Twinkle Yell!, or Watching Sailor Moon Eternal

ava-2617Gefühlt ewig ist es her, dass wir das letzte Mal über Sailor Moon Crystal gesprochen haben. Immerhin handelt es sich dabei um das Geburtstagsprojekt zum 10-jährigen Jubiläum der Franchise, welches Manga-getreu jenen in ein neues Anime fasst. Nächstes Jahr wird die Reihe nun schon 20 Jahre und wir sind noch nicht mit dem Crystal-Projekt durch.

Zugegeben fing die Ausstrahlung des Projektes auch verspätet an, nämlich erst 2014 auf Nico Douga, als die ersten beiden Story Arcs als Sailor Moon Crystal gestreamt wurden. Aber bereits 2016, dem Jahr nach deren Ende, lief im japanischen TV mit Season III schon der nächste Handlungsstrang. Anfang 2017 dann die Bestätigung, dass auch der Dream-Teil des Mangas um den Dead Moon Circus ein Anime bekommen würde. Mitte 2017 jedoch die überraschende Ansage, dass es keine TV-Staffel, sondern in zwei Filmen erzählt werden wird. Und dann lange Stille. Letztendlich wurde das Release auf das unheilschwangere Jahr 2020 gesetzt, anschließend prompt wegen Covid verschoben. Aber jetzt, 2021 ist es endlich soweit: Die vierte Story Arc Sailor Moon Crystal ist draußen, wenn auch mittlerweile umbenannt als Sailor Moon Eternal.

Und es kann den Filmen wirklich niemand nachsagen, dass sie nicht genau das liefern, was das Konzept des Reboots ist: Die einzelnen Kapitel des Mangas weitestgehend getreu wiederzugeben statt wie im früheren Anime teils eigene Wege zu gehen.

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So macht sich Chibi Usa am Anfang von Part 1 bereit, ins 30. Jahrhundert zurückzukehren, ihre Zeitreisefähigkeiten werden allerdings blockiert, nachdem durch eine Mondfinsternis der Dead Moon Circus sich in der Stadt eingenistet hat. Auch die Verwandlungen der Sailor Senshi werden zunächst blockiert. Helios sucht Chibi Usa in ihrem Traum auf, verleiht ihr und Usagi neue Kräfte fürs Kämpfen. Das Amazonentrio greift die restlichen Mädels an, die in der Gefahrensituation auch zu neuen Kräften erwachen und die drei Feinde schnell aus dem Weg räumen. Das Amazonenquartett macht anschließend ernst.

In Part 2 sehen wir dann die ehemaligen Outer Senshi in ihrem neuen beschaulichen Leben, das natürlich ebenfalls nicht lang anhält, bevor sie ihre Verwandlungskräfte zurückerlangen, um den anderen Mädels auszuhelfen. Wir finden heraus, dass die wahre Schurkin Nehallenia ist, die von Queen Serenity im Silver Millennium versiegelt wurde. Mit vereinten Kräften wird gegen sie angegangen.

Die Filme sind genau genommen sogar noch stärker am Manga, als die vorigen drei Staffeln das waren. Mit zwei Parts a 80 Minuten ist die Laufzeit letztendlich ja auch eher die einer halben Staffel, es muss also wenig zusätzlich Zeit gegenüber den vorigen drei Arcs aufgefüllt werden. Immerhin ist so ein Manga-Kapitel an sich doch etwas wenig Stoff für volle 20 Minuten TV-Folge. Die einzig nennenswerte Änderung ist, dass das Amazonentrio etwas sympathischer charakterisiert wird, da sie nun auch ihre eigenen Träume haben, die sie verwirklichen wollen. Bekanntlich sind Zukunftsträume und die auf ihnen basierende Hoffnung das Thema der Dream Arc. Sie geben den Figuren nicht nur Kraft, sondern Zweifel an ihrer Erfüllung auch Schwächen und Angriffsflächen.

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Für mich persönlich liegt in der Originaltreue aber auch genau der Schwachpunkt der Filme. Den Manga fast 1:1 Kapitel für Kapitel nachzuerzählen funktioniert besser in einer ebenso episodischen Serienform, aber weniger gut in einem abendfüllenden Filmformat. Hier wäre es durchaus interessanter und besser gewesen, die rigorose Struktur etwas aufzubrechen und mehrere Handlungen miteinander zu verweben und gleichzeitig laufen zu lassen. Stattdessen kommt Problem A auf, es wird relativ schnell aus dem Weg geräumt, wir kommen zu Problem B usw. Besonders offensichtlich ist das in Part 1. Wenn zunächst Chibi Usa und Usagi ihre Alter tauschen, nur damit das nach kurzem Drama schon wieder bereinigt ist, und dann eine der anderen Inner Senshi nach der anderen angegriffen wird, den Gegner besiegt, und die nächste dran ist. Diese sehr kurzen einzelnen Ereignisse mit ihren schnellen Resolutionen lassen Sailor Moon Eternal einfach häufig so wirken, als schaue man die zusammengeschnittene Cliffnotes-Version einer TV-Staffel statt eines komplett von Grund auf selbst animierten Projektes. Dabei hilft es nicht, dass die Animationen ebenso nie über das Niveau der vorigen drei Staffeln gelangen.

Von daher bleibe ich tatsächlich mit gemischten Gefühlen zurück. Die beiden Filme waren kurzweilig und ganz nett. Wahrscheinlich auch aus Nostalgie, die Sailor Senshi mal wieder in neuer Aktion zu sehen. Aber das Großereignis, welches eine Neuverfilmung des Klassikers hätte werden können und sollen, vor allem in kinoreifes Filmformat gefasst, ist mal wieder nicht dabei rausgekommen.

Our Story & Mewtwo Strikes Back

Vor fünf Jahren war das große 20. Geburtstagsjahr von Pokemon. Dazu habe ich ein paar Spiele erneut gespielt, ein paar Nachahmer auch, und sogar alle damals erhältlichen Filme beschaut. Da dies fünf Jahre her ist, haben wir natürlich mittlerweile schon den nächsten Meilenstein erreicht. Ein Vierteljahrhundert Pokemon. Wenn man sich als Spieler der ersten Gen da nicht alt fühlt. Zur Feier habe ich dann mal die (fast) aktuellsten zwei Filme geschaut.

Pocket Monsters the Movie: Our Story setzt dabei zwar die alternative Timeline des vorigen Filmes fort, ist aber ziemlich von allem losgelöst alleine genießbar. Satoshi reist hier nämlich alleine mit seinem Pikachu durch die Gegend und kommt aktuell in Fula City an. Die Stadt hat eine Legende darüber, dass das Tal ehemals schwer zu besiedeln war, bis Lugia wortwörtlich für frischen Wind sorgte. Nun wird ein Mal im Jahr das Windfest groß gefeiert, in der diese Bande mit Lugia erneuert wird. Natürlich steht genau das Fest gerade an.

Neben Satoshi hat die Feier auch jede Menge andere Leute zu den Festlichkeiten getrieben. Lisa zum Beispiel, die nach einem Unfall ihre Karriere als Profiläuferin aufgegeben hat, und für ihren kleinen Bruder ein Pokemon fangen gehen soll. Kagachi, der notorische Lügner und Geschichtenerzähler, ist mit seiner Schwester und die ihn anhimmelnde Nichte vor Ort. Team Rocket treibt wie immer ihren Schabernack. Und dann haben wir noch ein paar lokale Charaktere. Torito ist ein brillianter Pokemon-Forscher, der zu viel Lampenfieber hat, um seine Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die alte Dame Hisui hat eine Aversion gegen Pokemon, seitdem ihr eigenes vor 50 Jahren im großen Waldbrand ums Leben gekommen ist. Die Tochter des Bürgermeisters, Largo, derweil hat in den seither verbotenen Wäldern das Pokemon Zeraora getroffen, vor dem allen Angst gemacht wird.

Der Film trägt den Namen Our Story dabei zu Recht. Denn es geht Mal nicht zentral nur um Satoshi und sein Super-Pikachu, sondern tatsächlich um alle diese Menschen. Es ist die Geschichte von allen. Am Ende geht ne Menge auf einmal schief. Der Wind erlischt. Ein giftiges Gas bedroht die Stadt. Ein weiterer Waldbrand bricht aus. Ist schon fast etwas komisch, man fühlt sich fast in einem Katastrophenfilm von Roland Emmerich. Aber um all das gleichzeitig in den Griff zu bekommen braucht es eben auch den Einsatz und die Kraft vom ganzen Ensemble an Hauptcharakteren gleichzeitig, die alle über ihr vorher ausreichend etabliertes Problem hinwegkommen.

