InuYasha I

Es wird also tatsächlich geschehen, knapp 200 Folgen Inuyasha und 4 Filme werden beschaut. Weil es irgendwie schon ganz angenehm ist, so eine Folge pro Tag zu schauen, als kleine Konstante am Abend. Wobei sich natürlich direkt ein Problem offenbart: Wie unterteilen? Die Handlung ist ein Durchgang ohne voneinander abgegrenzte Arcs. Staffeln gibt es in dem Sinne anscheinend auch nicht. Die ursprünglichen 167 Folgen liefen in Japan an einem Band ohne Unterbrechung. Und jede „Staffel“-Box unterteil anders. HK-Raukopien in 18 Folgen, die US-Boxen in 27, und Deutschland hatte damals die 104 hier erschienenen Folgen als zwei Staffeln a 52 Folgen angepriesen.

Ich hingegen gehe einfach mal ganz ungleichmäßig nach Openings, von denen die Serie 6 gesehen hat. Der erste Bulk sind also die Folgen 1 bis 34, denen das schreckliche Change the World voransteht. Und an sich auch nicht wirklich gut abgetrennt, denn Folge 34 ist dann tatsächlich sogar der erste Part eines Zweiteilers, endet also auf einen Cliffhanger.

Vor Inuyasha haben sich die bekannten und lang laufenden Geschichten von Rumiko Takahashi ja dadurch ausgezeichnet, dass sie Love Comedys waren, mit mehr oder weniger abgedrehten Grundideen. Sie hat allerdings auch so einige kürzere Geschichten gezeichnet, in denen sie durchaus gerne Mal dem reinen Horror-Genre frönt, hiervon ist die etwas längere Mermaid Saga noch ganz bekannt. In Inuyasha scheint sie sich vorgenommen zu haben die beiden Vorlieben miteinander zu vermischen. So haben wir es hier zum einen mit einer sehr humorigen Serie und Liebeswirrwar zu tun, aber es gibt auch mehr ernste Momente und reichlich Monster zu erlegen.

Grundsätzlich befinden wir uns im feudalen Japan. Allerdings gehört Hauptcharakterin Kagome hier nicht hin, sondern wohnt in unserer Zeit mit ihrer Familie in einem Schrein, fällt eines Tages in den verwunschenen Brunnen hinterm Haus, und reist so zurück in jene Zeit. Dort trifft sie auf den Halbdämonen Inuyasha, den sie aus der Versiegelung von einem Baum befreit, damit er sie vor einem Dämonen retten kann. Kagome sieht dabei genau aus wie die Priesterin Kikyo, die Inuyasha vor 50 Jahren an den Baum gefesselt hat, obwohl sich davor eigentlich eine Liebe zwischen den beiden angebahnt hatte. Kagome scheint die Wiedergeburt deren Seele zu sein, denn sie kann auch das mächtige Heilige Juwel aufspüren, hinter dem alle Dämonen her sind, um besonders mächtig zu werden. Darunter auch Inuyasha, um zum vollwertigen Dämonen zu werden. Dummerweise zerbricht das Artefakt allerdings im Kampf und die Splitter verstreuen sich übers Land.

Und schon hat Rumiko Takahashi eine Ausrede gefunden, um die Serie so lang laufen zu lassen, wie sie lustig ist. Denn ob es nun ein paar Dutzend oder ein paar Hundert Splitter sind, die eingesammelt werden müssen, ist natürlich nicht bekannt und selbst bereits gefundenen können ja jederzeit wieder den beiden enteignet werden.

Die ersten knapp drei Dutzend Folgen führen dann schon so ziemlich alle wichtigen Charaktere und alle Handlungsstränge ein. Beispielsweise kommt in Episode 5 Sesshomaru dazu, der komplett dämonische Bruder von Inuyasha, der ihn überhaupt nicht ab kann, und das mächtige Schwert des Vaters abnehmen möchte. Der Verwandlungskünstler-Fuchsdämon Shippo aus Episode 9 hingegen wird eher zum Sidekick-Charakter, der für den Humor zuständig ist. Ab Episode 14 erwacht Kikyo wieder zum Leben und darf ab nun die Handlung ordentlich verkomplizieren, da der aufkeimenden Zankliebe zwischen Kagome und Inuyasha nun seine alte Flamme in die Quere kommt und sie befreit von ihrem hehren Priesterinnen-Dasein auch ein wesentlich undurchsichtigerer Charakter wird, bei der nicht klar ist, auf welcher Seite sie nun steht. Der lüsterne Priester Miroku kommt in Episode 16 hinzu, und sucht die Juwelensplitter, weil sie ihn zum Erzfeind Naraku, der die Familie mit einem Fluch belegt hat, führen werden. Naraku ist im Prinzip ab Episode 18 dabei, so richtig wichtig wird er aber erst ab Episode 21, welche auch ein neues Ending Theme mit sich bringt. Er ist nämlich für die Geschichte besonders integral, da er es war, der vor 50 Jahren Inuyasha und Kikyo ausgetrickst hat sich gegenseitig zu bekämpfen, um an das Heilige Juwel zu kommen. Und in Episode 24 stößt dann letztendlich noch Sango zur Truppe, eine Dämonenjägerin, deren ganzes Dorf von Naraku zerstört wurde und der ihren wiederbelebten Bruder als Trumpfkarte bei sich behält.

Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, wie narrativ zusammenhängend Inuyasha dann doch ist. Irgendwie hatte ich mehr damit gerechnet, dass die Sache ziemlich episodisch vonstatten geht und Dämonen des Tages sich mit der Truppe einen Kampf um die Juwelensplitter leisten, während die Haupthandlung nur hin und wieder kurz angerissen wird, damit man die Lust nicht verliert. Es gibt zwar auch von sich unabhängige solche Exkurse, beispielsweise der Kampf gegen die hübsche Schädeldiebin Yura oder die ungleichen Brüder Hiten und Manten, die aus Japans Yokai-Folklore schöpfen, doch viel zumindest des Beginns von Inuyasha geht doch von aufs Wesentliche ein. Wie gesagt dauert es nicht lange, bis mit Sesshomaru die Familienverhältnisse von Inuyasha ins Licht gerückt werden, oder mit Kikyo die Vergangenheit zurückkommt um alles zu verkomplizieren, oder bis Naraku seinen ersten Auftritt hat und sowohl die Ereignisse von vor 50 Jahren in einem neuen Licht erscheinen, sondern der auch mit seiner eigenen extremen Entstehungsgeschichte daher kommt und über den Kikyo in Folge 33 sogar fallen lässt, dass er deswegen selbst nur ein Halbdämon ist.

Dass die Serie auf einen langen Zeitrahmen hinspielt, ist allerdings dennoch schon ersichtlich. So beeindruckend und Respekteinflößend sowohl Sesshomaru als auch Naraku als Gegner sein können, so klingen viele Folgen mit ihnen etwas unausgegoren aus, da sie sich immer noch mal wieder erneut zurückziehen müssen, damit der Ball im Rollen bleibt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere doch etwas arg an Ranma 1/2 erinnern. Sowohl die Hassliebe-Dynamik zwischen Inuyasha und Kagome ist ziemlich Ranma vs Akane und der feig-lüsterne Myoga ist praktisch schlichtweg Happosai. Witzigerweise sind selbst die Synchronsprecher von Inuyasha und Ranma sowie Kikyo und Akane die gleichen.

Doch bisher bleibt die Serie ziemlich gefällig. Wenn auch bekannt erscheinend, so sind die Charaktere sympathisch und unterhaltsam. Der Humor hat ein sehr gutes Timing, aber statt nur abgedrehtes Zeug zu liefern bemüht sich die Serie sowohl dramatische und spannende Momente einfließen zu lassen, immer wieder auf die Handlung und das Wesentliche zurückzuschwenken. Mit reichlich Möglichkeiten in den folgenden Folgen, um die diversen Charakterbeziehungen und -hintergründe noch zu ent- oder verwirren, denn für genug Zündstoff ist in dem Geflecht gesorgt.

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Persona 3: Fall & Winter

Okay, weiter geht’s endlich in der Version von Persona 3, die keinen merkwürdigen Zeichenstil und rudimentäre Animationen aufweist. Mit den letzten beiden Filmen, die das Schuljahr der Vanilla- und Portable-Version des Spieles ausklingen lassen wird. Denn keiner mochte den FES-Zusatz The Answer, weswegen Atlus ihr möglichstes tun, es seither unter den Tisch fallen zu lassen.

Falling Down ist dabei nicht wirklich so sehr der Herbst-Film, als vielmehr der November-Film. Denn wie ich bereits beim letzten Mal erwähnte, ist das Pacing des Spieles etwas stark auf die ersten zwei Spielstunden und dann wieder auf die Offenbarungen gegen Jahresende zentriert. Die 90 Minuten des dritten Filmes sind also ziemlich beschäftigt, denn im November geschieht echt viel.

