Twinkle Yell!, or Watching Sailor Moon Eternal

ava-2617Gefühlt ewig ist es her, dass wir das letzte Mal über Sailor Moon Crystal gesprochen haben. Immerhin handelt es sich dabei um das Geburtstagsprojekt zum 10-jährigen Jubiläum der Franchise, welches Manga-getreu jenen in ein neues Anime fasst. Nächstes Jahr wird die Reihe nun schon 20 Jahre und wir sind noch nicht mit dem Crystal-Projekt durch.

Zugegeben fing die Ausstrahlung des Projektes auch verspätet an, nämlich erst 2014 auf Nico Douga, als die ersten beiden Story Arcs als Sailor Moon Crystal gestreamt wurden. Aber bereits 2016, dem Jahr nach deren Ende, lief im japanischen TV mit Season III schon der nächste Handlungsstrang. Anfang 2017 dann die Bestätigung, dass auch der Dream-Teil des Mangas um den Dead Moon Circus ein Anime bekommen würde. Mitte 2017 jedoch die überraschende Ansage, dass es keine TV-Staffel, sondern in zwei Filmen erzählt werden wird. Und dann lange Stille. Letztendlich wurde das Release auf das unheilschwangere Jahr 2020 gesetzt, anschließend prompt wegen Covid verschoben. Aber jetzt, 2021 ist es endlich soweit: Die vierte Story Arc Sailor Moon Crystal ist draußen, wenn auch mittlerweile umbenannt als Sailor Moon Eternal.

Und es kann den Filmen wirklich niemand nachsagen, dass sie nicht genau das liefern, was das Konzept des Reboots ist: Die einzelnen Kapitel des Mangas weitestgehend getreu wiederzugeben statt wie im früheren Anime teils eigene Wege zu gehen.

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So macht sich Chibi Usa am Anfang von Part 1 bereit, ins 30. Jahrhundert zurückzukehren, ihre Zeitreisefähigkeiten werden allerdings blockiert, nachdem durch eine Mondfinsternis der Dead Moon Circus sich in der Stadt eingenistet hat. Auch die Verwandlungen der Sailor Senshi werden zunächst blockiert. Helios sucht Chibi Usa in ihrem Traum auf, verleiht ihr und Usagi neue Kräfte fürs Kämpfen. Das Amazonentrio greift die restlichen Mädels an, die in der Gefahrensituation auch zu neuen Kräften erwachen und die drei Feinde schnell aus dem Weg räumen. Das Amazonenquartett macht anschließend ernst.

In Part 2 sehen wir dann die ehemaligen Outer Senshi in ihrem neuen beschaulichen Leben, das natürlich ebenfalls nicht lang anhält, bevor sie ihre Verwandlungskräfte zurückerlangen, um den anderen Mädels auszuhelfen. Wir finden heraus, dass die wahre Schurkin Nehallenia ist, die von Queen Serenity im Silver Millennium versiegelt wurde. Mit vereinten Kräften wird gegen sie angegangen.

Die Filme sind genau genommen sogar noch stärker am Manga, als die vorigen drei Staffeln das waren. Mit zwei Parts a 80 Minuten ist die Laufzeit letztendlich ja auch eher die einer halben Staffel, es muss also wenig zusätzlich Zeit gegenüber den vorigen drei Arcs aufgefüllt werden. Immerhin ist so ein Manga-Kapitel an sich doch etwas wenig Stoff für volle 20 Minuten TV-Folge. Die einzig nennenswerte Änderung ist, dass das Amazonentrio etwas sympathischer charakterisiert wird, da sie nun auch ihre eigenen Träume haben, die sie verwirklichen wollen. Bekanntlich sind Zukunftsträume und die auf ihnen basierende Hoffnung das Thema der Dream Arc. Sie geben den Figuren nicht nur Kraft, sondern Zweifel an ihrer Erfüllung auch Schwächen und Angriffsflächen.

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Für mich persönlich liegt in der Originaltreue aber auch genau der Schwachpunkt der Filme. Den Manga fast 1:1 Kapitel für Kapitel nachzuerzählen funktioniert besser in einer ebenso episodischen Serienform, aber weniger gut in einem abendfüllenden Filmformat. Hier wäre es durchaus interessanter und besser gewesen, die rigorose Struktur etwas aufzubrechen und mehrere Handlungen miteinander zu verweben und gleichzeitig laufen zu lassen. Stattdessen kommt Problem A auf, es wird relativ schnell aus dem Weg geräumt, wir kommen zu Problem B usw. Besonders offensichtlich ist das in Part 1. Wenn zunächst Chibi Usa und Usagi ihre Alter tauschen, nur damit das nach kurzem Drama schon wieder bereinigt ist, und dann eine der anderen Inner Senshi nach der anderen angegriffen wird, den Gegner besiegt, und die nächste dran ist. Diese sehr kurzen einzelnen Ereignisse mit ihren schnellen Resolutionen lassen Sailor Moon Eternal einfach häufig so wirken, als schaue man die zusammengeschnittene Cliffnotes-Version einer TV-Staffel statt eines komplett von Grund auf selbst animierten Projektes. Dabei hilft es nicht, dass die Animationen ebenso nie über das Niveau der vorigen drei Staffeln gelangen.

Von daher bleibe ich tatsächlich mit gemischten Gefühlen zurück. Die beiden Filme waren kurzweilig und ganz nett. Wahrscheinlich auch aus Nostalgie, die Sailor Senshi mal wieder in neuer Aktion zu sehen. Aber das Großereignis, welches eine Neuverfilmung des Klassikers hätte werden können und sollen, vor allem in kinoreifes Filmformat gefasst, ist mal wieder nicht dabei rausgekommen.

Ride Your Wave & Legend of Crimson

Wie bereits erwähnt war Corona-bedingt das Kinoprogramm in letzter Zeit unter ständiger Fluktuation. Dazu zählte auch, dass statt eine Anime Night pro Monat fast jede Woche eine kam. Die hatte ich mir dann auf den sonntäglichen Event-Plan geschrieben, da ja sowieso nur fünf Zuschauer oder so kommen, die schön weit auseinander sitzen können. Dummerweise hat sich das Programm wieder etwas reguliert und so habe ich leider das Yuri Double Feature von Fragtime und Kase-san & Morning Glories verpasst, weil es am üblichen Anime-Dienstag statt Sonntag lief. Die beiden Filme davor konnte ich allerdings mitnehmen.

Ride Your Wave (Kimi to, Nami ni Noretara) dreht sich um die junge Hinako, die fürs Studium umzieht. In eine Stadt, in der sie schon immer gern Surfurlaub gemacht hat, da dieses Hobby ihre große Leidenschaft seit Kindheitstagen darstellt. Als ihr Apartment auf Grund eines illegalen Feuerwerks in Flammen aufgeht und sie vom Feuerwehrmann Minato gerettet wird, bahnt sich die ganz große Liebe an. Minato schwört immer an Hinakos Seite zu sein und ihr zu helfen. Ich denke es ist bei dem Setup und ob der Tatsache, dass keine halbe Stunde in den Film sich bereits das perfekte Traumpaar gefunden hat, kein großer Spoiler, wenn ich verrate, dass Minato kurz darauf stirbt, als er beim Surfen jemanden vorm Ertrinken rettet. Hinako ist am Boden zerstört, zieht weg vom Ozean und geht nicht mehr surfen. Nichts scheint ihr bei der Verlustbewältigung helfen zu können. Bis sie das Lieblingslied von ihr und Minato singt und dessen Geist plötzlich in ihrer Wasserflasche auftaucht. Von nun an kann sie ihn auf diese Art und Weise in Flüssigkeit beschwören, um mit ihm zu kommunizieren.