Dadurch geht es diesmal im Film auch überraschend wenig um Pokemon. Natürlich sind die allgegenwärtig. Das alltägliche Leben mit jenen Kreaturen wird hier gut dargestellt. Und auch gekämpft wird etwas, was wie der Rest des Filmes gut durchanimiert ist. Aber das Hauptaugenmerk der Handlung sind diesmal die menschlichen Charaktere und ihre Beweggründe. Die Geschichte um Furry-Bait Zeraora ist mit das schwächste Element des Filmes, weil einfach weniger interessant.

Am Ende des Tages ist Our Story einfach ein echt guter und unterhaltsamer Film. Sympathische Charaktere, attraktiv designt, eine dynamische Welt, gut durchanimiert, und genug passiert, so dass es nie langweilig wird.

Der Pokemon-Film, der 2019 den jährlichen Slot in den japanischen Kinos besetzte, sollte hingegen etwas ganz Besonderes werden. Keine neue Erzählung war er, sondern mit Mewtwo Strikes Back: Evolution wurde ein Remake des allerersten Filmes präsentiert. Komplett in CG statt der üblichen 2D-Animation. Schon irgendwie komisch, dass der nicht genau 20 Jahre nach dem ersten Film gebracht wurde, sondern ein Jahr darauf.

Viel zu sagen gibt es über den Film dabei nicht, denn er ist mehr oder weniger ein 1:1-Remake geworden. Mewtwo wird aus der DNA des legendären Mews in einem Labor gezüchtet. Hat Minderwertigkeitskomplexe. Zerstört die Anlage. Wird von Giovanni, dem Leiter Team Rockets, ausgenutzt. Flieht desillusioniert auf die Insel. Lädt ein paar Trainer, darunter die Orginal Dreier-Reisegruppe ein. Lässt seine Klone gegen deren Pokemon kämpfen, um zu beweisen, dass sie stärker sind. Satoshi versteinert beim Aufeinanderkrachen der Psychokräfte von Mew und Mewtwo. Wird wieder gesund geheult. Alle sind gute Freunde, Mewtwo macht den Gedächtnis-Wipe, Credits und Ende.

Die meisten Veränderungen im Film sind eher kleinerer Natur. Die Szenenreihenfolge und ihr Inhalt sind alle erhalten geblieben. Die Original-Designs der Charaktere wurden nicht überarbeitet oder modernisiert. Selbst Pokemon, die nach der ersten Gen erschienen sind, hat man wiederstanden einzufügen. Eine Action-Szene hier und dort mag nun ein bisschen länger gehen. Oder die Überfahrt zur Insel fährend des Sturms umdesignet. Wirklich auffällige Änderung gibt es aber letztendlich nur eine.

Und zwar basiert der Film auf dem internationalen Kinorelease statt auf der kompletten japanischen Version. Das bedeutet, dass der Prolog um Mewtwos Kindheit fehlt. Wir finden also nicht mehr heraus, dass er mit Klonen der drei Starterpokemon aufgewachsen ist, was erklärt, warum er genau deren drei Endformen am Ende des Filmes in den Kampf führt. Oder das der Professor das Klonexperiment gestartet hat, um seine tote Tochter wieder zum Leben zu erwecken.

Dadurch fehlt dem Film selbstverständlich etwas an dem Gravitas, der im Original vorgeherrscht hat. Was schade ist, denn am Rest habe ich nichts zu meckern. Wie gesagt halten sich die Änderungen in den restlichen Szenen zu sehr zurück, um ihn als schlechter als das Original ansehen zu wollen. Auch mit der CG-Animation habe ich keinerlei Probleme. Die simplen Designs der Franchise eignen sich sehr gut für den Stil und man muss der Computer-Animation zu Gute halten, dass durch sie viel mehr detaillierte Animationen und aufregende Kamerafahrten möglich sind, die bei traditioneller 2D-Animation einfach ungleich mehr gekostet hätten. Das Fehlen der einen Szene ist der einzige Grund, warum ich Evolution als schwächer gegenüber des Originals einstufen würde.

Digimon, Pokemon & Clear Cards

Schon wieder Quickies? Schon wieder Quickies! Diesmal zum Thema Anime. Weil ich da drei gesehen habe, über die es zwar was zu sagen gibt, aber nicht unbedingt viel. Deswegen das alles voll effizient und ökologisch wertvoll zusammengebündelt, statt einzeln rausgehauen zu werden.

Digimon X-Evolution
Zunächst geht es direkt mit Digimon weiter. Und zwar dem Fernsehfilm X-Evolution. Keine Relation zur TV-Staffel Digimon X-cross. Sondern auf sich alleine stehend. Und komplett in der Digimon-Welt veranlagt und nur mit Digimon in den Rollen. Da die ja richtig sprechen können und eine eigene Gesellschaft haben, statt wie Pokemon Tiere zu sein, kann man das ja mal machen.

Und es ist herrlich dämlich. Also irgendwie gab es eine Art Apokalypse, nur noch wenige Digimon sind im von Gottheit Yggdrassil beherrschten Gebiet beheimatet. Aber der will einen Teil davon auslösen, weil es immer noch zu viele sind. Was in seinem Auftrag eine Art Ritterbund macht. Die haben aber nicht mit dem Erlöser-Digimon gerechnet, was von Wolfvieh zu Supermecha evolutionieren kann. So oder so ähnlich, denn trotz der gerade mal ca. 80 Minuten geschieht hier so viel Zeug mit so wenig Erklärungen, dass es echt schwer ist am Ball zu bleiben und die Übersicht zu behalten, was wir jetzt warum genau machen. Wer wen weshalb bekämpft.

Ich kann mir halt einfach das Lachen nicht verkneifen. Wenn, was Dank des CG und der üblichen Designmentalik der Franchise wie edgy Plastikfiguren aussieht, plötzlich anfängt Götter anzubeten, sich heldenhafte Ritterduelle liefert, eine Existenzkriese erfährt, oder darüber philosophiert, ob ein wenig Genozit bei zu hoher Überbevölkerung nicht doch gut ist. Es ist einfach sowas von lächerlich, dass es aus allen nicht gewollten Gründen eigentlich sogar ganz gut unterhält.

Pokemon: Twilight Wings
Pokemon: Twilight Wings hingegen ist ziemlich bodenständig. Denn es sind nur 8 Folgen von jeweils unter 10 Minuten, die zusätzlich gratis gestreamt wurden. Das Konzept ist, dass jeweils ein kleiner Einblick in einen Charakter aus den aktuellen Schwert/Schild behandelt wird. Lose zusammengehalten durch den narrativen Faden eines kleinen Jungen im Krankenhaus, der sich nichts sehnlicher wünscht, als irgendwann im Stadium zusehen zu können, wie der Champion seinen Rang verteidigt.

Mal bekommen wir einen Eindruck in die herzige Beziehung von Hop mit seinem Pokemon. Den hektischen Alltag von Workaholic Olivia. Yaroo inmitten seiner Schafherde, Kate bei ihren Modeljobs, Saida hart im Training. Plus eine nachgeschobene achte Folge, die stark den DLC anpreist. Kaufen Kinder, kaufen.

Aber tatsächlich fand ich die Episoden sehr unterhaltsam und herzig. Sie tun das, was der Anime sonst nicht schafft. Und zwar einem die Pokemon-Welt tatsächlich als lebendiges Ökosystem, das ganz normale Zusammenleben mit den Pokemon, zu zeigen. Wobei ich hier der TV-Serie natürlich auch Unrecht geben kann, denn ich habe davon ja nur damals die ersten Staffeln gesehen. Twilight Wings bietet auf jeden Fall sehr schön inszenierte und gut animierte kurze Ausflüge in die Welt von Schwert/Schild.

Card Captor Sakura: Clear Card
Zum Schluss haben wir noch Card Captor Sakura: Clear Card, von dem ich anfänglich gedacht hätte, bestimmt mehr schreiben zu müssen. Aber so wirklich bewahrheitet hat sich das nicht. Nachdem Clamp mit Tsubasa und xxxholic fertig waren, sind sie auf den Zug aufgesprungen, späte Sequels oder Reboots zu starten, um die Nostalgie derjenige, die um 2000 rum Kinder/Jugendliche waren, zu melken. In dem eine dritte Story Arc Card Captor Sakura gestartet wurde, dessen Manga bis heute noch läuft. Während das Anime bisher aus einer Staffel an 22 Episoden aus 2018 besteht.

Drei Jahre sind vergangen und Sakuras Karten werden plötzlich zu reinen glaskaren Hülsen. Aber neue Dinge machen die Stadt unsicher, die sich von ihr fangen lassen und zu ganz neuen Karten werden. Die allerdings häufig ein Äquivalent zu den Alten darstellen. Shaoran ist auch aus Hong Kong zurück, um nun an Sakuras Seite zu bleiben. Und ein neues Mädchen ist mit ihrem Butler ins ehemalige Haus von Eriol eingezogen, was sicherlich keinerlei Wichtigkeit haben wird.