Der Film beginnt dann auch schon direkt mitten im Kampf gegen den finalen Shadow und simultan die Strega-Persona-Nutzer. Dass Chidori sich Junpei als Geisel genommen hat, ist bereits geschehene Sache beispielsweise, nachdem sie in den Filmversionen bisher kaum miteinander interagiert hatten, abgesehen von drei scheuen Blicken und einem „Geh mir aus der Sonne“ in Midsummer Knight’s Dream. Keine Sorge, sobald Strega besiegt ist, und Chidori von den SEES im Krankenhaus gefangengehalten wird, gibt es endlich mehr dringend nötiger Szenen zwischen den beiden.

Direkt nach dem Kampf auf der Brücke geht es auch schon rasend weiter mit der Offenbarung, dass die Dark Hour doch noch nicht erledigt ist, Tartarus weiterhin erscheint, und Ikutsuki alle hereingelegt hat und der wahre Drahtzieher hinter allem ist. Ein paar Verluste folgen, inklusive ein sich von MC Makoto verabschiedender Pharos, und ein passend auftauchender neuer Klassenkamerad Ryoji. Zur Auflockerung des ganzen Doom und Gloom dann noch die Klassenfahrt nach Kyoto, inklusive der üblichen Anime-Dämlichkeit zusammen mit den Mädels im Onsen zu landen, aber statt direkt das Maul aufzumachen und die Situation zu klären, alles durch einen Schwachsinnsplan eskalieren zu lassen. Zurück daheim kommt die nächste Auseinandersetzung mit Strega, mehr Drama, und der Film endet wo er begann: Auf der Brücke unter dem unheilvollen Dark Hour Mond, wenn Ryoji, Aegis und Makoto aufeinandertreffen, um den nächsten Film mit der letzten Offenbarung beginnen zu können.

Was hier übrigens auch so sehr in der Kondensation der Materie herauskommt ist, dass einer der Pfeiler von Persona 3 ist, wie diese Teenager mit dem Konzept des Todes und der eigenen Sterblichkeit zurecht kommen. Ich mein das Spiel ist da nie sonderlich subtil mit umgegangen, immerhin „schießen“ sie sich in den Kopf, um ihre Persona zu beschwören, und das Opening bringt die Worte „Mement Mori“ plakativ unter. Nachdem Shinjiro im letzten Film den Anfang gemacht hat, ist zumindest in Falling Down nun das große Sterben angesagt. Bereits verlorene Freunde/Familie von vor Spielbeginn sowie während jener Ereignisse ist einer der Hauptkatalysatoren für die Charakterentwicklung in Persona 3 (weswegen ich auch einer der wenigen zu sein scheine, der meint, dass die Aufbereitung des P3-Endes in The Answer durchaus narrativ passt).

So auch beim neuen Charakter Makoto, der als MC im Spiel undefiniert geblieben war. Denn er macht erst Mal eine Regression in seine Gefühlskalte Schale vom Beginn von Spring of Birth mit, nachdem Shinjiro im Kampf verlorengegangen ist. Ryoji hilft ihm mit seiner unermüdlichen Art, dessen Freundschaft zu gewinnen, wieder heraus. Womit auch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen sind. Denn bei Ryoji gibt es das gleiche Problem wie mit Shinjiro im vorigen Film: Der Charakter taucht zum ersten Mal richtig auf und wird am Ende schon wieder weg sein, was im Spiel mehrere Monate Gameplay mit ihnen ausmacht, ist in 90 Minuten kondensiert eine größere Herausforderung dem Zuschauer nahezubringen. Aber hierdurch gibt es viele neue Szenen zwischen Shinji Makoto und Kaworu Ryoji, die auch dringend nötig sind. Außerdem ist Ryoji zusammen mit dem Schultripp und ein paar weiterer Randszenen von Social Links, die in den vorigen Filmen viel kürzer kamen, aber hier doch mal einen oder zwei Sätze kommentieren dürfen, weitestgehend für die Auflockerung der deprimierenden Resthandlung von Falling Down zuständig.

Winter of Rebirth fängt dann auch direkt auf der Brücke damit an, dass Makoto sich daran erinnert, wie er mit seinen Eltern einen Autounfall hatte, gerade als Aegis gegen Death kämpfte, die den Teil der Shadows in ihn eingepflanzt hat. Und Ryoji darf erklären, dass durch die Wiedervereinigung der Shadows in ihm Nyx heraufbeschworen wird, die das Ende der Welt einleitet. Punkt. Es gibt keine Möglichkeit dies zu verhindern. Lediglich ihn auszuschalten, wodurch die Erinnerungen gelöscht werden, und alle die finalen Monate in ruhiger Unwissenheit verbringen dürfen, statt sich ihrem unausweichlichem Tod bewusst zu sein.

Merkwürdigerweise ist die Szene dahingehend gegenüber dem Spiel geändert worden, als dass alle SEES auftauchen und Ryoji mit ihrer Persona attackieren, die er ausschaltet. War denen wohl ein zu langweiliger Anfang für einen Film, ihn einfach die Exposition Bomb machen und dann „bis in nem Monat, bye“ verschwinden zu lassen. Macht aber nicht so viel Sinn? Ryoji ist ja gewillt sich töten zu lassen, da er nach dem Verschmelzen mit Nyx eh seine Eigenständigkeit verliert, damit seine Freunde in Unwissenheit weiterleben können. Und außer Makoto kann ihn sowieso niemand besiegen.

Egal, der nächste Bulk des Filmes geht nun wieder auf Charaktermomente, die so detailliert im Spiel nicht vorkommen, was durchaus gut ist. Wir sehen, wie die verschiedenen Persönlichkeiten darauf reagieren, zu wissen, dass sie sterben werden. Und zwar bald und unausweichlich, statt das dies ein vages Konzept in der Zukunft ist. Akihiko verstrickt sich in unnötigen Aufgaben, die er nicht unbeendet lassen will. Junpei wird aggressiv und selbstzerstörerisch. Yukari verfällt der Apathie und wird von ihrer eigenen Persona angegriffen. Es kommt zu neuem Zwist in der Gruppe. Währenddessen bleiben Strega ziemlich cool, da sie sowieso jederzeit mit ihrem Tod zu rechnen hatten. Definitiv eine Bereicherung in der Filmversion. Genauso wie die Elizabeth-Dates erst hier anzusiedeln und sie dazu umzufunktionieren, dass sie Makoto etwas die Augen öffnet. Dadurch, dass er ihr ganz normale Dinge zeigen soll, die sie als Bewohner des Velvet Rooms nicht kennt, merkt er das auch Alltäglichkeiten wichtig sind und wie viel er über das Jahr als SEES-Mitglied erlebt hat. Das Leben besteht nicht nur aus Highlights, sondern auch den kleinen Freuden.

Nachdem die erste Stunde des Filmes rum ist, und alle auf ihr eigene Weise neue Hoffnung geschöpft haben, Nyx doch aufhalten zu können, und Ryoji nicht ausschalten, geht es weitestgehend wie im Spiel am finalen Tag weiter. Es gibt noch mal ein paar nette Action-Shots, wenn sich die Truppe zusammen den Tartarus hoch kämpft. Ein Teil bleibt zurück, um die Shadows aufzuhalten, ein weiterer wegen Strega, in einer kleinen Änderung des Filmes steht Makoto zunächst alleine Nyx gegenüber, während die durch ihre Arcana-Phasen wechselt. Wodurch wir auch noch mal ein paar Konter-Persona zu Gesicht bekommen. Auch nach hier hinten verlegt hat das Anime, dass die Charaktere durch ihren Glauben an sich selbst zu ihren ultimativen Personae erwachen.

Was definitiv merkwürdig gewesen wäre, wäre wenn Makoto beim letzten Widerstand Zuspruch von allen Social Links bekommen hätte, da die in den Filmen absolute Randcharaktere sind, mit denen wir ihn kaum interagieren sehen. Erneut begeht Winter of Rebirth die smarte Entscheidung die Szene dementsprechend etwas abzuwandeln und hat nur die anderen SEES-Mitglieder ihren Senf dazugebend. Nyx wird besiegt, alle vergessen was passiert ist, bei der Feier zum Schuljahresende erinnern sie sich wieder und kommen zum bittersüßen Wiedersehen zusammen.

Und so endet die Filmvariante von Persona 3 insgesamt doch sehr rund. Wenn es darum geht Videospiele zu adaptieren kann sehr viel schief laufen. Und Persona 3 ist definitiv kein RPG, welches sich für ein anderes Medium anbietet, weil doch viel vom Charme durch das selbst spielen der Social Links zustande kommt. Die Filme waren dann aber doch klug genug sich nicht sklavisch am Original zu orientieren, sondern hier und dort was zu ändern oder gar hinzuzufügen, damit es in 4 x 100 Minuten stimmig bleibt, wenn man eben Sozialinteraktionen und Dungeon Crawling aus dem Geschehen herausstreicht.

