, in dem sie im ersten Teil ihr erstes Aufeinandertreffen hatten, und Ogami fragt Sakura, ob sie seine Familie kennenlernen will. Mit Glycine ist er am Privatstrand der Bleumer-Familie und muss sie nach einem Tritt auf einen Seeigel in den Sonnenuntergang tragen. Alle das, nachdem es in Paris hier ein kurzes Wiedersehen mit den ansonsten etwas kurz gekommenen Grand Mere, Mell und Ci gab.

Und dann kommt das Ending. Mit Bildern aus allen vier Teilen, gefolgt von welchen des Charakters, den man gewonnen hat, und gewohnt einem letzten Gruppenbild von allen vorm Theater stehend. Dazu der Rest von Gondola no Uta, welches in seiner Gesamtheit schon etwas weniger traurig klingt. Denn es geht zwar um die Flüchtigkeit der Jugend, aber nur als Ansporn dazu den Moment und seine Liebe zu ergreifen, bevor es zu spät ist, und das die wahre Liebe einem bis zum Ende bleiben wird. Die Zeit mit Sakura Taisen war flüchtig aber schön, und die Spiele werden einem immer erhalten bleiben, nicht wahr? Eine Anime-Cutscene pro Mädel gibt es übrigens nicht, sondern nur ein CG, weil ST4 unter Zeitdruck und Budget entstanden ist. Aber dafür eine generelle, die ich fast noch passender finde. Nämlich Yoneda, der durch den Park spaziert, und sich über eine Vision aller „seiner“ an Ogami abgegebenen Mädchen und seinen drei toten Kameraden von ihnen verabschiedet, endgültig einen Schlussstrich unter seine Zeit als Kommandant ziehend. Die Szene hatte bei mir definitiv die größte emotionale Resonanz.

So Long, My Love

Natürlich gibt es Dinge, an denen man den vierten Teil herunterstufen kann. Es ist alles kurz und überhastet. Das Spiel geht davon aus, dass man alle diese Charaktere bereits kennt und was mit ihnen anfangen kann. Ein Großteil des Artworks ist wiederverwendet, mit einer klaren Diskrepanz zwischen den spitzeren alten Designs und dem runderen neuen Bildern. Die Charaktere sind nicht so sympathisch und die Handlung ist nicht so ergiebig wie in vorigen Teilen. Aber all das ist doch irgendwo Nebensache, denn wie das Framing durch Gondola no Uta eben schon so gut zeigt, ist das hier eben das letzte Auf Wiedersehen von Sakura Taisen: Ogami Kegakian. Und als solcher Schlussstein funktioniert das Spiel wunderbar, hat aber natürlich nur Bedeutung für diejenigen, welche die volle Reise mit diesen Charakteren hinter sich haben. Alle werden noch mal gezeigt, alle bekommen ihren heroischen Moment, und der Bösewicht und die Handlung haben einen persönlichen Touch mit der Rückführung in die Hintergrundgeschichte der Reihe. Ich kann mir nur vorstellen, wie es hat sein müssen als Spieler in 2002 nach 6 Jahren mit Sakura Taisen den vierten Teil im Dreamcast zu haben, wissend dies ist das Ende der Reise und der Plattform.

Und damit ist auch meine Reise mit der Franchise zu einem Ende gekommen. Den fünften Teil hatte ich ja als ersten gespielt, welcher mich überhaupt genug angefixt hat, um einen Blick auf die (Russland-) und Japan-exklusiven Teile zu werfen. Und das da wirklich nach und nach alle gefolgt sind, spricht wohl für sich. Sakura Taisen hat irgendwo schon seinen eigenen, speziellen Vibe. Selbst für Dating Sims oder Visual Novels oder RPG mit Trophäen-Jagd, so ganz die gleiche Mischung bekommt man nirgendwo sonst geboten. Ade, Sakura Taisen.

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Is Paris Burning?: Sakura Taisen 3

Noch im gleichen Jahr, in dem Sakura Taisen 2 auf das Sega Saturn aufschlug und zum bestverkauften Eintrag der Serie wurde, kam in Japan mit dem Dreamcast eine Nachfolge-Konsole auf den Markt. Natürlich sollte auch die Vorzeige-Serie von niedlichen Mädels, die in Steampunk-Mechs gegen das Böse kämpfen, auf die letzte Hoffnung der Firma migrieren. Was dann allerdings ein klein wenig länger dauerte. Obwohl Red Company, welche die vorigen beiden Einträge für Sega erschufen, Unterstützung aus deren Hause mit dem Sega-eigenen Overworks bekamen, dauerte es diesmal drei Jahre bis Sakura Taisen 3 Anfang 2001 in den Regalen der Händler stand. Nur wenige Wochen, bevor Sega dem gescheiterten Dreamcast offiziell den Stecker zog.

Sakura Taisen 3 kommt dann auch mit viel Neuem, genauso wie viel Altem. Ganz frisch ist natürlich das Setting, denn Ogami wurde ja im Vorgägner nach Paris versetzt. Statt der bekannten Riege an 6 plus 2 Mädchen in Teito darf er seinen Charme also nun an neuen europäischen Damen in der Stadt der Liebe versprühen. Eigentlich ist es für Dating Sims sogar sehr ungewöhnlich überhaupt in mehreren Spielen die gleiche Belegschaft darzubieten, statt neue Jagdtrophäen aufzubahren. Doch Sakura Taisen ist sowieso weniger Dating Sim und viel eher ein Visual Novel. Da es eine Haupthandlung gibt, der linear gefolgt wird. Und obwohl der Hauptanziehungspunkt der Franchise immer noch ist, die niedlichen Mädels kennenzulernen, und man am Ende auch mit einer Auserwählten endet, so ist das eben nicht der einzige Fokus, und im häufig eher geradlinigen Spielverlauf lernt man eh alle kennen, auch wenn man sich für einige davon gar nicht interessiert. Bei Dating Sims hingegen macht man selten viel mehr, als das menschliche Ziel, welches man sich auserkoren hat, in die Submission zu stalken.

Bienvenue à Paris?

Dadurch ist Sakura Taisen auch ziemlich keusch gehalten. Als Serie auf Konsolen darf es selbstverständlich so oder so keine Sexszenen geben, aber ganz wie in Tokimeki Memorial ist das gewagteste, was einem das Spiel präsentiert, höchstens ein Kuss oder zwei zwischen Ogami und seiner Auserwählten. Und Sakura Taisen 3 fährt das Flirten von Ogami sowieso weit zurück. Natürlich ist es schon so, das ganz Spieler-Wunsch-Erfüllung getreu alle fünf Mädels früher oder später von ihrem tollen neuen Anführer aus Japan zu schwärmen beginnen, doch dem Spieler ist selbst überlassen wie viel einfach daran liegt, dass Ogami so ein lieber Kerl ist, oder ob er wirklich aktiv dies fördert statt seiner Liebe in Tokyo treu zu bleiben. Das spiegelt sich sogar im Moment in Episode 9 wieder, an dem das Mädel ausgewählt wird, mit dem man das Ende sehen will, aus den dreien, die Ogami am besten gegenüberstehen. Denn offiziell wird nur ein Vizekommandeur ausgesucht, welche die Truppe auch dann leiten soll, nachdem Ogami wieder nach Japan gezogen ist. Mit Liebe hat das erst Mal gar nichts zu tun. Und auch später darf man Ogami sagen lassen, dass er daheim jemand speziellen auf sich warten hat, statt einer Pariserin unnötig Hoffnungen zu machen. Natürlich darf der Spieler auch komplett auf die neue Belegschaft eingehen und die japanische Blüte, die auf einen wartet, über den Charme des Neuen verwerfen. Aber es ist schon interessant, dass Sakura Taisen einem überhaupt explizit die Möglichkeit gibt, über alle vier Spiele hinweg einem einzigen Mädel treu zu bleiben.

Wobei ich ehrlich gesagt die Pariser Tanztruppe eh eine Ecke sympathischer fand, als die Schauspielerinnen aus Teito. Das liegt vielleicht auch daran, dass einem Sakura Taisen 3 mehr Zeit mit ihnen einzuräumen scheint. Wie immer hat jedes der Mädchen eine Episode, die sich vorrangig um sie und deren Hintergrund dreht, aber auch so hatte ich das Gefühl, dass mehr mit ihnen interagiert wird. Zudem gibt es diesmal gleich mehrere Dates mit der gegen Ende Auserwählten, plus ist der Charakter-spezifische Epilog länger statt fast nur aus einer kurzen Anime-FMV zu bestehen. Mir ist die holde Weiblichkeit aus Paris jedenfalls ein ganzes Stück mehr ans Herz gewachsen, als die aus Tokyo das über zwei Spiele geschafft haben. Und ich glaube die Herangehensweise, den Hauptcharakter von Stadt zu Stadt ziehen zu lassen, um jedes Mal eine neue Kämpfertruppe aufzubauen, ist sowieso interessanter, als mit etablierten Teams erneut in den Kampf zu ziehen. Auch wenn sich dadurch natürlich der Beginn der Spiele ähnelt, da Ogami sich zunächst als Anführer beweisen und später die Egos der Waifus untereinander zur Teamarbeit geführt werden müssen. Das verläuft im ersten und fünften Teil nicht viel anders.

Auch an die traditionelle Victory Pose müssen sich die Pariserinnen erst gewöhnen.

Sakura Taisen 3 kann die alte Riege dann doch nicht ganz loslassen, damit die Spielerschaft auch ihre Lieblinge aus den vorigen beiden Spielen zu Gesicht bekommen. Denn gerade um die neuen Mädels nach einem Rückschlag zu motivieren und Teamarbeit beizubringen, werden in Episode 7 Sakura, Iris und Sumire importiert. Was prompt dazu führt, dass sich der Pariser Harmen und Teito Harem über Ogamis Zuneigung in die Haare geraten. Allgemein ist Sakura Taisen 3 vielerorts wesentlich leichter und humoriger erzählt als Sakura Taisen 2, was für mich ganz gut gepasst hat. Episode 4 besteht beispielsweise hauptsächlich daraus, dass durch den Neuzugang der Diebin Lobelia die komplette bestehende Charakterdynamik aus den Fugen geworfen wird, und beim Einsatz in einem Gefängnis die anderen Mädels den Inhaftierten Standpauken halten, wie man ein ehrliches Leben zu führen hat. Auch die auf Beliebtheitslisten niedriger angesiedelten Teito-Waifus wie Kanna, Maria und Kohran kommen übrigens zum Trainieren vorbei, in der anschließenden Episode 8, und sind wesentlich verständnisvoller darüber, dass Ogami halt mal wieder seinen Charme nicht zu zügeln wusste. Reni und Orihime haben dann ihren Gastauftritt als Informanten in Episode 9. Und somit kann sich keiner beschweren, dass die Teito-Truppe einen Teil hätte aussetzen müssen.

Zusätzlich gibt es übrigens weiterhin den Kinematron, mit dem Ogami in den Free Movements auch nach Tokyo telefonieren kann, für diejenigen, die den alten Harem doch so sehr vermissen. Was ich nie gemacht habe, denn ganz ehrlich gesagt hätte ich persönlich auf die Gastauftritte ganz verzichten können. Sie sind nicht ausgeweitet genug, um wirklich von den neuen Charakteren zu viel Zeit zu stehlen, aber gebraucht hätte ich sie nicht. Zumal das Spiel etwas zu sehr Ogami und die alten Weiber glorifiziert. Witzigerweise fand ich das neue Opening für Paris zunächst etwas schwächer gegenüber dem ikonischen Geki! Teikoku Kagekidan, welches in den anderen Spielen und Anime beständig verwendet wird. Über die Zeit hinweg ist mir das neue Mihata no Moto ni jedoch sehr ans Herz gewachsen – gerade dann, wenn wir auf Disc 2 wechseln und mit den Gastauftritten auch ein neues Opening mit dem alten Song läuft.

Man(n) sollte nie den Haus- und den Urlaubs-Harem mischen.

Während ich die frische Charakterriege und das Pariser Setting übrigens sehr positiv aufgenommen habe, muss ich eingestehen, dass ich die Haupthandlung als etwas schwächer angesehen hatte, zumindest auf das Ende hin. Insgesamt fand ich die von ihrer Persönlichkeit sehr unterschiedlichen Charaktere der Antagonistentruppe an Tiermenschen doch sehr unterhaltsam. Und auch die auf die letzten zwei Episoden hervorkommende wahre Schurkin hinter allem hatte genug forshadowing, um nicht aus dem Nichts zu kommen. Dadurch wirkt das auch besser ineinandergreifend. Aber die Eröffnung, dass die fünf Mädels eigentlich von den schamanischen Ureinwohnern der Parisi abstammen, die von den Römern als sie Paris hier gründeten, überrannt wurden, und das sie deswegen kurz ihren Willen verlieren für Paris zu kämpfen, fand ich sehr an den Haaren herbeigezogen. Die Mädels sind alle in Paris aufgewachsen und damit selbst Pariser weit bevor sie Parisi sind. Wieso sollten sie der aktuellen Pariser Bevölkerung etwas nachtragen, was das römische Imperium vor tausenden Jahren verbrochen hat? Damit dürften die sich gar nicht identifizieren können. Paris zerstören zu wollen, weil Städte es verlernt haben mit der Natur im Einklang zu leben, war genauso etwas aufgesetzt. Aber auch wenn Sakura Taisen einen stärkeren narrativen Faden durch seine Haupthandlung hat, sind die sowieso nie ganz so extrem wichtig, und damit konnte ich auch mit diesem etwas schwachen Ende leben. Das Charakter-bezogene Ende war viel wichtiger und wieder schön herzlich.

Ein weiterer Aspekt, bei dem sich einiges getan hat, sind die SRPG-Kämpfe. Grundsätzlich kann man die meisten Episoden immer noch darin trennen, dass für 2 Stunden durchs Visual Novel gelesen wird und Antworten anzuklicken sind, die einem in der Affinität der Charaktere steigern oder senken, gefolgt von einem Kampf von 30 Minuten, der die Episode ausklingen lässt. Nur führt Sakura Taisen 3 das freiere Punkte-basierende System an, welches westliche Spieler aus dem fünften Teil, So Long My Love, kennen können. Zumindest die drei Leute abgesehen von mir, die es hier gekauft haben. Das Kampffeld ist als nicht mehr auf einem Grid basierend mit einem Bewegungsradius aus Felden. Und es können nicht mehr nur zwei Aktionen pro Kampfrunde pro Einheit ausgewählt werden.

Showdown vor Notre Dame.

Stattdessen hat jede Einheit jetzt eine nach Punkten abgegrenzte Leiste zur Verfügung, bevor deren Kampfrunde zu Ende ist. Es wird sich frei auf dem Kampffeld bewegt, allerdings alle paar Meter ein Punkt von der Leiste gelöscht. Je weiter sich also bewegt wird, umso weniger anderes kann noch gemacht werden. Normale Angriffe kosten einen Punkt, können aber zu einer stärker werdenden Kette von bis zu 5 Schlägen verlängert werden – mindestens 5 Aktionspunkte verbleibend natürlich vorausgesetzt. Eine Defensivhaltung einnehmen, die Spezialleiste zu boosten, sich oder eine angrenzende Einheit zu heilen, oder das Special zu werfen kostet alles eine gewisse Anzahl an Punkten. Das macht die Kämpfe viel flexibler und auch schneller, da nun eine schwächere Einheit beispielsweise in der gleichen Runde auf den Angriff verzichten aber dafür mehrere andere Aktionen durchfürhen kann, oder sich schneller auf die entfernten Gegner zubewegt wird.

Als weitere Variabel oben drauf hat Ogami weiterhin in seinem Kommandeurs-Menü ein paar zusätzliche Optionen. Zurück ist die Möglichkeit, eine der Mitstreiterinnen bis zu drei Mal im Kampf zu schützen, wodurch sie beim Angegriffen-werden keinen Schaden nimmt. Aber auch können erneut verschiedene Kampfstrategien gesetzt werden, die diverse Herangehensweisen ermöglichen. Und hier zusätzlich die Anzahl der Verbrauchspunkte verändern. Wer beispielsweise meint ganz ohne den normalen Heilbefehl auszukommen, weil Ericas AOE Special schon ausreichend heilt, kann auf die Angriffsformation wechseln, die im Gegenzug den Special-Boost nur einen Punkt kosten lässt, wodurch viel schneller alles mit den Spezialangriffen zu Kleinholz verarbeitet wird. Sporadisch eine Duo-Attacke werfen oder sich gegenseitig zu schützen kehrt ebenfalls zurück, worauf man allerdings natürlich nicht zählen sollte.

Will man eine so aufgebrachte Dame denn wirklich anquatschen?

Abgesehen davon lässt das 3D-Kampffeld wesentlich cineastischere Perspektiven zu, wenn mit dem Gegner geredet wird, bevor es los geht oder nachdem sie besiegt sind. Und sind die Kampffelder auch wesentlich abwechslungsreicher. Mal wird auf einem sinkenden Schiff mit jeder Runde erhöhendem Wasserstand gekämpft, dann wieder im Louvre ohne die Gemälde zerstören zu dürfen, oder auf dem Rücken eines Zuges während der Antrieb zu verteidigen ist. Diesmal haben mir die SRPG-Kämpfe beispielsweise gar nicht so viel ausgemacht, weil sie ziemlich schnell und flüssig erschienen sind durch das neue System. Einfach wie nichts sind sie natürlich schon immer gewesen, denn selbst wenn Gegner mal ordentlich austeilen kann man so nur umso schneller seine Special werfen, um AOE zu heilen oder den Gegner viel Rückschaden zu machen. Ich glaube nicht, dass irgendein Spieler je einen Kampf in einem dieser Spiele ernsthaft am Verlieren war. Eine einzelne Einheit, wenn man zu unbedarft selbstsicher ist, vielleicht schon mal. Was hier ja wenig bedeutet, im nächsten Part des Kampfes stehen sie eh wieder zur Verfügung, nur die Affinität gegenüber Ogami wird gesenkt. Selbst dass die Finale Episode 11 mal wieder einen wesentlich höheren Anteil an Kämpfen bietet, fiel für mich diesmal nicht ins Gewicht, da jedes Vorgeplänkel sowie der dreistufige Endboss jeweils eher fix über die Bühne gingen.

Selbst die Mini Games mit dem Mädchen haben mich diesmal nicht so genervt. Zum einen sind sie sowieso wesentlich weniger zahlreich als im Supergau in Sakura Taisen 2, sondern wenn ich mich recht erinnere nur eines pro Waifu ganz wie im ersten Teil. Sie lockern also nur das Lesen vom Text auf, statt dass sich eine halbe Minispiel-Sammlung im Hauptspiel versteckt hält, welches einen aus dem Nichts anspringt. Außerdem fand ich die kleinen Puzzler oder Quick Timer spielerisch diesmal angenehmer als so einige Geschicklichkeitsübungen der vorigen Teile.

Getimte Gesprächsrunden mehrerer Charaktere sind neu.

Im Großteil des Spieles, dem Visual Novel, hat sich hingegen weniger geändert. Weil man auch eher wenig am Konzept des Lesens von Textes unterbrochen von Multiple-Choice-Antworten ändern kann. Stattdessen konnte hier und dort ein Gimmick angefügt werden. Es wird weiterhin ge-LIPS-ed. Sprich die Antworten zu geben steht unter einem Timer. Aus den Vorgängern bereits bekannt ist dabei, dass beim Voranschreiten der Zeit durchaus auch schon mal Antworten dazu kommen oder sich deren Wortlaut ändern können. Auch gibt es kleinere Szenen, bei denen unter einem langen Timer mehrere Sequenzen von Frage-Antwort-Spielchen gestellt werden. Neu hierzu kommt eine Sache, nämliche die Überzeugung hinter einer Antwort bestimmen zu können. In diesen Fällen ist die Antwort an sich schon vorbestimmt, statt aus einer Liste ausgewählt zu werden, und der Spieler darf über eine Leiste bestimmten, wie viel Kraft Ogami hineinlegen soll – ist die Antwort besser aus voller Überzeugung gebrüllt, oder doch mit sachter Behutsamkeit auszusprechen? Weiterhin aus vorigen Spielen bekannt sind Szenen, in denen man verschiedene Dinge auf dem Bildschirm – häufig Körperteile der einem gegenüberstehenden Lady – anklicken muss, um eine Konversation auf bestimmte Themen zu lenken. Dazu kommen in Sakura Taisen 3 noch Konversationsrunden. Wenn es zu einem Konflikt unter den Mädels kommt, wird sich an einen runden Tisch gesetzt, und über das Anklicken der Mädels kann Ogami lenken, wer wann seine Einwände einbringen kann, wodurch hoffentlich die Problematik gelöst wird. Gutes oder schlechtes Abschneiden in all diesen Dingen ist gewohnt mit einem Audio-Effekt unterlegt.

