I am the arm and I sound like this

Twin Peaks war hochgradig durch das Mysterium um Laura Palmers Tod angetrieben. Lynch musste jenen viel früher aufklären, als je geplant. Leute verloren das Interesse und Twin Peaks endete in der zweiten Staffel etwas unbefriedigend. Laura Palmer verabschiedete sich von Agent Cooper mit den Worten, dass man sich in 25 Jahren wiedersieht. 25 Jahre später lief Season 3 über die Bildschirme, ohne Kompromisse dort angesetzt und geanuso unbefriedigend endend, wie seine vorzeitig abgesetzten Vorgänger.

viel mehr haben sie aber nicht gemein.

oder haben sie das doch?

Beim Schauen von Season 3 verlor ich meinen Realitätsbezug. Ich meinte zunächst nach ganz eindeutig zu wissen, dass Twin Peaks nie so war. Die ersten beiden Staffeln hatten ihre schrägen Szenen und kryptischen Dialoge. Doch Twin Peaks war immer zum Großteil nachvollziehbar. Es war mehr quirky denn verquer. Oder war es das? Meinte ich das nur im Nachhinein? War Twin Peaks schon immer eine Aneinanderreihung merkwürdiger Ereignisse, unsinniger Traumsequenzen, irrelevanter Charaktere beim Small Talk? Der Atompilz Zweifel war in mir hochgegangen.

immerhin war twin peaks lange her.

Ich war spät zur Party Twin Peaks. Ich sah es nicht Anfang der 90er, als es einer der ersten Serien in der TV-Landschaft war, die mit Prestige daherkamen und gegen den Einheitsbreistrom schwammen. Der @ddprrt, auch bekannt als Stefan Baumgartner, zu der Zeit, als wir gemeinsam alleine gegen Drachen gequestet haben, riet mir stark zur Serie. Ich sah sie. Ich sah auch den Film. Der Film ist nicht ganz so gut. Ich fand ihn zumindest nicht ganz so gut. Das ist jetzt zehn Jahre her. Vielleicht mehr. Ich würde schnell ins alte Blog schauen, wann ich über Twin Peaks schrieb. Aber Myblog gibt Content-Warnungen. Also mache ich es nicht. Das lief von 2004 bis 2010, als ich nach WordPress migrierte. Hierher. In die aktuelle Realität die gerade schwarz auf weiß auf dem Bildschirm auftaucht. Es müsste aber zu dessen heißen Phase gewesen sein. Also so eher 2008-2010. @ddprrt riet mir damals auch zu Lost. Da war ich auch spät bei der Party. Aber früh genug, um alles für die finale Staffel nachzuholen. Wo wir gerade bei Mystery-Serien sind, die vielversprechend anfangen und enttäuschend enden.

Es ist also zehn Jahre her. Das ist eine Dekade. was weiß ich schon noch, wie die vorigen staffeln waren¿

Aber so wie The Return waren sie nicht. Oder? Das möchte ich zumindest glauben.

Vielleicht war mein zehn Jahre jüngeres Ich auch einfacher zu beeindrucken¿ Hat Sinnlosigkeit mit Kunst gleichgetan. Ich mochte auch 12 oz mouse. Zehn Jahre jüngeres Ich. Vergangenheits-Ich.

Ist Twin Peaks Kunst? Ist Twin Peaks Season 3: The Return Kunst?

alles ist kunst. ist es doch, oder¿

Ein Bild von einer Konservendose ist Kunst. Eine Toilette ist Kunst, sobald man sie in ein Museum stellt und gegen die funtkionale Nutzung absperrt. Die Höhlenmalerei einer kruden Nackten, die der Neanderthaler rein aus dem Zweck sich darauf einen von der Proto-Palme zu schütteln, drangeklatscht hat, ist vorzeitliche Kunst. Dadaismus, eine Bewegung, die gezielt als Anti-Kunst startete, ist heutzutage als künstlerische Expression bekannt. Man könnte sich auf eine Bühne setzen, die fröhliche Erkennungsmelodie der Biene Maya pfeifen, und dabei seine eigene Scheiße fressen, und es als Performance Art über Kapitalismus bezeichnen.

Wenn alles Kunst ist, ist nichts nicht Kunst. Und somit ist auch Twin Peaks Kunst. Selbst The Return. Aber Twin Peaks ist auch ein Unterhaltungsmedium. Unterhält Twin Peaks also? Kunst muss nicht gefallen, aber eine TV-Serie schon. Fragezeichen¿? Wikipedia, die einzig wahre Quelle, die als solche verpönt ist, sagt dazu

Unterhaltung (Kultur), kulturelle Aktivitäten mit dem Ziel, einem Publikum Freude zu bereiten

Twin Peaks bereitete mir keine Freude. Aber ist die so wichtig? Ich stelle mich mal gegen das gottgegebene Wikipedia und behaupte, man kann auch unterhalten sein, ohne Freude zu haben. Ich mag aber auch Misery Porn wie Silent Hill 2, Die letzten Glühwürmchen und so Kram. Der Begriff „Freude“ ist nicht gerade assoziationswürdig mit jenen. Aber ich war unterhalten. Und sie resonieren mit vielen.

Ich habe ja mal behauptet, Zone of the Enders: The 2nd Runner wäre das beste PS2-Spiel von Konami. Was hat das die zarten Schneeflockengemüter ein paar weniger Gamer (TM) doch erhitzt, wenn Silent Hill 2 und Metal Gear Solid 3 existieren. Darauf habe ich geshitpostet, statt zu sagen, dass ich beide jene Spiele nie selbst gespielt habe, dass mir Silent Hill 2 zu viel Misery Porn ist (gelogen, wie gesagt geh ich voll drauf ab eigentlich) und man bei Kojima-Spielen eh nie sicher sein kann, ob er nur zufällig in den Geniestreich reingerutscht ist, beim Versuch zu trollen.

Twin Peaks The 3rd Season Returns fühlt sich an wie ein Shitpost. Als wäre ich von David Lynch getrollt worden. Für 18 Stunden am Stück. Aber David Lynch ist nicht Hideo Kojima. Lynch muss doch einen tieferen Sinn dahinter verborgen haben. Ihn nicht einfach als Kojima-esquen Troll beiseite schieben zu können, führt aber nur dazu, ƨʞɒǝꟼ niwT S3 nicht beiseite schieben zu können. So vehement wie vergeblich bei der Stange bleiben wollen, irgendeinen Sinn sehen zu wollen, irgendwas verstehen zu wollen, irgendwelche Zusammenhänge oder Themen entdecken zu wollen. Aber das geht nicht. Denn keiner steckt im Kopf von David Lynch, dem einzigen Raum, in dem Twin Peaks Revengeance Sinn macht. Vielleicht. Beantworten könnte diese Vermutung nur Lynch selbst. Und der spricht nicht mit mir.

Agent Cooper schlafwandelt fast die komplette Show über durch die Szenen, ohne eigenen Antrieb. Andere Leute stubsen ihn voran, sind freudig darauf aus, mit ihm zu reden und auf ihn einzugehen, obwohl Cooper immer nur die letzen beiden Worte an sie zurückpapageit. Ist das eine Hommage an Metal Gear Solid? Ist das ein Kommentar dazu, wie einfach es alte weiße Kerle in unserer Gesellschaft haben, selbst bei absoluter Ahnungslosigkeit die Karriereleiter hochzufallen? Dazu, wie man selbst, wenn man eindeutig nicht mehr funktionert, als Rädchen zum Weiterdrehen gezwungen wird? Vielleicht ist eines davon wahr. Vielleicht ist alles davon wahr. Vielelicht ist nichts davon wahr.

Was ist schon Wahrheit? Das, was wir erade wahrnehmen¿ Wer sagt, dass wir nicht alle in der Matrix stecken. Wer sagt, dass ich nich in einer besonders langweiligen Truman Show die Hauptattraktion bin? Wer sagt schon, ob die Verrückten nicht diejenigen sind, die wirklich hinter den Schleier geschaut haben, den unser Gehirn unter dem Vorwand der Vernunft nicht wahrhaben will?

Was macht schon irgendwas Sinn. Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es überhaupt einen? Ist es eventuell doch nur eine Aneinanderreihung von menschlichen Interaktionen, in dem jeder Mensch gleich Unwichtig gleich viel mit einem reden kann, ohne das dahinter ein Sinn stecken muss. Wie in ʇʍıu dǝɐʞs S3 mit seinen vielen Charakteren und vielen Dialogen und 99% davon sind bedeutungslos?

Ist unsere lineare Zeitwahrnehmung überhaupt real, oder nur ein Gefägnis wie unser biologischer Körper? Eine Folge Twin Peaks dauert um die 55 Minuten. So sagt das zumindest mein Wiedergabegerät. Mein Wiedergabegerät sagt mir auch gern, dass ich gerade mal 15 davon gesehen habe. Und dennoch, in der nicht nachvollziehbaren Subjektivität meiner Wahrnehmung scheine ich die Folge schon drei Tage am Stück zu schauen. Ich bin ausgelaugt. Ich höre die Uhr ticken. Im übertragenen Sinne. Wer hat schon noch tickende Uhren in 2019? Vielleicht ist es auch gar kein Ticken, sondern ein Tropfen. Mein Verstand fließt langsam aus meinem Hirn, tropft beständig aus beiden Ohren und lenkt mich davon ab, mich auf T҉ẁ̶į̡n̸͠ P̴e͘a͘k̡s̢ konzentrieren zu wollen. Jetzt schaue ich schon 30 Minuten, angeblich, laut Wiedergabegerät, wenn ich dem trauen will, und die verlorenen 15 Minuten seit dem letzten Schauen auf das lügende Wiedergabegerät kommen mir wie 5 Sekunden vor und ich habe nichts mitbekommen. Weil ich abgeschaltet hatte. Weil eh nichts Sinn ergibt. Weil nichts zusammenhängt. Weil nichts Bedeutung zu haben scheint.

ganz wie das leben.

Mehr als zwei Folgen am Stück gingen nicht. Zwei Stunden Twin Peaks hintereinander, wobei die Folgen sowieso direkt in sich fließen narrativ, soweit man eine narrative Struktur überhaupt hineinlügen will, damit sich das Gehirn am Verstand festhalten kann, an bekannte Strukturen, an Sinn in der Sinnlosigkeit, zwei Stunden Twin Peaks hintereinander waren Tortur. Weiterschauen war dennoch angesagt. Zumindest am nächsten Tag. Dabei regelmäßiges Schauen in die vorige Folge, ob man auch wirklich nicht versehentlich eine übersprungen hat. Ob die aktuelle Gegenwart des Schauenden und die Vergangenheit der Folge davor zusammengehören, damit sich die Zukunft der nächsten Folgen nicht noch sperriger gestaltet.

