Beauty’s Kingdom

Man kann Anne Rice nicht nachsagen, sich nicht darüber zu informieren, was gerade in der Welt der Bibliophilen angesagt ist. Oder sich zumindest die Bestsellerliste der New York Times mal kurz anzuschauen. Vampir-Roman sind plötzlich wieder beliebt? Ach da ist dann doch eine neue Trilogie um Lestat, welche Frau eigentlich schon immer schreiben wollte. Im Fahrtwasser von 50 Shades fühlen sich Hausmütterchen Scharenweise Abenteuerlustig, weil sie erotische Romane mit BDSM-Einschlag verschlingen? Da hat man doch in den 80ern mal diese Sleeping Beauty Trilogie geschrieben, die man doch mal locker zu einer Tetralogie machen kann. Geboren war Beauty’s Kingdom.

Das spielt ebenfalls gut 20 Jahre nach dem Ende des letzten Buches, bei dem Beauty und ihr Laurent dem Schicksals als nackte Vergnügungssklaven entkommen sind, und ihr eigenes Königreich zu regieren begonnen haben. Nur ist es so, dass die Königin des BDSM-Reiches nicht nur die Lust an der erotischen Strafe zusehends verloren hatte, sondern auch auf einer Reise tödlich verunglückt ist, weswegen die maroden Grundpfeiler zu fallen drohen. Doch: Die Königin ist tot, lang lebe die Königin. Die ebenfalls ihres langweiligen Normie-Lebens überdrüssig gewordenen Beauty und Laurent lassen sich dazu überreden, die neuen Herrscher des Landes der gestriegelten Pobacken zu werden, und mit viel Innovation die Zügel wieder zu straffen. Da sie selbst mal Sklaven statt wie die Nobilität des Reiches immer nur Meister waren, haben sie natürlich auch einen ganz anderen Blick für die Dinge.

Ich persönlich bin ja höchst fasziniert, wenn ich schlechte Reviews zu irgendeinem der Beauty-Bücher lese, die von durch 50 Shades angefixten Mädels stammen, welche natürlich auch andere BDSM-Erotica in ihren Vorschlaglisten finden, und dadurch auf diese Bücher gestoßen sind. Da findet man von diesen Abenteurerinnen der schlüpfrigen Literatur nämlich plötzlich Schock und Fassungslosigkeit wieder, dass es in diesen tatsächlich hauptsächlich um Sex und um dominant-submissive Beziehungen geht, statt eine glorifizierte Groschenroman-Romanze zu sein, bei der alle hundert Seiten mal die Plüschhandschellen rausgeholt werden. Ein Aufstöhnen wegen der ganz falschen Gründe.

Dabei sind die Beautys auch noch im Rahmen der Zahmheit angesiedelt. Immerhin ging es hier um royale Lehnsgaben von Prinzen und Prinzessinnen, die zu den Kurzzeitsklaven wurden, weswegen es natürlich strickte Regeln gibt. Keine echten Verletzungen, also kein Branding oder Piercings, Schläge nur bis die Pobacken rosig-rötlich vor Wärme leuchten, kein Fisting, keine Erniedrigungen in Form von Watersports oder Fäkalspielen. In Beauty’s Kingdom ist es dann noch eine Form netter, denn die Reformation des Königreiches führt dazu, dass nur noch diejenigen als Sklaven genommen werden, die dies auch wollen, und man sich daraus auch wieder entlassen kann. Teenager sind vorsichtshalber auch keine mehr dabei. Das Buch wird es nicht müde aus der Sicht der Meister zu sagen, wie sehr sie doch ihre Subjekte lieben, aus Sicht der Sklaven wie sehr sie es genießen sich in die absolute Selbstaufgabe zu ergeben.

Doch ein wenig ans Eingemachte geht es halt dennoch. Ein Sklave in diesen Büchern wird mehr als Lustobjekt und menschliches Haustier behandelt. Mund nur aufmachen, wenn man die Erlaubnis dazu erhält. Keine Privatsphäre, sondern von Hausdienern gewaschen und gestriegelt. Regelmäßige Haue, damit die Bäckchen das perfekte Rouge zeigen. Als in Zaumzeug gefasstes und mit Analplugschwanz versehenes Pony den Wagen der Königin durch die Straßen ziehen. In aller Öffentlichkeit als Statue oder anderweitige Deko herhalten dürfen. Dem Buch fehlt es definitiv an Romantik und Intimität, egal zu wie vielen zärtlichen und weniger zärtlichen Intimitäten es kommt, egal wie sehr die Bindung zwischen Dom und Sub zunimmt. Beauty’s Kingdom ist und bleibt zuvorderst Porn und bietet wenig mehr.

Weswegen es mich auch ausnahmsweise Mal nicht gestört hat, dass die Modern-Rice-ige Problematik auch hier zu finden ist: Alle Leute sind so unglaublich nett. Es kommt zu keinen wirklichen Problematiken und Auseinandersetzungen, weil dafür sich alle zu sehr mögen und zu viel Respekt voreinander haben. Die einzigen Friktionen, zu denen es im Buch kommt, sind nicht narrativ, sondern nur die von Fesseln auf nackter Haut oder die von Körper ineinander. Das passt soweit, als man das Buch als einzelne lose zusammenhängende Episoden mit Einblick in diese Welt sehen will, die von Erotik und Sex dominiert ist. Ein Lustgarten von einem Königreich, fern ab der Realität, auch wenn die hiesige Welt ein etwas seltsames Gemisch aus Dornröschen-Fantasie und dann doch Referenzen zu realen Ländern ist.

Die Tatsache, dass jedes Kapitel aus dem Blickpunkt eines anderen Charakters geschrieben ist, hilft dann auch der Abwechslung weiter, statt wie die vorige Trilogie sich stark auf einen oder wenige zu fokussieren. Das hat für mich das vierte Buch kurzweiliger gemacht als die Vorgänger, was ihm gut bekommt, als kurzes Ab- und zeitiges wieder Auftauchen in die Welt der fiktiven Körperflüssigkeiten.

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House of Secrets

House of Secrets, der Beginn einer Trilogie (was auch sonst) an Kinderbüchern, ist von Chris Columbus in Verbindung mit Ned Vizzini geschrieben, der ihm bei seinem Buchdebüt ein wenig unter die Arme greifen sollte. Geschrieben hat Chris Columbus auch schon früher, denn das ist genau der Chris Columbus, der Drehbuchschreiber/Regie/Produzent diverser bekannter Hollywood-Hits wie Goonies, Kevin allein zu Haus, Mrs. Doubtfire und die ersten beiden Harry Potter war, genau wie einiger Nieten wie Pixels oder Fantastic Four.

Die Walkers hatten in letzter Zeit nicht gerade Glück. Nach einem mehr als merkwürdigen Vorfall hat der Vater den Posten als Arzt in einer renommierten Klinik verloren, so dass sie sich nicht mehr den Lebensstandard leisten können, den sie gewohnt sind. Eleanor, die Kleinste der drei Kinder, bekommt nun leider doch kein Pferd. Und das bisherige Haus mussten sie auch aufgeben und sich in einem kleinen Apartment mit Fast Food begnügen. Das Leben ist hart. Doch praktischerweise bietet ihnen die Maklerin ein herrschaftliches Haus in bester Lage an der noblen Bucht von San Francisco zu einem Spottpreis an – ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Die Kartons sind noch nicht richtig ausgepackt, die PSP hat ihren ersten Akku noch nicht verbraucht, die Kleine hat noch nicht nach einem neuen Pferd verlangen können, da kommt auch schon eine alte Schrulle ins Haus, klagt die Walkers an das Leben ihres Vaters, dem das Haus gehört, zerstört zu haben, outet sich als Windfurie, und beschwört einen Wirbelsturm herauf.

