[FSS] The Chivalries

Das Ende ist erreicht, zumindest was die englische Auflage angeht, The Five Star Stories: The Chivalries in den Bänden 21 bis 26 bilden die letzte offiziell ins Englische übersetzte Story Arc der Saga. Die ist in Japan noch längst nicht abgeschlossen, hier nimmt jene die Volumen IX und X ein, mittlerweile ist man nach langen Pausen dort bereits bei XIV angekommen. Kein Ende in Sicht.

Bei The Chivalries handelt es sich allerdings ähnlich wie bei Trafficks um eher episodische Geschichte, diesmal sogar noch viel weniger zusammenhängend. Insgesamt zehn einzelne Episoden wird es geben, die stilistisch und zeitlich munter hin und her springen, und deren einziges Bindeglied, auch wenn gewisse Charaktere und Plotpoints in mehreren aufgegriffen werden, sind die benannten Chivalries. Die plötzlich wichtig und ständig genannt sind, obwohl sie in keinem vorigen Band je Erwähnung gefunden hätten. So ganz klar war mich auch gar nicht, was diese nun eigentlich sind. Mal präsentiert eine Geschichte es so, als wäre das einfach ein anderer Name für die Mechs steuernden Headdliner, oder deren Klassifizierung vor oder nach dem es in der Timeline keine Motar Headds mehr zum Steuern gibt. Und dann wieder mal sind sie besondere Headdliner, die selbst unter diesen Supermenschen noch eine Elite sind, oder schlichtweg nicht einem Reich untergeben sind. Dann wiederum ist das eventuell auch die Intention: Die Bedeutung von Worten ändert sich, und wenn die einzelnen Handlungen von 8300 Jahre vor der aktuellen Zeitrechnung bis zu 18000 Jahre nach ihr spannen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die Bezeichnung „Chivalries“ entsprechend morpht.

Was die einzelnen Stories stattdessen machen ist die Mythologie des Universums zu erweitern, oder schlichtweg Charakteren, die in vorigen Geschichten aufgetaucht sind, aber nicht wirklich beleuchtet wurden, eben nun ein wenig Licht zu schenken. War ja schon immer ein wenig mein Kritikpunkt mit der Saga, dass extrem viele Charaktere vorkommen, die dann aber schnell verheizt sind, und von denen nur die Hälfte wirklich notwendig gewesen wären.

Wir starten beispielsweise auch weit in der Zukunft, nämlich auf Jüno in den 18000er Jahren, wenn die anderen Planeten des Joker-Clusters entweder verschwunden oder nicht mehr kolonisiert sind, also weit nach der aktuellen Zivilisation. Und wir sehen schlicht zwei Chivalries, die auf ihrem Drachen respektive Greif (als Ersatz der Mechs und etwas an Panzer Dragoon erinnernd) einen verrückten Forscher ausschalten, der legendäre Fatimas erschaffen will, aber nur Monster produziert. Interessant hierbei ist vor allem, dass die eigentlichen Hauptereignisse der FSS, die ja 15000 Jahre früher angesiedelt sind, nur noch Mythologie sind, und als solche auch teils ganz anders wiedergegeben und dargestellt werden, als es die Ereignisse eigentlich wirklich waren.

Zurück in den aktuellen 2900er Jahren haben wir eine Mirage Knight, die zu ihrem Meister Amaterasu zurückkehrt, und sich den Arm abschneidet, weil sie ihre Loyalität als Headdliner ihm gegenüber nicht mehr garantieren kann, woraufhin Amaterasu meint das Headdliner-Blut sowieso verflucht ist.

Dann springen wir ganz weit zurück, nämlich in 8300er AD statt dem normalen JC, wo uns gesagt wird, dass das fünfte Sonnensystem des Joker-Clusters nur alle mehrere tausend Jahre auf dem Vorbeizug überhaupt anwesend ist. Hier gibt es bereits Chivalries, lediglich besonders starke Kämpfer (und werden bereits als verfluchte Killer gefürchtet), denn Headdliner existieren noch nicht, und wir folgen einem, der einen Stadtstaat von einer faschistischen Nazi-Regierung zu befreien versucht.

Die nächsten sechs Geschichten sind wieder alle in bekannten Territorien und mit bekannten Charakteren, da sie sich alle in die Hauptereignisse der späten 2990er Jahre und frühen 3000er Jahre des JC-Kalenders einreihen. Beispielsweise treffen wir auf die allererste erschaffene Fatima, die nach 700 Jahren langsam Fehlfunktionen aufweist und bald altersbedingt sterben wird. Ein Flashbakc zur ersten Kolonialisierung vom Planeten Both gibt es, in der der Embryo einer Chivalrie-Prinzessin in eine Fatima eingepflanzt wird, woraus die heutigen Headdliner entstehen werden. Die junge Christine nutzt ihre erwachenden Headdliner-Kräfte dazu, einen ihrer Peiniger in der Schule zu töten, weswegen sie angeklagt wird, aber flieht und sich dazu entschließt als ein Chivalrier für die zivile Bevölkerung ohne Entgelt zu kämpfen, was sie die Strafe umgehen lässt. Ein weiterer Flashback zu einem kleinen Jungen, der kurze Zeit mit einer Fatima zusammengelebt hat, und wo mal wieder ordentlich Mysery Porn wie schlecht jene von der Bevölkerung behandelt werden, aufkocht. Einige Geschichten sind erneut voller Charaktere, ohne dass allzu viel geschehen würde, außer maßgeblich nerviger Slapstick.

Am Ende springen wir dann aber doch mal wieder (vergleichsweise) ein kleines Stück in die Zukunft der 3100er Jahre, in der Amaterasu neu entwickelte, besonders gefürchtete Motar Headds erschaffen hat. Und das sich der Wiederstand darauf vorbereitet, gegen sie kämpfen zu müssen. Viel kommt nicht bei rum, außer dass viele Namen und Terminologien der vorigen Geschichten hier nun endlich in einem großen Tease eines zukünftig noch zu erzählenden Ereignisses zusammenkommen. Wichtig ist noch, dass wir herausfinden, dass die einzelnen Pseudonyme von Amaterasu tatsächlich unterschiedliche Daseinsformen mit verschiedenen Persönlichkeiten und Gedankengägen sind. Amaterasu is als Gottimperator ein anderer als er als Sopp ist.

Ist natürlich nicht die stärkste Story Arc, auf der man hätte enden können, weil es im Original ja auch gar nicht das Ende ist. Denn letztendlich ist The Chivalries ein Oberbegriff, aber keine komplette Story Arc, sondern ein Kaleidoskop aus mehreren Kurzgeschichten, die thematisch mal mehr und mal weniger zusammenhängend sind. Die Gefälligkeit der einzelnen schwankt dann natürlich. Diejenigen, die geschickt große Schatten vorauswerfen, wirken immer interessant, auch wenn man sich mittlerweile fragt, ob das nicht einfach nur ein alter Trick von Nagano ist, da wir bisher noch auf keinen jener großen Paukenschläge der Timeline zurück- oder nur wesentlich nähergekommen wären. Die Mythologie-Erweiterungen sind natürlich interessant. Ich persönlich mag aber die humorigen Geschichten weniger, weil mir der Humor der Serie einfach nicht liegt, und ich auch finde das sich jener mit der restlichen Atmosphäre und Stil der Saga stark reibt. Auch übertreibt er es für meinen Geschmack manchmal etwas arg mit dem genannten Mysery Porn gegenüber den Fatimas, auch wenn klar ist, dass er damit stark kontrastieren will, wie gut es den meisten davon unter ihren Headdlinern geht, so dass man schnell vergessen kann, dass sie eigentlich rechte-loses Freiwild sind.

Wissen wie es weitergeht würde ich natürlich trotzdem gern, denn etwas Faszinierendes, schon alleine, weil es so weit angelegt erscheint und das Design so speziell ist, hat The Five Star Stories auf jeden Fall.

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[FSS] Destiny Three Fates: Atropos

Es geht in die bisher längste Story Arc unseres Five Star Stories Epos. Die dritte Schicksalsgöttin ist endlich dran in Destiny Three Fates: Atropos. Und füllt in Japan die Bände VI bis VIII, in der englischen Auflage die Nummer 13 bis 20. Das ist schon mehr Holz als die bisherigen.

Wir beginnen… mit einem Märchen, das einem Kind erzählt wird, wobei allerdings auch Sopp/Amaterasu auf seiner Reise auf dem Planeten Both mithört. Über ein mittelalterliches Königreich, welches plötzlich von Dämonen besucht wurde, die ein den dortigen Einwohnern nicht bekanntes Wasser des Lebens haben wollten, und Chaos und Zerstörung herabregnen ließen. Und eine mutige Prinzessin, die das ultimative Opfer ihres eigenen Lebens gab, um die Planeteneier auszubrüten, woraus die fünf Drachengötter von Both schlüpften, die wir ja bereits aus vorigen Bänden kennen. Und deren Anführer, der LED-Drache, hielt das Wasser des Lebens.

