Junji Ito: Youkai Kyoushitsu

ava-2631Den diesjährigen Spooktober startet unser altbekannter Junji Ito. Den haben wir ja bereits mehrmals hier im Blog gesehen. Erst letztes Jahr beispielsweise mit der Junji Ito Collection Netflix-Serie. Und dann fast vor zehn Jahren in mehreren Manga und ein paar deren Adaptionen.

Das Roulette für dieses Jahr fiel auf das einen Band einnehmende Youkai Kyoushitsu, auch als Dissolving Classroom/Dissolving Series bekannt. Manchmal hat man es ja, dass Junji Ito eine durchgängige Serie bereithält, manchmal sind es hingegen Bände von Einzelepisoden, die nichts miteinander zu tun haben.

Youkai Kyoushitsu hat zwar eine Struktur, die ziemlich stark an episodischen Ereignissen angelehnt ist, jedoch gibt es tatsächlich einen narrativen Faden. Denn in allen sind die Geschwister Yuma und Chizumi involviert. Dann wiederum, wenn ich genau überlege, sind alle Serien von Junji Ito ziemlich episodisch, nur eben mit einem thematischen oder charakterlichen Faden im Hintergrund. Von daher ist Youkai Kyoushitsu nicht wirklich anders als beispielsweise Tomie. Sogar hin zu dem Punkt das die auslösende und den durchgängigen Faden gebende Figur nicht der Perspektiven-Charakter ist, sondern diese Rolle an die jeweils wechselnden Charaktere fällt.

Im ersten Kapitel, namensgebend Dissolving Classroom genannt, ist das beispielsweise die Schülerin Keiko. Yuma ist neu in ihrer Klasse und gilt ziemlich schnell als merkwürdig und absoluter Fußabtreter, weil er sich ständig übertrieben für alles entschuldigt, egal wie klein der Fehler war oder ob er überhaupt verantwortlich ist. Es hilft nicht, dass seine kleine Schwester Chizumi sich als das unheimliche Mädchen herausstellt, das Leuten auflauert und sie erschreckt, über das neuerdings Gerüchte umgehen. Keiko versucht zunächst Yuma zu helfen, muss aber schmerzlich lernen, dass die Entschuldigungen Yumas nur ein Mantra sind, welches mit der Zeit die Leute, die es hören, schmelzen lässt.

In Dissolving Beauty hingegen trifft eine andere Schülerin eine alte Freundin wieder und muss feststellen, dass sich deren Gesicht übel verformt hat. Merkwürdigerweise beteuert ihr Partner, Yuma, dennoch ihre angebliche Schönheit. In Dissolving Apartment ziehen die beiden Geschwister erneut um und die neuen Nachbarn hören Anzeichen häuslicher Gewalt durch die Eltern, gegen die sie was unternehmen wollen. Wie man sich denken kann dreht sich Chizumi’s Dissolving Love darum, dass Yumas kleine Schwester sich in einen Jungen verliebt hat. Dass er diese Gefühle nicht erwidert spielt für beide keine wirkliche Rolle. Zu einem zusammenführenden Schluss kommt dies alles dann in Demon’s Conference. Denn mittlerweile ist ein Journalist auf die merkwürdigen Vorfälle von sich auflösenden Menschen aufmerksam geworden und versucht die beiden immer kurz darauf fliehenden Geschwister aufzuspüren.

Aufgefüllt wird der Band durch Meet Again und Children of the Earth. Beides vom Rest komplett unabhängige Geschichten, die zudem nur ein paar wenige Seiten einnehmen.

Wie gewohnt haben wir es hier also mit Junji Itos typischer Mischung aus Horror und Humor zu tun. In dem Sinne, als dass die mysteriösen Ereignisse häufig einfach so abgedreht sind, dass sie schnell etwas lächerlich sein können. Und ich denke durchaus, dass dies gewollt ist. Ito geht es mehr darum seine verqueren Ideen aufs Papier zu bringen, als einen total zu ängstigen. Zumindest kommen seine Geschichten für mich immer so rüber. Natürlich ist es, wenn ich strickt darüber nachdenke, eine schreckliche Idee, wenn ich mich plötzlich in Schleim auflösen würde. Als theoretische Idee schon. Aber ein wenig schmunzeln muss ich schon, wenn das die Form annimmt, dass Yuma mit seinen Entschuldigungen wortwörtlich den Leuten das Hirn auflöst.

Vampire Hunter D XXIV & XXV

Willkommen zurück beim Halbvampir, der Vampire jagd, in seiner neunzehnten und zwanzigsten Jagd auf Vampire. In der US-Auflage Band Nummer 24 und 25 dann. Ein Viertelhundert ist voll, und wir haben bei der jährlich erscheinenden Reihe gerade mal auf das Jahr 2008 aufgeschlossen. Ich glaube ab jetzt lasse ich es dabei auch bleiben.

In Throng of Heretics erwachen die Überlebenden des Zeno-Vampirclans, nachdem vor Jahrhunderten die örtliche Bevölkerung einen Großteil von ihnen dahingemeuchelt hat. Die sind also auf Rache an deren Nachkommen aus. Darunter auch der Bürgermeister der Stadt, der zum Schutz mehrere Vampirjäger angeheuert hat. Dummerweise ist seine Tochter auch gerade auf dem Weg vom Studium in der sicheren Hauptstadt zurück in die Heimat und wird prompt entführt. Letztendlich führt es D in den ewiglich einsam und verlassen durch die Gegend fahrenden High-Tech-Zug des ehemaligen Lords zum Showdown.

Bei Undead Island ist es hingegen so, dass in unmittelbarere Nähe eines Fischerdorfes eine verbotene Insel liegt. Dort hat es mal einige Bewohner durch die Sirenenrufe der Vampirnobilität hingezogen, die nie wieder aufgetaucht sind. Aktuell ist dies wieder geschehen, und bevor die Dörfler zu unsterblichen Vampirsklaven gemacht werden können, macht sich ein Rettungstrupp auf den Weg auf die Insel. Auf der auch D in Privatangelegenheit ist.

Interessant an den Geschichten ist natürlich wie immer nicht der Charakter von D an sich. Der unsterbliche, unbesiegbare, wunderschöne Superdhampir, dem niemand das Wasser zu reichen gewachsen ist. Oder auch nur das Recht besäße mit dem Gedanken an Wasser in seiner generellen Nähe aufzutauchen. Aber das sich an den elementaren Fehlern der Reihe nach zwanzig Geschichten was ändert, habe ich nicht erwartet. Ausnahmsweise ist es sogar zumindest mal Story-relevant. Denn die Tragödie zwischen Vampirgräfin und ihrem unsterblichen Gemahl in Undead Island geht darauf zurück, dass D den Kerl zum Cuck gemacht hat, da die Gräfin D nicht wiederstehen konnte.

Ansonsten sind es eher wieder die Nebencharaktere und wann immer sie ins Zentrum der Geschehnisse kommen, am Besten noch nachdem sie von ihrem Superretter D getrennt wurden, bei denen Leben in die Geschichte kommt. Die agieren immerhin nicht im God Mode und dürfen sich sogar zu Emotionen hinreißen lassen. Gerade der Junge, der in Throng of Heretics alles darum gibt, die Tochter der Bürgermeisterin zu retten. Sowie das toughe Mädel in Undead Island, das sich in die Rettungstruppe eingeschlichen hat.

Eine weitere Sache, die in den beiden Geschichten mal wieder etwas stärker mitschwingt, ist die gewisse Einsamkeit und Traurigkeit, die bei der Nobilität mitschwingt. Die Unsterblichen, die im Größenwahn kolossale Schlösser und Anlagen bauten. Alle hypertechnologisiert aber im romantischen Vampirlook. Und dann doch dem Untergang anheimgefallen sind, teils gar nicht unwillentlich. Jetzt nur noch vereinzelt aus Zeit und Macht gelöst in ihren ehemaligen Festungen hausend, überall weiterhin funktionierende aber nicht mehr gebrauchte oder verstandene Mechaniken hinterlassend. Gerade der gigantische Zug mit seinen nur zwei übriggebliebenen Vampirpassagieren ist hier ein gutes Beispiel für diese Atmosphäre.