Der Film ist ein sehr charmanter und quirliger Anime darüber, den Verlust eines geliebten Menschens akzeptieren zu lernen und sich im Leben weiterbewegen zu können. Es hat auch etwas bittersüßes. Natürlich der Kontrast der lebensfrohen Hinako und dann dem verschlossenen Haufen Elends vor beziehungsweise direkt nachdem Minato stirbt. Auch wie sie wieder fröhlicher wird, sobald sie sein Abbild im Wasser sieht. Was aber gleichzeitig einen deprimierenden Unterton hat, da sie nun für alle anderen wie eine Verrückte mit einer immer mitgetragenen Wasserflasche spricht oder einen mit Wasser aufblasbaren Delfin umarmt. Denn andere können Wasser-Minato nicht sehen.

Zunächst dachte ich dadurch echt, dass der Film in eine andere Richtung geht, als er das letztendlich tat. Ich ging davon aus, dass sich Hinako das Abbild von Minato nur zusammen halluziniert. Wie gesagt sieht ihn ja sonst keiner, und wann immer Minato das Wasser für Hinako manipuliert, ist sie auch alleine, kann sich dies also ebenfalls einbilden. Zumal der beste Freund von Minato, Wasabi, ebenfalls seit der Nacht, in dem ihr Apartment abbrannte, in Hinako verschossen war. Ich ging also davon aus, dass der sie letztendlich aus ihrer Realitätsflucht hilft und Hinako sich eingesteht, dass sie nicht für die nächsten sechzig Jahre allein bleiben kann und sich Wasabi zuwendet. Das Setup deutet zumindest zunächst stark darauf hin, will ich meinen. Letztendlich wird Wasabi allerdings doch mit jemand anderem verkuppelt und es geschehen Wassermanipulationen, die alle sehen können. Das die übernatürliche Komponente also wirklich eine solche ist, hat den Film schon an manchen Stellen etwas merkwürdig erscheinen lassen. Passt aber doch ganz gut zu dessen Flair.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist das Augenmerk auf Details. Beispielsweise erwähnen sowohl Hinako wie auch Wasabi mehrmals im Film, wie sie es doch etwas beneiden, dass Minato in allem zu leichtfüßig gut ist und scheinbar alles Problemlos schafft. Wenn Minatos Schwester später allerdings Hinako in dessen Jugendzimmer führt, sehen wir, dass dem nicht so ist. Er hat hart trainiert, als er zur Feuerwehr kam. Er hat als Kind Kochbücher studiert, als er wegen der ständig beschäftigten Eltern für sich und seine Schwester kochen musste. Jetzt erklärt sich auch, warum Minato schon beim ersten Surf-Date mit Hinako in voller neugekaufter Montur auftauchte: Wenn er sich was vor nimmt, macht er keine halbe Sachen, sondern kommt vorbereitet und arbeitet so lange an sich, bis er es kann. Nichts damit, dass er einfach ein Alleskönner ist, dem alles zufällt. Hinakos Vorliebe zu Erdbeerlimo kommt dadurch, dass ihr Elternhaus von Erdbeerfeldern umgeben ist, wie wir in einer kurzen Szene nur am Rande sehen. Warum Minato sie immer als „seine Heldin“ bezeichnet hat, und warum das alte Filmlied sie verbindet, wird auch noch geklärt. Es fallen dann viele kleine Puzzleteile zusammen, was ich echt sehr schön fand.

Macht Ride Your Wave zu einen sehr bunten, flippigen und Lebensbejahenden Film. Der es sich dennoch nicht zu einfach macht. Wie die finale Szene zeigt, in der Hinako noch mal an Minato erinnert wird und weint. Weil man einen Verlust zwar verarbeiten kann, er aber dadurch nie komplett verschwindet.

Mit Konosuba: Legend of Crimson kommen wir hingegen zu unseren überdeht-liebenswerten Arschlöchern aus der Light Novel turned Anime Adaption, die mir in seinen beiden vorigen Staffeln immer gut gefallen hat. Diesmal in Kinofilm-Version.

Die Gruppe aus dem nur den Glückswert gelevelten Kazuma, der hasenfüßigen Wassergöttin Aqua, nur ein mal pro Tag die Apokalypse beschwörenden Magierin Megumin, und masochistischen Ritterin Darkness sitzt gerade mal wieder in der Taverne. Mit keinem Geld, da sie beim Erledigen des letzten Quests so viel kaputt gemacht haben, dass dessen Belohnung sofort wieder einkassiert wurde. Da kommt Megumins Rivalin Yunyun herein und bittet Kazuma um etwas, was noch nie jemand von ihm wollte: Er soll mit ihr ein Kind machen. Nur so kann das Dorf der Crimson-Dämonen laut Prophezeiung gerettet werden. Ist etwa endlich der Moment angebrochen, bei dem Kazuma Erfolg bei Frauen vergönnt ist?

Ja und Nein lässt sich dazu sagen. Die Prophezeiung stellt sich schnell als Jux heraus und Yunyun hat dann gleich kein Interesse mehr am übereifrigen Kazuma. Auf dem Weg zum Dorf der Crimson-Dämonen, da die dennoch Probleme haben, wird Kazuma allerdings von einer Horde Orc-Frauen gejagt und verliert beinahe seine Jungfräulichkeit an deren ganzes Rudel. Bis die Crimson-Dämonen sie noch rechtzeitig mit ihrer Magie pulverisieren. Wie sich herausstellt haben die nämlich gar kein Problem einfallende Monster selbst aus dem Weg zu räumen. Dummerweise halten die Eltern von Megumin nun aber sie und Kazuma für ein Paar und schließen sie während der Übernachtung in einem gemeinsamen Schlafzimmer weg. Wodurch Kazuma laut mit sich selbst diskutiert, ob das eine Einladung ist, sich an der schlafenden Megumin vergreifen zu können.

Ich glaube damit ist eine Sache direkt schnell klar geworden: Nicht nur sind viele der Witze im Konosuba-Film von sexueller Natur, sondern erstaunlich viele flirten mit der Androhung von sexueller Gewalt. Ich habe keinen Plan, wo das her kommt. Ist das in der Serie schon so gewesen und ich habe das schon wieder vergessen? Beziehungsweise wirkt das in einem durchgängigen Film von 90 Minuten komprimierter und häufiger als wenn es in 20-minütige Folgen unterbrochen ist? Kazuma war natürlich schon immer etwas notgeil und moralische Vorbilder keiner der Charaktere unserer Truppe. Bisher wurden solche Witze aber immer schnell von einem anderen Charakter abgeschossen und wirkte Kazuma wie ein letztendlich harmloser Dummschwätzer. Das ist er hier immer noch letztendlich, aber Mensch gibt es hier viele rapey Jokes.

Wer über die hinwegsehen kann, der bekommt insgesamt einen Film geboten, den ich mal als Ok beschreiben würde. Viele Kinofilme zu TV-Serien, gerade zu Komödien ohne großen Narrativ, wirken gerne mal wie ein überlanges Special. So auch der Konosuba-Film, der trotz einer übergeordneten Handlung häufiger etwas unfokussiert in Vignetten von Einzelgags abrutscht. Er war für mich auch nur halb so witzig, wie er zu sein denkt. Aber das ist natürlich auch immer Ansichtssache: Ein Mädel im Kino hat es geschafft keine Sekunde während der Vorstellung Luft holen zu müssen, da sie so beschäftigt war, über jedes Wort zu lachen oder ihrem Freund zu erklären, warum sie jedes Wort für saukomisch hält. Ich fand den Film nicht ganz so witzig wie die Serie, was aber nicht bedeutet, dass er mich nicht unterhalten hat. Und manchmal ist er sogar ganz clever. Wenn der Endboss beispielsweise ein Schild aus Liebe und Emotionen um sich errichtet, und unsere „Helden“-Truppe sie mit brachialer Explosionsgewalt und Hintertücke besiegt. Also genau andersrum, wie es in Rollenspielklischees eigentlich der Fall ist.

Dragon Quest: Your Story

Nachdem mit Dragon Quest: Your Story ein CG-Film basierend auf dem fünften Teil Anfang 2019 angekündigt wurde, sollte nur wenig Zeit vergehen, bis er später im gleichen Jahr noch bereits seine Prämiere in Japan feierte und Anfang 2020 auf Netflix für ein internationales Publikum landete.

