Tatort Giftschrank: Krokodilwächter

Ein Krokodilwächter ist eine Vogelart, die in den geöffneten Mäulern von Krokodilen sitzt, um dort die Essensreste aus den Zähnen zu picken. So haben die eine Mahlzeit, während die Krokodile keine Keimentzündungen fürchten müssen, weswegen sie die Vögel gewähren lassen, statt sie zu fressen wie man meinen sollte. Ein starkes und gern verwendetes Bild für symbiotische Beziehungen. Und eventuell nur eine schöne Legende, weil wohl keine Beweise dieses Verhaltens vorliegen.

Auch an der Existenz eines Tatortes mit dem Namen Krokodilwächter könnte man fast zweifeln. Denn der ist im Giftschrank zu finden, also nach der Erstausstrahlung nie in die Wiederholungsrotation aufgenommen worden. Nach Tod im Jaguar übrigens der zweite Giftschrank-Tatort des Jahres 1996 und erneut mit Hauptkommissar Roiter und dessen niedlichen Kollegen Zorowski.

Diesmal geht eine Bombe hoch. Und zwar eine Briefbombe im Wagen eines Postbotens. Das macht es natürlich entsprechend schwer herauszufinden, an wen der Brief eigentlich gehen sollte, sprich wer in Gefahr ist ermordet zu werden und wer der Täter sein könnte. Das Ermittlerduo bewegt sich zunächst auf dem Fleck.

Aber in der ersten Hälfte des Filmes spielen die beiden sowieso eine eher untergeordnete Rolle. Sofort nachdem die Bombe hochgegangen ist gleiten wir nämlich erst Mal ins Netz der russischen Mafia ab. Paten importieren gern mal hübsche russische Mädchen nach Deutschland, die dann in Bordellen ihrer Landsleute prostituiert werden. Ohne Pass und so flieht es sich natürlich auch schlecht. Der Zuhälter bekommt frische Ware für seine Fleischtheke, während die Mafia Prozente von deren Einspielergebnis holt und sich nach dem Erstimport nicht mehr die Hände schmutzig machen muss.

Irina ist eine solche Prostituierte, der allerdings ihr Zuhälter Olek verfallen ist, weswegen er sie hinter der Bar arbeiten lässt statt weiterhin mit den Kunden schlafen zu müssen. Nebenbei verdient sie sich aber genau darüber noch was dazu, zumindest am im gleichen Haus wie ihr lebenden und ihr hoffnungslos verfallenen Apothekenbesitzer Wittkowski. Dass das Zugpferd Irina nicht mehr anschaffen gehen muss, gefällt den Nachwuchsmafiosi Dima und Viktor allerdings gar nicht, immerhin hat Olek ordentlich Schulden beim Paten. Als Irina dann noch aufmüpfig wird, gerät die Sache mit dem hitzköpfigen Dima aus dem Ruder, der sie schlägt, vergewaltigt und dann erschießt.

Erst jetzt haben Roiter und Zorowski auch eine Schnittstelle mit der ganzen Mafia-Geschichte des Filmes, zu dem die Briefbombe natürlich zurückkehrt.

Im Giftschrank ist der Tatort wohl dann auch, weil er brutal und sexistisch ist. Tatsächlich gehen die Bordellbesitzer und Mafiosi nicht gerade zimperlich mit den Prostituierten um. Sonderlich grafisch brutal wird es nie, aber 1996er Prime Time in des Deutschen liebster Fernsehreihe sorgte das halt für Aufsehen.

Besonders beliebt ist er wohl auch nicht, weil qualitativ nicht gut? Ich bin da so ein wenig gespaltener Meinung. Im Konzept finde ich Krokodilwächter eigentlich ganz gut. Hier war jemand am Werk, der ein echtes Faible für epische Mafia-Dramen hat. Die Ermittler sind mal fast Nebensache. Stattdessen gibt es ordentlich Irrungen und Wirrungen in der Familie was einen Generationskonflikt angeht, plus die dreckigen Machenschaften im Rotlichtmilleau und dem Menschenhandel. Da lässt sich dramaturgisch echt was rausholen und langweilig wird es definitiv nicht. Wenn das ganze halt nicht so sehr wie ein billiger Abklatsch wirken würde. Das Schauspiel ist solala, die Struktur klischeehaft wie die Musikuntermalung, und erneut haben wir die billige Soap-Optik der Betamax-Kameras wie schon beim Tod im Jaguar. Gut gemeint ist halt noch nicht gut gemacht, wie Krokodilwächter schön beweist.

Tatort Giftschrank: Tod im Jaguar

Wir springen nun wieder ein paar Jahre weiter, sind beim 335. Tatort Mitte 1996 angekommen. Ein weiteres erfolgreiches Jahr für den Giftschrank, landete später doch noch eine zweite Folge daraus in ihm. Aber zunächst einmal zu Tod im Jaguar, dem ersten Tatort des Berliner Ermittlungs-Duos Roiter und Zorowski.

