Geralt of Netflix

Ich bin mir ja nicht zu schade auf Trends aufzuspringen, mache das aber prinzipiell erst, wenn der Zug bereits abgefahren ist, und sich keine Sau mehr für noch eine Meinung irgendeines dummen Randos im Internet interessiert. Bei The Witcher hat das sowieso Tradition. Die ersten beiden Spiele erst 2014 gespielt, die Bücher erst 2016 gelesen. Und während alle Ende 2019 die Netflix-Serie geschaut haben, und davon angefixt The Witcher III zum xten Mal bespielten, habe ich die Serie erst kürzlich geschaut und das dritte Spiel momentan zum allerersten Mal gestartet.

Insgesamt stand ich der Serie eh etwas skeptisch gegenüber. Nicht, weil es eine Videospiel-Verfilmung ist, und die angeblich grundsätzlich schlecht sind, was man so eh nicht komplett unterschreiben kann. The Witcher sollte sich von vornherein mehr nach den Büchern richten. Wahrscheinlich, weil Buchverfilmung eben mehr Prestige und einen besseren Ruf hat als Spieleverfilmung, und weil sowieso jeder nach dem nächsten Game of Thrones sucht. Ich fand die Bücher aber ehrlich gesagt ein wenig langweilig und die Charaktere hochgradig unsympathisch, von daher war das jetzt kein Überzeugungsargument für mich.

Um ganz genau zu sein, weiß ich sogar gar nicht so richtig, wie stark sich Netflix an die Vorlage gehalten hat, weil ich tatsächlich in den letzten vier Jahren das Meiste aus den Romane wieder vergessen habe. Das Ciri in den Wald geht, und die Sache mit dem Law of Suprise war auf jeden Fall drin. Aber na ja, da hört es halt schon auf, und die erste Staffel geht ja sowieso nicht alle Bücher bereits durch.

Stattdessen gestaltet die sich fast mehr wie ein Prolog zu den Hauptereignissen. Wobei die Bücher mich aber ja auch immer ein wenig damit zurückließen, wann es denn dann jetzt endlich mal richtig losgehen würde, und das nie so richtig wirklich eintreten wollte. Jedenfalls macht die Serie es direkt klar, dass sie drei Haupcharaktere hat. Neben dem Witcher Geralt nämlich auch die Thronerbin Ciri und die Magierin Yennefer. Es gibt sogar einige Folgen, in denen Geralt so gut wie gar nicht vorkommt, und insgesamt bekommen die schon alle gefühlt gleich viel Sendezeit, und auch ausreichend getrennt voneinander. Geralts Storyline hält sich sogar etwas mehr an das erste Kurzgeschichtenbuch. Da er nämlich noch gar nicht auf Ciri trifft, bekommen wir mehr einzelne Witcher-Aufträge von ihm gezeigt. Ein wenig mit Yennefer darf er anbandeln. Und ganz am Ende gibt es eine kurze Kindheitserinnerung.

Währenddessen setzt Yennefers Story hier eben nicht dort ein, wenn sie mit Geralt in Kontakt kommt, sondern erzählt uns sogar ausreichend deren Vorgeschichte wie aus dem verstoßenen Mädchen eien mächtige Magierig wurde. Die Serie hat sogar richtiggehend durch die erhöhte Charakterisierung ihrerseits etwas geschafft, was sicherlich nicht die Bücher aber auch die Spiele nie so ganz vermochten: Ich fand Yennefer ausnahmsweise Mal nicht hochgradig nervtötend und unsympathisch. Da gehört schon was zu.

Als Dritte im Bunde wird natürlich auch Ciris Flucht vor den einfallenden Horden und ihre besondere Stellung für die Welt ausreichend behandelt. Mit den ganzen Irrungen und Wirrungen des Schicksalsbundes zu Geralt inklusive. Aber auf ihn treffen wird sie wie gesagt nicht, die erste Staffel endet ganu an jenem Moment. Sie hat also auch genug eigene Spielzeit bekommen, statt nur das Anhängsel von Geralt zu sein.

Das mochte ich schon sehr, dass alle Charaktere stark ausgearbeitet sind und man sich erst Mal sozusagen eine ganze Staffel für sie Zeit nimmt, bevor es so richtig losgehen wird. Sozusagen, was in anderen Storyline nach und nach als Charakter-Flashbacks eingestreut werden würde, hier etwas geradliniger tatsächlich ganz am Anfang erzählt. Ausreichend Dramaturgie kommt durch diese Hintergründe auf jeden Fall hin. Auch wenn die Chemie zwischen Geralt und Yennefer selbst hier nicht so ganz funktionieren will, eventuell bin ich dafür aber einfach zu sehr durch die beiden anderen Medien vorgeschädigt. Richtig gute Action-Einlagen bringt die Serie übrigens auch rüber. Während die Monster-CG nicht immer überzeugt, aber sich dessen bewusst auch gern jene in schattige Nacht verpflanzt sind, ist die Kampfchoreographie nämlich echt gelungen. Die Serie schafft es sehr schnell und schnell geschnittene Abläufe zu bieten, bei denen man dennoch nie die Übersicht verliert, was jetzt genau wie passiert ist. Das ist selten.

Ich gehe von daher positiver aus der Serie raus, als ich in sie hineingegangen bin. Wo mich die Bücher kalt gelassen haben und ich auch bei den Spielen weniger Aufmerksamkeit auf deren Handlung lege, fand ich die Serie schon sehr unterhaltsam. Auf den Hype möchte ich noch nicht ganz aufspringen, so ein Must See ist sie für mich jetzt noch nicht, aber es ist definitiv ein runder Start um zum Weiterschauen motiviert zu sein.

American Horror Story 1984

Ein neues Jahr, eine neue Staffel American Horror Story. Mit der Serie wird das mal wie mit Supernatural sein und keiner so richtig glauben können, wenn sie abgesetzt ist, weil die irgendwie immer da war. Immerhin ist sie seit Anfang des Jahres bereits für drei weitere Staffeln grüngelichtet worden. Kann man nur hoffen, dass sie die Chance bei der kommenden beim Schopfe packen, und die zehnte Staffel American Horror Story X nennen und sie in den Weltraum verlagern.

Eine starke Überschneidung mit Friday the 13th gab es immerhin schon in der letzt durchgelaufenen Staffel 1984. Wofür stehen die 80er denn so? Freiheit, Hedonismus, Kapitalismus. Natürlich war das nicht alles, Amerika ist so gut wie nie nicht in einen Krieg verwickelt und auch die AIDS-Kriese fand in den 80ern ihren Anfang. Doch für das allgemeine Volk, und für die nostalgisch auf die Dekade zurückblickenden aktuellen Serien, war dies nicht so im Augenschein. Es gab tolle neue Technologie, Pop-Stars, Aerobic-Workouts und irgendwie schien es oberflächlich allen gut zu gehen. Auch waren die 80er was Horror angeht die Dekade der Slasher-Filme, als dunkle Unterseite des Glamours, und genau in jene Kerbe schlägt deswegen American Horror Story 1984.

Die Staffel beginnt sogar in einem Camp Redwood, wo vor über zehn Jahren ein Massaker stattfand, und welches aktuell neu eröffnet werden soll. Ein bunter Haufen, die Los Angeles mal kurzzeitig entfliehen wollen, melden sich als Aufseher fürs Camp. Und prompt geht nicht nur ein sondern gleich zwei Mörder um. Derjenige, der das Massaker in den 70ern veranstaltet hat, und bei den News, dass das Camp wieder loslegt, direkt mal aus seiner Anstalt entflohen ist. Plus ein Mörder aus LA, der unseren Hauptmädel Brooke gefolgt ist, nachdem sie ihm in der Metropole entkommen konnte.

Warum es gleich zwei Serienmörder braucht, wird auch schnell klar. Denn der Part im Camp zieht sich einfach ewig. Ich dachte ja echt, man nutze dies mehr als Aufhänger für die ersten zwei maximal drei Episoden und dann geht es zum Hauptplot oder so. Zumal ich auch darauf wartete, dass gewisse andere bekannte Gesichter noch auftauchen, die im Camp nicht dabei sind. Allen voran Sarah Paulson, die seit der allerersten Staffel in jeder zu finden war. Aber tatsächlich sitzt der letzte Main Stay der Serie diese Staffel aus. Natürlich gibt es wieder bekannte Schauspieler, die schon in vorigen Staffeln dabei waren, aber sie war eben schlicht die letztgebliebene, die tatsächlich von Anfang an dabei gewesen war.

Doch Camp Redwood zieht sich ganze 5 von den 9 Folgen. Es muss also ordentlich aufgestockt werden an Dingen, die passieren können. Gleich zwei Serienmörder. Von denen einer mit Satan im Bunde ist und nicht sterben kann. Zumal auf dem Grund des Camps, und es wird nie erklärt wodurch, scheinbar eh alle Getöteten als Geister zurückkommen. Dann sind die meisten Charaktere auch nicht, wer sie zu sein vorgeben, sondern haben eine gewisse Agenda. Abgesehen von einer. Ich hatte ja echt erwartet, dass Brooke sich nicht als das typische Final Girl herausstellt, sondern die übliche Naivität etwas anderes verbergen soll, aber leider ist ihr Charakter tatsächlich so flach gewesen. Zumindest im Redwood-Teil. Dafür ist ziemlich schnell klar, wer wirklich in 1970 die anderen Kids umgebracht hat.

Als Episode 6 dann einen Zeitsprung macht, war ich ganz erleichtert, dass wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das Camp los sind. Aber so wirklich stimmt das leider nicht. Nun springen wir stark in der Zeit hin und her, zu tragischen Ereignissen in den 40ern, aber auch wild in den 80ern herum. Aber alles hängt noch am Camp, was dort geschehen ist, und letztendlich geht es dorthin zurück. Das hat dies die übliches AHS-Problematik, dass dies etwas wirr und unorganisiert wird. Mr. Jingles, der Serienmörder der 70er, fällt mehr oder weniger aus der Serie raus. Der Night Stalker oder warum die Leute auf dem Campboden nicht endgültig sterben werden ebenfalls nie richtig befriedigend beendet. War schon etwas enttäuschend.

Es ist selbstverständlich nichts Neues, dass die Staffeln von American Horror Story gerne mal stark schwanken was die Qualität angeht. Von Staffel zu Staffel aber auch Staffel-intern. Einen gewissen Unterhaltungswert haben sie zwar immer, auf eine gewisse Dämlichkeit ist sich sowieso einzustellen, und wir schauen ja alle so oder so brav weiter. 1984 ist auch nicht die schlechteste der Staffeln bisher. Sie wirkt aber schlecht strukturiert. Der beginnende Camp-Teil zieht sich zu lang hin und danach scheint die Serie für die letzten Episoden nicht mehr so richtig zu wissen, was sie noch machen soll. Dabei wäre der Ansatz quasi gleich mehrere Slasher-Filme einer Reihe als durchgängige Serie zu präsentieren nicht der schlechteste.

