Sadako vs Kayako

7 Ring-Filme und 8 Ju-ons später, und das rechnet nur die japanischen Inkarnationen ohne die amerikanischen Remakes und deren Sequels, sollte es also zum großen Crossover kommen: Sadako vs. Kayako. Mit ordentlich Marketing dahinter den persönlichen blassen Lieblings-Geist zu wählen, oder das anhand des Popcorns, welches man zur Vorstellung kauft, festzumachen.

Das Versus im Titel kann dabei schnell täuschen, denn für den Großteil der 100 Minuten an Film treffen die beiden Franchises nicht wirklich aufeinander, sondern laufen gemütlich aneinander vorbei. Hauptcharaktere sind zwei Studentinnen im Ring-Part und eine Schülerin im Ju-on-Part des Filmes. Deren Namen ich allerdings schon wieder vergessen habe, also nennen wir sie einfach mal A-Ko, B-Ko und C-Ko.

A-Ko und B-Ko sind es jedenfalls, die direkt zu Beginn des Filmes bei einer Vorlesung am Wegdösen sind. Kann man ihnen kaum verübeln, denn der Professor doziert was über Memes und urbane Mythen. Wobei er eine besondere Manie dem verfluchten Video gegenüber hat. Übrigens wird er auch den weiteren Filmverlauf über besessen davon sein, auf Sadako zu treffen, man sollte aber nicht erwarten, dass diese Fixation jemals wirklich erklärt würde.

Um das Hochzeitsvideo der Eltern von B-Ko von Kasette auf DVD zu überspielen besorgen die beiden sich einen alten Videorekorder, in dem praktischerweise noch das verfluchte Video drin steckt. Wie wir später herausfinden war den Verkäufern des 2nd-Hand-Shops dies durchaus bekannt, und sie fanden es drin zu lassen einen coolen Gag, die Idioten. Ach ja, und wir bekommen auch mit, dass aus irgendwelchen Gründen Sadakos Fluch im Film geändert wurde: Sie tötet nun innerhalb von 2 Tagen statt 7 und das Video zu vervielfältigen und jemand anderem zu zeigen ist nur ein Mythos und funktioniert nicht wirklich. Das Video an sich ist auch ein ganz anderes, viel kürzer, und ziemlich lahm, was aber auch daran liegen kann, dass der Film es uns die ersten paar Mal nicht zeigt, sondern nur die geschockte Reaktion der Zuschauer, und somit einen ziemlichen Hype und nichts aufbaut.

C-Ko derweil zieht mit ihren Eltern in eine neue Nachbarschaft und das Haus auf der anderen Straßenseite ist natürlich ausgerechnet das verlassene Horrorhaus, in dem Herr Saeki seinen Frau und Sohn ermordet hat (hier wird die Katze ausgespart), die seither die Treppen des Gemäuers hoch und runter rasseln, um jeden umzubringen, der das Anwesen betritt.

Hauptsächlich folgen wir im Film allerdings den frisch von Sadako verfluchten A-Ko und B-Ko, die das Video dem Professor zeigen, der die Hilfe eines Mediums heranzieht, wobei Sadako allerdings alle umbringt bis auf einen besonders spirituell begabten Rebellen mit miserabel schauspielernder blinden Loli im Gepäck. Der kommt auf die glorreiche Idee sowohl Sadakos Fluch auf A-Ko wie Kayakos Fluch auf C-Ko loszuwerden, in dem er beide im Saeki-Haus das Video erneut schauen lässt, damit die Geister sich gegenseitig angehen.

Das ist dann aber auch erst im Finale des Filmes und Sadako und Kayako Versus-en sich nur für kurze 5 Minuten am Ende, bevor sie zu einem Super-Rachegeist verschmelzen und der Film uns mit einem Cliffhanger an Sequel-Bait hinterlässt.

Der schale Beigeschmack des Filmes bleibt dann auch insgesamt hängen. Statt die beiden urbanen Mythen um Sadako und Kayako wirklich miteinander einen Film zu verweben, laufen halt zwei unterdurchschnittliche parallel zueinander. Und das, obwohl bei beiden nicht viel an Hintergrundstory dahinter steckt, so dass es sicherlich einfach möglich gewesen wäre. Zu Kayako und Toshio gab es eh noch nie viel zu wissen, und bei Sadako kommt eben auch nur rum, wie der Fluch (hier) funktioniert. Gerade die beiden Flüche auch als Gerücht und Geistergeschichten bestehen zu haben, hätte man nutzen können, um die Charaktere denen aktiv nachgehen zu lassen, statt das die erneut einfach so zufällig in die Flüche hinein stolpern. Horror kommt eh keiner so richtig auf, da weder wirklich Atmosphäre aufgebaut wird, und die Todesarten hier schon eher was komödiantisches haben, statt wirklich ernstzunehmend zu sein. Dieser unfreiwillige Humor sind jedoch schon die einzigen kurzen Highlights des ansonsten lahmen Filmes.

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Shin Godzilla

ava-2129War schon irgendwie komisch, dass der Godzilla-Film zum 60. Jubiläum eine amerikanische statt japanische Produktion wurde. Aber da die jetzt erst mal damit beschäftigt sind King Kong neu aufzulegen, um die beiden Monster dann anschließend gegeneinander antreten zu lassen wie damals in 1962, füllen doch die Japaner die Lücke. Immerhin hat Godzilla (2014) gut Kohle gebracht, da kann man sich mal wieder an einem jährlichen Japan-Output wagen. Und immerhin, 2016s Shin Godzilla hatte bombige Einspielergebnisse, für dieses Jahr steht bereits der nächste Streifen an, wenn auch überraschend als Animationsfilm.

Was übrigens nicht ganz uninteressant ist, ist die Wahl des Regisseurs, der zugleich auch das Script schrieb. Dafür verpflichtete man nämlich niemand anderen als Hideaki Anno, frisch im Burnout die Rebuild of Evangelions ewig nicht auf die Leinwände zu bekommen. Und man merkt seine Handschrift schon stark im Film. Es gibt jede Menge kurze Einblendungen von Verkehrsschildern/Verkabelungen sowie viel hin und her in Konferenzräumen. Entweder weite Shots, die die Räume groß und leer wirken lassen, oder extreme Closeups auf die Charaktere. Gerne mal die Kamera direkt am Hinterkopf von jemandem kleben lassen, während ein anderer im Hintergrund redet. Selbst die Musik klingt stellenweise wie direkt aus Evangelion entnommen.