Roiter ist ganz frisch aus Frankfurt nach Berlin gekommen und wird von einem Freund erst Mal der High Society der Stadt vorgestellt, in dem er zur großen Gebrutstagsfeier des bekannten jüdischen Gechäftsmannes Prestin eingeladen wird. Der nimmt sich Roiter auch gleich zur Seite, und meint, er würde neuerdings bedroht werden. Nachdem Prestin zum Verlassen der Feier in sein Auto eingestiegen ist, fliegt das auch sofort in die Luft.

Nun beginnt also die Mordermittlun Prestin. Wer hat ihn bedroht und warum? Wo kam der Sprengstoff her? Wer erbt das ganze Geld? Und was hat es mit dem Savigny-Kreis zu tun, in dem nicht nur Prestin, sondern auch andere Geschäftsmänner und Politiker sich austauschten?

Die Tochter und ihr Ehemann können beispielsweise nicht erben, da Prestin mit der Ehe nicht einverstanden war und sie enterbt hat. Gleichzeitig hat Prestin aber weiterhin Geschäfte mit dem Ehemann am Laufen, der mehrere Baustellen in Berlin führt. Aber eigentlich pleite ist. Staatssekretär Bernbeck, Teil des Savigny-Kreises, drängt hingegen darauf in der Neo-Nazi-Szene zu ermitteln, da sich Prestin stark öffentlich gegen Antisemitismus ausgesprochen hat. Eventuell weiß auch die Bekannte Katharina Lefevre etwas, doch hier scheint Roiter mehr an Candle-Light-Dinners mit der Dame interessiert zu sein. Als dann noch rauskommt, dass Prestin über die Schweiz im Waffenhandel steckte, wird alles nur noch undurchsichtiger.

Tod im Jaguar ist definitiv einer der komplexeren Giftscharnk-Tatorte. Es gibt eine Vielzahl and Charakteren und persönliche öffentliche und geheime Verwicklungen untereinander. Im Kreis der Reichen und Schönen hat ja sowieso jeder ein wenig Dreck am Stecken, um in die Position gekommen zu sein, in der sie sich befinden. Durch die milchglasige Optik, weil der Tatort via Betacam aufgezeichnet ist, hat das ganze Unterfangen dadurch einen starken Einschlag einer Soap Opera. Wer mit wem warum und so. Langweilig wird es jedenfalls nicht. Wobei ich es echt kurios finde, wie häufig die Ermittler in diesen alten Tatorten mit einer Zeugin oder Tatverdächtigen anbandeln.

Was neben der für viele billig aussehenden Optik übrigens kritisiert wurde, ist der antisemitische Unterton. Der ist nicht bewusst und absichtlich da. Aber das hier hauptsächlich in Kreisen von reichen Juden ermittelt wird, die dann auch noch über ihre eigenen Organisationen und Stiftungen dicht miteinander vernetzt sind und im Geheimen Geschäfte und Pläne schmieden… spielt halt einigen sehr unschönen Stereotypen zu. Tod im Jaguar befindet sich bis Heute im Giftschrank.

Tatort Giftschrank: Blutspur

Wir überspringen die nächsten 9 Jahre und kommen mit dem 222. Tatort, Blutspur, zum nächsten Zeitweise-Giftschrank-Fall. Das ist übrigens bereits der 21. Fall von Kommissar Schimanski, dem wohl berühmtesten und beliebtesten Ermittler, den die Reihe je gesehen hat. Immerhin war es einer seiner Tatorte, die zum ersten Mal ins deutsche Kino kamen, und gab es sogar ein eigenes Spinoff mit ihm.

Schimanski ist mal wieder in seinem Element: Schlecht drauf. Ist aber auch verständlich, immerhin wurde er früh geweckt, nur um einem Exhibitionisten an einem Flugdrachen hinterherzujagen, der junge Mädchen anmacht. Nicht unbedingt Aufgabe der Mordkommission, was Schimanski auch gern alle, die nicht gefragt haben, wissen lässt. Als er vom Schrottplatz ihres Informanten Leszek aus beim Amt anrufen will, kommt plötzlich ein Wagen voller Araber vorbeifahren, die wild um sich schießen.

Die kommen direkt vom nahen Lager für Fernfahrer, wo sie einen Haufen Polen erschossen haben. Da ist also endlich ein Fall für eine Mordkommission. Zumal in einem Gebäude auch noch massenweise altes Blut gefunden wird. Weitere Morde oder eine illegale Tierschlachtung etwa? Das BKA hilft auf jeden Fall nicht sonderlich weiter, aber irgendwie können sich die Ermittler verschiedner Bereiche allgemein in Blutspur auf den Tod nicht ausstehen.

Die Ermittlungen führen zurück zu Leszek, zu einem vermutlichen Wafenschmuggel aus Polen in den Mittleren Osten. Das wird gar nicht gern gesehen, immerhin untergräbt das die Profite der deutschen Waffenlobby, die gut Kohle mit Kriesengebieten machen. Die arabischen Terroristen tauchen jedenfalls auch wieder auf und zerbomben den Laden. Leszek wird für tot gehalten, seine Geliebte und ehemalige Prostituiert taucht ab.

Schimanski und Co versuchen sie zu finden, spannen dafür auch ihren Ex-Zuhälter, der frisch aus dem Knast ist, ein. Am Ende finden sie nicht nur sie, sondern auch Leszek, der statt mit Waffen mit Blutplasma gehandelt hat. Osteuropäisches Blut, denn das hat die richtige Blutgruppe. Seine Freundin wird während der erneuten Schießerei mit den Arabern tötlich getroffen, bevor alle festgenommen werden können.