Das ist dahingehend wichtig, als dass Sopp auf Both ist, weil der LED-Drache im Prozess des Sterbens und Wiedergebärens ist. Da die Drachen als 4-dimensionale Wesen nicht von dieser Welt sind, sterben sie nämlich nicht wirklich, ihr für die Existenz in dieser Welt erschaffener Körper nach langer Zeit aber dann doch mal, weswegen sie in einer Drachennymphe regenerieren, die dann wieder zu einem vollen Drachen heranwächst. Sopp wurde vom LED-Drachen gerufen. Allerdings ist auch das Mejojo Empire, welches wir ebenfalls bereits aus der vorigen Story kennen, auf Both, weil sie auf das Wasser des Lebens scharf sind. Und nehmen zur Vorsicht den Zivilisten-Bus, in dem Sopp sitzt, unter Beschuss. Der wird dabei tödlich verletzt, sein üblicher Regenerierungsprozess setzt allerdings nicht ein, so dass er nur daliegen und bei vollem Bewusstsein von der Tierwelt des Planeten gefressen werden kann.

Sopps Nahtoderfahrung hat allerdings auch Auswirkungen im Amaterasu Königreich, da er als Imperator derjenige ist, an dessen unerschöpflicher Lebensenergie gewisse Dinge hängen. Beispielsweise beginnt die fliegende Insel, auf der der royale Plast steht, zu sinken. Und bricht die Siegel gewisser in Türme weggesperrter Mirage Knights. Denn nicht jeder Mirage Knight, was die royalen Headdliner von Amaterasu sind, ist zwangsläufig so ein hehrer Ritter, wie sie bisher zum Großteil dargestellt wurden. Viele sind auch einfach verrückte Auftragskiller, die sich Amaterasu zu nutzen macht, aber zum Allgemeinwohl die restliche Zeit über wegsperren muss. Denn das royale Kreuz als Mirage Knight tragen zu dürfen, bedeutet auch, dass sie ohne Sanktionen befürchten zu müssen, töten dürfen. Das führt zu einem Massaker auf der Insel, bei der fast jeder stirbt, bis der goldene Drache sich einmischt und Lachesis zeigt, dass sie die gleichen Kräfte wie Amaterasu geschenkt bekommen hat, mit denen sie selbst Mirage Knight mit Leichtigkeit besiegen kann. Auch wenn diese Kräfte, wie erneut bestätigt wird, verboten sind. Und ganz am Ende taucht auch noch eine Vision einer gigantischen zweiköpfigen Schlangenfrau auf, die voll mysteriös ist und in dieser Storyline nicht erklärt werden wird.

Eine weitere nicht weiter geklärte Erscheinung ist, wenn ein Kronprinz das Chaos ausnutzen will, um den Palast zu übernehmen, aber von den zukünftigen Kindern von Amaterasu und Lachesis zurückgeschreckt wird. Zeit in Five Star Stories läuft halt nicht immer linear ab. Anschließend ist dann auch fast alles wieder gut, denn der goldene Drache belebt die Toten wieder, um sich dafür zu entschuldigen, dass sie Amaterasu vom Palast wegbeordert haben. Welche auf Both von der Drachennymphe des LED-Drachens mit dem Wasser des Lebens wiederbelebt wird. Allerdings noch nicht alle seine Kräfte zurückerlangt. Lachesis schickt den verrückten, aber ihr nun untergebenen, Mirage Knight Shaft mit seiner nur im schrägen Slang redenden Fatima Paltenon und dem geheimen Super-Mech Jagd nach Both, um zu sehen, wie es um Amaterasu steht. Kaiden aus der letzten Storyline schließt sich kurzfristig wieder den Mirage Knights an, wird aber nicht viel in der hiesigen Storyline tun. Außer uns einen Rückblick zu gewähren, der offenbart, dass Ballanche in seine Fatimas alle Kampftricks der Headdliner eingebaut hat, und das es nicht ganz stimmt, dass Fatimas gebärunfähig sind. Selten kommt es doch zur Schwangerschaft, und noch seltener nicht zu einer Fehlgeburt. Aber wenn ein Kind einer Fatima überlebt, ist das etwas ganz Spezielles – implizierend, dass Kaiden ein solches ist, und die Fatima, mit der er auch sexuellen Kontakt hatte, unwissentlich seine Mutter war.

Es dauert tatsächlich bis Band 15, bzw. VII in Japan, bis Atropos überhaupt in der nach ihr benannten Storyline auftaucht. Denn sie ist auf Both und hilft Sopp sich vor den Truppen von Mejojo zu verstecken, die weiterhin die Drachennymphe suchen, welche sich ihm angeschlossen hat. Und ziemlich unerträglichen Slapstick mit sich bringt, um das mal zu erwähnen. Hauptsächlich bringt das einen Fiebertraum des geschwächten Sopps in seine Kindheit mit sich. Das nur aus seiner Mutter ohne Vater geborene Superkind, welches frei zwischen den Geschlechtern wechseln kann, war nämlich für die ersten Jahre ein komatöser Säugling. Bis seine Mutter in seiner Nähe so aufgebracht war, dass seine ungezügelten Kräfte den Hofstaat beinahe ausgelöscht hätten, bis die vier Elementarfeen und Lucifer auftauchten und einschritten. Später hat er als Kind übrigens einen Angreifer, der seine Mutter fast umbrachte, ebenfalls mit Leichtigkeit mit seinen Kräften besiegt, wobei erneut gewarnt wird, dass er diese in diesem Universum eigentlich nicht benutzen darf.

Derweil hat der Söldner Braford mit seiner Ballanche-Fatima Kyo den Unterschlupf von Atropos ausfindig gemacht. Braford ist ein gefallener Headdliner, der nun für Mejojo-Imperium arbeitet. Die beiden liefern sich eine Schlacht mit der den Auger allein steuernden Atropos, die eigentlich überlegen sein müsste, wegen der Kampfunerfahrenheit (sowohl sie als auch der Auger haben hier ihr erstes Mal) allerdings unterliegt. Allerdings wird Kyo ordentlich in Mitleidenschaft gezogen, da Ballanches Fatimas eigentlich eine mentale Sperre haben, die sie nicht gegen Sopp/Amaterasu kämpfen lässt. Deswegen können Sopp und Atropos doch fliehen, während Braford sich kurzzeitig zurückziehen muss.

Bände 17 bis 19 machen zum Großteil die Kämpfe auf Both aus. Denn Truppen des Amaterasu-Reiches sind eingetroffen, um nach ihrem Imperator zu suchen. Während Mejojo immer noch auf der Jagd nach dem Wasser des Lebens der Drachennymphe sind. Beide Fraktionen wissen nicht, warum die andere so an Both interessiert ist, kommen sich allerdings zwangsläufig in die Quere. Das Glück wechselt mehrfach die Seiten. Und die Geschichte zeigt ziemlich die Brutalität für die Bodentruppen, die sich eben keine hehren Duelle in polierten Mechs liefern, sondern von der Kriegsmaschinerie wie Kanonenfutter abgeschlachtet werden, zu desertieren versuchen, mit allem Chaos welches der Krieg so mit sich bringt. Destiny Three Fates: Atropos zeigt so viel nackte Haut und Gore, wie bisher keine vorige Story Arc in den Five Star Stories.

Irgendwann mischen dann aber doch die angekommenen Mortar Headds mit. Und irgendwann trifft auch endlich Shaft im Supermech Jagd ein, dem nur Braford in seinem gewachsen ist, allerdings doch wegen des mentalen Zusammenbruchs von Kyo unterliegt. Der Kommandant der Mejojo-Truppen, der von jenem Kerl besessen ist, der Sopps Mutter angriff, als er ein Kind war, und von jenem dann zerstört wurde, will eine Waffe einsetzen, die zu einem absoluten intergalaktischen Eklat führen würde – wird aber vom Wasser des Lebens, welches die Drachennymphe auf ihn verstreut, ausgemerzt. Nicht, bevor er Shaft allerdings nicht ein Ende setzt, der den Krieg eigentlich für Amaterasu gewonnen hat. Sopp bekommt jetzt, wo alles rum ist, auch endlich seine Kräfte zurück und schlägt Braford zu einem neuen Mirage Knight, auf das seine Kräfte nun dem Amaterasu-Reich zugutekommen. Außerdem bekommen Sopp und Lachesis jeweils eine Hälfte eines seltenen Juwels mit Namen Drachenträne, welche via Schwingungen miteinander kommunizieren, auf dass die beiden selbst bei intergalaktischer Trennung immer wissen werden, wo der andere ist.

Atropos, die für die nach ihr benannte Geschichte eigentlich gar nicht so wichtig ein Charakter war, wird die Bürde auferlegt die Drachennymphe großzuziehen. Als Belohnung dafür nimmt sie ihm das Versprechen ab, sie mit seinem Feuer zu verbrennen, sollte sie jemals ums Ende ihres Daseins bitten. Und dann haben wir einen Flash Forward von den aktuellen 2900er Jahren in die 4100er Jahre. In das Kampfgeschehen der Rebellen gegen das den Joker Cluster übernommen habende Amaterasu-Reich, welches zum Fall der fliegenden Königsinsel führen wird, mit Kämpfen Fatima gegen Fatima, und wo der Drache letztendlich sein Versprechen gegenüber Atropos einlösen wird.

