Digimon, Pokemon & Clear Cards

Schon wieder Quickies? Schon wieder Quickies! Diesmal zum Thema Anime. Weil ich da drei gesehen habe, über die es zwar was zu sagen gibt, aber nicht unbedingt viel. Deswegen das alles voll effizient und ökologisch wertvoll zusammengebündelt, statt einzeln rausgehauen zu werden.

Zunächst geht es direkt mit Digimon weiter. Und zwar dem Fernsehfilm X-Evolution. Keine Relation zur TV-Staffel Digimon X-cross. Sondern auf sich alleine stehend. Und komplett in der Digimon-Welt veranlagt und nur mit Digimon in den Rollen. Da die ja richtig sprechen können und eine eigene Gesellschaft haben, statt wie Pokemon Tiere zu sein, kann man das ja mal machen.

Und es ist herrlich dämlich. Also irgendwie gab es eine Art Apokalypse, nur noch wenige Digimon sind im von Gottheit Yggdrassil beherrschten Gebiet beheimatet. Aber der will einen Teil davon auslösen, weil es immer noch zu viele sind. Was in seinem Auftrag eine Art Ritterbund macht. Die haben aber nicht mit dem Erlöser-Digimon gerechnet, was von Wolfvieh zu Supermecha evolutionieren kann. So oder so ähnlich, denn trotz der gerade mal ca. 80 Minuten geschieht hier so viel Zeug mit so wenig Erklärungen, dass es echt schwer ist am Ball zu bleiben und die Übersicht zu behalten, was wir jetzt warum genau machen. Wer wen weshalb bekämpft.

Ich kann mir halt einfach das Lachen nicht verkneifen. Wenn, was Dank des CG und der üblichen Designmentalik der Franchise wie edgy Plastikfiguren aussieht, plötzlich anfängt Götter anzubeten, sich heldenhafte Ritterduelle liefert, eine Existenzkriese erfährt, oder darüber philosophiert, ob ein wenig Genozit bei zu hoher Überbevölkerung nicht doch gut ist. Es ist einfach sowas von lächerlich, dass es aus allen nicht gewollten Gründen eigentlich sogar ganz gut unterhält.

Pokemon: Twilight Wings hingegen ist ziemlich bodenständig. Denn es sind nur 8 Folgen von jeweils unter 10 Minuten, die zusätzlich gratis gestreamt wurden. Das Konzept ist, dass jeweils ein kleiner Einblick in einen Charakter aus den aktuellen Schwert/Schild behandelt wird. Lose zusammengehalten durch den narrativen Faden eines kleinen Jungen im Krankenhaus, der sich nichts sehnlicher wünscht, als irgendwann im Stadium zusehen zu können, wie der Champion seinen Rang verteidigt.

Mal bekommen wir einen Eindruck in die herzige Beziehung von Hop mit seinem Pokemon. Den hektischen Alltag von Workaholic Olivia. Yaroo inmitten seiner Schafherde, Kate bei ihren Modeljobs, Saida hart im Training. Plus eine nachgeschobene achte Folge, die stark den DLC anpreist. Kaufen Kinder, kaufen.

Aber tatsächlich fand ich die Episoden sehr unterhaltsam und herzig. Sie tun das, was der Anime sonst nicht schafft. Und zwar einem die Pokemon-Welt tatsächlich als lebendiges Ökosystem, das ganz normale Zusammenleben mit den Pokemon, zu zeigen. Wobei ich hier der TV-Serie natürlich auch Unrecht geben kann, denn ich habe davon ja nur damals die ersten Staffeln gesehen. Twilight Wings bietet auf jeden Fall sehr schön inszenierte und gut animierte kurze Ausflüge in die Welt von Schwert/Schild.

Zum Schluss haben wir noch Card Captor Sakura: Clear Card, von dem ich anfänglich gedacht hätte, bestimmt mehr schreiben zu müssen. Aber so wirklich bewahrheitet hat sich das nicht. Nachdem Clamp mit Tsubasa und xxxholic fertig waren, sind sie auf den Zug aufgesprungen, späte Sequels oder Reboots zu starten, um die Nostalgie derjenige, die um 2000 rum Kinder/Jugendliche waren, zu melken. In dem eine dritte Story Arc Card Captor Sakura gestartet wurde, dessen Manga bis heute noch läuft. Während das Anime bisher aus einer Staffel an 22 Episoden aus 2018 besteht.

Drei Jahre sind vergangen und Sakuras Karten werden plötzlich zu reinen glaskaren Hülsen. Aber neue Dinge machen die Stadt unsicher, die sich von ihr fangen lassen und zu ganz neuen Karten werden. Die allerdings häufig ein Äquivalent zu den Alten darstellen. Shaoran ist auch aus Hong Kong zurück, um nun an Sakuras Seite zu bleiben. Und ein neues Mädchen ist mit ihrem Butler ins ehemalige Haus von Eriol eingezogen, was sicherlich keinerlei Wichtigkeit haben wird.

Ich muss sagen, dass ich Clear Card zwar ganz nett fand, es mich aber nicht ganz abgeholt hat. Zunächst einmal ist das Pacing ganz komisch. Es macht fast den Eindruck, als hätte man dem Team kurz vor Schluss erst gesagt das… nun ja halt eben Schluss ist. Die Serie plätschert so ein wenig mit episodenhaften Eskapaden vor sich hin. Was nicht schlecht ist, die Original Clow Cards Story Arc ist ja auch so. Halt einfach jeweils die Charaktere und ihre Beziehungen etwas näherbringen und nebenbei die Karte des Tages fangen zu müssen, die narrativ wesentlich weniger wichtig ist. Doch dann auf die letzten zwei Folgen wird plötzlich ein Ball an Exposition losgetreten und ein frühzeitiges Finale geschaffen, welches sich aber wieder ausnullt, weil die Handlung ja eigentlich noch weitergeht. Das wirkte plötzlich etwas überstürzt.

Eine andere Sache, über die ich mich Gedanken beim Schauen gemacht habe, sind die Charaktere. Und zwar, ob sie eindimmensionaler geworden sind. Irgendwie kam es mir etwas so vor, als wären sie hautpsächlich nur One Trick Ponys. Kero-chan ist verfressen. Tomoyo hat eine Obession Sakura zu filmen. Shaoran hat eigentlich gar keine Persönlichkeit mehr, außer das seine Gefühle zu zeigen ihn peinlich berührt macht. Ich fand die Charaktere immer noch sehr niedlich und unterhaltsam, bin mir aber nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich sie aus der vorigen Serie noch so gut kenne. Wäre interessant zu wissen, ob sie einem auch ans Herz wachsen, wenn man nur Clear Card geschaut hat.

Das soll wie gesagt nicht heißen, dass Clear Card schlecht ist. Es ist immer noch eine ganz nette kleine Serie zum Entspannen und nebenbei wegschauen. Aber so gut wie die Sakura Card Arc der ersten Staffel wurde es halt im CCS-Anime auch leider nie wieder.

The Digimon Adventure Movies

Ach ja Digimon, wie nostalgisch. Bandais Antwort auf den Tomogatchi-Hype, der dann zur Antwort auf den Pokemon-Hype unfunktioniert wurde. Vom Kinderspieltzeug in 1996 zur Kinderserie im Fernsehen in 1999. Die ersten Staffeln habe ich sogar auch mitgenommen damals. Erinnere mich sogar noch daran, dass von der allerersten die finalen Folgen erst in der Wiederholung ausgestrahlt wurden, weil man bei RTL2 einen Standardvertrag über 52 Folgen mit Toei Animation machte, Digimon Adventure 1 aber 54 lang war.

Selbst den Kinofilm habe ich damals gesehen, sogar im Kino an sich. Bekanntermaßen ist da die westliche Version allerdings ein Zusammenschnitt von drei individuellen japanischen Filmen. Die einen überraschend guten Ruf haben, weil ein Star-Regisseur hier seine erste Erfahrungen sammelte. Nämlich niemand anderes als Mamoru Hosoda, dem wir Filme wie Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Summer Wars, oder Die Wolfskinder zu verdanken haben. Ich habe mal die Gelegenheit einer nostalgischen Anwandlung von mir genutzt mir die einzelnen Original-Filme anzuschauen.

Der erste davon ist schlicht betitelt Digimon Adventure, also gleich zur ersten TV-Staffel, die einen Tag nach der Erstaufführung des Filmes anlief. Der Film ist auch genauso schlicht gehalten, hat er doch nur 20 Minuten zur Verfügung. Kenner des westlichen Filmes finden ihn als dessen Prolog wieder. Denn er springt in eine Zeit, wo Hauptcharakter der Serie Taichi und seine Schwester Hikari noch ganz kleine Kinder waren. Und deren erste Begegnung mit einem Digimon haben. Vom aus dem Computer gesprungenen Ei, hin über die Evolutionen zum Kampf Greymon versus Parrotmon in den Straßen der Stadt.

Was mir beim Film direkt erneut auffiel ist, wie entgegen er den Erwartungen er doch schwimmt. Ich glaube kaum, dass irgendwer große Ansprüche hier stellte, immerhin ist er nur ein glorifiziertes Prolog-Special zur demnächst startenden TV-Serie, die wiederum hauptsächlich dazu gedacht ist, den Kids Spielzeug anzudrehen. Nehmt einen Rookie als Regisseur, lasst ihn schnell was zusammenschmeißen, wie er will, gut ist. Aber der Film ist richtig gut geworden! Er schafft es unglaublich gut das alltägliche Leben der beiden Kinder im Familien-Appartment mit der Tatsache, dass man plötzlich einen Dino großzieht, gegeneinander aufzuspielen. Er geht auch ganz mutig in die Richtung, die Digimonster als solche zu präsentiren. Hier sind die Viecher wesentlich mehr in Größenrelation mit ihrer Umgebung. Wenn Koromon zu Agumon wird, reicht das plötzlich unter die Decke der Wohnung. Greymon versus Parrotmon ist ein richtiger Kaiju-Kampf zweier mehrere Stockwerke hoher Monster in den Wolkenkratzerschluchten. Der Film gibt damit der ganzen Angelegenheit einen sehr realistischen und geerdeten Anstrich, den man so in der TV-Serie nie zu sehen bekommen wird.

