Tatort Giftschrank: Der Fall Geisterbahn

Ort: Deutsche Fernsehstuben, Zeitpunkt: Sonntag. Seit Jahrzehnten und je über eintausend Folgen dominieren zwei deutsch-produzierte unterhaltungsmediale Klassiker die Bildschirme. Die Lindenstraße und der Tatort. Erstere bald nicht mehr, während der Tatort eher wieder auf einem Beliebtheitshoch ist. Den gibt es seit 1970 und tingelt neben den Erstausstrahlungen zur Wochenends-Prime-Time auch durch alle dritten Kanäle in endloser Wiederholung.

Doch es gibt Ausnahmen. Die nach Apotheken-Praxis benannten, weggesperrten Giftschrank-Folgen, denen nach der Erstausstrahlung ein Sendeverbot aufgestempelt wurden. Aktuell gibt es fünf Tatorte, die nie wiederholt wurden, während sich fünf weitere lange Zeit im Giftschrank befanden, mittlerweile aber wieder in der Rotation auftauchen. Zum allerersten Mal geschah dies bereits bei der 16. von mittlerweile 1116 Tatort-Folgen, dem 1972er Der Fall Geisterbahn.

Was natürlich immer sehr wichtig bei den Filmen ist, ist in welcher Stadt sie spielen und wer der Kommisar ist. Hier überrascht Der Fall Geisterbahn allerdings zweifach. Zum einen ist der Schauplatz einfach eine fiktive deutsche Stadt, ohne direkt Bezug zu einer real existenten zu nehmen. Der Kommissar ist Herr Konrad, dargestellt von Klaus Höhne. Wirklich ermitteln wird aber der von Herbert Bötticher dargestellte Kriminalhauptmeister Klipp.

Der ist ganz zufällig bzw. aus ganz normalen zivilen Gründen auf dem Rummel unterwegs, als man in der Geisterbahn eine Leiche findet. Klipp läst die Mordkommmission verständigen, da er selbst einem ganz andern Kriminalfachbereich angehört. Kommissar Konrad, dem der Fall zugeteilt wird, nimmt Klipp auf Grund seines guten Handlings der Sache wegen schlicht kurzerhand mit bei der ersten Befragung der Angestellten des Rummels. Wo wir beispielsweise die Geisterbahn-Mitarbeiter haben, zu denen der Ermordete gehörte, und von denen einer meint, der wäre ein Dreckschwein gewesen, während alle anderen abwiegeln und sofort dicht machen. Auch die Ehefrau des Ermordeten, der gerne zu häuslicher Gewalt neigte, scheint sich sofort den Gesprächen entziehen zu wollen, und flieht zu ihrer Mutter. Die ist Wahrsagerin des Rummels, hatte Klipp bereits einen aufregenden Tag prophezeit, und lässt nebenbei fallen, dass sie unheilbar krank ist.

Der Besitzer der Geisterbahn will jene sogar direkt abbauen lassen. Und nachdem Klipp von Konrad den Fall einfach komplett übertragen bekommt, weil der es mit dem Rücken hat, findet Klipp schnell heraus, dass Christopher Lee für Arme überraschend mondän lebt, für einen Besitzer einiger Rummelattraktionen. Schon sehr fischig der gute Mann.

Wer der Mörder ist, solte allerdings bereits lange vorher klar sein. Sobald die Mutter der Ehefrau des Toten nach ihrem Hustenanfall erwähnte, dass ihr keiner helfen kann, war es mir zumindest klar. Die hat halt nichts mehr zu verlieren gehabt, da sie eh bald stirbt, und noch mal schnell den prügelnden Ehemann ihrer Tochter umgebracht, damit die in Frieden leben kann. Und genau das war es dann auch. Der Geisterbahn-Besitzer und das merkwürdige Verhalten dessen Mitarbeiter waren nur ein Roter Hering, da die sehr wohl was kriminelles drehen, aber nichts mit dem Mord an sich zu tun hatten. Ist doch immer so in deutschen Krimis, der Offensichtliche ist es nicht, sonder der scheinbar Nette, der mal kurz forshadowing getrieben hat.

Dadurch ist natürlich leider die Luft am Fall schnell raus. Wobei es in 2020 geschaut schon witzig ist, so eine 70er-Zeitkapsel zu haben. Wenn die Spurensicherung ein Taschenmesser am Tatort findet, und das ganz ohne Handschuhe in die Höhe hält. Die alten Autos und Klamotten. Oder das man einfach so einen Beamten, der gar nicht zur Mordkommmission gehört, in die Ermittlungen einbeziehen und letztendlich sogar übertragen kann. Dies ist eindeutig nicht der Fall von Konrad, sondern von Klipp.

Aber warum ist das Ding jetzt im Giftschrank? Ist er zu brutal? Zu sexy? Diskriminierend, weil Kleinwüchsige als Liliputaner bezeichnet werden? Tatsächlich ist der Grund ganz schnöde und unaufregend. Die Produktionsfirma ging kurz nach der Erstausstrahlung pleite. Deswegen sind die Rechte an Der Fall Geisterbahn in der Schwebe und man hat sich dazu entschlossen, ihn lieber gar nicht mehr zu zeigen. Ein großer Verlust ist es freilich nicht.

