[FSS] Destiny Three Fates: Clotho

Willkommen zurück bei Mamoru Naganos Langzeitwerk The Five Star Stories. Diesmal haben wir mit Destiny Three Fates: Clotho die Story Arc im Programm, welche in der japanischen Original-Auflage die Sammelbände Zwei und Drei füllt, im US-Release auf die Hefte Vier bis Acht aufgeteilt ist.

Interessanterweise fängt die Story Arc ganz ähnlich der ersten an. Denn auch hier sehen wir ein paar Randos, die wir nie wiedersehen werden, ein schlechtes Forshadowing-Gefühl entwickeln, weil die nämlich Mechs vorbeifliegen sehen, die zu den Boowrays, auch als Rainbow Seven bekannt, gehören, Söldner die eigentlich weitab im All verschollen sein sollten. Gefolgt von einer Post-Kampf-Szene, in der erneut ein Pilot eines Mortar Headds das Zeitliche segnet und seine Fatima ihm schwört ihn bis ans Ende der Zeit zu betrauern. The Five Star Stories hat es sehr mit vage-melancholischen Ausblicken in die Zukunft.

Genau genommen geht es ja darum, dass das Colus Empire vom eigentlich eher kleinen Land Hagooda angegriffen wird, dessen überhebliche Königin heimlich militärische Unterstützung vom Fillmore Empire hat. Darunter eben auch die mitleidslosen Rainbow Söldner. Während Hagooda zunächst gut Territorien übernehmen kann, ist sich Colus sicher, einen Zermürbungskrieg auf Dauer gewinnen zu können. König Colus III, der in der vorigen Story Arc Clotho an sich genommen hat, als jene der Fatima-Zuteilung entfloh, ist nur halt kein ganz geduldiger.

Deswegen vertreibt er sich unter anderem die Zeit damit, uns zu sagen, wie er auf seine eigentliche Copilotin-Fatima Ulicul traf, eine Fehde mit einem der Rainbow Söldner entstand, und auf eine sechsjährige Reise mit ihr ging. Was natürlich bedeutet, dass sie ziemlich bald ins Gras beißt, nämlich in einer der Motar Headd Schlachten während des Zermürbungskrieges. Das Amaterasu-Reich kommt helfend vorbei, und in der finalen Schlacht erfüllt sich die Prophezeiung, dass Colus III zwar seinen Wunden unterliegt, dafür die eigentlich nie einen Meister gefundene und nie einen Mortar Headd steuern wollende Clotho mit dessen ganz besonderem Mech verschmilzt, den Krieg gewinnt, und dann für eine Zeit versiegelt wird, in der das Colus Empire erneut ihre Hilfe braucht. Alles also sehr tragisch mal wieder.

Das ist übrigens das Ende von Heft 7, mit noch einem ganzen weiteren kommend. Welches prompt einen Sprung von tausend Jahren von 2900 auf 4000 macht. In eine Zeit, als es weder Colus noch Fillmore mehr gibt, sondern der ganze Joker Cluster vom Amaterasu-Reich kriegerisch geeinigt worden ist, weil Imperator Amaterasu endlich Frieden und Wohlstand für alle wollte, ob sie sich dem nun anzuschließen bereit waren oder nicht. Natürlich gibt es auch eine Widerstandsbewegung, zu der auch der Nachfahre von Colus III gehört, auf den Clotho bereits wartet. Statt nun allerdings in diese Zeitschiene richtig einzuspringen, war das nur ein Anheizer, um uns darin interessiert zu machen, wie aus Ladios Sopp/Amaterasu ein solcher Tyrann werden konnte. Denn prompt springt die Geschichte wieder nach 2900 zurück, ans Ende des Hauptteiles, und gibt uns einen kleinen Prolog zur nächsten Story Arc mit Pre-Trafficks, welches den letzten Überlebenden der Rainbow Söldner zurück in Fillmore zeigt, und dass dessen Herrscher die Verluste beim Unterstützen von Hagooda im Krieg gegen Colus bereut.

Einer besonderen Gewichtung kommt diesmal auf jeden Fall verstärkt der Beziehung der Fatimas zu ihren Headdliners, sowie Prophezeiungen zu. Denn jetzt gibt es eine ominöse Zukunftsvision vom Ende des Joker-Systems in 7777 deren Kalenders – also noch weit weg sollte man meinen, aber The Five Star Stories nimmt es mit den Zeitsprüngen wohl nicht zu eng. Auch hat Lachesis, die Fatima der ersten Story Arc, die Ladios Sopp/Amaterasu geheiratet hat, neben ihrem trotteligen selbst auch noch eine prophetische Schicksalsschwester, die in ihrem Unterbewusstsein haust. Sowie lässt Clotho tottraurig fallen, dass es ihr Schicksal sein wird gegen Amaterasu und Lachesis kämpfen zu müssen. Irgendwann in der Zukunft. Wahrscheinlich gegen der 4000er-Zeitlinie, in die wir einen kurzen Ausblick hatten.

Es wird eben auch mehrmals angesprochen, dass die Piloten der Motar Headds auf kurz oder lang – meist auf kurz – ihren Fatimas verfallen. Die Königin, die mit Colus III verheiratet ist, ist beispielsweise absolut eifersüchtig darauf, dass dessen wahre Liebe Ulicul ist. Und meint auch etwas verbittert, dass wahre Frauen wohl eher schlecht an die ewig jungen Fatimas, die ihre Headdliner immer an die erste Begegnung erinnern, und ihnen treuergeben sind, ankommen können. Die Rainbow Söldner behandeln ihre Fatimas hingegen wie absolute austauschbare Wegwerfwahre, sind ihren Ehefrauen dafür aber treu, nur damit am Ende in Pre-Trafficks der letzte Überlebende doch seiner Fatima verfällt, nachdem die ihm immer zur Seite gestanden hat.