Ich muss sagen, dass ich Clear Card zwar ganz nett fand, es mich aber nicht ganz abgeholt hat. Zunächst einmal ist das Pacing ganz komisch. Es macht fast den Eindruck, als hätte man dem Team kurz vor Schluss erst gesagt das… nun ja halt eben Schluss ist. Die Serie plätschert so ein wenig mit episodenhaften Eskapaden vor sich hin. Was nicht schlecht ist, die Original Clow Cards Story Arc ist ja auch so. Halt einfach jeweils die Charaktere und ihre Beziehungen etwas näherbringen und nebenbei die Karte des Tages fangen zu müssen, die narrativ wesentlich weniger wichtig ist. Doch dann auf die letzten zwei Folgen wird plötzlich ein Ball an Exposition losgetreten und ein frühzeitiges Finale geschaffen, welches sich aber wieder ausnullt, weil die Handlung ja eigentlich noch weitergeht. Das wirkte plötzlich etwas überstürzt.

Eine andere Sache, über die ich mich Gedanken beim Schauen gemacht habe, sind die Charaktere. Und zwar, ob sie eindimmensionaler geworden sind. Irgendwie kam es mir etwas so vor, als wären sie hautpsächlich nur One Trick Ponys. Kero-chan ist verfressen. Tomoyo hat eine Obession Sakura zu filmen. Shaoran hat eigentlich gar keine Persönlichkeit mehr, außer das seine Gefühle zu zeigen ihn peinlich berührt macht. Ich fand die Charaktere immer noch sehr niedlich und unterhaltsam, bin mir aber nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich sie aus der vorigen Serie noch so gut kenne. Wäre interessant zu wissen, ob sie einem auch ans Herz wachsen, wenn man nur Clear Card geschaut hat.

Das soll wie gesagt nicht heißen, dass Clear Card schlecht ist. Es ist immer noch eine ganz nette kleine Serie zum Entspannen und nebenbei wegschauen. Aber so gut wie die Sakura Card Arc der ersten Staffel wurde es halt im CCS-Anime auch leider nie wieder.

The Digimon Adventure Movies

Ach ja Digimon, wie nostalgisch. Bandais Antwort auf den Tomogatchi-Hype, der dann zur Antwort auf den Pokemon-Hype unfunktioniert wurde. Vom Kinderspieltzeug in 1996 zur Kinderserie im Fernsehen in 1999. Die ersten Staffeln habe ich sogar auch mitgenommen damals. Erinnere mich sogar noch daran, dass von der allerersten die finalen Folgen erst in der Wiederholung ausgestrahlt wurden, weil man bei RTL2 einen Standardvertrag über 52 Folgen mit Toei Animation machte, Digimon Adventure 1 aber 54 lang war.

Selbst den Kinofilm habe ich damals gesehen, sogar im Kino an sich. Bekanntermaßen ist da die westliche Version allerdings ein Zusammenschnitt von drei individuellen japanischen Filmen. Die einen überraschend guten Ruf haben, weil ein Star-Regisseur hier seine erste Erfahrungen sammelte. Nämlich niemand anderes als Mamoru Hosoda, dem wir Filme wie Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Summer Wars, oder Die Wolfskinder zu verdanken haben. Ich habe mal die Gelegenheit einer nostalgischen Anwandlung von mir genutzt mir die einzelnen Original-Filme anzuschauen.

Der erste davon ist schlicht betitelt Digimon Adventure, also gleich zur ersten TV-Staffel, die einen Tag nach der Erstaufführung des Filmes anlief. Der Film ist auch genauso schlicht gehalten, hat er doch nur 20 Minuten zur Verfügung. Kenner des westlichen Filmes finden ihn als dessen Prolog wieder. Denn er springt in eine Zeit, wo Hauptcharakter der Serie Taichi und seine Schwester Hikari noch ganz kleine Kinder waren. Und deren erste Begegnung mit einem Digimon haben. Vom aus dem Computer gesprungenen Ei, hin über die Evolutionen zum Kampf Greymon versus Parrotmon in den Straßen der Stadt.

Was mir beim Film direkt erneut auffiel ist, wie entgegen er den Erwartungen er doch schwimmt. Ich glaube kaum, dass irgendwer große Ansprüche hier stellte, immerhin ist er nur ein glorifiziertes Prolog-Special zur demnächst startenden TV-Serie, die wiederum hauptsächlich dazu gedacht ist, den Kids Spielzeug anzudrehen. Nehmt einen Rookie als Regisseur, lasst ihn schnell was zusammenschmeißen, wie er will, gut ist. Aber der Film ist richtig gut geworden! Er schafft es unglaublich gut das alltägliche Leben der beiden Kinder im Familien-Appartment mit der Tatsache, dass man plötzlich einen Dino großzieht, gegeneinander aufzuspielen. Er geht auch ganz mutig in die Richtung, die Digimonster als solche zu präsentiren. Hier sind die Viecher wesentlich mehr in Größenrelation mit ihrer Umgebung. Wenn Koromon zu Agumon wird, reicht das plötzlich unter die Decke der Wohnung. Greymon versus Parrotmon ist ein richtiger Kaiju-Kampf zweier mehrere Stockwerke hoher Monster in den Wolkenkratzerschluchten. Der Film gibt damit der ganzen Angelegenheit einen sehr realistischen und geerdeten Anstrich, den man so in der TV-Serie nie zu sehen bekommen wird.

Und dann noch die ganzen detaillierten Animationen. Hier wurde nicht nur alles darein gesteckt den Kampf der Monster möglichst cool zu gestalten (welcher aber freilich auch sehr spannend und dramatisch anzusehen ist), um die Viecher als Spielfiguren verkauft zu bekommen. Es steckt eben auch viel Liebe in den Bewegungsabläufen der beiden Kinder. Wenn Hikari nach dem weggerollten Ei sucht, oder Taichi zum Frühstückmachen auf einen Hocker klettern muss. Wenn Agumon einen Getränkeautomaten zerstört hat und die kleine Hikari verzweifelt die wegrollenden Dosen aufzusammeln versucht, um das Missgeschickt ihres Haustieres wieder in Ordnung zu bringen. Es ist einfach herzallerliebst anzusehen.

Oder kurz gesag: Mamoru Hosoda hat aus diesen 20 Minuten TV-Serien-Prolog alles rausgehalt, was rauszuhalen war.

Da hat man ihn sich natürlich direkt im nächsten Jahr für den zweiten Film zurückgeholt, den 40-minütigen Digimon Adventure: Children’s War Game. Am Ende der ersten TV-Staffel angesiedelt schlüpft diesmal das digitale Ei von Diablomon, der immer mehr Daten frisst, was viele Computergesteuerte Geräte der Welt durcheinanberbringt, bis schließlich sogar nuklare Raketen abgefeuert werden. Es bleiben zehn Minuten, um ihn zu besiegen, damit sie nicht detonieren.

Erneut gibt es viele Szenen der Digi-Ritter in ihrem alltäglichen Umfeld, denn Taichi und Koshiro sind vom eigenen Wohnzimmer übers Internet in den Kampf zugeschaltet, während der Rest der Truppe in den Sommerferien zerstreut im Urlaub oder bei Freunden ist. Das hilft erneut, um der Gefahr mehr Gewichtigung zu verleihen, auch wenn der Film nicht ganz so bodenständig ist wie der Vorgänger. Weil diesmal halt die Action in der virtuellen Welt stattfindet. Hier sieht man dann auch bereits Hosodas Faible dafür, virtuelle Welten als weiße Räumen mit singalfarbenen Akzenten darzustellen. Man kann sagen, dass dies stilistisch eindeutig der Vorgänger zu seinem Kinofiilm Summer Wars ist.

All das erneut mit dem ganzen Schwung und Leben in den Szenen, die wir auch vom ersten Film gewohnt sind. Seien es nun die humorigen Einlagen und entgleisten Gesichtsausdrücke Taichis in der realen Welt, bei den kurzen Einblicken in das Leben der anderen Charaktere, oder die mit viel CG unterstützen Kämpfe der Didgimon im Cyberspace. Bei der überschaubaren Zeit wird’s eindeutig nicht langweilig.

Immerhin haben die beiden Filme von Mamoru Hosoda damals in Japan genug Eindruck hinterlassen, als dass Studio Ghibli ihn auf der Suche nach neuem Talent für die Regie von Howl’s Moving Castle verpflichtete. Letztendlich wurde daraus zwar nichts, doch ihm gelang anschließend der Sprung zum Studio Madhouse, wo er seinen internationalen Durchbruch mit den eingangs erwähnten Filmen finden sollte. Ab dem dritten Film stand er also Toei Animation und der Digimon Franchise nicht mehr zur Verfügung.

