Akage no An: Anne mit den roten Haaren

ava-2779Es ist mal wieder Zeit für ein wenig nostalgisches World Masterpiece Theater. Wobei ich damit meine, dass die Reihe an sich für mich viel Nostalgie beinhaltet, da viele deren Serien in meiner Kindheit liefen. Und irgendwo gleichen die sich optisch und erzählerisch ja schon. Zumindest was die Vibes angeht. Denn Anne mit den roten Haaren ist eine von denen, die nie im TV lief, als ich noch Kinderfernsehen geschaut habe. Von daher war sie mir gänzlich neu.

Ich glaube es ist auch eine der beliebtesten Shows im knapp 20-jährigen Reigen an jährlichen Kinderbuchadaption, welche das WMT von Mitte der 70er bis Mitte der 90er ausgemacht haben. In Japan ist die Geschichte auf jeden Fall sehr beliebt, und Anne eine der Figuren, die ich am Häufigsten in Fanarts sehe. Nicht zuletzt hat man sich zum 30-jährigen Jubiläum der Original-Serie zu einem Before Green Gables Prequel verleiten lassen, welches den WMT-Reboot der 2000er aber auch nicht retten konnte. Sogar einen Filmzusammenschnitt der ersten Episoden der 79er-Serie gab es in sage und schreibe 2010 noch.

Die Serie startet am Bahnhof auf den kanadischen Prince Edward Islands. Die rothaarige Anne ist ein Waisenkind, das seit 10 Jahren kein festes Zuhause gefunden hat. Sie macht das ganz realistisch daran fest, dass sie kein Junge ist, der bei der Arbeit helfen kann, und auch nicht hübsch ist, um als Tochter adoptiert zu werden. Doch ihre Sternstunde ist endlich gekommen. Hier am Bahnhof wartet sie darauf, von den Cuthberts aufgenommen zu werden.

Marilla und Matthew Cuthbert sind ein alterndes Geschwisterpaar, die auf der Farm Green Gables wohnen. Da sie nie geheiratet haben oder Kinder bekamen, wollen sie nun adoptieren… und zwar einen Jungen, damit der auf der Farm aushelfen kann. Dass ihnen Anne ausgewählt wurde ist lediglich ein Missverständnis. Und Anne natürlich umso trauriger, nachdem sie sich bereits in die idyllische Landschaft verliebt hat.

Doch natürlich behalten die Cuthberts sie letztendlich doch. So melodramatisch sie ist, so sehr sie tagträumt, so rot die Haare sind, oder was auch immer noch andere Eigenheiten Anne besitzt oder zu besitzen denkt. Und so macht sich ein neuer Wirbelwind von einem Mädchen auf Green Gables ihr zu Hause, um dort aufzuwachsen.

Die 50 Folgen spannen dabei tatsächlich eine geraume Zeit. Anne ist elf Jahre zu Beginn der Serie und wird über fünf Jahre hinweg in eine junge Dame heranwachsen. Aus dem stürmischen Kind voller Fantasie, die den Mund scheinbar nie halten kann, wird eine College-Studentin mit Hang zum Geschichtenerzählen. Sie und die Cuthberts werden zu einer richtigen Familie zusammenwachsen, zusammen durch harte Zeiten gehen, gemeinsam frohe Momente erleben. Anne wird neue Freunde finden, sich streiten, wieder versöhnen. Ein mehr oder weniger normales Leben führen eben.

Dieses Heranwachsen versinnbildlich die Serie auch sehr gut. Gerade als ich Anfing zu denken, dass Anne irgendwie etwas anders aussieht, wird auch erwähnt, dass bereits 2 Jahre vergangen sind. Anne ist nicht mehr elf, sie ist jetzt 13 Jahre alt. Natürlich ist sie etwas gewachsen, ihr Kopf wirkt nicht mehr so groß. Das find ich wirklich ein interessantes Detail. Bei langen TV-Serien ändern sich die Leute, die an einer individuellen Episode arbeiten, ja immer mal wieder. Von daher bin ich es voll und ganz gewohnt, dass Charaktere leicht fluktuierend gezeichnet werden. Doch bei Anne mit den roten Haaren wird schon sehr darauf geachtet, dass Anne sich gleich ist, nur nach und nach leichte optische Veränderungen einfließen, um ihr Altern zu unterstreichen.

Das ist auch etwas, was der Serie wichtig ist. In der Mitte der 30er Folgen ist sozusagen der Umbruch in der Serie. Davor haben wir Anne als Kind und ihre wilden Eskapaden. Danach kommt die junge Erwachsene Anne, die aufs College gehen wird, um Lehrerin zu werden. Und in jenen Episoden dazwischen werden die Charaktere richtig nostalgisch. Marilla und Matthew erinnern sich etwas reumütig an die Zeit, als Anne noch lebhafter und wilder war, und dass jene Tage rum sind. Anne und ihre beste Freundin Dianna haben ihre letzten gemeinsamen Schulferien und müssen realisieren, dass ihre Kindheit rum ist, dass sie erwachsen werden und gewisse einfache Kinderfreunden hinter sich gelassen haben. Das sind natürlich Dinge, die einem vor allem als erwachsener Zuschauer auffallen. Als jemand, der sich selbst gern mal an einfachere aber vergangene Kindertage erinnert.

Aber es zeigt eben auch, wie viel Herz und Herzlichkeit in der Serie steckt. Matthew und Marilla sind gute Menschen, die Anne nicht einfach wieder zurückgeben können. Und obwohl Anne und ihre Art nicht immer leicht sind, wächst deren übersprudelnde Fantasie und ihre scheinbar nie enden wollenden Geschichten den Cuthberts ans Herz. So sehr, dass sie es etwas vermissen, sobald deren Zeiten rum sind. Und dann geht die Serie eben noch 15 Folgen weiter, um unsere Anne auch auf ihrem weiteren Weg zur Erwachsenen zu begleiten. Weil das zum Leben dazugehört. Erwachsenwerden.

Ich persönlich empfand die Serie durch und durch als sehr angenehm. Vorher hatte ich etwas Angst, dass dem eventuell nicht so ist. Früher habe ich bereits schon einige WMT Serien geschaut oder wieder geschaut. Und so sehr ich sie als Kind liebte, als Erwachsener fand ich einige davon etwas überlang und die kindischen Charaktere leicht nervig. Das war bei Anne mit den roten Haaren aber nie der Fall. Isao Takahata, der hier für Buch und Regie verantwortlich war, hat einfach ein gutes Händchen für Charaktermomente. Man ist einfach von der offenen und eigenen Anne eingenommen, von ihren Fantasien, die ihr bescheidenes Leben verfeinern. Für die es ja auch gute Gründe gibt, im Waisenhaus muss man sich Dinge halt schönreden. Annes meist unbeschwerte Kindheit mitzuerleben und ihre Träume und Hoffnungen beim Aufwachsen Form finden zu sehen. Probleme gibt es natürlich auch, aber die meiste Zeit verbreitet die Serie einfach eine sehr wohlige Wärme. Die Länge kommt hier auch zur Entschläunigung zu Gute. Die komplette erste Folge ist lediglich davon eingenommen, dass Matthew die kleine Anne vom Bahnhof abholt und ihr gemeinsamer Weg zurück nach Green Gables. Auf dem Anne, dank der schönen Umgebung zu Tagtärumen beginnt. Nach 20 Minuten glaub ich es, wenn die Serie sagt, dass Annes Art Matthew ans Herz gewachsen ist, eben weil wir fast die ganze Folge mit der Kutschfahrt verbracht haben.

Tatsächlich eine der besten World Masterpiece Theater Serien, würde ich mal sagen. Ganz besonders, wenn man kein Kind mehr ist, sondern sie als Erwachsener erneut schaut.

Kamen Rider Kiva & The Demon Castle Movie

ava-2777Zeit für mehr Kamen Rider. Normalerweise schaue ich mir die Serien ja nicht an, weil 50 Folgen bei jährlicher Ausstrahlung doch etwas viel sind. Von daher weiche ich lieber für meinen Tokusatsu-Trash auf die Filmversionen aus, soweit jene zumindest ganz gut ohne Vorkenntnisse schaubar sind. Bei Kamen Rider Kiva hingegen ging ich jetzt doch durch alle 48 Folgen, weil es von der Thematik her interessant klang.

Die Serie ist in zwei Zeitlinien gesplittet. Zum einen gibt es natürlich die Gegenwart, beziehungsweise das damals gegenwärtige Jahr 2008, was mittlerweile auch schon 15 Jahre her ist. Wataru ist ein abgeschottet lebender Kerl, dessen großer Traum und bisher unerreichtes Ziel es ist, eine Violine zu bauen, die der von seinem Vater gemachten in Nichts nachsteht. Außerdem kämpft er als Kiva gegen die Fangire, welche Menschen ihre Lebenssäfte aussaugen. Gleichzeitig geht allerdings auch noch eine andere Organisation um, welche sowohl die Fangires als auch Kiva als ihre Gegner sehen, und welche den Ixa-Suit zur Verwandlung mit ähnlichen Kampfkräften haben.

Regelmäßig springen wir daneben zwanzig Jahre zurück in das Jahr 1986. Hier folgen wir sozusagen den Eltern aller aus dem aktuellen Zeitstrahl. Watarus Vater Otoya zum Beispiel. Sowie den Fangire-Jägerin Yuri, deren Mutter den Ixa-Suit hergestellt hat, welcher hier zum ersten Mal von der Organisation verwendet wird. Viele Fangire können allerdings entkommen und tauchen dann in Watarus Zeit wieder auf.

Was ich echt nicht gedacht hatte, war dabei, dass sich das bis zum Ende der Serie so durchzieht. Ich ging davon aus, dass die Flashbacks für den Beginn der Serie über existieren, und dann irgendwann aufhören. Auch einfach, weil es nicht so erscheint, als würde in jenen allzu viel geschehen. Aber eventuell wirkt das auch nur so, weil alles ewig braucht, bis es mal gelaufen ist, und das ist eventuell wieder so, eben damit die Timeline bis zum Ende anhält.