Recovery of an MMO-Junkie

Net-Juu no Susume, auch bekannt als Recommendation of the Wonderful Virtual Life, jedoch eher bekannt unter dem Lizenz-Titel Recovery of an MMO-Junkie ist ein noch laufender Web-Manga, der sich im letzten Jahr einer Adaption als Anime in 10 Folgen plus der mittlerweile obligatorischen Bonus-OVA, um die Heimkinoauswertung an den Käufer zu bringen, angenommen hat.

Unsere Hauptfigur ist die 30-jährige Moriko Morioka, die frisch ihren Beruf gekündigt hat, um als Elite-NEET zu leben. Wer sich mit japanischem Jargon nicht auskennt, NEET steht für „Not in Employment, Education or Training“, sprich jemand der weder eine Schule besucht, eine Ausbildung durchläuft, oder einen Beruf ausübt. Das ist häufig geknüpft an die Hikikomori, also jemand der sich zu Hause vor der Welt verschließt, und auch Moriko hat die Tendenz in einem unaufgeräumten Zustand ihre Apartment nur dann zu verlassen, wenn sie Notwendigkeiten des Überlebens im Conbini (24 Stunden geöffnete Läden) um die Ecke kaufen muss.

Nur was stellt man mit sich selbst an, wenn einem der ganze Tag zur freien Verfügung steht, man sich allerdings auf wenige Quadratmeter wegschließt? Moriko erinnert sich daran, vor einem halben Jahr ganz gern ein MMORPG gespielt zu haben, welches zwar nicht mehr aktiv ist, allerdings nach Empfehlungen für neue gegoogelt in Fruits de Mer landet. Dort den männlichen Charakter Hayashi erstellt und los kann es gehen ins Online-Leben. Netterweise trifft sie auch direkt auf die hilfsbereite Lily, die gerne den Noob unterstützt, und mit der Hayashi eine richtig gute Bindung aufbaut, obwohl beide sich sehr reserviert halten, was die realen Spieler hinter den Figuren angeht. Sogar in Lilys Gilde @HomeParty wird sie aufgenommen, durch die Hayashi weitere nette Leute kennenlernt.

Derweil wird Moriko im echten Leben von einem attraktiven Kerl mit Namen Yuta Sakurai über den Haufen gerannt. Beide vergucken sich ineinander, eine von beiden Seiten ist jedoch immer zu schüchtern, um den Ball wirklich ins Rollen zu bringen, obwohl sie sich mehrfach zufällig über den Weg laufen. Vielleicht kann ja der draufgängerischere Kollege von Yuta, Koiwai, den beiden auf die Sprünge helfen? Was ihnen zudem nicht bewusst ist, ist das sie sich bereits sehr gut verstehen… denn auch Yuta spielt Fruits de Mer, als Lily.

Recovery of an MMO-Junkie ist eine Mischung aus Slice of Life und romantischer Komödie mit Zufällen gerade lächerlichen Ausmaßes. Nicht nur das eine fast die meiste Zeit in ihrem Zimmer verbringender NEET, und ein ständig mit Arbeit beschäftigter sich wiederholt über den Weg laufen. Dann auch noch beide das gleiche MMO zocken, und sich dort sofort über den Weg laufen. Nein, stellt sich heraus Koiwai kennt Moriko sogar flüchtig, weil er in seinem früheren Job in der gleichen Firma gearbeitet hat, bei der sie kündigte. Und ein weiterer Kerl aus der gerade mal ein halbes Dutzend Leute habenden Gilde ist die Teilzeitkraft im Conbini, den Moriko regelmäßig aufsucht. Und wir finden sogar heraus, dass Moriko und Yuta im vorigen MMORPG bereits zusammen gespielt haben. Also wenn das Schicksal die beiden nicht miteinander vereint sehen will, dann weiß ich auch nicht.

Zwei Dinge fand ich an der Serie dabei besonders interessant. Zum einen das Alter der Hauptfigur. Anime über sich wegschließende Hikikomori gibt es durchaus nicht wenige, aber die sind in der Regel Teenager, die Probleme in der Schule haben, oder Studenten, die ihren Weg verloren haben. Moriko war allerdings bereits ein Teil der Arbeitskraft Japans und es wird auch erwähnt, dass sie ihren Job gar nicht schlecht gemacht hat, hat sich aber aus eigenem Willen dazu entschieden, nicht nur ihren Job zu kündigen, sondern auch keinen neuen zu suchen. Es wird leider nie direkt von der Serie angesprochen, was zu dieser Entscheidung geführt hat. Allerdings ist es so, dass das japanische Arbeitsleben schon ziemlich höllisch sein kann – wenn ein Land eine eigene Bezeichnung für „zu Tode gearbeitet“ hat, dann gibt es glaube ich ein ordentliches Problem was die generell akzeptierten Arbeitsbedingungen angeht. Zudem wird bis Heute noch häufig erwartet, dass Frauen im Speziellen nicht wirklich Karriere machen, sondern mit Mitte bis Ende Zwanzig sich in ein häusliches Leben begeben. Von daher ist es sicherlich nicht weit hergeholt, anzunehmen, dass eine generelle Atmosphäre der Überarbeitung und Unterwertschätzung hierhin geführt hat.

Die andere interessante Sache ist, dass die Flucht in die virtuelle Realität nicht universell als schlecht angesehen wir. Genau genommen dient Morikos NEET-Dasein sowieso meist nur als Gag, und sobald sich Koiwai einmischt, verlässt sie auch mehr und mehr ihre Wohnung, um sich mit ihm oder Yuta zu treffen. Aber die Sache ist die: Internet ist auch Realität. Hinter den Spielern in einem MMO stecken echte Menschen. Mit ihnen zu interagieren ist auch eine Form des Sozialisierens. Klar ist die Bande selten wirklich ganz so stark, wie bei Leuten im Offline-Leben, aber auch in MMOs gegründete Freundschaften sind grundsätzlich nicht weniger wert, und in der heutigen Zeit online gebildete Bindungen nicht mehr wegzudenken. Die Barriere des Bildschirmes kann sogar ein wenig helfen. Yuta erklärt beispielsweise, dass er nach dem Tod seiner Eltern auch eine Weile keine Menschen um sich haben konnte. Aber ganz alleine zu sein ist dann doch auf Dauer etwas einsam. Das hat ihn ursprünglich zu den MMOs gebracht – man ist alleine aber nicht einsam, denn man interagiert mit anderen Menschen durch deren Spieler, ohne den gleichen mentalen Stress zu haben wenn man denen in real gegenüberstehen würde.

Das alles etwas leichter und weniger dramatisch gesehen wird, liegt vielleicht auch daran, dass dies mehr als Bühne für das eigentliche Geschehen dient. Die Ereignisse im MMO sind mehr Slice of Life Abenteuer mit den anderen Charakteren der Gilde, statt in den Tiefen der virtuellen Welt verlorene Seelen darstellen zu wollen. Und wie bereits erwähnt verschließt sich Moriko ziemlich schnell nicht mehr in ihrem Zimmer, und dient mit ihrem NEET-Verhalten eher zum Humor der Serie. Wobei es schon absolut merkwürdig ist, dass eine der größten Stolpersteine in der Kommunikation von Yuta und Moriko daraus besteht, dass sich beide total dafür schämen in ihrer Avatar-Wahl das andere Geschlecht genommen zu haben. Als ob das nicht Gang und Gäbe wäre in Videospielen/dem Internet.

Etwas schade fand ich es zunächst dann doch, dass Recovery of an MMO-Junkie über die ernsteren Themen, die das Setting hergeben würde, hinweg geht. Oder das nichts Interessantes aus dem Gegensätzen zwischen Realität und virtueller Welt gemacht wird, wenn die Serie schon so viel zwischen beiden hin und her springt, statt wie andere sich stark auf eine zu beschränken. Genau genommen geschieht in den ganzen zehn Folgen nicht sonderlich viel Drama, da alle Charaktere nett und unterstützend sind, alle sich gern haben, und das „werden sie zueinander finden?“ nur durch Schüchternheit und leicht aus der Welt zu räumende Missverständnisse ausgebremst wird. Doch als leichtfüßigen Fluff geschaut fand ich die Serie schon ganz nett. Alles ist halt sehr unaufgeregt, niedlich und witzig, leicht zu verdauen.

Devilman Crybaby

Es muss schon deprimierend sein, wenn man ein Hardcore-Anime-Fan ist. 2018 hat gerade mal begonnen, und am 5. Januar ist das beste Anime des ganzen Jahres, an das sonst nichts mehr heranreichen können wird, gelaufen gewesen. Und dann noch auf Netflix! Letztes Jahr haben die sich noch zum Gespött aller gemacht, in dem sie einen lächerlich fehlgeleiteten Live-Action-Film zu Deathnote produziert haben, und dieses Jahr tauchen in den Netflix Originals plötzlich vielversprechende Anime-Serien wie Junji Ito Collection oder Devilman Crybaby auf!