Beastars

Beastars war eines der Hype-Anime der letzten Jahre, basierend auf einen laufenden und aktuell satte 17 Bände umfassenden Manga, mit einer bereits angekündigten zweiten Staffel. Und da ich es zwischen den Jahren geschaut habe, kann ich doch gleich mal meine Plattform nutzen, um zu sagen, ob es sich lohnt die 12 Folgen Lebenszeit dran zu verlieren, wenn es im März offiziell für den Westen auf Netflix aufschlägt.

Wobei ich natürlich schon alleien vom charmanten Stop-Motion-Opening eingenommen war. Aber das ist natürlich eine sehr persönliche Präferenz. Sowie ein unikater Stil nur für jene Eröffnungssequenz, nicht der Animationsstil der Serie an sich. Dort handelt es sich nämlich um CG. Was für mich persönlich ja immer etwas Eingewöhnung benötigt. Weil es häufig so ein merkwürdiges Gemisch ist zwischen eigentlich viele weiche Bewegungsabläufe darstellen zu können, diese dann aber bewusst abgehackt wirken zu lassen, um sich traditioneller Frame-Animation anzunähern. Bei Beastars hatte ich mich allerdings ziemlich schnell dran gewöhnt, was eventuell auch daran liegt, dass nur die Charaktere CGI sind und die Hintergründe weiterhin 2D-Zeichnungen. Oder weil der Content der Serie mich genug ablenkend packte, ich habe die 12 Folgen nämlich in 2 Tagen durch-gebinged.

Beastars handelt in einer Welt, in der anthropomorphe Tiere in prinzipiell unserer Gesellschaft leben was den Entwicklungsstand angeht. Der Unterschied ist halt, dass bei ihnen noch die tierischen Urahnen einen Einfluss haben. Herbivore und Karnivore leben noch nicht so lange friedlich zusammen, da erstere die Beute der letzteren sind. Doch mittlerweile ist angeblich alles anders. Dass dies noch nicht perfekt läuft, müssen die Schüler von Cherryton allerdings in der ersten Folge bereits feststellen, als das Alpaka Tem von einem mysteriösen Karnivoren Mörder gerissen aufgefunden wird. Dies streut Angst und neue Animositäten zwischen den beiden Fraktionen der Schüler.

Legosi glaubt nicht nur fest an das friedliche Zusammenleben, sondern tut auch sein Möglichstes, um unauffällig zu bleiben. Er ist nämlich ein Grauwolf, ein berüchtigter Predator also. Von seiner Persönlichkeit her könnte Legosi allerdings nicht weiter davon entfernt sein, denn er ist zurückhaltend, schüchtern, leicht introvertiert, und immer hilfsbereit. Das führt dazu, dass er Konflikte umgehen will, wenn er in eine Schlägerei mit einem anderen Karnivoren landet immer absichtlich verliert, um seine Größe zu verschleiern nur gebeugt läuft. Selbst beim Drama-Club, dem er angehört, ist er nur hinter der Bühne zu finden.

Umso verstörender ist es für ihn, als er eines nachts die Fährte des Zwerghasens Haru aufnimmt und seine animalischen Instinkte nicht zurückhalten kann, sondern sie angreift. Die gemobbte Mitschülerin ist sich selbst nicht mal sicher, ob sie entkommen oder ein Ende finden will. Doch da Legosi dann noch zögert, kann sie entkommen. Von nun an ist er aber besessen von der Mitschülerin, durch komplexe Gefühle, die er zum ersten Mal in sich entdeckt.

Es mag etwas komisch klingen zunächst, aber Beastars hat mich etwas an Utena erinnert. Absolut nicht von der Optik versteht sich, denn Beastars bietet keinen Kitsch und ist sehr bodenständig gehalten. Eher von der Thematik und der Herangehensweise her bekam ich ähnliche Vibes. Beide Serien spielen an einer High School, die ein wenig den Eindruck einer abgeschotteten Welt gegenüber dem Leben drumherum macht, in der die Schüler in ihrer eigenen kleinen Gesellschaft leben. Und dann behandelt die Serie den Schmerz des Erwachsenwerdens, das Zurücklassen kindlicher Ideale beim Heranwachsen zu einem Erwachsenen, das Erwachen von Sexualität, aber all das zum Teil stark symbolisch. Utena packt dies eben in eine verkitschte Optik aus Märchen und Magical Girl. Beastars hingegen ist eher düster und bodenständig und nutzt Parallelen aus Fabeln und dem Tierreich.

Dies funktioniert besonders dadurch gut, da jemanden zu „essen/verschlingen“ ein bekannter japanischer Euphemismus für Sex ist. Sexualität spielt eine wichtige Rolle in Beastars. Zwerghase Haru beispielsweise, als eine der schwächsten Herbivoren, wurde immer entsprechend leicht herablassend behandelt, als könne sie nichts selbst. Bis sie eine Sache entdeckte, bei der sie auf Augenhöhe mit ihren Partnern ist: Sex. Seither geht sie sehr freimütig damit um und schläft mit ziemlich jedem, der das von ihr will. Was sie nach und nach zur gemobbten Außenseiterin gemacht hat. Gleichzeitig fühlt sich das perfekte Schul-Idol Loius, ein Hirsch, der immer vor allem die Fassade des Perfektionismusses aufrechthält, nur beim Beischlaf mit Haru dazu möglich, sich endlich mal fallenzulassen. In Legosi wiederum erwachen durch das Treffen auf Haru ganz neue Gefühle in ihm, sehr dringlich-animalische, bei denen er selbst zunächst nicht weiß, ob es Liebe ist, oder doch nur die Besitzansprüche eines Jägers seiner Beute gegenüber.

Die Tragik ist selbstverständlich, dass es schwer denklich ist, wie ein Hase und ein Wolf überhaupt ein Paar sein sollten. Selbst wenn sich herausstellen würde, dass Haru auch etwas für Legosi empfindet, und der sich endlich über seine eigenen Gefühle ihr gegenüber klar wird. Man feuert die emotional abgekühlte Häsin und den unsicheren Wolf geradezu an, endlich zueinander zu finden.

Wie dies geschieht finde ich hingegen als einzige Sache in der Staffel als etwas unglücklich geregelt. Haru wird entführt und Legosi rettet sie, was beiden deutlich die Augen für die Gefühle einander gegenüber öffnet. Das ist an sich schon ein ziemlich arges Klischee an sich, die Damsel in Distress und der rettende Held, und durch die Extremsituation muss man sich nun halt lieben. Netterweise macht es die Serie sich dann doch nicht ganz so einfach. Das eigentliche Problem für mich war, dass Haru von der Mafia entführt wird. Von einer Gruppe mehrerer Dutzend Löwen. Und Legosi sich fast im Alleingang durch sie hindurchkämpft, nur mit Unterstützung eines helfenden Pandas. Dessen Hilfeangebot war genauso unrealistisch für mich war, wie dass sich Legosi immer noch durch den Großteil der bewaffneten Verbrecher durchgeprügelt bekommt. Und ziemlich unnötig, da es andere Arten gab, Haru in Gefahr zu bringen, aus dem ein einsamer Wolf sie hätte befreien können. Den Tiger-Mitschüler beispielsweise über seine Obsession nach der Droge Hasenblut auf Haru einfallen zu lassen. Den Mörder der ersten Episode zurückzubringen, der in der ersten Staffel nie wieder auftauchen wird. Oder das die andere Häsin, die Haru mobbt, weil ihr Freund mit ihr geschlafen hat, zwei oder drei Raudis engagiert, die Haru entführen. Durch den Kampf gegen mehrere wenige andere Karnivore hätte man auch gut darstellen können, was für eine Kraft Legosie die ganze Zeit unterdrückte. Dass sich ein Schüler durch einen ganzen Yakuza-Clan schlägt, fand ich hingegen überraschend dämlich für eine ansonsten eigentlich sehr bodenständige Serie, die ihr Drama möglichst realistisch angeht.

So wie eine Zigarre manchmal einfach nur eine Zigarrie ist, ist freilich das „Fressen“ manchmal auch einfach nur ein Fressen und keine Symbolik für Geschlechtsverkehr. Das hinter der schönen Fassade des trauten Beisammenseins immer noch mörderische Urinstinke herrschen, bekommen wir mehrmals gezeigt, so dass der Mord zu Serienbeginn nicht mehr als das so herausragende Ereignis dasteht. Wenn es auf einem kurzen Tripp in die Stadt geht, sieht man dort zwar auch alle Erwachsenen schön miteinander leben, doch in den Hintergassen stolpert die Gruppe in den Schwarzmarkt. Wo Karnivoren illegal das Fleisch von Herbivoren erstehen. Und einige Mitschüler von Legosi können sich kaum zurückhalten, endlich mal richtiges Fleisch und Blut schmecken zu wollen. Gleichzeitig führt dieses Karnivore vs Herbivore aber auch als soziales Klassenkonstrukt zu Minderwertigkeitskomplexen. Es wird mehrmals erwähnt, wie selbstsicher und edel sich (Apex-)Predatoren einfach von Natur aus bewegen, was ein Herbivor so nie tun würde. Gerade Schul-Idol Louis hat einen extremen Komplex dahingehend eigentlich der Schwächere zu sein. Was auch gut in einer Szene dargestellt wird, in der eine Wölfin ihm eine Kriegserklärung ob des Idol-Daseins macht und einfach zu Boden drückt. Die zierlich dargestellte Wölfin hat kein Problem damit, den großgewachsenen Hirsch an den Boden zu nageln, weil sie als Karnivore von Natur aus mehr Kraft mitbringt. Bestätigt das Gefühl von Loius, dass egal wie sehr er sich anstrengt, er immer einen Nachteil haben wird.

Ist halt schon viel Teenager-Drama drin in Beastars, immerhin sind das unsere Hauptcharaktere und es geht um deren Leben und Wachstumsschmerzen. Ich fand es von dieser einen erwähnten Instanz gegen Ende abgesehen aber sehr spannend und interessant und konnte kaum aufhören zu schauen. Bin auch sehr gespannt auf die zweite Staffel und wie dort das Mordmysterium vom Anfang eventuell wieder aufgegriffen wird. Wie es mit Haru und Legosi weitergeht. Und ob es doch noch was zu bedeuten hat, dass das Opening Louis vage wie den Antagonisten repräsentierte, der aber zumindest in Staffel 1 noch gar nicht der Psychospielchen spielende Fadenzieher ist, sondern seine eigenen Probleme mitbringt und zum Glück wesentlich runder als zunächst befürchtet war.

