The Iron Duke

The Iron Duke ist der erste Roman einer Reihe von Fantasy-Romance. Diesmal allerdings kein Young Adult, wobei da die Übergänge in der Regel eh fließend sind und sich eher daran festmachen, wie häufig und heftig die Sexy Times sind. Geschrieben wurde es von Meljean Brook, die so einige Bücher in ihrem Repertoire hat, welche aber in der Regel alle unbekleidete Sixpacks auf den Covern haben.

Die Geschichte spielt im viktorianischen England, allerdings mit dem Twist, dass wir zudem im Steampunk sind. Und sowieso in Alternative History. Denn „Die Horde“, a.k.a Mongolen, hatten Europa mit ihrer überragenden Technologie überrannt. Inklusive England, wo sie den Einwohnern Maschinen, „Bugs“, eingepflanzt haben. Diese hielten sie kräftig und gesund, allerdings auch absolut dem Sendesignal der Horde ausgeliefert. Um sie zu arbeitswilligen Sklaven ohne eigene Gefühle zu machen. Zumindest solange, bis Arbeiternachwuchs ranmusste, und ein anderes Signal ausgestrahlt wurde, welches alle in notgeile Raserei brachte. Der berüchtigte Pirat Rhys hat jedoch eines Tages im Alleingang den Sendeturm der Horde in die Luft gejagt und alle von deren Fremdkontrolle befreit. Jetzt leben die Engländer wieder selbstbestimmt. Unter ihnen auch Mina, die aus der Verbindung ihrer Mutter und einem Mann der Horde während des Brunfstsignals entstanden ist. Obwohl sie es also bei der Polizei weit gebracht hat, wird sie ob ihres mongolischen Aussehens vielerorts schlecht behandelt.

Natürlich bekommen wir diese Hintergrundgeschichte und die ganzen technologischen und historischen Besonderheiten dieser Welt nur so nach und nach erzählt. Das Buch an sich beginnt damit, dass Mina endlich von einer ihr lästigen Party (sie kommt aus verarmten Adelshaus) weg darf, weil es einen Todesfall zu investigieren gibt. Sie staunt nicht schlecht, als sie herausfindet, dass dies im Anwesen des Iron Dukes passierte, ehemaliger Pirat Rhys der durch die Befreiung Englands natürlich ordentlich Reichtum und soziales Ansehen erlangte. Oder besser gesagt es geschah in der Einfahrt, denn jemand hat einfach von einem Flugschiff aus dem Iron Duke eine Leiche vor die Haustüre geworfen. Dies führt bald zur Erkenntnis, dass irgendwer das ehemalige Flagschiff des Ex-Piratens, welches er der Royal Navy übergeben hatte, entführte und nun auf dem Schwarzmarkt eine Waffe kaufen will, die eine starke Bedrohung Englands werden kann. Der jüngere Bruder von Mina war dann noch ausgerechnet auf dem Schiff.

Rhys würde das eigentlich selbst regeln, kann sich aber nicht davon abbringen, Mina doch mitzuschleppen. Denn er hat sich auf den ersten Blick in sie verguckt. Was zunächst nur sexueller Besitzanspruch war, macht ihn über jede Zurückweisung Minas aus nur umso interessierter an der Person der charakterstarken Frau an sich. Mina hingegen könnte sich nie dem kernigen Supermann Rhys hingeben. Nicht wegen irgendwelcher Moralvorstellungen, die sind in der hiesigen alternativen Realität gar nicht viktorianisch. Nein es würde Mina und ihre Familie ins Rampenlicht rücken mit dem Helden Englands anzubandeln, und dies nur umso mehr Spott auf sie mit ihrem Hordenblut ziehen.

Natürlich verfallen die beiden einander. Und natürlich gibt es dann doch wieder dämliche Missverständnisse von beiden Seiten, die mehr ermüden denn der Spannung wirklich zugänglich sind. Wobei es interessant ist, dass The Iron Duke, obwohl es das erste Buch einer Reihe ist, als in sich abgeschlossen betrachtet werden kann. Kein offenes Ende, kein zwar abgeschlossenes Einzelabenteuer aber mit Aussicht auf mehr kommend. Das war immerhin nett. Umso weniger erklärt sich mir diese Verkomplizierung kurz vor Ende des Buches, wenn es die beiden eben nicht fürs nächste wieder auseinanderbringen sollte, sondern sie sich doch wieder versöhnen.

Der Rest der Romanze war so schlimm allerdings gar nicht. Was auch dadurch geholfen ist, dass The Iron Duke in erster Person geschrieben ist, jene Person aber zwischen Mina und Rhys hin und her springt. Deswegen wissen wir als Leser eigentlich immer, was deren Beweggründe und ihr Gefühlsleben ist. Das hilft vor allem dann, wenn Rhys ganz wie in Romance Lit üblich, zu Beginn auch stark übergriffig rüberkommen kann. So ganz Ok ist sein Verhalten immer noch nicht, aber es wird ein wenig relativiert, wenn bekannt ist, was dahintersteckt und was Mina so davon hält. Ich hätte dennoch durchaus ein wenig weniger häufig lesen können, wie sehr er sich doch wünscht, Mina unter sich winden zu sehen, und wie ihre Ablehnung ihn nur heißer macht. Das gute alte Paradox, dass Rhys sie als starke Frau bewundert, aber dennoch einen übertriebenen Beschützerinstinkt entwickelt, ist auch mal wieder da. Aber da hat das Genre an sich sowieso ein Identitätsproblem, wenn es darum geht so einen richtig kernigen sexy Kerl zu haben, der aber halt nur auf die richtige sexy Art ein Macho ist. Die Hauptakteurin eine starke selbstständige Frau sein zu lassen, die aber doch irgendwo drauf stehen darf, von ihm dominiert und beschützt zu werden, wenn sie nur ein oder zwei Mal ihren Unmut darüber verbalisiert.

Und ich muss sagen irgendwo habe ich ja auch eine gewisse Schwäche für solche Liebesgeschichten. Auch wenn der Kopf sagt, dass das alles ein schizophrenes Durcheinander ist, geht das Herz doch mit. Da bin ich wohl zu sehr durch meine Boys Love Vergangenheit auch vorbelastet, in denen die Beziehungen keinen Deut besser sind. Manchmal darf man sich ein wenig von seiner Fantasie verhätscheln lassen, statt immer alles Kopfgesteuert auseinandernehmen zu müssen.

Was bei The Iron Duke halt zudem dadurch funktioniert, weil es eh Alternative History ist. Wenn dann der europäische Kontinent zum Großteil entvölkert und von Zombies überrannt ist. Wenn die meisten Leute halb Mensch und halb Maschine sind. Wenn es mit ihrgenwelchen zu bindenden Schleifen zu befestigende Proto-Kondome gibt, bei denen ich nie verstanden habe, wie die halten sollen. Wichtig sind sie natürlich, denn der Iron Duke fickt. Merhmals und ausgiebig im Detail beschrieben. Das ist es doch gut zu wissen, dass die auf sich achten.

Doch letztendlich muss ich echt zugeben, dass zwar viel eventuell nicht ganz realistisch praktikabel rüberkommt, die Steampunk-Welt aber auf jeden Fall dicht ausgedacht ist. Dadurch ist mehr über sie zu erfahren durchaus einer der interessanten Punkte des Buches. Als Abenteuerroman funktioniert es ebenfalls gut, denn es kommt zu genug gut geschriebener Action. Schlecht geschrieben ist das Buch auf gar keinen Fall, egal um welchen Aspekt es geht.

Ich fand es auf jeden Fall ziemlich unterhaltsam. Sowohl was den Fantasy-Roman- wie den Liebes-Roman-Teil anging. Ersterer ist aber auf jeden Fall der bessere der beiden Parts. Ich wäre zumindest nicht ganz abgeneigt der Serie weiter zu folgen.

