American Horror Story: Apocalypse

Ein neues Jahr, eine neue Staffel von American Horror Story. Eine Tradition, die so schnell nicht gebrochen werden wird, da die Serie bereits das grüne Licht bis Staffel 10 hat, uns also auf jeden Fall bis einschließlich 2020 erhalten bleiben wird.

Ich hätte dabei nicht gedacht, dass der Untertitel so direkt ist. Aber das ist er. Innerhalb der ersten Folge sorgt ein Ereignis dafür, dass die Welt untergeht, und während der nukleare Winter auf der Oberfläche sein Unwesen treibt, folgen wir nun einer kleinen Gruppe vom Collective ausgewählter (oder sich hineingekaufter, weil so ein Projekt natürlich auch finanziert werden muss) Leute in einem Bunker. Violett für den Apokalypsen-Adel mit besonders herausragenden Genen… oder viel Geld, und Grau für das ihnen dienende Fußvolk.

Im Bunker herrschen unter der schwarz gekleideten Miss Venable allerdings merkwürdig strickte Regeln. Natürlich besteht das Essen in so einer Extremsituation nicht aus besonders tollen Gaumenfreuden, aber kein Interkurs und nur ein Kuss pro Woche? Die Unterkunft ist nicht nur eingrichtet wie im viktorianischen London, sondern auch unter entsprechend puritanischer Leitung. Zumindest bis Michael Langdon auftaucht, der vom Collective stammt, und Psychospielchen mit den Bunkerbewohnern treibt, meinend er würde die Besonderen unter ihnen für eine zentrale Unterkunft auswählen, weil die einzel verstreuten bisherigen von Zombies überrannt werden.

Wie sich herausstellt ist er allerdings der Antichrist, der mit Hilfe der Iluminati die Apokalypse heraufbeschworen hat, und nun die letzten Hexen aus der dritten Staffel umbringen will, die sich ihm noch in den Weg stellen könnten. Außerdem ist er das Baby aus der ersten Staffel. Ich denke mal diesen peinlichen Satz geschrieben haben zu müssen reicht aus, um darzulegen, dass auch Apocalypse die Tradition von reichlich dämlichen Trash der Serie vortführt.

Das Problem für mich ist dabei eher wieder, dass sie häufig einige Durchhänger im Unterhaltungswert hat. Ich fand die ersten vier oder so Folgen im Bunker mit den Animositäten unter den Überlebenden und Langdons Spielchen mit ihren Egos tatsächlich recht gut und es schien in eine interessante Richtung zu gehen. Ich war echt gespannt, was geschehen würde, wenn sie in den neuen Bunker des Collectives gelangen. Das geschieht allerdings nie. Sobald wir herausgefunden haben, dass Langdon der Antichrist ist, springen wir in einen Flashback vor die Apokalypse und wie er aufwuschs, zum jetzigen sich geworden ist, und warum er die Hexen so hasst. In die Apokalypsen-Timeline geraten wir erst wieder für die finale zehnte Folge.

Das war mir ehrlich gesagt eindeutig zu viel Zeit verbracht in dem Teil der Narration, die wesentlich weniger interessant ist. Nur um herauszufinden, dass Michael eine schlechte Kindheit hatte? Dass ihn früher oder später jeder im Stich gelassen hat? Und was ist das Ziel dessen? Sympathie geht schlecht, da er als tatsächlicher Sohn Satans von Anfang an Tiere und Babysitter umgebracht hat, hat aus gutem Grund jeder ihm früher oder später den Rücken zugekehrt. Die umgedrehte Geschlechterdiskriminierung, weil die Hexen auf Grund ihrer größeren Macht auf die Warlocks hinabschauen, war sicher mal ein unterhaltsames Thema, aber auch hier wesentlich länger als erwünscht. Das ist glaube ich einfach das allgemeine Problem: Es ist nicht so, dass im Rückblick nicht interessante Themen zu finden sind, sondern das er einfach viel zu langgezogen ist. Es hätte vollkomen gereicht für drei Folgen in ihm zu verweilen und die drei letzten im Finale der Staffel wieder coolen Ereignissen in der Apokalypse zu gönnen.

Abgesehen davon, dass die Staffel sowieso rechts und links Tode wiederbelebt und sogar Zeitreisen einbringt, um Michael aufzuhalten. Da ist natürlich dann auch ein wenig das Lüftchen an Spannung raus, wann immer jemand in Gefahr ist oder etwas gehörig schief zu laufen beginnt, weil wir jetzt wissen, dass mit genug Magieschmalz alles wieder gerichtet werden könnte. Aber mittlerweile macht American Horror Story eh, was ihm gefällt. Mittendrin haben wir beispielsweise, wenn der Hexentest der 7 Wunder durchgeführt wird, einfach mal, dass die Serie in Stummfilm-Ästhetik umschaltet. Warum auch immer, fand halt jemand eine tolle Idee, egal wie merkwürdig es wirkt. Oder in einer Folge taucht aus dem Nichts Stevie Nicks auf, um einen Song zu singen, und dann nie wieder gesehen oder von geredet zu werden.

Apocalypse ist dabei auch die „Everyone is here!“ Staffel. Sie bringt die vorigen Staffeln mehr zusammen als je eine vorher. Wie gesagt sind die Ereignisse aus Murder House und die Hexen aus Coven wichtig, aber wir machen beispielsweise auch einen Abstecher nach Hotel. Und fast jeder wichtige Charakter aus einer vorigen Staffeln wird irgendwann mal durchs Bild getrieben und vom Originalschauspieler verkörpert. Ja selbst Jessica Lange haben sie zurückbekommen, der wahre Star der ersten vier Staffeln! Die Schauspieler, die nicht für diese Staffel zumindest kurz zurückgekehrt sind, kann man echt an einer Hand abzählen. Das ist natürlich der Vorteil, wenn man eine so erfolgreiche Serie mit weiterhin stabilen Einschaltquoten hat: Man kann sich mehr Cameos leisten. Abgesehen davon kann ich Bryan Murphy nur Respekt zollen, seine Erfolgsserien als Outlets zu nutzen den Traum eines jeden Schwulen zu realisieren: Jede Königin von einer Frau und jedes Sahnestück von einem Mann zu casten, für die er gerade eine Schwäche hegt.

Eigentlich hat sich bei American Horror Story also wieder gar nicht so viel verändert. Die Serie war immer dummer Trash, aber auch immer unterhaltsam, wobei einige Staffeln halt im Unterhaltungswert mehr schwächeln als andere – Apocalypse vorrangig in der zweiten Hälfte.

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Chilling Adventures of Sabrina

Ein weiteres aktuelles Netflix Original, über das mehr oder weniger viel geredet wurde, ist Chilling Adventures of Sabrina. Eine fiesere Herangehensweise an die Sitcom Sabrina the Teenage Witch, welche immer wieder zwischen blödem Trash und unterhaltsam-blödem Trash schwankte, jetzt wo dessen Zielgruppe auch erwachsen ist. Damit folgt die Serien-Adaption im Prinzip seinen Ursprüngen in den Archie-Comics, wo die für Kinder und frühe Teens konzipierte Teenage Witch in 2014 ihr edgy Chilling-Reboot bekam.

Ich stehe der Serie dabei eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum einen möchte ich ihr den reinen Unterhaltungswert nämlich nicht absprechen, wodurch ich mich die überschaubaren 10 Folgen nie je gelangweilt hätte. Es ist allerdings schon auffällig, dass sie nicht so gut oder in sich schlüssig geschrieben ist. Und halt manchmal die Edgyness einfach unnötig aufdreht, um sich seinem Alleinstellungsmerkmal und dem „Woah, Sabrina ist jetzt so dark geworden“-Effekt voll auszuschöpfen.

Das große Ding der Serie ist, dass Sabrina in den nächsten Tagen ihren 16. Geburtstag feiert. Die Halb-Hexe darf dann nämlich endlich ihren Namen ins Buch der Bestie eintragen und somit ihr Hexen-Geburtsrecht als Untergebene des Dunklen Lords antreten, um an seiner Macht teilzuhaben. Das Problem, welches sich über dies Story Arc der ersten drei Folgen streckt, ist dabei, dass sie zum einen ihr Leben mit ihren menschlichen Freunden auf der normalen High School und ihren Freund Harvey nicht aufgeben will, von Hexen aber erwartet wird, dass sie keine echten Beziehungen zu Normalsterblichen haben und auch auf ihre eigene Magieschule gehen. Dann kristallisiert sich noch schnell heraus, dass wer an der Macht Lucifers teilhaben will, sich auch an ihn bindet und ihm hörig sein muss, und mit dieser Freiheitsaufgabe hat es Sabrina auch nicht so ganz, zumal nicht sicher ist, welche Tragweite dies haben soll, warum sie darüber belogen wurde, und was so einige Charaktere planen das es ihnen überhaupt so extrem wichtig ist, ausgerechnet Halb-Hexe Sabrina im Buch stehen zu haben.

Sie schreibt natürlich letztendlich zunächst nicht ihren Namen ins Buch und kommt auch aus den daraus resultierenden Konsequenzen fast ein wenig zu einfach heraus, damit der Rest der Staffel geschehen kann. Nun geht sie eben auf beide Schulen, hat sowohl mit ihrem menschlichen wie hexischen Leben zu tun, und die wirklichen Probleme jene in Einklang zu bringen mögen sich eigentlich auch nicht stellen. Stattdessen kommt es eben zu mehreren übernatürlichen Ereignissen und Mysterien, die gelöst werden müssen, wobei allerdings auch viel in die roten Fäden einspielen. Eben warum es dem Dunklen Lord so wichtig ist, dass Sabrina im Buch steht. Was wirklich mit ihren verunglückten Eltern geschehen ist. Was überhaupt das Ziel der mysteriösen Madame Satan sein soll. So wirklich gelöst wird davon allerdings hier noch nichts. Mir wäre es da teilweise manchmal fast lieber, wenn nicht immer wieder zur übergeordenten Handlung gegangen worden wäre, sondern tatsächlich mehr in sich geschlossene Einzelgeschichten erzählt würden.