Und dann noch die ganzen detaillierten Animationen. Hier wurde nicht nur alles darein gesteckt den Kampf der Monster möglichst cool zu gestalten (welcher aber freilich auch sehr spannend und dramatisch anzusehen ist), um die Viecher als Spielfiguren verkauft zu bekommen. Es steckt eben auch viel Liebe in den Bewegungsabläufen der beiden Kinder. Wenn Hikari nach dem weggerollten Ei sucht, oder Taichi zum Frühstückmachen auf einen Hocker klettern muss. Wenn Agumon einen Getränkeautomaten zerstört hat und die kleine Hikari verzweifelt die wegrollenden Dosen aufzusammeln versucht, um das Missgeschickt ihres Haustieres wieder in Ordnung zu bringen. Es ist einfach herzallerliebst anzusehen.

Oder kurz gesag: Mamoru Hosoda hat aus diesen 20 Minuten TV-Serien-Prolog alles rausgehalt, was rauszuhalen war.

Da hat man ihn sich natürlich direkt im nächsten Jahr für den zweiten Film zurückgeholt, den 40-minütigen Digimon Adventure: Children’s War Game. Am Ende der ersten TV-Staffel angesiedelt schlüpft diesmal das digitale Ei von Diablomon, der immer mehr Daten frisst, was viele Computergesteuerte Geräte der Welt durcheinanberbringt, bis schließlich sogar nuklare Raketen abgefeuert werden. Es bleiben zehn Minuten, um ihn zu besiegen, damit sie nicht detonieren.

Erneut gibt es viele Szenen der Digi-Ritter in ihrem alltäglichen Umfeld, denn Taichi und Koshiro sind vom eigenen Wohnzimmer übers Internet in den Kampf zugeschaltet, während der Rest der Truppe in den Sommerferien zerstreut im Urlaub oder bei Freunden ist. Das hilft erneut, um der Gefahr mehr Gewichtigung zu verleihen, auch wenn der Film nicht ganz so bodenständig ist wie der Vorgänger. Weil diesmal halt die Action in der virtuellen Welt stattfindet. Hier sieht man dann auch bereits Hosodas Faible dafür, virtuelle Welten als weiße Räumen mit singalfarbenen Akzenten darzustellen. Man kann sagen, dass dies stilistisch eindeutig der Vorgänger zu seinem Kinofiilm Summer Wars ist.

All das erneut mit dem ganzen Schwung und Leben in den Szenen, die wir auch vom ersten Film gewohnt sind. Seien es nun die humorigen Einlagen und entgleisten Gesichtsausdrücke Taichis in der realen Welt, bei den kurzen Einblicken in das Leben der anderen Charaktere, oder die mit viel CG unterstützen Kämpfe der Didgimon im Cyberspace. Bei der überschaubaren Zeit wird’s eindeutig nicht langweilig.

Immerhin haben die beiden Filme von Mamoru Hosoda damals in Japan genug Eindruck hinterlassen, als dass Studio Ghibli ihn auf der Suche nach neuem Talent für die Regie von Howl’s Moving Castle verpflichtete. Letztendlich wurde daraus zwar nichts, doch ihm gelang anschließend der Sprung zum Studio Madhouse, wo er seinen internationalen Durchbruch mit den eingangs erwähnten Filmen finden sollte. Ab dem dritten Film stand er also Toei Animation und der Digimon Franchise nicht mehr zur Verfügung.

Der noch im gleichen Jahr herausgekommen Film und erste zur zweiten Staffel, ist dann auch der letzte, der in den westlichen Film integriert wurde. Im Original ist der als zwei halbstündige Teile im Doppelfeature gelaufen: Digimon Hurricane Touchdown und Transcendent Evolution! The Golden Digimentals. Die ergeben aber einen durchgängigen Film von 65 Minuten.

Dieser Teil macht auch ein wenig das Kernstück der amerikanischen Version aus, was nicht weiter verwundert, wenn man sich das Setting betrachtet. Diesmal macht der Cast von Digimon Adventure 02 nämlich gerade Urlaub in den USA, wo sie auf Wallace treffen. Der hat als Kind zwei Digimon bekommen, von denen eines allerdings spurlos verschwand. Bis es nun fies verändert wieder auftauche und ihn terrorisiert, in der Hoffnung zur ursprünglichen Zeit mit Wallace zurückkehren zu können.

Ich möchte zunächst einmal sagen, dass mir die Idee des Filmes durchaus gut gefällt. Die gebrochene Freundschaft, die sich zu einer Psychose entwickelt hat, kann für echt guten Stoff sorgen. Für einen Kurzfilm von erneut 30 Minuten. Dass der Film die doppelte Länge geht führt leider dazu, dass er zunächst einfach unglaublich langgezogen ist, während wenig geschieht, außer das Wallace ständig gefragt wird, warum das Digimon hinter ihm her ist, der darauf noch nicht zu antworten bereit ist. Der neue Regisseur Shigeyasu Yamauchi schafft es auch nicht, jene Szenen mit der richtigen zwischenmenschlichen Wärme oder unterhaltsamen Einlagen der Charaktere zu füllen, die ein Hosoda hier hervorgezaubert hätte. Stattdessen fühlt sich der komplette Mittelteil so an, als würde Wasser getreten, bis es endlich ins Finale gehen kann. Als sehe man depressiven Charakteren dabei zu, wie sie Emotionen lediglich vortäuschen.

Und das Finale ist ebenfalls total merkwürdig. Endlich passiert mal was, klar, und die finale Evolutionen des Antagonisten sind auch gewohnt freaky. Aber die Vibes sind einfach absolut strange. Szenen haben unerwartet überhaupt gar keine musikalischen Untermalung, oder der sehr zurückhaltende Country-Einschlag kommt wieder rein, statt endlich mal so richtig Vollgas zu geben. Das resultiert erneut in einer extrem unterkühlten und emotionslosen Stimmung, die sich hart mit dem tränenreichen Gekämpfe beißt. Der Flow des Filmes ist erneut fundimental gebrochen. Der Stil passt definitiv besser zum postapokalyptischen Cashern Sins, bei dem Yamauchi Series Director war, als zu Digimon Adventure 02.

Einen vierten und letzten Film gab es zum Original Adventure zum Ende der zweiten Staffel in 2001 dann auch noch. In Digimon Adventure 02: Mewtwo Diablomon Strikes Back bekommt es der ganze Cast an Charakteren erneut mit dem Bösewicht aus dem zweiten Film zu tun, der sich an den Kids rächen will, die ihm damals seine Pläne vereitelt haben. In dem er diesmal sogar in der realen Welt auftaucht, statt nur virtuell sein Unwesen zu treiben.

Der 30-Minüter tut dabei sein Mögichstes, um den Stil von Hosoda aus den ersten beiden Filmen erneut einzufangen. Der Zeichenstil geht dahin zurück in den Charakteren etwas unsauberer und weniger detailliert zu sein, damit sie dafür besser durchanimiert werden können. Daisuke macht die gleichen Funny Faces, die Taichi machte, um mal wieder zu zeigen, was für ein Kloncharakter er ist. Das Farbschema bemüht sich um die gleichen Kontraste. Die Cyberwelt ist also mal wieder sehr hell-leuchtend weiß mit poppigen Farbakzenten, während die Szenen in der realen Welt bodenständiger zurückhaltende Kolorisation aufweist. Diablomon und seine finale Entwicklung agieren wie ein Eva im Berserker-Modus, der nach dem nächsten Engel sucht, den er lebendig fressen kann. Neben den Insert Songs besteht der Score erneut aus klassischen Melodien, Maurice Ravels Bolero inbegriffen.

Das funktioniert erneut alles übrigens sehr gut. Wie gesagt scheinen die Digimon-Filme alle nicht sonderlich hoch in der Prioritätenliste von Toei Animation gewesen zu sein, verpflichteten sie doch als Regisseure immer Newcomer oder Leute, die zuvor nur für vereinzelte TV-Folgen verantworlich waren. Hosoda hat da die Chance ergriffen mit seinem noch unentdeckten Talent zu strahlen, vielleicht war es da echt einfach die günstigste Entscheidung ihn impersonifizieren zu versuchen, auch um einen runden Abschluss hinzulegen. Da es wieder alles in einer halben Stunde über die Bühne geht, kann es zudem auch gar nicht langweilig werden, oder große Diskrepanzen aufweisen, die es nur als billige Kopie entlarven würden.

Ich fand den es auf jeden Fall sehr angenehm, obwohl ich nie der größte Digimon-Fan war, in diesem Rewatch etwas nostalgisch in die Adventure-Zeit zurückzukehren. Dass drei der vier Filme qualitativ auch durchaus überdurchschnittlich sind, hilft dem natürlich ungemein. Wer weiß, vielleicht versuche ich mich demnächst dann mal an den sieben Tri/Kizuna Filmen

Card Captor Sakura

Vor langer langer Zeit, in genau diesem Land, lebte ein jüngeres Ich. Eines, das Ende der 90er Anime verfiel und kurz darauf folgend auch Manga. Eines der früheren Werke, dich ich las, war Clamps Wish. Sofort dem Zeichenstil des Mangaka-Quartetts verfallend, bald darauf in einer AnimaniA oder dem Internet oder beidem lesend, was für ein großer Deal die Damen sind. Anfang der 2000er kamen mehr und mehr ihrere Manga nach Deutschland. Von den großen ersten Serien wie RG Veda und X über zu eheren kürzeren Exkursen wie Miyuki-Chan in Wonderland oder Justice Guards Dukylon zu den damals neuesten Werken wie Angelic Layer und Chobits.

Alles wurde lizenziert, was von ihnen gezeichnet war, und ich kaufte mir alle diese. Und Artbooks und so weiter. Zu den letzten Manga, die ich je kaufte gehörten die erten Bände von Tsubusa Reservoir Chronicle, xxxholic und das Clamp in Wonderland Magazin, alle bezeichnend darauf aufbauend das 15-jährige Bestehen von Clamp zu feiern.

Eines ihrer beliebtesten Werke ist und bleibt dabei Card Captor Sakura, welches nebst den 12 Original-Bänden auch eine zentrale Rolle eben in Tsubasa spielt, mittlerweile mit der Clear Card Saga ein noch laufendes Sequel erhalten hat, und dem als Speerspitze das komplette erste Heft der Jubliäums-Magazine gewidmet ist.

Card Captor Sakura, welches ich selbstredend zu seiner deutschen Veröffentlichung gekauft und gelesen habe (plus die damals erschienenen 3 Artbooks und das Clow Card Book), ist allerdings auch wahlweise in einem Anime erlebbar. 70 Folgen liefen zwischen 1998 und 2000 über die japanischen Bildschirme und zwei Filme im Kino. Das kannte ich bisher allerdings nur partiell.