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Auch beim Geschehen auf den Straßen Tokyos favorisiert Anno ähnlich dem 2014er-Film die Kamerawinkel eher auf Bodenlevel nach oben gereckt zu halten, und auch hier gern entweder weit weg oder ganz nah am Geschehen. Zusammen mit der Tatsache, dass wir hier so viele Einblendungen der Bevölkerung bei der Flucht, beim Wiederaufbau oder in den Bunkern bekommen, wirkt Shin Godzilla so nah und persönlich wie kaum ein anderer Film der Franchise. Denn er geht den gleichen Weg wie jeder Reboot, in dem Godzilla nämlich das einzige Monster ist, und die Sache wie ein ernster Katastrophenfilm aufgezogen wird.

Und ja, es bleibt bei einem Monster, auch wenn Anno hier uns clever etwas täuscht. Der Film beginnt im Prinzip direkt damit, dass ein unidentifiziertes Wesen in der Bucht von Tokyo auftaucht, wir sehen aber nur Wellen und von der Hitze verdampfendes Wasser, wenig mehr. Nach 10 Minuten bekommen wir dann den Reveal. Bis hierhin dachte man natürlich das wäre erneut einer der Filme, die ein großes Ding daraus machen das Monster lange bedeckt zu halten, obwohl wir alle ja wissen das es Godzilla ist und wie der generell aussieht. Tja, stattdessen schiebt sich ein schon fast komisch aussehendes Vieh durch die Straßen von Tokyo, welches etwas wie eine geschmolzene Wärmflaschenversion von Gamera aussieht. Beinahe lächerlich und bemitleidenswert, wirklich, wenn Anno nicht bereits hier deutlich machen würde, wie viel das Vieh bereits zerstört, mit wackeligen Kameraaufnahmen von fliehender Bevölkerung etc. Zehn Minuten später haben wir dann den richtigen Reveal: Es ist nämlich doch Godzilla. Im hiesigen Film kommt er nämlich durch Umweltverschmutzung zustande, ist ein konstant bedrohlicher mutierendes Urzeitwesen, dass viel radioaktive Abfälle gefressen hat, die einfach so ins Meer gekippt wurden.

Eine weitere Sache, die Shin Godzilla zum ersten Mal adressiert ist übrigens, dass es gar nicht so einfach ist, mitten über dem dicht bevölkerten Tokyo gegen Godzilla zu kämpfen. Vor jedem Waffeneinsatz muss erst das Ok des Premierministers höchstpersönlich kommen. Das macht auch den finalen Einsatz von nuklearen Raketen besonders gewichtig, da der Film schon bei normalen ein großes Ding draus gemacht hat. Atomare Verseuchung allgemein ist wieder groß im Film, denn auch Godzilla hinterlässt entsprechende Ausdünstungen, über den Film hinweg kann keiner so genau sagen, ob die Innenstadt von Tokyo überhaupt anschließen noch bewohnbar sein wird.

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Dabei begeht Shin Godzilla nie den gleichen Fehler, den Godzilla (2014) machte, und wird nicht langweilig. Kurz nachdem er zu Godzilla mutiert ist und doch ein wenig mehr von Tokyo zerstören konnte, verschwindet das Megamonster erst Mal kurz. Verschnaufpause die zeigt, wie sich Tokyo wieder zu heilen versucht. Nur damit ein größer gewordener Godzilla kurz darauf erst so richtig loslegt was die Stadtzerstörung angeht. Von jener kurzen Pause ab haben wir also so ziemlich den konstanten Film über das Monster onscreen. Es mag grundsätzlich lobenswert sein, dass sich Godzilla (2014) etwas zurückzunehmen wusste. Doch der Film hat einfach extrem für den anderen amerikanischen Eintrag, Godzilla (1998), überkompensieren wollen, wollte zu viel Klasse zeigen, in dem ein Indie-Regisseur verpflichtet wurde, der zum Großteil seine Monster nicht zeigt und auch deren Zerstörung erst mal nur in Ruinen, nachdem die Monster schon durch sind. Wir schauen aber einen Godzilla-Film eben genau aus dem Grund um Gigamonster beim Stadtplanieren zuzuschauen. Und Anno beweist hier eben sehr gut das, nur weil man das Monster viel zu sehen bekommt, ein Film nicht automatisch trashy oder lächerlich wird. Wenn das richtig gefilmt ist, bleibt es dennoch ein ernstzunehmender Katastrophenfilm.

Denn Shin Godzilla ist bewusst bierernst gehalten. Was dadurch unterstützt wird, dass wir mal keinen nervigen menschlichen Charakteren folgen, sondern eher die Entscheider in einer Katastrophensituation und ihre Stäbe dabei beobachten, wie sie gegen ein plötzlich auftauchendes Monster agieren. Mit viel Monster und viel Zerstörung dazwischen, damit die Angelegenheit nicht trocken und langweilig wird. So hat ein ernster Godzilla-Film auszusehen und nicht anders.

Gekijōban Zero

ava-2065Gekijōban ist ein Zusatz, den viele japanische Filme tragen, denn übersetzt heißt es nichts anderes als „der Film“, wird also normalerweise Verfilmungen anderer Medien angehängt, oder wenn es eine TV/Direct to DVD Produktion auf die Kinoleinwand verschlägt. Im hiesigen Falle einer Verfilmung eines Romans basierend auf einer Spiele-Franchise. Nämlich einer Survival-Horor-Reihe von Tecmo. Jetzt geklingelt? Jepp, Zero ist der japanische Titel unseres europäischen Project Zero, Nordamerikas Fatal Frame. Kleines fun fact: Japaner lieben ihre Wortspiele, und dies erklärt auch deren Titelgebung, denn das genutzte Schriftzeichen bedeutet zwar Null/Nichts (Zero), wird aber ähnlich dem japanischen Wort für Geist ausgesprochen.

Die Project Zeros haben ja alle fünf eigentlich so ziemlich die gleiche Handlung, und zwar verschlägt es ein oder mehrere niedliche Mädels (und evtl. einen Kerl) in ein verlassenes Dorf oder Anwesen, dessen Geschichte auf blutige Opferrituale zurückzuführen ist, und die deswegen von rachsüchtigen Geistern heimgesucht werden, die nur mit spirituellen Kameras erlöst werden können. Zero the Movie hat bei „niedliche Mädels“ aufgehört mitzulesen.

Denn der Film spielt an einer katholischen Mädchen-Schule, bei dem ein Gerücht umgeht, dass man nur das Bild seines Schwarms küssen muss, damit was gutes geschieht. Lesbische Neigungen brodeln natürlich ordentlich auf, und so ziemlich die halbe Schule knutscht das Foto vom beliebtesten Mädel Aya, nachdem jene angefangen hat, sich in ihrem Zimmer einzuschließen. Dummerweise führt das allerdings dazu, dass mehr und mehr der Mädels immer häufiger auftretende (Tag-)Träume von Ayas Geist haben, ihnen auftragend sie vom Fluch zu befreien. Und nach einigen Tagen verschwinden die besessenen Mädels dann spurlos.