Zuguterletzt wurde auch das Free Movement erweitert. Ein bis zwei Mal pro Episode darf sich Ogami frei durch die Gegend bewegen, um diverse Szenen und Gespräche mit Leuten zu aktivieren, oder zu verpassen, um Informationen zu sammeln oder Mädels zu bequatschen. Jeder Besuch treibt dabei die Uhr voran, bis Ogami über seinen tragbaren Kinematron – der Text ist im Display im DC-Kontroller angebracht – wieder zurück zur Heimbasis des Kabaretts Chattes Noires beordert wird, um die Eintrittskarten abzureißen. In Sakura Taisen 3 kann sich jetzt nicht nur im Theater sondern auch im umgebenden Stadtviertel von Paris bewegt werden, wodurch der Bewegungsspielraum erneut viel freier erscheint. Während viele Szenen immer noch automatisch mit der Ankunft an einer Lokalität beginnen, gibt es zusätzlich einige optionale Szenen, die vom Spieler selbst rechtzeitig wenn Ogami den Charakter rumstehen sieht bestätigt werden müssen, damit er nicht vorbei und ihm eine der fünf Mädels durch die Lappen geht:

Eine Nonne mit Maschinengewehr-Kreuz hätte ich nicht für den Healbot gehalten.

Erica Fontaine ist die Vorzeige-Waifu des Spieles, die gesonderten Aufmerksamkeit in allen nicht Charakter-spezifischen Dingen bekommt, plus mehr Charakter-spezifisches Zeug für sich hat als der Rest der Belegschaft. Auch die einzige Pariserin, die auf dem Cover (zumindest der DC-Version) ist, oder im Opening von Sakura Taisen 4 ihr Gesicht präsentieren darf. Die Gute ist nicht nur Nachts eine Kabarett-Tänzerin und bei Angrffen auf die französische Hauptstadt eine Steampunkt-Mech-Pilotin, nein am Tage ist sie zudem eine Nonne, was die verschiedenen Kreuzmotive durchaus andeuten können, allen voran das Maschinengewehr, dass sie gern und häufig zückt. Wie das alles zusammen passen will, weiß ich nicht wirklich, aber immerhin bringt das Spiel das auch an, wenn Erica meint, bei ihr in der Kirche hat keiner ein Problem mit ihren Eigenarten. Oder das sie häufiger mal von der örtlichen Polizei aufgegriffen wird.

Dem Kloster beigetreten ist sie ursprünglich, weil die Leute Angst vor ihren übersinnlichen Heilkräften hatten, die sie so inflationär nutzt, wie sie einen darum bittet sie geheim zu halten. Es sollte klar sein, dass Erica der verquere Charakter des Spieles ist, ständig stolpert, gegen Straßenschilder rennt, ganz naiv und gutgläubig ist, und allgemein an der Grenze des Special Needs kratz, aber von allen wegen ihrer warmherzigen Art gemocht wird. Anhänglich ist sie auch, wie sowohl die Tokyoter Mädels bei ihrem Trainings-Besuch, bei dem Erica durh jeden Test fällt, merken, sowie die kalte Lobelia, an der Erica einen besonderen Narren gefressen hat, und die mit ihrer gutmütigen und aufgedrehten Art überhaupt nicht klar kommt.

Später finden wir allerdings heraus, dass sie sehr unzufrieden mit ihrer eigenen Dämlichkeit und Ungeschicklichkeit ist, und häufig nur als Schutzmechanismus über sich selbst lacht, damit sie dennoch gemocht wird. Da sie sich selbst nichts zutraut ist ihre spirituelle Energie auch nur gerade so über der Schwelle einen Koubu zu steuern, und als die Mechs ein Upgrade erlangen, ist sie im nächsten Kampf total nutzlos. Was natürlich nur bedeutet, dass der Schurke sie aufs Korn nimmt, die anderen sie beschützen, und Erica zu ihrer wahren Kraft als ultimativer Healbot des Teams erwacht.

Ein Mädchen und ihre… Katze.

Glycine Bleumer ist eine stolze blonde Amazone aus einer hoch angesehenen Pariser Adelsfamilie, deren Ursprünge allerdings auf die Wikinger zurückgehen. Daher wahrscheinlich auch das aufbrausende Temperament, die immer griffbereite Streitaxt, oder als Trainingsstädte ein Piratenschiff im Garten ihrer Villa untergebracht zu haben. Sie ist jedoch durchaus den Vergnügungen des Fußvolkes gegenüber aufgeschlossen, auch wenn sie häufig erst in die Richtung gestupst werden muss, wie beispielsweise ihr Debüt als Tänzerin unter dem Pseudonym Blue Eyes zu  geben (da sie sich nicht kostümiert weiß ich allerdings nicht, wie viel ein Künstlername wirklich hilft unerkannt zu bleiben). Sie nimmt sogar Ogami auf einer Party in ihrem Anwesen gegenüber einem andren adeligen Fatzke in Schutz, wenn der jenen wegen seiner Abstammung als gelben Affen bezeichnet – wobei sie allerdings auch die Japanerin Hanabi als gute Freundin bei sich leben hat, und daher wohl schon von Natur aus eine andere Sichtweise inne hat.

Dennoch besteht ihre Charakter Arc letztendlich daraus, dass sie sich etwas vom Rest der Truppe abkapselt, und zu viel auf falsche Ehre gibt, ja sogar dazu bereit ist einen anderen Adeligen zu heiraten, den sie kaum kennt, um den guten Namen ihrer Familie voranzubringen. Stellt sich allerdings als der Löwenmensch unter den Schurken heraus, und so nimmt Glycine die Hilfe der anderen letztendlich doch an. Dadurch lernt sie etwas aufzutauen, mehr Freude in ihr Leben zu lassen, und dass man auch man verlieren darf ohne sich gleich im falschen Stolz verletzt zu fühlen. Zumindest bis Lobelia zur Truppe stößt, denn natürlich ist sie wenig von deren kriminellen Seite überzeugt und die beiden streiten sich von da ab freundschaftlich nicht unähnlich der Dynamik zwischen Sumire und Kanna in Tokyo.

Glycine ist auch das Mädel, deren Ende ich erspielt hatte. Auf einem der Dates nimmt sie Ogami beispielsweise zur Jagd auf dem Pferderücken mit, ist sich allerdings auch nicht zu schade sich im Zweifelsfalle die Hände schmutzig zu machen und die Beute selbst auszunehmen (am Ende des Tages wurden dann aber doch keine Hasen verletzt). Sie und ihre Hauptzofe sind übrigens sehr davon überzeugt Ogami zum kommenden Ehemann der Bleumer-Familie erziehen zu können. Ogami ist sogar etwas früher im Spiel mit den Mädels ein Training als Zofe in ihrer Villa durchlaufen, Hausmädchenoutfit und alles. Wenn er am Ende des Spieles erst Mal wieder nach Japan zurückbeordert wird, verspricht sie ihm in einem Brief so schnell wie möglich hinterher zu kommen.

Zum Glück eher der humorige statt flirtende Loli-Charakter.

Coquelicot, der einzige Charakter, der keinen Nachnamen bekommen zu scheint, ist eine vietnamesische Artistin, die mit dem Zirkus zu Besuch in Paris ist. Zunächst trifft Ogami sie auf dem Markt, wo er Coquelicot wegen ihrer forschen Art für einen Jungen hält – dafür betitelt sie Ogami aber auch eine Weile als alten Mann. Sie ist häufiger dort, um Essensreste einzusammeln, die sie dann an ihre tierischen Freunde im Zirkus verteilt.

Ganz wie jene Tiere wird sie im Zirkus allerdings eher schlecht behandelt, bis sich einen hübsche neue Artistin einmischt, die sich zu ihrer Ersatzmutter erklärt. Stellt sich heraus, die ist eigentlich die Juwelen fressende Schlangenfrau, und nimmt Coquelicot als Geisel. Was nur dazu führt, dass das Mädchen zu ihren spirituellen Kräften erwacht und ein Teil der Tänzerinnen-Roboterkämpfer-Truppe wird. Ganz niedlich zeichnet sie zur Personalisierung eine Katze auf ihren Koubu.

Auch sie lacht nur so viel, weil sie gelernt hat, dass weinen eh nichts bringt. Was ihr Ogami natürlich direkt austreiben und beibringen muss, dass es eine heilende Wirkung hat, seine negativen Gefühle herauszulassen, statt in sich zu vergraben. Nachdem der Zirkusleiter von der Schlange gefressen wurde, geht es ihr dort auch besser, und keiner hat ein Problem mit ihrem Zweitjob im Chattes Noire.

Das Comedy-Duo in Aktion.

Lobelia Carlini wird als Paris unsicher machende Diebin eingeführt, die unter einer Haftstrafe von tausend Jahren gesucht wird. Klingt ein wenig arg heftig, und so richtig was sie alles angestellt hat, um dies zu verdienen, wird ehrlich gesagt nie wirklich genannt. Nachdem sie dann irgendwann wirklich gefangen und eingelocht ist, kommt die Truppe des Chattes Noires direkt mal vorbei, weil sie Wind von deren spiritueller Energie gekriegt haben, und sie rekrutieren wollen.

Alle sind sich ziemlich schnell sicher, und natürlich ist es letztendlich auch wirklich so, dass Lobelia tief drinnen eigentlich eine Gute ist, das nur unter ihrer harten Schale und kühlem Gehabe verbirgt. Beispielsweise unternimmt sie nie was gegen die Anhänglichkeit von Erica, auch wenn jene die einzige ist, die Lobelia mit ihren Eigenarten aus dem Tritt bringt. Normalerweise ist nämlich Lobelia diejenige, die die Gutmenschen um sich herum mit ihrer speziellen Art aus dem Konzept bringt. Vorrangig natürlich Glycine. Aber auch die Schurkin ihrer Episode, welche den Louvre unsicher macht und die Mona Lisa als „Geisel“ nimmt, worauf Lobelia das Gemälde einfach verbrennt, damit die kein Ass mehr im Ärmel hat. Stellt sich übrigens raus die war unecht, genauso wie das Lobelia dies allerdings nicht wusste.

Grand Mere, die Anführerin der Paris-Truppe ist dabei nicht blöd. Zum einen motiviert sie Lobelia zur Zusammenarbeit, in dem sie mit ihre wie auf einem türkischen Basar darum fälscht, wie viele Jahre ihrer ausstehenden Haftstrafe reduziert werden, plus ob sie bei besonders gutem Benehmen nicht noch einen monetären Bonus erhält. Hat sich gleichzeitig aber die Erlaubnis geholt, Lobelia sofort ausschalten zu dürfen, wenn sie zur Gefahr wird. Das erntet ihr natürlich Respekt von Seiten Lobelias.

Wollen Blume kaufen?

Die Letzte im Bunde der fünf von Ogami gewinnbaren Ladys ist die Japanerin Hanabi Kitaoji. Ihr Vater war ein Baron, und sie studiert seit vielen Jahren hier in Paris, lebt bei Glycine in der ausschließlich von Frauen bewohnten Villa, da sich die beiden Familien gut verstehen. Ihr Raum ist allerdings echt schräg. Als Japanerin im Ausland achtet sie natürlich besonders auf ihre Herkunft und die damit einhergehenden Eigenschaften. Ja wenn die Tokyoter Mädels zu Besuch kommen, ist sie ganz von denen eingenommen, hat aber gleichzeitig ein ordentliches Problem Kanna in den Stereotyp der Yamato Nadeshiko – der anmutig untergeordneten japanischen Frau – zu bringen. Dementsprechend würde es Sinn machen, wenn ihr Zimmer traditionell japanisch eingerichtet ist. Stattdessen ist es allerdings ganz normal herrschaftliche im Pariser Stil, nur in der Mitte liegen zwei Tatami-Matten und ein wenig Bambus. Höh?

Ogami sieht sie übrigens sehr häufig den Friedhof aufsuchen. Das liegt daran, dass sie tatsächlich bereits mit dem Pariser Adeligen Philipe verlobt und durchaus auch in ihn verliebt war. Tragischerweise ist er allerdings noch am Hochzeitstag mit dem Schiff, auf dem sie stattfinden sollte, untergegangen. Der stylische Krähen-Typ ist ganz von ihrer melancholischen Aura eingenommen und entführt sie in die Pariser Oper, wo er Hanabi in einem Trugbild gefangen hält. Wir besiegen ihn natürlich, bevor er seinen romantischen Doppelsuizid vollführen kann.

Von da an ist Hanabi etwas weniger traurig, jedoch weiterhin sehr zurückhaltend mit vielen Seufzern in ihren Dialogen. Dagegen unter dem Künstlernamen Tatamize Jeune als orientalische Schönheit mit den anderen Mädels zu tanzen hat sie allerdings wiederum nichts. Komplett reserviert ist Hanabi also nicht.

Willkommen im Pariser Nachtleben.

Der Rest:
Die Groupe Fleur de Paris hat insgesamt drei Supports zu verzeichnen, die alle weiblich sind, allerdings nicht von Ogami eingefangen werden können. Zum einen ist da natürlich Grand Mere, die bei Tage die adelige Countess of Lilac ist, während sie nachts zum einen das Chattes Noires betreibt, und gleichzeitig das Oberkommando über die Kämpfertruppe hat. Eine sehr starke und sich kümmernde Person, die durchaus zu vielen Opfern bereit ist, wenn es darum geht Paris vor dem Untergang zu retten.

Mell ist ihre persönliche Sekretärin, während Ci im Geschenkeladen des Kabaretts die Headshots der Tänzerinnen verkauft. Beide kündigen zudem im Katzenoutfit die Showeinlagen an. Und sind die beiden, die passive Unterstützung für die Truppe bereitstellen, in dem sie die Lage analysieren, wichtige Informationen weiterleiten, Nachschub garantieren etc.

Beloved, You Must Not Die: Sakura Taisen 2

Keiner war sich wirklich sicher, ob Sakura Taisen sonderlich gut ankommen würde, auch wenn das Entwicklerteam um Sega und Red komplett hinter dem Projekt standen und der erste Teil eindeutig mit Budget und Marketing ausgestattet war. Die Macher gingen sogar so weit, Sega 200.000 sicherlich absetzbare Kopien zu garantieren. Sakura Taisen verkaufte sich letztendlich rein auf dem Sega Saturn fast doppelt so häufig. Dazu muss man immer auch im Hinterkopf behalten, dass die Installationsbasis des Sega Saturns in Japan weniger als 10 Millionen Einheiten war. Ein Sequel war also garantiert.

Doch statt Sakura Taisen 2 schnellstmöglich hinterher zu schmeißen, ließ man sich 2 Jahre Entwicklungszeit, die stattdessen mit Spinoffs und Multimedia-Sachen aufgefüllt war, um die neue Hitmarke zu melken. Gedankt wurde es Sega und Red, denn Sakura Taisen 2 verkaufte sich in den ersten Wochen schon so häufig, wie Sakura Taisen insgesamt, und brachte es alleine auf dem Saturn letztendlich auf knapp über einer halben Millionen abgesetzter Einheiten. Das macht es zu dem Sakura Taisen mit den höchsten Verkaufszahlen der Franchise, platziert es in den Top 5 der meistverkauften Saturn-Spiele Japans, und ist direkt nach dem ersten Tokimeki Memorial das zweitmeistverkaufte Galge. Das steht für Girl Game, was in Japan nicht benutzt wird, um Spiele für Mädels zu bezeichnen, sondern Spiele, bei denen die weiblichen Charaktere zu umschmeicheln die Hauptattraktion ist, vornehmlich also Dating Sims und Visual Novels mit Dating-Aspekten.

Wer soll dein Herzblatt sein?

Viel geändert hat sich dabei nicht im fiktiven Land der aufgehenden Sonne der 1920er Jahre. Sakura Taisen 2 ist Sakura Taisen, nur viel mehr davon. Von allem, jeder Aspekt hat ein wenig mehr dazu bekommen, ohne sich sonderlich groß zu ändern. Es gibt zwei neue Charaktere zu der aus dem Vorgänger bekannten weiblichen Kämpfertruppe, die Story spannt zwölf statt zehn Episoden, kam auf dem Saturn auf 3 statt 2 Discs, es gibt neue Möglichkeiten im Visual-Novel-Part auf die Gesprächen mit der holden Weiblichkeit zu reagieren, und zusätzliche taktische Optionen in den SRPG-Kämpfen.

Also insgesamt den gewohnten Aufbau gleichbehaltend, auch hier eine Struktur wie eine Anime-Serie, unterteilt in Episoden, die sogar mit einer kleinen Ausblick-Szene auf die jeweils nächste enden. Zwei Drittel einer Episode ist der Visual-Novel-Part, in dem über Frage-Antwort-Spielchen die diversen Mädels für Hauptcharakter Ogami gewonnen werden oder nicht, dazwischen immer mal wieder eine Free Time, um sich selbst durch das Theater bewegen zu können. Gegen Ende dann ein zweistufiger SRPG-Kampf, zusammen mit immer mal wieder einem Mini-Game, um die Bilderbuch-Software interaktiver und spannender zu gestalten. Eine zunächst etwas gemächliche Handlung, weil sich die ersten Kapitel mehr darum drehen, die einzelnen Charaktere (erneut) einzuführen, ein paar ihrer Probleme und Charakteristiken zu beleuchten, um nicht nur durch farblich abgesetzte Uniform/Mechs zu einem Unikat in den Einheit zu werden, bis die eigentliche Handlung später erst richtig zum Tragen kommt.

Anime-FMVs sind immer noch etwas dunkel, aber immerhin nicht so pixelig/ausgewaschen wie noch in PSP-1.

Wobei ich es schon so empfand, als dass die Handlung hier etwas präsenter und stärker eingewoben ist. Beispielsweise wird bereits in der ersten Episode Aoi Satan, der Hauptschurke des vorigen Spieles, vom mysteriösen Oni-oh wiederbelebt. Und das nur, um von selbigem noch am Ende der Episode, nachdem Aoi Satan der Hana-Gumi enterlegen ist, ermordet zu werden. Um direkt klar zu machen, dass die neuen Antagonisten nicht rumspielen und stärker sind als selbst der Obermotz des vorigen Spieles. Außerdem bietet auch das zweite Spiel ein Fake End, wenn der Militär-Putsch in Episode 8 verhindert wird und scheinbar alle besiegt sind, Episode 9 sich wie ein Epilog gestaltet. Doch ist hier klar das da noch mehr kommen wird, und diesmal erscheinen halt einfach die totgeglaubten Schurken erneut, statt dass das Ende wie eine aufgesetzte Neuhandlung wirkt. Dennoch kommen sie für mich etwas kurz. Es gibt immer mal wieder einen Hint dessen, dass die Generale eigentlich einen guten Grund haben, warum sie dem Oberschurken folgen, und auch das derjenige sich absolut im Recht sieht ein besseres Teito zu erschaffen. Doch so richtig in die Tiefe wird in ihren Motivationen leider nie gegangen, richtig viel Screentime bekommt nur Oni-oh, weil er mit Sakura in einem offensichtlichen Plot Twist verlinkt ist.

Zudem wirkt mir die Charakterriege in Sakura Taisen 2 manchmal etwas überladen. Die acht Mädchen gehen in Ordnung, gerade weil sechs davon bereits aus dem Vorgänger bekannt sind. Und auch die Schurken sind eine überschaubare Anzahl. Aber an Nebencharakteren, die wenig zu tun bekommen, wird man geradezu überschüttet. Yoneda bekommt gleich zwei neue Sekretärinnen, eine um Ayame aus dem Vorgänger zu ersetzen, die andere eindeutig ein Spion, der Unmut in der Truppe sähen soll. Tsubaki vom Verkaufsschalter bekommt einen Ersatz, für die Zeiten, in denen sie in den Kämpfen mit den anderen beiden gewohnten Supports Infos gibt. Der abgedrehte Kayama hat hier sein Debüt, um Ogami immer mal wieder mit seinen Sprüchen und Gitarrenspiel zu nerven, und stellt sich gegen Ende sogar als Anführer der Tsuki-Gumi heraus, eine weitere Division neben der Hana-Gumi und deren Kaze-Gumi Supports. Und eine weitere gibt es auch noch in der Bara-Gumi, einem unerträglichen Trio aus drei Schwulen-Stereotypen, die schon immer nur Japan witzig fand, und bei denen ich ganz ehrlich dankbar bin, dass sie durch den überladenen Nebencast schnell wieder fast aus dem Spiel verschwinden.