Ich habe Twin Peaks S3 überlebt. Ich bin 18 Folgen älter. Aber ich lebe noch. Bleibende Hirnschäden können so kurzfristig danach noch nicht ausgeschlossen werden. Kunst darf vieles. Kunst darf alles. Kunst soll vor allem Emotionen erregen. Twin Peaks war emotional. Ich war weniger unbeteiligt als viel mehr hoffnungslos. Das ist eine Emotion. Ich war enttäuscht. Das ist auch eine. Ich war ratlos, verwirrt, ja sogar verärgert.

David Lynch ist ein Künstler. Das sagt alles. Und das sagt nichts.

▯▯▯

Werbeanzeigen

Doctor Who: Series Eleven

Willkommen bei der elften Staffel des Doctor-Who-Revivals. Mal wieder mit entscheidenden Änderungen. Wir haben mit Jodie Whittaker eine neue Doktorin der Nummer Dreizehn. Steven Moffat ist nicht mehr, wir haben neue Producer, die für die Serie verantwortlich zeichnen. Und sie ist nun zehn Episoden lang, es gibt keine Mehrteiler mehr, und ein Weihnachtsspecial auch nicht.

Den Beginn macht das mit der vollen Stunde leicht längere The Woman Who Fell to Earth. Welches natürlich hauptsächlich damit beschäftigt ist, die neue Doktorin und ihre Companions einzuführen. Wir haben ein Predator-likes Alien, welches um sich in seiner Kriegerhierarchie zu beweisen, eine ausgemachtes Ziel auf der Erde erlegen muss. Am Ende wird er natürlich besiegt, die coolste Mitstreiterin bleibt auf der Strecke, und da er nicht wirklich umgebracht, sondern nur verbannt wurde, kann man davon ausgehen, dass auf ihn zurückzukommen ist.

Nicht die beste Folge, aber ich glaube die Doktor-Einstiegsfolgen fand ich bisher häufig etwas unausgegoren. Das Alien mit dem Zahngesicht sieht halt auch dämlich aus und die Handlung drumherum ist nicht herausragend. Ich mag aber tatsächlich Whittakers Doktor bereits ziemlich, sie bringt da eine sehr überschäumend-chaotische Energie rein, und das neue Outift ist auch knorke. Wahrscheinlich hat sie sich von Schauspiel-Kollegen David Tennant inspirieren lassen, denn sie spielt Nummer Dreizehn sehr ähnlich.

The Ghost Monument ist damit beschäftigt, der mit den noch unfreiwilligen drei Companions gestrandeten Doktorin ihren TARDIS zurückzubringen, in einer ähnlichen Endszene wie die allererste Serie. Auch das hier ist übrigens ein tödliches Spiel ähnlich der Jagd auf der Erde, nur das hier auf einem Alienplaneten ein Wettrennen stattfindet, bei dem nur der Gewinner überleben darf. Dachte tatsächlich, dies würde ein wenig der rote Faden der Staffel werden, die nächsten Folgen richten sich dann aber doch anders aus.

Eine weitere Solala-Folge für mich. Der Tripp über den tödlichen Planeten und die Einblicke in die beiden Wettstreiter ist nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend, sondern mehr oder weniger eine brauchbare Standardfolge. Warum der Hologramm-Typ sich allerdings dahinbringen lässt, doch zwei Gewinner zu akzeptieren, machte für mich keinen wirklichen Sinn.

Ich liebe es ja, dass Series 11 so viel Contra bekam, weil sie eine Frau casten, und dann ist bereits die dritte Folge, Rosa, über die gegen Rassismus kämpfende Rosa Parks. Wird dieser Gruppe an Meckerern nicht geholfen haben. Der Schurke, der alles was in seinem Leben schiefgelaufen ist, irrationalerweise daran festmacht, dass Schwarze Rechte bekommen haben, sieht sogar ein wenig aus wie der Dapper Nazi Stereotyp a la Richard Spencer und Co. Ist ja im Prinzip sogar ein Historical, wobei natürlich wie immer durch den Space-Nazi ein wenig SciFi reinkommen muss, da man sich irgendwann früh in Classic Who dazu entschieden hat, dass reine Geschichtsstorylines nicht genug ziehen.

Dass es nicht so wirkliche Beweggründe für den Bösewicht der Folge gibt, was ja wie erwähnt auch durchaus so gewollt sein kann, mal beiseite, hat mir die Folge auch sehr gut gefallen. Ich finde es besonders gut, dass die Folge viel über den steinigen Weg was soziopolitische Entwicklungen angeht spricht. Rosa Parks hat halt nicht einen Abend mal ihren Platz im Bus nicht für einen Weißen aufgegeben, und Boom Rassismus war abgeschafft. Stattdessen haben sie und ihr Mann ihre Jobs verloren und sind ihre Bemühungen im Kampf gegen Rassismus erst fast ein halbes Jahrhundert später geehrt worden. Aber nur weil sich nicht sofort was ändert, nur weil man dafür nicht geachtet wird, bedeutet das nicht, dass man den Kampf für eine bessere Welt aufgeben sollte. Zudem wird auch der Rassismus im Kleinen gezeigt. Wir haben immerhin zwei nicht-kaukasische Companions, die sich kurz darüber unterhalten, dass sie auch in 2018 immer noch ein Stück weit diskriminiert werden. Und die Folge zeigt halt auch sehr gut, wie durch und durch der Rassismus damals kulturell einfach im System verankert war. Rosa kommt bei vielen ihren weißen Mitbürgern durchaus als sympathisch und respektiert an – so lange, wie sie sich nicht über die für Schwarze geltenden Regeln hinwegsetzt, dann dreht sich das Blatt sofort, wird gar nicht hinterfragt, ob dies überhaupt Ok ist.

Und diese respektable Folge wird direkt gefolgt von Arachnids in the UK. Und was drauf steht, ist auch drin. Endlich von der kleinen Odyssee zurück im Vereinten Königreich, wird das im Untergrund von enorm großgewachsenen Spinnen bedroht. Interessant hierbei ist allerdings, dass ein US-Präsidentschaftskandidat und unmoralischer CEO einer großen Firma, hinter dieser unfreiwilligen Entwicklung steckt, um die Kosten seiner Unterfangen möglichst gering zu halten.

Es ist also doch ein wenig Kritik mit drin, besonders eben gegen große Firmen, die zwar ewig viel Kohle scheffeln, aber zur Optimierung noch mehr Kohle scheffeln zu können, jede ihnen gegebene Möglichkeit nutzen, die Regeln zu biegen oder sie eventuell sogar brechen. Und vor allem auch, dass Unwissenheit, gerade wenn es eher geflissentliches Ignorieren von Nebenwirkungen ist, nicht von Schuldigkeit befreit. Letztendlich ist noch wichtig, dass diese Folge jene ist, in der die Gruppe richtig zusammengewachsen ist, und alle feste Companions werden.

In The Tsuranga Conundrum stranden sie prompt wieder, diesmal auf einem Medic-Schiff, welches von einem allesfressenden, süßen, aber grundsätzlich nicht aggressiven Alien heimgesucht wird. Eine Episode mit dünner Handlung, die mehr dazu da ist, die verschiedenen Charaktere miteinander witzeln zu lassen. Außerdem hat man ein wenig Spaß mit der für uns natürlich ungewöhnlichen Mpreg-Situation eines Aliens, sowie die Familienverhältnisse zweier anderer Passagiere und ihrem Cyborg. So langsam kommt die Truppe halt wirklich in ihren Rhythmus, die Persönlichkeiten spielen miteinander, und der Enthusiasmus der Doktorin gegenüber Technik und Wissenschaft darf auch viel der Folge tragen. Dennoch ist denke ich mal an der Kürze meiner Meinung zu dieser und der vorigen Folge zu sehen, dass ich sie als Ok aber nicht herausragend einstufe. Müssen sie ja auch nicht alle sein. Sind sie auch nicht alle.

Bei Demons of the Punjab ändert sich dies allerdings. Denn hier haben wir meine Highlight-Folge der Staffel, auch noch vor Rosa. Fängt eigentlich normal genug an, denn Yas möchte einfach mehr über die Teile der Vergangenheit ihrer coolen Großmutter wissen, über die jene bisher immer geschwiegen hat. Also zeitreisen sie an den Tag, an dem die muslimische Oma einen Hindu heiraten sollte. Welches genau der Tag ist, an dem Indien und Pakistan voneinander getrennt wurden. Mit der neuen Landesgrenze direkt durch das Grundstück der Familie verlaufend. Ach ja, Aliens gibt es auch, damit es kein reines Historical ist, und stattdessen die SciFi-Quote erfüllt wird, aber nachdem klar wurde, dass sie ein roter Hering sind, werden die nicht mehr wichtig, obwohl die Endszene mit ihnen schon sehr nett ist.

Eine sehr interessante Folge, in der es darum geht, wie Religion doch Menschen trennen kann. Selbst Menschen, die bis dato seit Generationen friedlich zusammenlebten. Wie einfach sich Leute im Fluss der Revolution und Veränderung gefangen und manipulieren lassen können. Patriotismus vor Nächstenliebe stellend. Das alles sind natürlich eher luftige Themen. Und dahingehend trifft die Folge genau die richtige Entscheidung, dies aufs kleine Level zweier Familien niederzubrechen. Dadurch wird dieses größere soziologische Problem greifbarer, nahbarer, persönlicher. Es ist einfacher sich mit dem Schicksal einer Hand voll Leute zu identifizieren, als mit der Realität eines ganzen Landes. Hat bei Rosa und Rassismus natürlich schon funktioniert, aber da ging es eben auch um eine historische Figur. Hier geht es um niemand wichtigen, bekannten, sondern einfach darum, was die exemplarisch aus Jedermann machen kann. Auch ein cleverer Titel, der uns zunächst denken lässt, die Aliens seien die Dämonen – aber ging es letztendlich nicht um den Dämon, der sich in den Separatisten festgefressen hat? Jedenfalls war das eine wirklich gute Folge, die gegen Ende echt rund zusammenkommt.

Darauf folgt eine Folge mit dem Titel Kerblam! Das Ausrufezeichen ist inkludiert. Und wir sagen Willkommen zur Hölle des Kapitalismus mit Space Amazon, wessen Logistikzentrum einen ganzen Mond einnimmt und damit unter eigener Jurisdiktion steht. Alles ist automatisiert, was Massenarbeitslosigkeit zur Folge hat, weswegen zumindest ein schwaches Gesetz in Kraft getreten ist, dass 10% aller Arbeitskraft von Menschen verrichtet werden muss. Die von Cyborgs überwacht und jederzeit zum effizienten Arbeiten angehalten werden. Die Doktorin hat einen Hilferuf von hier erhalten, dem nachgegangen werden muss.