Das war diesmal wirklich viel. Denn nicht nur ist diese Story Arc 1.5 Mal so lang wie die bisher anderen (bzw. sogar das 3-fache von der ersten), sondern es wird auch viel hin und her gesprungen. Zum Teil so sehr, dass die Geschehnisse währen des Lesens teilweise stark fragmentiert wirken, selbst im Vergleich zum vorigen Trafficks. Ich habe das hier dann schon etwas aufgeräumter und entschlackter wiedergegeben. Es ist halt auch so, dass man wieder stark merkt, dass Mamoru Nagano gern designt. Welten, Charakter, Mechs. Deswegen gibt es in diesen Story Arcs häufig auch viel mehr Partizipierende, als das wirklich nötig wäre, während die vielen Namen und Gesichter leicht verwirren können – vor allem wenn dann einige eigentlich wenig bis gar nichts Wichtiges bisher getan haben. Und ganz ehrlich gesagt finde ich werden die Slapstick-Einlagen, jetzt wo die Handlungen immer ernster und brutaler werden, auch zunehmend unpassender.

Deswegen war für mich Destiny Three Fates: Atropos auch insgesamt etwas gemischt zu sehen. Der Anfang mit dem Massaker auf der royalen Königsinsel, das vorangegangene Märchen, oder auch das Ende der Kämpfe und der Ausblick in die Zukunft, waren sehr interessant. Auch dazwischen gab es einige wichtige Exkurse. Doch zogen sich für mich sowohl die Kämpfe als auch die humorigen Kabbeleien zwischen Sopp und der Drachennymphe dazwischen etwas zu sehr.

[FSS] Trafficks

Willkommen zurück in der Saga mit den fragilen Mädels unter enormen Schulterpolstern, Duellen zwischen Mechs, und dem krassesten Fashion Sense aller Zeiten. Angekommen sind wir in Trafficks, welches die Bände IV und V in Japan abdeckt, die wiederum in die US-Heftchen Vol. 9 bis 12 aufgeteilt sind. Halbzeit der Auflage ist Pi mal Daumen erreicht.

Die hiesige Handlung ist allerdings weniger ein großes Ganzes, und viel eher zerstückelt. Der Manga selbst schreibt dann auch auf einer der ersten Seiten, dass es hier mehr um die Nebenhandlungen diverser Charaktere gibt, die alle eher lange Schatten vorauswerfen, statt individuell große Wichtigkeit zu haben. Und wie das in Destiny Three Fates: Clotho begonnen wurde, schert sich der Manga dabei nicht immer sonderlich um eine chronologische Reihenfolge, sondern springt hier und dort erstaunlich große Distanzen, weil die Dinge thematisch zusammenpassen bzw. aufeinander aufbauen.

Die Rahmenhandlung ist erneut ans Ende der 2900er Jahre angesiedelt, kurz nach dem Ende des Hauptteils der letzten Story Arc, also nach dem Tod von Collus III. Wir begleiten Headdlinger Muse und seine Fatima Ssiz, die auf ihrer Reise in einer Stadt in Kastenpo auf dem Planeten Both ankommen. Diese ist nicht nur ein Handelszentrum, sondern wird gern auch für Headdliner-Duelle genutzt, um sich Prestige anzuhäufen. Iler the Bishop der Mejojo Dynastie übertreibt es allerdings etwas, denn um den neuen Motar Headd Ashura Temple zu erproben, duelliert er sich nicht nur mit anderen Headdlinern bis zum Sieg, sondern ermordet sie und ihre Fatima anschließend und hat noch nicht mal den Respekt sie zu beerdigen, sondern lässt sie wie Abfall zurück. Und der Ashura Temple ist sowieso weit überlegen, wurde er doch gebaut, um die bisherige Vormachtstellung von drei ganz besonderen MH-Modelle zu brechen.

Sich dem Ashura Temple in seiner hoch geheimen Bang Doll gegenüberstellen wird Muse allerdings erst ganz am Ende von Trafficks. Bis dahin macht er zwei Bekanntschaften. Zum einen treffen sie auf einen der fünf Drachen-Götter von Both, der dem Gottimperator Amaterasu auch die Nachricht hinterlässt, dass sie es nicht dulden werden, sollte er Kastenpo einnehmen. Was jener auch nie macht, wodurch dies die Keimzelle für die Widerstandsbewegung gegen sein Planetenreich werden wird. Aber dies ist erst später wichtig.

Größer ist da schon das Treffen auf Kaien und seine Fatima Auxo. Der erzählt Muse nämlich gleich mehrere verschachtelte Flashbacks. Zum einen wie er eine Basis angegriffen hat, wodurch Auxo tödlich verletzt wurde. Doch Doktor Ballanches Protege kann sie tatsächlich rekonstruieren, warnt aber davor, dass Fatimas nach jenem Prozess jegliche Erinnerung verlieren, da nur der Körper wiederhergestellt werden kann. Kaien entschließt sich dennoch dafür, und will sein Headdliner-Dasein und auch Auxo eigentlich anschließend aufgeben. Doch überraschend erinnert sich die Fatima an ihren Meister. Dies handelt die Geschichte aber nicht als kitschigen Liebesbeweis, der alle physikalischen Gesetze auszuhebeln weiß, sondern als ein weiteres Mysterium darüber, was Doktor Ballanche in seinen letzten Fatima-Modellen an Regeln gebrochen hat.

Noch während er auf die Rekonstruktion von Auxo wartete, geriet Kaien zudem in ein Scharmützel eines Dorfes an Widerstandskämpfern. Und die waren von keiner anderen angeführt, als der sich für einen Menschen ausgebenden Fatima Atropos. Die bekanntlich ihrem Erschaffer Ballanche floh, weil sie es eben nicht Ok fand, dass er die Regeln in den drei Schicksalsschwester gebrochen, und sie keiner Gehirnwäsche unterzogen hat, so dass sie ihre Existenz nun hinterfragt und sich dem schlechten Stand der Fatimas bewusst ist. Bisher war uns ja klar, dass Famtimas darauf programmiert sind, ihre Meister nicht missachten zu können. Das kam nie ganz so schlimm rüber, da sie diese ja aus eigenen Stücken wählen, und schon scheinbar sehr autark agieren, ihnen sogar wiedersprechen, nur eben bei direkten Befehlen diesen auch nachgehen müssen. Und die Headdliner haben bisher fast alle ihre Fatimas gut behandelt.

Doch hier bekommen wir nun erklärt, dass den Fatimas neben jener Gehirnwäsche noch mehr Restriktionen auferlegt werden, beispielsweise um ihre Stärke zu zügeln, aber auch ihnen die Reproduktion unmöglich zu machen. Als künstliche Menschen gebrandmarkt, obwohl die Fatimas uns eigentlich überlegen sind, werden sie sozusagen kleingehalten, damit die Menschheit sich weiterhin als Krone der Schöpfung sieht, statt von ihnen auf den zweiten Rang herabgestuft zu werden. Fatimas werden abhängig gemacht. Und haben auch an sich gar keine Rechte. Wer zum Beispiel eine Meister-lose Fatima findet, darf sich an ihr vergehen, und bricht damit keinerlei Gesetze, weil sie Freiwild sind, solange sie nicht unter dem Schutz eines Menschen stehen.

Über Amaterasu finden wir dazwischen ebenfalls neue Dinge heraus, wobei die Handlung hier munter zwischen den 2700er und 2900er Jahren hin und her hechtet. Beispielsweise dessen erstes Treffen auf Doktor Ballanche und wie beeindruckt Amaterasu von dessen Fatima Queen war, Ballanches erste Kreation der keine Restriktionen auferlegt waren. Aber auch wie Ballanche das Treffen angetrieben hat, das Mysterium um Amaterasus Dasein entdecken zu wollen, ohne zu seiner Lebzeit je zu einem Ergebnis zu kommen – gegen Ende der Geschichte verabschiedet sich Amaterasu vom sterbenden Ballanche und damit einem weiteren Freund, den er überlebt hat.

Denn Amaterasu scheint kein Mensch zu sein. Er ist aus seiner Mutter heraus geboren, ohne Vater, ist unsterblich und hat Mächte, die im Joker Universum nie eingesetzt werden dürfen. Er trauert weiterhin seiner toten ersten Frau hinterher, liebt die aktuelle Gemahlin Lachesis eigentlich nicht wirklich, doch der Geist seiner Mutter will sie zusammen sehen. Letztendlich weiß Amaterasu selbst nicht, was er ist, warum oder wofür er existiert, und ist als Unsterblicher extrem einsam, da beständig er alle seine Bekannten überdauern wird.

Und dann springt die Handlung plötzlich in ein Paralleluniversum, den Taiki Ten Stars, wo eine Seherin eine Prophezeiung von Amaterasu selbst bekommt. Nur um dann, immer noch in den Taiki Ten Stars, 40.000 Jahre in die Zukunft zu springen, wo eine Rasse an Überlegenen Sapiens im All ganz nach der Prophezeiung einen goldenen Sarg findet, dem die Tochter von Amaterasu und Lachesis entsteigt. Auf das die Five Star Stories für immer weiterleben werden, selbst wenn das Universums des Joker Clusters bereits am Hitzetod eingegangen ist – als überlieferte Legende in einem neuen.