Mother to Mother

Mother to Mother ist ein Buchd er südafrikanischen Schriftstellerin und zweitweise UN-Mitarbeiterin Sindiwe Magona. Es behandelt eine fiktionale Geschichte stark inspiriert vom Amy-Biehl-Mord kurz vorm Ende der Apartheid. Und mit einem besonderen Twist.

Amy Bhiel war eine weiße Aktivistin, die im Township Guguletu von einem Mob Schwarzer umgebracht wurde. Das ist also auch der Aufhänger von Mother to Mother. Allerdings ist es nicht eine Geschichte, die aus dem Blickwinkel des Opfers erzählt wird. Auch nicht aus dem Blickwinkel des Täters. Sondern es ist die Täter-Mutter Mandisa, die der Mutter Amys schreibt. Sie beteuert keine Unschuld ihres Sohnes, sie bittet nicht wirklich um Vergebung, sondern sie möchte darauf aufmerksam machen, wie es zu dem tragischen Vorfall kommen konnte. Wie das Apartheid-System mit seinen strengen Segregations-Gesetzen sowohl die schwarze Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg niedergedrückt als auch die Flammen der Revolte gerade bei den Jüngeren entfacht hat. Dass Amy ein Symbol war. Nachdem die weiße Regierung den Schwarzen schon alle Rechte genommen hat und ihnen nur das Leben in den Dreckslöchern von Townships gewährt, wie schnell dann eben die Situation eskaliren kann. Wenn eine Weiße die „Dreistigkeit“ hat, selbst noch in diesen letzten Bereich der Schwarzen einzudringen. Dass es dann egal ist, dass sie unschuldig ist. Das sie helfen will. Amy ist nicht mehr Amy, sondern Amy ist das Symbol der Unterdrücker.

Mandisa als die Erzählerstimme zu nutzen hat natürlich enorme Vorteile. Denn letztendlich ist der Mord nach dem Beginn nicht mehr der zentrale Fokus des Buches. Es geht um das Apartheid-System, und das gibt es immerhin nicht erst seit 1993 wenn der Mord geschieht, sondern existiert da schon fast ein halbes Jahrhundert. Mandisa kann also viel mehr davon erzählen, viel weiter zurückgreifen. Wie die Schwarzen aus ihren Nachbarschaften, die sie sich erbaut haben und in der sie eine Community waren, die sie Heimat nannten, in die Townships zwangsumgesiedelt wurden. Dahin, wie eine versehentliche Teenager-Schwangerschaft ihre schulischen Zukunftsaussichten zerstörte. Wie ihr Sohn in Guguletu zwischen Apathie und Gewalt aufwuchs.

Sindiwe Magona geht es dabei auch eindeutig mehr darum, ein möglichst komplettes Bild zu formen, auch wenn das mit narrativen Regeln bricht. Das Buch ist in erster Person von Mandisa geschrieben. Dadurch wirkt das Geschehen natürlich direkter und persönlicher, und es funktioniert gut damit, dass dies eine direkte Ansprache an eine andere Person, Amys Mutter, ist. Gleichzeitig würde das streng genommen allerdings alle Szenen exkludieren, bei denen Mandisa nicht dabei war. Wie beispielsweise der Mord an Amy. Mit der Regel wird allerdings einfach gebrochen und Mandisa impliziert manchmal schlicht, was sie denkt wie ein Ereignis gelaufen ist was sich Leute gedacht haben, wenn sie selbst die Infos eigentlich nicht haben düfte.

Wobei für mich der Anfang etwas schwerlich war. Das erste Kapitel ist „Mandisa’s Lament“ und trägt diesen Titel nicht umsonst. Es ist der Beginn des Rahmens, der Brief von Mandisa an die andere Mutter, bevor der richtige Hauptteil der Geschichte anfängt. Und bevor wir noch richtig was über Mandisa wissen, bezeichnet sie bereits ihren Sohn als denjenigen, der ihr Leben durch seine blose Existenz zerstört hat. Und betreibt Victim Blaming gegenüber Amy, weil sie es hätte besser wissen sollen, statt als Weiße im Township aufzutauchen. Und das auch noch im Narrativ als direkt an die Mutter der Toten gerichtet! Mandisa hatte nach so einem Start ordentlich damit zu kämpfen, mir noch sympathisch werden zu wollen.

Gewonnen hat sie den Kampf. Weil das Buch eben hauptsächlich über eben in der Apartheid ist. Wie das System sie von Kindheit an im Stich gelassen hat und gegen sie gerichtet ist. Und auch wie lange sie bereits in ihm lben musste, immerhin ist sie bereits eine erwachsene Frau mit drei Kindern. Bereits zu ihrer Kindheit gab es Proteste gegen die schlecht ausgestatteten Schulen für Schwarze, und die sind Jahrzehnte später immer noch am Laufen. Weil sich nichts geändert hat. Weil sich keiner darum schert die Situation der Schwarzen zu verbessern, etwas gegen Apartheid zu tun. Zumindest niemand, der wirklich die Macht hat was zu ändern. Nachdem sie in ihre Townships weggesperrt wurden, nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Zu To Kill a Mockingbird hatte ich geschrieben, dass ich es etwas schade fand, ein Buch aus der Sicht eines weißen Mädchens über Rassismus zu lesen. Dass dort keine schwarzen Stimmen echter Betroffener zu Wort kamen. Nun, ich habe meinen Wunsch in Mother to Mother bekommen. Ein Buch aus der Sicht einer schwarzen Frau, die von den Jahrzehnten des Apartheid-Systems gebrochen wurde. Eine schwarze Stimme zum Thema. Und es ist ziemlich schrecklich und deprimierend. Kein netter Lesestoff, kein Buch das man lesen „mag“. Und wahrscheinlich am besten wirklich für diejenigen, die sich bereits fürs Thema interessieren, statt als allgemeine Leseempfehlung zu dienen.

Boogiepop and Others

Boogiepop hat so eine seltsame Verbindung mit mir. Kennt ihr das, wenn man irgendwann irgendwo mal von was gelesen hat, es dann aber dennoch nie selbst konsumierte, es einem aber alle paar Jahre durch irgendwas wieder ins Auge fällt? Und dann denkt man sich so „Ach ja, da hatte ich mal was drüber glesen“ und vergisst es wieder. Früher, als ich noch jung war und mehr Anime konsumierte, als das gut für einen ist, laß ich nämlich mal in einer AnimaniA von Boogipop Phantom. Einem Anime, welches wirr klang, und bei dem ich gar nicht mehr weiß, ob der Reviewer es gut oder schlecht fand, auf jeden Fall fand er oder sie es anstrengend. Glaube ich. Seit den letzten 15 bis 20 Jahren fällt mir also immer mal wieder sehr unsporadisch dieser Artikel über dieses mysteriöse Import-Anime ein. Anfang der 2000er hatten Medien, die nicht im eigenen Land erschienen waren, irgendwie automatisch diesen interessant-gemeinen Hauch, besonders wenn es wie im Falle von Boogiepop Phantom dann tatsächlich auch etwas aus der Reihe fällt.

Boogiepep Phantom ist aber nur ein einzelner Auswuchs eines wesentlich größeren Multimedia-Aufgebotes und ein Seitenprodukt eines ganz anderen medialen Grundsteins. Das ursprüngliche Boogiepop ist nämlich eine Reihe an Light Novels. Das sind besonders dünne Bücher, einfach zu lesen und häufig hübsch illustriert, die sich an ein jüngeres Publikum richten. Boogiepop ist nicht das erste davon, wird aber immer wieder als eine der ersten Serien genannt, die den Light-Novel-Boom der 2000er mitverantworten müssen. Seither sind fast zwei Dutzend Light Novels erschienen, gibt es Sidestories, Manga-Adaptionen, einen Live Action Film und nebst Boogiepop Phantom mittlerweile auch eine zweite Anime-Serie.

