Rumic World I: Fire Tripper & Maris the Chojo

Rumiko Takahashi ist hauptsächlich durch ihre endlos langen Serien bekannt, von denen sich ihre komplette Karriere hindurch eine an die andere reihte. Von 1978 bis 1987 lief Urusei Yatsura in 34 Bänden, 15 Bände Maison Ikkoku nebenbei, bis 1996 dann Ranma 1/2 in 38 bänden, gefolgt von 56 Bänden Inuyasha bis 2008, abschließend mit 40 Bänden Rin-ne konkludierend in 2017.

Dazwischen hat die gute Frau aber durchaus auch kürzere Serien erschaffen. Beispielsweise One Pound Gospel oder die Mermaid Saga, die jeweils nur wenige Bände einnehmen. Und noch kürzer sinde ihre Oneshots, die hier und dort mal als ein Kapitel erschienen waren, und irgendwann in Anthologie-Bänden zusammengefasst wurden. Teils als Rumic World, teils als Rumiko Takahashi Anthology, teils as Rumic Theatre bekannt. Auch diese Nebenprojekte haben teils ihre Anime-Adaptionen erhalten, denen ich mich jetzt mal widmen will. Den Anfang machen die tatsächlich ebenfalls unterm Rumic World Label erschienenen OVAs aus den 80ern und frühen 90ern. Direct-to-Video in je ca. 50 Minuten erschienen.

Fire Tripper startet im feudalen Japan, als ein Dorf von Räubern überfallen und in Brand gesteckt wird. Die Kleine Suzu, gerade als ein brennender Pfeiler auf sie herabstürzt, löst sich vor den Augen ihres großen Bruders Shukumaru in Luft auf. Es hat sie ins moderne Japan teleportiert, wo sie von einer Familie adoptiert wird und ihre kurze Zeit in der ursprünglichen Heimat vergisst. Bis Suzuko 17 Jahre ist, und auf dem Nachhauseweg mit dem kleinen Nachbarsjungen Shu in die Explosion eines Gastanks gerät.

Sie teleportiert es zwischen die Toten auf einem Schlachtfeld der Sengoku-Ära. Dort gabelt sie niemand anders als Shukumaru auf, der ziemlich schnell beschließt, dass er sie heiraten wollen wird. Suzuko hingegen ist eher damit beschäftigt, herauszufinden, ob Shu noch am Leben ist. Doch sie freunden sich über die nächsten paar Tage miteinander an, und Suzuko sieht ein, dass sie es wesentlich schlechter als Shukumaru treffen könnte, wenn sie schon in dieser Ära gefangen ist. Da macht es klick bei ihr und sie realisiert, dass sie die kleine Schwster von ihm ist, gerade an dem Tag, an dem die Räuber das Dorf überfallen, sie also ursprünglich in die Zukunft reiste.

Das macht sie erneut, diesmal mit Shukumaru im Schlepptau. Der will aber nicht in der Moderne verweilen, weil sein Dorf ohne ihn wirklich aufgeschmissen wäre, und weil er seinem Adoptivvater so viel schuldet. Da macht es bei Suzuko erneut klick. Als sie mit Shu in die Explosion geriet, wurde Shu zehn Jahre früher in die Sengoku-Ära versetzt als sie. Shukumaru ist der ältere Shu, und sie sind gar nicht Blutsverwandt. Steht also nichts mehr dem im Wege, da es genau der Tag des Unfalles ist, sich erneut explodieren zu lassen und zusammen in einer der kriegerischsten Zeiten der Geschichte Japans glücklich als verheiratetes Paar zu leben.

Ich möchte fast sagen, dass Fire Tripper etwas überstrapaziert ist mit 50 Minuten, auch wenn die zugrundeliegende Idee eine interessante ist. Ich mein, dass ist ja nun wirklich keine sonderliche lange Laufzeit, aber mir war Suzuko doch ein wenig zu passiv, um mich so richtig zu scheren, bis dann die ganzen Zeitreiseverwürfnisse übernehmen und die OVA an Fahrt gewinnt. Allgemein ist Takahashis übliche Boy vs Girls Comedy stark zurückgefahren hier, die beiden kabbeln sich zwar mal, der richtige Humorschlag will aber nie kommen. Aber hey, die Songs zum Opening und Ending sind echt klasse! Und die OVA ist jetzt auch nicht direkt schlecht, sondern halt nur etwas arg Standard würde ich mal sagen.

Ein Jahr später erschien dann Maris the Chojo, orginär auch als Supergal bekannt. Titelheldin Maris hat nicht unbedingt das beste Leben. Als sie noch ein Kind war, explodierte ihr Heimatplanet, weswegen ihre Rasse floh und sich über das Universum verbreitet hat. Dummerweise sind Thanatosiden aber superstark, müssen beständig restriktive Ausrüstung anhaben, damit sie buchstäblich nicht alles versehentlich klein hauen. Das funktioniert aber nicht immer so gut.

Ihr Alkoholiker-Vater und trottelige Mutter beispielsweise vergessen die gern mal, was zu ungewollten Kollateralschäden führt, für die Maris aufkommen muss. Und sie selbst, nachdem sie sich zuerst über Damen-Wrestling durchgeschlagen hat, nun bei der Special Police als Agentin unterwegs, hat ebenfalls bereits mehrere Raumschiffe auf dem Gewissen, ist selbst nach jeder Mission pleite, weil sie genug kaputtmacht, so dass sich ihre Gage wieder auflöst.

Doch aktuell hat sie vielleicht den Jackpot gezogen. Denn der hübsche Sohn eines Reichen ist entführt worden, und die Special Police setzt sie darauf an, ihn zu befreien. Maris verliebt sich natürlich sofort in das ganze Geld des Erbens, doch muss herausfinden, dass die Entführerin eine alte Rivalin aus dem Damen-Ringen ist. Und dann verliebt sich der Kerl auch noch in die statt Maris!

Ziemlich klar, dass wir es hier mit einer reinen Komödie zu tun haben. Die Handlung ist nur die Ausrede dafür, warum Maris überhaupt einen Finger krumm machen muss, und für die 50 Minuten auch eher dürftig, weswegen Maris in der ersten Hälfte erst mal eher unzusammenhängende Dinge erleben darf. In einer Welt, in der jeder ein Idiot zu sein scheint, und keiner wirklich als der Gute bezeichnet werden kann, weil jeder seine eigenen Motive hat. Unterhaltsames kleines Ding. Erneut nicht besonders, aber ganz brauchbar schon. Und auch hier: Die diversen Insert Songs sind das eigentliche Highlight.