Der noch im gleichen Jahr herausgekommen Film und erste zur zweiten Staffel, ist dann auch der letzte, der in den westlichen Film integriert wurde. Im Original ist der als zwei halbstündige Teile im Doppelfeature gelaufen: Digimon Hurricane Touchdown und Transcendent Evolution! The Golden Digimentals. Die ergeben aber einen durchgängigen Film von 65 Minuten.

Dieser Teil macht auch ein wenig das Kernstück der amerikanischen Version aus, was nicht weiter verwundert, wenn man sich das Setting betrachtet. Diesmal macht der Cast von Digimon Adventure 02 nämlich gerade Urlaub in den USA, wo sie auf Wallace treffen. Der hat als Kind zwei Digimon bekommen, von denen eines allerdings spurlos verschwand. Bis es nun fies verändert wieder auftauche und ihn terrorisiert, in der Hoffnung zur ursprünglichen Zeit mit Wallace zurückkehren zu können.

Ich möchte zunächst einmal sagen, dass mir die Idee des Filmes durchaus gut gefällt. Die gebrochene Freundschaft, die sich zu einer Psychose entwickelt hat, kann für echt guten Stoff sorgen. Für einen Kurzfilm von erneut 30 Minuten. Dass der Film die doppelte Länge geht führt leider dazu, dass er zunächst einfach unglaublich langgezogen ist, während wenig geschieht, außer das Wallace ständig gefragt wird, warum das Digimon hinter ihm her ist, der darauf noch nicht zu antworten bereit ist. Der neue Regisseur Shigeyasu Yamauchi schafft es auch nicht, jene Szenen mit der richtigen zwischenmenschlichen Wärme oder unterhaltsamen Einlagen der Charaktere zu füllen, die ein Hosoda hier hervorgezaubert hätte. Stattdessen fühlt sich der komplette Mittelteil so an, als würde Wasser getreten, bis es endlich ins Finale gehen kann. Als sehe man depressiven Charakteren dabei zu, wie sie Emotionen lediglich vortäuschen.

Und das Finale ist ebenfalls total merkwürdig. Endlich passiert mal was, klar, und die finale Evolutionen des Antagonisten sind auch gewohnt freaky. Aber die Vibes sind einfach absolut strange. Szenen haben unerwartet überhaupt gar keine musikalischen Untermalung, oder der sehr zurückhaltende Country-Einschlag kommt wieder rein, statt endlich mal so richtig Vollgas zu geben. Das resultiert erneut in einer extrem unterkühlten und emotionslosen Stimmung, die sich hart mit dem tränenreichen Gekämpfe beißt. Der Flow des Filmes ist erneut fundimental gebrochen. Der Stil passt definitiv besser zum postapokalyptischen Cashern Sins, bei dem Yamauchi Series Director war, als zu Digimon Adventure 02.

Einen vierten und letzten Film gab es zum Original Adventure zum Ende der zweiten Staffel in 2001 dann auch noch. In Digimon Adventure 02: Mewtwo Diablomon Strikes Back bekommt es der ganze Cast an Charakteren erneut mit dem Bösewicht aus dem zweiten Film zu tun, der sich an den Kids rächen will, die ihm damals seine Pläne vereitelt haben. In dem er diesmal sogar in der realen Welt auftaucht, statt nur virtuell sein Unwesen zu treiben.

Der 30-Minüter tut dabei sein Mögichstes, um den Stil von Hosoda aus den ersten beiden Filmen erneut einzufangen. Der Zeichenstil geht dahin zurück in den Charakteren etwas unsauberer und weniger detailliert zu sein, damit sie dafür besser durchanimiert werden können. Daisuke macht die gleichen Funny Faces, die Taichi machte, um mal wieder zu zeigen, was für ein Kloncharakter er ist. Das Farbschema bemüht sich um die gleichen Kontraste. Die Cyberwelt ist also mal wieder sehr hell-leuchtend weiß mit poppigen Farbakzenten, während die Szenen in der realen Welt bodenständiger zurückhaltende Kolorisation aufweist. Diablomon und seine finale Entwicklung agieren wie ein Eva im Berserker-Modus, der nach dem nächsten Engel sucht, den er lebendig fressen kann. Neben den Insert Songs besteht der Score erneut aus klassischen Melodien, Maurice Ravels Bolero inbegriffen.

Das funktioniert erneut alles übrigens sehr gut. Wie gesagt scheinen die Digimon-Filme alle nicht sonderlich hoch in der Prioritätenliste von Toei Animation gewesen zu sein, verpflichteten sie doch als Regisseure immer Newcomer oder Leute, die zuvor nur für vereinzelte TV-Folgen verantworlich waren. Hosoda hat da die Chance ergriffen mit seinem noch unentdeckten Talent zu strahlen, vielleicht war es da echt einfach die günstigste Entscheidung ihn impersonifizieren zu versuchen, auch um einen runden Abschluss hinzulegen. Da es wieder alles in einer halben Stunde über die Bühne geht, kann es zudem auch gar nicht langweilig werden, oder große Diskrepanzen aufweisen, die es nur als billige Kopie entlarven würden.

Ich fand den es auf jeden Fall sehr angenehm, obwohl ich nie der größte Digimon-Fan war, in diesem Rewatch etwas nostalgisch in die Adventure-Zeit zurückzukehren. Dass drei der vier Filme qualitativ auch durchaus überdurchschnittlich sind, hilft dem natürlich ungemein. Wer weiß, vielleicht versuche ich mich demnächst dann mal an den sieben Tri/Kizuna Filmen

Card Captor Sakura

Vor langer langer Zeit, in genau diesem Land, lebte ein jüngeres Ich. Eines, das Ende der 90er Anime verfiel und kurz darauf folgend auch Manga. Eines der früheren Werke, dich ich las, war Clamps Wish. Sofort dem Zeichenstil des Mangaka-Quartetts verfallend, bald darauf in einer AnimaniA oder dem Internet oder beidem lesend, was für ein großer Deal die Damen sind. Anfang der 2000er kamen mehr und mehr ihrere Manga nach Deutschland. Von den großen ersten Serien wie RG Veda und X über zu eheren kürzeren Exkursen wie Miyuki-Chan in Wonderland oder Justice Guards Dukylon zu den damals neuesten Werken wie Angelic Layer und Chobits.

Alles wurde lizenziert, was von ihnen gezeichnet war, und ich kaufte mir alle diese. Und Artbooks und so weiter. Zu den letzten Manga, die ich je kaufte gehörten die erten Bände von Tsubusa Reservoir Chronicle, xxxholic und das Clamp in Wonderland Magazin, alle bezeichnend darauf aufbauend das 15-jährige Bestehen von Clamp zu feiern.

Eines ihrer beliebtesten Werke ist und bleibt dabei Card Captor Sakura, welches nebst den 12 Original-Bänden auch eine zentrale Rolle eben in Tsubasa spielt, mittlerweile mit der Clear Card Saga ein noch laufendes Sequel erhalten hat, und dem als Speerspitze das komplette erste Heft der Jubliäums-Magazine gewidmet ist.

Card Captor Sakura, welches ich selbstredend zu seiner deutschen Veröffentlichung gekauft und gelesen habe (plus die damals erschienenen 3 Artbooks und das Clow Card Book), ist allerdings auch wahlweise in einem Anime erlebbar. 70 Folgen liefen zwischen 1998 und 2000 über die japanischen Bildschirme und zwei Filme im Kino. Das kannte ich bisher allerdings nur partiell.

Zugegeben hatte es die Serie im Westen auch teils nicht einfach aus den Startlöchern zu kommen. Mehr als infam bekannt ist beispielsweise die Nordamerikanische Version als Cardcaptors, bei dem man plötzlich in einer 180er-Drehung ein Jungen-Publikum ansprechen wollte. Mit entsprechenden Änderungen im Script, der Folgenzahl und -anordnung etc, um die Action in den Vordergrund zu setzen und Li Shaoran eine größere Rolle zu geben. In Deutschland war das immerhin nicht der Fall. Allerdings wurde hier die Serie von Pro 7 lizenziert, die versuchten auf den populären Anime-Zug aufzuspringen. Aber im Gegensatz zu RTL 2 kein nachmittagliches Kinderprogramm hatten, wo in der Nach-der-Schule-Zeit viele Anime ihren Erfolg hatten. Also kam Card Captor Sakura im Samstag-Morgen-Programm, wo es von keinem wirklich wahrgenommen wurde. Ich habe damals auch nur die ersten paar Folgen gesehen und dann, auch durch leicht schwankende Sendezeiten, irgendwann die Lust dran verloren gehabt. Blieb dann bei der Ausstrahlung der ersten Staffel von 35 Folgen und keiner Lizenzierung der weiteren. Zudem habe ich den ersten Film mal auf einer frühen AnimagiC gesehen.