Für mich war das ein wenig die Folge der verpassten Möglichkeiten. Sie portraitiert immer noch eine ziemlich suboptimale Zukunft, und ich finde es ja auch echt hinreißend, dass die Massenvernichtung hier durch Pastik-Bubblewrap geschehen soll. Aber das wirkt alles so ein wenig wie Hintergrund-Stagesetting, statt sich wirklich viel auf aktuelle Probleme zu beziehen was sowohl die Arbeitsbedingungen in Großkonzernen, die Umweltzerstörung durch unregulierten Kapitalismus, oder die Zukunft der Automatisierung angeht. Dazu komme dann noch, dass für die überraschende Wendung eben nicht die Cyborgs oder die alles leitende KI des Systems die Bösen sind, sondern ein menschlicher Arbeiter sich zum Terrorismus gezwungen sind, um mehr Rechte zu erzwingen. Ich hätte hier echt lieber eine überspitzte Kapitalismus-Dystopie gesehen.

Ähnliches würde ich auch bei The Witchfinders attestieren. Diesmal landen die Vier eben in der Mitte einer riesigen Hexenjagd. Nicht im Sinne von Landesweit, wobei impliziert ist, dass sowas überall und jederzeit im aktuellen Angstklima geschehen kann. Nein, es ist eigentlich ein kleines Dorf am Rande des Bekanntseins, welches aber von seiner Demagogin hart in die Hexenverfolgung geführt wird, welches bereits über 30 Opfer forderte. Der exzentrische und ebenfalls überall Satan fürchtende König James kommt auch vorbei. Und am Ende waren es Aliens (SciFi-Quote erfüllt) und die Anführerin des Dorfes wollte nur von sich selbst ablenken, im dem sie auf alle andren zeigte und laut genug „Hexe“ schreit.

Interessant ist, dass dies die erste Folge darstellt, in der Nummer Dreizehn das neue Geschlecht in den Weg kommt, weil König James ihr nicht zutraut eine Anführer-/Machtposition hat. Merkwürdig, wenn die Gemeinde an sich auch von einer Frau geführt wird. Ist ja nicht so, dass es im Mittelalter nicht mächtige Frauen gab, auch wenn viele wie die hiesige in die Position kamen, weil sie mächtige Männer heirateten und dann verwitweten. Jedenfalls fand ich es auch gut, dass die Folge anführt, dass viel bei der Hexenverfolgung eben Paranoia war. Und zwar teilweise davon, dass da jeder jeden jederzeit als Hexe brandmarken könnte, man auch einfach nur schnell genug auf den Nachbarn zeigt und „Hexe“ proklamiert, bevor der selbiges mit einem macht. Auch sehr erheiternd war das absolut überspitzte Schauspiel von Alan Cummings als König James, der daraus sozusagen seinen Jack Sparrow macht. Leider finde ich beißt er sich etwas mit dem Rest der Folge. Wir haben hier den absolut abgedrehten Kerl, und dann aber eine sehr seriöse und ernsthafte Hexenverfolgung am Laufen. Auch wenn die Doktorin im vorwirft, dass sein foppisches Gehabe selbst nur eine weitere Maske ist, um die eigenen Ängste zu übertünchen, will er nicht so ganz passen. Ganz wie Kerblam! war auch The Witchfinders keine schlechte Folge, ich denke nur es hätte mehr draus gemacht werden können, wenn die Folge düsterer geworden wäre, ohne den schrägen König und ohne die Aliens.

Als nächstes haben wir It Takes You Away, und die reiht sich da ganz gut ein. Diesmal landen alle in Norwegen, finden eine verbarrikadierte Hütte im Nirgendwo, welches nachts von einem Monster behelligt wird. Einzige Einwohnerin ist ein blindes Mädchen, deren Vater verschwunden ist. Gleichzeitig ist hinterm Spiegel eine gefährlich-alptraumhafte Nebendimension versteckt, die zu einer Spiegelwelt der echten führt, in welcher besagter Vater mit seiner toten Frau abhängt, die hier wieder lebendig ist.

Ich glaube dies ist die erste Folge, die wirklich davon profitiert hätte, wenn man sich nicht darauf festgelegt hätte hier jede Episode in sich geschlossen zu behandeln. Denn es passiert viel, und viel davon gegen Ende sehr abrupt. Ein bisschen mehr Raum zum Atmen wäre schön gewesen. Ich fand es sehr schön, dass die Folge zeigt, wie schwer es ist, geliebte Menschen loszulassen, so dass man sich an deren Bild eventuell selbst dann noch klammert, wenn man weiß, dass dies nur eine Scharade ist. Ich fand auch den ernsthaften Austausch zwischen der Doktorin und der denkenden Dimension interessant – inkompatibel aber eigentlich nur dem Alleinsein überdrüssig. Aber es ist halt etwas überstürzt am Ende. Sowohl das Loslassen, sowie das die Doktorin eigentlich gleich schon wieder befreit wird, und dass der Vater streng genommen ein Arsch ist, der seine Tochter vernachlässigt und betrogen hat, ist irgendwie auch kein Thema.

The Battle of Ranskoor Av Kolos ist dann das Finale der Staffel. Tatsächlich ist das Alien aus der ersten Folge zurück. Oder genauer gesagt ist es das nicht, die versehentliche Verbannung dort hat ihn nur passenderweise auf den Planeten mit zwei sehr mächtigen Aliens gebracht, die ihn als ihren Gott ansehen, was der auszunutzen weiß, um beispielsweise Planeten zu klauen. Die Doktorin und ihre Companions kommen nur zufällig ebenfalls hierher und müssen ihn aufhalten.

Es ist natürlich nett, dass man sozusagen den Kreis schließt, in dem man den Schurken der ersten Folge wieder aufgreift. Zumal so Graham nun auch komplett den Verlust seiner Frau aus der Folge überwinden bzw. verarbeiten kann. Aber das ändert halt nix daran, dass ich das Alien weiterhin für kaum interessant und kaum respekteinflößend ansehe. Auch nett ist sicherlich, dass blindem Glauben gegen besseren Wissens und Gewissens zu folgen echt scheiße ist. Glauben darf man gern, aber dabei eben nicht aufhören Dinge zu hinter- und erfragen. So ein wenig ein Solala-Ok-Ende ist es halt trotzdem.

Ist es so gesehen aber auch nicht komplett. Doctor Who mag was eine Staffel angeht das Jahr 2019 aussetzen und erst 2020 mit Series Twelve kommen. Und es mag auch keine Weihnachtspecials mehr geben. Aber so komplett wird das Jahr nicht aufgegeben, denn die Specials sind ab jetzt zu Neujahr anberaumt. So auch dieses Jahr dann Resolution über die Bildschirme lief. Mit der vollen Stunde wieder leicht aber unwesentlich länger.

Viel dazu gibt es nicht zu sagen, um ehrlich zu sein. Es ist eine weitere Dalek-Episode. Denn was wäre ein neuer Doktor, welcher nicht zwangsläufig irgendwann auf die Zugkraft der altbekannten Stütze der Daleks zurückgreift? Ich habe immer ein wenig eine Aversion gegen sie, da ich sie zu überbenutzt finde, sie nie so enorm gefährlich erscheinen wie alle immer von ihnen behaupten, und ihre Folgen oft einfach zu den schwächeren einer Staffel zählen. Aber Resolution war schon ziemlich gut. Ein wenig familiäre Beziehungen sind drin, die Sache ist kurzweilig und mit viel Action unterlegt, alles ziemlich unterhaltsam.

Als Fazit zur ersten Staffel mit Jodie Whittaker als Thirteen bleibt mir zu sagen, dass ich sie gut fand. Es gibt bessere und schlechtere Folgen, vor allem auch einige, die etwas langweiliger als andere sind, aber so richtig schlecht fand ich keine davon bisher.

A Knight of the Seven Kingdoms

Es ist passiert. Nachdem ein Jahr pausiert wurde, ging kürzlich die absolute Hypeserie Game of Thrones mit 73 Folgen in 8 Staffeln zu Ende. Nie wieder der Drachenmutter zujubeln. Nie wieder interessante Lannister-Intriegen miterleben. Nie wieder von Jon Snow zu Tode gelangweilt werden. Es ist vorbei… und keiner mochte es. Die Staffel mag die höchsten Einschaltquoten, aber auch mit Abstand die schlechtesten Kritiken eingefangen haben. Ich gehe diesmal gleich auf einer Folgen-zu-Folgen-Basis durch die verkürzte 6-Episoden-Finalstaffel.

Mit neuem Opening übrigens! Ich mochte ja immer das Schwenken über das Diorama der Welt, welches einem schön zu Beginn jeder Episode gezeigt hat, welche Orte aktuell wichtig sind, damit man einen besseren kartographischen Bezug zu den Schauplätzen hat. Das bleibt beibehalten, aber wir sehen jetzt auch direkt, dass es eigentlich nur noch um zwei Lokalitäten und den Kampf dreier Häuser geht, in dem vom zerstörten Wall aus direkt durch Winterfell und nach King’s Landing zum Eisenthron gezoomt wird.

Das Thema der ersten Episode ist dabei zum Großteil jenes der komplexen Familienbeziehungen. Jon Snow und Daenerys sind immer noch verliebt, jedoch findet Jon heraus, dass er ebenfalls ein Targaryen und als Mann natürlich der rechtmäßige Erbe des Eisenthrones ist. Jon und Sansa sind immer noch ein wenig bröckelig, weil er den Titel als König des Nordens nicht angenommen hat und nun auch noch Daenerys mitbringt. Die Greyjoys kämpfen weiter miteinander und Theon entschließt sich letztendlich seiner Adoptivfamilie Stark zur Hilfe zu kommen. Cercei möchte beide ihrer Brüder für den Verrat an ihr Tod sehen, während Tyrion überrascht ist, dass sie ihr Versprechen bricht, beweisend, dass aus einem der schlausten einer der dümmsten Charaktere der Serie geworden ist. Sam derweil findet heraus, dass sein Bruder und Vater von Daenerys hingerichtet wurden, und obwohl er keine gute Bindung zu jenen hatte, trifft ihn das dennoch hart.