Zugegeben hatte es die Serie im Westen auch teils nicht einfach aus den Startlöchern zu kommen. Mehr als infam bekannt ist beispielsweise die Nordamerikanische Version als Cardcaptors, bei dem man plötzlich in einer 180er-Drehung ein Jungen-Publikum ansprechen wollte. Mit entsprechenden Änderungen im Script, der Folgenzahl und -anordnung etc, um die Action in den Vordergrund zu setzen und Li Shaoran eine größere Rolle zu geben. In Deutschland war das immerhin nicht der Fall. Allerdings wurde hier die Serie von Pro 7 lizenziert, die versuchten auf den populären Anime-Zug aufzuspringen. Aber im Gegensatz zu RTL 2 kein nachmittagliches Kinderprogramm hatten, wo in der Nach-der-Schule-Zeit viele Anime ihren Erfolg hatten. Also kam Card Captor Sakura im Samstag-Morgen-Programm, wo es von keinem wirklich wahrgenommen wurde. Ich habe damals auch nur die ersten paar Folgen gesehen und dann, auch durch leicht schwankende Sendezeiten, irgendwann die Lust dran verloren gehabt. Blieb dann bei der Ausstrahlung der ersten Staffel von 35 Folgen und keiner Lizenzierung der weiteren. Zudem habe ich den ersten Film mal auf einer frühen AnimagiC gesehen.

Nun schreiben wir allerdings das Jahr 2020 und man ist sich doch für jede fluffige Zertstreuung offen. Und im Frühjahr das tryhard edgy Madako Magica gesehen zu haben, hat mich mal wieder auf die Idee gebracht, eine Magical Girl Serie zu schauen, die ganz geradlinig ist. So für Mädchen und ganz ohne irgendwie brutal oder meta gehen zu wollen zum Schockeffekt. Sondern zuckersüß und nicht herausfordernd. Getroffen hat es  selbstverständlich Pretty Cure!

Nein, natürlich nicht. Ganz so verzweifelt mir eine seit 15 Jahren anhaltende Franchise von über 800 Folgen und 30 Kinofilmen anzutun war ich dann doch nicht. Getroffen hat es den Card Captor Sakura Anime. Endlich mal alle 70 Folgen plus 2 Filme anschauend.

Mensch was hatte ich so viele Dinge vergessen, aber zugegeben ist es mittlerweile mindestens 15 wenn nicht mehr Jahre her, dass ich den Manga gelesen habe. Aus der ersten Story Arc kannte ich sogar noch ein paar Dinge, viele durchaus wichtige Sachen aber bereits schon nicht mehr. Und aus der zweiten Story Arc war mir gar nichts mehr bekannt! Vielleicht hatte ich die total verdrängt, weil das Design der drei neu hinzugestoßenen Charaktere so scheußlich ist, dass es mein ästhetisches Hirn gesprengt hat. Im Gegensatz zum Manga nehmen die übrigens nicht ganz jeweils die Hälfte der Serie ein, Story Arc 1 endet mit der zweiten Staffel bei Folge 46 und Story Arc 2 ist dann die dritte Staffel von 24 Folgen.

Beispielsweise total vergessen hatte ich, wie sehr doch alle total die Simps füreinander sind. Die Serie hat eine so absolute durchgehende Baseline von „Liebe“ in sich. Fast jeder Charakter wird von jemandem und ist in jemanden romantisch verliebt. Aber auch platonische Liebe von Freundschaft und Familie sind stark vertreten. Es macht einen Großteil des warmig-wohligen Grundstoffs der Serie aus, wie sehr sich einfach alle Charaktere gegenseitig mögen. Selbst die wenigen zunächst antagonistischen Charaktere nehmen am Ende nur jene Position ein, um anderen zu helfen und sie an den Challenges wachsen zu sehen. Es missgönnt auch niemand jemand anderem dessen Gefühle. Es gibt in der Serie einige gleichgeschlechtliche Anziehungen und auch teils merkliche bis beträchtliche Altersunterschiede. Oder das mehrere Charaktere Interesse an der gleichen Person haben. Höchstens letzteres führt manchmal zu leichtem Konflikt, aber nie für lange. Jeder gönnt jedem anderen seine Gefühle und es wird nie ein großes Ding draus gemacht. Und wenn sich dann jemand für einen anderen entscheidet, dann kommt es immer früher oder später zu Akzeptanz und das sie sich für deren Glück freuen.

Das ist doch alles sehr schön. Clamps Motto in CCS ist ganz eindeutig „Liebe ist Liebe, egal welche Form sie annimmt“. Hier noch mal ein kleiner Einschub zu den Altersunterschieden. Davon gibt es insgesamt vier sehr starke. Zwei davon sind von frischgebackenen Lehrern zu ihren Teenager-Schülern: Sakuras Eltern und Toyas erste Liebe zu Miszuki. Für mich ist es zumindest schwer, mich groß an ihnen zu stören, weil die Atmosphäre in CCS einfach so unglaublich wholesome ist, sich jeder so ehrlich gegenseitig mag, und somit nie der unangenehme Wiff von einer Ausnutzungsbeziehung dabei rum kommt. Vielleicht bin ich es aber auch einfach moralisch kaputt und zu sehr gewohnt in japanischen Storylines Lehrer in ihren frühen 20ern eine Beziehung mit ihren Schülern in den Late Teens anfangen zu sehen. Was die Gefühle von der zehnjährigen Sakura zum 16-jährigen Yukito or gar Sakuras Mitschülerin für ihren Lehrer angeht, so will ich hier erneut erwähnen, wie unglaublich pur Liebe in der Serie erscheint. Und in diesen beiden Fällen zudem dies mehr wie ein einseitiger Crush rüberkommt, der bei Yukito eindeutig nicht erwiedert wird, und den der Lehrer, zumindest wie es hier im Anime dargestellt ist, nicht mal mitzubekommen scheint. Ich hoffe damit haben wir den Elefanten aus dem Raum gebracht?

Das war jetzt viel Geschreibsel über die romantischen Gefühle in der Serie, und das selbst noch, bevor überhaupt über die eigentliche Story geschrieben worden ist. Die ist kein Zufall, denn ich würde mal ganz dreist behaupten, dass die Emotionen, Gefühlswelten und Charakterbeziehungen der Hauptpunkt in Card Captor Sakura sind, und eben nicht das capturen von Cards durch Sakura. Streng genommen dreht sich jede Folge tatsächlich darum, dass in Sakuras Umgebung etwas merkwürdig läuft, dies investigiert wird, sich eine Clow Card als das verursachende Übel herausstellt, und jene dann versiegelt wird. Die Jagd und Magieschlacht mit der Karte an sich ist aber fast immer sehr schnell rum. Wesentlich wichtiger ist der Serie über jene Ereignisse die Charaktere weiterzubringen. Neue einzufügen, deren wahren Gefühle ans Licht zu bringen, sie miteinander agieren oder an den Ereignissen wachsen zu lassen.

Am Ende des Tages ist es einfach so, dass Card Captor Sakura zu 70% Charaktere und ihr Bindungen zueinander, 20% niedliche Mädchen in noch süßere Outfits stecken, und nur 10% magisches Kartensammeln ist. Ich kann mir echt nicht erklären, wie die Nordamerikaner auf die Idee kamen, hieraus eine typische Shonen-Collection-Show machen zu können, ohne das dabei ein absolutes Desaster bei raus kommt.

Warum ich wirklich total vergessen hatte, was in der zweiten Story Arc geschieht, wurde mir allerdings auch wieder vor Augen geführt: Sie ist einfach nicht so interessant. Ich weiß noch nicht mal ganz genau was es ist. Ich habe es sehr genossen mich durch die ersten zwei Staffeln zu schauen. Selbst der neue Charakter Meilin ging mir nach kurzer Zeit nicht mehr auf den Keks, sondern fügte sich gut in die Riege ein. An der dritten Staffel war letztendlich aber nur interessant die Charakterpärchen sich finalisieren zu sehen (wobei Sakura und Li teils in den zweiten Kinofilm verschoben wurden). Die neuen Charaktere und ihre Challenges fand ich schlichtweg nicht interessant. Die eigentliche Geschichte wirkte erzählt und die Charaktere ändern sich auch nicht mehr wesentlich. Die Sakura Card Arc ist nicht schrecklich, aber halt einfach wesentlich vergessenswerter als die Clow Card Arc. Netterweise nimmt ja im Anime zumindest der bessere Teil dann auch 2/3 der Folgen ein.

Meiken Lassie

Das World Masterpiece Theatre ist eine über 20 Jahre laufende Franchise von Toei Animation, welches im Kinderprogramm jedes Jahr eine neue Serie basierend auf einem Kinderbuch-Klassiker präsentierte. Streitbar entweder bei Heidi (1974) oder Niklas, der Junge aus Flandern (1975) gestartet, haben auch wir im deutschen Fernsehen damals fast alle davon mitgenommen.

Doch der Stern der Einschaltquoten war nach einer gewissen Zeit beständig am Sinken. Ursprünglich hatte noch jede Serie um die 50 Folgen, um die kompletten 52 Wochen (minus evtl einiger Feiertage o.Ä.) eines Jahres zu füllen. Gegen 1990 war das schon auf regelmäßig 40 Folgen runtergeschraubt. Die Schwarzen Brüder 1995 wurden sogar auf 33 Folgen verkürzt. Das Damokles-Schwert hing also bereits über der Prestige-Reihe, die einfach nicht mehr die gewohnten Zuschauerquoten bringen konnte.

Das änderte leider auch die 1996er Season mit Meiken Lassie nicht. Eine Serie, die wegen schlechter Quoten sogar nach 26 Folgen beendet und Mittjährig von Nobody’s Girl Remi ersetzt wurde, in der Hoffnung die Franchise zu retten. Stattdessen endete sie dort vorerst. Übrigens zwei der drei Serien der Original-Riege, die es gar nicht mehr nach Deutschland schafften.

An der Qualität soll das aber nicht gelegen haben, denn auch Famous Dog Lassie ist eine knuddelige Wohlfühl-Serie für Kinder. Sogar knuddeliger und wohlfühliger als alle anderen, denn Ausnahmsweise gibt es mal keine großen dramatischen Ereignisse im Leben des kleinen John und seines Adoptivhundes Lassie. Vielleicht liegt da das Problem? War die Serie den Kids zu langweilig? Wahrscheinlich hat es keinen Unterschied gemacht, denn Remi drehte das Drama um Waisenkinder auf der Reise nach einem Elternteil inklusive vieler Tragödien wieder voll auf und kam auch nicht besser an.