Im Schmerz geboren

ava-1742Was die cineastischen Fabrikationen meines Heimatlandes angeht, muss ich zugeben nicht sonderlich versiert zu sein. Noch weniger als zu denen in allen anderen Länder der Erde sowieso schon. Auch was die Großen im deutschen Fernsehen angeht, war ich nie interessiert. Beispielsweise das kürzlich nach 34 Jahren und 215 Sendungen abgesetzte Wetten, dass…? ist etwas, was mir schon als Kind nicht gefiel und ich nie mehr geschaut habe. Ebenfalls der bereits 1970 geborene, und stetig die 1.000 Folgen anstrebende, Tatort ist etwas, was ich nie wirklich mit Interesse verfolgte.

Doch zu Jahresbeginn habe ich einen geschaut, Im Schmerz geboren schimpft er sich, ist ziemlich aktuell, nämlich im Oktober 2014 seine Erstausstrahlung habend. Der spielt in Wiesbaden mit dem Kommissar Felix Murot, weil zu sagen wo und mit welchem Ermittler-Team so ein Tatort stattfindet, davon ist selbst mir die Wichtigkeit geläufig.

Er war überraschend anders, als ich erwartet habe. Allerdings habe ich mir mittlerweile sagen lassen, dass die Fälle einiger Ermittler auch experimentierfreudiger sind, als eher klassischere Fälle alteingesessener Teams. Der Einzel-Kommissar Murot ist wohl einer jener Tatort-Subs, die sich mehr aus dem Fenster lehnen.

Worum geht es? Ein bolivianischer Drogenbaron kommt nach Wiesbaden und prompt wird sein Empfangskommando – die 3 Söhne eines beheimateten Gangsterbosses – über den Haufen geschossen. Wer denkt hier würde es nun um Drogenkartelle und ihre Feindseligkeiten gehen, der irrt jedoch. Denn der Neuankömmling Richard Harloff ist ein alter Bekannter von Murot, der mit ihm zur Polizeischule ging, allerdings entlassen wurde, weil ihn zwei Mitschüler verpetzt haben. Es ist also ein persönlich motivierter Racheplan, den Harloff hier souverän verfolgt, um sowohl jene aus dem Weg zu räumen, aber auch sich an den ehemals besten Kumpel Murot zu rächen, wofür genau ist nur zunächst nicht wirklich klar.

Angeblich hat sich der Regisseur von Shakespeare-Stücken inspirieren lassen, und dies merkt man dem Tatort schon an. Schon alleine daran, dass es einen theatralischen Sprecher gibt, der zu Beginn, Ende und für den Einstieg in die Akte sogar auf die „Bühne“ tritt und dem Zuschauer ein wenig erzählt, was er aus dem Off auch den Rest des Filmes über macht. Ansonsten ist natürlich die Struktur an persönlicher Vendetta ob Missverständnisse und ungewollter Schadenszufügung sehr daran erinnernd, ganz besonders auch im tragischen Richard Harloff zu sehen, der ein unglaublich charismatischer Kerl ist und extrem geschickt und souverän alle auszuspielen weiß, aber bei dem sein Rachefeldzug-Tunnelblick zum eigenen Verderben führt. Und dann natürlich die hohe Anzahl an Toten, denn letztendlich stirbt fast jeder Charakter, den wir zu sehen bekommen, worauf auch am Ende noch mal der Film selbst aufmerksam macht, um sozusagen auch die vielen kleinen Rollen zu würdigen, die man über so 90 Minuten schon schnell wieder vergisst, wenn sie zur Filmmitte hin großflächig über den Haufen geschossen wurden.

Den Tatort dann auch tatsächlich als melodramatisches Theaterstück adaptiert für den TV-Bildschirm zu sehen, ist glaube ich einfach die beste Herangehensweise. Mir zumindest hat das Charakterdrama sehr gut gefallen. Auch wenn ich auf den einen oder anderen optischen Kunstgriff hätte verzichten können, neben einigen Theater-esquen Sachen wird da dann auch schon mal noch ein Oceans-Eleven-liker Stil hinzugenommen.

Gefangen und eingelocht

ava-1704Eingelocht, auch bekannt als Gefangen: Eine Lieber hinter Gittern (ugh), ist ein Film von Cazzo. Cazzo ist eines der größten und bekanntesten deutschen Labels für Gay Porn. Doch dies hier sollte ganz anders werden, aspiriert dazu ein „echter“ Film zu sein, nicht nur Rudelbumsen. Wirkliche Geschichte und Charaktere, deswegen eben nicht nur in einer 18+ Version als Eingelocht erschienen, sondern auch in einer handzahmen 16+ Version unter Gefangen.

Nun, ich habe die Uncut Version geschaut, und bin doch etwas überrascht. Ich hatte ja nicht viel erwartet, aber das wurde dann doch noch unterboten. Denn Eingelocht ist dann doch „nur“ ein Porno, sonst nichts. Es vergehen eigentlich keine 5 Minuten, bis es zum nächsten Fick kommt. Da frage ich mich doch ernsthaft, womit die jugendfreie Version ihre 90 Minuten füllt. Gibt es dort vielleicht tatsächlich mehr Szenen an Alibi-Handlung, die in der Hardcore-Version für mehr Sex verloren gingen? Denn wenn es den gleichen Anteil und Länge an Geschlechtsverkehr aufweist, nur mit kreativeren Kamerawinkeln, so dass nie Erektion oder Penetration ins Bild rutschen, muss das ein massiv langweiliger Streifen sein. Weil außer Vögeln wird nichts geboten, und wenn das dann noch nicht mal richtig… keine Ahnung wofür er dann gut sein soll.