Fast halb durch den Film hindurch tauchen sie dann alle ertränkt im Fluss auf, und auch Aya verlässt endlich ihr Zimmer, um dabei zu helfen, aufzudecken, was hier eigentlich wirklich los ist. Dabei finden sie unter anderem heraus, dass es nicht ganz ungewöhnlich war, dass sich verliebte Mädels, die auf dies Schule gingen, gemeinsam in einem benachbarten See ertränkt haben, bevor sie voneinander getrennt und ihren auserwählten Ehemännern in die Arme getrieben werden konnten.

Zero the Movie erinnert absolut und rein gar nicht an Project Zero. Ich mein es gibt zwei oder drei Szenen, in denen die Schülerinnen auf einen kleinen jungen mit altmodischer Kamera treffen, der meint durch sie könne er Geister sehen, aber all jene Szenen könnten komplett aus dem Film geschnitten werden, ohne das sich irgendwas an der Handlung ändern würde, und die Mädels sehen reichlich Geister auch ohne die Hilfe einer Kamera. Woran mich Zero the Movie stattdessen viel eher erinnerte, waren die koreanischen Whispering Corridors Filme. Angesiedelt an einer Mädchenschule, Gerüchte spielen eine Rolle, es gilt herauszufinden weswegen der Geist umgeht, und selbst der lesbische Subtext und die Herangehensweise näher eines Dramas denn Horror-Films ist aus jenen bekannt.

Denn Zero the Movie wirklich als Drama mit Geistern drin zu sehen, statt einen waschechten Horror-Film zu erwarten, täte echt gut, denn ansonsten spielt der Film komplett an den Erwartungen vorbei. Wie gesagt ist die Gangart und der Ton eher gemächlich, es kommt nie wirklich zu erschreckenden Ereignissen. Die Geistererscheinungen sind alle sehr hübsch inszeniert, bedrohen die Mädchen aber nie auch nur im Geringsten. Das hier ist wirklich mehr ein Drama um einen Mord, der an einer Mädchenschule geschehen ist, bei dem die Geistererscheinung nur dazu dient, die Investigation loszutreten. Plus ein wenig Sozialkritik, da Homosexualität in Japan immer noch nicht super anerkannt ist, sondern von der Borg-Gesellschaft erwartet wird, dass du noch etwas Herumprobieren als Jugendlicher zu Sinnen kommst und wie alle Erwachsenen heiratest und deine 1,5 Kinder zeugst.

Und ganz ehrlich gesagt ist der Film auf sich alleine stehend gar nicht mal so übel. Ich mochte den Look, ich mochte die Handlung, ich mochte die Art und Weise, wie dies alles präsentiert und nach und nach aufgedeckt wurde. Dennoch ist es halt echt komisch, dass Zero the Movie absolut gar nichts mit den Spielen zu tun hat, auch wenn da die Schuldigkeit anscheinend in besagtem Roman zu suchen ist, auf dem der Film basiert, und der von daher schon scheinbar die Spiele komplett links liegen lies.

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Ju-on: Part Cinq

ava-2063Ju-On ist einfach nicht tot zu kriegen. 2000 begonnen (bzw. 1998, wenn man die beiden Mini-Episoden zählt) kamen in sechs Jahren sechs Filme auf die japanischen und amerikanischen Bildschirme. Dann zum Jubiläum 2009 gleich drei weitere. Und wieder fünf Jahre später ging es erneut los: 2014 begann eine neue Duologie mit Beginning of the End, in 2015 gefolgt von Final Curse, und da bei Ju-On nichts final ist, stand 2016 mit Sadako vs Kayako ein Crossover mit der Ring-Franchise an, die genauso wenig tot zu kriegen ist. Selbst Hollywood will wieder was neues beisteuern, so war ebenfalls zum 15-jährigen in 2014 ein weiterer The Grudge geplant, der aber seither in Development Hell abgetaucht ist.

Ju-On: The Beginning of the End folgt hauptsächlich Yui, die als frisch gebackene Lehrerin ihre erste Grundschulklasse zugewiesen bekommt, jedoch feststellen muss, dass der Schüler Toshio nie aufzutauchen scheint. Der vorige Lehrer der Klasse ging dem bereits nach, und ist nun tot. Als sie das Haus der Saekis besucht, trifft sie dort nur auf Toshios merkwürdige Mutter Kayako, und flieht nach ein paar seltsamen Begebenheiten dem Haus. Ab jetzt hat sie allerdings merkwürdige Episoden, die bedrohlicher und häufiger werden, und selbst auf ihren Freund scheint sich dies langsam auszubreiten, der seltsamerweise in der zweiten Hälfte des Filmes plötzlich den Großteil der Investigationsarbeit übernimmt, während Yui kurzzeitig etwas in den Hintergrund gerät.

Dazwischen haben wir allerdings eine zweite Timeline, der wir folgen, und die in 2004 stattfindet. Vier Schülerinnen besuchen das angeblich verfluchte Haus, in dem ein Kind umgebracht wurde, und sind etwas enttäuscht, dass es wie jedes zum Verkauf leerstehende Haus aussieht. Spektakulärer ist da schon das, sobald sie wieder zu Hause sind, sie vom Geisterjungen verfolgt werden. Im Prinzip dient letztendlich dies als erweiterte Episode darum, wie Kayako Saeki mit ihrem Mann ins Haus eingezogen ist, besessen davon ein Kind zu bekommen, und letztendlich den Geist vom ermordeten Toshio zur Welt brachte, bis der Vater erneut gründlich aufräumte und alle umbrachte.

Mehr oder weniger alle zumindest, denn Ju-On: The Final Curse setzt genau dort an, wo The Begining of the End aufhörte. Die Rückblicke ins Jahr 2004 sind rum, denn wir wissen ja jetzt die Origins-Story der beiden Geister, die in 2014 Yui und Co. nachgestellt sind. Hier sind wir jetzt kurz nach dem Spurlosen verschwinden von eben Yui bei ihrer Schwester Mai und deren Freund, die anfängt die Begebenheiten um die letzten Tage und Wochen ihrer Schwester aufzudecken, während sie selbst vom Fluch heimgesucht werden. Als Nebenhandlung haben wir die Schülerin Reo, deren Mutter ihren Cousin aufnimmt, seitdem dessen Mutter umgebracht wurde und der Vater verschwunden ist. Die Tatsache, dass wir den Vater zwar Kayako und die Katze, aber theoretisch nicht Toshio on screen haben umbringen lassen, sowie das wir den bei Reo aufgenommenen Jungen zunächst immer nur per Hinterkopf sehen, sollte jedem sofort klar machen, dass dies der überlebende Toshio ist, lang bevor nach 30 Minuten der Film das als große Offenbarung hinstellt.

