Doctor Who: Series Five

Los geht es nach einem Jahr Quasi-Pause mit der fünften Staffel Doctor Who unter der Leitung von Sherlock-Schöpfer Steven Moffat, der bereits 1999 das Parodie-Special der Reihe schrieb, und seit der Reinkarnation in New Who mit für die besten Folgen verantwortlich zeichnete. Nur ein Christmas Special gibt es noch nicht, da das aus dem Vorjahr in die Box der Specials gegeben wurde.

Und wir kommen mit einem neuen Doctor daher, oder der zumindest mit einem neuen Gesicht. Aber noch viel wichtiger gibt es eine neue Opening-Sequenz, die doch tatsächlich mit einer neuen und nicht grottigen Title Card aufwarten kann! Aber auch Matt Smith ist der bisher jüngste und attraktivste Doctor – wenn das Licht nicht falsch fällt und er wie Young Frankenstein ausschaut. Allgemein darf ich bereits sagen, dass mir das Schauspiel von Matt Smith als Doctor bisher am besten gefällt. Christopher Eccleston finde ich nicht so schlimm, wie mancheiner, aber häufig war er doch etwas langweilig in der Rolle. David Tennant war definitiv interessanter, aber in seinen Marotten mir manchmal etwas zu Jack Sparrow und anstrengend. Matt Smith findet da meiner Meinung nach einen guten Mittelweg und mimt mal den schnell quasselnden und verplant wirkenden Doctor, ist aber meistens etwas gedeckter und gibt der Rolle oft eine heroische Art.

Allgemein kommt mir die Serie in ihrer Moffat-Inkarnation irgendwie stylischer und moderner vor. Liegt vielleicht auch daran, dass während der Specials auf HD umgestellt wurde, und daher dies die erste Staffel mit einem klareren Bild ist. Aber auch der neue TARDIS-Innenraum sieht luftiger und weniger runtergekommen aus. Der neue Sonic Screwdriver in Grün. Die neue super junge Companion. Selbst die Daleks werden aus ihrem runtergekommen Metall befreit und nehmen die Form von Power Rangers farbvariierten Plastik-Pfefferstreuern ein.

Wie gesagt gib es kein Christmas Special, dafür darf die erste Episode, The Eleventh Hour, dennoch eine volle Stunde einnehmen, immerhin ist es ja auch das große Willkommen des neuen Doctors. Der hier das coolste schottische Mädchen trifft, und mit 12 Jahren leicht verspätet endlich kommt, um die zu einer jungen Frau mit fabelhaftem Haar herangewachsene zur Companion zu machen. Wie gesagt ist die Folge hauptsächlich dazu da, um uns zu zeigen, wie der neue verjüngte Doctor so ist, und als solches legt sie definitiv einen guten Start hin, zumal das Zusammenspiel mit Amy auch sofort funktioniert.

The Beast Below ist eine weitere gute Episode, in der Amy und der Doctor auf einem Raumschiff landen, welches das neue Großbritannien ist, unter dem ein großes Geheimnis lauert, welches die Einwohner bewusst zu ignorieren wissen. Das Design hier ist echt cool, die Herangehensweise manchmal witzig, manchmal mysteriös und manchmal dramatisch. Besonders gegen Ende, welches kurzzeitig echt übel aussieht, aber dann doch Hoffnung zu schöpfen weiß. Lediglich etwas störte mich, dass der Doctor und Amy direkt schon eine große Auseinandersetzung haben, die sie beinahe entzweit. Das ist in der zweiten Folge arg früh, und zudem erinnert mich der arschige Doctor zu sehr an die Davies-Doctoren.

Victory of the Daleks kann man zugutehalten, dass man so wenigstens die obligatorische Dalek-Episode früh in der Staffel aus dem Weg bekommt, und dass es diesmal wenigstens keine Doppelfolge ist. Churchill hat im Zweiten Weltkrieg jedenfalls plötzlich Dalek-Unterstützung, die aber nur an den Doctor herankommen und durch ihn im neuen Look wiederauferstehen wollen. Und immerhin entkommen die Daleks diesmal am Ende, statt das uns zum wiederholten Male weis gemacht wird, dies wäre der endgültig finale Sieg über die allerletzten Vertreter der Rasse. Der Sieg der Daleks ist allerdings wohl eher der, dass sie endlich mal in einer Folge sind, die nicht scheiße ist, sondern nur leicht schwach.

Sichtwort Doppelfolge: The Time of Angels und Flesh and Stone bringen die Weeping Angels zurück. Oder besser gesagt eine Crew mit Doctor und Amy in die Ruinen einer untergegangenen Zivilisation, die vor den Statuen, die eigentlich gar keine sind, nur so wimmeln. Die Angels sind super Antagonisten, und hier gibt es auch ein paar gute neue Einfälle, wie das ein Bild von ihnen ebenfalls gefährlich ist, was zu einem sehr starken Beginn der Story führt. Nicht ganz so toll finde ich in Flesh and Stone, wenn man sie sich wirklich bewegen sieht, dass sie das immer nur Offscreen auch unbeobachtet vom Zuschauer taten, fand ich effektiver. Zumal es etwas blöde ist, dass sie zu Statuen werden, wenn sie sich beobachtet fühlen, statt zu merken, ob jemand sie wirklich wahrnimmt oder nicht. Aber hey, River Song ist wieder da, wieder in der falschen Zeitlinie zu ihrem Doctor, aber das Zusammenspiel zwischen ihr, ihm und Amy ist einfach superb. Kommt auch zu nicht gerade subtilem Forshadowing, dass sie ihn umbringen wird.

The Vampires of Venice dreht sich eher um Fischweiber, die sich als Vampire im Venedig des 15. Jahrhunderts ausgeben. Während der Doctor Amy und deren Verlobten und Neu-Companion Rory auf einen romantischen Ausflug hierher bringt. Der ihn nicht so leiden kann, wegen der sexuellen Spannung zwischen Doctor und Amy, und auch wohlweislich anspricht, dass der Doctor einen schlechten Einfluss auf seine Companions nimmt, weil sie durch ihn unnötig gefährlich leben. Auch der Vorwurf der Königin, dass der Doctor mal wieder lieber eine ganze Spezies untergehen sieht, statt eine einzelne Stadt seiner geliebten Menschen zu opfern, ist nicht ohne. Das Spiel zwischen dem Doctor und seinen nun zwei Companions ist witzig, das Setting hat Stil, und mir liegt die Thematik der Episode allgemein.

Amy’s Choice adressiert dann endlich, dass Amy sich mal zwischen ihrem Rory oder dem leichten Flirt mit dem Doctor entscheiden muss, und glücklicherweise hilft ihr das über den Doctor hinweg, statt dass sie sich für jenen entscheiden würde. Und dem Doctor wird vorgeworfen, dass er eine mehr Schein denn Sein Show der Quirks ist. Von einem humorigen Traumdämon, der Amys Entscheidung tatsächlich einen Elefant im Raum nennt. Und das er eigentlich nur des Doctors Selbstreflektion darstellt, ist auch nicht uninteressant. Die Staffel ist in den letzten vier Folgen echt besser und besser geworden, und war schon nicht schlecht gestartet.

In The Hungry Earth und Cold Blood bekommen wir es dann mit Echsenmenschen zu tun, die in Wahrheit früher die Erde regierten, bevor die Menschheit sich wie eine Rattenplage ausgebreitet hat, statt wie zunächst fast ein Zombie-Film zu wirken, da sie aus dem Erdinneren stammen. Und wären die Echsen nicht sofort so konfrontierend und rassistisch, würde die Story darum, wie fragil doch Friedensverhandlungen sind, wie schnell sie wegen kleiner Fehler in die Brüche gehen können, und wie eine Koexistenz mit den finiten Ressourcen überhaupt ermöglicht werden kann, besser funktionieren. Aber mal ehrlich, wer hat schon erwartet, dass die Geschichte gut ausgeht, immerhin können Menschen schon untereinander nicht, geschweige denn eine ganz fremde Rasse zu integrieren. Das Ende ist richtig gut, und auch der Rest der Doppelfolge durchaus nicht übel. Mit Rorys Ausscheiden bekommen die Zeit-Raum-Risse, die immer mal wieder auftauchen, auch eine ganz andere Note, da sie einen nicht nur töten, sondern es so ist, als hätte man nie existiert. Wobei klar ist, dass der wiederkommen wird, bei der Art von Abgang.

In Vincent and the Doctor trifft der Doctor auf Vincent van Gogh und dessen besondere Art und Weise, die Welt zu sehen, die ihn zu seinen Bildern verleitete. Außerdem sieht er dadurch eine unsichtbare Cockatrice, die umgeht und bekämpft werden muss. Besonders schön ist auch das emotionale Ende, obwohl es arg praktisch ist, dass dies den Fluss der Zeit nicht durcheinander bringt. Aber New Who und noch mehr Moffat Who schert sich da sowieso weniger und weniger drum.

Wenn der Doctor in The Lodger ganz ohne Companion mit einem Normalo-Briten in eine WG zieht, um herauszufinden, was im Obergeschoss merkwürdiges los ist, sollte man meinen eine Comedy wäre geboren. Es ist auch durchaus eine witzige und niedliche Nebenepisode, allerdings hätte ich es gut gefunden, wenn ein Teil des Witzes auch auf Kosten des Doctors gegangen wäre. Stattdessen ist der mal wieder super toll in allem, auch all jene zum ersten Mal getätigte Sachen, die im Leben eines Normalsterblichen alltäglich sind.

Und damit geht es ins Finale in The Pandorica Opens und The Big Bang, zu denen so ziemlich alle die Staffel über getroffene Personen zusammenkommen, um dem Doctor eine Nachricht in Form eines van Gogh Gemäldes vom explodierenden TARDIS zukommen zu lassen. Und was hält Pandoras Box so schreckliches in sich? Gar nichts, es ist eine Falle aller anderen Spezies, um den Doctor einzufangen, weil sie ihn als größte Gefahr für das Universum einschätzen. Was schon eine echt interessante Idee ist. Und letztendlich verkommt alles in ein enormes Gewust an Zeitsprüngen hin und her, um den Karren wieder aus dem Dreck zu fahren. Ist auch ein sehr schönes Finale für Amy und Rory geworden. Und allgemein ein ziemlich spannendes, auch wenn ich mich frage, wie lange die Serie noch weiterhin immer ein noch größeres und dramatischeres draufsetzen kann, und ob das überhaupt nötig ist, ein wenig lächerlich ist es ja schon, dass ständig das Universum fast oder doch endet und Hauptpersonen sterben und doch wiederkommen.

Erneut ist die fünfte Staffel eine, die ich so ziemlich rundum genossen habe, weil jede Folge Gutes in sich hatte, auf das ich mich beziehen konnte. Und die meisten haben gar nicht mal allzu viel Schlechtes oder Merkwürdiges zum Ausgleich zu bieten. Das modernere Look and Feel ist mir sowieso gefällig. Auch der Elfte Doctor und die neuen Companions. Ebenfalls sehr schön fand ich, dass es diesmal mehr eines durchgängigen roten Fadens in der Serie gab, durch die überall auftauchenden Risse und was so langsam nach und nach herauskommt. Ist besser als in den vorigen Staffeln, wo komplett vergessene Nebensächlichkeiten aus einer frühen Folge plötzlich als Auslöser für Welterschütternde Finale herhalten mussten.

