Die Erben des Mithras

Weiter geht es mit den Büchern, die es vor ewigen Jahren mal auf mein Kindle geschafft haben, weil sie gleichzeitig für umsonst angeboten wurden. Die Erben des Mithras ist dabei von Alison Almony, zu der es erneut im Internet nicht viel zu holen gibt. Es ist ihr einziges Buch, und ihr Blog hauptsächlich zu dessen Release in 2013 aktiv gewesen und hat seit 2015 keinen Eintrag mehr gesehen, wird also wahrscheinlich auch ihr einziges bleiben. So wie sich das anhört war das sowieso eher ein Nebenprojekt, weil sie sich selbst für die Thematik des Mithras-Kults interessierte und dann ihre Dan-Brown-schen Verschwörungstheorien teilen musste.

Cameron hat beim Ausmisten des Familiendachbodens ein altes Dokument gefunden, welches der schon lang tote Onkel, der eine Zeitlang als Priester an den Ausgrabungen in Qumran teilnahm, dort versteckt hat. Diese Schriftrollen vom Toten Meer sollten ein Begriff sein, nicht zuletzt stützt sich auch Neon Genesis Evangelion auf sie: Die religiösen Texte sind teils umstritten, beleuchten die Zeit des Alten Testaments, wiedersprechen aber auch Dingen aus der Bibel. Cameron ist allerdings hauptsächlich daran interessiert, wie viel er mit dem Verkauf des Dokumentes verdienen kann.

Da ist auch durchaus bereits ein Mönch interessiert, mit dem er sich in der Ruine eines Mithras-Tempels in Rom treffen will. Als Cameron dort ankommt, ist der aber bereits tot, und einer seiner Brüder mit unterschwelligen Drohungen vor Ort, dass Cameron den Text doch dem Orden überlassen soll, der sie ursprünglich ausgegraben hat. Ob der brisante Text dann auch veröffentlicht, oder studiert, oder in den Vatikan-Archiven versteckt wird, sei mal dahingestellt. Aber Cameron hat das Dokument eh nicht dabei, sondern einer Freundin in Israel überlassen, deren Professor es auf seine Echtheit überprüfen will.

Zurück zu Hause in Schottland ist in Camerons Wohnung eingebrochen und alles durchsucht worden. Also kommt er bei Freunden unter, denen er auch brühwarm über alle Ereignisse aufklärt. Sein Kollege Bruce will sich direkt nach weiteren Interessen umhören, und wird kurz darauf tot aufgefunden.

Was sich entfaltet ist ein recht üblicher Thriller um die religiösen Fanatiker und Geheimkultisten, die an das prekäre Dokument wollen, welches eventuell die Anfänge des Christentums in ein ganz anderes Licht rückt, da Paulus darin weniger gut wegkommt, als in der Bibel, und es nahelegt, dass hier gewollt betrogen wurde und das Christentum vom Mithras-Kult unterwandert und mitgeprägt wurde. Allerdings geht das Buch, so sehr sich die Autorin angeblich in die Thematik eingelesen hat, gar nicht so sehr auf diese Verschwörungstheorie ein. Das Erforschen des Geheimnisses fällt genau genommen sogar komplett flach. Stattdessen geht es mehr um eine Riege Normalo-Leute, die durch den zufälligen Besitz eines solchen brisanten Stücks Geschichte plötzlich in Situationen geraten, die ihnen geschwind über den Kopf wachsen und in tödliche Bedrängnis bringen.

Ein wenig befremdlich ist es allerdings schon, dass sich jeder hier so naiv und dämlich anstellt. Einfach mal die Klappe halten ist sowieso keinem Charakter gegönnt. Jeder plaudert feuchtfröhlich über das Dokument und die merkwürdigen Ereignisse, welches es umgibt. Schurken monologieren über ihren Kult vor sich hin, mit der lapidaren Ausrede, dass die Wahrheit einem eh keiner glauben wird. Es wird gehandelt und gesprochen, ohne vorher nachzudenken, oder Leute und ihre Beweggründe wirklich zu hinterfragen. Die Ereignisse lange als Zufälle abgetan oder ihre Tragweite schlichtweg unterschätz.

So einen Thriller über Geheimkults und Verschwörungstheorien zu schreiben ist eigentlich eine einfache Sache, sollte man meinen. Aber wenn das Konstrukt dann doch nicht gut genug durchdacht ist, nicht stimmig genug aufgelöst wird, dann ist man schon irgendwo schnell ein wenig gelangweilt, einfach weil es solche Bücher wie Sand am Meer gibt, und es deswegen viele bessere Alternativen gibt.

Advertisements

Wo ein Wille ist…

Wo ein Wille ist ist ein Roman von Anne Saalean, die am Ende des Buches zwar dazu auffordert, eine Rezession bei Amazon zu hinterlassen – ganz egal ob positiv oder negativ -, welches kurioserweise aber gar nicht mehr auf Amazon zu finden ist. Eine 15-Sekunden-Suche via Google hält auch tatsächlich so gut wie nichts über Autorin oder Buch parat, und schon mal gar nichts, was neuer als 2013 zu sein scheint. Einem Blogger-Interview ist immerhin zu entnehmen, dass dies wohl ein exklusiv digital erhältliches Experiment in Selbstpublikation war.

Protagonistin des Buches ist Vera, die schon in die Jahre gekommen ist und bisher nicht unbedingt das Glück im Leben hatte. Lange Jahre musste sie sich um die exzentrische Mutter kümmern, weswegen ihr Sozialleben eingebrochen ist, so dass sie nach deren aktuellen Tod eigentlich ganz froh ist, die Bürde vom Buckel zu haben. Wenn die Beerdigung doch nicht so teuer wäre, und ihre nach Berlin weggezogene Schwester, die ihr ihren Jugendschwarm ausgespannt hat und mit jenem nun Doktor verheiratet eigentlich auch nicht finanziell schlecht dasteht, da auch gar nicht auf die Idee käme, etwas beizusteuern. Auf die hübsche Schwester war sie eh ihr Leben lang neidisch, da sie als Mauerblümchen eh kaum von Männern wahrgenommen wurde. Abgesehen von dem einen, der sie sogar heiraten und mit ihr nach Irland ziehen wollte, aber vom Zug überfahren wurde, der ihn an den Flughafen hätte bringen sollen.

Auf der Beerdigung der Mutter taucht die verhasste Schwester allerdings tatsächlich auf und ihr Ehemann und Veras Jugendschwarm Simon, der immer noch verdammt gut aussieht, lädt sie zu seinem 50. Geburtstag ein. Da sie ihren langjährigen Job bei der Buchhandlung am Markt verloren hat, gibt es auch nichts, was einem ausgedehnten Trip nach Berlin im Wege stünde, und so taucht Vera eines Abends bei der Villa der beiden auf. Natürlich nicht unangekündigt, obwohl dennoch alles dunkel im Haus ist. Gerade als sie im Garten durchs Verandafenster schaut, kommt das Ehepaar nach Hause und hat einen üblen Streit – was Vera heimlich freudig stimmt. Doch als sie sich dann endlich mit penetrantem Klingeln Zugang verschafft hat, liegt ihre Schwester tot am Fuße der Treppe und Simon ist ganz aufgelöst. Es wäre ein Unfall gewesen und er müsse nun in den Knast.

