Let’s Play Persona 5 – 04. Bank of Gluttony

Es ist ja irgendwie schon sehr niedlich, dass unserer Truppe so naiv ist, zu denken, sie würden einen Unterschied machen, in dem sie die Schuld einzelner Fieslinge aufdecken. Anstatt etwas an dem System zu ändern, welches dies ermöglicht und sie so lange damit davonkommen lassen und beschützt hat.

Als übrigens die Eröffnung eines Social Links mit dem Decknamen „Operation Maidwatch“ begann, hatte ich direkt einen Abturner, war ich doch unangenehm an den Unsinn „Operation Babewatch“ aus Persona 3 erinnert, ein Tiefpunkt des Spieles. Doch der Social Link um die Lehrerin, die sich heimlich in einem Maid-Service was dazuverdient und einen gemeinsamen Deal vorschlägt, ist sogar ziemlich launig. Jedoch auch echt teuer, denn jede Einladung kostet 5.000 Yen! Immer schön eine Temperance-Persona dabei haben, um schneller zu leveln und jene Besuche somit so gering wie nötig zu halten.

Wir sind also Makoto gegenüber aufgeflogen, die Schülersprecherin, die momentan unter ordentlich Druck steht, den hohen Standards ihrer Schwester gerecht zu werden. Da sie zu Zweifeln begonnen hat, ob die Phantom Thieves wirklich so schlecht sind, bittet sie uns darum, ihr bei einem ihr nahegebrachten Problem zu helfen. Denn in Shibuya scheint die Mafia neuerdings Schüler in irgendwelche illegalen Machenschaften zu ziehen, darunter auch welche unserer Shujin-Akademie. Dagegen sollen wir was machen, wir haben 2 Wochen Zeit, sonst lässt sie uns auffliegen.

Stellt sich heraus, dass sie den Schülern eine Teilzeitarbeit anbieten, sie unwissentlich als Drogenkuriere einsetzten, und dann mit Fotos davon bestechen weiter mitmachen zu müssen. Nachdem wir uns über Mitschüler weiter zu den Obdachlosen von Shibuya hin zu einer Reporterin in Shinjuku durchgefragt haben, haben wir auch den Namen ihres Bosses und damit unseres nächsten Herzraub-Zieles: Junya Kaneshiro. Und sind um einen peinlich berührenden, unlustigen Möchtegern-Gag a la Persona 3s „Operation Babewatch“ reicher, statt davon verschont geblieben zu werden, denn da in Shinjuku auch Tokyos Schwulenmeile Ni-chōme ist, wird der panische Ryuji gleich mal von zwei lispelnden Queens abgeschleppt.

Nachdem die eigentlich so rational und überlegt handelnde Makoto es leid geworden ist, für nutzlos angesehen zu werden, den Erwartungen von Schwester und Direktor nicht gerecht zu werden, und von ihren Mitschülern wegen ihrer Untätigkeit Kamoshida gegenüber misstraut zu werden, handelt sie vorschnell und gelangt so zu Kaneshiro. Der prompt Bilder von uns allen bei einer seiner Drogenpartys hat, mit denen er uns bestechen kann. 3 Wochen haben wir Zeit, um 3 Millionen Yen auszuspucken. Aber immerhin, so haben wir auch endlich Zugang zu seinem Palast, der über von Geldautomaten-Menschen bevölkerten Shinjuku schwebenden Bank of Gluttony.

Und nachdem dort Shadow Kaneshiro damit droht, Makoto notfalls zu prostituieren, und ihre große Schwester auch mit reinzuziehen, ist Makoto es endgültig leid immer das brave Mädchen zu machen und erwacht endlich zu ihrer Persona. Johanna, nach der angeblich weiblichen Päpstin, die gleichzeitig das Motorrad für die Biker-Queen darstellt. Diese unglaublich dämliche „Pigeon Toes“, die Japaner bei Mädels für niedlich halten, obwohl es so aussieht, als wären die zu Gehirngeschädigt, um gerade stehen zu können, macht Makoto leider trotzdem weiterhin.

Von Innen mach die Bank überraschend hauptsächlich aus, dass es im Gegensatz zu den beiden vorigen Dungeons weniger „goldene“ Gegenstände zu geben scheint, die mitgenommen und später zu Geld gemacht werden können. Dafür haben die Treasure Demon einen Upgrade bekommen mit der Queen’s Necklace. Außerdem gibt es Überwachungskameras, an die sich vorbeigeschlichen gehört, die aber in der Regel sofort danach abgeschaltet werden können, um beim Backtracking nicht zu nerven. Und neben den menschlich geformten Shadows gibt es die Gegnergruppen nun auch als Wachhunde, was zumeist einen Kampf mit Orthrus auf sich hat.

Wie sich herausstellt hatte Kaneshiro selbst ein hartes Leben und Kindheit und ist irgendwie unter die Räder geraten und hat so gelernt, dass man ein Fiesling sein muss, um etwas zu erreichen. Leider macht das Spiel daraus nicht so viel, wie gegangen wäre. Denn wenn man es genau betrachtet ist Kaneshiro ganz anders als die beiden vorigen Shadows. Madarame und Kamoshida waren beide im Blick der Öffentlichkeit gute, angepasste Bürger. Kaneshiro hingegen ist als Krimineller gesehen und Mafia-Boss bekannt. Hier den Spieß etwas umzudrehen, um zu zeigen, dass die verkommene Welt an sich, die Madarame und Kamoshida mit ihren Taten davonkommen lies, ihn zu dem gemacht hat, was er ist, und er eigentlich ursprünglich ein unschuldiger Junge war, hat durchaus was. Aber so richtig in die Tiefe geht Persona 5 hier leider nicht.

Stattdessen bekämpfen wir ihn in Form einer Schmeißfliege mit einem riesigen Sparschwein, in das er sich zurückziehen kann. Und mit dem er uns Überrollen will, falls er doch daraus hervorkommt, wenn wir nicht rechtzeitig genug Schaden machen, um dies zu vereiteln. Ist sein Shadow besiegt, stellt sich Kaneshiro der Polizei, und es wird nicht größer Aufhebens drum gemacht, weil das alles natürlich nicht so öffentlich vonstattenging, wie die vorigen beiden Fälle. Makotos Schwester ist allerdings etwas angepisst, denn nun steht keine Beförderung an, da sie ihn ja nicht selbst überführt hat, sondern er von sich aus kam. Makoto derweil schließt ihre Investigation in die Phantom Thieves für den Schuldirektor offiziell.