Doctor Who: Specials

Wie bereits erwähnt sollte sich für Staffel 5 einiges bei Doctor Who ändern. David Tennant nicht mehr der Doctor, Russel T Davies nicht mehr Hauptschreiber und Serienproduzent – Positionen die er seit Beginn der Neuauflage inne hatte -, und auch Julie Gardner trat als leitende Produzentin zurück. Um dem neuen Team um Matt Smit als den elften Doctor und Steven Moffat als Schreiber und Produzent allerdings etwas mehr Zeit zu geben, die neue Staffel unter Dach und Fach zu bringen, wurde das Jahr 2009 schlichtweg ausgesetzt.

Allerdings dann doch nicht ganz. Während das neue Team drauf und dran war Staffel 5 für 2010 zu produzieren, gingen Davies und Tennant mit dem alten Team in eine Extrarunde und produzierten 5 einstündige Specials, die zwischen den beiden Staffeln ausgestrahlt wurden. Ich meine, Who Specials haben sowieso mit die besten Einschaltquoten, warum also nicht?

Wir beginnen mit dem Weihnachstspecial 2008, bei dem The Next Doctor ein Fakeout-Titel ist, denn es geht nicht bereits um die Nummer Elf, stattdessen trifft Zehn zu Weihnachten im London der 1850er auf einen Kerl, der sich lediglich für den Doctor hält. Mit Companion und TARDIS-Ballon und allem. Das Special ist schon ganz ordentlich, bietet eine gute Antagonistin, witziges Spiel zwischen dem echten und dem „nächsten“ Doctor, und langweilt zumindest nie.

Dennoch ist es wie die meisten Weihnachtsspecials ein wenig faul, denn zumindest mir kommt es so vor, als würde man in jene nie ganz so viel Ambition stecken, solange die Familie gemeinsam eine halbwegs brauchbare Unterhaltung am Weihnachstabend, nachdem man sich nichts mehr zu sagen hat, geboten bekommt, ist man zufrieden und macht seine Quote. Zumindest hätte ich es gern gehabt, dass die tragische Vergangenheit der Antagonistin und des „nächsten“ Doctors etwas besser ausgearbeitet wäre, statt nur kurz angerissen zu werden.

Als nächstes sahen die Briten ihren zehnten Doctor zu Ostern in Planet of the Dead, welches mit dem Feiertag an sich so ziemlich nichts zu tun hat. Keine Teepartys mit Hasen oder so. Stattdessen ein Weib, welches auf Mission Impossible für Arme macht, und bei der Flucht vor der Polizei mit dem Doctor zusammen auf einem Wüstenplaneten landet. Wo prompt den Rest des Specials über so gut wie nichts passiert, bis es zur großen Flucht vor Killer-Rochen kommt. Selbst auf 45 statt 60 Minuten wäre das keine Highlight-Folge geworden.

The Waters of Mars ist das einzige Special, welches nicht zu einem Feiertag ausgestrahlt wurde, weil man kurioserweise Halloween um einen halben Monat verstreichen ließ. Der Doctor reist zumindest auf die erste menschliche Mission auf dem Mars, welche mit dem Tod aller geendet hat. Ein fixer Punkt in der Geschichte, der nicht geändert werden sollte. Und mit den dort umgehenden Monstern hätte es sich definitiv als Halloween-Special angeboten. Es ist auch eines der besseren, wobei für mich das Ende nicht hinhaut. Denn es macht so ein wenig kaputt, was ich an The Fires of Pompeii mochte. Water löscht Fire aus?

Jedenfalls mochte ich eben den Nihilismus an jenen Fixpunkten so sehr, nämlich das der Doctor hier nichts unternehmen darf. Was Waters of Mars sofort dahin revidiert das der Doctor nichts tun kann, da alle Aktionen eh letztendlich nur zum gleichen Fixergebnis führen. Finde ich schon nicht so toll, weil das vorige ist eben wesentlich aktiver. Er könnte etwas unternehmen, tut es allerdings bewusst nicht, weil dies zu größeren Problemen führen würde. Statt er würde doch ach so gern, aber oh leider macht es ja keinen Unterschied. Nur unternimmt er dann doch was, plötzlich ist es wohl für unseren Superdoctor doch kein Ding die Zeit einfach mal zu ändern, was ihn ziemlich großkotzig und arrogant rüberkommen lässt… und wie Forshadowing behandelt wird, dieses Fehlverhalten könnte eben echt auf ihn zurückfallen, nur vergessen die folgenden Specials das scheinbar wieder.

Die da heißen The End of Time. Von dem der erste Teil zu Weihnachten 2009 ausgestrahlt wurde, während der zweite Teil mit leichter Überlänge von 70 Minuten an Neujahr 2010 auf den britischen Fernsehern lief. Tennant beginnt das Special damit, seinen Doctor Zehn so Jack Sparrow wie noch nie agieren zu lassen, wird aber ziemlich bald vom wiederbelebten aber durchgedrehten Master an die Wand chargiert. Auch wenn der Master hier echt wenig mehr macht als zu schreien und wiederwertig zu essen. Ach ja, und am Ende alle Menschen in Master verwandelt, was mal so richtig dämlich war. Ansonsten geschieht mal wieder nicht viel bis kurz vor Ende, wenn uns gezeigt wird, dass der prätentiös dahin redende Sprecher des Specials ein Timelord war, der von einem Timothy Dalton gespielt wird, der nichts sagen zu können scheint, ohne die Kamera einzspeicheln.

Den zweiten Part von The End of Time mochte ich mehr. Nicht unbedingt wegen der Handlung an sich, die mir ziemlich egal war, auch wenn genug Hype hinter der Rückkehr der Timelords stecken könnte, die plötzlich doch keine solchen Gutmenschen sind, wie der Doctor immer so schön propagiert hat. Hauptsächlich ist mir Donnas Großvater einfach viel zu sympathisch und die zwei ernsten Dialoge, die er mit dem Doctor führt, sind echt herzig. Das war es aber eigentlich auch schon. Donna springt drei Mal durchs Bild, darf aber nichts machen. Dass der Doctor immer so darauf besteht, er würde keine Waffen nutzen, finde ich etwas lächerlich, wenn man mal bedenkt, wie einfach er ganze Zivilisationen dem Untergang weiht. Das Ende ist Blödsinn. Und der verlängerte Abschied, wenn Doctor Zehn und durch ihn Tennant sich von allen – selbst der Kerl aus dem Titanik-Special – verabschiedet, hat mich ziemlich kalt gelassen, und Martha Jones mit Mickey enden zu lassen ist eh Blödsinn.

Ist echt Schade, denn wenn Tennant und Davies sich mit Staffel 4 verabschiedet hätten, statt diese Extrarunde zu fahren, dann wären die echt mit einem Knall gegangen. So ist es ein laues Lüftchen, ein Furz, denn von den fünf Specials war wahrlich keines so richtig gut. Das große Abschiedsfinale The End of Time sogar mit am schlechtesten.

Doctor Who: Series Four

Die 4. Staffel von Doctor Who ist ein wenig besonders, denn sie ist die letzte für das aktuelle Team, oder zumindest einigen der Pfeiler in jenen. Namentlich ist es die letzte Staffel mit David Tennant als der zehnte Doktor und Russel T. Davis als der Kopf der Produktion. Sie werden ab Staffel 5 von Matt Smith und Steven Moffat ersetzt werden.

Wie immer beginnen wir mit einem Weihnachts-Special, und wie immer beginnt die Folge mit dem Opening, welches diesmal allerdings mit einem deutlichen Remix des Themes daher kommt, allerdings weiterhin die schreckliche Title Card von New Who verwendet. In Voyage of the Damned dürfen der Doctor und seine Kurz-Companion Kylie Minogue eine Raumschiff-Replik der Titanik davor bewahren, von mit ihren Halos um sich werfenden Engelsrobotern in die Erde gecrasht zu werden. Die Folge ist durchaus in Ordnung, viel Mühe geben sich die Weihanchstspecials ja häufig nicht, und man sollte nicht allzu stark über die Logik nachdenken (ein guter Tipp für die ganze Serie, wenn man ehrlich sein will), aber es ist durchaus unterhaltsam gewesen. Der fake Erd-Experte und das Design der Engel ist beispielsweise ziemlich gut.

Partners in Crime, die erste richtige Folge der Staffel, ist eine sehr witzige Geschichte über ein Alien, welches den Menschen bei Gewichtsproblemen hilft, in dem es überschüssiges Fett in Mini-Aliens wandelt. Ein Großteil des Humor kommt allerdings daher, dass hier Staffel-Companion Donna Noble eingeführt wird, die beste Companion bisher. Und keine Unbekannte, ist sie nämlich die Runaway Bride des Weihnachtsspecials der vorigen Staffel. Jedenfalls ist die sie darstellende Catherine Tate eine Comedian, und das merkt man auch. Dass sie weiterhin absolut kein romantisches Interesse am Doctor hat, ist eine dankenswerte Entscheidung. Allgemein bricht sie die bisherigen Konventionen, da sie weder wirklich jung noch super attraktiv ist. Dafür ein echter Charakter und ein echt launiger. Wobei die Antagonistin der Folge auch ziemlich witzig ist.

The Fires of Pompeii beweisen allerdings, dass Catherine Tate nicht nur als Comedian eine witzige Donna abgibt, sondern dass die gute Frau auch besser schauspielern kann, als ihre beiden Companion-Vorgängerinnen zusammen, wenn es um emotionale und ernste Szenen geht. Mit viel coolem Forshadowing durch die Seher der Stadt was den Staffelverlauf angeht, geht es nämlich hier dahin zurück, dass die Existenz des Doctors auch etwas Unmenschliches an sich hat. Die Sache ist die, es gibt fixe Momente in der Geschichte, die einfach geschehen müssen, damit die Realität sich nicht auflöst. Sozusagen die schnelle Erklärung dafür, warum der Doctor nicht alles Unrecht – sagen wir mal ganz random etwas was in Deutschland in den 1930er/40er Jahren hätte geschehen können – gerade biegt, denn einige Dinge müssen einfach geschehen. Als Zeitreisender allerdings uninvolviert dem Untergang ganzer Zivilisationen beizuwohnen… ist schon sehr nihilistisch. The Fires of Pompeii zeigt das umso mehr, da jemand nämlich das Unglück des Vesuvausbruchs zu verhindern versucht, und der Doctor eingreifen und somit durch sein aktives Handeln 20.000 dem Tode weihen muss, damit es zu keinen größeren Problemen kommt. 20.000 Menschen gegen den Rest der Erde aufgewogen ist eine logische Rechnung mit logischem Ausgang, aber dennoch irgendwo monströs, und Donna muss hier eben herausfinden, dass die Reisen mit dem Doctor nicht immer witzig-exotische Abenteuer sind.

Planet of the Ood hingegen geht genauer auf die Sklaven-Thematik der Rasse ein, die in deren ersten Auftreten in The Impossible Planet/The Satan Pit schnell beiseite gewunken wurden, weil die Doppelfolge sich anderen Themen zuwandte. Adressiert Staffel 4 etwa wirklich einen Großteil der Probleme, die ich bisher mit der Serie und dessen Weigerung sich den ungünstigen Implikationen einiger Dinge zuzuwenden hatte? Abgesehen davon sind die Ood nach den Weeping Angels die einzige Rasse aus New Who, die bei mir einen Eindruck hinterlassen haben.