Nun schreiben wir allerdings das Jahr 2020 und man ist sich doch für jede fluffige Zertstreuung offen. Und im Frühjahr das tryhard edgy Madako Magica gesehen zu haben, hat mich mal wieder auf die Idee gebracht, eine Magical Girl Serie zu schauen, die ganz geradlinig ist. So für Mädchen und ganz ohne irgendwie brutal oder meta gehen zu wollen zum Schockeffekt. Sondern zuckersüß und nicht herausfordernd. Getroffen hat es  selbstverständlich Pretty Cure!

Nein, natürlich nicht. Ganz so verzweifelt mir eine seit 15 Jahren anhaltende Franchise von über 800 Folgen und 30 Kinofilmen anzutun war ich dann doch nicht. Getroffen hat es den Card Captor Sakura Anime. Endlich mal alle 70 Folgen plus 2 Filme anschauend.

Mensch was hatte ich so viele Dinge vergessen, aber zugegeben ist es mittlerweile mindestens 15 wenn nicht mehr Jahre her, dass ich den Manga gelesen habe. Aus der ersten Story Arc kannte ich sogar noch ein paar Dinge, viele durchaus wichtige Sachen aber bereits schon nicht mehr. Und aus der zweiten Story Arc war mir gar nichts mehr bekannt! Vielleicht hatte ich die total verdrängt, weil das Design der drei neu hinzugestoßenen Charaktere so scheußlich ist, dass es mein ästhetisches Hirn gesprengt hat. Im Gegensatz zum Manga nehmen die übrigens nicht ganz jeweils die Hälfte der Serie ein, Story Arc 1 endet mit der zweiten Staffel bei Folge 46 und Story Arc 2 ist dann die dritte Staffel von 24 Folgen.

Beispielsweise total vergessen hatte ich, wie sehr doch alle total die Simps füreinander sind. Die Serie hat eine so absolute durchgehende Baseline von „Liebe“ in sich. Fast jeder Charakter wird von jemandem und ist in jemanden romantisch verliebt. Aber auch platonische Liebe von Freundschaft und Familie sind stark vertreten. Es macht einen Großteil des warmig-wohligen Grundstoffs der Serie aus, wie sehr sich einfach alle Charaktere gegenseitig mögen. Selbst die wenigen zunächst antagonistischen Charaktere nehmen am Ende nur jene Position ein, um anderen zu helfen und sie an den Challenges wachsen zu sehen. Es missgönnt auch niemand jemand anderem dessen Gefühle. Es gibt in der Serie einige gleichgeschlechtliche Anziehungen und auch teils merkliche bis beträchtliche Altersunterschiede. Oder das mehrere Charaktere Interesse an der gleichen Person haben. Höchstens letzteres führt manchmal zu leichtem Konflikt, aber nie für lange. Jeder gönnt jedem anderen seine Gefühle und es wird nie ein großes Ding draus gemacht. Und wenn sich dann jemand für einen anderen entscheidet, dann kommt es immer früher oder später zu Akzeptanz und das sie sich für deren Glück freuen.

Das ist doch alles sehr schön. Clamps Motto in CCS ist ganz eindeutig „Liebe ist Liebe, egal welche Form sie annimmt“. Hier noch mal ein kleiner Einschub zu den Altersunterschieden. Davon gibt es insgesamt vier sehr starke. Zwei davon sind von frischgebackenen Lehrern zu ihren Teenager-Schülern: Sakuras Eltern und Toyas erste Liebe zu Miszuki. Für mich ist es zumindest schwer, mich groß an ihnen zu stören, weil die Atmosphäre in CCS einfach so unglaublich wholesome ist, sich jeder so ehrlich gegenseitig mag, und somit nie der unangenehme Wiff von einer Ausnutzungsbeziehung dabei rum kommt. Vielleicht bin ich es aber auch einfach moralisch kaputt und zu sehr gewohnt in japanischen Storylines Lehrer in ihren frühen 20ern eine Beziehung mit ihren Schülern in den Late Teens anfangen zu sehen. Was die Gefühle von der zehnjährigen Sakura zum 16-jährigen Yukito or gar Sakuras Mitschülerin für ihren Lehrer angeht, so will ich hier erneut erwähnen, wie unglaublich pur Liebe in der Serie erscheint. Und in diesen beiden Fällen zudem dies mehr wie ein einseitiger Crush rüberkommt, der bei Yukito eindeutig nicht erwiedert wird, und den der Lehrer, zumindest wie es hier im Anime dargestellt ist, nicht mal mitzubekommen scheint. Ich hoffe damit haben wir den Elefanten aus dem Raum gebracht?

Das war jetzt viel Geschreibsel über die romantischen Gefühle in der Serie, und das selbst noch, bevor überhaupt über die eigentliche Story geschrieben worden ist. Die ist kein Zufall, denn ich würde mal ganz dreist behaupten, dass die Emotionen, Gefühlswelten und Charakterbeziehungen der Hauptpunkt in Card Captor Sakura sind, und eben nicht das capturen von Cards durch Sakura. Streng genommen dreht sich jede Folge tatsächlich darum, dass in Sakuras Umgebung etwas merkwürdig läuft, dies investigiert wird, sich eine Clow Card als das verursachende Übel herausstellt, und jene dann versiegelt wird. Die Jagd und Magieschlacht mit der Karte an sich ist aber fast immer sehr schnell rum. Wesentlich wichtiger ist der Serie über jene Ereignisse die Charaktere weiterzubringen. Neue einzufügen, deren wahren Gefühle ans Licht zu bringen, sie miteinander agieren oder an den Ereignissen wachsen zu lassen.

Am Ende des Tages ist es einfach so, dass Card Captor Sakura zu 70% Charaktere und ihr Bindungen zueinander, 20% niedliche Mädchen in noch süßere Outfits stecken, und nur 10% magisches Kartensammeln ist. Ich kann mir echt nicht erklären, wie die Nordamerikaner auf die Idee kamen, hieraus eine typische Shonen-Collection-Show machen zu können, ohne das dabei ein absolutes Desaster bei raus kommt.

Warum ich wirklich total vergessen hatte, was in der zweiten Story Arc geschieht, wurde mir allerdings auch wieder vor Augen geführt: Sie ist einfach nicht so interessant. Ich weiß noch nicht mal ganz genau was es ist. Ich habe es sehr genossen mich durch die ersten zwei Staffeln zu schauen. Selbst der neue Charakter Meilin ging mir nach kurzer Zeit nicht mehr auf den Keks, sondern fügte sich gut in die Riege ein. An der dritten Staffel war letztendlich aber nur interessant die Charakterpärchen sich finalisieren zu sehen (wobei Sakura und Li teils in den zweiten Kinofilm verschoben wurden). Die neuen Charaktere und ihre Challenges fand ich schlichtweg nicht interessant. Die eigentliche Geschichte wirkte erzählt und die Charaktere ändern sich auch nicht mehr wesentlich. Die Sakura Card Arc ist nicht schrecklich, aber halt einfach wesentlich vergessenswerter als die Clow Card Arc. Netterweise nimmt ja im Anime zumindest der bessere Teil dann auch 2/3 der Folgen ein.

Meiken Lassie

Das World Masterpiece Theatre ist eine über 20 Jahre laufende Franchise von Toei Animation, welches im Kinderprogramm jedes Jahr eine neue Serie basierend auf einem Kinderbuch-Klassiker präsentierte. Streitbar entweder bei Heidi (1974) oder Niklas, der Junge aus Flandern (1975) gestartet, haben auch wir im deutschen Fernsehen damals fast alle davon mitgenommen.

Doch der Stern der Einschaltquoten war nach einer gewissen Zeit beständig am Sinken. Ursprünglich hatte noch jede Serie um die 50 Folgen, um die kompletten 52 Wochen (minus evtl einiger Feiertage o.Ä.) eines Jahres zu füllen. Gegen 1990 war das schon auf regelmäßig 40 Folgen runtergeschraubt. Die Schwarzen Brüder 1995 wurden sogar auf 33 Folgen verkürzt. Das Damokles-Schwert hing also bereits über der Prestige-Reihe, die einfach nicht mehr die gewohnten Zuschauerquoten bringen konnte.

Das änderte leider auch die 1996er Season mit Meiken Lassie nicht. Eine Serie, die wegen schlechter Quoten sogar nach 26 Folgen beendet und Mittjährig von Nobody’s Girl Remi ersetzt wurde, in der Hoffnung die Franchise zu retten. Stattdessen endete sie dort vorerst. Übrigens zwei der drei Serien der Original-Riege, die es gar nicht mehr nach Deutschland schafften.