Allerdings wird nun eindeutig gezeigt, dass der Chef der Staatsanwaltschaft und der Schuldirektor regelmäßige Telefonate führen und irgendwas auszuhecken scheinen. Außerdem hat uns Kaneshiro gesagt, dass es jemanden gibt, der das Metaverse und die Paläste darin für sich auszunutzen versucht.

Anschließend räumen wir erst Mal mit dem zufallsgenerierten Mementos auf, in dem weitere Stockwerke freigeschaltet sind, und wo selbst ein Reaper-Boss auftauchen kann, sollten wir zu lang in einem verweilen. Voll Persona 3 eben. Die vier mittlerweile über Aufträge angelaufenen Shadows hier drin sind ein Schulschläger, der selbst von jemandem dazu gezwungen wird; ein dem Ruf seines Überflieger-Bruders nicht gerecht werden könnender Kerl, der deswegen rebelliert, in dem er eine Gang anführt; eine Sadistin, die eigentlich nur nicht weiß, wie sie ihre Gefühle für ihr Opfer ausdrücken kann; und ein Spielsüchtiger Versager, der seine Freundin schlägt (was konträr zu besagter Sadistin allerdings natürlich nicht in einem romantischen Licht gestellt wird, obwohl sich die beiden Fälle nicht ganz unterschiedlich sind).

Oh ja, in einem Flash Forward zum Hier und Jetzt, wo der gefangene Joker von Staatsanwältin Niijima verhört wird, öffnet sich mit ihr der Judgement-Confidant, da sie darauf zu vertrauen beginnt, dass er ihr die volle Wahrheit sagen wird. Apropos Social Links, Chariot mit Ryuji habe ich dann mittlerweile auf Max gebracht. Es geht darum, dass er seinem ehemaligen und nun zerstrittenen Leichtathletik-Team dabei hilft, wieder zusammenzukommen, und den sie ausnutzen wollenden Trainer loszuwerden. Persona-Erwachen von Captain Kidd zu Seiten Taisei inbegriffen.

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Fragments of the Forgotten Past

Ach Dragon Quest VII, was für eine steinige Geschichte, bis es endlich in diversen Läden zu finden war. Nach Dragon Quest VI auf dem SNES sollten ganze fünf Jahre vergehen, bis 2000 der nächste Teil auf der PSX landete, diese Konsolengeneration also fast komplett verpennend. In Japan schon allein über den Namen gut verkaufend, wollte in Nordamerika keiner was von einem Spiel wissen, dass aussah, als wäre es im ersten Jahr der Konsole beheimatet. Für Europa war es eh schon zu spät. 2013 kam dann das Rundum-Remake für den 3DS, welches viele Kritikpunkte ausmerzen sollte – allen voran die schwache Optik und der ermüdende Spielverlauf. Der Westen hätte es beinahe nicht gesehen, die umfangreiche Lokalisationsarbeiten waren teuer, erschien dann aber doch 2016 auch bei uns, nachdem Fans wiederholt danach geheult hatten. Gedankt wurde der Aufwand nicht, denn das Spiel hat sich sowohl ihn Nordamerika wie Europa absolut unterirdisch verkauft.

Meine Anstoßpunkte mit dem Spiel waren auch nicht unbedingt rosig. Ganz früher mal, als ich nur die GBC-Versionen von I-III und das frisch erschienene VIII für die PS2 gespielt hatte, wollte ich mal auf die Original-Version von VII zurückgreifen. Und der enorm zähe und langweilige Spielfluss hat mich sofort wieder davon abgebracht, gerade in der Aussicht, dass davon mindestens 100 Stunden – wenn man schnell ist(!) – anfallen werden. Aber auf das Remake war ich schon gespannt, wenn ich auch irgendwann in den 3 Jahren zwischen den Releases damit abgeschlossen hatte, dass wir es nicht sehen werden. Doch Winter 2016 hielt ich es in den Händen. In den 3DS wanderte es dann im März 2017… und jetzt, fast ein Jahr später, bin ich durch. Man kann sich wahrscheinlich schon denken, dass dies nicht daran lag, weil ich total motiviert war, und das Spiel nur 5000 Spielstunden umfasst hat.

Was nicht bedeutet, dass das Design von Dragon Quest VII nicht immer noch geradezu den „mehr ist besser“-Grundsatz schreit, der im Original eine halbe Dekade Entwicklungszeit ausgelöst hat, und in einem Spiel resultierte, aus dessen Inhalt man drei hätte machen können. Die Grundlagen von Dragon Quest VII sind, dass die Welt im Kampf Gut vs Böse zerbrochen ist und nun nur noch eine kleine Insel auf dem Ozean schwimmt. Doch über Fragmente, die zu Steintafeln im Schrein zusammengesetzt werden, geht es in die Vergangenheit diverser anderer Landflächen. Sobald das dortige Problem gelöst ist, taucht die auch in der Gegenwart wieder auf. Dragon Quest war ja schon immer eher mau an Haupthandlung und stützte sich stattdessen lieber auf den Charme der einzelnen Reisestationen des Abenteuers. Dragon Quest VII besteht sozusagen fast nur aus solchen einzelnen kleinen Vignetten, die strickt voneinander getrennt sind. Am Ende gibt’s natürlich doch ein großes Böses, das erlegt werden muss, und in dessen Auferstehung und Versiegelung einzelne der vorigen Ereignisse hineingespielt haben, doch weitestgehend ist Dragon Quest VII schon sehr episodisch gehalten. Nur hätte es wirklich so vieler Episoden gebraucht?