Das erste Buch, Boogiepop and Others, ist noch sehr kurz gehalten. Oft ziehen sich Story Arcs in Light Novels über mehrere Bände, wird auch später hier der Fall sein, doch das erste Volumen ist noch in sich abgeschlossen und dementsprechend eher simpel. Zumindest von der groben Handlung, die darin wiedergegeben wird, her. Keiji ist ein Teenager und wartet gerade auf seine Freundin Touko. Als ein merkwürdiger Kerl auf der Straße zusammenbricht. Alle ignorieren das, bis ein Junge im komischen Aufzug und mit dem Gesicht von Touko sich einmischt. Keiji ist perplex, da nämlich Touko nie aufgetaucht ist und später gar nichts von ihrer Verabredung gewusst haben will.

Das erklärt ihm der seltsame Junge auch, als sie sich das nächste Mal treffen. Er ist Boogiepop und übernimmt, wenn Not am Mann ist, den Körper von Touko. Aktuell geht an der Schule ein Menschenfressender Manticore um, und Boogiepop ist erwacht, um ihn zur Strecke zu bringen. Aus Selbstschutz vergisst Touko die Anwesenheit von Boogiepop und alles, was dem im Wege stehen könnte, also auch wenn sie deswegen Keiji versetzt.

Keiji findet Boogiepop interessant und über weitere Treffen sind sich die beiden eindeutig sympathisch. Bis Boogiepop deklariert, dass der Manticore ausgeschaltet ist, jemand anderes hat sich drum gekümmert, und das er deswegen nun wieder verschwinden wird. Das ist allerdings nur das Ende des ersten Kapitels.

So simpel die Handlung ist, so kann dies definitiv nicht auch von der Struktur des Buches gesagt werden. Jedes Kapitel trägt nämlich den Namen eines anderen Charakters. Und erzählt dann auch nur dessen Involvenz mit den aktuellen Ereignissen und Boogiepop nach. Alles, was geschieht, wenn der Charakter nicht dabei ist, hinterlässt Lücken. Die dann in einem anderen Kapitel von einem Charakter gefüllt werden, der vor Ort war. Die Boogiepop-Bücher sind also nicht chronologisch und nicht von einem allwissenden Über-Ich erzählt, sondern bestehen aus diversen Puzzle-Fragmenten, die sich nach und nach zu einem gesammten Bild zusammenfügen. Keiji findet nur die Grundlagen über Boogiepop heraus. Ein anderer Charakter erfährt Dinge über den Manticore. Ein weiterer hängt mit der anderen Figur zusammen, die den Manticore jagt. Und erst im letzten Kapitel finden wir heraus, wie jener ausgeschaltet wird, wenn ein wieder anderer Charakter im Prinzip zufällig in den Entscheidungskampf hineingezogen wird.

Es ist auch einfach zu sehen, warum es bei Teens damals so gut angekommen ist. Die Struktur ist interessant und lässt die Geschichte mysteriöser wirken, als der Standard-Plot eigentlich hergibt. Boogiepop ist eine vage und geheimnisvolle Figur. Alle Charaktere sind Schüler und reflektieren so auch den allgemeinen Unmut der Altersgruppe. Das die Lehrer mehr mit dem Ansehen der Schule beschäftigt sind, als dass man auf ihre Hilfe zählen könnte. Der Prüfungsstress vorm Abgehen. Die Rebellion gegen zu strickte Regeln. Und natürlich der Hook, dass auch dir ganz normalem Durchschnittschüler was Besonderes geschehen könnte!

Ich persönlich fand das Buch hingegen eher langweilig. Weil echt einfach nicht viel dran ist, wenn man die besondere Struktur mal außer Acht lässt. Die eigentliche Geschichte ist kurz und simpel und genau genommen geschieht gar nicht viel. Sie ist auch nicht sonderlich spannend erzählt, sondern zählt komplett darauf, dass die achronologische Erzählstruktur mit den dadurch aufkommenden Puzzle-Lücken beim Leser bereits genug Interesse aufbringen, um wissen zu wollen, was als nächstes passiert bzw. was bereits geschehen aber noch nicht erzählt ist.

To Kill a Mockingbird

To Kill a Mockingbird ist ein Roman von Harper Lee, der in 1960 publiziert wurde und im amerikanischen Süden der 1930er angesiedelt ist. Das Ding nennt sich Bildungsroman, weil er bis Heute gerne gelesen wird, um Schülern die Thematik Rassismus näherzubringen. Immerhin spielt es zu einer Zeit, wo jener sogar noch overter war als jetzt.

Zusammenfassungen fokussieren sich dabei gern darauf, dass es im Buch um eine Gerichtsverhandlung gegen den Schwarzen Tom geht, der beschuldigt ist eine weiße Frau vergewaltigt zu haben, und dass der Vater der Protagonistin Scout ihn vertreten muss. Dies ist allerdings leicht irreführend. Denn eigentlich geht es wesentlich mehr darum, wie Scout aufwächst. Das Buch spielt während ihrerer ersten Jahre auf der Schule und fast der komplette Part I, der auf Seite 124 von 309 erst endet, beschäftigt sich mit ihrer Kindheit in der Südstaatenstadt und hat noch fast nichts mit dem Verbrechen bzw. der Verhandlung zu tun.

So richtig ihr Leben auf den Kopf gestellt wird natürlich, sobald ihr Vater als Verteidiger von Tom auftritt. Denn er spielt nicht nach den ungeschriebenen Gesetzen der Gesellschaft um ihn herum. Für ihn sind tatsächlich alle vor dem Gesetz gleich. Eigentlich wird von ihm erwartet, dass er sich nicht groß anstrengt und man somit schnell den Schwarzen verurteilen kann und gut ist. Atticus nimmt sein Mandat aber ernst. Und wie sowohl mit Tom aber auch teilweise der Familie von Atticus aufgrund dessen umgegangen wird, lässt Scout und ihren Bruder Jem als Kinder plötzlich merken, in was für einer Gesellschaft sie aufwachsen, was jene von Schwarzen hält, und von jenen, die mit ihnen symphatisieren. Nämlich eine inherent rassistische Umwelt, in der alles gegen die Rechte von People of Color gerichtet ist.

Während ich zunächst fast etwas ungeduldig mit dem langen ersten Teil war, eben weil es nicht zum „guten Teil“ bzw. Hauptpunkt der Geschichte, die ich erwartete, kam, finde ich die Herangehensweies mittlerweile besser. Ich dachte halt echt, dass die Gerichtsverhandlung den Hauptteil des Buches ausmachen würde, statt erst in Part II zu geschehen und eigentlich auch schon nach wenigen Kapiteln vorüber zu sein. Die ist natürlich immer noch wichtig, immerhin ist so so ein wenig der Nukleus, um den sich die Realisierung von Scout und ihrem Bruder dreht. Ohne sie hätten die beiden wahrscheinlich die Gesellschaft um sich herum nie zu hinterfragen begonnen. Immerhin ist es eine sehr starke Szene. Besonders dann, wenn Tom vor Gericht aussagt, dass er der Frau bei den Hausarbeiten half, weil er Mitleid damit hatte, dass ihr sonst keiner hilft. Wie nett von ihm. Aber die anwesenden Weißen im Gerichtssaal sind alle schockiert und erzürnt über so eine eigentlich harmlose Aussage. Weil ein Schwarzer sich erdreistet hat Empathie gegenüber einer Weißen zu zeigen, weil er sie damit in ihren Augen herabsetzt, weil ja eigentlich er derjenige ist, der rassisch unter ihr zu stehen hat.

Dass allerdings der Großteil des Buches mehr um das Drumherum und Aufwachsen in der Community geht, zeigt das größere Problem. Der Rassismus zeigt sich nun eben nicht nur insular in dieser einen Gerichtsverhandlung und betrifft nur die beteiligten Personen. Nein es ist ein Gesamtgesellschaftliches Problem der Zeit und des Ortes, in dem Scout aufwächst. Und zeigt auf, wie Kinder solche Attitüden auch verinnerlichen, wenn sie nicht rechtzeitig hinterfragt werden. Scout muss beispielsweise einen Freund von sich aus dem Gerichtssaal begleiten, weil der unfaire Umgang gegenüber Tom ihn so aufwühlt. Scout kann sich das gar nicht erklären und meint in etwa „Was ist das Problem, er ist doch nur ein N*“. Für Scout, die jünger als ihr Bruder und der Freund ist, ist das Verhalten Tom gegenüber bis hierhin noch ganz normal, weil sie in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, in der das der gewohnt Umgang mit Schwarzen ist.