Neue Chain-LIPS mit erhöhtem Timer.

Die bereits bekannten Mädels werden ebenso etwas kurz gehalten. Sakura Taisen ist ja so nett, und bindet sie alle bereits während des eigentlich ziemlich linearen Verlaufes ein, statt wie ein Dating Sim fast nur das eine Mädchen zu behandeln, dem man auch hinterher steigt. Dafür muss natürlich auch weniger Spielzeit mit jedem individuellen Charakter gefüllt werden, spezifisch für die Route ist eigentlich nur ein Date in Episode 10 und dann eben ein kurzer Teil des Endings, ansonsten findet man jeden Durchgang fast gleich viel über alle heraus. Doch auch wenn sich immer mal wieder eine Episode um eines oder zwei der Mädels dreht, so bekommen hauptsächlich die beiden neuen Orihime und Reni viel Charakterisierung, während für die bekannten Kämpferinnen nur ein oder zwei Trivia-Addendum angefügt werden. Macht auch Sinn, und Sakura Taisen 2 ist sogar so schlau, Ausreden zu erfinden, warum der Großteil der Hana-Gumi in den ersten beiden Episoden nicht im Theater ist, damit eben die Alteingesessenen Waifus den beiden Neuankömmlingen nicht die Show stehlen. Doch wer erst hier einsteigt, wird die vorigen sechs Charaktere eventuell etwas schal vorfinden.

Dadurch habe ich auch erneut nicht wirklich die Motivation gehabt, mehr als ein Ende zu sehen, konsistent wie im ersten Teil das mit Sakura, weil mein Ogami ruhig treu bleiben darf. Das Spiel erinnert sich übrigens daran, wen man im vorigen Teil gewonnen hat, wenn man einen Save File lädt, alternativ fragt aber Chef Yoneda einfach in der ersten Episode, wen Ogami am meisten mochte. Nur um dann direkt zu sagen, dass die beiden, nachdem Ogami ein Jahr im Ausland trainiert hat, sich dem Wesentlichen widmen sollen, immerhin ist man eine Militäreinheit, statt ihre Gefühle füreinander vor allen zur Schau zu stellen. Sozusagen als Öffnung dafür, dass Ogami hier einer neuen Trophäe nachsteigen kann, statt zu sehr von seiner vorigen Entscheidung gekettet zu sein. Etwas gemein wäre es natürlich schon, wenn man drüber nachdenkt, dass Ogami direkt vor den Augen seines vorigen Flirts nun mit jemand anderem anbändeln würde. Den Point of No Return für das Ende mit einem Charakter wird jedenfalls diesmal wesentlich besser telegraphiert, statt im Hintergrund zu laufen. In Episode 9 darf Ogami sozusagen aus den vier der acht Mädels, die ihn am meisten mögen, die Hauptrolle für die Weihnachtsvorstellung wählen. Wer also den Speicherpunkt direkt davor behält, kann von allen vier das Ende sehen, und muss nur Episode 9-12 erneut spielen. Was ich allerdings dennoch nicht machen wollen würde, weil ganz wie es die Tradition der Serie ist, stecken die finalen zwei Episoden voller SPRG-Kämpfe, statt nur den üblichen einen zur Auflockerung des Leseflusses zu bieten, und die sind weiterhin mein wenigst gemochter Aspekt der Spiele.

Coole neue Cutins, wenn ein Charakter an der Reihe ist.

Gekämpft wird auf dem üblichen rundenbasierten Schachbrett, jede Einheit hat ihren Bewegungsradius, kann jede Runde zwei Aktionen aus dem Menü wählen – allerdings nur eine pro Kategorie. Bewegen und Angreifen ist Ok. Angreifen und Heilen auch. Aber Angreifen und Spezialangriff zusammen gehen nicht, weil gleiche Kategorie. Oder Heilen und abwehren. Die Spezialangriffe brauchen die komplette Spirit Gauge auf, die manuell über eine Aktion erhöht wird, oder durch gegnerische Angriffe. Ogami hat zusätzlich die Option, eine der Kämpferinnen bis zu drei Mal pro Kampf zu schützen. Neu in Sakura Taisen 2 ist die Möglichkeit, eine von mehreren Strategien zu wählen, immer wenn Ogami an der Reihe ist. Eine Kampfaufstellung beispielsweise erhöht den Angriff aber senkt die Verteidigung aller Charaktere, oder umgekehrt. Wobei ich eigentlich immer beim Standard mit ausgeglichenen Werten geblieben bin. Weiter neue Kleinigkeiten sind die hübschen Charakter-Cutins, wenn jemand an der Reihe ist, sowie sporadisch das zwei Einheiten einen Komboangriff miteinander ausführen, wenn beide in Attackreichweite zum Gegner stehen.

Wie gesagt sind diese Kämpfe nie mein liebster Teil einer Episode gewesen, schon im Vorgänger nicht. Ich muss dazu sagen, dass SRPGs allgemein nicht so mein Ding sind, was hier natürlich mit hineinspielt. Die Kämpfe sind immerhin weiterhin super einfach zu bestehen. Grundeinheiten halten nicht viel aus, und selbst im zweiten Stage gegen einen Bosscharakter reicht es einfach das Special aller Charaktere ein oder zwei Mal drüber zu werfen. Mir sind die Schlachten einfach immer ein Stück zu nahe daran kratzend, zu langsam zu gehen. In den ersten Episoden mach ich mir noch nicht zu viel draus, weil es wie gesagt eigentlich immer nur einen zweiphasigen Kampf gibt. Doch die Finalepisoden, die den Anteil der VN- und SPRG-Parts von 80:20 plötzlich auf den Kopf stellen, sind mir da echt zu viel. Während ich normalerweise so eine Episode von ca. 2 Stunden eine gute Spielesession pro Tag fand, so hab ich Episode 11 und 12 über jeweils mehrere verteilt, weil mir nach zwei oder drei Kampfphasen echt die Luft ausging. Hilft nicht, dass Sakura Taisen 2 die sehr geradlinigen Kämpfe des Erstlings doch etwas ereignisreicher machen will, in dem häufiger nervige Gimmicks eingebaut werden, wie Supportstationen vor den eigentlichen Gegnern zerstören zu müssen, durch Defensivposten brechen zu sollen, oder einen Boss nur zur richtigen Phase angreifen zu können. Nett ist allerdings, dass es häufiger dem Spieler selbst überlassen wird, einen von zwei Plänen auszuwählen, welcher die Siegesbedingungen leicht modifiziert.

Ich warte noch aufs Auftauchen einer eindeutig vorhandenen dritten Antwort.

Wie üblich kennt Sakura Taisen 2 dabei keine Levels für die Einheiten oder Erfahrungspunkte, an denen man sie steigert. Stattdessen gibt es diverse Pluswerte zu den Grundstatuswerten, je nachdem, wie motiviert das jeweilige Mädel auf Grund von Storybedingungen im nächsten Kampf ist, und machen diverse Angriffe mehr schaden, wenn Ogami sich in den Visual-Novel-Parts besser in ihr Herz geschmeichelt hat. Jene Schmeichelei ist durch das Geben der richtigen Antworten bewerkstelligt, wenn Dating Sims einem eines lehren, dann das man dem Partner in Spe besser immer nach dem Maul redet, statt auf das Glänzen der eigenen Persönlichkeit zu zählen. Ob die Antwort jetzt richtig war, ist imme schön transparent durch diverse Soundeffekte ersichtlich.

Stellt ein Charakter Ogami zum Kreuzverhör, kommt das bekannte LIPS-System zum Tragen. Das bedeutet eigentlich nur, dass die Antwortrunde auf Zeit geht, wer nicht schnell genug eine der gegebenen Antworten auswählt, sagt nach Ablaufen des Timers eben gleich gar nichts. Was nicht immer die falsche Antwort ist, aber meist halt doch. Aber auch hier gibt es ein paar Neuerung in Sakura Taisen 2, um die Sache dynamischer zu machen. Beispielsweise tauchen nun manche Antworten erst dann auf, oder verändern ihren Wortlaut, wenn Ogami lange genug darüber nachgedacht hat, sprich der Timer schon eine Weile gelaufen ist, statt sofort die erstbeste Antwort zu brüllen. Etwas unterbenutzt ist zudem, dass je nachdem ob Ogami eher ernst oder witzig antworte, manchmal nur noch ernste oder witzige Folgeantworten auftauchen. Dazu kommen die bereits bekannten Touch-LIPS, bei denen man mit dem Zeiger einen Körperteil der Waifu betatscht, um das Gespräch in diverse Richtungen zu lenken. Und neu sind ein paar wieder eher wenig genutzte Momente, in denen man einen besonders langen Timer hat, dafür aber auch durch eine ganze kleine Szene mit mehreren LIPS-Antworten gehen muss, bevor dieser sein Ende erreicht.

Stalker Mode activate!

Ein wenig beeinflussen, welches weibliche Opfer einem vor die Flinte läuft, kann man dann allerdings doch, statt dass alle Visuel-Novel-Parts komplett linear aufeinander folgen. Wie gesagt gibt es immer mal wieder eine Free Time, in der Ogami für gewöhnlich eine Stunde hat, um sich frei durch das Theater zu bewegen, bevor die Story weitergeführt wird. Jetzt sogar mit einer netten Uhr am Bildschirmrand. Häufig gibt es dabei mehr zu sehen und mit mehr Charakteren zu reden, als die Zeit zulässt. Es kann also selbst priorisiert werden, welches Mädel man treffen will, und ob man Zeit opfert einen Glamour Shot von ihnen im Geschenkeshop zu kaufen, oder die Zeit an einem der diesmal zahlreichen und häufig nervigen Mini Games verschwendet. Zudem gibt es einige Interaktions-Szenen, die nur triggern, wenn man gewisse vorige Szenen mit dem Charkter gesehen hat. Selbst gerade nicht hier beheimatete Charaktere können über Kohrans neues Videotelefon angerufen werden.

Insgesamt fand ich Sakura Taisen 2 schon sehr rund. Ich mein, so wirklich weite Sprünge vom Vorgänger macht es eh nicht, und da derjenige mir schon gefällig war, ist es ziemlich klar, dass sich dort nicht viel geändert hat. Manche Sachen macht der Nachfolger halt etwas besser, wie beispielsweise die Handlung, manche etwas schlechter, wie beispielsweise die nervigeren Mini Games und SPRG-Kämpfe, aber im Groben habe ich meine Zeit mit dem Spiel dennoch genießen können. Und süß war die Epilog-Szene, genannt Episode 13, nach den Credits irgendwie schon. Nachdem Ogami bereits nach Paris abkommandiert wird, in dem Sakura Taisen 3 stattfindet, und sich der volle Achter-Harem der Teito-Truppe von ihm verabschiedet:

Einer von vielen McGuffins.

Sakura ist das Poster Child der Serie, und dementsprechend diejenige der bereits bekannten Waifus, die noch mit am Besten weg kommt, wenn es darum geht, ein wenig was über sie zu erfahren. Dadurch geholfen, dass die Handlung sie später stark integriert, und natürlich auch, weil ich ihr Ende zu sehen bekommen habe. Zudem ist sie von Anfang an dabei, als eine von zwei Mädels, die im Theater beheimatet ist, während alle anderen wegen diverser Gründe erst mal ausgeflogen sind. Ihre Begrüßung des vom Training im Ausland zurückgekommenen Ogami ist sogar richtig zurückhaltend gegenüber ihrem normalerweise hitzköpfigen selbst, wobei jenes hervorsticht, wenn Saki später ausgiebig mit Ogami flirtet.

Wenn wir später den General treffen, der zum Oberschurken wird, und der den Vater von Sakura beschmäht, kommt es zu einer ersten Konfrontation. Bekanntermaßen war es Sakuras Vater, der mit Yoneda, Ayame und Aoi Satan vor Jahren beim ersten Auftauchen der Kouma sein Leben opferte, um sie zu versiegeln. Später, wenn die Feinde das Theater stürmen, haben sie es sogar gezielt auf Sakura und die drei magischen Artefakte abgesehen, da Sakura die gleiche Macht innehat, und sie somit aufhalten könnte. Sakura hingegen möchte ihr Leben nicht wirklich opfern, also bricht Ogami die drei Artefakte einfach. Nicht, dass dies sonderlich viel Auswirkung hätte, wir bekommen später einfach vier magische Schwerter überreicht, die auch ohne zu sterben Böses versiegeln können. Das Neujahresdate mit Sakura ist übrigens in ihre Heimat, wo uns deren Mutter herzlich aufnimmt, und gemeinsam das Grab von Sakuras Vater besuchen lässt, obwohl das eigentlich nur Familie vorbehalten ist. Ihre Ending-Sequenz zeigt Ogami dabei, wie er Sakura das Fahrradfahren beibringen will, und beide übereinander fallen – wie goldig.

Konfrontation mit dem Vater.

Orihime Soletta ist der erste in Episode 1 neu eingeführte Charakter. Sie stammt aus einer italienischen Adelsfamilie, ist 17 Jahre alt, und weiß die anderen Mädels manierlich zu begrüßen, während sie Ogami gegenüber von Anfang an ziemlich zickig gegenübersteht, weil sie japanische Männer hasst und für nutzlos erachtet. Genau genommen ist ihr Charakter ähnlich dem von Sumire, etwas hochnäsig und stark von sich selbst überzeugt, nur mit einem schwer erträglichen Akzent, und dem typischen Anime-Verhalten eines Ausländers, der von allem in Japan überrascht wird, und gleichzeitig alles mit der angeblich besseren Variante aus dem eigenen Heimatland vergleicht. Zudem stammt sie aus einer früheren, gescheiterten Hoshi-Gumi Truppe in Europa, von wo sie auch den Eisenkleid-Mech hat.

Wenn sie um sich aufzuspielen alleine in den Kampf zieht, aber von allen geholfen werden muss, erweicht sie der Hana-Gumi gegenüber natürlich etwas, und ihre arrogante Art ist mehr selbstreflektiertend. Episode 7 zeigt uns dann auch, warum sie japanische Männer nicht mag, denn ihr Vater war ein reisender Künstler, in den sich ihre Mutter verliebte, der aber von der Adelsfamilie nicht anerkannt wurde, und deswegen zurück nach Japan floh. Für die Trauer ihrer Mutter macht sie also jenen verantwortlich, taut aber ihm und Ogami gegenüber auf, nachdem sie mit ihrem Vater vom Schurken des Tages an eine Bombe gebunden wird, und Ogami die beiden rettet, während sich ihr Vater für sie in Gefahr begibt.

Wenn Shinji und Kaworu ein Kind hätten…

Reni Milchstraße ist das deutsche Wunderkind, das alle zunächst für einen Jungen halten. Und wäre der Name nicht eigentlich als Leni korrekter romanisiert? Jedenfalls kommt sie in Episode 2 dazu, stammt wie Orihime aus der gescheiterten Hoshi-Gumi, und ist insgesamt eher verschlossen und gefühlskalt, sowie extrem Wortkarg. Ausgerechnet Iris freundet sich mit Reni an, dabei ist die immer nur langweilig und faktisch, wann immer man eine Konversation mit ihr beginnt. Das sie eigentlich ein Mädchen ist findet die Hana-Gumi in der obligatorischen Onsen-/Strand-Episode eines jeden Animes heraus. Als Ogami sie nackt in der heißen Quelle überrascht reagiert sie allerdings überraschend wenig darauf, aber Reni kommt halt aus deutscher Freikörperkultur.

Genau genommen finden wir ein Episode 6 heraus, dass Reni das einzige überlebende Ergebnis eines deutschen Experiments ist, eine psychische Wunderwaffe zu erschaffen. Deswegen kein Teamplayer und so spröde, man hat ihr halt nie soziale Konventionen oder Gefühle beigebracht. Nachdem sie vom Gegner gehirngewaschen und dann von den Aktionen der Hana-Gumi wieder reingewaschen wird, taut natürlich auch ihr Herz auf. Sie zu gewinnen scheint mir übrigens ein schweres Unterfangen zu sein, weil sie erst nach dem eher späten Reveal, dass sie ein Mädchen ist, im Friendship-Panel auftaucht, welches zeigt welches Mädchen Ogami wie sehr mag, und davor auch kaum Möglichkeiten bestehen, ihr positive Gesprächsantworten zu geben.

Trivia: Der Teddy heißt Jean-Paul.

Iris ist der zweite Charakter neben Sakura, die zu Beginn des Spieles im Theater verweilt, und somit direkt auf Ogami anspringen kann. Und was tut sie das mal wieder, eine der ersten Konversationen mit ihr ist beispielsweise, ob Ogami sie nicht für viel erwachsener hält, jetzt wo sie 11 Jahre alt ist. Ich weiß das ein Loli-Charakter obligatorisch ist, Sakura Taisen, aber bitte schieb Iris nicht immer so in Ogamis Richtung, kthxbye.

Jedenfalls wird erneut erwähnt, dass sie ein ziemlich einsam aufgewachsenes Kind ist, was ihre Fixation immerhin etwas erklärt, da alle Angst vor ihren unkontrollierten PSI-Kräften hatten. Selbst ihre eigenen Eltern haben sie ziemlich alleine gelassen. Dennoch hängt sie an ihnen und Ogami hilft ihr dabei, einen Brief an sie in Frankreich zu verfassen. Zu Neujahr kommen sie dann sogar zu Besuch vorbei.

Nicht abgebildet: Eine konstante Spur aus leeren Reisschalen.

Kanna ist zu Beginn nicht im Theater, weil sie mal wieder in Okinawa ihrem Spezialtraining nachgeht. Die Arme wird wie üblich vom Spiel leider etwas extrem auf ihre bullige Statur/Kräfte und einem unersättlichen Essdrang reduziert. Aber immerhin darf sie mal erwähnen, dass sie aufgehört hat nur deswegen stärker werden zu wollen, um sich ihrem toten Vater gegenüber zu beweisen, sondern dass sie nun ihre Kräfte dafür einsetzen will, alle ihre Freunde in der Hana-Gumi zu beschützen.

Sie kommt in Episode 3 zurück, gerade wenn wir herausfinden, dass Sumire in ihrem Elternhaus festgehalten wird. Und da sie und Sumire sich eigentlich gut leiden können, auch wenn sie sich immer wie Katz und Maus hitzige Wortgefechte liefern, wann immer sie sich sehen, ist Kanna natürlich an der Front der Rettungsmission. Nachdem Yoneda angeschossen im Krankenhaus liegt, ist sie es übrigens, die dem Theaterstück von King Lear mit ihr in der männlichen Hauptrolle ein Happy End geben will, sozusagen als hoffentlich gutes Omen.

Möglicher allmorgendlicher Anblick.

Von Sumire wissen wir ja bereits, dass sie die Tochter eines reichen Geschäftsmannes und einer berühmten Schauspielerin ist. Zu Beginn ist sie nicht da, weil sie zurück in die Villa der Familie ist, da ihr Großvater angeblich im Sterben liegt. Das stellt sich allerdings als Lüge heraus, um sie dorthin zu locken. Und in Episode 3 erfahren wir dann, dass ihr Großvater eigentlich das Sagen in der Familie hat, und der Hana-Gumi seine finanzielle Unterstützung kappen will, wenn Sumire nicht ihr Ja zu einer arrangierten Ehe gibt.

Obwohl Sumire in der Hana-Gumi immer so arrogant und laut ist, ist sie vom Großvater ziemlich eingeschüchtert und bereit seinen Konditionen nachzugeben, als wir die Villa stürmen und sie befreien. Mit neuem Mut geht sie zurück zu Hana-Gumi, um sich dort aufzuspielen und mit Kanna freundschaftlich zu streiten.

