Clockwork Prince

Mit Clockwork Prince kommen wir also nun zum zweiten und Mittelteil der Infernal Devices um die Gestaltwandlerin Tessa, die bei den Shadowhunter-Nephilim im viktorianischen London untergekommen ist, die gegen den Magister und seine Steampunk-Roboter kämpfen müssen, während sie zwischen den Gefühlen für Jem und Will pendelt.

Wow, Leute, ich habe das Buch gerade erst beendet, und auch nicht gerade über den Verlauf von Monaten nur in Stücken gelesen, aber ich weiß schon kaum noch, was überhaupt darin geschehen ist. Ist überhaupt was geschehen? Ich meine die Mitteilteile von Serien, die von Anfang an als Trilogien angelegt sind, haben ja immer etwas den Ruf, dass die Handlung hier am Schwächsten ist, weil weder Beginn noch Ende vorliegt, und im Zweifelsfall eben auch einfach etwas Luft getreten wird, um die Sache zu strecken. Aber hier ist das echt mal sowas von extrem gewesen.

Dann wiederum gibt es Sachen, von denen man denken sollte, dass sie wesentlich weitläufiger angelegt sind, aber erst hier angesprochen und bereits erledigt werden, besonders wenn es um die Charakterhintergründe geht. Beispielsweise finden wir hier heraus, dass Will nicht so ein zynischer Arsch zu allen ist, weil das eben seinem Charakter entspricht, oder weil Bad Boys mit weichem Kern der absolute Stereotyp für das Love Interest in Young Adult Romances darstellt, oder weil die Love Interests in einem Buch von Cassandra Clare immer ein solcher sind. Nein, er ist verflucht, und jeder der Zuneigung zu ihm zeigt wird sterben, und deswegen stößt er alle Leute zu deren eigenem Besten von sich, und eigentlich ist er innerlich total allein und emotional verkrüppelt und buhuhu CRAWLING UNDER MY SKIN. Das hätte man eventuell schon mal zur Hälfte oder zumindest gegen Ende des vorigen Buches erwähnen können, statt erst hier, wenn es auch schon aufgelöst wird. Wie alles im Buch übrigens ganz typisch.

Es gibt keinen Fluch, Will wurde nur von dem Dämon hinters Licht geführt, und er hätte die ganze Zeit eigentlich der von allen geliebte Gutmensch sein können, der er innerlich eigentlich gern wäre. Das war genau so zu erwarten, weil es so natürlich dramaturgisch am interessantesten ist. Und sobald uns klar ist, dass Jem langsam so richtig auf Tessa abgeht, und Will nun keinen Grund mehr hat seine Wahre Liebe (TM) von sich zu stoßen, dass Jem und Tessa anbandeln werden. Damit es noch ein weiteres Buch lang Suspens geben darf, weil weder Will noch Tessa jemals Jem verletzen wollen würden. Und mit jemandem zusammen zu sein, obwohl man jemand anderen liebt, nur aus der Obligation des Versprechens, als man dachte keine bessere Option zu haben, ist doch so viel liebevoller, als demjenigen gegenüber ehrlich zu sein. Außerdem stirbt Jem ja eh ziemlich bald an seiner Krankheit, die sicherlich total und absolut nicht bis zum Ende der Reihe noch geheilt werden wird, und mit deren Heilung eventuell auch für diesen Topf ein neuer Nicht-Tessa-Deckel abfallen wird, also können die beiden ja notfalls die Situation auch einfach auswarten. Apropos, Sophie findet natürlich prompt einen neuen Deckel, an dem Tessa nicht interessiert ist, damit es da keine Probleme gibt.

Ach ja, ein wenig Handlung gibt es dazwischen auch überhaupt und so. Erneut hauptsächlich insular hier im Buch. Oder auch nicht. Wir finden heraus, warum Mortmain überhaupt die Shadowhunter so scheiße findet, dass er zum Unterweltsboss aufsteigt, nur um denen zig Jahrzehnte später eins reinzuwürgen. Nate, der mit dem fiesen wie offensichtlichem Reveal gegen Ende des letzten Buches, dass er eigentlich mit besagtem Bösewicht zusammenarbeitet, ziemlich narrativ überflüssig geworden ist, wird hier umgebracht, damit der Ballast weg ist. Was Tessa nun genau für eine Downworldlerin ist, ist immer noch nicht geklärt, sondern darf weiter im Suspens bleiben, wobei eigentlich klar ist, dass sie halb Nephilim halb Downworlder ist, nur noch eine große Eröffnung gemacht werden muss, wie das über ein spezielles Rosemary’s Baby Ritual überhaupt möglich war. Wahrscheinlich will Mortmain sie deswegen so sehr, sie sind verwandt oder durch das Ritual aneinander gebunden oder so ein Mist. Das Institut soll eigentlich an die Lightwoods gehen, nachdem am Ende des letzten Buches so viel schief gelaufen ist, welches wohl halbherzig als Story Arc für diesen Band herhalten soll, und am Ende dann auch beseitigt wird.

Die Meh-Reihe, die mit einem ersten Meh-Buch angefangen hat, ist auch im zweiten Buch ziemlich Meh, nur sogar noch mehr Meh als vorher.

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A Princess of Mars

Edgar Rice Burroughs hatte definitiv ein interessantes Leben. Zunächst schien alles in trockenen Tüchern einer Karriere beim US-Militär zu sein, bis er auf Grund eines Herzfehlers aus dem Dienst entlassen wurde. Die anschließenden Jahre hat er sich mit mehreren Jobs rumgeschlagen, um seine Frau und zwei Kinder zu ernähren, ohne je der erfolgreiche Geschäftsmann zu werden, den er anstrebte zu sein. In seiner vielen Freizeit ließ er sich allerdings von seichten, in Magazinen Kapitelweise veröffentlichten, Groschenromanen berieseln. Was ihn motivierte selbst zu schreiben, denn wenn ein solcher Schund publiziert würde, könne er doch sicherlich genau so Geld verdienen.

Aus Burroughs wurde letztendlich nie der große Geschäftsmann, stattdessen allerdings ein erfolgreicher Autor, der zwischen seinem ersten in einem Magazin publiziertes Kapitel in 1912 bis zu seinem Tod in 1950 fast 80 Novellen schreiben sollte, darunter auch seine bekannteste Schöpfung Tarzan. Seine wohl zweitbekannteste Schöpfung hingegen ist wohl John Carter, der direkt aus dem ersten abgedruckten Roman Under the Moons of Mars entsprang, später als A Prince of Mars auch in einem Buch zusammengefasst erschienen. Und mit 10 weiteren Büchern folgend.