Also wenn man eine Sache über Blutspur sagen kann, dann das der Film echt nicht langweilig war. Hier wird wild um sich geflucht. Scheinbar aus dem Nichts rasen Autos ins Bild und plötzlich wird wild mit Maschinenpistolen geschossen. Gebäude explodieren. LKW-Tanker fangen an zu bluten. Die Ermittler feinden sich gegenseitig an. Es wird abgetaucht in Millieus von Prostution, Waffenhandel, Menschenhandel zur Schwarzarbeit, Bauchtanz in verruchten Kneipen. Blutspur wirkt dreckig. Die Locations genau wie die schnoddrigen Partizipanten, selbst auf Seiten der Kripo.

Das ist dann wohl auch der Grund, warum Blutspur im Giftschrank gelandet ist. Es gab anscheinend Beschwerden darüber, dass das hier alles viel zu brutal ist. Der durchschnittlich Alman ist halt so viel Aufregung zur Pime Time auf den Öffentlich-Rechtlichen nicht gewohnt. Und deswegen war Blutspur dann zehn Jahre lang gespertt, bevor er ab 1999 wieder ausgestrahlt wurde. Sonderlich gut weg kommen die osteuropäischen und arabischen Minderheiten übrigens auch nicht, sondern werden alle als hochkriminell porträtiert. Das war aber wohl eher nicht Grund des Sperrvermerks.

Tatort Giftschrank: Mit nackten Füßen

Das Jahr 1980 war ergiebig an Giftschrankfolgen. Nach dem 109. Fall Der Gelbe Unterrock im Februar, schaffte es direkt darauffolgend auch der 110. Fall im März weggesperrt zu werden. Damals gab es noch nur circa einen Tatort pro Monat. Mit nackten Füßen, der einzige Fall von Kommissar Sander, ist ausnahmweise einer derjenigen, die bis Heute im Giftschrank verblieben sind.

Verena Kersten, die in einer Werbeargentur beim Schnitt arbeitet, findet ihre Kollegin Uschi tot auf. Und dann ihr Chef Dörhoff sie neben der Leiche mit dem Mordwerkzeug, das sie dummerweise aufgehoben hat. Sieht nach einem klaren Fall aus. Dörhoff versucht Verena in Schutz zu nehmen, schickt sie nach Hause und wischt die Mordwaffe ab, um ihre Fingerabdrücke loszuwerden. Verena beteuert ihm, dass sie es nicht gewesen war, woraufhin Dörhoff nur weiterhin patronisierend meint, sie hätte eventuell einfach einen typsichen Ausfall gehabt an den sie sich nicht mehr erinnert.

Das alles hilft wenig, denn Verena gerät sofort unter Tatverdacht. Immerhin hat sie sich gern mal mit Uschi gestritten, gesteht beim Verhör die Leiche alleine aufgefunden zu haben, und verstrickt sich von Dörhoff verunsichert in Wiedersprüche. Nur Kommissar Sanders ist von ihrer Unschuld überzeugt. Weil er der unseriöseste Ermittler aller Zeiten ist. Denn er steht ganz eindeutig auf Verena, will von daher nix zum berechtigten Tatverdacht wissen. Geht sogar mit ihr aus und nimmt sie dann mit nach Hause, wo die Flirterei weitergeht.

Letztendlich wird eine zweite Tote gefunden, ebenfalls wie Uschi mit den ausgezogenen Schuhen neben ihren Kopf gestellt. Verena ist da gerade in Untersuchungshaft. Das entlastet sie also. Aber ist der Mord schlicht von Dörfhoff veranstaltet worden, um es wie einen Serienmord aussehen zu lassen und Verena ein Alibi zu verschaffen?

Die große Frage des Tatorts ist und bleibt also die Täterschaft. Klar sehen wir zu Beginn, dass Verena tatsächlich Uschi tot auffindet und entsetzt ist. Aber das bedeutet ja nicht, dass sie sie nicht vorher umgebracht hat. Ist sie ein unreliable Narrator? Es wird ihr immerhin beständig vorgeworfen, dass eine uminöse Krankheit, die erst gegen Ende aufgeklärt wird, sie dazu befähigen könnte die Tat zu begehen wie auch zu vergessen. Zumal Verena wiederholt sehr impulsiv und merkwürdig in ihren Interaktionen mit Sanders ist. Aber Dörhoff bleibt natürlich auch weiterhin sehr verdächtig. Hat er den zweiten Mord begangen, um Verena weiterhin zu schützen? Hat er eventuell sogar schon den ersten begangen, und benutzt Verena als Schild?

Verenas Krankheit ist übrigens, was den Tatort in den Giftschrank befördert hat. Sie ist Epileptikerin, was hier als Geisteskrankheit dargestellt wird, die mit dem Stigma der unbeherrschten Gewaltattacken verknüpft ist. Tatsächlich sagt ein Arzt im Film aus, dass dies nicht stimmt und es nicht erwiesen ist, dass Epileptiker zu Gewalttaten neigen. Es ist sogar ein Punkt im Finale, wer denn ob dieses Unwissens Verena zu decken versucht hat, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre, und damit den Fall nur verkomplizierte. Doch den Großteil des Filmes über wird es als Tatmotiv proträtiert. Mittlerweile sind Wiederholungen allerdinsg teilweise auch auf den Grund des qualitativen Mangels geschoben worden.