Die erste Doppelfolge der Staffel, The Sontaran Strategem und The Poison Sky, geht hingegen zu aus Classic Who bekannten Bösewichtern zurück. Hätte vielleicht nicht zwei Folgen lang sein sollen, aber auch hier gab es viel, was ich mochte. Die Kartoffel-Kopf Sontarans mit ihren schrägen Manierismen sind unterhaltsam. Der Doctor bekommt Unterstützung vom Militär, hat zur Seite gestellt einen niedlichen Kerl mit phänomenalen Wangenknochen. Und das Problem damit, dass die Companions immer ihre Familien so schnell links liegen lassen, obwohl sie wenn nötig dann plötzlich deren Zentrum bilden, wird noch Mal adressiert – in dem der Großvater von Donna Bescheid weiß und mit den Zeit-Raum-Reisen ok ist, und die Bindung zu ihrer Mutter eh nicht pralle porträtiert wird. Oh und Martha Jones taucht wieder auf, die zwar keine Donna aber auch ganz gut ist.

Sie folgt sogar in die nächste Folge, The Doctor’s Daugther. Eine weitere weibliche Figur, die sich nicht in den Doctor verliebt bereithaltend, in Form dessen unfreiwilliger Klon-Tochter. Mit einem echt guten Reveal gegen Ende der Folge noch dazu. Also der bevor Jenny wiederbelebt wird, was mir etwas zu sehr danach riecht, ein Spinoff mit einer heißeren und jüngeren Figur die Weichen zu legen.

Auch das folgende The Unicorn and the Wasp ist nicht eine der besten Folgen der Staffel, aber da der Doctor und Donna im Prinzip Cluedo mit Agatha Christie spielen, hat auch diese einige gute und unterhaltsame Dinge aufzufahren, weil das Ding einfach so extrem britisch ist.

Die nächste Doppelepisode steht an und die hiesigen Beiträge von Steven Moffat: Silence in the Library und Forest of the Dead. Manchmal fragt man sich fast, warum man Moffat die Leitung der Serie übergab. Sicher, er hat die besten und kritisch best-aufgenommenen Folgen der Serie bisher geschrieben. Allerdings auch diejenigen, die mit die geringsten Einschaltquoten hatten, so nämlich auch bei Silence in the Library. Aber was eine geile Horrorstory er uns hier liefert, in dem erneut der Doctor mit einer kleinen Gruppe an Leuten in einem überschaubaren Ort eingeschlossen werden, während im wahrsten Sinne des Wortes der sichere Tod in jedem Schatten lauert. Auf menschliche Urängste vorm Dunkeln anspielen geht natürlich immer. Und mehr Story zum Doctor an sich, oder was seine Zukunft anbelangen könnte, gibt es zudem, inklusive höchst dramatischem Finale.

Und wer hätte es gedacht, doch die nächste Folge, Midnight, ist fast genauso gut. Und von Russel T Davis selbst! In einem Thriller auf engstem Raum wird tatsächlich der Doctor mit einer kleinen Gruppe Leuten eingesperrt, ohne Fluchtweg aber mit einem unbekannten Alien direkt an Bord. Diesmal gehört zur kleinen Truppe aber nicht seine Companion, und der Lagerkoller führt dazu, dass der Rest dem Doctor stark zu misstrauen beginnt. Eine sehr simple aber simpel effektive Folge.

Eine Folge fast ohne Donna führt in eine Folge fast ohne Doctor, mit Turn Left werden die Weichen für das Finale gesetzt. Aber grundsätzlich dreht sich die Folge darum, was geschehen wäre, wenn Donna dem Doctor nicht begegnet wäre. Hauptsächlich wird zwar gezeigt, wie schlecht die Welt ohne einen Doctor dran wäre, aber in Verbindung damit eben auch aufgezeigt, wie wichtig Donna an sich ist. Und eine Folge, in der sie zu Flüchtlingen ohne Rechte und „Arbeits“-Lager für Ausländer eingerichtet werden ist zusätzlich überraschend modern-aktuelle Thematik.

Stolen Earth und Journey’s End machen es dann ziemlich klar, dass dies das große Finale von Russel T Davis und seinem Zenten Doctor sein soll, nicht nur weil die letzte Episode mit 60 Minuten die Länge hat, die normalerweise Specials vorbehalten bleibt. Nein, es werden auch alle Charakter neu aufgefahren. Sprich nicht nur tolle Leute wie Jack, Martha, Sarah Jane und Hariette Jones kommen hier vor, sondern wir müssen es auch verkraften, dass Rose und Mickey wieder da sind. Und die Daleks, weil irgendwann müssen die in jeder Staffel ja auftauchen. Und wie immer pisst sich jeder Charakter sofort in die Hosen, wenn sie deren „Exterminate!“ hören, nur damit das, was tatsächlich in der Folge geschieht, sie weiter degradiert. Mal wieder die allerletzten Daleks überhaupt. Mal wieder werden sie in enormen Mengen besiegt. Ja selbst unfähige Idioten wie Mickey und Jackie bekommen Knarren an die Hand, die einen Dalek in einem Schuss erledigen. Und Donna findet eine Fernsteuerung, mit der sie die Pfefferspender im Kreis fahren lässt. Nach Dalek in Staffel 1 waren die Vorzeige-Antagonisten nie wieder interessant.

Und die haben jetzt einen Schöpfer in schwarzer Lederuniform. Da muss die Folge gar nicht eine Ausrede finden, um als Kurzschauplatz Nürnberg zu bieten, damit Russel T Davis uns die Parabel Dalek = Space Nazi klar machen kann. Aber es gibt auch einiges an der Doppelfolge, was ich mag. Ich meine, grundsätzlich darf man bei den Staffelfinalen ganz wie bei den Weihnachstspecials die Logik nicht zu genau nehmen, sondern sollte die Achterbahnfahrt an sich zu genießen wissen. Und noch wie wurde es so groß und dramatisch wie hier. Außerdem wird hier geklärt, dass der Doctor nicht nur die Companions braucht, um ihn zu vermenschlichen, sondern dass er im Gegenzug auch nicht immer den besten Einfluss auf die hat, die er ultimativ zurück lassen muss. Und ein herzerwärmender Abschied von Donna gibt es auch noch, da vergisst man doch fast den Blödsinn, dass Rose ihren eigenen menschlichen Doctor-Klon bekommt, mit dem sie alt werden darf.

Und somit endet mein Beiträg zur vierten Staffel Doctor Who. Mit so vielen Worten wie noch nie und ins Detail gehend zu jeder einzelnen Folge. Denn dies ist die mit Abstand beste Staffel von New Who der Zeit von Russel T Davis und Doctor Neun und Zehn. Es ist sicherlich nicht immer alles Gold was glänzt, aber irgendwas hübsch Glänzendes habe ich dennoch diesmal in jeder Folge finden können. Sprich nicht alle sind gleich gut, aber irgendwas Gutes haben sie alle. Ich war durchgängig zufriedengestellt.

Doctor Who: Series Three

Auch die dritte Staffel beginnt mit einem Christmas Special in Überlänge, allerdings ist The Runawy Bride definitiv wesentlich besser als The Christmas Invasion war. Hauptsächlich dank der Titelgeberin, denn besagte Braut, die vom Traualtar weg überraschend in den TARDIS gebeamt wird, ist eine ziemlich launige Kurz-Companion des Doctors.

So sehr sogar, dass der sie einlädt dies dauerhaft zu sein. Allerdings lehnt sie ab. Ich glaube die gute Frau ist das einzige weibliche Wesen der Serie im fortpflanzungsfähigen Alter, die sich nicht sofort in ihn verguckt. Vielleicht mag ich sie auch deswegen. Aber ihre Begründung ist definitiv interessant, denn sie durchschaut das der Doctor an und für sich etwas unmenschliches an sich hat, als 900 Jahre altes Alien, aber rät ihm auch sich nach einer anderen Companion umzuschauen, weil es eben seine Mitreisenden sind, die ihn menschlich machen und die nötige Bodenhaftung verleihen. Ach ja, außerdem ist die Rachnoid Queen eines der cooleren und besseren Designs und SFX der Serie, dadurch geholfen das sie nicht CG sondern rein Practical Effects ist.

Und es geht gleich gut weiter, denn in der ersten richtigen Folge der Staffel, Smith and Jones, treffen wir eben auf die wirkliche neue Companion: Martha Jones. Als das komplette Gegenteil von White Trash Rose ist die weder weiß noch trashig, sondern eine schwarze Medizinstudentin. Und eine Schauspielerin, deren Gesicht einem bekannt vorkommen könnte, denn sie hatte bereits eine Rolle (erklärt als Cousine, da sie ziemlich endgültig war) im Finale der vorigen Staffel. In Torchwood ist sie wohl dann später auch vertreten, aber wer interessiert sich schon für Torchwood? Abgesehen von Children of the Earth niemand.

Es gibt nichts an Martha nicht zu mögen, denn sie ist intelligent, zielstrebig, hat eine zum Doctor passende verspielte Ader, und bringt eine weniger nervige Familie mit. Allerdings verliebt auch sie sich sofort in den Doctor, und bei jedem der zahlreichen Momente, die uns in der Staffel daran erinnern, musste ich die Augen verdrehen. Aber gut, Charaktere sind nur interessant, wenn sie Fehler haben, und der große Fehler des ansonsten Rundum-Sympathiepakets Martha Jones ist halt das sie scharf auf den Doctor ist. Immerhin ist sie schlau genug zu sehen, dass dies nicht gut enden kann, und deswegen – nachdem sie ihren Abenteuerdrang ausgelebt hat – scheidet sie freiwillig am Ende der Staffel aus, statt vom Doctor irgendwann auf einer Insel im Nirgendwo einer Paralleldimension ausgesetzt zu werden wie eine räudige Hündin.

Doch leider kann der gut hingelegte Start der Staffel nicht ganz aufrecht erhalten werden. Nach dem Special und den ersten zwei Episoden erreichen wir Gridlock. Eine Folge, die sich hauptsächlich darum dreht, dass die letzten Überlebenden einer Zivilisation in einem endlosen Autobahnstau leben, nichts von den Killerkrabben unter ihnen ahnend. Eine unglaublich dumme Folge, die viel interessantere Themen zu Nebenszenen degradiert. Statt Drogen direkt Gefühle einwerfen zu können, beispielsweise. Oder das lang als Großereignis angekündigte Ausscheiden des Face of Boe. Was ein Würdeloser Abgang für einen der interessanteren und mysteriöseren Charaktere der Serie.

Gefolgt von Daleks in Manhattan und Evolution of Daleks. Der übliche Schund um die diesmal aber wirklich vielleicht garantiert eventuell letzten Daleks die es je gab und für immer geben wird, die New Who mindestens ein Mal pro Staffel herausholen muss, bis die angeblich so fürchterlichen Antagonisten mehr zum Running Gag verkommen. Zusammen mit Schweinemenschen als Diener, einer nicht endend über ihre Attraktion zum Doctor sprechendn Martha Jones, einem komplett verschwendeten Andrew Garfield, und einem kurzatmig sprechenden Dalek-Mensch-Hybriden. Übrigens zwei der drei Folgen der Staffel mit den wenigsten britischen Zuschauern zur Erstausstrahlung – so viel also dazu, dass die ikonischen Daleks alleine noch irgendwelche Anziehungskraft hätten.

Nach immerhin nur vier minderwertigen Folgen wird die Staffel allerdings um 42, eine simple aber effektive Story um die letzten Minuten eines in eine Sonne driftenden Raumschiffs, herum wieder besser. Die nächste Doppelepisode Human Nature und The Family of Blood ist dann wieder leicht Horror und bietet vor allem einen Einblick darin, wie der Doctor wäre, wäre er ein echter Mensch. Mit echten Gefühlen und so. Hätte nicht unbedingt zwei Folgen einnehmen müssen, aber insgesamt schon ganz Ok.