Rassismus ist allerdings nicht das einzige Thema im Buch, sondern die übergeordnette Thematik der Vorurteile zieht sich allgemein hier hindurch. Wer nicht den sozialen Normen entspricht, wird bestenfalls komisch angeschaut. Beispielsweise haben die Kinder einen Nachbarn, der nie das Haus verlässt. Und dadurch zur Spukgestalt für sie wird, der nachts durch die Gegend streicht und Gottweißwas macht. Dabei ist der introvertierte Kerl ein ganz netter, wie sie gegen Ende herausfinden und neben Tom ein zweiter Charakter, auf den sich der Titel des Buches beziehen lässt. Gender-Vorurteile kommen auch verstärkt vor. Zum einen, weil Scouts Vater oft als Schwächling angesehen wird, nur weil er nicht die typischen Dad-Sachen macht wie mit Knarren um sich zu schießen. Und Scout selbst bekommt immer wieder Ärger von ihrer Tante Alexandra, weil sie nicht Ladylike genug ist. Schon fast ironisch, dass Scout so schnell selbst Vorurteile entwickelt, obwohl sie selbst unter ihnen zu leben hat.

Etwas schade, wenn auch nachvollziehbar, ist, dass keine schwarzen Stimmen vorkommen. Überhaupt sind Afroamerikanische Rollen dünn besetzt. Wir haben halt mal wieder ein Buch über Rassismus von einer und durch die Augen einer Weißen. Dazu kommt noch dieser biographische Einschub und der Perspektive der ersten Person eines kleinen weißen Mädchens. Hierdurch gestaltet sich viel vom direkt wahrgenommenen Rassismus dadurch, wie die Nachbarn die Familie von Scout behandeln. Es gibt also viel Wehklagen darüber, dass schlecht über diese arme weiße Familie geredet wird, weil sie einen Schwarzen verteidigen. Die wenigen weißen Rollen, die wie mit Tom umgegangen wird schlecht finden, klopfen sich selbst auf die Schulter, weil sie besser sind. Derweilen hat kein schwarzer Charakter je direkt irgendwas über Rassismus zu sagen.

Das ist im hiesigen Fall natürlich etwas unfair zu bemängeln. Welches Buch eines Schwarzen und dann auch noch über Rassismus wäre schon in 1960 publiziert worden? Und das ein weißes Mädchen im Süden der 1930er wenig mit Schwarzen zu tun bekommt und die sich ihr gegenüber sicherlich nicht über das Thema öffnen würden, ist ja auch irgendwo klar. Beim Lesen kann die „White Saviour“-Trope halt manchmal schlecht aus dem Hinterkopf zu verdrängt werden.

Letztendlich ist es halt gut ersichtlich, warum To Kill a Mockingbird so gern als Bidlungsroman herangezogen wird. Zum einen ist es natürlich eine gute Zeitkapsel in eine Region und Zeit, die hochgradig rassistisch war, obwohl zumindest die Sklaverei offiziell bereits abgeschafft war. Aber auch zur Realisierung, dass dies gar nicht mal so lange her ist. Und man kann halt hierauf aufbauend gern die eigene Gesellschaft hinterfragen, in der man aufgewachsen ist, und ob es dort nicht auch intrinsischen Rassismus gibt, den man so nur teils noch nicht wahrgenommen hat. Darauf einen Schokokuss, meine Lieben.

Vampire Hunter D XXII & XXIII

Mehr vom Vamp-Jäger mit Initialien-Namen D. Künstler, die denken, nur einen Vornamen zu brauchen, haben noch gar nicht die richtige Coolness entdeckt, sogar nur einen einzelnen Buchstaben zu benötigen, und schon weiß jeder, wer gemeint ist.

Die aktuellen Geschichten sind benannt White Devil Mountain, welches in Japan Part 1 und 2 des Volumen 17 sind, in Amerika zu Band 22 zusammengefasst wurden, und Iriya the Berserker, welches als Oneshot Volumen 18 respektive Buch 23 füllt und somit nur die halbe Lesefreude fürs Geld bietet.

In White Devil Mountain crashlandet ein Frachter, der eigentlich einen mit Ketten gebundenen Sarg eines Vampirnoblen überbringen sollte, auf besagtem Berg. Natürlich nicht zufällig, denn der darin befindliche Gilzen hatte hier sein Schloss und will zu seinem Ruhm zurückkommen, nachdem andere Vampire, inklusive seiner eigenen Mutter, ihn für so gefährlich hielten, dass sie in gekettet und vergraben haben. All das nur, weil er andere Pläne hatte den Untergang seiner Spezies mit Hilfe von Alientechnologie zu verhindern, statt wie der Heilige Urvater Vampire und Menschen kreuzen zu wollen.

Doch D ist nicht alleine beim Bergsteigen, und ich meine damit nicht den nervtötenden Parasiten, den er in der Hand hat. Denn eine andere Jägerin, ein Söldner, eine Ärztin und ihr Bodyguard, sowie ein kleiner Junge, der seinen Vater an den Berg verlor, begehen ebenfalls den Aufstieg.

Vampire Hunter D ist dann am Besten, wenn es sich nicht viel um D dreht. Dabei bleibe ich. Über den gibt es eh nichts zu wissen. Abgesehen von den paar Kleinigkeiten, die sowieso jedes Buch ewiglich zu wiederholen sich genötigt sieht. Ist er das einzig Erfolgreiche Resultat der Versuche des Urvasters? Klar. Darf das nie voll ausgesprochen werden, weil er sonst sauer wird? Auch. Ist er so hübsch, dass jeder Frau, jedem Mann, und allem dazwischen sofort die Hose feucht vor Wollust wird? Natürlich. Ist er so Respekteinflösßend, dass jedem seiner Gegner sofort die Hose feucht vor Angstpipi wird? Das auch. Ist er kühl und Emotionslos und es total uncharakteristisch für ihn, wann immer er mehr als absolut nötig redet, sich um jemand kümmert, sich für jemandes Geschichte interessiert, obwohl das mindestens einmalig pro Buch geschieht? Jep. Ist er so unbesiegbar, dass selbst wenn Part 1 auf eine Cliffhanger mit einem aufgespießten D endet, man sich absolut sicher sein kann, dass er da Problemlos nach spätestens drei Sätzen in Part 2 wieder auf voller Höhe ist? Selbstredend.

Gewohnt sind also die Stellen in White Devil Mountain die interessantesten, wenn D von den anderen getrennt wird. Wenn wir die frischen Fähigkeiten der neuen Charaktere ausloten und sie um ihr Leben kämpfen müssen, ohne das Super-Halbvamp D mit einem Schulterzucken ganze Armeen für sie besiegen kann und dabei die Frisur auch noch dank Drei-Wetter-Taft perfekt sitzt.

Dennoch kann ich mich dem Gefühl nicht erwehren, dass es einen sogar noch interessanten Charakter gegeben hätte, um den sich das Buch hätte drehen können: Antagonist Gilzen. Via eines verlängerten Flashbacks in die Zeit, als er die Opposition gegen den Urvater bildete. Warum er einen anderen Weg einschlagen wollte und was seine Überzeugungen waren. Warum sich letztendlich selbst seine eigenen Verbündeten gegen ihn stellten. Dass D zu Beginn des Buches seine menschlichen Begleiter fragt, ob der Vampirismus nicht auch eine Form von Leben, ein neues Leben statt das Ende des Lebens darstellt, wird auch nie wieder aufgegriffen, und mal Teile dieser Bücher aus sicht des Vampiradels zu präsentieren, hätte diesen Blickpunkt erweitern können. Und wenn man schon doppelte Seiten füllen kann, wäre hierfür doch genug Platz. Doch stattdessen gibt es halt eben einfach die doppelte Anzahl an (zugegeben immer imaginiativer) Monster zu besiegen, bevor Gilzen gegen D verlieren darf. Und wirkt das Ende halt ausnahmsweise Mal nicht aufs letzte Kapitel überhastet.