Was in Sachen Throng of Heretics übrigens noch erwähnenswert ist, ist die Veröffentlichung. Das war nämlich, bevor es in einen Sammelband gefasst wurde, ein Phone Novel. Die gerade in Japan unter jungen Erwachsenen beliebte und Anfang des Jahrtausends aufgekommenen Phone Novels sind im Prinzip Fortsetzungsgeschichten, die wöchentlich um ein paar Seiten erweitert eben über den Handyanbieter aufs Mobilgerät geladen werden konnten. Das verändet natürlich die Struktur wesentlich, da nun jedes dieser Teile einen gewissen Biss haben muss und die Geschichte in kleineren Etappen geschrieben wird, dafür aber zu regelmäßigen Deadlines fertig sein musste. Kikuchi scheint im Nachwort das nicht super überzeugt zu haben. Und ganz ehrlich gesagt hinterlässt die Geschichte auch das Gefühl, nicht gut durchgeplant, sondern eben so nach und nach spontan erweitert worden zu sein. Es fehlt hier etwas an der Throughline.

Fangs

Ich habe einen Comic gelesen! Das passiert nicht allzu häufig. Mancher mag jetzt sagen das ich ja mal zehn Jahre lang sehr viele Manga, also japanische Comics, gelesen hätte. Aber als ein richtiger Dating-Sim-spielender, Filme in OmU sehender, Lamento One Coin Figures besitzender Weeb behaupte natürlich ganz strickt, dass das ein himmelweiter Unterschied ist. Wäre ich jemand, der sich wirklich mit (westlichen) Comics auskennt, würde ich eh den Begriff Graphic Novels satt Comics benutzen, um mir vormachen zu können, dadurch mehr Prestige zu haben.

Aber was habe ich denn überhaupt gelesen? Passend zum Halloween-Monat wäre das Fangs von Sarah Andersen. Der Autorin von Sarah’s Scribbles, wie das Cover verrät. Diese kurze Comedy-Strips sind mir übrigens bekannt, denn ich folge ihr auf Twitter, wodurch sie mir regelmäßig in die Timeline gespült werden und ich kann das nur weiterempfehlen (@SarahCAndersen folgen).

Prestige, um sich über schnöde Comics erhaben zu fühlen, bringt übrigens auch Fangs mit. Denn es ist im Taschenbuchformat mit Hardcover und im roten Plüscheinband mit schwarzen Stanzdruck gehalten. Der schwarz-weiß gezeichnete Inhalt kommt auf dickem Hochglanzpapier statt der üblichen Wegwerfware. Dadurch wirken die 100 Seiten gleich auch dicker und der Preis von 15$ gerechtfertigter. Die Rückseite wird nicht unnötig von Werbetexten oder sonstigem Aufdruck, abgeshen eines kursiven „I want your love BLOOD“, gestört, minimalistisch-edel ist hier die Ansage. Verlag/Preis/ISBN kommen stattdessen auf einem abnehmbaren Pappreiter daher, auf dem aber auch zum Inhalt nur der eine Satz „A love story between a vampire and a werewolf“ zu vernehmen ist.

Da mag man ja fast einen kitschigen YA-Roman über einen hübschen, romantischen Stalker und sein durschnittliches sofort Hals-über-Kopf verliebtes Opfer erwarten, wenn man diese Zeile und den Einband so sieht. Dem ist natürlich nicht so, denn Andersen bleibt ihren Humor-Wurzeln treu.

Und ihrem gewohnten Format. Denn auch in Fangs gibt es wie bei den meisten Webcomics keine übergeordnette Handlung, sondern nur eine verbindende Thematik. Jede Seite, die maximal 4 Panels enthält, ist also ein relativ in sich abgeschlossenes Ereignis mit einer eigenen Punchline. Tatsächlich ist Fangs ursprünglich als Webcomic erschienen und um 25% erweiterten Inhalt nun ins plüschige Hardcover gepresst worden.

Besagtes verbindendes Thema ist natürlich die Beziehung zwischen Vampir Elsie und Werwolf Jimmy. Im Gegensatz zu so vielen anderen übernatürlichem Lore sind jene Monster nicht von Natur aus Totfeinde. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass ihre Beziehung nicht dennoch gewisse Hürden mit sich bringt. Knnoblauch essen ist out – sollte aber auch in einer nicht vampirischen Beziehung vermieden werden, wenn man Wert aufs Küssen legt. Ein weiterer Abturner ist, morgens die Vorhänge für die aufgehende Sonne zu öffen, um frisch in den Tag zu starten, wenn aus der Vampirfreundin kein Kohlebricket werden soll. Die wiederum muss sich ihre über Jahrhunderte angesammelten Vintage-Accessoires aus Silber abgewöhnen, wenn sie ihren Werwolffreund berühren will. Die Beziehung bringt allerdings auch Vorteile mit sich. Ist es im Sommer unerträglich heiß, kann sich Jimmy immer an den leichentot-kalten Körper von Elsie schmiegen. Während sie zu jedem Vollmond mit einem übergroßen Hund kuscheln darf.

Und so liest es sich geschwind durch die kurzen Comic-Strips, die eine überraschend wholesome Beziehung zwischen den beiden porträtiert. Mit ganz außergewöhnlichen aber doch alltäglichen Problemen, die hauptsächlich in Legenden um Vampire und Werwölfe fußen… oder auch einfach den Hundestatus von Jimmy beispielsweise aufs Korn nehmen, wenn er nicht wiederstehen kann selbst in menschlicher Form Eichhörnchen zu jagen. Mit viel Charm und Herz und vor allem ganz viel des üblichen geistreichen Humors und Situationskomik, die man von Andersen gewohnt ist. Was ein angenehmes quirliges kleines Lesevergnügen.

The Iron Duke

The Iron Duke ist der erste Roman einer Reihe von Fantasy-Romance. Diesmal allerdings kein Young Adult, wobei da die Übergänge in der Regel eh fließend sind und sich eher daran festmachen, wie häufig und heftig die Sexy Times sind. Geschrieben wurde es von Meljean Brook, die so einige Bücher in ihrem Repertoire hat, welche aber in der Regel alle unbekleidete Sixpacks auf den Covern haben.

Die Geschichte spielt im viktorianischen England, allerdings mit dem Twist, dass wir zudem im Steampunk sind. Und sowieso in Alternative History. Denn „Die Horde“, a.k.a Mongolen, hatten Europa mit ihrer überragenden Technologie überrannt. Inklusive England, wo sie den Einwohnern Maschinen, „Bugs“, eingepflanzt haben. Diese hielten sie kräftig und gesund, allerdings auch absolut dem Sendesignal der Horde ausgeliefert. Um sie zu arbeitswilligen Sklaven ohne eigene Gefühle zu machen. Zumindest solange, bis Arbeiternachwuchs ranmusste, und ein anderes Signal ausgestrahlt wurde, welches alle in notgeile Raserei brachte. Der berüchtigte Pirat Rhys hat jedoch eines Tages im Alleingang den Sendeturm der Horde in die Luft gejagt und alle von deren Fremdkontrolle befreit. Jetzt leben die Engländer wieder selbstbestimmt. Unter ihnen auch Mina, die aus der Verbindung ihrer Mutter und einem Mann der Horde während des Brunfstsignals entstanden ist. Obwohl sie es also bei der Polizei weit gebracht hat, wird sie ob ihres mongolischen Aussehens vielerorts schlecht behandelt.

Natürlich bekommen wir diese Hintergrundgeschichte und die ganzen technologischen und historischen Besonderheiten dieser Welt nur so nach und nach erzählt. Das Buch an sich beginnt damit, dass Mina endlich von einer ihr lästigen Party (sie kommt aus verarmten Adelshaus) weg darf, weil es einen Todesfall zu investigieren gibt. Sie staunt nicht schlecht, als sie herausfindet, dass dies im Anwesen des Iron Dukes passierte, ehemaliger Pirat Rhys der durch die Befreiung Englands natürlich ordentlich Reichtum und soziales Ansehen erlangte. Oder besser gesagt es geschah in der Einfahrt, denn jemand hat einfach von einem Flugschiff aus dem Iron Duke eine Leiche vor die Haustüre geworfen. Dies führt bald zur Erkenntnis, dass irgendwer das ehemalige Flagschiff des Ex-Piratens, welches er der Royal Navy übergeben hatte, entführte und nun auf dem Schwarzmarkt eine Waffe kaufen will, die eine starke Bedrohung Englands werden kann. Der jüngere Bruder von Mina war dann noch ausgerechnet auf dem Schiff.