What Did You Eat Yesterday?

Boys Love Manga sind, um es mal vorsichtig auszudrücken, selten sonderlich Realitätsnahe. Immerhin ist es auch ein Genre, welches maßgeblich von Frauen für Frauen geschaffen ist, von daher ist das auch weniger deren Ziel. Tatsächlich von schwulen Männern gezeichnete Mangas werden in Japan häufig auch gar nicht als Boys Love, sondern als Gay Comics kathegorisiert. Die mögen sich von der Natur der Sache aus besser damit auskennen, wie es zwischen zwei Männern läuft, was aber nicht bedeutet, dass der Content zwangsläufig mehr schwulen Alltag in Japan wiederspiegelt, da sie sich in der Regel über den Sex verkaufen und daneben wenig Platz bleibt.

Eine Ausnahme zur Regel ist allerdings What Did You Eat Yesterday?, auch unter dem japanischen Titel Kinō Nani Tabeta? bekannt. Der BL Manga hat es sich zur Aufgabe gemacht, via Slice of Life tatsächlich den Alltag eines schwulen japanischen Pärchens darzulegen. Und das mit Erfolg, denn der 2007 gestartete Manga läuft immer noch und steht aktuell bei 15 Sammelbänden. Um den soll es hier aber gar nicht gehen. In 2019 lief nämlich eine 12 Folgen umfassende Live Action Adaption über die Fernsehbildschirme Japans. Und die ist es, welche ich mir zu Gemüte geführt habe.

Mich hatte die erste Folge auch sehr positiv überrascht zurückgelassen. Unser Pärchen besteht aus dem Anwalt Shiro und dem Friseur Kenji, die beide nicht nur in einer bereits gefestigten Beziehung miteinander, sondern auch über die 40 sind. Bin ich voll dabei. Kein übliches Coming of Age. Kein Hauptcharakter, der ja eigentlich gar nicht schwul ist, aber dann einen unwiederstehlichen Kerl trifft und erst mal damit klarkommen muss, dass er für den Gefühle hat. Kein frühbeziehungstechnisches Drama. Dann bekommt der reservierte Shiro auch noch einen Anruf seiner Mutter, die ihm ins Gewissen redet, er solle sich ruhig bei seiner Arbeitsstelle outen, weil nichts Schlimmes daran ist, homosexuell zu sein. Also auch noch eine unterstützende Familie, statt heimliche Beziehung oder Beef mit den Eltern. Letztendlich eröffent Shiro sogar noch, dass er bewusst nur langweilige und einfache Fälle annimmt, auch wenn er dann etwas weniger gut verdient, weil er ein angenehmes Leben haben will und jeden Tag zur gleichen Zeit nach Hause kommen kann, um für sich und Kenji zu kochen. Also keine positive Portätierung der japanischen Tugend sich halb tot zu arbeiten.

Rundum also eine sehr erfrischende Show. Und ich war voll und ganz dabei, hier schlicht ganz undramatisch und langweilig einer Beziehung zu folgen. Ein etabliertes Paar in ihrem schnöden Alltag ohne große Probleme. Nur das sie halt schwul sind.

Ganz so langweilig wie ich es mir erhofft hatte, war die Serie dann letztendlich doch nicht. Ich meine, macht ja auch irgendwo Sinn. Als TV-Drama sowie als BL Manga richtet sie sich immerhin nicht vornehmlich an ein schwules Publikum, und deswegen ist es nicht verkehrt, doch zwischen dem harmlosen Slice of Life Pärchenalltag immer mal wieder ein Problem anzuschneiden, welches Homosexuelle in Japan haben. Die bleiben allerdings in der Regel auf der Stufe von nicht böswillig gemeinter Ignoranz und Micro-Aggressionen, es bleiben immer alle sehr nett und verständnisvoll. Lediglich etwas merkwürdig fand ich die Eltern von Shiro. Die haben sich zwar damit abgefunden, dass ihr Sohn nicht heiraten und eine Familie gründen wird, doch wie viel Verständniss und vor allem Aufgeklärtheit sie nun wirklich mitbringen, schien mir von Folge zu Folge merkwürdig zu schwanken.

Der Serientitel kommt übrigens daher, dass wie gesagt das Kochen für sich und seinen Partner für Shiro sehr wichtig ist. Im Gegensatz zu Kenji ist der nämlich etwas unterkühlt und wenig extrovertiert und zeigt seine Gefühle eher durch Taten denn Worte. In jeder Folge wird er also ein Gericht zubereiten, und der Vorgang wird in seinen einzelnen Schritten gezeigt und von ihm erklärt. Im Manga sind wohl sogar die genauen Rezepte abgedruckt gewesen.

I am the arm and I sound like this

Twin Peaks war hochgradig durch das Mysterium um Laura Palmers Tod angetrieben. Lynch musste jenen viel früher aufklären, als je geplant. Leute verloren das Interesse und Twin Peaks endete in der zweiten Staffel etwas unbefriedigend. Laura Palmer verabschiedete sich von Agent Cooper mit den Worten, dass man sich in 25 Jahren wiedersieht. 25 Jahre später lief Season 3 über die Bildschirme, ohne Kompromisse dort angesetzt und geanuso unbefriedigend endend, wie seine vorzeitig abgesetzten Vorgänger.

viel mehr haben sie aber nicht gemein.

oder haben sie das doch?

Beim Schauen von Season 3 verlor ich meinen Realitätsbezug. Ich meinte zunächst nach ganz eindeutig zu wissen, dass Twin Peaks nie so war. Die ersten beiden Staffeln hatten ihre schrägen Szenen und kryptischen Dialoge. Doch Twin Peaks war immer zum Großteil nachvollziehbar. Es war mehr quirky denn verquer. Oder war es das? Meinte ich das nur im Nachhinein? War Twin Peaks schon immer eine Aneinanderreihung merkwürdiger Ereignisse, unsinniger Traumsequenzen, irrelevanter Charaktere beim Small Talk? Der Atompilz Zweifel war in mir hochgegangen.

immerhin war twin peaks lange her.

Ich war spät zur Party Twin Peaks. Ich sah es nicht Anfang der 90er, als es einer der ersten Serien in der TV-Landschaft war, die mit Prestige daherkamen und gegen den Einheitsbreistrom schwammen. Der @ddprrt, auch bekannt als Stefan Baumgartner, zu der Zeit, als wir gemeinsam alleine gegen Drachen gequestet haben, riet mir stark zur Serie. Ich sah sie. Ich sah auch den Film. Der Film ist nicht ganz so gut. Ich fand ihn zumindest nicht ganz so gut. Das ist jetzt zehn Jahre her. Vielleicht mehr. Ich würde schnell ins alte Blog schauen, wann ich über Twin Peaks schrieb. Aber Myblog gibt Content-Warnungen. Also mache ich es nicht. Das lief von 2004 bis 2010, als ich nach WordPress migrierte. Hierher. In die aktuelle Realität die gerade schwarz auf weiß auf dem Bildschirm auftaucht. Es müsste aber zu dessen heißen Phase gewesen sein. Also so eher 2008-2010. @ddprrt riet mir damals auch zu Lost. Da war ich auch spät bei der Party. Aber früh genug, um alles für die finale Staffel nachzuholen. Wo wir gerade bei Mystery-Serien sind, die vielversprechend anfangen und enttäuschend enden.

Es ist also zehn Jahre her. Das ist eine Dekade. was weiß ich schon noch, wie die vorigen staffeln waren¿

Aber so wie The Return waren sie nicht. Oder? Das möchte ich zumindest glauben.

Vielleicht war mein zehn Jahre jüngeres Ich auch einfacher zu beeindrucken¿ Hat Sinnlosigkeit mit Kunst gleichgetan. Ich mochte auch 12 oz mouse. Zehn Jahre jüngeres Ich. Vergangenheits-Ich.

Ist Twin Peaks Kunst? Ist Twin Peaks Season 3: The Return Kunst?

alles ist kunst. ist es doch, oder¿

Ein Bild von einer Konservendose ist Kunst. Eine Toilette ist Kunst, sobald man sie in ein Museum stellt und gegen die funtkionale Nutzung absperrt. Die Höhlenmalerei einer kruden Nackten, die der Neanderthaler rein aus dem Zweck sich darauf einen von der Proto-Palme zu schütteln, drangeklatscht hat, ist vorzeitliche Kunst. Dadaismus, eine Bewegung, die gezielt als Anti-Kunst startete, ist heutzutage als künstlerische Expression bekannt. Man könnte sich auf eine Bühne setzen, die fröhliche Erkennungsmelodie der Biene Maya pfeifen, und dabei seine eigene Scheiße fressen, und es als Performance Art über Kapitalismus bezeichnen.

Wenn alles Kunst ist, ist nichts nicht Kunst. Und somit ist auch Twin Peaks Kunst. Selbst The Return. Aber Twin Peaks ist auch ein Unterhaltungsmedium. Unterhält Twin Peaks also? Kunst muss nicht gefallen, aber eine TV-Serie schon. Fragezeichen¿? Wikipedia, die einzig wahre Quelle, die als solche verpönt ist, sagt dazu

Unterhaltung (Kultur), kulturelle Aktivitäten mit dem Ziel, einem Publikum Freude zu bereiten

Twin Peaks bereitete mir keine Freude. Aber ist die so wichtig? Ich stelle mich mal gegen das gottgegebene Wikipedia und behaupte, man kann auch unterhalten sein, ohne Freude zu haben. Ich mag aber auch Misery Porn wie Silent Hill 2, Die letzten Glühwürmchen und so Kram. Der Begriff „Freude“ ist nicht gerade assoziationswürdig mit jenen. Aber ich war unterhalten. Und sie resonieren mit vielen.

Ich habe ja mal behauptet, Zone of the Enders: The 2nd Runner wäre das beste PS2-Spiel von Konami. Was hat das die zarten Schneeflockengemüter ein paar weniger Gamer (TM) doch erhitzt, wenn Silent Hill 2 und Metal Gear Solid 3 existieren. Darauf habe ich geshitpostet, statt zu sagen, dass ich beide jene Spiele nie selbst gespielt habe, dass mir Silent Hill 2 zu viel Misery Porn ist (gelogen, wie gesagt geh ich voll drauf ab eigentlich) und man bei Kojima-Spielen eh nie sicher sein kann, ob er nur zufällig in den Geniestreich reingerutscht ist, beim Versuch zu trollen.