Das macht die Serie auf jeden Fall sehr schematisch. Wir sehen ein Stück aus 2008, bei dem ein Fangire auftaucht. Wir springen ins Jahr 1986, wo die Geschichte die Probleme der Gegenwart spiegelt und der gleiche Fangire bekämpft wird, aber entkommen kann. Wir gehen zurück nach 2008, wo er besiegt wird. Führt ehrlich gesagt nicht zur interessantesten Struktur in der Serie. Einfach weil sich so viele Folgen vom Ablauf her so gleichen. Und weil sich alles ewig zieht, da ständig zwei Zeitlinien betrachtet werden. Später gibt es schon noch ein paar Wendungen, und nicht nur Monster des Tages, aber da es sich hier um eine Serie für Kinder handelt, ist es jetzt nicht so, dass jene nicht ziemlich vorhersehbar wären. Einige später große Revelationen sind gar Dinge, die ich von Anfang an als gegeben angesehen hatte. Nur um dann herauszufinden, dass es hier tatsächlich als Überraschung gedacht war, und deswegen nie direkt ausgesprochen wurde.

Der Grund warum ich Kiva schauen wollte, war, weil mir erzählt wurde, dass dies die Vampir-Staffel ist. Die Fangire sind im Prinzip Vampire und auch Kamen Rider Kiva hat ein Fledermaus-Design. Dennoch sind die Designs der einzelnen Fangire von sehr verschiedenen Tieren inspiriert, haben aber alle die Eigenschaft, dass ihre bunten Färbungen an Bleiglasfenster von Kathedralen erinnern. Vom Design her fand ich die Gegner hier schon ansprechend. Und auch Kiva irgendwie, zumindest bis die Formen mit den Capes auftauchen. Irgendwie dachte ich ein wenig durch die Prämisse und Designs, dass wir hier vielleicht das Garo der Kamen Rider haben. Immerhin war jener Serie nur wenige Jahre vorher ein Erfolg beschienen.

Dem ist aber ganz und gar nicht so, Kamen Rider Kiva ist durch und durch eine Serie für Kinder. Es gibt so viel Slapstick in der Serie, wirklich merkwürdig, wenn gekoppelt mit den Vampirdesigns und edlen Violinen und Rosenblütenmeeren. Aber die Charaktere verhalten sich alle total kindisch und die Situationen werden schnell blöd, besonders in der ersten Hälfte der Serie. Und so ein wenig Camp kann ja auch ganz erheiternd sein. Das Kiva beispielsweise das Bein in die Luft hält und dann einbeinig auf die Gegner für seinen finalen Supertritt zuspringt ist beispielsweise herrlich dämlich. Aber die meiste Zeit ist es doch leider eher unerträglich kindischer Slapstick, der mir überhaupt nichts brachte. Genauso wenig wie die Charaktere, die mir alle mit der Zeit und eigentlich auch sogar recht schnell auf den Keks gingen. Otoya mit seinem Frauenhelden-Getue. Wataru mit seiner schwächlichen Stammelei. Und nicht nur die beiden, es gab in der ganzen Staffel keinen Charakter, den ich wirklich mochte.

Schön aber, dass die beiden Mädels auch kämpfen dürfen, inklusive Verwandlung. Bisher durften immer die Kerle die Kamen Rider sein. Und theoretisch ist das auch hier noch so, aber es gibt immerhin auch den eigentlich gleichgestellten Ixa, und den darf gefühlt jeder mal nutzen. Nachdem sowohl Yuri wie auch ihre Tochter jenen bekommen wollen, es dann aber doch zunächst Männern übergeben wird, weil man die beiden Frauen für zu schwach für ihn hält, dachte ich schon, da wird mal wieder nichts draus. Obwohl beide die einzigen Charaktere sind, die eine emotionale Bindung zu dessen Gebrauch haben. Aber netterweise hatte ich mich getäuscht und später bekommen sie ihn dann doch.

Von daher brachte mir Kamen Rider Kiva leider doch nichts. Die Designs waren ganz nett, aber weder Handlung noch Charaktere noch der Ton der Serie waren meins.

Und dennoch habe ich anschließend mit Kamen Rider Kiva: King of the Castle in the Demon World nachgelegt. Das ist der Film zu Staffel. Oder zumindest der Hauptfilm, der kein Crossover mit anderen Serien ist. Sogar die Director’s Cut Version von 90 Minuten war es geworden, statt den 70-minütigen Cut aus den Kinos.

Und was soll ich sagen, viel gebessert hat sich nicht. Ich weiß noch nicht mal, ob er canon sein soll. Denn so wirklich ins Narrativ der Serie passt er nicht. So reisen Wataru und Otoya hier zwischen den Zeitlinien in die des jeweils anderen hin und her. Und das macht halt keinen Sinn, weil wenn sie das in der Serie machen, wird das als das erste Mal, dass sie sich treffen, behandelt. Hier im Film aber auch. Von daher funktionieren Serie und Film eh nicht wirklich zusammen. Die Serie für den Film zu schauen wäre aber schon wichtig, denn jener erklärt einem die Charaktere nicht nochmal neu. Standalone ist er also ebenfalls nicht. Schon alles irgendwie merkwürdig.

Wobei, vielleicht sollte man ihn sich schon ohne Serie anschauen. Eigentlich ist der Film schon ein ganz brauchbares Action-Spektakel, bei dem einem wenig genommen ist, wenn man nicht weiß, wer die Leute hier eigentlich alle so sind. Sympathischer sind sie so oder so nicht, aber in 70 oder 90 Minuten haben sie weniger Zeit, einen zu nerven. Die Fangire-Designs sind immer noch cool. Das schlechte CGI und die Kampfposen charmant dumm. Ich glaube ich habe meine Meinung geändert. Wenn schon Kamen Rider Kiva, dann bitte ausschließlich King of the Castle in the Demon World schauen. Das bietet die guten Aspekte und hat nicht genug Zeit, als das die schlechten allzu auffallen.

Gundam: The Original and The Origin

ava-2773Mobile Suit Gundam ist ein Urgestein der japanischen Anime-Landschaft. Die erste Serie lief bereits 1979 über die TV-Bildschirme. Dort war sie ursprünglich gar nicht so bliebt, wurde sogar von 52 auf 43 Episoden reduziert, um den Sendeplatz früher wieder freizugeben. Doch dank Model Kits und Wiederholungen gewann sie an genug Popularität, um eine bis Heute aktive Franchise zu gründen. Wer einen Gundam sieht, weiß eigentlich sofort, wo der hingehört.

Ich habe über die Zeit hinweg ein paar Gundams geschaut. Als da wären After War Gundam X, Gundam Wing mit der Endless Waltz OVA, die beiden Staffeln von Gundam 00, und auch sowohl Gundam Seed und Seed Desetiny in ihren jeweiligen Filmzusammenschnitten. Das ist etwas, was eine gewisse Tradition hat, erfolgreiche Serien durchaus nochmal als Film wiederzuverwerten. Genau genommen geht das sogar bis ganz auf die allererste Serie zurück, die zwei Jahre nach ihrer Erstausstrahlung dann noch mal als Filmtrilogie nachgereicht wurde. Etwas, was schon lange auf meiner To-Watch-Liste steht, aber dennoch immer wieder unterging.

Vor Kurzem wollte allerdings jemand mit mir The Origin schauen, ein Prequel zu jener ersten Staffel, welches zwischen 2015 und 2018 in sechs OVA-Folgen und das Jahr darauf als 13-teilige TV-Serie veröffentlicht wurde. Ich war natürlich etwas skeptisch, ob es nicht besser wäre, das Original zuerst zu schauen. Habe allerdings gesagt bekommen, dass beides eigentlich sehr gut funktioniert, entweder Original und danach Prequel oder umgekehrt zu schauen. Also sahen wir uns The Origin an. In der auf 13 Folgen aufgeteilten Version.

Der Anime folgt, beginnend 10 Jahre vor der allerersten Serie, dem späteren Antagonisten Char Aznable. Dessen Geburtsname ist Casval, Sohn des Mannes, der die Republik Zeon ausgerufen hat, und damit die Unabhängigkeit jener Weltraumkolonien von der Erdförderation proklamierte. Er wurde von der Zabi-Familie ermordet, die stattdessen die Zügel Zeons in die Hand nahmen. Casval musste mit seiner Schwester fliehen.

Nachdem er zum Teenager herangewachsen ist und einen Jungen trifft, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, überredet er denjenigen, die Identitäten zu tauschen. So wird Casval zu Char, der in einer Militärakademie eingeschrieben seine Karriere als Kämpfer für Zeon antreten kann. Sein steiler Aufstieg wird letztendlich in den Vernichtungskrieg zwischen Zeon und der Erdförderation münden.

Es ist schon interessant die Serie zu schauen, mit dem Wissen, dass wir fürs Original die Seiten wechseln werden. Zeon sind die Bösen, Char ist der Antagonist, ja es wird sogar nicht sonderlich subtil mit Nazi-Parallelen für Zeon gespielt. Aber Char ist eben ein super beliebter Charakter. Und so folgen wir ihm hier als Protagonist und militärisches Wunderkind, um mit ihm fiebern zu können und zwar sein kaltes Kalkül etwas zu hinterfragen, aber doch irgendwie hinter ihm zu stehen. Hier hilft eventuell tatsächlich The Origin vor dem Original zu schauen, weil wir dadurch nicht zu sehr von dem, was aus Char werden wird, vorbelastet sind.