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Nachdem Black Ghost/White Ghost also ihre eigenes Ding gedreht haben, sind wir in der neuesten Ju-On Duologie zurück beim miauenden Toshio und seiner rasselnden Mutter Kayako, die jedem nachzustellen beginnen, der das Haus betritt, in dem sie umgebracht wurden. Die Sache läuft also nicht wirklich wesentlich anders ab, als in den alten Filmen von Anfang-Mitte 2000, nur das die erneut erzählte Origins-Story etwas anders und erweitert ist, weil sie im Prinzip diesmal einen kompletten Film von 90 Minuten durchhalten muss, bis es im zweiten Teil weitere 90 Minuten darum geht, zu sehen, ob man dagegen vielleicht was machen kann. Und wie immer in diesen Filmen gibt es keine Antworten eben darauf, sondern nur die Erkenntnis, dass der Fluch, wo er nun schon Mal auf die Welt losgelassen ist, nicht abwendbar ist. Selbst wenn man das verfluchte Haus an sich zerstört, denn Toshio und Kayako hängen sich schlichtweg an jeden ran, der es betreten hat, und ziehen eben bei denen ein, wodurch sich der Fluch erweitert. Im Prinzip wäre die beste Vorgehensweise das Saeki-Haus einfach abzuschotten, so dass die beiden Geister darinnen versauern können, ohne je in menschlichen Kontakt zu kommen.

Die Handlung ist also mal wieder gewohnt etwas dünn und gewohnt wiederholt, wie man das von der Franchise mittlerweile wohl gewohnt ist. Dennoch haben es The Beginning of the End und The Final Curse geschafft, mich nicht wirklich zu langweilen. Es mag etwas daran liegen, dass meine Erwartungen bei etwas mit Ju-On im Titel sowieso gezügelt beginnen. Es mag auch teilweise damit zusammenhängen, dass ich nach all den 1313s einfach schon froh über Filme bin, die halbwegs kompetent gefilmt, inszeniert, geschauspielert sind, und sogar mal wieder Horror bieten. Was auch immer eventuell unterbewusst mitgeholfen hat, aber ich würde die neuen Filme, die prinzipiell eigentlich eh nur einer von 3 Stunden zweigeteilt ist, durchaus als einige der besseren Einträge in die Franchise nennen.

Auch schlichtweg, weil sie einem mehr zeigen. Die früheren Filme hatten meist außer Suspens wenig zu bieten, in dem jeder Charakter zuerst langsam und dann häufiger einen weißen Schatten im Augenwinkel sah, bis sie dann plötzlich einem der Geister direkt gegenüberstanden, und Cut zum nächsten todgeweihten Charakter. Die beiden neuen Filme wirken sowieso von vornherein besser zusammenhängend und weniger episodisch. In Serien-Tradition sind sie immer nach in Vignetten unterteilt, die nach dem Charakter benannt sind, dem wir folgen. Doch diesmal hängen die eben besser zusammen. In The Beginning of the End sind das beispielsweise die vier Mädels in 2004 und Yui und ihr Freund in 2014, die zusammengenommen eben eine durchgehende Timeline erzählen.

Außerdem sind die Todesarten und Scares wesentlich vielfältiger, scheinen sich aus den vorigen Filmen genau wie aus anderen Horror-Ikonen zu bedienen. Der abgerissene Unterkiefer kommt beispielsweise aus einem der amerikanischen The Grudge, wenn ich mich recht erinnere. Und ganz grundlos ist ein Symptom des Fluches eine Besessenheit mit Spiralen, als wäre man kurzzeitig in einem Uzumaki gelandet. Einige Todesarten sind echt fies, andere sogar wieder unfreiwillig komisch, wie der merkwürdige Effekt, wenn sich der Mund des einen Mädels wie bei einer schmelzenden Aufblaspuppe langzieht, bevor der Kiefer reißt. Oder wenn einem Kerl das Genick gebrochen wird und er mit verdrehtem Kopf auf seine Freundin zuläuft. Dass Papa Saeki so gründlich ist selbst die Familienkatze in die Mikrowelle zu werfen, wird mich glaub ich auch nie nicht schmunzeln lassen.

Ganz sehenswert sind die beiden Einträge, wenn man ein Faible für J-Horror mitbringt, also auf jeden Fall. Aufgelöst wird erneut nicht viel, dafür aber ein Potpourri an Klischees des Genres in einen soliden 3-Stündiger gebündelt. Ein wenig Trägheit lässt sich natürlich in Film 10 und 11 einer relativ ähnlich gestrickten Franchise nicht abschütteln, wer allerdings noch kein einziges Ju-On gesehen hat, sollte vielleicht auch einfach hier starten, bei den beiden Teilen mit dem meisten Unterhaltungswert, und bevor einem das Konzept etwas müde wird.

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Shark Week V – Jaws in Japan

ava-2022Über das Jahr 2014 hinweg hatten wir hier im Blog nicht weniger als 4 Shark Weeks, jeweils angeführt von einem der Jaws-Filme, dem Klassiker des Monsterhai-Subgenres. Dass es da a) wesentlich mehr jener Filme bereits gibt und b) ungebrochen regelmäßig weitere auf SyFy geworfen werden, war ja mehr als klar, immerhin lassen die jene gerne in Tandem zur sommerlichen Shark Week auf dem Discovery Channel laufen. Und mir selbst war auch mal wieder danach, ein wenig zu schauen, also Shark Week Nummer Fünf. Offizielle Jaws gibt es zwar keine weiteren, aber durchaus den einen oder anderen Hai-Film, dessen Titel einem gern dies glauben machte, um auf deren Popularität aufzuspringen. Jaws in Japan tat dies wohlweislich eher spät, der Film ist nämlich von 2009, über zwanzig Jahre nach dem letzten Jaws erschienen.

Deswegen kam der Film auch in Namens-Probleme und wurde im Westen zu Psycho Shark umbenannt. Da die Mädels in einem Hotel umgebracht werden, eine davon sogar unter der Dusche, gehe ich Mal stark davon aus, dass auch dies eine Anspielung auf einen sogar noch älteren Klassiker ist. Die ersten fünf Minuten des Filmes schauen dann auch zunächst aus wie jeder Haiattack-Film ever, wechselnd zu Paranormal Activity, um dann Poltergeist in Erinnerung zu rufen. Mit Originalität gesegnet ist Jaws in Japan schon mal nicht.