Twin Peaks The 3rd Season Returns fühlt sich an wie ein Shitpost. Als wäre ich von David Lynch getrollt worden. Für 18 Stunden am Stück. Aber David Lynch ist nicht Hideo Kojima. Lynch muss doch einen tieferen Sinn dahinter verborgen haben. Ihn nicht einfach als Kojima-esquen Troll beiseite schieben zu können, führt aber nur dazu, ƨʞɒǝꟼ niwT S3 nicht beiseite schieben zu können. So vehement wie vergeblich bei der Stange bleiben wollen, irgendeinen Sinn sehen zu wollen, irgendwas verstehen zu wollen, irgendwelche Zusammenhänge oder Themen entdecken zu wollen. Aber das geht nicht. Denn keiner steckt im Kopf von David Lynch, dem einzigen Raum, in dem Twin Peaks Revengeance Sinn macht. Vielleicht. Beantworten könnte diese Vermutung nur Lynch selbst. Und der spricht nicht mit mir.

Agent Cooper schlafwandelt fast die komplette Show über durch die Szenen, ohne eigenen Antrieb. Andere Leute stubsen ihn voran, sind freudig darauf aus, mit ihm zu reden und auf ihn einzugehen, obwohl Cooper immer nur die letzen beiden Worte an sie zurückpapageit. Ist das eine Hommage an Metal Gear Solid? Ist das ein Kommentar dazu, wie einfach es alte weiße Kerle in unserer Gesellschaft haben, selbst bei absoluter Ahnungslosigkeit die Karriereleiter hochzufallen? Dazu, wie man selbst, wenn man eindeutig nicht mehr funktionert, als Rädchen zum Weiterdrehen gezwungen wird? Vielleicht ist eines davon wahr. Vielleicht ist alles davon wahr. Vielelicht ist nichts davon wahr.

Was ist schon Wahrheit? Das, was wir erade wahrnehmen¿ Wer sagt, dass wir nicht alle in der Matrix stecken. Wer sagt, dass ich nich in einer besonders langweiligen Truman Show die Hauptattraktion bin? Wer sagt schon, ob die Verrückten nicht diejenigen sind, die wirklich hinter den Schleier geschaut haben, den unser Gehirn unter dem Vorwand der Vernunft nicht wahrhaben will?

Was macht schon irgendwas Sinn. Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es überhaupt einen? Ist es eventuell doch nur eine Aneinanderreihung von menschlichen Interaktionen, in dem jeder Mensch gleich Unwichtig gleich viel mit einem reden kann, ohne das dahinter ein Sinn stecken muss. Wie in ʇʍıu dǝɐʞs S3 mit seinen vielen Charakteren und vielen Dialogen und 99% davon sind bedeutungslos?

Ist unsere lineare Zeitwahrnehmung überhaupt real, oder nur ein Gefägnis wie unser biologischer Körper? Eine Folge Twin Peaks dauert um die 55 Minuten. So sagt das zumindest mein Wiedergabegerät. Mein Wiedergabegerät sagt mir auch gern, dass ich gerade mal 15 davon gesehen habe. Und dennoch, in der nicht nachvollziehbaren Subjektivität meiner Wahrnehmung scheine ich die Folge schon drei Tage am Stück zu schauen. Ich bin ausgelaugt. Ich höre die Uhr ticken. Im übertragenen Sinne. Wer hat schon noch tickende Uhren in 2019? Vielleicht ist es auch gar kein Ticken, sondern ein Tropfen. Mein Verstand fließt langsam aus meinem Hirn, tropft beständig aus beiden Ohren und lenkt mich davon ab, mich auf T҉ẁ̶į̡n̸͠ P̴e͘a͘k̡s̢ konzentrieren zu wollen. Jetzt schaue ich schon 30 Minuten, angeblich, laut Wiedergabegerät, wenn ich dem trauen will, und die verlorenen 15 Minuten seit dem letzten Schauen auf das lügende Wiedergabegerät kommen mir wie 5 Sekunden vor und ich habe nichts mitbekommen. Weil ich abgeschaltet hatte. Weil eh nichts Sinn ergibt. Weil nichts zusammenhängt. Weil nichts Bedeutung zu haben scheint.

ganz wie das leben.

Mehr als zwei Folgen am Stück gingen nicht. Zwei Stunden Twin Peaks hintereinander, wobei die Folgen sowieso direkt in sich fließen narrativ, soweit man eine narrative Struktur überhaupt hineinlügen will, damit sich das Gehirn am Verstand festhalten kann, an bekannte Strukturen, an Sinn in der Sinnlosigkeit, zwei Stunden Twin Peaks hintereinander waren Tortur. Weiterschauen war dennoch angesagt. Zumindest am nächsten Tag. Dabei regelmäßiges Schauen in die vorige Folge, ob man auch wirklich nicht versehentlich eine übersprungen hat. Ob die aktuelle Gegenwart des Schauenden und die Vergangenheit der Folge davor zusammengehören, damit sich die Zukunft der nächsten Folgen nicht noch sperriger gestaltet.

Ich habe Twin Peaks S3 überlebt. Ich bin 18 Folgen älter. Aber ich lebe noch. Bleibende Hirnschäden können so kurzfristig danach noch nicht ausgeschlossen werden. Kunst darf vieles. Kunst darf alles. Kunst soll vor allem Emotionen erregen. Twin Peaks war emotional. Ich war weniger unbeteiligt als viel mehr hoffnungslos. Das ist eine Emotion. Ich war enttäuscht. Das ist auch eine. Ich war ratlos, verwirrt, ja sogar verärgert.

David Lynch ist ein Künstler. Das sagt alles. Und das sagt nichts.

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Doctor Who: Series Eleven

Willkommen bei der elften Staffel des Doctor-Who-Revivals. Mal wieder mit entscheidenden Änderungen. Wir haben mit Jodie Whittaker eine neue Doktorin der Nummer Dreizehn. Steven Moffat ist nicht mehr, wir haben neue Producer, die für die Serie verantwortlich zeichnen. Und sie ist nun zehn Episoden lang, es gibt keine Mehrteiler mehr, und ein Weihnachtsspecial auch nicht.

Den Beginn macht das mit der vollen Stunde leicht längere The Woman Who Fell to Earth. Welches natürlich hauptsächlich damit beschäftigt ist, die neue Doktorin und ihre Companions einzuführen. Wir haben ein Predator-likes Alien, welches um sich in seiner Kriegerhierarchie zu beweisen, eine ausgemachtes Ziel auf der Erde erlegen muss. Am Ende wird er natürlich besiegt, die coolste Mitstreiterin bleibt auf der Strecke, und da er nicht wirklich umgebracht, sondern nur verbannt wurde, kann man davon ausgehen, dass auf ihn zurückzukommen ist.

Nicht die beste Folge, aber ich glaube die Doktor-Einstiegsfolgen fand ich bisher häufig etwas unausgegoren. Das Alien mit dem Zahngesicht sieht halt auch dämlich aus und die Handlung drumherum ist nicht herausragend. Ich mag aber tatsächlich Whittakers Doktor bereits ziemlich, sie bringt da eine sehr überschäumend-chaotische Energie rein, und das neue Outift ist auch knorke. Wahrscheinlich hat sie sich von Schauspiel-Kollegen David Tennant inspirieren lassen, denn sie spielt Nummer Dreizehn sehr ähnlich.

The Ghost Monument ist damit beschäftigt, der mit den noch unfreiwilligen drei Companions gestrandeten Doktorin ihren TARDIS zurückzubringen, in einer ähnlichen Endszene wie die allererste Serie. Auch das hier ist übrigens ein tödliches Spiel ähnlich der Jagd auf der Erde, nur das hier auf einem Alienplaneten ein Wettrennen stattfindet, bei dem nur der Gewinner überleben darf. Dachte tatsächlich, dies würde ein wenig der rote Faden der Staffel werden, die nächsten Folgen richten sich dann aber doch anders aus.

Eine weitere Solala-Folge für mich. Der Tripp über den tödlichen Planeten und die Einblicke in die beiden Wettstreiter ist nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend, sondern mehr oder weniger eine brauchbare Standardfolge. Warum der Hologramm-Typ sich allerdings dahinbringen lässt, doch zwei Gewinner zu akzeptieren, machte für mich keinen wirklichen Sinn.

Ich liebe es ja, dass Series 11 so viel Contra bekam, weil sie eine Frau casten, und dann ist bereits die dritte Folge, Rosa, über die gegen Rassismus kämpfende Rosa Parks. Wird dieser Gruppe an Meckerern nicht geholfen haben. Der Schurke, der alles was in seinem Leben schiefgelaufen ist, irrationalerweise daran festmacht, dass Schwarze Rechte bekommen haben, sieht sogar ein wenig aus wie der Dapper Nazi Stereotyp a la Richard Spencer und Co. Ist ja im Prinzip sogar ein Historical, wobei natürlich wie immer durch den Space-Nazi ein wenig SciFi reinkommen muss, da man sich irgendwann früh in Classic Who dazu entschieden hat, dass reine Geschichtsstorylines nicht genug ziehen.

Dass es nicht so wirkliche Beweggründe für den Bösewicht der Folge gibt, was ja wie erwähnt auch durchaus so gewollt sein kann, mal beiseite, hat mir die Folge auch sehr gut gefallen. Ich finde es besonders gut, dass die Folge viel über den steinigen Weg was soziopolitische Entwicklungen angeht spricht. Rosa Parks hat halt nicht einen Abend mal ihren Platz im Bus nicht für einen Weißen aufgegeben, und Boom Rassismus war abgeschafft. Stattdessen haben sie und ihr Mann ihre Jobs verloren und sind ihre Bemühungen im Kampf gegen Rassismus erst fast ein halbes Jahrhundert später geehrt worden. Aber nur weil sich nicht sofort was ändert, nur weil man dafür nicht geachtet wird, bedeutet das nicht, dass man den Kampf für eine bessere Welt aufgeben sollte. Zudem wird auch der Rassismus im Kleinen gezeigt. Wir haben immerhin zwei nicht-kaukasische Companions, die sich kurz darüber unterhalten, dass sie auch in 2018 immer noch ein Stück weit diskriminiert werden. Und die Folge zeigt halt auch sehr gut, wie durch und durch der Rassismus damals kulturell einfach im System verankert war. Rosa kommt bei vielen ihren weißen Mitbürgern durchaus als sympathisch und respektiert an – so lange, wie sie sich nicht über die für Schwarze geltenden Regeln hinwegsetzt, dann dreht sich das Blatt sofort, wird gar nicht hinterfragt, ob dies überhaupt Ok ist.