Rhys würde das eigentlich selbst regeln, kann sich aber nicht davon abbringen, Mina doch mitzuschleppen. Denn er hat sich auf den ersten Blick in sie verguckt. Was zunächst nur sexueller Besitzanspruch war, macht ihn über jede Zurückweisung Minas aus nur umso interessierter an der Person der charakterstarken Frau an sich. Mina hingegen könnte sich nie dem kernigen Supermann Rhys hingeben. Nicht wegen irgendwelcher Moralvorstellungen, die sind in der hiesigen alternativen Realität gar nicht viktorianisch. Nein es würde Mina und ihre Familie ins Rampenlicht rücken mit dem Helden Englands anzubandeln, und dies nur umso mehr Spott auf sie mit ihrem Hordenblut ziehen.

Natürlich verfallen die beiden einander. Und natürlich gibt es dann doch wieder dämliche Missverständnisse von beiden Seiten, die mehr ermüden denn der Spannung wirklich zugänglich sind. Wobei es interessant ist, dass The Iron Duke, obwohl es das erste Buch einer Reihe ist, als in sich abgeschlossen betrachtet werden kann. Kein offenes Ende, kein zwar abgeschlossenes Einzelabenteuer aber mit Aussicht auf mehr kommend. Das war immerhin nett. Umso weniger erklärt sich mir diese Verkomplizierung kurz vor Ende des Buches, wenn es die beiden eben nicht fürs nächste wieder auseinanderbringen sollte, sondern sie sich doch wieder versöhnen.

Der Rest der Romanze war so schlimm allerdings gar nicht. Was auch dadurch geholfen ist, dass The Iron Duke in erster Person geschrieben ist, jene Person aber zwischen Mina und Rhys hin und her springt. Deswegen wissen wir als Leser eigentlich immer, was deren Beweggründe und ihr Gefühlsleben ist. Das hilft vor allem dann, wenn Rhys ganz wie in Romance Lit üblich, zu Beginn auch stark übergriffig rüberkommen kann. So ganz Ok ist sein Verhalten immer noch nicht, aber es wird ein wenig relativiert, wenn bekannt ist, was dahintersteckt und was Mina so davon hält. Ich hätte dennoch durchaus ein wenig weniger häufig lesen können, wie sehr er sich doch wünscht, Mina unter sich winden zu sehen, und wie ihre Ablehnung ihn nur heißer macht. Das gute alte Paradox, dass Rhys sie als starke Frau bewundert, aber dennoch einen übertriebenen Beschützerinstinkt entwickelt, ist auch mal wieder da. Aber da hat das Genre an sich sowieso ein Identitätsproblem, wenn es darum geht so einen richtig kernigen sexy Kerl zu haben, der aber halt nur auf die richtige sexy Art ein Macho ist. Die Hauptakteurin eine starke selbstständige Frau sein zu lassen, die aber doch irgendwo drauf stehen darf, von ihm dominiert und beschützt zu werden, wenn sie nur ein oder zwei Mal ihren Unmut darüber verbalisiert.

Und ich muss sagen irgendwo habe ich ja auch eine gewisse Schwäche für solche Liebesgeschichten. Auch wenn der Kopf sagt, dass das alles ein schizophrenes Durcheinander ist, geht das Herz doch mit. Da bin ich wohl zu sehr durch meine Boys Love Vergangenheit auch vorbelastet, in denen die Beziehungen keinen Deut besser sind. Manchmal darf man sich ein wenig von seiner Fantasie verhätscheln lassen, statt immer alles Kopfgesteuert auseinandernehmen zu müssen.

Was bei The Iron Duke halt zudem dadurch funktioniert, weil es eh Alternative History ist. Wenn dann der europäische Kontinent zum Großteil entvölkert und von Zombies überrannt ist. Wenn die meisten Leute halb Mensch und halb Maschine sind. Wenn es mit ihrgenwelchen zu bindenden Schleifen zu befestigende Proto-Kondome gibt, bei denen ich nie verstanden habe, wie die halten sollen. Wichtig sind sie natürlich, denn der Iron Duke fickt. Merhmals und ausgiebig im Detail beschrieben. Das ist es doch gut zu wissen, dass die auf sich achten.

Doch letztendlich muss ich echt zugeben, dass zwar viel eventuell nicht ganz realistisch praktikabel rüberkommt, die Steampunk-Welt aber auf jeden Fall dicht ausgedacht ist. Dadurch ist mehr über sie zu erfahren durchaus einer der interessanten Punkte des Buches. Als Abenteuerroman funktioniert es ebenfalls gut, denn es kommt zu genug gut geschriebener Action. Schlecht geschrieben ist das Buch auf gar keinen Fall, egal um welchen Aspekt es geht.

Ich fand es auf jeden Fall ziemlich unterhaltsam. Sowohl was den Fantasy-Roman- wie den Liebes-Roman-Teil anging. Ersterer ist aber auf jeden Fall der bessere der beiden Parts. Ich wäre zumindest nicht ganz abgeneigt der Serie weiter zu folgen.

Mother to Mother

Mother to Mother ist ein Buchd er südafrikanischen Schriftstellerin und zweitweise UN-Mitarbeiterin Sindiwe Magona. Es behandelt eine fiktionale Geschichte stark inspiriert vom Amy-Biehl-Mord kurz vorm Ende der Apartheid. Und mit einem besonderen Twist.

Amy Bhiel war eine weiße Aktivistin, die im Township Guguletu von einem Mob Schwarzer umgebracht wurde. Das ist also auch der Aufhänger von Mother to Mother. Allerdings ist es nicht eine Geschichte, die aus dem Blickwinkel des Opfers erzählt wird. Auch nicht aus dem Blickwinkel des Täters. Sondern es ist die Täter-Mutter Mandisa, die der Mutter Amys schreibt. Sie beteuert keine Unschuld ihres Sohnes, sie bittet nicht wirklich um Vergebung, sondern sie möchte darauf aufmerksam machen, wie es zu dem tragischen Vorfall kommen konnte. Wie das Apartheid-System mit seinen strengen Segregations-Gesetzen sowohl die schwarze Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg niedergedrückt als auch die Flammen der Revolte gerade bei den Jüngeren entfacht hat. Dass Amy ein Symbol war. Nachdem die weiße Regierung den Schwarzen schon alle Rechte genommen hat und ihnen nur das Leben in den Dreckslöchern von Townships gewährt, wie schnell dann eben die Situation eskaliren kann. Wenn eine Weiße die „Dreistigkeit“ hat, selbst noch in diesen letzten Bereich der Schwarzen einzudringen. Dass es dann egal ist, dass sie unschuldig ist. Das sie helfen will. Amy ist nicht mehr Amy, sondern Amy ist das Symbol der Unterdrücker.

Mandisa als die Erzählerstimme zu nutzen hat natürlich enorme Vorteile. Denn letztendlich ist der Mord nach dem Beginn nicht mehr der zentrale Fokus des Buches. Es geht um das Apartheid-System, und das gibt es immerhin nicht erst seit 1993 wenn der Mord geschieht, sondern existiert da schon fast ein halbes Jahrhundert. Mandisa kann also viel mehr davon erzählen, viel weiter zurückgreifen. Wie die Schwarzen aus ihren Nachbarschaften, die sie sich erbaut haben und in der sie eine Community waren, die sie Heimat nannten, in die Townships zwangsumgesiedelt wurden. Dahin, wie eine versehentliche Teenager-Schwangerschaft ihre schulischen Zukunftsaussichten zerstörte. Wie ihr Sohn in Guguletu zwischen Apathie und Gewalt aufwuchs.

Sindiwe Magona geht es dabei auch eindeutig mehr darum, ein möglichst komplettes Bild zu formen, auch wenn das mit narrativen Regeln bricht. Das Buch ist in erster Person von Mandisa geschrieben. Dadurch wirkt das Geschehen natürlich direkter und persönlicher, und es funktioniert gut damit, dass dies eine direkte Ansprache an eine andere Person, Amys Mutter, ist. Gleichzeitig würde das streng genommen allerdings alle Szenen exkludieren, bei denen Mandisa nicht dabei war. Wie beispielsweise der Mord an Amy. Mit der Regel wird allerdings einfach gebrochen und Mandisa impliziert manchmal schlicht, was sie denkt wie ein Ereignis gelaufen ist was sich Leute gedacht haben, wenn sie selbst die Infos eigentlich nicht haben düfte.