Das ist natürlich eh eine etwas… komische Sache. Ich weiß nämlich nicht, ob dies ein besonders gutes Licht darauf wirft, wie liebenswert die Fatimas doch sind. Oder ein schlechtes Licht auf die Piloten, die eine ewig junge Sklavin einer echten Frau mit eigenem Willen vorziehen. Denn was schnell vergessen werden kann, weil abgesehen der Rainbows alle anderen Headdliner ihre Fatimas absolut liebevoll und gleichberechtig behandeln, ist: Fatimas sind darauf programmiert ihren Meistern zu gehorchen. Die drei Schwestern Clotho, Lachesis und Atropos sind die einzigen mit einem autarken Willen (und es wird impliziert, dass genau diese Komplexität der Menschlichkeit es ist, weswegen Atropos sich von ihrem Erschaffer abgewendet hat). Selbst wenn sie es wollten, könnten die Fatimas ihren Headdlinern also gar nicht wiedersprechen.

Ein wenig weitere Hintergründe zu den Motar Headds bekommen wir zudem. Beispielsweise hat man sich bewusst dafür entschieden, Schlachten nun mit diesen Super-Mechs durchzuführen, weil die natürlichen Ressourcen eines Landes so wichtig sind, und nukleare Waffen etc. davon zu viel zerstören würden. Oder das der Bau eines Motar Headds eine langwierige und komplizierte Sache ist, und die Mechs fast wie Neugeborene sind, die erst mal rund laufen müssen, ja von ihren Fatimas beschwichtig werden. Eine ominöse Lücke in der Nummerierung der Fatimas wirft auch schon unheilschwangere Schatten voraus: Wer und wo ist Nr. 42?

Es ist und bleibt übrigens im Universum des Joker Clusters die Regel, dass je höher die Position eines Menschen ist, umso übertriebener deren Fashion Sense wird. Wirklich faszinierend, wie viele Charaktere es hier gibt, und Nagano einen dennoch weiterhin mit neuen Ausartungen zu schockieren weiß.

Durch jene vielen Charaktere, die mehr oder weniger groß eine Rolle zu spielen wissen, und gerade deren auch teilweise ebenso abgefahrene Namen, ist Destiny Three Fates: Clotho etwas anstrengender zu lesen, bzw. am Ball zu bleiben. Die eigentliche Handlung und Themen sind gar nicht zu komplex, aber eben durch die vielen merkwürdigen Namen, und die vielen eingestreuten vagen Andeutungen über Schicksal und Prophezeiungen, wird das ganze etwas vertrackter in der Umsetzung. Allerdings auch interessanter, ich zumindest war hier voll am Ball, vielleicht auch weil das Hauptaugenmerk von Ladios Sopp/Amaterasu und seiner Lachesis weggegangen ist zum interessanteren und tragischeren Pärchen Colus III und Clotho. Ja die zweite Story Arc ist mitunter so dramatisch und philosophisch-luftig, dass die eingestreuten Comic Relief Momente mittlerweile geradezu fehl am Platz wirken. The Five Star Stories hat sich über Destiny Three Fates: Clotho jedenfalls eine ganze Ecke interessanter in meinen Augen zu machen gewusst als beim noch reservierten Destiny Three Fates: Lachesis.

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[FSS] Destiny Three Fates: Lachesis

Mamoru Nagano ist schon eine sehr interessante Persönlichkeit. Neben Designs für Anime und dem Zeichnen seiner eigenen Manga ist er beispielsweise auch nebenbei als Musiker oder Fashion Designer tätig gewesen. Außerdem hat er eine sehr starke Hand auf seine Kreationen, die zum Großteil Eigentum seiner eigenen Firma bleiben. Sein 2012er Anime Gothicmade beispielsweise ist bis heute nicht auf Heimvideo erhältlich, weil Nagano dies nicht will, sondern wird nur sporadisch auf japanischen Kinoleinwänden vorgeführt. Außerdem ist er gut befreundet mit einem weiteren speziellen Auteur, Kunihiko Ikuhara (Sailor Moon S, Utena, Penguindrum, Yurikuma), von denen es auch gemeinsame Bilder im Sailor-Cosplay gibt.

Sein Magnum Opus ist allerdings The Five Star Stories. Ein Manga, den er 1986 kurz nach dem Start seiner Karriere begonnen hat, und der bis zum heutigen Tage läuft. Nicht ununterbrochen, in den 32 Jahren hat er es bisher „nur“ auf 14 Bände gebracht, da Nagano immer wieder größere Pausen einlegt (maßgeblich die 9 Jahre zwischen Band 12 und 13). Aber jeder neue Band schafft es erneut auf die Bestseller-Listen, FSS hat es also zu einem gewissen Urgestein und Klassiker-Status gebracht.

2015 habe ich ja mal den Anime besprochen, der doch irgendwie leicht verwirrend war, obwohl eigentlich total banal von der Handlung her. Es hat mich also somit mal wieder drei Jahre gebraucht, aber jetzt, wo ich dessen Details schon wieder total vergessen habe, ist zum Vergleich auch der Manga gelesen. Beziehungsweise dessen erstes Volumen, Destiny Three Fates: Lachesis, auf dem besagter Anime basiert.