Ich gehe ja schon davon aus, dass ein Buch, welches vor über 100 Jahren geschrieben wurde, ein Stück weit antiquiert ist. Schon alleine durch die im Vergleich zum modernen Slang eher gestelzt klingenden Sprache, und natürlich durch den Wandel von Wortbedeutungen schlechthing – immer erneut ein Highlight, wie häufig freudig eingestellte Charaktere als „gay“ bezeichnet werden. Und auch wissenschaftliche betrachtet, wenn ein Mars bei einem Herrn Burroughs beispielsweise komplett mit Moos bedeckt ist. Ich meine klar, es gibt auch kein intelligentes Leben auf dem Mars, und schon alleine das ist die Hauptprämisse der Reihe, aber Fiktion, die in uns bekannten Gefilden angesiedelt ist, versucht sich normalerweise dennoch stärker in der Realität zu verankern. Ein 2012 geschriebenes Buch über ein Volk auf dem Mars würde sich zumindest stärker an die uns heutig bekannten Tatsachen halten, statt einen reinen Fantasy-Planeten daraus zu machen. Aber um 1900 war eben nur bekannt, dass der Mars eine weniger dichte Atmosphäre/Schwerkraft hatte, die beiden Monde ihn näher und schneller umkreisen, es Polarkappen gibt. Außerdem gab es noch immer die Theorie von Kanälen auf dem Mars, und darauf basierend eben, dass der Mars zwar eine sterbende, aber immer noch bewohnbare Welt ist. Und darauf stützt sich Burroughs hier.

Immerhin konnte man sich dadurch damals sowohl an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, und gleichzeitig seiner Fantasie noch freien Lauf lassen, weil eben nicht genug definitiv bekannt war. Barsoom, wie der Mars hier von dein Einheimischen genannt wird, ist also tatsächlich eine Fantasywelt. Ein Planet konstant bedeckt von Moos, mit den letzten Lebenserhaltenden Kanälen und Atmosphäre konstant haltenden Einrichtungen, um das Überleben der Völker zu garantieren, nachdem die großen Seen ausgetrocknet und die antiken Städte zu Ruinen verkommen sind. Den Bulk der Einheimischen macht das nomadisch lebende Volk der grünen Marsianer aus, größer als ein Mensch, mit zwei zusätzlichen Armen und Stoßzähnen ausgestattet. Ein kriegerisches Volk, sich den rauer werdenden Gegebenheiten des Planeten angepasst, und der Tatsache dass ein individuelles Leben nicht mehr viel bedeutet, gerade wenn die Lebensressourcen der Knappheit unterliegen und die Lebenserwartung bei fast tausend Jahren liegt. Ihnen gegenüber stehen die roten Marsianer, die fast nicht von einem Erdenmenschen zu unterscheiden sind und zivilisiert in ihren ummauerten Städten leben.

Und auf jene Bühne verschlägt es eben John Carter, einen jungen Mann aus Virgina USA. Genau genommen ist das Buch in Form einer fiktiven Biographie geschrieben, Carters Niederschrift über seine merkwürdige Reise nach Barsoom, gefunden von einem dies nun publizierenden Neffen. John Carter ist allerdings ein unerträglicher Mary Stue. Bereits im Einstiegsprolog erzählt uns der Neffe davon, was für ein perfekter Mensch er war. Gut gebaut, selbst in die Vierziger noch wie Mitte-Ende Zwanzig ausschauend, ein ehrenvoller Gentleman, ein mutiger Kämpfer im Militär, ein guter Freund, wegen seines Charisma sogar von den bei der Familie beschäftigen Sklaven geliebt (ein Moment, in dem die Antiquiertheit des Buches eher einen unangenehmen Moment hat).

Und auf Barsoom ist er der schiere Superheld. Da er ja höhere Schwerkraft seines Heimatplaneten Erde gewohnt ist, sind seine Muskeln einfach gewohnt so viel mehr leisten zu müssen. Er kann also dutzende Meter weit und hoch springen. Er kann sich selbst mit den doppelt so großen und als Krieger ausgebildeten grünen Marsianern im Kampf messen, ja sogar mehrere gleichzeitig mit Leichtigkeit niederstrecken. Er lernt die Sprache innerhalb von wenigen Tagen. Sein taktisches Denken führt zu fast unfehlbaren Plänen. Die Prinzessin von Helium, und schönste Blume der roten Marsianer, verliebt sich sofort Hals über Kopf in ihn. Während alledem versichert uns Carter natürlich beständig, dass er sich für absolut nicht besonders hält, dass all dies einfach in seinem Naturell liegt, oder an seiner Besonderheit als Erdenmensch auf dem Mars. Bescheidenheit hat er also auch noch zu bieten.

Ein perfekter und unfehlbarer Charakter ist allerdings auch ein sehr langweiliger Charakter. Und ein ziemlich nervtötender in einer von ihm selbst geschriebenen Biographie, in der er selbst es somit ist, der uns alle 3 Seiten von seinem Übermenschentum berichtet, und dabei auch noch ständig bescheiden zu klingen versucht. Und manchmal ist John Carter schlichtweg ein Psychopath, der ohne mit der Wimper zu zucken mordet, und ganze Völker auslöschen würde, um an seine geliebte Prinzessin zu kommen. Das Buch über bekommt man schon das Gefühl, dass einem John Carter ein Leben absolut nichts wert ist, wenn es sich nicht um einen seiner Freunde handelt.

Ein weiteres Problem ist der imperialistische Touch der Geschichte. Nach heutiger Sicht ist es immer ein wenig unglücklich eine Geschichte zu schreiben, in welcher ein weißer Mann in einer anderen Kultur auftaucht, und als Supermensch sofort allen überlegen ist und alle ihre Probleme zu schlichten weiß. Selbst wenn es sich auf dem Mars nicht um andere menschliche Völker handelt, sondern fiktive. Gerade wo die zwei oder drei Halbsätze über das Leben auf der Erde, die Sklaven oder amerikanische Ureinwohner erwähnen, auch eher unglücklich ausfallen. Die Stämme des Mars sind für Burroughs sicherlich Analogien zu in seinen Augen weniger zivilisierten Völkern auf unserer Erde gewesen. Durchaus auch Naturvölker, denn ein weiteres Kuriosum des Lebens auf dem Mars ist, dass im Prinzip jeder permanent nackt ist, abgesehen von Rang oder Kriegsehren bestimmenden, schmückenden Ornamenten, die aber nicht zwangsläufig viel bedecken müssen.

Um ehrlich zu sein hat mich A Princess of Mars weniger für sich selbst interessiert bekommen, als vielmehr dafür mir Disneys gefloppten Versuch anzusehen, dies hier in 2012 in eine Blockbuster-Fantasy-Franchise zu wandeln. Einfach um zu sehen, wie stark die den langweiligen Über-Hauptcharakter, die rassistischen Untertöne, die inakkurate Darstellung des Mars und der nonchalante Nudismus umgesetzt haben, um dies in einen familienfreundlichen Film nach modernen Gepflogenheiten zu wandeln.