Um den entsprechend düsteren Edgy-Quotient zu erfüllen sind Hexen in dieser Serie halt im Prinzip einfach Satanisten. In der Schule steht eine Statue von Baphomet (was die Serie auch in Schwierigkeiten brachte, als Randnotiz), sie gehen ein Bündnis mit dem Dunklen Lord für ihre Mächte ein, sie preisen Satan in ihren Gebeten. Manchmal stößt sich das allerdings auch. Tante Zelda scheint sich nie so richtig entscheiden zu können, ob sie nun nett und fürsorglich ist, oder ob sie doch hartgesotten und den Regeln ergeben ist, je nachdem wie der Plot der aktuellen Folge das benötigt. Viele Hexen werden als ganz nette und normale Menschen porträtiert, gerade eben die Spellmans, und dann schüttelt die Serie aber doch schnell mal aus dem Ärmel, dass es kannibalistische Rituale gibt und sie vor Mord nicht zurückschrecken. Besonders wankelmütig ist hier Sabrina auf der zweiten Hälfte der Serie, die mal der ganz liebe Gutmensch ist, und dann doch wieder scheinbar über Leichen zu gehen bereit ist. Dies aber nicht als schlüssigen langsamen Abstieg in einen aus den Schatten geleiteten dunklen Pfad erscheinend, wie das die Serie gerne hätte, sondern schlicht nach Belieben wechselnd, einfach nur für den Überraschungseffekt erscheinend.

Dazu kommen dann noch Plotpunkte, die irgendwie komplett verschwinden, als hätte man sich ursprünglich was bei ihnen gedacht, sie dann aber doch wieder herausgeschrieben. Relativ früh in der Serie entdeckt beispielsweise Sabrinas Cousin Ambrose an einer Leiche (die Spellmans haben ein Bestattungsunternehmen), dass dies ein Warlock ist, der eventuell von einem Hexenjäger umgebracht wurde. Er bekommt dessen Familiar in die Hände und versucht über diesen eventuell hinter das Geheimnis zu kommen. Prompt taucht zur Beerdigung des Warlocks ein heißer Kerl auf, der sich als dessen Ex Lucas ausgibt, mit Ambrose flirtet, und nach einer gemeinsamen Nacht verschwunden aber der Familiar des Warlocks tot ist. Schon sehr eindeutiges Forshadowing meiner Meinung nach. Nur wird der ganze Subplot über einen möglichen Hexenjäger dann komplett aus der Serie gestrichen und auch Lucas taucht erst wieder ganz am Ende auf, und ist plötzlich mit Ambrose zusammen, nur weil der Plot jemanden brauchte, der Ambrose im Finale zurückhält, nicht weil Lucas wirklich ein Charakter in dieser Staffel gewesen wäre.

Oder die Folge, in dem die Spellmans dem Vorstand der Dunklen Kirche und seiner Frau ein Wahrheitsserum einflößen, und dadurch dessen heimliche Vaterschaft zu einem anderen Charakter aufzudecken. Wird nie wieder wichtig, und es hat auch keine Auswirkung auf die Beziehung zwischen ihm und den Spellmans, obwohl man davon ausgehen würde, dass jene jetzt sicherlich wesentlich angespannter ist.

Die finale Viertelstunde ist eh ein Clusterfuck an „Oh edgy! Oh überraschend“ Aha-Effekten und unnötigem Sequel-Bait hoch Zehn, so dass sich für mich die eh schon wackelige Serie da fast komplett an den Nähten aufgelöst hat, und ich fast weniger bereit bin die zweite Staffel zu schauen, statt mehr. Da wird einfach viel kaputt gemacht, und es wirkt einfach mal wieder nicht sonderlich von den Schreibern vorausgeschaut, dass nämlich jene jetzt massiv Probleme haben wird, wie sie dort ansetzen will. Wenn die nicht einfach fast alles davon wegignoriert wie es das anschließende Weihnachtsspecial getan hat.

Natürlich hat die Serie auch ein paar gute Ideen. Beispielsweise den Misogynie-Aspekt. Der gehört bei Geschichten um Hexen ja fast obligatorisch dazu, weil eben die Hexenverbrennungen hauptsächlich dazu da waren, eigenständige und sozial nicht konforme Frauen loszuwerden. Weil es meist so dargestellt wird, dass das Erlangen jener Kräfte nun dazu da ist, aus sozialen Konventionen eher ausbrechen und Unterdrücker bestrafen zu wollen. Da finde ich es beispielsweise ganz interessant, das es in der Serie angesprochen wird, dass sich wirklich die vollen Kräfte über das Buch des Biests zu holen, über den eingegangenen Packt doch wieder nur einem „Mann“ im Dunklen Lord unterstellt wird, der frei über einen verfügen kann. Natürlich ist die Serie prompt wieder nicht ganz gut genug geschrieben, dies immer so interessant zu behandeln. Wenn uns beispielsweise mehrmals gesagt wird, dass auch der Direktor der High School ein unterdrückender Despot sein soll, dies aber nie wirklich durch sein Verhalten untermauert wird. Und das es ja auch Warlocks, also männliche Hexen, gibt, macht es natürlich auch etwas weniger ein starkes Bild.

Von daher kann man sagen, dass Chilling Adventures of Sabrina eigentlich fast aus dem gleichen Grund einen Unterhaltungswert darbietet, wie das thematisch und stilistisch doch eigentlich so sehr gegensätzliche Sabrina the Teenage Witch: Der Trash-Faktor ist da. Ganz so blöd ist Chilling zwar nicht, aber halt doch oft unglaublich schlecht durchdacht und im Verlauf umgeschrieben erscheinend. Es versucht sein „Oh so düster“ etwas zu angestrengt. Die Charaktere sind je nach Notwendigkeit sehr wankelmütig. Aber ja, einer etwas gemeineren Sabrina im Kampf gegen Monster und Magie zu folgen, bei dem eben auch der Horror-Einschlag wirklich zum Tragen kommt, hat selbst wenn man sich der Unzulänglichkeiten der Serie bewusst ist, einen nicht unerheblichen Attraktionsfaktor. Der weitestgehend negative Beitrag von mir soll hier auch eher dazu dienen, nicht zu viel, und schon gar nicht sonderliche Intelligenz, von der Serie zu erwarten, und weniger sie wirklich als unschaubar darzustellen. In dieser Hinsicht nämlich die Erwartungen zu zügeln, hebt letztendlich einfach das Sehvergnügen.

InuYasha VIII

Im Jahr 2008 fand InuYasha dann nach 12 Jahren mit Band 56 und über 500 Kapiteln sein Ende. Somit wurde unter fast gleichen Team auch das 2004 vorzeitig beendete Anime in 2009 erneut aufgegriffen, und die finalen Geschehnisse in den 26 Folgen von InuYahsa: The Final Act umgesetzt. Bereits im Jahr davor, als der Manga beendet war, gab es übrigens eine InuYasha OVA, welche sein Erlangen des schwarzen Tessaiga behandelt, die allerdings dann als Episode 15 in The Final Act integriert wurde.

Es ist natürlich schon ein ziemlich großer Unterschied zwischen den beiden Anime. Wo die erste Serie mit ihren 167 Folgen sich noch ziemlich Zeit gelassen hat, um dem Manga nicht zu früh davonzurennen, muss The Final Act jetzt jede Menge Material in seinen gerade Mal 26 Folgen unterbringen. Es geht alles demnach nicht nur ziemlich schnell, bereits in der ersten Folge scheint irgendwie an mehreren Fronten plötzlich jeder mit jedem zu kämpfen, sondern die Charaktere wissen nun auch teilweise Dinge, die sie am Ende von Folge 167 noch nicht zu wissen schienen, wenn ich nichts verpasst habe.

Zum Beispiel ist es nun allgemein bekannt, dass Narakus Herz in Moryomaru ist. Genau wie sowohl Moryomaru als auch Hakudoshi jetzt offen gegen Naraku sind und ihn besiegen wollen. Soweit ich mich zurückerinnere, waren sowohl wo Narakus Herz untergekommen ist, sowie die genaue Bedeutung von Maryomaru und Hakudoshi am Ende des ersten Anime noch unbekannt, und gegen Naraku hatten sie sich auch noch nicht gestellt. Auch dass im Heiligen Juwel sich eine gute und böse Seite ständig bekämpfen und aktiv in das Geschehen eingreifen wäre mir jetzt definitiv neu gewesen. Vielleicht habe ich tatsächlich nicht immer genau genug aufgepasst? Oder es kommt wirklich daher, dass doch viel übersprungen werden musste, um die restlichen Bände abdecken zu können. Es ist ja nicht so, dass man nicht mitkommen würde, manche Dinge kommen nur etwas überraschend.

Die Serie ist nun auch nicht sonderlich zimperlich damit, Charaktere umzubringen, wodurch Gefahr tatsächlich gerade für Nebencharaktere wirklich etwas bedeutet. Beispielsweise ist am Ende von Episode 1 Hakudoshi auch schon aus der Serie ausgeschieden, und in Episode 2 wird ihm bereits Kagura folgen. Deren Ende überraschend eine der stärkeren Szenen der Serie ist, auch wenn ich erneut nicht hundertprozentig weiß, warum sich ausgerechnet Sesshomaru um sie schert. Kagura hat ihm mal ein oder zwei Tipps gegeben gehabt, in der Hoffnung er können Naraku besiegen, was sie von ihm befreien würde, aber so eine wirkliche Bindung hatten die beiden Charaktere jetzt auch nicht gerade.

Richtig gut Zeit räumt sich The Final Act dann jedoch für die tatsächlich finale Auseinandersetzung mit Naraku ein, was schon passend ist, nach all der Zeit und dem Buildup. Dies startet nämlich bereits in Episode 20 und zieht sich bis einschließlich 25. Aller Charaktere dürfen noch mal auftauchen, alle dürfen an verschiedenen Fronten kämpfen, alle haben mittlerweile Upgrades in ihren Waffen oder Fähigkeiten bekommen. Nur der arme Kouga ist mal wieder außen vor, der durfte zwar ebenfalls eine neue Waffe bekommen, aber dann doch seltsamerweise nicht fürs Finale auftauchen.

Auch ein wenig merkwürdig ist ehrlich gesagt, wie die Serie gern bei den Halbdämonen in den Vordergrund stellt, dass sie eine Wahl zwischen ihrem menschlichen und dämonischen Herz haben, als wäre dies eine Entscheidung zwischen Gut und Böse. Dabei gibt es in der Serie reichlich vollwertige Yokai, die auf der guten Seite sind. Shippo beispielsweise, und Sesshomaru kann man da mittlerweile eigentlich auch hinzuzählen. Ich glaube es gibt doch manche Punkte und Themen in der Story, die über deren Entwicklung hinweg eventuell nicht mehr hundertprozentig so passen, wie das ursprünglich mal gedacht war. Dass es nur einen richtigen Wunsch beim Heiligen Juwel gäbe, wäre mir beispielsweise auch neu, und das beim falschen das ganze Drama einfach von vorn beginnen würde.