Ich wäre ehrlich gesagt auch sehr überrascht, wenn der Film mit so was schnödem wie einem Script gesegnet gewesen wäre. Das Ding wird eher eine Idee gewesen sein, die jemand in zwei Sätzen auf ein Taschentuch gekritzelt hat, um dann einfach irgendwann mal munter drauf los zu filmen. Und das Ganze auf einem Trinkgeld-Budget. Jaws in Japan ist nämlich auch, zumindest teilweise, ein Found Footage Film, denn die Mädels, die in diesem Hotel Strandurlaub machen, bekommen vom Betreiber eine Videokamera in die Hände gedrückt, um sich gegenseitig filmen zu können. Sprich gut die Hälfte des Filmes besteht aus jenen verwackelnden und blechern klingenden Aufnahmen. Die fünf Darstellerinnen sind wohl auch billig zu haben gewesene Gravure Models oder so – das ist sozusagen Pinup in Japan, die Mädels machen Erotikaufnahmen, ohne sich dabei komplett zu entblößen. Denn im Gegensatz zu normalen japanischen Idols/Schauspielerinnen sind sie nicht krankhaft untergewichtig, sondern haben sogar ein oder zwei Kilo auf den Rippen, was in jenem Geschäft brauchbar ist, weil es eben zu Rundungen führt. Dafür ist aber auch keinerlei schauspielerische Leistung vorhanden.

Was natürlich nicht hilft ist, dass den unerfahrenen Mädels scheinbar keine Direktion gegeben war. Gut Dreiviertel der Szenen im Film wirken so, als hätte man den Mädels eine Kamera in die Hände gedrückt und gesagt „tollt mal davor rum, zeigt ordentlich Titten und Arsch, und unterhaltet euch halt irgendwie“. Denn das machen gut 50 der 70 Minuten des Filmes aus. Endlose Szenen der ersten Dreiergruppe oder dem aktuellen Duo, die vor der Kamera posieren, und dabei in schrecklich künstlichen Idol-Stimmchen entweder vor sich hin quietschen oder die ewig gleichen hohlen Floskeln in Non-Konversationen wiederholen. Jaws in Japan zu schauen erinnert schnell an Wassertortur.

Wenn dann doch mal was passiert, kann man sich glücklich schätzen, denn das bedeutet der Film ist so gut wie rum, nämlich auf den 20 Minuten seiner Zielgeraden. Viel sollte man vom antiklimaktischen Finale immer noch nicht erwarten, aber nachdem Mädel A sich durch endlose ereignislose Videoaufnahmen des ersten Trios geschaut hat, merkt sie halt, wer sie umgebracht hat, und versucht Mädel B vor Mr. Bates zu warnen. Den sie fast damit ausschaltet, in dem sie einfach in ihn rein läuft, und ins Meer tackelt – wohlgemerkt rennt sie geradeaus auf ihn zu, er sieht sie von Weitem kommen, und hat ein Messer in der Hand, es ist also etwas merkwürdig, dass die Aktion überhaupt klappt. Der Hai taucht dann auch auf, in genau 2 Szenen zum Schluss für jeweils 3 Sekunden, in denen er es schafft auch mal wieder von sehr unterschiedlicher Größe zu sein.

Ne, Jaws in Japan, so geht es ja nicht, bei einem trashigen Hai-Filmchen hät ich schon gern mehr, als 70 Minuten gebannte Langeweile. Kein Spaß, keine Spannung, und schon mal gar keine Überraschung liefert uns Psycho Shark. Das wenige, was geschieht, macht weder Sinn, noch ist überhaupt am Ende alles erklärt, und scheiße aussehen tut die ganze Angelegenheit auch noch. Aber hey, wer die Venus Clips in Dead or Alive Paradise spannend fand, der bekommt hier 70 Minuten davon geboten, denn viel mehr als Bikini-bekleidete Ärsche und Titten liefert der Film nicht auf die Flimmerkiste.

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Sadako 2

ava-1908Die wohl nie endende Ring-Saga nun also im Addendum Teil 2, mit der Fortsetzung zu Sadako 3D, welcher bereits eine alternative Fortsetzung zum zweiten Ring-Buch Rasen/Spiral war, auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, wie das an jenes Ende hat passen sollen, vielleicht macht ja der Roman S dies eindeutiger.

Is ja auch egal, Sadako 3D war sowieso, wie man so schön umgangssprachlich sagt, gequirlte Scheiße. Nicht nur qualitativ ziemlich unterirdisch, sondern einfach auch narrativ ein höllische Durcheinander ohne roten Faden oder Sinnigkeit hinter dem, was geschah. Dem bleibt sich Sadako 3D 2 treu.

Akane, hinter deren Körper zur Wiedergeburt Sadako im vorigen Teil her war, ist gestorben, hat vorher aber noch Nagi auf die Welt gebracht. Das mittlerweile 5-jährige Mädchen wird von ihrer Tante betreut, und ist ein Super-Creep. Malt verstörende Bilder, hat keine Freunde, schaut immer fies von unten unterm schräg geschnittenen Pony hervor. Der Film will uns natürlich auf die Fährte locken, dass sie die wiedergeborene Sadako ist, zumal Leute, denen sie besonders creepy gegenüber ist, auch sterben, häufig wie sie es in ihren Bildern gezeichnet hat, aber eigentlich können wir uns denken, dass sie nur unverstanden und gemobbt ist, weil sie die Tode durch Sadako vorhersieht, aber nicht zwangsläufig oder zumindest nicht freiwillig herbei beschwört. Doch dann dauert es doch wirklich fast bis ins Finale, bis der Film dies auch wirklich auflöst und erst im Epilog wissen wir, wer wirklich Sadakos Kind ist, während die Charaktere die Suche nach ihr ganz zu vergessen zu haben scheinen.

Der Vater von Nagi kommt auch vor, ist aber unwichtig. Ein Polizist wird im Finale wichtig, den wir vorher vielleicht in zwei oder drei unzusammenhängenden Szenen gesehen haben. Außerdem springt der Mörder aus dem vorigen Teil rum, bzw. sitzt ein und wartet auf die Todesstrafe, und ist ebenfalls relativ unnütz, außer um Nagis Tante zu sagen, entweder stirbt sie oder bringt Sadakos Kind um. Dann gibt es noch eine seltsame Lady in Weiß, die zu Beginn und Ende des Filmes kryptisch brabbeln darf, aber auch nicht wirklich was tut. Sadako taucht tatsächlich auf, fürs Finale, stirbt aber eine halbe Sekunde später auch schon und grunzt dabei wie ein Wal.

Oder anders gesagt: Auch Sadako 2 3D, wenn auch immerhin schon etwas geradliniger und simpler als sein Vorgänger, macht narrativ ebenfalls wenig Sinn, weder darin, wie die Hauptereignisse wirklich passen sollen, wie die Revelation gegen Ende Sinn machen soll (typisch nur zur Überraschung und Sequel Bait da), und vor allem mit jede Menge Nebenzeug, das nie wichtig wird und heraus editiert gehört hätte. Der Film ist dabei auch erneut genauso unheimlich wie sein Vorgänger, sprich eigentlich gar nicht, erschrecken tut man höchstens mal an einem billigen Jump Scare, aber Atmosphäre muss man im penetrant blau getünchten Film nicht erwarten.