In Iriya the Berserker trifft D hingegen auf die hübsche Iriya, die eigentlich wie ein Mädchen von nebenan wirkt, aber eine prämierte Jägerin ist. Seit eine Gruppe Vampire zum Spaß ihre Familie überfielen, die Eltern umbrachten, und die acht Geschwister vampirisierten und entführten, Iriya zum Sterben zurückliesen, hat sie Rache an jenen geschworen. Wenn sie kämpft, scheint Iriya zu einem anderen Menschen zu werden, und genau dahinter scheint ein Geheimnis zu stecken.

Es gibt übrigens auch einen Vampir in der Gruppe, der durchaus dem entgegensieht, von Iriya endlich für seine Sünden bestraft zu werden. Was mal wieder das übliche Baiting ist, dass der Vampiradel eben nicht nur aus Monstern besteht, sondern einige mehr oder weniger viel Menschlichkeit sich behalten konnten. Ich frage mich echt, warum Kikushi nie auf die Idee gekommen ist, mal stärker deren Blickwinkel einzubeziehen. Ist ja nicht so, dass der Mann keine prinzipiell guten Ideen hat, er schreibt nur häufig nicht über sie, sondern fällt auf seine Standard-Phrasen zu D und generelle Strukturen zurück, welche die Romane gern mal wie aus dem Baukasten zusammengesetzt wirken lassen.

Wenigstens ist die Geschichte von Iriya an sich relativ interessant geraten und mit viel dramatischer Tragik bestückt. Von daher kann immerhin gesagt werden, dass er diesmal nicht an der interssanten Geschichte vorbeigeschrieben hätte.

The Passion of Cleopatra

Die Vampirchronik und Speeping Beauty sind nicht die einzigen Reihen, die Anne Rice in aktuellerer Zeit erneut aufgegriffen hat. Auch The Mummy, or Ramses the Damned bekam in 2017 eine Fortsetzung mit Ramses the Damned: The Passion of Cleopatra, geschrieben in Zusammenarbeit mit ihrem Sohn Christopher Rice.

Dank eines Elixiers ist der ägyptische Pharao Ramses unsterblich, sobald sein mumifizierter Körper ins Sonnenlicht kam in der viktorianischen Ära Englands wiederbelebt. Dummerweise hat er allerdings auch den Fehler begangen seine ehemalige Geliebte Cleopatra mit dem Elixier auszustatten, allerdings deren Mumie nach ihrem Tod, was zu unerfreulichen Resultaten und letztendlich dem Feuertod der Furie führte. All dies geschehen im vorigen Buch.

Nun lebt er zufrieden mit seiner unsterblich gemachten Julie, aber dieser Fehler nagt weiterhin an seinem Gewissen. Tatsächlich ist es allerdings so, dass der unsterbliche Körper Cleopatras das Feuer überlebt hat. Und eigentlich ist sie mittlerweile über alles hinweg und würde lieber friedlich vor sich hinleben, ohne dass Ramses je von ihrer Weiterexistenz wissen müsste. Würde sie nicht nach und nach ihre Erinnerungen verlieren und zum Halter des Elixiers wollen, um sich Klarheiten zu holen.

In Amerika derweil lebt eine Autorin, die ihre Geld mit Fiktion übers alte Ägypten verdient, alle basierend auf ihren Träumen. Die jedoch kürzlich zahlreicher und bedrohlicher werden.

Des Weiteren geht eine viel ältere Unsterbliche um, die noch aus einem Reich vor unserer Geschichtsschreibung stammt, und die eigentlich das Elixier ursprünglich entdeckt hat. Nun wacht sie über die Formel, über das Erschaffen von Unsterblichen mit ihm, und hat vor allem auch ein Mittel gefunden, um selbst Unsterbliche doch einem endgültigen Ende anheimfallen lassen zu können. Ihr ehemaliger Hofberater derweil will seit Jahrtausenden eine eigene Armee mit dem Elixier schaffen, hat allerdings nur eine fehlerhafte Formel.

All das kommt natürlich auch irgendwann zusammen, dies allerdings sehr später im gar nicht mal so langen Buch. Ziemlich früh ist einem klar, was die Amerikanerin darin zu suchen hat, besonders nachdem auch noch die Frage aufgeworfen wird, ob Seelen von Toden nicht wiedergeboren werden, und der Fehler bei Cleopatras Erweckung eben darin bestand, eine Leiche mit dem Elixier auszustatten, nachdem dies schon geschehen ist, so dass eine Seelenlose Hülle nun auf der Erde wandelt. Eine Sache, die so übrigens nie komplett aufgelöst oder erklärt wird.

Stattdessen übernimmt der Kampf für die Uralte Königin und gegen ihren ehemaligen Berater das Finale, da dieser eine aktive Bedrohung für alle darzustellen beginnt, in seiner endlosen Suche nach der Formel für das richtige Elixier. Mit der Königin an sich geraten Ramses und Co nicht aneinander, weil mal wieder alle ganz höflich und freundlich und gutmütig miteinander sind. Und diesmal ist ja selbst Cleopatra weichgekocht und es kommt eher zu Missverständnissen der beiden Fraktionen, durch das vom vorigen Buch geschürte Misstrauen.

Man muss natürlich schon mit dem modernen Schreibstil von Anne Rice auskommen, um das Buch mögen zu können, denn der geht nach all der Zeit definitiv nicht weg. Sie ist jetzt mehr auf den Punkt und verliert sich weniger für Dutzende Seiten in pompöse Beschreibungen von Kleidung und Häusern. Die Dekadenz an sich ist dennoch da. Es geht wie immer um unmenschlich schöne Wesen, die keinerlei Mangel verspüren müssen, weder körperlich noch an weltlichen Gütern, und die zu den besten Dinnern die charmantesten Gespräche führen, um dann in prunkvoll ausgestatteten Schlafzimmern endlos-befriedigenden Sex miteinander zu haben. Reich & Schön & Unsterblich: Episode Passion of Cleopatra.

Aber diesmal gibt es zumindest Konflikte und einen Bösewicht. Das lässt dann auch eine gewisse Kleinigkeit mit Namen „Spannung“ aufkommen, was dem neuen Lestat beispielsweise mal so ganz abgegangen ist, und auch weniger schmerzlich im vierten Sleeping Beauty nicht anzutreffen war. Das Buch braucht etwas lang, um alle seine Charaktere endlich zusammenzubringen und in eine stringente Narration zu verweben, obwohl die Sache nicht wirklich komplex wird und schnell klar ist, wo das ungefähr hinzuführen gedenkt. Wobei hier vor allem der Blickwinkel der gefallenen Cleopatra interessant war. Vielleicht auch einfach deswegen, weil sie kein sorgenfreies Leben führt. Kein schlechtes Buch, aber doch ein durchschnittliches in der Rice-schen Bibliographie. Schnell und leicht runtergelesen, aber auch bald wieder vergessen.

Vampire Hunter D XX & XXI

Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 habe ich im zweimonatlichen Rhythmus die ersten neunzehn Bände von Hideyuki Kikuchis Erfolgs-Romanreihe besprochen, die seit 35 Jahren beharrlich läuft. Und war den sehr ähnlichen Kurzgeschichten über den zu perfekten Hauptcharakter doch irgendwo dabei leid geworden. Ob drei Jahre Abstand etwas Frische dort hineingebracht haben, müssen nun die nächsten beiden Geschichten zeigen.