Nǐ hǎo

Kohran hingegen ist geschäftlich in einem anderen Zweig des Militärs beschäftigt, um dort an Gadgets zu arbeiten. Kontaktiert Ogami aber direkt zu Spielbeginn mit ihrem neuen Videotelefon, um ihm zu zeigen, dass er jederzeit auch mit den absenten Charakteren kommunizieren kann. Außerdem finden wir hier heraus, dass ihre Liebe am Maschinen zu basteln daraus entstanden ist, dass eine Uhr das einzige Memento an ihre Familie war, nachdem in einer Revolution ihr Dorf in China abgefackelt wurde, die Eltern darin starben, und sie nach Japan kam.

Dort wurde nicht nur ihr Talent gefördert, sondern Yoneda auch ein wenig wie ihr Ziehvater, weswegen die eigentlich witzige Kohran besonders aufgebracht ist und Rot sieht, nachdem jener von jemandem angeschossen wird. Wir ohrfeigen ihr wieder etwas Sinn und Verstand ein, sobald sie im folgenden Einsatz in einem brennenden Stadtteil in Teito durchzudrehen droht, und schon geht es in den Hintergrund für Kohran, wenn es nicht um Reparaturen an den Steampunk-Mechs oder Witze über Explosionen geht.

Maria kleidet sich besser als Ogami, so viel ist klar.

Maria ist zu Spielbeginn auf einer Geschäftsreise nach New York (wo Ogami übrigens in Sakura Taisen 4 ursprünglich hin sollte), ist aber selbst dort über Videotelefon erreichbar, wenn auch als nettes Detail das Bild bei ihr durch die Distanz am meisten Störungen beinhaltet. Wenn in Episode 4, in der auch Kohran wieder zur Truppe stößt, ein Stadtteil abgebrannt wird, und der Schurke des Tages Zivilisten mit einer Bombe bedroht, darf Scharfschützin Maria uns aus der Klemme retten und sich wieder in die Hana-Gumi integrieren. Womit wir auch unseren mütterlichen Charakter zurückhaben.

Scheinbar kann die in Kampf super ausgebildete Maria allerdings nicht schwimmen. Was sie damit begründet, dass dies in Russland nicht nötig ist. Ich kenne mich da ja nicht so aus, aber gibt es nicht auch in Russland Teile des Landes, die im Sommer warm genug sind, um schwimmen zu gehen, immerhin ist das Land ja doch groß. Und Eisschwimmen gibt es doch auch. Immerhin gibt es dadurch einen guten Grund, dass Ogami sie in der Strandepisode rettet, wenn wir der Verräterin im Team hinterher spionieren und in einer Höhle von der Flut erwischt werden.

Oh-hi-oh onee-sama

Der Rest:
Sakura Taisen 2 bringt die gewohnten drei Supports zurück. Kasumi ist die Chefin des Sekretariats, Yumi arbeitet mit ihr zusammen und kann jederzeit für den neuesten Lore-Gossip von Teito in der Free Time besucht werden. Tsubaki bemannt den Geschenkeshop, wo es in der Free Time jede Episode eine Bromide eines Mädchens zu kaufen gibt. Alle drei halten unterstützenden Funkkontakt während der SRPG-Kämpfe. Ein Quasi-Date mit einer der Dreien in Epsiode 9 hat Ogami auch.

Neu ist Saki, die Chefsekretärin von Yoneda, die immer bereitwillig mit Ogami flirtet, um Unruhe in die Hana-Gumi zu bringen. Sollte ziemlich schnell klar sein, wer die Verräterin ist, die für die Schurken arbeitet, und Yoneda angeschossen hat. Zumal mit Kaede ein Ersatz für sie auftaucht, die genau wie ihre Schwester Ayame aussieht, und deren Rolle aus dem ersten Teil übernimmt, damit Saki eigentlich überflüssig wird. Auch noch neu im Nebencharakter-Supergau ist Tsubomi, welche den Geschenkeladen übernimmt, wenn Tsubaki zum Training verschwindet. Außerdem stammt sie aus einer Schule für angehende Hana-Gumi-Kämpferinnen, die Yoneda anscheinend ins Leben gerufen hat.

Adventure Week #18: Bible Black

Bible Black: La Noche de Walpurgis ist im Original immer noch ein Visual Novel von 2010, und zwar ein Eroge – kurz für Erotic Game, also Porn. Dann wiederum ist das natürlich auch fast schon notwendig, um als Visual Novel auf dem Nischenmarkt PC in Japan ein Publikum zu finden. Wobei Bible Black dann doch nicht eine Handlung ist, der man halbherzig Personennahverkehr hinzugefügt hat, sondern ganz wie bei der Anime-Adaption schon ziemlich klar, dass das Gerammel an vorderster Stelle steht.

Auch hier spielen wir als Minase, und das über die 11 Tage bis zur Walpurgisnacht hinweg. Und zwar beginnen wir an dem Tag, an dem er die schwarze Bibel erst findet. Weil das Visual Novel natürlich viel mehr Zeit hat und deswegen ziemlich organisch die einzelnen Charaktere erst nach und nach einführt, Minase dann das Buch finden lässt, und dann erst den Hasenbau des Magiemissbrauchs hinabsteigt. Das Anime hatte das nicht schlecht gelöst, in dem es bereits am Tag danach, wenn die Schoße so richtig loslegt, angesetzt hatte, und die relativ selbsterklärenden Hintergründe in erklärenden Nebensätzen und kurzen Flashbacks abgehandelt hatte, um in die begrenzte Spielzeit zu passen.

Überhaupt ist hier zwar die Haupthandlung natürlich indentisch, allerdings dann doch so einiges anders. Zum einen, weil eben viel mehr Zeit ist, die Charaktere auch ausgiebieger zu behandeln oder die Handlung auszuschmücken. Beispielsweise ist Imari hier wesentlich feister ihrem Kindheitsfreudn Minase gegenüber. Saeki ist auf einigen Routen wesentlich wichtiger, weil sie die Bibel von Minase klaut und statt ihm zu Kitamis Handlanger wird. Es gibt ein paar Nebencharaktere, die es in das Anime gar nicht geschafft haben. Und auch Ito, die im Anime im Prinzip nur von Kitami genagelt wird, und glaub ich dort auch nie nur einen Namen bekommt, hat hier zumindest einen. Sie ist hier das erste Opfer von Minase, der das „lass jemanden nackt tanzen“ ausprobiert, um zu sehen, ob die Bibel überhaupt wirkt, was zur Masturbation vor der ganzen Klasse führt – eine Sache, die im Anime stattdessen mit einem anderen Charakter in Bible Black Origins verwertet wurde. Apropos, die Geschichte um Kitami ist hier tatsächlich nur in kurzen Flashbacks abgehandelt, statt so ausführlich erklärt zu werden, da merkt man doch, dass Origins wahrscheinlich auf Grund des Erfolgs der Serie nachgeschoben wurde.

Insgesamt gibt es übrigens satte 12 Enden zu erspielen, wobei natürlich bei wiederholten Durchgängen ganz VN-üblich auch mehr und mehr Szenen mit der Skip-Funktion übersprungen werden können, da sie schon aus vorigen bekannt sind. Es gibt dann eben doch nur so viele Variablen, und auch allgemein ist Bible Black nicht gerade eines der längeren Spiele, viele End-Variationen hin oder her. Mir persönlich haben sogar fast die beiden Enden besser gefallen, in denen entweder Kitami gewinnt und Minase ihr treuer Verbündeter ist, oder Minase der Oberfiesling wird und selbst Kitami hintergeht. Das Anime hat sich natürlich quer aus den verschiedenen Routen bedient, um zumindest fast alle Charaktere einzubauen und mehr Sexszenen abgraben zu können – das Ende dort ist aber im Prinzip das True End mit dem Sequelbait aus dem Kitami Ending erweitert.

Apropos Sex, der ist natürlich im Spiel deutlich in den Vordergrund gestellt. Die Handlung ist immer noch zweitrangig, auch wenn durch den höheren Textanteil des VNs natürlich dennoch nicht ganz so nebengeordnet wirkt, wie im wesentlich schneller durchratternden Anime. Viele der Beischlafs-Szenen sind dabei im Anime auch mehr vom VN inspiriert statt direkt von hier entnommen, da sie doch etwas anders ablaufen. Das Visual Novel hat beispielsweise einen seltsamen Faible für Watersports, den das Anime überhaupt nicht hat (oder zumindest nicht bis New Testament).

Ich fand das Bible Black Visual Novel zumindest mal eine ganz interessante Sache. Dass auch hier die Handlung nicht super stark ausgeprägt ist, war durch meine Vorkenntnisse aus dem Anime zu erwarten, aber doch etwas mehr Zeit mit Erklärungen und vor allem den Charakteren zu verbringen – und über die verschiedenen Endwege auch ein paar davon wesentlich mehr zu tun zu geben – fand ich schon eine nette Erweiterung. Ich mein, wer mit dem Anime schon nichts anfangen kann, der wird hier auch nicht bedient werden. Aber wer das ganz Ok fand, der bekommt hier eine ganz gute Erweiterung geboten. Der Sex ist nur nicht ganz so attraktiv gestaltet, wer also nur deswegen geschaut hat, schaut lieber einfach das Anime erneut von vorn, statt sich hier Stunden durch Text klicken zu müssen, um minderes Vögeln vorgesetzt zu bekommen.

2008 kam dann als Bible Black: Infection ein Nachfolger auf die Märkte. Schon etwas kurios, dies erst 8 Jahre nach dem Original zu machen, und nachdem selbst die animierte Version ihr Ende fand, statt schon etwas früher in den Hype hinein langen zu wollen. Infection ist dann tatsächlich auch weniger ein vollwertiges weiteres Spiel, als vielmehr eine Fan Disc. Ohne irgendwelche Desktop-Goodies oder so ein Mist, aber in dem Sinne, als dass es eigentlich keine vollwertige Handlung erzählt, sondern einen verlängerten Epilog von 3 Tagen ans True End vom Original-Spiel setzt.

Minase hat also einen Alptraum von einer Orgie, die von Kitami angeführt wird. Und obwohl Takashiro-Sensei das Gedächtnis der anderen Beteiligten gelöscht hat, beginnt Saeki wieder mit dem Legen von Tarotkarten, Ito taucht nach ihrer Peinigung wieder an der Schule auf und scheint über Minases Schuld daran zu wissen, und selbst eine nur mit leeren Seiten gefüllte schwarze Bibel fällt Minase in die Hand.

Wegerklärt wird das, in dem der Geist von Kitami immer noch allen übel mitspielt, und die angestaute spirituelle Energien sich ein Outlet suchen, und deswegen alle verrückt machen. So ganz alle Ereignisse erklärt das zwar nicht, aber es muss für eine kurze Mini-Route, die mit wenigen Variationen in fünf verschiedenen, meist eher unbefriedigenden, Enden auslaufen kann, ausreichen. Alles zudem zu 90% aus Artwork des Originals zusammengeklaut, was den schlechteren Zeichenstil der wenigen neuen CGs für die Sexszenen umso mehr herausstechen lässt.

Von daher ist Bible Black: The Infection der Zeit kaum wert, die man in die verbose aber fruchtlose Fanfiction-Handlungserweiterung stecken muss.

Adventure Week #18: Book of Shadows

Bereits das Jahr nachdem Corpse Party: Blood Covered, welches wir nur ohne Untertitel kennen, auf der PSP aufschlug, erschien mit Book of Shadows ein Nachfolger. Und zwar im Sinne eines zweiten Spieles, welches in Release-Order nachfolgte, nicht wirklich eines, welches die dortigen Ereignisse fortspinnt… oder zumindest fast nicht.

Denn Book of Shadows ist ein Midquel oder Interquel, da die sieben Kapitel zeitgleich zu den Ereignissen des ersten Teiles spielen. Jedes nimmt sich dem Schicksal von einem der weniger wichtigen Charaktere aus dem ausgeweiteten Ensemble des Remakes an, die dort vergleichsweise schnell dahinscheiden durften. Hier schickt Sachiko sie in einer Zeitschleife erneut in die unheimlichen Gänge der Heavenly Host Schule, auf dass sie ein noch tragischeres Ende finden dürfen.

Das zumindest mit zwei Ausnahmen. Ein Kapitel findet stattdessen in der Vergangenheit statt, nämlich zur Highschool-Zeit der Lehrerin, und ist damit ohne zu Spoilern auch die Ausnahme, dass es nicht mit dem Tode des Protagonisten enden kann, da es ja sonst keine Lehrerin im ersten Teil gäbe. Auch schaltet sich nach Abschluss aller anderen ein achtes Kapitel frei, welches mit Blood Drive den gleichen Namen wie das wahre Sequel zum ersten Teil, weil wirklich anschließend spielend, trägt. Und das nicht grundlos, denn es ist die zweite Ausnahme an Ereignissen, die nicht während diesem angesiedelt sind, sondern zwei Überlebende eine Weile danach zeigt, wie sie das Anwesen in dem Sachiko aufgewachsen ist aufsuchen, und dort das betiltende Book of Shadows finden. Eigentlich mehr als Anheizer für den nächsten Teil gedacht.

Da dieser Teil komplett von Grunde auf erstellt wurde, statt auf einem RPG-Maker-Original zu basieren, bedeutet das auch, dass nun spielerisch endlich einiges runder ist, der ganze RPG-Maker-Mist, der dem Horror-Game eh nur abträglich war, rausgeschmissen werden konnte. Book of Shadows ist weiterhin zum Großteil ein Visual Novel, in einigen Kapiteln mehr als in anderen, denn weiterhin füllen sich gut 75-95% einer jeden Geschichte damit, für gut ein bis zwei Stunden Text zu lesen. Nur eher sporadisch, und von der Häufigkeit stark vom Kapitel abhängig, darf sich dazwischen auch mal von selbst durch die dunklen Gänge bewegt und mit der Umgebung interagiert werden, um den nächsten Textschwall zu starten.

Aber Book of Shadows kommt endlich mit feinen VN-Standard-Funktionen daher, die dem Vorgänger noch komplett abgegangen sind. Beispielsweise kann der Text nun schnell bis zu den Multiple-Choice-Antworten durchgespult und das Spiel jederzeit manuell gespeichert werden. Das macht es um so einfacher die verschiedenen Wrong Ends neben dem True End zu bekommen oder nach einem solchen wieder ins Spielgeschehen einzusteigen. Und wer keinen Spielstand vom Vorgänger zu Beginn von Book of Shadows lädt, der muss alle Wrong Ends sehen, um das finale Kapitel freigeschaltet zu bekommen – beim geladenen Spielstand hingegen reicht wie beim Rest einfach das True End des vorigen zu sehen. Und so wirklich wahnsinnig viel fügen die Wrong Ends dem Spiel erneut nicht hinzu, sondern häufig glorifizierte Game Overs. Ich meine gestorben wird sowieso immer, nur sind jene Arten in den Wrong Ends eher abrupt und nur selten mit einem neuen CG oder so geschmückt.

Wie gesagt überlässt einem das Spiel fast unfreiwillig dennoch immer mal wieder selbst die Kontrolle. Aber auch das Bewegen durch die Schule geht nun eine Ecke flüssiger. Es wird nämlich nun auf der Karte schlicht der Raum ausgewählt, zu dem man will, und der Charakter bewegt sich automatisch Raum-Bildschirm für Raum-Bildschirm dorthin, hält nur an wenn es zu einem besonderen Ereignis auf dem Weg dorthin kommt. Und ist im Raum eine Interaktionsmöglichkeit zu finden, ändert sich die Cursor-Farbe. Im Gegenzug gibt es jetzt allerdings eine dunkle Aura, die mit jeder Inspektion der Szenerie langsam zunimmt, und bei 100% ein vorzeitiges Game Over bedeutet.

Ansonsten ist Corpse Party weitestgehend Corpse Party geblieben. Es ist wie die meisten japanischen Videospiele, gerade wenn es um Visual Novels geht, etwas arg in seine eigenen Schriftstellerischen Ergüsse verliebt. Sprich immer ganz so viel Text wäre eventuell nicht nötig gewesen, aber letztendlich kann man zu viel Prosa einem visuellen Buch kaum ankreiden. Die Obsession mit Mädels, die sich einschiffen ist auch noch hier, genau wie ein wenig unnötiger Fanservice, allerdings beides gegenüber dem Original so reduziert, dass es nicht mehr sofort jegliche aufgebaute Atmosphäre zerstört. Dafür ist jene Atmo von Grund auf ein wenig niedriger angesetzt. Vielleicht liegt es doch am neuen Bewegungsstil, vielleicht daran das die Kapitel diesmal nicht aufeinander aufbauen. Oder daran, dass wir wissen das jeder von der ersten Sekunde an todgeweiht ist und wir im Snuff Visual Novel letztendlich nur nachzulesen bekommen werden, wie grausig jenes Ende sein wird.

Von daher würde ich Book of Shadows sowohl als ein Schritt nach vorn und einen Schritt wieder zurück bezeichnen. Auf der einen Seite haben wir mehr Feinschliff im Gameplay, welches die Ecken und Kanten entfernt, oder zumindest den Großteil davon. Gleichzeitig ist allerdings die Handlung und Atmosphäre leicht schwächer, da narrativ nicht zusammenhängend. Unterm Strich also ungefähr gleich auf.

Horndog Chronicles: Coming Out on Top

Wo wir kürzlich erst bei einem Gay Dating Sim waren, das eigentlich ein BxB Romance Visual Novel ist, bleiben wir doch gleich mal dabei. Diesmal gehen wir ein wenig jünger auf die Pirsch, denn Coming Out on Top findet im eher gewohnten Setting eines Colleges statt. Bekanntermaßen die passende Atmosphäre für die gerade zur Volljährigkeit erblühten und dem Elternhaus entwachsenden Jungs und Mädels, um mal mit der Liebe gleichgeschlechtlicher Art zu experimentieren.

Nicht das unser Hauptcharakter, dessen vorgegebener aber änderbarer Name Mark ist, da noch groß Bedenkzeit braucht. Er ist schwul und will in seinem letzten Jahr auf dem College, solange er noch die weitestgehend ungezwungene und unwertende Umgebung um sich hat, endlich dazu stehen und voll leben. Weil der mit Anfang Zwanzig bereits das Gefühl hat ordentlich was verpasst und Nachholbedarf zu haben. Wie muss es erst den Kerlen vor einigen Jahrzehnten ergangen sein, die sich bis zur ihrer Midlife Crisis und länger in einer lieblosen Ehe versteckt haben, bevor sie sich zum Coming Out getraut haben?

Typisch falsche Antwort, die man dennoch mindestens ein Mal genommen haben muss.

Erwartungsgemäß für ein College in einem liberalen Bundessstaat der 2010er-Jahre ist seine Sexualität für Mark übrigens ein wesentlich größeres Ding als letztendlich für alle um ihn herum. Seine beiden Wohngenossen Penny und Ian reagieren absolut gelassen darauf. Penny hat sogar sofort jemanden aus ihrer schrägen Verwandtschaft im Auge, mit dem sie Mark verkuppeln will. Und sobald er es seiner Mutter am Telefon gegenüber zugibt, schmiedet die sofort Pläne mit dem Vater was es denn bei ihm im Krankenhaus an niedlichen schwulen Doktoren-Anwärtern gibt, mit denen Mark ruhig mal ein Date versuchen dürfte. Natürlich während indiskret gefragt wird ob Mark Top, Vers, Bottom oder gar Power Bottom ist, damit es keine Kompatibilitätsprobleme gibt.

Mark ist übrigens von der Optik, von der wir ausgiebig auch im biblischen Sinne zu sehen bekommen, nicht abänderbar, sondern immer der gleiche gute gebaute braunhaarige Kerl. Und absolut notgeil, deswegen eben auch der biblische Sinn. Man darf sich also in regelmäßigen Abständen darauf gefasst machen, dass er wenn er alleine in seinem Zimmer ist, und nicht gerade mit seinem Goldfisch philosophiert, sexy Tagträumen und Masturbationseinlagen nachgeht.

Ich geh davon aus, man kann hierdurch auch ohne einem Charakter nachzusteigen ein Gutes Ende haben.

Sollte wohl klar sein, dass auch Coming Out on Top die Thematik und sich selbst nicht allzu ernst nimmt, sondern eine ordentliche Portion Humor beweist. Das ist auch ein Stück weit nötig, denn genau genommen sind die Routen der Kerle, dessen Zuneigung Mark gewinnen kann, teilweise ganz schön schnulzig. Und auch sexy, denn Coming Out on Top ist vollwertig 18+, sofern man nicht die Steam-Version ersteht. Die Plotlines sind wirklich irgendwo zwischen aus eine Porno oder einem Schwulendrama entnommen und wirken nicht ganz realistisch. Da ist es doch ganz angenehm, wenn das Spiel an sich von eher heiterem und nicht allzu seriösem Gemüt ist. Coming Out on Top weiß, wann es etwas blöd ist.