Der bringt die drei Kids mitsamt des Hauses in eine fremde Welt. Und zwar einer, die aus den Büchern des ehemaligen Hausbesitzers Denver Kristoff zusammengebastelt ist. Der hat irgendwo hier angeblich das Buch des Verderbens und Verlangens versteckt, welches ihm magische Kräfte verlieh, das er allerdings von seiner Tochter Dahlia, der Windfurie, ferngehalten hat. Die braucht jetzt die drei Walker-Kinder, um das Buch für sie aufzustöbern, im Austausch sie dafür wieder in die reale Welt zu ihren Eltern zurückzubringen.

Wer jetzt natürlich direkt an die Tintenwelt-Bücher von Conelia Funke denkt, bei einem Werk, in dem zumindest die älteste Tochter Buchbegeistert ist, und in dem sie (mit Anhang der jüngeren) in die Welten zwischen den Seiten gezogen wird, dort teils grausige Abenteuer erlebt und die Charaktere der Geschichten Hautnah vor sich hat, und ihre Eltern wieder zurückhaben will… Nun ja, House of Secrets ist durchaus erst weit nach Tintenherz erschienen, jedoch angeblich bereits als Idee 1999 gekeimt, was ein paar Jahre vor Funke wäre.

Ursprünglich war House of Secrets nämlich als Script für einen Film gedacht, welches allerdings nie realisiert wurde, so dass Columbus Jahre später frisch vom Regiestuhl der Harry Potters inspiriert ein Kinderbuch draus machte. Das erklärt vielleicht auch die sehr filmische Struktur, welche für ein Buch schon teilweise etwas arg kurz wirken mag, sowie der doch sehr starke Fokus auf Action. Die Welten, in denen sich die Kids nun bewegen, werden kaum erklärt. Die Charaktere an sich bekommen eher nur die nötigsten Hintergründe, um sie sympathisch aber dennoch fehlerhaft wirken zu lassen, also als nötige Identifikationsfiguren der Leser herhalten können, bzw. um sie interessant oder fies genug wirken zu lassen. Und tatsächlich kommen die Kids kaum zum Verschnaufen, bis ein neues Monster auftaucht oder sie von Piraten überfallen werden, lebendig gewordene Skelette sie malträtieren etc. Das wirkt doch sehr nach Drehbuch „Wir sind X Seiten ohne Spektakel gewesen, ab Minute Y brauchen wir spätestens wieder eines, damit uns das junge Publikum in den Kinosesseln nicht einnickt“.

Ein wenig bemüht wirkt die Jugendlichkeit des Buches zudem auch. Chris Columbus war immerhin schon über 50 und sein Co-Author auch in den 30ern. Egal wie kritisch und verängstigend die Situation, in der sich die drei Kinder gerade befinden, auch sein mag – und das Buch ist schon relativ brutal für seine Zielgruppe geraten –, so haben die doch immer sofort einen flapsigen Spruch auf den Lippen. Cordelia ist nach Buffy benannt, ihr Bruder zockt auf der PSP… viele „das ist doch das, was Kids heutzutage so mögen“-Referenzen wirkten auf mich etwas bemüht, aber ich kann natürlich nicht dafür sprechen, dass es bei der Zielgruppe, zu der ich schon lang nicht mehr gehöre, nicht doch angekommen ist.

Einen zweiten Harry Potter oder Tintenwelt haben wir hier auf jeden Fall nicht, dafür ist das Buch eindeutig nicht dicht und gut genug ausgearbeitet. Als schnell runtergelesenes Abenteuer funktioniert es allerdings dann doch gut genug, gerade für eine junge Zielgruppe. Immerhin vergehen wie gesagt nie viele Worte, bevor wieder was Spannendes geschieht und es liest sich schnell mal von der Leber weg. Ich hätte mir aber etwas mehr Fleisch am Knochen gewünscht.

Everneath

Die Betitelung von Young Adult Paranormal Romance zwischen den Regionen ist schon eine sehr interessante. In den USA zählte hier eine Zeit lang den Titel möglichst kurz zu halten, am besten ein prägnantes Wort alleinstehend, dazu ein mehr oder weniger abstrakt-simples Coverdesign, dass mehr Klasse hinter dem Einband vermuten lässt, als dann wirklich drin steckt. In Deutschland dann kommen aufs Bild blumige Ornamente, Frauengesichter mit Kusslippen und dazu ein lang-blumiger Titel. Aus einem Twilight wird ein Biss zum Morgengrauen. Aus einem Cinder wird Wie das Blut so Rot. Selbst die Wiederauflage von Anne Rices Vampirromanen wie Armand und Merrick dürfen sich Der Duft der Unsterblichkeit und Das Blut der Verführung schimpfen.

So auch Everneath von Brodi Asthon, die genau wie ihre Bücher nicht relevant genug ist, um auf dem amerikanischen Wikipedia einen Eintrag zu erlangen, aber doch gelesen genug wurde, um eine Trilogie draus zu machen. Weil was ist in der Sparte heutzutage denn keine Trilogie? Deutscher Einband wieder absolut nach Schema F: Blasses Frauengesicht mit rotem Kussmund, Blattwerk und Granatapfel als Abwandlung von Blüten, Photoshop-Verzierungen, und der Titel Ewiglich die Sehnsucht.

Warum hab ich’s gelesen? Weil es irgendwann bei Amazon mal umsonst fürs Kindle rausgehauen wurde, und deswegen in dem Ordner mit den anderen Gratis-Kram gelandet ist. Und ein Buch, welches man hat, soll irgendwann doch auch mal gelesen werden. Abgesehen davon ist es ja nicht so, dass ich mich im Genre nicht ein wenig auskenne, dumm-verklärte Romantik kann auch was für sich haben.

Ashton wollte wohl kreativ sein, aber doch nicht zu weit springen, um nicht zu verfehlen, was auch immer Twilight so beliebt gemacht hatte. Denn auch in ihrem Buch geht es um Unsterbliche, die sich von der Energie normaler Menschen nähren. So richtig Vampire sind es nicht. Stattdessen wird hier mehr ein altägyptischer Totenkult angerissen, sowie die Unterwelt aus Philosophie und Poesie. Orpheus und Eurydike sind zentrales Thema, weil so schön tragisch romantisch.

Das Buch beginnt zumindest damit, dass Nikki wieder zurück ist, nachdem sie für Monate verschwunden war. Sie ist ausgezehrt und hat Gedächtnislücken und jeder geht davon aus, dass sie was mit Drogen zu tun hatte, was natürlich besonders ihr Vater, Bürgermeister des kleinen Touristenortes, nicht so geil findet. Was wirklich geschehen ist, ist das Nikki mit dem Ewiglichen Cole ins Ewigseits gegangen ist (Terminologie des Buches), und sich für 100 Jahre hat Energie aussaugen lassen, damit er 100 Jahre weiterhin jung bleiben kann. Doch Nikki ist, wie sich das für diese Bücher gehört, ganz besonders speziell, denn sie ist nicht gealtert und ausgebrannt wie es die Spender normalerweise sind, und hatte das Verlangen in ihr Leben zurückzukehren. Wenn auch nur für kurze Zeit. Denn Spender müssen in die Tunnel gehen, um das Ewigseits weiterhin wie eine Batterie mit Energie zu speisen, ihre Tage, bis sie von den Schatten geholt wird, sind also gezählt.