Scenes of an Unholy War ist der zwanzigste Band in der amerikanischen Auflage, während die japanische erst die Nummer 14 ziert. Das liegt an deren unterschiedlicher Publikations-Durchnummerierung. Zum einen sind die Bände eh nicht identisch, denn wo die japanische Auflage sich immer in relativ ebenmäßig lange Bände splittet und längere Geschichten damit auch schon mal auf 4 Parts verteilt sein können, zieht die amerikanische davon gern mal zwei Parts in einen längeren Band zusammen. Gleichzeitig ändert sich in Japan die Nummer aber auch nur mit jeder neuen Story, während Amerika jedem neuen Band auch eine neue Nummer gibt. Mysterious Journey to the North Sea ist also in Japan beispielsweise Vampire Hunter D 7 Part 1 und Vampire Hunter D 7 Part 2, während es in Nordamerika als Volume 7 und Volume 8 betitelt wird.

Es dauert wenn ich mich recht erinnere übrigens keine volle Seite, bis zum ersten Mal erwähnt wird, dass D so wunderhübsch und majestätisch ist, dass jeder Frau sofort das Höschen nass wird, und jeder Mann seine Sexualität in Frage zu stellen beginnt. Da war ich ja direkt wieder raus, Es-leid-sein schoss sofort von 0 auf 100.

Jedenfalls ist D bereits dreimalig auf ein merkwürdiges Pärchen getroffen, in einem sehr fragmentierten Anfang des Romans, bis er zum dritten Mal auf die beiden treffen und die eigentliche Geschichte beginnen darf. Nämlich in einer kleinen Stadt, die von einer Gang mit Namen Black Death terrorisiert wird. Hierfür sind einige Kämpfer rekrutiert worden, um gegen sie anzutreten, darunter auch D. Während das ungleiche Pärchen Rust und Lira vorübergehend den Sheriff und seine Helferin abgeben.

Und… öhm, so wahnsinnig viel passiert über die wenigen hundert Seiten des Buches nicht. Wir haben ein wenig was über Pseudo-Nobilität, sprich von Vampiren gebissene Menschen, die nicht vollkommen zu Vampiren werden, aber doch viele ihre Charakteristiken annehmen. Die Black Death Gang wird von so einem angeführt, der natürlich sehr gefährlich ist. Rust stellt sich auch als einer heraus, allerdings hat er sich unter Kontrolle, und Lira einen Vertrag mit ihm, sein Dasein zu beenden, sollte er durchdrehen. D darf mal schnell dem Sonnensyndrom anheimfallen, was ihn extrem schwächt, weil er zu lange in der sengenden Sonne war, aber irgendwie wirklich was daraus wird nicht. Sein Erschaffer taucht kurz auf, wird aber immer nur mystisch umschrieben, statt Dracula genannt zu werden, und verschwindet auch wieder ohne selbst was zu machen außer die Black Death Gang zu wandeln.

Ich weiß nicht, irgendwie fand ich die Geschehnisse in Scenes of an Unholy War ziemlich fragmentiert. Dinge Geschehen, Charaktere werden aktiv, und es war immer klar was und aus welchem Grund, aber so richtig eine befriedigende, schlüssige Narration wurde nicht draus. Ich musste häufiger überlegen, was denn vorher geschehen war, und dann war klar, warum dies zum Aktuellen geführt hat, aber so wirklich organisch war der Ablauf eher nicht. Kikuchi nennt übrigens im Nachwort, dass Futaro Yamadas Reihe The Kouga Ninja Scrolls ihn zum Autor gemacht hat, und das Scenes of an Unholy War im Speziellen von den verschiedenen zur Schau gestellten Kräften der dortigen Charaktere inspiriert wurde. Vielleicht hat der gute Mann schlichtweg sich Krieger mit verschiedenen Superkräften ausgedacht und erst dann die notdürftige Vampire Hunter D Handlung drumherum gebaut. Würde zumindest einiges erklären.

In Record of the Blood Battle wird uns dann aber auch endlich mal was Neues aufgetischt! Wie Kikuchi im Nachwort erklärt, sollte die Nobility zwar immer fürchterliche Monster bleiben, doch irgendwie hat er sich über die Jahre ein wenig für sie erwärmt und wollte einen Vertreter schaffen, der nicht ganz so extrem ist. Scheinbar hat er vergessen, dass Mayerling im dritten Buch, Demon Deathchase, bereits ein Guter war, der nur für die (erwiderte) Liebe zu seinem Menschenmädchen gekämpft hat. Zwischen 1985 und 2004 liegen wohlweislich aber auch fast 20 Jahre, es sei ihm also vergeben.

Das schafft er, in dem er den hiesigen Noblen komplett widersprüchlich deren bisher präsentierten Bildes gestaltet, ein Kontra zum tragenden Titel, und ihn auch noch komplett aus dem Zeitgeschehen herausreißt. Es ist nämlich so, dass in einem Dorf ein merkwürdiges Objekt gefunden wird, welches sich als Grab eines Noblen herausstellt. Der hat sich satte 5.000 Jahre zur Ruhe gelegt und wird natürlich ausgerechnet hier und jetzt, in 5 Minuten, daraus emporsteigen, gerade als D dort ist. Dabei roch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer bereits die krasse Kohle, weil alles, was mit der Nobility zu tun hat, eigentlich in der Hauptstadt für die Forschung ordentlich Cash bringt. Ein Vertreter der Spezies an sich natürlich auch.

Was dort entsteigt würde allerdings niemand für einen Vampir halten. Denn der Kerl ist kleinwüchsig, kahl und korpulent. Mit einem enormen Ego und großen Maul, dennoch von niemanden wirklich für voll genommen. Und mit fast keinen besonderen Kräften, die er nämlich alle dafür geopfert hat, sich trotz seines Vampirismus in der Sonne bewegen zu können. Er war nämlich ein Forscher, und das sogar für den Ahnherren, im Versuch Vampire zu erschaffen, die sich nicht von jener Schwäche beeindrucken lassen. Dadurch kennt er natürlich auch D bereits.

Was folgt ist ein wenig ein Road Trip. D will den Noblen in die nächste Stadt mit Gerichtshof bringen, da seine Gräueltaten im Namen der Forschung nicht verjährt sind, was Verbrechen von Vampiren grundsätzlich nicht tun. Aber auf dem Weg dahin stolpern sie über ein paar Steine. Seien es nun diverse Banditengruppen, die hinter dem Geld her sind, welche die Auslieferung des Vampires an die Forschung bringen kann. Oder irgendwelche Monster, die in den Gebieten leben. Oder auch einfach Menschen, deren Hass auf die Vampire so lang einsitzt, dass sie ihn zerstört oder gepeinigt sehen wollen, obwohl sie Generationen von den ehemaligen Schandtaten entfernt sind. Dieser Zirkel des Hasses und aufzeigen, dass auch die Menschen zu Gräueltaten mächtig sind, liefe vielleicht etwas besser, wenn der besagte Noble sich eben nicht in der Vergangenheit zu so vielen Gräueltaten hinreißen lassen hätte und das auch noch als selbstverständlich ansieht, statt irgendwelche Reue zu zeigen.

Doch wenigstens sind die Vibes diesmal ganz andere. Einfach weil der besagte Noble so eine Lachfigur ist und selbst D manchmal an den Rand dessen gerät durch ihn aus dem Tritt zu kommen. Ja er geht sogar für ein paar Kapitel ganz aus der Geschichte raus, was doch mal erfrischen anders ist, als ständig den unfehlbaren Super-Dhampir als Fokus zu haben. Alleine jene Andersartigkeit hebt das Buch schon wesentlich aus seinen Brüdern hervor.

Wo ein Wille ist…

Wo ein Wille ist ist ein Roman von Anne Saalean, die am Ende des Buches zwar dazu auffordert, eine Rezession bei Amazon zu hinterlassen – ganz egal ob positiv oder negativ -, welches kurioserweise aber gar nicht mehr auf Amazon zu finden ist. Eine 15-Sekunden-Suche via Google hält auch tatsächlich so gut wie nichts über Autorin oder Buch parat, und schon mal gar nichts, was neuer als 2013 zu sein scheint. Einem Blogger-Interview ist immerhin zu entnehmen, dass dies wohl ein exklusiv digital erhältliches Experiment in Selbstpublikation war.