Zudem ist es relativ kurz. Ich war doch etwas überrascht, wie schnell man teilweise mit einem der Kerle endet, und zwar nicht nur im Bett, sondern auch schon bei den Ending Credits, ich hätte da echt etwas mehr (Vor-)Spiel erwartet, bevor es zum Klimax kommt. Wobei das letztendlich im Nachhinein gar nicht ganz so übel war, denn wer halt mal eher Appetit auf einen Quicky hat, der wird hier voll bedient, ohne ewige Stunden in eine Charakterroute investieren zu müssen.

Mit Freunden abhängen, du tust es falsch.

Coming Out on Top bietet einem übrigens neben den Multiple Choice Antworten, um sich in das Höschen eines Kerls zu charmeuren, auch noch regelmäßig die Wahl an, ob man für den Unterricht lernen, mit den Zimmernachbarn abhängen, oder Nachhilfeunterricht geben will. Unterricht bedeutet Geld, bedeutet wiederum man kann häufiger mit den Mitbewohnern ausgehen. Für mehr ist es dann allerdings schon nicht genutzt. Und lernen oder weggehen hat eine leichte Auswirkung auf das Ende. Nur wer sich gut mit ihnen versteht kann eine kleine zusätzliche Szene haben, in der man sieht was aus Penny bzw. Ian Karrieremäßig geworden ist. Und nur wer gute Noten hat bekommt im Endtext gesagt, dass er einen guten Job abbekommen hat. Allerdings ist all dies absolut irrelevant wenn es um das Gewinnen eines Charakters an sich geht.

Zu schreiben man könne seinen Avatar Mark optisch nicht verändern, war übrigens nicht ganz die Wahrheit. An seiner Körperform, Gesicht oder Frisur lässt sich tatsächlich nichts drehen. Allerdings hat Coming Out on Top eine ganz nette Seite in den Optionen. Übrigens in jenem Menü im Gegensatz zu Dream Daddy endlich wieder all die üblichen Konfigurationsmöglichkeiten wie Musiklautstärke und unter welchen Voraussetzungen bis wohin der Text mit der FFW-Funktion durchgerattert wird zusammen mit einem regulären Speichermenü mit Slots, deren Bilder besser zeigen, wo das war. Aber jedenfalls hat das Optionsmenü eine Extra-Seite, in der man für Mark sowie alle sechs gewinnbaren Charaktere einstellen kann, ob sie einen Bart und/oder Körperbehaarung mitbringen sollen. Leider ohne Vorschaubild, um auch direkt abchecken zu können, ob das am jeweiligen Charakter überhaupt was aussieht. Aber dennoch, genau wie die Möglichkeit Kondome in den Sexszenen aus- oder einzuschalten, eine sehr willkommene Funktion.

Nüdlich

Zunächst einmal habe ich mir den Kerl geschnappt, der mir als erstes vor die Flinte gelaufen kam: Und zwar den Zimmergenossen und bester Kumpel seit des ersten Jahres im College Ian. Der ist der leichtlebige, verspielte, und nicht allzu gute Noten bekommende Play Boy, der gern mal die eine oder andere Frau flachlegt – durchaus auch gleichzeitig. Zudem hat er eine ständige On-Off-Beziehung mit Zoe. Die uns wenn sie seine Sachen nach einem weiteren Scheitern jener zurückbringt, und der Karton voller Dildos ist, auch brühwarm erzählt, dass Ian gern mal mit seinem Hintertürchen experimentiert hat. Und mit gern mal meint sie ständig.

Überraschend denkt sich Mark dabei noch nichts. Es wird erst komisch zwischen den beiden, wenn nachdem Ian ihn um Mark vom Stress und der Untervögeltheit abzulenken nach Gängen ins Fitnessstudio auch mit auf eine Frat-Party nimmt, wo Mark sein Zuspieler ist und tatsächlich einen Dreier mit zwei Mädels für Ian erreicht. Allerdings in einem Anfall von Leichtigkeit, um den Mädels etwas Fanservice zu geben, kommt es zu einem Kuss zwischen den beiden Kerlen und nachdem Ian ordentlich als Zuspieler in einer Gay Bar für Mark scheitert, fängt er an ihn zu meiden.

Irgendwann kontaktiert uns Zoe dann, und erzählt, dass Ian eigentlich schon die ganze Zeit auf Mark steht aber seine Freundschaft nicht aufs Spiel stellen wollte, und die ganzen Analdildos, mit der sie ihn geritten hat, eigentlich nur Ersatz für ihn waren. Praktischerweise ist der nackt und mit Augenbinde versehene Ian gerade nebenan ans Bett gefesselt, so dass seine heimliche Fantasie Realität werden kann. Zwei Jahre später dann heiraten Ian und Mark sogar, wie süß. Ist man übrigens nicht auf Ians Pfad, so wird er dennoch gern den anderen Kerlen leicht eifersüchtig, was ein interessanter konsequenter Touch war.

Scheinbar tritt Alex irgendwann auf eine Mine und verliert seine Beine

Geht Mark direkt noch am Tag seines Outings mit Penny in die einzige Gay Bar der Stadt, wird das Frischfleisch dort direkt von dem blonden Halbgott Alex angehauen, der ihn kurz anflirtet, einen Drink spendiert, und dann direkt die Nummer abgreift, weil er leider nicht mehr bleiben kann, denn er muss am nächsten Tag früh raus. Warum stellt Mark am nächsten Tag in der ersten Anatomie-Klasse des neuen Jahres fest, wo er ihm als seinen heißen neuen Professor Mr. Davies erneut begegnet. Ohlala, so verboten, so sexy.

Alex ist allerdings voll professionell und macht Mark deswegen auch klar, dass da natürlich nichts laufen kann, weil eine Beziehung zwischen Professor und Student viel zu viele Probleme mit sich führen würde. Was Mark nicht davon abhält, heiße Tagträume von Hands-on Anatomie-Stunden zu haben, noch dass die beiden im Fitnessclub sich gegenseitig schweißtreibend aufreiben. Zumindest bis Mark seinem Professor „versehentlich“ einen blauen Fleck verpasst, welcher natürlich sofort nach ausgezogenem Shirt untersucht gehört, was wiederum in einem heißen Kuss miteinander endet.

Dummerweise ist ein anderer Professor verängstigt seinen gesonderten Platz an der Uni zu verlieren, da Alex im gleichen Gebiet arbeitet und so ein Überflieger ist, und lässt ihn deswegen ausspionieren. Und wir haben ihm gerade ein Foto geliefert, welches er gegen Alex benutzen kann. Der sogar freiwillig die Uni wechseln will. Aber Feuer gegen Feuer und so, und deswegen finden wir etwas über besagten Prof heraus und erpressen ihn einfach zurück. Und hey, immerhin ist dies das letzte Jahr von Mark, von daher dauert es auch gar nicht lange, bis Alex nicht mehr sein Professor ist! 2 Jahre später leben die beiden dann auch endlich zusammen, nachdem sie sich aufgrund von Berufen in verschiedenen Städten zunächst nicht regelmäßig sehen konnten.

Das ist btw so Porno-esque, weil es ein Tagtraum von Mark ist.

Neben der normalen Nachhilfe wird einem irgendwann im Spiel auch angeboten, einen Sonderauftrag zu übernehmen. Nimmt man jenen an, geht Mark zum Frat einer Muckiprotz-Vereinigung am Campus, denn Brad ist über sein Football-Stipendium an die Uni gekommen. Allerdings hat man bisher den Fehler begangen ihn nur von heißen Mädels unterrichten zu lassen, die ihm schlichtweg die Hausarbeiten geschrieben und sich von ihm haben flachlegen lassen. Deswegen versuchen sie es jetzt also mit einem männlichen Lehrer, nichts ahnend, dass sich Mark durchaus auch von verschwitzten Bauchmuskeln ablenken lässt.

Es dauert natürlich ein wenig, bis man Brad davon überzeugt hat, dass er vielleicht wirklich anfangen sollte selbst zu arbeiten, hauptsächlich mit dem durchaus sinnigen Argument, dass er auf etwas zurückfallen können muss, sollte er wegen einer Verletzung seine Profikarriere im Sport beenden müssen. Als echte Bros masturbieren die beiden etwas zusammen, und Brad lässt seine bisherige Nachhelferin abblitzen, nachdem sie Mark gegenüber bitchy wird, und schon ist der Weg für eine Romanze offen.

Allerdings hat Brads übervorsichtiger Bruder eine halbe Herzattacke, nachdem er die beiden beim Knutschen statt Lernen erwischt, weswegen Brad erst mal auf Distanz geht. Zumindest bis er plötzlich nur noch einen halben Tag hat, um sein Abschlussessay zu schreiben, und Mark ihm dann doch noch mal in letzter Minute hilft, inklusive Ansporn im Versprechen, dass nach getaner Arbeit als Geschenk Mark selbst auf Brad wartet. Die beiden haben natürlich am Ende, nachdem sich auch der Bruder wieder eingekriegt hat, eine Distanzbeziehung, weil Brad viel zu Spielen unterwegs ist.

Eh, kein gutes Outfit für Phil.

Mark hat nicht unbedingt die besten Erfahrungen damit gemacht, wenn Penny ihn bisher mit ihrer verrückten Familie verkuppeln wollte, weswegen er eher unfreiwillig für sie einspringt, um ihren Cousin Philbert vom Flughafen abzuholen. Sie hat ihm allerdings auch nicht erzählt, dass Phil ein heißer schwarzer Kerl ist, was sicherlich eine bessere Einleitung gewesen wäre, um Mark willig zu machen. Allerdings läuft das erste Treffen eher suboptimal, weil der gerade mit seinem militärischen Grundtraining fertig gewordene Phil der stille und ernste Typ ist, der wenig Spaß versteht.

Irgendwann landet Mark allerdings mit Penny bei einer Benefizveranstaltung von Phils Vater, und das mit Ians Zylinder und dessen „Medizin“ gegen Nerven ausgerüstet ein wenig neben sich. Aber wer sollte es glauben, ein Mark auf einem exzentrischen High ist ein absoluter Hit mit den gelangweilten Reichen auf der Feier. Und er und Phil dürfen sogar wenig erfolgreich die nächsten Tage Babysitter für die Tochter von einigen davon machen, die allerdings nur abhauen und feiern will. Darüber, genauso wie die Trivia-Quiz-Partys und das Training, zu dem Phil Mark letztendlich einlädt, kommt dann endlich doch noch eine Bindung zustande.

Merkwürdigerweise gibt es auf Phils Route mehrere Dinge, die zu Problemen werden könnten, alle allerdings irgendwie schnell abgewinkt werden. Kumpels vom Militär, die ein großes Ding draus machen herausgefunden zu haben, dass Phil schwul ist. Das Phil in ein Sonderprogramm dort hineinwill. Die zickige Tochter des reichen Ehepaares. Das Phils Vater in der Politik ist. Wird alles nie wirklich so wichtig, wie man erwarten könnte, und am Ende hat man natürlich auch hier eine Distanzbeziehung, da Phil viel auf Mission unterwegs ist.

Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob das nicht das einzige Non-18+-CG auf Jeds Route ist.

Bereits ziemlich früh im Spiel wird das traute Heim von Mark, Penny und Ian von Godzilla heimgesucht, oder zumindest nennen sie den neuen Nachbarn ein Apartment über ihnen so, weil er solch einen enormen Lärm veranstaltet. Geht man dem nach, steht einem Jed in der Türe entgegen, und das wie Gott ihn erschaffen hat, intakte Vorhaut und alles. Er wartet nämlich auf Cumslut97, den er zu einer Bukkake-Party eingeladen hat. Wenn sich Mark auf eine Privatparty mit Jed einlässt, wird er von ihm dazu eingeladen, ruhig jede Woche Dienstag vorbeizuschauen, um dies zu wiederholen.

Die Woche drauf steht man allerdings voll erigiert seiner Schwester, die sich das Apartment mit Jed teilt, gegenüber, die einen sofort angeekelt wieder verscheucht. Tut Jed auch total leid, weswegen der sich als Pizza Boy durchschlagende Teilzeitmusiker nicht nur immer mal wieder Gratis-Pizza vorbeibringt, sondern Mark auch mit auf Gigs seiner Band nimmt, inklusive anschließender Blowjobs. Muss ich noch erwähnen, dass Jed eher der mit leichter Moral ausgestattete Bad Boy Charakter ist?

Seine Band steht übrigens kurz vor dem Durchbruch, allerdings ist Jed ziemlich arrogant davon überzeugt, dass ein Plattenlabel sie nur dem Massenmarkt tauglich umkrempeln wollen würde. Womit er sogar recht behält. Stattdessen versucht Jed das Geld zu gewinnen, in dem er sich umkrempelt und voll einen auf schick machend an einem Piano-Wettbewerb mitmacht. Am Ende ist er natürlich berühmt, und Mark sieht viel von der Welt, da er ihn zu diversen Konzerten einfliegen lässt. Witzigerweise gibt es sogar eine Variante des Endes, in dem die beiden regelmäßig Bukkake-Partys veranstalten. Da sag nochmal einer Romantik wäre tot.

Top 10 Anime Betrayal!

Der Rest:
Den einzigen Charakter, den ich nicht gewonnen habe, ist Amos. Der bärige Leather Daddy mit dem weichen Kern war ursprünglich ein Joke-Charakter für einen Aprilscherz, hat dann allerdings eine vollständige Route im Spiel bekommen.

Außerdem entwickelt Penny irgendwann im Spiel eine Brofinder App, die im Prinzip Grindr ist. In meiner Version des Spieles funktioniert die noch nicht, in neueren können so allerdings satte zehn weitere Kerle umgarnt werden, wobei sie keine vollen Routen haben, sondern man nur ein Date mit „Happy End“ mit ihnen durchmacht.

Wen ich allerdings noch gewonnen habe ist Handjob. Das ist der Name, den ich Marks Goldfisch gegeben habe. Wenn man ihn nämlich von jeder sozialen Interaktion das Spiel über fern hält und stattdessen viel mit seinem Goldfisch philosophieren lässt… tja dann darf man dabei zusehen, wie Mark schon fast einen Poe-esquen Abstieg in den Wahnsinn anheimfällt. Bis Handjob mit ihm zu reden beginnt und meint, er müsse Penny und Ian umbringen, damit die beiden frei sein können. Was entweder damit endet, dass Mark von seinem Goldfisch erschossen wird, oder Sex mit ihm hat. Oh my. Ich hab bereits erwähnt, dass sich das Spiel oft nicht ernst nimmt, oder?

Pun-derful Dating: Dream Daddy

Dream Daddy: A Dad Dating Simulator ist der neueste Hype-Indie dank Game Grumps, der die letzten zwei Wochen konstant meine YT-Timeline mit ersten Parts unterschiedlicher Let’s Player zugekleistert hat. Man sollte meinen DILFs zu daten wäre natürlich mein Traumspiel, dennoch haben mich jene zwei Tatsachen dem Spiel äußerst skeptisch gegenüberstehen lassen.

Die Sache ist die, dass es mittlerweile Indie-Games wie Sand am Meer gibt, von denen zwangsläufig auch viele übersehen werden. Eine der häufiger genutzten Verzweiflungstaktiken eventuell doch möglichst schnell möglichst sichtbar zu sein, ist YT-Bait. Sprich das Spiel gezielt darauf auszulegen, dass Let’s Player auf Youtube es sehr einfach haben, reißerische Titel auf Thumbnails mit extremem Reaktionsgesichtern zu klatschen. Im Versprechen, dass das dahinterstehende Video jenen Youtuber schlecht schauspielernd konstant in die Kamera schreiend verbirgt, weil derjenige entweder vorspielt ständig erschreckt zu sein (My Biggest Scare Ever!!!!), ständig zu ragen (The Dark Souls of [Genre]!!!), oder total verrückt und überraschend ist. Und Dream Daddy hat sich schon vom Konzept her sehr wie letzteres angehört. Eine Chance für einen Haufen Hetero-Kerle reißerisch „OMG ich zocke ein Schwulen-Dating-Sim kräzi!!!“ zu gehen.

Ich hab dann mal davon abgesehen den kräzi-gsten Kerl möglich zu machen.

Ein Weg nicht zuletzt auch durch Hatoful Boyfriend geebnet. Wie viele Spiele gibt es denn mitlwereile, die in die Kerbe schlagen wollen? Dating Sim mit Tauben, Dating Sim mit Orcs, Dating Sim mit Haustieren, Dating Sim mit Alpacas, Dating Sim mit Daddies! Rigoros, wie das bei westlichen Einträgen schon fast zu erwarten ist, übrigens falsch betitelt. Nein, ich werde es nicht leid zu wiederholen, dass ein Bilderbuch zu lesen und hin und wieder eine Multiple-Choice-Antworten zu geben kein Dating Sim ist, sondern ein Visuel Novel. Wenn es hauptsächlich darum geht die Zuneigung eines Charakters zu gewinnen, dann eben ein Romance Visual Novel. Aber Dating Sims kommen mit Gameplay, welches die Erfolgsrate bei den Jagdtrophäen erhöht, sei es nun Stats zu trainieren wie in Tokimeki Memorial, Bejeweled zu spielen wie in Huniepop oder Mädels in SRPG-Kämpfen zu beschützen wie in Sakura Wars.

Interessanterweise schliddert Dream Daddy nur knapp daran vorbei das A Dad Dating Simulator nicht zu einer Lüge werden zu lassen. Denn es gibt ein unikates Minispiel pro Charakter-Route, welches auf einem der Dates zu spielen ist. Auf einem Konzert beispielsweise die Bühne rechtzeitig zu erreichen, ein kaputtes Funkgerät zu reparieren, eine Statue richtig zusammenzusetzen etc. Die Sache ist allerdings die, das sie nicht zu bestehen zwar das Ranking des Dates leicht verschlechtern kann, aber nicht genug, um wirklich einen Unterschied zu machen. Die richtigen Antworten auf der Charakter-Route genommen, und man hat ihn in der Tasche. Die Minispiele sind nur da, damit man nicht schlafend vom Stuhl rutscht, sondern zwischendrin kurz wach gerüttelt wird.

Die Party ist eindeutig eine Ausrede, um alle DILFs einzuladen, die die Nachbarschaft zu bieten hat.

Allerdings die Überraschung gleich zu Beginn: Charakter Costumisation. Ich bin es so gewohnt, dass der Charakter entweder premade ist, oder man als Self Insert jenen nie zu Gesicht bekommt. Aber einen eigenen erstellen? Yay, absolut dafür. Gleich eine weitere angenehme Überraschung: Die drei Körpertypen (schlank, muskulös, fett) werden direkt darunter mit Binder-Option gespiegelt. Sehen sobald man die Kleidung gewählt hat absolut identisch aus, aber ein netter Touch wie diejenigen, die als Trans-Charakter spielen wollen.

Charakter erstellt geht es auch direkt mit der Handlung los, soweit das Spiel eine hat, denn letztendlich dreht es sich doch sehr stark darum einen DILF zu gewinnen, mit wenig im Hintergrund. Wir haben eine Tochter, ist ja irgendwo Voraussetzung ein Dad zu sein, geht ohne Kind etwas schlecht. Und unser voriger Partner ist vor Jahren verstorben. Erneut ein netter Touch ist, dass man angeben kann, ob man Amanda mit einer Frau oder einem anderen Mann hatte. Geschlechtsneutral-benannter Alex ist also gestorben und wir sind seither Single. Es stehen allerdings Veränderungen im Leben an: Zum einen ziehen wir um, wenn auch nur in eine andere Nachbarschaft der gleichen Stadt, und Amanda verlässt demnächst das Nest, weil sie aufs College gehen wird.