Schön ist jedenfalls auch, dass die Serie trotz der erhöhten Gefahr und nicht ganz unbeträchtlichen Sterbequote eigentlich wieder eine sehr gute Mischung findet. Neben dem Drama und den ernsten Momenten gibt es nämlich doch auch so einige humorige Einlagen, die in ihren Manierismen so sehr Rumiko Takahashi wie nie zuvor sind, und jetzt wo sich die Stellungen finalisieren dürfen ist die Romantik zwischen den diversen Pärchen wieder ganz vorn mit dabei.

Am Ende ging alles also vielleicht doch etwas arg schnell und man hätte eher die doppelte Folgenzahl anpeilen sollen, doch kommt dennoch alles zu einem runden und befriedigenden Abschluss, und ziehe ich die etwas gehetzte Gangart von The Final Act dann dem doch zu gemächlichen Voranschreiten des ersten Anime vor.

InuYasha VI

Im September 2004 war es dann also soweit, nach fast genau 4 Jahren fand InuYasha mit Folge 167 sein Ende, zumindest was zunächst die animierte Form angeht. Im letzten Block von 14 Folgen mit dem bisher besten Intro-Song, da nicht ganz so generisch wie üblich, ANGELUS.

In den 90ern und frühen 2000ern war die Anime-Landschaft dabei noch eine ganz andere. Vornehmlich wenn man die Anime-Adaptionen großer Erfolgsserien ansieht. Diese besonders langanhaltenden und gerade wenn in der Shonen Jump erschienen auch auf eine schier endlose Laufzeit ausgelegten Manga-Serien, wurden in genauso ewig lange Anime adaptiert, die fast das ganze Jahr hindurch liefen. Da formt sich nur ein großes, bekanntes Problem: Anime schreitet schneller voran.

Heutzutage, in einer Ära eher kurzer Serien, ist das oft nicht mehr der Fall. Stattdessen erscheinen selbst auf den üblichen lang angelegten Shonen-Manga basierende Serien eher in Staffelform von und lassen den Manga dazwischen erst Mal wieder voranschreiten, bevor die nächste Arc in eine weitere Staffel gefüllt wird. Zur Zeit von InuYasha war das noch nicht der Fall, die 167 Folgen liefen Nonstop. Zwar lagen zwischen dem Anfang des Manga in 1997 und des Anime in 2000 fast 3,5 Jahre, so dass es als die erste Folge ausgestrahlt wurde bereits 18 zu adaptierende Sammelbände gab. Dennoch holte man das irgendwann ein, als Folge 167 über die Bildschirme flimmerte war Rumiko Takahashi zwar schon bei Band 37 angekommen, jedoch noch lang nicht fertig.

Die Entscheidung, die letztendlich getroffen wurde, war weder mit irgendwelchen Füller-Arcs zu schwimmen, bis genug neuer Stoff beisammen ist, noch ein eigenes Ende auszudenken. Stattdessen hört InuYasha halt einfach mittendrin auf. Inuyasha und Co., Sesshomaru und Co., sowie Kikyo können alle noch mal auf ihrer Fährte hinter Naraku her traben. Es darf noch mal gegen ihn angetreten werden. Inuyasha darf noch mal in seiner dämonischen Seite von Kagome beschwichtigt werden. Außer Koga bekommt also jeder halbwegs wichtige Charakter noch mal einen Auftritt (und selbst Koga ist im Abspann wieder dabei). Doch dann verabschiedet sich die Serie vom Publikum mit dem Wunsch, dass doch der kommende vierte Film geschaut und die Serie in Form des Mangas weiter unterstützt werden soll.

Auch der Rest des Blocks davor bietet ganz gutes Material. Wir beginnen endlich beim Grabmal von Inuyashas Vater angekommen, wenn endlich alle herausgefunden haben, dass dort der letzte Splitter des heiligen Juweles ist. In mehreren Folgen darf sich geprügelt, angekeift und letztendlich Tessaiga zu einer neuen Form gebracht werden.

Wir finden heraus, warum das Baby, welches Naraku von sich gesplittet und versteckt hat, so wichtig ist, auch wenn man es sich schon denken konnte. Alle dürfen dem so langsam selbst auf die Schliche kommen, wie man Naraku doch endlich aufspüren könnte, nur damit der prompt ein neues Mittel findet, um zumindest den Säugling vor allen zu verbergen.

Kohaku hat seine kompletten Erinnerungen zurück, hält dies jedoch geheim, weil er genau wie Kagura darauf wartet, dass Naraku sich eine Blöße gibt, die gegen ihn verwendet werden kann. Was natürlich umso dramatischer ist, wenn er auf Schwester Sango trifft, vor der er weiterhin den willenlosen Handlanger geben muss. Gerade die Folge, in der Kirara über die Kindheit der beiden reminisziert war richtig schön.

Auch Shippo und Miroku bekommen jeweils eine Folge für sich geschenkt, wobei die allerdings qualitativ abfallen und mehr als Füller daherkommen. Die mit Shippo ist immerhin ganz witzig. Im Falle von Miroku bin ich das Gimmick allerdings über die letzten 167 Folgen ehrlich gesagt etwas leid geworden, wie er jedem Rock hinterher hechelt, doch irgendwie abblitzt, und Sango ein paar Todesblicke streuen darf.

Rum war es mit InuYasha damit sowieso noch nicht. Wie bereits erwähnt gibt es noch vier Kinofilme, die während der Original-Laufzeit des Anime herauskamen. Und letztendlich wurde die Serie im Final Act auch im TV wieder aufgegriffen. Abschließend zum ersten Anime ist zu sagen, dass es definitiv seine Höhen und Tiefen (besonders im Mittelfeld) hatte, jedoch unterm Strich eine unterhaltsame Serie mit Gemisch aus Action, Romantik und Witz bleibt.

InuYasha V

Der fünfte Block an Episoden hat den Opening Song One World, One Dream zu bieten. Der ist ganz Ok. So super Erinnerungswürdig sind die ja alle nicht, aber der hier macht auch nicht wirklich was falsch. Mit Episoden 128 bis 153 sind wir dabei auch fast am Ende des Originallaufs gelandet.

Ich würde ja sagen, jetzt wo Naraku wieder da ist, kann es so richtig los gehen, aber ganz so viel bekommt man ihn in diesen Folgen gar nicht zu sehen. Stattdessen ist sein neuer Abkömmling Hakudoshi wesentlich präsenter, den Kagura durch die Gegend karrt, und der mit Entei sogar auf einem Feuerross Stilsicher die Szene betreten bekommt. Was es genau mit dem Baby zu tun hat, welches mit der Wiederkehr von Naraku hinzu kam, und nun sogar zweigespalten ist, finden wir natürlich trotzdem noch nicht raus.

Dennoch ist die Serie auf jeden Fall wieder auf Spur, nachdem sie während des ganzen Zeugs um die Band of Seven doch einen deutlichen Durchhänger hatte. Im hiesigen Block werden reichlich Story Arcs geboten, die sich über zwei oder mehr Episoden erstrecken, und viel mehr oder weniger Wichtiges, doch zumindest meist Interessantes, darf geschehen. Auch wenn viel davon nur wiederholt, wie Charaktere zueinander stehen und was die Prämisse der Serie mal war, bevor sie leicht entgleist ist.

In Episode 132 beispielsweise dürfen sich Miroku und Sango endlich so richtig aussprechen, sich ihre Gefühle zueinander, die eh ein offenes Geheimnis waren, eingestehen, und es kommt sogar zu einem Antrag! In bester Manier heißt das natürlich nicht, dass Miroku nicht weiterhin als Running Gag jedem Rock hinterher steigt, aber immerhin, so eine richtig konfrontative Aussprache hätte ich gar nicht mal erwartet gehabt, sondern dass der ermüdende Tanz um die Gefühle des jeweils anderen herum, deren man sich bewusst ist, die man aber nicht wirklich eingesteht, immer einfach so weiter läuft.

Ganze vier Episoden, nämlich 137 bis 140, drehen sich um den Charakter Akitoki. Zunächst war ich etwas überrascht, da die Serie ihn eindeutig als jemanden behandelt, den die Truppe vorher bereits angetroffen hatte und den ich kennen sollte. Ich dachte echt, ich hätte da was verpasst gehabt. Stellt sich allerdings heraus, dass er in einem der Kinofilme vorgekommen ist, die ich ja noch nicht gesehen habe. Schon ein leichter Fauxpas, deren Besichtigung als gegeben vorauszusetzen, statt sie von der TV-Serie zu lösen, oder zumindest Flashbacks zum Nötigsten erklärend zu bieten. Ist allerdings zu verzeihen, weil die Storyline der Folgen dramaturgisch dicht und gut ausgearbeitet ist, und die Sache auch so gut animiert daher kommt, wie die Serie selten ist. Dann wiederum hat man mit 4 x 20 Minuten natürlich praktisch eine Filmlaufzeit zur Verfügung. Die Geschichte des Antagonisten spiegelt sogar die von Inuyasha und Kikyo ein Stück wieder.

Der Elefant im Raum ist allerdings Suzaku, der bisher erst zweite als homosexuel gezeichnete Charakter der Show, der genau wie sein Pendant bei der Band of Seven ein weibischer Stereotyp ist, dessen Verhalten die anderen anwidert. Nicht nur ist das nicht wirklich witzig, sondern reflektiert auch nicht bestens auf die Serie. Als Vergleich hierzu ziehe ich gerne Fischauge aus Sailor Moon an, welcher nämlich der gleiche Stereotyp ist. Nun gibt es natürlich Kerle, die einen auf Teekesselchen machen, der Unterschied ist hier, dass Fischauge nur ein queerer Charakter in Sailor Moon ist. Wir haben bereits in der ersten Staffel das Pärchen Zoisite und Kunzite gehabt, und ab der dritten mit Sailor Neptun und Uranus die besten Charaktere der ganzen Show. Wenn eine Serie hingegen wie InuYasha nie Queer-präsentierende Charaktere aufwartet, außer als dieser Nebencharakter-Stereotyp aus Witz und Freak, ist das einfach weniger schön. Zum Glück ist er ziemlich schnell weg vom Fenster, so dass ich fast schon wieder vergessen hatte, dass er überhaupt existierte.