Wobei für mich der Anfang etwas schwerlich war. Das erste Kapitel ist „Mandisa’s Lament“ und trägt diesen Titel nicht umsonst. Es ist der Beginn des Rahmens, der Brief von Mandisa an die andere Mutter, bevor der richtige Hauptteil der Geschichte anfängt. Und bevor wir noch richtig was über Mandisa wissen, bezeichnet sie bereits ihren Sohn als denjenigen, der ihr Leben durch seine blose Existenz zerstört hat. Und betreibt Victim Blaming gegenüber Amy, weil sie es hätte besser wissen sollen, statt als Weiße im Township aufzutauchen. Und das auch noch im Narrativ als direkt an die Mutter der Toten gerichtet! Mandisa hatte nach so einem Start ordentlich damit zu kämpfen, mir noch sympathisch werden zu wollen.

Gewonnen hat sie den Kampf. Weil das Buch eben hauptsächlich über eben in der Apartheid ist. Wie das System sie von Kindheit an im Stich gelassen hat und gegen sie gerichtet ist. Und auch wie lange sie bereits in ihm lben musste, immerhin ist sie bereits eine erwachsene Frau mit drei Kindern. Bereits zu ihrer Kindheit gab es Proteste gegen die schlecht ausgestatteten Schulen für Schwarze, und die sind Jahrzehnte später immer noch am Laufen. Weil sich nichts geändert hat. Weil sich keiner darum schert die Situation der Schwarzen zu verbessern, etwas gegen Apartheid zu tun. Zumindest niemand, der wirklich die Macht hat was zu ändern. Nachdem sie in ihre Townships weggesperrt wurden, nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Zu To Kill a Mockingbird hatte ich geschrieben, dass ich es etwas schade fand, ein Buch aus der Sicht eines weißen Mädchens über Rassismus zu lesen. Dass dort keine schwarzen Stimmen echter Betroffener zu Wort kamen. Nun, ich habe meinen Wunsch in Mother to Mother bekommen. Ein Buch aus der Sicht einer schwarzen Frau, die von den Jahrzehnten des Apartheid-Systems gebrochen wurde. Eine schwarze Stimme zum Thema. Und es ist ziemlich schrecklich und deprimierend. Kein netter Lesestoff, kein Buch das man lesen „mag“. Und wahrscheinlich am besten wirklich für diejenigen, die sich bereits fürs Thema interessieren, statt als allgemeine Leseempfehlung zu dienen.

Boogiepop and Others

Boogiepop hat so eine seltsame Verbindung mit mir. Kennt ihr das, wenn man irgendwann irgendwo mal von was gelesen hat, es dann aber dennoch nie selbst konsumierte, es einem aber alle paar Jahre durch irgendwas wieder ins Auge fällt? Und dann denkt man sich so „Ach ja, da hatte ich mal was drüber glesen“ und vergisst es wieder. Früher, als ich noch jung war und mehr Anime konsumierte, als das gut für einen ist, laß ich nämlich mal in einer AnimaniA von Boogipop Phantom. Einem Anime, welches wirr klang, und bei dem ich gar nicht mehr weiß, ob der Reviewer es gut oder schlecht fand, auf jeden Fall fand er oder sie es anstrengend. Glaube ich. Seit den letzten 15 bis 20 Jahren fällt mir also immer mal wieder sehr unsporadisch dieser Artikel über dieses mysteriöse Import-Anime ein. Anfang der 2000er hatten Medien, die nicht im eigenen Land erschienen waren, irgendwie automatisch diesen interessant-gemeinen Hauch, besonders wenn es wie im Falle von Boogiepop Phantom dann tatsächlich auch etwas aus der Reihe fällt.

Boogiepep Phantom ist aber nur ein einzelner Auswuchs eines wesentlich größeren Multimedia-Aufgebotes und ein Seitenprodukt eines ganz anderen medialen Grundsteins. Das ursprüngliche Boogiepop ist nämlich eine Reihe an Light Novels. Das sind besonders dünne Bücher, einfach zu lesen und häufig hübsch illustriert, die sich an ein jüngeres Publikum richten. Boogiepop ist nicht das erste davon, wird aber immer wieder als eine der ersten Serien genannt, die den Light-Novel-Boom der 2000er mitverantworten müssen. Seither sind fast zwei Dutzend Light Novels erschienen, gibt es Sidestories, Manga-Adaptionen, einen Live Action Film und nebst Boogiepop Phantom mittlerweile auch eine zweite Anime-Serie.

Das erste Buch, Boogiepop and Others, ist noch sehr kurz gehalten. Oft ziehen sich Story Arcs in Light Novels über mehrere Bände, wird auch später hier der Fall sein, doch das erste Volumen ist noch in sich abgeschlossen und dementsprechend eher simpel. Zumindest von der groben Handlung, die darin wiedergegeben wird, her. Keiji ist ein Teenager und wartet gerade auf seine Freundin Touko. Als ein merkwürdiger Kerl auf der Straße zusammenbricht. Alle ignorieren das, bis ein Junge im komischen Aufzug und mit dem Gesicht von Touko sich einmischt. Keiji ist perplex, da nämlich Touko nie aufgetaucht ist und später gar nichts von ihrer Verabredung gewusst haben will.

Das erklärt ihm der seltsame Junge auch, als sie sich das nächste Mal treffen. Er ist Boogiepop und übernimmt, wenn Not am Mann ist, den Körper von Touko. Aktuell geht an der Schule ein Menschenfressender Manticore um, und Boogiepop ist erwacht, um ihn zur Strecke zu bringen. Aus Selbstschutz vergisst Touko die Anwesenheit von Boogiepop und alles, was dem im Wege stehen könnte, also auch wenn sie deswegen Keiji versetzt.

Keiji findet Boogiepop interessant und über weitere Treffen sind sich die beiden eindeutig sympathisch. Bis Boogiepop deklariert, dass der Manticore ausgeschaltet ist, jemand anderes hat sich drum gekümmert, und das er deswegen nun wieder verschwinden wird. Das ist allerdings nur das Ende des ersten Kapitels.

So simpel die Handlung ist, so kann dies definitiv nicht auch von der Struktur des Buches gesagt werden. Jedes Kapitel trägt nämlich den Namen eines anderen Charakters. Und erzählt dann auch nur dessen Involvenz mit den aktuellen Ereignissen und Boogiepop nach. Alles, was geschieht, wenn der Charakter nicht dabei ist, hinterlässt Lücken. Die dann in einem anderen Kapitel von einem Charakter gefüllt werden, der vor Ort war. Die Boogiepop-Bücher sind also nicht chronologisch und nicht von einem allwissenden Über-Ich erzählt, sondern bestehen aus diversen Puzzle-Fragmenten, die sich nach und nach zu einem gesammten Bild zusammenfügen. Keiji findet nur die Grundlagen über Boogiepop heraus. Ein anderer Charakter erfährt Dinge über den Manticore. Ein weiterer hängt mit der anderen Figur zusammen, die den Manticore jagt. Und erst im letzten Kapitel finden wir heraus, wie jener ausgeschaltet wird, wenn ein wieder anderer Charakter im Prinzip zufällig in den Entscheidungskampf hineingezogen wird.

Es ist auch einfach zu sehen, warum es bei Teens damals so gut angekommen ist. Die Struktur ist interessant und lässt die Geschichte mysteriöser wirken, als der Standard-Plot eigentlich hergibt. Boogiepop ist eine vage und geheimnisvolle Figur. Alle Charaktere sind Schüler und reflektieren so auch den allgemeinen Unmut der Altersgruppe. Das die Lehrer mehr mit dem Ansehen der Schule beschäftigt sind, als dass man auf ihre Hilfe zählen könnte. Der Prüfungsstress vorm Abgehen. Die Rebellion gegen zu strickte Regeln. Und natürlich der Hook, dass auch dir ganz normalem Durchschnittschüler was Besonderes geschehen könnte!

Ich persönlich fand das Buch hingegen eher langweilig. Weil echt einfach nicht viel dran ist, wenn man die besondere Struktur mal außer Acht lässt. Die eigentliche Geschichte ist kurz und simpel und genau genommen geschieht gar nicht viel. Sie ist auch nicht sonderlich spannend erzählt, sondern zählt komplett darauf, dass die achronologische Erzählstruktur mit den dadurch aufkommenden Puzzle-Lücken beim Leser bereits genug Interesse aufbringen, um wissen zu wollen, was als nächstes passiert bzw. was bereits geschehen aber noch nicht erzählt ist.