Und diese respektable Folge wird direkt gefolgt von Arachnids in the UK. Und was drauf steht, ist auch drin. Endlich von der kleinen Odyssee zurück im Vereinten Königreich, wird das im Untergrund von enorm großgewachsenen Spinnen bedroht. Interessant hierbei ist allerdings, dass ein US-Präsidentschaftskandidat und unmoralischer CEO einer großen Firma, hinter dieser unfreiwilligen Entwicklung steckt, um die Kosten seiner Unterfangen möglichst gering zu halten.

Es ist also doch ein wenig Kritik mit drin, besonders eben gegen große Firmen, die zwar ewig viel Kohle scheffeln, aber zur Optimierung noch mehr Kohle scheffeln zu können, jede ihnen gegebene Möglichkeit nutzen, die Regeln zu biegen oder sie eventuell sogar brechen. Und vor allem auch, dass Unwissenheit, gerade wenn es eher geflissentliches Ignorieren von Nebenwirkungen ist, nicht von Schuldigkeit befreit. Letztendlich ist noch wichtig, dass diese Folge jene ist, in der die Gruppe richtig zusammengewachsen ist, und alle feste Companions werden.

In The Tsuranga Conundrum stranden sie prompt wieder, diesmal auf einem Medic-Schiff, welches von einem allesfressenden, süßen, aber grundsätzlich nicht aggressiven Alien heimgesucht wird. Eine Episode mit dünner Handlung, die mehr dazu da ist, die verschiedenen Charaktere miteinander witzeln zu lassen. Außerdem hat man ein wenig Spaß mit der für uns natürlich ungewöhnlichen Mpreg-Situation eines Aliens, sowie die Familienverhältnisse zweier anderer Passagiere und ihrem Cyborg. So langsam kommt die Truppe halt wirklich in ihren Rhythmus, die Persönlichkeiten spielen miteinander, und der Enthusiasmus der Doktorin gegenüber Technik und Wissenschaft darf auch viel der Folge tragen. Dennoch ist denke ich mal an der Kürze meiner Meinung zu dieser und der vorigen Folge zu sehen, dass ich sie als Ok aber nicht herausragend einstufe. Müssen sie ja auch nicht alle sein. Sind sie auch nicht alle.

Bei Demons of the Punjab ändert sich dies allerdings. Denn hier haben wir meine Highlight-Folge der Staffel, auch noch vor Rosa. Fängt eigentlich normal genug an, denn Yas möchte einfach mehr über die Teile der Vergangenheit ihrer coolen Großmutter wissen, über die jene bisher immer geschwiegen hat. Also zeitreisen sie an den Tag, an dem die muslimische Oma einen Hindu heiraten sollte. Welches genau der Tag ist, an dem Indien und Pakistan voneinander getrennt wurden. Mit der neuen Landesgrenze direkt durch das Grundstück der Familie verlaufend. Ach ja, Aliens gibt es auch, damit es kein reines Historical ist, und stattdessen die SciFi-Quote erfüllt wird, aber nachdem klar wurde, dass sie ein roter Hering sind, werden die nicht mehr wichtig, obwohl die Endszene mit ihnen schon sehr nett ist.

Eine sehr interessante Folge, in der es darum geht, wie Religion doch Menschen trennen kann. Selbst Menschen, die bis dato seit Generationen friedlich zusammenlebten. Wie einfach sich Leute im Fluss der Revolution und Veränderung gefangen und manipulieren lassen können. Patriotismus vor Nächstenliebe stellend. Das alles sind natürlich eher luftige Themen. Und dahingehend trifft die Folge genau die richtige Entscheidung, dies aufs kleine Level zweier Familien niederzubrechen. Dadurch wird dieses größere soziologische Problem greifbarer, nahbarer, persönlicher. Es ist einfacher sich mit dem Schicksal einer Hand voll Leute zu identifizieren, als mit der Realität eines ganzen Landes. Hat bei Rosa und Rassismus natürlich schon funktioniert, aber da ging es eben auch um eine historische Figur. Hier geht es um niemand wichtigen, bekannten, sondern einfach darum, was die exemplarisch aus Jedermann machen kann. Auch ein cleverer Titel, der uns zunächst denken lässt, die Aliens seien die Dämonen – aber ging es letztendlich nicht um den Dämon, der sich in den Separatisten festgefressen hat? Jedenfalls war das eine wirklich gute Folge, die gegen Ende echt rund zusammenkommt.

Darauf folgt eine Folge mit dem Titel Kerblam! Das Ausrufezeichen ist inkludiert. Und wir sagen Willkommen zur Hölle des Kapitalismus mit Space Amazon, wessen Logistikzentrum einen ganzen Mond einnimmt und damit unter eigener Jurisdiktion steht. Alles ist automatisiert, was Massenarbeitslosigkeit zur Folge hat, weswegen zumindest ein schwaches Gesetz in Kraft getreten ist, dass 10% aller Arbeitskraft von Menschen verrichtet werden muss. Die von Cyborgs überwacht und jederzeit zum effizienten Arbeiten angehalten werden. Die Doktorin hat einen Hilferuf von hier erhalten, dem nachgegangen werden muss.

Für mich war das ein wenig die Folge der verpassten Möglichkeiten. Sie portraitiert immer noch eine ziemlich suboptimale Zukunft, und ich finde es ja auch echt hinreißend, dass die Massenvernichtung hier durch Pastik-Bubblewrap geschehen soll. Aber das wirkt alles so ein wenig wie Hintergrund-Stagesetting, statt sich wirklich viel auf aktuelle Probleme zu beziehen was sowohl die Arbeitsbedingungen in Großkonzernen, die Umweltzerstörung durch unregulierten Kapitalismus, oder die Zukunft der Automatisierung angeht. Dazu komme dann noch, dass für die überraschende Wendung eben nicht die Cyborgs oder die alles leitende KI des Systems die Bösen sind, sondern ein menschlicher Arbeiter sich zum Terrorismus gezwungen sind, um mehr Rechte zu erzwingen. Ich hätte hier echt lieber eine überspitzte Kapitalismus-Dystopie gesehen.

Ähnliches würde ich auch bei The Witchfinders attestieren. Diesmal landen die Vier eben in der Mitte einer riesigen Hexenjagd. Nicht im Sinne von Landesweit, wobei impliziert ist, dass sowas überall und jederzeit im aktuellen Angstklima geschehen kann. Nein, es ist eigentlich ein kleines Dorf am Rande des Bekanntseins, welches aber von seiner Demagogin hart in die Hexenverfolgung geführt wird, welches bereits über 30 Opfer forderte. Der exzentrische und ebenfalls überall Satan fürchtende König James kommt auch vorbei. Und am Ende waren es Aliens (SciFi-Quote erfüllt) und die Anführerin des Dorfes wollte nur von sich selbst ablenken, im dem sie auf alle andren zeigte und laut genug „Hexe“ schreit.

Interessant ist, dass dies die erste Folge darstellt, in der Nummer Dreizehn das neue Geschlecht in den Weg kommt, weil König James ihr nicht zutraut eine Anführer-/Machtposition hat. Merkwürdig, wenn die Gemeinde an sich auch von einer Frau geführt wird. Ist ja nicht so, dass es im Mittelalter nicht mächtige Frauen gab, auch wenn viele wie die hiesige in die Position kamen, weil sie mächtige Männer heirateten und dann verwitweten. Jedenfalls fand ich es auch gut, dass die Folge anführt, dass viel bei der Hexenverfolgung eben Paranoia war. Und zwar teilweise davon, dass da jeder jeden jederzeit als Hexe brandmarken könnte, man auch einfach nur schnell genug auf den Nachbarn zeigt und „Hexe“ proklamiert, bevor der selbiges mit einem macht. Auch sehr erheiternd war das absolut überspitzte Schauspiel von Alan Cummings als König James, der daraus sozusagen seinen Jack Sparrow macht. Leider finde ich beißt er sich etwas mit dem Rest der Folge. Wir haben hier den absolut abgedrehten Kerl, und dann aber eine sehr seriöse und ernsthafte Hexenverfolgung am Laufen. Auch wenn die Doktorin im vorwirft, dass sein foppisches Gehabe selbst nur eine weitere Maske ist, um die eigenen Ängste zu übertünchen, will er nicht so ganz passen. Ganz wie Kerblam! war auch The Witchfinders keine schlechte Folge, ich denke nur es hätte mehr draus gemacht werden können, wenn die Folge düsterer geworden wäre, ohne den schrägen König und ohne die Aliens.

Als nächstes haben wir It Takes You Away, und die reiht sich da ganz gut ein. Diesmal landen alle in Norwegen, finden eine verbarrikadierte Hütte im Nirgendwo, welches nachts von einem Monster behelligt wird. Einzige Einwohnerin ist ein blindes Mädchen, deren Vater verschwunden ist. Gleichzeitig ist hinterm Spiegel eine gefährlich-alptraumhafte Nebendimension versteckt, die zu einer Spiegelwelt der echten führt, in welcher besagter Vater mit seiner toten Frau abhängt, die hier wieder lebendig ist.

Ich glaube dies ist die erste Folge, die wirklich davon profitiert hätte, wenn man sich nicht darauf festgelegt hätte hier jede Episode in sich geschlossen zu behandeln. Denn es passiert viel, und viel davon gegen Ende sehr abrupt. Ein bisschen mehr Raum zum Atmen wäre schön gewesen. Ich fand es sehr schön, dass die Folge zeigt, wie schwer es ist, geliebte Menschen loszulassen, so dass man sich an deren Bild eventuell selbst dann noch klammert, wenn man weiß, dass dies nur eine Scharade ist. Ich fand auch den ernsthaften Austausch zwischen der Doktorin und der denkenden Dimension interessant – inkompatibel aber eigentlich nur dem Alleinsein überdrüssig. Aber es ist halt etwas überstürzt am Ende. Sowohl das Loslassen, sowie das die Doktorin eigentlich gleich schon wieder befreit wird, und dass der Vater streng genommen ein Arsch ist, der seine Tochter vernachlässigt und betrogen hat, ist irgendwie auch kein Thema.

The Battle of Ranskoor Av Kolos ist dann das Finale der Staffel. Tatsächlich ist das Alien aus der ersten Folge zurück. Oder genauer gesagt ist es das nicht, die versehentliche Verbannung dort hat ihn nur passenderweise auf den Planeten mit zwei sehr mächtigen Aliens gebracht, die ihn als ihren Gott ansehen, was der auszunutzen weiß, um beispielsweise Planeten zu klauen. Die Doktorin und ihre Companions kommen nur zufällig ebenfalls hierher und müssen ihn aufhalten.