Mehr Reisestationen durchs Abenteuer, mehr Jobs von denen man eh nur wenige benutzen wird, mehr Monster um die vielen Landstriche und Dungeons zu füllen, mehr örtliche Dialekte die man kaum versteht, mehr Nebenaufgaben um seine Zeit zu verschwenden, mehr Items die den Beutel unübersichtlich zumüllen. Mehr ist nicht immer besser. Dragon Quest VII ist nicht besser. Dabei ist die Gesamtspielzeit gar nicht mal so lang für mich gewesen. Ich war in 65 Spielstunden durch, was schon lang für ein RPG ist, jetzt aber auch nicht maßgeblich über meine Zeiten mit Dragon Quest VIII (PS2) oder Dragon Quest IX hinausgeht. Und Anfang des Jahres habe ich ja erst geschrieben, wie lieb ich es gewonnen habe, wenn ein Spiel gut in Etappen gezockt werden kann. Ein Inselabenteuer in Dragon Quest VII dauert so 2 bis 3 Stunden, um das örtliche Problem gelöst zu haben, welches vom Rest losgelöst scheint. Doch trotz jener Episoden und trotz der nicht längeren Gesamtspielzeit, kam mir der siebte Teil irgendwo immer noch unglaublich ermüdend vor.

Was vielleicht auch daran liegt, dass er frontallastig nicht den besten Eindruck macht. Es dauert im Remake immer noch 1.5 Stunden, bis man nach viel Vorgeplänkel hin und her endlich in der ersten Vignette ankommt und dem ersten Gegnerkampf gegenübersteht. Es dauert immer noch bis Spielstunde 17, wenn andere RPGs schon langsam Richtung Zielgeraden schauen, bis Dragon Quest VII überhaupt mal sein Jobsystem freischaltet, damit die Kämpfe weniger langweilig werden. Und die Truppe mit den zwei Kindheitsfreunden, die man zu Beginn steuert, sind auch alle ziemliche Arschlöcher, was die Motivation nicht sonderlich steigert.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob die sichtbaren Encounter des Remakes wirklich so viel besser machen, wenn gerade in den Dungeons die Gänge so angesiedelt sind, dass man eh in fast jeden hineinrennt, und sie so häufig spawnen, dass es genauso gut alle 5 Schritten zu einer zufälligen Auseinandersetzung kommen könnte. Oder das viele frühe Bosskämpfe, gerade bevor man die Jobs hat, teilweise echt Glücksabhängig zu sein scheinen, ob ihre Statuseffekte die komplette Truppe kampfunfähig machen oder nicht. Oder dass Dragon Quest VII einem gern Leute aus der Truppe entfernt und jemand anderen aufzwingt. Obwohl es insgesamt 6 Spielercharaktere gibt, wird man nie mehr als die volle 4er-Gruppe zur Verfügung gestellt bekommen. Abgesehen vom finalen Dungeon, aber auch hier kann einfach verpasst werden, dass man sich eigentlich aus 5 Leuten eine Truppe zusammenstellen darf, weil das Spiel es so aussehen lässt, als hätte gerade wieder ein fixer Wechsel stattgefunden.

Auch gewöhnungsbedürftig ist die fast überbelichtet wirkende Optik oder das die Kamera fast klaustrophobisch nah an den Charakteren zu hängen scheint. Grundsätzlich mag ich ja auch das Jobsystem von III und IX besser. In VI und VII kann halt nur in der Alles-Neu-Abteil die Berufung gewechselt werden, und außerdem steigt das Joblevel nicht an Jobpunkten oder so, sondern in dem X Anzahl an Kämpfen bestritten werden, aber nur solange die Gegner im Level nicht gegenüber der Truppe zu niedrig sind. Soll Grinding vorbeugen, aber ich fand es teilweise echt eng gesteckt, wie lange die noch Punkte geben, und wenn der Spieler grinden will, warum ihm dann Steine in den Weg legen?

Es gibt aber auch Dinge, die man an Dragon Quest VII mögen kann. Zum einen ist das Design der einzelnen Abenteuerepisoden, wenn es schon so viele gibt, schön unterschiedlich. Es gibt eine höhere Anzahl an NPC-Modellen als sonst. Es gibt so viele Monster, dass man einen Großteil davon weder davor noch danach (außerhalb der Monsters Spinoffs) zu sehen bekommen hat. Zudem haben sie charmante Animationen. Die Städte haben unterschiedliche Layouts, eine ist schon mal im Hundertwasser-Look gehalten, oder ein Dungeon unter Wasser oder auf einem abstrakten sich drehenden Glaskasten.  Auch spielerisch gibt es teilweise schon starke Puzzle-Einschläge in ihnen. Für optische Abwechslung wird wenigstens gesorgt. Im Remake auch dadurch, dass jeder Job mit einem Kostümwechsel daherkommt, und die Details sogar bei jedem Charakter etwas anders sind. Wobei das Spiel hier hart die Chance verpasst hat, die Charaktere in der Hero-Klasse Cosplay der MCs voriger Einträge machen zu lassen, statt allen Variationen desselben roten Outfits zu geben.

Beim Remake muss zudem nicht mehr nach Steintafeln gesucht werden, da es jetzt einen Radar dafür gibt. Auch das Tagebuch, welches einem sagt, was man zuletzt gemacht hat, und als nächste machen soll, ist super praktisch in einem Spiel dieser Länge, bei dem man gern mal längere Pausen einlegt, und wo durch die jeweils strickt getrennten Episoden mal vergessen werden kann, was jetzt eigentlich zu tun ist. Zudem war es ganz clever, dass in der Gegenwart auf der Oberwelt keine Monster existieren, da die ja angeblich friedlich sein soll, so wie das bei anderen Teilen der Franchise erst nach besiegen des Obermotzes ist – nach dem sie ebenfalls die Monster tilgen. Und obwohl das Fake End dennoch offensichtlich ist, zieht es nach einem Spiel von 50 Stunden natürlich eventuell etwas besser, als wenn Chrono Trigger das nach keinen 10 Spielstunden vorgaukeln will.

Um ehrlich zu sein, wenn ich genauer darüber nachdenke, bekomme ich beim Spielen von Dragon Quest VII fast das Gefühl, die Macher hätten lieber ein Adventure Game entwickelt. Yuji Horii hat davon ja tatsächlich ein paar im Repertoire. Denn das Spiel ist für ein Dragon Quest unglaublich wortreicht, mit vielen extrem dick auftragenden Szenen mit den Bewohnern der aktuellen Episode. Pro Vignette ein Dungeon einwerfen zu müssen, wirkt manchmal wie ein Nachtrag, weil es halt sein muss. Stattdessen wird viel hin und her gerannt und Gegenstände übergeben oder Gespräche ausgelöst. Es gibt einen ziemlich hohen Puzzle-Anteil zu lösen, selbst die Fragmente im Original zu finden war dem nicht unähnlich. Die ersten 1.5 Stunden sind eigentlich komplett ohne Kämpfe. Ja, dies würde tatsächlich erklären, warum Dragon Quest VII zu spielen sich so merkwürdig anfühlt.