Synopsis des Filmes erzählt mir beispielsweise was davon, dass Dennis wegen Betruges einzusitzen hat. Etwas von korrupten Beamten, der harten Gefängnishierarchie, der Liebe die nicht sein darf (TM), weil er sich in den Schwarzen Mike verguckt, und das Paar auf Rassismus stößt. Alles sicherlich Klischees ohne Ende, aber immerhin wären das schon mal Themen, die man behandeln kann. Nur war davon in meiner Version nichts zu sehen.

Warum Dennis, oder irgendeiner der Kerle, einsitzt, wird nie irgendwo erwähnt. Korrupte Wärter? Nicht wirklich. Strickte Hierarchie? Schon irgendwo, aber mehr als Fetisch-Spielchen denn ernsthafte Charakterisierung oder Drama-Zünder. Rassismus? Gegen Ende gibt es eine Szene, in der Dennis von einem Chor „Negerhure“ begrüßt wird, aber so wirklich jemanden ein Problem mit Mike haben sehen wir den ganzen Film über eigentlich nicht, so dass dies schon ziemlich aus dem Nichts kommt. Die sexuellen Akte an sich werden auch nie wirklich ins schräge Licht gerückt. Statt eben von den stärkeren Insassen gezwungen zu werden, oder es für Gefälligkeiten mit den Wärtern treiben zu müssen… scheint nie wirklich so, sondern immer relativ von beiden Seiten ob akuter Geilheit gewollt. Selbst die Szene, in denen die Raudi-Clique der Bottom Bitch des Gefängnisses in den Mund rotzt und pisst, wird mehr als Fetisch aufgezogen. Das einzige Drama, das in den Film kommt, ist, wenn 15 Minuten vor Schluss gemerkt wird, dass außer Kopulation noch nichts passiert ist, deswegen die Raudi-Clique Dennis mal schnell unter der Dusche vergewaltigt (überraschend kurz und gestellt, statt als vollwertiger Fetisch-Sex abgespielt zu werden), und Mike sich an ihrem Anführer rächt und beide dann glücklich bis an ihr Lebensende einsitzen, statt dass die Clique Mike und Dennis dafür noch mehr einheizt, oder die Wärter was dazu zu sagen haben.

Ach ja, und unsere große „Liebe hinter Gittern“? Es dauert 25 Minuten, bis Dennis und Mike zum ersten Mal eine Szene teilen – wortlos sofort zum Fellatio übergehen, dann aber unterbrochen werden und 30 Minuten im Film tatsächlich ihren ersten Satz wechseln a la „Cock blocked, zu doof“. Die zweite Szene teilen sie bei Minute 65! Erneut kurz geblasen und wieder blockiert, bevor ein biologisch unmöglicher Fortpflanzungsversuch gestartet werden kann. Bei Minute 80, 10 Minuten vor Filmende, haben sie dann die dritte Szene zusammen, dürfen endlich richtig Sex haben, und teilen 2 Sekunden vor den Credits doch tatsächlich einen zweiten Satz („jetzt ne Runde pennen“)! Eine Liebe für die Zeiten, Leute.

Ich mein, klar, die Hardcore-Fassung ist halt auch Porno, aber nachdem es auch eine Softcore-Fassung gibt, die es weitläufig auf DVD im normalen Handel zu kaufen gibt und wohl sogar auf Kinoleinwänden lief, hatte ich doch irgendwie erwartet, dass ein wenig mehr passiert, als nur Analverkehr am laufenden Bande. Aber dem ist nicht so. Keine Story, keine Charaktere, kein Schauspiel, nur Sex. Und wie toll man den findet, ist natürlich auch Geschmacksache. Ich hab es ja eh nicht so mit dem Gros des Outputs von Cazzo, und in Eingelocht/Gefangen gefallen mit abgesehen vom niedlichen Marcel Schlutt der Rest der Männer auch nicht übermäßig. Zu sehr Skin im Look, ein wenig zu breit, zu fleischig gebaut. Und vor allem mit nuttigen Tattoos, tussigen Nippel-Piercings, oder gleich Phantomschmerzen bereitenden Ringen durch die Eichel. Bah.

eingelocht

Anders als die Anderen

ava-1629Homosexualität war schon immer ein heikles Thema und im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit, jedoch gab es auch immer wieder kulturell-aufgeschlossene Zeiten, in denen es akzeptierter war, als in anderen. Eine davon ist (oder besser war zumindest auf dem Weg dorthin) die Zeit der Weimarer Republik. Nachdem im davor herrschenden Deutschen Kaiserreich das Ausleben jener Neigung per §175 als Straftat festgelegt wurde, kam jener in der Weimarer Republik wiederholt unter Beschuss, wurde weniger häufig wirklich geahndet, und in großen Städten wie Berlin gab es schwule Magazine und Clubs. Und auch einen Film gab es in 1919, Anders als die Anderen (§175), frühes Schwulenkino welches in den 30ern als The Third Sex und den 50ern als Anders als du und ich erneut erzählt werden sollte (immerhin war damals durch das Erstarken der Schwulenfeindlichkeit im Nazi-Regime der §175 immer noch bestehend – offiziell abgeschafft wurde er erst in den 90ern).