Dragon Quest V: Die Hand der Himmelsbraut zu adaptieren ist natürlich eine sehr logische Entscheidung gewesen. Es ist einfach das Dragon Quest, welches sich schon von der Handlung her am besten für einen Film anbietet. Der Rest würde eher in eine episodische Abenteuer-Serie passen. Doch V hat für die Serienverhältnisse einen besonders starken narrativen Faden, einen besonders starken emotionalen Kern. Außerdem ist er, wenn man Re-Releases hinzuzählt, wohl einer der bestverkafuten Teile der Reihe. Und eben einer, dessen Handlung beim japanischen Publikum am meisten nostalgische Resonanz auslöst. Was eventuell auch der Grund ist, warum dort angeblich viele Fans das Ende nicht mochten, obwohl es ihnen eigentlich absolut zuspielen sollte.

Aber zunächst einmal fangen wir tatsächlich ganz nostalgisch mit Szenen aus dem Spiel an. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dragon Quest V ist in drei Generationen unterteilt. Es gibt eine kürzeren spielbaren Kindheitsteil, bei dem der Held mit seinem Vater durch die Lande streift. Und dann den Großteil des Spieles ausmachend ihn als Erwachsener mit Entscheidung einer von zwei Damen zu heiraten (Drei in den Remakes), und dann später mit den Kindern das ultimative Böse zu besiegen. Der Film beginnt nun mit einer kurzen Collage an Kindheitsereignissen, direkt aus dem SNES-Original genommen. Dann geht es erst in die toll aussehende CG-Welt hinein. Um den Rest der Kindheitsreise mit dem Vater weiterhin mehr oder weniger als Kurz-Collage zu zeigen, bis zur dramatischen Szene, wenn sich deren Wege scheiden.

Hier machen also noch viel mehr den Großteil des Filmes die beiden Erwachsenenstadien aus. Geändert und gestaucht hat sich natürlich erwartungsgemäß dennoch viel, um in einen durchgänigen Film von unter 2 Stunden zu passen. Der Held muss sich für eine der beiden Damen entscheiden, es ist canon Bianca. Wobei er zunächst Nera heiraten will und sich erst mal durch seine unterbewusste Programmierung kämpfen muss, um zu merken, wen er wirklich mag. Eine seltsame Szene, die Schatten vorauswirft. Den Großteil der anderen Charaktere, welche die Heldengruppe aus Dragon Quest V ausmachen, gibt es nicht bzw. reisen nicht mit ihm. Auch gibt es nur ein heldenhaftes Kind statt zwei davon.

Mir hat der Film aber auf jeden Fall unglaublich gut gefallen. Er sieht einfach toll aus. Manche mögen sich daran stören, dass das Toriyama-Charakterdesign gegen ein massentauglicheres getauscht wurde. Ich war nie ein sonderlicher Fan seiner menschlichen Designs und kann deswegen gut darauf verzichten. Die Monster sind cartoonig und sympathsich wie immer. Alles ist super durchanimiert. Sowohl die Action-Szenen als auch die Manierismen der Charaktere beim Reden. Es ist aller punktuell ernsten Momente zum Trotz gerade bis zur dritten Generation hin ein sehr leichtfüßiger und humoriger Film. Keine Ahnung, wie sehr man DQV gespielt haben muss, um emotional mitgehen zu können, ich kann es für mich persönlich ja nicht im Nachhinein wieder ungespielt machen. Für mich zumindest war es ein fantatsischt aussehender und gut umgesetzter Abenteuerfilm, der mich durchgängig gut unterhalten hat.

Und dann müssen wir jetzt mal Spoiler-mäßig über das Ende reden. Wie sich herausstellt gibt es einen guten Grund, warum der Film nicht Dragon Quest V The Movie heißt, sondern als Your Story betitelt ist. Denn es stellt sich heraus, dass alles Geschehene nur ein VR-Abenteuer ist. Als Dragon Quest V auf dem Super Famicom herausgebracht wurde, hat es Japan im Sturm erobert (wie alle Dragon Quests). Und auch unseren Protagonisten. Als Kind hat er sich in die Welt und Charaktere des Spieles verliebt. Seither hat er DQV wiederholt gespielt, um mit seinen altbekannten fiktiven Freunden rumzuhängen und das Abenteuer erneut zu bestreiten. Also ist er natürlich auch einer der ersten, der die neue VR-Maschine ausprobiert, die aus DQV ein personalisiertes und am eigenen Leibe erfahrbares Abenteuer macht.

Dragon Quest: Your Story ist also eine Ode an die Nostalgie einer ganzen Generation mittlerweile erwachsener Japaner, die 1992 mit Dragon Quest V aufgewachsen sind. Und symbolisch im Prinzip auf alles anwendbar. Auf das eine Spiel, Buch, Film, Serie, in die man sich als Kind verliebt hat. Die regelmäßig erneut konsumiert werden. Die Gefühle, die man den darin enthaltenen Welten und Charakteren entgegenbringt sind real. Sich hin und wieder in sie fliehen und an die gute alte Zeit denken zu wollen ist legitim. So sagt es zumindest Your Story. Nicht jedem mag dieser Einschlag in die Meta-Ebene fürs den Klimax gefallen, ich fand es aber tatsächlich eine sehr herzerwärmende Idee. Und erstaunlich mutig für eine es normalerweise eher safe spielende Franchise wie Dragon Quest.

Puella Magi Madoka Magica

Das Genre Magical Girl ist aus der Anime-Landschaft nicht mehr wegzudenken, seit dem Sally the Witch 1966 den Anfang bereitete. Seither gab es Aufs und Abs, doch jede Dekade kann sich rühmen mindestens eine Show gehabt zu haben, die dem Genre einen neuen Popularitätsschub gab. Und auch dazwischen war es nie komplett weg.

Wo auch immer Popkultur ist, ist allerdings auch Counter Culture nicht weit. Mit dem Erfolg der bunten und überzuckerten Serien, die als Wish Fullfilment für junge Mädchen gedacht sind, waren Serien nie weit, die genau gegenteilig liefen. Die sich das Genre padodistisch vornahmen. Die es durch einen düsteren oder sexy Anstrich einem älteren Publikum schmackhaft machen wollten. Oder die clever die Conventionen als Symbolik und zur Dekonstruktion von Kindheitsfantasien nutzten. Schon immer. Die 70er hatten Cutie Honey. Die 90er Devil Hunter Yohko oder Revolutionary Girl Utena.

Ein richtiger Trend zu „Magical Girl, aber mach es ernst/düster“ lässt sich definitiv ab 2000 abzeichnen. Nicht verwunderlich, bei einer Dekade, die mehr Genre-Shows als je zuvor produzierte, auch mehr Ausreißer zu verbuchen. Bis zum Jahr 2011, als Madoka Magica über die Bildschirme lief, kann man fiese Magical Girl Shows eigentlich schon nicht mehr als die Außenseiter bezeichnen, sondern als etablierten Seitenarm.

Was sich Madoka Magica dabei maßgeblich auf die Agenda geschrieben hat, ist die Dekonstruktion des Genres. Die Serie macht für die ersten zwei Drittel ihrer Laufzeit regelrecht den Eindruck, als hätte man eine Checkliste aller Magical-Girl-Konventionen gemacht, um sie dann ins Negative umzukehren.

Auch hier gibt es ein süßes Maskottchen, welches den Mädchen die Kräfte zur Verwandlung verleiht. Nur das die Serie von Beginn an ein Faible dafür hat, in unangenehmen Großaufnahmen und von tiefengelegten Kamerawinkeln auf das Gesicht mit den nie blinkenden Augen und stets Emotionslosem uWu-Mund zu halten. Damit klar ist, hier ist was nicht koscher.