Überrascht hat mich, dass die Geschichte so gesehen eigentlich identisch ist zum Anime, welcher in seinen 65 Minuten eigentlich kaum etwas von Wichtigkeit auszulassen schien. Vielleicht mal abgesehen vom Prolog-Kapitel, welches als Anheizer dient, um sich auch das nächste Kapitel reinziehen zu wollen, bevor die Story 20 Jahre in die Vergangenheit springt, und welches an sich nicht schlecht ist, aber für einen kompletten Film natürlich doch etwas unnötig erscheint.

Wir sind also im Joker-Cluster, welcher hauptsächlich aus 4 Planeten besteht, und in dem Krieg herrscht. Der ausgefochten wird in Mechs mit Namen Mortar Hedd, welche so mächtig sind, dass die Piloten seit ihrer Kindheit dafür trainiert werden müssen, und zusätzlich noch Fatimas benötigen. Fatimas sind humanoide Betriebsmaschinen, designt als wunderschöne Frauen, die zusätzlich absolute Unterwerfung einprogrammiert bekommen. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

Dr. Ballanche ist derjenige, der die Fatimas produziert, und hat mit den nach den Schicksalsgöttinnen benannten drei Schwester seine finale Produktionslinie beendet, denen er allerdings den freien Willen gelassen hat. Nun ist es so, dass bisher blutige Auseinandersetzungen vorherrschten, um an die Fatimas zu kommen, weswegen diese mittlerweile bei einer Festivität vorgestellt werden, an der alle Flieger von Mortar Hedds teilnehmen können, und sich die Fatima dann ihren Meister aussucht. Ein solches Festival steht für die verbliebenen zwei Schwestern Lachesis und Clotho an, wobei Veranstalter Fürst Juba sie lieber als seine eigenen Sexsklaven behalten will. Wählt eine Fatima nämlich keinen Meister, so bleiben sie bis zur nächsten Wahl in der Obhut des Lehnsherrn.

Unser Hauptcharakter Ladios Sopp ist ein Mortar-Hedd-Ingenieur und ein guter Freund von Ballanche, der die Schwestern schon seit ihrer Kindheit kennt, und Clotho versprach mal ihr Meister zu werden und ihr einen goldenen Mech zu bauen. Es geht ein wenig hin und her an Geplänkel zwischen den MH-Adligen, mit Slapstick ob Sopps Aussehen wie eine Frau, Juba darf ein wenig ein Creep sein, und Clotho fliehen und sich einen Meister außerhalb der Mauern suchen. Nachdem er dann Zuspruch von seiner toten Frau bekommen hat, rettet Sopp endlich Lachesis, offenbart das er eigentlich der Sonnenkaiser Amaterasu ist, und verheiratet sich mit der Fatima.

Um ehrlich zu sein sieht man The Five Star Stories, zumindest in Destiny Three Fates: Lachesis, was ja immerhin mit einem Band als Story Arc auch eher kurz geraten ist, stark an, dass Nagano eigentlich eher ein Designer ist. Gerade die englische Edition (die ein paar Jahre auf den Buckel hat, deswegen den Band in 3 großformatige Hefte unterteilt und sich ausgiebig für die rechts-nach-links Leseweise entschuldigt) kommen mit reichlich Background an, die in Japan in einem späteren Companion-Buch zur Franchise abgedruckt wurden. Jede Menge Charaktere und Mechs werden gezeigt und erklärt, die im Manga soweit noch gar keine Relevanz haben, die einzelnen Schiffdesigns erläutert, der Kalender das Sonnensystems mit den vorigen wichtigen historischen Ereignissen abgedruckt etc. Hier hat jemand seine Freude daran gehabt eine dichte Welt zu erschaffen und vor allem seiner Fantasie was Chara- und mechanische Designs angeht freien Lauf zu lassen. Dürre Mädels mit enormen Schulterpolstern, Charaktere mit den steilsten Frisuren, wuchtige bis filigrane Kampfmechs und ganze fliegende Inseln als Königspaläste.

Aber das täuscht vorerst nicht darüber hinweg, dass die erste Story-Arc noch nicht so viel hergibt. Ganz wie beim Anime, wenn auch mit der einen oder anderen Erklärung mehr, weswegen die Verhalten der Charaktere doch stimmiger und schlüssig erscheinen, ist die eigentliche Handlung abseits der schrägen Designs und der übertrieben vielen Namen eigentlich sehr geradlinig und gar etwas unbesonders. Es ist klar, dass hier der Grundstein für ein größeres Werk gelegt wurde. Ich bin mal darauf gespannt, ob die späteren Bände das einlösen werden, oder weiterhin durchscheint, dass Nagano einfach gern Sachen designt und dies hier als reines Vehikel herhält, um sie präsentieren zu können. Soweit verbleibe ich erst mal nach all dem Prestige, der The Five Star Stories anhängt, etwas unbeeindruckt aber doch dem Kommenden gegenüber fasziniert.

Let’s Raidou Kuzunoha – 10. The Lonely Spirit

ava-1852Raidou Kuzunoha ist einer der Lieblingscharaktere von Kazuma Kaneko, der Hauptmensch hinter der MegaTen-Serie, seit Cozy Okada zu Beginn der PS2-Ära gegangen ist, um seine eigene erfolglose Firma zu gründen. Und als solcher war Kaneko schon immer sehr auf mehr Fälle des Devil Summoners der Taisho Ära erpicht. Neben versus The Soulless Army und versus King Abaddon gibt dann tatsächlich noch drei weitere in anderen Medien: versus The Lone Messenger, ein Roman der noch vor dem ersten Spiel angesiedelt ist; und dann die beiden nach den Spielen kommenden versus The One-Eyed God Drama-CD, sowie versus The Lone Marebito Manga in sechs Bänden.