An der Qualität soll das aber nicht gelegen haben, denn auch Famous Dog Lassie ist eine knuddelige Wohlfühl-Serie für Kinder. Sogar knuddeliger und wohlfühliger als alle anderen, denn Ausnahmsweise gibt es mal keine großen dramatischen Ereignisse im Leben des kleinen John und seines Adoptivhundes Lassie. Vielleicht liegt da das Problem? War die Serie den Kids zu langweilig? Wahrscheinlich hat es keinen Unterschied gemacht, denn Remi drehte das Drama um Waisenkinder auf der Reise nach einem Elternteil inklusive vieler Tragödien wieder voll auf und kam auch nicht besser an.

John hat sogar nicht nur zu Beginn der Serie zwei Elternteile, nein er wird sie auch beide behalten! Niemand verschwindet, stirbt oder was sonst so den Kids in den WMT-Serien meist geschieht. Stattdessen hat sein zu Hause einen Zuwachs, als er Lassie findet und aufpeppelt. Nachdem er den Besitzer nicht ausfindig machen kann auch behält. Was die schlaue Hündin ihm mit ewiger Treue bezahlt. Beispielsweise immer schön brav am Schultor darauf wartet, ihn nach Schulschluss abzuholen. Mit John und seinen Freunden Collin und Sandy über die Wiesen tollt und in Geheimverstecken abhängt. Und natürlich immer rettend und helfend zur Seite steht, wenn doch mal etwas kurzzeitig schiefläuft. In der Kohlemine des Vaters oder im Krankenhaus der Mutter zum Beispiel.

Denn ganz ohne Drama kommt natürlich auch Lassie nicht aus. Es ist nur so, dass es sich hier immer um kleine Einzelfälle handelt, die immer in einer Folge abgecancelt sind und alles schnell wieder gut wird, nie bleibende Schäden entstehen. Die Mutter mag sich überarbeiten und zusammenbrechen, wird aber wieder gesundgepflegt. Ein vermeintlicher Krimineller taucht im Dorf auf, das Missverständnis kann aber aus dem Weg geräumt werden (was Ausnahmsweise mal eine Doppelfolge dauert). Sehr dramatisch wird es tatsächlich nur auf die finalen paar Folgen, wenn der reiche Besitzer der Mine Lassie als Pfand nimmt. Denn die Kohle ist versiegt und er will die Arbeit einstellen lassen, was die Stadt in der John lebt natürlich in enorme Nöte bringen würde. John glaubt seinem Vater, dass eine neue Erzader gefunden werden kann und verpfändet seinen Hündin. Die prompt ausbricht und sich auf den Weg zu seinem Herrchen macht. Hunderte Meilen nach Süden. Ob Lassie wieder ankommt und ob die Mine gerettet werden kann, ist sozusagen das Grande Finale der Serie.

Der Rest ist weitestgehend Wohlfühl-Fluff für die Seele, von dem ich sehr gerne eine Episode pro Abend geschaut habe. Als letzter Sargnagel des Tages sozusagen noch mal schnell 20 Minuten Wholesomeness fürs Runterkommen tanken.

Rumic World IV: Mermaid Forest

Wir kommen in das Finale der Rumic World. Mit der Verlängerung des Rumic Theatres. In der zweiten Hälfte bekam die TV-Serie nämlich den Untertitel Mermaid Forest, da sich die nächsten 13 Folgen Rumiko Takahashis Mermaid Saga annahmen. Wie das bereits in den frühen 90ern mal in 2 OVAs geschehen ist. Nur diesmal halt eine Folge pro Manga-Kapitel.

13 Geschichten macht das diesmal allerdings nicht, da Mermaid Saga nicht nur aus Einzelkapiteln besteht, sondern einige Handlungen Zweiteiler sind. Abgesehen davon sind sowieso nur die ersten 11 Folgen im japanischen Fernsehen gewesen. Die finalen beiden, Mermaid’s Scar, gab es erst auf der DVD-Auswertung.

Was wir uns hier annehmen, ist der Legende, dass der Genuss von Meerjungfrauenfleisch ewiges Leben und Jugend verspricht. Leider in der Regel nicht weitergegeben wird die Tatsache, dass nur sehr wenige Menschen den enormen körperlichen Wandel ertragen. Die meisten sterben entweder am Gift des Fleisches oder werden zu Monstern. Yuta ist einer der wenigen, die überlebt haben und ist nun auf der Suche nach weiteren Meerjungfrauen. Weil die ihm angeblich sagen können, wie er wieder zu einem Normalsterblichen wird. Nach hunderten von Jahren ist Yuta die Unsterblichkeit nämlich leid. Selbstmord ist allerdings dennoch nicht sein Stil (die Abtrennung des Kopfes überleben selbst Unsterbliche nicht), sondern er möchte gepflogen ein normales Leben leben und an Altersschwäche sterben dürfen.

Seine Reise bringt ihn nun zu so einigen mehr oder weniger Unsterblichen. Beispielsweise Mana, die als Opfergabe für Meerjungfrauen gezüchtet und von Yuta befreit wird. Endlich hat er eine unsterbliche Reisegefährtin und ist nicht mehr alleine. Später treffen die beiden beispielsweise auf jemanden, der durch Meerjungfrauenblut ewige äußerliche Jugend erfuhr, innerlich aber altert und sterben wird. Eine Leiche, die über Meerjungfrauenasche wieder zu Leben erweckt wurde, und nun ein Zombie ist. Allgegenwärtig ist der Sirenengesang der Unsterblichkeit, für die Menschen alles mögliche tun würden. Und die Realität von tatsächlich Unsterblichen, die dem langen Leben müde sind oder durch es innerlich zu empathielosen Monstern wurden.

Die Mermaid Saga ist Horror, klar. Aber geht doch wesentlich mehr auf das Drama und die Tragik der jeweiligen Einzelschicksale ein. Ich finde es ja immer sehr interessant, dass Geschichten über Unsterblichkeit fast immer zum Schluss kommen, dass jene nicht erstrebenswert ist. Ich denke mal, wir als eben endliche Lebensform hören das ganz gerne. Jedenfalls ist die Mermaid Saga auf jeden Fall erfahrenswert. Als der düstere Original-Manga von Takahashi zum Beispiel. Oder die beiden Geschichten Mermaid Forest und Mermaid’s Scar in der animierten Version aus den 90ern.

Als TV-Serie hingegen schon weniger. Hier will nämlich mal absolut keine Stimmung aufkommen. Das Ding sieht schon grundsätzlich mal absolut schrecklich aus. Die Zeichnungen sind unsauber und die ganze Angelegenheit ist schlechter animiert als die erste Pokemon TV-Staffel. Hin und her geschobene und gezoomte Standbilder en masse. Die Geschichten sind relativ unblutig und alle in den gleichen ausgewaschenen aber zu hellen Farben gehalten, weswegen auch gar keine düstere Atmosphäre aufkommen will. Die Ausnahme ist tatsächlich Mermaid’s Scar, die DVD-exklusiven Folgen, die besser animiert und richtig schön blutig und düster sind. Aber immer noch dem Vergleich mit der 10 Jahre älteren OVA-Version der gleichen Geschichte nicht standhalten können.

Es ist einfach so, dass die TV-Variante unglaublich unambitioniert wirkt. Wie eine schnell dahingeschluderte Auftragsarbeit, an der keiner einen besonderen Gefallen gefunden hatte. Und das hat das Werk echt nicht verdient gehabt.

Junji Ito Collection

Mensch die Zeit vergeht ja wirklich wie im Fluge, wenn man alt ist. Da ist es doch tatsächlich bereits 2012 gewesen, dass ich mich durch einige der Manga von Junji Ito gelesen haben. Darunter vor allem seiner bekanntern und längeren wie Tomie, Uzumaki und Gyo. Aber auch ein paar Bände seiner Kurzgeschichtensammlungen, wo die Storylines je nur ein Kapitel einnehmen.

Ich hatte damals gesagt, dass mir Junji Ito tatsächlich in der Kurzform gefälliger ist, als in Langform. Meiner Meinung nach eignen sich seine schrägen Ideen immer mehr dafür, nur kurz aufgezeigt zu werden und den Leser dann ohne Erklärung stehen zu lassen. Bei seinen längeren Werken hingegen kommt es oft zu seltendämlichen Erklärungsversuchen und/oder es werden immer schrägere und schrägere Ereignisse oben aufgeladen, bis ich irgendwann so ein wenig raus bin. Hellstar Remina zum Beispiel hat mir gut gefallen, so lange es darum ging, die menschlichen Abgründe zu zeigen, wenn alle kollektiv mit dem nahestehenden Tod konfrontiert werden… als Leute dann plötzlich bis in die Stratosphäre springen konnten, war ich dann aber raus.