Zudem ist ein Magical Girl zu werden keine Belohnung. Es wird ein Vertrag mit dem Maskottchen eingegangen. Die Belohnung ist, dass sie einen Wunsch, egal welchen, erfüllen können. Und im Austausch muss als Magical Girl gegen Hexen und ihre Familiars im Kampf angetreten werden. Schon alleine an jenem Grundstock wird gezeigt, dass ein Magical Girl zu sein in dieser Serie nicht positiv ist, wenn ein so großes Gegengewicht wie jeglichen Wunsch erfüllt bekommen zu können als Köder dafür herhalten muss, sich überhaupt darauf einzulassen. Noch bevor wir herausfinden, dass die Magical Girls während der Kämpfe sterben können.

Dies hat natürlich auch einen Anstrich der Ausnutzung. Die Reinheit jugendlicher Naivität und die Macht von Wünschen ist häufig eine Quelle an Kraft in diesen Serien. Hier nutzen die Maskottchen gezielt die Naitivät und die Hoffnungen und Wünsche junger Mädchen aus, um sie dazu zu überreden, Magical Girls zu werden. Häufig erscheinen sie ihnen in der Stunde größter Not, um gezielt Schwäche auszunutzen.

Wenn der Kampf gegen Hexen so gefährlich ist, sollte man meinen, dass zusammen zu kämpfen von Vorteil wäre. Immerhin ist die Freundschaft einer Gruppe an Magical Girls auch immer ein zentraler Aspekt der „normalen“ Serien im Genre. Madoka Magica stellt dies auf den Kopf indem Hexen Grief Seeds hinterlassen, die Magical Girls benötigen, um ihre verbrauchte Energie aufzufrischen. Da es diese Art von Belohnung gibt, die nur eine von ihnen benutzen kann, arbeiten sie natürlich auch lieber alleine. Ja streiten sich teilweise sogar untereinander um Territorium und Jagdtrophäen. Kameradschaft unter Magical Girls gibt es so gut wie nicht in Madoka Magica.

Den heroischen Wunsch die Welt und Menschheit zu retten, weil dies einfach das Richtige zu tun ist, gleich auch nicht. Man wird nicht Magical Girl, weil man helfen will. Man wird Magical Girl, weil man seinen egoistischen Wunsch erfüllt sehen will. Dazu kommt noch, dass Familiars zu Hexen werden können, wenn sie genug Menschen zerstört haben. Familiars sind schwächer als Hexen. Sie auszuschalten, wenn der Kampf noch einfach ist und bevor sie zu viel Unheil anrichten, wäre also gut? Aber nur Hexen haben die Grief Seeds. Manche Magical Girls lassen Familiars also gezielt wachsen und Unheil unter der Bevölkerung anrichten, damit sie zu Hexen heranreifen können, damit der Kampf auch eine Belohnung für sie bereithält.

Natürlich macht es noch lang keine gute Show aus, wenn man ständig versucht zu zeigen, wie clever man doch ist, in dem bewusst jede einzelne Trope eines Genres dekonstruiert wird. Vor allem wenn man in 2011 kaum der erste ist, der das Konzept für sich entdeckt hat. Ganz uninteressant ist es allerdings allemal nicht. Sich als Zuschauer zu überlegen, wie die nächste Konventionsumkehrung aussehen wird. Sich zu überlegen, wie die aktuelle Szene in das Anti-Magical-Girl Konzept passt. Nur auf Dauer hält es eben nicht über Wasser.

Eine andere sehenswerte Sache in der Serie wären da die Labyrinthe, welche die Hexen erschaffen. Sozusagen Parallelwelten, in die sie sich schützend flüchten, während sie von dort aus die Realität negativ beeinflussen. Das Ganze hat einen sehr Popup-Buch-Look. Irgendwo zwischen düsterem Märchen und dementen Alice im Wunderland. Ein bewusster Stilbruch zum restlichen Look der Serie, und definitiv der interessantere der beiden Looks. Was allerdings erneut nur durch die Kontrastierung funktionniert.

Das ist glaube ich im Nachhinein auch ein wenig das Problem von Madoka Magica an sich. Die komplette Serie funktioniert hauptsächlich durch den Kontrast. Magical Girl, aber düster. Niedliche Charaktere, aber ernste Probleme. Alle Stereotypen in ihren Umkehrschluss gewandelt. Es ist kein Problem beim ersten Anschauen der Serie, während dessen sie schon ziemlich cool und interessant ist. Aber ich kann mir nicht vorstellen sie erneut zu schauen und nicht ein wenig gelangweilt zu sein. Die eigentliche Handlung kommt dafür nämlich zu spät erst wirklich auf die letzten Episoden zum Tragen. Die Charaktere bekommen zu spät Tiefe. Und obwohl sich die Serie unglaublich clever vorkommt, so macht sie doch nie einen wirklichen Versuch darin, das Genre als Vehikel für metaphysische Thematiken oder akademische Dekonstruktion zu verwenden. Madoka Magica ist kein Princess Tutu oder Revolutionary Girl Utena. Die Serie ist mehr daran interessiert edgy zu sein denn echte Schläue darzubieten. Was wie gesagt beim ersten Anschauen auch gar nicht schadet. Ich denke Madoka Magica bleibt einem zudem wesentlich länger im Gedächtnis, wenn es die erste Serie dieser Art für einen ist.

Jedoch ist die Serie nicht alles, was es zu Madoka Magica gibt. Stattdessen haben wir auch noch den Film Rebellion, der direkt ans Ende der Serie ansetzt. Und der erscheint ein wenig wie das End of Evangelion oder Adolescence Apocalypse der Serie. Nicht vom Content her, so ersetzt er weder das Ende noch ist eine eigenständige Neuerzählung, sondern schon schlicht eine Fortsetzung der Ereignisse.

Dafür wirkt er wesentlich weniger restriktiert als die TV-Serie. Natürlich was das Budget und die Optik angeht alleine. Während der 2 Stunden befinden sich die Charaktere fast ausschließlich im Labyrinth einer Hexe. Nachdem die erste halbe Stunde also hauptsächlich konventionelle Optik bot, geht es anschließend in surreale Welten zwischen Popup-Dark-Fairytale und postapokalyptischer Szenerie. Losgelöst davon, dass die Umgebung wahnsinnig viel Sinn machen muss. Wie viel Sinn hinter der Symbolik herrscht, sei mal wieder dahingestellt, toll aussehen tut der Film allerdings allemal.

Aber jetzt ist die Handlung halt auch davon losgelöst ständig versuchen zu müssen „clever“ zu sein. Die Tropes sind schon zur Genüge während der 12 TV-Folgen dekonstruiert worden. Damit muss keine Zeit mehr verschwendet werden. Stattdessen kann sich der Narrativ wirklich komplett auf eine Charakter-getragene Handlung konzentrieren. Der emotionale Kern ist einfach viel besser. Ja der Film nimmt sogar einige der Serien-Anti-Magical-Girl-Sachen zurück. Indem er die Mädchen hier beispielsweise tatsächlich als typische Magical Girl Truppe zeigt, die zusammen kämpfen. Das macht es wesentlich stärker, wenn Dinge beginnen schiefzulaufen, statt wenn von Anfang an alles aussichtslos wirkt.

Natürlich muss man die TV-Serie kennen. Oder deren Zusammenschnitt in die zwei Filme Beginnings und Eternal. Ansonsten macht Rebellion keinen Sinn, beziehungsweise dass schon ein Stück weit, aber das richtige Payoff fehlt einem schlicht. Und ich möchte erneut erwähnen, dass all meiner Unkenrufe zum trotz darüber, dass die Serie nicht halb so clever ist, wie sie denkt, sie durchaus sehenswert ist. Die richtige Sahnehaube an Madoka Magica wird aber erst zum Schluss mit dem Film Rebellion geliefert.

Funky Forest

Funky Forest ist ein Anthologienfilm aus dem Jahr 2005, der unter der Direktion von Katsuhito Ishii, Hajime Ishimine und Shunichiro Miki enstand. Manchmal wird dem auch der Untertitel The First Contact angehängt, was allerdings hinfällig ist, da es nur diesen einen Film gibt. Vielleicht war auch nie mehr geplant und der Beititel ist nur eine weitere merkwürdige Anomalität in einem merkwürdigen filmischen Gebilde.