John hat sogar nicht nur zu Beginn der Serie zwei Elternteile, nein er wird sie auch beide behalten! Niemand verschwindet, stirbt oder was sonst so den Kids in den WMT-Serien meist geschieht. Stattdessen hat sein zu Hause einen Zuwachs, als er Lassie findet und aufpeppelt. Nachdem er den Besitzer nicht ausfindig machen kann auch behält. Was die schlaue Hündin ihm mit ewiger Treue bezahlt. Beispielsweise immer schön brav am Schultor darauf wartet, ihn nach Schulschluss abzuholen. Mit John und seinen Freunden Collin und Sandy über die Wiesen tollt und in Geheimverstecken abhängt. Und natürlich immer rettend und helfend zur Seite steht, wenn doch mal etwas kurzzeitig schiefläuft. In der Kohlemine des Vaters oder im Krankenhaus der Mutter zum Beispiel.

Denn ganz ohne Drama kommt natürlich auch Lassie nicht aus. Es ist nur so, dass es sich hier immer um kleine Einzelfälle handelt, die immer in einer Folge abgecancelt sind und alles schnell wieder gut wird, nie bleibende Schäden entstehen. Die Mutter mag sich überarbeiten und zusammenbrechen, wird aber wieder gesundgepflegt. Ein vermeintlicher Krimineller taucht im Dorf auf, das Missverständnis kann aber aus dem Weg geräumt werden (was Ausnahmsweise mal eine Doppelfolge dauert). Sehr dramatisch wird es tatsächlich nur auf die finalen paar Folgen, wenn der reiche Besitzer der Mine Lassie als Pfand nimmt. Denn die Kohle ist versiegt und er will die Arbeit einstellen lassen, was die Stadt in der John lebt natürlich in enorme Nöte bringen würde. John glaubt seinem Vater, dass eine neue Erzader gefunden werden kann und verpfändet seinen Hündin. Die prompt ausbricht und sich auf den Weg zu seinem Herrchen macht. Hunderte Meilen nach Süden. Ob Lassie wieder ankommt und ob die Mine gerettet werden kann, ist sozusagen das Grande Finale der Serie.

Der Rest ist weitestgehend Wohlfühl-Fluff für die Seele, von dem ich sehr gerne eine Episode pro Abend geschaut habe. Als letzter Sargnagel des Tages sozusagen noch mal schnell 20 Minuten Wholesomeness fürs Runterkommen tanken.

Rumic World IV: Mermaid Forest

Wir kommen in das Finale der Rumic World. Mit der Verlängerung des Rumic Theatres. In der zweiten Hälfte bekam die TV-Serie nämlich den Untertitel Mermaid Forest, da sich die nächsten 13 Folgen Rumiko Takahashis Mermaid Saga annahmen. Wie das bereits in den frühen 90ern mal in 2 OVAs geschehen ist. Nur diesmal halt eine Folge pro Manga-Kapitel.

13 Geschichten macht das diesmal allerdings nicht, da Mermaid Saga nicht nur aus Einzelkapiteln besteht, sondern einige Handlungen Zweiteiler sind. Abgesehen davon sind sowieso nur die ersten 11 Folgen im japanischen Fernsehen gewesen. Die finalen beiden, Mermaid’s Scar, gab es erst auf der DVD-Auswertung.

Was wir uns hier annehmen, ist der Legende, dass der Genuss von Meerjungfrauenfleisch ewiges Leben und Jugend verspricht. Leider in der Regel nicht weitergegeben wird die Tatsache, dass nur sehr wenige Menschen den enormen körperlichen Wandel ertragen. Die meisten sterben entweder am Gift des Fleisches oder werden zu Monstern. Yuta ist einer der wenigen, die überlebt haben und ist nun auf der Suche nach weiteren Meerjungfrauen. Weil die ihm angeblich sagen können, wie er wieder zu einem Normalsterblichen wird. Nach hunderten von Jahren ist Yuta die Unsterblichkeit nämlich leid. Selbstmord ist allerdings dennoch nicht sein Stil (die Abtrennung des Kopfes überleben selbst Unsterbliche nicht), sondern er möchte gepflogen ein normales Leben leben und an Altersschwäche sterben dürfen.

Seine Reise bringt ihn nun zu so einigen mehr oder weniger Unsterblichen. Beispielsweise Mana, die als Opfergabe für Meerjungfrauen gezüchtet und von Yuta befreit wird. Endlich hat er eine unsterbliche Reisegefährtin und ist nicht mehr alleine. Später treffen die beiden beispielsweise auf jemanden, der durch Meerjungfrauenblut ewige äußerliche Jugend erfuhr, innerlich aber altert und sterben wird. Eine Leiche, die über Meerjungfrauenasche wieder zu Leben erweckt wurde, und nun ein Zombie ist. Allgegenwärtig ist der Sirenengesang der Unsterblichkeit, für die Menschen alles mögliche tun würden. Und die Realität von tatsächlich Unsterblichen, die dem langen Leben müde sind oder durch es innerlich zu empathielosen Monstern wurden.

Die Mermaid Saga ist Horror, klar. Aber geht doch wesentlich mehr auf das Drama und die Tragik der jeweiligen Einzelschicksale ein. Ich finde es ja immer sehr interessant, dass Geschichten über Unsterblichkeit fast immer zum Schluss kommen, dass jene nicht erstrebenswert ist. Ich denke mal, wir als eben endliche Lebensform hören das ganz gerne. Jedenfalls ist die Mermaid Saga auf jeden Fall erfahrenswert. Als der düstere Original-Manga von Takahashi zum Beispiel. Oder die beiden Geschichten Mermaid Forest und Mermaid’s Scar in der animierten Version aus den 90ern.

Als TV-Serie hingegen schon weniger. Hier will nämlich mal absolut keine Stimmung aufkommen. Das Ding sieht schon grundsätzlich mal absolut schrecklich aus. Die Zeichnungen sind unsauber und die ganze Angelegenheit ist schlechter animiert als die erste Pokemon TV-Staffel. Hin und her geschobene und gezoomte Standbilder en masse. Die Geschichten sind relativ unblutig und alle in den gleichen ausgewaschenen aber zu hellen Farben gehalten, weswegen auch gar keine düstere Atmosphäre aufkommen will. Die Ausnahme ist tatsächlich Mermaid’s Scar, die DVD-exklusiven Folgen, die besser animiert und richtig schön blutig und düster sind. Aber immer noch dem Vergleich mit der 10 Jahre älteren OVA-Version der gleichen Geschichte nicht standhalten können.

Es ist einfach so, dass die TV-Variante unglaublich unambitioniert wirkt. Wie eine schnell dahingeschluderte Auftragsarbeit, an der keiner einen besonderen Gefallen gefunden hatte. Und das hat das Werk echt nicht verdient gehabt.

Junji Ito Collection

Mensch die Zeit vergeht ja wirklich wie im Fluge, wenn man alt ist. Da ist es doch tatsächlich bereits 2012 gewesen, dass ich mich durch einige der Manga von Junji Ito gelesen haben. Darunter vor allem seiner bekanntern und längeren wie Tomie, Uzumaki und Gyo. Aber auch ein paar Bände seiner Kurzgeschichtensammlungen, wo die Storylines je nur ein Kapitel einnehmen.

Ich hatte damals gesagt, dass mir Junji Ito tatsächlich in der Kurzform gefälliger ist, als in Langform. Meiner Meinung nach eignen sich seine schrägen Ideen immer mehr dafür, nur kurz aufgezeigt zu werden und den Leser dann ohne Erklärung stehen zu lassen. Bei seinen längeren Werken hingegen kommt es oft zu seltendämlichen Erklärungsversuchen und/oder es werden immer schrägere und schrägere Ereignisse oben aufgeladen, bis ich irgendwann so ein wenig raus bin. Hellstar Remina zum Beispiel hat mir gut gefallen, so lange es darum ging, die menschlichen Abgründe zu zeigen, wenn alle kollektiv mit dem nahestehenden Tod konfrontiert werden… als Leute dann plötzlich bis in die Stratosphäre springen konnten, war ich dann aber raus.

Jedenfalls sollte die 2018er Netflix-Serie Junji Ito Collection genau mein Ding sein. Zumindest vom Konzept her. Immerhin wurden hier seinen Kurzgeschichten für die einzelnen Episoden aufgegriffen. Jeweils sogar zwei, mal teilen die sich die Laufzeit, mal nimmt eine fast die ganze Folge ein und die zweite ist nur ein kurzminütiger Epilog. Es kann also auch nicht Gefahr gelaufen werden, dass die Geschichten überstrapaziert und verwässert werden, weil plötzlich 20 Seiten Manga ganze 25 Minuten Episode füllen müssen, sondern das individuell anpassbar war. Alle Zeichen stehen also auf Erfolg.

Etwas fragwürdig ist es allerdings schon, dass der Großteil der ersten Folge von einer Souichi Storyline eingenommen wird. Ein schräger Schüler, der auf Okkultes steht, und Leute dadurch auch manipuliert, aber eher eine Witzfigur darstellt. Nun würde ich sagen, dass Junji Itos Storylines eh nicht vornehmlich Horror sind. Lasst mich das erklären. Meiner Meinung nach sind Itos Geschichten mehr „Schaut euch dieses merkwürdige Ereignis an“, nur dass die Ereignisse häufig mehr oder minder stark urmenschliche Ängste ansprechen. Aber er scheint mir immer mehr darum bemüht schräge Sachen zu zeigen, statt immer direkt darum bemüht eine Horrorgeschichte zu fabrizieren. Letztendlich hat er ja auch ein paar Comedy-Strips gezeichnet, inklusive dem Yon & Mu Manga über das Leben mit seinen Katzen. Jedoch kennt jeder Junji Ito immer nur als den Horror-Typen. Von daher finde ich es schon etwas merkwürdig die Serie ausgerechnet auf einer der humoristischeren Geschichten zu beginnen. Und auch nicht unbedingt einer der besten, meiner Meinung nach. Die Souichi Stories, von denen drei in den 12 Episoden animiert wiedergefunden werden, sagten mir zumindest alle nicht sonderlich zu.