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Nostalgic Anime Week: Macross

Macross mag nicht ganz den kulturellen Sog wie Gundam entwickelt haben, aber ist dennoch ein großer Mainstay in Japan. Seit der ersten TV-Serie, Super Dimension Fortress Macross in 1982, sind alle paar Jahre neue Geschichten in der Franchise entstanden. Einer der absoluten Klassiker auch im Ausland ist hierbei bereits die zweite Inkarnation Macross: Do You Remember Love, welcher komplett neu geschrieben und animiert eine alternative Version der TV-Storyline erzählt, statt nur ein Zusammenschnitt daraus zu sein.

Wir schreiben das hochzukünftige Jahr 2009, die Macross ist eine transformierbare Weltraumfestung, auf der tausende Menschen leben. Nachdem sich die Menschheit plötzlich in der Mitte eines Krieges zwischen zwei Alienrassen findet, machen sie sich auf den Rückweg zur Erde. Bei einem Angriff werden allerdings Popsängerin Minmay und Pilot Hikaru mehrere Tage zusammen eingeschlossen und verlieben sich ineinander.

Als die Zentradi merken, dass menschliche Lieder ihre Kampfesfähigkeit eindämmen, wollen sie einige Testsubjekte fangen. Dies führt dazu, dass Minmay in ihre Hände fällt, während sich Hikaru und seine Vorgesetzte Misa, deren Charaktere bisher nicht miteinander kompatibel waren, auf der zerstörten Erde abstürzen. Erneut dauert es lange, bis sie gerettet werden, wodurch sich auch zwischen jenen beiden eine Romanze entwickelt.

Macross ist eine Art Space Opera, wie sie so eigentlich nur in Japan entstehen und vor allem enorm erfolgreich werden kann. Scifi-Action mit Popsongs zu mischen, und ein Idol zu einem der wichtigsten Charaktere zu machen, würde so sicherlich sonst niemandem einfallen. Dass dann ein letzter Verzweiflungskrieg der unterlegenden Menschen mitten zwischen zwei übermächtigen Alienrassen damit gewonnen wird, dass in ihnen Kulturdenken und Gefühle erwachen, nachdem ein Liebessong über das Schlachtfeld projiziert wird, sowieso. Letztendlich ist es sogar so, dass die verfeindeten Zentradi und Meltradi jeweils ausschließlich in einer männlichen und weiblichen Gesellschaft leben, die eben außer Krieg nichts kennen. Do You Remember Love ist daher ein zentrales Thema – erinnere dich an die Zeiten, als die Geschlechter liebevoll zusammengelebt haben.

Was auch wesentlich besser geregelt ist, als man wahrscheinlich denken würde, ist das Liebesdreieck zwischen Hikaru, Minmay und Misa. Zum einen ist es interessant, dass er sich für die im Militärrang über ihm stehende Misa entscheidet, nicht für das beliebte Idol. Aber es ist weitestgehend realistisch, warum er mit beiden anbandelt, wenn man mal die jeweiligen Situationen betrachtet, in denen sie sich wiederfinden, gerade für die überschaubare Spielzeit von 2 Stunden. Und natürlich kommt es zu einer Konfrontation, bei der Minmay ganz ihrem Charakter entsprechend klar die emotionalere ist, aber dennoch wird allen Beteiligten schnell klar, dass hier wichtigere Ereignisse laufen, auf die sich zuerst konzentriert werden muss. Es gibt nicht so viele Missverständnisse, Eifersüchteleien und Hin und Her, wie das in vielen anderen Medien mit einem Liebesdreieck geschieht, welche oft einfach ermüden.

Der blonde Anführer von Hikarus Kampfeinheit, der scheinbar nur schier endlos sexistische Sprüche darüber vor sich in kläfft, wie sich Männer und Frauen zu verhalten haben, ging mir ein wenig auf den Keks, ist aber schon so ziemlich das einzige schlecht gealterte Element des Filmes. Ja ganz im Gegenteil finde ich beispielsweise die ganzen Handanimierten SciFi-Aufnahmen sogar schön nostalgisch und hübsch und man merkt erst Mal, wie unterkühlt die CG-Schiffe und Explosionen diese heutzutage im Vergleich wirken lassen. Hier kommt dem Film das Alter also Zugute.

Macross: Do You Remember Love ist und bleibt also eine richtig coole Space Opera, welche groß angelegte Weltraumschlachten mit Gefühlen und Popmusik zu seinem ganz eigenen Cocktail mischt.

Nostalgic Anime Week: Gunsmith Cats

Kenichi Sonoda hat ursprünglich bei einem Animationsstudio gearbeitet, wo er beispielsweise als Charakterdesigner von Bubblegum Crisis oder dem weiteren Klassiker Gall Force tätig war, bevor er sich als Mangaka niederlies und mit Gunsmith Cats sofort sein längstes und bekanntestes Werk schuf. Das wurde in den 90ern auch in drei OVAs gefasst, allerdings mit weitestgehend eigenständiger Handlung. Mein erster Berührungspunkt war erneut die Sichtung in einer Vox-Anime-Nacht. Und etwas darauf dann das Lesen des Manga, damals noch in amerikanischem Graphic-Novel-Format in fast 20 hochformatig-dünnen Bänden.

Rally Vincent und ihre Mitbewohnerin May Hopkins besitzen in Chicago einen Waffenladen. Zumindest ist das ihr Tagesgeschäft. Hinter der Front der Ladentheken sind die beiden nämlich auch ein Duo an Kopfgeldjägerinnen, die mit Knarre (Rally) und Granaten (May) bestückt im Sportwagen ihre Beute verfolgen. Aktuell werden sie vom ATF, da sie dummerweise nicht alle nötigen Lizenzen für ihren Laden haben, dazu gezwungen, umsonst ein Waffen- und Drogenkartell auffliegen zu lassen, was sie aber auch mit der russischen Killermaschine Radinov bekannt macht.

Wenn ich mich recht erinnere, ist die Storyline der OVA tatsächlich Original Content, nutzt die (Haupt-)Charaktere des Manga, kommt so in jenem allerdings nicht vor. Da jener teilweise aber auch sehr episodisch war, mit mal kürzeren Einsätzen der beiden, mal länger anhaltenden Antagonisten, kann ich jetzt aber auch nicht mehr sicher sagen, dass es dort nicht einen ähnlichen gäbe. Was zumindest nicht stimmt ist, dass Radinov die Tussi aus dem Manga ist, die Rally fängt und versucht zu ihrer Sexsklavin zu machen, so wie ich das fälschlich in Erinnerung hatte. Der Manga ist sowieso wesentlich sexier als die OVA, die sich darauf beschränkt, die Mädels kurz mal in Unterwäsche zu zeigen.

Kenichi Sonoda hat dann auch definitiv drei Faibles: Attraktive Damen, schnelle Autos, und scharfe Waffen. Man sollte meinen, er sei Amerikaner. Die findet man ja so oder so ähnlich in allen seinen Manga wieder, wobei Gunsmith Cats und dessen (von mir schon nicht mehr gekannten, weil nach meiner Zeit publiziertem) Sequel einen Großteil seines Oeuvres ausmachen. Aber auch sein eigentliches Manga-Debüt, das schnell wieder eingestellte Riding Bean hatte dies, und Cannon God Eaxxxion sowieso. Der Man bleibt sich halt treu.