Das sieht Vera aber überhaupt nicht so. Um die gehässige Schwester ist es eh kein Verlust. Und sie kann Simon doch einfach bei der Polizei ein Alibi verschaffen, er hätte ihr gerade die Türe geöffnet, als ihr Schwesterherz betrunken von selbst die Treppe herabstürzte. So macht man sich beim attraktiven Doktor gleich unentbehrlich, vielleicht folgt darauf ja die Heirat und das unbeschwerte Villa-Leben? Wenn es da nicht zu weiteren Komplikationen kommen würde, wie versehentlich jemanden zu erschießen, Leichen nicht richtig zu entsorgen, Affären über Affären seitens des gar nicht wie gedacht ritterlichen Simons, und ein bedenklich wackelndes Kartenhaus an sich anhäufenden Lügen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leser ein ganz gezieltes Problem mit dem Buch haben: Es gibt keine wirkliche Identifikationsfigur, keinen wirklich sympathischen Charakter. Zunächst mag Vera noch so erscheinen, immerhin hat sie ein echt bescheidenes Leben gehabt. Doch schnell ist klar, dass wir das Buch ja aus ihrem Blickwinkel erfahren, von daher natürlich ihre Erinnerungen von ihr gefärbt sind. Und bald wissen wir auch, dass sie ein sehr missgünstiges Weib ist, welches wenig Mitgefühl für andere Menschen übrig hat, gerade dann nicht, wenn sie nicht ihren moralischen Idealbildern entsprechen. Über das Buch hinweg wird sie sowieso immer verschlagener und intriganter – weil es nämlich auch alle anderen Charaktere sind, auf die sie trifft. So ziemlich jeder hat nur seinen eigenen Vorteil im Sinn und schmiedet Pläne, wie die anderen zu deren Zwecken ausgespielt werden können.

Mir hat es allerdings außerordentlich gut gefallen. Das Ganze ist natürlich extrem dramatisch und viel zu unlogisch viel geschieht zu schnell. Ein wenig wie in einer Soap, wo eh alle intrigieren und nur auf sich selbst schauen, und ständig irgendwas die Pläne doch wieder über den Haufen wirft, man nie weiß wer jetzt wirklich am Ende als Sieger aus den Mind Games herausgehen wird, oder ob es vielleicht sogar nur Verlierer geben wird. Nur mit einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis, denn es gibt viel schwarzen Humor im Buch und im Porträtieren der Ereignisse oder Veras pragmatischen Gedankengängen. Das Buch ist sich halt voll bewusst, dass dies alles ziemlich extrem ist und nimmt es mit einem trocken-zynischen Augenzwinkern. Dann ist die ganze Sache noch leicht von der Leber weg an einem oder zwei Nachmittagen gelesen, wodurch es definitiv seine Zeit nicht überstrapaziert, sondern gut der Kurzweil gefrönt wird.

Schwarzer Wald

Schwarzer Wald ist ein kurzer Roman von Holger Montag, der sich laut Klappentext (bzw. was auch immer das Äquivalent bei einem nicht klappendem Kindle ist) einen Namen mit dem von mir Pöbel genau so wenig bekannten Reisen mit Pippo gemacht hat. Das Ding ist so ein wenig Lost in Buchform.

Nicht was die Handlung an sich angeht, allerdings. Die ist im Schwarzwald angesiedelt. Thorsten ist nämlich gerade auf Urlaubsreise mit einem befreundeten Ehepaar, und den neuen Arbeitskollegen und dessen Frau haben sie auch noch mitgenommen. Der Road Trip der Fünf neigt sich gerade seinem verschneiten Ende zu, als sie nachts durchs unbekannte und abgeschiedene Waldgebiet fahren, plötzlich von einem vorbeirasenden Geländewagen von der Straße abgedrängt werden, und mit dem Auto in einem Acker landen. Die zickige Frau des Arbeitskollegen rennt erst Mal empört in die Nacht, ihr Mann Tim hinterher. Die anderen Vier finden anschließend jedoch nur Sara wieder. Da alles weitestgehend unbeschadet abgelaufen ist, der Wagen aber feststeckt, beschließen Thorsten und Sara zu einem Einsiedlerhof zu gehen, den sie etwas vorher am Straßenrand gesehen haben, während die anderen beiden es sich im Auto gemütlich machen und auf Tim warten.

Dort angekommen stellt sich der Bauer als unfreundlicher Eigenbrötler heraus, der erst Mal meint es gäbe weit und breit keine Werkstätten und ein Telefon habe er eh nicht. Die beiden können ihn dennoch dazu überreden die Fünf auf dem Hof übernachten zu lassen, und mit dem Traktor einen Versuch zu starten, das Auto wieder die Böschung hoch auf die Straße zu ziehen. Dort angekommen ist das wartende Pärchen allerdings spurlos verschwunden, also übernachten Thorsten und Sara erst mal alleine beim Bauern.

Am nächsten Tag ist das Auto zunächst ganz verschwunden, taucht allerdings in einer Werkstatt wieder auf. Mit Totalschaden, und der Nachricht, dass das befreundete Ehepaar schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Wo keiner so recht die Geschichte glauben will, dass als das Auto ursprünglich von der Straße abkam, von wenigen Kratzern abgesehen noch alles in Ordnung gewesen sein soll.

Schwarzer Wald ist ein unglaublich spannendes Buch, welches sich auch nicht lang mit irgendwelchen unnötigen Schnörkeln aufhält. Wir bekommen das Wichtigste über die Charaktere und deren soziale Stellung zueinander rübergebracht, aber viel mehr nicht. Stattdessen stützt sich alles auf die sich anhäufenden Mysterien und bringt die sich über wenige Tage erstreckende Geschichte schnell rüber, so dass man es an einem Nachmittag verschlungen haben wird.

Denn beim Nachforschen kommen nur noch immer mehr Fragen auf. Wie wahrscheinlich ist es denn schon, dass es zwei Unfälle in der gleichen Nacht gegeben haben sollte? Wie sollte das Ehepaar, die mit dem Auto auf dem Acker festhingen, überhaupt in einen zweiten geraten sein? Dann soll der schwere Unfall auch noch geschehen sein, als die Truppe eigentlich noch putzmunter auf der Straße war. Vertuscht hier jemand etwas? Aber abgesehen von der Chefärztin scheinen sich die meisten Leute sehr kooperativ zu verhalten, können nur die merkwürdigen Umstände, die sich Thorsten zusammenreimt nicht nachvollziehen. Geben jedoch anscheinend dennoch Infos an ihn heraus, die sich als unwahr herausstellen. Aber aller eingefleischter Provinz zum Trotz können doch nicht alle unter einer Decke stecken, oder? Ist Thorsten letztendlich ein Unreliable Narrator und der erste Unfall verlief doch nicht so, wie er sich zu erinnern meint? Und wo ist überhaupt Tim abgeblieben, der nie wieder auftauchen wird?

Problem dabei ist das Ende, welches in seiner Enttäuschung dem von Lost noch eines draufsetzen kann. Denn statt einer lapidaren Erklärung kommt einfach gar keine. Nicht mal den Ansatz eines der vielen Geheimnisse und Ungereimtheiten aufzudecken gibt es. Stattdessen wird es für zwei Seiten nur noch mal so richtig verworren und endet dann einfach. Offene Enden mögen durchaus manchmal funktionieren, aber eben nur dann wenn man sich in der Handlung auch auf andere befriedigenden Ebenen stützen kann. Aber wie bereits erwähnt gibt es aus Schwarzer Wald nicht viel zu holen, abgesehen vom nachfiebern der großen Frage, die dann nie eine Antwort findet. Und das stört nach einem eigentlich sehr guten Buch eben im Nachgeschmack gewaltig.