Das ist natürlich allerdings auch zu erwarten. Immerhin werden insgesamt 26 einzelne Geschichten aufbereitet, zwei pro Folge plus zwei nachgeschobene Tomie-Specials. Das dort nicht immer was dabei sein muss, was gefällig ist, ist klar. Zumal die Geschichten wie gesagt zwar immer etwas Unheimliches oder zumindest Übernatürliches an sich haben, ansonsten aber sehr divers sind. Eben eine Collection merkwürdig-unerklärlicher Ereignisse darstellen. In Fashion Model wird eine Crew schon mal von einem Menschenfressenden Monster durch den Wald gejagt. Long Dream hingegen beschäftigt sich mit Leuten, die über endlose Träume eine neue Entwicklungsstufe und eventuell ewiges Leben erlangen. In Cloth Teacher verwandeln sich Leute plötzlich in überzeichnete Karikaturen ihrer selbst, in Slug Girl ein Mädchen in eine Schnecke.

Interessant sind die alle irgendwo. Wenn auch manche mehr auf der konzeptionellen Ebene nette Einfälle und in der Umsetzung dann doch nicht so packend sind. Für mich funktionierte grundsätzlich sowieso häufig der kosmisch-existentielle Horror und Body Horror. Plötzlich überall ständig größer werdende Löcher am Körper zu entwickeln, durch die man sogar die Luft ziehen spürt? Bei jedem Einschlafen länger und länger wegbleiben und irgendwann gar nicht mehr aufwachen zu können? Und ja, auch sich langsam in eine Schnecke zu verwandeln, besonders, wenn die einem aus dem Rachen zu kommen beginnt.

Wobei ich davon ausgehe, dass genau die gleichen Geschichten im Manga besser kommen. Tatsächlich kannte ich noch keine davon, scheinbar waren die nicht in den Bänden, die ich in 2012 von ihm gelesen habe. Was bei der Serie an sich jedenfalls auffällt ist, dass sie schlecht animiert und häufig nicht sauber gezeichnet ist und in den Szenenkompositionen oft der knackige Punch fehlt. Sie leben davon, dass das jeweilige Handlungskonzept an sich schon schrecklich genug ist, ohne der Atmosphäre mit großen cineastischen Stilmitteln beizuhelfen. Und wenn ich mich an eine Sache aus den Ito-Mangas erinnere, dann dass sie voller grausig-detaillierter Zeichnungen sind und die Panel-Abfolge mit packenden Reveals und gutem Fluss daherkommen. Die Serie an sich ist hingegen leider sehr Standard umgesetzt.

Rumic World III: Rumic Theatre

Ein knappes Jahr nach den ersten beiden Einträgen sehen wir uns also wieder. Immerhin ist Rumiko Takahashi seit über 40 Jahren aktiv im Manga-Business, da kommt so einiges zusammen. Geradezu vorbildhaft ist ihre unermüdliche Zeichenfeder. Viele andere Mangaka zeichnen noch einer oder zwei großen und langjährigen Hitserien dank Burnout keine Großprojekte mehr und ergehen sich eher in kleineren Unterfangen und leben von den Royalties jener endlos beliebten Hitserien. Der Beruf Mangaka ist einer, der zerschleißt.

Das Takahashi seit über 40 Jahren eine lange Hitserie nach der anderen aneinanderreiht ist erstaunlich. Und dann findet sie noch Zeit, um sich von jener Formelhaftigkeit abzulenken und mal was anderes zeichnen zu können, diverse kurze One Shots zu zeichnen. Die wurden nicht nur in den Rumic World Bänden zusammengefasst, sondern auch in welchen, die als Rumic Theatre (teilweise auch Rumiko Takahashi Anthology) betitelt sind. In Japan sind jene World und Theatre Bände sogar bei Reprints teilweise umbenannt worden, um sich ähnlicher anzuhören.

In 2003 nahm sich TMS dem Projekt an, sie ins japanische Fernsehen zu bringen. 13 Episoden sollten das Jahr über laufen, gefolgt von 13 Episoden der Neuadaption von Mermaid Saga. Das Konzept ist klar: Eine Folge pro Kapitel, sprich jede Episode ist eine in sich geschlossene Storyline.

Die haben mich etwas an Clamps Tokyo Babylon erinnert. Weniger den Anime, der ja nur zwei OVAs hat, sondern mehr dem Manga an sich. In soweit, als dass sich der Manga nicht nur Einzelschicksalen widmet, sondern auch einem seltsamen Ereignis im Leben eines relativ gewöhnlichen Japaners. Nur halt ohne wiederkehrend eingreifende Charaktere, welche die Fälle aneinanderbinden und am Ende für eine größere Tragödie herhalten müssen. Vergesst es, so wahnsinnig wie Tokyo Babylon ist Rumic Theatre gar nicht.

Wobei hier schon etwas mehr Tragik drin ist, als man das eventuell erwarten würde. Ich dachte zumindest, immerhin ist es ja von Takahashi, dass dies hier wieder ziemlich in die Richtung von überdrehten Komödien geht. Dabei könnte ich es besser wissen. Klar, Romantic Comedy ist deren Markenzeichen und ein Bestandteil aller ihrer langjährigen Hitserien. Doch sollte mir mittlerweile durch Mermaid Saga und die Rumic Worlds zur Genüge klar sein, dass die Frau gerade bei ihren One Offs eben auch mal dem Historiendrama oder Horror-Genre frönt.

Dennoch bleibt festzustellen, dass Rumic Theatre thematisch sich wesentlich ähnlicher ist als die Rumic Worlds. Hier geht Takahashi eben nicht einfach mal gerade das Genre an, auf das sie momentan Bock hat. Sondern die Folgen sind schon kohärenter, auch wenn sie nichts miteinander zu tun haben. Aber in der gleichen Welt spielen, man wird so einige Charaktere aus anderen Folgen immer mal wieder durch die Hintergründe von aktuellen huschen sehen. Das zusammenhängende Thema der Geschichten ist dann tatsächlich, dass es hauptsächlich um ganz normale japanische Menschen in ihrem Alltag geht, denen eine merkwürdige oder zumindest besondere Eskapade mit humorigem Einschlag geschieht. Das muss nicht immer einen übernatürlichen oder fantastischen Part haben, kann es aber.

So geht es in einer Folge nur darum, dass eine Familie vom Boss des Vaters dazu beauftragt wird, für eine Woche auf dessen Haustier aufzupassen. Dabei leben die in einem Apartmentkomplex, in dem Tiere streng verboten sind. Und dann ist es auch noch ein Pinguin, auf den alle Nachbarskinder steil gehen. Wie soll das nur ein Geheimnis bleiben können? In einer anderen geht ein Angestellter mittleren Alters zu seinem Klassentreffen und die rosaroten Erinnerungen an seine erste Liebe drohen an der gealterten Realität zu scheitern. Doch dann haben wir auch wieder Episoden, in denen sich ein Mann plötzlich in der Situation wiederfindet, dass er nun mit dem Geist seiner verstorbenen Frau zusammenlebt. Es kann also auch zu übernatürlichen Komponenten kommen.

Die Situationen, wenn das oben vom ganz kurzen Abriss auch eventuell nicht rüberkommt, sind durchaus mit einem witzigen Touch versehen. Es gibt Takahashis übliche übertriebenen Gesichtsausdrücke und Wutanfälle. Missverständnisse und auch trockener Humor. Doch das alles wirkt in Theatre wesentlich bodenständiger. Wahrscheinlich weil sie stärker an das Alltagsleben dieser Figuren gebunden sind. Weil sie nach 20 Minuten rum sind, statt immer weiter eskalieren und immer übertriebener werden zu müssen. Aber auch, weil es häufig einen besinnenden und erdenden Unterton gibt.

Der Kerl beim Klassentreffen zum Beispiel? Der Lernt am Ende der Episode seine erste Liebe und seine beschönigten Jugenderinnerungen aufzugeben. Das hat etwas bittersüßes. Zum einen lernt er dadurch seine existente Familie wieder etwas mehr zu schätzen. Aber er kommt halt auch zur Realisation, dass die unbeschwerte Jugend eben rum ist und nie wiederkommen wird. Die Episode mit der Pinguin-Versteckspielerei? Wir finden am Ende heraus, dass die Vorsitzende, die so streng die Regeln befolgt, selbst unter Tränen ihren Hund aufgeben musste, als sie in den Apartmentkomplex gezogen ist. Sie versteht wie schwer das ist, sie mag Tiere selbst. Aber im Leben muss man sich halt manchmal entscheiden und wer eine dieser tollen Wohnungen haben will, hat halt die dafür festgelegten und vorher gewussten Regeln zu befolgen.

Hierdurch bekommen die einzelnen Geschichten mehr Nuancen und vor allem einen emotionalen Kern, der ihnen komplett abgegangen wäre, wenn sie wirklich nur „Das eine total verrückte Ereignis in meinem Leben“ geblieben wären. Die Punchline zu einigen davon, besonders die mit dem Geist der verstorbenen Frau, die ihren Mann noch im Nachleben zu nerven scheint, hat mich ernsthaft tief getroffen. Klar sind manche Geschichten selbst auf 20 Minuten etwas überstrapaziert. Und gerade weil sie so geerdet sind und nicht total die Witze-Explosion zünden keines der absolut herausragenden Takahashi-Werke. Via Konzeption schon nicht, denn es handelt sich hier um sporadisch erschienene Nebenprojekte. Als solche kleine nebenbei geschaute Episoden halten sie aber wirklich gut hin.

Sakura Wars Su-Mi-Re

2002 war ein schweres Jahr für Sakura-Wars-Fans. Im Frühjahr wurde das Dreamcast vom vierten Teil zu Grabe getragen. Ein fast wie eine Fandisk wirkendes Spiel, welches eindeutig einen Schlussstrich unter die Sega-Konsolen wie auch die Handlung von Oogami und seiner Mädels-Truppe setzte. Wie genau es weitergehen sollte war ungewiss. Und dann verabschiedete sich auch noch die Sprecherin von Sumire aus dem Business, und mit ihr der Charakter an sich.

Man muss hierbei bedenken, wie beliebt die Mädels in diesen Spielen sind. Reihen wie Tokimeki Memorial und Sakura Wars machten ordentlich Kohle über ihre Spiele an sich. Sicherlich. Aber sie setzten auch unglaublich viel an Merchandising um, wesentlich mehr als andere Videospielserien der 90er. Und es lies sich ein und dasselbe Merchanidsing-Gut auch durchaus mehrmals verkaufen, jeweils unter dem Branding eines anderen Hauptcharakters. Spieler hatten ihre Lieblings-Waifu und kauften sich dann alles, wo deren Gesicht draufgeklastscht war. Zusätzlich waren die Rollen stark verwoben mit ihren Sprecherinnen. Die waren der Charakter. Im Falle von Sakura Wars gab es sogar Live Shows, zu denen sie im Cosplay die entsprechenden Themes aus den Spielen sangen, und die selbst noch stattfanden, nachdem es keine neuen Spiele mehr gab.