Mit Devilman kenne ich mich sogar etwas aus. Immerhin sind mir viele der anderen Inkarnationen über die Jahre hinweg nicht unbekannt geblieben. So hatte ich vor gut zehn Jahren in kurzer Folge sowohl den Original-Manga von Go Nagai aus den 70ern gelesen, die auf den ersten beiden Bänden basierenden zwei OVA-Folgen aus den späten 80ern geschaut, und selbst den gar nicht mal so schlechten japanischen Live-Action-Film gesichtet. Gefolgt sind zudem die ersten beiden Bände plus die eher lose darauf basierende TV-Serie zum Spinoff Devil(man) Lady, und der komplette Manga der komplett wirren Neuinterpretation Darkside of Devilman, auf dem basiert im Schnelldurchlauf die Amon Devilman Apocalypse OVA noch weniger Sinn macht.

Von daher kann ich schon mal getrost offenbaren, dass Devilman Crybaby auf dem Original-Manga basiert, eine weitere der vielen Interpretationen der ursprünglichen Geschichte darstellend. Die erste der zehn an einem Stück rausgehauenen Folgen ist sogar ziemlich identisch zum ersten Band respektive der ersten OVA. Akira ist ein etwas weichlicher Schüler, der bei der Familie seiner besten Freundin Miki lebt, bekommt aus dem Nichts Besuch von seinem Kindheitsfreund Ryo. Der erzählt ihm was davon, dass Teufel wirklich existieren und in Orgien aus Sex und Blut gerne menschliche Körper übernehmen. Um ihre Existenz zu beweisen nimmt Ryo mit Kamera bewaffnet einfach den willigen Akira mit auf eine Party voll Sex und Drogen, geht für das nötige Blut mit einer abgebrochenen Flasche auf die weggetretenen Feiernden los. Und die Teufel kommen, verwandeln Leute, reißen ihre Beute. Nur Akira nicht, der wird nämlich zwar auch vom besonders starken Amon besessen, der jedoch kurzerhand Kleinholz aus den anderen Teufeln macht, um Ryo zu schützen, da Akira an seiner Menschlichkeit festhalten und die dominante Persönlichkeit in seinem Körper bleiben kann.

Der Rest der Serie mag mit so einigen Modernisierungen aufwarten, weil es nun mal 40 Jahre nach dem Original spielt, wegen der Laufzeit auch einige neue Nebencharaktere und Subplots parat halten. Doch das allgemeine Gerüst bleibt das Gleiche. Das Teufelsblut macht Akira stärker und sexyer. Er beginnt gegen andere Teufel zu kämpfen. Besonderen Augenmerk wird dabei auf die geflügelte Silene gelegt, die Amon zu ihrem Partner machen will. Inklusive verschmelzen mit Kaim und gewinnen, nur um im entscheidenden Augenblick zu sterben. Als der Anstoß dafür genommen, dass Akira zu hinterfragen beginnt, ob nicht auch Dämonen lieben können. Und auch hier geht alles den Bach runter, sobald die Bevölkerung davon erfährt, dass jeder heimlich einen Teufel in sich tragen könnte, und im gegenseitigen Misstrauen die Apokalypse hervorruft. Bis Satan das für seine finale Konfrontation mit Amon so richtig besiegelt, inklusive bittersüßem Ende mit Geheul.

Die Sache ist die, dass Go Nagai nicht unbedingt für tiefsinnige Manga bekannt ist. In Devilman und noch mehr Devilman Lady kommt er zwar gern mit langatmiger Pseudowissenschaft daher, und wie gesagt wirft er kurz die Frage auf, was Menschlichkeit überhaupt bedeutet, wenn die sich gegen Ende so bereitwillig gegenseitig abschlachten und es bei den Teufeln zu Bindungen kommen kann. Doch sonderlich smart sind seine Geschichten nicht, sondern zeichnen sich besonders durch abgedrehte Charaktere in Extremsituationen, viel Gore und nackte Haut aus. Trash vom Feinsten. Immerhin reden wir hier von einem Mann, der eine Comedy über eine Superheldin gezeichnet hat, die abgesehen von ihrer Maske komplett nackt ist, und Übeltäter mir aus ihrer Vagina schießenden Babygranaten unschädlich macht. Viel mehr als eine wahnsinniger und unterhaltsamer Ritt durch Blut und Nacktheit hat also wahrscheinlich niemand bei Devilman Crybaby erwartet.

Und tatsächlich kann ich beteuern, dass sich die Serie nicht vor jenem Ruf scheut, sondern den Irrsinn des Originals komplett zelebriert, in dem es das alles sogar noch mehr auf die Spitze treibt. Hier wird geschnetzel und gemetzelt. Hier geht es über die nackten Tatsachen zum (natürlich nie die bösen Details zeigendem) Sex. Die Charaktere scheinen manchmal geradezu vom Wahn gepackt zu werden, und die Handlung stürzt zusehends in chaotischere Abgründe. Das ganze animiert in einem ähnlichen Stil wie Studio 4°, wobei die Thematik der Monsterverwandlungen besonders Madhouses Kemonozume heraufbeschwört, in denen eine sehr flüssige Animation über allem steht, während die Charaktere eher minimalistisch designt sind und gerne mal extrem verschoben und quer gezeichnet wirken. Dazu noch ein absolut rockender Soundtrack, und schon ist die wilde und absolute Achterbahnfahrt komplett. Devilman Crybaby löst alles ein, was das Ursprungsmaterial hergibt, und macht eine wahnsinnige Gaudi draus.

Aber dann kommt die Überraschung. Denn Devilman Crybaby ist plötzlich doch viel mehr als das Original. Nach der ersten Folge schleichen sich zusehends mehr und mehr ruhigere Momente ein. In denen die Charaktere miteinander interagieren. In denen es Flashbacks in die Jugend von Akira und Ryo gibt, um deren starkes Band zueinander glaubhafter zu machen. Das von Akira zu Miki und deren Familie wird genauer beleuchtet, damit das Drama der späteren Episoden um jene besser zieht. Neue Nebencharaktere dürfen ihre eigene Arc haben. Die komplett neu definierte Miko und Schulkameradin von Miki ist beispielsweise nicht einfach nur dazu da, um als Gag zu dienen, weil sie sich von Akiras neu-dämonischen Aussehen so scharf gemacht fühlt, dass sie an ihn denkend masturbiert während die Serie die Laute eines Esels statt Stöhnen einspielt. Nein sie hat ihre eigene kleine Charakterhandlung vom Neid gegenüber Miki, dem werden zu einem Devilman-Hybriden, und dem sich letztendlich eingestehen, dass ihre Gefühle komplexer waren und sie Miki gleichzeitig geliebt hat. Der das bewusst ist. Ja, auch die homoerotischen Untertöne des Originals greift Crybaby auf und liefert gleich eine Vielzahl an queeren Charakteren. Komplett ohne Wertung, schlicht als Menschen, die existieren dürfen.

Und das ist es letztendlich, was Devilman Crybaby zum jetzt schon besten Anime des Jahres macht. Das Gesamtpaket aus allem, den dynamischen Animationen, dem wuchtenden Soundtrack, der Irrsinnigen Fahrt durch Sex and Violence, den ruhigen Charaktermomente, dem legitim berührendem menschlichen Drama, dem allumfassenden der Story inhärenten Nihilismus. Was eine Serie, was seine Perle.

KonoSuba 2

Kono Subarashii Sekai ni Shukufuku o!, oder KonoSuba: God’s Blessing on This Wonderful World, hat seine zweite Staffel und dazugehörige OVA mittlerweile auch beendet. Also erneut hinein in die Serie mit den schrägen Gesichtszügen und wild wackelnden Hängetitten!

Wirklich viel hat sich allerdings nicht geändert. Genau genommen ist alles beim Alten. Hauptcharakter Kazuma ist weiterhin ein Sozialversager, der auch in die Fantasy-Welt transferiert nicht plötzlich zu besonderen Kräften erwacht, sondern weiterhin Auseinandersetzungen höchstens durch Glück und Trickserei gewinnt. Göttin Aqua ist weiterhin schrill und anstrengend und weinerlich. Magierin Megumin ist weiterhin absolut von sich selbst überzeugt, obwohl sie nur einen einzelnen apokalyptischen Zauber pro Tag sprechen kann. Und Paladin Darkness ist weiterhin nur eine Anhängerin von Kazuma, weil er so schön fies mit ihr umgeht, und sie das M in SM ist. Die Truppe ist weiterhin objektiv betrachtet nutzlos, gewinnt mit mehr Glück als Verstand, und in dem sie mehr kaputt hauen, als es das Unterfangen wert gewesen wäre.

Nur kam es mir so vor, als würde die zweite Staffel alle diese Charaktereigenschaften bis Elf aufdrehen. Natürlich ist KonoSuba eine Parodie der üblichen Fantasy Light Novels wie Asterisk War und Sword Art Online und der ganze Mist mit ewig gleichem Schema, in dem es alle üblichen Stereotypen untergräbt, aber letztendlich bleibt halt doch jeder nur bei einem einzelnen definierenden Charakterzug übrig. Der wird eben nur immer extremer.