Es gibt ein paar Charaktere und deren Handlungen, zu denen wir regelmäßig zurückkommen werden. Beispielsweise Guitar Brother, wenn es um drei zusammenlebende Brüder geht. Von denen einer die Gitarre spielt. Während der jüngste und einzige Nicht-Japaner, dessen Kinderschauspieler glaube ich auch nicht die Sprache versteht, die er da vor sich hinredet, beständig am Essen ist. Der ist nämlich fett. Und Fette essen ständig. Es darf nun gelacht werden. Das war der Witz.

Denn Funky Forest soll witzig sein. Es ist eine Comedy-Anthologie. Und eine von über 2 Stunden. Der Humor gestaltet sich aber eher in Form von reiner Randomness oder einfach mehr oder weniger skurrilen Ereignissen und schnellem Gerede. Die Mädels, die zu Dritt einen Onsen besuchen, erzählen sich beispielsweise nur Maschinenpistolenartig Geschichten. Die sind eigentlich auch nur leicht strange. Nichts im Vergleich dazu, wenn ein Kerl in seinem Traum plötzlich am Strand mit einem hypersexualisierten Anime-Roboter tanzen muss. Oder wenn ein Kerl im gelben Plüschkostüm ein Schulmädchen darum bittet, zu ziehen, der Schwanz des Kostüms aber aus der Lendengegend hängt. Manche Dinge sind also wesentlich abgedreht und unverständlicher, während andere mehr durch die Atmosphäre, die Musik, das Schauspiel einen leicht skurrilen Einschlag bekommen, obwohl sie eigentlich nicht so besonders sind.

Funky Forest hat eine gewisse Notorietät erlangt. Über kleine Clips davon, die auf Youtube gelandet sind. Der Tennisunterricht mit den Klöten ist davon, zum Beispiel. Und diesen Effekt hat der Film dann auch durchgängig. Der eines Memes. Von kurzen Vines oder TikToks. Nur eben nicht kurz. Diese funktionieren nämlich, weil sie nur wenige Sekunden lang sind. Da braucht es keinen Witz, keine Pointe. Die können einfach merkwürdig sein. Jetzt stelle man sich aber vor, so ein Clip wäre eine Szene von mehreren Minuten. Und man müsse sich für Zweieinhalb Stunden diese Clips anschauen. Funktioniert nicht.

Ich persönlich fand Funky Forest dann auch keineswegs witzig. Ich empfand den Film lediglich als nervtötend und anstrengend. Eine Strapaze. Sicherlich wollte ich ein wenig der Kreativität Goodwill entgegenbringen, denn die ist bestimmt gegeben. Doch für über zwei Stunden einfach jeglichen dämlichen Scheiß auf die Leinwand zu klatschen, da muss man schon im Kopf des Regisseurs sein, um mitgehen zu können.

Resident Evil: Vendetta

Das Jahr 2017 sah einige neue Aktivität in der Resident-Evil-Franchise. Neben dem Release vom Live Action The Final Chapter und dem neuesten Videospiel Resident Evil 7: Biohazard, kam es nämlich auch zum dritten CGI-Film mit Resident Evil: Vendetta.

Der bringt uns den beliebtesten Charakter der Franchise zurück: Rebecca Chambers! Jetzt Professor Chambers, in einem argen Bruch mit der Suspension of Disbelief. Man hat ja über die Jahre so einigen Blödsinn im Namen von Resident Evil zu schlucken gelernt. Chris boxt einen Felsen? Klar. Ein Zombie-Elefant? Warum nicht. Whesker als Präsident? Ok. Aber „Professor Chambers“ geht dann doch etwas arg weit.

Sie ist sogar ein sehr integraler Charakter des Filmes. Denn ein Zombie-Virus geht um. Wow, in Resident Evil? Nicht doch. Tatsächlich ist es allerdings ein neuer, der die Zombies zu wesentlich effektiveren Waffen macht, da sie von Hersteller Arias kontrolliert werden, und somit nicht einfach jeden angreifen, den sie sehen. Rebecca, das Professoren-Superhin, hat ein Gegenmittel gefunden. Dann sieht sie auch noch aus wie die tote Frau von Arias, dem die Regierung einfach mal die Hochzeit zerbombt hat, woraufhin alle außer ihm starben, was ihn überhaupt zu seiner Zombie-Vendetta verleitet.

Was ich hieran persönlich ganz interessant fand, war die Tatsache, dass Shinji Mikami in einem Interview sagte, dass er passive weibliche Charaktere wie Rebecca gar nicht leiden kann, und nicht im Original Resident Evil haben wollte. Wirft natürlich ein wenig die Frage auf, warum man ihre Rolle im REmake nicht etwas angepasst hat, oder warum Jill in besagtem Spiel in jeder zweiten Cutscene auf den Hintern fällt und von Barry gerettet werden muss. Interessant ist das aber auch im Kontext mit Vendetta, mit dem Mikami natürlich nichts zu tun hatte. Denn Rebecca ist hier ein durchaus sehr starker und sich durchsetzender Charakter, wenn auch wie gewohnt als Medic bzw. Professor keine Kämpferin. Oder zumindest bis sie halb durch den Film durch vom Schurken entführt und zur Damsel in Distress gemacht wird. Da musste ich dann doch etwas schmunzelnd an das Interview denken.

Netterweise hat sie gleich zwei Kerle, die um ihre Befreiung kämpfen. Zum einen Leon, der wie immer in den Filmen leider nicht der DMC-Dante-light Sprücheklopfer und witziges Kerlchen bekannt aus Resident Evil 4 ist, sondern weiterhin relativ selbstmitleidig auf den Grund von Alkoholflaschen schaut, bevor er von Rebecca ins Gewissen geredet bekommt, dass man vielleicht doch mal ein paar Zombies abknallen gehen sollte. Dann stiehlt der Alte aber echt das Rampenlicht, ist Leon doch der Einzige, der hier die coolen Slow-Motion Shots bekommt im Schusswechsel mit Zombies oder auf dem Motorrad gegen Zombie-Hunde. Chris ist auch mit dabei, eigentlich der Charakter, den wir am meisten sehen werden, und absolut goldig in seiner Daddy-Nummer gegenüber Rebecca.

Aus der ganzen Sache damit, zu hinterfragen, ob eine Regierung überhaupt unterstützenswert ist, die viele Unschuldige auf einer Hochzeit umbringen, nur um einen Waffenhändler zu erledigen, macht der Film natürlich letztendlich nichts. Genau wie die beiden Freunde von Arias, Nina Williams für Arme und ihr Hühnen-Vater zwar wichtig aussehen, dies jedoch nie werden. Resident Evil halt, wen kümmert schon die Handlung – den Film an sich sicherlich eher nur auf drittrangiger Stelle. Dafür kommt er dem Rest aber nicht in den Weg.

Er ist nämlich dennoch ziemlich gefällig und vielleicht bisher die beste Film-Inkarnation der Franchise. Einfach weil er ziemlich launig unterhält. Ob es nun die Anfangsszene in der Villa ist, in der Chris mit Einsatzteam durch die dunklen Gänge geht und einer nach dem anderen von Zombie-Kindern zerfleischt wird. Teilweise in atmosphärischer Egoperspektive. Oder dann eben später, wenn die Action so richtig aufdreht, und gegen die Horden an Zombies vorgegangen wird. Dabei immer dämlicher aber auch witziger werdend. Kulminierend in einem Nachkampf Chris vs. Arias, in dem sich die beiden mit Knarren beschießen, aber dauerhaft trotz nächste Nähe verfehlen, weil sie mit Akrobatik und Fisticuffs einander beständig ausweichen. Etwas besser aussehen könnte der Film lediglich, hinkt er doch weit hinter anderen CG-Filmen wie beispielsweise Kingsglaive hinterher.

Resident Evil: Vendetta ist absolut dämlich, aber auch absolut unterhaltend. Prädikat Sehenswert.