Denn das Buch an sich, pulpig und kurz wie es ist, ist schon eine ziemliche Zeitkapsel aus vor 100 Jahren. Mehr als ein Wizard of Oz oder ein Alice in Wonderland, weil so viel mehr Weltanschauung mit durchsickert und der Hauptcharakter das damalige Idealbild einer männlichen Heldenfigur sein soll. Mittlerweile gelesen ist das Ding ehrlich gesagt ein wenig dämlich bis infantil. Und maßlos überholt.

Clockwork Angel

The Mortal Instruments mag mit dem sechsten Buch abgeschlossen gewesen sein, dies jedoch nur unter jenem Titel. Denn Cassandra Clare hat fleißig weiter geschrieben. Beispielsweise mit The Infernal Devices zwischen 2010 und 2013, also noch während sie die zweite Hälfte der Mortal Instruments schrieb, eine Prequel-Trilogie dahin gelegt.

Natürlich dreht sich die Handlung wieder um ein scheinbar normales Mädchen, welches in die Aktionen der Shadowhunter hineingezogen wird, nur diesmal in London zur Zeit des viktorianischen Englands. Und natürlich sind die hiesigen Shadowhunter frei aus den Familien der Mortal Instruments wie den Herondales und Lightwoods entommen. Unsterbliche bzw. langlebige Charaktere wie ein Magnus Bane dürfen auch mal für ein paar Seiten mit rumspringen. Ist ein wenig so, als hätte Clare Fanfiction zu ihrer eigenen Serie geschrieben.

Aber vielleicht ist sie einfach auch grundsätzlich nicht allzu einfallsreich. Denn die beiden Hauptprotagonisten sind denen aus den Mortal Instruments sehr ähnlich. Will ist eine schwarzhaarige Version des blonden Jace. Gut gebaut, hübsches Gesicht. Mit 17 gerade so nicht volljährig genug um sich voll bei den Shadowhuntern beweisen zu können. Sarkastisch und stößt Leute von sich, weil er einen dunklen Schatten auf der Seele hat TM, den wir hier noch nicht herausfinden, der aber sicherlich halb so wild und total mit genügen Liebe zu überkommen ist. Und bester und beschützender Kumpel zum einzig anderen jungen Shadowhunter im Institut.

Der ist Jem, und erfüllt die Rolle des Exoten. Im Gegensatz zu Alec ist er nicht schwul, dafür Halbchinese, in einer Ära, wo ausländisches Blut nicht hoch gewertet wird. Außerdem von irgendeinem Dämonenblut besessen, das ihn langsam umbringt. Und dessen Heilung wir sicherlich über die nächsten Bücher finden dürfen.

Die vielleicht mit Tessas besonderen Kräften zusammenhängt. So wie Clary als normales Mädchen lebte und plötzlich herausfinden musste, dass sie gar kein Mensch sondern Shadowhunter ist, zudem die einzigartige Kraft hatte neue Runen zu erfinden… so hat Tessa als normales Mädchen in New York gelebt, bis ihr Bruder nach dem Tod der sich um sie kümmernden Tante eine Einladung schickt mit ihm in London zu leben. Wo sie entführt wird und bevor die Shadowhunter sie befreien herausfinden muss, dass sie gar kein Mensch ist, sondern eine Gestaltwandlerin. Was sie zum einem Warlock machen würde, aber im Gegensatz zu ordinären Vertretern der Rasse hat sie kein sie als solchen identifizierenden Makel.

Natürlich darf sich die hitzköpfige Tessa in den rauen Will vergucken. Natürlich ist klar, dass dies erwidert wird. Natürlich dürfen sie nicht am Ende des ersten Buches schon miteinander enden, von daher darf nach hitzigem hin und her und will er oder will er nicht, Will die Sache brechen. Wahrscheinlich aus einem angeblich hehren Grund wie sie zu schützen oder was weiß ich. Ein wenig Anspielung das auch Jem sich in Tessa verguckt und sie ihn auch mag, gibt es zudem, aber wir wissen ja und das Buch macht auch so keinen so großen Hehl daraus, mit wem sie letztendlich enden wird.

Ach ja, Jessie als dritte Shadowhunterin im Institut gibt es auch noch, und sie darf Izzys Rolle übernehmen das einzige Mädel der drei und etwas selbstverliebt zu sein, aber letztendlich eine mehr als untergeordnete Rolle zu spielen. Wer interessiert sich schon für weibliche Rollen in diesen Büchern abgesehen von der Self Insert Hauptprotagonistin?

Und ja, Clare hat wieder mal ein Faible dafür, jedem einen Spitznamen zu geben, egal wie doof es klingt oder wie wenig der abkürzt. Nathaniel ist Nate, Theresa ist Tessa, William ist Will, Jessamine ist Jessie und James ist Jem (ugh).

Die Geschichte bleibt dabei auch ziemlich vorhersehbar. So viel, wie hier überhaupt geschieht, denn das hier ist eindeutig gestreckt, um eine Trilogie aus der Angelegenheit zu bekommen. Es sollte von Anfang an ziemlich klar sein, dass der lange verschollene Nate noch mal auftauchen wird, und in der Szene in der er offenbart wird auch schon vorher das er es ist, sowie das der noch was im Schilde führt. Dass der Einsatz am Ende eine falsche Fährte ist nur um die Shadowhunter aus dem Institut zu locken, ist auch sehr offensichtlich, so sonderlich schlau scheinen die jedenfalls nicht zu sein, Tessa fast alleine zurückzulassen weil in einer Nacht plötzlich ganz praktisch alles zusammen geschehen soll.

Wobei ich es ja schon etwas herrlich finde, dass der Bösewicht sich damit brüstet, wie einfach die Shadowhunter zu überlisten waren, weil sie Mundies unterschätzen. Mundane ist ja deren Name für normalsterbliche Menschen, und obwohl sie jene vor übernatürlichen Geschöpfen zu beschützen geschworen haben, sehen die Shadowhunter extrem auf jene herab. Eine Sache, die in den Büchern immer wieder aufkommt, deren Rassismus allerdings nie wirklich behandelt wird. Nett, dass sie das mal in den Arsch gebissen hat.

Ich würde ja gern etwas positiver klingen, und dass ich nun schon beim siebten Buch der Franchise angelangt bin, kann ja nicht nur Negatives bedeuten. Jedoch so richtig Begeisterung aufkommen wollte bei mir auch nicht, dafür ist alles zu gehabt und fällt zu sehr auf Klischees zurück.

The Chessman

Jeffrey B. Burton ist wohl schon eine geraume Weile Autor, allerdings hauptsächlich von Kurzgeschichten in Genre-Magazinen. Genre Fiction ist dabei ein Schlagwort für diverse… Genre eben, vornehmlich SciFi, Fantasy, Horror und Mystery, und kommt immer mit dem Beigeschmack von „nerdigen Sachen ohne höheren intellektuellen Wert“. Ein Genre Film beispielsweise würde die Academy der Oscars nie auch nur mit dem Arsch ansehen. Jedoch gelang ihm dann 2012 der Durchbruch mit dem Thriller Der Schachspieler, dem er mittlerweile zwei weitere Fälle um den Ermittler Drew Cady hat folgen lassen.