Aber wie immer in diesen Büchern beginnt und endet das Leben natürlich mit Mann. Nikki ist nicht zurückgekehrt, um bei Vater und kleinem Bruder sein zu können, nachdem sie die nach dem Tod der Mutter verlassen hat, auch wenn sie das mal erwähnt. Nein, Nikki macht wesentlich klarer, dass sie eigentlich zurück ist, weil sie noch an ihrem Boyfriend Jack hängt. Der auch der einzige Grund ist, warum sie die Zeit überstanden hat und sie selbst geblieben ist, nämlich in dem sie immerzu an ihn und eine Rückkehr zu ihm dachte. Auch ist Jack der Grund, warum sie überhaupt freiwillig mit Cole ging, wie wir später herausfinden, da sie annahm, dass der Star-Quarterback und ehemalige Man-Whore sie mit einer Cheerleaderin betrogen hat. Was natürlich ein Missverständnis war, wie sich das jeder denken kann, denn Jack ist ja eigentlich perfekt, wie sich das in diesen Büchern gehört.

Cole ist aber auch an Nikki interessiert und versucht sie dazu zu überreden, mit ihm wieder ins Ewigseits zu gehen. Er würde sie vor dem Schicksal in den Tunneln retten, wenn sie dafür mit ihm einen Coup gegen die Königin startet, um das Reich regieren zu können. Weil Nikki ja, wie sich das in diesen Büchern gehört, so besonders ist. Und so ein wenig mehr, als nur politische Macht, sondern auch eine Beziehung mit ihr, scheint sich Cole auch zu erhoffen, damit wir ein Liebes-Dreieck aufbauen können, wie sich das in diesen Büchern gehört.

Das größte Problem von Everneath ist dabei jedoch, dass es sich auch die Struktur von Twilight abgeschaut hat. Nikki ist so selbstlos bis hin zur Selbstzerstörung, dass dank ihrer Passivität eigentlich für 80% des Buches mal so gar nicht wirklich was passiert, bis sie sich dann (wegen/für Jack, weswegen auch sonst) doch aufrafft für ihr Leben kämpfen zu wollen und für die letzten 20% des Buches in den Plot einzusteigen.

Final Cut

Deutschland ist das Land er Thriller und Krimis. Wer sich auf dieses Genre versteift, kann glaube ich schon ganz gut Geld machen. So auch der seit 2010 in diesem Fahrtwasser schwimmende Veit Etzold, bei dem man sich nur die Covergestaltung der Bücher ansehen muss, um sofort zu wissen, an welche Hausnummer man geraten ist. Final Cut von 2012 ist dabei sein erster Roman in der Reihe um die Hauptkommisarin Clara Vidalis in Berlin, denn wenn sich das Genre für eines anbietet, dann dafür einen Fixpunkt via Kriminalisten zu erschaffen, und eine ganze Reihe an Fallbüchern zu jenem darzubringen.

So einer muss natürlich immer mit ein wenig seelischem Gepäck daherkommen. Im Falle von Clara Vidalis ist dies, dass ihre kleine Schwester entführt, vergewaltigt und ermordet wurde. Da war Clara noch ein Teenager und natürlich ausgerechnet diejenige, welche die Schwester von der Schule abholen sollte, aber wegen null Bock nicht aufgetaucht war. Vergeben hat sie sich das nie, geht an deren Todestag jährlich zur Beichte, und wurde Kriminalbeamtin, um weitere Perverse jagen und zur Strecke bringen zu können.

Und dann bekommt sie eine persönliche Nachricht von jemandem, der sich der Namenlose nennt. Ein nettes Video einer Frau, die zunächst vorlesen darf, dass sie bereits die Dreizehnte und sicherlich nicht die Letzte ist, und dann umgebracht wird. Die Wohnung des jungen Mädchens ausfindig gemacht, liegt jene dort mumifiziert vor. Es ergibt sich ein erstaunlich berechnendes Bild. Der Täter kommuniziert über Dating-Börsen mit jungen Mädchen, die er dann umbringt, so vermummt das er kein Haar oder Hautpartikel hinterlässt. Anschließend ausgeweidet und Totenkäfer in der Wohnung hinterlassen, mumifizieren sie schnell genug, als das im anonymen Berlin kein Nachbar auf die Idee kommt, sie könnten tot sein, da es zu keinem Leichengestank kommt. Währenddessen deren soziale Plattformen über den Laptop, den man sich angeeignet hat, weiterhin mit Posts von spontanen Reisen etc. füllen, und kein Bekannter kommt auf die Idee, sie können bereits tot sein.

Was sich in diesen Büchern immer gut macht, und was natürlich sowieso klar sein sollte, wenn sich der Killer direkt an Clara wendet, ist, dass die beiden eine Verbindung zueinander haben. Eine, weswegen der Killer sie auserkoren hat, über sein Meisterwerk Schau zu halten. Während der Killer selbst Gepäck mitbringt, welches ihn zu dem machte oder zumindest auf diese Art und Weise morden lässt, wie er das tut. Aber damit ist es Final Cut noch nicht genug.

Mit Shebay geht nämlich auch noch eine neue Sendung im Reality TV an den Start. In dem sich junge Mädels für den schnellen Ruhm im wahrsten Sinne des Wortes raushuren. Denn während das Free TV nur die Sendung überträgt, in welcher der Moderator die oberflächlichen Damen etwas zur Belustigung der Zuschauer vorführt, und die dann entscheiden dürfen, wer eine Runde weiterkommt und am Ende Miss Shebay wird, kann im Internet auf die Favoritin getippt werden, und wird sie es dann, muss sie mit einem der Bietenden ins Bett gehen.

Die Oberflächlichkeit des Lebens im virtuellen Raum, die Anonymität in Großstädten, Selbstprostitution über Fernsehshows, dazu Mord, Mumifizierung, etwas Kinderschändung und Nekrophilie. Obwohl alles letztendlich miteinander zusammenhängt, mag man manchmal das Gefühl bekommen, Final Cut verliert immer wieder den Fokus und es wäre besser gewesen, sich auf ein wenig weniger zu beschränken. Das Buch ist flott genug geschrieben, die Kapitel kurzweilig genug, als dass man auch am Ball bleiben würde, wenn es sich nicht permanent was Neues aus dem Ärmel schütteln wollen würde. Oder die ganze Sache hätte etwas komplexer und länger werden müssen. So kämpft etwas viel um Aufmerksamkeit und Atemluft. Nichtsdestotrotz ein ganz unterhaltsames Schmökern.

Clockwork Princess

August, September und… Februar. Ich kann nicht behaupten, sonderlich schnell durch Cassandra Clares Trilogie an Infernal Devices, dem Prequel zu ihrem sechsteiligen Mortal Instruments, gekommen zu sein. Zugegeben habe ich mir nach dem zweiten Buch auch eine Pause gegönnt, gleichzeitig aber auch ewig gebraucht, um damit fertig zu werden, nachdem ich es angefangen hatte.

Mal sehen, ob ich noch zusammenbekomme, worum es geht. Tessa ist Teil des London Institutes, nachdem sie wegen ihrer Gestaltwandler-Fähigkeit ins Auge von Bösewicht Mortmain geraten ist, wo sie von den Shadowhuntern beschützt wird. Dabei hat sie sich in Will verguckt, der ein Arsch zu allen war, aber nur weil er dachte verflucht zu sein, und das jetzt nicht mehr ist. Was aber zu spät war, weil dessen bester Freund Jem bereits um Tessas Hand angehalten und sie zugesagt hat, weil sie Jem eigentlich auch ganz schnieke findet. Ach ja und Automatons in Victorian England, aber wen interessiert schon irgendwas außerhalb des Liebesdreiecks?