Sowohl der Manga wie der Roman haben eine Fantranslation… aber ähnlich jener zu den Digital Devil Story Büchern sind sie leider unfertig. Der Roman hat sein ersten Kapitel (bis Seite 15 von 250) in 2009 übersetzt bekommen und dann war nichts mehr. Der Manga ist noch laufend, also nicht in Japan, dort ist er mit Band 6 beendet, aber die englische Fantranslation läuft noch, ist kürzlich bei Kapitel 9 angekommen – was aber auch gerade mal halb durch Band 2 ist, also noch einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Ding seit 3 Jahren ziemlich unregelmäßig rausgehauen wird, 2014 sah gerade mal ein übersetztes Kapitel.

Der Manga ist jedenfalls recht unterhaltsam, und bietet zu Beginn weitestgehend episodische Fälle von Raidou Kuzunoha, in denen die Bevölkerung der Hauptstadt durch einen Dämonen bedroht wird, und er denjenigen ausschaltet. Wobei bereits erste Hints auf eine größer angelegte Handlung erscheinen, da Raidou und Narumi zum einen eine „Prinzessin“ im Auftrag der Yatagarasu verstecken müssen, und eine geheime Organisation scheinbar hinter einigen der neuen Probleme in der Hauptstadt steckt. Genau genommen endet Kapitel 9 genau damit, dass jene und Raidou zum ersten Mal richtig aufeinandertreffen.

Als jemand, der die Spiele gezockt hat, stöhnt man natürlich hier und dort ungewollt etwas auf. Wenn beispielsweise jemand Futsunushi beschwört, und Goutou meint, dies sei ein alter Gott und er könne nicht fassen, dass jemand ihn handhaben kann. Bitch please, Futsunushi ist einer der einfachsten Gegner in den Finaldungeons gewesen und mein Raidou hat fünfzehn Level höhere Beelzebubs und Metatrons dabei gehabt. Oder wenn Anzu auftauchen, und gewarnt wird, dass ihre Winde selbst Stahl schneiden können. Bitch please, Anzu ist Level 20 oder so und kann gerade mal Mazan!

Eigentlich fängt der Manga den Vibe der Spiele, besonders im Falle des erstens, recht gut ein. Es gibt ein wenig Dämonenaction, ein paar coole Posen von Raidou, gleichzeitig bleibt die ganze Sache von Gefühl her aber recht leichtherzig, da es auch viele humorige Einlagen gibt, gerade auch darin, wie die Charaktere miteinander umgehen. Die von Raidou beschworenen Dämonen bekommen sogar auch ein wenig Charakter, denn ihre Manierismen und Geplänkel während der Kämpfe ist schon ganz unterhaltsam, eben nicht unähnlich ihren Sprüchen in den Spielen. Die Poltergeister sind sowieso herzallerliebst.

Joa, ist also doch sehr lesenswert geworden, dieses Raidou Kuzunoha vs. The Lone Marebito. Schon etwas schade, dass man nicht das ganze Ding lesen kann, sondern quasi gerade mal den Beginn, es sei denn man ist des Japanischen mächtig.

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Moon Twilight Flash!, or Rereading Sailor Moon and Sailor V

ava-1449Ah, der Manga mit dem alles angefangen hat. Nein, nicht Sailor Moon, sondern Sailor V. Die ersten Kapitel waren erfolgreich genug, dass die Option auf eine Anime-Umsetzung bestand, jedoch wollte Takeuchi Cast und Storyline lieber erweitern und begann deswegen Sailor Moon. Sailor V lief zwar weiter, war aber definitiv ein Nebenprojekt, so brachte es Sailor V letztendlich nur auf 3 Sammelbände, während Sailor Moon 18 hat. Zumindest in der Originalauflage, zum 10-Jährigen gab es einen Reprint in 12 (+2) – ich hab noch die alte Version, gespiegelt und mit deutscher Namensgebund für Verwandlung und Attacken.

Was mir diesmal besonders aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass sich doch die Story Arcs von Beginn an voneinander unterschieden. In Erinnerung hatte ich nur, dass dies später hin so wäre, aber auch schon in der ersten Geschichte gibt es einige Unterschiede, die eben im Verlauf des Mangas nur umso größer werden. So weit gehend, dass Sailor Stars im Manga mit Sailor Stars im Anime so gut wie gar nichts mehr zu tun hat, außer die gleichen Mitspieler zu bieten (und selbst da hat der Manga letztendlich mehr). Auch geht im Manga alles viel schneller voran, weil eben die Füllepisoden der TV-Serie fehlen, sondern in jedem Kapitel eben nur Story-relevantes geschieht.

Ich muss sagen, dass ich diesmal wohl Manga und Anime relativ gleichauf setzen würde, denn manche Dinge fallen mir in den Story Arcs des einen besser, dann mal wieder im anderen. Nur bei Sailor Stars muss ich definitiv die Manga-Version favorisieren, die doch viel weitläufiger und fieser geraten ist.

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Im Manga ist beispielsweise Mamoru ein stärkerer Charakter, der etwas mehr zu tun bekommt, als ein hübsches Accessoire zu sein, der immer mal wieder moralische Unterstützung liefert. Auch erfahren wir hier sein Alter, für diejenigen, die ihn wie ich etwas suspekt alt für Usagi fanden: Zu Beginn ist er 17/18 und geht auf die Oberstufe, erst im späteren Verlauf ist er Frischling an der Uni. Auch kommen im Manga die „alten“ Kriegerinnen nicht zu kurz, wenn es neue gibt, sondern haben alle eigentlich relativ gleich viel „Screentime“. Ja wir bekommen sogar etwas mehr über ihre Familienverhältnisse der Mädels mit, während in der TV-Serie nur Usagis wirklich je präsent ist und die anderen mit ein oder zwei Sätzen abgetan werden.