Die zweite Episode hätte ich nicht erwartet. Genauer gesagt hätte ich nicht gedacht, dass die Serie, wenn sie noch fünf Episoden hat, um alles zu Ende zu bringen, die volle Stunde dafür opfert, zu zeigen, wie die Leute, die fürs letzte Gefecht gegen die White Walker zusammengekommen sind, kurz vor deren Attacke verbindende Momente haben. Am besten ist und bleibt sowieso die Beziehung von Brianne und Jaime, und die Szene, in der er sie zum Ritter schlägt, ist definitiv eine der emotionalen Highlights der ganzen Serie. Auch mag ich sehr die Dynamik zwischen Sansa und Daenerys. Die beiden Frauen haben schon gegenseitigen Respekt, weil sie durch ähnliche Schrecken gegangen sind, um in ihrer Position von Macht zu landen. Aber beide wissen auch, dass sie nie miteinander klarkommen werden, eben weil sie ihre Macht nicht aufgeben werden. Ach ja, und Mc Guffin Boredom Stark, der nur dazu da ist, Visionen zu haben, wenn man einen schnellen Weg braucht, um Charaktere Dinge herausfinden zu lassen, ist noch ein größerer McGuffin, weil er auch als Köder für den Night King dient, um eine Ausrede zu haben, warum der nicht hinter seiner Armee bleiben wird.

The Longest Night ist auch die längste Episode, denn jetzt kommen wir zu jenen, die Feature Length haben. Und so ziemlich die kompletten 80 Minuten sind der Kampf gegen die White Walkers. Alles andere wäre wahrscheinlich zu kurz, nachdem dies sieben Staffeln lang hochgehyped wurde. Der geht ungefähr so, wie zu erwarten war. In dem es mehrmals aussichtslos wirkt, sich doch noch was ändert. Und natürlich die Tatsache, dass sobald der Night King stirbt nach Vampirregeln auch alle, die er gemacht hat, sowie das Boredom Stark ihn herauslockt, trotz dramatischer Übermacht der White Walker die menschliche Seite gewinnen lässt. Und Arya darf ihn töten, aber das konnte man sich schon denken, als sie sich die Drachenglaswaffe hat anfertigen lassen. Theon darf sich opfern und hat somit seine Wiedergutmachungs-Arc beendet. Mormont darf sich endlich für seine Königin opfern, die nur in Gefahr gerät, weil ihr Drache dummerweise gerade lange genug vergisst, dass er fliegen oder Feuer speien kann. Die Krypta war kein so gutes Versteck für Zivilisten, wenn eine Armee angreift, die Tote wiederbeleben kann, und keiner sah es kommen. Obwohl, sobald der Night King im Vorgarten steht und die Armee Winterfell überrannt hat, bin ich mir auch nicht sicher, ob es überhaupt noch ein sicheres Alternativversteck gegeben hätte. Ach ja, und die Red Woman darf auch noch mal was machen und dann sterben, was für ein verschwendeter Charakter. Um ehrlich zu sein war dies nicht meine liebste Folge. Ich verstehe, dass der Kampf chaotisch und durcheinander und überfordernd erscheinen soll, und das der Schneesturm wichtig ist, damit die Drachen nicht zu OP sind. Doch die Folge ist so wackelig, dunkel und vernebelt gefilmt, dass man häufig überhaupt nicht erkennt, was überhaupt los ist.

Episode 4 ist echt hart für Daenerys, denn sie muss sich um mehr und mehr Probleme Gedanken machen. Da wäre natürlich zunächst Jon, den sie liebt, der seine Tante aber nicht poppen will, und vor allem ein legitimer Thronnachfolger ist. Den will er gar nicht, sicher, aber Daenerys ist nicht blöd genug, zu glauben, dass die meisten ihn nicht lieber dort sehen würden. Und sie weiß, dass Jon Snow ein Idiot ist, der die Info natürlich prompt nicht bei sich lassen kann. Ich bin mir ja nicht sicher, warum überhaupt so viele Charaktere glauben, dass der Naivling einen guten König abgeben würde. Und natürlich stellt sich weiterhin das Problem, wie sie Cercei besiegen und King’s Landing einnehmen soll, ohne als mordende Tyrannin vom Volk gesehen zu werden. Gerade jetzt, wo sie gern alles niederbrennen würde, nachdem sie einen weiteren Drachen und ihre treueste Freundin und Beraterin verliert. Damit hat Cercei die Drachenkönigin wohl über den Rand getrieben. Ach ja, und Brianne und Jaime ficken. Ich hasse es. Deren eher kameradschaftliche Beziehung fand ich immer viel besser, als da plötzlich was Romantisches draus machen zu wollen. Und natürlich geht Jaime eh zu Cercei zurück, wozu das also?

Lasst mich mal ganz ehrlich sein. Bisher sah ich nicht, warum Season 8 so viel Hass einfährt. Wirklich wesentlich schlechter als die vorigen zwei Staffeln, gerade Season 7, fand ich sie gar nicht mal. Und viele dumme Sachen waren schon in jenen klar angelegt. Jon Snow war schon immer ein naiver Vollidiot. Dass es zwischen ihm und Danny nicht gut enden kann, war klar, sobald wir wussten, dass er ein Thronerbe ist. Es war schon immer klar, dass die Serie nicht gut enden wird. Danny und Sansa oder Danny und Cercei hätten auch nie miteinander klarkommen und gut enden können. Hier hat sich meine Meinung nun geändert. Wie sich Tyrion von Varys verabschiedet oder das Cercei buchstäblich dadurch stirbt, dass ihr Königreich über ihr zusammenbricht, fand ich noch ganz Ok. Doch dann brennt Daenerys die Stadt nieder. Obwohl die sich ergeben haben. Ich würde es sogar noch verstehen, wenn sie in ihrer Rage zur Red Keep geflogen wäre, um diese mit Cercei drin zu zerstören, was auch genug Unschuldige umgebracht hätte, um zu einem Problem für sie zu werden. Allem wahnsinnigen Tagaryen-Blutes und über die Verluste der vorigen Folge über die Klippe getrieben zu werden, macht es für mich trotzdem absolut keinen Sinn, dass sie das komplette King’s Landing niederbrennen würde. Und was war mit der Szene, wenn plötzlich dieses weiße Ross aus dem Nichts auftaucht, damit Arya wegreiten kann? Oder warum ist der eine Piratenkönig vor Ort geblieben, nur um sich mit Jaime ein gegenseitig umbringendes Duell zu liefern? Je länger die Episode andauerte, umso mehr merkte ich, wie ich mich weniger und weniger um die Serie scherte.

Und auch um die letzte Episode nicht mehr. Daenerys ist jetzt also eine selbstgerechte Tyrannin und muss von Jon erstochen werden. Der langweiligste Non-Charakter der ganzen Serie landet auf dem Thron der sechs Königreiche, warum die Staatsoberhäupter jener auch immer meinen noch einen zu brauchen, statt lieber eigenständig weiterzumachen wie der Norden dies tut. Jon Snow geht zurück dahin irrelevant zu sein. Die beiden Stark-Frauen zeigen noch mal, dass sie die einzig coolen Starks sind. Und so klingt die größte Serie der letzten Dekade aus. Und mir ist es ziemlich egal. Hätten die Show-Runner es je geschafft, diesen Koloss in ein zufriedenstellendes Fahrtwasser fürs Finale zu bringen? Gerade ohne auf Bücher zurückgreifen zu können? Gerade nachdem Staffel 7 schon vorahnen ließ, dass es nicht großartig weitergehen wird? War vielleicht unrealistisch zu erwarten. Aber mehr zu erwarten, als geliefert wurde, war irgendwo schon.

Minna Atsumare! Falcom Gakuen

Minna Atsumare! Falcom Gakuen ist einer jener Scetch-Mangas, die in gerade mal 4 Panels einen kurzen Witz erzählen. Dies lief eine Weile so, immerhin hat er es letztendlich auf drei Sammelbände gebracht. Darauf wiederum basierend lief in 2014 und 2015 jeweils eine Anime-Staffel, die es auf insgesamt 25 Episoden schaffen. Oder besser Minisodes, denn sie sind gerade mal 2 Minuten lang, und ein Viertel davon nimmt das Opening ein.

Das Konzept ist, dass alle Charaktere aus den verschiedenen Spielen von Falcom in Xanadu zusammenkommen, da sich ihre Persönlichkeit zum Schlechteren verändert hat, wo sie nun zur Schule gehen, um zu ihrem wahren Charakter zurückzufinden. Oder so ähnlich, ist ja auch weitläufig egal. Schon ein wenig seltsam, dass dies in Xanadu geschieht, immerhin ist die Falcom-Franchise, aus der viele Subserien entsprangen, Dragon Slayer und nicht das selbst dort als Subserie entstandene Xanadu.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf deren beiden populärsten Serien, zum einen Ys, wobei jeder, der nicht Adol oder Dark Fact ist, ziemlich am Rand rumdümpelt, sowie Legend of Heroes, wobei erneut hauptsächlich der Cast aus den Kisekis/Trails viel Screentime bekommt. Obskurere Auftritte wären der Prinz aus Dragon Slayer Jr., der legendäre Held aus dem ersten Dragon Slayer, viele andere allerdings sind schlichtweg degradiert mal kurz im Hintergrund stehen zu dürfen.

Das große Problem dabei ist, dass es die Serie nie schafft, so wirklich witzig zu sein. Ein paar Anspielungen sind ganz niedlich, gerade im Gerangel zwischen Adol und Dark Fact, von denen der eine oder andere eventuell irgendwann einen Screencap in der Timeline hatte. Ganz nette Idee, dass Adol, nachdem er für Diebstahl verhaftet wird, ganz lapidar fragt, was so schlimm daran ist, wenn ein Abenteurer Dinge aus den Schubladen anderer nimmt. Weil man das in RPGs ja notorisch macht. Oder wenn er sich mit Dark Fact das erste Mal kabbelt, und ihn einfach rammt, weil dies das merkwürdige Kampfsystem der oldschool Ys referenziert. Oder das Dark Fact, wenn er sich angegriffen fühlt, als Schutzmechanik Fallgruben erscheinen lässt, ganz wie im Bosskampf gegen ihn. Wenn plötzlich alle Adols aus den verschiedenen Ys auftauchen, und darunter der schrecklich aggressiv verwestliche vom Mega Drive Cover ist – wobei man die Chance vertan hat, die anderen optisch nach ihrer Ära zu unterscheiden.

Dies ist allerdings wohlweislich alles nichts, weswegen man sinnübertragend lachend am Boden liegen wird. Sondern mehr Instanzen, bei denen man mal kurz in sich hinein schmunzelt und dann weiterzieht. Und das auch nur beim ersten Mal. Wenn die den West-Adol zum dritten Mal ins Bild schieben, oder Dark Fact zum vierten Mal den Boden verschwindet lässt, ist man schon lang drüber weg.