Corpse Party (2015)

Zufällig lief neulich der 2015er Live Action zu Corpse Party bei uns im kleinen Nischenkino, da er wohl bald seine Deutschlandveröffentlichung hat, und da geht man doch ruhig mal hin. Vom Regisseur, der uns auch Hitori Kakurenbo beschert hat, was jetzt nicht unbedingt eine Auszeichnung ist. Doch zu Corpse Party kann ich aber ruhigen Gewissens sagen: Es ist ein ziemlich schlechter Film, und jeder sollte ihn sehen.

Grundsätzlich geht der Film die gleiche Handlung ab, nur natürlich viel schneller. Eine Gruppe Teens macht ein dämliches Ritual, bei dem Sachiko angerufen wird, weil man sich dann angeblich niemals trennen wird. Stimmt so gesehen auch, denn es versetzt die Schüler in die Grundschule, in der drei Kinder umgebracht wurden, und aus der es kein Entrinnen gibt, bevor nicht der Geist von Sachiko beschwichtigt wird. Die große Wendung am Ende, wer der wahre Kindsmörder ist, welche im Spiel ziemlich offensichtlich war, und im Film etwas weniger so ist da er so viel schneller voranschreitet, weniger Aufbau bietet, mit inbegriffen.

Was der Film sogar fast etwas besser hervorbringt als das Spiel, dem geschuldet das er sich nicht wie das Visual Novel mehrere Pfade und Bad Ends basierend auf die Multiple-Choice-Möglichkeiten leisten kann, sondern alles in eine straffe Narration packen muss, ist das die Extremsituation nicht gerade das Beste aus diesen Kids herauszulocken vermag.

Die kleine Schwester, der nervigste Charakter, der bitter aus der Riege im Spiel hervorgestochen ist, ist übrigens immer noch mit dabei, auch wenn ihre Route eine ist, die zum Großteil verändert wurde. Es ist ihr mit dem Film-Casting definitiv nicht geholfen worden, denn die Schauspielerin schaut genauso alt aus wie der Rest der Truppe, verhält sich aber weiterhin wie eine unterbelichtete 6-Jährige. Aber wenigstens gibt es jetzt weniger Zeit mir ihr. Einschiffen darf sie sich dennoch auch hier, für diejenigen, dessen Fetisch das war.

Allgemein hilft es einem in den Grundzügen so simplen und vorhersehbaren Horror-Plot wie in Corpse Party natürlich wenig, wenn man ihn in einen kurzen, geradlinigen Film stecken muss, dem sowohl die Interaktion des Spielers mit dem Geschehen abgeht, als auch die interessante Kapitelstruktur mit den verschiedenen Endmöglichkeiten. Außerdem ist das Ding billig gemacht, die Schauspieler bieten alle eher unterirdische Leistungen, und die deutsche Synchro ist auch nicht unbedingt hochwertig.

Das ist aber alles absolut irrelevant. Schaut den Film dennoch unbedingt, und das auf jeden Fall in einer Riege an Freunden, oder Leuten, die ihr zu solchen machen wollt. Denn Corpse Party (Live Action) ist die witzigste Komödie unseres Jahrhunderts.

Der Film ist einfach so absolut chaotisch und unbegreiflich, es grenzt an vielen Punkte stark an Parodie. Wenn die Charaktere dann schlecht geschauspielert in absolute hysterisch-witzige Emotionen verfallen, oder diese absolut dämlichen hormonellen Entscheidungen treffen, die sie sicher umbringen werden, und das Ganze nur übertrieben und aus dem Nichts kommend wirkt. Wenn der Gore ebenfalls so absolut überdramatisiert wie gleichzeitig nonchalant präsentiert wird. Als die Lehrerin zu Beginn die Türe aufmacht und ohne jegliches Trara den Schädel eingehämmert bekommt, oder die eine Schülerin von den beiden kleinen Kindern so fest gegen die Mauer geworfen wird, dass ihr Körper explodiert. Wenn der eine Kerl fasziniert vor dieser Pfütze, die mal seine Mitschülerin war, steht, und einen Anruf von ihrem Geist bekommt, er solle ihr nicht auf die Organe starren. Ich habe mich weggeschmissen vor Lachen während des Filmes.

Das ist es einfach. Die Momente, die im Spiel grausam sind, die im Spiel leichte unheimliche Atmosphäre aufbauen, die Charaktermomente zeigen, einfach die überraschen oder erschrecken oder mitfühlend machen sollen… sind alle im Film absolut lächerlich und das auf die beste unfreiwillige Art und Weise, die man sich nur wünschen könnte. Hut ab Corpse Party, ich habe selten so gelacht, Unterhaltungswert 10/10.

Love Exposure

Zu seinem jährlichen Update im Blog hat der gute DarkIkarus für dessen Geburtstag schon vor geraumer Zeit ein Gewinnspiel rausgehauen. Was jetzt darin gefruchtet hat, dass mir die DVD zu Love Exposure zugeschickt wurde, weil ich mich von der Filmwahl überraschen lassen wollte, statt selbst was herauszusuchen. Als mir auf dem Cover dann „Ein Film von Sion Sono“ entgegen lachte, kam mir gleich die Reaktion „ist das nicht der, dessen Filme alle 4 Stunden dauern?“ und tatsächlich prangt auf dem Backcover, das dieser 228 Minuten auf 2 DVDs verteilt. Ikki hat gleich beschwichtigend eingeworfen, dass es einem gar nicht so lang vorkommen würde. Und tatsächlich kann ich dies bestätigen, denn ich war keine Minute des Filmes über auch nur in Gefahr gelangweilt zu sein.

Protagonist des Filmes ist Yu, der in einer katholischen Familie aufwächst, und nachdem seine Mutter stirbt dessen Vater sogar das Amt des Priesters aufnimmt. Zunächst für seine ermutigenden Predigten bekannt, ändert sich das, nachdem sich ihm das Flittchen Kaori an den Hals wirft, in Windeseile sich zum Christentum bekehren lässt, bei den beiden als Geliebte einzieht, und dann wankelmütig den Vater doch wieder verlässt, weil der sie nicht heiraten kann. Yus Vater wird besessen von der Sünde und macht seinem absoluten Gutmensch-Sohn vorwürfe, zu denken man würde nicht sündigen, wäre selbst eine Sünde. Um den Vater bei den täglichen Beichten gefällig zu sein, erfindet Yu also Sünden, aber da blickt der Priester durch, also beginnt Yu tatsächlich zu sündigen, alles für die Interaktion mit und Vergebung von ihm. Dass er in einer Gang ist, berührt den Vater nicht weiter, aber als dann eine sexuelle Komponente hinzu kommt, weil Yu Meister darin wird, Mädels unter den Rock zu fotografieren, schlägt ihn sein Vater zum ersten Mal. Das findet Yu sogar noch besser, da er nun endlich wieder Vaterfigur statt nur vergebender Priester ist. Womit er nicht rechnet ist, dass sein Vater ihn einfach aus der Kirche wirft, Yu alleine im Haus mit einem Taschengeld leben lässt, und gar keinen Kontakt mehr pflegt.

Aber Yu hat ja seine neue Familie im Sinne von gleichaltrigen Gangmitgliedern, die sogar eigentlich ganz nett sind. Als er eine Wette mit ihnen verliert, muss Yu als Frau verkleidet durch die Straßen gehen. Und statt sich eine weibliche Schuluniform anzuziehen und total einen auf verlegen zu machen, geht auch hier Yu gegen alle Erwartungen und verkleidet sich einfach als Female Prisoner Scorpion Sasori und schreitet voller nicht geahntem Selbstbewusstsein durch die Straßen. Wo er auf Yoko trifft und eine Offenbarung hat, die uns 56 Minuten im Film endlich die Title Card gibt. Endlich hat er das Mädchen gefunden, bei dem er spontan einen Ständer hat, seine Maria die er seiner Mutter zu heiraten versprochen hat. Da Yu allerdings verkleidet ist, und Yoko nichts von Männern wissen will, seitdem ihr Vater sie begrapscht hat, denkt Yoko nun stattdessen, dass sie eine Lesbe und in die ihr helfende Sasori verliebt ist.