Herzallerliebst

Soweit es dann auch einen roten Faden im Spiel ist, wäre das unser Verhältnis zu Amanda. Der Umzug ist der Beginn des Spieles, ihr High-School-Abschluss und Auszug zum College dann das Ende. Dazwischen finden wir raus, was für ein cooles Kind wir doch erzogen haben, wenn nicht der Großteil Alex zu verdanken ist. Amanda ist tatsächlich super chill und wir sind ein recht cooler Dad, so von den nicht über Multichoice beeinflussbaren Gesprächen her gesehen. Doch scheinbar hat sie was die Schule angeht etwas nachgelassen und wir müssen herausfinden, wo das Problem liegt, und sie wieder auf den richtigen College-Pfad bringen. Ich war tatsächlich überrascht, wie herzlich und charmant und auch witzig doch die Interaktionen mit der Tochter geraten sind. Wenn immer eine Amanda bei rauskommen würde, hätte sicherlich auch keiner mehr Angst vorm Kinderkriegen. Und ihren Vater wieder unter Leute und eventuell sogar auf Dates zu kriegen, ist Amandas Hauptziel bevor sie einen fürs College zurück lässt.

Charme und Witz beschreiben das ganze Spiel dann auch sehr gut. Die Welt von Dream Daddy ist ein wenig wei die von Joss Whedon. Jeder Charakter ist unterschiedlich, allerdings ist keiner ein Langweiler, sondern alle gleich darin, dass sie gern Witze reißen und ihre eigenen Quirks haben. Wer dies natürlich für zu unrealistisch hält oder allgemein den Whedon-esquen hippen Schreibstil nicht leiden kann, ist hier fehl am Platz. Ich mag das sehr und war doch das ganze Spiel über mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht unterwegs. Natürlich machen alle Dads ihre wortspieligen Dad-Jokes und die Ladebildschirme sind mit Plattitüden Dad-Tips gespickt. Das Spiel ist sich auch nicht zu schade sich selbst auf die Schippe zu nehmen, in dem es beispielsweise anspricht, wie unrealistisch es doch ist, dass die kleine Nachbarschaft scheinbar von niemanden außer heißen Single-Dads und deren Kindern bewohnt wird.

Das Spiel unterstellt mir hier, ich würde irgendwann mal nicht auf den Knackarsch des Jock Dads schauen.

Wobei es schon irgendwie ulkig ist, dass alle Dads ihre Kinder mit einem festen Partner hatten, der entweder verstorben ist, oder von dem sie mittlerweile getrennt leben. Keiner hatte einfach in seiner Jugend einen wilden One-Night-Stand ohne Kondom und daraus entstand ein Kind, welches sie zwar lieben, mit deren Mutter sie aber nie geklickt haben und deswegen nie fest zusammen waren. Obwohl, vielleicht Damien, wenn ich nichts überlesen habe, ist der nämlich der einzige Dad, der nie darüber spricht wie und mit wem er seinen Sohn hatte. Wahrscheinlich ist das Spiel an sich einfach viel zu nett und heil dafür. Jeder Charakter ist irgendwie charmant und zuvorkommend, selbst der Bad Boy Dad hat einen weichen Kern hinter seiner harten Schale. Ich mein, sogar der Joke-Charakter des Quizmastrs/DJs, der ständig Witze(?) über seine zerbrechende Ehe reißt, kann in Hugos Ende gut ausgehen, in dem er seine Ehe wieder gekittet bekommt. Dream Daddy ist einfach zu sehr wie Zuckerwatte, als das da wirklich großes Drama geschehen oder etwas schlecht ausgehen könnte. Was es ein sehr angenehmes Spielgefühl macht.

Und ein sehr zurückgelehntes. Denn es gibt auch kein Zeitlimit. Nachdem man alle Dads nach zwei Tagen getroffen hat, erstellt Amanda für einen ein Profil bei Dadbook. Der Name mag ein Wortspiel auf Facebook sein und das Spiel es damit anpreisen, dass Dads so miteinander in Verbindung bleiben und Erziehungstipps austauschen können… aber eigentlich ist es mehr wie Grindr eine Handy-App, die dabei hilft heiße Dads in deiner Nähe auf Dates einzuladen. Nach drei Dates wird das Ende des jeweiligen Charakters eingeläutet, jedoch kann davor mit allen 7 Kandidaten auf zwei Dates gegangen werden. Kein Zeitlimit, keiner wird eifersüchtig, es können alle ausreichend kennengelernt werden, bevor man sich auf einen einschießt. Außerdem sagt Dadbook einem deren Vorlieben und wie gut sie zu einem stehen. Wie gut ein Date verlaufen ist wird anschließend noch mal durch ein Ranking bis zu S angezeigt, für direktes Feedbak wie gut man sich getan hat.

Keine vollen Punkte in Thirst? Kann gar nicht sein.

Es gibt allerdings auch etwas, was mir nicht ganz am Spiel gefallen hat. Und das hat mehr mit der Technik dahinter zu tun. Zum einen mag ich das Speichersystem nicht. Das Spiel müllt einem den Ladebildschirm mit ständigen Auto-Saves voll, die zudem sich gegenseitig überschreiben. Man kann auch selbst speichern und die werden nicht automatisch wieder gelöscht, aber scrollt mal bis zu jenen, zumal sie nicht selbst benannt werden können. Auch das Fast-Forwad von bekanntem Text scheint nicht so astrein zu laufen. Allgemein gibt es seltsamerweise im Optionsmenü kaum Einstellungen, die einen dies beispielsweise ändern lassen würden. Oder die blöden Minispiele ausstellen.

Auch finde ich es ein wenig schade, dass wir es hier mal wieder mit einem Spiel zu tun haben, welches einem pro Charakter nur ein einzelnes CG gibt, nämlich wenn man jenen gewonnen hat. Und ich bin eh kein Fan davon, wenn jene dann auch noch von einer Hand voll verschiedener Künstler mit stark unterschiedlichen Zeichenstilen erstellt wurden, statt das Charakterdesign des Hauptspieles widerzuspiegeln. Führte nämlich dazu, dass ich nur das CG von Craig und Mat hübsch fand, mit dem Rest der gewonnenen Charakter-Pinups konnte ich weniger anfangen:

Wie alt soll Craig eigentlich sein? Was für gute Gene/Operation

Craig trifft man bereits am ersten Tag, wenn man auf dem Weg zurück nach Hause ist, und er einem von hinten nachruft. Denn er ist der beste Freund im College gewesen, mit dem man sich auch ein Zimmer geteilt hat. Wir waren wohl beide ziemliche Partytiere mit eher suboptimalen Lebens- und Gesundheitsentscheidungen, sein Spitzname war beispielsweise das ziemlich selbsterklärende Keg-Stand Craig. Was natürlich auch bedeutet, dass der gue Mann weiß, wie man schluckt.

Mittlerweile hat Craig allerdings sein Leben aufgeräumt. Er trainiert viel, ernährt sich gesund, hat sogar ein Geschäft für Sportequipment. Außerdem drei Kinder mit seiner Ex-Frau, mit der er sich immer noch gut versteht. Als liebender Vater trainiert er auch die Softball-Mannschaft seiner Zwillinge, und wird dort rigoros von den Single-Müttern angebaggert, was er allerdings rigoros zu ignorieren versucht. Wie wir auf unserem ersten Date zu einem solchen Spiel mitbekommen dürfen.

Das zweite Date ist dann ein Kidnapping-Mordmysterium um den Teddybären seines kleinsten Wonneproppens, die er meist auf seine Bauchmuskeln gespannt mit dabei hat, weil er uns eigentlich mit zum Trainieren nehmen wollte. Und das letzte Date ist dann ein schönes gemeinsamen Campen ohne Kids, Brokeback-Mountain-Style. Sein persönliches Problem ist übrigens letztendlich dass er zu gestresst ist und sich zu wenig Zeit für sich selbst nimmt, zwischen dem Training, den Kindern, und seinem Laden.

Bah, Stepford Dads lohnen eh nur für sündige One Night Stands.

Joseph kommt direkt am ersten Abend vorbei, um seine neuen Nachbarn mit frischgebackenen Keksen zu überraschen. Er ist halt so ein wenig der amerikanischen Übermensch – großgewachsen, muskulös, blond, starkes Kinn, und ist der Jugendpastor in der Kirchengemeinde, der alle Nachbarn zu regelmäßigen Grillpartys einlädt – übrigens auch einen selbst direkt für die am nächsten Tag, inklusive allen anderen Dads, damit man garantiert auch denen vorgestellt wird, die man eventuell vorher nicht schon durch eigene Entscheidungen getroffen hat.

Seine Familie ist allerdings etwas weniger perfekt, wie sich herausstellt, denn seine vier Kinder sind unhöflich bis unheimlich, was aber irgendwie manchmal fast ein wenig sympathisch ist. Zumindest ich als Horrorfan habe eine Schwäche für seine Zwillinge, die gerne unisono The Shining oder Kinder des Zorns zitieren, um die Nachbarschaft aus der Ruhe zu bringen. Oh ja, und verheiratet ist der gute Joseph auch noch, mit Mary, die man am ersten Tag in der Bar treffen kann, wo sie einen betrunken anbaggert. Es gibt also potentiell viel Daily Soap Drama, wenn man Joseph nachsteigt. Und ich als gute Christ war natürlich voll bereit dazu, seiner scheiternden Ehe zu helfen, in dem ich Joseph aus dem Closet und ins Bett geflirtet bekomme, damit das Trauerspiel endlich endet.

Über die Dates mit ihm finden wir heraus, dass er auch mal eine sehr wilde Seite hatte, bevor er sein Leben in geordnete Bahnen lenkte, dem einfachen Leben ohne Verpflichtungen aber immer mal wieder hinterher trauert. Also Craig nicht ganz unähnlich. Beim dritten Date sind wir dann auch alleine gemeinsam auf seiner Yacht, ein ausgefallener Motor strandet uns über Nacht, wir finden heraus das er mittlerweile auf dem Boot getrennt von Mary lebt, betrinken uns an Wein, und der Rest ist klar. Oder auch nicht, denn seltsamerweise war das Ende mit ihm dann, dass er es doch noch mal mit seiner Frau versucht, obwohl ich sein Pinup-CG bekommen habe und bei allen drei Dates S-Rank hatte. Moral von der Geschichte: Steigt keinen verheirateten, religiösen Closet-Gays hinterher, das ist nämlich nur Zeitverschwendung.

Derpige Hunde sind eindeutige Zeichen für weiche Kerne.

Wenn man am ersten Tag abends in besagte Bar geht, wo man von Mary angemacht wird, kann dort auch auf Robert getroffen werden. Der raue Kerl mit Bad Boy Charme hat einen sogar davor am Tag im Coffee Shop beäugt, und schleppt einen direkt den Abend noch ab. Man kann sich zwar einem One Night Stand mit ihm hingeben, allerdings Robert in jenem Fall nicht mehr gewinnen, da er sofort das Interesse an einem verliert. Und da es für besagten One Night Stand nicht mal ein heißes CG gibt…

Jedenfalls ist er dennoch viel zu cool, um die Dadbook-Nachrichten sofort zu beantworten, sondern lässt sich ausgiebig zeit, bevor er einen am Abend dann kurz vor knapp auf Saufgelage einlädt. Und zwar welche mit Mary, was schon ziemlich nervig ist, allerdings wenn man sie kennenlernt ist sie manchmal eigentlich ganz zynisch-sarkastisch-unterhaltend und scheint sich tatsächlich was um ihre Freunde – beispielsweise Robert – zu scheren.

Robert mag alte Filme, keinen Smalltalk, und erzählt gerne extreme und extrem erfundene Geschichten. Leider mag er auch Pizza Hawaii, aber niemand kann perfekt sein. Das letzte Date ist dann auf einem Hügel, unter Sternenhimmel, welcher die nächtliche Stadt überblickt. Nicht um einen umzubringen, wie man spekuliert, und auch nicht weil es sein liebster Masturbationspunkt ist, wie er zunächst sagt. Sondern weil er natürlich innen drin ganz weich ist. Weswegen er auch hinterher trauert, dass er keine Bindung zu seiner erwachsenen Tochter mehr hat, seitdem die Mutter gestorben ist. Am Ende hab ich ihn dann auch tatsächlich ebenfalls nicht ganz eingesackt bekommen, sondern er meinte erst mal einen guten Freund zu brauchen, um sich selbst zu finden, bevor eine Beziehung laufen kann. Ugh, nicht mal den leichtlebigen Huren-Dad konnte ich für mich einnehmen.

Cool Dad is kewl :3

Im Coffee Shop, wo Robert einem zum ersten mal den Fuckability-Prüfblick zuwirft, und der am ersten Tag die erste Station für einen sein kann, trifft man bereits vorher auf Mat, da der Laden ihm gehört. Und der sofort etwas unbeholfen aber deutlich mit einem flirtet, sich dabei entschuldigend wie unbeholfen er doch in sozialen Situationen ist. Was er gar nicht sein muss, denn er ist so ziemlich der charmanteste und coolste Dad im Spiel. Außerdem stehen wir auf Heiße Schokolade, soweit wir im Bild von Alex mit Amanda zu Beginn sehen konnte, ist unser Ex nämlich auch brauner Hautfarbe gewesen.

Mat hat natürlich einen Hang zur Musik und ist da relativ up to date, weswegen das erste Date mit ihm auch auf einem seiner vielen Konzertbesuche ist. Laute Umgebungen sind nicht unbedingt ein gutes erstes Date, und wir gehen ihm auch fast verlustig, jedoch ist es nett seine Begeisterung für die Band und mit einem hier zu sein zu sehen. Außerdem bekommen wir mal wieder mit, dass er echt bei vielen Leuten beliebt ist und seine Sozialbeklemmung gut und elegant zu überspielen weiß. Keiner würde je denken, dass er Probleme mit Small Talk hat oder denkt langweilig zu sein.

Beim zweiten Date geht es Platten kaufen (er ist kein prätentiöser Hipster der die für besser hält, sonder hat einfach eine Sammelleidenschaft dem physischen Medium gegenüber) und Oregano rauchen, letzteres nicht so geplant. Und das dritte Date ist Open Mic Abend in seinem Kaffee, bei dem ein Gig ausfällt, man sich selbst beim Ersatzversuch fast lächerlich macht, bis Mat einspringt und eine unglaubliche Show abliefert. Er und seine verstorbene Frau waren nämlich mal in einer Band, er hat aber seit ihrem Tod nicht mehr gespielt. Auch sehr niedlich ist übrigens, dass Amanda und seine Tochter Carmensita eine sehr starke Freundschaft auf seiner Route entwickeln.

Ok, wow. Auch wenn der Late-Disney Zeichenstil nicht meins ist.

Bei Hot Chocolate Dads bleibend, haben wir noch Hugo, der Lehrer von Amanda, der einem am zweiten Tag auf Elternsprechtag eröffnet, dass deren Schuleifer am Sinken ist. Außerdem erleben wir ihn mit einer anderen Klasse, die ihm alles andere als Respekt gegenüber hat. Auch sein eigener Sohn ist das unerzogenste Scheißkind im Cast, wobei Hugo auch keine Heldentat vollbracht hat, den armen Kerl Ernest Hemingway zu taufen. Das wir sofort per du mit Hugo sind, ist allerdings ein hoffnungsvoller Anfang.

Eigentlich ist er auch ziemlich zahm und umgänglich, gar nicht wirklich der strenge Typ. Und wie wir über seine Dates herausfinden hat Hugo sogar eine Schwäche für schlechte Horrorfilme und Wrestling Shows, was er allerdings ungern zugibt, da er meint sein Image als Lehrer würde verlangen nur seine anspruchsvolleren Hobbies wie klassische Musik und hohe Literatur nennen zu können. Letztendlich ist es dann auch sein Ex, der an Wochenenden der coole Dad für Ernest spielen darf, während Hugo dann wieder der strenge Vater sein muss.

Ein paar Trivia Quizzes und viel Käse-bespickte Dates später nimmt man ihn dann mit zum Live Wrestling, und ab spätestens da an ist es absolut um Hugo geschehen. Wobei sein Casual Outfit ihm definitiv keinen gefallen tut, sein scharf geschnittenes Lehrer-Outfit ist ein wesentlich größerer Anturner gewesen. Immerhin sehen ihn seine Schüler auch als etwas cooler, nachdem sie von seiner heimlichen Wrestling-Leidenschaft erfahren. Wusste gar nicht, dass sich die heutige Jugend was darum schert.

Und hier sind wir beim Bild, das am wenigsten mit der Ingame-Erscheinung des Charakters kongruent läuft.

Bleibt nur noch Twilight Dad Damien Bloodmarch übrig, der garantiert nicht unter diesem Namen geboren wurde, sondern als Bob Smith oder so was langweiliges. Oder besser Ruth Smith, scheinbar habe ich total überlesen, dass Damien irgendwann nebenbei erwähnt, dass zu seiner Goth-Kleidung auch Binder gehören, er ist als ein Trans Dad. Das erste Treffen auf ihn ist im Goth-Shop vor Ort, zu dem einen Amanda schleift, und wo er sich ziemlich bitchig über den Stil der Klamotten beschwert, was ihn nicht unbedingt sympathisch beginnen lässt.

So richtig vorgestellt wird man ihm dann so oder so erst auf Josephs Grillfest, wo er sich für sein ihm eindeutig peinlich seiendes Benehmen entschuldigt. Wobei seine gestelzte Sprache und statt über Dadbook per geschriebenen Brief mit einem zu kommunizieren, mir doch etwas zu viel ist. Außerdem ist sein Sohn Lucien, der eher Goth-Punk ist, wobei recht weit oben auf der Fuckability-Skala, einem ziemlich blöde gekommen am Elternsprechtag. Wie sich herausstellt macht der zwar gern auf rebellisch, ist aber eigentlich dahinter ziemlich gut erzogen und spurt sehr schnell, wenn Damien ihm ins Gewissen redet.

Na ja, über die Dates mit ihm wurde mir Damien dann doch langsam sympathisch. Ich mag seine sehr weiche und verständnisvollen Erziehungsmethoden beispielsweise. Ich mag seinen Lebenseinstellung generell ganz gut. Und hinter der foppischen viktorianischen Goth-Fassade versteckt sich ein Kerl, der Naruto Yaoi Fanfiction liest, Angst vor Horrorfilmen hat, in einem Tierheim aushilft, eigentlich in IT arbeitet, und unglaublich Angst davor hat, dass man ihn wegen all jener Dinge für zu langweilig halten könnte. Damien ist also eigentlich der niedliche Nerd-Charakter des Spieles.

Corgi, Corgi, Corgi!

Bleibt nur noch der siebte Kerl im Bunde, nämlich Brian. Der Dad, der auf allen YT-Thumbnails omnipräsent ist, und hinter dem alle Let’s Player sofort her sind, weil den bärtigen Bären im Holzfällerhemd in einem Gay Dating Sim zu erobern (obwohl man natürlich voll #NoHomo ist) ist doch supa kräzi!!!! Ich steh nicht auf fette Kerle und seine extrem kompetitive Art einem seine Übertochter unter die Nase zu reiben, ist auch nicht wirklich charmant gewesen. Auch wenn das verbale Angebe-Duell in Form eines Pokemon-Kampfes läuft.

Ich find es ja auch ein wenig Schade, dass es zwar einen dicken Charakter gibt, dann aber alle anderen Dads ziemlich gut gebaut muskulös von der Körperform her. So ein schlacksiger Dad wäre auch ganz nett gewesen, und wenn es ein sommerbesproßter Rothaariger wäre, umso besser. Na ja, ich bin mir sicher er ist auch ganz nett, wenn man ihn über die drei Dates kennenlernt. Und sein Hund ist super niedlich. Aber dennoch nein Danke.

Attack! Imperial Floral Assault Troop: Sakura Taisen

Mir war dann nach dem Durchspielen des fünften Teiles irgendwie doch danach, mal den älteren Sakura Wars einen Versuch zu geben. Also rein in die Schuhe des guten Ogami und anflirten der sechs Tokyoter Mädels im ersten Teil war angesagt. Getroffen in der PSP-Version, einfach weil und außerdem kommt die direkt mit dem Nachfolger, sollte ich dort einsteigen wollen. Gestaltet sich halt nur das Problem, dass die ersten vier Teile keine englischen Patches haben, aber dazu später mehr.

Grundsätzlich ist Sakura Wars ja gar nicht so unähnlich der japanischen Antwort auf die westlichen FMV-Adventures, die mit dem enormen Platz auf dem neuen CD-Medium einen Aufschwung erhielten. Nur, da es sich um Japan handelt, ging die Sache mehr in die Richtung interaktiver Anime und mit Animationen und Sprachausgabe aufgehübschten Visual Novels und Dating Sims. Sakura Wars geht dabei eindeutig stärker in Richtung Visual Novel.