Jedenfalls sollte die 2018er Netflix-Serie Junji Ito Collection genau mein Ding sein. Zumindest vom Konzept her. Immerhin wurden hier seinen Kurzgeschichten für die einzelnen Episoden aufgegriffen. Jeweils sogar zwei, mal teilen die sich die Laufzeit, mal nimmt eine fast die ganze Folge ein und die zweite ist nur ein kurzminütiger Epilog. Es kann also auch nicht Gefahr gelaufen werden, dass die Geschichten überstrapaziert und verwässert werden, weil plötzlich 20 Seiten Manga ganze 25 Minuten Episode füllen müssen, sondern das individuell anpassbar war. Alle Zeichen stehen also auf Erfolg.

Etwas fragwürdig ist es allerdings schon, dass der Großteil der ersten Folge von einer Souichi Storyline eingenommen wird. Ein schräger Schüler, der auf Okkultes steht, und Leute dadurch auch manipuliert, aber eher eine Witzfigur darstellt. Nun würde ich sagen, dass Junji Itos Storylines eh nicht vornehmlich Horror sind. Lasst mich das erklären. Meiner Meinung nach sind Itos Geschichten mehr „Schaut euch dieses merkwürdige Ereignis an“, nur dass die Ereignisse häufig mehr oder minder stark urmenschliche Ängste ansprechen. Aber er scheint mir immer mehr darum bemüht schräge Sachen zu zeigen, statt immer direkt darum bemüht eine Horrorgeschichte zu fabrizieren. Letztendlich hat er ja auch ein paar Comedy-Strips gezeichnet, inklusive dem Yon & Mu Manga über das Leben mit seinen Katzen. Jedoch kennt jeder Junji Ito immer nur als den Horror-Typen. Von daher finde ich es schon etwas merkwürdig die Serie ausgerechnet auf einer der humoristischeren Geschichten zu beginnen. Und auch nicht unbedingt einer der besten, meiner Meinung nach. Die Souichi Stories, von denen drei in den 12 Episoden animiert wiedergefunden werden, sagten mir zumindest alle nicht sonderlich zu.

Das ist natürlich allerdings auch zu erwarten. Immerhin werden insgesamt 26 einzelne Geschichten aufbereitet, zwei pro Folge plus zwei nachgeschobene Tomie-Specials. Das dort nicht immer was dabei sein muss, was gefällig ist, ist klar. Zumal die Geschichten wie gesagt zwar immer etwas Unheimliches oder zumindest Übernatürliches an sich haben, ansonsten aber sehr divers sind. Eben eine Collection merkwürdig-unerklärlicher Ereignisse darstellen. In Fashion Model wird eine Crew schon mal von einem Menschenfressenden Monster durch den Wald gejagt. Long Dream hingegen beschäftigt sich mit Leuten, die über endlose Träume eine neue Entwicklungsstufe und eventuell ewiges Leben erlangen. In Cloth Teacher verwandeln sich Leute plötzlich in überzeichnete Karikaturen ihrer selbst, in Slug Girl ein Mädchen in eine Schnecke.

Interessant sind die alle irgendwo. Wenn auch manche mehr auf der konzeptionellen Ebene nette Einfälle und in der Umsetzung dann doch nicht so packend sind. Für mich funktionierte grundsätzlich sowieso häufig der kosmisch-existentielle Horror und Body Horror. Plötzlich überall ständig größer werdende Löcher am Körper zu entwickeln, durch die man sogar die Luft ziehen spürt? Bei jedem Einschlafen länger und länger wegbleiben und irgendwann gar nicht mehr aufwachen zu können? Und ja, auch sich langsam in eine Schnecke zu verwandeln, besonders, wenn die einem aus dem Rachen zu kommen beginnt.

Wobei ich davon ausgehe, dass genau die gleichen Geschichten im Manga besser kommen. Tatsächlich kannte ich noch keine davon, scheinbar waren die nicht in den Bänden, die ich in 2012 von ihm gelesen habe. Was bei der Serie an sich jedenfalls auffällt ist, dass sie schlecht animiert und häufig nicht sauber gezeichnet ist und in den Szenenkompositionen oft der knackige Punch fehlt. Sie leben davon, dass das jeweilige Handlungskonzept an sich schon schrecklich genug ist, ohne der Atmosphäre mit großen cineastischen Stilmitteln beizuhelfen. Und wenn ich mich an eine Sache aus den Ito-Mangas erinnere, dann dass sie voller grausig-detaillierter Zeichnungen sind und die Panel-Abfolge mit packenden Reveals und gutem Fluss daherkommen. Die Serie an sich ist hingegen leider sehr Standard umgesetzt.

Rumic World III: Rumic Theatre

Ein knappes Jahr nach den ersten beiden Einträgen sehen wir uns also wieder. Immerhin ist Rumiko Takahashi seit über 40 Jahren aktiv im Manga-Business, da kommt so einiges zusammen. Geradezu vorbildhaft ist ihre unermüdliche Zeichenfeder. Viele andere Mangaka zeichnen noch einer oder zwei großen und langjährigen Hitserien dank Burnout keine Großprojekte mehr und ergehen sich eher in kleineren Unterfangen und leben von den Royalties jener endlos beliebten Hitserien. Der Beruf Mangaka ist einer, der zerschleißt.

Das Takahashi seit über 40 Jahren eine lange Hitserie nach der anderen aneinanderreiht ist erstaunlich. Und dann findet sie noch Zeit, um sich von jener Formelhaftigkeit abzulenken und mal was anderes zeichnen zu können, diverse kurze One Shots zu zeichnen. Die wurden nicht nur in den Rumic World Bänden zusammengefasst, sondern auch in welchen, die als Rumic Theatre (teilweise auch Rumiko Takahashi Anthology) betitelt sind. In Japan sind jene World und Theatre Bände sogar bei Reprints teilweise umbenannt worden, um sich ähnlicher anzuhören.

In 2003 nahm sich TMS dem Projekt an, sie ins japanische Fernsehen zu bringen. 13 Episoden sollten das Jahr über laufen, gefolgt von 13 Episoden der Neuadaption von Mermaid Saga. Das Konzept ist klar: Eine Folge pro Kapitel, sprich jede Episode ist eine in sich geschlossene Storyline.

Die haben mich etwas an Clamps Tokyo Babylon erinnert. Weniger den Anime, der ja nur zwei OVAs hat, sondern mehr dem Manga an sich. In soweit, als dass sich der Manga nicht nur Einzelschicksalen widmet, sondern auch einem seltsamen Ereignis im Leben eines relativ gewöhnlichen Japaners. Nur halt ohne wiederkehrend eingreifende Charaktere, welche die Fälle aneinanderbinden und am Ende für eine größere Tragödie herhalten müssen. Vergesst es, so wahnsinnig wie Tokyo Babylon ist Rumic Theatre gar nicht.

Wobei hier schon etwas mehr Tragik drin ist, als man das eventuell erwarten würde. Ich dachte zumindest, immerhin ist es ja von Takahashi, dass dies hier wieder ziemlich in die Richtung von überdrehten Komödien geht. Dabei könnte ich es besser wissen. Klar, Romantic Comedy ist deren Markenzeichen und ein Bestandteil aller ihrer langjährigen Hitserien. Doch sollte mir mittlerweile durch Mermaid Saga und die Rumic Worlds zur Genüge klar sein, dass die Frau gerade bei ihren One Offs eben auch mal dem Historiendrama oder Horror-Genre frönt.

Dennoch bleibt festzustellen, dass Rumic Theatre thematisch sich wesentlich ähnlicher ist als die Rumic Worlds. Hier geht Takahashi eben nicht einfach mal gerade das Genre an, auf das sie momentan Bock hat. Sondern die Folgen sind schon kohärenter, auch wenn sie nichts miteinander zu tun haben. Aber in der gleichen Welt spielen, man wird so einige Charaktere aus anderen Folgen immer mal wieder durch die Hintergründe von aktuellen huschen sehen. Das zusammenhängende Thema der Geschichten ist dann tatsächlich, dass es hauptsächlich um ganz normale japanische Menschen in ihrem Alltag geht, denen eine merkwürdige oder zumindest besondere Eskapade mit humorigem Einschlag geschieht. Das muss nicht immer einen übernatürlichen oder fantastischen Part haben, kann es aber.

So geht es in einer Folge nur darum, dass eine Familie vom Boss des Vaters dazu beauftragt wird, für eine Woche auf dessen Haustier aufzupassen. Dabei leben die in einem Apartmentkomplex, in dem Tiere streng verboten sind. Und dann ist es auch noch ein Pinguin, auf den alle Nachbarskinder steil gehen. Wie soll das nur ein Geheimnis bleiben können? In einer anderen geht ein Angestellter mittleren Alters zu seinem Klassentreffen und die rosaroten Erinnerungen an seine erste Liebe drohen an der gealterten Realität zu scheitern. Doch dann haben wir auch wieder Episoden, in denen sich ein Mann plötzlich in der Situation wiederfindet, dass er nun mit dem Geist seiner verstorbenen Frau zusammenlebt. Es kann also auch zu übernatürlichen Komponenten kommen.