[FSS] Destiny Three Fates: Clotho

Willkommen zurück bei Mamoru Naganos Langzeitwerk The Five Star Stories. Diesmal haben wir mit Destiny Three Fates: Clotho die Story Arc im Programm, welche in der japanischen Original-Auflage die Sammelbände Zwei und Drei füllt, im US-Release auf die Hefte Vier bis Acht aufgeteilt ist.

Interessanterweise fängt die Story Arc ganz ähnlich der ersten an. Denn auch hier sehen wir ein paar Randos, die wir nie wiedersehen werden, ein schlechtes Forshadowing-Gefühl entwickeln, weil die nämlich Mechs vorbeifliegen sehen, die zu den Boowrays, auch als Rainbow Seven bekannt, gehören, Söldner die eigentlich weitab im All verschollen sein sollten. Gefolgt von einer Post-Kampf-Szene, in der erneut ein Pilot eines Mortar Headds das Zeitliche segnet und seine Fatima ihm schwört ihn bis ans Ende der Zeit zu betrauern. The Five Star Stories hat es sehr mit vage-melancholischen Ausblicken in die Zukunft.

Genau genommen geht es ja darum, dass das Colus Empire vom eigentlich eher kleinen Land Hagooda angegriffen wird, dessen überhebliche Königin heimlich militärische Unterstützung vom Fillmore Empire hat. Darunter eben auch die mitleidslosen Rainbow Söldner. Während Hagooda zunächst gut Territorien übernehmen kann, ist sich Colus sicher, einen Zermürbungskrieg auf Dauer gewinnen zu können. König Colus III, der in der vorigen Story Arc Clotho an sich genommen hat, als jene der Fatima-Zuteilung entfloh, ist nur halt kein ganz geduldiger.

Deswegen vertreibt er sich unter anderem die Zeit damit, uns zu sagen, wie er auf seine eigentliche Copilotin-Fatima Ulicul traf, eine Fehde mit einem der Rainbow Söldner entstand, und auf eine sechsjährige Reise mit ihr ging. Was natürlich bedeutet, dass sie ziemlich bald ins Gras beißt, nämlich in einer der Motar Headd Schlachten während des Zermürbungskrieges. Das Amaterasu-Reich kommt helfend vorbei, und in der finalen Schlacht erfüllt sich die Prophezeiung, dass Colus III zwar seinen Wunden unterliegt, dafür die eigentlich nie einen Meister gefundene und nie einen Mortar Headd steuern wollende Clotho mit dessen ganz besonderem Mech verschmilzt, den Krieg gewinnt, und dann für eine Zeit versiegelt wird, in der das Colus Empire erneut ihre Hilfe braucht. Alles also sehr tragisch mal wieder.

Das ist übrigens das Ende von Heft 7, mit noch einem ganzen weiteren kommend. Welches prompt einen Sprung von tausend Jahren von 2900 auf 4000 macht. In eine Zeit, als es weder Colus noch Fillmore mehr gibt, sondern der ganze Joker Cluster vom Amaterasu-Reich kriegerisch geeinigt worden ist, weil Imperator Amaterasu endlich Frieden und Wohlstand für alle wollte, ob sie sich dem nun anzuschließen bereit waren oder nicht. Natürlich gibt es auch eine Widerstandsbewegung, zu der auch der Nachfahre von Colus III gehört, auf den Clotho bereits wartet. Statt nun allerdings in diese Zeitschiene richtig einzuspringen, war das nur ein Anheizer, um uns darin interessiert zu machen, wie aus Ladios Sopp/Amaterasu ein solcher Tyrann werden konnte. Denn prompt springt die Geschichte wieder nach 2900 zurück, ans Ende des Hauptteiles, und gibt uns einen kleinen Prolog zur nächsten Story Arc mit Pre-Trafficks, welches den letzten Überlebenden der Rainbow Söldner zurück in Fillmore zeigt, und dass dessen Herrscher die Verluste beim Unterstützen von Hagooda im Krieg gegen Colus bereut.

Einer besonderen Gewichtung kommt diesmal auf jeden Fall verstärkt der Beziehung der Fatimas zu ihren Headdliners, sowie Prophezeiungen zu. Denn jetzt gibt es eine ominöse Zukunftsvision vom Ende des Joker-Systems in 7777 deren Kalenders – also noch weit weg sollte man meinen, aber The Five Star Stories nimmt es mit den Zeitsprüngen wohl nicht zu eng. Auch hat Lachesis, die Fatima der ersten Story Arc, die Ladios Sopp/Amaterasu geheiratet hat, neben ihrem trotteligen selbst auch noch eine prophetische Schicksalsschwester, die in ihrem Unterbewusstsein haust. Sowie lässt Clotho tottraurig fallen, dass es ihr Schicksal sein wird gegen Amaterasu und Lachesis kämpfen zu müssen. Irgendwann in der Zukunft. Wahrscheinlich gegen der 4000er-Zeitlinie, in die wir einen kurzen Ausblick hatten.

Es wird eben auch mehrmals angesprochen, dass die Piloten der Motar Headds auf kurz oder lang – meist auf kurz – ihren Fatimas verfallen. Die Königin, die mit Colus III verheiratet ist, ist beispielsweise absolut eifersüchtig darauf, dass dessen wahre Liebe Ulicul ist. Und meint auch etwas verbittert, dass wahre Frauen wohl eher schlecht an die ewig jungen Fatimas, die ihre Headdliner immer an die erste Begegnung erinnern, und ihnen treuergeben sind, ankommen können. Die Rainbow Söldner behandeln ihre Fatimas hingegen wie absolute austauschbare Wegwerfwahre, sind ihren Ehefrauen dafür aber treu, nur damit am Ende in Pre-Trafficks der letzte Überlebende doch seiner Fatima verfällt, nachdem die ihm immer zur Seite gestanden hat.

Das ist natürlich eh eine etwas… komische Sache. Ich weiß nämlich nicht, ob dies ein besonders gutes Licht darauf wirft, wie liebenswert die Fatimas doch sind. Oder ein schlechtes Licht auf die Piloten, die eine ewig junge Sklavin einer echten Frau mit eigenem Willen vorziehen. Denn was schnell vergessen werden kann, weil abgesehen der Rainbows alle anderen Headdliner ihre Fatimas absolut liebevoll und gleichberechtig behandeln, ist: Fatimas sind darauf programmiert ihren Meistern zu gehorchen. Die drei Schwestern Clotho, Lachesis und Atropos sind die einzigen mit einem autarken Willen (und es wird impliziert, dass genau diese Komplexität der Menschlichkeit es ist, weswegen Atropos sich von ihrem Erschaffer abgewendet hat). Selbst wenn sie es wollten, könnten die Fatimas ihren Headdlinern also gar nicht wiedersprechen.

Ein wenig weitere Hintergründe zu den Motar Headds bekommen wir zudem. Beispielsweise hat man sich bewusst dafür entschieden, Schlachten nun mit diesen Super-Mechs durchzuführen, weil die natürlichen Ressourcen eines Landes so wichtig sind, und nukleare Waffen etc. davon zu viel zerstören würden. Oder das der Bau eines Motar Headds eine langwierige und komplizierte Sache ist, und die Mechs fast wie Neugeborene sind, die erst mal rund laufen müssen, ja von ihren Fatimas beschwichtig werden. Eine ominöse Lücke in der Nummerierung der Fatimas wirft auch schon unheilschwangere Schatten voraus: Wer und wo ist Nr. 42?