Ich meine so eine richtige Handlung gibt es in den Staffeln ja sowieso nicht. Offiziell soll der Dark Lord besiegt werden, ist schon klar, und irgendwie schaffen die es mal wieder so beiläufig auch einen seiner Generale am Ende der Season besiegt zu haben, doch so ein richtiger roter Faden will sich für mich nicht wirklich einstellen.

Was an sich aber noch nicht mal unbedingt sonderlich negativ ist. Mit 10 Folgen ist so eine Staffel eh schnell genug rum, als das ich persönlich noch nicht davon gelangweilt wäre, dass sie immer wieder dieselben Klänge anschlägt. Und irgendwie finde ich diese Truppe an Arschlöchern und Chaoten, die sich durchs Leben schummeln schon einen witzigen und sympathischen Haufen. Von daher war ich erneut gut und kurzweilig unterhalten.

Wartet, jetzt hab ich es. Einen guten Vergleich zu KonoSuba, zumindest für jene, die in meine Altersklasse sind und damals bereits Anime geschaut haben. Denn irgendwie ist KonoSuba schon ziemlich wie Slayers. Wenn man denn nur den Humor und die irren Charaktere übrig hat, weil man die doch immer mal wieder halbwegs ernst sein wollende Handlung herausgeschnitten hat. Also praktisch die guten Parts von Slayers minus die langweiligen.

Persona 3: Spring & Summer

Während alle dieses Jahr damit beschäftigt waren Persona 5 zu spielen, um zu entscheiden, ob dies ihr GOTY ist oder doch Breath of the Wild mit seinem emaskulierten Link mehr Spaß gemacht hat, habe ich stattdessen Persona 3 zum mittlerweile vierten Mal seit dessen Release durchgespielt. In der einzig wahren Version P3 Portable natürlich. Und das hat mich daran erinnert, dass vor gefühlten Ewigkeiten, als selbst Atlus einsah, dass nach dutzenden Spinoffs und Merchandising, um Persona 4 zu melken, man zur Abwechslung vielleicht doch auch auf Persona 3 zurückgreifen sollte, und ein Anime angekündigt wurde.

Also nicht das stinkend langweilige Persona – trinity soul –, das schon kurz nach dem Original-Spiel erschien und abgesehen von einem Cameo eines erwachsenen Akihito absolut nichts mit ihm zu tun hatte. Nein, als in 2012 das Finale der Persona 4 TV-Serie in den Kinos lief, wurde dort ja eine Filmversion von Persona 3 angekündigt, welches in vier Teilen über die nächsten vier Jahre verteilt dessen Geschichte nacherzählen sollte. Somit in 2016 endlich abgeschossen war und von mir komplett angeschaut werden kann:

Spring of Birth behandelt den Beginn der Spieles, was wenig verwundern sollte, und kommt eigentlich ganz gut an Story weg. Das wird in den nächsten Filmen definitiv ein stärkerer Drahtseilakt werden. Denn das Pacing der Haupthandlung von Persona 3 ist bekanntlich nicht sonderlich gleichmäßig. Stattdessen ist das Spiel sehr frontal- und endlastig, was die eigentliche Handlung angeht, während im Mitteilteil eher wenig geschieht. Was man mit Dungeon Crawling und Social Sim überbrückt, die ja reichlich bei Laune halten, wenn man sie selbst spielt, aber eventuell nicht für die stringenteste Narration in einem Filmformat verhelfen.

Aber soweit sind wir noch nicht, noch ist es Frühling und der Beginn des Spieles. Gut die erste halbe Stunde des Filmes machen dann auch die Eröffnungsszenen des Spieles aus. Makoto Yuki kommt an die neue Schule/im neuen Wohnheim an, die Shadow Hour macht sich breit, Yukari schreckt davor zurück sich mit dem Evoker metaphorisch das Hirn rauszuschießen, also beschwört Makoto wie von selbst seinen Orpheus, der kurz zu Evangelion 01 durchdreht, und schon ist er in die SEES aufgenommen, um die mysteriöse Shadow Hour, die zum Tartarus werdende Schule, und die darin auftauchenden Shadows zu investigieren. Junpei stößt für den ersten großen Bosskampf des ersten Vollmondes bei knapp der Ein-Stunden-Marke dazu und die restlichen 40 Minuten drehen sich um die gemobbte Fuuka und den dazugehörigen Bosskampf zum zweiten Vollmond.

Geändert wurde dabei wenig bisher, zumindest soweit mir das generell auffällt, da die Ereignisse im Spiel nun auch schon wieder bei über einem halben Jahr später im Detail etwas verwischen. Makoto kann natürlich kein stummer Protagonist sein, der komplett über Spielerantworten definiert wird, auch wenn die ersten 10 Minuten des Filmes etwas damit spielen. Stattdessen ist er etwas antisocial und allem gegenüber etwas arg blase eingestellt. Die Shadow Hour überrascht ihn nicht, er macht nur was ihm gesagt wird, er kümmert sich nicht sonderlich. Bis ihm dann zum zweiten Vollmond doch das Herz aufgeht und er für seine Freunde da sein will. Hat also eine Character Arc vorzuweisen.

Ähnlich sind die Ereignisse des Filmes etwas besser miteinander verwoben, statt wie im Spiel nach Vollmonden gestaffelt zu sein. Wir erfahren von der Existenz von Fuuka nicht erst, als das Problem des Mobbings und der verschwundenen Mädels nach dem ersten Vollmond entsteht, und haben dessen Lösung dann schon bereits beim nächsten Vollmond hinter uns, sondern es gibt im Film bereits vorher ein paar Szenen um Fuuka. Das Junpei eine wachsende Eifersucht gegenüber der Kräfte von Makoto hat oder sich Yukari mit Mitsuru alleingelassen unwohl fühlt, wird auch bereits eingestreut.

Etwas merkwürdig war allerdings, dass mir hier definitiv eine Szene mit Yukari gefehlt hat. Ganz wie im Spiel macht der Beginn von Spring of Birth ein enormes Ding daraus, dass sie sich nicht traut den Evoker zu benutzen. Nur damit sie es in der ersten (und einzigen kurz angerissenen) Dungeon Crawl Session dann doch benutzt, als wäre es Nichts. Hier fehlt mir eindeutig eine Szene dazwischen, in der sie diese Angst überkommt. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wie das Spiel dies handhabt, und ob das im Film nur mehr auffällt, weil alles so gestrafft und näher beieinander gezogen ist. Dennoch war das schon etwas holprig für einen ansonsten ziemlich simplen und geradlinigen Film.

Tatsächlich behält es Midsummer Knight’s Dream dabei, die Interaktionen mit den Social Links und das Dungeon Crawling quasi komplett aus der Anime-Adaption zu exkludieren, höchstens als Lippenbekenntnis an die Fans eine kurze Snapshot-Collage derer einzubinden. Die schlimmste Szene des ganzen Spieles, Operation Babe Hunt, musste leider drin bleiben, weil es an das Auftauchen von Aegis gebunden ist, aber immerhin war man hier schlau genug diese Anhäufung von Unwitz stark zu verkürzen und die Queer Panic draußen zu lassen.

Stattdessen nimmt sich der Film seine Spielzeit, um die Instanzen an Story- und vor allem Charakterentwicklung, die während der Sommermonate im Spiel geschehen, in ausführlicher Breite zu behandeln. Was restrospektiv eine sehr gute Entscheidung gewesen ist, weil man in der Filmversion eben nicht jeden einzelnen Tag jener Monate damit verbringt, dabei zuzusehen, wie die Charaktere langsam als Team zusammenwachsen und einem als Spieler nahe gebracht werden.

Hauptsächlich ist das natürlich während des Strandurlaubs die Revelation, dass Mitsurus und Yukaris Familie sich in dem Experiment schuldig gemacht haben, die Macht der Shadows zu nutzen, welches außer Kontrolle geraten ist und die Dark Hour heraufbeschworen haben. Aegis, Koromaru, Ken und Shinjiro treten dem Team bei. Jesus und seine Strega betreten als Antagonisten die Bühne, welche im Gegensatz zu den SEES die Dark Hour nicht aufgeben wollen, weil sie damit auch ihre besonderen Persona-Kräfte verlieren. Eine Sache, die auch der neu charakterisierte Makoto nicht unbedingt möchte, in Angst mit den Shadows verschwindet auch alles, was sein Leben seit Beginn des Schuljahres zu bereichern begonnen hat.

Hauptstück des Filmes bleibt dabei natürlich sich an Ken und Shinjiro zu gewöhnen, deren Beziehung zueinander sich entwickeln zu sehen, bis das dramatische Finale des zweiten Filmes eingeläutet wird. Während die Restgruppe damit beschäftigt ist, den Roulette-Boss zu besiegen, haben Ken und Shin ihre Auseinandersetzung, nachdem Ken herausgefunden hat, dass der seine Persona nicht kontrollieren könnende Shin daran schuld war, dass seine Mutter gestorben ist.