Es gibt übrigens zwei Instanzen, zu denen ich wirklich gemerkt habe, dass der siebte Teil im Konzept wirklich keinen Respekt davor hat, die Zeit des Spielers zu vereinnahmen. Also noch abgesehen von den ersten 1.5 Spielstunden zwei. Beispielsweise gleich am Ende. In allen Teilen darf nach dem Sieg über den finalen Boss noch mal die Welt bereist werden, um sich von allen NPCs feiern zu lassen, es kann aber auch direkt zu einem Punkt hin, um das Ending zu triggern. Dragon Quest VII hingegen macht es unausweichlich, bei jeder einzelnen Insel erneut vorbeizuschauen und mit den wichtigsten Charakteren zu sprechen. Und dann die Gegenstände, die in den Städten zu finden sind. Man sucht sich wie immer kleptomanisch dumm und dämlich, um jede Urne zertrümmert, jede Unterwäscheschublade geöffnet, und jeden Stein umgedreht zu haben. In 90% aller Fälle findet man dort in Dragon Quest VII aber nur minimale Geldwerte oder schon längst obsolet gewordene Gegenstände und Ausrüstung. Aber ganz vereinzelt gibt es doch mal eine gute Rüstung oder eine Minimedaille, so dass man es sich auch nicht sparen kann, alles zu durchsuchen, nur um dann doch meist nichts von Wert vorzuzeigen zu haben. Das spiegelt doch das Spiel an sich ganz gut im Kleinen wieder: Zum Großteil verschwendete Zeit, mit nur wenigen Highlights, weswegen man doch weitergespielt hat, nur um mit einem eher durchwachsenen Gefühl darauf hervorzugehen.

Fall in Love, Maidens: Sakura Taisen 4

Ursprünglih war geplant, dass Ogami nach Sakura Taisen 2 sozusagen auf eine Weltreise geht, und in verschiedenen Regionen neue Truppen an Mädels ausbildet. Zuerst Paris in Sakura Taisen 3, anschließend wäre nach einer kurzen Rückkehr zu den Tokyo-Mädels im Kinofilm New York in Sakura Taisen 4 drangekommen. Doch dann kam was dazwischen: Der Tod von Sega als Konsolenhersteller. Nach einem zumindest regional bedingt erfolgreichen Master System und dem Hit des Mega Drives, ging es die folgenden Jahre für die Firma stetig bergab. Zunächst mit wenig erfolgreichen Lebenserweiterungsversuchen ihres 16bit-Systems, dann mit einem sich nicht durchgesetzten Saturn, und letztendlich sollte der letzte Versuch im innovativen Dreamcast ebenfalls nicht fruchten. Noch im gleichen Monat, in dem Sakura Taisen 3 auf den Markt kam, wurde die Unterstützung des Dreamcasts seitens Sega offiziell eingestellt.

Doch auch wenn das Dreamcast nicht genug Fans fand, um Sega zum kommerziellen Erfolg zu verhelfen, so war die kleine Basis doch hartnäckig, und das System wurde von Drittanbietern noch Jahre über seinen Tod hinaus bedient, wesentlich weiter, als das bei allen anderen Konsolen der Fall war. Und auch Red Company und Segas Overworks konnten den Hauptzweig davon überzeugen, statt Sakura Taisen 4 auf die PS2 zu hieven, stattdessen zumindest die Ogami-Ära mit einem Schwanensong auf dem Dreamcast zu beenden, und das Setting in New York für einen Neustart mit frischem Cast in Sakura Taisen 5 aufzuheben.

„Wie bekommen wir in 10 Monaten ein volles Spiel realisiert?“

Allerdings unter der Voraussetzung, dass Sakura Taisen 4 bereits ein Jahr nach dem dritten Teil in den Händlerregalen stehen musste. Gleichzeitig erschien die Sakura Taisen Premium Box, die alle vier Hauptspiele, und damit alle der Ogami-Zeit, in sich vereinte. Und über eine Viertelmillionen abgesetzte Einheiten konnten sich für den vierten Teil durchaus sehen lassen, wenn man mal alle Widrigkeiten mitbedenkt. Immerhin verpasst das Spiel damit nur knapp die Top 10 der bestverkauften Spiele Japans für die Plattform.

Die kurz Entwicklungszeit macht Sakura Taisen 4 natürlich zum schwachbrüstigsten der Einträge in die Serie, das Spiel kommt beispielsweise auf einer einzelnen Disc daher, statt wie üblich mehrere zu füllen – und so eine GD-Rom fürs Dreamcast hat nicht mal so viel mehr Fassungsvermögen als eine reguläre CD. Statt wie eine Anime-Serie mit knapp einem Dutzend Episoden über den Zeitraum von ungefähr einem halben Jahr Storyline zu reflektieren, findet das vierte Spiel wie ein Film in drei direkt ineinander übergehenden Akten über den Verlauf weniger aufeinanderfolgender Tage statt. Ein wenig habe ich die „Nächstes Mal bei Sakura Taisen“ Ausblicke am Ende ja schon vermisst.

So viele Mädels zur Auswahl, dass sie gar nicht mehr auf einen Bildschirm passen.

Wobei sich die einzelnen Akte gar nicht mal so anders anfühlen, als Episoden das in vorigen Spielen taten, was ihren Inhalt angeht. Es geht nur eine ganz Ecke schneller voran. Aber im Prinzip ist das hier Gebotene schon eine typische Sakura-Taisen-Handlung, nur im Schnelldurchlauf erzählt. Ein wenig, als würde man drei Episoden aneinanderreihen, dazwischen nur sieben überspringen. Quasi eine Episode 1, Ogami kehrt nach Tokyo zur Teito Truppe zurück, jedoch erwacht eine neue Bedrohung, gefolgt von Episode 3 oder 4, in dem die Kämpfertruppe ihre erste richtige Niederlage gegen den neuen Bösewicht hat, so dass die Pariser Mädchen zur Unterstützung vorbeikommen müssen, und dann direkt hinein in Episode 10 mit der finalen Schlacht und dem Epilog-Ende. Selbst die Laufzeit hält sich strickt an den gewohnten Schnitt von ca. 2.5 Stunden pro Akt, wobei ungefähr 2 ans Lesen des Visual Novels zum Voranbringen der Story und Interagieren mit den Mädels abfällt, während die letzte halbe Stunde im SRPG-Part gekämpft wird, abgesehen vom finalen Akt, wo der Kampf-Anteil etwas erhöht ist.