Dafür kommen die Bösen manchmal etwas kurz, gerade in der ersten Geschichte. Die ganze Romanze zwischen Naru und Neflite oder Zoisite und Kunzite existiert hier nicht. Überhaupt werden viele Feinde erschreckend schnell und ohne große Fanfare besiegt. Das ist dann doch der Vorteil der Filler, wir verbringen zumindest mehr Zeit mit den gleichen Antagonisten. Auch wirkt durch die Kürze der Geschichte Usagis Eifersucht auf Chibi-Usa in der zweiten Arc noch mehr fehl am Platz, während die drei Outer Senshi in der dritten Arc ihre Talismane schon gleich mitbringen, deren Auftauchen im Anime eine der Storyhighlights der ganzen Serie ist.

Auffällig zudem, dass der Manga häufig zu vielen Dingen wesentlich mehr pseudo-wissenschaftliche Erklärungen parat hat, während solche Sachen im Anime eher vage gehalten werden, was ihm einen romantischeren/märchenhafteren Einschlag gab.

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Überrascht hat mich auch, dass die Stories der meisten Specials, die im Original-Manga immer mal wieder als Bonuskapitel eingefügt sind, während sie in der Neuauflage auf zwei Bonusbüchlein zusammengenommen wurden, in animierter Form vorliegen. Das einen kompletten Band füllende Kaguya hielt natürlich für den zweiten Film her, aber auch viele andere haben es in ähnlicher Form in eines der Specials oder auch eine reguläre Episode geschafft.

Und um letztendlich noch mal auf den „Vorreiter“ Sailor V zurück zu kommen: Ihre Vorgeschichte im Anime hat mich immer etwas gestört. Eine 13-Jährige, die eine nicht spezifizierte aber wohl doch geraume Zeit allein in London mit der Polizei arbeitete? Im Manga ist dann auch alles anders, und man sieht ihm den „Proto-Sailor-Moon“ doch an. Minako ist Usagi ja sowieso in vielen Dingen ähnlich gewesen, der Manga unterstreicht das nur noch. Allgemein hat jener allerdings eine viel episodischere Struktur, in der Sailor V in jedem Kapitel ein neues Böse des Tages bekämpft, bis dann das finale Kapitel es in die Vorgeschichte zu Sailor Moon einflechtet.

Junji Ito: Mimi no Kaidan

Die längeren Handlungen vom Herrn Ito sind jetzt so ziemlich abgegrast, jedoch hat er eine Vielzahl an Oneshots gezeichnet, die in diversen Sammelbänden zusammengefasst sind. Darunter auch Mimi’s Ghost Stories, wohl basierend auf einer Romanvorlage, die in sechs Kapiteln diverse, voneinander unabhängig Ereignisse erzählen, allerdings durch die Titelgebende Mimi zusammengehalten, die wohl das Unglück hat, überall, wo sie auftaucht, Geister anzuziehen.

In „The Woman Next Door“ ist sie beispielsweise in eine neue Bleibe gezogen, hat dort sehr merkwürdige Nachbarn, alles unterschiedliche Frauen, die nie ein Geräusch von sich geben, nie mit den Nachbarn interagieren und in ihren wenigen Gängen in die Außenwelt komplett in Schwarz gehüllt sind. In „Sound of Gras“ hat sie sich mit ihrem Freund im Park verabredet, wo sie eine erhängte Frau auffinden, deren Leiche sie plötzlich von jedem Winkel aus betrachtet. Ähnliches passiert ihr in „The Graveman“, nachdem sie endlich von den seltsamen Nachbarn in ein neues Gebäude umgezogen ist, dass sie sich als arme Studentin nur leisten kann, weil es direkt gegenüber eines großen Friedhofes liegt, beginnen nämlich plötzlich die Gräber sich zu ihrem Fenster hin auszurichten.

In „The Seashore“ macht sie dann erholsamen Urlaub mit Freunden am Strand, der gar nicht so erholsam ist, streift doch schon in der ersten Nacht eine verwesende Wasserleiche an Mimi vorbei. Bei „The Two Of Us“ soll sie nun auf ein Kind aufpassen, das vom Geist seiner kürzlich verstorbenen Mutter belästigt wird nur um dann schließlich in „The Scarlet Circle“ von einer Freundin einen Geheimraum unter deren Haus gezeigt zu bekommen, wo nach und nach Familienmitglieder spurlos verschwinden.

Kurzgeschichten liegen dem Kerl definitiv, immerhin schäumt er nur so über vor Ideen über Ideen, denen er hier in kurzen, meist tatsächlich unheimlichen (zumindest bis man dann langsam raus hat, dass Mimi all diesen Geisterscheinungen begegnet, ohne das je eine davon zu einer Bedrohung wird, sondern lieber ein bisschen unheimlich vor sich hin lebt, dann aber immer noch zumindest atmosphärischen) Begebenheiten Raum geben kann, ohne mit irgendwelchen Erklärungen aufkommen zu müssen oder die Sache durch eine längere Handlung unnötig zu verkomplizieren. Ganz so verrückt und wendungsreich, wie man das von den langen Geschichten gewohnt ist, werden sie dadurch freilich nie, aber ich mag die in sich geschlossenen, simplen Konstrukte eh mehr.