Natürlich war der Film dennoch in seiner Zeit ein kritisierter Skandalfilm. Und nachdem er in der NS-Zeit dann verboten und Kopien vernichtet wurden, liegt er heutzutage auch nicht mehr komplett vor, sondern in einer restaurierten Fassung von knappen 50 Minuten (immerhin gelten so einige Filme aus jener Frühzeit als [teilweise] verschollen, ohne das sie direkt großflächig geahndet wurden). Und jene hat einige Standbilder zu bieten plus mehr Texttafeln als Stummfilme üblich haben, da ganze verlustig gegangene Szenen quasi erklärt werden.

Conrad Veidt spielt Paul Körner, einen angesehenen Violinisten, der mit sich ziemlich im Reinen ist, denn als seine Eltern ihm eine Verlobte unterjubeln wollen, schickt er die auch schon mal prompt zum Sexualforscher, der ihnen die Sache mit der Homosexualität ihres Sohnes erklären soll. Kurt Sivers derweil ist einer von Pauls größten Fans und wird zu dessen Protege und Liebhaber. Zumindest solange, bis ein Erpresser es auf die beiden abgesehen hat, Kurt sich davon macht, während Conrad die Erpressung zur Anklage bringt, aber andersrum deswegen auch wegen Verstoß gegen §175 selbst verurteilt wird.

Das wohl Interessanteste am Film ist, abgesehen von seiner progressiven Botschaft und filmhistorischen Wertes als erster Film über Homosexualität, sind dann tatsächlich die „Szenen“ mit dem Sexualforscher (die hier nur noch als erklärende Texttafeln vorliegen). In denen nämlich tatsächlich schon 1919 ganz unvoreingenommen erklärt wird, dass wenn es auch nicht die Norm ist, so Homosexualität ein absolut natürliches Vorkommen in einer Spezies ist und es alle Bevölkerungsschichten „treffen“ kann, Heilung keine Option darstellt, da es keine Krankheit ist. Etwas überholt ist lediglich die Annahme, dass Schwule solche sind, weil sie einen Überschuss an weiblichen Hormonen haben, der Film also davon ausgeht, dass die Norm bei Homosexuellen tatsächlich unmännlich-weibisches Verhalten ist – so souverän Veidt dann auch den Körner spielt, so mimt er auch prompt die Gestik einer Queen. Abgesehen davon ist der Film, wenn auch etwas dramatisch dick aufgetragen, ein Appell an Toleranz in der Gesellschaft und Abschaffung des §175, wogegen man wohl kaum etwas haben kann. Zumindest heutzutage, wo dies kein progressives Denken mehr erfordert, sondern lediglich Denken.

anders

Early Horror Cinema: Dr. Caligari

ava-1252Willkommen beim filmisch-kulturellen Historienunterricht. Heutiges Subjekt der ungeteilten Aufmerksamkeit ist Das Cabinet des Dr. Caligari (ja, der Titel ist so richtig), ein Eintrag des frühen deutschen Stummfilmes, ein über die Landesgrenzen sehr bekanntes Werk und der Gründer des expressionistischen Filmes. Entstanden 1920, noch vor Nosferatu.

Sitzen zwei Männer auf einer Bank, kommt eine fesche Dame vorbei flaniert. Sagt der Ältere: „Geister haben mich von zu Hause vertrieben“. Darauf der Jüngere: „Das da ist meine Verlobte und wir haben eine noch viel merkwürdigere Geschichte erlebt“.

Es war im Städtchen Holstenwall, als ein Jahrmarkt dort Halt machte. Darunter auch der Caligeri mit seinem Schlafwandler, eine große Attraktion schon an sich, und dann kann er auch noch die Zukunft voraussehen. Beispielsweise, dass der Freund des Jüngeren noch diese Nacht sterben wird. Gut, einer solchen Prophezeiung kann natürlich auch nachgeholfen werden und so steht der Schlafwandler sofort in Verdacht. Jedoch wird ein anderer von der Polizei gefasst. Doch beteuert jener, auch wenn er einen Mord vorhatte, die (nun schon) zwei vorigen Opfer nicht gemeuchelt zu haben. War es also doch der Schlafwandler, der es nun auch noch auf die Verlobte in Spe abgesehen hat, sie ob ihrer Schönheit jedoch entführt?

Klaro. Bei Stummfilmen ist es ja nun immer so, dass die meist sehr einfach gestrickt sind, weil ob des Fehlens von Text, abgesehen von rudimentären Titelkarten zwischendurch, auf denen auch nur eine gewisse Menge Info untergebracht werden kann, die Gangart meist eher gemächlich ist, bzw. der Inhalt an sich einfach nicht so komplex wird, weil alles weitestgehend mit theatralischem Rumgefuchtel dargestellt werden können muss. Von daher ist klar, dass der Schlafwandler mordet, unter Kontrolle seines Meisters Caligeri. Und dann, am Ende, war es geschehen, der Film hat mich doch überrascht. Eine Wendung, sogar eine clevere, welch erfrischende Überraschung.