Der Großteil des Humors ist sowieso absolut basische Haudrauf-Unkomik, die so in jedem generischen japanischen Werk sein könnte. Und die einfach nicht witzig sind. Spieler von Trails in the Sky mögen sich daran erinnern, dass Joshua dort kurz dazu gezwungen wird, sich als Mädchen zu verkleiden. Das nutzt Falcom Gakuen dazu, dass Joshua nun zufällig immer mal wieder Kleid und Perücke anzieht, weil er nun angeblich eine Obsession damit hat, ein attraktives Mädchen zu sein, woraufhin ihn jemand als pervers bezeichnet und der Zero no Kiseki Cast ihn eventuell verhaftet. Das ist der ganze Witz. Kisekis Playboy-Charakter taucht beliebig nackt auf, jemand nennt ihn pervers, eventuell wird er verhaftet. Das war es auch schon. Aisha aus Ys Seven wird vorgehalten, dass sie flachbrüstig ist. Hier bitte lachen.

Es ist einfach unglaublich, wie absolut unkreativ Falcom Gakuen einfach im Großteil seiner Witze ist. Bei denen man eine Pointe gleich gar nicht erwarten sollte. Es wäre geradezu einschläfernd, wenn die Folgen nicht so schnell rum wären. Der krude Zeichenstil und schlechte Animationen sollen wohl einen passenden Low-Budget-Look verpassen, der aber ebenfalls keinerlei Charme versprüht. Was zugegeben zur Serie tatsächlich passt. Uncharmante, nicht witzige, langweilige Zeitverschwendung.

The Dragon and the Wolf

Das Ende naht. Mit einer verkürzten siebten Staffel, die nur sieben statt der üblichen zehn Folgen beinhaltet, dafür deren Länge teilweise auf über eine Stunde zieht, statt konstant knapp darunter zu bleiben, sind wir im Vorfinale angekommen. Was natürlich bedeutet, dass verbliebene Storylines und Charaktere weiter zusammengetunnelt werden.

Wobei die drei Stark-Kinder Arya, Sansa und Boredom etwas ab des Geschehens sind. Aber fast die interessanteren Etappen haben. Arya beginnt die Staffel eh ziemlich cool, indem sie jeden Mann des Hauses Frey ermordet, um sich für die Rote Hochzeit zu rächen. Und auch Sansa darf direkt erst Mal Jon Snow vorwerfen, dass Ned und Robb an ihrem eigenen dämlichen Gutmenschtum gestorben sind, welchem Jon vehement nachgeht. Das beweist mal wieder, dass die Starks eigentlich gar nicht so blöd und langweilig sind, denn die Stark Frauen waren schon immer ziemlich stark und toll in der Serie, es sind nur die Stark Männer, bei denen ich Sekunden in eine Szene mit jenen das Interesse daran verliere, was gerade geschieht. Brandon hat es irgendwie geschafft, nun da er der Three Eyed Raven ist, sogar noch langweiliger zu werden. Aber hey, wie Littlefinger versucht die Mädels gegeneinander auszuspielen, und diese ihn letztendlich loswerden, war eine interessante B-Handlung der Staffel.

Dummerweise dreht sich die A-Handlung nun maßgeblich um Jon Snow, den ich wohl tatsächlich bis ins Finale der Serie ertragen werden muss, obwohl seine Figur bereits zehn Mal hätte tot sein sollen, und es einmal sogar bereits war. Der hat mir echt die siebte Staffel mit seiner Präsenz ein wenig verdorben, um ehrlich zu sein. Ich verstehe nicht, was die coole Daenerys in dem kolossalen Langweiler sieht, außer einen optisch ansprechenden One-Night-Stand vielleicht. Und das wir nun herausgefunden haben, dass er nicht nur wie die sechste Staffel offenbarte neben dem Stark-Blut auch Targaryen-Blut in sich hat, sondern auch noch in heimlicher Ehe gezeugt wurde, also legitimer Erbe ist, lässt mich schlimmes ahnen. Wenn Jon Goddamn Fucking Snow am Ende der Serie auf dem Iron Throne landet, kippe ich jeden Tisch in diesem Hause um. Vielleicht erbarmt sich mir auch einer, und macht daraus eine tragische Plotline, in der Daenerys ihren Geliebten ermorden muss, damit er ihr besagten Thron nicht streitig machen kann. Aber dafür hat Jon Snow mittlerweile glaube ich zu viel Plot Armor an. Ich meine mal ernsthaft, es war schon etwas lächerlich, wie er mit seinen Merry Man in den Norden gegangen ist, um einen White Walker zu fangen, sie von einer Übermacht umzingelt wurden, und Jon Snow gleich zwei Mal innerhalb zehn Minuten hintereinander in letzter Sekunde gerettet wurde, zuerst durch Daenerys Dragon Ex Machina, und dann in seinem heroischen Last Stand direkt darauf erneut.

Es ist übrigens erneut niemand gestorben, den ich als Save eingestuft hätte. Littlefinger war eventuell etwas überraschend, aber so richtig die absoluten Zentralfiguren sind noch alle da. Selbst Jaime überlebt gleich zwei Instanzen, zunächst wenn Daenerys mit ihren Drachen seine Armee zerstört, und dann, wenn er sich von Cersei am Ende abwendet, obwohl ich ihm beide Male gute Sterbemöglichkeiten eingeräumt hätte. Aber zentrale Figuren sterben in Game of Thrones halt partout nicht mehr, zumindest nicht in Staffel 6 und 7.

Der Hauptkonflikt der Serie ist nun natürlich der Krieg zwischen Daenerys und Cersei, wer hätte gedacht das im Finale sich mal zwei Königinnen gegenüberstehen würden. Wobei Daenerys so ziemlich das gleiche Problem hat, wie schon die ganze Serie über: Sie könnte so einfach mit ihrer Übermacht die Macht an sich reißen, aber um eben kein Despot wie diejenigen vor ihr auf dem Thron zu werden, kann sie halt nicht einfach alles schnell niederbrennen. Dann verliert sie hier auch noch die Häuser Dorne und Tyrell und einen ihrer drei Dachen, so dass wir mal sehen müssen, ob ihre Entscheidung fair zu spielen nicht ins Wanken kommt. Während der einen Schlacht lässt sie ja bereits eine Hölle aus Feuer und Stahl auf die Lannister-Armeen herniederregnen, was definitiv ein Vorgeschmack dessen ist, was geschehen könnte. Cersei ist sowieso bereit alles und jeden zu ignorieren und zu hintergehen, weswegen sie am Ende der Staffel selbst die Unterstützung ihres Bruders Jaime verliert und nun tatsächlich ganz alleine dasteht. Das politische Geplänkel zwischen den beiden Damen, wann immer Jon Snow sich nicht eingemischt hat, war definitiv auch nicht uninteressant.

Und zum Schluss, der zweite A-Plot, der uns theoretisch die ganze Serie über bereits begleitet, von dem man aber keinem vorwerfen kann, wenn jener ständig wieder zwischenzeitlich vergessen wurde, ist die Bedrohung durch die White Walker. Frost Zombies sind halt einfach nicht so interessant wie Charakterintrigen, und wann immer sich die Serie um sie dreht, geht es mir ein wenig so, wie wann immer ein männlicher Stark die Szene betritt, nämlich mein Interesse fällt deutlich ab. Immerhin hat Jon Snow jetzt mal alle davon überzeugt, dass jene wirklich existieren, Daenerys mit ihrem Drachenfeuer will ihm helfen, und die Viecher haben nach schier endloser Wanderung doch tatsächlich den Wall überquert und Dringen in Westeros ein. Meine Hoffnung ist dennoch, dass jener Part eher einen kleineren Teil der sechs Folgen der Finalstaffel einnimmt, weil ich Game of Thrones ehrlich nicht einschalte, um eine weitere Zombie-Serie zu sehen, auch nicht eine im Mittelalter-Fantasy.

Und das war Staffel 7 für mich. Weiterhin kann ich das Gefühl, welches sich bereits in Staffel 6 eingestellt hat, nicht ganz abschütteln, dass sie nun, wo sie von den Büchern weitestgehend getrennt verläuft, sicherer und vorhersehbarer geworden ist. Investiert bin ich dennoch voll ins Geschehen, solange Jon Snow nicht alles ausbremst, was er hier leider viel zu häufig macht. Auf das er in Staffel 8 sterben mag. Aber vorher wird sein magisches Sperma erst mal Daenerys Unfruchtbarkeit heilen, nehme ich mal an.

The Winds of Winter

Ab April diesen Jahres wird mit der achten Staffel Game of Thrones sein Ende finden, und ich hinke immer noch hinterher. Vor fast drei Jahren habe ich die Serie zum letzten Mal gesehen, und zwar nicht die damals aktuell laufende sechste, sondern erst die fünfte Staffel. Habe ich da überhaupt noch eine Chance mitzukommen?

Ja, absolut sogar. Von vielen Charakteren wollte mir vielleicht nicht sofort der Name mehr einfallen, sobald sie zum ersten Mal den Bildschirm betraten, aber insgesamt ist die Serie jetzt, wo es rapide gen Finale geht, eine ganze Ecke unkomplizierter geworden. Ich möchte geradezu sagen etwas gewöhnlicher sogar, oder bilde ich mir das nur ein, weil ich weiß, dass sich nicht mehr auf die Bücher gestützt werden kann, sondern die Drehbuchautoren auf eigenem Glatteis schreiben müssen?

Zugegeben beginnt die Staffel für mich nicht unbedingt an den motiviertesten Stellen, sondern bietet in den ersten drei Folgen unter anderem direkt all jene Charaktere, die ich lieber nicht mehr in der Show hätte. Wir beginnen mal wieder an diesem unsäglichen Wall, von dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der langweilige Stark-Abkömmling, der seit gefühlt dreihundert Jahren im Visionen-Baum hockt, ist wieder mit dabei und hockt weiterhin schier ewig im Baum rum. Aus irgendwelchen Gründen gibt es immer noch Szenen mit Jon Snows fettem Freund und seiner Trulla, die ich eigentlich für erfolgreich aus der Serie herausgeschrieben erachtet hatte. Und Jon Snow ist zurück, um wie gewohnt hübsch auszusehen, permanent wie ein getretener Welpe in die Kamera zu blicken, und massiv das Publikum zu langweilen.

Was wäre es so geil gewesen, wenn der wirklich einfach weiterhin tot wäre. Nicht nur, weil ich mit ihm noch nie was anfangen konnte, sondern weil es einem als Zuschauer auch zeigen könnte, dass weiterhin jeder Charakter Fair Play ist, wenn es um ein mögliches Ableben geht. Stattdessen fühle ich mich persönlich so, als hätte ich mittlerweile ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wer ein zu zentraler und wichtiger Charakter ist, um wirklich noch je ernsthaft in Gefahr zu sein, zumindest bis in die finale Staffel überleben wird. Wenn Arya Stark von ihrem Javert durch die Straßen der Stadt gejagt wird, oder wenn Jon Snow im Battle of the Bastards in jede einzelne Falle von Ramsey tappt, hatte ich nie auch nur für eine Sekunde in Betracht gezogen, dass dies wirklich ihr Ende bedeuten könnte. Lang her sind die Tage der Hinrichtung von Ned Stark oder einer Roten Hochzeit.