Junji Ito: Yon & Mu

Junji Ito mag durch die Bank weg Horror-Manga zeichnen, doch bevor er zum richtigen Berufsmangaka aufstieg, zeichnete er als Hobby gern auch die eine oder andere Comedy. In einer Frage-Antwort-Session meinte er sogar, bei einigen seiner damaligen Horrormangas mittendrin die Lust verloren und sie in einen Funny geändert zu haben. Ja, die Sache mit dem mittendrin einfach mal aus dem Nichts mit was Neuem kommen, die hab ich seinen Serien schon angemerkt.

Enter Itou Juni no Neko Nikki: Yon & Mu, sein zehn kurze Kapitel umfassendes Werk, das keinerlei Horror enthält. Der Name übersetzt sich zu Junji Itos Katzentagebuch: Yon & Mu und genau das ist es, leicht autobiographisch geprägte aber natürlich karikaturisierte Slice of Life über das Leben mit zwei Katzen. Horror-Mangaka J zieht nämlich mit seiner Verlobten A-Ko in eine neue Wohnung und muss nun mit deren zwei Katzen, wo er doch eigentlich mehr der Hunde-Typ ist, sein Leben teilen.

Überraschenderweise verliebt er sich ziemlich schnell in die zwei Biester (ich bin auch mehr der Hunde-Typ btw, die gehorchen einem wenigstens und kacken nicht in der Wohnung), nur fällt deren Liebe stets mehr gen A-Ko aus, was ihn natürlich frustet. Außerdem muss er sich dran gewöhnen, dass die Viecher alles zerkratzen, versuchen wegzulaufen oder das eine davon auch einfach nur unheimlich ist, mit ihrer Munks-Schrei-Zeichnung auf dem Rücken.

Tja, der Manga ist eben ein kleiner Quicky zwischendurch, zehn Kapitel a ungefähr zehn Seiten, manchmal auch zwei oder fünf mehr. Der Humor ist dabei gar nicht so schräg und überdreht, wie man das vom Herrn Ito eigentlich denken mag, schaue man sich mal seine Horrorstories an, aber dafür ist es eben Slice of Life. Kein großer Wurf, aber ganz nett.

Junji Ito: Hellstar Remina

Ein Wissenschaftler hat einen neuen Planeten entdeckt. Aber nicht irgendeinen, sondern einen, der durch ein Wurmloch aus einem Paralleluniversum in unseres rübergekommen ist, was auch seine Theorie beweist, dass dies möglich ist. Genannt hat er den Planeten Remina, nach seiner Tochter. Die bekommt dadurch ein enormes Popularitätshoch, die Öffentlichkeit ist allein wegen dem gleichen Namen hoch an ihr interessiert, also lässt sie sich bequatschen, ein Idol zu werden.

Doch Planet Remina, kommend aus einem anderen Universum, befolgt nicht unsere physikalischen Gesetze, bewegt sich in seltsamen Bahnen, wird schneller und langsamer, bricht sogar die Lichtgeschwindigkeit… und zerstört andere Sterne. Plötzlich bleibt er stehen und beginnt dann einen direkten Sprint gen Sonnensystem und unserer Erde. Die Menschen werden panisch und kommen auf die Idee, dass der Wissenschaftler und seine Tochter den gleichnamigen Höllenplaneten gerufen haben und das unwiederbringliche Ende nur aufgehalten werden kann, in dem man sie opfert. Die Jagd auf das Idol ist eröffnet.

Hellstar Remina ist wohl mit Uzumaki der Manga von Junji Ito, dem man die Lovecraft-Inspiration am stärksten anmerkt. Einfach durch dieses unerklärliche Planetenwesen, stammend aus einer fremden Dimension. Das Teil hat Augen und eine Tentakelzunge und all so schöne Dinge. Und die Menschen im Manga macht das Ding durch die Bank weg wahnsinnig. Wobei das natürlich auch teilweise einfach die Endgültigkeit der Gesamtsituation ist, die einfach die Psyche vieler zerspringen lässt. Wenn von jetzt auf gleich feststeht, dass alles Leben auf dem Planeten ausgelöscht wird und es keine Hoffnung auf Rettung gibt, da kann man sich schon mal verlieren.

Es ist übrigens auch einer jener Manga von Ito, die mir gut gefallen haben. Die Sache ist die, interessant sind sie alle, häufig aber so überbordet mit schrägen Ideen und mit zunehmenden Kapiteln einfach mehr und mehr dort draufklatschend, dass ich irgendwann einfach ein Stück weit die Relation zu Handlung verliere und nicht mehr so ins Geschehen investiert bin. Ich mag den Beginn der meisten Ito-Mangas, aber nicht unbedingt immer die Richtung(en), in die sie sich dann entwickeln. Hellstar Remina bleibt die ganze Geschickte über bei seiner simplen Prämisse des Höllenplanetens, der sich anschickt, die Erde zu fressen und die Jagd auf Remina. Es kommen keine weiteren schrägen und super komplizierten Ideen dazu, es entwickelt sich alles recht geradlinig und gerade das gefällt mir hier. Und keine unnötigen Erklärungen ob des Geschehens.

Auch hier übrigens das gewohnte Bonuskapitel, Army of One genannt. Gruppen von Menschen werden tot und aneinandergenäht aufgefunden, gerade als ein Hikikomori sich dazu entschließt, vielleicht doch aufs Klassentreffen zu gehen, das anberaumt wurde. Doch Zusammenkünfte werden immer gefährlicher, die Gefahr als toter Menschenhaufen zu enden, größer, also ist sein Hikikomori-Lifestile plötzlich akzeptabel. Nette Idee, das.