Es ist und bleibt übrigens im Universum des Joker Clusters die Regel, dass je höher die Position eines Menschen ist, umso übertriebener deren Fashion Sense wird. Wirklich faszinierend, wie viele Charaktere es hier gibt, und Nagano einen dennoch weiterhin mit neuen Ausartungen zu schockieren weiß.

Durch jene vielen Charaktere, die mehr oder weniger groß eine Rolle zu spielen wissen, und gerade deren auch teilweise ebenso abgefahrene Namen, ist Destiny Three Fates: Clotho etwas anstrengender zu lesen, bzw. am Ball zu bleiben. Die eigentliche Handlung und Themen sind gar nicht zu komplex, aber eben durch die vielen merkwürdigen Namen, und die vielen eingestreuten vagen Andeutungen über Schicksal und Prophezeiungen, wird das ganze etwas vertrackter in der Umsetzung. Allerdings auch interessanter, ich zumindest war hier voll am Ball, vielleicht auch weil das Hauptaugenmerk von Ladios Sopp/Amaterasu und seiner Lachesis weggegangen ist zum interessanteren und tragischeren Pärchen Colus III und Clotho. Ja die zweite Story Arc ist mitunter so dramatisch und philosophisch-luftig, dass die eingestreuten Comic Relief Momente mittlerweile geradezu fehl am Platz wirken. The Five Star Stories hat sich über Destiny Three Fates: Clotho jedenfalls eine ganze Ecke interessanter in meinen Augen zu machen gewusst als beim noch reservierten Destiny Three Fates: Lachesis.

[FSS] Destiny Three Fates: Lachesis

Mamoru Nagano ist schon eine sehr interessante Persönlichkeit. Neben Designs für Anime und dem Zeichnen seiner eigenen Manga ist er beispielsweise auch nebenbei als Musiker oder Fashion Designer tätig gewesen. Außerdem hat er eine sehr starke Hand auf seine Kreationen, die zum Großteil Eigentum seiner eigenen Firma bleiben. Sein 2012er Anime Gothicmade beispielsweise ist bis heute nicht auf Heimvideo erhältlich, weil Nagano dies nicht will, sondern wird nur sporadisch auf japanischen Kinoleinwänden vorgeführt. Außerdem ist er gut befreundet mit einem weiteren speziellen Auteur, Kunihiko Ikuhara (Sailor Moon S, Utena, Penguindrum, Yurikuma), von denen es auch gemeinsame Bilder im Sailor-Cosplay gibt.

Sein Magnum Opus ist allerdings The Five Star Stories. Ein Manga, den er 1986 kurz nach dem Start seiner Karriere begonnen hat, und der bis zum heutigen Tage läuft. Nicht ununterbrochen, in den 32 Jahren hat er es bisher „nur“ auf 14 Bände gebracht, da Nagano immer wieder größere Pausen einlegt (maßgeblich die 9 Jahre zwischen Band 12 und 13). Aber jeder neue Band schafft es erneut auf die Bestseller-Listen, FSS hat es also zu einem gewissen Urgestein und Klassiker-Status gebracht.

2015 habe ich ja mal den Anime besprochen, der doch irgendwie leicht verwirrend war, obwohl eigentlich total banal von der Handlung her. Es hat mich also somit mal wieder drei Jahre gebraucht, aber jetzt, wo ich dessen Details schon wieder total vergessen habe, ist zum Vergleich auch der Manga gelesen. Beziehungsweise dessen erstes Volumen, Destiny Three Fates: Lachesis, auf dem besagter Anime basiert.

Überrascht hat mich, dass die Geschichte so gesehen eigentlich identisch ist zum Anime, welcher in seinen 65 Minuten eigentlich kaum etwas von Wichtigkeit auszulassen schien. Vielleicht mal abgesehen vom Prolog-Kapitel, welches als Anheizer dient, um sich auch das nächste Kapitel reinziehen zu wollen, bevor die Story 20 Jahre in die Vergangenheit springt, und welches an sich nicht schlecht ist, aber für einen kompletten Film natürlich doch etwas unnötig erscheint.

Wir sind also im Joker-Cluster, welcher hauptsächlich aus 4 Planeten besteht, und in dem Krieg herrscht. Der ausgefochten wird in Mechs mit Namen Mortar Hedd, welche so mächtig sind, dass die Piloten seit ihrer Kindheit dafür trainiert werden müssen, und zusätzlich noch Fatimas benötigen. Fatimas sind humanoide Betriebsmaschinen, designt als wunderschöne Frauen, die zusätzlich absolute Unterwerfung einprogrammiert bekommen. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

Dr. Ballanche ist derjenige, der die Fatimas produziert, und hat mit den nach den Schicksalsgöttinnen benannten drei Schwester seine finale Produktionslinie beendet, denen er allerdings den freien Willen gelassen hat. Nun ist es so, dass bisher blutige Auseinandersetzungen vorherrschten, um an die Fatimas zu kommen, weswegen diese mittlerweile bei einer Festivität vorgestellt werden, an der alle Flieger von Mortar Hedds teilnehmen können, und sich die Fatima dann ihren Meister aussucht. Ein solches Festival steht für die verbliebenen zwei Schwestern Lachesis und Clotho an, wobei Veranstalter Fürst Juba sie lieber als seine eigenen Sexsklaven behalten will. Wählt eine Fatima nämlich keinen Meister, so bleiben sie bis zur nächsten Wahl in der Obhut des Lehnsherrn.

Unser Hauptcharakter Ladios Sopp ist ein Mortar-Hedd-Ingenieur und ein guter Freund von Ballanche, der die Schwestern schon seit ihrer Kindheit kennt, und Clotho versprach mal ihr Meister zu werden und ihr einen goldenen Mech zu bauen. Es geht ein wenig hin und her an Geplänkel zwischen den MH-Adligen, mit Slapstick ob Sopps Aussehen wie eine Frau, Juba darf ein wenig ein Creep sein, und Clotho fliehen und sich einen Meister außerhalb der Mauern suchen. Nachdem er dann Zuspruch von seiner toten Frau bekommen hat, rettet Sopp endlich Lachesis, offenbart das er eigentlich der Sonnenkaiser Amaterasu ist, und verheiratet sich mit der Fatima.

Um ehrlich zu sein sieht man The Five Star Stories, zumindest in Destiny Three Fates: Lachesis, was ja immerhin mit einem Band als Story Arc auch eher kurz geraten ist, stark an, dass Nagano eigentlich eher ein Designer ist. Gerade die englische Edition (die ein paar Jahre auf den Buckel hat, deswegen den Band in 3 großformatige Hefte unterteilt und sich ausgiebig für die rechts-nach-links Leseweise entschuldigt) kommen mit reichlich Background an, die in Japan in einem späteren Companion-Buch zur Franchise abgedruckt wurden. Jede Menge Charaktere und Mechs werden gezeigt und erklärt, die im Manga soweit noch gar keine Relevanz haben, die einzelnen Schiffdesigns erläutert, der Kalender das Sonnensystems mit den vorigen wichtigen historischen Ereignissen abgedruckt etc. Hier hat jemand seine Freude daran gehabt eine dichte Welt zu erschaffen und vor allem seiner Fantasie was Chara- und mechanische Designs angeht freien Lauf zu lassen. Dürre Mädels mit enormen Schulterpolstern, Charaktere mit den steilsten Frisuren, wuchtige bis filigrane Kampfmechs und ganze fliegende Inseln als Königspaläste.