Ansonsten kann ich aber schon sagen, dass The Origin auf sich zwar durchaus intern Sinn machte, ich mir aber dennoch immer so vorkam, als würde ich etwas missen. Es gibt einfach Charaktere, die tauchen auf, die hier nicht einbezogen sein müssten. Welche bestimmt deswegen da sind, weil sie in der Serie einen größere Rolle spielen, und deswegen wird halt auch gezeigt, was sie davor machten, selbst wenn es nicht so viel ist. Gibt einige solcher Momente während The Origin, wo ich Schulterzuckend dachte, joa das ist halt jetzt passiert oder gezeigt worden, weil es ans Original anlehnt. Schon witzig, wenn Amuro wesentlich früher im Opening ist, als wirklich auftaucht. Und so viel tut die Bande um ihn herum auch nicht. Aber er ist halt Hauptcharakter der 79er-Serie. The Origin wirkt dadurch manchmal auch etwas fragmentiert, wobei das natürlich auch zum Teil an der TV-Version liegen kann. Die 13 Folgen von 25 Minuten können die sechs OVAs von 60-80 Minuten nicht komplett abdecken und werden von daher ein paar Szenen dem Schnitt geopfert haben.

Was wie gesagt nicht sagen soll, dass The Origin an sich nicht Ok ist. Die Serie ist schon gut. Er war ihr immer zu folgen, es gibt sowohl Charaktermomente wie auch Action. Die Sache ist gut animiert und hat dennoch dieses nostalgische, da dem Original angepasste, Charakterdesign. Aber wenn tatsächlich sowohl The Origin wie auch das Original geschaut werden soll, würde ich, als jemand, der zunächst zu The Origin griff, doch raten, es andersrum zu machen.

Erst etwas später schaute ich dann also das Original. Gundam 79 oder auch 0079 betitelt, um es von späteren Serien besser abzuheben, und da es in der UC0079-Timeline spielt, gleichzeitig auch im Jahr 1979 ausgestrahlt wurde. Aber eben in seinen drei Filmversionen von jeweils 2 Stunden paar Gequetschte. Zusammengeschnitten aus den 43 Episoden TV-Serie.

Der erste Film behandelt dabei hauptsächlich, wie Amuro fast zufällig im von seinem Vater gebauten Gundam endet und plötzlich in das Kriegstreiben hineingezogen wird. Zusammen mit anderen Zivilisten, die sich plötzlich in den Kämpfen befindet, in ihrem Schiff auf Reise zurück zur Erde. Später werden sie dann offiziell ins Militär aufgenommen. Es wird von Newtypes geredet, besonders intuitive Kämpfer und wohlmöglich die nächste Evolution des Menschens, und im finalen Film kommt es dann zu den letzten großen Gefechten gegen Zeon.

Natürlich kann so eine Filmversion, die eben nicht komplett neu animiert ist, nie so ganz verdecken, dass dies mal eine Serie war. Manchmal wirkt es schon etwas episodisch und die Ereignisse unzusammenhängend. Weil sie wichtig sind, aber eben einzelne Folgen im Original waren und nun in paar Minuten im Film aufweisen, die irgendwie zwischen größeren Szenen eingekeilt sind. Besonders die spätere Hälfte des ersten Filmes ist beispielsweise sehr episodisch. Was auch erneut einige Dinge etwas plötzlich erscheinen lässt, da sie im Narrativ der Serie mehr Spielzeit bekamen, im Zusammenschnitt aber nicht ganz so viel Vorlauf eingeräumt bekommen.

Tatsächlich kann ich hier nun aber auch mitteilen, dass es durchaus auch einen Vorteil mit sich brachte, dass ich The Origin zuerst schaute. So habe ich tatsächlich schon mehr Zeit mit diesen Charakteren verbracht und weiß besser, wie sie familiär und freundschaftlich zueinander stehen. Besonders Char mit seiner Schwester und Amuro mit seinen Freunden. Die Filme räumen durchaus auch Zeit an Downtime zwischen den Kämpfen ein, um einfach mal die Charaktere miteinander interagieren und alltägliches machen zu lassen, was ich auch wichtig finde zu inkludieren. Aber natürlich geht trotzdem viel davon verloren, wenn die Spielzeit so stark zusammengestaucht werden muss.

Was ich übrigens sehr interessant am original Gundam fand, ist dass es doch sehr stark auf das PTSD eingeht, welches Amuro und die anderen entwickeln, nachdem diese viel zu jungen Menschen plötzlich in den Krieg als Soldaten rekrutiert werden. Allgemein werden die Charaktere, auf beiden Seiten, nicht unnötig heroisch dargestellt. Im Gegensatz zu eben The Origin, in welchem Char auf Grund seiner späteren Publikumsreputation häufig etwas zu cool daherkommt. Auch angesprochen werden die Gefahren des Wettrüstens. Der Gundam ist hier eine noch komplett neue Kriegsmaschine, und um mithalten zu kommen, rüstet Zeon natürlich nach. Dieser Schneeballeffekt aus immer größeren Tötungsmaschinen ist eine Konstante in der Geschichte.

Die ideale Art und Weise, um sich Gundam 79 anzuschauen, wird dann wahrscheinlich schon via der kompletten 43 (bzw. 42) Folgen sein. Und dann anschließend The Origin. Aber wer so wie ich die Zeit nicht mitbringt oder nicht aufbringen will, der bekommt in der Filmtrilogie durchaus auch eine gute Variante geboten.

Golden Knight GARO

ava-2769Heute wenden wir uns wieder den Tokusatsu-Serien zu. Allerdings nicht Kamen Rider. Und auch nicht Super Sentai. Stattdessen besprechen wir eine ganz besondere Show, schlicht Garo betitelt. Auch wenn mittlerweile gern der Name Ōgon Kishi Garo verwendet wird, Golden Knight Garo meinend, um es einfacher ersichtlich zu machen, dass die erste Serie von 2005 gemeint ist.

Denn Garo war ein Hit und hat es mittlerweile zu einer ganzen Franchise geschafft. Neun Live Action Serien, elf Filme, und dann noch drei Anime-Serien plus ein Anime-Film. All das in den noch nicht ganz 20 Jahren seit dem ersten Release. Da macht es schon Sinn, die erste Serie nicht mehr einfach Garo zu nennen, nur um dann gefragt zu werden, welches Garo gemeint ist.

In der Serie geht es um sogenannte Makai Knights. Besondere Menschen, die sich in Kämpfer verwandeln, um die Horror bezeichneten Dämonen zu besiegen – Monster, die Menschen töten. Kouga ist der amtierende goldene Makai Knight Garo, womit er in die Fußstapfen seines Vaters geschlüpft ist. Beim Kampf gegen die Horror trifft er auf das Mädchen Kaoru, welches beim Versuch sie zu retten mit Horror-Blut besudelt wird. Dies bedeutet, dass sie nur noch 100 Tage zu leben hat, und weitere Horror anzieht. Denn Horror müssen zunächst einen menschlichen Wirt mit Dunkelheit im Herzen, beziehungsweise welcher bereits von Horror markiert ist, finden, von dem sie Beitz ergreifen können.

Kougas Aufgabe wäre es eigentlich Kaoru zu töten. Doch dem wiedersetzt er sich. Offiziell, weil er sie als Lockvogel für die Horror benutzen will. Insgeheim sucht er allerdings nach einer Heilung für sie. Verkompliziert wird das, nachdem Makai Knight Zero auftaucht, der sich in Kougas Gebiet breitmacht, Kaoru nachstellt, und meint der frühere Garo habe seine Mutter ermordet.

Was die eigentliche Handlung angeht, die über die 25 Episoden erzählt wird, so ist jene ziemlich geradlinig und normal. Wir haben einen stoischen Krieger, der sich gegen seinen Willen verliebt. Einen Rivalen, der mit ihm zusammen zu kämpfen lernen muss. Eine Organisation, der eventuell nicht so wirklich zu trauen ist. Natürlich gibt es zum Auffüllen so einiges, darunter auch Monster des Tages. Während die Haupthandlung nur langsam ins Rollen kommt und die Charakterisierung nebenbei läuft, dreht sich fast jede Folge um den aktuell zu besiegenden Horror. Da lässt sich immerhin viel herausholen, infizieren sie doch Menschen mit Flecken auf dem Herzen. Also diejenigen, die schwach und verängstigt oder von sich aus schon fies sind. Ein Künstler hat beispielsweise eine Obsession mit seinen Models und der ihn übernehmende Horror macht daraus ein tödliches Unterfangen. Übrigens eine sehr intim gefilmte Episode, die viele Close Ups der Gesichter zeigt, bei der die Kamera viel auf die fast nackten Körper der Models fokussiert. Alles, um den Creep-Faktor zu erhöhen. Garo weiß also filmisch schon, was zu machen ist. Die Episoden spiegeln gern diverse menschliche Abgründe wieder.

Wie die Beschreibung jener Folge auch bereits zeigt, ist Garo eine düstere Show ist. Während im Fernsehen die Tokusatsu-Helden hauptsächlich für Kinder gedacht waren, zielte Garo 2005 auf ein älteres Publikum ab. Hier wird brachialer gekämpft. Hier kommen Menschen ums Leben. Hier ist schon mal ne Titte zu sehen. Das macht auch alles Sinn, wenn man herausfindet, dass Keita Amemiya der Schöpfer der Franchise ist. Der Mann hat bereits an anderen Tokusatsu-Shows mitgewirkt, darunter auch die erwachseneren Kamen-Rider-Filme der 90er, ist aber vor allen durch Zeiram bekannt.