Der Chessman war dabei eigentlich der letzte Fall vom Ex-FBI-Agenten Cady, der in Folge der Ermittlungen 50% Kraftverlust in seiner rechten Hand und die Scheidung seiner Frau abbekam, und nach Abschluss des Falles in die Pension ging. Doch obwohl man dachte damals den Übeltäter herausgefunden zu haben, so kommt es nun zu neuen hoch-profilierten Morden, in deren Wunden Schachfiguren stecken. Letztendlich lässt sich Drew Cady darauf ein, als beratender Experte an den Ermittlungen teilzunehmen.

Cady selbst tippt dabei darauf, dass es sich eh nur um einen Nachahmungstäter handelt. Wie sich herausstellt liegt er damit auch gar nicht falsch. Was allerdings nicht bedeutet, dass sie damals nicht dennoch den Falschen für den Chessman gehalten haben. Denn der mischt sich auch wieder ein, da er es ja mal gar nicht mit seiner Ehre vereinbaren kann, dass ihn jemand kopiert. Immerhin hat er aus Liebe gemordet.

Was das Buch dabei etwas komplizierter macht, ist die Tatsache, dass es nicht nur gerne alle paar Kapitel den Charakter wechselt, aus dessen Sicht wir die Ereignisse miterleben, sondern auch munter zwischen den aktuellen und den damaligen Ermittlungen hin und her springt. Das wird zwar immer schön mit einem „X Wochen/Monate“ zuvor eingeleitet, jedoch habe ich mich dennoch manchmal dabei ertappt, gedanklich nicht auf die Reihe zu bekommen, wie Ereignis A und B jetzt zueinander passen, bis mir wieder eingefallen ist, dass diese gar nicht Teil der gleichen Ermittlungszeitlinie sind.

Denn letztendlich haben die gar nichts miteinander zu tun. Wer also ständig erwartet, dass es irgendwann mal Klick macht und die beiden sich zusammenfügen, kann lange warten. Letztendlich ist dann auch der Teil darum, was mit dem eigentlichen Chessman-Fall zu tun hat, wer wirklich dahinter steckt, warum er wirklich gemordet hat, interessanter, als der gegenwärtige Part. Der ist dann interessant, wann immer der Chessman Kontakt zu Cady aufnimmt, eher weniger wenn es um die Mafia-Copycat geht – wobei es immerhin abseits der Norm ist, dass der Nachahmungstäter eben kein weiterer Psychopath oder doch wieder der Chessman von damals ist. Den will uns das Buch gegen Ende eventuell sogar etwas sympathisch machen, weil er ja aus Überzeugung gehandelt hat, und was er Cady antat wirklich bereut?

Dennoch bleibt das Buch eher Standard wenn es um Thriller geht. Wir haben einen Agenten mit einer persönlichen Vergangenheit, die aufgearbeitet werden muss. Es gibt korrupte Politiker. Richtig perverse Serienmörder. Ein Mörder mit moralischem Kompass. Wären nicht die vielen Zeitsprünge und das etwas andere Ende, wäre Der Schachspieler schon sehr Thriller 101. Was ja nichts bedeuten muss, ehrlich gesagt finde ich Thriller und Krimis untereinander immer sehr ähnlich gestrickt, und Der Schachspieler ist definitiv ein unterhaltsamer und kurzweiliger Vertreter, macht aber insgesamt eben auch keine großen Sprünge.

Nur warum es hiernach noch mehr Fälle von Drew Cady gibt, es sei denn wir springen in dessen Vergangenheit, erschließt sich mir nicht. Denn der hat hiermit eigentlich seinen Abschluss mit dem Dienst gefunden. Es gibt keine Gründe, warum er sich in weitere Ermittlungen einmischen sollte.

The Accident

Mit Träum was Böses von C. L. Tayler kommt mal wieder ein Thriller dran, bekannt im Original als The Accident, da dort alle ihre Thriller dem prägnanten Thema Das [Vorfall] nachgehen – The Lie, The Missing, The Treatment. Eigentlich eher langweilige Titel, aber so kurze The [Schlagwort] fällt einem halt doch schneller ins Auge.

Es geht im Buch in der aktuellen Zeitschiene darum, dass die Tochter von Susan nachdem sie von einem Bus erfasst wurde im Krankenhaus im Koma liegt. Die Sache ist nur die, dass sie nach Aussage des Busfahrers einfach so vor das Vehikel gelaufen ist. Und auch obwohl es laut den Ärzten keinen Grund gibt, warum Charlotte nicht erwachen sollte, verbleibt sie im Koma. Und dann hat Susan noch ein wenig in ihrem Tagebuch geschnüffelt, und einen Eintrag darüber gefunden, dass sie von einem Geheimnis ganz zerfressen wird.

Was ist es also, das ihrer Tochter so sehr zu schaffen macht, so dass sie scheinbar Selbstmord begehen wollte, und nicht aus dem Koma aufwacht? Um wen geht es? Vielleicht um Susans Mann, der ihre Ehe bereits früher einmal durch Fremdgehen aufs Spiel gesetzt hatte? Oder hat es was mit dem Freund oder der besten Freundin von Charlotte zu tun, die sich komischerweise nach Wochen immer noch nicht am Krankenbett haben blicken lassen?

Eingeschoben sind immer mal wieder kürzere Exkurse in die Vergangenheit von Susan. Und zwar maßgeblich wie sie den mittlerweile Ex-Freund James kennengelernt hat, und wie diese Beziehung immer unerträglicher wurde. Wobei man sich von Anfang an durch diverse Hinweise denken kann, dass hier was schief gehen wird.

Tatsächlich bieten sich Susan das Buch über diverse Fährten an, die sie auch nachzugehen weiß, welche zum dunklen Geheimnis der Tochter führen könnten. Das merkwürdige Verhalten des Ehemannes, die plötzlich gebrochenen Freundschaften, heimliches Gehen in Discos mit VIP-Promis, zweifelhafte neue Freunde, oder doch das James sie endlich gefunden hat. Die Einschübe in Susans Vergangenheit müssen dabei zunächst nicht unbedingt was mit dem aktuellen Geschehen zu tun haben, sondern könnten auch einfach die Erklärung ihres manischen Verhaltens sein. Eventuell überreagiert bis halluziniert Susan Dinge ja sogar.

Wobei ich insgesamt sagen muss, dass mich die aktuelle Geschichte mehr interessierte als ihre Vergangenheit. Klar, letztendlich ist die auch für die jetzigen Geschehnisse wichtig, aber das Verwirrspiel um das Geheimnis der Tochter fand ich dann doch besser als das Miterleben der Missbrauchsbeziehung, weil die mir ehrlich gesagt zu dick aufgetragen und zu vorhersehbar war. Da war der Rest des Buches irgendwie besser geschrieben. Und auch wenn die Auflösung gegen Ende dann doch etwas zu herkömmlich daher kam, so war der Weg dahin doch insgesamt ein spannender.