Aber das täuscht vorerst nicht darüber hinweg, dass die erste Story-Arc noch nicht so viel hergibt. Ganz wie beim Anime, wenn auch mit der einen oder anderen Erklärung mehr, weswegen die Verhalten der Charaktere doch stimmiger und schlüssig erscheinen, ist die eigentliche Handlung abseits der schrägen Designs und der übertrieben vielen Namen eigentlich sehr geradlinig und gar etwas unbesonders. Es ist klar, dass hier der Grundstein für ein größeres Werk gelegt wurde. Ich bin mal darauf gespannt, ob die späteren Bände das einlösen werden, oder weiterhin durchscheint, dass Nagano einfach gern Sachen designt und dies hier als reines Vehikel herhält, um sie präsentieren zu können. Soweit verbleibe ich erst mal nach all dem Prestige, der The Five Star Stories anhängt, etwas unbeeindruckt aber doch dem Kommenden gegenüber fasziniert.

Beauty’s Kingdom

Man kann Anne Rice nicht nachsagen, sich nicht darüber zu informieren, was gerade in der Welt der Bibliophilen angesagt ist. Oder sich zumindest die Bestsellerliste der New York Times mal kurz anzuschauen. Vampir-Roman sind plötzlich wieder beliebt? Ach da ist dann doch eine neue Trilogie um Lestat, welche Frau eigentlich schon immer schreiben wollte. Im Fahrtwasser von 50 Shades fühlen sich Hausmütterchen Scharenweise Abenteuerlustig, weil sie erotische Romane mit BDSM-Einschlag verschlingen? Da hat man doch in den 80ern mal diese Sleeping Beauty Trilogie geschrieben, die man doch mal locker zu einer Tetralogie machen kann. Geboren war Beauty’s Kingdom.

Das spielt ebenfalls gut 20 Jahre nach dem Ende des letzten Buches, bei dem Beauty und ihr Laurent dem Schicksals als nackte Vergnügungssklaven entkommen sind, und ihr eigenes Königreich zu regieren begonnen haben. Nur ist es so, dass die Königin des BDSM-Reiches nicht nur die Lust an der erotischen Strafe zusehends verloren hatte, sondern auch auf einer Reise tödlich verunglückt ist, weswegen die maroden Grundpfeiler zu fallen drohen. Doch: Die Königin ist tot, lang lebe die Königin. Die ebenfalls ihres langweiligen Normie-Lebens überdrüssig gewordenen Beauty und Laurent lassen sich dazu überreden, die neuen Herrscher des Landes der gestriegelten Pobacken zu werden, und mit viel Innovation die Zügel wieder zu straffen. Da sie selbst mal Sklaven statt wie die Nobilität des Reiches immer nur Meister waren, haben sie natürlich auch einen ganz anderen Blick für die Dinge.

Ich persönlich bin ja höchst fasziniert, wenn ich schlechte Reviews zu irgendeinem der Beauty-Bücher lese, die von durch 50 Shades angefixten Mädels stammen, welche natürlich auch andere BDSM-Erotica in ihren Vorschlaglisten finden, und dadurch auf diese Bücher gestoßen sind. Da findet man von diesen Abenteurerinnen der schlüpfrigen Literatur nämlich plötzlich Schock und Fassungslosigkeit wieder, dass es in diesen tatsächlich hauptsächlich um Sex und um dominant-submissive Beziehungen geht, statt eine glorifizierte Groschenroman-Romanze zu sein, bei der alle hundert Seiten mal die Plüschhandschellen rausgeholt werden. Ein Aufstöhnen wegen der ganz falschen Gründe.

Dabei sind die Beautys auch noch im Rahmen der Zahmheit angesiedelt. Immerhin ging es hier um royale Lehnsgaben von Prinzen und Prinzessinnen, die zu den Kurzzeitsklaven wurden, weswegen es natürlich strickte Regeln gibt. Keine echten Verletzungen, also kein Branding oder Piercings, Schläge nur bis die Pobacken rosig-rötlich vor Wärme leuchten, kein Fisting, keine Erniedrigungen in Form von Watersports oder Fäkalspielen. In Beauty’s Kingdom ist es dann noch eine Form netter, denn die Reformation des Königreiches führt dazu, dass nur noch diejenigen als Sklaven genommen werden, die dies auch wollen, und man sich daraus auch wieder entlassen kann. Teenager sind vorsichtshalber auch keine mehr dabei. Das Buch wird es nicht müde aus der Sicht der Meister zu sagen, wie sehr sie doch ihre Subjekte lieben, aus Sicht der Sklaven wie sehr sie es genießen sich in die absolute Selbstaufgabe zu ergeben.

Doch ein wenig ans Eingemachte geht es halt dennoch. Ein Sklave in diesen Büchern wird mehr als Lustobjekt und menschliches Haustier behandelt. Mund nur aufmachen, wenn man die Erlaubnis dazu erhält. Keine Privatsphäre, sondern von Hausdienern gewaschen und gestriegelt. Regelmäßige Haue, damit die Bäckchen das perfekte Rouge zeigen. Als in Zaumzeug gefasstes und mit Analplugschwanz versehenes Pony den Wagen der Königin durch die Straßen ziehen. In aller Öffentlichkeit als Statue oder anderweitige Deko herhalten dürfen. Dem Buch fehlt es definitiv an Romantik und Intimität, egal zu wie vielen zärtlichen und weniger zärtlichen Intimitäten es kommt, egal wie sehr die Bindung zwischen Dom und Sub zunimmt. Beauty’s Kingdom ist und bleibt zuvorderst Porn und bietet wenig mehr.

Weswegen es mich auch ausnahmsweise Mal nicht gestört hat, dass die Modern-Rice-ige Problematik auch hier zu finden ist: Alle Leute sind so unglaublich nett. Es kommt zu keinen wirklichen Problematiken und Auseinandersetzungen, weil dafür sich alle zu sehr mögen und zu viel Respekt voreinander haben. Die einzigen Friktionen, zu denen es im Buch kommt, sind nicht narrativ, sondern nur die von Fesseln auf nackter Haut oder die von Körper ineinander. Das passt soweit, als man das Buch als einzelne lose zusammenhängende Episoden mit Einblick in diese Welt sehen will, die von Erotik und Sex dominiert ist. Ein Lustgarten von einem Königreich, fern ab der Realität, auch wenn die hiesige Welt ein etwas seltsames Gemisch aus Dornröschen-Fantasie und dann doch Referenzen zu realen Ländern ist.

Die Tatsache, dass jedes Kapitel aus dem Blickpunkt eines anderen Charakters geschrieben ist, hilft dann auch der Abwechslung weiter, statt wie die vorige Trilogie sich stark auf einen oder wenige zu fokussieren. Das hat für mich das vierte Buch kurzweiliger gemacht als die Vorgänger, was ihm gut bekommt, als kurzes Ab- und zeitiges wieder Auftauchen in die Welt der fiktiven Körperflüssigkeiten.