Episode 143 darf sich dann dem Sidekick Shippo widmen, der statt sich nur mit Inuyasha zu zoffen und feige zu sein, wie in vielen anderen Folgen bisher, mal wieder ein wenig Charakter haben darf, wenn ihm die Geschichte eines Dämonenkindes, das seiner eigenen sehr nahe kommt, richtig zu schaffen macht. Es mag einem fast verziehen sein, bisher ganz vergessen zu haben, unter welchen Umständen Shippo überhaupt ursprünglich zur Truppe gestoßen ist. Selbst der Vater von Miroku und Fluch des Windtunnels ist wenigstens noch ein oder zwei Mal angesprochen worden, im Gegensatz zu Shippos. Außerdem eine Folge, die uns erneut zeigt, wie stark sich doch Sesshomaru seit seiner Einführung verändert hat, nachdem er nun mit einem Menschen durch die Lande streift.

Die Doppelepisode 147 und 148 re-iteriert hingegen noch mal ausgeschmückt den Start der Serie. Wie Inuyasha und Kikyo aufeinander getroffen sind, wie sich sich zu trauen gelernt haben, und was letztendlich zur Tragödie geführt hat. Nun inklusive den Nebenstationen und Charakteren, die über den Serienverlauf zusammengekommen sind. Sozusagen, um das Publikum noch mal kondensiert die aufbereitete Fassung dessen zu liefern, was eigentlich das Rückgrat der Serie ausmacht.

Und zuguterletzt darf Kikyo ihr Gesicht in Episode 151 auch wieder zeigen und direkt wieder verschwinden. Ich glaube kaum, dass wirklich jemand ernsthaft daran geglaubt hat, dass sie tot ist, aber nun ist es auch offiziell bestätigt, dass sie weiterhin ein Mitspieler in den Ereignissen, die da kommen werden, sein kann.

Das macht die Episoden 128 bis 153 nicht nur zu einem ziemlich starken Block, sondern zum besten, den die Serie seit dem ursprünglich ersten Block in den Episoden 1 bis 34 gesehen hat.

InuYasha IV

Grip! ist der Opening-Song, der die Folgen 96 bis 127 einleiten darf, und bisher definitiv der beste OP. Die Animationsabfolge dazu ist allerdings mal wieder ziemlicher Standard. Genau genommen kommt InuYasha hier mehr wie eine Endlos-Kinderserie daher, denn je, setzt vor das Opening, welches ohne große Kreativität alle Hauptprotagonisten und –antagonisten durchrattert, sogar noch eine vom den VAs eingesprochenen Abriss, worum es in der Serie allgemein geht mit kleiner Anheizer-Aussicht auf das, was in der eigentlichen Folge abgehen wird.

Dazu kommt ab Episode 99 auch noch ein neuer Animationsstil, denn statt handgezeichneter Cels wird nun auch die Hauptserie am Computer animiert, was für das Opening und Ending bereits eine Weile Standard ist. Das führt dazu, dass die Folgen, in die mehr Arbeit geflossen sind, so flüssig animiert daherkommen, wie noch keine zuvor, aber diejenigen, die spartanischer daherkommen, umso billiger wirken. Denn jetzt schaut das Bild halt einfach Detailarmer und von der Farbgebung viel heller aus. Was den Touch der Kinderserie auch unterstreichen kann.

Allgemein wirkt es alles jetzt so ein wenig, als ginge man durch die Standardbewegungen einer Kampf-Serie. In den einzelnen Auseinandersetzungen bekommt nun fast immer jedes einzelne Mitglied unserer Truppe etwas zu tun, selbst Shippo darf sein Fuchsfeuer etc. häufiger einsetzen. Und nachdem es wohl doch jemandem aufgefallen ist, dass mit Naraku aus dem Sichtfeld die Monster des Tages auf Dauer etwas wenig her machen, wird mit der Band of Seven eine Gruppe exzentrischer Antagonisten hergezaubert. Die voll bedrohlich wirken sollen und natürlich vom Charakterdesign wie Wesensart extrem unterschiedlich daherkommen. Die Romanze zwischen Inuyasha und Kagome liegt auf Eis, Kagomes Dialoge wird mehr und mehr zum ewigen Wiederholen von Inuyashas Namen, und auch zwischen Sango und Miroku geschieht nicht viel, wird sich mehr auf dessen lüsterne Gags bezogen.

Dass die deutsche Ausgabe ausgerechnet bei Episode 104 auslief, die nicht nur auf einem Cliffhanger endet, sondern auch noch, nachdem die Band of Seven gerade eingeführt werden, ist natürlich etwas unglücklich gewesen. Aber vielleicht auch nicht ganz von Irgendwo kommend. Ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass die Einschaltquoten echt gelitten haben, denn ohne Naraku fehlt wirklich etwas in der Serie, und es ist auch keine schnelle Besserung in Aussicht. Stattdessen fighten sich in Einzelschauplätzen nebeneinander Versatzstücke unserer Truppe, der immer handzahmer werdende Sesshomaru, oder Koga mit jeweils einigen der Band of Seven in und um den heiligen Berg Hakurei. Teilweise aufgepowert durch die Splitter des Heiligen Juwels, von denen man fast hätte vergessen können, dass die ursprüngliche Prämisse mal deren Einsammeln gewesen war. Selbst Kikyo zieht es bis zum Berg und darf sie den einen oder anderen Pfeil ins Getümmel schießen. Tatsächlich war ihre Reise um dem Dieb die letzte Ruhe zu gewähren, ein gutes Kontrastprogramm zur doch etwas lauwarm gewordenen Hautpstory der Episoden.

Letztendlich dauert es bis Folge 123, bis Naraku neu erstarkt die Bühne betritt. Und was für ein Wiederkommen es ist. Es gibt einen neuen Look für den Schönling. Neue Mysterien darum, was er mit Kagura fortgeschickt hat, und was mit Onigumos menschlichem Herz geworden ist, welches bisher seine einzige Schwäche war. Und mit dem Ausscheiden von Kikyo kommt es zu einem richtigen Game Changer und dem Zwang von Inuyasha und Kagome doch wieder über ihre Beziehung reden zu müssen, mit einer nicht zu verpassenden Post-Credit-Szene nach dem Ending in Episode 126, die mehr emotionales Gewicht darbietet, als alle vorangegangenen Episode zusammen – und die auch viel besser gezeichnet und animiert wurde! Nicht zu vergessen, dass plötzlich die Splitter doch wieder wichtig sind, denn Naraku steht kurz vor der Vollendung des Juwels.

Bleibt zu hoffen, dass die kommenden 40 Folgen auf Spur bleiben, denn so kann es gern weitergehen. Man merkt halt gerade retrospektiv stark, dass sich die Serie ohne Naraku tatsächlich eher schlecht denn recht über Wasser gehalten bekommen hatte. Das müsste gar nicht sein, denn kreative Monster des Tages aus japanischer Mythologie einzustreuen würde sicherlich funktionieren. Hätte dann aber eventuell in Maßen statt in Massen geschehen sollen, und so wirklich ein interessanter Yokai wie die Haardämonin zu Serienbeginn war auch nicht mehr gerade dabei. Die Band of Seven fand ich eh eher lachhaft.

InuYasha III

Der dritte Block an InuYasha-Episoden spannt die Nummer 65 bis 95, die angeführt sind von erneut eher als durchschnittlich zu betrachtendem Song Owarinai Yume, oder auch Endloser Traum, was ein ziemlich passender Name für eine hunderte Folgen zählende Anime-Serie ist, die auf einem Manga von über 50 Bänden basiert.

Hier sind wir auch an dem Moment angekommen, wo InuYasha sich wirklich auf die Langstrecke einstellt und in Endlos-Serien-Modus wechselt. Allerdings noch nicht sofort, sondern zunächst ist Naraku als Hauptbösewicht dran etwas näher beleuchtet zu werden. Oder genauer gesagt, dass er als Halbdämon natürlich auch eine Zeit der Schwäche haben muss. Was sicherlich eine nette Idee wäre, unserer Truppe ein Mysterium aufzugeben, herauszufinden, wann denn die beste Zeit ist, ihn anzugreifen. Ist leider nicht so, denn Naraku kann scheinbar selbst bestimmen, wann jene Zeit ansteht, und eigentlich nutzt er sie auch nur, um zu schwache Dämonen, die ihn ausmachen, zu verbannen, damit seine Macht beständig steigt. Statt dem Bösewicht also eine wirkliche Schwäche zu geben, hat man sich stattdessen dazu entschieden, ihn progressiv stärker werden zu lassen. Zumal er den Teil, der so auf Kikyo fixiert ist, auch noch beinahe losgeworden wäre, was ihm fast wirklich die letzte Schwäche genommen hätte.

Genutzt wird das, damit auch Inuyasha ein Upgrade erfahren darf. Denn da sich Naraku gern unter seiner Barriere vor den Augen und Nasen seiner Feinde versteckt, bekommt das Tessaiga eine Aufstufung, wird seine Klinge rot, kann es nun durch alle möglichen Barrieren schneiden. Praktisch das, sicherlich, und in einem Kampf, in dem sowohl Inuyasha als auch Sesshomaru gegen Naraku antreten, wird Naraku sogar fast besiegt!

Das führt allerdings nur dazu, dass in den frühen 70er-Folgen Naraku aus der Serie verschwindet, um seine Wunden zu lecken.

Wir landen also nun offiziell in der Zeitschinden-Episoden-Anhäufung. In denen eben mehr oder weniger jede Folge ein neues kleines Übel von der Truppe besiegt werden muss. Natürlich alles nur auf der Spur von Naraku, die erwähnt werden muss, damit der Zuschauer beständig darauf bauen kann, es könnte eventuell doch jederzeit wieder weitergehen. Da es ein großes Geheimnis bleiben soll, wohin Naraku verschwunden ist, bekommen wir auch nicht mal Szenen mit ihm geschenkt, sondern er ist quasi wirklich komplett aus der Serie rausgefallen. Dafür gibt es jetzt am Anfang der Episoden häufiger eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Haupthandlung, damit man sie nicht vergisst – gern von einem der Charaktere, um die sich die jeweilige Folge drehen wird.

Denn immerhin werden die Folgen zumindest dafür genutzt uns mehr oder weniger interessante Hintergründe zu vermitteln. So gibt es zum Beispiel eine, die aufzeigt, wie Jaken zum Gefolge von Sesshomaru wurde, oder warum genau Sesshomaru von Inuyasha so enttäuscht ist. Der dämonische Schönling wird sowieso beständig sympathischer porträtiert, und die Kabbeleien mit Inuyasha wirken nun häufig mehr wie Geschwisterzwist statt Auseinandersetzungen auf Leben und Tod. Zusätzlich gibt es einen Rückblick in das Leben des Diebes, der zu Naraku werden sollte, und wie er zum Brandopfer wurde, welches Kikyo gepflegt hat. Genau wie wer das Heilige Juwel ursprünglich erschaffen hat und das es sowohl gleichermaßen gute wie böse Kräfte in sich vereint, deswegen je nach Besitzer in eine der beiden Richtungen kippt. Die den Episoden-Block endende Doppel-Episode ist sogar eine um einen Halbdämonen, der falsche Juwelen herstellt.