Kill Order

Nach drei Büchern in drei Jahren, um die Ereignisse der Maze Runner zu erzählen, war Dashner noch längst nicht fertig mit dem Stoff. Denn bereits im vierten Jahr erschien mit The Kill Order das vierte Buch, ein Prequel zur Hauptreihe. Immerhin konnte er sich zurückhalten nicht gleich eine weitere Trilogie draus zu schröpfen. Wobei letztes Jahr dann ein weiteres Prequel erscheinen durfte.

Das Buch beginnt mit Teresa, die auf den gerade seine Erinnerungen in Vorbereitung auf das Labyrinth löschenden Thomas schaut, kurz bevor die eigentliche Trilogie beginnt. Wer nun denkt, dass Dashner endlich die Chance ergriffen hat etwas Grau in die Reihe zu bringen, etwas von Interesse oder echtem Nachdenken zu erzählen, in dem er sie daran Zurückdenken lässt, was hierher geführt hat, damit wir mal mitbekommen, wie Teresa und Thomas das Experiment vor dem Gedächtnisverlust verantworten konnten, der irrt sich. Das hier ist ganz wie der Epilog nur ein Köder für diejenigen, die kurz in das Buch reinlesen, und so meinen es ginge noch um ihre Lieblingscharaktere, in Wirklichkeit haben die beiden Teile mit dem eigentlichen Buch absolut gar nichts zu tun.

Jenes springt nämlich prompt ein ganzes Dutzend Jahre in die Vergangenheit, kurz nachdem die Sonneneruptionen das von uns gewohnte Leben zerstört haben, aber nachdem sich die Überlebenden bereits zusammengeschlossen und ein neues Leben aufgebaut haben. Und dann kommt der Brand, da die Regierung in Ermanglung von Ressourcen beschlossen hat die halbe Weltbevölkerung auszulöschen, um das Leben der anderen Hälfte zu garantieren. Über einen Virus, da die ja bekanntlich so schön berechenbar sind und überhaupt nicht zu Mutationen neigen und so. Dann wiederum sind das die Leute, die Thomas, Teresa und die anderen Lichter als hochbegabt-intelligente Kinder eingestuft haben, obwohl die nach zwei Jahren im Labyrinth nicht auf die Idee kommen, dass ANGST in Großbuchstaben das Akronym für die verdächtig mit jenen Buchstaben beginnende Organisation sein könnte, deren Namen auf den Plaketten steht, von daher scheint der Durchschnitts-IQ der Weltbevölkerung nach den Sonneneruptionen eh stark gefallen zu sein.

Wir folgen also einer kleinen Gruppe Leute, von denen wir wissen das sie todgeweiht sind, weil eben die Anfangsstadien des Brands und direkt beschossen und so. Mit Flashbacks zu den ersten Tagen direkt nach der Sonneneruption inklusive weiterer Freund, von denen wir wissen, dass sie nicht überleben werden, weil sie aktuell nicht mehr dabei sind. Und mal wieder zieht alles, was den Leuten geschieht, nicht so richtig, weil sie uns vorher und währenddessen nicht sonderlich sympathisch gemacht werden.

Und erneut dreht sich das Buch dabei nicht um die wirklich interessanten Dinge. Nämlich die Entscheidung an sich. Das Abwegen des garantierten Überlebens einiger, aber nur unter dem Massenmord so vieler anderer. Ganz wie das Labyrinth in der Original-Trilogie ist die Vorgehensweise menschlich zu verachten, aber logisch nachvollziehbar. Nur hier in einem noch viel größeren Rahmen, weil es zu so viel mehr Opfern kommt. Was waren die Beweggründe, wer hat entschieden, was waren die nicht genutzten Alternativen? Interessiert das Buch nicht. Dashner hat ein wirkliches Händchen dafür, seiner Bücher um interessante Fragen zu bauen, die auszuloten er selbst keinerlei Interesse zu haben scheint, sondern lieber als Aufhänger und Gimmick der Geschichte verenden lässt.

The Death Cure

ava-2123Da sind wir also angekommen, mit Die Auserwählten in der Todeszone sind wir am Ende der Maze-Runner-Reihe angelangt, wenn auch nicht beim letzten Buch, weil Prequels gehen immer, wenn man schon unverhofft zu monetärem Erfolg gelangt ist. Gerade bei Young Adult kann man immer noch einen weiteren Band Nach-/Vorschieben.

Der deutsche Titel ist übrigens etwas irreführend, und das sogar in zweierlei Hinsicht. Zum einen gibt es keine Auserwählten, sondern die Experimente sind dahin ausgelegt, den einen einzelnen Auserwählten aus den möglichen Kandidaten herauszufiltern. Und auch in der Todeszone kommt keiner an, denn wie uns dieses Buch erläutert wird der Terminus „Todeszone“ für den Bereich im Hirn benutzt, in dem sich die Brand-Krankheit festsetzt, um das Hirn zu verwüsten. Und einen Trip ins eigene Unterbewusstsein oder ähnliches wird hier nicht geboten. Wäre auch viel zu interessant, stattdessen kommen unsere wenigen Fast-Auserwählten in einer Stadt an, bekommen sozusagen zum ersten Mal das normale Leben in dieser Welt nach den Sonneneruptionen mit, nur damit jene Zivilisation sofort zusammenbricht, da der unaufhaltsame Brand direkt dort angekommen ist. Stattdessen wird halt ANGST ausgeschaltet und ein Paradies für die wenigen Immunen gefunden. Menschheit quasi gerettet, wenn auch nicht viele davon.

Die meisten interessanten Fragen oder Ansatzpunkte der Reihe interessieren die Bücher wie gehabt nicht sonderlich. Wer ist überhaupt so blöd, und verbreitet eine Krankheit, für die er noch keine Heilung entwickelt hat? Eine Überbevölkerung in einer um Ressourcen und Lebensraum stark geschrumpften postapokalyptischen Welt kann man auch anders regulieren, wenn sie das nicht eh von selbst tut. Und warum den Befallenen dann ganze Dörfer bauen, in denen sie ihr kurzes Restleben in Würde und Anstrengungsfrei beenden können. Wer bezahlt das alles? Ist nie jemand drauf gekommen, dass werdende Rage-Zombies zusammenzupferchen keine gute Idee ist? Werden die Kranken nicht laut dem zweiten Buch in die Brandwüste geschickt?