Viel mehr haben dann die 90 Minuten an OVA auch nicht zu bieten. Das klingt jetzt zunächst gemein und abwertend, ist so aber absolut nicht gemeint. Unseren beiden taffen Mädels Rally und Minnie zu folgen ist spaßig und unterhaltsam, es gibt harte Action, ein wenig Sexyness, und es rauchen der Auspuff und die Pistolenläufe. Wenn eine Gang bei Rally einbricht und denkt den Jackpot ob all der dort untergebrachten Waffen gemacht zu haben, nur um dummerweise feststellen zu müssen, dass die Hausbesitzerin diese auch einzusetzen weiß, ist das schon sehr witzig. Wenn sich Rally und Radinov ihre letzte Auseinandersetzung bieten, ist das ein sehr guter Klimax für die Geschichte. Gunsmith Cats ist cool und hat Unterhaltungswert, und mehr brauch es letztendlich auch nicht, um eben einen Nachmittag ganz nett rumzubekommen.

Nostalgic Anime Week: Dragon Half

Dragon Half ist eine Duologie, die es nach Deutschland erst in den Zeiten der DVD gebracht hatte, als diverse Labels ihre Back-Kataloge schnell rausgehauen haben. Das war noch zu der Zeit, wo man damit Geld machen konnte, überhaupt Anime in Deutschland zu vertreiben. Dennoch war es schon davor unter Importfreudigen eine recht bekannte Serie, auch wenn es Dragon Half natürlich nie dazu gebracht hatte, ein viel nahegelegter Klassiker zu sein. Immerhin auch 1993 in Japan nicht, so wurden wegen fehlender Absatzzahlen nur zwei der geplanten vier Folgen animiert.

Es war einmal der Ritter Rouce, der rote Blitz, vor dessen Wagemut sich alle Monster in Acht nehmen mussten, und der auszog, den roten Drachen zu erlegen. Stattdessen verliebte er sich in jenen und brachte den Dragon Half Mink hervor. Die ihrerseits wiederum in den Helden Dick Saucer verliebt ist, welcher aber wiederum vom König beauftragt wird, Mink zu erlegen, damit er an deren Mutter rankommen kann. Oder so.

Dragon Half ist nämlich eine absolut überspitzte Komödie, die sich weniger damit aufhält, dass der narrative Faden sonderlich viel Sinn ergibt, als ihn vielmehr um die Witze herum aufzubauen. Da stellt sich Mink in der zweiten OVA während eines Kampfturniers schon mal ein Dämon in den Weg, der damit prahlt, sie für den Dämonenlord zur Strecke bringen zu wollen, nachdem Mink so übel über ihn geredet hat. Woran Mink sich nicht erinnert. Woraufhin der Dämon einfach eine Kassette der ersten Folge aus der Tasche zieht, sie sich ansieht, und dann schockiert ist, dass alle für diesen Plot relevanten Szenen aus dem Endprodukt herausgeschnitten sind.

In diversen Zuständen der SD-isieriung (super deformed, wie man das zu meiner Zeit noch nannte, statt „chibi“ design) machen sich also die Charaktere selbst zum Affen. Ein schwarzer Magier kommt schon mal atmosphärisch passend in Nebelschwaden in den Raum, nur damit die Kamera anschließend gen Boden schwenkt und uns zeigt, dass jene via Trockeneis zustande kommen, die er für jenen melodramatischen Auftritt immer mit sich rumträgt. Mink macht trotz ihrer überstarken Drachenkräfte eines auf unschuldiges und liebliches Mädchen Dick Saucer gegenüber. Ein Ritter überlebt ein Schwert durch den Kopf, weil sein Gehirn so „kompakt gebaut“ ist. Selbst das Ending Theme zeigt keinerlei Anflug von Seriosität, stattdessen sinkt Mink zu Beethoven über Omeletts.

Nein, Dragon Half ist keiner der absoluten Klassiker des Genres, welchen man absolut gesehen haben muss. Das war die OVA-Serie schon in den 90ern nicht, und dass ist sie 25 Jahre später sicherlich nicht. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht dennoch sehr unterhaltsam ist. Die ganze Angelegenheit hat einfach etwas einnehmend-reizendes. Jeder, der daran beteiligt ist, scheint einfach so richtig Spaß mit dem Irrsinn gehabt zu haben. Und der Humor ist überraschend auch gar nicht schlecht gehaltert, sondern die beiden kurzweiligen Folgen auch heutzutage noch sehr amüsant.

Nostalgic Anime Week: Bubblegum Crisis

Bubblegum Crisis ist eines der Kultanime der 80er und 90er Jahre. Und eines, welches ich nie besessen habe, weil ich es bereits auf einer Vox-Anime-Nacht sichten konnte. Erinnert sich noch einer an die? Allerdings hatte ich den DVD/Soundtrack-CD-Hybriden Hyrricane Live, der Musikvideos zu den Songs der OVA enthielt. Leider ist BGC aber auch eine der Serien, die eine eher problematische Geschichte aufweist.

Produktions- und Vertriebsfirma war offiziell Youmex, Animationsstudio allerdings Artmic. So weit, so gut. Allerdings gehörten die Rechte an der Serie beiden Studios, und das führt häufig zu Streitigkeiten. Gerade bei dem explosiven Erfolg, den BGC hatte. Während zunächst noch voll Kapital daraus geschlagen wurde, mit jede Menge Merchandising und geplanten Spinoffs, verkrachten sich die beiden Studios Anfang der 90er. Womit die auf 13 Folgen geplante OVA-Serie nach 8 eingestellt wurde und auch das Spinoff A.D. Police nach 3 ihr vorzeitiges Ende fand. Artmic begann mit Bubblegum Crash einen eigenen Nachfolger, wurde von Youmex verklagt, und die Erfolgsserie war Jahrelang im legalen Limbo. Erst 1998/99, nachdem es beide Firmen nicht mehr gab, starteten zwei Reboot-Serien, die den Erfolg aber nicht mehr replizieren konnten.

Die Handlungsstruktur ist dabei eher episodisch angelegt. Schauplatz ist Tokyo in einem dystopischen 2032, in dem die Kluft zwischen Arm und Reich enorm ist, während die Welt essentiell von Megacorps regiert wird. Genom ist die größte davon, da sie Boomer bauen – State of the Art Cyborgs. Durchaus als normales Kommerzprodukt, doch von denen werden wir in der Serie wenig zu sehen bekommen, denn natürlich dienen sie auch als Waffen und BGC behandelt den Kampf der Knight Sabers, einer Truppe an taffen Frauen, die in ihren eigenen Battle-Suits in Sachen Boomer-Kriminalität agieren.