To Kill a Mockingbird

To Kill a Mockingbird ist ein Roman von Harper Lee, der in 1960 publiziert wurde und im amerikanischen Süden der 1930er angesiedelt ist. Das Ding nennt sich Bildungsroman, weil er bis Heute gerne gelesen wird, um Schülern die Thematik Rassismus näherzubringen. Immerhin spielt es zu einer Zeit, wo jener sogar noch overter war als jetzt.

Zusammenfassungen fokussieren sich dabei gern darauf, dass es im Buch um eine Gerichtsverhandlung gegen den Schwarzen Tom geht, der beschuldigt ist eine weiße Frau vergewaltigt zu haben, und dass der Vater der Protagonistin Scout ihn vertreten muss. Dies ist allerdings leicht irreführend. Denn eigentlich geht es wesentlich mehr darum, wie Scout aufwächst. Das Buch spielt während ihrerer ersten Jahre auf der Schule und fast der komplette Part I, der auf Seite 124 von 309 erst endet, beschäftigt sich mit ihrer Kindheit in der Südstaatenstadt und hat noch fast nichts mit dem Verbrechen bzw. der Verhandlung zu tun.

So richtig ihr Leben auf den Kopf gestellt wird natürlich, sobald ihr Vater als Verteidiger von Tom auftritt. Denn er spielt nicht nach den ungeschriebenen Gesetzen der Gesellschaft um ihn herum. Für ihn sind tatsächlich alle vor dem Gesetz gleich. Eigentlich wird von ihm erwartet, dass er sich nicht groß anstrengt und man somit schnell den Schwarzen verurteilen kann und gut ist. Atticus nimmt sein Mandat aber ernst. Und wie sowohl mit Tom aber auch teilweise der Familie von Atticus aufgrund dessen umgegangen wird, lässt Scout und ihren Bruder Jem als Kinder plötzlich merken, in was für einer Gesellschaft sie aufwachsen, was jene von Schwarzen hält, und von jenen, die mit ihnen symphatisieren. Nämlich eine inherent rassistische Umwelt, in der alles gegen die Rechte von People of Color gerichtet ist.

Während ich zunächst fast etwas ungeduldig mit dem langen ersten Teil war, eben weil es nicht zum „guten Teil“ bzw. Hauptpunkt der Geschichte, die ich erwartete, kam, finde ich die Herangehensweies mittlerweile besser. Ich dachte halt echt, dass die Gerichtsverhandlung den Hauptteil des Buches ausmachen würde, statt erst in Part II zu geschehen und eigentlich auch schon nach wenigen Kapiteln vorüber zu sein. Die ist natürlich immer noch wichtig, immerhin ist so so ein wenig der Nukleus, um den sich die Realisierung von Scout und ihrem Bruder dreht. Ohne sie hätten die beiden wahrscheinlich die Gesellschaft um sich herum nie zu hinterfragen begonnen. Immerhin ist es eine sehr starke Szene. Besonders dann, wenn Tom vor Gericht aussagt, dass er der Frau bei den Hausarbeiten half, weil er Mitleid damit hatte, dass ihr sonst keiner hilft. Wie nett von ihm. Aber die anwesenden Weißen im Gerichtssaal sind alle schockiert und erzürnt über so eine eigentlich harmlose Aussage. Weil ein Schwarzer sich erdreistet hat Empathie gegenüber einer Weißen zu zeigen, weil er sie damit in ihren Augen herabsetzt, weil ja eigentlich er derjenige ist, der rassisch unter ihr zu stehen hat.

Dass allerdings der Großteil des Buches mehr um das Drumherum und Aufwachsen in der Community geht, zeigt das größere Problem. Der Rassismus zeigt sich nun eben nicht nur insular in dieser einen Gerichtsverhandlung und betrifft nur die beteiligten Personen. Nein es ist ein Gesamtgesellschaftliches Problem der Zeit und des Ortes, in dem Scout aufwächst. Und zeigt auf, wie Kinder solche Attitüden auch verinnerlichen, wenn sie nicht rechtzeitig hinterfragt werden. Scout muss beispielsweise einen Freund von sich aus dem Gerichtssaal begleiten, weil der unfaire Umgang gegenüber Tom ihn so aufwühlt. Scout kann sich das gar nicht erklären und meint in etwa „Was ist das Problem, er ist doch nur ein N*“. Für Scout, die jünger als ihr Bruder und der Freund ist, ist das Verhalten Tom gegenüber bis hierhin noch ganz normal, weil sie in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, in der das der gewohnt Umgang mit Schwarzen ist.

Rassismus ist allerdings nicht das einzige Thema im Buch, sondern die übergeordnette Thematik der Vorurteile zieht sich allgemein hier hindurch. Wer nicht den sozialen Normen entspricht, wird bestenfalls komisch angeschaut. Beispielsweise haben die Kinder einen Nachbarn, der nie das Haus verlässt. Und dadurch zur Spukgestalt für sie wird, der nachts durch die Gegend streicht und Gottweißwas macht. Dabei ist der introvertierte Kerl ein ganz netter, wie sie gegen Ende herausfinden und neben Tom ein zweiter Charakter, auf den sich der Titel des Buches beziehen lässt. Gender-Vorurteile kommen auch verstärkt vor. Zum einen, weil Scouts Vater oft als Schwächling angesehen wird, nur weil er nicht die typischen Dad-Sachen macht wie mit Knarren um sich zu schießen. Und Scout selbst bekommt immer wieder Ärger von ihrer Tante Alexandra, weil sie nicht Ladylike genug ist. Schon fast ironisch, dass Scout so schnell selbst Vorurteile entwickelt, obwohl sie selbst unter ihnen zu leben hat.

Etwas schade, wenn auch nachvollziehbar, ist, dass keine schwarzen Stimmen vorkommen. Überhaupt sind Afroamerikanische Rollen dünn besetzt. Wir haben halt mal wieder ein Buch über Rassismus von einer und durch die Augen einer Weißen. Dazu kommt noch dieser biographische Einschub und der Perspektive der ersten Person eines kleinen weißen Mädchens. Hierdurch gestaltet sich viel vom direkt wahrgenommenen Rassismus dadurch, wie die Nachbarn die Familie von Scout behandeln. Es gibt also viel Wehklagen darüber, dass schlecht über diese arme weiße Familie geredet wird, weil sie einen Schwarzen verteidigen. Die wenigen weißen Rollen, die wie mit Tom umgegangen wird schlecht finden, klopfen sich selbst auf die Schulter, weil sie besser sind. Derweilen hat kein schwarzer Charakter je direkt irgendwas über Rassismus zu sagen.

Das ist im hiesigen Fall natürlich etwas unfair zu bemängeln. Welches Buch eines Schwarzen und dann auch noch über Rassismus wäre schon in 1960 publiziert worden? Und das ein weißes Mädchen im Süden der 1930er wenig mit Schwarzen zu tun bekommt und die sich ihr gegenüber sicherlich nicht über das Thema öffnen würden, ist ja auch irgendwo klar. Beim Lesen kann die „White Saviour“-Trope halt manchmal schlecht aus dem Hinterkopf zu verdrängt werden.

Letztendlich ist es halt gut ersichtlich, warum To Kill a Mockingbird so gern als Bidlungsroman herangezogen wird. Zum einen ist es natürlich eine gute Zeitkapsel in eine Region und Zeit, die hochgradig rassistisch war, obwohl zumindest die Sklaverei offiziell bereits abgeschafft war. Aber auch zur Realisierung, dass dies gar nicht mal so lange her ist. Und man kann halt hierauf aufbauend gern die eigene Gesellschaft hinterfragen, in der man aufgewachsen ist, und ob es dort nicht auch intrinsischen Rassismus gibt, den man so nur teils noch nicht wahrgenommen hat. Darauf einen Schokokuss, meine Lieben.

Vampire Hunter D XXII & XXIII

Mehr vom Vamp-Jäger mit Initialien-Namen D. Künstler, die denken, nur einen Vornamen zu brauchen, haben noch gar nicht die richtige Coolness entdeckt, sogar nur einen einzelnen Buchstaben zu benötigen, und schon weiß jeder, wer gemeint ist.

Die aktuellen Geschichten sind benannt White Devil Mountain, welches in Japan Part 1 und 2 des Volumen 17 sind, in Amerika zu Band 22 zusammengefasst wurden, und Iriya the Berserker, welches als Oneshot Volumen 18 respektive Buch 23 füllt und somit nur die halbe Lesefreude fürs Geld bietet.