Im hiesigen Buch finden wir heraus, dass Lightwood mit Mortmain zusammengearbeitet hat, aber sich über das für Shadowhunter heikle Faible für Dämonenweiber mit einem STD angesteckt hat, durch das er sich in einen gigantischen Wurm verwandelt. Weswegen Gabriel und Ghideon Lightwood ihren Vater umbringen müssen und nun heimatlos im Institut festhängen. Das hat wenig Auswirkung auf die Handlung, auch wenn sie immer mal damit flirtet, dass die beiden das Institut-Oberhaupt Charlotte verraten könnten, was sie dann aber doch nicht tun. Ihre wahre Rolle scheint zu sein, dass ja jeder Topf einen Deckel zu finden hat, und somit Ghideon mit der Hausmagd Sophie anbandelt, die auch schön am Ende wegen ihrer kämpferischen Verdienste in der Verteidigung des Instituts zur Shadowhunterin erhoben wird, damit die beiden gleichgestellt sind. Wusste gar nicht, dass normale Menschen zu Shadowhuntern ernannt werden können. Ich dachte dafür braucht man eine Engelsblutlinie und abgesehen davon sind Shadowhunter doch auch durch die Bank weg absolute Rassisten. Aber egal, Gabriel ist dazu da, damit Wills Schwester auch einen baldigen Ehemann bekommt. Ach ja, Wills Schwester wird auch Shadowhunter, statt bei den Eltern zu bleiben. Von daher ist vielleicht auch sie mehr Teil der Geschichte, damit Gabriel einen Deckel findet. So viel macht sie nämlich auch nicht von Relevanz.

Das Praktische am Liebesdreieck ist dann sowieso, dass Jem sterben wird. Da ihn die Droge, von der er abhängig ist, ohne die er aber nicht leben kann, dennoch langsam umbringt. Nur das dies jetzt gar nicht mehr so langsam ist. Und passenderweise kann er doch noch rechtzeitig herausfinden, dass Will und Tessa auch Gefühle füreinander haben. So kann er nämlich, großzügig wie er ist, den beiden seinen Segen geben, weil die sich sonst nie aus Respekt zu ihm zueinander getraut hätten. Eine weitere Klippe umschifft. Ach ja, und so richtig stirbt er eh nicht, sondern wird einer der Silent Brothers. Was bedeutet, dass er abgeschieden bei jenen lebt. Also können Will und Tessa zusammen sein, weil er aus dem Weg ist, ohne dass ihr bester Freund wirklich hätte sterben müssen. Damit sind wir gleich an der nächsten Klippe vorbei. Aber ein Mal pro Jahr treffen sie sich dennoch, damit man ihn nicht vermissen muss. Ich dachte ja echt, die Handlung würde sich was Besseres ausdenken. Wie beispielsweise, dass wenn schon alle so lieb und freundlich zueinander sind, jeder sein eigen Wohl für die Liebe des anderen zurückzustellen bereit ist und keiner je jemandem was Böses will… einfach eine polygame Beziehung daraus zu machen. Tessa mag beide Kerle, beide Kerle sind BFFs, warum sie nicht sehen lassen, dass dies die beste Wahl ist? Stattdessen ist Tessas Gerede darüber, dass sie beide gleichwertig liebt dazu da, dass sie mit beiden separat nacheinander enden kann.

Weil stellt sich heraus das Tessa diese besonderen Kräfte hat, weil sie ein Warlock ist. Da die aber nicht mit Nephilim, also Shadowhuntern, Kinder zeugen können, ist sie halt auch noch halb Shadowhunter. So kann sie mit Will enden, aber dennoch lang genug leben, um bis am Todesbett mit ihm zusammen zu sein, und am Ende des Epilogs immer noch jung und knackig auf Jem zu stoßen. Ebenfalls nachdem er kein Silent Brother mehr ist, noch jung und knackig und schon ist die zweite Liebe begonnen. Eigentlich fand ich es echt ein sehr schöner Einfall, dass der Epilog nicht mit einem „und dann lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ endet, sondern uns tatsächlich den Abriss des gemeinsamen Lebens von Tessa und Will gibt, eben bis wirklich das Ende ihrer Tage kommt. Das darüber hinaus mit Jem wirkt aber eher schwach.

An Biss fehlt es übrigens dem ganzen Buch. Wenn Mortmain also endlich Tessa in seinen Fingern hat, und das London-Institut auf Grund von Intrigen keine Unterstützung bekommt, somit die wenigen Shadowhunter unserer Hauptcharaktere alleine zu einer Rettungsaktion aufbrechen, die keine Chance auf Erfolg hat. Es stirbt keiner. Es wird nur hart gekämpft, es wirkt aussichtslos, und plötzlich verwandelt sich der mechanische Engelsanhänger von Tessa in einen echten Engel, weil die Seele von einem darin eingeschlossen war oder so, und darf den Bösewicht besiegen und alles ist gut. Ich kann es nicht wirklich ein Deus Ex Machina nennen, weil sowohl der Engelsanhänger an sich ständig über die Trilogie erwähnt wird, Tessa bereits mehrmals geschützt hat, und in Clockwork Princess auch bereits erwähnt wurde, dass ein Stück Engel darin verschlossen war. Aber so ein wenig die hohe Rettung aus dem Nichts war es doch irgendwie.

Ich habe echt so ein wenig das Gefühl, als wäre über die drei Bücher nicht sonderlich viel geschehen. Sondern eher eine Idee für ein simples Buch auf eine Trilogie gestreckt worden, in der viel Luft getreten wird. Vor allem, wenn sich die Autorin nicht traut, wirklich Zähne zu zeigen, sondern alle immer so unglaubliche Gutmenschen zueinander sein und bleiben müssen.

Of Gods and Warlords of Mars

Mit The Gods of Mars und The Warlord of Mars kommen wir zu den direkt aufeinander aufbauenden Büchern Nummer Zwei und Drei der Barsoom-Serie von Edgar Rice Burroughs. Erneut zunächst in einem Magazin als Serial gelaufen, später dann als Komplettbuch gedruckt.

Irgendwie hatte ich ja erwartet, dass John Carter uns die 10 Jahre, die er auf dem Mars erlebt hat, nach und nach in den Büchern erzählen wird. Immerhin ist A Princess of Mars sein erstes Abenteuer, welches nur für die letzten Seiten zehn Jahre in die Zukunft springt, an deren Anschluss er wieder zur Erde zurückkehrt. Das klang für mich so, als hätte man diese lange Zeitperiode gezielt offen gelassen, um diverse Abenteuer erzählen zu können.

Dem ist allerdings nicht so, The Gods of Mars setzt genau ans Ende des letzten Buches an, mit dem scheinbar Alterslosen Übermenschen an männlichem Musterexemplar John Carter, der scheinbar lange genug flehend in den nächtlichen Himmel gestarrt hat, um genauso unerklärlich wie beim letzten Mal plötzlich nackt auf dem Mars zu stehen.

Die Religion auf Barsoom wurde ja bereits im Vorgänger kurz angesprochen, welches häufig wie ein Logbuch wirkte, bei denen viele der eher trockenen Kapitel dazu gedient haben, die Besonderheiten des Lebens auf Barsoom kurz zu umreisen, statt das John Carter wirklich immer ganz so viel aktiv zu tun bekommt. Denn wenn die Marsbewohner das Leben überdrüssig werden oder ihr tausendstes Lebensjahr erreicht haben, gehen sie auf eine letzte Pilgerschaft. Den Fluss Iss hinunter in das gelobte Land, wo sie im Paradies von Issus, Göttin des ewigen Lebens, ankommen. Das Betreten des Tals ist für alle anderen verboten, und niemand kehrt aus dem Paradies zurück, sollte es doch vorkommen, wird derjenige als blasphemisches Freiwild angesehen.