House of Secrets

House of Secrets, der Beginn einer Trilogie (was auch sonst) an Kinderbüchern, ist von Chris Columbus in Verbindung mit Ned Vizzini geschrieben, der ihm bei seinem Buchdebüt ein wenig unter die Arme greifen sollte. Geschrieben hat Chris Columbus auch schon früher, denn das ist genau der Chris Columbus, der Drehbuchschreiber/Regie/Produzent diverser bekannter Hollywood-Hits wie Goonies, Kevin allein zu Haus, Mrs. Doubtfire und die ersten beiden Harry Potter war, genau wie einiger Nieten wie Pixels oder Fantastic Four.

Die Walkers hatten in letzter Zeit nicht gerade Glück. Nach einem mehr als merkwürdigen Vorfall hat der Vater den Posten als Arzt in einer renommierten Klinik verloren, so dass sie sich nicht mehr den Lebensstandard leisten können, den sie gewohnt sind. Eleanor, die Kleinste der drei Kinder, bekommt nun leider doch kein Pferd. Und das bisherige Haus mussten sie auch aufgeben und sich in einem kleinen Apartment mit Fast Food begnügen. Das Leben ist hart. Doch praktischerweise bietet ihnen die Maklerin ein herrschaftliches Haus in bester Lage an der noblen Bucht von San Francisco zu einem Spottpreis an – ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Die Kartons sind noch nicht richtig ausgepackt, die PSP hat ihren ersten Akku noch nicht verbraucht, die Kleine hat noch nicht nach einem neuen Pferd verlangen können, da kommt auch schon eine alte Schrulle ins Haus, klagt die Walkers an das Leben ihres Vaters, dem das Haus gehört, zerstört zu haben, outet sich als Windfurie, und beschwört einen Wirbelsturm herauf.

Der bringt die drei Kids mitsamt des Hauses in eine fremde Welt. Und zwar einer, die aus den Büchern des ehemaligen Hausbesitzers Denver Kristoff zusammengebastelt ist. Der hat irgendwo hier angeblich das Buch des Verderbens und Verlangens versteckt, welches ihm magische Kräfte verlieh, das er allerdings von seiner Tochter Dahlia, der Windfurie, ferngehalten hat. Die braucht jetzt die drei Walker-Kinder, um das Buch für sie aufzustöbern, im Austausch sie dafür wieder in die reale Welt zu ihren Eltern zurückzubringen.

Wer jetzt natürlich direkt an die Tintenwelt-Bücher von Conelia Funke denkt, bei einem Werk, in dem zumindest die älteste Tochter Buchbegeistert ist, und in dem sie (mit Anhang der jüngeren) in die Welten zwischen den Seiten gezogen wird, dort teils grausige Abenteuer erlebt und die Charaktere der Geschichten Hautnah vor sich hat, und ihre Eltern wieder zurückhaben will… Nun ja, House of Secrets ist durchaus erst weit nach Tintenherz erschienen, jedoch angeblich bereits als Idee 1999 gekeimt, was ein paar Jahre vor Funke wäre.

Ursprünglich war House of Secrets nämlich als Script für einen Film gedacht, welches allerdings nie realisiert wurde, so dass Columbus Jahre später frisch vom Regiestuhl der Harry Potters inspiriert ein Kinderbuch draus machte. Das erklärt vielleicht auch die sehr filmische Struktur, welche für ein Buch schon teilweise etwas arg kurz wirken mag, sowie der doch sehr starke Fokus auf Action. Die Welten, in denen sich die Kids nun bewegen, werden kaum erklärt. Die Charaktere an sich bekommen eher nur die nötigsten Hintergründe, um sie sympathisch aber dennoch fehlerhaft wirken zu lassen, also als nötige Identifikationsfiguren der Leser herhalten können, bzw. um sie interessant oder fies genug wirken zu lassen. Und tatsächlich kommen die Kids kaum zum Verschnaufen, bis ein neues Monster auftaucht oder sie von Piraten überfallen werden, lebendig gewordene Skelette sie malträtieren etc. Das wirkt doch sehr nach Drehbuch „Wir sind X Seiten ohne Spektakel gewesen, ab Minute Y brauchen wir spätestens wieder eines, damit uns das junge Publikum in den Kinosesseln nicht einnickt“.

Ein wenig bemüht wirkt die Jugendlichkeit des Buches zudem auch. Chris Columbus war immerhin schon über 50 und sein Co-Author auch in den 30ern. Egal wie kritisch und verängstigend die Situation, in der sich die drei Kinder gerade befinden, auch sein mag – und das Buch ist schon relativ brutal für seine Zielgruppe geraten –, so haben die doch immer sofort einen flapsigen Spruch auf den Lippen. Cordelia ist nach Buffy benannt, ihr Bruder zockt auf der PSP… viele „das ist doch das, was Kids heutzutage so mögen“-Referenzen wirkten auf mich etwas bemüht, aber ich kann natürlich nicht dafür sprechen, dass es bei der Zielgruppe, zu der ich schon lang nicht mehr gehöre, nicht doch angekommen ist.

Einen zweiten Harry Potter oder Tintenwelt haben wir hier auf jeden Fall nicht, dafür ist das Buch eindeutig nicht dicht und gut genug ausgearbeitet. Als schnell runtergelesenes Abenteuer funktioniert es allerdings dann doch gut genug, gerade für eine junge Zielgruppe. Immerhin vergehen wie gesagt nie viele Worte, bevor wieder was Spannendes geschieht und es liest sich schnell mal von der Leber weg. Ich hätte mir aber etwas mehr Fleisch am Knochen gewünscht.

Everneath

Die Betitelung von Young Adult Paranormal Romance zwischen den Regionen ist schon eine sehr interessante. In den USA zählte hier eine Zeit lang den Titel möglichst kurz zu halten, am besten ein prägnantes Wort alleinstehend, dazu ein mehr oder weniger abstrakt-simples Coverdesign, dass mehr Klasse hinter dem Einband vermuten lässt, als dann wirklich drin steckt. In Deutschland dann kommen aufs Bild blumige Ornamente, Frauengesichter mit Kusslippen und dazu ein lang-blumiger Titel. Aus einem Twilight wird ein Biss zum Morgengrauen. Aus einem Cinder wird Wie das Blut so Rot. Selbst die Wiederauflage von Anne Rices Vampirromanen wie Armand und Merrick dürfen sich Der Duft der Unsterblichkeit und Das Blut der Verführung schimpfen.

So auch Everneath von Brodi Asthon, die genau wie ihre Bücher nicht relevant genug ist, um auf dem amerikanischen Wikipedia einen Eintrag zu erlangen, aber doch gelesen genug wurde, um eine Trilogie draus zu machen. Weil was ist in der Sparte heutzutage denn keine Trilogie? Deutscher Einband wieder absolut nach Schema F: Blasses Frauengesicht mit rotem Kussmund, Blattwerk und Granatapfel als Abwandlung von Blüten, Photoshop-Verzierungen, und der Titel Ewiglich die Sehnsucht.

Warum hab ich’s gelesen? Weil es irgendwann bei Amazon mal umsonst fürs Kindle rausgehauen wurde, und deswegen in dem Ordner mit den anderen Gratis-Kram gelandet ist. Und ein Buch, welches man hat, soll irgendwann doch auch mal gelesen werden. Abgesehen davon ist es ja nicht so, dass ich mich im Genre nicht ein wenig auskenne, dumm-verklärte Romantik kann auch was für sich haben.