In White Devil Mountain crashlandet ein Frachter, der eigentlich einen mit Ketten gebundenen Sarg eines Vampirnoblen überbringen sollte, auf besagtem Berg. Natürlich nicht zufällig, denn der darin befindliche Gilzen hatte hier sein Schloss und will zu seinem Ruhm zurückkommen, nachdem andere Vampire, inklusive seiner eigenen Mutter, ihn für so gefährlich hielten, dass sie in gekettet und vergraben haben. All das nur, weil er andere Pläne hatte den Untergang seiner Spezies mit Hilfe von Alientechnologie zu verhindern, statt wie der Heilige Urvater Vampire und Menschen kreuzen zu wollen.

Doch D ist nicht alleine beim Bergsteigen, und ich meine damit nicht den nervtötenden Parasiten, den er in der Hand hat. Denn eine andere Jägerin, ein Söldner, eine Ärztin und ihr Bodyguard, sowie ein kleiner Junge, der seinen Vater an den Berg verlor, begehen ebenfalls den Aufstieg.

Vampire Hunter D ist dann am Besten, wenn es sich nicht viel um D dreht. Dabei bleibe ich. Über den gibt es eh nichts zu wissen. Abgesehen von den paar Kleinigkeiten, die sowieso jedes Buch ewiglich zu wiederholen sich genötigt sieht. Ist er das einzig Erfolgreiche Resultat der Versuche des Urvasters? Klar. Darf das nie voll ausgesprochen werden, weil er sonst sauer wird? Auch. Ist er so hübsch, dass jeder Frau, jedem Mann, und allem dazwischen sofort die Hose feucht vor Wollust wird? Natürlich. Ist er so Respekteinflösßend, dass jedem seiner Gegner sofort die Hose feucht vor Angstpipi wird? Das auch. Ist er kühl und Emotionslos und es total uncharakteristisch für ihn, wann immer er mehr als absolut nötig redet, sich um jemand kümmert, sich für jemandes Geschichte interessiert, obwohl das mindestens einmalig pro Buch geschieht? Jep. Ist er so unbesiegbar, dass selbst wenn Part 1 auf eine Cliffhanger mit einem aufgespießten D endet, man sich absolut sicher sein kann, dass er da Problemlos nach spätestens drei Sätzen in Part 2 wieder auf voller Höhe ist? Selbstredend.

Gewohnt sind also die Stellen in White Devil Mountain die interessantesten, wenn D von den anderen getrennt wird. Wenn wir die frischen Fähigkeiten der neuen Charaktere ausloten und sie um ihr Leben kämpfen müssen, ohne das Super-Halbvamp D mit einem Schulterzucken ganze Armeen für sie besiegen kann und dabei die Frisur auch noch dank Drei-Wetter-Taft perfekt sitzt.

Dennoch kann ich mich dem Gefühl nicht erwehren, dass es einen sogar noch interessanten Charakter gegeben hätte, um den sich das Buch hätte drehen können: Antagonist Gilzen. Via eines verlängerten Flashbacks in die Zeit, als er die Opposition gegen den Urvater bildete. Warum er einen anderen Weg einschlagen wollte und was seine Überzeugungen waren. Warum sich letztendlich selbst seine eigenen Verbündeten gegen ihn stellten. Dass D zu Beginn des Buches seine menschlichen Begleiter fragt, ob der Vampirismus nicht auch eine Form von Leben, ein neues Leben statt das Ende des Lebens darstellt, wird auch nie wieder aufgegriffen, und mal Teile dieser Bücher aus sicht des Vampiradels zu präsentieren, hätte diesen Blickpunkt erweitern können. Und wenn man schon doppelte Seiten füllen kann, wäre hierfür doch genug Platz. Doch stattdessen gibt es halt eben einfach die doppelte Anzahl an (zugegeben immer imaginiativer) Monster zu besiegen, bevor Gilzen gegen D verlieren darf. Und wirkt das Ende halt ausnahmsweise Mal nicht aufs letzte Kapitel überhastet.

In Iriya the Berserker trifft D hingegen auf die hübsche Iriya, die eigentlich wie ein Mädchen von nebenan wirkt, aber eine prämierte Jägerin ist. Seit eine Gruppe Vampire zum Spaß ihre Familie überfielen, die Eltern umbrachten, und die acht Geschwister vampirisierten und entführten, Iriya zum Sterben zurückliesen, hat sie Rache an jenen geschworen. Wenn sie kämpft, scheint Iriya zu einem anderen Menschen zu werden, und genau dahinter scheint ein Geheimnis zu stecken.

Es gibt übrigens auch einen Vampir in der Gruppe, der durchaus dem entgegensieht, von Iriya endlich für seine Sünden bestraft zu werden. Was mal wieder das übliche Baiting ist, dass der Vampiradel eben nicht nur aus Monstern besteht, sondern einige mehr oder weniger viel Menschlichkeit sich behalten konnten. Ich frage mich echt, warum Kikushi nie auf die Idee gekommen ist, mal stärker deren Blickwinkel einzubeziehen. Ist ja nicht so, dass der Mann keine prinzipiell guten Ideen hat, er schreibt nur häufig nicht über sie, sondern fällt auf seine Standard-Phrasen zu D und generelle Strukturen zurück, welche die Romane gern mal wie aus dem Baukasten zusammengesetzt wirken lassen.

Wenigstens ist die Geschichte von Iriya an sich relativ interessant geraten und mit viel dramatischer Tragik bestückt. Von daher kann immerhin gesagt werden, dass er diesmal nicht an der interssanten Geschichte vorbeigeschrieben hätte.

[FSS] The Chivalries

Das Ende ist erreicht, zumindest was die englische Auflage angeht, The Five Star Stories: The Chivalries in den Bänden 21 bis 26 bilden die letzte offiziell ins Englische übersetzte Story Arc der Saga. Die ist in Japan noch längst nicht abgeschlossen, hier nimmt jene die Volumen IX und X ein, mittlerweile ist man nach langen Pausen dort bereits bei XIV angekommen. Kein Ende in Sicht.

Bei The Chivalries handelt es sich allerdings ähnlich wie bei Trafficks um eher episodische Geschichte, diesmal sogar noch viel weniger zusammenhängend. Insgesamt zehn einzelne Episoden wird es geben, die stilistisch und zeitlich munter hin und her springen, und deren einziges Bindeglied, auch wenn gewisse Charaktere und Plotpoints in mehreren aufgegriffen werden, sind die benannten Chivalries. Die plötzlich wichtig und ständig genannt sind, obwohl sie in keinem vorigen Band je Erwähnung gefunden hätten. So ganz klar war mich auch gar nicht, was diese nun eigentlich sind. Mal präsentiert eine Geschichte es so, als wäre das einfach ein anderer Name für die Mechs steuernden Headdliner, oder deren Klassifizierung vor oder nach dem es in der Timeline keine Motar Headds mehr zum Steuern gibt. Und dann wieder mal sind sie besondere Headdliner, die selbst unter diesen Supermenschen noch eine Elite sind, oder schlichtweg nicht einem Reich untergeben sind. Dann wiederum ist das eventuell auch die Intention: Die Bedeutung von Worten ändert sich, und wenn die einzelnen Handlungen von 8300 Jahre vor der aktuellen Zeitrechnung bis zu 18000 Jahre nach ihr spannen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die Bezeichnung „Chivalries“ entsprechend morpht.

Was die einzelnen Stories stattdessen machen ist die Mythologie des Universums zu erweitern, oder schlichtweg Charakteren, die in vorigen Geschichten aufgetaucht sind, aber nicht wirklich beleuchtet wurden, eben nun ein wenig Licht zu schenken. War ja schon immer ein wenig mein Kritikpunkt mit der Saga, dass extrem viele Charaktere vorkommen, die dann aber schnell verheizt sind, und von denen nur die Hälfte wirklich notwendig gewesen wären.

Wir starten beispielsweise auch weit in der Zukunft, nämlich auf Jüno in den 18000er Jahren, wenn die anderen Planeten des Joker-Clusters entweder verschwunden oder nicht mehr kolonisiert sind, also weit nach der aktuellen Zivilisation. Und wir sehen schlicht zwei Chivalries, die auf ihrem Drachen respektive Greif (als Ersatz der Mechs und etwas an Panzer Dragoon erinnernd) einen verrückten Forscher ausschalten, der legendäre Fatimas erschaffen will, aber nur Monster produziert. Interessant hierbei ist vor allem, dass die eigentlichen Hauptereignisse der FSS, die ja 15000 Jahre früher angesiedelt sind, nur noch Mythologie sind, und als solche auch teils ganz anders wiedergegeben und dargestellt werden, als es die Ereignisse eigentlich wirklich waren.