Was den Großteil des Filmes über Wasser hält, während man noch denkt, alles ist so einfach, wie er einem vorgaukelt, ist natürlich die Optik. Was ein surrealistisch anzusehendes Stück Zelluloid. Am Bühnenbild ist nichts echt, alles nur bemalte Pappe, was natürlich nicht ungewöhnlich ist, jedoch will es hier gar nicht Realismus vorgaukeln. Alles ist in Schieflage, verwinkelt, düster. Tim Burtons feuchter Traum in Stummfilm-Format. Darauf dann noch den schlacksig-schwarzen Schlafwandler – übrigens verkörpert von einem frühen deutschen Star, Conrad Veidt, der über Jud Süß und Der Dieb von Bagdad in Casablanca enden wird -, schon beeindruckend und ein wenig unheimlich. Vor allem chargiert er gar nicht so sehr, wie viele andere Stummfilmdarsteller, sondern ist tatsächlich subtiler, als Schlafwandler verlässt er sich sowieso viel auf seine Mimik.

Ich muss ja sagen, dass ich die Filmplakate solcher Stummfilm-Klassiker toll finde. Von den Postern für Das Cabinet des Dr. Caligari oder Nosferatu hät ich ja als Kind wahrscheinlich sogar Alpträume bekommen.

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Felidae

Normalerweise bin ich häufig eher der Meinung, dass die FSK etwas arg übertrieben bewertet (ganz zu schweigen davon, eine Freigabe komplett verweigern zu können, einem volljährigen Publikum also Sachen vorenthalten zu können), doch manchmal haben die ihren witzigen Tag. Ich werde ewig überrascht sein, wie Gantz Director’s Cut mit einer 16er-Freigabe davon gekommen ist beispielsweise. Zwei weitere Beispiele wäre Watership Down, das bestimmt jeden 6-Jährigen fürs Leben zeichnet und Felidae, welches irgendwie mit einer 12er durch gewunken wurde, vielleicht weil es halt alles nur animiert ist und sich um Katzen handelt, aber dennoch überraschend. Mit der Freigabe ist der Film natürlich in einer eher ungünstigen Lage: Ein Film für Kinder ist es eindeutig nicht, die werden von der Freigabe sogar theoretisch davon strickt ausgeschlossen, gleichzeitig kam er allerdings auch zu einer Zeit raus, als Animation für Erwachsene/japanische Anime noch nicht wirklich viel Interesse auf sich zogen und mit einer vergleichsweise harmlosen 12er-Freigabe sowieso die wenigen Kuriosen nicht unbedingt anzog.

Worum geht’s überhaupt? Francis ist neu in der Nachbarschaft und stolpert direkt über eine Mordserie. Als Hobbydetektiv startet er natürlich sofort seine Investigation und entdeckt dabei die Claudandus-Sekte, die einem Märtyrer huldigen, der vor Ewigkeiten bei schrecklichen Tierversuchen starb. Stellt sich nur heraus, dass jener sogar noch lebt, über die unmenschlichen Versuche verrückt wurde und nun versucht, die Felidae zurück zu ihren Wildkatzen-Ursprüngen zu züchten, als sie noch frei und unberechenbar und vom bösen Menschen unangetastet waren, ja sogar verehrt wurden.

Ein Thriller also, nur mit Katzen. Mit ganz schön fiesen Katzen, denn die Biester hier reißen sich gegenseitig die Nacken und schlitzen sich die Bäuche auf. Den Opfern fehlt da schon mal ein Kopf oder liegen die Därme hübsch drapiert außerhalb des Körpers rum. Von den Alpträumen, die Francis hat, und die ihm Visions-gleich Hinweise auf die Lösung des Mysteriums geben, ganz zu schweigen. Wie gesagt, ich bin richtiggehend überrascht, dass die FSK dies hier mit einer 12er abgesegnet hat. Das ganze basiert übrigens auf einem Roman, angeblich bekannt, ich Kulturbanause hatte von jenem bis zum Sehen des Filmes vor gut 15 Jahren nix gehört, welcher sogar eine ganze Reihe nach sich zog. Sowohl Original wie Animations-Adaption übrigens aus deutscher Feder.

Ich muss den Film wohl so mit 13 zum ersten Mal gesehen haben, plus/minus ein Jahr, wer weiß das nach all der Zeit schon noch so genau. Ich war damals wirklich überrascht, fand ihn aber echt toll, so richtig schön düster und fies. Mittlerweile bin ich nun mal etwas (viel) älter und nicht mehr so leicht zu beeindrucken. Aber ein spannender Thriller ist er immer noch, definitiv einen Blick wert, schon allein weil’s mal ein wenig was anderes ist. Natürlich mit Parallelen nicht nur direkt zu Gräueln bei Tierversuchen, sondern auch zum arischen Völkerkult zur Nazizeit. Schwächen leistet er sich allerdings dennoch. Gerade den Anfang fand ich etwas holprig, bereits eine Szene nachdem Francis das erste Opfer sieht hat er schon konkludiert, dass alle bisherigen vier männlich und rollig gewesen sind, obwohl wir nie erfahren, wie er das überhaupt rausgefunden hat. Dass er diese seltsamen Visionen, wie interessant sie visuell auch teilweise sind, hat, muss halt mal einfach so akzeptiert werden, genau wie das Katzen sprechen, Bücher lesen und mit Computern umgehen können. Der Synchronsprecher von Francis ist zwar immer zumindest solide, liefert aber eine etwas unebene Leistung ab.