Dann kommt Blink, die Highlight-Episode, die allerdings kurioserweise die mit den niedrigsten Einschaltquoten der Staffel darstellt. Vielleicht weil sie eine Doctor light Episode ist, in der David Tennant hauptsächlich in vom Rest-Cast losgelösten Videobotschaften kommuniziert. Ich stelle nach zwei Exemplaren erst mal noch keine Theorie dazu auf, dass mit die besten Folgen dieser und der letzten Staffel welche waren, die sich maßgeblich nicht um den Doctor an sich drehten. Jedenfalls ist das die erste Episode mit den Weeping Angels, die quasi reinste Horrorfilm-Monster sind, was die Episode etwas auscancelt, in dem viel vom Rest ziemlich humorig aufgezogen ist, was aber eine ganz gute Mischung macht. Aber es geht doch, echt gut designte neue Antagonisten, statt immer nur auf die Daleks und Cybermen zurückfallen zu müssen! Prompt gehe ich natürlich davon aus, dass wir die Weeping Angels von nun an mindestens in einer Folge pro Staffel sehen werden. Übrigens eine Episode von Steven Moffat – seine dritte für die Serie und alle drei bisher mit die besten.

Dann geht es mit Utopia in die Vorbereitung zum Finale, wobei hier hauptsächlich erst das Ende wichtig und interessant ist, der Rest der Folge ist etwas langweilig. Dafür zahlt sich halt alles in The Sound of Drums und Last of the Time Lords so richtig aus. Aber selbst der Professor hat eine junge, weibliche Assistentin, die sich in ihn verguckt hat? Gehört es zu den Time-Lord-Genen, dass jegliche weibliche Vertreter einer jeden Spezies sofort einen Eisprung bei deren Anblick bekommen?

Natürlich ist der Master wieder ein aus Classic Who bekannter Antagonist, weil New Who kann keine dramatischen Finale herbeiführen, ohne auf jene Krücke zurückzufallen. Aber hier stört es mich weniger, weil der Master nämlich wirklich ein Charakter ist, der mit Manierismen und Hintergrundgeschichte gefüllt wird, statt ihn wie die Cybermen und Daleks einfach in eine Folge zu werfen, das Publikum wird schon wissen das es jetzt ernst ist. Keine Ahnung, ob das überhaupt so viel daran liegt, wie das Finale geschrieben ist, oder einfach am Schauspiel von John Simm, aber dem Master folgt man doch gern durch diese Folgen. Ach ja, und Jack ist auch fürs Finale back! Yay. Wobei das Deus-Ex-Machina-Ende über die Kraft des Glaubens in den Doctor doch sehr Anime war.

Aber hey, Staffel 3 ist bisher die beste von New Who. Ein paar Folgen sind immer noch nicht gerade der Burner, und die Daleks dürften gern wirklich mal für eine Weile eingemottet werden, aber der überwiegende Teil der Staffel war echt gut.

Doctor Who: Series Two

Doctor Who ging also in seine Series 2, mit dem neuen Gesicht David Tennant in der titulären Rolle, begleitet von der alten Fratze Billie Piper. Und um herauszufinden, wie gut die neue Popularität wirklich zieht, beinhaltet die Staffel nicht nur die regulären 13 Folgen, sondern wird von einem einstündigen Weihnachts-Special angeführt. Welche zur Tradition der Serie werden sollte, obwohl The Christmas Invasion ehrlich gesagt keine sonderlich gute Folge ist, abgesehen von der wie immer launigen Harriet Jones weiterhin etwas verpeilt auch als jetziger Prime Minister.

Liegt vielleicht auch daran, dass es eine jener Folgen ist, in der sich Rose mal wieder sporadisch daran erinnern darf, dass sie eine Familie hat, und Weinachten mit Jackie und Mickey verbringen will. Die verwöhnt Göre erinnert sich halt nur an deren Existenz, wenn es an Geschenke gebunden ist. Mickey wird sogar kurzweilig ein Companion in der Staffel, wobei mein resigniertes Aufstöhnen dahingehend nicht allzu lang anhalten musste, da er wenig später wieder herausgeschrieben wird. Was sehr endgültig wirkt, aber dann darf er im Finale doch wieder auftreten, damit Rose ihren finalen Abgang mit all ihren „Lieben“ haben kann. Auch wenn sie sich die meiste Zeit wenig um deren Existenz geschert hat. Aber immerhin, damit sind Mickey und Rose raus, und das war so ein wenig wie Weihnachten für mich persönlich, wenn auch nicht in der Weihnachtsepisode.

Ich persönlich hoffe ja ein wenig, dass die neue Companion, denn ich gehe nicht davon aus, dass Doctor Who David Tennant nicht eine neue attraktive Frau zur Seite stellen wird, kein so aufgezwungenes und jegliche Chemie missendes Läuft-Da-Was reingeschrieben bekommt. Es ist eh klar, dass der Doctor immer letztendlich alleine sein wird. Dass jeglicher weibliche Charakter in der Serie, inklusive die dafür eigentlich viel zu gute Sarah Jane, sich sofort in ihn verguckt, finde ich so unnötig wie nervig.

Auch aufgeben könnte die Serie sich für hohes Drama auf alte Bösewichte zu stützen. Series 2 macht das gleich doppelt. Zuerst kommen die Cybermen in einer Doppelfolge dran, und das alles ist wie ein großes Ereignis präsentiert, wenn man die jedoch nicht aus Classic Who kennt, zieht das nicht ganz. Weil New Who einem die Cybermen nie wirklich gut erklärt, sondern komplett darauf baut, sie wären einem ein Begriff. Dabei ist das moralische Dilemma jegliche Auseinandersetzung aber dafür auch jeglichen persönlichen Freiraum aufzugeben etwas, was es wert wäre auszuleuchten. Aber die Cybermen waren damals Schurken, also sind sie es hier von Beginn an erneut. Macht deren Doppelfolge nicht zur besten.

Und dann die Daleks. Who Series 2 holt sie erneut für das Finale heraus, weil die Serie anscheinend nicht weiß, wie man ein sich zuspitzendes Staffel-Finale ohne Nahe-Ausrottung durch die Daleks schreiben kann. Was aber wirklich dabei rum kommt ist, dass die Daleks bereits in der zweiten New Who Staffel jegliche Besonderheit oder Ehrfurcht eingebüßt haben, weil sie als billige Stütze verramscht werden, die innerhalb von 2 Folgen vom Doctor besiegt werden können, währenddessen sie unglaublichen Schiss vor ihm haben.

Auch aus der moralischen Zwickmühle in New Earth macht die Serie leider nichts. Gefühllose Lebewesen dafür züchten, damit die eigentliche Menschheit ein gesundes Leben genießt? Wäre man das bereit in Kauf zu nehmen? Wie viel könnte dies helfen? Interessiert New Who nicht, es wird sofort ethisch als falsch abgewuken, und damit ist gut, zumal die Dekadenz der dies in Anspruch nehmenden entsprechend nachhilft.

Aber ich will nicht alles schlecht machen an der Staffel. Cassandras Auftritt in New Earth war erneut extrem launig und sogar etwas emotional gegen Ende. David Tennant ist ein launigerer Doctor, wenn die Rolle auch immer noch ein wenig arschig geschrieben wird (aber wer in Doctor Who ist nicht zumindest ein wenig ein Arsch?). Die Werwolf-Episode, da Doctor Who immer noch keinen Historicals traut, und deswegen etwas übernatürliches hineinwerfen muss, wo der Doctor auf Queen Victoria trifft, ist auch ziemlich gut gewesen.

Das darauf folgende School Reunion bietet Buffys Giles als Bösewicht und die unglaublich charismatische Alt-Companion Sarah Jane auf, die schon unter sich alleine die Folge machen. Der Toaster-Hund war auch nicht übel. So sehr ich bemängelt habe, dass New Who auf die Cybermen und Daleks zurückfällt, denkend ohne Erklärungen so sofortige Spannung aufgebaut zu haben, so sehr ist das Streitgespräch zwischen Emotionslosen und Hass-Angetriebenen Spezies echt witzig.

Erneut ist die dem Horror nahest-kommende Episode viel wert gewesen. Doppelt kommend als The Impossible Planet und The Satan Pit, in denen Doctor und Rose nicht nur auf einer Raumstation unmittelbar neben einem schwarzen Loch ohne Hoffnung auf Entkommen gefangen werden, sondern sogar auf den Teufel persönlich treffen dürfen. Und das darauf folgende Love & Monsters ist ein weiteres Highlight, als eine Doctor light Episode, die sich Hauptsächlich um den quirligen Elton und seine herzige Bande an Doctor-Maniacs dreht. Von der direkt anschließenden Folge Fear Her tun wir allerdings einfach mal so, als existiere sie nicht.

Von daher verbleibe ich auch in der zweiten Staffel des Who-Reboots dabei, dass ich die Serie von eher schwankender Qualität halte. Diesmal sind die Schwankungen zwar nicht ganz so stark, dafür fallen die besseren Episoden auch nicht ganz so stark auf.

American Horror Story: Roanoke

Die super höchst-geheime sechste Staffel von American Horror Story hat dann also den thematischen Untertitel Roanoke bekommen. Wahrscheinlich auch weil American Horror Story: Fake Reality TV irgendwo nicht so gruselig klingt, wobei beim richtigen Klientel eventuell schon, allerdings nicht mit der richtigen Bedeutung dahinter.

Denn Roanoke ist eine alte amerikanische Siedler-Kolonie, die unter mysteriösen Umständen irgendwann einfach spurlos verschwunden ist, und um die sich deswegen diverse Legenden ranken. Also jetzt in echt und wirklich, nicht nur für die Staffel an sich als Hintergrundgeschichte ausgedacht. Jedoch ist ehrlich gesagt dies eher nebensächlich, letztendlich könnte jeder andere Grund ebenfalls herangezogen werden, um zu erklären, warum das Anwesen von Geistern heimgesucht wird – das dies der Siedlungsgrund der Kolonie war, dient nämlich als wenig mehr. Ähnlich wie Lady Gagas Charakter, der alle paar Folgen mal kurz durchs Bild springt, als Ursprung der okkulten Macht in der Region herhalten darf, aber die ebenfalls hätte von anderen Dingen ersetzt werden können, weil sie alles andere als integral für die Geschichte wird. Was Einigen sicherlich auch gefallen hat, die ihre Präsenz in Hotel überfordernd fanden.

Jedenfalls ist das wahre Gimmick eben jenes, dass diese Staffel wie Reality TV daherkommt, und zwar in diversen Formen, weil sie sozusagen aus mehreren Serien besteht. Diesmal auch nur in 10 Folgen und ganz wie eine Werbeunterbrechung-habende solche Show, die es ja eigentlich bei AHS auf FX nicht gibt, sind die Folgen diesmal auch nur je 40 Minuten lang, statt ihren Stundenslot fast zu füllen (oder in Spezialfällen wie in den vorigen Staffeln sogar zu sprengen). Das macht sie auf jeden Fall schon mal ein Stück weit kurzweiliger als andere Staffeln, besonders die doch etwas überlangen Freak Show und Hotel.

Die erste fiktive Serie ist dabei My Roanoke Nightmare, welche die ersten fünf Folgen einnimmt. Sie ist wie eine Dokumentation aufgezogen. Bedeutet es gibt immer wieder Cuts im Geschehen, in denen wir die „echten“ Leute hinter der Geschichte in Kurzinterviews haben, während der Bulk des Programms (wie auch immer schön am Bildschirmrand angemerkt) lediglich Dramatic Re-Enactments sind, in denen von Schauspielern die angeblich echten Ereignisse dieser Interviewten nachgespielt werden. Vorrangig dreht es sich darum, dass ein Pärchen sich ein hübsches koloniales Anwesen im Nirgendwo gekauft hat, es dann aber mit kanibalischen Redneck-Nachbarn und den Roanoke-Geistern inklusive deren Anführerin The Butcher zu tun bekommen.