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Resident Evil: Damnation

ava-1906Vier Jahre nach dem nicht unbedingt super angekommenen Degeneration versuchte man sich bei Capcom und Sony also in 2012 an einem zweiten CG-Film zu Resident Evil, Damnation. Und ich kann schon mal hier sagen, dass er alles besser macht, als der vorige Eintrag.

Diesmal haben wir eine politische Handlung, denn Damnation spielt in einem erfundenen Land der ehemaligen UDSSR, in welchem eine Widerstandsbewegung gegen die harte Regierung kämpft, und sich scheinbar auch nicht davor scheut, die Plaga aus Resident Evil 4 einzusetzen. Mit einem neuen Gimmick allerdings, denn es gibt ganz wie in einem Bienenvolk nun einen, der sozusagen das Königinnenvirus intus hat, und damit die anderen Plaga-Monstrositäten steuern kann. Leon S. Kennedy ist natürlich hierhin geschickt worden, eigentlich hatte er ja Urlaub, wie er uns wiederholt flapsig erinnert, und bleibt selbst dann dort, wenn die USA ihre Einheiten eigentlich abzieht.

Diesmal ist übrigends auch Ada Wong mit dabei, die wie immer von ihrem Standpunkt aus etwas ambitionierter ist, nämlich mit der Regierung verhandelt, oder doch hintergeht, und Leon hilft, aber nicht unbedingt wirklich auf seiner Seite steht.

Letztendlich ist die Geschichte natürlich auch nicht super intelligent. Die Terroristen sind sebstredend eigentlich die Guten, was man sofort weiß, sobald man auf den witzigen Sidekick und den viel zu attraktiven Anführer trifft, als dass dies Charakterdesigns für Bösewichter wären. Die Frau Präsidentin hingegen ist da schon deutlicher eindeutig fischig. Aber dennoch ist die Handlung, vielleicht auch durch den Schauplatz bedingt, diesmal etwas gefälliger als im Vorgänger, da zwar immer noch nicht super speziell, aber nicht mehr ganz so generisch wirkend. Vielleicht hilft es auch, dass sich der Film einfach wesentlich mehr mit ihr zurück hält und noch mehr die Action sprechen lässt, als sein Vorgänger. Selbst kitschige Charakter-Backstory und –Momente, die es freilich dennoch weiterhin gibt, sind rar gesät und schnell vorbei.

Und das ganze Ding sieht einfach viel besser aus. Das Design der Monster ist cooler, der Antagonist ist cooler, die Action haut mehr rein. Super brutal ist der Film immer noch nicht, hat aber eine dunklere Atmosphäre und doch mehr Blut zu bieten, so dass es doch etwas besser kommt, wenn es zu krachen beginnt, weil es diesmal dadurch nicht ganz so gelackt CG-Fake ausschaut. Die Kamerawinkel und –führung sind besser, viel davon auch natürlich schlichtweg weil das hier ein 3D-Streifen war, bei dem man Tiefenwirkung und Popouts ins Publikum haben will, aber selbst eingeebnet führt das noch zu ein paar netten Shots, mit vielen Großaufnahmen, Winkeln vom Boden um die räumlichen Ausmaße besser darzustellen, und auch einigen atmosphärischen POV-Shots. Selbst das Setting ist wesentlich netter anzuschauen, mit dem ganzen alten russisch/osteuropäischen Glanz, den die Straßen der Stadt und deren Untergrund versprühen. Da muss nicht mal alles in ständiger Dunkelheit mehr spielen, sondern auch das Finale gegen die beiden Übermensch-Golems in den lichtdurchfluteten Prunkstraßen kommt richtig gut – und bietet besseren Kontrast zum Blut.

Von daher konnte mich Damnation wirklich wesentlich mehr von sich überzeugen, als das bei Degeneration noch der Fall war. Besseres Setting, bessere Action, bessere Charaktere, weniger Story, bessere Animation (Leon hat hier sogar Mimik verpasst bekommen!), einfach wesentlich mehr Unterhaltungswert steckt im zweiten Resident Evil CG-Film.

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Resident Evil: Degeneration

ava-1900In 2011 gab es die ersten vier Resident Evil Realfilme, in 2013 hab ich den fünften nachgeschoben, doch der sechste und angeblich letzte lässt wiederholt auf sich warten. Doch ist das gar nicht alles, was an Resident Evil so verfilmt wurde, beispielsweise gibt es da aus japanischer Front zwei CGI-Streifen.

Resident Evil: Degeneration machte 2008 den Anfang und spielt… ich nehme mal an nach Teil 2, weil sowohl Claire Redfield und Leon S. Kennedy vorkommen und sich bereits vom dortigen Vorfall kennen, sowie Racoon City bereits in die Luft gesprengt wurde, aber ich denk mal noch vor Resident Evil 4, weil von Ada Wong nichts zu sehen ist und Leon auch jene Ereignisse nicht referenziert. Zumindest soweit ich als jemand, der nie ein Spiel angefasst hat, da den Überblick zu hat.

Nicht das dies so wichtig wäre, Resident Evil ist nicht gerade ein Silent Hill, sondern zeichnet sich mehr durch coole Action und unheimliche Atmosphäre aus, statt gut geschriebener Story oder Charaktere. So auch der Film, der natürlich dennoch eine Alibi-Handlung hat. WilPharma, die aus Umbrella entstanden sind, sind also im Auge der Öffentlichkeit nicht besonders beliebt, was auch daran liegen kann, dass der fette Boss und der britische Zweitgesetzte eindeutig Bösewicht-Archetypen sind. Jedenfalls kommt es auf dem Flughafen, auf dem fetter Boss und Claire zufällig gemeinsam sind, zu einem Ausbruch des T-Virus, was natürlich Claire auch ziemlich auf den Trichter bringt, dass WilPharma die Bösen sind.

Stimmt nur scheinbar nicht, die haben nämlich ein Antivirus entwickelt, welches allerdings bei einem Terroranschlag vernichtet wird, hinter dem angeblich Ex-Forscher Curtis steckt, der der Bruder von Angela ist, die zu einer Spezialeinheit gehört, mit der Leon vorübergehend zusammenarbeitet. Alles kulminiert in einem großen Finale bei WilPharma, wo das G-Virus und T-Virus ausbrechen, an denen dort geforscht wurden, während Claire, Leon und Angela sich rauskämpfen, dafür auch den mutierten Curtis unschädlich machen müssen, nur um den britischen Fiesling verhaftet zu bekommen.

Wie gesagt die Handlung, Charaktere und Dialoge sind jetzt auch in den Spielen nicht gerade Glanzstücke, sondern Resident Evil emuliert schon bewusste B-Horror-Movies und steckt das eben nur in gute Spiele (bis zu einer gewissen Nummer zumindest). Wenn man also das gute Spiel raus nimmt, bleibt man bei einem nicht wirklich guten Film. Deswegen hat mich die nicht unbedingt vorhandene Qualität der Live Action Filme auch nie so sonderlich überrascht.