Selbst spielerisch wird mehr oder minder das volle Programm über die circa 8 Stunden Spielzeit anberaumt. Über das LIPS-System muss sich rangehalten werden, wann immer man im VN-Teil um eine Antwort gebeten wird, oder Ogami antwortet nach Ablauf des Timers gleich gar nicht. Wobei ich es diesmal nicht hatte, dass Antworten durchs Warten hinzugekommen wären oder sich verändert haben, aber vielleicht habe ich einfach immer zu schnell bereits eine ausgewählt gehabt. Ein oder zwei Mal durften über eine Event-Chain unter längerem Timer mehrere Antworten in Folge gewählt, oder über die Höhe einer Leiste die Kraft hinter der Antwort eingestellt werden. Ein wenig auf einem Bild herumklicken, um das Gespräch auf die Haare, Klamotten oder den Teddy eines Mädchens zu lenken, ist vorhanden, jedoch keine Gesprächsrunden wie in Sakura Taisen 3.

Sumire trat das Jahr darauf sowieso aus der Franchise aus.

Ein Mal pro Akt gibt es die Free Movement, in der Ogami frei durch das Theater bewegt werden kann. Jeder besuchte Raum geht dabei vom Timer ab, und irgendwann geht die Story dann weiter. Es ist also nicht immer möglich, jedes der Mädchen zu besuchen, um Smalltalk via LIPS zu halten, und deren Zuneigung zu Ogami zu erhöhen, damit sie unter den Top 5 der 13 Kämpferinnen gegen Ende steht, aus denen sich die wahre Liebe herausgesucht werden darf, mit der man das Ende im Epilog sehen wird. Schon gar nicht, wenn man stattdessen ein Schwätzchen mit Nebencharakteren hält, am Geschenkeshop eine der Headshots der Theatertruppe einkauft, oder der Einladung zum einen Minispiel (Mahjong) folgt.

Seine One True Waifu zu wählen, ist auch einer der Hauptkonflikte des vierten Teiles. Bisher konnte man natürlich jedes der drei vorigen Spiele mit einem anderen Mädchen enden. Und natürlich via System Save auch durch mehrere Durchläufe irgendwann von jeder das Ende freigeschaltet haben. Grundsätzlich auch in Sakura Taisen 4, dessen Save File über 13 Icons sogar direkt zeigt, mit welcher Kämpferin das Ende bereits gesehen ist, falls man bei einem Dutzend möglicher Kandidatinnen irgendwann vergisst, welche Trophäen davon schon im Schrank stehen. Doch so wirklich mit Polygamie hat es Sakura Taisen leider nicht, es gibt keine Harem-Enden oder Dreiecksbeziehungen, sondern das eine Mädchen, mit dem man den aktuellen Durchlauf beendet, ist für jenen dann auch die einzig Wahre für Ogami gewesen, und selbst im Paris-Ausflug kann man den Französinnen schön brav sagen, dass man an einer Romanze nicht interessiert ist, weil man eine Zukünftige in Tokyo sitzen hat.

Wenn Pariserinnen mitbekommen, dass sie nur der Urlaubsflirt waren…

Hat der Spieler allerdings die Option für einen Urlaubsflirt genutzt, so bemüht sich Sakura Taisen 4 darum, dies endgültig zu regeln. Wer die DC-Ports der ersten beiden Spiele besitzt, kann von allen drei Vorgängern Save Files importieren, alternativ fragt Kommandant Yoneda zu Beginn dieses Spiels aber auch etwas indiskret, ob man sich in eine Pariserin verguckt hat, und/oder ob man hier in Tokyo jemand Besonderen sitzen hat. Ich habe beispielsweise ganz ehrlich sowohl Glycine und Sakura angegeben, deren Enden ich ja tatsächlich erspielt hatte. Das führte natürlich zu gewissen Spannungen, sobald die Pariser und Tokyoter Kämpfertruppe aufeinandergetroffen sind, und am Ende musste sich mein Ogami entscheiden, wen er wirklich zur Seinen machen will, während der jeweils andere Part des Liebesdreiecks großzügig aufgibt. Damit Ogami sein draufgängerisches Junggesellenleben mit dem finalen Eintrag in seine Geschichte endgültig aufgeben und die Liebesakte Sakura Taisen geschlossen werden konnte.

Im SRPG-Part des Spieles, der das ganze Bilderbuch-Lesen aufzulockern am Ende eines jeden Aktes eingefügt wird, hat sich ebenfalls nichts geändert. Es wird die Engine aus Sakura Taisen 3 erneut verwendet, der vierte Teil erfindet sogar Gründe, warum sich die Trupp auf mehrere Schauplätze pro Einsatz aufteilen muss, damit Ogami nie mehr als fünf Mädchen an seinem Einsatzort zur Verfügung hat, da sie scheinbar nur für sechs Einheiten konzipiert ist. Noch mal kurz im Überblick hat jede Einheit einen Balken, der in Aktionspunkte unterteilt ist. Sich über das Kampffeldbewegen zieht je nachdem, wie weit, sowie anzugreifen je nachdem, wie viele Schläge draufgesemmelt werden, verschieden viele der Punkte ab. Defensivhaltung, Special-Meter boosten, oder eine Einheit heilen kostet auch unterschiedlich viel. Das ganze durch die von Ogami änderbaren Taktiken bestimmt, die einige Kommandos teurer oder billiger im Gebrauch machen, oder komplett verhindern.

Coole Title Cards für die Bosse gibt es immer noch.