Es ist natürlich nett, dass man sozusagen den Kreis schließt, in dem man den Schurken der ersten Folge wieder aufgreift. Zumal so Graham nun auch komplett den Verlust seiner Frau aus der Folge überwinden bzw. verarbeiten kann. Aber das ändert halt nix daran, dass ich das Alien weiterhin für kaum interessant und kaum respekteinflößend ansehe. Auch nett ist sicherlich, dass blindem Glauben gegen besseren Wissens und Gewissens zu folgen echt scheiße ist. Glauben darf man gern, aber dabei eben nicht aufhören Dinge zu hinter- und erfragen. So ein wenig ein Solala-Ok-Ende ist es halt trotzdem.

Ist es so gesehen aber auch nicht komplett. Doctor Who mag was eine Staffel angeht das Jahr 2019 aussetzen und erst 2020 mit Series Twelve kommen. Und es mag auch keine Weihnachtspecials mehr geben. Aber so komplett wird das Jahr nicht aufgegeben, denn die Specials sind ab jetzt zu Neujahr anberaumt. So auch dieses Jahr dann Resolution über die Bildschirme lief. Mit der vollen Stunde wieder leicht aber unwesentlich länger.

Viel dazu gibt es nicht zu sagen, um ehrlich zu sein. Es ist eine weitere Dalek-Episode. Denn was wäre ein neuer Doktor, welcher nicht zwangsläufig irgendwann auf die Zugkraft der altbekannten Stütze der Daleks zurückgreift? Ich habe immer ein wenig eine Aversion gegen sie, da ich sie zu überbenutzt finde, sie nie so enorm gefährlich erscheinen wie alle immer von ihnen behaupten, und ihre Folgen oft einfach zu den schwächeren einer Staffel zählen. Aber Resolution war schon ziemlich gut. Ein wenig familiäre Beziehungen sind drin, die Sache ist kurzweilig und mit viel Action unterlegt, alles ziemlich unterhaltsam.

Als Fazit zur ersten Staffel mit Jodie Whittaker als Thirteen bleibt mir zu sagen, dass ich sie gut fand. Es gibt bessere und schlechtere Folgen, vor allem auch einige, die etwas langweiliger als andere sind, aber so richtig schlecht fand ich keine davon bisher.

A Knight of the Seven Kingdoms

Es ist passiert. Nachdem ein Jahr pausiert wurde, ging kürzlich die absolute Hypeserie Game of Thrones mit 73 Folgen in 8 Staffeln zu Ende. Nie wieder der Drachenmutter zujubeln. Nie wieder interessante Lannister-Intriegen miterleben. Nie wieder von Jon Snow zu Tode gelangweilt werden. Es ist vorbei… und keiner mochte es. Die Staffel mag die höchsten Einschaltquoten, aber auch mit Abstand die schlechtesten Kritiken eingefangen haben. Ich gehe diesmal gleich auf einer Folgen-zu-Folgen-Basis durch die verkürzte 6-Episoden-Finalstaffel.

Mit neuem Opening übrigens! Ich mochte ja immer das Schwenken über das Diorama der Welt, welches einem schön zu Beginn jeder Episode gezeigt hat, welche Orte aktuell wichtig sind, damit man einen besseren kartographischen Bezug zu den Schauplätzen hat. Das bleibt beibehalten, aber wir sehen jetzt auch direkt, dass es eigentlich nur noch um zwei Lokalitäten und den Kampf dreier Häuser geht, in dem vom zerstörten Wall aus direkt durch Winterfell und nach King’s Landing zum Eisenthron gezoomt wird.

Das Thema der ersten Episode ist dabei zum Großteil jenes der komplexen Familienbeziehungen. Jon Snow und Daenerys sind immer noch verliebt, jedoch findet Jon heraus, dass er ebenfalls ein Targaryen und als Mann natürlich der rechtmäßige Erbe des Eisenthrones ist. Jon und Sansa sind immer noch ein wenig bröckelig, weil er den Titel als König des Nordens nicht angenommen hat und nun auch noch Daenerys mitbringt. Die Greyjoys kämpfen weiter miteinander und Theon entschließt sich letztendlich seiner Adoptivfamilie Stark zur Hilfe zu kommen. Cercei möchte beide ihrer Brüder für den Verrat an ihr Tod sehen, während Tyrion überrascht ist, dass sie ihr Versprechen bricht, beweisend, dass aus einem der schlausten einer der dümmsten Charaktere der Serie geworden ist. Sam derweil findet heraus, dass sein Bruder und Vater von Daenerys hingerichtet wurden, und obwohl er keine gute Bindung zu jenen hatte, trifft ihn das dennoch hart.

Die zweite Episode hätte ich nicht erwartet. Genauer gesagt hätte ich nicht gedacht, dass die Serie, wenn sie noch fünf Episoden hat, um alles zu Ende zu bringen, die volle Stunde dafür opfert, zu zeigen, wie die Leute, die fürs letzte Gefecht gegen die White Walker zusammengekommen sind, kurz vor deren Attacke verbindende Momente haben. Am besten ist und bleibt sowieso die Beziehung von Brianne und Jaime, und die Szene, in der er sie zum Ritter schlägt, ist definitiv eine der emotionalen Highlights der ganzen Serie. Auch mag ich sehr die Dynamik zwischen Sansa und Daenerys. Die beiden Frauen haben schon gegenseitigen Respekt, weil sie durch ähnliche Schrecken gegangen sind, um in ihrer Position von Macht zu landen. Aber beide wissen auch, dass sie nie miteinander klarkommen werden, eben weil sie ihre Macht nicht aufgeben werden. Ach ja, und Mc Guffin Boredom Stark, der nur dazu da ist, Visionen zu haben, wenn man einen schnellen Weg braucht, um Charaktere Dinge herausfinden zu lassen, ist noch ein größerer McGuffin, weil er auch als Köder für den Night King dient, um eine Ausrede zu haben, warum der nicht hinter seiner Armee bleiben wird.

The Longest Night ist auch die längste Episode, denn jetzt kommen wir zu jenen, die Feature Length haben. Und so ziemlich die kompletten 80 Minuten sind der Kampf gegen die White Walkers. Alles andere wäre wahrscheinlich zu kurz, nachdem dies sieben Staffeln lang hochgehyped wurde. Der geht ungefähr so, wie zu erwarten war. In dem es mehrmals aussichtslos wirkt, sich doch noch was ändert. Und natürlich die Tatsache, dass sobald der Night King stirbt nach Vampirregeln auch alle, die er gemacht hat, sowie das Boredom Stark ihn herauslockt, trotz dramatischer Übermacht der White Walker die menschliche Seite gewinnen lässt. Und Arya darf ihn töten, aber das konnte man sich schon denken, als sie sich die Drachenglaswaffe hat anfertigen lassen. Theon darf sich opfern und hat somit seine Wiedergutmachungs-Arc beendet. Mormont darf sich endlich für seine Königin opfern, die nur in Gefahr gerät, weil ihr Drache dummerweise gerade lange genug vergisst, dass er fliegen oder Feuer speien kann. Die Krypta war kein so gutes Versteck für Zivilisten, wenn eine Armee angreift, die Tote wiederbeleben kann, und keiner sah es kommen. Obwohl, sobald der Night King im Vorgarten steht und die Armee Winterfell überrannt hat, bin ich mir auch nicht sicher, ob es überhaupt noch ein sicheres Alternativversteck gegeben hätte. Ach ja, und die Red Woman darf auch noch mal was machen und dann sterben, was für ein verschwendeter Charakter. Um ehrlich zu sein war dies nicht meine liebste Folge. Ich verstehe, dass der Kampf chaotisch und durcheinander und überfordernd erscheinen soll, und das der Schneesturm wichtig ist, damit die Drachen nicht zu OP sind. Doch die Folge ist so wackelig, dunkel und vernebelt gefilmt, dass man häufig überhaupt nicht erkennt, was überhaupt los ist.

Episode 4 ist echt hart für Daenerys, denn sie muss sich um mehr und mehr Probleme Gedanken machen. Da wäre natürlich zunächst Jon, den sie liebt, der seine Tante aber nicht poppen will, und vor allem ein legitimer Thronnachfolger ist. Den will er gar nicht, sicher, aber Daenerys ist nicht blöd genug, zu glauben, dass die meisten ihn nicht lieber dort sehen würden. Und sie weiß, dass Jon Snow ein Idiot ist, der die Info natürlich prompt nicht bei sich lassen kann. Ich bin mir ja nicht sicher, warum überhaupt so viele Charaktere glauben, dass der Naivling einen guten König abgeben würde. Und natürlich stellt sich weiterhin das Problem, wie sie Cercei besiegen und King’s Landing einnehmen soll, ohne als mordende Tyrannin vom Volk gesehen zu werden. Gerade jetzt, wo sie gern alles niederbrennen würde, nachdem sie einen weiteren Drachen und ihre treueste Freundin und Beraterin verliert. Damit hat Cercei die Drachenkönigin wohl über den Rand getrieben. Ach ja, und Brianne und Jaime ficken. Ich hasse es. Deren eher kameradschaftliche Beziehung fand ich immer viel besser, als da plötzlich was Romantisches draus machen zu wollen. Und natürlich geht Jaime eh zu Cercei zurück, wozu das also?

Lasst mich mal ganz ehrlich sein. Bisher sah ich nicht, warum Season 8 so viel Hass einfährt. Wirklich wesentlich schlechter als die vorigen zwei Staffeln, gerade Season 7, fand ich sie gar nicht mal. Und viele dumme Sachen waren schon in jenen klar angelegt. Jon Snow war schon immer ein naiver Vollidiot. Dass es zwischen ihm und Danny nicht gut enden kann, war klar, sobald wir wussten, dass er ein Thronerbe ist. Es war schon immer klar, dass die Serie nicht gut enden wird. Danny und Sansa oder Danny und Cercei hätten auch nie miteinander klarkommen und gut enden können. Hier hat sich meine Meinung nun geändert. Wie sich Tyrion von Varys verabschiedet oder das Cercei buchstäblich dadurch stirbt, dass ihr Königreich über ihr zusammenbricht, fand ich noch ganz Ok. Doch dann brennt Daenerys die Stadt nieder. Obwohl die sich ergeben haben. Ich würde es sogar noch verstehen, wenn sie in ihrer Rage zur Red Keep geflogen wäre, um diese mit Cercei drin zu zerstören, was auch genug Unschuldige umgebracht hätte, um zu einem Problem für sie zu werden. Allem wahnsinnigen Tagaryen-Blutes und über die Verluste der vorigen Folge über die Klippe getrieben zu werden, macht es für mich trotzdem absolut keinen Sinn, dass sie das komplette King’s Landing niederbrennen würde. Und was war mit der Szene, wenn plötzlich dieses weiße Ross aus dem Nichts auftaucht, damit Arya wegreiten kann? Oder warum ist der eine Piratenkönig vor Ort geblieben, nur um sich mit Jaime ein gegenseitig umbringendes Duell zu liefern? Je länger die Episode andauerte, umso mehr merkte ich, wie ich mich weniger und weniger um die Serie scherte.