Da die Gefahr nicht mehr so akut ist, gibt es nun auch mehr Folgen, in denen Kagome zurück in ihre Zeit wechseln kann. Das hat die Serie sowieso nie so ganz vergessen gehabt, sondern lässt sie immer mal wieder ihre Familie besuchen, und dies sind immer ganz nette Momente, um sie als Charakter besser zu erden. Meist haben die Hauptcharaktere in diesen Geschichte, in denen sie in eine Fantasywelt gezogen werden, ja keinen Weg mehr zurück, da man so die Frage umgeht, warum sie sich weiterhin der Gefahr aussetzen, statt einfach wieder zurückzureisen. Bei Kagome, als einzige der Truppe, die die Juwelensplitter aufspüren kann, als Wiedergeburt von Kikyo, mit Interesse an Inuyasha, und als allgemein verlässlicher Mensch, ist allerdings klar, warum sie ihre neuen Freunde nicht im Stich lassen würde. Auch wenn das Sammeln von Splittern mittlerweile echt irgendwo ziemlich nebensächlich geworden ist.

InuYasha II

Weiter im Programm InuYasha, diesmal mit den Folgen 35 bis 64, die vom durch und durch durchschnittlichen Opening-Song I am angeführt werden. Die Ending Themes sind übrigens in der Regel besser, nur mal so am Rande angemerkt.

Beim letzten Mal verblieben wir ja mit einem Cliffhanger, als Inuyasha und Halbbruder Sesshomaru im Kampf miteinander verwickelt waren, aber wie sich herausstellt war das absolut unnötig. Die Serie macht es nur gern häufig so, dass obwohl wir keinen Zweiteiler vor uns haben, besonders wichtige Kämpfe erst direkt zum Anfang der nächsten Folge abgeschlossen sind. Damit man auch die nächste Woche unbedingt einschaltet. Wenn man natürlich nicht an einen solchen Ausstrahlungsrhythmus gebunden ist, sondern die zügiger hintereinander weg schaut, kommt einem das immer etwas schal vor, einen so gehypten Kampf in den ersten zwei Minuten schnell beendet zu sehen und dann geht die eigentliche Folge um was ganz anderes.

Die Serie hat dabei nun voll das Potential von charismatischen und erinnerungswürdigen Bösewichtern für sich entdeckt. Allen voran eben Sesshormaru, der in Folge 35 von einem kleinen Mädchen gepflegt wird, dessen Dorf von einer Bande Wölfe gemeuchelt wird, woraufhin er sie als neue Begleiterin mit sich nimmt. Der Schönling ist also doch gar nicht so schlimm. Naraku wird nicht sympathischer gemacht, hat aber dafür ebenfalls nun zwei beständige Begleiter in Kagura und Kanna, zwei Mädels, die er aus sich selbst gemacht hat. Eine davon beherrscht die Winde und die andere kann Seelen in ihrem Spiegel einschließen. Beide sehr interessante Designs. Und gleichzeitig öffnet die Möglichkeit, dass Naraku nun Abkömmlinge von sich schaffen kann, sowohl Monster des Tages zum Besiegen zu haben, die jedoch gleichzeitig wichtiger gehyped werden können, weil sie von unserem Hauptbösewicht selbst stammen. Die beiden unberechenbaren und selbst von Naraku nicht komplett kontrollierten Brüder Kageromaru und Juromaru waren auch ein sehr erinnerungswürdiger Kampf.

Ein bisschen merkwürdig ist dabei der Status von Koga, dem Anführer eines Rudels von Wolfsdämonen, der mit Episode 35 als wiederkehrender Nebencharakter eingeführt wird. Wer etwas im obigen Paragraph aufgepasst hat, wird sich bereits zusammenreimen können, dass sein Rudel das komplette Dorf an Menschen reißt, unter direktem Befehl von Koga. Nach dieser Folge und dem ersten Kampf gegen ihn unternimmt die Serie aber ihr Möglichstes, um komplett zu vergessen, dass dies je geschehen ist. Stattdessen wird aus Koga ein Quasi-Verbündeter, der aus seiner Liebe zu Kogame immer mal wieder aushilft, und sich humorig mit Inuyasha streiten darf. Fast ein wenig, als wäre er ursprünglich als ein Kurzauftritt eines Antagonisten geplant gewesen, sein Design aber dann populär genug gewesen, um ihn weiterverwenden zu wollen.

Ein weiteres aufkommendes Thema im hiesigen Episodenblock sind übrigens Inuyashas Kräfte. Und unter welchen Restriktionen sie stehen. Diese sind nämlich in Shows immer sehr wichtig, da man nämlich zwar einen Notnagel haben will, um Charaktere auch aus den prekärsten Situationen zu mogeln, aber gleichzeitig erklären muss, warum sie jene Superkräfte ab nun nicht ständig nutzen. Mirokus Windtunnel ist da ein gutes Beispiel einer Kraft, die eigentlich so stark ist, dass sie jegliche Spannung aus einer Serie ziehen könnte, aber sofort abgesteckt wird, dass ihr Einsatz für ihn Selbstzerstörerisch ist, und Narakus Giftinsekten ihn unschädlich machen. Bei Inuyasha haben wir ja schon gewusst, dass er regelmäßig eine Nacht hat, in der er als Halbdämon menschlich wird und nicht mehr auf seine dämonischen Kräfte zählen kann. Nun finden wir aber auch das Gegenteil heraus, denn wenn er zu sehr in die Enge getrieben wird, übernehmen jene und er wird zu einer besonders mächtigen, da nicht an die Konsequenzen denkenden, animalischen Bestie. Es ist sein Schwert Tessaiga, welches diesen Wandel versiegelt, und zudem frisst der Einsatz jener Mächte an seiner Seele. Gleichzeitig bekommt das Erbstück seines Vater auch ein Power-Upgrade, denn neben der Windnarbe kann er mit dem Tessaiga nun auch die Umkehrwelle, die aber nur funktioniert, wenn der Gegner stark genug ist, um dessen Kraft überhaupt zurückstoßen zu können. Neue Kräfte und Techniken sind immer ganz gut, um so lange Serien frisch zu halten, und bisher war InuYasha ganz gut darin, es nicht mit deren Aufkommen zu übertreiben.

Dank der neuen Möglichkeit, dass seine dämonische Seite ihn übernimmt, bekommt Inuyasha natürlich auch ein wenig Zündstoff für die ernsteren Momente, in denen nicht gekämpft oder gespaßt wird. Immerhin will er nicht wie andere Dämonen sein und unkontrolliert morden, ganz zu schweigen davon Kagome in Gefahr zu bringen. Die noch sein Anker zur Realität ist. Gleichzeitig ist aber auch eine der herausstechenden Folgen diejenige, in der er mal wieder auf Kikyo trifft, aber diesmal eine Entscheidung zu treffen wollen scheint. Sehr interessant, weil es alle drei Charaktere des Liebesdreiecks zu einer Entscheidung zwingt. Inuyasha scheint Kikyo dann doch wichtiger zu sein als Kagome, zumindest vorerst, nachdem er sie vor 50 Jahren nicht beschützen konnte. Kikyo hingegen, ihre neue Freiheit genießend, nachdem sie nicht mehr die Hüterin des Heiligen Juwels ist, will sich von niemandem abhängig machen. Und Kagome findet heraus, dass sie dennoch weiter mit Inuyasha reisen und im helfen will, selbst wenn der sich nicht für sie entscheiden würde.

Diesmal enden wir bei Episode 64 übrigens wesentlich runder, nachdem eine seit Episode 60 anhaltende Mini-Arc um Tsubaki abgeschlossen ist. Die dunkle Priesterin, deren Verlangen nach dem Heiligen Juwel und Hass auf dessen Hüterin Kikyo sie zu einem Packt mit einem Dämon verleitet hat, und die versucht Inuyasha und Kagome so gegeneinander auszuspielen, wie Naraku es damals mit ihm und Kikyo gemacht hat.

InuYasha I

Es wird also tatsächlich geschehen, knapp 200 Folgen Inuyasha und 4 Filme werden beschaut. Weil es irgendwie schon ganz angenehm ist, so eine Folge pro Tag zu schauen, als kleine Konstante am Abend. Wobei sich natürlich direkt ein Problem offenbart: Wie unterteilen? Die Handlung ist ein Durchgang ohne voneinander abgegrenzte Arcs. Staffeln gibt es in dem Sinne anscheinend auch nicht. Die ursprünglichen 167 Folgen liefen in Japan an einem Band ohne Unterbrechung. Und jede „Staffel“-Box unterteil anders. HK-Raukopien in 18 Folgen, die US-Boxen in 27, und Deutschland hatte damals die 104 hier erschienenen Folgen als zwei Staffeln a 52 Folgen angepriesen.

Ich hingegen gehe einfach mal ganz ungleichmäßig nach Openings, von denen die Serie 6 gesehen hat. Der erste Bulk sind also die Folgen 1 bis 34, denen das schreckliche Change the World voransteht. Und an sich auch nicht wirklich gut abgetrennt, denn Folge 34 ist dann tatsächlich sogar der erste Part eines Zweiteilers, endet also auf einen Cliffhanger.

Vor Inuyasha haben sich die bekannten und lang laufenden Geschichten von Rumiko Takahashi ja dadurch ausgezeichnet, dass sie Love Comedys waren, mit mehr oder weniger abgedrehten Grundideen. Sie hat allerdings auch so einige kürzere Geschichten gezeichnet, in denen sie durchaus gerne Mal dem reinen Horror-Genre frönt, hiervon ist die etwas längere Mermaid Saga noch ganz bekannt. In Inuyasha scheint sie sich vorgenommen zu haben die beiden Vorlieben miteinander zu vermischen. So haben wir es hier zum einen mit einer sehr humorigen Serie und Liebeswirrwar zu tun, aber es gibt auch mehr ernste Momente und reichlich Monster zu erlegen.