The Five Star Stories bleibt also eine komplexe Geschichte, die zusätzlich noch leicht kompliziert erzählt ist. Allerdings finde ich die Herangehensweise schon irgendwo interessant. Wie gesagt, die Handlung scheut sich nicht davor, die Chronologie extrem zu brechen, in dem sie in kürzester Zeit hundert oder tausende Jahre vor und zurück springt, einfach um einem bereits Einblicke darin zu bieten, was für Auswirkungen die momentanen Ereignisse haben. Zeit scheint hier sowieso nicht linear zu verlaufen, sondern auch rückwirkend Wellen schlagen zu können. Sobald sich an diese Eigenart gewöhnt wurde, ist dem gar nicht mehr so schwer zu folgen. Da habe ich weiterhin mehr Probleme mir die komplizierten Namen und Titel der vielen involvierten Charaktere, die aktuell dann teilweise noch gar nicht sonderlich wichtig sein müssen, zu merken und auseinanderzuhalten.

The Passion of Cleopatra

Die Vampirchronik und Speeping Beauty sind nicht die einzigen Reihen, die Anne Rice in aktuellerer Zeit erneut aufgegriffen hat. Auch The Mummy, or Ramses the Damned bekam in 2017 eine Fortsetzung mit Ramses the Damned: The Passion of Cleopatra, geschrieben in Zusammenarbeit mit ihrem Sohn Christopher Rice.

Dank eines Elixiers ist der ägyptische Pharao Ramses unsterblich, sobald sein mumifizierter Körper ins Sonnenlicht kam in der viktorianischen Ära Englands wiederbelebt. Dummerweise hat er allerdings auch den Fehler begangen seine ehemalige Geliebte Cleopatra mit dem Elixier auszustatten, allerdings deren Mumie nach ihrem Tod, was zu unerfreulichen Resultaten und letztendlich dem Feuertod der Furie führte. All dies geschehen im vorigen Buch.

Nun lebt er zufrieden mit seiner unsterblich gemachten Julie, aber dieser Fehler nagt weiterhin an seinem Gewissen. Tatsächlich ist es allerdings so, dass der unsterbliche Körper Cleopatras das Feuer überlebt hat. Und eigentlich ist sie mittlerweile über alles hinweg und würde lieber friedlich vor sich hinleben, ohne dass Ramses je von ihrer Weiterexistenz wissen müsste. Würde sie nicht nach und nach ihre Erinnerungen verlieren und zum Halter des Elixiers wollen, um sich Klarheiten zu holen.

In Amerika derweil lebt eine Autorin, die ihre Geld mit Fiktion übers alte Ägypten verdient, alle basierend auf ihren Träumen. Die jedoch kürzlich zahlreicher und bedrohlicher werden.

Des Weiteren geht eine viel ältere Unsterbliche um, die noch aus einem Reich vor unserer Geschichtsschreibung stammt, und die eigentlich das Elixier ursprünglich entdeckt hat. Nun wacht sie über die Formel, über das Erschaffen von Unsterblichen mit ihm, und hat vor allem auch ein Mittel gefunden, um selbst Unsterbliche doch einem endgültigen Ende anheimfallen lassen zu können. Ihr ehemaliger Hofberater derweil will seit Jahrtausenden eine eigene Armee mit dem Elixier schaffen, hat allerdings nur eine fehlerhafte Formel.

All das kommt natürlich auch irgendwann zusammen, dies allerdings sehr später im gar nicht mal so langen Buch. Ziemlich früh ist einem klar, was die Amerikanerin darin zu suchen hat, besonders nachdem auch noch die Frage aufgeworfen wird, ob Seelen von Toden nicht wiedergeboren werden, und der Fehler bei Cleopatras Erweckung eben darin bestand, eine Leiche mit dem Elixier auszustatten, nachdem dies schon geschehen ist, so dass eine Seelenlose Hülle nun auf der Erde wandelt. Eine Sache, die so übrigens nie komplett aufgelöst oder erklärt wird.

Stattdessen übernimmt der Kampf für die Uralte Königin und gegen ihren ehemaligen Berater das Finale, da dieser eine aktive Bedrohung für alle darzustellen beginnt, in seiner endlosen Suche nach der Formel für das richtige Elixier. Mit der Königin an sich geraten Ramses und Co nicht aneinander, weil mal wieder alle ganz höflich und freundlich und gutmütig miteinander sind. Und diesmal ist ja selbst Cleopatra weichgekocht und es kommt eher zu Missverständnissen der beiden Fraktionen, durch das vom vorigen Buch geschürte Misstrauen.

Man muss natürlich schon mit dem modernen Schreibstil von Anne Rice auskommen, um das Buch mögen zu können, denn der geht nach all der Zeit definitiv nicht weg. Sie ist jetzt mehr auf den Punkt und verliert sich weniger für Dutzende Seiten in pompöse Beschreibungen von Kleidung und Häusern. Die Dekadenz an sich ist dennoch da. Es geht wie immer um unmenschlich schöne Wesen, die keinerlei Mangel verspüren müssen, weder körperlich noch an weltlichen Gütern, und die zu den besten Dinnern die charmantesten Gespräche führen, um dann in prunkvoll ausgestatteten Schlafzimmern endlos-befriedigenden Sex miteinander zu haben. Reich & Schön & Unsterblich: Episode Passion of Cleopatra.

Aber diesmal gibt es zumindest Konflikte und einen Bösewicht. Das lässt dann auch eine gewisse Kleinigkeit mit Namen „Spannung“ aufkommen, was dem neuen Lestat beispielsweise mal so ganz abgegangen ist, und auch weniger schmerzlich im vierten Sleeping Beauty nicht anzutreffen war. Das Buch braucht etwas lang, um alle seine Charaktere endlich zusammenzubringen und in eine stringente Narration zu verweben, obwohl die Sache nicht wirklich komplex wird und schnell klar ist, wo das ungefähr hinzuführen gedenkt. Wobei hier vor allem der Blickwinkel der gefallenen Cleopatra interessant war. Vielleicht auch einfach deswegen, weil sie kein sorgenfreies Leben führt. Kein schlechtes Buch, aber doch ein durchschnittliches in der Rice-schen Bibliographie. Schnell und leicht runtergelesen, aber auch bald wieder vergessen.

Vampire Hunter D XX & XXI

Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 habe ich im zweimonatlichen Rhythmus die ersten neunzehn Bände von Hideyuki Kikuchis Erfolgs-Romanreihe besprochen, die seit 35 Jahren beharrlich läuft. Und war den sehr ähnlichen Kurzgeschichten über den zu perfekten Hauptcharakter doch irgendwo dabei leid geworden. Ob drei Jahre Abstand etwas Frische dort hineingebracht haben, müssen nun die nächsten beiden Geschichten zeigen.

Scenes of an Unholy War ist der zwanzigste Band in der amerikanischen Auflage, während die japanische erst die Nummer 14 ziert. Das liegt an deren unterschiedlicher Publikations-Durchnummerierung. Zum einen sind die Bände eh nicht identisch, denn wo die japanische Auflage sich immer in relativ ebenmäßig lange Bände splittet und längere Geschichten damit auch schon mal auf 4 Parts verteilt sein können, zieht die amerikanische davon gern mal zwei Parts in einen längeren Band zusammen. Gleichzeitig ändert sich in Japan die Nummer aber auch nur mit jeder neuen Story, während Amerika jedem neuen Band auch eine neue Nummer gibt. Mysterious Journey to the North Sea ist also in Japan beispielsweise Vampire Hunter D 7 Part 1 und Vampire Hunter D 7 Part 2, während es in Nordamerika als Volume 7 und Volume 8 betitelt wird.

Es dauert wenn ich mich recht erinnere übrigens keine volle Seite, bis zum ersten Mal erwähnt wird, dass D so wunderhübsch und majestätisch ist, dass jeder Frau sofort das Höschen nass wird, und jeder Mann seine Sexualität in Frage zu stellen beginnt. Da war ich ja direkt wieder raus, Es-leid-sein schoss sofort von 0 auf 100.

Jedenfalls ist D bereits dreimalig auf ein merkwürdiges Pärchen getroffen, in einem sehr fragmentierten Anfang des Romans, bis er zum dritten Mal auf die beiden treffen und die eigentliche Geschichte beginnen darf. Nämlich in einer kleinen Stadt, die von einer Gang mit Namen Black Death terrorisiert wird. Hierfür sind einige Kämpfer rekrutiert worden, um gegen sie anzutreten, darunter auch D. Während das ungleiche Pärchen Rust und Lira vorübergehend den Sheriff und seine Helferin abgeben.