Aber irgendwann wendet Jon Snow wenigstens dem Wall den Rücken zu. Und auch aus dem Baum kommen wir raus. Wobei das Ableben von Hodor zwar eine gute Szene war, die Begründung, warum er nur dieses eine Wort sagen konnte, aber sowas von dämlich ist. Ich habe aber allgemein Game of Thrones mehr gemocht, als es noch weitestgehend in schnöder Realität verankert war, statt das an jeder Ecke scheinbar ein Seher oder eine Priesterin steht, die irgendwelchen Wortbrei über Religionen, Prophezeiungen und Schicksale von sich geben und eine gewisse magische Vorbestimmtheit eingebracht wird.

Ich konnte die sechste Staffel zumindest nicht schauen, ohne einen leichten Geruch von Scriptwriting 101 in der Nase zu haben. Die Staffel wirkte häufig nicht mehr ganz so überraschend, nicht mehr ganz so fies, einfach etwas vorhersehbarer und mit mehr Genre-Tropes versehen. Wie häufig kommen Charaktere hier in eine extrem brenzliche Lage, nur um in letzter Sekunde gerettet zu werden? Es gibt gleich mehrere Szenen, in denen Daenerys cooles Showmanship zur Machterlangung hinlegt. Und mal ganz ehrlich, wäre dies hier noch Staffel 4 oder so gewesen, wäre Jon Snow mit seinem idiotischen und unüberlegten Heroismus im Battle of the Bastards gestorben und seine genauso dämlich agierende Armee gleich mit, statt mit viel Pathos und einer weiteren Unterstützung in letzter Sekunde zu siegen. Gutmenschentum und Pathos wurden in der Serie bisher häufig bestraft, weil es keine gute Überlebensstrategien sind, während sie in Staffel 6 geradezu zelebriert werden.

Was nicht bedeutet, dass es nicht auch viel Gutes in der Staffel gibt. Genau genommen ist die Serie weiterhin die meiste Zeit über sehr spannend und geil gestaltet. Ich liebe es beispielsweise, wie einfach die Lannisters absolut von der neuen Religion überrannt werden, weil sie es schlichtweg nicht gewohnt sind, es mit jemandem zu tun zu haben, der absolut ehrlich überzeugt von seiner Sache ist, oder was für eine Macht doch selbst einfache Menschen in der Masse erreichen können, wenn sie scheinbar nichts mehr zu verlieren haben, ganz davon abgesehen, wie sehr sich Kults eben um charismatische Anführer aufbauen. Daenerys ist weiterhin eine coole Lady, egal wie aufgesetzt einige ihrer Szenen sein können, ihre großen Gesten sind cool, und auch wenn sie etwas zu einfach aus dem Konflikt mit den Mastern geschrieben wird (sie greifen von sich aus an, statt dass sie hinterher wirklich noch unkomfortablen Frieden mit Sklavenhändlern schließen müsste), so bewegt sie sich auch endlich mal wieder. Einige Tode sind immer noch überraschend, wie beispielsweise die Machtergreifung in der ersten Folge in Dorne, und zeigt sehr gut, warum man die Serie zu schauen begonnen hatte. Die Machtverteilung ist nämlich eben nicht langfristig in Stein gemeißelt.

Dass Best Boi Jorah sich endlich seiner Daenerys offenbaren darf, oder die Freundschaft zwischen Jamie und Brienne sind sowieso ganz schnuckelige Szenen, die immer gehen. Auch hier glaube ich nicht, dass ich mich in früheren Staffeln bei zwischenmenschlichen Freundschaften je so sicher gefühlt habe, dass nicht mindestens einer davon den anderen eventuell zu betrügen plant, doch so ein wenig ernste Freundlichkeit kann auch Game of Thrones nicht schaden.

Und wir bewegen uns nun definitiv stark aufs Ende zu. Spätestens in der letzten Folge scheint alles in Bewegung zu sein. Daenerys ist endlich auf der Überfahrt nach Westeros. Cersei, die zuletzt etwas zum ohnmächtigen Zuschauer verkommen war, brennt im wahrsten Sinne des Wortes alles nieder. Dorne, Tyrell und Daenerys Abgesandter verbünden sich gegen die Lannisters. Jon Snow wird der König im Norden. Der Cast an Charakteren ist stark ausgedünnt, um einiges an Ballast loszuwerden.

Wenn ich also auch während des Verlaufes der zehn Folgen hin und wieder mal eine Augenbraue hochziehen musste (und diese leichte Schwächen im Schreiben sind mehr im Direktvergleich zu den fantastischen ersten Staffeln denn sonstwas), so war ich am Ende wieder voll und ganz gehyped, wie es denn weitergehen wird, wenn die verbliebenen Charaktere aufeinanderzutreffen beginnen.

American Horror Story: Apocalypse

Ein neues Jahr, eine neue Staffel von American Horror Story. Eine Tradition, die so schnell nicht gebrochen werden wird, da die Serie bereits das grüne Licht bis Staffel 10 hat, uns also auf jeden Fall bis einschließlich 2020 erhalten bleiben wird.

Ich hätte dabei nicht gedacht, dass der Untertitel so direkt ist. Aber das ist er. Innerhalb der ersten Folge sorgt ein Ereignis dafür, dass die Welt untergeht, und während der nukleare Winter auf der Oberfläche sein Unwesen treibt, folgen wir nun einer kleinen Gruppe vom Collective ausgewählter (oder sich hineingekaufter, weil so ein Projekt natürlich auch finanziert werden muss) Leute in einem Bunker. Violett für den Apokalypsen-Adel mit besonders herausragenden Genen… oder viel Geld, und Grau für das ihnen dienende Fußvolk.

Im Bunker herrschen unter der schwarz gekleideten Miss Venable allerdings merkwürdig strickte Regeln. Natürlich besteht das Essen in so einer Extremsituation nicht aus besonders tollen Gaumenfreuden, aber kein Interkurs und nur ein Kuss pro Woche? Die Unterkunft ist nicht nur eingrichtet wie im viktorianischen London, sondern auch unter entsprechend puritanischer Leitung. Zumindest bis Michael Langdon auftaucht, der vom Collective stammt, und Psychospielchen mit den Bunkerbewohnern treibt, meinend er würde die Besonderen unter ihnen für eine zentrale Unterkunft auswählen, weil die einzel verstreuten bisherigen von Zombies überrannt werden.

Wie sich herausstellt ist er allerdings der Antichrist, der mit Hilfe der Iluminati die Apokalypse heraufbeschworen hat, und nun die letzten Hexen aus der dritten Staffel umbringen will, die sich ihm noch in den Weg stellen könnten. Außerdem ist er das Baby aus der ersten Staffel. Ich denke mal diesen peinlichen Satz geschrieben haben zu müssen reicht aus, um darzulegen, dass auch Apocalypse die Tradition von reichlich dämlichen Trash der Serie vortführt.

Das Problem für mich ist dabei eher wieder, dass sie häufig einige Durchhänger im Unterhaltungswert hat. Ich fand die ersten vier oder so Folgen im Bunker mit den Animositäten unter den Überlebenden und Langdons Spielchen mit ihren Egos tatsächlich recht gut und es schien in eine interessante Richtung zu gehen. Ich war echt gespannt, was geschehen würde, wenn sie in den neuen Bunker des Collectives gelangen. Das geschieht allerdings nie. Sobald wir herausgefunden haben, dass Langdon der Antichrist ist, springen wir in einen Flashback vor die Apokalypse und wie er aufwuschs, zum jetzigen sich geworden ist, und warum er die Hexen so hasst. In die Apokalypsen-Timeline geraten wir erst wieder für die finale zehnte Folge.

Das war mir ehrlich gesagt eindeutig zu viel Zeit verbracht in dem Teil der Narration, die wesentlich weniger interessant ist. Nur um herauszufinden, dass Michael eine schlechte Kindheit hatte? Dass ihn früher oder später jeder im Stich gelassen hat? Und was ist das Ziel dessen? Sympathie geht schlecht, da er als tatsächlicher Sohn Satans von Anfang an Tiere und Babysitter umgebracht hat, hat aus gutem Grund jeder ihm früher oder später den Rücken zugekehrt. Die umgedrehte Geschlechterdiskriminierung, weil die Hexen auf Grund ihrer größeren Macht auf die Warlocks hinabschauen, war sicher mal ein unterhaltsames Thema, aber auch hier wesentlich länger als erwünscht. Das ist glaube ich einfach das allgemeine Problem: Es ist nicht so, dass im Rückblick nicht interessante Themen zu finden sind, sondern das er einfach viel zu langgezogen ist. Es hätte vollkomen gereicht für drei Folgen in ihm zu verweilen und die drei letzten im Finale der Staffel wieder coolen Ereignissen in der Apokalypse zu gönnen.

Abgesehen davon, dass die Staffel sowieso rechts und links Tode wiederbelebt und sogar Zeitreisen einbringt, um Michael aufzuhalten. Da ist natürlich dann auch ein wenig das Lüftchen an Spannung raus, wann immer jemand in Gefahr ist oder etwas gehörig schief zu laufen beginnt, weil wir jetzt wissen, dass mit genug Magieschmalz alles wieder gerichtet werden könnte. Aber mittlerweile macht American Horror Story eh, was ihm gefällt. Mittendrin haben wir beispielsweise, wenn der Hexentest der 7 Wunder durchgeführt wird, einfach mal, dass die Serie in Stummfilm-Ästhetik umschaltet. Warum auch immer, fand halt jemand eine tolle Idee, egal wie merkwürdig es wirkt. Oder in einer Folge taucht aus dem Nichts Stevie Nicks auf, um einen Song zu singen, und dann nie wieder gesehen oder von geredet zu werden.