Also ich traue diesen Katzenbiestern nicht mehr, wenn ich das nächste Mal eine auf der Straße mich ominös beobachten sehe, steige ich aufs Gas und fahr drüber. So als fieser Nazi Mensch Dosenöffner.

Nosferatu the Vampyre

Letztes Jahr habe ich mit dem 1922er Stummfilmklassiker aus deutschem Lande Nosferatu: Eine Symphonie des Grauens geendet, dieses Jahr ist das 1979er Remake mit Klaus Kinski dran, Nosferatu: Phantom der Nacht.

Der hält sich weitestgehend recht getreu an das Original von Murnau, schmückt es aber mit der einen oder anderen Szene aus, häufig aus Bram Stokers Dracula entnommen. Immerhin basierte das Original auch auf dem Buch, wenn man auch ein paar Kleinigkeiten wie beispielsweise das Ende und die Namen aller Beteiligter änderte, da man die Verfilmungsrechte nicht besaß. Hat damals nicht viel geholfen und das Remake darf nach all den Jahren ganz legal aus Dracula schöpfen. Etwas befremdlich fand ich allerdings schon die Entscheidung, die Namen der Charaktere wieder aus Bram Stokers Roman zu nehmen. Man sollte meinen, wenn man Nosferatu remaked, nimmt man auch die Namen aus Nosferatu, egal aus welchem Grund die auch immer anders waren. Zudem ist es merkwürdig, wenn der Film immer noch in Deutschland spielen soll, die Einwohner aber plötzlich englische Namen haben. Und dann hat man auch noch Minas und Lucys Rolle gewechselt, was es auch immer damit auf sich hat.

Das Problem ist, dass der Film nicht genug Neues dazu erfindet und sich zu genau am Original orientiert. Ich hab noch mal schnell bei Wikipedia nachgeforscht, das Remake ist nicht mal ganz 15 Minuten länger, als das Original. Wo jenes aber weitestgehend kurzweilig war, zieht sich die 1979er-Version einfach wie Gummi, fühlt sich doppelt so lang an, wie der Film, auf dem es basiert. Ein Stummfilm hat eben eine ganz gemächlichere Gangart, braucht länger, um das Gleiche rüber zu bringen. Das alles in einen Tonfilm rüber gehievt, lässt viele bewusst langsam gehaltene Szene einfach nur strapaziös und langweilig wirken, bewusst übertriebenes Schauspiel schäbig wirken. Tut mir leid – angeblich ist das Remake echt gut aufgenommen worden, doch ich habe mich den Film über die meiste Zeit echt gelangweilt, hauptsächlich, weil diese ganze bewusste Stummfilm-Mentalität, die er Versucht auch im Tonfilm eingehen zu lassen, das Teil massiv ausbremst.

Dann hab ich auch noch die englische Sprachversion gesehen. Die ist keine Synchronisation gewesen, sondern eine der Sprachen, in der die deutsch-französische Koproduktion gedreht wurde, was man auch schnell mitbekommt, da jeder Charakter einen eindeutigen deutschen oder französischen Akzent hat. Nur der schauspielerischen Leistung eines jeden Darstellers kommt die Fremdsprache nicht zu Gute, gerade Isabella Adjani klingt – und ihr wird hier durch den häufig unnötig gestelzt-unnatürlichen Wortlaut des Scripts nicht gerade geholfen – immer mal wieder, als verstände sie den Sinn dessen, was sie da sagt, nicht, sondern hat es einfach bestmöglich phonetisch auswendig gelernt.

Metropolis

Ein weiterer Film von Fritz Lang soll es nun sein, der 1927er-Stummfilm-Klassiker Metropolis. Bei Rereleasen/Restaurierungen von so alten Filmen ist es ja meist ein ziemliches Problem, dass mit den Filmrollen nicht so sorgsam umgegangen wurde und teilweise einfach nicht mehr viele existieren oder nur Fehlerhaft/geschnitten vorhanden sind. Deswegen gelten bei diesen Filmen häufig ganze Teile als verschollen, wenn nicht sogar der komplett Film an sich, weil einfach kein brauchbares Band mehr gefunden werden konnte bzw. bei allen gewisse Teile fehlen. Metropolis hatte weitestgehend ein ähnliches Problem vor der aufwändigen Restaurierung durch die Murnau-Stiftung: Alle bekannten Rollen hatten diverse Szenen, die fehlten. Irgendwann ist eine fast komplette aufgetrieben worden, aber deren Qualität war dann unter aller Sau. Letztendlich gestaltet sich die neue Fassung dann so: Ein gutes Band, die fehlenden Szenen dazwischen dann aus dem schlechten reingesetzt und für die dennoch 3-4 fehlenden Szenen einfach ein beschreibender Text eingeblendet. Kompletter kann man den Film heutzutage halt einfach nicht mehr sehen.

Während es der Oberschicht von Metropolis in ihrer hell erleuchtenden Wolkenkratzerstadt ziemlich gut geht, können sie dieses Leben nur auf dem Rücken der Arbeiter genießen, die die Maschinen der Stadt mit harter körperlicher Arbeit am Leben halten und anschließend deprimiert und ausgelaugt in die unterirdische Arbeiterquartiere verschwinden. Freder, der Sohn des Herrn über Metropolis, verliebt sich dummerweise in Maria, das Mädel, das von der schwelenden Revoluzzer-Bewegung der Arbeiter angehimmelt wird und von einer besseren Zeit predigt, da der „Mittler“ kommen wird.