In Episode 6 wird uns dann erzählt, dass diese Serie der absolute Hit war, und deswegen ein Nachfolger in der Produktion ist, betitelt Return to Roanoke: 3 Days in Hell. Der Produzent der ersten Staffel schickt die Schauspieler sowie die echten Menschen hinter der Geschichte zusammen zum Blutmond, wenn die Scheiße so richtig abgeht, in das Anwesen zurück, um sie wie in Big Brother die drei Tage durchgängig zu filmen. Gegen Ende von Episode 6 wird uns allerdings bereits reißerisch kundgetan, dass die Serie nie zur Ausstrahlung kam, weil alle Beteiligten mit einer Ausnahme während des Drehs starben, und was wir sehen sind die Überreste der Kameraaufnahmen. Return to Roanoke, welches sich bis einschließlich Episode 9 erstreckt, ist also Found Footage, inklusive gegen Ende im Blair-Witch-Stil hinzustoßende Studenten.

Folge 10 ist dann sozusagen die Nachbereitung, die in Auszügen mehrere TV-Progamme zeigt was aus dem einzigen Überlebenden geworden ist und wie es mit dem Roanoke-Haus zu Ende geht. Dabei gehen wir über Real Crime TV zu Möchtegern-Geisterjägern bis hin zur Live-Schaltung von Nachrichten.

Es ist schon interessant in letzter Zeit einen gewissen Horror-Trend mitzubekommen, der Back to the Roots ist. Der neueste Blair Witch richtet sich an der simplen Found-Footage-Prämisse des Erstlings. Resident Evil 7 geht zurück zum Survival Horror in einem Haus. Und auch American Horror Story hat weniger überdrehte Ideen und Spektakel in seiner sechsten Staffel zu bieten. Stattdessen bleibt es relativ bodenständig, eben auch durch sein Gimmick geschuldet. Wobei Return to Roanoke schon ordentlich aufdreht im Vergleich zum etwas biederen und ehrlich gesagt leicht langweiligen My Roanoke Nightmare. Die letzte Folge unterhält dann eher durch die Kurzweil im schnellen Austausch der Fernsehformate.

Ich fand es irgendwo schon ganz gut, die Herangehensweise ist schon kohärenter und die Staffel in sich stimmiger als so einige der Vorgänger. Aber ganz mein Ding ist es halt auch nicht gewesen. Wie gesagt ist mir die erste fiktive Serie nicht ganz spannend genug, zumindest nicht dafür das sie ganze 5 Folgen spannt, sondern hier wäre weniger mehr gewesen, während die zweite wie so viel Found Footage ziemlich schnell an der Frage scheitert, warum überhaupt alle noch so obsessiv alles filmen, gerade weil hier die Scheiße wesentlich schneller und härter zu fliegen beginnt, dafür unterhält sie aber auch mehr. Ich mein die Seitenhiebe auf diese Art Serien sind schon interessant, genau wie die sich entwickelnde Dynamik, weil man als Zuschauer tatsächlich richtig etwas durcheinander geworfen wird, wenn die Schauspieler aus My Roanoke Nightmare in Return to Roanoke plötzlich ganz andere Charaktere sind, weil sie jetzt die Schauspieler dahinter schauspielern müssen.

Doctor Who: Series One

Okay, die Sache mit Classic Who war nicht so berauschend gelaufen, aber es gibt ja mehr als nur den alten Brocken aus den 60ern. Namhaft eben New Who, die 2005 neu im britischen TV angelaufene Serie. Und nach 16 Jahren kein Doctor Who im Fernsehen und immer noch 9 Jahre seit des nicht zum Reboot geführten Spielfilmes war man wohl ausgehungert, denn die Serie lief so gut, dass sie bereits wenige Folgen in die 13 Ausstrahlungen hinein das grüne Licht für eine weitere Staffel bekam. Dann mit einem zehnten Doctor, weil Christopher Eccleston nicht mehr weitermachen wollte, aber noch sind wir bei der Nummer Neun.

Ich muss eingestehen eine Weile gebraucht zu haben, durch die Staffel zu kommen, obwohl sie gar nicht so lang ist. Das will ich ihr auch gleich zu Gute halten. Denn so 13 Folgen pro Staffel sind trotz längerer individueller Spielzeit wesentlich einfacher verdaulich als 40+ wie im Classic Who. Vor allem wenn die Angelegenheit noch relativ episodisch daher kommt, das Geschehen meist in einer maximal zwei Folgen abgeschlossen ist, statt ein halbes Dutzend Halbstünder einzunehmen. Dennoch hat es ein wenig gedauert, weil die erste Staffel… oder 27. Staffel?… ne ich glaub man rechnet von vorn. Die erste Staffel jedenfalls ist nicht gerade frontallastig was gute Folgen angeht, sondern so ein wenig meh. Und das für gut die erste Hälfte. Serien-Oberhaupt Russel T Davis zeichnet also nicht unbedingt für mir gefällige Folgen verantwortlich.

Steven Moffat dafür schon eher. Von ihm stammen nämlich meine beiden Highlight-Folgen der Staffel. Aber schön der Reihe nach. Die Folge mit dem gefangenen Dalek, betitelt schlicht Dalek, finde ich beispielsweise echt ganz interessant gemacht. Ich mein, auch ohne Who-Kenntnisse kennt man diese Lungenkrebsstimmen-Mülleimer und das sie was Besonderes sind. Sie im Time War ausgeschaltet zu haben ist da sicherlich etwas, was die Serienmacher immer bereuen werden. Was natürlich nicht bedeutet, es finden sich keine Ausreden, sie dennoch wieder auftauchen zu lassen, wie man hier auch im Finale im weniger schönen Ergebnis mitbekommt. Aber in Dalek als letzter Überlebender funktioniert das schon besser, und hilft etwas Schatten auf den launigen Doctor zu werfen. Die Folge mag Stellenweise arg dick auftragen, aber Doctor Who ist halt eine Kinderserie. Auch The Long Game, die Folge über die Lügenpresse wenn man mir den ausgelutschten Ausdruck der Einfachheit halber entschuldigen mag, war ziemlich launig, wobei ich glaube dies auch viel im Schauspiel von Simon Pegg begründet ist (es ist eine von nur zwei Russell T Davis Folgen, die ich gut fand, und von ihm stammen eigentlich acht).

Wenn kurz darauf John Barrowman als Jack hinzustößt, wird die Serie sowieso gleich aufgewertet, auch wenn die Rolle ebenfalls keinerlei Subtilität kennt. Ihm ist natürlich auch damit geholfen, dass er in der Doppel-Episode The Empty Child und The Doctor Dances auftaucht, die ziemlich nah an Horror grenzende Geschichte im Zweiten Weltkrieg ist nämlich besagter Höhepunkt der Staffel für mich. Auch Boom Town finde ich nicht schlecht, wobei dies wieder hauptsächlich daran liegt, dass die letzte überlebende Slitheen Margaret gut unterhält und erneut dem Doctor durchaus legitime moralische Vorwürfe zu machen weiß. Wenn man das stark mit der ersten Folge, in der die Slitheen vorkommen, kontrastiert, die ein ewig langer und schaler Furz-Joke ist und wenig mehr…

Alles ist natürlich nicht toll an der Staffel mit der unglaublich hässlichen Title Card. Das Budget für die Spezialeffekte ist extrem lachhaft, und wie immer schaut schlechtes CG auch viel billiger aus als schlechte Practical Effects, und New Who bevorzugt stark Ersteres . Zudem zeigt sie eine enorme Anzahl an schlechter 90s Fashion für eine Serie von 2005 auf, die sie auch nicht gerade hochwertiger wirken lässt. Wobei das vielleicht auch ein Stück weit daran begründet ist, dass Familie und Freunde von Companion Rose White Trash sind. Soll ihr wohl starke Bodenhaftung geben, aber es ist nie wirklich meine präferierte Bevölkerungsschicht, aus der Charaktere kommen, und letztendlich hat Rose kein Problem damit alle für wilde Zeitreisen hinter sich versauern zu lassen.

Das ist auch ein weiteres Problem, denn irgendwo gibt es häufiger mal extreme tonale Unstimmigkeiten. Im einen Moment ist noch alles ganz ernst, wenn Rose in der ersten Reise weit in die Zukunft plötzlich mit dem nihilistischen Gedanken konfrontiert wird, dass jeder den sie je gekannt hat und jegliche Erinnerung an sie schon lange tot sind, oder wenn sie in der Vergangenheit ihrem Vater beim Sterben zuschaut… und kurz darauf springen sie und der Doctor schon wieder wie zwei Wahnsinnige lachend durch die Gegend und Rose benimmt sich wie ein Kind im Vergnügungspark statt auf legitim gefährlichen Reisen durch Zeit und Raum.

Manchmal hab ich da auch einfach das Gefühl, dass Ideen nicht beendet oder kurzfristig umgeworfen wurden. Das ganze Mysterium um die Worte Bad Wolf ist beispielsweise echt interessant, aber die Auflösung dann so unpassend und dämlich wie das ganze Staffel-Finale, in dem es verwurstet wird, an sich. Am Ende von Dalek schließt sich ein Kerl an, der zunächst wie ein neuer Companion wirkte, aber direkt in der nächsten Folge schon wieder rausgeschrieben wird, ohne groß für was gut gewesen zu sein. In Father’s Day wird kurz Misstrauen zwischen Rose und dem Doctor gesät, nur damit sie sich am Ende der Folge wieder Dicke miteinander sind, ohne das es je wieder an- oder sich ausgesprochen wurde, als hätte man das komplett vergessen.

Aber in den guten Folgen halt, die leider in der ersten Staffel noch in der Minderzahl sind, da funktioniert eben auch viel. Da kommt Stimmung auf, da bleibt man einer Linie treu. Und da wirkt dann das Zusammenspiel von humorigen Einlagen und quirligen Charakteren zusammen mit ernsteren Momenten und einer interessanten Handlung. Mehr Jack würde da auf jeden Fall helfen, aber ich bin mir nicht sicher er kommt noch weiterhin groß vor, immerhin hat er sein eigenes Spinoff Torchwood zugeschanzt bekommen. Vielleicht macht aber auch der zehnte Doctor schon viel an der Dynamik besser, immerhin wird er vom charmanten David Tennant verkörpert.

J’ai besoin de toi, or Watching Love Bullet Yurikuma Arashi

ava-2097Und da sind wir schon wieder bei Kunihiko Ikuhata mit seinem neusten Werk aus 2015, das 12 Folgen einnehmende Yurikuma Arashi. Und die komplette Serie hat man da auch schon im Titel. Yuri bedeutet Lilie (und ist deswegen auch ein geläufiger Mädchenname), hält aber auch als das Wort fürs Subgenre an lesbischen Geschichten in japanischen Medien hin (weswegen Ikuhata zwei seiner prominentesten lesbischen Rollen in Utena und Penguindrum jenen Namen gab), Kuma bedeute Bär, und Arashi ist er Sturm. Lesbischer-Bären-Sturm also. Oder wenn man den ganzen Romaji-Titel nimmt Liebesgeschoss-Lesbischer-Bären-Sturm. Oh my~

Die Hintergrundgeschichte des Settings ist wie folgt: Eines Tages zerplatzte der Kumalia-Meteor und fiel in Sternschnuppen auf die Welt. Das mag sehr hübsch ausgesehen haben, führte aber dazu, dass alle Bären aus dem Gebüsch kamen, und Menschen zu fressen begannen. Also hat sich die Menschheit in ihre Städte zurückgezogen und die Mauer der Trennung errichtet, damit keine Bären in ihren Lebensraum eindringen können.