Ist er denn qualitativ mangelhaft? Eh, hauptsächlich ist Mit nackten Füßen wieder einfach ziemlich schräg. Man mag nur darüber den Kopf schütteln, wie hochgradig unproffessionell sich Sanders verhält. Und wie seltsam jegliche Szene zwischen ihm und Verena sich gestaltet. Die machen tatsächlich den Großteil des Filmes aus, dadurch wirkt das eigentliche Mysterium, welches mehrere Ebenen aufweist, sehr gestaucht und überladen.

Tatort Giftschrank: Der Gelbe Unterrock

Wir lassen die 70er nun hinter uns. Ganz knapp. Der nächste Giftschrank-Tatort ist nämlich die Nummer 109 vom Februar 1980, den man anschließend erst 2016 wiedersehen sollte. Der Gelbe Unterrock heißt er und ist der dritte und letzte Fall von Kommissarin Buchmüller. Und nur einer von zwei Tatorten aus 1980, der im Giftschrank landete.

Wir beginnen bei Harry, der gern mal mit Damenklamotten tantz. Gerade ist das der tituläre gelbe Unterrock, den die Familie Klefisch für den Karneval an Harrys Mutter gegeben hat. Eine verschlüsselte Nachricht im Radio wiegelt Harry allerdings auf. Er steckt den Unterrock ein und fährt zur Familie Klefisch, wo er Tochter Marianne dazu zwingt, ihn in die Wohnung zu lassen. Er nennt sie Molly, sperrt sich mit ihr zusammen in ein Zimmer, und will sie zu seiner Freundin machen. Als jemand die Wohnung betritt, drückt er ein Kissen auf Mariannes Gesicht, damit sie nicht schreit. Eine fremde Männerstimme sagt ihm, er habe sie umgebracht, woraufhin Harry flieht.

Die Ermittlungen brauchen ein wenig, bis sie einen Tatverdächtigen haben, obwohl Mariannes Vater Harry im Treppenhaus an sich vorbeilaufen sah, als er seine tote Tochter fand. Immerhin hatte auch Marianne etwas zu verheimlichen, stahl sie doch Opiate in der Apotheke, in der sie arbeitete. Ihre Vorgängerin und Bekannte Mariannes, Molly, war da auch nicht besser und ist nun sogar mit einem Drogenhändler liiert, nachdem sie die Verlobung zu Harry beendet hat. Irgendwann ist Harry dann auch mal der Tatverdächtige, kann aber im Trubel des Mainzer Karnevals immer wieder verschwinden.

Letztendlich findet Buchmüller sowieso raus, dass Molly hinter allem steckt. Marianne wollte auch ins Drogengeschäft einsteigen und war Molly und ihrem Freund im Weg. Molly sendete also die kodierte Nachricht an Harry, damit der Marianne ausschaltet. Oder damit er zumindest wie der Täter aussieht, sollten Molly und ihr Freund, wie auch eingetreten, selbst noch Hand anlegen müssen.

Was ein verwirrender Film. Also wenn das dann mal alles auseinanderklamüsert ist, ist der nicht so komplex. Aber wirklich am Ball zu bleiben, wer jetzt wen von wann kennt, ist echt irgendwie anstrengend. Dabei ist der Film eigentlich ziemlich langweilig. In der Szenen zu Beginn, wenn Harry Marianne festhält, und auch wenn er später im Kanrevalstroubel untergeht, die sind noch ganz Ok. Ansonsten passiert aber einfach nicht viel, außer das Leute lang in dunklen Räumen stehen und miteinander mehr oder minder wichtige Informationen austauschen. Der Gelbe Unterrock ist mit 100 Minuten gut 20 länger als die anderen, es scheint aber weniger als in der Regel zu geschehen.

Passenderweise ist einer der Gründe, warum er so lange im Giftschrank war, angeblich auch schlichtweg, dass die Qualität nicht stimmt. Zu scheiße zum Wiederholen sozusagen. Dazu kommt dann noch, dass Gewalt gegen Frauen etwas zu verherrlicht gewesen sein soll, was man nach aktuellen Standards natürlich nicht mehr so wirklich sieht. Aber der Hauptgrund waren wohl wirklich die Qualitätmängel. Man hätte es Nicole Heesters gegönnt einen besseren letzten Fall als erste Tatort-Kommissarin zu bekommen.

Tatort Giftschrank: Drei Schlingen

Der nächste Tatort ist ebenfalls aus den 70ern. So wurde die 78. Folge doch 1977 zum ersten Mal ausgestrahlt. Der 11. Fall vom Kommissar Haferkamp landete anschließend im Giftschrank und wurde erst 2003 wiederholt. Witzig ist hierbei, dass eine der Rollen von Andreas Seyferth verkörpert wird, der schon im Giftschrank-Tatort Tote brauchen keine Wohnung zu sehen war.