Letztendlich findet Freders Vater zwei Dinge raus: Die Existenz jener Bewegung und die Existenz des Maschinen-Menschen, den ein Wissenschaftler gebaut hat. Dem soll jener nun das Aussehen von Maria geben, damit er die Arbeiter zur offenen Revolution anstiftet und er somit freie Hand hat, dies mit Gegengewalt sofort zu ersticken und ein Exempel zu statuieren.

Kommt also, wie es kommen muss. Die Revolution beginnt, der Strom in der Oberstadt fällt aus, während die Staubecken brechen und die Arbeiterstadt überflutet wird. Wirklich schlaue Revoluzzer sind das, zumal ja dort ihre Kinder sind. Maria und Freder sind mittendrin, retten die Kinder. Der Maschinen-Mensch wird verbrannt, der Wissenschaftler fällt zu Tode und letztendlich kann Freder als Mittler zwischen seinem Vater und den Arbeitern agieren. Mittler zwischen Hirn und Hand muss das Herz sein.

Das ist natürlich nicht ganz alles, was passiert, es gibt da noch die eine oder andere zusätzliche Verwicklung. Die Liebe des Wissenschaftlers betrog ihn beispielsweise und wurde die Frau von Freders Vater. Die beiden haben also auch eine Vergangenheit. Doch das Wichtige wäre das. Letztendlich ist Metropolis ja auch ein Stummfilm, da muss in den Szenen die jeweilige Botschaft etwas stärker rübergebracht werden, da außer hier und da mal eine kurze Textkarte, nun mal nicht gesprochen wird. Und so kommt auf die gleiche Spielzeit eines Stummfilms meist etwas weniger Handlung, als auf einen Tonfilm, weil die Szenen eben länger brauchen, um zu sickern. Gleichzeitig finde ich das aber auch mal ganz schön, da man wesentlich besser auf das aufpassen muss, was da so abgeht, da der Film viele Dinge und gerade die Nuancen nicht direkt ansprechen kann. Allerdings braucht der geneigte Zuschauer für Metropolis schon etwas Sitzfleisch, ist der Film doch mit 2 Stunden 30 recht lang, zumal es mir beim Sehen von Stummfilmen sowieso noch zusätzlich immer so vor kommt, als wären sie 1.5-2x so lang gewesen, wie sie letztendlich waren. Das bin aber wahrscheinlich nur ich.

Doch Metropolis ist definitiv ein Erlebnis. Es ist ein bombastisches, bildgewaltiges Epos, hauptsächlich visuell gesehen. Die eindrücklichen Szenen voller Atmosphäre, das spektakuläre Bühnenbild, die interessanten Kostüme. 1927 muss Metropolis für offene Münder gesorgt haben und selbst heute finde ich es echt noch erstaunlich, was einem der Film so alles zu sehen gibt. Die vielleicht etwas unnötig verschachtelte und sich zunächst ein wenig langsam entfaltende Geschichte ist freilich auch nicht schlecht, aber worin Metropolis eben brilliert ist die Optik. Letztendlich hatte mich der Film dann doch gepackt und ich bin sehr zufrieden, wenn auch ob der Länge etwas ausgelaugt, aus ihm heraus gekommen.

Quickies

Bride Wars. Chick Flick und Romantik-/Freundschafts-Komödie. Seit 20 Jahren beste Freundinnen und seit über 10 ist es beider größter Traum eine Juni-Hochzeit im Plaza zu haben. Denn wir wissen ja, dass es einer modernen Frau nur um zwei Dinge im Leben geht: Viele Schuhe zu besitzen und ganz romantisch einen Mann zu heiraten, der sie endlich zu vollwertigen Menschen macht. Außerdem weiß doch jeder, dass Frauen total wahnsinnig sind und sowieso je oberflächlicher der Grund ist, umso mehr durchdrehen können. Wir Männer nehmen das ja gerne hin, immerhin wissen wir, dass die Gehirne dieser Untermenschen nicht ganz so leistungsstark und logisch funktionieren, wie die unsrigen. Jedenfalls bekommen beide ihren Antrag, und beide ihre Juni-Hochzeit im Plaza – dummerweise auf den gleichen Tag gelegt. Da gibt es natürlich nur eine Lösung, nämlich die 20-jährige Freundschaft sofort zu vergessen und die andere Schlampe fertig machen. Lassen wir die Seitenhiebe auf Oberflächlichkeit und Unemanzipiertheit mal gewähren, letztendlich isses ja nur eine oberflächliche Komödie über zwei kollidierende Hochzeiten, da kann man das auch mal außen vor lassen. Immerhin nimmt er sich im Gegensatz zu Sex and the City: Der Film nicht raus, moderne, starke Frauen zu zeigen, um dann die oberflächlichste, Männer-abhängigste Schlunze seit Twilights Bella in der Hauptrolle zu haben. Kopf abschalten und den Zickenkrieg genießen ist also angesagt. Leider geht er mir da dann auch teilweise nicht weit genug, er hätte von mir aus noch um einiges krasser und mehr over the top sein können, dann wäre er nämlich auch witziger gewesen.