Aber vielleicht macht Degeneration ja alles besser, immerhin ist es von Capcom (in Zusammenarbeit mit Sony) selbst kommend und direkt im Universum der Spiele angesiedelt. Capcom hat allerdings auch Resident Evil 5 und 6 gemacht, von daher stehen die auch nicht unbedingt für Qualität.

Nun, genug um den heißen Brei geredet, Degeneration ist schon ganz anschaubar wenn es um die pure Action geht. Ob nun Zombies oder G-Mutationen über den Haufen geschossen werden, oder ein Flugzeug ins Terminal crasht, oder der ganze WilPharma-Komplex in sich zusammenfällt. Nur leider ist die ganze Sache etwas arg unblutig geworden, hier hätte man sich doch ein bisschen mehr Brutalität gewünscht. Und die Curtis-Mutation sieht schon etwas zu dämlich aus, um wirklich Respekt einzuflößen.

Dämlich wird es wie gesagt, wenn der Film sich um Charaktere und Story bemüht. Die dünne Alibi-Handlung um WilPharma und neue Virus-Ausbrüche ist sowieso ziemlich egal, mehr stören die kitschigen Flashbacks auf das Leben von eigentlich (natürlich) nicht wirklich Bösen Curtis und seiner Schwester Angela, genau wie der Einfall sie zum Love Interest des steifen Leon zu machen, der den ganzen Film über nur einen einzigen Gesichtsausdruck und Stimmlage kennt, und damit selbst gegenüber den anderen CG-Mannequins noch unechter wirkt.

Mäßige Handlung, dämliche Dialoge, aber ganz brauchbare Action. So viel nimmt sich für mich Degeneration gegenüber den Live Actions ehrlich gesagt nicht. Aber wie bereits erwähnt, Resident Evil minus das Spielerische ist eben jetzt auch kein Burner.

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Big Bang Love, Juvenile A

ava-1846Wenn ich den Namen Takashi Miike höre, denke ich entweder an super brutale Gangster- oder Horrorfilme, wie er zu Beginn seiner Karriere machte, oder an absolut Familienfreundlichen Mainstream, mit dem er in den letzten Jahren sein Geld verdient. Big Bang Love, Juvenile A passt das in keines der beiden Schema, sondern macht seinem etwas umständlichen Namen Ehre, ist ein ruhiger Arthouse-Streifen. Aber wenn man gut hundert Filme gemacht hat, ist ja eigentlich zu erwarten, dass darunter so ziemlich alles zu finden sein kann.

Der Film beginnt mit einem Kerl, der wild von der Leber darüber philosophiert, dass man die Erde von vor X Millionen Jahren sieht, wenn man sie aus einer Distanz von X Millionen Lichtjahren betrachtet (was stimmt, aber für den Film absolut unnötig ist). Dann redet ein Alter zu einem Jungen über ein Mannwerdungsritual in den Tropen, das nicht gerade subtil impliziert, dass es daraus besteht, dass ein viraler Erwachsener Kerl Sex mit dem heranwachsenden Pubertären hat. Unterbrochen von einem expressionistischen Tanz eines Tätowierten. Und schon denkt man sich innerhalb der ersten zehn Minuten des Filmes, dass dies hier eine ziemlich undurchsichtige Fahrt werden wird, bei der man im Zweifelsfall keinen Durchblick haben wird.

Damit ist man allerdings einer absoluten Fehleinschätzung unterlegen, denn Big Bang Love, Juvenile A ist eigentlich ein ziemlich geradliniger und einfacher Film was die Handlung angeht, wenn man ein wenig faux-philosophisches Gewäsch hier und dort ausblendet, lediglich die Visualisierung Miikes ist sehr Arthouse. Da steht das Gefängnis, in dem der Film spielt, schon mal direkt neben einer ruinierten Maja-Pyramide, die angeblich zum Himmel (wie im religiösen Sinne) führt, und einer alten Shuttlerakete, die angeblich ins All führt. Und da der eine unserer beiden Hauptcharaktere sich für den Himmel, der andere für den Weltraum entscheiden würde, soll diese Symbolik sicherlich auch was aussagen, aber fragt mich nicht was, ich bin mir nicht mal sicher das es wirklich wichtig ist, abgesehen von der Erkenntnis, dass beide unterschiedliche Richtungen antreten würden. Dass Ariyoshi in – von den Blutspritzern abgesehen – komplett weißer Kleidung eingeliefert wird, wo er doch eigentlich nur aus Notwehr gehandelt hat, ist sicherlich ein weiteres Symbol. Genau wie der blauer Schmetterling, den Kazuki beim ersten Treffen um ihn herum schweben sieht. Das ganze Gefängnis selbst ist ein surrealer Ort, da die einzelnen Räume eher wie halbfertige Bühnenbilder präsentiert sind, statt wie echte Räumlichkeiten. Aber wie gesagt, dies macht den Film hauptsächlich optisch interessant, letztendlich ist es für das Verständnis der transportieren Story aber weder nötig, noch unnötig verkomplizierend.

Big Bang Love, Juvenile A dreht sich um die beiden am gleichen Tage ins Gefängnis eingelieferten Kazuki und Ariyoshi. Ariyoshi arbeitete in einer Schwulenbar, wurde von einem Kunden vergewaltigt, und brachte ihn daraufhin um, allerdings auf so brutale Art und Weise, dass er dafür dennoch in die Besserungsanstalt kam. Der in Armut aufgewachsene und schon als Kind geschändete Kazuki hingegen ist Wiederholungstäter, war er doch bereits für die Vergewaltigung der Frau des Gefängnisleiters inhaftiert, nun ist es ein nicht weiter spezifizierter Mord. Ariyoshi ist introvertiert, Kazuki hingegen fängt gern Schlägereien mit allen an, egal ob andere Insassen oder Werter, jedoch häufig scheinbar, um die Aufmerksamkeit von Ariyoshi zu lenken, ihn zu beschützen. Während Ariyoshi es nicht lassen kann, nachts den verschwitzten Körper von Kazuki sehnsüchtig zu bewundern.

Doch wirklich beginnen tut der Film damit, zumindest wenn der eigentliche Film beginnt, also nach dem Tanz, dass Ariyoshi über den toten Kazuki gebeugt ist, meinend er habe ihn umgebracht. Der Rest sind Flashbacks darüber, warum die beiden einsitzen, wie die beiden miteinander agiert haben, beide eindeutig aneinander interessiert, aber doch nicht darauf reagierend, und wer denn alles Kazuki weswegen umgebracht haben könnte, denn schnell ist klar, dass es da ziemliche Ungereimtheiten gibt, trotz des Geständnisses von Ariyoshi.