Ashton wollte wohl kreativ sein, aber doch nicht zu weit springen, um nicht zu verfehlen, was auch immer Twilight so beliebt gemacht hatte. Denn auch in ihrem Buch geht es um Unsterbliche, die sich von der Energie normaler Menschen nähren. So richtig Vampire sind es nicht. Stattdessen wird hier mehr ein altägyptischer Totenkult angerissen, sowie die Unterwelt aus Philosophie und Poesie. Orpheus und Eurydike sind zentrales Thema, weil so schön tragisch romantisch.

Das Buch beginnt zumindest damit, dass Nikki wieder zurück ist, nachdem sie für Monate verschwunden war. Sie ist ausgezehrt und hat Gedächtnislücken und jeder geht davon aus, dass sie was mit Drogen zu tun hatte, was natürlich besonders ihr Vater, Bürgermeister des kleinen Touristenortes, nicht so geil findet. Was wirklich geschehen ist, ist das Nikki mit dem Ewiglichen Cole ins Ewigseits gegangen ist (Terminologie des Buches), und sich für 100 Jahre hat Energie aussaugen lassen, damit er 100 Jahre weiterhin jung bleiben kann. Doch Nikki ist, wie sich das für diese Bücher gehört, ganz besonders speziell, denn sie ist nicht gealtert und ausgebrannt wie es die Spender normalerweise sind, und hatte das Verlangen in ihr Leben zurückzukehren. Wenn auch nur für kurze Zeit. Denn Spender müssen in die Tunnel gehen, um das Ewigseits weiterhin wie eine Batterie mit Energie zu speisen, ihre Tage, bis sie von den Schatten geholt wird, sind also gezählt.

Aber wie immer in diesen Büchern beginnt und endet das Leben natürlich mit Mann. Nikki ist nicht zurückgekehrt, um bei Vater und kleinem Bruder sein zu können, nachdem sie die nach dem Tod der Mutter verlassen hat, auch wenn sie das mal erwähnt. Nein, Nikki macht wesentlich klarer, dass sie eigentlich zurück ist, weil sie noch an ihrem Boyfriend Jack hängt. Der auch der einzige Grund ist, warum sie die Zeit überstanden hat und sie selbst geblieben ist, nämlich in dem sie immerzu an ihn und eine Rückkehr zu ihm dachte. Auch ist Jack der Grund, warum sie überhaupt freiwillig mit Cole ging, wie wir später herausfinden, da sie annahm, dass der Star-Quarterback und ehemalige Man-Whore sie mit einer Cheerleaderin betrogen hat. Was natürlich ein Missverständnis war, wie sich das jeder denken kann, denn Jack ist ja eigentlich perfekt, wie sich das in diesen Büchern gehört.

Cole ist aber auch an Nikki interessiert und versucht sie dazu zu überreden, mit ihm wieder ins Ewigseits zu gehen. Er würde sie vor dem Schicksal in den Tunneln retten, wenn sie dafür mit ihm einen Coup gegen die Königin startet, um das Reich regieren zu können. Weil Nikki ja, wie sich das in diesen Büchern gehört, so besonders ist. Und so ein wenig mehr, als nur politische Macht, sondern auch eine Beziehung mit ihr, scheint sich Cole auch zu erhoffen, damit wir ein Liebes-Dreieck aufbauen können, wie sich das in diesen Büchern gehört.

Das größte Problem von Everneath ist dabei jedoch, dass es sich auch die Struktur von Twilight abgeschaut hat. Nikki ist so selbstlos bis hin zur Selbstzerstörung, dass dank ihrer Passivität eigentlich für 80% des Buches mal so gar nicht wirklich was passiert, bis sie sich dann (wegen/für Jack, weswegen auch sonst) doch aufrafft für ihr Leben kämpfen zu wollen und für die letzten 20% des Buches in den Plot einzusteigen.

Final Cut

Deutschland ist das Land er Thriller und Krimis. Wer sich auf dieses Genre versteift, kann glaube ich schon ganz gut Geld machen. So auch der seit 2010 in diesem Fahrtwasser schwimmende Veit Etzold, bei dem man sich nur die Covergestaltung der Bücher ansehen muss, um sofort zu wissen, an welche Hausnummer man geraten ist. Final Cut von 2012 ist dabei sein erster Roman in der Reihe um die Hauptkommisarin Clara Vidalis in Berlin, denn wenn sich das Genre für eines anbietet, dann dafür einen Fixpunkt via Kriminalisten zu erschaffen, und eine ganze Reihe an Fallbüchern zu jenem darzubringen.

So einer muss natürlich immer mit ein wenig seelischem Gepäck daherkommen. Im Falle von Clara Vidalis ist dies, dass ihre kleine Schwester entführt, vergewaltigt und ermordet wurde. Da war Clara noch ein Teenager und natürlich ausgerechnet diejenige, welche die Schwester von der Schule abholen sollte, aber wegen null Bock nicht aufgetaucht war. Vergeben hat sie sich das nie, geht an deren Todestag jährlich zur Beichte, und wurde Kriminalbeamtin, um weitere Perverse jagen und zur Strecke bringen zu können.

Und dann bekommt sie eine persönliche Nachricht von jemandem, der sich der Namenlose nennt. Ein nettes Video einer Frau, die zunächst vorlesen darf, dass sie bereits die Dreizehnte und sicherlich nicht die Letzte ist, und dann umgebracht wird. Die Wohnung des jungen Mädchens ausfindig gemacht, liegt jene dort mumifiziert vor. Es ergibt sich ein erstaunlich berechnendes Bild. Der Täter kommuniziert über Dating-Börsen mit jungen Mädchen, die er dann umbringt, so vermummt das er kein Haar oder Hautpartikel hinterlässt. Anschließend ausgeweidet und Totenkäfer in der Wohnung hinterlassen, mumifizieren sie schnell genug, als das im anonymen Berlin kein Nachbar auf die Idee kommt, sie könnten tot sein, da es zu keinem Leichengestank kommt. Währenddessen deren soziale Plattformen über den Laptop, den man sich angeeignet hat, weiterhin mit Posts von spontanen Reisen etc. füllen, und kein Bekannter kommt auf die Idee, sie können bereits tot sein.

Was sich in diesen Büchern immer gut macht, und was natürlich sowieso klar sein sollte, wenn sich der Killer direkt an Clara wendet, ist, dass die beiden eine Verbindung zueinander haben. Eine, weswegen der Killer sie auserkoren hat, über sein Meisterwerk Schau zu halten. Während der Killer selbst Gepäck mitbringt, welches ihn zu dem machte oder zumindest auf diese Art und Weise morden lässt, wie er das tut. Aber damit ist es Final Cut noch nicht genug.

Mit Shebay geht nämlich auch noch eine neue Sendung im Reality TV an den Start. In dem sich junge Mädels für den schnellen Ruhm im wahrsten Sinne des Wortes raushuren. Denn während das Free TV nur die Sendung überträgt, in welcher der Moderator die oberflächlichen Damen etwas zur Belustigung der Zuschauer vorführt, und die dann entscheiden dürfen, wer eine Runde weiterkommt und am Ende Miss Shebay wird, kann im Internet auf die Favoritin getippt werden, und wird sie es dann, muss sie mit einem der Bietenden ins Bett gehen.