Apocalypse ist dabei auch die „Everyone is here!“ Staffel. Sie bringt die vorigen Staffeln mehr zusammen als je eine vorher. Wie gesagt sind die Ereignisse aus Murder House und die Hexen aus Coven wichtig, aber wir machen beispielsweise auch einen Abstecher nach Hotel. Und fast jeder wichtige Charakter aus einer vorigen Staffeln wird irgendwann mal durchs Bild getrieben und vom Originalschauspieler verkörpert. Ja selbst Jessica Lange haben sie zurückbekommen, der wahre Star der ersten vier Staffeln! Die Schauspieler, die nicht für diese Staffel zumindest kurz zurückgekehrt sind, kann man echt an einer Hand abzählen. Das ist natürlich der Vorteil, wenn man eine so erfolgreiche Serie mit weiterhin stabilen Einschaltquoten hat: Man kann sich mehr Cameos leisten. Abgesehen davon kann ich Bryan Murphy nur Respekt zollen, seine Erfolgsserien als Outlets zu nutzen den Traum eines jeden Schwulen zu realisieren: Jede Königin von einer Frau und jedes Sahnestück von einem Mann zu casten, für die er gerade eine Schwäche hegt.

Eigentlich hat sich bei American Horror Story also wieder gar nicht so viel verändert. Die Serie war immer dummer Trash, aber auch immer unterhaltsam, wobei einige Staffeln halt im Unterhaltungswert mehr schwächeln als andere – Apocalypse vorrangig in der zweiten Hälfte.

Chilling Adventures of Sabrina

Ein weiteres aktuelles Netflix Original, über das mehr oder weniger viel geredet wurde, ist Chilling Adventures of Sabrina. Eine fiesere Herangehensweise an die Sitcom Sabrina the Teenage Witch, welche immer wieder zwischen blödem Trash und unterhaltsam-blödem Trash schwankte, jetzt wo dessen Zielgruppe auch erwachsen ist. Damit folgt die Serien-Adaption im Prinzip seinen Ursprüngen in den Archie-Comics, wo die für Kinder und frühe Teens konzipierte Teenage Witch in 2014 ihr edgy Chilling-Reboot bekam.

Ich stehe der Serie dabei eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum einen möchte ich ihr den reinen Unterhaltungswert nämlich nicht absprechen, wodurch ich mich die überschaubaren 10 Folgen nie je gelangweilt hätte. Es ist allerdings schon auffällig, dass sie nicht so gut oder in sich schlüssig geschrieben ist. Und halt manchmal die Edgyness einfach unnötig aufdreht, um sich seinem Alleinstellungsmerkmal und dem „Woah, Sabrina ist jetzt so dark geworden“-Effekt voll auszuschöpfen.

Das große Ding der Serie ist, dass Sabrina in den nächsten Tagen ihren 16. Geburtstag feiert. Die Halb-Hexe darf dann nämlich endlich ihren Namen ins Buch der Bestie eintragen und somit ihr Hexen-Geburtsrecht als Untergebene des Dunklen Lords antreten, um an seiner Macht teilzuhaben. Das Problem, welches sich über dies Story Arc der ersten drei Folgen streckt, ist dabei, dass sie zum einen ihr Leben mit ihren menschlichen Freunden auf der normalen High School und ihren Freund Harvey nicht aufgeben will, von Hexen aber erwartet wird, dass sie keine echten Beziehungen zu Normalsterblichen haben und auch auf ihre eigene Magieschule gehen. Dann kristallisiert sich noch schnell heraus, dass wer an der Macht Lucifers teilhaben will, sich auch an ihn bindet und ihm hörig sein muss, und mit dieser Freiheitsaufgabe hat es Sabrina auch nicht so ganz, zumal nicht sicher ist, welche Tragweite dies haben soll, warum sie darüber belogen wurde, und was so einige Charaktere planen das es ihnen überhaupt so extrem wichtig ist, ausgerechnet Halb-Hexe Sabrina im Buch stehen zu haben.

Sie schreibt natürlich letztendlich zunächst nicht ihren Namen ins Buch und kommt auch aus den daraus resultierenden Konsequenzen fast ein wenig zu einfach heraus, damit der Rest der Staffel geschehen kann. Nun geht sie eben auf beide Schulen, hat sowohl mit ihrem menschlichen wie hexischen Leben zu tun, und die wirklichen Probleme jene in Einklang zu bringen mögen sich eigentlich auch nicht stellen. Stattdessen kommt es eben zu mehreren übernatürlichen Ereignissen und Mysterien, die gelöst werden müssen, wobei allerdings auch viel in die roten Fäden einspielen. Eben warum es dem Dunklen Lord so wichtig ist, dass Sabrina im Buch steht. Was wirklich mit ihren verunglückten Eltern geschehen ist. Was überhaupt das Ziel der mysteriösen Madame Satan sein soll. So wirklich gelöst wird davon allerdings hier noch nichts. Mir wäre es da teilweise manchmal fast lieber, wenn nicht immer wieder zur übergeordenten Handlung gegangen worden wäre, sondern tatsächlich mehr in sich geschlossene Einzelgeschichten erzählt würden.

Um den entsprechend düsteren Edgy-Quotient zu erfüllen sind Hexen in dieser Serie halt im Prinzip einfach Satanisten. In der Schule steht eine Statue von Baphomet (was die Serie auch in Schwierigkeiten brachte, als Randnotiz), sie gehen ein Bündnis mit dem Dunklen Lord für ihre Mächte ein, sie preisen Satan in ihren Gebeten. Manchmal stößt sich das allerdings auch. Tante Zelda scheint sich nie so richtig entscheiden zu können, ob sie nun nett und fürsorglich ist, oder ob sie doch hartgesotten und den Regeln ergeben ist, je nachdem wie der Plot der aktuellen Folge das benötigt. Viele Hexen werden als ganz nette und normale Menschen porträtiert, gerade eben die Spellmans, und dann schüttelt die Serie aber doch schnell mal aus dem Ärmel, dass es kannibalistische Rituale gibt und sie vor Mord nicht zurückschrecken. Besonders wankelmütig ist hier Sabrina auf der zweiten Hälfte der Serie, die mal der ganz liebe Gutmensch ist, und dann doch wieder scheinbar über Leichen zu gehen bereit ist. Dies aber nicht als schlüssigen langsamen Abstieg in einen aus den Schatten geleiteten dunklen Pfad erscheinend, wie das die Serie gerne hätte, sondern schlicht nach Belieben wechselnd, einfach nur für den Überraschungseffekt erscheinend.

Dazu kommen dann noch Plotpunkte, die irgendwie komplett verschwinden, als hätte man sich ursprünglich was bei ihnen gedacht, sie dann aber doch wieder herausgeschrieben. Relativ früh in der Serie entdeckt beispielsweise Sabrinas Cousin Ambrose an einer Leiche (die Spellmans haben ein Bestattungsunternehmen), dass dies ein Warlock ist, der eventuell von einem Hexenjäger umgebracht wurde. Er bekommt dessen Familiar in die Hände und versucht über diesen eventuell hinter das Geheimnis zu kommen. Prompt taucht zur Beerdigung des Warlocks ein heißer Kerl auf, der sich als dessen Ex Lucas ausgibt, mit Ambrose flirtet, und nach einer gemeinsamen Nacht verschwunden aber der Familiar des Warlocks tot ist. Schon sehr eindeutiges Forshadowing meiner Meinung nach. Nur wird der ganze Subplot über einen möglichen Hexenjäger dann komplett aus der Serie gestrichen und auch Lucas taucht erst wieder ganz am Ende auf, und ist plötzlich mit Ambrose zusammen, nur weil der Plot jemanden brauchte, der Ambrose im Finale zurückhält, nicht weil Lucas wirklich ein Charakter in dieser Staffel gewesen wäre.

Oder die Folge, in dem die Spellmans dem Vorstand der Dunklen Kirche und seiner Frau ein Wahrheitsserum einflößen, und dadurch dessen heimliche Vaterschaft zu einem anderen Charakter aufzudecken. Wird nie wieder wichtig, und es hat auch keine Auswirkung auf die Beziehung zwischen ihm und den Spellmans, obwohl man davon ausgehen würde, dass jene jetzt sicherlich wesentlich angespannter ist.

Die finale Viertelstunde ist eh ein Clusterfuck an „Oh edgy! Oh überraschend“ Aha-Effekten und unnötigem Sequel-Bait hoch Zehn, so dass sich für mich die eh schon wackelige Serie da fast komplett an den Nähten aufgelöst hat, und ich fast weniger bereit bin die zweite Staffel zu schauen, statt mehr. Da wird einfach viel kaputt gemacht, und es wirkt einfach mal wieder nicht sonderlich von den Schreibern vorausgeschaut, dass nämlich jene jetzt massiv Probleme haben wird, wie sie dort ansetzen will. Wenn die nicht einfach fast alles davon wegignoriert wie es das anschließende Weihnachtsspecial getan hat.

Natürlich hat die Serie auch ein paar gute Ideen. Beispielsweise den Misogynie-Aspekt. Der gehört bei Geschichten um Hexen ja fast obligatorisch dazu, weil eben die Hexenverbrennungen hauptsächlich dazu da waren, eigenständige und sozial nicht konforme Frauen loszuwerden. Weil es meist so dargestellt wird, dass das Erlangen jener Kräfte nun dazu da ist, aus sozialen Konventionen eher ausbrechen und Unterdrücker bestrafen zu wollen. Da finde ich es beispielsweise ganz interessant, das es in der Serie angesprochen wird, dass sich wirklich die vollen Kräfte über das Buch des Biests zu holen, über den eingegangenen Packt doch wieder nur einem „Mann“ im Dunklen Lord unterstellt wird, der frei über einen verfügen kann. Natürlich ist die Serie prompt wieder nicht ganz gut genug geschrieben, dies immer so interessant zu behandeln. Wenn uns beispielsweise mehrmals gesagt wird, dass auch der Direktor der High School ein unterdrückender Despot sein soll, dies aber nie wirklich durch sein Verhalten untermauert wird. Und das es ja auch Warlocks, also männliche Hexen, gibt, macht es natürlich auch etwas weniger ein starkes Bild.

Von daher kann man sagen, dass Chilling Adventures of Sabrina eigentlich fast aus dem gleichen Grund einen Unterhaltungswert darbietet, wie das thematisch und stilistisch doch eigentlich so sehr gegensätzliche Sabrina the Teenage Witch: Der Trash-Faktor ist da. Ganz so blöd ist Chilling zwar nicht, aber halt doch oft unglaublich schlecht durchdacht und im Verlauf umgeschrieben erscheinend. Es versucht sein „Oh so düster“ etwas zu angestrengt. Die Charaktere sind je nach Notwendigkeit sehr wankelmütig. Aber ja, einer etwas gemeineren Sabrina im Kampf gegen Monster und Magie zu folgen, bei dem eben auch der Horror-Einschlag wirklich zum Tragen kommt, hat selbst wenn man sich der Unzulänglichkeiten der Serie bewusst ist, einen nicht unerheblichen Attraktionsfaktor. Der weitestgehend negative Beitrag von mir soll hier auch eher dazu dienen, nicht zu viel, und schon gar nicht sonderliche Intelligenz, von der Serie zu erwarten, und weniger sie wirklich als unschaubar darzustellen. In dieser Hinsicht nämlich die Erwartungen zu zügeln, hebt letztendlich einfach das Sehvergnügen.