Mit Michie Tomizawa sollte aus dem Business eine Größe aussteigen. Sie war die Sprecherin von Rei/Sailor Mars im ursprünglichen Sailor Moon Anime. Hatte Rollen in Project A-Ko, Bubblegum Crisis und Kickers. War die japansiche Stimme von Pamela Anderson in Baywatch. Und mit Sumire eine der ursprünglichen fünf Frauen in Sakura Wars. Dadurch, dass die Sprecherinnnen so mit ihrer Rolle verbunden sind, konnte man sie natürlich nicht einfach ersetzen. Also entschloss man sich dazu, Sumire an sich  ebenfalls in Rente zu schicken. Mit einer Ende 2002 herausgekommenen OVA-Episode, passend betitelt Sakura Wars Su-Mi-Re: Sumire Kanzaki Retirement Special.

Allzu viel sollte von der OVA nicht erwartet werden. Es ist keine dreiteilige Serie, bei der noch mal ein letzter großer Kampf gegen einen Dämonen stattfinden, über den Sumire ihre spirituellen Kräfte aufbraucht. Um dann eine letzte große Bühnenshow mit allen andern Heldinnen mit abschließendem Solo zu haben und sich zu verabschieden. Es ist nur eine Folge von 25 Minuten. In der wir schnell erfahren, dass Sumire ihre Kräfte verliert, also nicht mehr in einem Steampunk-Mecha kämpfen können wird, und deswegen beschließt, das Imperiale Theater komplett zu verlassen. Es kommt zu ein paar reumütigen Gesprächen, in denen sie ihren Mitstreiterinnen noch ein paar Tipps auf den Weg gibt. Und dann darf sie einen Song auf der Bühne singen und sich von allen feiern und verabschieden lassen.

Nein, viel gibt das Special tatsächlich nicht her wenn man es genau betrachtet. Es ist noch nicht mal besonders gut animiert. Oder Sumires Song ein besonders guter, den man eh nur in Auszügen statt komplett mitbekommt. Hier hätte wirklich mehr raugeholt werden können. Mein erwähntes Konzept für einen Dreiteiler klingt für mich zumindest interessanter, als ein paar tränenreiche Gespräche und einen halben Song hinzuklatschen und das war es. Zudem ist die Sache selbstverständlich arg übertrieben rührseelig umgesetzt und wer diese Charaktere nicht bereits von den Spielen her kennt, dem bringt die OVA sowieso mal rein gar nichts.

Aber das ist schon berechtigt so. Es ist eben das Retirement Special für einen Charakter. Da darf man ruhig mal rührseelig werden. Und das intendierte Publikum sind die Fans der Reihe und des Charakters an sich, es darf davon ausgegangen werden, dass keiner die OVA kauft, der nicht schon Vorwissen über die Spiele mitbringt. Das nicht viel Arbeit reingesteckt wurde, ist etwas schade. Lässt das zynische Gefühl aufkommen, bevor der Charakter nicht mehr verwendet werden kann, weil die Sprecherin geht, noch mal schnelles Geld abschließend aus ihrer Vermarktung zu schlagen. Jedoch ist das Herz zumindest bei den Sprechern am rechten Fleck. Wenn Sumire gegen Ende ihre Abschlussrede gegenüber des Theaterpublikums hält, darüber wie dankbar sie ist, dass ihr die Treue gehalten wurde, und das sie hofft das man den Rest der Truppe auch weiter unterstützt, dann funktioniert das. Weil die Sprecherin an sich sich hierdurch auch von ihren Fans verabschiedet. Und weil die Zukunft von Sakura Wars ungewiss war und keiner wusste, wie es mit den anderen Charakteren weitergehen wird.

Wie sich herausstellte war Michie Tomizawa allerdings nicht lange weg. Bereits wenige Jahre später nahm sie wieder neue Sprecherrollen an und war auch bei den Abschiedsversanstaltungen der Sakura Wars Live Shows wieder dabei. Sie übernahm sogar erneut die Rolle der Sumire im 2019er Shin Sakura Wars. Dennoch ist die OVA eine gute Zeitkapsel dahin, wie beliebt und vermarktbar die einzelnen Charaktere der beliebtesten Dating Sims in den 90ern und frühen 2000ern bereits waren. Was für ein großes Ding das Genre an sich war und wie besonders sich eine Rolle als Sprecherin eines Hauptcharakteres zu sichern.

Cream Lemon: Anime’s Early Erotica Classic

In den 80ern waren Videorekorder zu einem Fixpunkt in vielen Haushalten geworden. Nun konnte man Filme auch außerhalb ihrer Kino- oder Fernsehaufführungen bei sich ganz gemütlich zu Hause anschauen. In Japan hatte dies zudem große Auswirkungen auf den Anime-Markt. Die ökonomische Blasen-Hochzeit war noch voll im Gange. Und da waren neue Projekte schnell abgesegnet. Die OVA, Original Video Animation, war geboren. Einzelne Filme oder Folge-per-Folge herausgebrachte Serien, die direkt auf dem Videomarkt ausgewertet wurden.

Das hatte gewisse Vorteile. So konnten jetzt auch eher Nischenprojekte gestartet werden, für die das für eine Kinoauswertung oder Fernsehausstrahlung nötige Massenpublikum nicht da war. Da pro Folge produziert wurde, waren jene Serien schneller einstellbar, wenn sie nicht gut liefen, und machte die individuell verkaufte Folge auf weniger Publikum mehr Umsatz. Nebenbei konnten OVA-Serien zudem Dinge zeigen, die Kinos und das Fernsehen nicht bereit waren auszustrahlen. Darunter natürlich auch Pornographie. Sich endlich ganz heimlich, ohne das es jemand mitbekommt, Pornos bei sich zu Hause über Video anschauen zu können, statt in schmuddelige Pornokinos zu schleichen, gab dem Genre immerhin weltweit einen Boom. Auch im Anime-Bereich.

Die erste OVA ist allerdings überraschenderweise kein Hentai, sondern Mamoru Oshiis Dallos. Wenige Monate später folgte die erste Hentai-Reihe mit dem umstrittenden 6-teiligen Lolita Anime. Der Titel ist ziemlich selbsterklärend, nehme ich mal an. Ein weiteres halbes Jahr später startete dann der absolute Erotik-Klassiker der japanischen Anime-Landschaft: Cream Lemon. Von August 1984 bis Februar 1987 sollten ganze 16 Folgen erscheinen. Wirklich rum war es damit allerdings noch lange nicht. Eine Nachfolge-Serie startete direkt. Es gab Specials und Spinoffs. Erst 1993 legte das Anime nach dutzenden Folgen eine Pause ein, bis in den 2000ern Reboots folgten, sowohl als Anime als auch als Live Action. Selbst Videospiele machten zwischen 1986 und 2002 regelmäßige Auftritte auf japanischen PC-Platformen.

Cream Lemon war also eine große Sache. Mit beliebten wiederkehrenden Storylines wie Escalation oder Ami. Bei letzterem wurde der Hauptcharakter sogar regelrecht zu einem virtuellen Idol ähnlich Tokimeki Memorials Shiori Fujisaki. Die Langlebigkeit lies sich natürlich auch durch das Konzept an sich gut erhalten. Denn Cream Lemon ist eine Anthalogie-Reihe, sprich jede Folge ist eine neue in sich geschlossene Handlung. Mehr oder weniger zumindest, wie gesagt gab es zu den beliebteren Geschichten häufiger auch Folgeepisoden. Aus Kuriosität habe ich mir davon mal die 16 des ersten Laufs angeschaut.

Be My Baby
Die erste Episode ist bereits signifikant, weil Hauptcharakter Ami wiederholt in der Serie auftreten und ihre eigenen Spinoffs bekommen wird. Sie ist in ihren Stiefbruder Hiroshi verschossen, auf den auch alle anderen Mädels an der Schule stehen. Was Ami echt eifersüchtig macht. Als die Mutter der beiden außer Haus ist und Hiroshi Ami unter der Dusche mastubieren findet, kommt es zum ersten Sex zwischen den beiden. Eine fast wholesome Love Story über die erste Liebe, wenn da die Stiefgeschwisterei nicht wäre.

Escalation: Hardcore Tonight
Rie wurde das Herz gebrochen, als sie ihre erste heimliche Liebe, ihren Pianolehrer, mit einer anderen im Bett erwischte. Also lässt sie sich auf ein katholisches Mädcheninternat bringen, um dort ihre schulische Bildung fortzusetzen. Sie verliebt sich sofort in die coole Naomi, die ihre Gefühle erwiedert. Denn Naomi suchte eh nach einer neuen Gespielin für ihre S&M-Eskapaden.

SF Super-Dimension Legend Rall
Was vom Titel her Assoziationen zu Macross aufkommen lässt, ist dann doch näher an Dragon Half dran. Die Episode spielt zwar auf einem fremden Planeten, aber einem der Mittelalter-Fantasy. Ein Bösewicht hat gerade die Prinzessin und ihren komplett weiblichen Hofstaat entführt, und versucht nun aus ihr den Verbleib eines legendären Schwertes via Orgien zu erpessen. Eine Kriegerprinzessin wird drin verwickelt. Alles mit leichter Komik und in einem verniedlicht SD-isiertem Look.

Pop Chaser
Merwürdiger und unsinniger Titel für eine Episode, die in einer postapokalyptischen Amerika-Wüste anfängt. Schnell stellt sich aber heraus, dass auch hier wieder die Komik obsiegen wird. Kopfgeldjägerin Rio macht in New Cansas halt, wo die einzige Bar/Hotel eines voller Angestellter in Schuldmädchenuniform ist. Eine davon überredet Rio gegen die lokale Gang einzugreifen, und bezahlt sie schon mal im Voraus mit lesbischen Liebesspielchen. Alles überraschend trotz enormer Länge der Sexszene durchgehen Softcore verbleibend und sich mehr durch kreative Darstellung auszeichnend.

Amy Again
Die erste Follow-Up Folge. Nachdem ihre Mutter Amy und Stiefbruder Hiroshi am Ende von Be My Baby beim Sex erwischt hat, ist Hiroshi auf ein Internet im Ausland geschickt worden. Amy ist einsam und vermisst ihn. Als ihre Freundinnen sie mit zum Feiern nehmen, verführt der Frauenheld Konou sie. Letztendlich bricht Amy weinend zusammen und erzählt ihren Freundinnen endlich, was Sache ist, die ihr emotionalen Beistand leisten. Wer hätte gedacht, dass eine Episodenhafte Porn-Serie doch so in die Charakterbildung geht.