Es gibt natürlich hier und dort mal einen roten Faden, der sich über die Serie erstreckt, oder das Ereignisse einer OVA die nächste beeinflusst, doch weitestgehend haben wir es hier mit in sich geschlossenen Ereignissen zu tun. Was die Serie nämlich viel mehr auszeichnet ist, wie cool sie einfach ist. Die Blade-Runner-esque Atmosphäre ist sowieso eine, die man so dargestellt nur in Medien aus dieser Dekade finden wird. Die brachialen Kämpfe gegen die Boomer sind geil, und bekommen ihre besondere Note dadurch, dass nebenbei gern J-Pop eingespielt wird. Denn eine unserer Knight Sabers ist nebenbei Sängerin. Ernste Action und Gesang zu mischen hat BGC sicherlich nicht erfunden (Macross hat ein ähnliches Konzept zum Beispiel), aber Mensch wenn wir das nicht alle damals Mitte der 90er für den coolsten Mix ever gehalten haben! Youmex war auch ein Musik-Label, und ich wäre nicht überrascht, wenn die Soundtracks letztendlich mehr eingespielt haben, als das Anime an sich. Der OST ist jedenfalls weiterhin einer der absoluten Highlights der Serie!

Was mir persönlich allerdings auch gut gefallen hat, ist wie viele starke Frauen es in der Serie gibt. Fast alle Haupt- und Nebencharaktere, die keine Schurken sind, sind weiblich (außerhalb ein paar wiederkehrender A.D. Police Kerle). Und die Serie ist auch sehr gut darin, die Kameradschaft zwischen ihnen zu präsentieren. Die Knight Sabers zerstreiten sich beispielsweise nie in einem Cat Fight, der so häufig für Drama in entsprechenden Serien genutzt wird. Selbst als Priss das Team verlassen will, sind alle unterstützend. Und ein paar gute lesbische Verhältnisse gibt es bei einigen der Nebencharaktere auch. Obendrauf einen schwulen Nebencharakter bei der A.D. Police, der für Anime geradezu uncharakteristisch normal und integriert dargestellt ist. Ich weiß nicht, was genau in den 80ern in der Anime-Szene abgegangen ist, aber gerade bei den Sci-Fi-Serien gab es überraschend viel Progressives zu sehen.

Witzig ist natürlich auch zu sehen, was für eine Art von Future Tech man sich Ende der 80er so vorgestellt hat. Im Jahre 2032 nutzen wir immer noch Telefonzellen! Gedruckte Zeitschriften existieren noch, aber nun kommen sie direkt per Fax nach Hause! Computer sind zwar allgegenwärtig, aber weiterhin mit kleinen CRT-Monitor-Kästen ausgestattet. Herrlich.

Ein wenig ungleich sind die Folgen natürlich schon. In der Laufzeit zwischen 30 bis 50 Minuten, in der Animatiosqualität über die Jahre, und natürlich auch ein wenig in der Stärke der einzelnen Handlungen. Besonders gefallen haben mir dabei die finalen drei Episoden, die inszenatorisch einfach am besten waren. Aber auch bei den vorigen Folgen sind keine Stinker dabei, und ich glaube mir haben die Vibes der Reihe mittlerweile sogar besser gefallen, als beim letzten Schauen vor 20 Jahren. Weil es Serien wie BGC so heutzutage auch einfach nicht mehr gibt.

Nostalgic Anime Week: Angel’s Egg

Zurück in die Frühzeiten der von mir geschauten Anime, diesmal mit einem der ersten, die ich über Fantsubs gesichtet habe, da der limitiert releaste Indie-Film anders nicht verständlich zu bekommen war, nachdem diverse Quellen ihn mir schmackhaft gemacht hatten.

Bei Angel’s Egg handelt es sich um eine OVA von unserem Anime-Auteur Mamoru Oshii, und eines seiner frühesten Werke. Nachdem er über die Adaption von der Romcom Urusei Yatsurei ins Business einstieg, dort den konventionellen ersten und alles andere als konventionellen zweiten Film Beautiful Dreamer ablieferte, erschuf er mit Dallos die allererste OVA. Um kurz darauf zusammen mit Charakterdesigner Yoshitaka Amano das leider alles andere als erfolgreiche aber zu einem Arthouse-Klassiker avancierende Angel’s Egg zu gebären. An allen Ecken und Enden voller Symbolismus, geprägt von einer Glaubenskrise des japanischen Christen Oshii, ein Film der wenigen Worte und noch weniger Charaktere. Ein audiovisuelles Erlebnis, von dem selbst Mamoru Oshii in Interviews behauptet, nicht vollkommen zu wissen, was er bedeuten soll.

Wir beginnen mit der Großaufnahme von Kinderhänden, die gut durchanimiert gestikulieren, plötzlich zu denen eines Erwachsenen werden, der die Faust zusammendrückt, begleitet vom Geräusch etwas Zerplatzenden.

Szenenwechsel. Ein junger Mann steht in einer postapokalyptisch anmutenden Szenerie, mit einem riesigen Ei, durch dessen Transparenz ein Vogelembyro zu sehen ist, auf einer Baumkrone. Eine Kugel, die wie ein mechanischer Augapfel erscheint, schwebt aus den Wolken herab. Bei Nahaufnahme sehen wir, dass es mit Statuen von Betenden bestückt ist.

Erneuter Szenenwechsel, diesmal beginnen wir wirklich den narrativen Fanden, soweit man das bei diesem Film behaupten kann. Ein Mädchen erwacht. Neben einem Ei. Und macht sich auf die Reise mit jenem. Diese wird sie nach einem Marsch durch die Natur auch in eine Altstadt führen, die verlassen scheint. Manchmal rennen aber Schwadrone von schattenhaften Figuren mit Speeren durch die Straßen, vor denen sie sich versteckt. Einer Prozession an Panzern entsteigt der junge Mann vom Beginn und schließt sich ihr an. Fasziniert ist er mit der Frage, was in dem Ei ist, welches das Mädchen so behütet, die ihm darauf allerdings keine Antwort gibt.

Zumindest nicht, bis nicht gegen Ende der Reise der beiden der junge Mann ihr die biblische Geschichte der Sintflut erzählt. Allerdings mit einem anderen Ausgang. Denn der Vogel kehrte nie zur Arche zurück. Deswegen wurde auf ihr verweilt, bis die Existenz des Vogels oder einer Außenwelt vergessen war, ja die Überlebenden nicht mehr wussten, wer sie überhaupt selbst sind. Daraufhin meint das Mädchen den Vogel gefunden zu haben, zeigt ihm das Fossil eines Engels, und meint einen neuen aus dem Ei auszubrüten.