Kureha ist eine Schülerin, die im Hinterhof Lilien pflanzt, und dort Dates mit ihrer lesbischen Liebe, Mitschülerin Sumika begeht. Zumindest bis sie vom stillen Sturm erfasst werden, da Kureha ihren Freunden angeblich Unglück bringt, aber Sumika ist entschlossen nicht von ihrer Liebe zurückzutreten. Dummerweise sind die beiden neuen Mitschülerinnen, Ginko und Lulu, nur als Mädchen verkleidetet Bären, die es über die Mauer geschafft haben. Und ruckzuck endet Sumika gefressen, während Kureha, die bereits ihre Mutter an eine Bärenattacke verlor, untröstlich Rache schwört. Aber auch Anrufe bekommt, die sie nur Fragen, ob ihre Liebe wahrhaftig ist, und dann im surrealen Raum zwischen den Welten von Menschen und Bären das Trennungsgericht aufgeht, mit den einzig drei männlichen Charakteren der Serie, die über so Sachen entscheiden, ob Bären die Sünde der Menschenfresserei begehen dürfen, oder fragen ob man lieber Küsse oder die Liebe aufzugeben bereit ist.

Weil Ikuhara halt, da trifft man in jeder Serie gewisse Themen wieder, gewisse Symbolik in ähnlicher Form, und vor allem muss es immer einen Analog an seine Wurzeln im Magical Girl geben, auch wenn alle seine Serien nicht wirklich Magical Girl sind. Ob nun bei Utena der Duellplatz erklommen wird, um charakterliche Abgründe und Unsicherheiten per Fechten miteinander auszutragen; ob bei Penguindrum an einen Roboterbär gefesselt erneut der Auftrag den Titelgeber zu finden wiederholt wird; oder eben ob bei Yurikuma Arashi per Handy-Einladung aufs Schuldach gerufen wird, um sich mit den diversen heimlich unter den Mädchen befindlichen Bären auseinanderzusetzen, nur um in ebenfalls einer Paralleldimension einer Gerichtsverhandlung beizuwohnen, die eh immer die gleiche Entscheidung trifft.

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Interessant übrigens auch eine weitere Eigenschaft der japanischen Sprache. So wie Yuri sowohl Lilie wie auch Lesbe heißen kann, und beides reichlich Anwendung hier in der Serie findet (das Opening besteht im Prinzip zu einem Drittel aus Lilien, einem Drittel aus Bären, und einem Drittel aus nackten Mädels, die sich spielerisch beißen), so kann auch „essen/verschlingen“ neben dessen offensichtlicher Bedeutung auch im sexuellen Sinne „jemanden verschlingen“ bedeuten (wo wir wieder bei den spielerisch aneinander rumbeißenden Mädels im Opening sind). Wenn das Gericht einen Bären fragt, warum sie den jeweiligen Menschen fressen wollen, dann kommt meist als Antwort, dass Bären nun mal Menschen fressen. Es ist ihre Natur. Born this way. Einer der Helme in der dramatischen Kriegsschlachtfeld-Versinnbildlichung wenn die Bären alle auf einmal gegen die Menschen ziehen, hat sogar „born to eat“ drauf stehen. Bären können so wenig aufhören Menschen zu fressen, wie eine Lesbe aufhören kann Sex mit Frauen zu haben, denn so sind sie nun mal geboren, und dagegen leben zu wollen nützt nichts. Hab ich schon erwähnt, dass alle Rollen in dieser Serie niedliche Mädchen sind, alle Bären aussehen wie Plüschtiere a la Card Captor Sakuras Kero-chan?

Die Sache mit Japan und Homosexualität ist sowieso so ein Ding. So sehr ein androgynes Aussehen als begehrenswert dasteht, Medien voller Pretty Boys sind, man als Teen durchaus mal von seinem Mitschüler gleichen Geschlechts schwärmen kann, ohne falsche Anschuldigungen wie im Westen, und so populär Boys/Girls Love Geschichten in Medien sind… so transferiert das nicht unbedingt in das reale Leben realer japanischer Schwuler und Lesben. Denn was Ikuhara auch gern eben in seinen Serien ankreidet ist die japanische Borg-Gesellschaft, in der jeder gleich sein soll, ja kein Aufheben um die eigene Person machen, bloß nicht aus der Masse herausstechen. Da wird Homosexualität gern mal als kleine Probierphase der Jugend gesehen, die einen nicht davon abhalten sollte, wie alle anderen auch, mit 25 Jahren verheiratet zu sein und 1.5 Kinder gezeugt zu haben. Übrigens sind die Settings der Schule und dem Haus von Kureha die einzigen in pink und rot eingefärbten Schauplätze, drumherum sind triste Silhouetten in kalten Blautönen angesagt. Die „Pass dich an“-Gesellschaft, in die man als Erwachsener einzugehen von einem Japaner erwartet wird.

Yurikuma Arashi zeigt dies aber auch mit der Herde und dem stillen Sturm ziemlich deutlich. Denn die Herde ist nichts anderes, als das Konglomerat der restlichen Schülerinnen aus der Klasse, die alle als eine anonyme Einheit agieren, und regelmäßig den stillen Sturm verursachen. Eine Sitzung aller, in der per Mehrheitswahl entschieden wird, wer der auffällige Böse ist, der nicht in die sozialen Gepflogenheiten der Gruppe sich einzuordnen bereit ist, und der per Mobbing dementsprechend an den Rand gedrückt gehört. Japaner haben es nicht so mit offener Anfeindung, das ist nicht höflich, stattdessen lästert und intrigiert man lieber hinterm Rücken und lässt es den Betroffen passiv-aggressiv merken, dass er oder sie raus ist aus der Gemeinschaft. Das betrifft natürlich alle Leute, die sich nicht anpassen, nicht nur diejenigen, deren Sexualität nicht die Norm ist. Aber Ikuhara hat es eben mehr mit Lesben.

Oder zumindest mehr mit Mädchen, die zugegeben natürlich von der japanischen Gesellschaft noch mehr eingeengt sind wie sie sich zu verhalten haben/sich verhalten dürfen, um ein gutes Mädchen zu sein. Zeigt Ikuhara eigentlich auch in allen seine Serien sehr gerne, die Kisten in die man laut Gesellschaft passen muss, aber sich auch zum Selbstschutz selber drin verkriecht. Die Särge in Utena, die Käfige in Penguindrum, und die tatsächlichen Schubladen in Yurikuma Arashi. Die im Raum der Schulleiterin sind, die eine Vergangenheit mit Kurehas Mutter hat. Die sie nicht so liebte, wie die Schulleiterin sie liebte. Sollte klar sein, dass wir gegen Ende herausfinden, dass sie auch ein Bär ist, die nun wirklich keine große Seltenheit sind unter den Mitschülerin – aber sie symbolisieren ja auch nur versteckte lesbische Neigungen, die man Menschen halt nicht einfach ansieht -, und das sie viel die Fäden im Hintergrund gezogen hat. Sie hat eine Wand voller Schubladen, in die sie Memoiren der gefressenen Mädchen unterbringt, und ist von Reinheit besessen. Ist halt einfacher ein Idealbild von jemandem sich mental zu Rahmen und in der geistigen Schublade abzusperren, als den wahren Menschen dahinter mit all seinen Fehlern kennenzulernen, und eventuell enttäuscht zu werden. Menschliche Nähe strahlen Wunschvorstellungen halt leider aber auch nicht aus.

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Allgemein können Gefühle der Zuneigung und Liebe natürlich sehr widersprüchliche Formen annehmen, was Ikuhara auch nie in seinen Shows verneint. So sehr die Liebe der beiden Hauptcharaktere am Ende häufig die Erlösung bringt, sie in eine bessere Welt eingehen lässt, die alte hinter sich lassend, so ist Liebe alleine nicht immer und für jeden die Lösung. Die Schulleiterin hat in ihrer eigenen Schublade die begangenen Sünde aus Eifersucht nicht erwiderte Liebe gesperrt. Ginko darf sich mehrmals vom Gericht anhören, ob es wirklich gut ist, die Mädels, die Kureha bedrohen, aus dem Weg zu räumen. Immerhin bestärkt das die Gerüchte darum, dass sie Unglück bringt, und bestätigte die Herde darin, sie mit dem stillen Sturm zu bestrafen. Ginko ist bewusst, dass ihre Liebe, ihr Verlangen Kureha zu monopolisieren, durchaus auch egoistisch ist. Ihre beste Freundin Lulu, die mit ihre mitgegangen ist, weil sie Ginkos Liebe erfüllt sehen will, verrät sie sogar später, aus eigener nicht erwiderter Liebe, und lernt das zu bereuen. So sehr die Herde sich in ihrer oberflächlichen Freundschaft zu allen wohl fühlt, und ja nicht der Ausgestoßene sein will, so sehr ist da dennoch ein heimlicher Drang danach besonders zu sein, sich aus der Masse abzusetzen, sonst hätten es die Bären nicht so einfach, einige der Mädels rumzukriegen. „Wir haben euch von Anfang an gehasst und geliebt“ ist ein Satz, der wie ein Mantra wiederholt wird, sowohl von Bären wie von Menschen.

Selbstlose Liebe ist es dann auch, die das Finale der Serie einläutet. Ginko ist bereit ihre Liebe zum Wohle von Kureha aufzugeben, Kureha erinnert sich an ihren egoistischen Kinderwunsch das Ginko ein Mädchen sein soll, da sie von Erwachsenen gelehrt bekam, dass Menschen und Bären nicht Freunde sein können (früh muss man der nächsten Generation die eigenen Vorurteile weitergeben), und ändert es in den opferbereiten Wunsch um, dass sie doch auch für Ginko ein Bär werden kann. Und beide lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Fragezeichen? Denn tatsächlich schafft es ähnlich dem Ende von Utena ihre Liebe nicht, die Welt zu ändern, die Herde und der stille Sturm bestehen weiterhin, die beiden haben nur das soziale Konstrukt dieser engstirnigen Welt für ihre eigene verlassen.

Und so hat Ikuhara mal wieder seine Allegorien um das Besondersein, die Rebellion gegen gesellschaftlichen Normen, Homosexualität, reine lesbisch Liebe, Selbstfindung und Selbstbestimmung, und wahrscheinlich je nach Zuschauer noch viel mehr verpackt. In eine Serie über Teddybären, die zu Mädchen werden. Über Mädchen, die Mädchen und Teddybären in Mädchenform lieben. Über Bilderbücher der Rassentrennung, Flashbacks zu Kriegsschauplätzen, Paralleldimensionen mit richtenden Glitzerjungen, und pinken Schulgebäuden mit Lilienbeeten. Was ein Ritt er einem doch immer wieder zu liefern bereit ist.

Destiny begins to turn, or Watching Penguindrum #15-24

ava-2091Weiter geht es in der Saga um Familie und Terrorismus, mit den finalen zehn Folgen unter neuem Opening. Und zwar direkt mal drei Folgen, die ein genaueres Licht auf die Familienverhältnisse der drei Neben-Hauptcharaktere werfen, und warum deswegen ihre wichtige Person so wichtig für sie ist.