Junji Ito: Black Paradox

Vier Menschen haben sich über den Black-Paradox-Chat zu einem Suizidzirkel verabredet. Eine von ihnen hat schreckliche Vorahnungen von der Zukunft und will lieber sterben, statt sie wahr werden zu sehen. Die andere ist darauf fixiert, dass ihr Spiegelbild lebt und ihren Tod prophezeit. Der Dritte im Bunde sieht gehäuft seinen Doppelgänger, was ein Todesomen sein soll. Und der Letzte hat einen perfekten Roboter nach seinem Abbild geschaffen und damit sich selbst obsolet gemacht. Sprich außer Nummer 1 haben sie alle eine Geschichte um einen Zwilling. Doch Eins sieht bei ihrer Fahrt in den Wald eben genau jene Doppelgänger der anderen Drei ebenfalls vorbei fahren. Während des Suizidversuchs stellt sie fest, dass die, mit denen sie unterwegs ist, eigentlich die Fälschungen sind, die sich auch zum Suizid verabredet haben und flieht, läuft den Echten in die Arme.

Sie vertagen ihr kleines Unternehmen also und treffen sich zu viert später erneut zum Selbstmord. Doch drei von ihnen schlucken die Pillen nicht, hat sich doch Misstrauen gegenüber den anderen gebildet. Und wer will schon der einzige sein, der sich selbst umbringt, wie peinlich ist das denn? Doch auch derjenige, der sich erfolgreich umgebracht hat, erwacht plötzlich wieder und beginnt seltsame Steine auszuspucken, die die Menschen in ihren Bann ziehen.

Willkommen zurück in der seltsamen Welt des Junji Itos, bei dem Geschichten grundsätzlich nie in die Richtung gehen, die man von ihnen erwartet. Black Paradox scheint im ersten Kapitel, dem durch die Doppelgänger gescheiterten Selbstmord, noch wie ein extrem schwarzhumoriger Kommentar auf Japans enorme Suizidrate. Immerhin gibt es jene Zirkel wirklich, nicht ganz unverständlich in einem Land, in dem soziale Normen extremst einengend sind und man vor Lernen oder Arbeit eh kein Privatleben haben dark. Lebensmüdigkeit ist da schon fast eine Volkskrankheit.

Doch dann kommen die seltsamen Steine ins Spiel, die durch einen Magen, in dem sich ein Portal zum Jenseits gebildet hat, in unsere Welt gespien werden und was für seltsame Auswirkungen jene haben, statt uns einen wiederholt durch seltsame Vorkommnisse scheiternden Selbstmordklub zu präsentieren. Weil ein Manga von Junji Ito eben nicht einfach und (vergleichsweise) bodenständig bleiben kann, sondern immer komplett in den Wahnsinn abgleiten muss. Das macht wie bereits mehrfach erwähnt durchaus auch eine Reiz aus, immer zu sehen, wo das jetzt noch hinführen kann. Immerhin ist Black Paradox für Ito-Verhältnisse sogar echt kohärent geworden und somit gleitet man geistig nicht ganz so sehr ob des Irrsinns ab, wie in anderen Stories, bleibt immer ein Fokus erhalten.

Auch hier übrigens wieder zwei Bonuskapitel, zum einen „Licking Woman“, in dem eben eine Verrückte Menschen ableckt, die dann an einer Hautkrankheit sterben. Kurze, knackige 30 Seiten ohne Erklärung, warum das passiert, die es aber auch so nicht braucht. „Mystery Pavillion“ ist sogar nur 5 Seiten lang und dementsprechend nicht der Rede wert.

Junji Ito: Uzumaki

Auch zu Uzumaki habe ich bereits die Verfilmung gesehen, was aber fast zehn Jahre her sein wird, im Gegensatz zu Tomie und Gyo ist also diesmal beim Manga viel für mich zumindest so gut wie neu. Vielleicht sollte ich etwas später die DVD noch mal rauskramen und das Teil zum Vergleich erneut schauen. Wobei natürlich ein bisschen was vom Film beim Lesen wiedergekommen ist.

So, wie es mir kommen wollte, scheint jener sich nämlich hauptsächlich auf die ersten zwei Kapitel, den Tod von Shuichis Eltern, zu versteifen und das mit ein paar der schrägen Einfälle aus späteren Kapiteln auszuschmücken. Der Manga mit seinen drei Bänden legt nämlich da erst so richtig los, was den Spiralen-Fluch angeht.

Aber mal ganz von vorn. Es geht um eine japanische Kleinstadt, die eben von Spiralen besessen ist. Zunächst merkt man davon noch kaum was, auch wenn der regelmäßig die Nachbarstadt besuchende Shuichi bereits erwähnt, dass über der Heimatstadt eine schlechte Atmosphäre läge. Und dann ist sein Vater plötzlich besessen von Spiralen, sammelt das ganze so geformte Zeug, dem er habhaft werden kann und bekommt es sogar zustande, in Form einer Spirale zu sterben. Seither hat seine Mutter eine Phobie vor den Dingern und entfernt sich alle vom Körper, wie Haare oder Fingerabdrücke. Bis sie rausfindet, dass ein Teil des Innenohres auch wie eine Spirale aussieht und sich somit eine Schere in jene treibt, was sie nicht überlebt. Der Rauch, der beim Verbrennen ihrer Leichen aus dem Schornstein aufsteigt dreht sich auch spiralförmig und wird in den Libellen-Teich im Stadtkern gesogen.