Er ist nämlich das Mordopfer in Drei Schlingen. Während eines Geldtransports muss der Wachmann miterleben, wie eine Frau einfach auf offener Straße bei einer Unfallflucht überfahren wird. Entgegen dessen, was ihm sein Vorgesetzter über Funk rät, verlässt er den Transporter, um der Dame zu helfen, statt auf die gerufene Polizei zu warten. Was ihm zum Verhängnis wird, denn dies war ein abgekartertes Spiel, um den Geldtransporter zu klauen. Während des Gerangels wird er erschossen.

Besonders schwer trifft das seinen Kollegen Schießer, der mit ihm unterwegs war, aber gerade Geld in der Bank ablieferte, als dies geschah. Der Ex-Polizist sah sich als eine Art Vaterfigur für den naiven aber sympathischen Kollegen und dessen kleine Familie. Gleichzeitig ist er aber auch ein Verdächtiger beim Überfall. Denn nur Schießer, sein toter Kollege, und der Chef der Firma haben eigentlich den nötigen Schlüssel, um den Transporter entführen zu können. Einer davon hat also mit den anderen beiden Dieben unter einer Decke stecken müssen.

Dann werden auch noch Leute, die Schießer vom Judo-Club kennt, mit einer Schlinge erhängt aufgefunden. Ist dies seine Art die Komplizen aus dem Weg zu räumen? Natürlich nicht, wie man sich erneut halb durch den Tatort denken kann, begeht der rechtschaffene Schießer hier Selbstjustiz. Er hat herausgefunden, dass von seinem Schlüssel eine Kopie während des Aufenthalts im Club angefertigt wurde, und richtet nun diejenigen hin, die er für die Mörder seines Kollegens hält.

Drei Schlingen ist definitiv ein guter Eintrag in die Reihe. Der Fall wendet sich mehrmals, bleibt durch die Bank weg spannend. Selbst nachdem man sich bereits denken kann, wer der Schlingenmann ist. Denn dann entbrennt das Spiel damit, ihn zu überführen, und vor allem die anderen Täter vor seiner Selbstjustiz schützen zu müssen. Macht einen runden und sehenswerten Fall aus. Zumal auch Haferkamp und sein Spiel mit Schießer sehr unterhaltsam gespielt sind.

Und warum war nun der mittlerweile aufgehobene Giftschrank nötig? Nach der Ausstrahlung gab es einige Beschwerden ob der hohen Brutalität der Folge, weswegen er weggeschlossen und erst 25 Jahre später erneut für eine mögliche Freigabe gesichtet wurde. Nach heutigen Maßstäben ist der natürlich ziemlich harmlos, Schießers Schlingen sind auch mehr psychologische Kriegsführung denn das die Erhängung wirklich lang in Bild und Ton gezeigt würde.

Tatort Giftschrank: Tod im U-Bahnschacht

Tod im U-Bahnschacht ist der 57. Tatort, der Ende 1975 seine Erstausstrahlung hatte, und dann wie Tote brauchen keine Wohnung bis 1992 im Giftschrank landete. Nach einer weiteren Ausstrahlung 1995 verschwand er übrigens ernaut für über zwanzig Jahr von der Bildfläche, wurde erst 2008 erneut ausgestrahlt. Auch ist es der erste Fall von Kommissar Schmidt, der in seinem Debut kurioserweise so gut wie nichts macht.

Im getrennten Berlin der 70er Jahre wird das U-Bahnnetz stark ausgebaut, da die S-Bahn vielerorts von den West-Berlineren boykottiert wird. Dafür sind allerdings viele Schwarzarbeiter, die sich illegal in Deutschland aufhalten, an den Baustellen eingesetzt. Zu dumm, wenn davon einer bei einem Arbeitsunfall ums Leben kommt, weil er von der Maschinerie überrollt wird. Da versteckt man die Leiche doch lieber, bevor noch auffliegt, dass man mit Menschenschmugglern unter einem Hut steckt, um an billige Arbeiter zu kommen.

Passenderweise haben die meisten illegalen Einwanderer keine starken Bindungen. So auch der tote Mehmet, der lediglich den sich ebenfalls illegal aufhaltenden und an der Baustelle eingesetzten Schwager Arkan und dessen Schwester Ayse, mit der er verlobt war, hier in Deutschland kennt. Andere Illegale kann man ja schnell mundtot machen, in dem man ihnen damit droht, dass es für sie eh schwerere Konsequenzen haben wird, wenn die Polizei sie aufgreift, als für die Vorabeiter und Schmuggler, die sie beschäftigen.

Arkan kann mann parktischerweise in eine Messerstecherei mit einem anderen Türken verwickeln, weswegen er von der Polizeit aufgegriffen wird und abgeschoben werden soll. Ayse, die sich legal in Deutschland aufhält, nimmt man unter einem Vowand einfach mit in einen „Gasthof“, wo sie weggesperrt wird und zwangsprostituiert werden soll, damit sie von der Bildfläche verschwindet. Nur dumm, wenn Arkan fliehen kann, seine Schwester ausfindig macht, und alles plötzlich in einer Geiselnahme endet.