Und… öhm, so wahnsinnig viel passiert über die wenigen hundert Seiten des Buches nicht. Wir haben ein wenig was über Pseudo-Nobilität, sprich von Vampiren gebissene Menschen, die nicht vollkommen zu Vampiren werden, aber doch viele ihre Charakteristiken annehmen. Die Black Death Gang wird von so einem angeführt, der natürlich sehr gefährlich ist. Rust stellt sich auch als einer heraus, allerdings hat er sich unter Kontrolle, und Lira einen Vertrag mit ihm, sein Dasein zu beenden, sollte er durchdrehen. D darf mal schnell dem Sonnensyndrom anheimfallen, was ihn extrem schwächt, weil er zu lange in der sengenden Sonne war, aber irgendwie wirklich was daraus wird nicht. Sein Erschaffer taucht kurz auf, wird aber immer nur mystisch umschrieben, statt Dracula genannt zu werden, und verschwindet auch wieder ohne selbst was zu machen außer die Black Death Gang zu wandeln.

Ich weiß nicht, irgendwie fand ich die Geschehnisse in Scenes of an Unholy War ziemlich fragmentiert. Dinge Geschehen, Charaktere werden aktiv, und es war immer klar was und aus welchem Grund, aber so richtig eine befriedigende, schlüssige Narration wurde nicht draus. Ich musste häufiger überlegen, was denn vorher geschehen war, und dann war klar, warum dies zum Aktuellen geführt hat, aber so wirklich organisch war der Ablauf eher nicht. Kikuchi nennt übrigens im Nachwort, dass Futaro Yamadas Reihe The Kouga Ninja Scrolls ihn zum Autor gemacht hat, und das Scenes of an Unholy War im Speziellen von den verschiedenen zur Schau gestellten Kräften der dortigen Charaktere inspiriert wurde. Vielleicht hat der gute Mann schlichtweg sich Krieger mit verschiedenen Superkräften ausgedacht und erst dann die notdürftige Vampire Hunter D Handlung drumherum gebaut. Würde zumindest einiges erklären.

In Record of the Blood Battle wird uns dann aber auch endlich mal was Neues aufgetischt! Wie Kikuchi im Nachwort erklärt, sollte die Nobility zwar immer fürchterliche Monster bleiben, doch irgendwie hat er sich über die Jahre ein wenig für sie erwärmt und wollte einen Vertreter schaffen, der nicht ganz so extrem ist. Scheinbar hat er vergessen, dass Mayerling im dritten Buch, Demon Deathchase, bereits ein Guter war, der nur für die (erwiderte) Liebe zu seinem Menschenmädchen gekämpft hat. Zwischen 1985 und 2004 liegen wohlweislich aber auch fast 20 Jahre, es sei ihm also vergeben.

Das schafft er, in dem er den hiesigen Noblen komplett widersprüchlich deren bisher präsentierten Bildes gestaltet, ein Kontra zum tragenden Titel, und ihn auch noch komplett aus dem Zeitgeschehen herausreißt. Es ist nämlich so, dass in einem Dorf ein merkwürdiges Objekt gefunden wird, welches sich als Grab eines Noblen herausstellt. Der hat sich satte 5.000 Jahre zur Ruhe gelegt und wird natürlich ausgerechnet hier und jetzt, in 5 Minuten, daraus emporsteigen, gerade als D dort ist. Dabei roch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer bereits die krasse Kohle, weil alles, was mit der Nobility zu tun hat, eigentlich in der Hauptstadt für die Forschung ordentlich Cash bringt. Ein Vertreter der Spezies an sich natürlich auch.

Was dort entsteigt würde allerdings niemand für einen Vampir halten. Denn der Kerl ist kleinwüchsig, kahl und korpulent. Mit einem enormen Ego und großen Maul, dennoch von niemanden wirklich für voll genommen. Und mit fast keinen besonderen Kräften, die er nämlich alle dafür geopfert hat, sich trotz seines Vampirismus in der Sonne bewegen zu können. Er war nämlich ein Forscher, und das sogar für den Ahnherren, im Versuch Vampire zu erschaffen, die sich nicht von jener Schwäche beeindrucken lassen. Dadurch kennt er natürlich auch D bereits.

Was folgt ist ein wenig ein Road Trip. D will den Noblen in die nächste Stadt mit Gerichtshof bringen, da seine Gräueltaten im Namen der Forschung nicht verjährt sind, was Verbrechen von Vampiren grundsätzlich nicht tun. Aber auf dem Weg dahin stolpern sie über ein paar Steine. Seien es nun diverse Banditengruppen, die hinter dem Geld her sind, welche die Auslieferung des Vampires an die Forschung bringen kann. Oder irgendwelche Monster, die in den Gebieten leben. Oder auch einfach Menschen, deren Hass auf die Vampire so lang einsitzt, dass sie ihn zerstört oder gepeinigt sehen wollen, obwohl sie Generationen von den ehemaligen Schandtaten entfernt sind. Dieser Zirkel des Hasses und aufzeigen, dass auch die Menschen zu Gräueltaten mächtig sind, liefe vielleicht etwas besser, wenn der besagte Noble sich eben nicht in der Vergangenheit zu so vielen Gräueltaten hinreißen lassen hätte und das auch noch als selbstverständlich ansieht, statt irgendwelche Reue zu zeigen.

Doch wenigstens sind die Vibes diesmal ganz andere. Einfach weil der besagte Noble so eine Lachfigur ist und selbst D manchmal an den Rand dessen gerät durch ihn aus dem Tritt zu kommen. Ja er geht sogar für ein paar Kapitel ganz aus der Geschichte raus, was doch mal erfrischen anders ist, als ständig den unfehlbaren Super-Dhampir als Fokus zu haben. Alleine jene Andersartigkeit hebt das Buch schon wesentlich aus seinen Brüdern hervor.

Die Erben des Mithras

Weiter geht es mit den Büchern, die es vor ewigen Jahren mal auf mein Kindle geschafft haben, weil sie gleichzeitig für umsonst angeboten wurden. Die Erben des Mithras ist dabei von Alison Almony, zu der es erneut im Internet nicht viel zu holen gibt. Es ist ihr einziges Buch, und ihr Blog hauptsächlich zu dessen Release in 2013 aktiv gewesen und hat seit 2015 keinen Eintrag mehr gesehen, wird also wahrscheinlich auch ihr einziges bleiben. So wie sich das anhört war das sowieso eher ein Nebenprojekt, weil sie sich selbst für die Thematik des Mithras-Kults interessierte und dann ihre Dan-Brown-schen Verschwörungstheorien teilen musste.

Cameron hat beim Ausmisten des Familiendachbodens ein altes Dokument gefunden, welches der schon lang tote Onkel, der eine Zeitlang als Priester an den Ausgrabungen in Qumran teilnahm, dort versteckt hat. Diese Schriftrollen vom Toten Meer sollten ein Begriff sein, nicht zuletzt stützt sich auch Neon Genesis Evangelion auf sie: Die religiösen Texte sind teils umstritten, beleuchten die Zeit des Alten Testaments, wiedersprechen aber auch Dingen aus der Bibel. Cameron ist allerdings hauptsächlich daran interessiert, wie viel er mit dem Verkauf des Dokumentes verdienen kann.

Da ist auch durchaus bereits ein Mönch interessiert, mit dem er sich in der Ruine eines Mithras-Tempels in Rom treffen will. Als Cameron dort ankommt, ist der aber bereits tot, und einer seiner Brüder mit unterschwelligen Drohungen vor Ort, dass Cameron den Text doch dem Orden überlassen soll, der sie ursprünglich ausgegraben hat. Ob der brisante Text dann auch veröffentlicht, oder studiert, oder in den Vatikan-Archiven versteckt wird, sei mal dahingestellt. Aber Cameron hat das Dokument eh nicht dabei, sondern einer Freundin in Israel überlassen, deren Professor es auf seine Echtheit überprüfen will.

Zurück zu Hause in Schottland ist in Camerons Wohnung eingebrochen und alles durchsucht worden. Also kommt er bei Freunden unter, denen er auch brühwarm über alle Ereignisse aufklärt. Sein Kollege Bruce will sich direkt nach weiteren Interessen umhören, und wird kurz darauf tot aufgefunden.

Was sich entfaltet ist ein recht üblicher Thriller um die religiösen Fanatiker und Geheimkultisten, die an das prekäre Dokument wollen, welches eventuell die Anfänge des Christentums in ein ganz anderes Licht rückt, da Paulus darin weniger gut wegkommt, als in der Bibel, und es nahelegt, dass hier gewollt betrogen wurde und das Christentum vom Mithras-Kult unterwandert und mitgeprägt wurde. Allerdings geht das Buch, so sehr sich die Autorin angeblich in die Thematik eingelesen hat, gar nicht so sehr auf diese Verschwörungstheorie ein. Das Erforschen des Geheimnisses fällt genau genommen sogar komplett flach. Stattdessen geht es mehr um eine Riege Normalo-Leute, die durch den zufälligen Besitz eines solchen brisanten Stücks Geschichte plötzlich in Situationen geraten, die ihnen geschwind über den Kopf wachsen und in tödliche Bedrängnis bringen.