Grundsätzlich befinden wir uns im feudalen Japan. Allerdings gehört Hauptcharakterin Kagome hier nicht hin, sondern wohnt in unserer Zeit mit ihrer Familie in einem Schrein, fällt eines Tages in den verwunschenen Brunnen hinterm Haus, und reist so zurück in jene Zeit. Dort trifft sie auf den Halbdämonen Inuyasha, den sie aus der Versiegelung von einem Baum befreit, damit er sie vor einem Dämonen retten kann. Kagome sieht dabei genau aus wie die Priesterin Kikyo, die Inuyasha vor 50 Jahren an den Baum gefesselt hat, obwohl sich davor eigentlich eine Liebe zwischen den beiden angebahnt hatte. Kagome scheint die Wiedergeburt deren Seele zu sein, denn sie kann auch das mächtige Heilige Juwel aufspüren, hinter dem alle Dämonen her sind, um besonders mächtig zu werden. Darunter auch Inuyasha, um zum vollwertigen Dämonen zu werden. Dummerweise zerbricht das Artefakt allerdings im Kampf und die Splitter verstreuen sich übers Land.

Und schon hat Rumiko Takahashi eine Ausrede gefunden, um die Serie so lang laufen zu lassen, wie sie lustig ist. Denn ob es nun ein paar Dutzend oder ein paar Hundert Splitter sind, die eingesammelt werden müssen, ist natürlich nicht bekannt und selbst bereits gefundenen können ja jederzeit wieder den beiden enteignet werden.

Die ersten knapp drei Dutzend Folgen führen dann schon so ziemlich alle wichtigen Charaktere und alle Handlungsstränge ein. Beispielsweise kommt in Episode 5 Sesshomaru dazu, der komplett dämonische Bruder von Inuyasha, der ihn überhaupt nicht ab kann, und das mächtige Schwert des Vaters abnehmen möchte. Der Verwandlungskünstler-Fuchsdämon Shippo aus Episode 9 hingegen wird eher zum Sidekick-Charakter, der für den Humor zuständig ist. Ab Episode 14 erwacht Kikyo wieder zum Leben und darf ab nun die Handlung ordentlich verkomplizieren, da der aufkeimenden Zankliebe zwischen Kagome und Inuyasha nun seine alte Flamme in die Quere kommt und sie befreit von ihrem hehren Priesterinnen-Dasein auch ein wesentlich undurchsichtigerer Charakter wird, bei der nicht klar ist, auf welcher Seite sie nun steht. Der lüsterne Priester Miroku kommt in Episode 16 hinzu, und sucht die Juwelensplitter, weil sie ihn zum Erzfeind Naraku, der die Familie mit einem Fluch belegt hat, führen werden. Naraku ist im Prinzip ab Episode 18 dabei, so richtig wichtig wird er aber erst ab Episode 21, welche auch ein neues Ending Theme mit sich bringt. Er ist nämlich für die Geschichte besonders integral, da er es war, der vor 50 Jahren Inuyasha und Kikyo ausgetrickst hat sich gegenseitig zu bekämpfen, um an das Heilige Juwel zu kommen. Und in Episode 24 stößt dann letztendlich noch Sango zur Truppe, eine Dämonenjägerin, deren ganzes Dorf von Naraku zerstört wurde und der ihren wiederbelebten Bruder als Trumpfkarte bei sich behält.

Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, wie narrativ zusammenhängend Inuyasha dann doch ist. Irgendwie hatte ich mehr damit gerechnet, dass die Sache ziemlich episodisch vonstatten geht und Dämonen des Tages sich mit der Truppe einen Kampf um die Juwelensplitter leisten, während die Haupthandlung nur hin und wieder kurz angerissen wird, damit man die Lust nicht verliert. Es gibt zwar auch von sich unabhängige solche Exkurse, beispielsweise der Kampf gegen die hübsche Schädeldiebin Yura oder die ungleichen Brüder Hiten und Manten, die aus Japans Yokai-Folklore schöpfen, doch viel zumindest des Beginns von Inuyasha geht doch von aufs Wesentliche ein. Wie gesagt dauert es nicht lange, bis mit Sesshomaru die Familienverhältnisse von Inuyasha ins Licht gerückt werden, oder mit Kikyo die Vergangenheit zurückkommt um alles zu verkomplizieren, oder bis Naraku seinen ersten Auftritt hat und sowohl die Ereignisse von vor 50 Jahren in einem neuen Licht erscheinen, sondern der auch mit seiner eigenen extremen Entstehungsgeschichte daher kommt und über den Kikyo in Folge 33 sogar fallen lässt, dass er deswegen selbst nur ein Halbdämon ist.

Dass die Serie auf einen langen Zeitrahmen hinspielt, ist allerdings dennoch schon ersichtlich. So beeindruckend und Respekteinflößend sowohl Sesshomaru als auch Naraku als Gegner sein können, so klingen viele Folgen mit ihnen etwas unausgegoren aus, da sie sich immer noch mal wieder erneut zurückziehen müssen, damit der Ball im Rollen bleibt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere doch etwas arg an Ranma 1/2 erinnern. Sowohl die Hassliebe-Dynamik zwischen Inuyasha und Kagome ist ziemlich Ranma vs Akane und der feig-lüsterne Myoga ist praktisch schlichtweg Happosai. Witzigerweise sind selbst die Synchronsprecher von Inuyasha und Ranma sowie Kikyo und Akane die gleichen.

Doch bisher bleibt die Serie ziemlich gefällig. Wenn auch bekannt erscheinend, so sind die Charaktere sympathisch und unterhaltsam. Der Humor hat ein sehr gutes Timing, aber statt nur abgedrehtes Zeug zu liefern bemüht sich die Serie sowohl dramatische und spannende Momente einfließen zu lassen, immer wieder auf die Handlung und das Wesentliche zurückzuschwenken. Mit reichlich Möglichkeiten in den folgenden Folgen, um die diversen Charakterbeziehungen und -hintergründe noch zu ent- oder verwirren, denn für genug Zündstoff ist in dem Geflecht gesorgt.

Doctor Who: Series Ten

Es ist soweit. Nachdem Doctor Who das Jahr 2016 ausgesetzt hatte, lief letztes Jahr dann die zehnte Staffel. New Who ist also im zweistelligen Bereich angekommen. Was allerdings natürlich viel monumentaler war, ist das dies auch die letzte Staffel mit Peter Capaldi als Doctor Twelve ist, womit uns abgesehen von Christopher Ecclestons Nine alle Neu-Doktoren nach je drei Staffeln verlassen haben. Und noch viel wichtiger ist, dass Steven Moffat, der in 2010 mit der fünften Staffel die Nachfolge von Russell T. Davies antrat, als Show Runner abdankt.

Ganz wurde das Jahr 2016 dann allerdings doch nicht ausgelassen, sondern es lief mit The Return of Doctor Mysterio das obligatorische Weihnachts-Special übers britische TV. Als netter Touch verabschiedet sich der Doctor für 24 Jahre von der Welt, um seine River Song nach dem letzten Weihnachts-Special zu betrauern, hinterlässt aber durch ein dummes Versehen einen Superhelden. Schon kurios, dass es Moffat scheinbar bis 2016 brauchte, um auf den Superhelden-Zug aufzuspringen und seine eigene Low-Budget-Version zu erschaffen. Abgesehen davon hat das Ding mal wieder absolut keinen Bezug zu Weihnachten, spielt nur beiläufig zu Beginn an jenem Tag.

Dennoch ist es eines meiner beliebteren Weihnachts-Specials. Die kleine Romanze zwischen dem Zufalls-Superhelden respektive Nanny und seiner Auftraggeberin respektive Schwarms ist so vorhersehbar wie sie niedlich ist. Dinge wie das die Reporterin dieses Quietschspielzeug als Verhörmethode einsetzt sind süß. Little Britains Matt Lucas ist als Companion zurück und super unterhaltsam und schräg. Selbst der Plan der Aliens in dieser Storyline ist nicht total blöde! Es gibt vieles, was man am Special mögen kann. Der einzige Nachteil des Einstünders war für mich, dass die Geschichte nicht sonderlich Doctor Who war und der Doctor an sich eher deplatziert wirkte.

Mit The Pilot beginnt die 2017er-Staffel also richtig und gleich ist viel anders. Der Doctor ist jetzt beispielsweise Professor an einer Uni und hat ein Bild von River Song und der Nichte des ersten Doctors auf seinem Tisch (und die Kamera geht sicher, dass wir das auch sehen, statt als Easter Egg für Aufmerksame am Bildrand zu haben). Außerdem scheint er jemandem versprochen zu haben keine Zeitreisen mehr zu unternehmen, damit er eine verschlossene Gruft bewachen kann. So wie ich Moffat kenne würde ich direkt darauf tippen, dass beides von enormer Wichtigkeit für den roten Faden der Staffel ist, aufgelöst wie und warum allerdings erst eher auf lahme Art und Weise gegen Staffelende erfolgt.

Aber über typische Moffat-ismen will ich mich noch nicht beschweren, bevor sie zum Tragen gekommen sind. Und am Rest der Folge gibt es wieder einiges zu mögen. Die eigentliche Alien-Handlung ist nicht sonderlich berauschend und viel darin will für mich nicht so recht Sinn ergeben, aber sie dient sowieso mehr als Bühne zur Einführung der Charakter-Dynamik. Denn wir bekommen mit Bill eine neue Companion, und da die lesbisch ist müssen wir auch nicht fürchten, dass sie sich in den Doctor verguckt, obwohl die das mit dem alten Sack Capaldi genauer betrachtet eh nicht machen. Aber ihre verplante Art ist super gefällig, es ist witzig zuzusehen wie lang sie braucht, um die üblichen Tardis-Sachen zusammenzuzählen oder das sie „Doctor… What?“ statt wie übliche „…Who?“ sagt, sowie total bodenständige Parallelen zu all dem schrägen Zeit-Raum-Reisen zu finden, die den Doctor leicht anpissen. Dazu noch der mittlerweile etwas zickig gewordene Matt Lucas. Was für eine frische und quirlige Charakterdynamik zwischen den Dreien doch besteht. Das hat mir echt gefehlt.

Da der Doctor theoretisch nur versprochen hat, die Erde nicht zu verlassen, nutzt er natürlich prompt die neue Companion als Ausrede, um zumindest durch die Zeit reisen zu können. In Smile landen sie in der Zukunft, in der Roboter über Emoji mit den Kolonisten kommunizieren, deren Gefühle über eine Plakette ausgelesen wird. Und da sie dazu erschaffen wurden, die Menschheit glücklich zu machen, jedoch gerade negative Emotionen umgehen, gerät was schief und sie beginnen jeden umzubringen, der nicht lächelt.