Das Buch macht auch zu Beginn, wenn alle noch bei ANGST eingesperrt sind, ein unglaubliches Gewese daraus, dass die Kids ihre Erinnerungen zurückbekommen sollen, Tom und ein paar andere dies aber partout nicht wollen. Steckt nur absolut nichts dahinter. Diejenigen, die ihre Erinnerungen zurück haben, und die weite Teile aus dem Buch spurlos verschwinden, helfen am Ende genauso gegen ANGST wie jene, die es nicht tun. Die immer weiter ins schräge Licht gerückte Teresa darf plötzlich doch wieder eine der Guten sein, und sich prompt für Tom opfern, damit der sich am Ende des Buches nicht zwischen seinen beiden Love Interests entscheiden muss. Allgemein sind viele Charakterhandlungen und –schicksale wenig natürlich aus der Situation bedingt, und mehr um eben Spannung oder Drama vorzuheucheln.

Und da Tom seine Erinnerungen nie zurück bekommt, finden wir nie heraus, warum genau er ANGST ursprünglich beim Experiment geholfen hat, was es mit den ersten Schöpfern auf sich hatte. Eben einfach ein wenig Grau in die Handlung bringen, in dem analog zwischen der Ideologie des alten Toms und der geänderten Meinung des aktuellen Toms, der seine eigens entworfenen Experimente durchstehen musste, gezeigt wird, dass sich beide Seiten im Recht fühlen. ANGST beteuert bis zum Schluss all dies nur fürs Beste der Menschheit zu machen, und mal ehrlich, was sind denn die Leben von 50 Kids wirklich gegen die Hoffnung die ganze Menschheit retten zu können, warum also uns dies durch den Hauptcharakter nicht wirklich näher bringen?

Ich hatte es mir ja schon fast gedacht, aber so wirklich seine Versprechen einlösen tut Maze Runner im Verlauf der beiden Nachfolge-Bücher einfach nicht. Die wirklich interessanten Dinge werden durchgewunken, echte Antworten auf die Mysterien gibt es nicht, oder zumindest keine befriedigenden die nicht erneutes Abwinken wären, die Charaktere sind zusehends dämlicher und unsympathischer, und die Welt und Handlung klingen auf erstaunlich langweiligem Standard aus. Schade, denn das erste Buch war eine ziemlich interessante Grundlage. Draus gemacht wurde eben nichts.

L’échappée belle

ava-2121Keine Ahnung ob es irgendwer bemerkt hat, aber kürzlich war Weihnachten. Was das auch gern mal mit sich bringt ist die Tradition des Wichtelns, welches vorrangig bei dem weiblichen Mitmenschen beliebt ist. Hierfür nimmt man einen kleinen Obolus zur Hand, zu wenig um wirklich was richtiges kaufen zu können, aber genug um es als Geldverschwendung ansehen zu können, und kauft jemand zufällig gezogenem, dessen Geschmack man nicht kennt, eine Kleinigkeit, die jener nicht gebrauchen kann. Alternativ kann allerdings auch das sogenannten Schrott-Wichteln betrieben werden, in dem man denjenigen Ausgelosten dazu benutzt, um eigene unbrauchbare Mist-Geschenke, die man eventuell im Vorjahr durchs Nicht-Schrott-Wichteln bekommen hat, auf einen Dritten abzugeben, damit derjenige es für einen in den Müll wirf.

Über jenen Weg gelangte ein Buch an mich, kommend über den zweifelhaften Titel Ein geschenkter Tag und einem sehr violetten Einband, geschrieben von einer Französin. Und „Buch“ ist hierbei ziemlich großzügig bezeichnet, Pamphlet trifft die Sache schon eher, denn das Ding ist unter 150 Seiten und ich habe selten ein Seitenlayout gesehen, welches so viel Raum zwischen Text und Seitenrändern lässt. Eventuell ein nötiger Platz um konstant abfällige Kommentare a la MST3K an jedem Absatz anbringen zu können?

Ich habe die Autorin, Anna Gavalda, übrigens mal recherchiert. Und mit recherchiert meinen ich, dass ich ihren Namen auf Amazon angeklickt habe, um zu sehen, was die sonst so geschrieben hat. Die nächsten drei Bücher in der Liste tragen so Namen wie Nur wer fällt, lernt fliegen, Zusammen ist man weniger allein, und Alles Glück kommt nie. Ihren Werken also generische Groschenroman-Titel zu verpassen, ist definitiv ein konsequent durchgezogenes Thema. Ein geschenkter Tag heißt im Original übrigens in etwa Die große Flucht, ob dies nun besser ist, sei mal dahingestellt.

Jedenfalls gibt das Nachwort von Frau Gavalda, die ihren Büchern zum trotz übrigens auf dem Foto einen überraschend sympathischen und aufgeweckten Eindruck hinterlässt, mehr Aufschluss darüber, wie dieses Buch so zustande kam, wie es geworden ist. Und zwar war das Ding mehr oder weniger eine leicht-beschwingt dahin geschriebene Kurzgeschichte, die im kleinen Rahmen irgendwann mal veröffentlicht wurde. Als sie dann bekanntere Bücher schrieb, wurde diese Rarität zu einem ziemlich teuer gehandelten Sammlerstück, und Frau Gavalda gab den Nachfragen nach, es doch in größerer Stückzahl erneut auflegen zu lassen.

Die Geschichte ist dann auch nur ein kleiner Tagesexkurs einiger Geschwister. Unser Hauptcharakter ist… eine junge Frau in ihren 20ern, ich kann mir ihren französischen Namen ehrlich gesagt nicht so richtig merken, wir nennen sie hierfür einfach mal Carrie Bradshaw. Die ist mit ihrem älteren Bruder und dessen spießigen Frau im Auto mitgenommen worden, sehr zu seiner und ganz entgegen der Freude seiner schlimmeren Hälfte. Eine weitere Schwester müssen sie spontan über einen Umweg auch noch einsammeln, was die allgemeine Stimmung noch mehr ins Schwanken bringt. Eigentlich soll es auf eine Heirat in der Familie gehen, doch als sie dort angekommen feststellen, dass ihr jüngster Bruder nicht erscheinen wird, machen sich die drei Geschwister einfach klammheimlich aus dem Staub, um ihn zu besuchen. Der macht Schlossführungen und hat sich mit Zigeunern angefreundet, und schon haben die vier sehr vergnügliche und beschwingte 24 Stunden miteinander, endend auf einer etwas melancholischen Note, weil Erwachsene um die 30 irgendwann ja auch mal wieder in die reale Welt mit Verpflichtungen übergehen müssen, statt leichtherzig vor sich hin zu leben, wie es ihnen passt. Voll gemein die Welt und so.

Das Buch möchte also so ein wenig die Atmosphäre der Trauer um die beendete Jugend aufleben lassen, lässt uns einen kurzen Exkurs mit diesen lebenslustigen und freigeistigen Geschwistern verbringen, die noch mal zusammen der Normie-Spießergesellschaft trotzen. Ein wenig Leichtigkeit des Seins, ein wenig Rebellion, und ein paar Einblicke in die Vergangenheit der Geschwister, da sie in ihrem Alter eben doch schon zum Teil von der Realität eingeholt wurden.