Die schrägen anfänglichen (und ein späterer) Bösewichter

Denn ja, es gibt insgesamt sechs von der Persönlichkeit sehr unterschiedliche Mädels, denen man Frage und Antwort stehen wird, und auf deren Gebung basierend am Ende sich eine der holden Weiblichkeiten einem zu Füßen legt. Aber Sakura Wars hat eben schon eine stark ausgearbeitete Haupthandlung, und ist sogar weitestgehend linear. Es gibt keine Variation der Story beispielsweise, sondern die geht immer über die gleichen Stationen zum gleichen Resultat. Außerdem nimmt sich jedes Kapitel mal einem der Mädels vor, und es gibt auch hier nur ein paar kleine Variationen in wenigen Szenen, je nachdem, welche der Damen einen gerade am meisten mag. Die Multiple-Choice-Antworten haben tatsächlich hauptsächlich nur eine Auswirkung darauf, mit wem man am Ende dasteht, der Verlauf vor dem Charakter-spezifischen Epilog bleibt weitestgehend unangetastet.

In besagter Handlung übernehmen wir die Rolle des frisch von der Japanischen Navy abgeordneten Ichiro Ogami in seiner reinweißen Uniform, der nun der Imperial Flower Assault Troop unterstellt ist. Nur muss er zu seinem Entsetzen schnell feststellen, dass jene nur aus ein paar Mädchen besteht, und die Blumentruppe ein Theater-Ensemble sind, er deren neuer Ticketverkäufer ist. Doch natürlich ist dies nur ein Deckmantel und all dies eine merkwürdige Art von Test, weil er in jener Truppe mehr als ein Soldat sein muss oder wie auch immer. Jedenfalls sobald er sich bewiesen hat, werden ihm die Steampunk-Mechs gezeigt, welche die Mädels bei einem Einsatz gegen die Teito angreifende Feinde steuern, die das Tokugawa-Shogunat wieder an der Macht sehen wollen. Ogami selbst als neuer Kommandant in seinem eigenen Mech inbegriffen.

Auf der Jagd nach Mädels…

So zumindest die Ausgangslage, die locker ein angenehmes Spiel von 8 oder so Kapiteln abgeben hätte können. Hier ist Sakura Wars nämlich etwas seltsam strukturiert. Die erste Gruppe an Schurken besteht aus 4 Generalen mit einem Oberhaupt, und einer Armee an eigener Mechs. In den ersten 7 Kapiteln des Spieles werden einem nun nach und nach nicht nur die Mädels vorgestellt, sondern auch die vier Generale und dann deren Oberhaupt besiegt. Die haben wie gesagt die klare Motivation die Öffnung und Westernisierung Japans aufzuhalten. So weit, so gut. Doch danach ist das Spiel nicht rum, sondern der wahre Obermotz taucht auf. Das wäre kein Problem, wenn Aoi Satan einfach eröffnen würde, dass er nur so tat, als wäre er einer der vier Generale, aber eigentlich die Fäden gezogen hat.

Was stattdessen geschieht ist, dass er mit einem neuen Trupp an 3 Generalen, die ihm unterstellt sind, auftaucht. Und nun mit Alien-Dämonen, die unter Tokyo versiegelt wurden, angreift. Inklusive dramatischer Hintergrundgeschichte von dem unsere Truppe anführenden Yoneda, wie er vor Jahren ohne Mechs gegen jene Dämonen gekämpft hat, wobei sich Sakuras Vater opfern musste, um sie zu versiegeln. Und die neuen Gegner sind sogar so stark, dass die Truppe neue Mechs bekommt. Am Ende wird es dann so richtig verrückt, wenn Beraterin Ayame zum Erzengel Michael wird, Aoi Satan eigentlich der gefallene Lucifer ist. All das irgendwie schnell draufgeklatscht in Kapitel 8-10 durchgehechelt.

Gefunden! Schnell eine Antwort rausschießen, bevor sie flieht.

Das ist wie gesagt etwas seltsam strukturiert, denn essenziell hätten dies zwei komplett eigenständige und zu vollen Einzelspielen ausgearbeitete Storylines sein können. Es fühlt sich etwas so an, als hätte hier jemand die Scripts von zwei Anime-Staffel in eines zusammengezogen. Vielleicht hatte man ja die Befürchtung, die ursprüngliche Storyline würde nicht reichen. Oder war sich des Erfolges des Spiele so unsicher, dass man gleich beide Ideen erzählt bekommen wollte. Aber etwas organischer wäre es schon gewesen, wenn man die Sache mit Aoi Satan sich entweder für ein Sequel aufgehoben hätte, oder stärker zusammengekürzt wirklich als Finale auf die Geschehnisse mit den ersten Schurken gesetzt hätte.

Zwischen den Einsätzen werden natürlich gewohnt diverse Textboxen navigiert. Manchmal auch das ganze Theater an sich. Wobei es hier nur darum geht den SD-Ogami in die einzelnen Räume auf den drei Stockwerken zu navigieren, bis man eines der Mädels für einen kleinen Flirt auftreibt, oder die nächste Hanldungsszene getriggert bekommt. Eine Welt außerhalb des Theaters gibt es noch nicht, zumindest nicht zur freien Erkundung.

( ͡° ͜ʖ ͡°),

In jenen Flirts findet übrigens bereits das bewährte LIPS-System seine Anwendung. Sprich Sakura Wars gibt einem nicht die Zeit, erst mal im Japanisch-Deutsch-Wörterbuch eine halbe Stunde nachzuschauen, was die drei Antworten nach der Lieblingsfarbe von Ogami nun bedeuten, um dann hoffentlich die richtige zu geben. Stattdessen läuft ein Timer, an dessen Ende Ogami im Zweifelsfall einfach gar nichts sagt, sondern der holden Dame schlicht ganz unhöflich starrend ins Gesicht schweigt. Manchmal ist Schweigen zwar auch hier Gold, doch meist ist es besser, eine der Antworten zu geben. Wobei Affinität sowohl steigen wie auch fallen kann, basierend auf jener. Die anderen LIPS-Sachen, die man eventuell aus dem zuerst, da als einzig lokalisiertes, Sakura Wars V kennt, gibt es im ersten Teil allerdings noch nicht. Lediglich manchmal wild auf einem Mädel rumtatschen darf man, um über ihren Brustumfang zu philosophieren, oder sie doch direkt anzusprechen.

Pro Kapitel kommt es wie gewohnt auch zu einem oder zwei SRPG-Kämpfen, wobei die gewohnt eine untergeordnete Rolle einnehmen. Nicht nur, weil mehr der ca. 2 Stunden des Kapitels in den VN-Gesprächen und der Story zugebracht wird. Sondern auch, weil sie eben sehr simpel gehalten sind. Es gibt keine Ausrüstung, keine Promotions, keine Skills, noch nicht mal EXP und Level Ups. Die Statuswerte werden erneut nur etwas gepusht, wenn das besagte Mädel eine gute Beziehung über die richtigen Antworten im VN-Part zu Ogami aufgebaut hat. Wobei über die Beschütz-Funktion, mit der 8x pro Kampf ein Mädel von Ogami flankiert wird und von Angriffen keinen Schaden nimmt, die Affinität auch steigert.

Selbst ein Minigame pro Waifu gibt es, damit man nicht ob des ganzen Textes einschläft.

Im ersten Teil gibt es noch nicht mal Formationen, die eine etwas taktische Note geben, oder das Aufbrauchen von Aktionspunkten. Stattdessen darf jeder Charakter pro Runde zwei Aktionen ausführen, allerdings jeweils nur eine pro Kategorie. Also entweder Angreifen oder das Special benutzen. Entweder in Defensivstellung gehen, einen Charakter heilen (2x pro Charakter pro Kampf möglich) oder die SP für das Special regenerieren. Und natürlich über das Kampffeld laufen. Mehr können die Charaktere, abgesehen von Ogamis Schutz-Funktion, nicht machen.

Wobei das Spiel allerdings erneut nicht allzu schwer ist. Zwei Heilaktionen pro Charakter plus manchmal sogar Heilfelder auf dem Kampffeld (welche die Gegner nie schlau genug sind für sich zu nutzen) machen es schwer zu sterben, und dann ist das Special von Iris auch noch ein AOE-Heal von beträchtlichem Ausmaß. Die Bosse der ersten Kapitel lassen sich locker damit erledigen, in dem jeder Charakter einfach sein starkes Special drauf bretzelt. Selbst später im Spiel sind die noch extrem überpowert, gerade wenn dann noch Ogami mit seiner Auserwählten ein besonders gutes bekommt. Das ist für mich schon eher ein Vor- statt Nachteil, denn für komplexere oder herausfordernden SRPGs habe ich historisch betrachtet gar nicht das Durchhaltevermögen.

Motivations-Übersicht Pre-Battle was Stat+ angeht.

Etwas schneller könnten sie dafür allerdings gehen. Dadurch, dass es sowieso nicht so viel zu tun gibt, ist so ein Kampf schon schneller rum, als in einem komplexeren SRPG, aber das wenige ist schon in der Ausführung langsam. Immerhin können Animationen von Specials übersprungen und die Bewegung auf dem Kampffeld beschleunigt werden, was schon mal hilft. Allerdings wäre es hier schön gewesen, wenn sich dies einfach global einstellen lassen würde, statt es manuell bei jedem Charakter bei jedem Move selbst per Knopfdruck machen zu müssen.

Die Präsentation des Ganzen ist dabei schon sehr schnieke. Man merkt die Intention schon stark, denn ein Großteil der Dialoge ist mit Sprachausgabe versehen und es kommt auch regelmäßig zu kurzen Anime-Sequenzen. Allerdings hat man die bei Sega scheinbar nicht allzu gut präserviert. Die PSP-Version kam 2006 zum 10-jährigen Jubiläum raus, die Anime-FMVs sind allerdings extrem ausgewaschen und schauen drein, als hätte man eine Anime-VHS aus den 80ern erneut ausgegraben. Auch die Hintergründe in den VN-Gesprächen sind ziemlich grobkörnig, lediglich die Charakterportraits sind super scharf aufgelöst und sattfarbig.

Und einer der sporadischen Kämpfe, damit man ob des ganzen Textes nicht einschläft.

Um aber noch mal auf das Problem der Übersetzung zurückzukommen. Keines der vier Ogami-Teile hat einen Patch, wer also kein Japanisch oder Russisch kann, ist zunächst einmal aufgeschmissen. Aber das bedeutet nicht, dass es keinerlei Übersetzungen gibt. Denn für alle Teile lassen sich Übersetzungs-Textdokumente in Englisch finden. Normalerweise würde ich ja nicht auf die Idee kommen, so eines mir in den Schoß zu legen, während ich ein textlastiges Spiel zocke. Aber bei Sakura Wars ist das tatsächlich etwas anders.

Denn hier kommt dem Spiel zugute, dass es nicht nur hauptsächlich ein VN ist, sondern auch noch ein sehr lineares, welches nicht wirklich viele Variabeln kennt. Denn so lässt sich einfach in einem Fenster jenes Dokument öffnen, daneben das Fenster mit dem Emulator ziehen, und schon hat man den Ingame-Text und dessen englische Übersetzung zum Abgleich direkt nebeneinander. Wegen der Linearität muss nicht groß nach alternativen Szenen rumgesucht werden. Und da die SPRG-Kämpfe so einfach und immer alle Gegner oder der Boss zu besiegen sind, braucht es hier auch kein großes Verständnis außerhalb der grundlegenden Menübefehle. So hatte ich dann doch ein erstaunlich unkompliziertes und angenehmes Spielerlebnis durch die nette Anime-Story, die mich alle Mädels hat kennenlernen lassen, so dass ich letztendlich mit dem Gewinn von einer Waifu zufrieden war:

Ich Langweiler nehm die Standardwahl.

Sakura Shinguchi: Das Poster Child der Serie wird uns direkt in der ersten Cutscene präsentiert, wenn sie passend zur Kirschblüte im Park ankommt, um dort wie die coole Schwertkämpfern, die sie ist, erst mal einen Gegner zu zerlegen. Sie ist diejenige, die Ogami bei seiner Ankunft in Tokyo abholt, die beiden gleich ordentlich miteinander schäkern, und auch allgemein nicht nur die meiste Screentime bekommt, sondern das Spiel eindeutig in Ogamis Arme stößt. Fand ich dann nur richtig, letztendlich meinen Ogami mit ihr enden zu lassen. Sie ist etwas hitzköpfig, und auch manchmal etwas trottelig, wird deswegen von Sumire gerne als Bauerntölpel und Landei aufgezogen. Die streiten sich eh gern mal, jedoch arbeitet Sakura sehr hart daran, in den Bühnenshows eine gute Figur abzugeben.

Mündigkeitsalter in Frankreich ist 15 btw.

Iris Chateaubriand: Die französische Loli, immer in Begleitung ihres Teddybären Jean-Paul. Ein wenig spitzbübisch, ein wenig verwöhnt, eben voll die kleine Prinzessin des Teams. Zunächst steuert sie keinen Mech, wird dann aber später mit einem bestückt zum Healbot, nachdem sie ihre psychische Energie in den Griff bekommt. Hin und wieder ist sie allerdings ziemlich eifersüchtig auf die anderen Mädchen, weil die schon erwachsen sind, und weil sie von ihrem Onii-chan Ogami nicht wie ein Kind gesehen werden. An ihrem zehnten Geburtstag, der erwartungsgemäß schrecklich schief geht, hat sie sogar ein kleines Date mit ihm.

Sumire in ihrem Element.

Sumire Kanzaki: Die Tochter aus der Verbindung eines reichen Vaters mit einem Filmstar ist die Diva der Truppe. Sie versucht immer Klasse und Stil zu beweisen, was aber nicht wirklich hinhaut, weil sie dafür ein zu loses Mundwerk hat. Auch ihre tief sitzende Kleidung erregt Ogami zunächst, den sie zunächst konsequent mit falschen Namen anredet und entweder ignoriert oder schlecht behandelt. Allerdings ist sie allen gegenüber sehr hochnäsig, die Rampensau versteht beispielsweise auch nicht, warum Maria vor Ogami der Kopf der Truppe war, statt ihr die Position zu geben. Der Geltungsdrang kommt vielleicht, zusammen mit ihrer Arachnophobie, daher, dass sie als Kind viel von ihren High-Society-Eltern alleingelassen wurde.

Zunächst wollte ich ja Maria erobern…

Maria Tachibana: Die Platinumblonde, coole Amazone, die gern Dostojewski liest, ist natürlich russischer Abstammung. Auf Grund ihrer Statur und ihrer Professionalität spielt sie hauptsächlich die männlichen Rollen in den Stücken. Sie ist die verschlossenste von allen, die sich Ogami eher wenig öffnet, über die man nicht viel herausfindet oder in den Gesprächen nachfragen kann. Allerdings war sie wohl ein Teil der russischen Revolution und hat im Kampf ihren Bruder-gleichen Kommandanten verloren. Beinahe wäre sie anschließend ein Auftragskiller geworden, hätte Ayame sie nicht für die Bühnentruppe rekrutiert.

Zähl die stereotypen Merkmale, die in diesem Bild versteckt sind.

Kohran Li: Vom Namen und ihrem Outift her sollte klar sein, dass sie von chinesischer Herkunft ist. Überraschend spricht sie allerdings im japanischen Kansai-Dialekt, was daran liegt, dass sie von einem anderen Zweig des Militärs dort zu unserer Truppe abkommandiert wird. Diesen Dialekt bekommen in japanischen Medien hauptsächlich die Comedy-Charaktere, und Kohran erfüllt dann auch das Klischee der schusseligen Erfinderin, der gerne mal etwas unter der Nase weg explodiert. Sie ist allerdings sogar diejenige, welche die Koubu-Mechs gebaut hat, die wir in den Kampf steuern.

Wo die Liebe hinfällt…

Kanna Kirichima: Die älteste und stärkste – starker noch als Ogami – in der Theatergruppe kommt erst in Kapitel 3 aus ihrem Training zurück ins Theater. Denn sie ist der Nachfolger ihres Vaters, einem Karate-Meister, aus Okinawa. Von daher wird sie gerade von Sumire gerne wegen ihrer bulligen Statur, ihres vielen Essens, und der angeblich damit einhergehenden wenigen Intelligenz angefeindet. Überraschend mag sie es allerdings wirklich sehr, auf der Bühne zu stehen, wobei auch sie hauptsächlich die männlichen Rollen spielen darf. Für Ogami ist sie jedoch eindeutig ein guter Kumpel, weswegen ich schon zumindest ein wenig kurios bin, wie sich ein Ende mit ihre gestalten würde.

Gibt keine guten Gruppenshots der Support-Oneesans.

Der Rest:
Neben den sechs Mädels, mit denen Ogami tatsächlich enden kann, gibt es natürlich auch bereits im ersten Sakura Wars ein paar Support-Vaginas für die Einsätze. Tsubaki arbeitet im Shop des Theaters und verkauft einem die Bromides der Mädchen, Yuri macht die Büroarbeit, Kasumi ist so ein wenig die Leiterin der ganzen Hintergrundaktivität. Alle drei sind diejenigen, die das Flaggschiff der Truppe, von dem aus die Mechs auf die Kampffelder abgelassen werden, unter Yoneda steuern.

Ayame hat da ein wenig eine Sonderrolle, denn sie gibt einem die Infos während der Missionseinsätze. Außerdem war sie ein Teil der Gruppe, die vor fünf Jahren die Dämonen unter Tokyo versiegelt hat. Nicht zu vergessen, dass Aoi Satan am Ende den wiedergeborenen Erzengel Michael in ihr erweckt.

The Academy of Hope and the High School Students of Despair

Bisher ist Danganronpa ja irgendwo so ein Stück an mir vorbeigegangen. Und ich muss gestehen, dass mein Grund dafür ein extrem oberflächlicher war: Ich finde das YuGiOh-esque Charakterdesign sowas von hässlich, so dass ich mir das nicht 20 Stunden ansehen müssen wollte. Aber irgendwann ist jeder Schatten mal übersprungen, und es ging hinein in die Akademie der Hoffnung.

Danganronpa ist so ein wenig Battle Royale meets Ace Attorney, wobei von letzterem auch die Struktur stark daherkommt. Denn insgesamt ist das hier schon ziemlich nah an einem Visual Novel, in 6 Kapiteln unterteilt wird viel gequatscht und erklärt und gelesen, doch dazwischen werden auch Tatorte untersucht und Gerichtsverhandlungen bespielt. Es ist dann also doch nicht nur lesen und hin und wieder mal eine Antwort wählen.

Battle Royale kommt wie folgt hinzu. Im Japan der Zukunft gibt es eine ganz besondere Akademie, die enormes Prestige innehat, da dort nur die besten Schüler aufgenommen werden. Und damit es nicht zu lauter langweilig-gleichen Charakteren kommt, sind hiermit nicht die Besten in einem jeweiligen Schulfach gemeint, sondern die Besten in einem jeweiligen Hobby oder Profession. Man wird also nicht nur auf das Super Duper Genie und den Super Duber Sportler treffen, sondern auch auf die Super Duper Nachwuchsschriftstellerin, das Super Duper Idol, den Super Duper Raudi, das Super Duper Model und selbst den Super Duper Otaku.

Naegi ist weniger super, sondern einfach ein totaler Durchschnitts-Kerl, der nur über das zweifelhafte Glück eines Lotteriegewinnes an die Akademie gehen darf. Nur fällt er sofort nach deren Betreten in Ohnmacht und beim Aufwachen trifft er eben nicht nur auf die 14 anderen Besonders-Schüler, die mit ihm den nächsten Jahrgang ausmachen sollen, sondern erfährt auch, warum jenes Glück eher ein Unglück war.

Denn alle Auswege aus dem Gebäude sind strickt versperrt, während der schwarz-weiße Teddy Monokuma ihnen auf seine gleichermaßen süße wie freche Art die Situation erklärt: Sie müssen für den Rest ihres Lebens in der Schule miteinander leben. Wollen sie das nicht, gibt es nur die Möglichkeit seinen Abschluss zu machen. Doch wie macht man einen Abschluss? In dem man einen der anderen 14 Schüler umbringt und damit davon kommt. Denn jedes Mal, wenn eine Leiche aufgefunden wird, geht es nach einer kurzen Zeit der Investigation in eine Klassensitzung, an deren Ende alle abstimmen, wer der Täter ist. Kommt der wahre Täter heraus, wird er umgebracht, wenn nicht darf er die Schule verlassen und alle, die falsch gewählt haben, werden umgebracht. Wer eine der Schulregeln bricht, wie beispielsweise verschlossene Räume aufzubrechen, oder Monokuma anzugreifen, wird auch ins Jenseits befördert. Eine Win-Win-Situation sieht anders aus.