Protagonistin des Buches ist Vera, die schon in die Jahre gekommen ist und bisher nicht unbedingt das Glück im Leben hatte. Lange Jahre musste sie sich um die exzentrische Mutter kümmern, weswegen ihr Sozialleben eingebrochen ist, so dass sie nach deren aktuellen Tod eigentlich ganz froh ist, die Bürde vom Buckel zu haben. Wenn die Beerdigung doch nicht so teuer wäre, und ihre nach Berlin weggezogene Schwester, die ihr ihren Jugendschwarm ausgespannt hat und mit jenem nun Doktor verheiratet eigentlich auch nicht finanziell schlecht dasteht, da auch gar nicht auf die Idee käme, etwas beizusteuern. Auf die hübsche Schwester war sie eh ihr Leben lang neidisch, da sie als Mauerblümchen eh kaum von Männern wahrgenommen wurde. Abgesehen von dem einen, der sie sogar heiraten und mit ihr nach Irland ziehen wollte, aber vom Zug überfahren wurde, der ihn an den Flughafen hätte bringen sollen.

Auf der Beerdigung der Mutter taucht die verhasste Schwester allerdings tatsächlich auf und ihr Ehemann und Veras Jugendschwarm Simon, der immer noch verdammt gut aussieht, lädt sie zu seinem 50. Geburtstag ein. Da sie ihren langjährigen Job bei der Buchhandlung am Markt verloren hat, gibt es auch nichts, was einem ausgedehnten Trip nach Berlin im Wege stünde, und so taucht Vera eines Abends bei der Villa der beiden auf. Natürlich nicht unangekündigt, obwohl dennoch alles dunkel im Haus ist. Gerade als sie im Garten durchs Verandafenster schaut, kommt das Ehepaar nach Hause und hat einen üblen Streit – was Vera heimlich freudig stimmt. Doch als sie sich dann endlich mit penetrantem Klingeln Zugang verschafft hat, liegt ihre Schwester tot am Fuße der Treppe und Simon ist ganz aufgelöst. Es wäre ein Unfall gewesen und er müsse nun in den Knast.

Das sieht Vera aber überhaupt nicht so. Um die gehässige Schwester ist es eh kein Verlust. Und sie kann Simon doch einfach bei der Polizei ein Alibi verschaffen, er hätte ihr gerade die Türe geöffnet, als ihr Schwesterherz betrunken von selbst die Treppe herabstürzte. So macht man sich beim attraktiven Doktor gleich unentbehrlich, vielleicht folgt darauf ja die Heirat und das unbeschwerte Villa-Leben? Wenn es da nicht zu weiteren Komplikationen kommen würde, wie versehentlich jemanden zu erschießen, Leichen nicht richtig zu entsorgen, Affären über Affären seitens des gar nicht wie gedacht ritterlichen Simons, und ein bedenklich wackelndes Kartenhaus an sich anhäufenden Lügen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leser ein ganz gezieltes Problem mit dem Buch haben: Es gibt keine wirkliche Identifikationsfigur, keinen wirklich sympathischen Charakter. Zunächst mag Vera noch so erscheinen, immerhin hat sie ein echt bescheidenes Leben gehabt. Doch schnell ist klar, dass wir das Buch ja aus ihrem Blickwinkel erfahren, von daher natürlich ihre Erinnerungen von ihr gefärbt sind. Und bald wissen wir auch, dass sie ein sehr missgünstiges Weib ist, welches wenig Mitgefühl für andere Menschen übrig hat, gerade dann nicht, wenn sie nicht ihren moralischen Idealbildern entsprechen. Über das Buch hinweg wird sie sowieso immer verschlagener und intriganter – weil es nämlich auch alle anderen Charaktere sind, auf die sie trifft. So ziemlich jeder hat nur seinen eigenen Vorteil im Sinn und schmiedet Pläne, wie die anderen zu deren Zwecken ausgespielt werden können.

Mir hat es allerdings außerordentlich gut gefallen. Das Ganze ist natürlich extrem dramatisch und viel zu unlogisch viel geschieht zu schnell. Ein wenig wie in einer Soap, wo eh alle intrigieren und nur auf sich selbst schauen, und ständig irgendwas die Pläne doch wieder über den Haufen wirft, man nie weiß wer jetzt wirklich am Ende als Sieger aus den Mind Games herausgehen wird, oder ob es vielleicht sogar nur Verlierer geben wird. Nur mit einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis, denn es gibt viel schwarzen Humor im Buch und im Porträtieren der Ereignisse oder Veras pragmatischen Gedankengängen. Das Buch ist sich halt voll bewusst, dass dies alles ziemlich extrem ist und nimmt es mit einem trocken-zynischen Augenzwinkern. Dann ist die ganze Sache noch leicht von der Leber weg an einem oder zwei Nachmittagen gelesen, wodurch es definitiv seine Zeit nicht überstrapaziert, sondern gut der Kurzweil gefrönt wird.

Schwarzer Wald

Schwarzer Wald ist ein kurzer Roman von Holger Montag, der sich laut Klappentext (bzw. was auch immer das Äquivalent bei einem nicht klappendem Kindle ist) einen Namen mit dem von mir Pöbel genau so wenig bekannten Reisen mit Pippo gemacht hat. Das Ding ist so ein wenig Lost in Buchform.

Nicht was die Handlung an sich angeht, allerdings. Die ist im Schwarzwald angesiedelt. Thorsten ist nämlich gerade auf Urlaubsreise mit einem befreundeten Ehepaar, und den neuen Arbeitskollegen und dessen Frau haben sie auch noch mitgenommen. Der Road Trip der Fünf neigt sich gerade seinem verschneiten Ende zu, als sie nachts durchs unbekannte und abgeschiedene Waldgebiet fahren, plötzlich von einem vorbeirasenden Geländewagen von der Straße abgedrängt werden, und mit dem Auto in einem Acker landen. Die zickige Frau des Arbeitskollegen rennt erst Mal empört in die Nacht, ihr Mann Tim hinterher. Die anderen Vier finden anschließend jedoch nur Sara wieder. Da alles weitestgehend unbeschadet abgelaufen ist, der Wagen aber feststeckt, beschließen Thorsten und Sara zu einem Einsiedlerhof zu gehen, den sie etwas vorher am Straßenrand gesehen haben, während die anderen beiden es sich im Auto gemütlich machen und auf Tim warten.

Dort angekommen stellt sich der Bauer als unfreundlicher Eigenbrötler heraus, der erst Mal meint es gäbe weit und breit keine Werkstätten und ein Telefon habe er eh nicht. Die beiden können ihn dennoch dazu überreden die Fünf auf dem Hof übernachten zu lassen, und mit dem Traktor einen Versuch zu starten, das Auto wieder die Böschung hoch auf die Straße zu ziehen. Dort angekommen ist das wartende Pärchen allerdings spurlos verschwunden, also übernachten Thorsten und Sara erst mal alleine beim Bauern.

Am nächsten Tag ist das Auto zunächst ganz verschwunden, taucht allerdings in einer Werkstatt wieder auf. Mit Totalschaden, und der Nachricht, dass das befreundete Ehepaar schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Wo keiner so recht die Geschichte glauben will, dass als das Auto ursprünglich von der Straße abkam, von wenigen Kratzern abgesehen noch alles in Ordnung gewesen sein soll.

Schwarzer Wald ist ein unglaublich spannendes Buch, welches sich auch nicht lang mit irgendwelchen unnötigen Schnörkeln aufhält. Wir bekommen das Wichtigste über die Charaktere und deren soziale Stellung zueinander rübergebracht, aber viel mehr nicht. Stattdessen stützt sich alles auf die sich anhäufenden Mysterien und bringt die sich über wenige Tage erstreckende Geschichte schnell rüber, so dass man es an einem Nachmittag verschlungen haben wird.