Der junge Mann zerbricht das Ei, das Mädchen schreit, wirft sich ins Wasser, wächst zu einer jungen Frau, und die Welt ist plötzlich von Eiern übersäht, während neben den Statuen der Betenden auf dem mechanischen Auge auch eine des Ei-behütenden Mädchens erscheint. Beim langsamen Zoom in den Himmel sehen wir, dass all dies auf einer kleinen Insel im weiten Ozean stattfand.

Wie gesagt ist es nötig, sich einige Dinge um die Erschaffung dieses Werkes in Erinnerung zu rufen. Die viele christliche Symbolik kommt nicht von irgendwo, denn Oshii war gläubiger Christ und zur damaligen Zeit in einer spirituellen Krise, die er verarbeiten wollte. Seine Kenntnisse reichen also über das übliche „Ich hab mal irgendwann Paradise Lost gelesen“ hinaus. Und da er den Film zusammen mit Amano alleinig ausarbeitete, redete ihm niemand rein. Aber nicht zuletzt auch wichtig ist einfach, dass er wiederholt zu seinem Schaffungsprozess die Prioritätenliste wie folgt angab: Zuerst das Visuelle, Handlung zweitrangig, Charaktere an hinterster Stelle.

So kommt dann auch ein Film wie Angel’s Egg zustande. In dem die Charaktere die meiste Zeit schweigen, keinerlei Gefühlsregung zeigen, bei denen aber doch so viel impliziert zu sein scheint. Der junge Mann erzählt die Sintflutgeschichte genauso unterkühlt wie alles, dennoch schwingt dort eine große Hoffnungslosigkeit mit, die das Mädchen scheinbar mit dem Aufzeigen neuer Hoffnung im Ei aushebeln will, was seine Obsession jedoch nur zu vergrößern scheint und der letzte Push ist, dass Ei zu zerbrechen. Ein Film, bei dem jedes einzelne Bild voller Symbolik zu sein scheint, von denen man aber nie weiß, was sie genau aussagen will. Das Mädchen trägt das Ei unter ihrem Kleid wie einen Schwangerschaftsbauch, wann immer wir es aus der Sicht vom jungen Mann sehen, dem sie zunächst nicht traut, scheint sie merkwürdig sinnlich, und nachdem er das Ei zerstört, wird aus ihr eine junge Frau. Wasser ist ein wichtiges Element im Film, nicht nur am Ende mit der biblischen Geschichte, sondern wir sehen das Mädchen auch wiederholt Flaschen in den Ruinen suchen, damit sie die an Wasserquellen auffüllen und daraus trinken kann, gegen Ende gibt es eine schier endlose Wendeltreppe, die mit halb getrunken Flaschen gesäumt ist. Die grauen Gestalten in der Stadt gehen auf Fischjagd, obwohl es keine Fische gibt, stattdessen die immateriellen Schatten von Quastenflossern über die Häuserwände ziehen. Wenn das mechanische Auge zu Beginn aus der Wolkendecke bricht, weist ein schrägstehender Turn auf es, als wäre dies eine Flinte, wenn das „Auge“ am Ende dem Wasser entsteigt, wirkt dies, al würde es weinen. Der junge Mann trägt ebenfalls eine überdekorierte Waffe mit sich, die es so aussehen lässt, als habe er ein Kreuz geschultert.

Ich bin ja nicht immer der Fan von artsy fartsy Indiefilmen, wenn sie mir zu prätentiös und selbstverliebt daherkommen, oder einfach stinkend langweilen. Auf Angel’s Egg kann ich mich aber voll und ganz einlassen. Es hilft hier sicherlich, dass der Film tatsächlich maßgeblich einem Verarbeitungszweck zu dienen scheint, Oshii aber selbst die Hände in die Luft wirft, wenn es darum geht, ihm einen kompletten Sinn entnehmen zu wollen. Es kann viel interpretiert werden, denn der Film lässt einfach mal alles offen, was an sich schon interessant ist, und sicherlich bei unterschiedlichen Personen aber auch bei den gleichen an verschiedenen Sichtungen, zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt. Aber man muss ihn nicht mal verkopfen, man kann sich eben einfach auch absolut auf die Reise einlassen und schlicht beschallten lassen. Die ruhige und melancholische Atmosphäre der düsteren und detaillierten Szenarien auf sich wirken lassen. Interessanterweise hatte ich Angel’s Egg als Kurzfilm von nur so 30-40 Minuten in Erinnerung, weil eigentlich nicht viel geschieht, musste jetzt beim erneuten Schauen allerdings feststellen, dass er doch volle 70 Minuten einnimmt. Auf eine gemächliche und meditative Herangehensweise an die vielleicht oder auch nicht vorhandene Materie sollte sich also sowieso eingestellt werden.

City at the Edge of Battle & Planet Eater

Nach Planet of the Monsters Ende 2017 kamen dann jeweils Anfang und Ende 2018 die beiden Nachfolger in der Godzilla-Trilogie der Koproduktion von Toei und Netflix heraus: City at the Edge of Battle und Planet Eater. Womit die aktuelle Ära der japanischen Godzilla-Filme, die scheinbar noch keinen Titel trägt, insgesamt vier Filme zählt. Damit wird es jetzt erst Mal wieder etwas ruhiger um diese Seite, bis 2021 mit der World of Godzilla ein weiteres Cinematic Universe starten soll, sollte das Publikum Shared Cinematic Universes bis dahin immer noch nicht überdrüssig sein. Vorher müssen wir Richtung USA schauen, wo uns demnächst zwei Godzilla-Filme in deren Cinematic Universe, dem MonsterVerse, erwarten werden.

Als kleiner Refresher der Story, da die drei CG-Filme nicht so sehr eigenständige Werke sind, als vielmehr eine zusammenhängende Serie an Filmen, die Story-technisch direkt ineinander übergehen: Menschliche Zivilisation hatte den Punkt erreicht, wo sie den Planeten zu zerstören drohte. Also tauchten Monster auf. Dann tauchte Godzilla auf und hat die Monster besiegt. Aber auch die Menschheit angegriffen. Aliens A wollten helfen und mit Mechagodzilla gegen Normie Godzilla kämpfen, funktionierte aber nicht. Andere Aliens B haben also alle mit auf ihr Schiff geladen, um nach einem neuen bewohnbaren Planeten zu suchen. 20 Jahre später ist das als gescheitert zu betrachten und die wenigen Überlebenden kehren zurück, um die Erde zurückzuerobern. Auf der sind aber 20.000 Jahre vergangen, und ein Urwald voller Godzilla-DNA-basierender Monster hat sich ausgebreitet.

Ein Einsatzteam hatte in Planet of the Monsters unter Anime-Superheld Haruo nun gegen Godzilla gekämpft, gewonnen, nur um herauszufinden, dass dies lediglich ein Abkömmling war und der Original-Godzilla mittlerweile zu 300m herangewachsen immer noch existiert. Niederlage folgend.