Ein wenig befremdlich ist es allerdings schon, dass sich jeder hier so naiv und dämlich anstellt. Einfach mal die Klappe halten ist sowieso keinem Charakter gegönnt. Jeder plaudert feuchtfröhlich über das Dokument und die merkwürdigen Ereignisse, welches es umgibt. Schurken monologieren über ihren Kult vor sich hin, mit der lapidaren Ausrede, dass die Wahrheit einem eh keiner glauben wird. Es wird gehandelt und gesprochen, ohne vorher nachzudenken, oder Leute und ihre Beweggründe wirklich zu hinterfragen. Die Ereignisse lange als Zufälle abgetan oder ihre Tragweite schlichtweg unterschätz.

So einen Thriller über Geheimkults und Verschwörungstheorien zu schreiben ist eigentlich eine einfache Sache, sollte man meinen. Aber wenn das Konstrukt dann doch nicht gut genug durchdacht ist, nicht stimmig genug aufgelöst wird, dann ist man schon irgendwo schnell ein wenig gelangweilt, einfach weil es solche Bücher wie Sand am Meer gibt, und es deswegen viele bessere Alternativen gibt.

Wo ein Wille ist…

Wo ein Wille ist ist ein Roman von Anne Saalean, die am Ende des Buches zwar dazu auffordert, eine Rezession bei Amazon zu hinterlassen – ganz egal ob positiv oder negativ -, welches kurioserweise aber gar nicht mehr auf Amazon zu finden ist. Eine 15-Sekunden-Suche via Google hält auch tatsächlich so gut wie nichts über Autorin oder Buch parat, und schon mal gar nichts, was neuer als 2013 zu sein scheint. Einem Blogger-Interview ist immerhin zu entnehmen, dass dies wohl ein exklusiv digital erhältliches Experiment in Selbstpublikation war.

Protagonistin des Buches ist Vera, die schon in die Jahre gekommen ist und bisher nicht unbedingt das Glück im Leben hatte. Lange Jahre musste sie sich um die exzentrische Mutter kümmern, weswegen ihr Sozialleben eingebrochen ist, so dass sie nach deren aktuellen Tod eigentlich ganz froh ist, die Bürde vom Buckel zu haben. Wenn die Beerdigung doch nicht so teuer wäre, und ihre nach Berlin weggezogene Schwester, die ihr ihren Jugendschwarm ausgespannt hat und mit jenem nun Doktor verheiratet eigentlich auch nicht finanziell schlecht dasteht, da auch gar nicht auf die Idee käme, etwas beizusteuern. Auf die hübsche Schwester war sie eh ihr Leben lang neidisch, da sie als Mauerblümchen eh kaum von Männern wahrgenommen wurde. Abgesehen von dem einen, der sie sogar heiraten und mit ihr nach Irland ziehen wollte, aber vom Zug überfahren wurde, der ihn an den Flughafen hätte bringen sollen.

Auf der Beerdigung der Mutter taucht die verhasste Schwester allerdings tatsächlich auf und ihr Ehemann und Veras Jugendschwarm Simon, der immer noch verdammt gut aussieht, lädt sie zu seinem 50. Geburtstag ein. Da sie ihren langjährigen Job bei der Buchhandlung am Markt verloren hat, gibt es auch nichts, was einem ausgedehnten Trip nach Berlin im Wege stünde, und so taucht Vera eines Abends bei der Villa der beiden auf. Natürlich nicht unangekündigt, obwohl dennoch alles dunkel im Haus ist. Gerade als sie im Garten durchs Verandafenster schaut, kommt das Ehepaar nach Hause und hat einen üblen Streit – was Vera heimlich freudig stimmt. Doch als sie sich dann endlich mit penetrantem Klingeln Zugang verschafft hat, liegt ihre Schwester tot am Fuße der Treppe und Simon ist ganz aufgelöst. Es wäre ein Unfall gewesen und er müsse nun in den Knast.

Das sieht Vera aber überhaupt nicht so. Um die gehässige Schwester ist es eh kein Verlust. Und sie kann Simon doch einfach bei der Polizei ein Alibi verschaffen, er hätte ihr gerade die Türe geöffnet, als ihr Schwesterherz betrunken von selbst die Treppe herabstürzte. So macht man sich beim attraktiven Doktor gleich unentbehrlich, vielleicht folgt darauf ja die Heirat und das unbeschwerte Villa-Leben? Wenn es da nicht zu weiteren Komplikationen kommen würde, wie versehentlich jemanden zu erschießen, Leichen nicht richtig zu entsorgen, Affären über Affären seitens des gar nicht wie gedacht ritterlichen Simons, und ein bedenklich wackelndes Kartenhaus an sich anhäufenden Lügen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leser ein ganz gezieltes Problem mit dem Buch haben: Es gibt keine wirkliche Identifikationsfigur, keinen wirklich sympathischen Charakter. Zunächst mag Vera noch so erscheinen, immerhin hat sie ein echt bescheidenes Leben gehabt. Doch schnell ist klar, dass wir das Buch ja aus ihrem Blickwinkel erfahren, von daher natürlich ihre Erinnerungen von ihr gefärbt sind. Und bald wissen wir auch, dass sie ein sehr missgünstiges Weib ist, welches wenig Mitgefühl für andere Menschen übrig hat, gerade dann nicht, wenn sie nicht ihren moralischen Idealbildern entsprechen. Über das Buch hinweg wird sie sowieso immer verschlagener und intriganter – weil es nämlich auch alle anderen Charaktere sind, auf die sie trifft. So ziemlich jeder hat nur seinen eigenen Vorteil im Sinn und schmiedet Pläne, wie die anderen zu deren Zwecken ausgespielt werden können.

Mir hat es allerdings außerordentlich gut gefallen. Das Ganze ist natürlich extrem dramatisch und viel zu unlogisch viel geschieht zu schnell. Ein wenig wie in einer Soap, wo eh alle intrigieren und nur auf sich selbst schauen, und ständig irgendwas die Pläne doch wieder über den Haufen wirft, man nie weiß wer jetzt wirklich am Ende als Sieger aus den Mind Games herausgehen wird, oder ob es vielleicht sogar nur Verlierer geben wird. Nur mit einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis, denn es gibt viel schwarzen Humor im Buch und im Porträtieren der Ereignisse oder Veras pragmatischen Gedankengängen. Das Buch ist sich halt voll bewusst, dass dies alles ziemlich extrem ist und nimmt es mit einem trocken-zynischen Augenzwinkern. Dann ist die ganze Sache noch leicht von der Leber weg an einem oder zwei Nachmittagen gelesen, wodurch es definitiv seine Zeit nicht überstrapaziert, sondern gut der Kurzweil gefrönt wird.

Schwarzer Wald

Schwarzer Wald ist ein kurzer Roman von Holger Montag, der sich laut Klappentext (bzw. was auch immer das Äquivalent bei einem nicht klappendem Kindle ist) einen Namen mit dem von mir Pöbel genau so wenig bekannten Reisen mit Pippo gemacht hat. Das Ding ist so ein wenig Lost in Buchform.

Nicht was die Handlung an sich angeht, allerdings. Die ist im Schwarzwald angesiedelt. Thorsten ist nämlich gerade auf Urlaubsreise mit einem befreundeten Ehepaar, und den neuen Arbeitskollegen und dessen Frau haben sie auch noch mitgenommen. Der Road Trip der Fünf neigt sich gerade seinem verschneiten Ende zu, als sie nachts durchs unbekannte und abgeschiedene Waldgebiet fahren, plötzlich von einem vorbeirasenden Geländewagen von der Straße abgedrängt werden, und mit dem Auto in einem Acker landen. Die zickige Frau des Arbeitskollegen rennt erst Mal empört in die Nacht, ihr Mann Tim hinterher. Die anderen Vier finden anschließend jedoch nur Sara wieder. Da alles weitestgehend unbeschadet abgelaufen ist, der Wagen aber feststeckt, beschließen Thorsten und Sara zu einem Einsiedlerhof zu gehen, den sie etwas vorher am Straßenrand gesehen haben, während die anderen beiden es sich im Auto gemütlich machen und auf Tim warten.

Dort angekommen stellt sich der Bauer als unfreundlicher Eigenbrötler heraus, der erst Mal meint es gäbe weit und breit keine Werkstätten und ein Telefon habe er eh nicht. Die beiden können ihn dennoch dazu überreden die Fünf auf dem Hof übernachten zu lassen, und mit dem Traktor einen Versuch zu starten, das Auto wieder die Böschung hoch auf die Straße zu ziehen. Dort angekommen ist das wartende Pärchen allerdings spurlos verschwunden, also übernachten Thorsten und Sara erst mal alleine beim Bauern.

Am nächsten Tag ist das Auto zunächst ganz verschwunden, taucht allerdings in einer Werkstatt wieder auf. Mit Totalschaden, und der Nachricht, dass das befreundete Ehepaar schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Wo keiner so recht die Geschichte glauben will, dass als das Auto ursprünglich von der Straße abkam, von wenigen Kratzern abgesehen noch alles in Ordnung gewesen sein soll.