Tod im U-Bahnschacht ist ein seltsamer Film gewesen. Interessanterweise verfolgt er beispielsweise schon gar nicht das normale Tatort-Schema, bei dem es darum geht, herauszufinden, wer der Mörder und was das Motiv ist. Es handelt sich nicht mal um Mord, sondern um einen Unfall. Stattdessen haben die Kommissare hier das Problem, die Leiche überhaupt zu finden und die Existenz des Unfalles und sukzessive Vertuschung der Baufirma nachzuweisen. Abgesehen davon verschwindet Kommissar Schmidt sowieso aus weiten Teilen des Filmes und übergibt an Kommissar Wagner und Assistent Wolf.

Der Fall ist stattdessen wesentlich mehr in der Thematik des Menschenschmuggels und der illegalen Einwanderung behaftet. Und hat insgesamt ehrlich gesagt ziemlich die Vibes eines trashigen Exploitation-Werkes, nur ohne die nackte Haut und das Blut. Fiese, betrügerische Schmuggler. Kriminelle Ausländer. Zwangsprostitution und Messerstechereien. Ein schlechtes Ende. Ein Haufen Charaktere, die alle nicht wirklich logisch sinnvoll agieren wollen und merkwürdige Manierismen aufweisen. Schauspieler, die wenig Direktion zu haben scheinen. Kein Wunder das dieser Eintrag einer der weniger beliebten Tatorte ist, denn man mag kaum meinen wollen, dass dies hier überhaupt einer hätte sein sollen. Irgendwie ist er zwar schon ein wenig blöd und wirr, aber nicht vollkommen uninteressant, da eben so unerwartet und sinnbefreig häufig.

Offiziell war er übrigens im Giftschrank, weil der Todeskampf von Mehmet zu Beginn des Filmes so lang dargestellt wird. Wirklich brutal mag das, besonders retrospektiv, aber nicht mehr wirken. Kein Blut, keine zerquetschten Gliedmaßen werden gezeigt, nur sein Schmerzverzerrtes Gesicht in Großaufnahme. Die Szene ist nicht ganz unbedrückend, aber doch relativ harmlos eigentlich. Inoffiziell als Gründe wird jedoch auch häufig gehandelt, dass dieser Tatort allgemein nicht unumstritten war. CSU-Politiker Strauß bemängelte hochoffiziell die Polizei würde als zu unnütz dargestellt, von anderen Stellen wurde hingegen entweder bemängelt, dass die illegalen Einwanderer als zu sympathisch und von anderer Stelle wieder als zu kriminell dargestellt werden. Regisseur und Produktionsfirma sollen sich auch über den Film verkracht haben.

Tatort Giftschrank: Tote brauchen keine Wohnung

Willkommen bei Tote brauchen keine Wohnung, derm 34. Tatort und dritten Fall von Kommissar Veigl aus München. 1973 zum ersten Mal ausgestrahlt, wurde er fast zwanzig Jahre in den Giftschrank gesteckt, bis er 1992 wieder in die Rotation aufgenommen wurde. Damit ist er jetzt immerhin länger wieder frei als er eingesperrt gewesen war.

Es herrscht Unruhe in der Münchner Innenstadt. Bewohner und Ladenbesitzer fürchten um ihre Wohnungen und Läden. Denn die Gebäude werden nach und nach aufgekauft, um sie zu sanieren und anschließend erheblich höhere Mieten verlangen zu können. Teils sollen sowieso hauptsächlich Büroräume draus entstehen, selbst wenn man sich die neuen Preise leisten könnte, sind die bisherigen Bewohner nicht gern gesehen.

Besonders der Herr Pröpper sticht hier heraus, dem einige der Gebäude gehören, und der alles versucht, um die Mieter aus ihnen zu vertreiben. In dem er beispielsweise den Vorbestraften Josef Bacher bei sich einstellt, der in die Stadt seiner Kidnheit zurückgekehrt ist. Der darf unter dem Vorwand von Bauarbeiten den Mietern das Leben unnötig schwermachen. Und diejenige, bei der Bacher zur Untermiete untergebracht war, wird auch noch vergiftet aufgefunden.

Es sei auf jeden Fall schon mal gesagt, dass Tote brauchen keine Wohnung wesentlich spannender ist, als das Der Fall Geisterbahn war. Er ist nämlich beispielsweise schon einmal komplexer. Unter den verschiedenen Mietern des Hauses gibt es nämlich so einige Verwicklungen. Die ältere tote Dame war mehr oder weniger mit einem Kerl liiert, der nun doch eine andere hat. Dessen Familie auch nicht so recht weiß, wo sie ohne die reichere Errungenschaft hätten hinmüssen, sollten sie die aktuelle Wohnung verlieren. Ich denke es ist zumindest ziemlich klar, dass es Pröpper und Bacher nicht waren, weil die einfach zu offensichtlich sind, und diese nie die Täter darstellen.

Sogar richtige Verfolgungsjagden mit treibender Mucke gibt es im Film! Einmalig zurück in Bremen, wo Bacher vorher gewohnt hatte, und wo auch eine alte Dame vergiftet wurde. Wenn deren Alleinerbe dann im Sportwagen die Stadt vor der Poliziei zu fliehen versucht. Genau wie das Finale des Filmes, wenn Bacher von einem der Ladenwirte verdroschen wird und später ebenfalls stirbt. Auch sehr gewagt den Täter letztendlich einen 13-jährigen Jungen sein zu lassen. Familienprobleme sind letztendlich ein zentrales Thema, nämlich nicht nur bei dem hat sich die Mutter nie gekümmert, die von Bacher früher auch nicht, was ihn erst in die kriminelle Szene brachte.