City at the Edge of Battle beginnt nun dort, in dem Haruo aufwacht und feststellt, dass er und die wenigen anderen Überlebenden seines Einsatzkommandos, von humanoiden Wesen gerettet wurden, die sich scheinbar von Insekten über die vergangenen 20.000 Jahre entwickelt haben und dem Urwald angepasst leben. Aliens A entdecken allerdings Lebenszeichen vom Nanometall, aus welchem Mechagodzilla war. Wie sich herausstellt ist jener ebenfalls über diese Zeit hinweg gewachsen und hat sich repliziert, bis eine ganze Fabrikstadt an militärischen Waffen gewachsen war inklusive drei Mechs. Mit jenen wird OG-Godzilla nun bekämpft und sie scheinen fast auch zu gewinnen. Bis dann Aliens A allerdings alle opfern wollen, um mit dem Nanometall zu verschmelzen, damit dessen Kapazitäten verbessert werden, und überhaupt sich jenes beim Sieg über Godzilla über den ganzen Planeten ausbreiten würde. Die Menschen, vorneweg Haruo, finden natürlich wie gewohnt die Option ihr eigenständiges Sein aufzugeben weniger erbauend und so sträubt er sich dagegen. Godzilla wird also nicht besiegt.

In Planet Eater nun finden wir endlich heraus, was die religiösen Aliens B, allen voran Haruos Unterstützer Metphies, die ganze Zeit planten. Die Zerstörung des Universums. Irgendwann kam mal King Gidorah vorbei, und hat deren Planeten bis auf die wenigen Überlebenden, die nun die Priesterklasse ausmachen, zerstört. In der Erkenntnis, dass alles endlich ist, selbst das Universum an sich irgendwann zu existieren aufhören wird, haben die einfach beschlossen einen Death Cult zu gründen. Andere Zivilisationen werden aus dem Schatten zu dem Punkt geführt, an dem King Gidorah aus seiner Paralleldimension herbei beschworen werden kann, der dann den Planeten zerstört. Aber nicht wenn Godzilla und der mit der Insekten-Gottheit Mothra aus seinem psychischen Dilemma gerettet Haruo da nicht was zu sagen haben.

Im Prinzip kamen in der Trilogie also alle vier der großen Godzilla Mainstay Monster vor. Wobei allerdings nur Gidorah einen größeren Auftritt hat und mit Godzilla wrestlen darf, Mothra ist lediglich als schattenhafter Spirit Guide kurz eingeblendet und Mechagodzilla bereits in der Vergangenheit liegend. Und ehrlich gesagt fand ich auch den Kampf zwischen den beiden Monstern in Planet Eater nicht so wahnsinnig fesselnd, weil irgendwie nicht viel geschieht, außer dass sich Gidorah in Godzilla verbeißt, bis der endlich mit seinem Energiebeam zurückschlagen kann. Wirklich viel brachiale Action ist in der Trilogie echt nicht gewesen.

Gleichzeitig kann man ihr auf jeden Fall zugutehalten, dass sie nichts Erwartetes geliefert hat, sondern sich ein Stück weit weg traute. Eben in einer Zukunft spielend, in der Godzilla eigentlich schon gewonnen hat. Ihn dominant auf einer veränderten Erde herumwandeln lassen, statt durch präsente Großstädte. Und das Planet Eater Haruo plötzlich auf eine metaphorische Geistesreise schickt, Religion mal wieder böse war, Technikwahn irgendwie aber auch, und voll auf die Schiene des Nihilismus der Endlichkeit von uns als Menschen aber auch allem anderen einsteigt, ganz zu schweigen nie so ganz ein Happy End offerieren wollen scheint… ich denke niemand hat irgendwas davon wirklich von Godzilla erwartet.

Ist halt leider Schade, dass das Endresultat immer noch nicht so gut ist. Ich würde schon sagen, dass sich die Filme langsam steigerten. Planet of the Monsters war total langweilig, City at the Edge of Battle hingegen nur für seine erste Stunde der 90 Minuten. Die beiden hätten definitiv in einen Film zusammengefasst gehört. Planet Eater war dann sogar durchgängig ganz brauchbar. So richtig begeistern kann ich mich für das ganze Projekt an sich allerdings nicht. Dafür sind mir die Charaktere zu fade und werden mir nicht nahegebracht. Dafür hält es die interessanten Punkte zu lange (bis Film 3 im Prinzip) zurück, und scheint auch hier nie voll in die Tiefe zu gehen, sondern sie mehr zu servieren, um tief zu wirken. Und wie gesagt die Godzilla-Kämpfe waren auch eher lahm umgesetzt. Wäre dies hier nur Planet Eater gewesen, hätte ich noch sagen können, kann man sich ruhig antun. Aber die ganze Trilogie, nein die kann man getrost überspringen.

Resident Evil: Vendetta

Das Jahr 2017 sah einige neue Aktivität in der Resident-Evil-Franchise. Neben dem Release vom Live Action The Final Chapter und dem neuesten Videospiel Resident Evil 7: Biohazard, kam es nämlich auch zum dritten CGI-Film mit Resident Evil: Vendetta.

Der bringt uns den beliebtesten Charakter der Franchise zurück: Rebecca Chambers! Jetzt Professor Chambers, in einem argen Bruch mit der Suspension of Disbelief. Man hat ja über die Jahre so einigen Blödsinn im Namen von Resident Evil zu schlucken gelernt. Chris boxt einen Felsen? Klar. Ein Zombie-Elefant? Warum nicht. Whesker als Präsident? Ok. Aber „Professor Chambers“ geht dann doch etwas arg weit.

Sie ist sogar ein sehr integraler Charakter des Filmes. Denn ein Zombie-Virus geht um. Wow, in Resident Evil? Nicht doch. Tatsächlich ist es allerdings ein neuer, der die Zombies zu wesentlich effektiveren Waffen macht, da sie von Hersteller Arias kontrolliert werden, und somit nicht einfach jeden angreifen, den sie sehen. Rebecca, das Professoren-Superhin, hat ein Gegenmittel gefunden. Dann sieht sie auch noch aus wie die tote Frau von Arias, dem die Regierung einfach mal die Hochzeit zerbombt hat, woraufhin alle außer ihm starben, was ihn überhaupt zu seiner Zombie-Vendetta verleitet.

Was ich hieran persönlich ganz interessant fand, war die Tatsache, dass Shinji Mikami in einem Interview sagte, dass er passive weibliche Charaktere wie Rebecca gar nicht leiden kann, und nicht im Original Resident Evil haben wollte. Wirft natürlich ein wenig die Frage auf, warum man ihre Rolle im REmake nicht etwas angepasst hat, oder warum Jill in besagtem Spiel in jeder zweiten Cutscene auf den Hintern fällt und von Barry gerettet werden muss. Interessant ist das aber auch im Kontext mit Vendetta, mit dem Mikami natürlich nichts zu tun hatte. Denn Rebecca ist hier ein durchaus sehr starker und sich durchsetzender Charakter, wenn auch wie gewohnt als Medic bzw. Professor keine Kämpferin. Oder zumindest bis sie halb durch den Film durch vom Schurken entführt und zur Damsel in Distress gemacht wird. Da musste ich dann doch etwas schmunzelnd an das Interview denken.