Die Situationen, wenn das oben vom ganz kurzen Abriss auch eventuell nicht rüberkommt, sind durchaus mit einem witzigen Touch versehen. Es gibt Takahashis übliche übertriebenen Gesichtsausdrücke und Wutanfälle. Missverständnisse und auch trockener Humor. Doch das alles wirkt in Theatre wesentlich bodenständiger. Wahrscheinlich weil sie stärker an das Alltagsleben dieser Figuren gebunden sind. Weil sie nach 20 Minuten rum sind, statt immer weiter eskalieren und immer übertriebener werden zu müssen. Aber auch, weil es häufig einen besinnenden und erdenden Unterton gibt.

Der Kerl beim Klassentreffen zum Beispiel? Der Lernt am Ende der Episode seine erste Liebe und seine beschönigten Jugenderinnerungen aufzugeben. Das hat etwas bittersüßes. Zum einen lernt er dadurch seine existente Familie wieder etwas mehr zu schätzen. Aber er kommt halt auch zur Realisation, dass die unbeschwerte Jugend eben rum ist und nie wiederkommen wird. Die Episode mit der Pinguin-Versteckspielerei? Wir finden am Ende heraus, dass die Vorsitzende, die so streng die Regeln befolgt, selbst unter Tränen ihren Hund aufgeben musste, als sie in den Apartmentkomplex gezogen ist. Sie versteht wie schwer das ist, sie mag Tiere selbst. Aber im Leben muss man sich halt manchmal entscheiden und wer eine dieser tollen Wohnungen haben will, hat halt die dafür festgelegten und vorher gewussten Regeln zu befolgen.

Hierdurch bekommen die einzelnen Geschichten mehr Nuancen und vor allem einen emotionalen Kern, der ihnen komplett abgegangen wäre, wenn sie wirklich nur „Das eine total verrückte Ereignis in meinem Leben“ geblieben wären. Die Punchline zu einigen davon, besonders die mit dem Geist der verstorbenen Frau, die ihren Mann noch im Nachleben zu nerven scheint, hat mich ernsthaft tief getroffen. Klar sind manche Geschichten selbst auf 20 Minuten etwas überstrapaziert. Und gerade weil sie so geerdet sind und nicht total die Witze-Explosion zünden keines der absolut herausragenden Takahashi-Werke. Via Konzeption schon nicht, denn es handelt sich hier um sporadisch erschienene Nebenprojekte. Als solche kleine nebenbei geschaute Episoden halten sie aber wirklich gut hin.

Sakura Wars Su-Mi-Re

2002 war ein schweres Jahr für Sakura-Wars-Fans. Im Frühjahr wurde das Dreamcast vom vierten Teil zu Grabe getragen. Ein fast wie eine Fandisk wirkendes Spiel, welches eindeutig einen Schlussstrich unter die Sega-Konsolen wie auch die Handlung von Oogami und seiner Mädels-Truppe setzte. Wie genau es weitergehen sollte war ungewiss. Und dann verabschiedete sich auch noch die Sprecherin von Sumire aus dem Business, und mit ihr der Charakter an sich.

Man muss hierbei bedenken, wie beliebt die Mädels in diesen Spielen sind. Reihen wie Tokimeki Memorial und Sakura Wars machten ordentlich Kohle über ihre Spiele an sich. Sicherlich. Aber sie setzten auch unglaublich viel an Merchandising um, wesentlich mehr als andere Videospielserien der 90er. Und es lies sich ein und dasselbe Merchanidsing-Gut auch durchaus mehrmals verkaufen, jeweils unter dem Branding eines anderen Hauptcharakters. Spieler hatten ihre Lieblings-Waifu und kauften sich dann alles, wo deren Gesicht draufgeklastscht war. Zusätzlich waren die Rollen stark verwoben mit ihren Sprecherinnen. Die waren der Charakter. Im Falle von Sakura Wars gab es sogar Live Shows, zu denen sie im Cosplay die entsprechenden Themes aus den Spielen sangen, und die selbst noch stattfanden, nachdem es keine neuen Spiele mehr gab.

Mit Michie Tomizawa sollte aus dem Business eine Größe aussteigen. Sie war die Sprecherin von Rei/Sailor Mars im ursprünglichen Sailor Moon Anime. Hatte Rollen in Project A-Ko, Bubblegum Crisis und Kickers. War die japansiche Stimme von Pamela Anderson in Baywatch. Und mit Sumire eine der ursprünglichen fünf Frauen in Sakura Wars. Dadurch, dass die Sprecherinnnen so mit ihrer Rolle verbunden sind, konnte man sie natürlich nicht einfach ersetzen. Also entschloss man sich dazu, Sumire an sich  ebenfalls in Rente zu schicken. Mit einer Ende 2002 herausgekommenen OVA-Episode, passend betitelt Sakura Wars Su-Mi-Re: Sumire Kanzaki Retirement Special.

Allzu viel sollte von der OVA nicht erwartet werden. Es ist keine dreiteilige Serie, bei der noch mal ein letzter großer Kampf gegen einen Dämonen stattfinden, über den Sumire ihre spirituellen Kräfte aufbraucht. Um dann eine letzte große Bühnenshow mit allen andern Heldinnen mit abschließendem Solo zu haben und sich zu verabschieden. Es ist nur eine Folge von 25 Minuten. In der wir schnell erfahren, dass Sumire ihre Kräfte verliert, also nicht mehr in einem Steampunk-Mecha kämpfen können wird, und deswegen beschließt, das Imperiale Theater komplett zu verlassen. Es kommt zu ein paar reumütigen Gesprächen, in denen sie ihren Mitstreiterinnen noch ein paar Tipps auf den Weg gibt. Und dann darf sie einen Song auf der Bühne singen und sich von allen feiern und verabschieden lassen.

Nein, viel gibt das Special tatsächlich nicht her wenn man es genau betrachtet. Es ist noch nicht mal besonders gut animiert. Oder Sumires Song ein besonders guter, den man eh nur in Auszügen statt komplett mitbekommt. Hier hätte wirklich mehr raugeholt werden können. Mein erwähntes Konzept für einen Dreiteiler klingt für mich zumindest interessanter, als ein paar tränenreiche Gespräche und einen halben Song hinzuklatschen und das war es. Zudem ist die Sache selbstverständlich arg übertrieben rührseelig umgesetzt und wer diese Charaktere nicht bereits von den Spielen her kennt, dem bringt die OVA sowieso mal rein gar nichts.

Aber das ist schon berechtigt so. Es ist eben das Retirement Special für einen Charakter. Da darf man ruhig mal rührseelig werden. Und das intendierte Publikum sind die Fans der Reihe und des Charakters an sich, es darf davon ausgegangen werden, dass keiner die OVA kauft, der nicht schon Vorwissen über die Spiele mitbringt. Das nicht viel Arbeit reingesteckt wurde, ist etwas schade. Lässt das zynische Gefühl aufkommen, bevor der Charakter nicht mehr verwendet werden kann, weil die Sprecherin geht, noch mal schnelles Geld abschließend aus ihrer Vermarktung zu schlagen. Jedoch ist das Herz zumindest bei den Sprechern am rechten Fleck. Wenn Sumire gegen Ende ihre Abschlussrede gegenüber des Theaterpublikums hält, darüber wie dankbar sie ist, dass ihr die Treue gehalten wurde, und das sie hofft das man den Rest der Truppe auch weiter unterstützt, dann funktioniert das. Weil die Sprecherin an sich sich hierdurch auch von ihren Fans verabschiedet. Und weil die Zukunft von Sakura Wars ungewiss war und keiner wusste, wie es mit den anderen Charakteren weitergehen wird.

Wie sich herausstellte war Michie Tomizawa allerdings nicht lange weg. Bereits wenige Jahre später nahm sie wieder neue Sprecherrollen an und war auch bei den Abschiedsversanstaltungen der Sakura Wars Live Shows wieder dabei. Sie übernahm sogar erneut die Rolle der Sumire im 2019er Shin Sakura Wars. Dennoch ist die OVA eine gute Zeitkapsel dahin, wie beliebt und vermarktbar die einzelnen Charaktere der beliebtesten Dating Sims in den 90ern und frühen 2000ern bereits waren. Was für ein großes Ding das Genre an sich war und wie besonders sich eine Rolle als Sprecherin eines Hauptcharakteres zu sichern.