Ich fand es ehrlich gesagt nicht so toll. Einer einfacheren Jugend hinterher zu trauern geht natürlich immer gut, besonders wenn man wie hier nicht mal so unbedingt direkt die Kindheit sondern mehr das Alter als junger Erwachsener ins Auge fast. Wenn man schon alle Rechte eines Volljährigen hat, aber viele Verpflichtungen einen nicht in ihren Klauen wissen, die Gesellschaft einem noch eine gewisse Narrenfreiheit einräumt sich auszuprobieren und Fehler machen zu dürfen. Womit ich allerdings nie klarkommen kann, sind heuchlerische Hauptcharaktere. Carrie urteilt über alles, was ihre Schwägerin macht. Alles ist spießig und ätzend und unmöglich. Selbst nicht für die etwas andere Art der Lebensweise verurteilt werden zu wollen, aber am laufenden Bande über die angepasste Lebensweise eines anderen zu urteilen, ist arrogant und unsympathisch. Abgesehen davon war ich nie so auf einer Wellenlinie mit Geschichten über ach so spezielle Figuren, die gegen die gesellschaftlichen Konventionen der Realität kontrastieren, als gäbe es auch überhaupt keinen Mittelweg zu leben, entweder Reihenhaus und Kombi und Anzugjob, oder barfuß als Selbstversorger. Carrie ist mehr die Identifikationsfigur für diejenigen, die sich für spezieller und chaotischer halten, als sie das wirklich sind, und ihre Probleme mit ihrer Umwelt darauf schieben, dass jene falsch gepolt und man selbst einfach ein viel zu Großes Unikat für die angepassten Spießer darstellt, anstatt auch mal sich selbst hinterfragen zu müssen.

The Scorch Trials

ava-2115Und weiter geht es in der Trilogie der Labyrinth-Renner mit dem zweiten Buch, Die Auserwählten in der Brandwüste, mit ohne Labyrinth und einer überschaubaren Anzahl an Rennen.

Die Gruppe ist also raus aus dem Labyrinth und von den das Experiment machenden ANGST gerettet worden. Oder auch nicht, denn das Ganze ist nur eine weitere Inszenierung. Bereits nach einer Nacht des erholsamen Schlafes nämlich wird der überlebenden Truppe an Jungs ihr eines Mädchen Teresa gegen einen anderen Kerl ausgetauscht. Aris ist sein Name, und er hat genau das Gleiche durchgemacht, allerdings in einer Gruppe Mädchen in deren Labyrinth.

Und schon wird der Trupp an Jungs in der Brandwüste ausgesetzt, so genannt, weil eben sehr heiß und eine Wüste, da nach Sonneruptionen weite Teile der Welt um den Äquator komplett verbrannt sind. Ihre jetzige Aufgabe ist innerhalb kurzer Zeit den „sicheren Hafen“ im Norden zu erreichen, ohne jegliche Hilfe von außen. Zwischen ihnen und jenem Ziel stehen eine mörderische Wüste, eine Ruinenstadt voller Cranks, so genannt weil sie mit „dem Brand“ eine unheilbare Krankheit haben, die sie nach und nach in Rage-Zombies verwandelt, und diverse andere unlogische Aufgaben, die sich ANGST ausgedacht hat, um sie auf die eine oder andere Art und Weise mit ihren Tests zu stimulieren, sowie die Gruppe an überlebenden Mädchen, mit denen sie in den Wettstreit gesetzt werden.

Sprich es liegt alles am dritten und finalen Buch, wenn es darum geht, irgendwas von der Handlung der Trilogie wirklich zu erklären. Wir wissen jetzt schon mal, oder zumindest grob, in welchem Zustand sich die Außenwelt befindet. Wesentlich mehr aber auch nicht. Dass die Tests alle gemacht werden, um gewisse Muster bei den Subjekten hervorzurufen, und das sich ANGST im Recht denkt diese mörderischen Aufgaben zu stellen, da es irgendwie um den Fortbestand der Menschheit geht, ist nicht neu. Genauso wenig, dass Thomas ein ganz besonderer Super-Charakter ist, der für ANGST einen besonderen Stellenwert hat, dem sie hier sogar eine Notrettung zu Teil kommen lassen müssen, damit er nicht verreckt, so wie sie es bei jedem anderen zugelassen hätten.

Ist natürlich schön einfach ein Buch zu schreiben, bei dem die Ereignisse so gesehen erst mal keinen Sinn ergeben müssen, weil sie alle nur Tests darstellen, die von einer im Hintergrund agierenden Gruppe gesteuert werden, und jegliche Form von Erklärung konstant vor sich her zu schieben. Führt aber für mich dazu, dass das Mysterium, welches für das erste Buch noch zu schlucken war, hier bereits nicht mehr zieht. Es wirkt für mich mittlerweile wie eine billige Ausrede, wenn man sich selbst noch nicht klar ist, wo das hinführen soll, und ich habe ehrlich gesagt so meine Zweifel, dass der Autor in der Lage sein wird, dies brauchbar im dritten Teil auch endlich zu einem Abschluss zu führen.

Dazu kommt noch, dass die Reise durch die Brandwüste wesentlich weniger interessant ist, als die Gefangenschaft im Labyrinth. Das erste Buch hatte auch einen sehr gemächlichen Aufbau, der zweite Band wirkt retrospektiv hingegen geradezu, als würde der Autor Zeit schinden. Drei Bücher bringen mehr ein als nur zwei. Also eine zweite Aneinanderreihung an unerklärten Tests einschieben. Dass diese Kids besonders begabte mit hohem IQ sein sollen, schlucke ich sowieso genauso wenig wie bisher, wenn überhaupt sind sie hier eher noch dümmer und begriffsstutziger geworden. Teresa geht mir mittlerweile eh ziemlich auf den Keks und Thomas eigentlich auch demnächst. Gerade das, was in diesem Buch zwischen den beiden geschehen und von ANGST initiiert worden ist, im nächsten befriedigend zu erklären, wird das größte Problem werden.

Und mal ehrlich… ANGST? Welche vertrauenswürdig sein wollende Organisation nimmt sich denn einen Namen mit einem solchen Akronym? Hingegen ist es eines, welches sich ein Autor ausdenken würde, wenn der es für wahnsinnig clever hält, dass eine Gruppierung mit einem so fies klingenden Namen eigentlich die Guten sind. Unlogisches Gimmick halt. Heißt im Original übrigens wohl WICKED, hat mir Google genannt, was das gleiche Problem mit sich führt, aber auch die Frage aufwirft, warum man da im Deutschen nicht ein paar Minuten mehr überlegt hat, um einen Namen zu finden, der sich zu dessen Übersetzung abkürzen lässt.

Jedenfalls ist so ziemlich die einzige Stärke des zweiten Buches für mich gewesen, dass es sich erneut sehr schnell und leicht lesen lässt, und nicht wirklich direkt langweilig geworden war, egal wie sehr es im Nachhinein wie Zeitschinden wirkte. Aber wirklich viel war aus dem Füll-Band der Trilogie auch nicht zu holen.