Netterweise hat sie gleich zwei Kerle, die um ihre Befreiung kämpfen. Zum einen Leon, der wie immer in den Filmen leider nicht der DMC-Dante-light Sprücheklopfer und witziges Kerlchen bekannt aus Resident Evil 4 ist, sondern weiterhin relativ selbstmitleidig auf den Grund von Alkoholflaschen schaut, bevor er von Rebecca ins Gewissen geredet bekommt, dass man vielleicht doch mal ein paar Zombies abknallen gehen sollte. Dann stiehlt der Alte aber echt das Rampenlicht, ist Leon doch der Einzige, der hier die coolen Slow-Motion Shots bekommt im Schusswechsel mit Zombies oder auf dem Motorrad gegen Zombie-Hunde. Chris ist auch mit dabei, eigentlich der Charakter, den wir am meisten sehen werden, und absolut goldig in seiner Daddy-Nummer gegenüber Rebecca.

Aus der ganzen Sache damit, zu hinterfragen, ob eine Regierung überhaupt unterstützenswert ist, die viele Unschuldige auf einer Hochzeit umbringen, nur um einen Waffenhändler zu erledigen, macht der Film natürlich letztendlich nichts. Genau wie die beiden Freunde von Arias, Nina Williams für Arme und ihr Hühnen-Vater zwar wichtig aussehen, dies jedoch nie werden. Resident Evil halt, wen kümmert schon die Handlung – den Film an sich sicherlich eher nur auf drittrangiger Stelle. Dafür kommt er dem Rest aber nicht in den Weg.

Er ist nämlich dennoch ziemlich gefällig und vielleicht bisher die beste Film-Inkarnation der Franchise. Einfach weil er ziemlich launig unterhält. Ob es nun die Anfangsszene in der Villa ist, in der Chris mit Einsatzteam durch die dunklen Gänge geht und einer nach dem anderen von Zombie-Kindern zerfleischt wird. Teilweise in atmosphärischer Egoperspektive. Oder dann eben später, wenn die Action so richtig aufdreht, und gegen die Horden an Zombies vorgegangen wird. Dabei immer dämlicher aber auch witziger werdend. Kulminierend in einem Nachkampf Chris vs. Arias, in dem sich die beiden mit Knarren beschießen, aber dauerhaft trotz nächste Nähe verfehlen, weil sie mit Akrobatik und Fisticuffs einander beständig ausweichen. Etwas besser aussehen könnte der Film lediglich, hinkt er doch weit hinter anderen CG-Filmen wie beispielsweise Kingsglaive hinterher.

Resident Evil: Vendetta ist absolut dämlich, aber auch absolut unterhaltend. Prädikat Sehenswert.

Mary to Majo no Hana

Vorletztes Wochenende war nicht nur Ant-Man and the Wasp im Kino angesagt, sondern auch eine Vorstellung vom frisch ins deutsche synchronisierte Mary und die Blume der Hexen. Das ist der erste Film von Studio Ponoc, gegründet maßgeblich von Ex-Ghibli-Mitarbeitern. Was man auch sofort sieht, da nämlich strukturell und visuell alles versucht wurde, dies wie einen Film vom Studio Ghibli aussehen zu lassen, inklusive dem Poster- und Fontdesign beim deutschen Verleih Peppermint Anime.

Mary hat in den Schulferien ein wenig mit sich selbst zu schaffen. Sie ist bereits vor ihren Eltern zur Oma ins kleine Dorf gereist, in dem es einfach nicht viel zu tun gibt. Anderen helfen ist auch schwer, wenn man so tollpatschig wie Mary ist. Und ihre sperrigen roten Haare konnte sie sowieso noch nie leiden, da hilft es nicht das der Nachbarsjunge Peter sie als rotes Äffchen bezeichnet.

Beim Trip in den nahegelegenen Wald entdeckt Mary einen seltsamen Besen und eine wunderschöne Blume, die der Gärtner als „Flieg bei Nacht“ bezeichnet, und die laut Sagen von Hexen gesucht wurden. Die zerquetsche Blüte führt dann auch dazu, dass Mary für einen Tag zaubern kann und vor allem mit dem sich verselbstständigenden Besen zur Hexenakademie fliegt. Wo sie auf Grund von Missverständnissen als neue Schülerin betrachtet wird, und nachdem sie sich Komplimente ob ihrer nur Superhexen vorbehaltenen Haarfarbe und immenser Zauberkräfte abholen durfte, ist Mary auch nicht mehr so erpicht darauf, dies sofort aufklären zu müssen.

Zurück im Dorf muss sie allerdings feststellen, dass sie schon längst aufgeflogen ist. Denn Peter wurde entführt und ihr die Nachricht hinterlassen, dass sie die mächtige Hexenblume vorbeibringen soll, wenn sie ihn zurückhaben will.

Die Regie bei Mary und die Blume der Hexen führte Hiromasa Yonebayashi, der diese Rolle bisher bei zwei Filmen innehatte, beide von Studio Ghibli: Arrietty – Die wundersame Welt der Borger, und Erinnerungen an Marnie. Tatsächlich würde ich Mary auch auf eine ähnliche Schiene schieben: Es ist ein süß-bezaubernder Film, aber ganz den Höhepunkten Ghiblis nicht gewachsen, Ponoc konnten sich aus dem langen Schatten des ehemaligen Arbeitgebers nicht befreien.

Das lag für mich etwas an der unebenen Struktur. Nach einem Action-Feuerwerk von einem Opener, gelangen wir in einen langen ersten Akt, in dem nicht viel geschieht. Bis Mary ihren unfreiwilligen Trip zur Hexenschule hat, und der eigentliche Plot endlich loslegt, werden so einige Minuten vergehen. Wir bekommen hier Mary nähergebracht und lernen weitere Dorfbewohner kennen, aber dennoch bleiben die Charaktere etwas blass und abgesehen von Mary und Peter werden sie sowieso nicht mehr wichtig. Die zentrale Botschaft des Filmes, nämlich das es Ok ist sein normales Selbst zu sein, keine Magie beherrscht werden muss um sich zu mögen, sozusagen die Antithese der üblichen Auserwählten-Abenteuergeschichten a la Harry Potter, wird hier auch noch nicht so wirklich aufgebaut. Klar wäre Mary gern wer anders, dies scheint sich jedoch hauptsächlich auf ihre Haarfarbe zu beschränken, sie hat keine Tagträume darüber ein genialer Protegé oder ähnliches zu sein.