Die Episode ist ein gutes Konzept, das leider nicht ganz so gut umgesetzt ist. Die Ausgangssituation ist echt interessant, jedoch hatte ich das Gefühl es hätte besser eine simplere Geschichte von halber Spielzeit abgegeben, denn in der zweiten Hälfte der Folge verliert sie sich so etwas. Mit den Bezügen zum Kolonie-Imperialismus mit den Robotern als neue Rasse, mit der koexistiert werden muss. Abgesehen davon ist es eh merkwürdig das die Plaketten, die ja eigentlich dazu da sind, die Emotionen zu visualisieren, durch falsches Lächeln ausgetrickst werden können. Dann braucht es derer nämlich nicht, wenn sie eh nur die äußere Fassade statt das Innenleben spiegeln.

In Thin Ice geht es dann ins London im Jahre 1814 zur dortigen Eis-Messe, da in jenem Jahr die Themse so stark zugefroren war, dass sich die Leute ein Spektakel daraus machen, darauf einen Rummel zu halten. Dummerweise gibt es Anglerfische unterm Eis, die Leute einbrechen lassen, sowie wartet ein Riesen-Monster-Fisch angekettet nur auf seinen Zug. Erneut ein ganz netter Einfall, so in seiner simplen Kürze wiedergegeben, der leider in eine Folge endet, an der ich nicht alles mögen konnte.

Mein größtes Problem ist, dass es mal wieder zum üblichen Gesang und Tanz kommt, wenn ein neuer Companion zum Doctor stößt. Und zwar lässt der einen Jungen einfach sterben, was Bill ganz scheiße findet, der Doctor aber damit rationalisiert, dass er nur so größeres Gutes in Form der Rettung von mehr anderen Menschen tun kann. Ein wenig inhuman für unseren menschlichen Companion, jedoch nachvollziehbar für ein tausende Jahre altes rationales Alien. Leider viel zu früh in den Reisen mit einer neuen Companion, und letztendlich kann sich die Serie erneut nicht verkneifen, den Doctor wenige Szenen später gleich wieder menschlicher und besser darstellen zu wollen. Wenn der Bösewicht der Episode, der die Leute an den Fisch verfüttern will, weil der dann besonders tolle Ressourcen auskackt, noch weniger Bedeutung einem Menschenleben zuordnet (und das passt in die Zeit der industriellen Revolution), der Doctor jedoch eine hehre Ansprache halten darf, dass wahrer Fortschritt nicht an wirtschaftlicher Leistung gemessen wird, sondern wie viel Wert einem einzelnen Menschenleben zukommt.

Und dann haben wir am Ende auch noch die gleiche dämliche Sache, die wir bereits mit Clara und dem Monddrachen und mit Amy und dem Weltraumwal hatten. Der Doctor überlässt nämlich Bill die schwere Entscheidung, ob der Fisch freigelassen wird, was Menschenleben riskieren könnte, weil er angeblich nur Entscheidungen ausführt. Der Heuchler, als ob er je auf die Ansagen anderer hören statt sein eigenes Ding drehen würde. Ansonsten war es eine brauchbare Episode, aber wie der Doctor hier mal wieder inkonsequent behandelt wird, war erbärmlich.

Bei Knock Knock bekomme ich so ein wenig das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Bill war eine Küchenhilfe an der Uni, die nur gerne in den Lesungen des Doctors abgehangen ist und zu seinem privaten Protegé wurde. Und hat schon mit jemandem zusammengelebt. Hier in der Folge ist sie plötzlich vollwertige Studentin und hat 5 Mitstudenten-Freunde, und alle zusammen sind auf der Suche nach einem Haus, um eine gemeinsame WG zu gründen. Ist dieser plötzliche Bruch nur da, um eine Ausrede für die Folge zu haben? Ist nicht so, dass Bill anschließend mit anderen Studenten abhängt, wir sie in Vorlesungen sehen würden, oder sie eine eigene Bude hätte.

Die Story an sich ist Horror, denn sie finden ein verdächtig weiträumiges Haus für einen verdächtig niedrigen Preis, bei dem keiner von den Sechs wirklich Verdacht schöpft. Aber nein, es gibt Menschenfressende Käfer in den Wänden und ein Familiengeheimnis des Vermieters. Viel Klopfen auf Holz, viele zuschlagende Türen, viele Lichtblitze. Wenig Inhalt. Ich mein es ist schon Ok, und der wiederholte Gag, dass der Doctor für Bills Großvater gehalten wird, obwohl er sich für viel zu jung dafür hält, ist ganz niedlich. Aber wie bei den vorigen Folgen kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, als wären 45 Minuten einfach zu lang für die simple Prämisse und das gezogene Endresultat dadurch in der Substanz geschwächt.

Oxygen ist eine weitere Horror-inspirierte Episode, in der mal wieder einem Notsignal gefolgt in einer scheinbar verlassenen Raumstation gelandet wird. Vom Haunted House also in SciFi-Äquivalent dessen. Stellt sich heraus in dieser Zukunft kostet Sauerstoff Geld, und sobald die Arbeiter von ihrer Leistung her nicht produktiver sind, als die Kosten sie mit Sauerstoff zu versorgen, wird ihnen das einfach ausgestellt und sie werden zu wandelnden Leichen. Die Zukunft, in der selbst die Luft zum Atmen einem in Rechnung gestellt wird, ist natürlich immer eine sehr dystopische Vorstellung, aber wenn man mal darüber nachdenkt, gar nicht so weit hergeholt. Wenn etwas zu einem endlichen Gut wird, kostet es auch was. Ohne Wasser oder Nahrung können wir genauso wenig überleben, aber dennoch zahlen wir im Supermarkt dafür. Interessanterweise macht die Folge, um den simplen Grundgedanken diesmal tatsächlich halbwegs gut auf Länge zu hinterfüttern, was daraus. Eben mit den Untertönen des Kapitalismus maximiert ohne dabei Rücksicht auf menschennahen Sozialismus zu geben. Ach ja, und der Doctor verliert sein Augenlicht, was ihn hier aber (noch) in keiner Weise im Weg steht.

Mit Extremis erreichen wir die Halbzeit der Staffel und die Folge ist so Moffat, wie eine Folge nur sein kann. Es gibt atmosphärische Szenerien in Bibliotheken und Schlössern, Charaktere tragen klassische Looks und Kutten, und die Geschichte ist geradezu am Überlaufen an Offenbarungen, die zu nur noch mehr Mysterien führen. Beispielsweise dürfen wir doch jetzt schon herausfinden, was in der Gruft eingeschlossen ist: Missy. Der Doctor sollte an ihrer Hinrichtung teilnehmen, hat aber alle so weit eingeschüchtert, bis er auferlegt bekam, tausend Jahre über sie in ihrem Gefängnis zu wachen. Auch wenn man sich schlecht vorstellen kann, was diese Zeit für den Doctor wirklich bedeutet, da er dies doch so einfach überbrücken oder Zwischenstopps einlegen kann, wie er lustig ist. Außerdem wäre die Szene als Ganzes stärker gewesen, statt den Rückblick in kleinen Stücken über die Folge zu verteilen, nur um das Mysterium etwas länger am Leben zu halten.

Die Folge entgleist sowieso zusehends. Alles beginnt damit, dass der Vatikan persönlich beim Doctor vorbei schaut, weil die ein super geheimes Buch in der Bibliothek gefunden haben, dass alle, die es lesen, dazu bringt sich umzubringen. Also soll der Doctor es sich ansehen, was natürlich etwas schwer ist, wo er doch gerade erblindet ist, dies aber keinem offenbaren will. Dass der Papst höchstpersönlich um seine Hilfe bittet ist natürlich etwas arg dämlich, aber insgesamt ist das Setup durchaus spannend. Doch dann stolpern die beiden Companions über einen Raum voller Portale in die wichtigsten Gebäude der Welt wie dem Weißen Haus oder Pentagon, und am Ende war alles nur eine simulierte Welt, in der Aliens die Eroberung der Welt planen wollen und der Sim-Doctor schickt von innerhalb der Matrix eine E-Mail an den echten Doctro in der richtigen Welt. Und irgendwo dazwischen schwappen mal wieder Moffats coole Ideen in nicht mehr ganz so befriedigende Resultate um.

In The Pyramid at the End of the World sind also jene Aliens, die in Extremis die Simulation gestartet haben, in der echten Welt aufgetaucht, um sie zu übernehmen. Nur sind sie plötzlich keine wirklichen Invasoren mehr, sondern wollen das wir die Erde freiwillig übergeben. Jedoch gebunden daran, dass es aus Liebe geschehen muss, nicht Furcht oder Strategie. Alles, während im Hintergrund die Uhr zum Weltuntergang tickt, wenn sie nicht helfend eingreifen. Und erneut ist die Idee an sich keine schlechte, eine Geschichte darüber, wie viele kleine Zufälle dazu führen können, dass irgendwann die Waagschale kippt und das Ende unwiderruflich ist.

Doch wenn das hier nicht mal ein Supergau an gekünstelten Gespinsten ist, damit es funktioniert. Die zwei Wissenschaftler müssen die dümmsten und unprofessionellsten Idioten sein, und es darf trotz der gefährlichen Experimente keinerlei Aufsicht oder Sicherheitsvorkehrungen geben, damit das hier alles geschehen kann. Und warum wird die Luft alle Stunde komplett in die Außenwelt gepumpt? In einem Labor, bei dem diese bei einem Fehlexperiment einfach kontaminiert werden kann? Und die Türsperre, die letztendlich den Plan des Doctors vereitelt, ist auch mal hirnrissig und nur so designt, damit sich dessen Blindheit endlich auszahlt und Bill dazu getrieben wird aus Liebe die Erde zu übergeben. Matt Lucas kann auch dem Doctor nicht helfen, weil der warum auch immer ihn aus dem Tardis aussteigen lässt, nur damit er kurz die giftige Luft einatmen kann, um dann ausgeknockt zu werden. Ne echt jetzt, dass Setup hier war mir zu hirnrissig und unglaubwürdig, selbst für Doctor Who.

Weiter geht die Handlung, auch wenn es offiziell kein Mehrteiler ist, in The Lie oft the Land, nachdem die Mönchskutten die Erde übernommen und die Geschichte überschrieben haben, als wären sie schon immer als leitende Hand der Menschheit vorhanden gewesen. Selbst der Doctor scheint mit ihnen zusammenzuarbeiten. Und was eine Folge der verpassen Möglichkeiten wir doch vor uns haben. Was wäre beispielsweise, wenn die Mönche tatsächlich die Erde besser und friedvoller regieren würden, als wir das können? Daraus eine Frage der Freiheit und Selbstbestimmung gegen objektiv höhere Sicherheit zu machen. Was wenn selbst wenn nicht alles besser wäre und die Mönche nicht komplett uneigennützig sind, hier dennoch die Frage abzuwägen wäre, welche Variante nun wirklich schlechter ist – eine Welt mit oder ohne sie? Was, wenn der Doctor wirklich davon überzeugt wäre, dass sie die Sache besser machen, und erst vom Gegenteil überzeugt werden müsste? Stattdessen agieren die Mönche wie die Gestapo, alle Menschen bekommen deprimierend uniforme Kleidung aufgezwungen, und das Bill scheinbar den Doc erschießt ist ein billiges Gimmick.