The Maze Runner

ava-2113Eine weitere Trilogie an Jugendromanen durfte also ran, die in den letzten Jahren zu erfolgreichen Kinofilmen verwurstet wurde. Wahrscheinlich allerdings zu 4 davon, würde ich jetzt einfach mal so ins Blaue raten, weil sobald die ersten Teile den Erfolg zementiert haben, wird ja heutzutage das letzte Buch gesplittet, um ein Mal mehr an Kinokarten und spätere Heimkino-Auswertungen verdienen zu können. Oder auch nicht, Wikipedia sagt mir der Regisseur hat darauf bestanden, das finale Buch nicht zu splitten – dauert ja eh lang genug, jenen Film rauszubringen, mit seinem angedachten 2018er-Release drei Jahre nach dem zweiten Film.

Ist aber auch scheißegal, immerhin soll es um die Bücher gehen, oder genauer gesagt um das erste davon, weil mit dem Anfang zu beginnen bietet sich immer an, als da wäre Die Auserwählten im Labyrinth.

Unser Hauptakteur ist Thomas, der eines Tages in einer Metallbox erwacht, und dessen Erinnerungen etwas eigen sind. Er kennt seinen Namen noch. Er kennt auch die grundlegenden Dinge, wie die Welt funktioniert, wie man kommuniziert, was genau was ist. Aber keine Details, nämlich in was für einer Welt man lebt, nichts über seine Familie oder Leben vor dem Erwachen der Box.

Das tut keiner der halben Hundertschaft an Jungs, die ihn aus der Box auf die Lichtung holen. Jeden Monat gibt es einen Neuankömmling in der Box, warum weiß keiner. Leben tun sie auf der sicheren Lichtung, auf der ihnen ebenfalls durch die Metallbox regelmäßig die Lebensnotwendigkeiten zur Verfügung gestellt werden. Jene Lichtung bildet das Zentrum eines Labyrinths, dessen Wände sich regelmäßig verschieben, und aus dem in den 2 Jahren, seitdem die erste Gruppe hier abgesetzt wurde, kein Ausgang gefunden wurde.

Nur sobald Thomas auf die Lichtung kommt, wird natürlich plötzlich alles ganz anders. Das erste Mädchen folgt direkt am Tag darauf, mit der ominösen Nachricht, dass sie die Letzte ist. Es geschehen Dinge, die es so in den zwei Jahren noch nie gab. Und ein paar Jungs, die Fragmente ihrer Erinnerung nach einem Stich durch die Griewer-Monster, die im Labyrinth hausen, zurück haben, meinen Thomas käme ihnen eh bekannt vor.

Maze Runner ist also im Prinzip schon so ziemlich „Cube meets Lord of the Flies“. Aus Cube haben wir das Einsperren einer Gruppe in ein riesiges Puzzel, welches zu lösen das Hauptaugenmerk des ersten Teiles ausmacht, und dazu so gut wie keine Erklärungen wieso-weshalb-warum all dies hier geschieht. Nur das einem Maze Runner auf die letzten Kapitel, nachdem es relativ gemächlich anfing, doch ein paar Anhaltspunkte darauf gibt, in was für einer Welt dies hier spielt, welcher Katastrophe sie anheimfiel, und das dieses Experiment zumindest unter dem Vorwand der Rettung der Menschheit stattfindet, allerdings all dies noch ohne konkrete Details. Es bleibt also genug Geheimnis für die folgenden Bücher. Aus Lord of the Flies haben wir eben, dass es sich hierbei um eine in die Wildnis ausgesetzt Gruppe an Jungs handelt, die sich ihre eigene Gesellschaft und Ordnung aufbauen müssen, die ihre eigenen Regeln haben, und die natürlich gerade nachdem Thomas all dies durcheinander bringt, ordentlich Reibungspunkte haben, an denen die Gruppe auseinander zu fallen droht.

Ich fand das Buch im Grunde schon interessant und spannend. Lässt sich wie von Jugendromanen gewohnt natürlich erneut ziemlich einfach mal so schnell runter lesen. Es hat allerdings für mich auch ein paar Probleme. Zum einen nervt mich der Slang der Kids ungemein. Statt „Scheiße“ sagen sie „Klonk“, ein Idiot ist ein „Neppdepp“, und das ganze liest sich unglaublich forciert und jedes Mal stolpert man so ein wenig über einen Satz mit jenen Worten. Zumal es davon viel zu wenig gibt, um wirklich als Slang durchzugehen, die eine abgeschottete Gruppe unter sich entwickeln würde, und gleichzeitig kennen die Kids ja einen normalen Wortschatz und deren Bedeutung, weswegen sie auch gar nicht mit neuen Worten für Dinge ankommen müssten.

Etwas weniger oberflächlich sind hingegen die Probleme mit der internen Logik. Schon zu Beginn macht es wenig Sinn, dass Thomas so viele entscheidende Informationen von den anderen Jungs vorenthalten werden. Sagen wir dir Morgen. Wirst du schon merken. Warum? Ein neues Mitglied von Anfang an auf den Stand der sowieso nur wenigen bekannten Dinge und der Regeln eurer Kommune zu bringen scheint doch sehr wichtig. Aber natürlich ist es narrativ spannender, wenn alles mysteriös erscheint und Dinge erst nach und nach geklärt sind – müsste man sich aber vielleicht mal einen guten Grund für ausdenken, warum nichts von vornherein klar ist. Und sobald die paar wenigen Brocken gegen Ende hereinkommen, was hier wirklich hinter den Kulissen abgeht, wackelt das Gerüst ordentlich. Etwas lachhaft ist ja schon, dass alle hier eingesperrten Kids hochbegabt und super intelligent sein sollen. Davon merkt man das Buch über nicht wirklich was. Alles was der noch super-höher-begabter-intelligentere Thomas nämlich innerhalb von wenigen Tagen aufdeckt, ist nämlich keine hohe Kunst, auf die 50 hochbegabte Jungs innerhalb 2 Jahre nicht kommen könnten.

Das waren so meine „Höh?“-Momente, die sich halt hauptsächlich auf das Finale etwas gehäuft haben. Weil Maze Runner dann vielleicht doch nicht so schlau ist, wie es gerne wäre. Weil das interessant-mysteriöse Konzept vielleicht ohne Erklärungen besser dran ist, als mit denen, die es geben wird. Aber all das muss sich noch in den beiden folgenden Büchern bewahrheiten, denn wie gesagt, so wirklich mehr als vage Andeutungen gab es bisher hier eigentlich auch noch nicht. Die Serie kann also das leicht entglittene Ruder noch rumreißen. Der Großteil des ersten Buches ist immerhin trotzdem nicht unspannend, solange nicht zu angestrengt über dessen Logik nachgedacht wird.