Kung Fu Panda. Natürlich von vorn bis hinten absolut vorhersehbar, doch all das mit viel Charme, Sympathie und toller Martial-Arts-Action. Kurzweiliger Spaß also.

Chuck & Larry. Damit die Kinder eines Feuerwehrmanns auch bei dessen etwaigen Ablebens von der Kasse Geld bekommen, muss dieser seinen besten Freund zur Homo-Ehe geleiten. Erwartungsgemäß kommt jetzt eine Komödie über jede Menge Schwulenklischees, was auch natürlich ein Stück weit der Fall ist. Eigentlich fand ich ihn gar nicht mal so wahnsinnig witzig, ist halt Hollywood-Comedy-Fließband, dafür die ruhigeren, ernsteren Momente überraschend nett geschrieben. Und das Ende ist natürlich sowieso absoluter Kitsch-Müll, kommt aber auch nicht unerwartet.

Keinohrhasen. Nora Tschirna ist Kindergärtnerin von Beruf und überzeugtes Mauerblümchen. Til Schweiger ist oberflächlicher Paparazzo und liebt es rumzuhuren. Bis er vom Gericht zur Sozialarbeit im Kindergarten verdonnert wird. Nora sieht ihre Chance gekommen, denn er hat sie als Kind gequält. Doch dann werden sie sich doch sympathisch, treiben es im Suff miteinander, sind dicke Freunde. Nur verliebt sich die Nora so richtig in den Til, und dann muss das natürlich noch alles ganz kompliziert werden, bevor sie sich endlich bekommen. Das Übliche also. Doch immerhin ist der Film schön witzig, schnell und charmant aufgezogen. Zu Beginn zumindest, nach dem tollen Einstieg verliert er hier und da, gerade in den Beziehungswirrwarr-Teilen, etwas an Drive.

M

Heute geht es mal ins deutsche Filmemachen, und zwar zu einem absoluten Klassiker, Fritz Langs M: Eine Stadt sucht einen Mörder, einer der ersten deutschen Tonfilme von 1931. Wurde mir von einer Bekannten empfohlen. Witzig, wo ich sowieso demänchst Langs Metropolis mal schauen wollte.

Berlin ist im Aufruhr, denn ein Mörder geht um. Und noch nicht mal ein normaler, sondern auch noch ein Kindermörder, der sich mit Süßigkeiten an kleine Mädchen ran macht und sie dann verschleppt. Die Polizei tritt zwar verstärkt auf und führt regelmäßige Razzien aus, hat bisher aber noch keine Spur. Die Bevölkerung ist davon nicht begeistert und geht deshalb von selbst jeden verdächtig aussehenden Herren an, der das Unglück hatte, zu lange in der Nähe eines Kindes zu stehen. Und das organisierte Verbrechen ist von der verstärkten Polizeipräsenz sowieso nicht begeistert und beauftragt die Bettler damit, sich mal umzusehen, da diese ja fast unsichtbar sind – niemand nimmt einen Bettler an dieser Straßenecke oder in jenem Hauseingang wahr.

Letztendlich kommt die Polizei auf die Spur des Mörders, nur ein wenig zu spät, da die Bettler ihn auch schon entdeckt haben und die Hetzjagd begonnen hat. So wird er dann von den Verbrechern vor Gericht gestellt. Der Mörder sagt aus, er könne nicht anders, er hasse sich selbst dafür, aber diese böse Neigung ist nun mal unbezwingbar in ihm. Das Selbsjustiz-Gericht hingegen lacht ihn aus, klar plädiere er auf Unzurechnungsfähigkeit, damit sie ihn nicht tot schlagen, sondern er lebenslang in einem Irrenhaus durchgefüttert wird.

Ich glaub die s/w-Filme, die ich gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen: Godzilla, Night of the Living Dead, Beast of 20.000 Fathoms, Nosferatu und nun M. Ich bin aber auch kein Filmstudent, der sich in die Materie reinarbeitet, von den Anfängen bis zur Neuzeit alles schaut und jede Minute überanalysiert :D M war ein sehr interessanter und spannender Film. Devinitiv kurzweiliger, als ich es bei einem so alten knapp 2-Stündigen Schinken erwartet hätte. Was wohl auch daran liegt, dass nicht bis kurz vor Schluss gerätselt wird, wer der Mörder ist, sondern dies relativ schnell klar wird und nach knapp einer Stunde die Hetzjagd beginnt. Und der Zusammenbruch im „Gerichtsverfahren“ ist sowieso pures Gold. Sehr gut gespielt vom Peter Lorre.

Als Film von 1931 darf er sich natürlich nicht so viel trauen, wie eine aktuelle Produktion, das ist klar. Keine Leichen, keine direkt gezeigt Brutalität, Lang muss all dies geschickt andeuten. Und überraschenderweise gibt es keinerlei Hintergrundmusik, wenn ich mich nicht ganz täusche. Überhaupt blendet Lang in manchen Szenen immer wieder geschickt den Ton komplett aus, was beim Zuschauer direkt unterschwellig eine gewisse Desorientierung auslöst, die Szene wirkt gleich etwas intensiver, spannender, wenn man plötzlich sein „Gehör veliert“.