Und auch um die letzte Episode nicht mehr. Daenerys ist jetzt also eine selbstgerechte Tyrannin und muss von Jon erstochen werden. Der langweiligste Non-Charakter der ganzen Serie landet auf dem Thron der sechs Königreiche, warum die Staatsoberhäupter jener auch immer meinen noch einen zu brauchen, statt lieber eigenständig weiterzumachen wie der Norden dies tut. Jon Snow geht zurück dahin irrelevant zu sein. Die beiden Stark-Frauen zeigen noch mal, dass sie die einzig coolen Starks sind. Und so klingt die größte Serie der letzten Dekade aus. Und mir ist es ziemlich egal. Hätten die Show-Runner es je geschafft, diesen Koloss in ein zufriedenstellendes Fahrtwasser fürs Finale zu bringen? Gerade ohne auf Bücher zurückgreifen zu können? Gerade nachdem Staffel 7 schon vorahnen ließ, dass es nicht großartig weitergehen wird? War vielleicht unrealistisch zu erwarten. Aber mehr zu erwarten, als geliefert wurde, war irgendwo schon.

Minna Atsumare! Falcom Gakuen

Minna Atsumare! Falcom Gakuen ist einer jener Scetch-Mangas, die in gerade mal 4 Panels einen kurzen Witz erzählen. Dies lief eine Weile so, immerhin hat er es letztendlich auf drei Sammelbände gebracht. Darauf wiederum basierend lief in 2014 und 2015 jeweils eine Anime-Staffel, die es auf insgesamt 25 Episoden schaffen. Oder besser Minisodes, denn sie sind gerade mal 2 Minuten lang, und ein Viertel davon nimmt das Opening ein.

Das Konzept ist, dass alle Charaktere aus den verschiedenen Spielen von Falcom in Xanadu zusammenkommen, da sich ihre Persönlichkeit zum Schlechteren verändert hat, wo sie nun zur Schule gehen, um zu ihrem wahren Charakter zurückzufinden. Oder so ähnlich, ist ja auch weitläufig egal. Schon ein wenig seltsam, dass dies in Xanadu geschieht, immerhin ist die Falcom-Franchise, aus der viele Subserien entsprangen, Dragon Slayer und nicht das selbst dort als Subserie entstandene Xanadu.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf deren beiden populärsten Serien, zum einen Ys, wobei jeder, der nicht Adol oder Dark Fact ist, ziemlich am Rand rumdümpelt, sowie Legend of Heroes, wobei erneut hauptsächlich der Cast aus den Kisekis/Trails viel Screentime bekommt. Obskurere Auftritte wären der Prinz aus Dragon Slayer Jr., der legendäre Held aus dem ersten Dragon Slayer, viele andere allerdings sind schlichtweg degradiert mal kurz im Hintergrund stehen zu dürfen.

Das große Problem dabei ist, dass es die Serie nie schafft, so wirklich witzig zu sein. Ein paar Anspielungen sind ganz niedlich, gerade im Gerangel zwischen Adol und Dark Fact, von denen der eine oder andere eventuell irgendwann einen Screencap in der Timeline hatte. Ganz nette Idee, dass Adol, nachdem er für Diebstahl verhaftet wird, ganz lapidar fragt, was so schlimm daran ist, wenn ein Abenteurer Dinge aus den Schubladen anderer nimmt. Weil man das in RPGs ja notorisch macht. Oder wenn er sich mit Dark Fact das erste Mal kabbelt, und ihn einfach rammt, weil dies das merkwürdige Kampfsystem der oldschool Ys referenziert. Oder das Dark Fact, wenn er sich angegriffen fühlt, als Schutzmechanik Fallgruben erscheinen lässt, ganz wie im Bosskampf gegen ihn. Wenn plötzlich alle Adols aus den verschiedenen Ys auftauchen, und darunter der schrecklich aggressiv verwestliche vom Mega Drive Cover ist – wobei man die Chance vertan hat, die anderen optisch nach ihrer Ära zu unterscheiden.

Dies ist allerdings wohlweislich alles nichts, weswegen man sinnübertragend lachend am Boden liegen wird. Sondern mehr Instanzen, bei denen man mal kurz in sich hinein schmunzelt und dann weiterzieht. Und das auch nur beim ersten Mal. Wenn die den West-Adol zum dritten Mal ins Bild schieben, oder Dark Fact zum vierten Mal den Boden verschwindet lässt, ist man schon lang drüber weg.

Der Großteil des Humors ist sowieso absolut basische Haudrauf-Unkomik, die so in jedem generischen japanischen Werk sein könnte. Und die einfach nicht witzig sind. Spieler von Trails in the Sky mögen sich daran erinnern, dass Joshua dort kurz dazu gezwungen wird, sich als Mädchen zu verkleiden. Das nutzt Falcom Gakuen dazu, dass Joshua nun zufällig immer mal wieder Kleid und Perücke anzieht, weil er nun angeblich eine Obsession damit hat, ein attraktives Mädchen zu sein, woraufhin ihn jemand als pervers bezeichnet und der Zero no Kiseki Cast ihn eventuell verhaftet. Das ist der ganze Witz. Kisekis Playboy-Charakter taucht beliebig nackt auf, jemand nennt ihn pervers, eventuell wird er verhaftet. Das war es auch schon. Aisha aus Ys Seven wird vorgehalten, dass sie flachbrüstig ist. Hier bitte lachen.

Es ist einfach unglaublich, wie absolut unkreativ Falcom Gakuen einfach im Großteil seiner Witze ist. Bei denen man eine Pointe gleich gar nicht erwarten sollte. Es wäre geradezu einschläfernd, wenn die Folgen nicht so schnell rum wären. Der krude Zeichenstil und schlechte Animationen sollen wohl einen passenden Low-Budget-Look verpassen, der aber ebenfalls keinerlei Charme versprüht. Was zugegeben zur Serie tatsächlich passt. Uncharmante, nicht witzige, langweilige Zeitverschwendung.

The Dragon and the Wolf

Das Ende naht. Mit einer verkürzten siebten Staffel, die nur sieben statt der üblichen zehn Folgen beinhaltet, dafür deren Länge teilweise auf über eine Stunde zieht, statt konstant knapp darunter zu bleiben, sind wir im Vorfinale angekommen. Was natürlich bedeutet, dass verbliebene Storylines und Charaktere weiter zusammengetunnelt werden.

Wobei die drei Stark-Kinder Arya, Sansa und Boredom etwas ab des Geschehens sind. Aber fast die interessanteren Etappen haben. Arya beginnt die Staffel eh ziemlich cool, indem sie jeden Mann des Hauses Frey ermordet, um sich für die Rote Hochzeit zu rächen. Und auch Sansa darf direkt erst Mal Jon Snow vorwerfen, dass Ned und Robb an ihrem eigenen dämlichen Gutmenschtum gestorben sind, welchem Jon vehement nachgeht. Das beweist mal wieder, dass die Starks eigentlich gar nicht so blöd und langweilig sind, denn die Stark Frauen waren schon immer ziemlich stark und toll in der Serie, es sind nur die Stark Männer, bei denen ich Sekunden in eine Szene mit jenen das Interesse daran verliere, was gerade geschieht. Brandon hat es irgendwie geschafft, nun da er der Three Eyed Raven ist, sogar noch langweiliger zu werden. Aber hey, wie Littlefinger versucht die Mädels gegeneinander auszuspielen, und diese ihn letztendlich loswerden, war eine interessante B-Handlung der Staffel.

Dummerweise dreht sich die A-Handlung nun maßgeblich um Jon Snow, den ich wohl tatsächlich bis ins Finale der Serie ertragen werden muss, obwohl seine Figur bereits zehn Mal hätte tot sein sollen, und es einmal sogar bereits war. Der hat mir echt die siebte Staffel mit seiner Präsenz ein wenig verdorben, um ehrlich zu sein. Ich verstehe nicht, was die coole Daenerys in dem kolossalen Langweiler sieht, außer einen optisch ansprechenden One-Night-Stand vielleicht. Und das wir nun herausgefunden haben, dass er nicht nur wie die sechste Staffel offenbarte neben dem Stark-Blut auch Targaryen-Blut in sich hat, sondern auch noch in heimlicher Ehe gezeugt wurde, also legitimer Erbe ist, lässt mich schlimmes ahnen. Wenn Jon Goddamn Fucking Snow am Ende der Serie auf dem Iron Throne landet, kippe ich jeden Tisch in diesem Hause um. Vielleicht erbarmt sich mir auch einer, und macht daraus eine tragische Plotline, in der Daenerys ihren Geliebten ermorden muss, damit er ihr besagten Thron nicht streitig machen kann. Aber dafür hat Jon Snow mittlerweile glaube ich zu viel Plot Armor an. Ich meine mal ernsthaft, es war schon etwas lächerlich, wie er mit seinen Merry Man in den Norden gegangen ist, um einen White Walker zu fangen, sie von einer Übermacht umzingelt wurden, und Jon Snow gleich zwei Mal innerhalb zehn Minuten hintereinander in letzter Sekunde gerettet wurde, zuerst durch Daenerys Dragon Ex Machina, und dann in seinem heroischen Last Stand direkt darauf erneut.

Es ist übrigens erneut niemand gestorben, den ich als Save eingestuft hätte. Littlefinger war eventuell etwas überraschend, aber so richtig die absoluten Zentralfiguren sind noch alle da. Selbst Jaime überlebt gleich zwei Instanzen, zunächst wenn Daenerys mit ihren Drachen seine Armee zerstört, und dann, wenn er sich von Cersei am Ende abwendet, obwohl ich ihm beide Male gute Sterbemöglichkeiten eingeräumt hätte. Aber zentrale Figuren sterben in Game of Thrones halt partout nicht mehr, zumindest nicht in Staffel 6 und 7.