Auch kann Ogami wieder drei Mal pro Kampf eine andere Einheit vor jeglichem Schaden schützen, was zusätzlich die Zuneigung der beiden bestimmt. Erfahrung und Level gibt es keine, nur ein paar Status-Boni durch besagte Zuneigung. Sollte eine Einheit doch mal fallen, so gibt das ein Zuneigungs-Minus, aber ansonsten steht sie in der nächsten Phase wieder komplett geheilt auf dem Kampffeld. Allgemein bleibt Sakura Taisen so einfach wie eh und je. Der übliche schnelle Weg zum Sieg, nämlich die Taktik, die den individuellen Heilungs-Move ausschaltet, dafür für nur einen Punkt die Specials boosten lässt, macht schnell Kleinholz aus jeglicher Opposition, solange man eine Einheit mitbringt, deren Special eine AOE-Gruppenheilung ist, auf die zurückgefallen werden kann. Einzige Besonderheit im vierten Teil ist der finale Kampf, in dem Ogami mit seiner Waifu zusammen einen neuen Koubu steuert, was aber essentiell keinen Unterschied im Handling macht.

Zum großen Abschluss involviert Sakura Taisen 4 natürlich alle bereits bekannten Charaktere. Nicht nur kommen den 8 Mädchen aus Tokyo die 5 aus Paris zur Hilfe. Die Teito-Supports haben auch eine Schaltung nach Paris, damit Mel und Ci ihnen aushelfen. Kayama darf seine Gitarre zupfen und Ogami nerven. Selbst die schreckliche Bara-Gumi taucht erneut auf, um Ogami mit ihrem weibischen Verhalten unkomfortabel zu machen, keinen Nutzen zu haben, und uns einen letzten Unwitz darüber reinzudrücken, dass Schwule keine echten Männer sind. Nicht jeder Charakter aus der Ogami-Storyline wird vermisst werden. Kurz kommen sie natürlich sowieso alle ein wenig. Gerade bei der Wahl der künftigen Braut baut das Spiel stark darauf, dass man die Mädels bereits alle aus den vorigen Spielen kennt, denn 13 Waifus wird man in unter zehn Stunden einfach nicht ausgiebig beleuchten können, gerade wenn man noch allen Nebencharakteren einen Auftritt verschafft und eine Haupthandlung mit neuem Schurken einbaut. Aber für Neuankömmlinge ist Sakura Taisen 4 auch nie gedacht gewesen, sondern als ein letztes Abschiedsgeschenk an die treuen Fans, die zum letzten Mal auf einer Sega-Platform zum letzten Mal ein kurzes Abenteuer mit den liebgewonnen Charakteren erleben wollen.

Genau wie Character Cutins, wenn eine Einheit (hier der Doppel-Soubu) dran kommt.

Dieses Gefühl des letzten Hurrahs, aber dennoch Ende einer Ära, zieht sich dann auch durch das ganze Spiel und ist von Anfang an präsent. Sakura Taisen 4 öffnet mit einem Opening, welches uns alle Mädchen präsentiert (Paris kommt allerdings ein wenig kurz), und zu dem das gewohnte Geki! Teikoku Kagekidan zurück ist, diesmal allerdings gesungen von Hauptcharakter Ogami mit den Mädels als Chor. Direkt darauf stimmt das Spiel ruhige Töne an, blendet zu leichter Spieluhrmusik auf schwarzem Hintergrund den Beginn von Gondola no Uta ein, welches auch den Untertitel hergibt: Das Leben ist kurz, verliebe dich Mädchen. Bevor das Rot der Lippen verblasst. Bevor das heiße Blut gefriert. Denn es gibt kein Morgen. Diese nostalgische Note sofort wieder wegkehrend wird direkt ein zweites Opening eingespielt, diesmal eine Ingame-Cutscene in der Ogami mit der Teito Truppe die Hauptstadt beschützt, in dem sie eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn aufhalten.

Nach diesem tonalen Hin und Her steht Ogami endlich im Spiel und Yoneda darf nach seinen zwei präferierten Mädels fragen, wir finden heraus, dass die Steampunk-Maschinen von Tokyo neuerdings zu Fehlfunktionen tendieren, und das als nächstes Bühnenstück Les Miserables angesetzt ist. Diesmal muss Ogami allerdings nicht die Tickets abreisen, sondern Yoneda überlässt ihm die leitenden Funktionen. Da das Stück bekanntlich eher weniger erheiternd ist, beschließt Ogami in seiner neuen Leitungsfunktion nachdem die Rollen verteilt wurden, dass die Hochzeit zwischen Cosette und Marius der große Höhepunkt der Darbietung sein soll, weil dies eine Hoffnung für die Zukunft wiedergibt. Dummerweise spricht er jedes Mädel einzeln darauf an, was sie von Heirat hält, gerade so vage genug, dass sich alle als mit ihm verlobt ansehen dürfen. Zu allem Überfluss drehen auch noch Maschinen im Vergnügungspark durch, den Kampf gegen welche Kohran als etwas zu persönlich ansieht, und nachdem goldener Dampf ihren Koubu durchdrehen lässt beinahe die Selbstzerstörung initiiert. Good Girl Maria rettet allerdings den Tag und so klingt Act 1 mit dem Setup der Handlung aus.

13 mögliche OTPs können gebildet werden.

Alle versuchen herauszufinden, was der Goldstaub und der goldene Dampf miteinander zu tun haben, warum sie die spirituelle Energie auslöschen, so dass die Koubus nicht mehr gesteuert werden können, und warum der Boss auf seiner Flucht eine Noh-Maske hinterlassen hat. Sie schauen sich ein Noh-Theater an, was wenig hilft, und wen man auch immer in Sakura Taisen 3 gewonnen hat, kommt aus Paris vorbei, um bei der Investigation von Ginza zu helfen. Erste Reibungen zwischen ihr und dem Tokyoter Favoriten sind die Folge. Lange kann sich jedoch nicht miteinander beschäftigt werden, denn nun wird Yonedas Schlachtschiff Mikasa durch den Golddampf zur Gefahr.