Und warum ist Tote brauchen keine Wohnung nun 19 Jahre lang für die Ausstrahlung gesperrt gewesen? Weil das N-Wort in einer kurzen Szene gefühlt ein Dutzend Mal fällt? Weil der Mörder zweier Personen minderjährig ist? Nein, beides nicht. Der Herr Pröpper wird einfach zu skrupellos dargestellt. Das geht ja mal im gesitteten Deutschland gar nicht, einen Vertreter des Establishments, einen Großvermieter mit Macht, ins negative Licht zu rücken. Mit der Stadtverwaltung steckt er auch noch unter einer Decke gegen den kleinen Mieter-Mann des Volkes! Wäre ja noch schöner. Dabei ist der am Ende nicht mal der Mörder gewesen.

Tatort Giftschrank: Der Fall Geisterbahn

Ort: Deutsche Fernsehstuben, Zeitpunkt: Sonntag. Seit Jahrzehnten und je über eintausend Folgen dominieren zwei deutsch-produzierte unterhaltungsmediale Klassiker die Bildschirme. Die Lindenstraße und der Tatort. Erstere bald nicht mehr, während der Tatort eher wieder auf einem Beliebtheitshoch ist. Den gibt es seit 1970 und tingelt neben den Erstausstrahlungen zur Wochenends-Prime-Time auch durch alle dritten Kanäle in endloser Wiederholung.

Doch es gibt Ausnahmen. Die nach Apotheken-Praxis benannten, weggesperrten Giftschrank-Folgen, denen nach der Erstausstrahlung ein Sendeverbot aufgestempelt wurden. Aktuell gibt es fünf Tatorte, die nie wiederholt wurden, während sich fünf weitere lange Zeit im Giftschrank befanden, mittlerweile aber wieder in der Rotation auftauchen. Zum allerersten Mal geschah dies bereits bei der 16. von mittlerweile 1116 Tatort-Folgen, dem 1972er Der Fall Geisterbahn.

Was natürlich immer sehr wichtig bei den Filmen ist, ist in welcher Stadt sie spielen und wer der Kommisar ist. Hier überrascht Der Fall Geisterbahn allerdings zweifach. Zum einen ist der Schauplatz einfach eine fiktive deutsche Stadt, ohne direkt Bezug zu einer real existenten zu nehmen. Der Kommissar ist Herr Konrad, dargestellt von Klaus Höhne. Wirklich ermitteln wird aber der von Herbert Bötticher dargestellte Kriminalhauptmeister Klipp.

Der ist ganz zufällig bzw. aus ganz normalen zivilen Gründen auf dem Rummel unterwegs, als man in der Geisterbahn eine Leiche findet. Klipp läst die Mordkommmission verständigen, da er selbst einem ganz andern Kriminalfachbereich angehört. Kommissar Konrad, dem der Fall zugeteilt wird, nimmt Klipp auf Grund seines guten Handlings der Sache wegen schlicht kurzerhand mit bei der ersten Befragung der Angestellten des Rummels. Wo wir beispielsweise die Geisterbahn-Mitarbeiter haben, zu denen der Ermordete gehörte, und von denen einer meint, der wäre ein Dreckschwein gewesen, während alle anderen abwiegeln und sofort dicht machen. Auch die Ehefrau des Ermordeten, der gerne zu häuslicher Gewalt neigte, scheint sich sofort den Gesprächen entziehen zu wollen, und flieht zu ihrer Mutter. Die ist Wahrsagerin des Rummels, hatte Klipp bereits einen aufregenden Tag prophezeit, und lässt nebenbei fallen, dass sie unheilbar krank ist.

Der Besitzer der Geisterbahn will jene sogar direkt abbauen lassen. Und nachdem Klipp von Konrad den Fall einfach komplett übertragen bekommt, weil der es mit dem Rücken hat, findet Klipp schnell heraus, dass Christopher Lee für Arme überraschend mondän lebt, für einen Besitzer einiger Rummelattraktionen. Schon sehr fischig der gute Mann.

Wer der Mörder ist, solte allerdings bereits lange vorher klar sein. Sobald die Mutter der Ehefrau des Toten nach ihrem Hustenanfall erwähnte, dass ihr keiner helfen kann, war es mir zumindest klar. Die hat halt nichts mehr zu verlieren gehabt, da sie eh bald stirbt, und noch mal schnell den prügelnden Ehemann ihrer Tochter umgebracht, damit die in Frieden leben kann. Und genau das war es dann auch. Der Geisterbahn-Besitzer und das merkwürdige Verhalten dessen Mitarbeiter waren nur ein Roter Hering, da die sehr wohl was kriminelles drehen, aber nichts mit dem Mord an sich zu tun hatten. Ist doch immer so in deutschen Krimis, der Offensichtliche ist es nicht, sonder der scheinbar Nette, der mal kurz forshadowing getrieben hat.