Und an Zeiram ist vor allem das Design die bekannte Größe. Welches ebenso Garo absolut unverwechselbar macht. Während die eigentliche Handlung relativ leicht gehalten ist, ist das World Design unglaublich dicht. Über den Verlauf der Serie finden wir viel über die Makai Knights, deren Makai Welt und auch die Horror heraus. Wie die Hierarchie funktioniert, was für Kräfte dort mitspielen, welche helfenden Hände den Makai Knights zuspielen. Das hier ist eindeutig Amemiyas Passion Project, eine stark ausgearbeitete Welt, die er endlich in Form von Tokusatsu-Helden darstellen darf. Und die Designs sind on top wie immer. Es gibt sehr detaillierte Kostüme für die fast jede Folge anders aussehenden Antagonisten. Die goldenen und silbernen Rüstungen mit Tierdesigns der Makai Knights. Ein Gegner ist eine gigantische nackte Frau, deren blassweiße Haut von schwarzer Schrift überzogen ist. Die Auftraggeber von Garo sind drei Mädchen, die in Kleidern in einem undefinierten Raum schaukeln. Allgemein liebt die Serie starke Kontraste zwischen schwarz und weiß. Es ist einfach eine Freude, zu sehen, was optisch in der nächsten Folge geboten werden wird.

Der einzige Kritikpunkt, den ich zumindest der ersten Serie ankreiden kann, ist das Schauspiel. Das ist durch die Bank weg nicht sonderlich gut, selbst für Tokusatsu-Verhältnisse nicht, die eh immer etwas schwächeln können. Besonders zwischen Kouga und Kaoru gibt es gar keine Chemie, und das ist schon etwas arm, wenn deren Romanze später zum emotionalen Kern werden soll. Der Schauspieler von Zero wirkt auch etwas fehlbesetzt, mit seinem pausbäckigen Kindergesicht wie ein rebellischer 12-jähriger Goth, den man nie für so richtig voll nehmen will.

Aber der Rest an der Serie ist gut. Ich habe sie wirklich sehr gern gesehen. Es gibt immer coole Designs und heiße Action geboten, die eine gewisse Kurzweile hineinbringen. Und trotz des dichten World Buildings ist die Haupthandlung schlicht genug, um die 25 Folgen auch über einen längeren Zeitraum hinweg schauen zu können und den Faden nicht zu verlieren.

Kindred: The Embraced, Spelling does The Masquerade

ava-2767Heute reden wir über eine Show, auf die ich ganz zufällig aufmerksam wurde… vor fast 25 Jahren! Als ich noch jung war und mich so durch das Abend-/Nachtprogramm der Fernsehsender zappte, entdeckte ich irgendwo eine Serie über Vampire. Alle aus verschiedenen Clans, in Anzügen, miteinander streitend. Ich habe nie wieder eine zweite Folge finden können und mir auch den Namen nie behalten gehabt. Hin und wieder erinnere ich mich allerdings an jene kleine Entdeckung und wundere mich, was das wohl war.

Kürzlich dank eines Youtube-Videos bin ich darauf gestoßen, es handelt sich um Kindred: The Embraced. Ein Name, der auch sonst eher wenig auftaucht, die Serie scheint nicht vielen Leuten was zu sagen. Und das hat auch seinen Grund, denn sie war ein Flopp. Es wurden acht Folgen produziert, bevor sie abgesetzt wurde, die letzte gar nicht mehr ausgestrahlt. Dabei schien Kindred: The Embraced eigentlich alles zu haben, was 1996 Erfolg versprach.

Denn hier lasse ich jetzt mal die Bombe platzen. Kindred ist nicht einfach irgendeine Vampirserie. Nein, sie ist produziert von Aaron Spellings Firma, und basiert ausgerechnet auf dem Vampire: The Masquerade Tabletop RPG. Das scheint eine komische Kombo zu sein, aber wir erinnern uns, es sind die Mitt-90er. Aaron Spellings Hit-Serien Beverly Hills 90210 und Mellrose Place starteten 1991 und 1992 und waren enorme Erfolge, die zehn Jahre laufen sollten. Gleiches im ebenfalls 1996 gestarteten 7th Heaven. Vampir-Content war auch dank dem 1994 in die Kinos gekommenen Interview with a Vampire wieder ziemlich trendy. Da macht es durchaus einen gewissen Sinn, dass ein TV-Sender Spelling, respektive seine Firma, dafür beauftragt, eine Vampirsoap zu produzieren. Und da Vampire: The Masquerade auch gerade frisch und beliebt war, war dies eben als Adaptionsweerk auserkoren.

Das Setting ist, ganz wie in der Rahmenhandlung von Interview, San Francisco. Im Schatten der Stadt regieren die Vampire, die unter uns gemixt sind. Die gehören verschiedenen Clans an, die früher miteinander um die Vorherrschaft kämpften, bis entschlossen wurde, dass ein Klanoberhaupt als Prinz die Macht über alle hat. Dieser Prinz ist aktuell Julian Luna, der Anführer der Ventrue.

Die Serie öffnet allerdings mit dem menschlichen Polizisten Frank, denn seine neueste Flamme ist die Ex von Julian. Da sie mit ihrer Beziehung zu einem Menschen die Masquerade in Gefahr bringt, sprich es riskiert dass die Öffentlichkeit über Vampire herausfindet, ist sie allerdings auf der Abschussliste der Klans. Das endet tragisch und bringt Frank gegen Julian auf.

Oder auch nicht. Um ehrlich zu sein ist die erste Episode, mit 70 Minuten ein überlanger Pilot, ein wenig arg konfus. Die restlichen sieben Folgen von 45 Minuten ändern die Richtung etwas. Beispielsweise wird Julian wesentlich mehr zum Hauptcharakter der Serie, was eine gute Entscheidung ist, weil er der sympathischere Charakter ist. Ich gehe mal davon aus sein Hadern mit den letzten Resten an Menschlichkeit in ihm kam im Test Screening besser an als der nervige Polizist und deswegen wurde das entsprechend abgeändert. Gute Entscheidung. Zudem sind Frank und Julian ziemlich schnell eigentlich befreundet und gehen gemeinsam gegen Vampirverbrechen vor. Frank, weil er halt ein Cop ist. Julian, weil er als Prinz natürlich alle eliminieren muss, die die Masquerade und seine Regeln brechen.

Wobei die Vampirhierarchie keine absolute Diktatur darstellt. Julian hat das oberste Sagen und kann seine eigenen Regeln machen. Doch wenn es um besonders wichtige Entscheidungen geht, wird immer ein Rat aller Klanführer einberufen, die darüber abstimmen, was zu tun ist. Julian versuchte in der Pilot-Episode beispielsweise seine Ex zu schützen, wurde aber überstimmt was deren Todesurteil angeht.

Ich kenne mich mit dem Tabletop-Game übrigens überhaupt nicht aus, auch nicht via den PC-Spiele-Umsetzungen. Die habe ich ebenfalls nämlich nie gespielt. Ich denke aber mal, dass Kindred da schon viel ändert. Denn im Prinzip macht die Serie ein Mafia-Drama daraus. Die einzelnen Klans benehmen sich wie Familien und Julian wie der King Pin von San Francisco. Klar kommt der Vampirismus ein wenig mit hinein, aber da ließe sich ohne allzu große Mühe drumherum schreiben und ein menschliches Mafia-Drama draus machen. Die Parallele zwischen Klans und Familien war sicherlich naheliegend und dies entschieden, um es einem breiten Publikum besser verständlich zu machen. Wobei ich mir vorstellen kann, dass die Serie deswegen keine Zuschauer fand, weil es beiden Gruppen nicht gerecht wird. Für Fans von The Masquerade ist das hier zu weichgespült und mainstream, das generelle Publikum wird über die doch immer mal wieder eingebundene Vampir-Lore und vor allem die sehr konfuse Pilot-Episode verwirrt.

Teils machen Dinge auch gar keinen Sinn, was besonders in Episode 3 hervorkommt. Es gibt den Nosferatu-Klan. Und wie der Name es schon so offensichtlich macht, handelt es sich hier um die Vampire, die nicht als Menschen durchgehen, sondern wie Graf Orlok im deutschen Stummfilmklassiker ein monströses Aussehen haben. Allerdings sind in der Serie die Oberhäupter aller Klans wichtige Charaktere, und so hat man den Nosferatu-Anführer redesigned… und er sieht aus wie ein ganz normaler Kerl mit Glatze und leicht merkwürdigen Ohren. Der würde sich absolut unter Menschen mischen können. Die Serie besteht allerdings weiterhin darauf, dass sein Äußeres total monströs ist und niemand ihn je lieben könnte. Die komplette Handlung von Episode 3 dreht sich sogar darum, denn sie ist im Prinzip einfach nur Phantom der Oper. Ist schon recht amüsant diesen konventionell gutaussehenden Mann zu sehen, der von allen anderen in den vorigen Episoden normal behandelt wurde, und plötzlich reagieren neue Charaktere so, als würden sie ins Angesicht kosmischen Horrors starren, wenn sie ihn erblicken.

Ich frag mich auch ein wenig, warum Vampire: The Masquerade überhaupt als Adaptionsgrundlage herhalten musste. Wie gesagt, ich kenne mich da nicht wirklich aus, aber all das hier scheinen solche grobe Dinge zu sein, die wirklich auch ohne jegliche Vorlage hätten genutzt werden zu können. Und dann ein Serientitel, der komplett jene Bindung unterschlägt. Ob ursprünglich eine andere Herangehensweise geplant war, dann war jemandem The Masquerade aber doch zu Nerd-Nische, und das Projekt wurde umgemodelt?

Das Hauptproblem von Kindred: The Embraced ist jedenfalls, dass es einfach ziemlich langweilig ist. Es ist so extrem 90iger-Soap. Die müden Standbild-Establishing-Shots, wann immer die Lokalität gewechselt wird. Die gelackten Schauspieler, von denen viele nie so richtig in ihre Rolle aufgehen wollen. Die Handlungen, wie der Streit um die Prinzen-Rolle oder die verbotene Liebe von Vampiren aus zwei unterschiedlichen Klans, die Futter für eine lange Hintergrundhandlung geben würden, werden stattdessen abrupt aufgebracht und noch in der selben Folge abgeschlossen, nur um später doch wieder aufzukeimen. Weil die Serie einfach zu episodisch sein will, immer eine klar abgesteckte Handlung in die 45 Minuten pressen möchte. Und das funktioniert mit dem Material einfach nicht sonderlich gut. Die Serie kommt dadurch schlecht geschrieben, konfus, und billig daher. Weder optisch noch erzählerisch wurde in den acht Folgen irgendwas geboten, was herausstechend in Erinnerung bleiben würde.