Klingt spannend? Ist es auch. Meistenst zumindest. Wie gesagt gibt es nebenbei auch ein paar Gameplay-Mechaniken, die erfüllt werden. Beispielsweise ist es in den Gesprächen nicht nur so, dass man passiv durch sie durch klickt, sondern über Re:Act können besondere Worte herausgepickt werden, um weitere Informationen zu diesem Thema zu bekommen. Außerdem finden die Schüler in Danganronpa selbst in jener Extremsituation die Zeit, zwischendurch ihre Free Time zu haben, an denen man sich aussuchen kann, mit wem man nun eben jene verbringen will. Inklusive Geschenke und richtige Antworten geben, was nicht zu einem Date-Ende führt, sondern lediglich dazu, dass sie einem individuelle Skills von sich beibringen.

Die werden wichtig in den Verhandlungen. Non-Stop-Debate genannt wird ein Thema eingeworfen, auf das aufbauend jetzt Reihum jeder seinen Senf dazu gibt. Kommt es dazu, dass Naegi einer jener Aussagen wiedersprechen kann, weil er anderweitige Beweismittel hat, kann er die gerade durchs Bild fliegende Aussage zerschießen. Es muss also getimed und auch gezielt werden, wann man welcher Sache etwas entgegenhält. Desweiteren muss Naegi den ganzen Fall gegen Ende via richtig zusammengefügter Manga-Panels rekapitulieren, und um jemanden in die Enge zu treiben im Machine-Gun-Battle a la Rhythm-Game dessen Redeschwall besänftigen. Und die Skills geben einem hier eventuell mehr Zeit oder Überzeugungskraft etc. Danganronpa hält sich also schon frisch und den Spieler aktiv, wodurch die gut 3-4 Stunden pro Kapitel nicht zur reinen langweiligen Lesearbeit ausarten.

Wobei die Story, die sich hauptsächlich um Mysterien aufbaut, ehrlich gesagt nicht immer so mysteriös ist, wie sie sein sollte und auch zu sein denkt. Denn überraschend viele Punkte in ihr sind extrem vorhersehbar. Wenn sich das zuckersüße Idol zu Beginn von Kapitel 1 plötzlich an den Normie ranschmeißt, ist ziemlich schnell klar, dass sie ihm einen von ihr geplanten Mord anhängen will. Wenn sie dann diejenige ist, die tot aufgefunden wird, bringt einen das auch nicht davon ab, da es ein offensichtlicher Doppel-Twist ist, wenn sie dies zwar plante, aber von ihrem eigenen Opfer umgebracht wurde. Und genau so gestaltet es sich dann. Auch zu Beginn von Kapitel 2 wird erst mal drei Sätze lang darauf rumgeritten, dass Jungs und Mädchen jeweils nur die ihnen zugehörigen Umkleidekabine betreten können, während ein Mädel wiederholt abschlägt mit den anderen Baden zu gehen, so dass deren Geheimnis auch sofort klar ist.

Interessanterweise wird die Handlung dennoch nicht langweilig, weil dann doch genug dabei ist, durchaus auch in den Einzelheiten, was unerwartet kommt oder zumindest nicht ganz genau so läuft, wie man sich das dachte. Und vor allem ist das Spiel einfach so over the top, so extrem in allen Dingen, die geschehen, wie die Charaktere reagieren etc., dass die chaotische Achterbahnfahrt an sich einfach viel zu gut unterhält, als dass der eine oder andere frühzeitig herausgefundene Punkt wirklich zum Nachteil gereichen wird. Hierbei sind vor allem Monokuma und der wahre Übeltäter hinter ihm herausstechend, die selbst aus den anderen bereits Extrem-Charakteren mit ihrer schrägen und vor allem durch und durch unterhaltsamen Art und Weise herausstechen. Dazu wird die 4th Wall auch gern mal gebrochen.

Und hier hilft dann doch das Design, welches mich so lange abgeschreckt hat. Denn Danganronpa hat absolut seinen eigenen Stil. Die Welt ist zwar 3D-begehbar, die darin platzierten Charaktere und Gegenstände werden allerdings als 2D-Artwork wie in einem Popup-Buch hineingestellt. Dazu eben das extrem überzeichnete Charakterdesign, welches bewusst unattraktiv ist, weil alle bewusst extreme Expressionen parat halten müssen, und schon passt das Gesamtbild eben einfach.

Tatsächlich war ich also mit Danganronpa letztendlich absolut zufrieden und schon vom Spiel irgendwie begeistert. Denn der treffsichere und eigene Stil, die unterhaltsamen Charaktere, und die extreme Geschichte sind einfach packend und man will wissen, wie es weiter geht. Selbst dann, wenn man eigentlich schon weiß, was geschehen wird, da man wissen will, wie genau das schon wieder in das Chaos hineinspielen wird.

A sixth sense for donkey butt: Otome on Smartphone

Nach ein paar Otome-Spielen auf traditionellen Spiele-Medien gibt es nun auch einen kleinen Exkurs in das Sub-Subgrenre auf der modernen Allesspieler-Plattform Japans, dem Smartphone.

10 Billion Husbands wirbt damit, dass man viele niedliche Anime-Husbandos heiraten kann. Wie soll ich denn dort schon vorbei gehen? Jedenfalls war ich etwas überrascht, als was sich das Spiel herausstellte: Cookie Clicker. Ihr wisst schon, dieses dämliche casual Browser/Smartphone-Game, über das alle truen Gamer die Nase rümpfen, bis sie es selbst aus Kuriosität probieren und anschließend schwerer von los kommen, als von einer Heroinsucht.

Jedenfalls heiratet man also seinen ganz schnöden normalen Office-Worker-Husbando, und von nun an laufen lauter kleine Anzugkerle über den Bildschirm und generieren Love Points. Genug LP gesammelt und man kann den nächsten Stereotyp heiraten. Vom Helden zum Pop Idol zum Rockstar zum Wissenschaftler, die natürlich mehr und mehr LP im Einkauf sind. Außerdem können sie über LP weiter aufgelevelt werden, wodurch sie mehr LP generieren, zu gewissen Stufen (immer Lvl.20 und dann eine sehr hohen Stufe die bei 100 beginnt aber für teure Ehemänner nach unten revidiert wird) bekommen sie sogar ein nettes kleines Geschenk, welches einen deftigeren Multiplikator verursacht.

Selbst klicken kann man natürlich auch, um LP zu bekommen, aber ganz ähnlich Cookie Clicker wird man das schnell aufgeben und auf Automatisierung alleine laufen lassen. Seine vielen Lover sich selbst überlassen. Als gewisse Belohnung gibt es allerdings auf der nächsten Stufe statt eines weiteren Multiplikators ein nettes kleines (komplett züchtiges) Pinup vom jeweiligen Archetypen freigeschaltet, die ganz niedlich anzusehen sind. Von daher launig aber uninvolviert dieses Husbando Clicker.

Hot Roomies oder Love Triangle, ich bin mir über den Namen nicht sicher, denn im Handy-Menü nennt sich die App Love Triangle, im Hauptmenü des Spieles an sich steht dann allerdings lediglich Hot Roomies. Jedenfalls ist es ein Visual Novel, in dem MC-chan gerade das College absolviert hat, und nun nach einer neuen Bude sucht. Praktischerweise ist ihr zu einem heißen Bachelor herangewachsener Kindheitsfreund Tsukasa, der eine Stelle als Lehrer gefunden hat, wieder in der Stadt und beschließt mit einzuziehen. Die beiden finden eine WG ganz zufällig beim ebenfalls heiß-jungen Schriftsteller, den MC-chan schon immer mochte, Kazuya. Das war es übrigens schon, die beiden anderen hübschen Kerle, die das Spiel gern in Ads zeigt, sind zwei Nebencharakter, die vielleicht für 10 Sekunden im Spiel sind.

Insgesamt hat das Ding übrigens abgesehen vom echt attraktiven Charakterdesign nicht viel zu bieten. Nur zwei Kerle geht für mich noch klar, die sind beide nett anzuschauen und auch beide ganz akzeptabel von der Persönlichkeit hinter der hübschen Fassade. Tsukasa ist halt mehr der Joker-Charakter und Kazuya mehr der einfühlsame Typ. Es gibt ein paar nette Comic-Panel-Szenen für ein oder zwei wichtigere Storypunkte, dafür aber keine hübschen CGs. Beispielsweise hab ich natürlich sofort das obere Zimmer ohne eigenes Badezimmer gewählt, in der Hoffnung das man somit mal versehentlich in einen der halbnackten Kerle läuft, der das OG-Bad mit einem teilen muss – nope, gab es nicht. Ansonsten sind die Antworten allerdings überraschend irrelevant. Egal was man wem wann und wie antwortet, am Ende werden beide Kerle auf MC-chan stehen und lediglich die finale Entscheidung macht aus, wen von beiden sie sich schnappt.

Ich bin Kazuya gefolgt, obwohl Tsukasa eigentlich hübscher ist und nicht mit einer Katze daher kommt. Am Ende schenkt Kazuya einem einen hässlichen Katzen-Anhänger, den ich nie tragen werde, und das wars. Kein CG, kein Freischalten um das Ende erneut zu sehen, bitte ganz von vorn beginnen, wenn du 90% exakt das gleiche Spiel haben willst, nur am Ende Tsukasa wählst. Das Spiel ist sowieso extrem kurz und es schien nie viel zu geschehen, obwohl ein Umzug, ein Geburtstag, eine Abschlussfeier, eine neue Jobaussicht und ein gesundheitlicher Zusammenbruch untergebracht sind, in jedem anderen VN wäre das hier eher der Prolog oder zumindest wesentlich weniger überhastet. Was etwas schade ist, denn wie gesagt ganz hübsch und nett und auch ganz charmant geschrieben ist das wenige, was da ist, schon gemacht. Auch fand ich es etwas komisch, dass es nur je mit einem der beiden Kerle enden kann. Es gibt keine Entscheidung lieber den Job in Kyoto anzunehmen, oder zu versuchen eine Fernbeziehung aufrecht zu erhalten.

Ninja Shadow: Womit einen Hot Roomies gern überschüttet ist bei jedem Ladebalken-Szenenwechsel mal schnell nachzufragen, ob man nicht auch dieses oder jenes andere Otome spielen will. Aber so leicht lasse ich mich nicht in den Hasenbau hinabziehen. Dachte ich zumindest. Beim ersten Bild mit einer Gruppe von Kerlen mit nacktem Oberkörper hab ich noch lächelnd weitergeklickt. Beim zweiten mit den hübschen Kerlen im Onsen nur mit diesen Minibadetüchern um die Hüfte gelegt… und plötzlich fand sich Ninja Shadow auf mein Phon gezogen und installiert wieder. Gehört wohl zu einer ganzen Reihe an Spielen mit Ninja im Titel (und noch mehr unter dem Obertitel Shall we date, der mal und mal nicht vorm Ninja Shadow steht) von der gleichen Firma, die ganz gut auf dem Smartphone-Otome-Markt vertreten sind. Der Hasenbau geht wesentlich tiefer, als man sich vorzustellen bereit ist.

Jedenfalls ist das hier wohl eher exemplarisch für das Geschäftsmodell eines Smartphone-Otomes. Die Geschichte ist eine ziemlich generische über ein Ninja-Mädel, dessen Zwillingsbruder ermordet wird. Er sollte bei irgendwelchen Gerechtigkeitskämpfern mitmachen, also übernimmt sie einfach seinen Platz, um das Versprechen zu erfüllen und weil sie so der Rache an dem feudalen Lord eventuell näher kommt. Umgeben ist sie von einer Hand voll anderer heißer Ninjas, und verguckt sich in einen davon, während 90% ihres Dialoges daraus besteht, dass sie sich über jede Kleinigkeit aufregt, weil das in ihren Augen eine unmännliches Behandlung ihr gegenüber oder ein unmännliches Verhalten von ihr sein könnte, damit sie nicht auffliegt.

Zu Beginn nimmt man sich einen Partner heraus, auf dessen Route man ist, wobei das Spiel mit 3 Charakteren startete, aber immer wieder einen neuen dazu bekommen hat (und weiterhin bekommt), um die Langlebigkeit zu erhöhen. So weit so gut. Allerdings ist die eh schon maue Handlung, in der echt nicht viel geschieht, nicht nur in 12 auf sich alleine gestellt ziemlich unbefriedigende Kapitel unterteilt, nein diese dann noch mal in fast so viele weitere Brocken, die jeweils aus vielleicht 2 Minuten Lesearbeit bestehen, bevor der nächste geladen wird. Und jeder davon nimmt ein Storyticket ein, von denen es pro Tag nur 5 freie gibt, der Rest will gekauft werden.

Das wäre an sich nicht so schlimm, pro Tag je knapp ein halbes Kapitel lesen zu können ist ausreichend, wenn auch wie gesagt bei der mauen Haupthandlung so oder so lächerlich wenig bei rum kommt, doch dann gibt es noch weitere Checkpoints alle paar Kapitel, die entsprechend geklärt werden müssen. Durch Geld, durch Jade oder durch Skillpunkte. Die bekommt man durch Minispiele, die aber nur so häufig per Energie gespielt werden können. Abgesehen von Jade, die müssen gleich gekauft werden. Das bedeutet das ab Kapitel 4 oder 5, nachdem die Login-Bonus-Sachen aufgebraucht sind, die Handlung zusätzlich für mehrere Tage brach liegen gelassen werden muss, weil man sich erst mal das Geld oder die Skillpunkte angrinden muss, um einen Checkpoint zu bestehen. Es sei denn, man will echtes Geld investieren. Und das ist diese Storyline absolut nicht wert, vielleicht nicht mal die Lebenszeit, die man ins f2p investieren muss. Das Spiel offeriert übrigens viele CGs, nämlich in der Regel eines pro Kapitel, die meisten aber an die Jade-Checkpoints gebunden, die wie gesagt echtes Geld kosten, sonst gibt’s kein Bildchen.

Jedenfalls hatte ich Edward gewählt, der große blonde Niederländer mit den besonders herausragenden violetten Augen. Das Haupt-Gimmick der Route ist, dass er Dre Ary ständig Komplimente macht wie niedlich sie ist, und sie ihn ständig ankläfft, dies gehöre sich unter Männern nicht. Ziemlich ermüdend. Außerdem ist schnell klar, dass der unter Amnesie leidende, von einem der anderen Kerle aufgenommene Ausländer, mal als herzloser Killer ausgebildet wurde, und nun ein anderen großer blonder Niederländer ihn zurückgewinnen will. All das erstreckt sich irgendwie auf 12 Kapitel von im Schnitt 8-10 Teilen, obwohl es totaler Standard ist, ohne Besonderheiten oder großes Interesse an der Materie geschrieben wurde, und von Anfang an der komplette Verlauf klar ist. Beispielsweise macht das Spiel nichts draus, dass Edward einen anderen Kerl anflirtet, kein Ankreiden falschen Macho-Gehabes, oder Aufzeigen dass der einzige Ausländer den engen sozialen Konventionen der Japaner nicht obliegen muss, sondern er durchschaut ihre Kostümierung einfach von Beginn an #NoHomo. Als ich dann anschließend Kagura ausgewählt hatte, und bereits im ersten Kapitel der nette Kerl seine Augenklappe verliert, darunter ein rotglühendes Auge hervorkam, und sein Charakter eine 180°-Wendung zum Fieseren hinlegte, war mir klar das alle Geschichten gleich vorhersehbar und in die Länge gezogen sein würden.

Ach ja, irgendwelche Fanserive-CGs gibt es übrigens nicht, bzw. wenn dann in den nur zu limitierten Zeiten spielbaren Nebengeschichten. Nichts mit den Cast im Onsen oder zumindest den aktuellen Hauptcharakter beim Umziehen erwischen oder so. Sprich das Spiel an sich ist mehr als enttäuschend, weil es viel zu lange braucht, um sich über die Hürden gegrindet zu haben, damit man weitere drei Sätze einer eh nicht interessanten und viel zu verwässerten Story erleben darf, die noch nicht mal sonderlich attraktive CGs bereithält.

Burn Your Fat With Me! for Girl ist wie der Name schon sehr deutlich machen sollte aus der Idee entstanden, dass man fette Otakus doch in Augenfreundlichere Körperformen bekommen könnte, in dem sie es für ihre niedlichen 2D-Waifus machen. Und da das Konzept aufging, gab es die Mischung aus Galge-VN und Abnehm-App anschließend auch mit niedlichen Bishounen, die Fujoshis entschlacken.

Interessant hierbei ist, dass dies nicht beispielsweise eine Art Wii Fit ist, nur mit einer Persönlichkeit an die Trainer geheftet, die einem verschiedene Übungen zum reduzieren der Taille etc. durchgehen lassen und diverse Abnehm-Tipps verabreichen. Nein, das Ding hat einen richtigen Story-Modus zu bieten, der in mehreren Kapiteln eine oberflächliche Geschichte eines übergewichtigen Mädels, die eigentlich Mangaka werden will und Tagträumen von ihren 2D-Husbandos hinterher hinkt, welches an die Schule werdender Idole geschickt wird. Denn alle Mädels ihrer Familie müssen mit 20 verheiratet sein, aber keiner heiratet fette Frauen, also schickt Mom einen auf eine Schule, bei der das Aussehen nicht nur wichtig ist, sondern bei der man von hübschen Jungs als Motivationsfaktor plus evtl. zukünftiger besserer Hälfte umgeben ist.

Und so hilft uns Arschloch Kei, unter viel fieser Spitznahmen, welche die Spielerin auf ihr Gewicht reduzieren, mit einigen Situps etc. dabei, das Gewicht zu reduzieren. In dem man die jeweilige Übung macht und dabei immer schön brav den Bildschirm tippt, sobald ein Durchgang durch ist, weswegen das ganze natürlich den Arsch zu bewegen gecheated werden kann. Ich mein, wie sollte das Smartphone auch wissen, ob man wirklich diese Ganzkörperübungen macht? Zwischendurch müssen im regelmäßig erledigten Trainings-Modus Bonuspunkte gesammelt werden, damit das nächste Kapitel der bahnbrechenden Handlung um Abnehmen und Auftauen des arschigen Hübschlings freigeschaltet werden kann.

Grundlegend ist es ja keine schlechte Idee, das Abnehmen mit etwas Spaß in Form von visuellen Augenfreuden verbinden zu wollen. Doch das Ding ist sowas von eingeschränkt, dass es wirklich schlichtweg keine gute Zielführung bereithalten kann. Die einzigen Übungen sind vermehrte Wiederholungen von Sit-Ups in der Hauptstory, der freie Trainingsmodus nennt zwar auch drei weitere, aber die müssen gekauft werden oder so, ich hatte sie jedenfalls nicht zur Verfügung. Auch keine Anleitung, wie man jene am besten macht, oder ihre verschiedenen Arten. Dazu überhaupt keine Ernährungstipps obendrauf, abgesehen von „friss keine Süßigkeiten“. Da verliert man ja mehr Kalorien beim Masturbieren zu WiiFit-Trainer-Porn. Vielleicht lügt das Spiel einen deswegen so dreist an und meint nach 30 Sit-Ups hätte man bereits 3 ganze Kilo verloren – vielleicht dann, wenn man sich nebenbei noch ne Titte hat abnehmen lassen.

Was mir vor allem bei solchen Charakter-Stereotypen in diesen Spielen immer abgeht ist, dass man am Ende, wenn man schlank und hübsch und von allen bewundert ist, dem Kerl nicht sagen kann das er gepflegt abhauen darf, statt sich in ihn vergucken zu müssen. Aber na ja gut, er hat ja immer schön brav jeden Tag beim Mini-Workout geholfen. Und natürlich kommt später in den 9 erneut mehr als kurzen Kapiteln raus, dass der Kerl selbst auch Minderwertigkeitskomplexe hat und sich ehrlich in einen verguckte und so. Anschließend gibt es sogar noch 3 zusätzliche Date-Kapitel, die immer forciertere Gründe erfinden, warum er einen weiterhin zu Dutzenden Sit-Ups verdonnert.