Denn beim Nachforschen kommen nur noch immer mehr Fragen auf. Wie wahrscheinlich ist es denn schon, dass es zwei Unfälle in der gleichen Nacht gegeben haben sollte? Wie sollte das Ehepaar, die mit dem Auto auf dem Acker festhingen, überhaupt in einen zweiten geraten sein? Dann soll der schwere Unfall auch noch geschehen sein, als die Truppe eigentlich noch putzmunter auf der Straße war. Vertuscht hier jemand etwas? Aber abgesehen von der Chefärztin scheinen sich die meisten Leute sehr kooperativ zu verhalten, können nur die merkwürdigen Umstände, die sich Thorsten zusammenreimt nicht nachvollziehen. Geben jedoch anscheinend dennoch Infos an ihn heraus, die sich als unwahr herausstellen. Aber aller eingefleischter Provinz zum Trotz können doch nicht alle unter einer Decke stecken, oder? Ist Thorsten letztendlich ein Unreliable Narrator und der erste Unfall verlief doch nicht so, wie er sich zu erinnern meint? Und wo ist überhaupt Tim abgeblieben, der nie wieder auftauchen wird?

Problem dabei ist das Ende, welches in seiner Enttäuschung dem von Lost noch eines draufsetzen kann. Denn statt einer lapidaren Erklärung kommt einfach gar keine. Nicht mal den Ansatz eines der vielen Geheimnisse und Ungereimtheiten aufzudecken gibt es. Stattdessen wird es für zwei Seiten nur noch mal so richtig verworren und endet dann einfach. Offene Enden mögen durchaus manchmal funktionieren, aber eben nur dann wenn man sich in der Handlung auch auf andere befriedigenden Ebenen stützen kann. Aber wie bereits erwähnt gibt es aus Schwarzer Wald nicht viel zu holen, abgesehen vom nachfiebern der großen Frage, die dann nie eine Antwort findet. Und das stört nach einem eigentlich sehr guten Buch eben im Nachgeschmack gewaltig.

Beauty’s Kingdom

Man kann Anne Rice nicht nachsagen, sich nicht darüber zu informieren, was gerade in der Welt der Bibliophilen angesagt ist. Oder sich zumindest die Bestsellerliste der New York Times mal kurz anzuschauen. Vampir-Roman sind plötzlich wieder beliebt? Ach da ist dann doch eine neue Trilogie um Lestat, welche Frau eigentlich schon immer schreiben wollte. Im Fahrtwasser von 50 Shades fühlen sich Hausmütterchen Scharenweise Abenteuerlustig, weil sie erotische Romane mit BDSM-Einschlag verschlingen? Da hat man doch in den 80ern mal diese Sleeping Beauty Trilogie geschrieben, die man doch mal locker zu einer Tetralogie machen kann. Geboren war Beauty’s Kingdom.

Das spielt ebenfalls gut 20 Jahre nach dem Ende des letzten Buches, bei dem Beauty und ihr Laurent dem Schicksals als nackte Vergnügungssklaven entkommen sind, und ihr eigenes Königreich zu regieren begonnen haben. Nur ist es so, dass die Königin des BDSM-Reiches nicht nur die Lust an der erotischen Strafe zusehends verloren hatte, sondern auch auf einer Reise tödlich verunglückt ist, weswegen die maroden Grundpfeiler zu fallen drohen. Doch: Die Königin ist tot, lang lebe die Königin. Die ebenfalls ihres langweiligen Normie-Lebens überdrüssig gewordenen Beauty und Laurent lassen sich dazu überreden, die neuen Herrscher des Landes der gestriegelten Pobacken zu werden, und mit viel Innovation die Zügel wieder zu straffen. Da sie selbst mal Sklaven statt wie die Nobilität des Reiches immer nur Meister waren, haben sie natürlich auch einen ganz anderen Blick für die Dinge.

Ich persönlich bin ja höchst fasziniert, wenn ich schlechte Reviews zu irgendeinem der Beauty-Bücher lese, die von durch 50 Shades angefixten Mädels stammen, welche natürlich auch andere BDSM-Erotica in ihren Vorschlaglisten finden, und dadurch auf diese Bücher gestoßen sind. Da findet man von diesen Abenteurerinnen der schlüpfrigen Literatur nämlich plötzlich Schock und Fassungslosigkeit wieder, dass es in diesen tatsächlich hauptsächlich um Sex und um dominant-submissive Beziehungen geht, statt eine glorifizierte Groschenroman-Romanze zu sein, bei der alle hundert Seiten mal die Plüschhandschellen rausgeholt werden. Ein Aufstöhnen wegen der ganz falschen Gründe.

Dabei sind die Beautys auch noch im Rahmen der Zahmheit angesiedelt. Immerhin ging es hier um royale Lehnsgaben von Prinzen und Prinzessinnen, die zu den Kurzzeitsklaven wurden, weswegen es natürlich strickte Regeln gibt. Keine echten Verletzungen, also kein Branding oder Piercings, Schläge nur bis die Pobacken rosig-rötlich vor Wärme leuchten, kein Fisting, keine Erniedrigungen in Form von Watersports oder Fäkalspielen. In Beauty’s Kingdom ist es dann noch eine Form netter, denn die Reformation des Königreiches führt dazu, dass nur noch diejenigen als Sklaven genommen werden, die dies auch wollen, und man sich daraus auch wieder entlassen kann. Teenager sind vorsichtshalber auch keine mehr dabei. Das Buch wird es nicht müde aus der Sicht der Meister zu sagen, wie sehr sie doch ihre Subjekte lieben, aus Sicht der Sklaven wie sehr sie es genießen sich in die absolute Selbstaufgabe zu ergeben.

Doch ein wenig ans Eingemachte geht es halt dennoch. Ein Sklave in diesen Büchern wird mehr als Lustobjekt und menschliches Haustier behandelt. Mund nur aufmachen, wenn man die Erlaubnis dazu erhält. Keine Privatsphäre, sondern von Hausdienern gewaschen und gestriegelt. Regelmäßige Haue, damit die Bäckchen das perfekte Rouge zeigen. Als in Zaumzeug gefasstes und mit Analplugschwanz versehenes Pony den Wagen der Königin durch die Straßen ziehen. In aller Öffentlichkeit als Statue oder anderweitige Deko herhalten dürfen. Dem Buch fehlt es definitiv an Romantik und Intimität, egal zu wie vielen zärtlichen und weniger zärtlichen Intimitäten es kommt, egal wie sehr die Bindung zwischen Dom und Sub zunimmt. Beauty’s Kingdom ist und bleibt zuvorderst Porn und bietet wenig mehr.

Weswegen es mich auch ausnahmsweise Mal nicht gestört hat, dass die Modern-Rice-ige Problematik auch hier zu finden ist: Alle Leute sind so unglaublich nett. Es kommt zu keinen wirklichen Problematiken und Auseinandersetzungen, weil dafür sich alle zu sehr mögen und zu viel Respekt voreinander haben. Die einzigen Friktionen, zu denen es im Buch kommt, sind nicht narrativ, sondern nur die von Fesseln auf nackter Haut oder die von Körper ineinander. Das passt soweit, als man das Buch als einzelne lose zusammenhängende Episoden mit Einblick in diese Welt sehen will, die von Erotik und Sex dominiert ist. Ein Lustgarten von einem Königreich, fern ab der Realität, auch wenn die hiesige Welt ein etwas seltsames Gemisch aus Dornröschen-Fantasie und dann doch Referenzen zu realen Ländern ist.

Die Tatsache, dass jedes Kapitel aus dem Blickpunkt eines anderen Charakters geschrieben ist, hilft dann auch der Abwechslung weiter, statt wie die vorige Trilogie sich stark auf einen oder wenige zu fokussieren. Das hat für mich das vierte Buch kurzweiliger gemacht als die Vorgänger, was ihm gut bekommt, als kurzes Ab- und zeitiges wieder Auftauchen in die Welt der fiktiven Körperflüssigkeiten.