Was also super schräg ausschaut, ist letztendlich eine recht gewöhnliche Mordermittlung, nur in einem Arthouse-Gefängnis, in dem homosexuelle Töne an der Tagesordnung stehen. Und ich mochte den Film deswegen. Ich mag die hübsche und andere Inszenierung, aber eben weil die Handlung dennoch immer verständlich bleibt, wirkt das ganze nicht unnötig prätentiös und selbstverliebt, wie ich dies zunächst befürchtet hatte. Wie gesagt, ein wenig merkwürdige Philosophiererei und Symbolik, die vielleicht was bedeutet oder auch nicht, kann sich der Film auch nicht verkneifen, aber das ist ja auch nicht so ganz un-japanisch, und letztendlich nimmt es dem Film auch nichts.

bigbanglove

When Olympia came to Japan

ava-1625Nostalgie funktioniert immer, tat es schon immer. Frühere Zeiten sind immer schöner, einfacher, besser, man erinnert sich an die guten Dinge, vergisst den langweiligen Füller, und selbst die härteren Zeiten sind letztendlich bereits überstanden. Das Jetzt ist immer ungewisser, mit mehr Sorgen verbunden, und die aktuelle Jugend eh immer die schlimmste, die es je gab, die Welt vorm Untergang stehend. Das war auch schon in 1974 so, als der bis zum heutigen Tage laufende, und über 60 Bände zählende, Manga Sunset on Third Street begann, der auf die teilweise gerade mal eine Dekade zurückliegenden 50er und 60er Japans zurück nostalgierte. Auch im neuen Millennium tut sich das gut, so sind die Always: Sunset on Third Street Filme in Japan absolute Kassenschlager.

Als Rahmen für den ersten Film diente dabei der Bau des Tokyo Towers, beim zweiten die unverhoffte Familienbildung um Schriftsteller Ryunosuke, im nun dritten Film sind es die Olympischen Spiele 1964 in Tokyo, also direkter Nachbarschaft der fiktiven dritten Straße. Wobei, so wirklich wichtig sind jene gar nicht mal, wird es doch wesentlich weniger häufig erwähnt, als der voranschreitende Bau des Tokyo Towers im Erstling.

Als Haupthandlungen diesmal dient dann erneut Ryu, der mehr oder weniger der Lead der Reihe geworden zu sein scheint. Seine im vorigen Film akquirierte Frau ist schwanger, sein im ersten Film adoptierter Sohn macht sich für die Uni bereit – Drama kommt dann rein, als sein ihn wegen der Schriftstellerei verstoßender Vater im Sterben liegt, und Ryu sich plötzlich zu ihm mutierend vorfindet, als er seinem Adoptivsohn ebenfalls das Schreiben ob einer sichereren Zukunft verbieten will. Der andere Haupthandlungsstrang bietet uns Mechanikerlehrling Mutsuko, die mit einem Doktor anbandelt, der aber vielleicht ein fieser Kerl ist, oder vielleicht auch nicht. Wirklich, die Sache ist eigentlich mal wieder ziemlich vorhersehbar. Und das… war es eigentlich auch schon, diesmal werden die fast zweieinhalb Stunden gar nicht mal wirklich mit Nebenplots um die anderen schrägen Straßenbewohner aufgepeppt, was man nach einer gewissen Zeit schmerzlichst vermisst, da die beiden gebotenen Bögen doch arg überstrapaziert wirken, um jene Laufzeit zu füllen. 90 Minuten hätten es ordentlich auch gebracht. Und allgemein wirkt alles halt etwas kleiner, etwas weniger dramatisch, spektakulär, gefällig. Always: Sunset on Third Street 64 scheint mehr wie ein TV-Special zu einer Serie, denn ein Kinofilm.

Die Sache mit den Sunset on Third Streets ist, dass sie natürlich nicht in einem realistischen 60er-Jahre Japan spielen, sondern in einer verklärten Nostalgiewelt, dem Idealbild der guten alten Zeit. Ähnlich wie die Ghibli-Filme a la Totoro, Kiki oder Stimme des Herzens. Alles wirkt netter, familiärer, gesünder, problemloser. Selbst das Drama, welches entsteht, ist durch Kameradschaft und nachbarlichen Zusammenhalt zu überwinden, weil letzendlich alle nette, gute Leute sind, die sich noch zu helfen wissen und nie Hintergedanken hätten. Alles geht letztendlich gut aus, weil Karma die Gutmenschen belohnt. Nostalgie geradezu per Zielgruppenforschung genau wie Mathematik berechnet, um auch genau an den richtigen Drähten des Publikums zu drehen, damit genau die gewollte Emotion in der jeweiligen Szene herausgekitzelt wird, absolut manipulativ. Aber! Wenn man den Zynismus draußen abgibt, bevor man die Filme schaut, so sind sie eben charmant und herzallerliebst und wirklich schöne Familienunterhaltung zum von innen wohlig-warm fühlen. Es gefällt, selbst wenn man weiß, dass man eigentlich nur manipuliert wird, und obwohl eigentlich in alle Erwartungen gespielt wird, somit auch keine großen Überraschungen geschehen werden.

Es ist halt nur auch so das Always 3 das bisher schwächste Glied der Reihe ist, weil es etwas leerer und weniger gut gemacht wirkt, die Geschichte nicht ganz so interessant ist, die Randcharaktere nicht die fast 2.5 Stunden mit Leben füllen können. Da fällt natürlich auch die Berechnung einem schneller wieder ein. Doch bei der Hochzeit gegen Ende, bei der Resolution von Musukos Handlung also, da hatte mich der Film doch wieder, da wurde ich total sentimental. Und dann kam das Ende zu Ryus Handlungsstrang, und der Film hat sich meine Sympathien wieder verspielt gehabt. Früher im Film finden wir raus, dass sein Vater ihn „für sein eigenes Bestes“ verstoßen hat, damit Ryu das harte Leben kennenlernt, weil man es als Schriftsteller schwer haben wird. Wir reden hier von einem Vater, der ihn selbst auf seinem Sterbebett noch mal des Hauses verwies wohlgemerkt. Und der Film framed das als eine Märtyrertat des Vaters, weil er ihn ja eigentlich immer geliebt und an ihn geglaubt hat, aber eben zu dessen Besten verstoßen musste. Und Ryu darf sich nach dessen Tod auch noch wie der Arsch fühlen, weil er ihm das abgekauft hat. Was zur Hölle? Aber das Beste kommt noch, zieht Ryu doch die gleiche Scheiße am Ende mit seinem Adoptivsohn ab. Der Film präsentiert das erneut als Heldentat. Vielleicht ist das einfach ein kultureller Unterschied, aber als Nicht-Japaner sehe ich in dieser psychiologischen Kriegsführung keine elterliche Liebestat.

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