Der Hauptkonflikt der Serie ist nun natürlich der Krieg zwischen Daenerys und Cersei, wer hätte gedacht das im Finale sich mal zwei Königinnen gegenüberstehen würden. Wobei Daenerys so ziemlich das gleiche Problem hat, wie schon die ganze Serie über: Sie könnte so einfach mit ihrer Übermacht die Macht an sich reißen, aber um eben kein Despot wie diejenigen vor ihr auf dem Thron zu werden, kann sie halt nicht einfach alles schnell niederbrennen. Dann verliert sie hier auch noch die Häuser Dorne und Tyrell und einen ihrer drei Dachen, so dass wir mal sehen müssen, ob ihre Entscheidung fair zu spielen nicht ins Wanken kommt. Während der einen Schlacht lässt sie ja bereits eine Hölle aus Feuer und Stahl auf die Lannister-Armeen herniederregnen, was definitiv ein Vorgeschmack dessen ist, was geschehen könnte. Cersei ist sowieso bereit alles und jeden zu ignorieren und zu hintergehen, weswegen sie am Ende der Staffel selbst die Unterstützung ihres Bruders Jaime verliert und nun tatsächlich ganz alleine dasteht. Das politische Geplänkel zwischen den beiden Damen, wann immer Jon Snow sich nicht eingemischt hat, war definitiv auch nicht uninteressant.

Und zum Schluss, der zweite A-Plot, der uns theoretisch die ganze Serie über bereits begleitet, von dem man aber keinem vorwerfen kann, wenn jener ständig wieder zwischenzeitlich vergessen wurde, ist die Bedrohung durch die White Walker. Frost Zombies sind halt einfach nicht so interessant wie Charakterintrigen, und wann immer sich die Serie um sie dreht, geht es mir ein wenig so, wie wann immer ein männlicher Stark die Szene betritt, nämlich mein Interesse fällt deutlich ab. Immerhin hat Jon Snow jetzt mal alle davon überzeugt, dass jene wirklich existieren, Daenerys mit ihrem Drachenfeuer will ihm helfen, und die Viecher haben nach schier endloser Wanderung doch tatsächlich den Wall überquert und Dringen in Westeros ein. Meine Hoffnung ist dennoch, dass jener Part eher einen kleineren Teil der sechs Folgen der Finalstaffel einnimmt, weil ich Game of Thrones ehrlich nicht einschalte, um eine weitere Zombie-Serie zu sehen, auch nicht eine im Mittelalter-Fantasy.

Und das war Staffel 7 für mich. Weiterhin kann ich das Gefühl, welches sich bereits in Staffel 6 eingestellt hat, nicht ganz abschütteln, dass sie nun, wo sie von den Büchern weitestgehend getrennt verläuft, sicherer und vorhersehbarer geworden ist. Investiert bin ich dennoch voll ins Geschehen, solange Jon Snow nicht alles ausbremst, was er hier leider viel zu häufig macht. Auf das er in Staffel 8 sterben mag. Aber vorher wird sein magisches Sperma erst mal Daenerys Unfruchtbarkeit heilen, nehme ich mal an.

The Winds of Winter

Ab April diesen Jahres wird mit der achten Staffel Game of Thrones sein Ende finden, und ich hinke immer noch hinterher. Vor fast drei Jahren habe ich die Serie zum letzten Mal gesehen, und zwar nicht die damals aktuell laufende sechste, sondern erst die fünfte Staffel. Habe ich da überhaupt noch eine Chance mitzukommen?

Ja, absolut sogar. Von vielen Charakteren wollte mir vielleicht nicht sofort der Name mehr einfallen, sobald sie zum ersten Mal den Bildschirm betraten, aber insgesamt ist die Serie jetzt, wo es rapide gen Finale geht, eine ganze Ecke unkomplizierter geworden. Ich möchte geradezu sagen etwas gewöhnlicher sogar, oder bilde ich mir das nur ein, weil ich weiß, dass sich nicht mehr auf die Bücher gestützt werden kann, sondern die Drehbuchautoren auf eigenem Glatteis schreiben müssen?

Zugegeben beginnt die Staffel für mich nicht unbedingt an den motiviertesten Stellen, sondern bietet in den ersten drei Folgen unter anderem direkt all jene Charaktere, die ich lieber nicht mehr in der Show hätte. Wir beginnen mal wieder an diesem unsäglichen Wall, von dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der langweilige Stark-Abkömmling, der seit gefühlt dreihundert Jahren im Visionen-Baum hockt, ist wieder mit dabei und hockt weiterhin schier ewig im Baum rum. Aus irgendwelchen Gründen gibt es immer noch Szenen mit Jon Snows fettem Freund und seiner Trulla, die ich eigentlich für erfolgreich aus der Serie herausgeschrieben erachtet hatte. Und Jon Snow ist zurück, um wie gewohnt hübsch auszusehen, permanent wie ein getretener Welpe in die Kamera zu blicken, und massiv das Publikum zu langweilen.

Was wäre es so geil gewesen, wenn der wirklich einfach weiterhin tot wäre. Nicht nur, weil ich mit ihm noch nie was anfangen konnte, sondern weil es einem als Zuschauer auch zeigen könnte, dass weiterhin jeder Charakter Fair Play ist, wenn es um ein mögliches Ableben geht. Stattdessen fühle ich mich persönlich so, als hätte ich mittlerweile ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wer ein zu zentraler und wichtiger Charakter ist, um wirklich noch je ernsthaft in Gefahr zu sein, zumindest bis in die finale Staffel überleben wird. Wenn Arya Stark von ihrem Javert durch die Straßen der Stadt gejagt wird, oder wenn Jon Snow im Battle of the Bastards in jede einzelne Falle von Ramsey tappt, hatte ich nie auch nur für eine Sekunde in Betracht gezogen, dass dies wirklich ihr Ende bedeuten könnte. Lang her sind die Tage der Hinrichtung von Ned Stark oder einer Roten Hochzeit.

Aber irgendwann wendet Jon Snow wenigstens dem Wall den Rücken zu. Und auch aus dem Baum kommen wir raus. Wobei das Ableben von Hodor zwar eine gute Szene war, die Begründung, warum er nur dieses eine Wort sagen konnte, aber sowas von dämlich ist. Ich habe aber allgemein Game of Thrones mehr gemocht, als es noch weitestgehend in schnöder Realität verankert war, statt das an jeder Ecke scheinbar ein Seher oder eine Priesterin steht, die irgendwelchen Wortbrei über Religionen, Prophezeiungen und Schicksale von sich geben und eine gewisse magische Vorbestimmtheit eingebracht wird.

Ich konnte die sechste Staffel zumindest nicht schauen, ohne einen leichten Geruch von Scriptwriting 101 in der Nase zu haben. Die Staffel wirkte häufig nicht mehr ganz so überraschend, nicht mehr ganz so fies, einfach etwas vorhersehbarer und mit mehr Genre-Tropes versehen. Wie häufig kommen Charaktere hier in eine extrem brenzliche Lage, nur um in letzter Sekunde gerettet zu werden? Es gibt gleich mehrere Szenen, in denen Daenerys cooles Showmanship zur Machterlangung hinlegt. Und mal ganz ehrlich, wäre dies hier noch Staffel 4 oder so gewesen, wäre Jon Snow mit seinem idiotischen und unüberlegten Heroismus im Battle of the Bastards gestorben und seine genauso dämlich agierende Armee gleich mit, statt mit viel Pathos und einer weiteren Unterstützung in letzter Sekunde zu siegen. Gutmenschentum und Pathos wurden in der Serie bisher häufig bestraft, weil es keine gute Überlebensstrategien sind, während sie in Staffel 6 geradezu zelebriert werden.

Was nicht bedeutet, dass es nicht auch viel Gutes in der Staffel gibt. Genau genommen ist die Serie weiterhin die meiste Zeit über sehr spannend und geil gestaltet. Ich liebe es beispielsweise, wie einfach die Lannisters absolut von der neuen Religion überrannt werden, weil sie es schlichtweg nicht gewohnt sind, es mit jemandem zu tun zu haben, der absolut ehrlich überzeugt von seiner Sache ist, oder was für eine Macht doch selbst einfache Menschen in der Masse erreichen können, wenn sie scheinbar nichts mehr zu verlieren haben, ganz davon abgesehen, wie sehr sich Kults eben um charismatische Anführer aufbauen. Daenerys ist weiterhin eine coole Lady, egal wie aufgesetzt einige ihrer Szenen sein können, ihre großen Gesten sind cool, und auch wenn sie etwas zu einfach aus dem Konflikt mit den Mastern geschrieben wird (sie greifen von sich aus an, statt dass sie hinterher wirklich noch unkomfortablen Frieden mit Sklavenhändlern schließen müsste), so bewegt sie sich auch endlich mal wieder. Einige Tode sind immer noch überraschend, wie beispielsweise die Machtergreifung in der ersten Folge in Dorne, und zeigt sehr gut, warum man die Serie zu schauen begonnen hatte. Die Machtverteilung ist nämlich eben nicht langfristig in Stein gemeißelt.

Dass Best Boi Jorah sich endlich seiner Daenerys offenbaren darf, oder die Freundschaft zwischen Jamie und Brienne sind sowieso ganz schnuckelige Szenen, die immer gehen. Auch hier glaube ich nicht, dass ich mich in früheren Staffeln bei zwischenmenschlichen Freundschaften je so sicher gefühlt habe, dass nicht mindestens einer davon den anderen eventuell zu betrügen plant, doch so ein wenig ernste Freundlichkeit kann auch Game of Thrones nicht schaden.

Und wir bewegen uns nun definitiv stark aufs Ende zu. Spätestens in der letzten Folge scheint alles in Bewegung zu sein. Daenerys ist endlich auf der Überfahrt nach Westeros. Cersei, die zuletzt etwas zum ohnmächtigen Zuschauer verkommen war, brennt im wahrsten Sinne des Wortes alles nieder. Dorne, Tyrell und Daenerys Abgesandter verbünden sich gegen die Lannisters. Jon Snow wird der König im Norden. Der Cast an Charakteren ist stark ausgedünnt, um einiges an Ballast loszuwerden.

Wenn ich also auch während des Verlaufes der zehn Folgen hin und wieder mal eine Augenbraue hochziehen musste (und diese leichte Schwächen im Schreiben sind mehr im Direktvergleich zu den fantastischen ersten Staffeln denn sonstwas), so war ich am Ende wieder voll und ganz gehyped, wie es denn weitergehen wird, wenn die verbliebenen Charaktere aufeinanderzutreffen beginnen.