Mir hat Midsummer Knight’s Dream dann sogar ein Stück besser gefallen als Spring of Birth. Der erste Film war durchaus kompetent gemacht und nicht langweilig, wenn es um Videospieladaptionen geht war das Potential für viel Schlimmeres gegeben, doch er war schon etwas arg Standard. Eben nur das Stage Setting für den Rest. Nun sind endlich alle Charaktere zusammengekommen, ist viel mehr ins Laufen gebracht worden. Und vor allem zieht er viel mehr Ereignisse zusammen, die einen guten Mix geben aus Charaktermomenten, langsam einige Geheimnisse der Story anzugehen, sowohl witzige wie auch dramatische Momente auffahren zu können.

Macht insgesamt also einen weitestgehend runden Einstieg in das erste Schulhalbjahr 2009 für unseren Makoto Yuki.

Bible Black: New Testament

Der Erfolg von Bible Black ließ nicht lange mit einem Nachfolger auf sich warten. 2003 erschien die letzte Folge der ersten OVA-Serie, und bereits ab 2004 wurde Bible Black: New Testatment bzw. Shin Bible Black bzw. Bible Black: La Lanza de Longinus veröffentlicht, welches 2008 ebenfalls mit einer sechsten Folge sein Ende nehmen sollte. Im gleichen Jahr also, in dem das Visual Novel mit Bible Black: Infection erst sein Sequel sah. Und auch hier gab es während derer Veröffentlichungen zwei Nebenfolgen in Form von Bible Black Only.

Da es zu Beginn der Reihe noch keine weiteren Spiele gab, und das Original-VN auch nicht gerade irgendwelche stark alternativen Storypfade offen hat, aus denen man was machen kann, musste sich also eine eigene Fortführung ausgedacht werden. Sollte an sich nicht allzu schwer sein, die letzte Folge von La Noche de Walpurgis hat ja extra etwas Sequel-Bait in die Finalszene geworfen, in dem Kitamis Plan aufgegangen war und sie doch in Imaris Körper weitermachen konnte.

Ganz so einfach macht es uns La Lanza de Longinus allerdings nicht, denn die Serie scheint sehr dafür kompensieren zu wollen, dass der Vorgänger sich doch recht knapp gehalten hat und die Handlung insgesamt relativ simpel war. Denn über die sechs Halbstünder des Nachfolger wird man ständig mit neuen Charakteren konfrontiert, dessen Motivation häufig lange im Dunkeln bleibt, oder die obwohl sie wichtig erscheinen doch letztendlich wenig bis nichts zu tun bekommen, und worauf die Haupthandlung jetzt genau heraus will, ist auch nicht immer so einfach zu folgen. Wo Bible Black den Anschein erweckte, dass man weil man sich des Erfolges nicht sicher war, die Sache etwas arg knapp gehalten und dann nachträglich auf 6 Folgen aufgebläht hat, so wirkt New Testament eher, als hätte man das hier auf mehr Folgen angelegt gehabt, als man letztendlich realisieren konnte.

Seit dem Ende des Vorgängers sind also so einige Jahre vergangen, genug als das die Charaktere nun zumindest erwachsen sind. Imari arbeitet bei einer Psi-Sondereinsatzgruppe abseits der Polizei, Saeki und Shiraki sind nun selbst Lehrerinnen an der Schule, und Takashiro-Sensei ist keine Sensei mehr, sondern eine Priesterin. Minase wird man die Serie über nicht zu Gesicht bekommen und wir erfahren auch nie, was aus ihm geworden ist. Warum Kitami nun nicht sofort in Imaris Körper angefangen hat, Unfug zu treiben? Takashiro hat sie zwischen den zwei Serien versiegelt gehabt. Das muss als Begründung reichen, auch wenn es nicht ganz Sinn ergibt.

Die erste Folge bietet nun sich abwechselnde Schülerinnen, die mit ihren Lehrern und Professoren schlafen, um denen Informationen über die Longinuslanze zu entlocken. Dabei taucht immer mal wieder der Geist einer Blondine auf und ermordet die beiden kopulierenden Körper. Imari und ihr Einsatzteam untersuchen diese merkwürdigen Vorkommnisse. Takashiro brabbelt mysteriös vor sich hin. Und am Ende geraten Imari und ihre Kollegin Aki in einem Banküberfall, der allerdings von einem neuen Hexenzirkel gesteuert wird, um die Pfeilspitze der Longinuslanze zu rauben, und gleichzeitig erwacht in der obligatorisch dazugehörigen Orgie Kitami im Körper von Imari erneut.

Irgendwie ist jetzt Aki, auch „Frau in Rot“ genannt, wichtig für das bevorstehende Ritual. Und die Longinuslanze auch. Warum Kitami wiedererweckt wurde hab ich keinen Plan. Und was genau Kitami oder die als besagter Geist umhergehende, später aber auch Futanari-Physisch auftretende Crowley, die eigentlich hinter allem steckt, genau sich davon erhoffte? Den Antichrist via Aki gebären? Irgendwelche Kräfte durch einen Dämonenpakt erlangen? So was in der Richtung jedenfalls. Wie gesagt New Testament ist notorisch vage in den Charaktermotivationen oder –zielen und verschenkt gerne nicht nur viel Spielzeit an die obligatorischen Sexszenen, sondern auch an Charaktere, die wenig zu tun bekommen.

Saeki beispielsweise verkommt erneut zur zweiten Geige gegenüber Kitami. Shiraki ist eigentlich nur da, um einen weiteren Körper für Sexszenen zu haben. Was hat der junge Polizist jetzt eigentlich für einen Sinn gehabt, außer uns Flashbacks zu geben, in der er als Schüler eine Beziehung zur plötzlich ganz netten und weichherzigen Kitami hatte, die erneut sich stark an ihrer Porträtierung im Vorgänger reiben? Der Boss der Organisation? Die beiden am Ende der fünften Folge erst eingeführten Handlanger von Crowley? Warum ist Takashiro plötzlich in den letzten Folgen so stark im Kampf gegen die anderen übersinnlichen Charaktere, wenn sie in den ersten paar ständig stark unterlegen war? Warum ist die schwarze Bibel überhaupt plötzlich so wichtig, in der vorigen Serie schien sie zweitrangig und nur ein Mittel, um Magie zu üben?

Wenn es einer Serie zugutegekommen wäre, zwei weitere Folgen mit Erklärungen aufstocken zu können, dann wäre das Bible Black: New Testament gewesen. Aber leider gibt es hierzu keine Origins-Folgen. Denn die während dieser Serie animierten Bible Black Onlys sind lediglich 7 von der Handlung losgelöste Sexszenen, die zusätzlich auch lose während der ersten Serie angesiedelt sind. Wobei die beiden Folgen jeweils aus zwei längeren Szenen von 10-13 Minuten bestehen, die eindeutig durch das Charakterdesign mit den langen Gesichtern zeigend während in 2005 und 2006 nebst New Testament animiert wurden, während das Ende der Folgen eine kurze und im anderen Stil gezeichnete Szene von nur 5 Minuten ist, die bereits aus 2003 stammen und der Filmversion der ersten Serie beilagen. Macht 6 von 7 Szenen. Die letzte Szene, in der Imari nachts von einem Mitschüler attackiert wird, ist ebenfalls 10 Minuten und lag der japanischen Bible Black Complete Box bei, die in 2006 veröffentlicht wurde, und hat es deswegen nie (offiziell) in den Westen geschafft.

Ich meine, wer Bible Black nur als Masturbationsmaterial einlegt, der bekommt natürlich auch in New Testament viel geboten, und kann sich durch Only sogar ganz von störender Handlung lösen, aber wenn man tatsächlich die Serie auch ein wenig wegen der Hintergründe schaut, wird man sich ein wenig verloren vorkommen. Das Ding ist gar nicht mal so komplex, es ist einfach nur ein Paradebeispiel dafür, etwas unnötig kompliziert zu präsentieren.

Bible Black

Bible Black ist eines der bekannteren Erotikanime des damals noch frischen Jahrtausends gewesen. Basierend auf einem 2000 auf japanischen PCs aufgeschlagenen Visual Novel, folgte nämlich bereits zwischen 2001 und 2003 die Umsetzung in 6 OVA-Folgen, weltweit lizenziert, und so erfolgreich, dass auch eine Lokalisation des Spieles folgte. Später sogar als Bible Black Complete Version zu einem Film zusammengeschnitten. Und noch bevor die eigentliche Serie beendet war, mit Bible Black Origins (bzw. Bible Black Gaiden in Japan) die Vorgeschichte 2002 in 2 weiteren Episoden animiert. Eine 18+ Franchise, deren attraktive Charadesigns und Schuluniformen immerhin dazu führte, dass sich selbst Cosplayer ihr annahmen.