Der fühlt sich natürlich persönlich verantwortlich und bekommt seinen Hero Shot, wenn er beinahe dabei stirbt die Mikasa aufzuhalten, während Ogami zurückbleibt um das Theater zu schützen. Nachdem die anderen Koubu alle nicht mehr steuerbar sind, wird der Rest der Pariser Truppe rübergeschossen und hilft aus, den finalen Schlag macht allerdings Ogami in seinem Hero Shot. Während der Willkommensfeier wird andernorts Kayama in seiner Investigation vom Noh-maskierten Bösewicht angegriffen und bekommt seinen Hero Shot. Durch ein Manuskript finden wir zumindest heraus, dass Ginza ursprüngliche das Böse vertreiben sollte. Act 2 klingt aus, und alle männlichen Charaktere haben im letzten Teil einen letzten heroischen Moment geschenkt bekommen. Außer die Bara-Gumi, aber Schwule sind ja keine echten Männer, ba dum tiss.

Schadenfreude-Sakura ist beste Sakura.

Der finale Act beginnt mit netten Interaktionen der beiden Harem. Maria und Glycine beispielsweise verbindet, dass sie die Mutterfiguren sind, die ihre Truppen auf Spur halten müssen. Kohran hingegen mit ihren Späßen und wilden Erfindungen unterhält Erica und die beiden Lolis. Ogami findet die Zeit, auch die Pariserinnen so auf die Hochzeitsszene anzusprechen, dass die keine Verbindung zum Theaterstück herstellen können. Es geht auf einen Ausflug mit einer von zwei Gruppen, und anschließend kommt es im Bad zum üblichen Missverständnis, wenn Mädels einen Kerl als perversen Spanner betiteln, obwohl er zuerst da war und sie genau genommen auf ihn gestoßen sind statt andersrum. Irgendwann bekommen auch alle mit, dass Ogami jeder die Heirat „versprochen“ hat, und das stimmt sie auch nicht besser.

Strategin Kaede derweil führt die Handlung an die Ursprünge zurück, in dem sie herausfindet, dass der Bösewicht schon immer versucht hat Tokyo zu zerstören. Beispielsweise weil er den ursprünglichen Koma, den Yoneda und seine drei Mitstreiter in der Backstory zu den ersten zwei Teilen bekämpften, beschworen hat. Stellt sich heraus, er war ursprünglich dazu da, um Ginza und dadurch auch Edo zu Reichtum zu verhelfen, seine spirituellen Kräfte wurden der Bevölkerung allerdings unheimlich, weswegen sie ihn ausgeschaltet haben. Und so wurde aus ihm ein rachsüchtiger Geist, der die Stadt in den Abgrund stürzen will.

Der Bösewicht spricht wie in einer Noh-Aufführung, was… schon.. leicht… anstrengend… ist.

Die Mikasa wird vom Noh-Typen übernommen und droht ganz Tokyo zu zerstören, also wird eine Truppe gebildet, um sie zu vernichten. Neben der Wahl zur Haupt-Waifu, mit der Ogami den Doppel-Koubu steuern wird, darf er sich aus allen 13 auch noch 4 weitere Mitstreiterinnnen für die finale Schlacht auswählen, die seine persönliche Ogami Kagekidan bilden. Die kämpfen in der Luft auf dem Rücken der Mikasa, der Rest der Kagekidan zu Lande gegen Fußtruppen, beide Support-Team helfen aus, und Tsuki- wie Bara-Gumi evakuieren Zivilisten. Natürlich gewinnen wir nur gegen den abgehackt redenden Noh-Geist, in dem wir die Liebe aller ineinander channeln, und es kommt zu einer letzten Victory Pose des Original-Casts, zu dem alle eingeladen sind, die nicht in Paris versauern.

Im Epilog findet die Erstaufführung von Les Miserables noch in einem halb zerstörten Theater statt, weil die Leute uns die Bude einrennen, und wir ihnen neue Hoffnung geben wollen, statt die Aufführung zu verschieben bis die Reparaturen beendet sind. Die Supports und Bara-Gumi verabschieden sich lang von Ogami, da sie sich auflösen bzw. versetzt wurden. In einer finalen Free Movement ohne Timer kann noch mal jeder Charakter im Theater angesprochen werden, und am Abend überreicht Yoneda wie es vorauszusehen war final Ogami das Zepter des Oberkommandos über die Blumentruppe. Die Pariser Mädels verabschieden sich, eine der beiden aus dem Dreieck gibt großzügig Ogami auf, während der entweder mit seiner Erstwahl in Tokyo bleibt oder mit nach Paris übersiedelt.

Letzte Victory Pose mit allen in Tokyo befindlichen Charakteren.

Anschließend kommt der Charakter-spezifische Teil. Ich habe, weil es vielleicht eine Stunde Spielzeit zum letzten Save ist, wenn man sich durch bekannten Text schnell durchklickt, sowohl Sakura wie Glycine gewonnen. Mit Sakura trifft sich Ogami unter den Kirschblüten des Parks, in dem sie im ersten Teil ihr erstes Aufeinandertreffen hatten, und Ogami fragt Sakura, ob sie seine Familie kennenlernen will. Mit Glycine ist er am Privatstrand der Bleumer-Familie und muss sie nach einem Tritt auf einen Seeigel in den Sonnenuntergang tragen. Alle das, nachdem es in Paris hier ein kurzes Wiedersehen mit den ansonsten etwas kurz gekommenen Grand Mere, Mell und Ci gab.

Und dann kommt das Ending. Mit Bildern aus allen vier Teilen, gefolgt von welchen des Charakters, den man gewonnen hat, und gewohnt einem letzten Gruppenbild von allen vorm Theater stehend. Dazu der Rest von Gondola no Uta, welches in seiner Gesamtheit schon etwas weniger traurig klingt. Denn es geht zwar um die Flüchtigkeit der Jugend, aber nur als Ansporn dazu den Moment und seine Liebe zu ergreifen, bevor es zu spät ist, und das die wahre Liebe einem bis zum Ende bleiben wird. Die Zeit mit Sakura Taisen war flüchtig aber schön, und die Spiele werden einem immer erhalten bleiben, nicht wahr? Eine Anime-Cutscene pro Mädel gibt es übrigens nicht, sondern nur ein CG, weil ST4 unter Zeitdruck und Budget entstanden ist. Aber dafür eine generelle, die ich fast noch passender finde. Nämlich Yoneda, der durch den Park spaziert, und sich über eine Vision aller „seiner“ an Ogami abgegebenen Mädchen und seinen drei toten Kameraden von ihnen verabschiedet, endgültig einen Schlussstrich unter seine Zeit als Kommandant ziehend. Die Szene hatte bei mir definitiv die größte emotionale Resonanz.