Kindred: The Embraced ist ein bisschen Soap auf Autopilot. Ohne wirklich zu wissen, für wen sie sein will. Die Hintergründe, warum ausgerechnet zu jener Zeit eine solche Show entstehen konnte, ist hier interessanter, als das Endprodukt an sich.

American Horror Stories

ava-2765Ich schreibe ja immer, dass American Horror Story trotz schwindender Zuschauerzahlen immer noch genug Kohle zu machen scheint, um regelmäßig zwei Seasons im Voraus das grüne Licht zu geben. Die Tage der von Staffel 3 bis 6, als die Serie zwischen drei bis vier Millionen im Schnitt vor den Fernseher lockte, sind auf jeden Fall schon lang rum. Und dennoch wurde 2021 sogar noch ein Spinoff auf den Weg gebracht.

Welches etwas mit Verwechslungsgefahr einfach American Horror Stories bezeichnet wurde. Der Plural kommend davon, dass es sich um eine Anthologie-Serie handelt. Sprich statt eine durchgehende Handlung in der Staffel zu bieten, ist jede 45-50 Minuten gehende Episode eine in sich geschlossene, eigenständige Geschichte. So bekommt man eventuell auch ein paar höher profilierte Darsteller der Serie zurück, die mittlerweile keine Zeit mehr haben für eine ganze Staffel Haupt-AHS vor die Kamera zu kommen.

Die erste Staffel ist dabei ganz interessant, weil sie ihre sieben Folgen doch stark in die Hauptserie einsandwicht. Wir beginnen nämlich mit „Rubber (wo)Man“, dem einzigen Zweiteiler der Serie. Und kehren zurück ins Murder House der allerersten Staffel. Neue Bewohner sind gefunden und deren Tochter erwacht zu ihrem unheilvollen Selbst, nachdem sie den Latexanzug findet und zu tragen beginnt. Witzig allerdings, dass bei all den in diesem Haus gestorbenen und darin noch umgehenden Geistern fast keiner der Darsteller aus der ersten Staffel dabei ist. Wäre als Cameo für ne Minute mal ganz nett gewesen.

Die finale Folge der Staffel, „Game Over“ wird dann so richtig merkwürdig. Denn es dreht sich um eine Mutter, die ein Videospiel herstellt, welches im Murder House angesiedelt ist. Allerdings auf der Serie American Horror Story an sich basiert. Damit ist es nun so, dass im Universum von AHS sowohl die Serie selbst existiert, was an sich schon merkwürdig ist, aber gleichzeitig auch die Ereignisse aus den Staffeln Realität sind. AHS ist also eine Art dramatisierte Dokumentation realer Ereignisse von nun ab. Schon ganz schön schräg.

Die Folgen dazwischen, genauso wie die acht Folgen der zweiten und bisher aktuellsten Staffel, haben jedoch keinen direkten Bezug zueinander oder zur Hauptserie. Sie sind wie gesagt episodische Einzelereignisse an Horror, die verschiedene Ideen und Untergenre bedienen können. Ob nun während einer Filmvorführung eine Zombie-Apokalypse beginnt, das Fruchtbarkeitssymbol eine Schwangerschaft mit dem Teufel einleitet, oder Mädels entführt und zu realen Puppen umfunktioniert werden. Es wird schon viel Unterschiedliches geboten. Mit unterschiedlichen Akteuren, aber auch die Leute hinter der Kamera wechseln immer mal wieder. Besonders cool auch, dass tatsächlich jede Storyline mit ihrer eigenen Titelsequenz anfängt, welche die jeweilige Geschichte widerspiegelt, statt einen Standard-Opener zu verwenden.

Qualitativ springt das selbstverständlich auch wild hin und her. Zum einen natürlich was den persönlichen Geschmack angeht wenn es um die eigentlichen Erzählungen geht. Aber ebenfalls was die filmische Umsetzung dieser anbelangt. Ich bin ja einer, der immer sagt, dass man gerade den späteren Staffeln der Hauptserie anmerkt, dass die Kernidee eventuell nicht für die ganzen zehn Episoden ausreicht, und von daher etwas arg gestreckt wird. Hier ist nun die Möglichkeit geboten, jene kleineren Ideen für nur eine Episode umzuwandeln. Witzigerweise wirken einige Folgen dennoch etwas lang, aber meist ist es schon ziemlich kurzweilige Unterhaltung. Und wie immer bei Anthologien ist es so das, selbst wenn man eine der schlechteren Episoden erwischt, es immerhin nie lang zur nächsten sein wird.

Eine Sache, die mir aber definitiv aufgefallen ist, ist, dass die Serie etwas zu stark auf den Überraschungseffekt aufbaut. Ganz wie die Hauptserie möchte sie etwas übertrieben hart schockieren. Gerade in der zweiten Staffel läuft jede Geschichte auf eine Wendung in den letzten zehn Minuten hinaus. Und das macht die Folgen insgesamt ironischerweise umso vorhersehbar. Nachdem das Setup gelegt ist, denkt man als Zuschauer automatisch „was wäre hier jetzt der naheliegendste Plottwist“ und damit hat man eigentlich immer das Ende dann auch schon erraten. Das ist etwas schade.

American Horror Story: NYC

ava-2760Alle Jahre wieder ist es soweit, eine neue Staffel American Horror Story wird uns beschert. Mit der offensichtlichen Ausnahme 2020 natürlich. Die Zuschauerzahlen sind zwar seit Jahren im beständigen Abklang, aber scheinen immer noch gut genug zu sein, um die Serie meist sogar zwei Jahre im voraus neu abzusegnen.

Diesmal geht es für die zehn Folgen nach New York City, aber in die 80er Jahre. Wer denkt Nostalgie geht halt immer gut und gerade für Horror-Fans war das ja die Glanzzeit des Slashers… die Thematik hatten wir bereits in American Horror Story: 1984. NYC hingegen behandelt ein wesentlich brennenderes Thema der Zeit: Der Horror der AIDS-Krise.

Wer sich nun denkt, „oh nein“, denn AHS ist dafür bekannt absolut trashig zu sein, was ja nicht schlecht sein muss, wenn es wie in den besseren Staffeln spaßig umgesetzt ist, aber „oh nein“ dachte ich mir auch. Das hier ist doch sicherlich nicht die Serie, um eine echte Tragödie zu behandeln, besonders eine die noch frisch in den Köpfen vieler Überlebender ist. Aber hey, die Serie ist immerhin von Bryan Murphy. Der ist nicht nur selbst schwul, sondern war in den 80ern auch in seinen 20ern, hat also die Krise selbst miterlebt. Vielleicht nimmt sich die Serie der Thematik also doch mit Bedacht an.

Und tatsächlich ist einiges an Zorn in der Serie zu spüren. Gerade durch den Hauptcharakter Joe, ein älterer, geouteter und etablierter Schwuler der Stadt, der zusätzlich auch Journalist seiner queeren Zeitschrift ist. Sein aktueller Partner hingegen ist ein Cop, der ist natürlich nirgends geoutet, ja hat sich gerade erst frisch von seiner Ehefrau getrennt. In Joe sieht man die Wut der Zeit. Der gestauchte Lebensstil, selbst in einer Metropole wie New York, wo je nach Beruf eben dennoch drei Mal überlegt wird, ob man es sich wirklich leisten kann als schwul geoutet zu werden. Das Behörden und Polizei einem bei Hassgewalt eben nicht aushelfen. Und eben sobald HIV dann trifft keiner auf der Seite der Community ist. Wie ein Land an den Rande einer Gesundheitskrise gerät, weil keiner helfen will, da es als schwule Krankheit gilt, und die können ja weg. Wenn eine halbe Generation an Männern einfach weggestorben lassen wird. Besonders schön dabei die finale Doppelepisode, die a la Finale von Six Feet Under zeigt, was aus allen geworden ist. Beziehungsweise wie es mit allen zu Ende ging.

Aber das hier ist dann dennoch weiterhin American Horror Story. Und so strauchelt die Serie immer mal wieder, abgesehen davon die Kohärenz eines narrativen Fadens für die ganze Staffel aufrecht zu erhalten, vor allem an seinem eigenen Shock Value. Die Serie ist gern arg edgy. Und so sind auch die Einblicke in die schwule Community der Zeit hauptsächlich geprägt von Lederfetisch und Dark Rooms und Orgien. Ja eine Besitzern einer schwulen Bar meint sogar gegen Ende etwas resigniert, dass es ja klar war, dass der ganze Hedonismus mal ein tragisches Ende finden würde. AHS: NYC kommt von daher unfreiwillig etwas Sex Negative daher, und spielt in das Stigma der damaligen Zeit, dass die Schwulen ja irgendwo auch dran schuld sind. Die ganzen Partys und der ganze Sex waren zu sündig, hier ist die Strafe. Die Serie macht durchaus klar, dass die Krankheit ursprünglich vom Tierreich überging (auch wenn hier der Ursprung anders ist als in der Realität, so dass ich zuerst dachte sie wäre eine AIDS-Allegorie, bis der Name später dann doch ausgesprochen wird). Und das es eigentlich überall hätte anfangen können, eng gesteckte schwule Communities halt eben nur ein guter Brutgrund waren. Aber AHS ist halt zu sehr in seinem Sühne- und Strafe-Fetisch verankert, um nicht zumindest ein wenig dort mit hineinzuspielen.