Das sind im Prinzip die ersten zwei Kapitel, danach zieht sich Shuichi bei sich zu Hause zurück und wird immer verschrobener, der Blickwinkel geht mehr auf seine Freundin Kirie (die schon vorher die Erzählerstimme war) und wird erst Mal sehr episodisch, erzählt uns mehr und mehr übernatürliche Begebenheiten um Spiralen, in die die Stadt abzudriften scheint. Von Haar, dass ein Eigenleben bekommt und sich spiralförmig lockt; Hautkrankheiten, die Spiralknorpel entwickeln; bis hin zu Menschen, die sich in Schnecken verwandeln. Manche Einfälle sind unheimlich, einige sehr schräg, ein paar darunter auch etwas blöde. Aber an Kreativität mangelt es dem Herrn Ito ja bekanntlich zumindest nicht. Gegen Ende, nachdem Handlung und Stadtbewohner immer mehr und mehr in den Wahnsinn abgedriftet sind, die Spiralen schleichend präsenter wurden, gibt es wieder etwas mehr roten Faden, dem man die Lovecraft-Inspiration etwas ansehen mag.

Uzumaki hat mir zumindest von Itos Mangas bisher am besten gefallen. Es war kreativer wie Tomie, dabei aber nicht so übertrieben wie Gyo. Sondern herrlich schräger, schleichend-kreativer Horror ohne jegliche Erklärung der ganzen Geschehnisse.

Junji Ito: Tomie

Nach neun Tomie-Filmen, keiner davon per se wirklich gut, nun also auch der Ursprung des Übels, der Manga von Junji Ito. Das Werk, das ihn berühmt gemacht hat, seine bekannteste Reihe, die selbst nach acht schlechten Filmen noch einen weiteren garantieren konnte. Hab ich schon erwähnt, dass es ganze neun Filme gibt? Und das die nicht so pralle sind?

Die Sache besteht übrigens aus drei Bänden, zwei ursprüngliche Tomie-Bände, in denen seine älteren Kapitel über sie zusammengefasst wurden, und dann ein späteres Tomie Again. Überrascht war ich zunächst, dass die Filme sich doch, wenn auch keiner wirklich eine Geschichte aus ihnen nacherzählt, so doch thematisch nah dran hält. Es geht natürlich auch um ein komplett von sich selbst eingenommenes, ziemlich hohles, aber hübsche Mädel, deren bloße Anwesenheit Männer zuerst in bedingungslose Liebe (anders wäre so eine Schickse auch nicht dauerhaft zu ertragen) und dann in den Wahnsinn treibt, bis sie Tomie umbringen und aus den Stücken neue Tomies wachsen und das Ganze von vorn beginnt. Viele Dinge des Mangas kommen auch im einen oder anderen Film vor. Beispielsweise die Fotografien Tomies, die ihre monströse Seite aufdecken. Oder der Tomie-Kopf, der einer Patientin aus dem Bauch operiert wird und dann im Keller des Krankenhauses in einem Aquarium zu einer ganzen Succubus heranwächst. Oder die ganze Schulklasse, die in Gemeinschaftsarbeit Tomie zerstückeln, über ihre hervorragend gesunden Organe quatschen, und jeder ein anderes Stück mitnimmt, um es verstecken zu müssen.

Der Unterschied zwischen Manga und Film ist weitestgehend, dass der Manga viel kürzer ist. So ein Kapitel ist zwischen 30 und 60 Seiten, ein paar Geschichten gehen zwar schon mal über zwei oder drei Kapitel, doch viele sind Oneshots. Das ist, denke ich mal, auch einer der Gründe, warum der Manga besser ist. Die Langeweile kommt nicht so auf, eine simple Story um eine simple Prämisse funktioniert in 30, 60, von mir aus auch 100 Seiten (bezeichnenderweise mag ich allerdings die Oneshots mehr, als die längeren Geschichtchen), in 100 Minuten Film hingegen – dann noch neun Mal – müsste etwas mehr Butter bei die Fische, um das Interesse zu halten. Es passiert einfach nicht genug in den Filmen. Zudem ist der Manga natürlich erneut visuell wesentlich grotesker, als die Low Budget Filme. In den kurzen, weitestgehend unabhängigen Kapiteln, stört es dann auch nicht so sehr, dass die Charakterzeichnung etwas mau sein kann, Tomie ziemlich hohl und passiv ist, es keinerlei Erklärungen zum Phänomen und Wesen der Tomie gibt – das sich die Tomies untereinander hassen beispielsweise, tut Tomie selbst mit einem Schulterzucken ab und meint, es wäre halt so… macht aber irgendwo auch Sinn, dass ein so egomanes Drecksstück keine Doppelgänger von sich selbst duldet. Alles Dinge, die die Filme bereichert hätten, deren Fehlen in kurzen, auf den Horror fokussierten Manga-Kapiteln aber nicht so stark ins Gewicht fallen.

Dennoch konnte mich der Tomie-Manga auch nicht so ganz mitreißen (wobei ich den Again-Band ein Stück interessanter fand, als die beiden Vorgänger, da sie besser mit dem Konzept spielen, gerade das Finale). Ich denke mal, Tomie nach sowas wie Gyo zu lesen, ist, wie Tomie: Unlimited nach so was wie Tokyo Gore Police zu schauen. Was die grotesken Einlagen und den Einfallsreichtum angeht, liegen da einfach Welten zwischen. Tomie ist geradezu bieder im Vergleich zu dem, was es in Gyo zu sehen gab. Und ich bin immer noch der Ansicht, dass wohl der Mindfuck an sich, einen großen Teil der Faszination an Ito-Mangas ausmacht. Wobei ich da wohl auch schon zu viel anderes in diversen japanischen Medien gesehen habe, als das es jener Mann sonderlich leicht mit mir hätte.