All das beobachtet die ebenfalls gleichaltrige Koike, die mit Wellensittich und zwei Handlangern beständig Yu beobachtet, nachdem sie ihn vor der Kirche im Regen beten und von der Erbsünde hat reden hören. Denn Koike ist das Oberhaupt der Zero-Church-Sekte, nachdem sie ihren Vater umgebracht hat, der sie beim Aufwachsen beständig von der Erbsünde erzählend verprügelte. Sie heckt einen Plan aus, wie sie auch Yus Familie zu Mitgliedern machen kann.

Während der Film in der ersten Stunde mehr oder weniger „Beschissene Eltern: Der Film“ war, sind wir nun in einer Teeny Dramedy für die nächste Stunde gelandet. Denn Yoko und Kaori ziehen zusammen durch die Lande und Kaori versöhnt sich mit dem Vater von Yu. Dadurch sind Yu und Yoko nun fast Geschwister, während Yu in Yoko verknallt ist, Yoko ihn aber nicht ausstehen kann, dafür sich in Sasori verguckt hat, die ja eigentlich Yu ist. Und dann lässt sich Koike auch noch in deren Klasse einschleusen und tut so, als wäre sie im Geheimen Sasori, und fängt somit eine Beziehung mit Yoko an, obwohl sie eigentlich hinter Yu her ist. Viele schräge Missverständnisse und verletzte Gefühle folgen.

Nur dann macht der Film im dritten Teil erneut eine Kehrtwende und wird zum Drama um eine von einer Sekte vereinnahmte Familie. Nachdem Koike das fragile Familiengleichgewicht zerstört hat und alle in die Zero-Church indoktriniert bekommt, nur Yu nicht, der sein Möglichstes versucht, um Yoko dort wieder raus zu bekommen, aber selbst sich immer weiter verstrickt.

Und worum ging es bei diesem wilden Ritt durch den Irrwitz und jegliche erdenkliche menschliche Emotion, die man nur haben kann, eigentlich? Na um die Liebe natürlich, sagt doch schon der Titel. Die Liebe ist die zentrale Motivation für jeden dieser Charaktere. Der Vater von Yu zerbricht an der zur Mutter gefolgt von Kaori. Yu tut alles, um an Yoko zu kommen, egal wie fragwürdig einige Vorgehen sind, immer strack geradeaus getrieben von seiner magischen Erektion. Kaori selbst ist dabei auch nie als die fiese Familienzerstörerin dargestellt, sondern ist ernsthaft in Yus Vater verknallt, nur eben sehr wankelmütig und unzufrieden. Koike schmiedet alle ihre Pläne nur, weil sie mit Yu zusammen sein will. Was dabei natürlich immer damit einhergeht ist allerdings auch das Thema der Obsession. Die drei Väter von Yu, Yoko und Koike verderben ihre Kinder durch ihre Obsession mit der Sünde, was natürlich gerade im in Japan eigentlich raren aber hier im Film sehr zentralen Katholizismus gut bedient werden kann. Koike ist absolut besessen von Yu, und Yu zunächst davon es einem Vater recht zu machen dann von Yoko, und Kaori sowieso total Gefühlsgesteuert. Und nach dem überraschend emotionalen Part in der Irrenanstalt gibt es ja doch quasi ein Happy End, nicht nur für Hauptpärchen Yu und Yoko, sondern auch sein Vater und Kaori werden nicht vergessen, die sich nun endlich beruhigt haben.

Was bei alledem nicht zu unterschätzen ist, ist der pure Unterhaltungswert des überlangen Filmes, der es schafft nie langweilig zu werden. Es vergeht so gut wie nie Zeit, ohne dass nicht doch der spritzige Humor erneut aufkommt, die schrägen Charaktere in überraschende Manierismen verfallen, oder der Film ein wenig der Frivolität fröhnt. Die eigenen Perversionen zu umarmen statt sich dafür zu geißeln ist nämlich letztendlich ebenfalls ein Plädoyer von Love Exposure. Das gibt der Achterbahnfahrt eine durchgehende Frische und einen Überraschungsfaktor, selbst in den ernsteren Teilen der Geschichte, weswegen man Gedanklich nie abzuschweifen in Gefahr gerät, da man sowieso von den Eindrücken auf der Leinwand fast überfordert ist. Das alles in interessanten Bildern von Marien-Erscheinungen zu faken Plastik-Erektionen oder Fotos von Mädchen-Unterhöschen. Alles, was man im Medium Film zu erwarten dachte und mehr, verpackt in 228 Minuten mentaler Wasserrutsche und Tour de Force an Exzess. Zurückhaltung findet man woanders, und das ist auch gut so.

Sadako vs Kayako

7 Ring-Filme und 8 Ju-ons später, und das rechnet nur die japanischen Inkarnationen ohne die amerikanischen Remakes und deren Sequels, sollte es also zum großen Crossover kommen: Sadako vs. Kayako. Mit ordentlich Marketing dahinter den persönlichen blassen Lieblings-Geist zu wählen, oder das anhand des Popcorns, welches man zur Vorstellung kauft, festzumachen.

Das Versus im Titel kann dabei schnell täuschen, denn für den Großteil der 100 Minuten an Film treffen die beiden Franchises nicht wirklich aufeinander, sondern laufen gemütlich aneinander vorbei. Hauptcharaktere sind zwei Studentinnen im Ring-Part und eine Schülerin im Ju-on-Part des Filmes. Deren Namen ich allerdings schon wieder vergessen habe, also nennen wir sie einfach mal A-Ko, B-Ko und C-Ko.

A-Ko und B-Ko sind es jedenfalls, die direkt zu Beginn des Filmes bei einer Vorlesung am Wegdösen sind. Kann man ihnen kaum verübeln, denn der Professor doziert was über Memes und urbane Mythen. Wobei er eine besondere Manie dem verfluchten Video gegenüber hat. Übrigens wird er auch den weiteren Filmverlauf über besessen davon sein, auf Sadako zu treffen, man sollte aber nicht erwarten, dass diese Fixation jemals wirklich erklärt würde.

Um das Hochzeitsvideo der Eltern von B-Ko von Kasette auf DVD zu überspielen besorgen die beiden sich einen alten Videorekorder, in dem praktischerweise noch das verfluchte Video drin steckt. Wie wir später herausfinden war den Verkäufern des 2nd-Hand-Shops dies durchaus bekannt, und sie fanden es drin zu lassen einen coolen Gag, die Idioten. Ach ja, und wir bekommen auch mit, dass aus irgendwelchen Gründen Sadakos Fluch im Film geändert wurde: Sie tötet nun innerhalb von 2 Tagen statt 7 und das Video zu vervielfältigen und jemand anderem zu zeigen ist nur ein Mythos und funktioniert nicht wirklich. Das Video an sich ist auch ein ganz anderes, viel kürzer, und ziemlich lahm, was aber auch daran liegen kann, dass der Film es uns die ersten paar Mal nicht zeigt, sondern nur die geschockte Reaktion der Zuschauer, und somit einen ziemlichen Hype und nichts aufbaut.

C-Ko derweil zieht mit ihren Eltern in eine neue Nachbarschaft und das Haus auf der anderen Straßenseite ist natürlich ausgerechnet das verlassene Horrorhaus, in dem Herr Saeki seinen Frau und Sohn ermordet hat (hier wird die Katze ausgespart), die seither die Treppen des Gemäuers hoch und runter rasseln, um jeden umzubringen, der das Anwesen betritt.

Hauptsächlich folgen wir im Film allerdings den frisch von Sadako verfluchten A-Ko und B-Ko, die das Video dem Professor zeigen, der die Hilfe eines Mediums heranzieht, wobei Sadako allerdings alle umbringt bis auf einen besonders spirituell begabten Rebellen mit miserabel schauspielernder blinden Loli im Gepäck. Der kommt auf die glorreiche Idee sowohl Sadakos Fluch auf A-Ko wie Kayakos Fluch auf C-Ko loszuwerden, in dem er beide im Saeki-Haus das Video erneut schauen lässt, damit die Geister sich gegenseitig angehen.