Zurück in den aktuellen 2900er Jahren haben wir eine Mirage Knight, die zu ihrem Meister Amaterasu zurückkehrt, und sich den Arm abschneidet, weil sie ihre Loyalität als Headdliner ihm gegenüber nicht mehr garantieren kann, woraufhin Amaterasu meint das Headdliner-Blut sowieso verflucht ist.

Dann springen wir ganz weit zurück, nämlich in 8300er AD statt dem normalen JC, wo uns gesagt wird, dass das fünfte Sonnensystem des Joker-Clusters nur alle mehrere tausend Jahre auf dem Vorbeizug überhaupt anwesend ist. Hier gibt es bereits Chivalries, lediglich besonders starke Kämpfer (und werden bereits als verfluchte Killer gefürchtet), denn Headdliner existieren noch nicht, und wir folgen einem, der einen Stadtstaat von einer faschistischen Nazi-Regierung zu befreien versucht.

Die nächsten sechs Geschichten sind wieder alle in bekannten Territorien und mit bekannten Charakteren, da sie sich alle in die Hauptereignisse der späten 2990er Jahre und frühen 3000er Jahre des JC-Kalenders einreihen. Beispielsweise treffen wir auf die allererste erschaffene Fatima, die nach 700 Jahren langsam Fehlfunktionen aufweist und bald altersbedingt sterben wird. Ein Flashbakc zur ersten Kolonialisierung vom Planeten Both gibt es, in der der Embryo einer Chivalrie-Prinzessin in eine Fatima eingepflanzt wird, woraus die heutigen Headdliner entstehen werden. Die junge Christine nutzt ihre erwachenden Headdliner-Kräfte dazu, einen ihrer Peiniger in der Schule zu töten, weswegen sie angeklagt wird, aber flieht und sich dazu entschließt als ein Chivalrier für die zivile Bevölkerung ohne Entgelt zu kämpfen, was sie die Strafe umgehen lässt. Ein weiterer Flashback zu einem kleinen Jungen, der kurze Zeit mit einer Fatima zusammengelebt hat, und wo mal wieder ordentlich Mysery Porn wie schlecht jene von der Bevölkerung behandelt werden, aufkocht. Einige Geschichten sind erneut voller Charaktere, ohne dass allzu viel geschehen würde, außer maßgeblich nerviger Slapstick.

Am Ende springen wir dann aber doch mal wieder (vergleichsweise) ein kleines Stück in die Zukunft der 3100er Jahre, in der Amaterasu neu entwickelte, besonders gefürchtete Motar Headds erschaffen hat. Und das sich der Wiederstand darauf vorbereitet, gegen sie kämpfen zu müssen. Viel kommt nicht bei rum, außer dass viele Namen und Terminologien der vorigen Geschichten hier nun endlich in einem großen Tease eines zukünftig noch zu erzählenden Ereignisses zusammenkommen. Wichtig ist noch, dass wir herausfinden, dass die einzelnen Pseudonyme von Amaterasu tatsächlich unterschiedliche Daseinsformen mit verschiedenen Persönlichkeiten und Gedankengägen sind. Amaterasu is als Gottimperator ein anderer als er als Sopp ist.

Ist natürlich nicht die stärkste Story Arc, auf der man hätte enden können, weil es im Original ja auch gar nicht das Ende ist. Denn letztendlich ist The Chivalries ein Oberbegriff, aber keine komplette Story Arc, sondern ein Kaleidoskop aus mehreren Kurzgeschichten, die thematisch mal mehr und mal weniger zusammenhängend sind. Die Gefälligkeit der einzelnen schwankt dann natürlich. Diejenigen, die geschickt große Schatten vorauswerfen, wirken immer interessant, auch wenn man sich mittlerweile fragt, ob das nicht einfach nur ein alter Trick von Nagano ist, da wir bisher noch auf keinen jener großen Paukenschläge der Timeline zurück- oder nur wesentlich nähergekommen wären. Die Mythologie-Erweiterungen sind natürlich interessant. Ich persönlich mag aber die humorigen Geschichten weniger, weil mir der Humor der Serie einfach nicht liegt, und ich auch finde das sich jener mit der restlichen Atmosphäre und Stil der Saga stark reibt. Auch übertreibt er es für meinen Geschmack manchmal etwas arg mit dem genannten Mysery Porn gegenüber den Fatimas, auch wenn klar ist, dass er damit stark kontrastieren will, wie gut es den meisten davon unter ihren Headdlinern geht, so dass man schnell vergessen kann, dass sie eigentlich rechte-loses Freiwild sind.

Wissen wie es weitergeht würde ich natürlich trotzdem gern, denn etwas Faszinierendes, schon alleine, weil es so weit angelegt erscheint und das Design so speziell ist, hat The Five Star Stories auf jeden Fall.

[FSS] Destiny Three Fates: Atropos

Es geht in die bisher längste Story Arc unseres Five Star Stories Epos. Die dritte Schicksalsgöttin ist endlich dran in Destiny Three Fates: Atropos. Und füllt in Japan die Bände VI bis VIII, in der englischen Auflage die Nummer 13 bis 20. Das ist schon mehr Holz als die bisherigen.

Wir beginnen… mit einem Märchen, das einem Kind erzählt wird, wobei allerdings auch Sopp/Amaterasu auf seiner Reise auf dem Planeten Both mithört. Über ein mittelalterliches Königreich, welches plötzlich von Dämonen besucht wurde, die ein den dortigen Einwohnern nicht bekanntes Wasser des Lebens haben wollten, und Chaos und Zerstörung herabregnen ließen. Und eine mutige Prinzessin, die das ultimative Opfer ihres eigenen Lebens gab, um die Planeteneier auszubrüten, woraus die fünf Drachengötter von Both schlüpften, die wir ja bereits aus vorigen Bänden kennen. Und deren Anführer, der LED-Drache, hielt das Wasser des Lebens.

Das ist dahingehend wichtig, als dass Sopp auf Both ist, weil der LED-Drache im Prozess des Sterbens und Wiedergebärens ist. Da die Drachen als 4-dimensionale Wesen nicht von dieser Welt sind, sterben sie nämlich nicht wirklich, ihr für die Existenz in dieser Welt erschaffener Körper nach langer Zeit aber dann doch mal, weswegen sie in einer Drachennymphe regenerieren, die dann wieder zu einem vollen Drachen heranwächst. Sopp wurde vom LED-Drachen gerufen. Allerdings ist auch das Mejojo Empire, welches wir ebenfalls bereits aus der vorigen Story kennen, auf Both, weil sie auf das Wasser des Lebens scharf sind. Und nehmen zur Vorsicht den Zivilisten-Bus, in dem Sopp sitzt, unter Beschuss. Der wird dabei tödlich verletzt, sein üblicher Regenerierungsprozess setzt allerdings nicht ein, so dass er nur daliegen und bei vollem Bewusstsein von der Tierwelt des Planeten gefressen werden kann.

Sopps Nahtoderfahrung hat allerdings auch Auswirkungen im Amaterasu Königreich, da er als Imperator derjenige ist, an dessen unerschöpflicher Lebensenergie gewisse Dinge hängen. Beispielsweise beginnt die fliegende Insel, auf der der royale Plast steht, zu sinken. Und bricht die Siegel gewisser in Türme weggesperrter Mirage Knights. Denn nicht jeder Mirage Knight, was die royalen Headdliner von Amaterasu sind, ist zwangsläufig so ein hehrer Ritter, wie sie bisher zum Großteil dargestellt wurden. Viele sind auch einfach verrückte Auftragskiller, die sich Amaterasu zu nutzen macht, aber zum Allgemeinwohl die restliche Zeit über wegsperren muss. Denn das royale Kreuz als Mirage Knight tragen zu dürfen, bedeutet auch, dass sie ohne Sanktionen befürchten zu müssen, töten dürfen. Das führt zu einem Massaker auf der Insel, bei der fast jeder stirbt, bis der goldene Drache sich einmischt und Lachesis zeigt, dass sie die gleichen Kräfte wie Amaterasu geschenkt bekommen hat, mit denen sie selbst Mirage Knight mit Leichtigkeit besiegen kann. Auch wenn diese Kräfte, wie erneut bestätigt wird, verboten sind. Und ganz am Ende taucht auch noch eine Vision einer gigantischen zweiköpfigen Schlangenfrau auf, die voll mysteriös ist und in dieser Storyline nicht erklärt werden wird.