Escalation 2: Forbidden Sonata
Nachdem Naomi vom Internat abgegangen ist, ist auch Rie furchtbar einsam. Zum Glück wird sie von einer anderen Gespielin Naomis mit zu deren Villa gebracht. Wo die lesbischen BDSM-Orgien vor den Augen von Naomis Vater und Bruder weitergehen. Am Ende der Folge voller üblicher klassischer Musik und katholischer Scham haben die drei Mädels dann ein süßes Beisammensein, bei dem sie über ihre Zukunftswünsche nach dem Internat reden, und das sie immer darüber verbunden sein werden, Naomis Haustiere gewesen zu sein.

Mako: Sexy Symphony
Mako findet alles, was mit Sexualität zu tun hat, irgendwie eklig. Selbst wenn es um den Jungen geht, den sie mag. Besonders merkwürdig ist ein kleines Mädchen auf dem Spielplatz, welches sie regelmäßig auf zweideutige Dinge anredet. Denn sie ist eine Repräsentation Makos, die ihr Sex näherbringen wird. Das ganze Konzept ist ziemlich abgedreht, genau wie die Kamerafahrten über Makos Körper zu deren Selbstbefriedigung.

Super Virgin
Eine Jungfrau zu sein führt in diesem, mit besonders merkwürdigem Charakterdesign gesegnetem, Universum dazu, dass man Superkräfte hat. Die Super Virgins sind die Mädchen und Jungs, die jene Kräfte dazu nutzen, um die Geschlechter weiterhin voneinander zu trennen. Aber auch hier kommt es natürlich irgendwann dazu, dass man sich verliebt und entdeckt, dass aus der liebevollen Verbindung der beiden Seiten die wahre Superkraft erwächst.

Happening Summer
Yuki, welche die Annäherungsversuche ihres Kindheitsfreundes ebenfalls schrecklich findet, wird Akira vorgestellt. Denn der ist der Freund ihrer großen Schwester. Sie verguckt sich ein wenig in den coolen Kerl, aber als er sie verführen will, entdeckt sie eine Seite an Akira, die ihr doch nicht gefällt. Am Ende ist es eben der langjährige Kindheitsfreund, mit dem sie wirklich glücklich werden will. Schon interessant, dass die letzten drei Folgen alle ein wenig damit zu tun haben, dass den Protagonistinnen Sexualität zuwieder ist, gerade als sich pubertär-bedingt ihr sexuelles Erwachen einstellt.

Star Trap
Der Folgentitel ist, auch vom Font her, eine Parodie auf Star Trek. Mit dem die Folge an sich dann absolut nichts zu tun hat. Kanata und Lan, die es mit ihren Superkräften beim Training übertrieben haben, und deswegen auf der Erde zwangsstationiert wurden, bekommen eine Spezialauftrag ihres Kommandantens: Ein lebender Planet ist auf dem Weg zu uns und entführt dabei alle weiblichen Passagiere ihn kreuzender Raumschiffe. Wie die beiden Mädels herausfinden tut er das, weil der Organismus herausfinden will, wie das mit der Fortpflanzung geht. Dies und anderes in einen ungelenken Erklärbär-Monolog am Ende verpackt, damit in der Folge genug Platz für Slapstick und Lesbenaction bleibt.

Black Cat Manor
Es ist die Zeit zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Student Murakami nimmt in einem Zeitungsartikel eine gut bezahlte Aushilfsarbeitsstelle an, die ihn zu einer abgelegenen Villa führt. Dort leben nur noch die Hausherrin, ihre Teenager-Tochter und ein Dienstmädchen. Alle drei chronisch untervögelt. Scheinbar ist Murakami hauptsächlich herbeordert, um genau dies zu ändern. Doch hinter den Orgien versteckt sich ein dunkles Geheimnis um den Tod des vorigen Hausherrens.

Mako: Sexy Symphony Part 2
Wir starten direkt den Tag nach der vorigen Mako-Episode, in der sie ihre Sexualität entdeckt hat. Wie sich herausstellt gibt es plötzlich zwei Repräsentationen ihrer sexuellen Gelüste, und die neue, welche wie eine erwachsene Mako aussieht, will sie zu einer Nymphomanin erziehen. Nur die Liebe ihres Kindheitsfreundes Yuu kann Mako also davor retten, ein Leben als leichtes Mädchen zu beginnen. Ich muss ja echt sagen das die Mako-Episoden nicht so meins sind.

Ami III
Ami hängt ihrem Bruder Hiroshi immer noch interher. Da kommt er überraschend vorbei. Ami ist überglücklich, zumindest solange, bis er einen entgültigen Schlussstrich unter ihre frühere Beziehung setzt. Ami flieht ins Bett von Konou, was sie aber auch nicht glücklicher macht. Das mag nach einer merkwürdigen und unbefriedigenden (pun intended) letzten Episode in der Ami-Storyline klingen. Das liegt daran, dass einen Monat später mit Going on a Journey: Ami Final Chapter ein 40-minütiger Kinofilm erscheinen sollte.

Nalice Scramble
Nalice geht auf die hochmoderne Schule, die ihr Vater leitet, und bei denen Jungs und Mädels strickt voneinander getrennt sind. Außerdem dient sie als mit Powerarmor ausgestatteten Superheldin, wenn es Probleme gibt. Wie aktuell, als drei Mitschülerinnen in Naiziuniform den Campus übernehmen wollen. Macht Nalice Scramble zur bisher abgedrehtesten Comedy der Serie, aber einer nicht mal wirklich sonderlich witzigen.

Super-Dimension Legend Rall: Ramorue‘s Counterattack
Diesmal ist der Name natürlich an den Gundam-Film Char’s Counterattack angelehnt, und hat erneut damit nichts zu tun. Ramorue, der im vorigen Teil besiegt wurde, ist wieder zurück und versucht die Dorfbewohner dahin zu kontrollieren, ihn vollends wiederzuerwecken. Er kann erneut besiegt werden, wobei er das Auftauchen einer Dunklen Königin ankündigt. Eine weitere Rall-Folge, in der sie bekämpft werden muss, gibt es allerdings nicht. Vielleicht erzählt eines der beiden Videospiele diese Story.

Escalation 3: Angel’s Epilogue
Für jedes Jahr der High School eine Folge Escalation. Aus der neu ans katholische Internat gekommenen Rie ist jetzt selbst eine Schulabgängerin geworden. Die sich von einer ihrer Liebesgespielinnen verabschieden muss. Und von ihrer Meisterin Naomi zum Abschluss weitere Lesbenorgien geschenkt bekommt. Nach einigen Episoden, in denen der Sex eher wenig Platz fand, endet Cream Lemon also noch mal mit einer, die fast nichts anderes bietet.

Das war es mit der ersten Serie Cream Lemon, zweieinhalb Jahre nach ihrem Start. So richtig geendet hat die Franchise aber wesentlich länger nicht. Genau genommen ging es sogar nahtlos weiter, denn die erste Episode New Cream Lemon stand bereits in den Startlöchern. Weitere Serien, Spinoffs und Specials sollten bis in die frühen 90er reichen. Bis zum Revival via Anime und Live Action in den 2000ern waren die 90er allerdings durchaus nicht ohne Cream Lemon, denn es gab munter Videospiele. Cream Lemon war wirklich ein großes Ding. Dies lässt sich schlecht bestreiten.

Die beliebteste Geschichte scheint dabei wirklich die Ami-Storyline zu sein. Noch während die erste Serie lief gab es hierzu ein Special und Kinofilm. In 1989 dann eine eigene Spinoff-Serie, die ihrer Geschichte ein alternatives Ende gab. In Videospielform lässt sie sich wiederfinden. Und auch im Reboot gibt es neue Ami-Folgen. Das ursprüngliche Ende habe ich mir aus Interesse dann doch mal angeschaut.

Ami Image: White Shadow ist ein zwischen Ami Again und Ami III erschienenes und spielendes Special. Mehr Clip Show und Musicvideo mit nur wenig neuen animierten Stellen darüber, wie Ami als Idol gescoutet wird. Goin on a Journey: Ami Final Chapter ist dann wirklich das Ende ihrer Geschichte. Der 40-minütige Film wurde übrigens zusammen mit Project A-Ko, einem weiteren Klassiker der 80er gerade im englischsprachigen Raum, als Double Feature in die Kinos gebracht. Das ist nicht so abwegig, wenn man betrachtet, dass A-Ko ursprünglich als Cream Lemon Folge geplant war, bevor das Projekt sich verselbstständigte. Jedenfalls ist das nicht ganz so spannende Ami-Finale dann so ziemlich das, was wir in allen Folgen geboten bekommen. Ami ist einsam und lässt sich durch andere bestimmt durchs Leben treiben. Bis sie sich dann emanzipiert. Sie beendet die Idol-Karriere. Sie macht eindeutig mit Konou schluss. Am Ende sitzt sie im Flieger nach London, um Hiroshi zu treffen.

Was natürlich beim Sichten von Cream Lemon sofort auffällt ist die Diversität der Folgen. Klar sollte es sowieso keine strickt gefolgte Handlung geben. Aber auch sonst gibt es eigentlich keine gerade, thematische Linie. Mal dreht sich alles um die erste Liebe, dann sind wir plötzlich in SciFi-Welten oder haben sogar mal einen kleinen Horror-Einschlag. Viele Folgen sind humorig angehaucht, einige behandeln ihre Charaktere aber auch mit absoluter Ernsthaftigkeit. In manchen geht es fast nur um Sex, bei anderen wirkt das eher noch schnell fünf vor Zwölf eingeworfen, um die Quote zu erfüllen. Es wird teils kreativ mit Kameraperspektiven und Animationsfahrten gespielt. Das macht die Serie doch im Nachhinein interessanter, als ich das erwartet hätte. Super sexy ist der altbackene Stoff freilich vierzig Jahre später nämlich nicht mehr. Zumindest von der Darstellung her, viele der Ideen sind natürlich Klassiker. So ein bisschen die verbotene Liebe zwischen (fast) Geschwistern oder bei kinnky Spielen im katholischen Internat geht ja immer. Ist kein Zufall, dass diese beiden die beliebtesten Handlungen waren, die auch später in Cream Lemon erneut auftauchen werden. Aber wie gesagt, Cream Lemon ist halt auch irgendwo mehr als nur reiner Porn, sondern liefert gern mal richtige Character-Arcs ab. Man weis am Ende der Reihe, wie es in einer Ami oder Rie aussieht und was für eine Reise sie emotional hinter sich haben. Da war ich sehr positiv überrascht von.