In The Gods of Mars finden wir jetzt eben heraus, dass dies alles nur eine große organisierte Lüge ist. Die sich als heilig ansehenden weißen Marsianer kommen so eben zu ihren persönlichen Sklaven an roten und grünen Marsianern, die für deren Wohl sorgen dürfen, während sie für Göttin Issus beten und sonst keine Härten im Leben erfahren müssen. Aber selbst jene glauben daran, dass es ihre Göttin wirklich gibt, obwohl sie davon profitieren, dass das Paradies nur für sie eines ist. Tatsächlich haben sie ihr eigenes Todesritual, gehen weiter in die Abgeschiedenheit, um von Issus aufgenommen zu werden, nur damit wir später im Buch herausfinden, dass auch dies nur eine Lüge ist, und die erstgeborenen schwarzen Marsianer diejenigen sind, die zusammen mit Göttin Issus am Meeresgrund leben und sich ebenfalls von Sklaven wie die alten Römer bedienen und bespaßen lassen. Und selbst jene denken immer noch, dass die unter ihnen wandelnde Issus eine unfehlbare Gottheit ist.

Das Buch mag fast so wirken, als wäre Edgar Rice Burroughs ein Atheist, der dem Glauben sehr skeptisch gegenübersteht. Scheinbar ist dem allerdings nicht so gewesen, sondern Burroughs war nur der organisierten Religion gegenüber wenig zutraulich. Sein Standpunkt hier ist nicht zwangsläufig, dass es keine Götter gibt, obwohl sich Issus als Scharlatan herausstellt, sondern das die Kirchen darum reine Schmarotzer sind, welche die breiten Massen systematisch ausnutzen.

Macht die Sache ja schon fast interessant! Wenn doch der Rest des Buches nicht wieder so eine unreflektierte Heldensaga wäre. John Carter hat immer recht. John Carter ist immer der Beste. In John Carter verliebt sich alles auf den ersten Blick, was eine Vagina hat. Nur diejenigen, die sich von John Carter einfach überzeugen lassen, sind die wahrhaft Tugendhaften. Und einen Sohn hat der Kerl jetzt auch noch, der prompt ebenfalls das tollste Stück Mannfleisch ist, dass je aus einer Gebärmutter gekrochen kam. Selbst den dämlichen Supersprung seines Vater kann er, was noch nicht mal Sinn ergibt. Das ist ja nicht genetisch, sondern Carters Fähigkeit wurde damit erklärt, dass seine Erden-Muskeln eine höhere Anziehungskraft gewöhnt sind, und deswegen auf dem Mars so übermächtig erscheinen. Seine Lendenfrucht ist allerdings auf dem Mars geboren und aufgewachsen, wie kann der dann die gleichen Kräfte entwickeln?

Die Geschichte geht übrigens direkt in The Warlord of Mars weiter, denn am Ende von The Gods of Mars wird Deja Thoris, die Ische von John Carter, gefangengenommen. Und nun geht es halt darum, die Welt bzw. den Mars zu bereisen, um sie wieder zu befreien. Nachdem Carter zurück in Helium das Problem hat, dass er dort als Häretiker gebrandmarkt werden soll, weil er die Weltreligion von Barsoom gestürzt hat.

Und wirklich so wahnsinnig viel von Interesse geschah für mich ehrlich gesagt nicht. Weil die Bücher so unreflektiert sind. Hier reist John Carter eben an den Nordpol, weil dies das letze abgeschiedene Gebiet ist, in dem er noch nicht sein Unwesen getrieben hat. Wo er prompt auf die gelben Marsianer trifft, um das Faible der farbig kodierten Rassen auf dem Planeten um einen weiteren Ton zu erweitern. Braucht nicht mehr viele total unbekannt-abgeschieden lebende Völker, um den Regenbogen voll zu haben.

Die sind natürlich kriegerisch und ablehnend und all das. Weswegen sich John Carter, der viel zu ehrenvoll ist um jemals eine Lüge auszusprechen, aber kein Problem damit hat, Dinge zu verschweigen oder Leute auf den falschen Gedanken zu verleiten, sich dort einschleichen muss. Wo er prompt wieder einen Verbündeten gewinnt, der so viel besser ist, als der Rest seiner Rasse, schon alleine deswegen, weil er John Carter von Beginn an metaphorisch die Füße küsst.

Am Ende hat er dann nicht nur in The Gods of Mars seinen Sohn und die Bewohner von einer tyrannischen Religion befreit, sondern in The Warlord of Mars auch seine Prinzessin von Helium, sowie deren Vater, und alle Rassen von Barsoom in ein friedliches Miteinander gebracht. In dem er alle umgebracht hat, die sich über die drei Bücher hinweg dem in den Weg gestellt haben. Als größte Ehre geben natürlich alle Könige der verschiedenen Mars-Völker gern einen Teil ihrer Macht an den Übermenschen von John Carter ab, und ernennen ihn zum Titularen Warlord des ganzen Mars.

Ich glaube ein Problem für mich mit den Büchern ist einfach auch, dass sie aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Es ist nervig genug, dass John Carter ein unfehlbarer Supermann ist, der höchsten zum Gute anderer vor einer heroischen Tat zurückschrecken würde. Aber durch diesen Ton ist es auch noch er selbst, der sich so stark beweihräuchert, was es noch Mal ein Stück weniger erträglich macht. Vor allem wenn man die Bücher daher böswillig auf die Narration „Ich weißer Amerikaner kam in eine fremde Welt Farbiger, war viel besser und schlauer als alle dort, und nachdem ich heroisch alle Feinde eigenhändig erschlagen habe, liebte mich das Volk so sehr, dass sie mich zu ihren rechtmäßigen König erhoben haben“ runterbricht.

The Bloody Red Baron

Das 1995 von Kim Newman geschriebene The Bloody Red Baron ist der zweite Eintrag in dessen alternative Historie um Anno Dracula. Schon irgendwie ein Sequel zum der Serie gebenden ersten Buch, aber dennoch eine ganze Ecke davon entfernt, spielt es doch gut 30 Jahre später. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges, wie man sich ob des Titels sicherlich bereits denken konnte.

Um es noch mal kurz zu Rekapitulieren: Die Welt von Anno Dracula ist im Prinzip wie die von True Blood, nur nicht in der Moderne spielend. Sprich Vampire leben relativ normal in der menschlichen Gesellschaft. Der Vampirismus ist hier sogar recht en vogue, es beispielsweise chic in noblen Familien ihre Nachkommen in der Blüte ihrer Jugend zwischen 18-20 von einem Vampiralten wandeln zu lassen. Kim Newman ist es aber nicht satt, einfach Vampire in reale Geschichte einzubauen, sondern nimmt sich auch gern fiktiven und hab-fiktiven Charakteren an. Anno Dracula spielte beispielsweise in einem viktorianischen England, in dem die Ereignisse von Bram Stokers Dracula (welches als Roman weiterhin existiert) geschehen sind, allerdings mit dem Sieg Draculas ausgingen, der anschließend die Queen ehelichte und England regierte.

Am Ende des Buches war er besiegt und vertrieben. Jedoch eröffnet uns The Bloody Red Baron, dass er in den folgenden drei Jahrzehnten zunächst den Vampirismus in der russischen Zarenfamilie verbreitete, und letztendlich in Deutschland landete, wo er nun mit dem Kaiser den Ersten Weltkrieg angezettelt hat. Welcher durch die Kampfflieger ganz neue Züge annimmt. Zu denen auch der Rote Baron gehört, den es tatsächlich auch gab, um den tatsächlich in der deutschen Kriegspropaganda ein unglaublicher Heldenmythos aufgebaut wurde, und von dem es tatsächlich die Biographie Der Rote Kampfflieger gab.