Wie immer starten wir natürlich an einer ganz normalen japanischen Schule. Man geht lernen, man ist sozial verpflichtet sich einem der offiziell optionalen Schulclubs anzuschließen, erste unerwiderte Liebe, eine wachsende Libido. Same old, same old. Ach ja, und einen abgeschlossenen Kellerraum, in dem vor 12 Jahren zur Walpurgisnacht ein Hexenzirkel ein junges Mädchen opferte, um dämonische Mächte zu beschwören, etwas gehörig schief lieft, und das alles in einem Massaker aller Beteiligten endete.

Scheinbar war auch keiner wirklich gewillt das Ding mal aufzuräumen oder neu zu verputzen, so ist das Pentagramm immer noch auf den Boden geritzt, die Kerzenleuchter liegen dort, wo sie hingefallen sind, und der Altar und die Wände sind großzügig mit eingetrocknetem Blut verschmiert. Wer so unvorsichtig agiert, muss sich auch nicht wundern, wenn einer der Schüler das dort verborgene Magiebuch findet, welches für die Zeremonie verwendet wurde.

Und was macht so ein ganz normaler Schüler wie Minase schon mit einem Zauberbuch? Na beispielsweise die hübsche Vorsteherin des Schülerrats Shiraki, die weit über seinem Niveau schwimmt, mit einer Liebesmagie belegen, auf dass sie nur noch Augen und eine offene Möse für ihn hat. Allerdings gerät der blauäugig mit dem Buch umgehende und ziemlich Hormon-gesteuert einfach zu manipulierende Minase durch seine magischen Machenschaften ins Auge von Saeki, die einen eigenen Magieclub gründen will, sowie der Schulkrankrenschwester Reika, die sich selbst Magie übt, und ein Ritual zur nächsten Walpurgisnacht geplant hat, sowie den Futanari-Fetisch des geneigten Zuschauers bedient.

Dass die Serie auf einem VN basiert, merkt man ihr dabei schon irgendwo gut an. Mit dem einzigen wichtigen männlichen Protagonist der Hauptcharakter, darum herum nur süße Mädels und sexy Lehrerinnen, wobei für so ziemlich alle eine Ausrede gefunden wird, mit Minase zu schlafen. Nach der Eröffnungsszene mit dem Rituals-Flashback zur Walpurgisnacht von vor 12 Jahren geht es erst mal fast wie in einer seichten Schulkomödie weiter, mit Minase und Kindheitsfreundin Imari, die natürlich das OTP letztendlich darstellen werden, die sich gegenseitig necken. Bis halt die Sexy Times anrollen, und etwas später dann auch das Okkulte. Was irgendwie besonders kurios ist, sind die Diskrepanzen zwischen Ende Episode 1 und Beginn Episode 2. OVAs werden ja einzeln und mit Monaten zwischen ihnen released, von daher ist es natürlich keine Seltenheit, dass eine Folge mit einem kurzen Recap oder der Endszene der vorigen anfängt, um diese erneut ins Gedächtnis zu rufen. Vor allem bei Porn, wo der geneigte Käufer vielleicht eh nicht so sehr auf die Hintergrundgeschickte geachtet hat. Die Sexszene, mit der Episode 1 endet, eröffnet auch Episode 2, nur wird aus dem Titfuck plötzlich Rimming/Fingern. Kontinuitätsproblem, oder kann jene Szene so oder anders im Original-VN ablaufen, und man hat sich gedacht, auf diese Art einfach beide der Abwechslung zur Liebe einzubauen?

Ich kann mich dem Gefühl übrigens auch nicht ganz erwehren, dass die Serie ursprünglich nicht auf so viele Folgen geplant war, und ob ihrer Popularität darauf gezogen wurde. Die ersten beiden Folgen sind nämlich von für das Genre von hoher Zeichen- und Animationsqualität, und decken schon einen Großteil der Handlung an sich ab. Episode 3 und 4 haben dann einen plötzlichen qualitativen Einbruch, nur damit die Animationsqualität für Origins und die finalen beiden Folgen wieder stark ansteigt. Wobei aber die Serie zusehends mit Sex aufgefüllt wird, um das Material zu strecken. Denn man muss schon eindeutig sagen, dass Bible Black keine Franchise ist, die zuvorderst Horror mit etwas dazugegebenem Beischlaf ist, oder zumindest Porn und Horror relativ gleichmäßig mixt. Sondern Bible Black ist ein Porno mit Handlung, und für jene hat man sich einen okkulten Hintergrund geholt, doch zuvorderst ist Bible Black Porn, in dem entsprechend häufig gerammelt wird und die simple Handlung mehr das Gerüst dazu beisteuert.

Was nicht bedeutet, dass der Hintergrund nichts hergibt. Bible Black ist schon abseits von Stöckchen-in-Löchelchen ganz unterhaltsam. Zu gestreckt für die Standard-Handlung ist es nämlich dann doch nicht. Beziehungen zwischen den Charakteren sind nicht komplett unwichtig. Und wie absolute Macht absolut korrumpiert, oder der blauäugige Umgang mit Magie schnell nach hinten losgehen kann, wird auch behandelt. Sicherlich ist es alles andere als neu oder originell, jemandem über einen Liebeszauber zu einem psychotischen Stalker werden zu lassen, aber hey, immerhin geht Bible Black den Weg. Dennoch, mit der falschen Erwartungshandlung sollte man an das Ding nicht gehen. Viel Blut und Gore, schaurige Monster, oder andere Perversionen werden wenig bis gar nicht geboten, sondern all dies soll schon sexy und attraktiv bleiben. Wer allerdings richtig auf Anal steht, hat hier seine Serie gefunden, denn Bible Black hat einen absoluten Fetisch dafür.

Dabei würde ich übrigens vorschlagen die Serie als einen Block von 8 Folgen zu schauen, und jene dann auch in der Reihenfolge der Veröffentlichung. Sprich zuerst die ersten 4 Folgen Bible Black: La Noche de Walpurgis, dann die 2 Folgen Bible Black Origins, und dann die Folgen 5 und 6 der Hauptserie. Origins erzählt dem Zuschauer im Prinzip das, was genau vor 12 Jahren geschehen und warum das Ritual damals schief gegangen ist. Das ist etwas, was zunächst nur in kurzen Flashbacks angerissen wurde, im Finale der Hauptserie dann aber auch noch mal komplett kurz erklärt wird. Wer Origins also ans Ende setzt, wird sich dort etwas mehr langweilen, weil absolut nichts Neues erzählt wird. Zumindest dann, wenn man Bible Black überhaupt (auch) wegen der Handlung schaut.

GitS Week – The New Movie

Im Juni 2015, nur wenige Tage nachdem mit Pyrophoric Cult Part 2 die zehnte und letzte Folge der TV-Version von Ghost in the Shell: Arise ausgestrahlt wurde, sahen japanische Kinos den ersten dortig releasten Film seit Innocence in 2004. Das neueste und bisher letzte Werk zur Franchise von Production IG, Ghost in the Shell: The New Movie, ist dabei natürlich im aktuellen Arise-Universum angesiedelt, statt ein drittes Oshii-Werk zu sein.

Diesmal haben wir es auch mit einer direkten Nachfolge zu tun, nicht einfach einer weiteren Handlung in der gleichen Timeline. Immerhin hat Pyrophoric Cult extra alles weit offen gelassen, um die Story hier weiterspinnen zu können. Und so wirkt The New Movie fast etwas wie ein Zusammenschluss aus zwei oder drei weiteren Folgen. Was an sich ja nicht zu bemängeln ist, man aber auf jeden Fall Arise gesehen haben sollte, um sich hieraus was ziehen zu wollen, weil doch viel aus der Serie referenziert aber nicht weiter groß erklärt wird.

Komplett auf weiter Flur würde man zwar glaube ich auch nicht stehen, wobei ich natürlich nicht vergleichen kann, da ich das Vorwissen mitbringe und schlecht ausblenden kann, aber insgesamt ist das Arise-Universum ja jetzt auch wieder kein hochgradig komplexes oder eines, was die Genre-Standards bewusst umgehen würde. Von daher kann ich mir schon vorstellen, dass man sich viel selbst zusammenreimen könnte, aber die genaue Signifikanz einiger Charaktere wäre halt dennoch nicht gegeben.

Kusanagis ehemaliger Boss in 501 mit dem Hang ihr Shirt nie zuzuknöpfen, Kurusu, ist beispielsweise jemand, der eindeutig wichtig ist, was sie hier allerdings genau tut ohne Arise etwas vage bleiben würde. Dort war es allerdings auch etwas luftig, warum genau sie wichtig ist, da sie eigentlich nicht viel gemacht hatte, bis sie in Pyrophoric Cult an Fire Starter gelangte. The New Movie zeigt uns nun beispielsweise, dass die beiden so eine gute Bindung hatten, weil sie im gleichen Waisenhaus aufgewachsen sind. Hier versucht sie einen Deal mit dem Prime Minister Japans zu organisieren, kommt aber bei einem Bombenattentat auf jenen selbst ums Leben. Sie ist dann auch genau das gegenteilige Pendant zu Kusanagi. Kurusu gliedert sich immer der Politik und dem Militär unter, sucht nach Deals, um das Weiterleben von 501 zu garantieren, während Kusanagi gezielt ihre Einheit unabhängig zu halten versucht. Immerhin gehören sie in der Arise-Inkarnation nicht mal richtig zu Section 9.