Puella Magi Madoka Magica

Das Genre Magical Girl ist aus der Anime-Landschaft nicht mehr wegzudenken, seit dem Sally the Witch 1966 den Anfang bereitete. Seither gab es Aufs und Abs, doch jede Dekade kann sich rühmen mindestens eine Show gehabt zu haben, die dem Genre einen neuen Popularitätsschub gab. Und auch dazwischen war es nie komplett weg.

Wo auch immer Popkultur ist, ist allerdings auch Counter Culture nicht weit. Mit dem Erfolg der bunten und überzuckerten Serien, die als Wish Fullfilment für junge Mädchen gedacht sind, waren Serien nie weit, die genau gegenteilig liefen. Die sich das Genre padodistisch vornahmen. Die es durch einen düsteren oder sexy Anstrich einem älteren Publikum schmackhaft machen wollten. Oder die clever die Conventionen als Symbolik und zur Dekonstruktion von Kindheitsfantasien nutzten. Schon immer. Die 70er hatten Cutie Honey. Die 90er Devil Hunter Yohko oder Revolutionary Girl Utena.

Ein richtiger Trend zu „Magical Girl, aber mach es ernst/düster“ lässt sich definitiv ab 2000 abzeichnen. Nicht verwunderlich, bei einer Dekade, die mehr Genre-Shows als je zuvor produzierte, auch mehr Ausreißer zu verbuchen. Bis zum Jahr 2011, als Madoka Magica über die Bildschirme lief, kann man fiese Magical Girl Shows eigentlich schon nicht mehr als die Außenseiter bezeichnen, sondern als etablierten Seitenarm.

Was sich Madoka Magica dabei maßgeblich auf die Agenda geschrieben hat, ist die Dekonstruktion des Genres. Die Serie macht für die ersten zwei Drittel ihrer Laufzeit regelrecht den Eindruck, als hätte man eine Checkliste aller Magical-Girl-Konventionen gemacht, um sie dann ins Negative umzukehren.

Auch hier gibt es ein süßes Maskottchen, welches den Mädchen die Kräfte zur Verwandlung verleiht. Nur das die Serie von Beginn an ein Faible dafür hat, in unangenehmen Großaufnahmen und von tiefengelegten Kamerawinkeln auf das Gesicht mit den nie blinkenden Augen und stets Emotionslosem uWu-Mund zu halten. Damit klar ist, hier ist was nicht koscher.

Zudem ist ein Magical Girl zu werden keine Belohnung. Es wird ein Vertrag mit dem Maskottchen eingegangen. Die Belohnung ist, dass sie einen Wunsch, egal welchen, erfüllen können. Und im Austausch muss als Magical Girl gegen Hexen und ihre Familiars im Kampf angetreten werden. Schon alleine an jenem Grundstock wird gezeigt, dass ein Magical Girl zu sein in dieser Serie nicht positiv ist, wenn ein so großes Gegengewicht wie jeglichen Wunsch erfüllt bekommen zu können als Köder dafür herhalten muss, sich überhaupt darauf einzulassen. Noch bevor wir herausfinden, dass die Magical Girls während der Kämpfe sterben können.

Dies hat natürlich auch einen Anstrich der Ausnutzung. Die Reinheit jugendlicher Naivität und die Macht von Wünschen ist häufig eine Quelle an Kraft in diesen Serien. Hier nutzen die Maskottchen gezielt die Naitivät und die Hoffnungen und Wünsche junger Mädchen aus, um sie dazu zu überreden, Magical Girls zu werden. Häufig erscheinen sie ihnen in der Stunde größter Not, um gezielt Schwäche auszunutzen.

Wenn der Kampf gegen Hexen so gefährlich ist, sollte man meinen, dass zusammen zu kämpfen von Vorteil wäre. Immerhin ist die Freundschaft einer Gruppe an Magical Girls auch immer ein zentraler Aspekt der „normalen“ Serien im Genre. Madoka Magica stellt dies auf den Kopf indem Hexen Grief Seeds hinterlassen, die Magical Girls benötigen, um ihre verbrauchte Energie aufzufrischen. Da es diese Art von Belohnung gibt, die nur eine von ihnen benutzen kann, arbeiten sie natürlich auch lieber alleine. Ja streiten sich teilweise sogar untereinander um Territorium und Jagdtrophäen. Kameradschaft unter Magical Girls gibt es so gut wie nicht in Madoka Magica.

Den heroischen Wunsch die Welt und Menschheit zu retten, weil dies einfach das Richtige zu tun ist, gleich auch nicht. Man wird nicht Magical Girl, weil man helfen will. Man wird Magical Girl, weil man seinen egoistischen Wunsch erfüllt sehen will. Dazu kommt noch, dass Familiars zu Hexen werden können, wenn sie genug Menschen zerstört haben. Familiars sind schwächer als Hexen. Sie auszuschalten, wenn der Kampf noch einfach ist und bevor sie zu viel Unheil anrichten, wäre also gut? Aber nur Hexen haben die Grief Seeds. Manche Magical Girls lassen Familiars also gezielt wachsen und Unheil unter der Bevölkerung anrichten, damit sie zu Hexen heranreifen können, damit der Kampf auch eine Belohnung für sie bereithält.

Natürlich macht es noch lang keine gute Show aus, wenn man ständig versucht zu zeigen, wie clever man doch ist, in dem bewusst jede einzelne Trope eines Genres dekonstruiert wird. Vor allem wenn man in 2011 kaum der erste ist, der das Konzept für sich entdeckt hat. Ganz uninteressant ist es allerdings allemal nicht. Sich als Zuschauer zu überlegen, wie die nächste Konventionsumkehrung aussehen wird. Sich zu überlegen, wie die aktuelle Szene in das Anti-Magical-Girl Konzept passt. Nur auf Dauer hält es eben nicht über Wasser.

Eine andere sehenswerte Sache in der Serie wären da die Labyrinthe, welche die Hexen erschaffen. Sozusagen Parallelwelten, in die sie sich schützend flüchten, während sie von dort aus die Realität negativ beeinflussen. Das Ganze hat einen sehr Popup-Buch-Look. Irgendwo zwischen düsterem Märchen und dementen Alice im Wunderland. Ein bewusster Stilbruch zum restlichen Look der Serie, und definitiv der interessantere der beiden Looks. Was allerdings erneut nur durch die Kontrastierung funktionniert.

Das ist glaube ich im Nachhinein auch ein wenig das Problem von Madoka Magica an sich. Die komplette Serie funktioniert hauptsächlich durch den Kontrast. Magical Girl, aber düster. Niedliche Charaktere, aber ernste Probleme. Alle Stereotypen in ihren Umkehrschluss gewandelt. Es ist kein Problem beim ersten Anschauen der Serie, während dessen sie schon ziemlich cool und interessant ist. Aber ich kann mir nicht vorstellen sie erneut zu schauen und nicht ein wenig gelangweilt zu sein. Die eigentliche Handlung kommt dafür nämlich zu spät erst wirklich auf die letzten Episoden zum Tragen. Die Charaktere bekommen zu spät Tiefe. Und obwohl sich die Serie unglaublich clever vorkommt, so macht sie doch nie einen wirklichen Versuch darin, das Genre als Vehikel für metaphysische Thematiken oder akademische Dekonstruktion zu verwenden. Madoka Magica ist kein Princess Tutu oder Revolutionary Girl Utena. Die Serie ist mehr daran interessiert edgy zu sein denn echte Schläue darzubieten. Was wie gesagt beim ersten Anschauen auch gar nicht schadet. Ich denke Madoka Magica bleibt einem zudem wesentlich länger im Gedächtnis, wenn es die erste Serie dieser Art für einen ist.

Jedoch ist die Serie nicht alles, was es zu Madoka Magica gibt. Stattdessen haben wir auch noch den Film Rebellion, der direkt ans Ende der Serie ansetzt. Und der erscheint ein wenig wie das End of Evangelion oder Adolescence Apocalypse der Serie. Nicht vom Content her, so ersetzt er weder das Ende noch ist eine eigenständige Neuerzählung, sondern schon schlicht eine Fortsetzung der Ereignisse.

Dafür wirkt er wesentlich weniger restriktiert als die TV-Serie. Natürlich was das Budget und die Optik angeht alleine. Während der 2 Stunden befinden sich die Charaktere fast ausschließlich im Labyrinth einer Hexe. Nachdem die erste halbe Stunde also hauptsächlich konventionelle Optik bot, geht es anschließend in surreale Welten zwischen Popup-Dark-Fairytale und postapokalyptischer Szenerie. Losgelöst davon, dass die Umgebung wahnsinnig viel Sinn machen muss. Wie viel Sinn hinter der Symbolik herrscht, sei mal wieder dahingestellt, toll aussehen tut der Film allerdings allemal.

Aber jetzt ist die Handlung halt auch davon losgelöst ständig versuchen zu müssen „clever“ zu sein. Die Tropes sind schon zur Genüge während der 12 TV-Folgen dekonstruiert worden. Damit muss keine Zeit mehr verschwendet werden. Stattdessen kann sich der Narrativ wirklich komplett auf eine Charakter-getragene Handlung konzentrieren. Der emotionale Kern ist einfach viel besser. Ja der Film nimmt sogar einige der Serien-Anti-Magical-Girl-Sachen zurück. Indem er die Mädchen hier beispielsweise tatsächlich als typische Magical Girl Truppe zeigt, die zusammen kämpfen. Das macht es wesentlich stärker, wenn Dinge beginnen schiefzulaufen, statt wenn von Anfang an alles aussichtslos wirkt.

Natürlich muss man die TV-Serie kennen. Oder deren Zusammenschnitt in die zwei Filme Beginnings und Eternal. Ansonsten macht Rebellion keinen Sinn, beziehungsweise dass schon ein Stück weit, aber das richtige Payoff fehlt einem schlicht. Und ich möchte erneut erwähnen, dass all meiner Unkenrufe zum trotz darüber, dass die Serie nicht halb so clever ist, wie sie denkt, sie durchaus sehenswert ist. Die richtige Sahnehaube an Madoka Magica wird aber erst zum Schluss mit dem Film Rebellion geliefert.