In der Welt von Anno Dracula hat er diese allerdings nicht selbst verfasst, sondern sich die Deutschen den zum Vampir gewandelten und in den jüdischen Slums Prags dahin siechenden Edgar Poe – Allen hat er sich nach dem Wandel streichen lassen – geschnappt, der nun die Einsätze vom Jagdgeschwader 1 beobachten und Interviews mit Richthofen führen soll, um dessen Der Rote Kampfflieger für ihn zu verfassen.

Auf der Seite der Alliierten hingegen steht beispielsweise unser Hauptcharakter aus Anno Dracula, Beauregard, der nun nicht mehr mit seiner Vampirin aus jenem Buch zusammenlebt. Der überwacht allerdings nur die britischen Kampfvorbereitungen für den Diogenes Club. Tatsächlich folgen wir allerdings wesentlich häufiger seiner Freundin und selbst Vampirin Kate, und dem in die Militärhierarchie hineingeratenden Edwin, die beide stark verändert aus den Grauen des Krieges herauskommen werden.

Weiter munter eingebaut ist die verführerische Spionin Mata Hari, Churchill als Vampir, die beiden Doktoren Caligari und Moreau, und ein auch hier schwuler und schnell toter Friedrich Murnau, und so einige mehr. Es ist immer wieder interessant, wenn man über einen bekannten Namen stolpert, den es entweder wirklich gegeben hat oder aus bekannten Geschichten stammt, und wie Newman jene in seine Geschichten eingebunden hat.

Was mich bei den Büchern immer wieder einnimmt ist, wie dicht sie doch geschrieben sind. Denn eigentlich geschieht über weite Teile, bis es im Finale dann in der Kaiserschlacht passend Schlag auf Schlag geht, gar nicht ganz so viel. Stattdessen wird viel geredet, wobei uns vor allem die Welt und die involvierten Charaktere nahegebracht werden. Das ist aber doch so reichhaltig geschrieben, dass man dennoch vollkommen satt aus einem Kapitel heraus kommt. Abgesehen davon ist es natürlich sowieso vorteilhaft, einen Krieg aus Charakter-individueller Sicht zu schreiben, um die Hierarchien dahinter, die involvierten Ideologien, wie jene später angegriffen werden, und das allgemeine Chaos in der Schlacht, wiedezugeben. Das gibt The Bloody Red Baron, trotz der pulpigen Alternative History, in dem es spielt, sogar etwas mehr Klasse, als Anno Dracula hatte.

Clockwork Prince

Mit Clockwork Prince kommen wir also nun zum zweiten und Mittelteil der Infernal Devices um die Gestaltwandlerin Tessa, die bei den Shadowhunter-Nephilim im viktorianischen London untergekommen ist, die gegen den Magister und seine Steampunk-Roboter kämpfen müssen, während sie zwischen den Gefühlen für Jem und Will pendelt.

Wow, Leute, ich habe das Buch gerade erst beendet, und auch nicht gerade über den Verlauf von Monaten nur in Stücken gelesen, aber ich weiß schon kaum noch, was überhaupt darin geschehen ist. Ist überhaupt was geschehen? Ich meine die Mitteilteile von Serien, die von Anfang an als Trilogien angelegt sind, haben ja immer etwas den Ruf, dass die Handlung hier am Schwächsten ist, weil weder Beginn noch Ende vorliegt, und im Zweifelsfall eben auch einfach etwas Luft getreten wird, um die Sache zu strecken. Aber hier ist das echt mal sowas von extrem gewesen.

Dann wiederum gibt es Sachen, von denen man denken sollte, dass sie wesentlich weitläufiger angelegt sind, aber erst hier angesprochen und bereits erledigt werden, besonders wenn es um die Charakterhintergründe geht. Beispielsweise finden wir hier heraus, dass Will nicht so ein zynischer Arsch zu allen ist, weil das eben seinem Charakter entspricht, oder weil Bad Boys mit weichem Kern der absolute Stereotyp für das Love Interest in Young Adult Romances darstellt, oder weil die Love Interests in einem Buch von Cassandra Clare immer ein solcher sind. Nein, er ist verflucht, und jeder der Zuneigung zu ihm zeigt wird sterben, und deswegen stößt er alle Leute zu deren eigenem Besten von sich, und eigentlich ist er innerlich total allein und emotional verkrüppelt und buhuhu CRAWLING UNDER MY SKIN. Das hätte man eventuell schon mal zur Hälfte oder zumindest gegen Ende des vorigen Buches erwähnen können, statt erst hier, wenn es auch schon aufgelöst wird. Wie alles im Buch übrigens ganz typisch.

Es gibt keinen Fluch, Will wurde nur von dem Dämon hinters Licht geführt, und er hätte die ganze Zeit eigentlich der von allen geliebte Gutmensch sein können, der er innerlich eigentlich gern wäre. Das war genau so zu erwarten, weil es so natürlich dramaturgisch am interessantesten ist. Und sobald uns klar ist, dass Jem langsam so richtig auf Tessa abgeht, und Will nun keinen Grund mehr hat seine Wahre Liebe (TM) von sich zu stoßen, dass Jem und Tessa anbandeln werden. Damit es noch ein weiteres Buch lang Suspens geben darf, weil weder Will noch Tessa jemals Jem verletzen wollen würden. Und mit jemandem zusammen zu sein, obwohl man jemand anderen liebt, nur aus der Obligation des Versprechens, als man dachte keine bessere Option zu haben, ist doch so viel liebevoller, als demjenigen gegenüber ehrlich zu sein. Außerdem stirbt Jem ja eh ziemlich bald an seiner Krankheit, die sicherlich total und absolut nicht bis zum Ende der Reihe noch geheilt werden wird, und mit deren Heilung eventuell auch für diesen Topf ein neuer Nicht-Tessa-Deckel abfallen wird, also können die beiden ja notfalls die Situation auch einfach auswarten. Apropos, Sophie findet natürlich prompt einen neuen Deckel, an dem Tessa nicht interessiert ist, damit es da keine Probleme gibt.

Ach ja, ein wenig Handlung gibt es dazwischen auch überhaupt und so. Erneut hauptsächlich insular hier im Buch. Oder auch nicht. Wir finden heraus, warum Mortmain überhaupt die Shadowhunter so scheiße findet, dass er zum Unterweltsboss aufsteigt, nur um denen zig Jahrzehnte später eins reinzuwürgen. Nate, der mit dem fiesen wie offensichtlichem Reveal gegen Ende des letzten Buches, dass er eigentlich mit besagtem Bösewicht zusammenarbeitet, ziemlich narrativ überflüssig geworden ist, wird hier umgebracht, damit der Ballast weg ist. Was Tessa nun genau für eine Downworldlerin ist, ist immer noch nicht geklärt, sondern darf weiter im Suspens bleiben, wobei eigentlich klar ist, dass sie halb Nephilim halb Downworlder ist, nur noch eine große Eröffnung gemacht werden muss, wie das über ein spezielles Rosemary’s Baby Ritual überhaupt möglich war. Wahrscheinlich will Mortmain sie deswegen so sehr, sie sind verwandt oder durch das Ritual aneinander gebunden oder so ein Mist. Das Institut soll eigentlich an die Lightwoods gehen, nachdem am Ende des letzten Buches so viel schief gelaufen ist, welches wohl halbherzig als Story Arc für diesen Band herhalten soll, und am Ende dann auch beseitigt wird.