Schwarzer Wald ist ein unglaublich spannendes Buch, welches sich auch nicht lang mit irgendwelchen unnötigen Schnörkeln aufhält. Wir bekommen das Wichtigste über die Charaktere und deren soziale Stellung zueinander rübergebracht, aber viel mehr nicht. Stattdessen stützt sich alles auf die sich anhäufenden Mysterien und bringt die sich über wenige Tage erstreckende Geschichte schnell rüber, so dass man es an einem Nachmittag verschlungen haben wird.

Denn beim Nachforschen kommen nur noch immer mehr Fragen auf. Wie wahrscheinlich ist es denn schon, dass es zwei Unfälle in der gleichen Nacht gegeben haben sollte? Wie sollte das Ehepaar, die mit dem Auto auf dem Acker festhingen, überhaupt in einen zweiten geraten sein? Dann soll der schwere Unfall auch noch geschehen sein, als die Truppe eigentlich noch putzmunter auf der Straße war. Vertuscht hier jemand etwas? Aber abgesehen von der Chefärztin scheinen sich die meisten Leute sehr kooperativ zu verhalten, können nur die merkwürdigen Umstände, die sich Thorsten zusammenreimt nicht nachvollziehen. Geben jedoch anscheinend dennoch Infos an ihn heraus, die sich als unwahr herausstellen. Aber aller eingefleischter Provinz zum Trotz können doch nicht alle unter einer Decke stecken, oder? Ist Thorsten letztendlich ein Unreliable Narrator und der erste Unfall verlief doch nicht so, wie er sich zu erinnern meint? Und wo ist überhaupt Tim abgeblieben, der nie wieder auftauchen wird?

Problem dabei ist das Ende, welches in seiner Enttäuschung dem von Lost noch eines draufsetzen kann. Denn statt einer lapidaren Erklärung kommt einfach gar keine. Nicht mal den Ansatz eines der vielen Geheimnisse und Ungereimtheiten aufzudecken gibt es. Stattdessen wird es für zwei Seiten nur noch mal so richtig verworren und endet dann einfach. Offene Enden mögen durchaus manchmal funktionieren, aber eben nur dann wenn man sich in der Handlung auch auf andere befriedigenden Ebenen stützen kann. Aber wie bereits erwähnt gibt es aus Schwarzer Wald nicht viel zu holen, abgesehen vom nachfiebern der großen Frage, die dann nie eine Antwort findet. Und das stört nach einem eigentlich sehr guten Buch eben im Nachgeschmack gewaltig.

[FSS] Destiny Three Fates: Clotho

Willkommen zurück bei Mamoru Naganos Langzeitwerk The Five Star Stories. Diesmal haben wir mit Destiny Three Fates: Clotho die Story Arc im Programm, welche in der japanischen Original-Auflage die Sammelbände Zwei und Drei füllt, im US-Release auf die Hefte Vier bis Acht aufgeteilt ist.

Interessanterweise fängt die Story Arc ganz ähnlich der ersten an. Denn auch hier sehen wir ein paar Randos, die wir nie wiedersehen werden, ein schlechtes Forshadowing-Gefühl entwickeln, weil die nämlich Mechs vorbeifliegen sehen, die zu den Boowrays, auch als Rainbow Seven bekannt, gehören, Söldner die eigentlich weitab im All verschollen sein sollten. Gefolgt von einer Post-Kampf-Szene, in der erneut ein Pilot eines Mortar Headds das Zeitliche segnet und seine Fatima ihm schwört ihn bis ans Ende der Zeit zu betrauern. The Five Star Stories hat es sehr mit vage-melancholischen Ausblicken in die Zukunft.

Genau genommen geht es ja darum, dass das Colus Empire vom eigentlich eher kleinen Land Hagooda angegriffen wird, dessen überhebliche Königin heimlich militärische Unterstützung vom Fillmore Empire hat. Darunter eben auch die mitleidslosen Rainbow Söldner. Während Hagooda zunächst gut Territorien übernehmen kann, ist sich Colus sicher, einen Zermürbungskrieg auf Dauer gewinnen zu können. König Colus III, der in der vorigen Story Arc Clotho an sich genommen hat, als jene der Fatima-Zuteilung entfloh, ist nur halt kein ganz geduldiger.

Deswegen vertreibt er sich unter anderem die Zeit damit, uns zu sagen, wie er auf seine eigentliche Copilotin-Fatima Ulicul traf, eine Fehde mit einem der Rainbow Söldner entstand, und auf eine sechsjährige Reise mit ihr ging. Was natürlich bedeutet, dass sie ziemlich bald ins Gras beißt, nämlich in einer der Motar Headd Schlachten während des Zermürbungskrieges. Das Amaterasu-Reich kommt helfend vorbei, und in der finalen Schlacht erfüllt sich die Prophezeiung, dass Colus III zwar seinen Wunden unterliegt, dafür die eigentlich nie einen Meister gefundene und nie einen Mortar Headd steuern wollende Clotho mit dessen ganz besonderem Mech verschmilzt, den Krieg gewinnt, und dann für eine Zeit versiegelt wird, in der das Colus Empire erneut ihre Hilfe braucht. Alles also sehr tragisch mal wieder.

Das ist übrigens das Ende von Heft 7, mit noch einem ganzen weiteren kommend. Welches prompt einen Sprung von tausend Jahren von 2900 auf 4000 macht. In eine Zeit, als es weder Colus noch Fillmore mehr gibt, sondern der ganze Joker Cluster vom Amaterasu-Reich kriegerisch geeinigt worden ist, weil Imperator Amaterasu endlich Frieden und Wohlstand für alle wollte, ob sie sich dem nun anzuschließen bereit waren oder nicht. Natürlich gibt es auch eine Widerstandsbewegung, zu der auch der Nachfahre von Colus III gehört, auf den Clotho bereits wartet. Statt nun allerdings in diese Zeitschiene richtig einzuspringen, war das nur ein Anheizer, um uns darin interessiert zu machen, wie aus Ladios Sopp/Amaterasu ein solcher Tyrann werden konnte. Denn prompt springt die Geschichte wieder nach 2900 zurück, ans Ende des Hauptteiles, und gibt uns einen kleinen Prolog zur nächsten Story Arc mit Pre-Trafficks, welches den letzten Überlebenden der Rainbow Söldner zurück in Fillmore zeigt, und dass dessen Herrscher die Verluste beim Unterstützen von Hagooda im Krieg gegen Colus bereut.

Einer besonderen Gewichtung kommt diesmal auf jeden Fall verstärkt der Beziehung der Fatimas zu ihren Headdliners, sowie Prophezeiungen zu. Denn jetzt gibt es eine ominöse Zukunftsvision vom Ende des Joker-Systems in 7777 deren Kalenders – also noch weit weg sollte man meinen, aber The Five Star Stories nimmt es mit den Zeitsprüngen wohl nicht zu eng. Auch hat Lachesis, die Fatima der ersten Story Arc, die Ladios Sopp/Amaterasu geheiratet hat, neben ihrem trotteligen selbst auch noch eine prophetische Schicksalsschwester, die in ihrem Unterbewusstsein haust. Sowie lässt Clotho tottraurig fallen, dass es ihr Schicksal sein wird gegen Amaterasu und Lachesis kämpfen zu müssen. Irgendwann in der Zukunft. Wahrscheinlich gegen der 4000er-Zeitlinie, in die wir einen kurzen Ausblick hatten.

Es wird eben auch mehrmals angesprochen, dass die Piloten der Motar Headds auf kurz oder lang – meist auf kurz – ihren Fatimas verfallen. Die Königin, die mit Colus III verheiratet ist, ist beispielsweise absolut eifersüchtig darauf, dass dessen wahre Liebe Ulicul ist. Und meint auch etwas verbittert, dass wahre Frauen wohl eher schlecht an die ewig jungen Fatimas, die ihre Headdliner immer an die erste Begegnung erinnern, und ihnen treuergeben sind, ankommen können. Die Rainbow Söldner behandeln ihre Fatimas hingegen wie absolute austauschbare Wegwerfwahre, sind ihren Ehefrauen dafür aber treu, nur damit am Ende in Pre-Trafficks der letzte Überlebende doch seiner Fatima verfällt, nachdem die ihm immer zur Seite gestanden hat.

Das ist natürlich eh eine etwas… komische Sache. Ich weiß nämlich nicht, ob dies ein besonders gutes Licht darauf wirft, wie liebenswert die Fatimas doch sind. Oder ein schlechtes Licht auf die Piloten, die eine ewig junge Sklavin einer echten Frau mit eigenem Willen vorziehen. Denn was schnell vergessen werden kann, weil abgesehen der Rainbows alle anderen Headdliner ihre Fatimas absolut liebevoll und gleichberechtig behandeln, ist: Fatimas sind darauf programmiert ihren Meistern zu gehorchen. Die drei Schwestern Clotho, Lachesis und Atropos sind die einzigen mit einem autarken Willen (und es wird impliziert, dass genau diese Komplexität der Menschlichkeit es ist, weswegen Atropos sich von ihrem Erschaffer abgewendet hat). Selbst wenn sie es wollten, könnten die Fatimas ihren Headdlinern also gar nicht wiedersprechen.