Ach ja, der Horror ist natürlich nicht komplett nur existentieller Pandemie-Horror. Es gehen dann doch tatsächlich auch noch Killer in der Community um. In so einer Staffel muss ja immer viel los sein, um die Zeit zu füllen, auch wenn sie dadurch oftmals im Mittelteil etwas an Fokus verlieren. Wobei der Plan des Verrückten, sich einen Golem für die Community zu schaffen, damit endlich mal jemand mit Macht für sie einsteht, das war tatsächlich eine ziemlich interessante Idee. Aber ja, neben dem ganzen Leder und Sex gibt’s natürlich auch die dritte Hauptkomponente der Serie was den Slasher-Anteil angeht. Die etwas esoterischen Einlagen gegen Ende haben mich hingegen eher weniger abgeholt. Dafür ist die Serie einfach zu dumm und sagt nicht genug aus, als das daraus viel abgesehen von der wilden Optik zu holen wäre.

Von daher hat AHS: NYC so ein wenig halb die Befürchtung erfüllt und halb nicht. Die Serie ist zu plakativ und zu sehr auf Schock aus, um die Thematik wirklich vollkommen angemessen rüberbringen zu können, versucht es aber immerhin innerhalb der eigenen Möglichkeiten schon. Unterhaltsame Beschallung war es sowieso mal wieder. Aber ich persönlich wäre eventuell glücklicher gewesen wenn man hier entweder mehr mit Parabel und Allegorie für die Distanz zur echten Krise gearbeitet hätte, oder eben doch die Serien-internen Restriktionen für eine smartere Herangehensweise gesprengt würden.

Ranking of Kings

ava-2758Auf meiner Twitter-Feed tauchen Anime eigentlich gar nicht allzu häufig auf. Ich followe halt eher Videospiel-Leuten und von den Anime-Leuten eher nicht so diejenigen, die sich den aktuellsten Hit-Shonen nach dem nächsten reinwürgen. Eine Serie, welche im letzten Jahr aber tatsächlich immer mal wieder darauf zu sehen war, neben Spy x Family, war Ranking of Kings. Da das wirklich interessant aussah und interessant klang, habe ich es natürlich auch besichtigt.

Der Hauptcharakter der Serie ist der junge Prinz Bojji. Sein von allen für seine Kraft verehrter Vater hat das nach ihm benannte Bosse-Königreich gegründet. Doch der Erstgeborene Prinz Bojji ist nicht nur schwächlich, sondern auch taubstumm. Ein gefundenes Fressen für Hohn und Spott. Dennoch hat er sich seine offene bis gar naïve Persönlichkeit behalten. Was allerdings wiederum ein gefundenes Fressen für Streiche und Betrug ist. So beispielsweise durch das Schattenwesen und einziger Überlebender des Assassinenklans Kage, der Bojji täglich ausraubt. Der Prinz kommt dennoch zurück, kann Kage ihn doch ohne Gebärdensprache verstehen. Als Kage feststellt, dass Bojji trotz seines Statuses genauso einsam und verachtet ist, wie er, entspringt daraus eine echte Freundschaft. Beide haben ihren ersten richtigen Freund gefunden und brechen in Tränen aus.

Am Hof derweil ist der alternde und kranke König Bosse verstorben, ein weiterer Schicksalsschlag. Überraschend sagt dessen Testament allerdings aus, dass Bojji und nicht der Zweitgeborene Daida den Thron übernehmen soll. Doch auf seinem Totenbett erscheint plötzlich ein Teufel, zeigt auf Bojji, und verschwindet wieder. Ein weiteres böses Omen. Als Bojji zur Krönungszeremonie mit stolzer Brust auftaucht, muss er plötzlich feststellen, dass die Statthalter das Testament zerstört haben und nun doch Daida als neuen König krönen. Kage und Bojji verlassen das Königreich auf eine Reise, um Bojjis Stärke zu finden, bevor er noch einem Attentat zum Opfer fallen kann.

Was mir die Serie auf jeden Fall gleich sympathisch gemacht hatte, war die Optik. Die ist etwas altbacken, wenn man so will. Sie erinnert an westliche Bilderbuch-Märchen oder die Charakterdesigns von Anime, die auf ihnen basieren oder eine Thematik um sie herum aufbauen. Pausbäckige Knaben, akzentuierte Nasen, hochdramatische Gefühlsausbrüche. Fast ein wenig wie ein Grimms-Märchen– oder Wizard-of-Oz-Anime aus den 80ern, aber mit moderner guter Animation, welche sowohl die Kampfchoreographie aber auch die emotionalen Gefühlsregungen darstellen.

Denn ums Fühlen geht es in Ranking of Kings viel. Wem Bojji und Kage nicht sofort ans Herz wachsen, und sie siegreich aus den Konflikten herauskommen sehen will, der hat wohl kein Herz. Wenn die beiden realisieren, dass sie endlich einen Freund gefunden haben, jeder Moment, bei denen ihnen endlich Güte entgegengebracht wird, ist herzallerliebst. Genauso wie es aufregend ist, wenn sie ihre Abenteuer bestehen, und herzzerreißend, wenn sie wieder mal einen Rückschlag mitnehmen müssen. Die beiden und ihre Freundschaft sind der emotionale Kern der Serie. Und eines der Hauptthemen ist und bleibt innere Stärke.

Es wird schnell klar, dass allen im Königreich physische Stärke wichtig ist. Das ist, wie König Bosse zum König wurde. Das ist im Ranking of Kings mit wichtig. Und als Bojji in einer der ersten Folgen ein Duell gegen Daida gewinnt, in dem er ihn mit seiner Flinkheit ausmanövriert, wird das als unfeiner und feiger Kampfstil niedergemacht. Doch Bojji ist stark, emotional stark. All die Rückschläge hinnehmen zu können und dennoch mit einem Lächeln weitergehen und für alle das Beste zu wollen, benötigt enorme Stärke. Wir finden beispielsweise früh heraus, dass Bojji Lippen lesen kann. Der Spott, der auf ihn niederregnet, denkend der taube Prinz kann es eh nicht hören… dem ist er sich also vollkommen bewusst. Und er versucht dennoch mit erhobenem Haupt der beste Prinz zu sein, den er sein kann.

Was ich allgemein sehr zu schätzen wusste, war, dass die Charaktere alle nicht eindimensional sind. Sie machen alle entweder ein Entwicklung durch, oder ihre Hintergründe werden später besser beleuchtet. Überhaupt ist Ranking of Kings eine Show, welche die Intelligenz des Zuschauers nicht unterschätzt. Viele Dinge werden nicht oder erst später richtig durcherklärt, bis dahin wird darauf gesetzt, dass das Publikum auch einfach logisch Dinge zusammenreimen kann. Häufig kann es so aussehen, als ob Charaktere etwas plötzlich ihre Meinung ändern, oder Dinge nur aus dem Überraschungseffekt heraus geschehen. Doch ich habe der Serie immer zugetraut, dass sie das früher oder später schon für mich nachvollziehbar machen wird. Königin Hilling beispielsweise wirkt beim ersten Treffen auf Bojji sehr Gefühlskalt. Später entwickelt sie sich aber zu einer Powerfrau und Unterstützerin beider ihrer Kinder, sowohl leiblich wie adoptiv. Ein frühes Zeichen hierfür ist, dass Hilling Gebärdensprache nutzt, um mit Bojji zu reden. Eine Sache, die sie sicherlich nicht gelernt hätte, wenn der ihr wirklich egal wäre.

Häufig wirken Charaktere auch einfach in ihren Teufelskreisen gefangen. Irgendwann wird beispielsweise klar, dass König Bosse seine Kraft nicht komplett von sich selbst erlangt hat. Aber um eine wichtige Person in seinem Leben zu schützen einen Pakt einging, der jetzt negative Auswirkungen auf seine Familie hat. Die sind ihm auch wichtig, aber es gibt für ihn einfach kein zurück mehr. Bojjis Kampftrainer ist frustriert den körperlich schwachen Prinzen an der Backe zu haben und sich nicht beweisen zu können, und aus jenem Frust heraus tut er Dinge, die er nicht zurücknehmen kann. Nur um später zu merken, dass Bojji ihm doch wichtig war und sich für ihn einzusetzen, um sich zu rehabilitieren. Erneut spielt hier halt auch rein, wie wichtig den Charakteren ihre Auffassung von Stärke und einem starken Auftreten ist, was sie am Ende nur umso mehr restriktiert.

Aber über das eigentliche Ranking of Kings, nach dem die Serie benannt ist, habe ich ja noch gar nicht geredet. Das hat auch seinen Grund. Es ist nämlich schlichtweg nicht sonderlich wichtig. Zu Beginn und Ende der Staffel wird es angeschnitten. Im Prinzip gibt es ein Komitee, welches die Welt bereist und die Könige der einzelnen Reiche nach diversen Kriterien prüft. Dann jedem einen Rang gibt und wer Nummer 1 ist, dem wird ein großes Geheimnis offenbart. Wobei angeschnitten wird, dass jenes zu wissen eventuell nicht zwangsläufig was Gutes ist. Für die aktuelle Reise des jungen Bojji war das aber weniger wichtig, weswegen es mehr als World Building erwähnt wird. Wobei ich davon ausgehe, dass sich die nächste Staffel mehr darum drehen wird. Denn am Ende der aktuellen wurde einem neuen König das Geheimnis gezeigt, was wahrscheinlich Auswirkungen auf den Verlauf des kommenden Geschehens hat.

Ich kann mich auf jeden Fall nur der allgemeinen Stimmung anschließen und bestätigen, dass auch für mich Ranking of Kings die Highlight-Serie aus dem letzten Jahr war.