Die Meh-Reihe, die mit einem ersten Meh-Buch angefangen hat, ist auch im zweiten Buch ziemlich Meh, nur sogar noch mehr Meh als vorher.

A Princess of Mars

Edgar Rice Burroughs hatte definitiv ein interessantes Leben. Zunächst schien alles in trockenen Tüchern einer Karriere beim US-Militär zu sein, bis er auf Grund eines Herzfehlers aus dem Dienst entlassen wurde. Die anschließenden Jahre hat er sich mit mehreren Jobs rumgeschlagen, um seine Frau und zwei Kinder zu ernähren, ohne je der erfolgreiche Geschäftsmann zu werden, den er anstrebte zu sein. In seiner vielen Freizeit ließ er sich allerdings von seichten, in Magazinen Kapitelweise veröffentlichten, Groschenromanen berieseln. Was ihn motivierte selbst zu schreiben, denn wenn ein solcher Schund publiziert würde, könne er doch sicherlich genau so Geld verdienen.

Aus Burroughs wurde letztendlich nie der große Geschäftsmann, stattdessen allerdings ein erfolgreicher Autor, der zwischen seinem ersten in einem Magazin publiziertes Kapitel in 1912 bis zu seinem Tod in 1950 fast 80 Novellen schreiben sollte, darunter auch seine bekannteste Schöpfung Tarzan. Seine wohl zweitbekannteste Schöpfung hingegen ist wohl John Carter, der direkt aus dem ersten abgedruckten Roman Under the Moons of Mars entsprang, später als A Prince of Mars auch in einem Buch zusammengefasst erschienen. Und mit 10 weiteren Büchern folgend.

Ich gehe ja schon davon aus, dass ein Buch, welches vor über 100 Jahren geschrieben wurde, ein Stück weit antiquiert ist. Schon alleine durch die im Vergleich zum modernen Slang eher gestelzt klingenden Sprache, und natürlich durch den Wandel von Wortbedeutungen schlechthing – immer erneut ein Highlight, wie häufig freudig eingestellte Charaktere als „gay“ bezeichnet werden. Und auch wissenschaftliche betrachtet, wenn ein Mars bei einem Herrn Burroughs beispielsweise komplett mit Moos bedeckt ist. Ich meine klar, es gibt auch kein intelligentes Leben auf dem Mars, und schon alleine das ist die Hauptprämisse der Reihe, aber Fiktion, die in uns bekannten Gefilden angesiedelt ist, versucht sich normalerweise dennoch stärker in der Realität zu verankern. Ein 2012 geschriebenes Buch über ein Volk auf dem Mars würde sich zumindest stärker an die uns heutig bekannten Tatsachen halten, statt einen reinen Fantasy-Planeten daraus zu machen. Aber um 1900 war eben nur bekannt, dass der Mars eine weniger dichte Atmosphäre/Schwerkraft hatte, die beiden Monde ihn näher und schneller umkreisen, es Polarkappen gibt. Außerdem gab es noch immer die Theorie von Kanälen auf dem Mars, und darauf basierend eben, dass der Mars zwar eine sterbende, aber immer noch bewohnbare Welt ist. Und darauf stützt sich Burroughs hier.

Immerhin konnte man sich dadurch damals sowohl an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, und gleichzeitig seiner Fantasie noch freien Lauf lassen, weil eben nicht genug definitiv bekannt war. Barsoom, wie der Mars hier von dein Einheimischen genannt wird, ist also tatsächlich eine Fantasywelt. Ein Planet konstant bedeckt von Moos, mit den letzten Lebenserhaltenden Kanälen und Atmosphäre konstant haltenden Einrichtungen, um das Überleben der Völker zu garantieren, nachdem die großen Seen ausgetrocknet und die antiken Städte zu Ruinen verkommen sind. Den Bulk der Einheimischen macht das nomadisch lebende Volk der grünen Marsianer aus, größer als ein Mensch, mit zwei zusätzlichen Armen und Stoßzähnen ausgestattet. Ein kriegerisches Volk, sich den rauer werdenden Gegebenheiten des Planeten angepasst, und der Tatsache dass ein individuelles Leben nicht mehr viel bedeutet, gerade wenn die Lebensressourcen der Knappheit unterliegen und die Lebenserwartung bei fast tausend Jahren liegt. Ihnen gegenüber stehen die roten Marsianer, die fast nicht von einem Erdenmenschen zu unterscheiden sind und zivilisiert in ihren ummauerten Städten leben.

Und auf jene Bühne verschlägt es eben John Carter, einen jungen Mann aus Virgina USA. Genau genommen ist das Buch in Form einer fiktiven Biographie geschrieben, Carters Niederschrift über seine merkwürdige Reise nach Barsoom, gefunden von einem dies nun publizierenden Neffen. John Carter ist allerdings ein unerträglicher Mary Stue. Bereits im Einstiegsprolog erzählt uns der Neffe davon, was für ein perfekter Mensch er war. Gut gebaut, selbst in die Vierziger noch wie Mitte-Ende Zwanzig ausschauend, ein ehrenvoller Gentleman, ein mutiger Kämpfer im Militär, ein guter Freund, wegen seines Charisma sogar von den bei der Familie beschäftigen Sklaven geliebt (ein Moment, in dem die Antiquiertheit des Buches eher einen unangenehmen Moment hat).

Und auf Barsoom ist er der schiere Superheld. Da er ja höhere Schwerkraft seines Heimatplaneten Erde gewohnt ist, sind seine Muskeln einfach gewohnt so viel mehr leisten zu müssen. Er kann also dutzende Meter weit und hoch springen. Er kann sich selbst mit den doppelt so großen und als Krieger ausgebildeten grünen Marsianern im Kampf messen, ja sogar mehrere gleichzeitig mit Leichtigkeit niederstrecken. Er lernt die Sprache innerhalb von wenigen Tagen. Sein taktisches Denken führt zu fast unfehlbaren Plänen. Die Prinzessin von Helium, und schönste Blume der roten Marsianer, verliebt sich sofort Hals über Kopf in ihn. Während alledem versichert uns Carter natürlich beständig, dass er sich für absolut nicht besonders hält, dass all dies einfach in seinem Naturell liegt, oder an seiner Besonderheit als Erdenmensch auf dem Mars. Bescheidenheit hat er also auch noch zu bieten.

Ein perfekter und unfehlbarer Charakter ist allerdings auch ein sehr langweiliger Charakter. Und ein ziemlich nervtötender in einer von ihm selbst geschriebenen Biographie, in der er selbst es somit ist, der uns alle 3 Seiten von seinem Übermenschentum berichtet, und dabei auch noch ständig bescheiden zu klingen versucht. Und manchmal ist John Carter schlichtweg ein Psychopath, der ohne mit der Wimper zu zucken mordet, und ganze Völker auslöschen würde, um an seine geliebte Prinzessin zu kommen. Das Buch über bekommt man schon das Gefühl, dass einem John Carter ein Leben absolut nichts wert ist, wenn es sich nicht um einen seiner Freunde handelt.