Da hätten wir natürlich sowohl Yuri wie auch Tabuki, das frische Ehepaar, denen beiden Momoka wichtig war. Yuri wurde von ihrem Vater sowohl verbal wie auch körperlich misshandelt. Tabuki’s Mutter hingegen legte immer nur Wert auf musikalisches Talent, als Tabuki sich als Kind dem Druck nicht standhaltend selbst an der Hand verletzt hat, um nie wieder Klavier spielen zu müssen, wandte sich ihre Aufmerksamkeit an den jüngeren Bruder. Beide wurden also von ihren Familien im Stich gelassen, ihr erster Sonnenblick war Momoka, die mit einem Zauber aus ihrem Tagebuch ihr Schicksal zu verändern wusste. Auch wenn das mit einer Kompensation einher geht.

Masako aus dem Natsume-Klan, die mit dem kranken kleinen Bruder Mario, wuchs unter einem auf Erfolg und Härte getrimmten Großvater auf. Ihr Vater kam mit dem Führungsstil nicht klar, und verließ deswegen die Familie. Hier haben wir eine extrem slapsticky Episode, deren ernste Kernaussage eigentlich ist, dass sie schon als Kind jeden Tag auf den Tod des Großvaters hoffte, damit die Familie wieder zusammenfinden kann.

Hier spielen sowohl Hass wie auch Schuld wie einen Fluch an andere Generationen weiterzugeben mit rein. Sowohl Yuri wie auch Tabuki können den Takakura-Kindern nicht vergeben, weil der Terroranschlag der Eltern daran schuld ist, dass Momoka verstarb. Da die Eltern nicht greifbar sind, fällt die Schuldigkeit also an deren Kinder ab, obwohl beide wissen das die dafür nichts können. Aber das im Inneren herangewachsene Monster Rache braucht eben sein Futter.

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Und dabei sind das nicht mal ihre wahren Kinder, wie wir später herausfinden, alle drei Geschwister sind adoptiert. Masako ist nicht so hinter Kanba her, weil sie in ihn verliebt ist, sondern weil er ihr Bruder ist, den der Vater mit zur Sekte genommen hat. Alle drei Kinder sind irgendwann einmal im Kinderhexler gelandet. Ein Ort, der versinnbildlicht, was mit sowohl von ihren Familien wie der Gesellschaft im Stich gelassenen Kindern geschieht. Denn die wenigsten auf sich allein gestellten Kinder schaffen es zu überleben. Die Charaktere sagen mehrfach, dass der Kinderhexler ist, wo vergessene Kinder hinkommen, um letztendlich zu sterben. Aber natürlich stirbt nicht jedes Kind, wo wir wieder beim Thema des gemeinen Schicksals wären, nach dem manche überleben, auch wenn es die meisten nicht tun. Kanba ist derjenige, der Shouma gerettet hat, und Shouma derjengie, der Himari gerettet hat. Wie sie genau dann von den Takakuras angenommen werden, wird nicht geklärt, aber dies erklärt, warum sie aneinander gebunden sind, sich ein Schicksal teilen, und wie sie letztendlich zusammen die Takakura-Schuld auf sich nehmen müssen.

Was ich hierbei übrigens sehr interessant finde ist, dass die Takakuras die einzigen sind, bei denen wir in den Rückblenden je eine intakte fröhliche Familie sehen. Und das wo sie als einzige gezeigte Familie nicht blutsverwandt sind. Zeigt eben, dass Familie doch nicht gleich Liebe heißt, und das eine richtige zusammengewachsene Familie nicht verwandt sein muss. Was gerade in Japan interessant ist. Wenn dort was schlimmes in der Familie geschieht, wie beispielsweise bei Yuri und Tabuki, wird gern mal weggeschaut, weil das sind Familienangelegenheiten, in die man sich nicht einzumischen hat. Gleichzeitig werden Adoptivfamilien häufig nicht als „richtige“ Familie angesehen, wer in eine bestehende Familie einheiratet und mit den Kindern nicht kann, von dem wird das auch gar nicht erwartet, weil sie nicht die eigenen sind. Da ist es schon interessant, dass Penguindrum nur zerrüttete Familien zeigt, abgesehen von den Takakuras. Nicht zu vergessen ist die Sache mit der Generationen-übergreifenden Familienschuld natürlich auch eine sehr Japanische.

Weiter im Programm. Sanetoshi ist der ehemalige Anführer der Sekte, die den Terroranschlag von 1995 zu verantworten hat. Momoka mit ihrem Tagebuch war damals jene, die das größte Übel abwenden konnte, nun versucht er es halt erneut, diesmal mit Kanba auf seiner Seite. Denn Kanba bekommt das ganze Geld für Himaris Behandlungen von den Überresten der Sekte, und ist mit der Zeit selbst dort hinein gerutscht. Die Serie spricht ja gern vom Takakura-Fluch, dem Fluch von vor 16 Jahren, oder das Sanetoshi Japan verflucht. Damit gemeint sein kann natürlich auch gut, dass so eine Ideologie schwer wieder aus der Welt zu bekommen ist, wenn sie erst ein Mal losgelassen wurde. Sanetoshi und die meisten Anführer der Sekte mögen nicht mehr leben, der Anschlag damals eingedämmt gewesen sein, aber das bedeutet eben nicht, dass es nicht immer noch Überreste derer gibt. Und das die nicht Neue um sich sammeln können, die die soziale Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit des modernen Japans zerstören wollen, in dem sie das Land mit Gewalt neu formen. Kanba hasst es, dass ausgerechnet auf Himari der Familienfluch in Form einer Krankheit niedergegangen ist. Dass ihr zu helfen so viel Geld kostet, welches die Kinder nicht haben. Dass die Gesellschaft verlorenen Kindern nicht hilft, sondern sie in den Kinderhexler gelangen. Er hat eine Zukunftsaussicht ohne Hoffnung, hasst das Wort Schicksal, weil jenes bedeuten würde, dass er gegen seine Situation nichts machen kann, und hasst es schon vorverurteilt zu sein als jemand, der es nie zu was bringen wird.

Das hat übrigens sehr reale Parallelen zum besagten Sarin-Giftanschlag auf die Tokyoter-U-Bahn, die in der Serie so omnipräsent ist. Die hiesige Terrorattacke ist rein fiktiv, bedient sich aber natürlich reichlich an jener Realität. Und was damals Japans Gesellschaft so mit erschüttert hat, war nicht nur der Anschlag an sich, sondern dass viele Mitglieder der Sekte junge Studenten waren. Leute, von denen man dachte, dass sie es besser wissen müssten, die aus anständigem Hause kamen und eine Bildung ablegten. Aber nachdem die Wirtschaftsblase der 80er geplatzt war, wuchsen eben viele davon mit der Hoffnungslosigkeit des vermeintlichen Wissens auf, dass sie es nie zu etwas bringen werden, dass die guten Zeiten rum sind, ganz zu schweigen von Japans allgemeiner „zieh den Kopf ein, fall nicht auf“-Mentalität.

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Und dann, im Finale, das noch unverständlicher wie das von Utena ist, finden wir endlich heraus, was die eigentlich ständig präsente Pinguintrommel ist: Der Apfel, der symbolisch überall war. Er steht für… was genau ist nicht klar, aber ohne ihn kann man nicht leben. Herz? Seele? Lebensenergie? Von mir aus auch die Liebe und Bindung zu anderen, ohne die man laut Penguindrum ja verkümmert und verschwindet. Jedenfalls, als sich Kanba und Shouma im Kinderhexler wiederfanden, gab das Schicksal Kanba einen Apfel, damit er als einer der wenigen doch weiterleben kann. Und sich gegen das Schicksal sträubend hat er ihn einfach zweigeteilt und eine Hälfte an Shouma gegeben. Der wiederum später auf Himari traf, um seine Hälfte mit ihr wieder zu teilen. Von nun an teilen sie sich ein Leben, sind über das Schicksal miteinander verbunden, werden aber auch zu Takakuras und von deren Familienfluch befallen. Deswegen sah die Medizin, die Sanetoshi an Himari gab auch zunächst wie Äpfel aus, die dann zu Ampullen wurden, weil das die nötige Lebensenergie ist. Deswegen sind Kanba und Shoma an den Händen gefesselt, wenn Himari ihre Magical-Girl-Verwandlung macht, weil ihre Beziehung zueinander sie aneinander kettet. Deswegen wird Shouma per Falltür anschließend aus jener Nebendimension entlassen, während Kanba bleiben darf. Denn man kann den Apfel nur ein Mal mit der gleichen Person teilen, und Shouma tat dies schon im Kinderhexler mit Himari. Kanba ist der einzige, der seine Apfelhälfte in der ersten Folge noch mit Himari teilen kann, um sie am Leben zu halten, oder zumindest bis Folge 12, wenn dies nicht mehr reicht.

Denn Himari als das schwächste Lamm hat vom unfairen Schicksal also die Bürde zu tragen bekommen für die Sünden der Adoptiveltern zu bezahlen, in dem sie von einer unheilbaren Krankheit geschlagen wird. In der Verwandlung trägt sie das Kostüm des Idol-Duos, daran erinnernd, dass sie ein Teil des Trios hätte sein können, wenn das Schicksal nicht so grausam gewesen wäre. Ein Viertel einer Pinguintrommel hilft da nichts, also geben die beiden Brüder ihre Teile ab, damit der Apfel von Himari komplett wird, während Ringo mit dem Tagebuch ihrer Schwester den erneut drohenden Terroranschlag aufhält, Shouma die zurückfallende Strafe für die Schicksalsabwendung auf sich nimmt. Die beiden Jungs verschwinden, während Ringo und Himari gesund und munter in der geretteten Welt leben können. Oder so, das Finale ist ziemlich wirr und plötzlich und ich bin mir nicht ganz sicher, was alles zu bedeuten hatte. Bei Utena war ich mir der Hauptthematik immer bewusst, oder nahm das zumindest an, und alles inklusive des abgedrehten Endes hat sich da gut ins Bild gefügt. Bei Penguindrum schien sich auch alles zu fügen, doch in der letzten Episode war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob ich nicht noch ein wesentliches Puzzle-Stück übersehen hatte, welches mir hier einen wesentlich größeren Aha-Effekt bereitet hätte.

Für mich ist es, wie bereits erwähnt, eine Serie über Familie und Terrorismus. Wie wichtig ein liebendes Umfeld für das Heranwachsen von Kindern ist. Wie schnell allgemeiner Unmut und Hoffnungslosigkeit Menschen hum Extremismus treiben kann. Aber auch über die Wichtigkeit von Bindungen zu anderen Menschen im Allgemeinen, und darüber nach Katastrophen nach vorn zu schauen und weiterzumachen, statt sich von seiner Vergangenheit beherrschen zu lassen.

Fate is laughing at us, or Watching Penguindrum #1-14

ava-2087Mawaru Penguindrum ist eine 24 Episoden umfassende Anime-Serie von 2011, und das zweite geistige Kind von Kunihiko Ikuhara. Um den Namen noch mal in Erinnerung zu rufen: Das ist der Kerl, der von Staffel 2-4 der Series Director von Sailor Moon war, sowie an den Anime-Adaptionen von Aoi Hana und Nadame Contabile mitgewirkt hat. Und dessen erstes Kind nach Sailor Moon nichts anderes als Revolutionary Girl Utena darstellte, die Serie, die auf den ersten Blick wie kitschiges Magical Girl aussieht, und dann irgendwo unter den ganzen kunterbunten Rosen und Gewäsch über die Ewigkeit zusehends der Apokalypse nähert, während sie jede Facette von Wachstumsschmerz beim Erwachsenwerden und der Selbsterkenntnis zu adressieren versucht. Inklusive jede Menge Inzest und lesbischer Liebe.

Die erste Episode von Penguindrum beginnt dann auch mit einer männlichen Stimme aus dem Off, die lamentiert, dass er das Konzept des Schicksals hasst. Denn wenn wirklich alles vorbestimmt ist, warum dann überhaupt noch versuchen was zu ändern? Und wenn ein Gott alles vorherbestimmt hat, all die Ungerechtigkeit die es im Leben gibt, ist das einfach zu gemein.