Die Oberflächlichkeit des Lebens im virtuellen Raum, die Anonymität in Großstädten, Selbstprostitution über Fernsehshows, dazu Mord, Mumifizierung, etwas Kinderschändung und Nekrophilie. Obwohl alles letztendlich miteinander zusammenhängt, mag man manchmal das Gefühl bekommen, Final Cut verliert immer wieder den Fokus und es wäre besser gewesen, sich auf ein wenig weniger zu beschränken. Das Buch ist flott genug geschrieben, die Kapitel kurzweilig genug, als dass man auch am Ball bleiben würde, wenn es sich nicht permanent was Neues aus dem Ärmel schütteln wollen würde. Oder die ganze Sache hätte etwas komplexer und länger werden müssen. So kämpft etwas viel um Aufmerksamkeit und Atemluft. Nichtsdestotrotz ein ganz unterhaltsames Schmökern.

Clockwork Princess

August, September und… Februar. Ich kann nicht behaupten, sonderlich schnell durch Cassandra Clares Trilogie an Infernal Devices, dem Prequel zu ihrem sechsteiligen Mortal Instruments, gekommen zu sein. Zugegeben habe ich mir nach dem zweiten Buch auch eine Pause gegönnt, gleichzeitig aber auch ewig gebraucht, um damit fertig zu werden, nachdem ich es angefangen hatte.

Mal sehen, ob ich noch zusammenbekomme, worum es geht. Tessa ist Teil des London Institutes, nachdem sie wegen ihrer Gestaltwandler-Fähigkeit ins Auge von Bösewicht Mortmain geraten ist, wo sie von den Shadowhuntern beschützt wird. Dabei hat sie sich in Will verguckt, der ein Arsch zu allen war, aber nur weil er dachte verflucht zu sein, und das jetzt nicht mehr ist. Was aber zu spät war, weil dessen bester Freund Jem bereits um Tessas Hand angehalten und sie zugesagt hat, weil sie Jem eigentlich auch ganz schnieke findet. Ach ja und Automatons in Victorian England, aber wen interessiert schon irgendwas außerhalb des Liebesdreiecks?

Im hiesigen Buch finden wir heraus, dass Lightwood mit Mortmain zusammengearbeitet hat, aber sich über das für Shadowhunter heikle Faible für Dämonenweiber mit einem STD angesteckt hat, durch das er sich in einen gigantischen Wurm verwandelt. Weswegen Gabriel und Ghideon Lightwood ihren Vater umbringen müssen und nun heimatlos im Institut festhängen. Das hat wenig Auswirkung auf die Handlung, auch wenn sie immer mal damit flirtet, dass die beiden das Institut-Oberhaupt Charlotte verraten könnten, was sie dann aber doch nicht tun. Ihre wahre Rolle scheint zu sein, dass ja jeder Topf einen Deckel zu finden hat, und somit Ghideon mit der Hausmagd Sophie anbandelt, die auch schön am Ende wegen ihrer kämpferischen Verdienste in der Verteidigung des Instituts zur Shadowhunterin erhoben wird, damit die beiden gleichgestellt sind. Wusste gar nicht, dass normale Menschen zu Shadowhuntern ernannt werden können. Ich dachte dafür braucht man eine Engelsblutlinie und abgesehen davon sind Shadowhunter doch auch durch die Bank weg absolute Rassisten. Aber egal, Gabriel ist dazu da, damit Wills Schwester auch einen baldigen Ehemann bekommt. Ach ja, Wills Schwester wird auch Shadowhunter, statt bei den Eltern zu bleiben. Von daher ist vielleicht auch sie mehr Teil der Geschichte, damit Gabriel einen Deckel findet. So viel macht sie nämlich auch nicht von Relevanz.

Das Praktische am Liebesdreieck ist dann sowieso, dass Jem sterben wird. Da ihn die Droge, von der er abhängig ist, ohne die er aber nicht leben kann, dennoch langsam umbringt. Nur das dies jetzt gar nicht mehr so langsam ist. Und passenderweise kann er doch noch rechtzeitig herausfinden, dass Will und Tessa auch Gefühle füreinander haben. So kann er nämlich, großzügig wie er ist, den beiden seinen Segen geben, weil die sich sonst nie aus Respekt zu ihm zueinander getraut hätten. Eine weitere Klippe umschifft. Ach ja, und so richtig stirbt er eh nicht, sondern wird einer der Silent Brothers. Was bedeutet, dass er abgeschieden bei jenen lebt. Also können Will und Tessa zusammen sein, weil er aus dem Weg ist, ohne dass ihr bester Freund wirklich hätte sterben müssen. Damit sind wir gleich an der nächsten Klippe vorbei. Aber ein Mal pro Jahr treffen sie sich dennoch, damit man ihn nicht vermissen muss. Ich dachte ja echt, die Handlung würde sich was Besseres ausdenken. Wie beispielsweise, dass wenn schon alle so lieb und freundlich zueinander sind, jeder sein eigen Wohl für die Liebe des anderen zurückzustellen bereit ist und keiner je jemandem was Böses will… einfach eine polygame Beziehung daraus zu machen. Tessa mag beide Kerle, beide Kerle sind BFFs, warum sie nicht sehen lassen, dass dies die beste Wahl ist? Stattdessen ist Tessas Gerede darüber, dass sie beide gleichwertig liebt dazu da, dass sie mit beiden separat nacheinander enden kann.

Weil stellt sich heraus das Tessa diese besonderen Kräfte hat, weil sie ein Warlock ist. Da die aber nicht mit Nephilim, also Shadowhuntern, Kinder zeugen können, ist sie halt auch noch halb Shadowhunter. So kann sie mit Will enden, aber dennoch lang genug leben, um bis am Todesbett mit ihm zusammen zu sein, und am Ende des Epilogs immer noch jung und knackig auf Jem zu stoßen. Ebenfalls nachdem er kein Silent Brother mehr ist, noch jung und knackig und schon ist die zweite Liebe begonnen. Eigentlich fand ich es echt ein sehr schöner Einfall, dass der Epilog nicht mit einem „und dann lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ endet, sondern uns tatsächlich den Abriss des gemeinsamen Lebens von Tessa und Will gibt, eben bis wirklich das Ende ihrer Tage kommt. Das darüber hinaus mit Jem wirkt aber eher schwach.

An Biss fehlt es übrigens dem ganzen Buch. Wenn Mortmain also endlich Tessa in seinen Fingern hat, und das London-Institut auf Grund von Intrigen keine Unterstützung bekommt, somit die wenigen Shadowhunter unserer Hauptcharaktere alleine zu einer Rettungsaktion aufbrechen, die keine Chance auf Erfolg hat. Es stirbt keiner. Es wird nur hart gekämpft, es wirkt aussichtslos, und plötzlich verwandelt sich der mechanische Engelsanhänger von Tessa in einen echten Engel, weil die Seele von einem darin eingeschlossen war oder so, und darf den Bösewicht besiegen und alles ist gut. Ich kann es nicht wirklich ein Deus Ex Machina nennen, weil sowohl der Engelsanhänger an sich ständig über die Trilogie erwähnt wird, Tessa bereits mehrmals geschützt hat, und in Clockwork Princess auch bereits erwähnt wurde, dass ein Stück Engel darin verschlossen war. Aber so ein wenig die hohe Rettung aus dem Nichts war es doch irgendwie.

Ich habe echt so ein wenig das Gefühl, als wäre über die drei Bücher nicht sonderlich viel geschehen. Sondern eher eine Idee für ein simples Buch auf eine Trilogie gestreckt worden, in der viel Luft getreten wird. Vor allem, wenn sich die Autorin nicht traut, wirklich Zähne zu zeigen, sondern alle immer so unglaubliche Gutmenschen zueinander sein und bleiben müssen.