Eine weitere nicht weiter geklärte Erscheinung ist, wenn ein Kronprinz das Chaos ausnutzen will, um den Palast zu übernehmen, aber von den zukünftigen Kindern von Amaterasu und Lachesis zurückgeschreckt wird. Zeit in Five Star Stories läuft halt nicht immer linear ab. Anschließend ist dann auch fast alles wieder gut, denn der goldene Drache belebt die Toten wieder, um sich dafür zu entschuldigen, dass sie Amaterasu vom Palast wegbeordert haben. Welche auf Both von der Drachennymphe des LED-Drachens mit dem Wasser des Lebens wiederbelebt wird. Allerdings noch nicht alle seine Kräfte zurückerlangt. Lachesis schickt den verrückten, aber ihr nun untergebenen, Mirage Knight Shaft mit seiner nur im schrägen Slang redenden Fatima Paltenon und dem geheimen Super-Mech Jagd nach Both, um zu sehen, wie es um Amaterasu steht. Kaiden aus der letzten Storyline schließt sich kurzfristig wieder den Mirage Knights an, wird aber nicht viel in der hiesigen Storyline tun. Außer uns einen Rückblick zu gewähren, der offenbart, dass Ballanche in seine Fatimas alle Kampftricks der Headdliner eingebaut hat, und das es nicht ganz stimmt, dass Fatimas gebärunfähig sind. Selten kommt es doch zur Schwangerschaft, und noch seltener nicht zu einer Fehlgeburt. Aber wenn ein Kind einer Fatima überlebt, ist das etwas ganz Spezielles – implizierend, dass Kaiden ein solches ist, und die Fatima, mit der er auch sexuellen Kontakt hatte, unwissentlich seine Mutter war.

Es dauert tatsächlich bis Band 15, bzw. VII in Japan, bis Atropos überhaupt in der nach ihr benannten Storyline auftaucht. Denn sie ist auf Both und hilft Sopp sich vor den Truppen von Mejojo zu verstecken, die weiterhin die Drachennymphe suchen, welche sich ihm angeschlossen hat. Und ziemlich unerträglichen Slapstick mit sich bringt, um das mal zu erwähnen. Hauptsächlich bringt das einen Fiebertraum des geschwächten Sopps in seine Kindheit mit sich. Das nur aus seiner Mutter ohne Vater geborene Superkind, welches frei zwischen den Geschlechtern wechseln kann, war nämlich für die ersten Jahre ein komatöser Säugling. Bis seine Mutter in seiner Nähe so aufgebracht war, dass seine ungezügelten Kräfte den Hofstaat beinahe ausgelöscht hätten, bis die vier Elementarfeen und Lucifer auftauchten und einschritten. Später hat er als Kind übrigens einen Angreifer, der seine Mutter fast umbrachte, ebenfalls mit Leichtigkeit mit seinen Kräften besiegt, wobei erneut gewarnt wird, dass er diese in diesem Universum eigentlich nicht benutzen darf.

Derweil hat der Söldner Braford mit seiner Ballanche-Fatima Kyo den Unterschlupf von Atropos ausfindig gemacht. Braford ist ein gefallener Headdliner, der nun für Mejojo-Imperium arbeitet. Die beiden liefern sich eine Schlacht mit der den Auger allein steuernden Atropos, die eigentlich überlegen sein müsste, wegen der Kampfunerfahrenheit (sowohl sie als auch der Auger haben hier ihr erstes Mal) allerdings unterliegt. Allerdings wird Kyo ordentlich in Mitleidenschaft gezogen, da Ballanches Fatimas eigentlich eine mentale Sperre haben, die sie nicht gegen Sopp/Amaterasu kämpfen lässt. Deswegen können Sopp und Atropos doch fliehen, während Braford sich kurzzeitig zurückziehen muss.

Bände 17 bis 19 machen zum Großteil die Kämpfe auf Both aus. Denn Truppen des Amaterasu-Reiches sind eingetroffen, um nach ihrem Imperator zu suchen. Während Mejojo immer noch auf der Jagd nach dem Wasser des Lebens der Drachennymphe sind. Beide Fraktionen wissen nicht, warum die andere so an Both interessiert ist, kommen sich allerdings zwangsläufig in die Quere. Das Glück wechselt mehrfach die Seiten. Und die Geschichte zeigt ziemlich die Brutalität für die Bodentruppen, die sich eben keine hehren Duelle in polierten Mechs liefern, sondern von der Kriegsmaschinerie wie Kanonenfutter abgeschlachtet werden, zu desertieren versuchen, mit allem Chaos welches der Krieg so mit sich bringt. Destiny Three Fates: Atropos zeigt so viel nackte Haut und Gore, wie bisher keine vorige Story Arc in den Five Star Stories.

Irgendwann mischen dann aber doch die angekommenen Mortar Headds mit. Und irgendwann trifft auch endlich Shaft im Supermech Jagd ein, dem nur Braford in seinem gewachsen ist, allerdings doch wegen des mentalen Zusammenbruchs von Kyo unterliegt. Der Kommandant der Mejojo-Truppen, der von jenem Kerl besessen ist, der Sopps Mutter angriff, als er ein Kind war, und von jenem dann zerstört wurde, will eine Waffe einsetzen, die zu einem absoluten intergalaktischen Eklat führen würde – wird aber vom Wasser des Lebens, welches die Drachennymphe auf ihn verstreut, ausgemerzt. Nicht, bevor er Shaft allerdings nicht ein Ende setzt, der den Krieg eigentlich für Amaterasu gewonnen hat. Sopp bekommt jetzt, wo alles rum ist, auch endlich seine Kräfte zurück und schlägt Braford zu einem neuen Mirage Knight, auf das seine Kräfte nun dem Amaterasu-Reich zugutekommen. Außerdem bekommen Sopp und Lachesis jeweils eine Hälfte eines seltenen Juwels mit Namen Drachenträne, welche via Schwingungen miteinander kommunizieren, auf dass die beiden selbst bei intergalaktischer Trennung immer wissen werden, wo der andere ist.

Atropos, die für die nach ihr benannte Geschichte eigentlich gar nicht so wichtig ein Charakter war, wird die Bürde auferlegt die Drachennymphe großzuziehen. Als Belohnung dafür nimmt sie ihm das Versprechen ab, sie mit seinem Feuer zu verbrennen, sollte sie jemals ums Ende ihres Daseins bitten. Und dann haben wir einen Flash Forward von den aktuellen 2900er Jahren in die 4100er Jahre. In das Kampfgeschehen der Rebellen gegen das den Joker Cluster übernommen habende Amaterasu-Reich, welches zum Fall der fliegenden Königsinsel führen wird, mit Kämpfen Fatima gegen Fatima, und wo der Drache letztendlich sein Versprechen gegenüber Atropos einlösen wird.

Das war diesmal wirklich viel. Denn nicht nur ist diese Story Arc 1.5 Mal so lang wie die bisher anderen (bzw. sogar das 3-fache von der ersten), sondern es wird auch viel hin und her gesprungen. Zum Teil so sehr, dass die Geschehnisse währen des Lesens teilweise stark fragmentiert wirken, selbst im Vergleich zum vorigen Trafficks. Ich habe das hier dann schon etwas aufgeräumter und entschlackter wiedergegeben. Es ist halt auch so, dass man wieder stark merkt, dass Mamoru Nagano gern designt. Welten, Charakter, Mechs. Deswegen gibt es in diesen Story Arcs häufig auch viel mehr Partizipierende, als das wirklich nötig wäre, während die vielen Namen und Gesichter leicht verwirren können – vor allem wenn dann einige eigentlich wenig bis gar nichts Wichtiges bisher getan haben. Und ganz ehrlich gesagt finde ich werden die Slapstick-Einlagen, jetzt wo die Handlungen immer ernster und brutaler werden, auch zunehmend unpassender.

Deswegen war für mich Destiny Three Fates: Atropos auch insgesamt etwas gemischt zu sehen. Der Anfang mit dem Massaker auf der royalen Königsinsel, das vorangegangene Märchen, oder auch das Ende der Kämpfe und der Ausblick in die Zukunft, waren sehr interessant. Auch dazwischen gab es einige wichtige Exkurse. Doch zogen sich für mich sowohl die Kämpfe als auch die humorigen Kabbeleien zwischen Sopp und der Drachennymphe dazwischen etwas zu sehr.