InuYasha VIII

Im Jahr 2008 fand InuYasha dann nach 12 Jahren mit Band 56 und über 500 Kapiteln sein Ende. Somit wurde unter fast gleichen Team auch das 2004 vorzeitig beendete Anime in 2009 erneut aufgegriffen, und die finalen Geschehnisse in den 26 Folgen von InuYahsa: The Final Act umgesetzt. Bereits im Jahr davor, als der Manga beendet war, gab es übrigens eine InuYasha OVA, welche sein Erlangen des schwarzen Tessaiga behandelt, die allerdings dann als Episode 15 in The Final Act integriert wurde.

Es ist natürlich schon ein ziemlich großer Unterschied zwischen den beiden Anime. Wo die erste Serie mit ihren 167 Folgen sich noch ziemlich Zeit gelassen hat, um dem Manga nicht zu früh davonzurennen, muss The Final Act jetzt jede Menge Material in seinen gerade Mal 26 Folgen unterbringen. Es geht alles demnach nicht nur ziemlich schnell, bereits in der ersten Folge scheint irgendwie an mehreren Fronten plötzlich jeder mit jedem zu kämpfen, sondern die Charaktere wissen nun auch teilweise Dinge, die sie am Ende von Folge 167 noch nicht zu wissen schienen, wenn ich nichts verpasst habe.

Zum Beispiel ist es nun allgemein bekannt, dass Narakus Herz in Moryomaru ist. Genau wie sowohl Moryomaru als auch Hakudoshi jetzt offen gegen Naraku sind und ihn besiegen wollen. Soweit ich mich zurückerinnere, waren sowohl wo Narakus Herz untergekommen ist, sowie die genaue Bedeutung von Maryomaru und Hakudoshi am Ende des ersten Anime noch unbekannt, und gegen Naraku hatten sie sich auch noch nicht gestellt. Auch dass im Heiligen Juwel sich eine gute und böse Seite ständig bekämpfen und aktiv in das Geschehen eingreifen wäre mir jetzt definitiv neu gewesen. Vielleicht habe ich tatsächlich nicht immer genau genug aufgepasst? Oder es kommt wirklich daher, dass doch viel übersprungen werden musste, um die restlichen Bände abdecken zu können. Es ist ja nicht so, dass man nicht mitkommen würde, manche Dinge kommen nur etwas überraschend.

Die Serie ist nun auch nicht sonderlich zimperlich damit, Charaktere umzubringen, wodurch Gefahr tatsächlich gerade für Nebencharaktere wirklich etwas bedeutet. Beispielsweise ist am Ende von Episode 1 Hakudoshi auch schon aus der Serie ausgeschieden, und in Episode 2 wird ihm bereits Kagura folgen. Deren Ende überraschend eine der stärkeren Szenen der Serie ist, auch wenn ich erneut nicht hundertprozentig weiß, warum sich ausgerechnet Sesshomaru um sie schert. Kagura hat ihm mal ein oder zwei Tipps gegeben gehabt, in der Hoffnung er können Naraku besiegen, was sie von ihm befreien würde, aber so eine wirkliche Bindung hatten die beiden Charaktere jetzt auch nicht gerade.

Richtig gut Zeit räumt sich The Final Act dann jedoch für die tatsächlich finale Auseinandersetzung mit Naraku ein, was schon passend ist, nach all der Zeit und dem Buildup. Dies startet nämlich bereits in Episode 20 und zieht sich bis einschließlich 25. Aller Charaktere dürfen noch mal auftauchen, alle dürfen an verschiedenen Fronten kämpfen, alle haben mittlerweile Upgrades in ihren Waffen oder Fähigkeiten bekommen. Nur der arme Kouga ist mal wieder außen vor, der durfte zwar ebenfalls eine neue Waffe bekommen, aber dann doch seltsamerweise nicht fürs Finale auftauchen.

Auch ein wenig merkwürdig ist ehrlich gesagt, wie die Serie gern bei den Halbdämonen in den Vordergrund stellt, dass sie eine Wahl zwischen ihrem menschlichen und dämonischen Herz haben, als wäre dies eine Entscheidung zwischen Gut und Böse. Dabei gibt es in der Serie reichlich vollwertige Yokai, die auf der guten Seite sind. Shippo beispielsweise, und Sesshomaru kann man da mittlerweile eigentlich auch hinzuzählen. Ich glaube es gibt doch manche Punkte und Themen in der Story, die über deren Entwicklung hinweg eventuell nicht mehr hundertprozentig so passen, wie das ursprünglich mal gedacht war. Dass es nur einen richtigen Wunsch beim Heiligen Juwel gäbe, wäre mir beispielsweise auch neu, und das beim falschen das ganze Drama einfach von vorn beginnen würde.

Schön ist jedenfalls auch, dass die Serie trotz der erhöhten Gefahr und nicht ganz unbeträchtlichen Sterbequote eigentlich wieder eine sehr gute Mischung findet. Neben dem Drama und den ernsten Momenten gibt es nämlich doch auch so einige humorige Einlagen, die in ihren Manierismen so sehr Rumiko Takahashi wie nie zuvor sind, und jetzt wo sich die Stellungen finalisieren dürfen ist die Romantik zwischen den diversen Pärchen wieder ganz vorn mit dabei.

Am Ende ging alles also vielleicht doch etwas arg schnell und man hätte eher die doppelte Folgenzahl anpeilen sollen, doch kommt dennoch alles zu einem runden und befriedigenden Abschluss, und ziehe ich die etwas gehetzte Gangart von The Final Act dann dem doch zu gemächlichen Voranschreiten des ersten Anime vor.

InuYasha VI

Im September 2004 war es dann also soweit, nach fast genau 4 Jahren fand InuYasha mit Folge 167 sein Ende, zumindest was zunächst die animierte Form angeht. Im letzten Block von 14 Folgen mit dem bisher besten Intro-Song, da nicht ganz so generisch wie üblich, ANGELUS.

In den 90ern und frühen 2000ern war die Anime-Landschaft dabei noch eine ganz andere. Vornehmlich wenn man die Anime-Adaptionen großer Erfolgsserien ansieht. Diese besonders langanhaltenden und gerade wenn in der Shonen Jump erschienen auch auf eine schier endlose Laufzeit ausgelegten Manga-Serien, wurden in genauso ewig lange Anime adaptiert, die fast das ganze Jahr hindurch liefen. Da formt sich nur ein großes, bekanntes Problem: Anime schreitet schneller voran.

Heutzutage, in einer Ära eher kurzer Serien, ist das oft nicht mehr der Fall. Stattdessen erscheinen selbst auf den üblichen lang angelegten Shonen-Manga basierende Serien eher in Staffelform von und lassen den Manga dazwischen erst Mal wieder voranschreiten, bevor die nächste Arc in eine weitere Staffel gefüllt wird. Zur Zeit von InuYasha war das noch nicht der Fall, die 167 Folgen liefen Nonstop. Zwar lagen zwischen dem Anfang des Manga in 1997 und des Anime in 2000 fast 3,5 Jahre, so dass es als die erste Folge ausgestrahlt wurde bereits 18 zu adaptierende Sammelbände gab. Dennoch holte man das irgendwann ein, als Folge 167 über die Bildschirme flimmerte war Rumiko Takahashi zwar schon bei Band 37 angekommen, jedoch noch lang nicht fertig.

Die Entscheidung, die letztendlich getroffen wurde, war weder mit irgendwelchen Füller-Arcs zu schwimmen, bis genug neuer Stoff beisammen ist, noch ein eigenes Ende auszudenken. Stattdessen hört InuYasha halt einfach mittendrin auf. Inuyasha und Co., Sesshomaru und Co., sowie Kikyo können alle noch mal auf ihrer Fährte hinter Naraku her traben. Es darf noch mal gegen ihn angetreten werden. Inuyasha darf noch mal in seiner dämonischen Seite von Kagome beschwichtigt werden. Außer Koga bekommt also jeder halbwegs wichtige Charakter noch mal einen Auftritt (und selbst Koga ist im Abspann wieder dabei). Doch dann verabschiedet sich die Serie vom Publikum mit dem Wunsch, dass doch der kommende vierte Film geschaut und die Serie in Form des Mangas weiter unterstützt werden soll.

Auch der Rest des Blocks davor bietet ganz gutes Material. Wir beginnen endlich beim Grabmal von Inuyashas Vater angekommen, wenn endlich alle herausgefunden haben, dass dort der letzte Splitter des heiligen Juweles ist. In mehreren Folgen darf sich geprügelt, angekeift und letztendlich Tessaiga zu einer neuen Form gebracht werden.

Wir finden heraus, warum das Baby, welches Naraku von sich gesplittet und versteckt hat, so wichtig ist, auch wenn man es sich schon denken konnte. Alle dürfen dem so langsam selbst auf die Schliche kommen, wie man Naraku doch endlich aufspüren könnte, nur damit der prompt ein neues Mittel findet, um zumindest den Säugling vor allen zu verbergen.

Kohaku hat seine kompletten Erinnerungen zurück, hält dies jedoch geheim, weil er genau wie Kagura darauf wartet, dass Naraku sich eine Blöße gibt, die gegen ihn verwendet werden kann. Was natürlich umso dramatischer ist, wenn er auf Schwester Sango trifft, vor der er weiterhin den willenlosen Handlanger geben muss. Gerade die Folge, in der Kirara über die Kindheit der beiden reminisziert war richtig schön.

Auch Shippo und Miroku bekommen jeweils eine Folge für sich geschenkt, wobei die allerdings qualitativ abfallen und mehr als Füller daherkommen. Die mit Shippo ist immerhin ganz witzig. Im Falle von Miroku bin ich das Gimmick allerdings über die letzten 167 Folgen ehrlich gesagt etwas leid geworden, wie er jedem Rock hinterher hechelt, doch irgendwie abblitzt, und Sango ein paar Todesblicke streuen darf.

Rum war es mit InuYasha damit sowieso noch nicht. Wie bereits erwähnt gibt es noch vier Kinofilme, die während der Original-Laufzeit des Anime herauskamen. Und letztendlich wurde die Serie im Final Act auch im TV wieder aufgegriffen. Abschließend zum ersten Anime ist zu sagen, dass es definitiv seine Höhen und Tiefen (besonders im Mittelfeld) hatte, jedoch unterm Strich eine unterhaltsame Serie mit Gemisch aus Action, Romantik und Witz bleibt.