Hero Anime Double Feature: Samurai Flamenco & Fuuto PI

ava-2754Heute geht es um zwei weitere Anime, die ich gesehen habe. Beide relativ unterschiedlich, aber doch beide über Superhelden und ihren Partner. Beide sogar mit etwas Queerbaiting. Allerdings nur eines davon ein Kamen Rider. Kann ja nicht immer nur über die schreiben. Den Anfang macht dann auch erst Mal Samurai Flamenco, eine 2013er Serie von Manglobe, die Original Content ist. Ein Manga besteht zwar, der startete aber zur gleichen Zeit, die Serie ist also keine Adaption.

Masayoshi ist ein relativ unambitionierter Kerl, der als Model entdeckt wurde. Eines Tages bekommt er ein Päckchen seines verstorbenen Großvaters. Der ihn dazu anhält seinen Traum ein Superheld zu werden nicht aus den Augen zu verlieren. Masayoshi is sofort motiviert und wird zu Samurai Flamenco. Als jener will er alles Übel aus der Welt schaffen. Samurai Flamenco ist aber nur Masayoshi in einem Kostüm, er hat weder Superkräfte noch einen Power Suit. Bei seinem ersten Einsatz wird er also ordentlich zusammengeschlagen. So findet ihn der Polizist Hidenori vor, der dadurch unfreiwillig Samurai Flamencos Identität erfährt. Er will natürlich nicht, dass Masayoshi weitermacht, der lässt sich aber nicht aufhalten.

Samurai Flamenco ist eine merkwürdige Show. Eine, die nie so recht zu wissen scheint, was sie tun will. Deswegen kommen die 22 Folgen auch im Prinzip mit drei distinkten Story Arcs daher. Der Anfang ist eigentlich recht interessant: Was würde passieren, wenn ein normaler Mensch in unserer Realität plötzlich Superheld spielen würde? Samurai Flamenco taucht auf, um sowohl Leute anzuhalten ihren Müll richtig zu trennen, bei Rot nicht über die Ampel zu gehen, aber auch eine Bande von Schlägern von ihrem Opfer abzulassen. Er kümmert sich also um jede Kleinigkeit, ist so davon eingenommen der Held zu sein, dass für ihn jede Form von Kriminalität gleich ist. Währenddessen wird er gefilmt und auf Social Media teils zur Lachfigur, dann aber doch wegen seines Durchsetzungsvermögens ein loaker Held, und dann plötzlich ob des Preises auf seine Identität von der Bevölkerung gejagd.

Irgendwann ist das der Serie allerdings zu langsam und plötzlich tauchen echte, monströse Gegner auf. Als Samurai Flamenco bei der Polizei für Publicity aushelfen soll, erscheint ein sprechender Gorilla mit einer Guillotine im Bauch auf und bringt das halbe Präsidium um. Der neue Oberschurke entführt irgendwann Flamenco Girl und foltert sie für Stunden. Das ist ein enormer Whiplash was die Struktur und den Ton der Serie angeht. Bisher war alles relativ bodenständig und realistisch gehalten. Und plötzlich haben wir nicht nur monströse Feinde sondern auch harte Brutalität.

In der dritten Story Arc tauchen dann Aliens auf, Samurai Flamenco wird zum Staatsfeind Nummer 1, der Premierminister zum wahren Schurken, ein dunkles Geheimnis von Hidenori kommt an den Tag, und die letzte Auseinandersetzung ist Masayoshi, der einem Jungen etwas über Liebe predigt.

Wenn man Samurai Flamenco eines zuschreiben kann, dann das die Serie auf jeden Fall zu überraschen weiß. Das Problem ist halt, dass sie so unorganisch daher kommt. Die Serie hat in ihren Story Arcs durchaus interessante Ideen oder Konzepte zu bieten. Wie gesagt zum Beispiel wie die Gesellschaft auf einen realistischen Normalo-Superhelden reagieren könnte. Wie Medien oder Politik sie da manipulieren können. Was es bedeutet wirklich an seine Überzeugungen im Angesicht von Aussichtslosigkeit zu halten. Was ist wahre innere Stärke. Jeder der Handlungsbögen scheint aus einer interessanten Idee entsprungen zu sein. Jeder Charakter scheint ein interessantes Gimmick zu haben. Doch all das kommt eben nie zusammen. Es fühlt sich an wie eine Serie auf ADHD. Eine Serie, die alles an die Wand schmeißt, um zu sehen, was hängenbleibt. Eine Serie, die von sich selbst schnell gelangweilt ist und plötzlich wild Haken schlägt.

Was das bei mir ausgelöst hat ist schlichtweg, dass ich häufig abschaltete. Zumindest gedanklich. Die Serie und all ihre irrsinnigen Wendungen und unrealistische Charaktermotivationen flog an mir vorbei und wurden nur noch so halb registriert. Dazu kommt noch dieses ständige Queerbaiting zwischen Masayoshi und Hidenori, welches bis in den Epilog der letzten Folge immer noch mit „Hashtag No Homo“ begleitet wird. Am Ende war mir die Serie einfach zu viel und gleichzeitig zu wenig. Es wurden zu viele Ideen aufgefahren, zu viele Dinge gezeigt, weil dann doch nichts davon zusammenpasste und nicht stringent wirklich was ausgesagt hat oder eine Idee wirklich ausgelotet wurde. Ein heilloses Durcheinander von einer Serie einfach.

Samurai Flamenco zu schauen ist, wie eine wöchentlich geupdatete Fanfiction zu verfolgen. Wo jedes Kapitel anders sein kann, die teils vor sich hinplätschern, dann plötzlich wieder in Konklusionen hetzen, tausend Plotpoints aufbringen ohne alle davon zu verfolgen, sowohl Ton als auch Content nach dem aktuellen Autorengefühl wechseln. Die Serie hat alles an die Wand geworfen, aber für mich blieb nichts hängen.

Fuuto PI hingegen ist eine Adaption eines anderen Werkes, zweifach im Prinzip sogar. Das Original ist Kamen Rider W, eine Staffel aus 2009. Ab 2017 läuft mit Fuuto PI nun ein Manga, der ein Sequel zu jener Serie darstellt. Und letztes Jahr kamen mit 12 Folgen dann 4 Story Arcs aus dem Manga in Anime-Form zu uns.

Shotaro ist ein Privatdetectiv der Narumi Agentur in der Stadt Fuuto. Aktuell ist ihnen ein Klient hereingekommen, der will, dass sie die Hexe suchen, über die aktuell Gerüchte umgehen. Angeblich ist das eine Frau mit mysteriösen Fähigkeiten, die Leute angreift. Inklusive den Klienten, der sich allerdings hoffnungslos in die Schönheit verliebt hat. Shotaru geht also auf Suche und findet Tokime, die Hexe, jagt ihr hinterher, und fällt durch einen Realitätsriss in das Hauptquartier von Yakuza. Auch die sind hinter Tokime her. Wie sich herausstellt kann Tokime vom realen Fuuto in eine alternative Realität der Stadt abtauchen, und dadurch scheinbar aus dem Nichts an den verschiedenen Orten auftauchen.

Ich habe die Serie übrigens gesehen, ohne Kamen Rider W zu kennen. Ich denke Vorwissen ist durchaus hilfreich, weil das World Building und die Charakterkonstellationen irgendwo schon als bekannt vorausgesetzt und nicht noch mal breit erklärt werden. Aber wirklich nötig ist es doch nicht, aus kontextuellen Dingen kann sich das Nötigste herausgepickt werden und Tokime als die neue in der Gruppe bekommt dann doch ein paar Sachen kurz erklärt. Wichtig ist halt, dass es Memories gibt, kleine USB-Sticks, die sich Leute injizieren können, um mich in Monster zu verwandeln. Shotaru und sein Partner Philip hingegen bekämpfen diese, in dem sie zusammen zu einem Kamen Rider fusionieren. Da Philip sich zudem in eine Gedankenbibliothek zurückziehen kann und scheinbar viel von normalen zwischenmenschlichen Gepflogenheiten versteht, ist auch schnell klar, dass er ein künstlicher Mensch oder frischer Klon oder ähnliches ist.

Und eigentlich ist der ganze Kamen-Rider-Teil eh nicht so wichtig für Fuuto PI. Die Serie ist eine Aneinanderreihung von einzelnen Fällen der Detektei, die auch ohne die Memories und die Kamen-Rider-Verwandlung funktionieren würden. Ja die erste Tranfsormation ist sogar erst in Episode 3. Es würde zum Beispiel nicht viel Aufwand kosten, dies hier als übernatürliche Fälle eines Devil Summoners zu deklarieren, der am Ende einen Dämoen mit seinem Jack Frost besiegt oder so. Dadurch wird das Kamen Rider W Vorwissen natürlich netterweise noch inkonsequenter.

Die Serie hat mir zumindest gut gefallen. Es gibt nette Noir-Stimmung in den Fällen, am Ende dann immer eine gute Action-Einlage, wenn dann doch der Kamen Rider eingefügt wird. Und vor allem sind die Investigationen tatsächlich ziemlich gut geschrieben. Alles fällt über die je 3 Folgen eines Einsatzes gut zusammen und erklärt sich, und das ohne den Zuschauer für dumm zu verkaufen, in dem alles ständig umständlich übererklärt wird. In einem Fall sind beispielsweise eine Reihe Heiratskandidatinnen vom Alcohol-Memory besessen, was sie in ein starkes Monster verwandelt, aber auch mit jedem Einsatz näher an eine Alkoholvergiftung bringt. Das erfährt man erst später, während in der ersten Folge bereits abgeklappert wird, was die Frauen für Berufe haben. Fast alle arbeiten im Rotlichtmilieu oder zumindest Nachtleben der Stadt. Wenn man nun Eins und Eins zusammengezählt bekommt, macht es absolut Sinn, das sie vom jenem Memory ausgewählt wurden, da sie sich beruflich bedingt eine Alkoholtoleranz erarbeitet haben, durch die sie die Verwanglung überhaupt überstehen können. Die Folgen sind immer noch gut genug, wenn nicht jedes Detail auffällt, aber sowas ist immer ein schöner Klick-Moment im Kopf, wenn es passiert.