Immerhin ist Missy, die nun endlich als Charakter wieder so langsam dazu stoßen darf, ziemlich launig. Und da sie eigentlich ein Bösewicht, wenn auch eventuell ein läuternder, ist, darf sie auch die Pragmatikerin spielen. Diejenige, die einwürft das bei der Rechnung von Bills Leben versus der komplette Rest der Menschheit, der Tod von Bill gegebenenfalls das kleinere Übel ist. Und das der Doctor der Menschheit das wegen seinem persönlichen Bund zu seiner Compenion verweigert eigentlich pure Arroganz ist. Missy macht hier das, was die Serie dem Doctor immer wieder anhängen möchte, und dann doch wieder den Schwanz einzieht, weil sie zu viel Angst hat man könne ihn nicht mehr mögen. Siehe Thin Ice.

Bei Empress of Mars schauen der Doctor und seine Companions bei der NASA rein, die gerade unter der Eisschicht der Mars den Schriftzug „God save the queen“ entdecken. Daraus resultiert eine Reise in die Vergangenheit des roten Planeten, die sehr Jules Vernes ist, mit alten britischen Offizieren und den Ice Warriorn, die vielleicht böse sind aber dann doch nicht aber dann vielleicht doch und alles eskaliert aus hanebüchenen Gründen. Und am Ende waren der Doctor und Co. es, welche die Nachricht gelegt haben, von daher sind sie also nur bei der NASA vorbei gezoomt, um über ihren eigenen Witz zu lachen? Nicht wirklich eine Folge, mit der ich viel anfangen konnte. Weder das Setting noch der Stil liegen mir, und insgesamt ist es ziemlich konfus warum Dinge aus welchen Gründen jetzt noch mal genau geschehen.

Die nächste Folge mag The Eaters of Light heißen, aber wenn ich mich nicht vertan habe, gibt es hier nur einen Lichtfresser. Dessen Design sogar grundsätzlich ganz gut geraten ist, jedoch dadurch unterminiert wird, dass wenn am Ende ein Haufen Fast-Kinder gegen ihn kämpfen, das Vieh doch überraschend klein ist und viel zu einfach in Schach gehalten werden kann. Abgesehen davon würde die Geschichte ums Vergeben und Zusammenarbeit zwischen den schottischen Kids und den römischen Kindersoldaten besser funktionieren, wenn es eine echte Entwicklung dahin gäbe, oder einen entscheidenden Fixpunkt, der alles ins neue Licht rückt, statt das alle einfach irgendwann plötzlich miteinander arbeiten.

Ähnlich mit Missy, die nun wirklich echt ein Companion sein darf, aber irgendwie hätte man sich auch vorgestellt, dass es hier eine langsame Entwicklung hin gegeben hätte. Eine Charakter Arc, in der sie Sühne zeigt, in der sie das Vertrauen des Doctors wiedergewinnt, statt das der sie einfach plötzlich mitreisen lässt. Dass sie wie ein Schoßhund nach seiner Zuneigung bettelt, bekommt dem Charakter auch nicht gut. Dafür ist es ganz niedlich, wie überrascht Bill ist, dass die römischen Legionäre kein Problem damit haben, dass sie lesbisch ist, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass vorigen Zivilisationen ein Auf und Ab an progressivem Verhalten hatten, statt dass es zwangsläufig in allen Belangen archaischer wird.

World Enough and Time ist die erste Hälfte des Staffelfinales und startet direkt mal mit belanglosem Köder eines regenerierenden Doctors. Die nächsten zehn Minuten sind hingegen großartig, wenn Missy so tut als wäre sie der Doctor, voller schneller und blöder Sprüche, und mit 4th-Wall-Jokes in denen sie die Companions nach ihrer Rolle in der Geschichte benennt, oder das er sich wirklich Doctor Who nennen würde, und natürlich die fantastische Retour auf die Frage, ob sie ein Mensch wäre, mit „Now, don’t be a bitch“. Was ein Schwung und eine Freude dieser Charakter doch ist, genau was Doctor Who gefehlt hat.

Die eigentliche Hauptepisode dreht sich um ein Raumschiff, dass nahe eines schwarzen Lochs abhängt, und deswegen die Zeit an den beiden Enden unterschiedlich schnell läuft. Und Bill wird von den Bewohnern der unteren Stockwerke entführt und erwacht in einem Silent-Hill-Krankenhaus voller maskierter Patienten, die beständig nach Erlösung ihrer Pein rufen. Die ganze Welt an der unteren Seite ist durch die schneller laufende Zeit eine seit Generationen aufgebaute und schon wieder im Untergang befindliche Zivilisation, während am Kopf des Schiffes wenige Wochen vergangen sind. Und dann stellt sich raus, dass dies die Geburtsstunde der Cybermen ist und der Master hier untern crashlandete (als russischer Kerl mit bestem Unterhaltungswert maskiert) und Bill zu einem jener macht. Spannende Geheimnisse, tolle Offenbarungen. Eindeutig der Anfang einer Moffat-Geschichte, die Steilkurve nach oben vor dem Fall auf der anderen Seite.

Tja, The Doctor Falls endet also die Staffel, und ist nicht so sehr schlecht als weitestgehend für mich einfach etwas langweilig. Erneut erbärmlicher Bait zu Folgenbeginn, mit einer Cyber-Bill, die mit einem scheinbar toten Doctor auf Stockwerk 507 des Schiffes auftaucht. Und die überlangen 60 Minuten sind zum Großteil wirklich nur langgezogene Vorbereitung der dort lebenden Menschen, um sich gegen den baldigen Angriff durch die Cybermen des untersten Stockwerks zu rüsten. Und eine weitere Episode, in der der Doctor menschliches Leben über alles stellt, obwohl sie selbst nach ihrer Flucht auf höhere Stockwerke früher oder später den Cybermen zum Opfer fallen werden. Alles wirklich nur, damit der Doctor sich dramatisch wie dämlich opfern darf, nur dass er dann doch weiterleben darf. Bill und ihr Kampf damit, ein Cyberman zu sein, ist der Lichtpunkt der Folge, und selbst sie darf dramatisch sterben, nur damit sie es dann doch nicht ist, sondern mit dem Mädel aus Pilot in lesbischer Liebe durchs All geistern darf. Selbst Missy und der Master haben hier mit ihrem ständig vagen Verhalten auf welcher Seite sie nun stehen, wenig Unterhaltungswert.

Mit dem Ende der Staffel sind wir aber noch nicht am Ende von Doctor Who in 2017, denn Capaldi durfte die Titelrolle auch noch im kurz darauf ausgestrahlten Weihnachts-Special Twice Upon a Time verkörpern. Das Bild der Nichte zu Beginn der Staffel auf dem Tisch des Doctors? Handlungs-technisch komplett irrelevant, aber ein Hint, den Moffat bestimmt für clever angesehen hat, denn Doctor Twelve trifft in der Antarktis auf Doctor One. Verkörpert durch einen Schauspieler, der dem gar nicht mal so ähnlich sieht, wenn man die Frisur ändern würde. Dass beide Doctoren nicht regenerieren wollen bringt aus irgendwelchen Gründen die Zeit aus den Fugen, spuckt beide hier aus, genauso wie einen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Bis sich ein Computer einmischt, der eine Datenbank aus den Erinnerungen aller Toten ansammelt, allerdings nicht wegen eines fiesen Planes wie in einem früheren Staffelfinale, als Missy ein Kollektiv an Toten erstellt hat.

Ganz ehrlich gesagt hab ich die ganze Handlung nicht so ganz gecheckt. Warum all dies jetzt genau geschieht. Warum der Soldat aus dem Ersten Weltkrieg so wichtig ist. Vor allem warum er genau an seinen Todeszeitpunkt zurück muss, nur damit der Doctor das dann doch nicht tut, sondern ein paar Stunden später, damit er überleben kann, weil er Teil des Weihnachtswunders von 1914 wird. Bill und Nardole sind als Erinnerungen zurück, damit der Doctor sich dramatisch von den Companions verabschieden kann, was aber seltsam hohl wirkt, wenn er ständig behauptet sie wären nicht real. Selbst Clara, ein Charakter den keiner mehr leiden konnte, darf sich verabschieden. Keine River Song, keine Amy, keine Missy.

Dafür ist Doctor Twelve hier immerhin so unterhaltsam und schneidig, wie fast in keiner anderen Folge seiner Ära. Wahrscheinlich, weil er der witzig-überdrehte Charakter sein muss, der zum altbackenen One kontrastiert. Der übrigens sehr schlecht hier gehandhabt wird. Doctor One war schon ein wenig ein Arschloch, aber er war nie solch ein Relikt. Er bekommt eigentlich nichts die ganze Folge zu tun, sondern darf nur für „Ohoho, die 60er waren doch andere Zeiten“-Witze herhalten. Wenn er meint, dass Frauen keine Doktoren sondern nur Krankenschwestern sein können, oder das Bill doch mal den Tardis aufräumen sollte. One war nie ein altbackener Sexist, sondern reiste mit einer Lehrerin und seiner Nichte, die beide starke Persönlichkeiten waren. Das Ganze ist nur ein großer fehlgeleiteter Witz, wie weit wir doch gekommen sind, und natürlich weil der nächste Doctor tatsächlich mit Jodie Whittaker eine Frau sein wird. Abgesehen davon, dass es nicht passt, ist es auch schlichtweg nicht witzig.

So klingt sie also aus, die Ära von Peter Capaldi, die Zeit mit Doctor Twelve, und die Schirmherrschaft von Steven Moffat. Und immerhin ist Series Ten schon mal insgesamt besser gewesen, als die Staffel davor. Doch während ich einige Dinge in den Episoden durchaus mag, so kann ich mich dennoch nicht des Gefühls erwehren, dass sie im Endresultat häufig dennoch etwas lahm sind. Nicht so sehr, weil es an guten Ideen gemangelt hätte, sondern weil sie oftmals einfach unter Wert umgesetzt wurden.