Ein weiteres Problem ist der imperialistische Touch der Geschichte. Nach heutiger Sicht ist es immer ein wenig unglücklich eine Geschichte zu schreiben, in welcher ein weißer Mann in einer anderen Kultur auftaucht, und als Supermensch sofort allen überlegen ist und alle ihre Probleme zu schlichten weiß. Selbst wenn es sich auf dem Mars nicht um andere menschliche Völker handelt, sondern fiktive. Gerade wo die zwei oder drei Halbsätze über das Leben auf der Erde, die Sklaven oder amerikanische Ureinwohner erwähnen, auch eher unglücklich ausfallen. Die Stämme des Mars sind für Burroughs sicherlich Analogien zu in seinen Augen weniger zivilisierten Völkern auf unserer Erde gewesen. Durchaus auch Naturvölker, denn ein weiteres Kuriosum des Lebens auf dem Mars ist, dass im Prinzip jeder permanent nackt ist, abgesehen von Rang oder Kriegsehren bestimmenden, schmückenden Ornamenten, die aber nicht zwangsläufig viel bedecken müssen.

Um ehrlich zu sein hat mich A Princess of Mars weniger für sich selbst interessiert bekommen, als vielmehr dafür mir Disneys gefloppten Versuch anzusehen, dies hier in 2012 in eine Blockbuster-Fantasy-Franchise zu wandeln. Einfach um zu sehen, wie stark die den langweiligen Über-Hauptcharakter, die rassistischen Untertöne, die inakkurate Darstellung des Mars und der nonchalante Nudismus umgesetzt haben, um dies in einen familienfreundlichen Film nach modernen Gepflogenheiten zu wandeln.

Denn das Buch an sich, pulpig und kurz wie es ist, ist schon eine ziemliche Zeitkapsel aus vor 100 Jahren. Mehr als ein Wizard of Oz oder ein Alice in Wonderland, weil so viel mehr Weltanschauung mit durchsickert und der Hauptcharakter das damalige Idealbild einer männlichen Heldenfigur sein soll. Mittlerweile gelesen ist das Ding ehrlich gesagt ein wenig dämlich bis infantil. Und maßlos überholt.

Clockwork Angel

The Mortal Instruments mag mit dem sechsten Buch abgeschlossen gewesen sein, dies jedoch nur unter jenem Titel. Denn Cassandra Clare hat fleißig weiter geschrieben. Beispielsweise mit The Infernal Devices zwischen 2010 und 2013, also noch während sie die zweite Hälfte der Mortal Instruments schrieb, eine Prequel-Trilogie dahin gelegt.

Natürlich dreht sich die Handlung wieder um ein scheinbar normales Mädchen, welches in die Aktionen der Shadowhunter hineingezogen wird, nur diesmal in London zur Zeit des viktorianischen Englands. Und natürlich sind die hiesigen Shadowhunter frei aus den Familien der Mortal Instruments wie den Herondales und Lightwoods entommen. Unsterbliche bzw. langlebige Charaktere wie ein Magnus Bane dürfen auch mal für ein paar Seiten mit rumspringen. Ist ein wenig so, als hätte Clare Fanfiction zu ihrer eigenen Serie geschrieben.

Aber vielleicht ist sie einfach auch grundsätzlich nicht allzu einfallsreich. Denn die beiden Hauptprotagonisten sind denen aus den Mortal Instruments sehr ähnlich. Will ist eine schwarzhaarige Version des blonden Jace. Gut gebaut, hübsches Gesicht. Mit 17 gerade so nicht volljährig genug um sich voll bei den Shadowhuntern beweisen zu können. Sarkastisch und stößt Leute von sich, weil er einen dunklen Schatten auf der Seele hat TM, den wir hier noch nicht herausfinden, der aber sicherlich halb so wild und total mit genügen Liebe zu überkommen ist. Und bester und beschützender Kumpel zum einzig anderen jungen Shadowhunter im Institut.

Der ist Jem, und erfüllt die Rolle des Exoten. Im Gegensatz zu Alec ist er nicht schwul, dafür Halbchinese, in einer Ära, wo ausländisches Blut nicht hoch gewertet wird. Außerdem von irgendeinem Dämonenblut besessen, das ihn langsam umbringt. Und dessen Heilung wir sicherlich über die nächsten Bücher finden dürfen.

Die vielleicht mit Tessas besonderen Kräften zusammenhängt. So wie Clary als normales Mädchen lebte und plötzlich herausfinden musste, dass sie gar kein Mensch sondern Shadowhunter ist, zudem die einzigartige Kraft hatte neue Runen zu erfinden… so hat Tessa als normales Mädchen in New York gelebt, bis ihr Bruder nach dem Tod der sich um sie kümmernden Tante eine Einladung schickt mit ihm in London zu leben. Wo sie entführt wird und bevor die Shadowhunter sie befreien herausfinden muss, dass sie gar kein Mensch ist, sondern eine Gestaltwandlerin. Was sie zum einem Warlock machen würde, aber im Gegensatz zu ordinären Vertretern der Rasse hat sie kein sie als solchen identifizierenden Makel.

Natürlich darf sich die hitzköpfige Tessa in den rauen Will vergucken. Natürlich ist klar, dass dies erwidert wird. Natürlich dürfen sie nicht am Ende des ersten Buches schon miteinander enden, von daher darf nach hitzigem hin und her und will er oder will er nicht, Will die Sache brechen. Wahrscheinlich aus einem angeblich hehren Grund wie sie zu schützen oder was weiß ich. Ein wenig Anspielung das auch Jem sich in Tessa verguckt und sie ihn auch mag, gibt es zudem, aber wir wissen ja und das Buch macht auch so keinen so großen Hehl daraus, mit wem sie letztendlich enden wird.

Ach ja, Jessie als dritte Shadowhunterin im Institut gibt es auch noch, und sie darf Izzys Rolle übernehmen das einzige Mädel der drei und etwas selbstverliebt zu sein, aber letztendlich eine mehr als untergeordnete Rolle zu spielen. Wer interessiert sich schon für weibliche Rollen in diesen Büchern abgesehen von der Self Insert Hauptprotagonistin?

Und ja, Clare hat wieder mal ein Faible dafür, jedem einen Spitznamen zu geben, egal wie doof es klingt oder wie wenig der abkürzt. Nathaniel ist Nate, Theresa ist Tessa, William ist Will, Jessamine ist Jessie und James ist Jem (ugh).

Die Geschichte bleibt dabei auch ziemlich vorhersehbar. So viel, wie hier überhaupt geschieht, denn das hier ist eindeutig gestreckt, um eine Trilogie aus der Angelegenheit zu bekommen. Es sollte von Anfang an ziemlich klar sein, dass der lange verschollene Nate noch mal auftauchen wird, und in der Szene in der er offenbart wird auch schon vorher das er es ist, sowie das der noch was im Schilde führt. Dass der Einsatz am Ende eine falsche Fährte ist nur um die Shadowhunter aus dem Institut zu locken, ist auch sehr offensichtlich, so sonderlich schlau scheinen die jedenfalls nicht zu sein, Tessa fast alleine zurückzulassen weil in einer Nacht plötzlich ganz praktisch alles zusammen geschehen soll.

Wobei ich es ja schon etwas herrlich finde, dass der Bösewicht sich damit brüstet, wie einfach die Shadowhunter zu überlisten waren, weil sie Mundies unterschätzen. Mundane ist ja deren Name für normalsterbliche Menschen, und obwohl sie jene vor übernatürlichen Geschöpfen zu beschützen geschworen haben, sehen die Shadowhunter extrem auf jene herab. Eine Sache, die in den Büchern immer wieder aufkommt, deren Rassismus allerdings nie wirklich behandelt wird. Nett, dass sie das mal in den Arsch gebissen hat.

Ich würde ja gern etwas positiver klingen, und dass ich nun schon beim siebten Buch der Franchise angelangt bin, kann ja nicht nur Negatives bedeuten. Jedoch so richtig Begeisterung aufkommen wollte bei mir auch nicht, dafür ist alles zu gehabt und fällt zu sehr auf Klischees zurück.