Etwas kurz kamen mir vielleicht die Agentur-internen Charaktermomente. So richtig warum Shotaro und Philip jetzt beste Buddies sind, oder warum alle Tokime so schnell toll finden, ging für mich beispielsweise nicht auf. Und hier kommt eben wieder das Queerbaiting hinein, da ähnlich Samurai Flamenco Charaktere hin und wieder annehmen Shotaro und Philip wären ein Paar. Gerade weil Philip eifersüchtig wird, dass Shotaro mehr Zeit mit Neuankömmling Tokime verbringt. Als er meint, dieses Gefühl von ihm wäre merkwürdig, weil ja nur Mann und Frau zusammenleben können, wir Philip aufgeklärt, dass das auch zwischen zwei Männern geht. Am Ende war es aber nur ein großer Witz und beide gehen No Homo. Is ja Ok das die beiden nur Freunde sind, und auch platonisch eifersüchtig kann man sein, wenn da jemand anderes zwischenkommt, aber ich bin es leid dieses Setup für eine ganze Folge als Comic Relief geboten zu bekommen. Haha, Philip denkt er wäre vielleicht schwul, peak Comedy. Aber immerhin macht es die Serie relativ schnell klar, dass da nix zu holen ist, und liebäugelt mit dem Gedanken nicht beständig, nur um sich dann doch nie zu trauen, so wie Samurai Flamenco das tat.

Fuuto PI ist jedenfalls eine ganz stimmige und meist sehr gut durchdacht geschriebene Detektiv-Serie mit einem kleinen bisschen charmanten Kamen Rider Blödsinn eingestreut.

Anime Quickies: Man with a Chainsaw, Spy with a Family, and a Witch that flies

ava-2749Und schon sind wir bei den nächsten Quickies angekommen im Medienkonsum. Statt um Videospiele geht es Heute allerdings zum Ausgleich um Anime. Davon hab ich nämlich auch im letzten halben Jahr oder so ein paar geschaut, die unabhängig ihrer Qualität nicht unbedingt vieler Worte gebrauchen.

Flying Witch

Bei Flying Witch handelt es sich um ein fast normales Slice of Life. Makoto zieht in ihrer Funktion ihr Handwerk zu lernen zu ihren Verwandten aufs Land. Hier wird sie in der Familie und auch Dorfgemeinschaft herzlich aufgenommen. Es vergehen Tage, in denen Felder beackert werden, oder ein Ausflug in die Landschaft gemacht wird, oder regionale kulinarische Spezialitäten verköstigt werden. Das einzig besondere ist, dass Makotos Handwerk eben das Hexenwerk ist.

In einigen Episoden treffen wir also auch auf übernatürliche Wesen, wie dem Bringer des Frühlings. Oder finden für Kaffee und Kuchen das verwunschene Bead and Breakfast einer anderen Hexe. Bauen eventuell neben dem Gemüse auch noch eine Mandragora für Zauberformeln an. Doch alles bleibt sehr Low Key und auf das einfache Leben beschränkt, die übernatürliche Komponente ist überraschend stark zurückgefahren. Macht nicht zwangsläufig spektakuläre, aber doch sehr angenehm zu schauende 12 Folgen aus.

The Girl From The Other Side

Basierend auf einem 11-bändigen Manga bekommen wir hier einen meditativen einstündigen Film geboten. In einem sehr monochromen bis gedeckten Stil, mit “tanzenden” Outlines, die sehr an ein Märchen-Bilderbuch erinnern. Eine Geschichte zwischen dem in Schwarz gehaltenem Menschenbiest von “Außen”, wo die Verfluchten leben, der nur als Lehrer bezeichnet wird. Und einem in Weiß gehaltenen kleinen Mädchen von “Innen”, wo die Menschen leben, die er am Waldrand findet und bei sich leben lässt.

Die Handlung besteht nun hauptsächlich aus deren Leben miteinander, der sich bildenden Freundschaft. Aber auch den ständigen Agitationen, die jene ausgesetzt ist. Sowohl von anderen “Äußeren”, wie aber auch von Menschen von “Innen”. Alles sehr warmherzig aber auch tragisch. Und vor allem ein sehr offenes Mood Piece, welches man audiovisuell auf sich wirken lassen und zu seinen eigenen Schlüssen kommen kann. Jeder kann sich selbst sehen in jenem selbsterfüllenden “Fluch”, der neben Depressionen ein Standin für jedes anderweitige eigene Problem oder ausgrenzenden Eigenschaft bedeuten kann. Genau so, wie die Handlung genausogut als generelle Meditation gegenüber Vorurteile und den Druck der Gesellschaft sich jenen zu konformieren, gesehen werden kann. Tragisch schön und offen für die eigenen Befindlichkeiten.

Chainsaw Man

Denji ist ein Teenager und ein armes Waisenkind, der sich mit allerlei Jobs durchschlagen muss. Wie auch mit Hilfe des kleinen Teufelchens Pochita gegen Teufel kämpfen. Bis er hintergangen wird und umkommt, doch dank eines Pakts mit Pochita als Chainsaw Man wieder aufwacht: Ein Halbteufel, der mit Kettensägen kämpft. Die Regierung stellt ihn vor die Wahl: Entweder exterminiert werden wie ein Teufel, oder in einer dafür eingerichteten Organisation gegen andere Teufel kämpfen.

Chainsaw Man ist ein Shonen Jump Hit-Manga, der letztes Jahr in eine langersehnte und weit gehypte Anime-Adaption von 12 Folgen gefasst wurde. Was interessant ist, ich hätte eher auf einen 24-Folgen-Run getippt. Jedenfalls war ich am Anfang etwas neutral der Serie gegenüber, sie kommt nämlich wie eine generische Shonen-Serie daher, mit allen nötigen Klischees, nur mit der Gewalt ein wenig hochgeschraubt. Doch über die 12 Folgen ist mir die Serie etwas nähergekommen. Denn nach den ersten Folgen, welche die Grundlagen des World Buildings und involvierten Charaktere legen, finden sich doch mehr und mehr auch ruhige Momente ein, die meine Highlights der Season waren. Wenn Charaktere in typische Shonen-Action-Setups gestoßen werden, aber dann anschließend eben auch gezeigt wird, was deren Aftermath ist, wie die Charaktere die Ereignisse verarbeiten. Fand die Serie dann doch recht gut, sobald ich mit ihr warm geworden war.

Jujutsu Kaisen 0

Bevor Gege Akutami seine Hit-Serie Jujutsu Kaisen begannt, zeichnete er bereits einen ähnlichen Manga, der zu dessen Blueprint werden sollte. Retroaktiv wurde dieser als Jujutsu Kaisen 0 und damit offizielles Prequel erneut herausgebracht. Und in der Wartezeit auf die zweite Staffel der Serie auch als ein Kinofilm animiert. Als Hauptcharakter haben wir Yuta, der vom sehr starken Geist einer Kindheitsfreundin besessen ist, die seine ihn quälenden Mitschüler umbringt. Gojo kommt vorbei und rettet Yuta vor seinem Aus, in dem er ihn Teil der Schulklasse zur Bekämpfung von Flüchen macht.

Da der Film nach der Serie animiert ist, hat er natürlich den Vorteil, die Ereignisse noch stärker in das narrativ einzuarbeiten, als der vorher gezeichnette Manga das tat. Dennoch lässt sich häufig sehen, was der Prototyp wofür war. Yuta beispielsweise kommt daher wie ein Progo-Megumi. In der Serie war er übrigens noch nicht zu sehen, sondern lediglich kurz erwähnt worden. Jedenfalls haben wir es hier eben einfach mit mehr Jujutsu Kaisen zu tun. Auf großer Leinwand. Jede Menge coole Action bekommen wir geboten. Einiges an sympathischen Charakteren. Es waren gut unterhaltende 105 Minuten. Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass es eventuell doch etwas kurzangebunden war. Manchmal fühlt sich der Film so an, als würde man die ersten und letzten paar Folgen einer vollen Season schauen, im Mittelteilt fehlt einem etwas.

Spy x Family

Auch kürzlich zu Ende gegangen ist die erste Staffel von Spy x Family, welche in zwei Parts von 12 und 13 folgen mit kurzer Pause zwischen ihnen ausgestrahlt wurde. Hier haben wir es mit einem Spion zu tun, der einem Politiker nahekommen muss. Als Plan wird ausgetüftelt dies über dessen Sohn zu machen, der auf eine Privatschule geht. Also werden sowohl eine Frau wie ein Kind gesucht, mit denen er vorgeben kann, eine Familie zu sein. Natürlich dürfen die nichts davon wissen, dass er ein Spion ist. Dafür weiß er allerdings auch nicht, dass er sich als Frau ausgerechnet eine Killerin und als Tochter eine Gedankenleserin herausgesucht hat.

Und so beginnt der nicht alltägliche Alltag dieser ungleichen Familie voller Geheimnisse. Was in der Serie allerdings als ziemlich fluffige Wohlfühl-Comedy dargestellt ist. Die Charaktere sind einfach unglaublich herzig und sympathisch und wollen tatsächlich ihr Bestes geben, nicht nur für die Mission, sondern füreinander als Familie. Sie wachsen zusammen und wollen nur Gutes füreinander. Und gleichzeitig gibt es natürlich viel Situationskomödie zwischen dem wohligen Familienleben und ihren doch brutalen “echten” Berufen und diese voreinander geheimzuhalten. Highlight ist sowieso das kleine Mädchen, die als Psi-Begabte als einzige die Geheimnisse aller lesen kann, jene aber in ihrem kindlichen Hirn als super spannend hält, und die regelmäßig witzige Fratzen schneidet. Spy x Family war eines meiner Highlights an Wohlfühlserien im letzten Jahr. Absolute Sehempfehlung.