Letztendlich entbrennt ein Verwirrspiel darum, wer sich genau weswegen einmischt oder welche Agenda hat, und wem der Tod des PM dabei weitergeholfen hat. Inklusive natürlich Kurusus wirklicher Plan mit Fire Starter umzugehen. Denn ein wichtiger Punkt hier ist, dass die Cybernisation im Arise-Universum scheinbar nicht zwangsläufig positiv ist. Denn je nachdem, welche menschlichen Teile man sich ersetzen lässt, ist man eben auch davon abhängig jene warten zu lassen. Und es kommt zu ziemlichen Problemen damit weiterhin Upgrades und Reparaturen für das eigene Modell zu bekommen, statt das es obsolet wird und sich keiner mehr drum kümmern kann. Kurusus „Dritte Welt“, die sie erschaffen wollte, ist dann auch eine im Netz des Cyberspaces, in dem der individuelle Körper nicht mehr wichtig ist, egal ob menschlich oder robotisiert, egal welches Modell, alle sind gleich, weil nur noch ihr „Ghost“ zählt. Das Militär derweil hat das Problem, dass nicht mit der rapiden Cybernisierung gerechnet wurde, und durch sie immer mehr Macht an die Großkonzerne fällt, die nicht zwangsläufig das Wohl der Nation im Sinne haben.

The New Movie ist also schon etwas komplizierter und politischer als Arise davor gewesen ist, wobei man eigentlich immer noch ziemlich gut mitkommen kann, auch wenn erneut ein paar Charaktere etwas kurz oder vage gehalten werden, so dass man sich um deren Motivationen und Ziele nicht komplett sicher sein kann. Irgendwie wirkt halt doch jede weitere Addition von Arise so, als würde sie Grundlagen für eine Weiterführung legen, die vielleicht oder auch nicht bereits geplant ist. So wie Arise eigentlich mehr wie das Finden der Truppe um Kusanagi wirkte, auf das aufbauend eine längere Serie hätte starten können, so setzt The New Movie zwar einen guten Schluss zur OVA, ich konnte mich des Gefühls allerdings nicht erwehren, dass es ebenfalls die Option auf eine Nachfolgeserie oder weitere Filme weit offen gelassen hat.

Von daher zieht hier mehr oder weniger, wie ich auch schon nach Arise verblieben bin. Nur dass durch das Fehlen einer Folgenaufteilung eben die qualitativen Unterschiede schwanken. Etwas tiefer geht es schon, aber so wirklich die Komplexität, die man von vorigen Ghost in the Shells gewohnt ist, wird hier auch nicht erreicht, erneut mit anderen Charakteren käme man eventuell gar nicht darauf, dass dies hier GitS sein soll. Aber als reine SciFi-Action unterhält das Ding schon sehr gut.

GitS Week – Arise

Weitere 7 Jahre lag die Franchise zunächst brach, bevor es mit Arise in den nächsten Reboot von Ghost in the Shell ging. Dessen Veröffentlichungspolitik schon recht interessant ist. Über 2013 und 2014 hinweg erschienen 4 OVA-Folgen von jeweils einer Stunde. In 2015 wurde dann Ghost in the Shell: Arise Alternative Architecture im japanischen Fernsehen ausgestrahlt, welches allerdings nur die 4 Episoden in 8 gekürzte aufteilte, und außerdem den vierten Film an den Anfang stellte. Allerdings dann doch noch 2 neue Folgen oben drauf gab, die anschließend als 5. OVA nachgereicht wurden.

Diesmal starten wir übrigens da, wo noch kein Ghost in the Shell gestartet ist: Noch bevor sich das Team um Major Kusanagi gebildet und seine Arbeit für Section 9 angefangen hat. Stattdessen ist deren Zusammenwachsen sozusagen der rote Faden der Serie. Border 1 erzählt, wie Kusanagi aus ihrer Einheit 501 aussteigt, bereits auf alle anderen Charaktere trifft, und von Aramaki offeriert wird, ihr eigenes unabhängiges Team zu bilden. In Border 2 schafft sie sich dann fast alle davon heran, in Border 3 trifft auch das letzte Mitglied (erneut Tugosa) dazu, und in Border 4 erhalten sie endlich ihre volle Unabhängigkeit. Das auch mit einem schönen runden Ende, sozusagen ab jetzt können sie so richtig losgehen, während Border 5 dann ein paar übriggebliebene Fäden erneut aufnimmt, um eine Brücke zum kommenden Film zu schlagen.

Die Haupthandlung der einzelnen OVAs ist dabei hingegen eher episodisch geraten. Wie gesagt das Bilden des Teams ist ein roter Faden, dazu gibt es kein direktes Payoff hier zur mysteriösen Leiterin der Einheit 501, und das Virus Fire Starter. Es ist also nicht so, dass es nicht doch ein paar Zusammenhänge gibt, die immer so ein wenig im Hintergrund mitlaufen. Doch der Hauptauftrag der Folgen ist eher ein jeweils neuer Einsatz.

Im ersten wird das Hirn von Kusanagi gehackt, und sie muss herausfinden, was wirklich mit ihrem ermordeten Vorgesetzten geschehen ist. Auch in der zweiten Folge geht es um manipulierte Erinnerungen, durch die ein Ex-Militär als Rache und um das zu offenbaren, was er als Wahrheit ansieht, eine großangelegte Terroraktion plant. Die dritte Folge sieht Cyborg-Prothesen, die ihre Träger unwissentlich zu Bombenträgern machen. Folge Vier führt dann das Virus Fire Starter ein, welches sich erneut in die aufgerüsteten Cyber-Hirne einschleust, um die Wahrnehmung zu verändern. Und wie gesagt, Folge Fünf führt jenen Strang fort und öffnet die Serie erneut zu einem Sequel, statt das rundere Ende der vierten Episode zu bieten.

Was bei Arise ziemlich schnell auffallen sollte ist, dass es die bisher wohl gewöhnlichste Inkarnation der Franchise ist. Die Charaktere haben ein simpleres Design, um frischer zu wirken. Wobei jeder noch stark wie das Original aussieht, abgesehen von Kusanagi, die mit ihrer Figur wie eine 14-Jährige und dem Tragen von roten Lederoutfits sowie kessen Art mehr wie eine weniger nuttige Variante von Armitage III daher kommt. Es gibt eine Menge Action, Explosionen, Verfolgungsjagden, Schießereien etc. in den Folgen. Dafür wenig lange Szenen, in denen die Charaktere hochtrabend philosophische Gespräche führen. Ja die Denkanstöße sind im Prinzip hier gar nicht vorhanden. Selbst die exotische Musikrichtung ist gegen einen Standard-Soundtrack ausgetauscht worden. Die Charaktere an sich sind auch so menschlich und emotional wie noch nie portraitiert. Die Antagonisten sind immer schon von Folgenbeginn an ziemlich offensichtlich, alleine dadurch, dass sie vorher nie gesehene Charaktere darstellen, die plötzlich total wichtig sind.

Aus Ghost in the Shell ist also in der Arise-Inkarnation überraschend konventionelle SciFi-Action geworden. Weitestgehend allerdings nicht unbedingt schlechte. Die Action stimmt, die Charaktere sind sympathisch, und die Animationen sind sehr flüssig und schnell. Das Ding sieht gut aus und unterhält schon. Nur ein bisschen mehr Anspruch gehört bei Ghost in the Shell eigentlich ja schon dazu, und der ist in Arise gar nicht mehr wirklich gegeben.

Herausstechend aus der durchaus qualitativ guten Serie ist dabei allerdings Border 3: Ghost Tears. Denn aus dem Nichts hat Major Kusanagi plötzlich einen Freund. Kusanagi, die in den vorigen Inkarnationen nicht sonderlich viel zwischenmenschliche Zuneigung gezeigt hat und wenn überhaupt Sexualität ausstrahlte, dann nur impliziert und nur anderen Frauen gegenüber. Sie mit einem Mann zusammen zu sehen, ist an sich schon irgendwie total merkwürdig. Dass sie sich dem Prettyboy gegenüber aber auch wie ein frisch verliebtes Schulmädchen gibt, mag so gar nicht zu ihr passen, selbst zu dem neu definierten Charakter, der sie in Arise ist.

Arise ist also sozusagen das Ghost in the Shell für diejenigen, denen das Setting an sich zwar gefällig war, die aber mit den unterkühlten Charakteren nicht warm wurden, und welche die hochtrabende Philosphiererei als störend ansahen. Geradliniger eben, abgespeckter, und leichter zu verdauen.