Und dann treffen wir erst Mal unsere drei Hauptcharaktere, die beiden Brüder Kanba und Shouma und deren Schwester Himari. Heute ist Himari-Tag, da all das gemacht werden muss, was sie will. Zumindest so sehr das die engen Finanzen des Elternlosen Geschwister-Trios zulassen. Himari möchte mal wieder in den Zoo und die Pinguine beobachten, kauft sich sogar eine hässlich-süße Pinguin-Mütze. Und bricht dann zusammen. Denn Heute ist Himari-Tag, weil sie unrettbar krank ist und jederzeit sterben kann. Beispielsweise am Himari-Tag mitten im Zoo. Kaum hat Kanba nebebei fallen lassen, dass dies eventuell ihre Bestrafung ist – ein mysteriöser Nebensatz, der sicher noch sehr wichtig wird –, wacht Himari komplett geheilt wieder auf. Denn die Mütze hat Besitz von ihr ergriffen, und dafür das sie Himari vom Reich der Toten zurückgeholt hat, will sie nun, dass für sie die Pinguintrommel gesucht wird.

Nebenbei bemerkt laufen irgendwann während der Episode zwei Grundschulkinder am runtergekommenen Haus der drei vorbei, und reden darüber, dass ein Apfel das Universum selbst ist, ein Universum in der eigenen Hand sozusagen; dass so ein Apfel die Belohnung derer ist, die Liebe über alles andere gewählt haben, und das der Tod erst den Anfang darstellt. Und schon erinnert mich das an die Schattenrissmädels in Utena. Ach ja, und nachdem Himari wiederbelebt ist, wird den dreien ein Packet mit einem Trio an Pinguinen geschickt, die nur sie sehen können, und die wie Comic Relief Maskottchen erscheinen, aber sicherlich auch noch Subtext bilden werden, sicherlich ist es kein Zufall das zwei Jungs und ihre Schwester einen weiblichen und zwei männliche Pinguine zugeschickt bekommen. Nicht in einer Ikuhara-Serie. Ach ja, und die Episode endet damit, dass Himari im Schlaf von Kanba geküsst wird.

Ohhh-kay, damit hast du definitiv mein Interesse ganz auf dir, Mawaru Penguindrum.

Ein weiterer sehr wichtiger Charakter wird dann direkt in der nächsten Folge eingeführt, denn was auch immer von Himari Besitz ergriffen hat und ihren zwei Brüdern erzählt, die Pinguintrommel zu suchen, eröffnet ihnen, dass die höchstwahrscheinlich bei Ringo zu holen ist. Was die Pinguintrommel an sich ist, scheint aber keiner zu wissen, und dementsprechend beschatten Kanba und Shouma das Mädchen erst Mal. Und da in Penguindrum mal wieder alle Charaktere irgendeine Beziehung zueinander haben, befreundet sich sowohl Himari mit Ringo, als das die beiden Jungs auch herausfinden, dass sie die Stalkerin ihres Lehrers Tabuki ist.

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Und zwar eine mit jeder voranschreitenden Folge unheimlichere, die sich komplett in ihren Traum mit ihm anzubandeln verloren hat, sogar unter seinem Haus übernachtet. Und ein interessantes Zukunfts-Tagebuch hat, in das sie ihre Pläne hineinschreibt, was sie den kommenden Tag versuchen wird, um ihn für sich zu gewinnen. Interessant hierbei ist, dass all die Dinge, die sie dort rein schreibt, theoretisch auch geschehen, wenn auch nicht auf die Art und Weise, wie sie das geplant hatte. Kanba, Shouma und ich als Zuschauer sind also sofort auf dem Trip, dass nur das von ihr so gehütete Tagebuch die Penguindrum sein kann.

Nur finden wir langsam auch heraus, dass die Obsession von Ringo ganz andere Beweggründe hat. Ihre Schester Momoka ist an dem Tag ums Leben gekommen, an dem Ringo geboren wurde. Und über den Tod des ersten Kindes hinweg haben sich ihre Eltern langsam auseinander gelebt, sind nun geschieden. Tabuki war ein Klassenkamerad von Momoka. Und als Kind hat sich Ringo in den Kopf gesetzt, dass sie die Wiedergeburt von Momoka ist, und sobald sie es schafft, komplett in deren Charakter aufzugehen, wird ihre Familie schon wieder gekittet. Und da Momoka und Tabuki für sie eindeutig füreinander bestimmt waren, muss sie um Momoka zu werden, Tabuki für sich gewinnen, mit Projekt M. Der ihr für das Tagbuch helfende Shouma denkt M steht für Marriage, nichts ahnend das es für Maternity steht, bis Ringo, dadurch in die Enge getrieben, dass Tabuki eine Verlobung mit der perfekten Schauspielerin Yuri bekanntgegeben hat, eines Abends Tabuki unter Drogen setzt und zu vergewaltigen versucht, um von ihm schwanger zu werden. Holla die Waldfee, das Mädel ist durchgedreht. Das ist sozusagen die große Eskalation in Folge 8, allerdings geht der Plan schief, die Hälfte des Tagebuchs wird geklaut, und Shouma von einem Auto angefahren.

Bisher war die Serie ziemlich geradlinig voranschreitend und überraschend auf den Charakter von Ringo fixiert, was sich nun allerdings erst Mal ändern wird, und jede Folge sozusagen eine neue Offenbarung zu einem der anderen Charaktere oder der Hintergrundgeschichte auffährt.

Episode 9 zeigt beispielsweise, was Himari in der ersten Folge getrieben hat, zwischen dem Kauf des Souvenirs und ihrem tödlichen Zusammenbruch im Zoo. Und zwar ist sie einem der Comic-Relief-Pinguine in eine surreale Bibliothek gefolgt, wo der mysteriöse Sanetoshi tiefer und tiefer gehend ihre Erinnerungen durchforscht hat. Die beiden Idols, die wir immer mal wieder auf Plakaten und in Werbespots sehen, und die verdächtig die gleiche Uniform tragen, wie die verwandelte Himari? Das waren ihre beiden besten Freundinnen in der Grundschule, und sie ursprünglich mal Teil des Teams, bis das Schicksal es anders mit ihr meinte. Sanetoshi ist derjenige, der ihr die mysteriöse Mütze aufgezogen hat, sie als „Braut des Schicksals“ deklarierte. Und dann gibt es noch einen kleinen Flashback in etwas, was wie ein Bunker aussieht, und wo sie mit einem Jungen einen der allgegenwärtigen Äpfel teilte.

In Episode 10 und 11 darf sich Kanba der bisher in den Schatten gewesenen Natsume stellen, die Ex-Freundinnen vom Playboy mit Bällen beschoss, die deren Erinnerungen an ihn ausgelöscht haben. Denn sie selbst ist von Kanba besessen und will ihn für sich gewinnen. Gleichzeitig braucht Natsume allerdings auch das Tagebuch von Ringo, denn mit Mario hat sie ebenfalls jemanden, der von einer der Pinguinmützen kontrolliert wird.

Shouma erläutert uns dann in Episode 12 einiges an der Symbolik der Serie. Penguindrum ist sehr von Tokyos U-Bahn-Netzwerk besessen, viele Szenen spielen in ihr, die Flashbacks werden alle mit Abfahrtstafeln eingeläutet, und unwichtige Passanten als undefinierte Icons vorbeigeschoben. Außerdem ist das Opening und diese Folge mit der Zahl 95 gepflastert. Und die Charaktere haben in dieser in 2011 entstandenen und spielenden Serie ein paar Mal darauf hingedeutet, dass sie für etwas in der Vergangenheit bestraft werden, wenige Male auch den „Fluch von vor 16 Jahren“ genannt. Hat mich selbst bis hierher gebraucht, um das alles zusammen zu puzzeln: 1995 gab es den Sarin-Giftanschlag in der Tokyoter U-Bahn.

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Allerdings packt Shouma das lieber in eine Fabel um Mary und ihre drei kleinen Lämmer, die von schwarzen Hasen dazu überredet wurde, Asche der verbotenen Flamme Gottes zu nutzen, um das Licht des allerersten Apfelbaumes wieder zum Leuchten zu bringen. Wofür die Göttin das kleinste und unschuldigste Lamm zum Tode verurteilte, weil die Strafe so ungerecht wie möglich ausfallen muss. Wozu ist das eine Parabel? Die Eltern der drei Geschwister waren Teil des Terrorattentats in 1995, und die Krankheit von Himari wird von den Jungs als Strafe dafür gesehen. Übrigens ist Ringos Schwester Momoka eines der Opfer des Anschlags gewesen, und sowohl Ringo wie auch Kanba und Shouma wurden an jenem Tag geboren.

Ab jetzt taucht der ganz wie die besessene Himari rosa Augen habende Sanetoshi auch in der realen Welt auf, und zwar als Arzt mit zwei schwarzen Hasen. Denn der Hut kann Himari nicht mehr am Leben halten, da die in der ersten Episode mit Kanba geteilte Lebensenergie ausläuft. Also muss Kanba noch mehr Geld von uminösen schwarzen Männern holen, um die Medizin von Sanetoshi kaufen zu können, die nun Himaris Lebensquelle bedeutet. Sanetoshi fragt, ob sie das wirklich wert ist.

Die letzte Episode mit dem ersten Opening, Nummer 14, erinnert uns dann daran, dass Yuri ja auch ein Charakter ist. Die mittlerweile Ehefrau von Tabuki, die merkwürdig immer genau zur richtigen Zeit auftaucht, und die Ringo davon überzeugt hat, dass sie gar nicht wirklich Tabuki liebt, sich das nur Momokas wegen vorgemacht hat. Denn auch Yuri ist eine ehemalige Mitschülerin von Momoka, und von der ihr ähnelnden Ringo besessen.

In Penguindrum geht es also mal wieder viel um Charakterbeziehungen, und zwar zum Großteil sehr destruktive. Aber auch Familie, darum was es alles wert ist, sie zu erhalten, darum wie eine frühere Schuld auf die späteren Generationen zurückfallen kann. Und natürlich viel Philosophieren über das Schicksal, ob es jenes überhaupt gibt, und ob dessen mögliche Existenz nur grausam oder erleichternd ist, je nachdem ob es zu einem Kampf gegen nicht änderbare Situationen führt, oder man sich darin retten kann, nichts gegen all das Elend selbst hat machen zu können. Dazu noch ein wenig Symbolik von Äpfeln, Lämmern, Hasen und dem Sündenfall. Und Bezug zu Vögeln, vor allem davonfliegende Vögel, welche Freiheit symbolisieren, im Kontrast zu den allgegenwärtigen Pinguinen, besonders derjenigen, die die drei Geschwister darstellen – und Vögel sind, die nicht fliegen können.

Ein wenig, manchmal sogar etwas viel, Slapstick und Humor gibt es dazwischen natürlich auch, aber erneut hat Kunihiki Ikuhara hier eine Show erschaffen, die ordentlich Schichten beinhaltet, mal surreal und dann wieder direkt ansprechend diverse Themen abzuhandeln zu versuchen scheint. Viel Symbolik und in Magical-Girl-Wortschatz gefügte weltliche Konzepte. Mal sehen wo die Reise hingehen wird. Ob es die Pinguintrommel wirklich gibt, und was sie tatsächlich repräsentiert. Ob alles vorgeschriebenes Schicksal war, oder der eigene Wille etwas reißen kann. Und in welche Kapazität Terrorismus in all dies hineinspielt.