Ein wenig weitere Hintergründe zu den Motar Headds bekommen wir zudem. Beispielsweise hat man sich bewusst dafür entschieden, Schlachten nun mit diesen Super-Mechs durchzuführen, weil die natürlichen Ressourcen eines Landes so wichtig sind, und nukleare Waffen etc. davon zu viel zerstören würden. Oder das der Bau eines Motar Headds eine langwierige und komplizierte Sache ist, und die Mechs fast wie Neugeborene sind, die erst mal rund laufen müssen, ja von ihren Fatimas beschwichtig werden. Eine ominöse Lücke in der Nummerierung der Fatimas wirft auch schon unheilschwangere Schatten voraus: Wer und wo ist Nr. 42?

Es ist und bleibt übrigens im Universum des Joker Clusters die Regel, dass je höher die Position eines Menschen ist, umso übertriebener deren Fashion Sense wird. Wirklich faszinierend, wie viele Charaktere es hier gibt, und Nagano einen dennoch weiterhin mit neuen Ausartungen zu schockieren weiß.

Durch jene vielen Charaktere, die mehr oder weniger groß eine Rolle zu spielen wissen, und gerade deren auch teilweise ebenso abgefahrene Namen, ist Destiny Three Fates: Clotho etwas anstrengender zu lesen, bzw. am Ball zu bleiben. Die eigentliche Handlung und Themen sind gar nicht zu komplex, aber eben durch die vielen merkwürdigen Namen, und die vielen eingestreuten vagen Andeutungen über Schicksal und Prophezeiungen, wird das ganze etwas vertrackter in der Umsetzung. Allerdings auch interessanter, ich zumindest war hier voll am Ball, vielleicht auch weil das Hauptaugenmerk von Ladios Sopp/Amaterasu und seiner Lachesis weggegangen ist zum interessanteren und tragischeren Pärchen Colus III und Clotho. Ja die zweite Story Arc ist mitunter so dramatisch und philosophisch-luftig, dass die eingestreuten Comic Relief Momente mittlerweile geradezu fehl am Platz wirken. The Five Star Stories hat sich über Destiny Three Fates: Clotho jedenfalls eine ganze Ecke interessanter in meinen Augen zu machen gewusst als beim noch reservierten Destiny Three Fates: Lachesis.

[FSS] Destiny Three Fates: Lachesis

Mamoru Nagano ist schon eine sehr interessante Persönlichkeit. Neben Designs für Anime und dem Zeichnen seiner eigenen Manga ist er beispielsweise auch nebenbei als Musiker oder Fashion Designer tätig gewesen. Außerdem hat er eine sehr starke Hand auf seine Kreationen, die zum Großteil Eigentum seiner eigenen Firma bleiben. Sein 2012er Anime Gothicmade beispielsweise ist bis heute nicht auf Heimvideo erhältlich, weil Nagano dies nicht will, sondern wird nur sporadisch auf japanischen Kinoleinwänden vorgeführt. Außerdem ist er gut befreundet mit einem weiteren speziellen Auteur, Kunihiko Ikuhara (Sailor Moon S, Utena, Penguindrum, Yurikuma), von denen es auch gemeinsame Bilder im Sailor-Cosplay gibt.

Sein Magnum Opus ist allerdings The Five Star Stories. Ein Manga, den er 1986 kurz nach dem Start seiner Karriere begonnen hat, und der bis zum heutigen Tage läuft. Nicht ununterbrochen, in den 32 Jahren hat er es bisher „nur“ auf 14 Bände gebracht, da Nagano immer wieder größere Pausen einlegt (maßgeblich die 9 Jahre zwischen Band 12 und 13). Aber jeder neue Band schafft es erneut auf die Bestseller-Listen, FSS hat es also zu einem gewissen Urgestein und Klassiker-Status gebracht.

2015 habe ich ja mal den Anime besprochen, der doch irgendwie leicht verwirrend war, obwohl eigentlich total banal von der Handlung her. Es hat mich also somit mal wieder drei Jahre gebraucht, aber jetzt, wo ich dessen Details schon wieder total vergessen habe, ist zum Vergleich auch der Manga gelesen. Beziehungsweise dessen erstes Volumen, Destiny Three Fates: Lachesis, auf dem besagter Anime basiert.

Überrascht hat mich, dass die Geschichte so gesehen eigentlich identisch ist zum Anime, welcher in seinen 65 Minuten eigentlich kaum etwas von Wichtigkeit auszulassen schien. Vielleicht mal abgesehen vom Prolog-Kapitel, welches als Anheizer dient, um sich auch das nächste Kapitel reinziehen zu wollen, bevor die Story 20 Jahre in die Vergangenheit springt, und welches an sich nicht schlecht ist, aber für einen kompletten Film natürlich doch etwas unnötig erscheint.

Wir sind also im Joker-Cluster, welcher hauptsächlich aus 4 Planeten besteht, und in dem Krieg herrscht. Der ausgefochten wird in Mechs mit Namen Mortar Hedd, welche so mächtig sind, dass die Piloten seit ihrer Kindheit dafür trainiert werden müssen, und zusätzlich noch Fatimas benötigen. Fatimas sind humanoide Betriebsmaschinen, designt als wunderschöne Frauen, die zusätzlich absolute Unterwerfung einprogrammiert bekommen. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

Dr. Ballanche ist derjenige, der die Fatimas produziert, und hat mit den nach den Schicksalsgöttinnen benannten drei Schwester seine finale Produktionslinie beendet, denen er allerdings den freien Willen gelassen hat. Nun ist es so, dass bisher blutige Auseinandersetzungen vorherrschten, um an die Fatimas zu kommen, weswegen diese mittlerweile bei einer Festivität vorgestellt werden, an der alle Flieger von Mortar Hedds teilnehmen können, und sich die Fatima dann ihren Meister aussucht. Ein solches Festival steht für die verbliebenen zwei Schwestern Lachesis und Clotho an, wobei Veranstalter Fürst Juba sie lieber als seine eigenen Sexsklaven behalten will. Wählt eine Fatima nämlich keinen Meister, so bleiben sie bis zur nächsten Wahl in der Obhut des Lehnsherrn.

Unser Hauptcharakter Ladios Sopp ist ein Mortar-Hedd-Ingenieur und ein guter Freund von Ballanche, der die Schwestern schon seit ihrer Kindheit kennt, und Clotho versprach mal ihr Meister zu werden und ihr einen goldenen Mech zu bauen. Es geht ein wenig hin und her an Geplänkel zwischen den MH-Adligen, mit Slapstick ob Sopps Aussehen wie eine Frau, Juba darf ein wenig ein Creep sein, und Clotho fliehen und sich einen Meister außerhalb der Mauern suchen. Nachdem er dann Zuspruch von seiner toten Frau bekommen hat, rettet Sopp endlich Lachesis, offenbart das er eigentlich der Sonnenkaiser Amaterasu ist, und verheiratet sich mit der Fatima.

Um ehrlich zu sein sieht man The Five Star Stories, zumindest in Destiny Three Fates: Lachesis, was ja immerhin mit einem Band als Story Arc auch eher kurz geraten ist, stark an, dass Nagano eigentlich eher ein Designer ist. Gerade die englische Edition (die ein paar Jahre auf den Buckel hat, deswegen den Band in 3 großformatige Hefte unterteilt und sich ausgiebig für die rechts-nach-links Leseweise entschuldigt) kommen mit reichlich Background an, die in Japan in einem späteren Companion-Buch zur Franchise abgedruckt wurden. Jede Menge Charaktere und Mechs werden gezeigt und erklärt, die im Manga soweit noch gar keine Relevanz haben, die einzelnen Schiffdesigns erläutert, der Kalender das Sonnensystems mit den vorigen wichtigen historischen Ereignissen abgedruckt etc. Hier hat jemand seine Freude daran gehabt eine dichte Welt zu erschaffen und vor allem seiner Fantasie was Chara- und mechanische Designs angeht freien Lauf zu lassen. Dürre Mädels mit enormen Schulterpolstern, Charaktere mit den steilsten Frisuren, wuchtige bis filigrane Kampfmechs und ganze fliegende Inseln als Königspaläste.

Aber das täuscht vorerst nicht darüber hinweg, dass die erste Story-Arc noch nicht so viel hergibt. Ganz wie beim Anime, wenn auch mit der einen oder anderen Erklärung mehr, weswegen die Verhalten der Charaktere doch stimmiger und schlüssig erscheinen, ist die eigentliche Handlung abseits der schrägen Designs und der übertrieben vielen Namen eigentlich sehr geradlinig und gar etwas unbesonders. Es ist klar, dass hier der Grundstein für ein größeres Werk gelegt wurde. Ich bin mal darauf gespannt, ob die späteren Bände das einlösen werden, oder weiterhin durchscheint, dass Nagano einfach gern Sachen designt und dies hier als reines Vehikel herhält, um sie präsentieren zu können. Soweit verbleibe ich erst mal nach all dem Prestige, der The Five Star Stories anhängt, etwas unbeeindruckt aber doch dem Kommenden gegenüber fasziniert.