Wenn der Film allerdings richtig loslegt, bin ich wieder voll mit dabei. Es ist schön, dass es sozusagen keine echten Schurken gibt, sondern nur zwei Antagonisten mit fehlgeleiteten Ambitionen. Der Film ist super animiert und jeder Hintergrund mit vielen Details ausgestattet. Gerade auch viele kleine Animationen, wie die abwertenden Gesichtsausdrücke der schwarzen Katze in Marys Armen, wenn sie sich aufplustert, sind sehr charmante Randnotizen. Die Welt an sich ist ein verzauberter Ort an verwunschenen Wäldern, kleinen Hexenhäuschen und imaginativer Vorrichtungen in der Magieschule. Und wie gesagt, dass Mary eigentlich ein ganz normales Mädchen ist, das sich nur zufällig Zauberkräfte leiht, aber kein herausragendes Talent ist und als heimlicher Messias entdeckt wird, ist auch mal angenehm anders. Hier legt der Film an Action und Witz ordentlich zu.

Macht für mich unterm Schnitt einen angenehmen und netten kleinen Film aus, der die langsame erste Hälfte etwas besser hätte nutzen können, aber dann besonders in der zweiten Hälfte gut unterhält und durchgängig durch die visuelle Komponente zu überzeugen weiß. Die deutsche Synchro ist übrigens auch gut gelungen.

InuYasha VIII

Im Jahr 2008 fand InuYasha dann nach 12 Jahren mit Band 56 und über 500 Kapiteln sein Ende. Somit wurde unter fast gleichen Team auch das 2004 vorzeitig beendete Anime in 2009 erneut aufgegriffen, und die finalen Geschehnisse in den 26 Folgen von InuYahsa: The Final Act umgesetzt. Bereits im Jahr davor, als der Manga beendet war, gab es übrigens eine InuYasha OVA, welche sein Erlangen des schwarzen Tessaiga behandelt, die allerdings dann als Episode 15 in The Final Act integriert wurde.

Es ist natürlich schon ein ziemlich großer Unterschied zwischen den beiden Anime. Wo die erste Serie mit ihren 167 Folgen sich noch ziemlich Zeit gelassen hat, um dem Manga nicht zu früh davonzurennen, muss The Final Act jetzt jede Menge Material in seinen gerade Mal 26 Folgen unterbringen. Es geht alles demnach nicht nur ziemlich schnell, bereits in der ersten Folge scheint irgendwie an mehreren Fronten plötzlich jeder mit jedem zu kämpfen, sondern die Charaktere wissen nun auch teilweise Dinge, die sie am Ende von Folge 167 noch nicht zu wissen schienen, wenn ich nichts verpasst habe.

Zum Beispiel ist es nun allgemein bekannt, dass Narakus Herz in Moryomaru ist. Genau wie sowohl Moryomaru als auch Hakudoshi jetzt offen gegen Naraku sind und ihn besiegen wollen. Soweit ich mich zurückerinnere, waren sowohl wo Narakus Herz untergekommen ist, sowie die genaue Bedeutung von Maryomaru und Hakudoshi am Ende des ersten Anime noch unbekannt, und gegen Naraku hatten sie sich auch noch nicht gestellt. Auch dass im Heiligen Juwel sich eine gute und böse Seite ständig bekämpfen und aktiv in das Geschehen eingreifen wäre mir jetzt definitiv neu gewesen. Vielleicht habe ich tatsächlich nicht immer genau genug aufgepasst? Oder es kommt wirklich daher, dass doch viel übersprungen werden musste, um die restlichen Bände abdecken zu können. Es ist ja nicht so, dass man nicht mitkommen würde, manche Dinge kommen nur etwas überraschend.

Die Serie ist nun auch nicht sonderlich zimperlich damit, Charaktere umzubringen, wodurch Gefahr tatsächlich gerade für Nebencharaktere wirklich etwas bedeutet. Beispielsweise ist am Ende von Episode 1 Hakudoshi auch schon aus der Serie ausgeschieden, und in Episode 2 wird ihm bereits Kagura folgen. Deren Ende überraschend eine der stärkeren Szenen der Serie ist, auch wenn ich erneut nicht hundertprozentig weiß, warum sich ausgerechnet Sesshomaru um sie schert. Kagura hat ihm mal ein oder zwei Tipps gegeben gehabt, in der Hoffnung er können Naraku besiegen, was sie von ihm befreien würde, aber so eine wirkliche Bindung hatten die beiden Charaktere jetzt auch nicht gerade.

Richtig gut Zeit räumt sich The Final Act dann jedoch für die tatsächlich finale Auseinandersetzung mit Naraku ein, was schon passend ist, nach all der Zeit und dem Buildup. Dies startet nämlich bereits in Episode 20 und zieht sich bis einschließlich 25. Aller Charaktere dürfen noch mal auftauchen, alle dürfen an verschiedenen Fronten kämpfen, alle haben mittlerweile Upgrades in ihren Waffen oder Fähigkeiten bekommen. Nur der arme Kouga ist mal wieder außen vor, der durfte zwar ebenfalls eine neue Waffe bekommen, aber dann doch seltsamerweise nicht fürs Finale auftauchen.

Auch ein wenig merkwürdig ist ehrlich gesagt, wie die Serie gern bei den Halbdämonen in den Vordergrund stellt, dass sie eine Wahl zwischen ihrem menschlichen und dämonischen Herz haben, als wäre dies eine Entscheidung zwischen Gut und Böse. Dabei gibt es in der Serie reichlich vollwertige Yokai, die auf der guten Seite sind. Shippo beispielsweise, und Sesshomaru kann man da mittlerweile eigentlich auch hinzuzählen. Ich glaube es gibt doch manche Punkte und Themen in der Story, die über deren Entwicklung hinweg eventuell nicht mehr hundertprozentig so passen, wie das ursprünglich mal gedacht war. Dass es nur einen richtigen Wunsch beim Heiligen Juwel gäbe, wäre mir beispielsweise auch neu, und das beim falschen das ganze Drama einfach von vorn beginnen würde.

Schön ist jedenfalls auch, dass die Serie trotz der erhöhten Gefahr und nicht ganz unbeträchtlichen Sterbequote eigentlich wieder eine sehr gute Mischung findet. Neben dem Drama und den ernsten Momenten gibt es nämlich doch auch so einige humorige Einlagen, die in ihren Manierismen so sehr Rumiko Takahashi wie nie zuvor sind, und jetzt wo sich die Stellungen finalisieren dürfen ist die Romantik zwischen den diversen Pärchen wieder ganz vorn mit dabei.

Am Ende ging alles also vielleicht doch etwas arg schnell und man hätte eher die doppelte Folgenzahl anpeilen sollen, doch kommt dennoch alles zu einem runden und befriedigenden Abschluss, und ziehe ich die etwas gehetzte Gangart von The Final Act dann dem doch zu gemächlichen Voranschreiten des ersten Anime vor.