Dadurch ist natürlich leider die Luft am Fall schnell raus. Wobei es in 2020 geschaut schon witzig ist, so eine 70er-Zeitkapsel zu haben. Wenn die Spurensicherung ein Taschenmesser am Tatort findet, und das ganz ohne Handschuhe in die Höhe hält. Die alten Autos und Klamotten. Oder das man einfach so einen Beamten, der gar nicht zur Mordkommmission gehört, in die Ermittlungen einbeziehen und letztendlich sogar übertragen kann. Dies ist eindeutig nicht der Fall von Konrad, sondern von Klipp.

Aber warum ist das Ding jetzt im Giftschrank? Ist er zu brutal? Zu sexy? Diskriminierend, weil Kleinwüchsige als Liliputaner bezeichnet werden? Tatsächlich ist der Grund ganz schnöde und unaufregend. Die Produktionsfirma ging kurz nach der Erstausstrahlung pleite. Deswegen sind die Rechte an Der Fall Geisterbahn in der Schwebe und man hat sich dazu entschlossen, ihn lieber gar nicht mehr zu zeigen. Ein großer Verlust ist es freilich nicht.

Im Schmerz geboren

ava-1742Was die cineastischen Fabrikationen meines Heimatlandes angeht, muss ich zugeben nicht sonderlich versiert zu sein. Noch weniger als zu denen in allen anderen Länder der Erde sowieso schon. Auch was die Großen im deutschen Fernsehen angeht, war ich nie interessiert. Beispielsweise das kürzlich nach 34 Jahren und 215 Sendungen abgesetzte Wetten, dass…? ist etwas, was mir schon als Kind nicht gefiel und ich nie mehr geschaut habe. Ebenfalls der bereits 1970 geborene, und stetig die 1.000 Folgen anstrebende, Tatort ist etwas, was ich nie wirklich mit Interesse verfolgte.

Doch zu Jahresbeginn habe ich einen geschaut, Im Schmerz geboren schimpft er sich, ist ziemlich aktuell, nämlich im Oktober 2014 seine Erstausstrahlung habend. Der spielt in Wiesbaden mit dem Kommissar Felix Murot, weil zu sagen wo und mit welchem Ermittler-Team so ein Tatort stattfindet, davon ist selbst mir die Wichtigkeit geläufig.

Er war überraschend anders, als ich erwartet habe. Allerdings habe ich mir mittlerweile sagen lassen, dass die Fälle einiger Ermittler auch experimentierfreudiger sind, als eher klassischere Fälle alteingesessener Teams. Der Einzel-Kommissar Murot ist wohl einer jener Tatort-Subs, die sich mehr aus dem Fenster lehnen.

Worum geht es? Ein bolivianischer Drogenbaron kommt nach Wiesbaden und prompt wird sein Empfangskommando – die 3 Söhne eines beheimateten Gangsterbosses – über den Haufen geschossen. Wer denkt hier würde es nun um Drogenkartelle und ihre Feindseligkeiten gehen, der irrt jedoch. Denn der Neuankömmling Richard Harloff ist ein alter Bekannter von Murot, der mit ihm zur Polizeischule ging, allerdings entlassen wurde, weil ihn zwei Mitschüler verpetzt haben. Es ist also ein persönlich motivierter Racheplan, den Harloff hier souverän verfolgt, um sowohl jene aus dem Weg zu räumen, aber auch sich an den ehemals besten Kumpel Murot zu rächen, wofür genau ist nur zunächst nicht wirklich klar.

Angeblich hat sich der Regisseur von Shakespeare-Stücken inspirieren lassen, und dies merkt man dem Tatort schon an. Schon alleine daran, dass es einen theatralischen Sprecher gibt, der zu Beginn, Ende und für den Einstieg in die Akte sogar auf die „Bühne“ tritt und dem Zuschauer ein wenig erzählt, was er aus dem Off auch den Rest des Filmes über macht. Ansonsten ist natürlich die Struktur an persönlicher Vendetta ob Missverständnisse und ungewollter Schadenszufügung sehr daran erinnernd, ganz besonders auch im tragischen Richard Harloff zu sehen, der ein unglaublich charismatischer Kerl ist und extrem geschickt und souverän alle auszuspielen weiß, aber bei dem sein Rachefeldzug-Tunnelblick zum eigenen Verderben führt. Und dann natürlich die hohe Anzahl an Toten, denn letztendlich stirbt fast jeder Charakter, den wir zu sehen bekommen, worauf auch am Ende noch mal der Film selbst aufmerksam macht, um sozusagen auch die vielen kleinen Rollen zu würdigen, die man über so 90 Minuten schon schnell wieder vergisst, wenn sie zur Filmmitte hin großflächig über den Haufen geschossen wurden.

Den Tatort dann auch tatsächlich als melodramatisches Theaterstück adaptiert für den TV-Bildschirm zu sehen, ist glaube ich einfach die beste Herangehensweise. Mir zumindest hat das Charakterdrama sehr gut gefallen. Auch wenn ich auf den einen oder anderen optischen Kunstgriff hätte verzichten können, neben einigen Theater-esquen Sachen wird da dann auch schon mal noch ein Oceans-Eleven-liker Stil hinzugenommen.