Das ist dann aber auch erst im Finale des Filmes und Sadako und Kayako Versus-en sich nur für kurze 5 Minuten am Ende, bevor sie zu einem Super-Rachegeist verschmelzen und der Film uns mit einem Cliffhanger an Sequel-Bait hinterlässt.

Der schale Beigeschmack des Filmes bleibt dann auch insgesamt hängen. Statt die beiden urbanen Mythen um Sadako und Kayako wirklich miteinander einen Film zu verweben, laufen halt zwei unterdurchschnittliche parallel zueinander. Und das, obwohl bei beiden nicht viel an Hintergrundstory dahinter steckt, so dass es sicherlich einfach möglich gewesen wäre. Zu Kayako und Toshio gab es eh noch nie viel zu wissen, und bei Sadako kommt eben auch nur rum, wie der Fluch (hier) funktioniert. Gerade die beiden Flüche auch als Gerücht und Geistergeschichten bestehen zu haben, hätte man nutzen können, um die Charaktere denen aktiv nachgehen zu lassen, statt das die erneut einfach so zufällig in die Flüche hinein stolpern. Horror kommt eh keiner so richtig auf, da weder wirklich Atmosphäre aufgebaut wird, und die Todesarten hier schon eher was komödiantisches haben, statt wirklich ernstzunehmend zu sein. Dieser unfreiwillige Humor sind jedoch schon die einzigen kurzen Highlights des ansonsten lahmen Filmes.

Shin Godzilla

ava-2129War schon irgendwie komisch, dass der Godzilla-Film zum 60. Jubiläum eine amerikanische statt japanische Produktion wurde. Aber da die jetzt erst mal damit beschäftigt sind King Kong neu aufzulegen, um die beiden Monster dann anschließend gegeneinander antreten zu lassen wie damals in 1962, füllen doch die Japaner die Lücke. Immerhin hat Godzilla (2014) gut Kohle gebracht, da kann man sich mal wieder an einem jährlichen Japan-Output wagen. Und immerhin, 2016s Shin Godzilla hatte bombige Einspielergebnisse, für dieses Jahr steht bereits der nächste Streifen an, wenn auch überraschend als Animationsfilm.

Was übrigens nicht ganz uninteressant ist, ist die Wahl des Regisseurs, der zugleich auch das Script schrieb. Dafür verpflichtete man nämlich niemand anderen als Hideaki Anno, frisch im Burnout die Rebuild of Evangelions ewig nicht auf die Leinwände zu bekommen. Und man merkt seine Handschrift schon stark im Film. Es gibt jede Menge kurze Einblendungen von Verkehrsschildern/Verkabelungen sowie viel hin und her in Konferenzräumen. Entweder weite Shots, die die Räume groß und leer wirken lassen, oder extreme Closeups auf die Charaktere. Gerne mal die Kamera direkt am Hinterkopf von jemandem kleben lassen, während ein anderer im Hintergrund redet. Selbst die Musik klingt stellenweise wie direkt aus Evangelion entnommen.

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Auch beim Geschehen auf den Straßen Tokyos favorisiert Anno ähnlich dem 2014er-Film die Kamerawinkel eher auf Bodenlevel nach oben gereckt zu halten, und auch hier gern entweder weit weg oder ganz nah am Geschehen. Zusammen mit der Tatsache, dass wir hier so viele Einblendungen der Bevölkerung bei der Flucht, beim Wiederaufbau oder in den Bunkern bekommen, wirkt Shin Godzilla so nah und persönlich wie kaum ein anderer Film der Franchise. Denn er geht den gleichen Weg wie jeder Reboot, in dem Godzilla nämlich das einzige Monster ist, und die Sache wie ein ernster Katastrophenfilm aufgezogen wird.

Und ja, es bleibt bei einem Monster, auch wenn Anno hier uns clever etwas täuscht. Der Film beginnt im Prinzip direkt damit, dass ein unidentifiziertes Wesen in der Bucht von Tokyo auftaucht, wir sehen aber nur Wellen und von der Hitze verdampfendes Wasser, wenig mehr. Nach 10 Minuten bekommen wir dann den Reveal. Bis hierhin dachte man natürlich das wäre erneut einer der Filme, die ein großes Ding daraus machen das Monster lange bedeckt zu halten, obwohl wir alle ja wissen das es Godzilla ist und wie der generell aussieht. Tja, stattdessen schiebt sich ein schon fast komisch aussehendes Vieh durch die Straßen von Tokyo, welches etwas wie eine geschmolzene Wärmflaschenversion von Gamera aussieht. Beinahe lächerlich und bemitleidenswert, wirklich, wenn Anno nicht bereits hier deutlich machen würde, wie viel das Vieh bereits zerstört, mit wackeligen Kameraaufnahmen von fliehender Bevölkerung etc. Zehn Minuten später haben wir dann den richtigen Reveal: Es ist nämlich doch Godzilla. Im hiesigen Film kommt er nämlich durch Umweltverschmutzung zustande, ist ein konstant bedrohlicher mutierendes Urzeitwesen, dass viel radioaktive Abfälle gefressen hat, die einfach so ins Meer gekippt wurden.

Eine weitere Sache, die Shin Godzilla zum ersten Mal adressiert ist übrigens, dass es gar nicht so einfach ist, mitten über dem dicht bevölkerten Tokyo gegen Godzilla zu kämpfen. Vor jedem Waffeneinsatz muss erst das Ok des Premierministers höchstpersönlich kommen. Das macht auch den finalen Einsatz von nuklearen Raketen besonders gewichtig, da der Film schon bei normalen ein großes Ding draus gemacht hat. Atomare Verseuchung allgemein ist wieder groß im Film, denn auch Godzilla hinterlässt entsprechende Ausdünstungen, über den Film hinweg kann keiner so genau sagen, ob die Innenstadt von Tokyo überhaupt anschließen noch bewohnbar sein wird.

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Dabei begeht Shin Godzilla nie den gleichen Fehler, den Godzilla (2014) machte, und wird nicht langweilig. Kurz nachdem er zu Godzilla mutiert ist und doch ein wenig mehr von Tokyo zerstören konnte, verschwindet das Megamonster erst Mal kurz. Verschnaufpause die zeigt, wie sich Tokyo wieder zu heilen versucht. Nur damit ein größer gewordener Godzilla kurz darauf erst so richtig loslegt was die Stadtzerstörung angeht. Von jener kurzen Pause ab haben wir also so ziemlich den konstanten Film über das Monster onscreen. Es mag grundsätzlich lobenswert sein, dass sich Godzilla (2014) etwas zurückzunehmen wusste. Doch der Film hat einfach extrem für den anderen amerikanischen Eintrag, Godzilla (1998), überkompensieren wollen, wollte zu viel Klasse zeigen, in dem ein Indie-Regisseur verpflichtet wurde, der zum Großteil seine Monster nicht zeigt und auch deren Zerstörung erst mal nur in Ruinen, nachdem die Monster schon durch sind. Wir schauen aber einen Godzilla-Film eben genau aus dem Grund um Gigamonster beim Stadtplanieren zuzuschauen. Und Anno beweist hier eben sehr gut das, nur weil man das Monster viel zu sehen bekommt, ein Film nicht automatisch trashy oder lächerlich wird. Wenn das richtig gefilmt ist, bleibt es dennoch ein ernstzunehmender Katastrophenfilm.

Denn Shin Godzilla ist bewusst bierernst gehalten. Was dadurch unterstützt wird, dass wir mal keinen nervigen menschlichen Charakteren folgen, sondern eher die Entscheider in einer Katastrophensituation und ihre Stäbe dabei beobachten, wie sie gegen ein plötzlich auftauchendes Monster agieren. Mit viel Monster und viel Zerstörung dazwischen, damit die Angelegenheit nicht trocken und langweilig wird. So hat ein ernster Godzilla-Film auszusehen und nicht anders.