So Long, My Love

Natürlich gibt es Dinge, an denen man den vierten Teil herunterstufen kann. Es ist alles kurz und überhastet. Das Spiel geht davon aus, dass man alle diese Charaktere bereits kennt und was mit ihnen anfangen kann. Ein Großteil des Artworks ist wiederverwendet, mit einer klaren Diskrepanz zwischen den spitzeren alten Designs und dem runderen neuen Bildern. Die Charaktere sind nicht so sympathisch und die Handlung ist nicht so ergiebig wie in vorigen Teilen. Aber all das ist doch irgendwo Nebensache, denn wie das Framing durch Gondola no Uta eben schon so gut zeigt, ist das hier eben das letzte Auf Wiedersehen von Sakura Taisen: Ogami Kegakian. Und als solcher Schlussstein funktioniert das Spiel wunderbar, hat aber natürlich nur Bedeutung für diejenigen, welche die volle Reise mit diesen Charakteren hinter sich haben. Alle werden noch mal gezeigt, alle bekommen ihren heroischen Moment, und der Bösewicht und die Handlung haben einen persönlichen Touch mit der Rückführung in die Hintergrundgeschichte der Reihe. Ich kann mir nur vorstellen, wie es hat sein müssen als Spieler in 2002 nach 6 Jahren mit Sakura Taisen den vierten Teil im Dreamcast zu haben, wissend dies ist das Ende der Reise und der Plattform.

Und damit ist auch meine Reise mit der Franchise zu einem Ende gekommen. Den fünften Teil hatte ich ja als ersten gespielt, welcher mich überhaupt genug angefixt hat, um einen Blick auf die (Russland-) und Japan-exklusiven Teile zu werfen. Und das da wirklich nach und nach alle gefolgt sind, spricht wohl für sich. Sakura Taisen hat irgendwo schon seinen eigenen, speziellen Vibe. Selbst für Dating Sims oder Visual Novels oder RPG mit Trophäen-Jagd, so ganz die gleiche Mischung bekommt man nirgendwo sonst geboten. Ade, Sakura Taisen.

Is Paris Burning?: Sakura Taisen 3

Noch im gleichen Jahr, in dem Sakura Taisen 2 auf das Sega Saturn aufschlug und zum bestverkauften Eintrag der Serie wurde, kam in Japan mit dem Dreamcast eine Nachfolge-Konsole auf den Markt. Natürlich sollte auch die Vorzeige-Serie von niedlichen Mädels, die in Steampunk-Mechs gegen das Böse kämpfen, auf die letzte Hoffnung der Firma migrieren. Was dann allerdings ein klein wenig länger dauerte. Obwohl Red Company, welche die vorigen beiden Einträge für Sega erschufen, Unterstützung aus deren Hause mit dem Sega-eigenen Overworks bekamen, dauerte es diesmal drei Jahre bis Sakura Taisen 3 Anfang 2001 in den Regalen der Händler stand. Nur wenige Wochen, bevor Sega dem gescheiterten Dreamcast offiziell den Stecker zog.

Sakura Taisen 3 kommt dann auch mit viel Neuem, genauso wie viel Altem. Ganz frisch ist natürlich das Setting, denn Ogami wurde ja im Vorgägner nach Paris versetzt. Statt der bekannten Riege an 6 plus 2 Mädchen in Teito darf er seinen Charme also nun an neuen europäischen Damen in der Stadt der Liebe versprühen. Eigentlich ist es für Dating Sims sogar sehr ungewöhnlich überhaupt in mehreren Spielen die gleiche Belegschaft darzubieten, statt neue Jagdtrophäen aufzubahren. Doch Sakura Taisen ist sowieso weniger Dating Sim und viel eher ein Visual Novel. Da es eine Haupthandlung gibt, der linear gefolgt wird. Und obwohl der Hauptanziehungspunkt der Franchise immer noch ist, die niedlichen Mädels kennenzulernen, und man am Ende auch mit einer Auserwählten endet, so ist das eben nicht der einzige Fokus, und im häufig eher geradlinigen Spielverlauf lernt man eh alle kennen, auch wenn man sich für einige davon gar nicht interessiert. Bei Dating Sims hingegen macht man selten viel mehr, als das menschliche Ziel, welches man sich auserkoren hat, in die Submission zu stalken.

Bienvenue à Paris?

Dadurch ist Sakura Taisen auch ziemlich keusch gehalten. Als Serie auf Konsolen darf es selbstverständlich so oder so keine Sexszenen geben, aber ganz wie in Tokimeki Memorial ist das gewagteste, was einem das Spiel präsentiert, höchstens ein Kuss oder zwei zwischen Ogami und seiner Auserwählten. Und Sakura Taisen 3 fährt das Flirten von Ogami sowieso weit zurück. Natürlich ist es schon so, das ganz Spieler-Wunsch-Erfüllung getreu alle fünf Mädels früher oder später von ihrem tollen neuen Anführer aus Japan zu schwärmen beginnen, doch dem Spieler ist selbst überlassen wie viel einfach daran liegt, dass Ogami so ein lieber Kerl ist, oder ob er wirklich aktiv dies fördert statt seiner Liebe in Tokyo treu zu bleiben. Das spiegelt sich sogar im Moment in Episode 9 wieder, an dem das Mädel ausgewählt wird, mit dem man das Ende sehen will, aus den dreien, die Ogami am besten gegenüberstehen. Denn offiziell wird nur ein Vizekommandeur ausgesucht, welche die Truppe auch dann leiten soll, nachdem Ogami wieder nach Japan gezogen ist. Mit Liebe hat das erst Mal gar nichts zu tun. Und auch später darf man Ogami sagen lassen, dass er daheim jemand speziellen auf sich warten hat, statt einer Pariserin unnötig Hoffnungen zu machen. Natürlich darf der Spieler auch komplett auf die neue Belegschaft eingehen und die japanische Blüte, die auf einen wartet, über den Charme des Neuen verwerfen. Aber es ist schon interessant, dass Sakura Taisen einem überhaupt explizit die Möglichkeit gibt, über alle vier Spiele hinweg einem einzigen Mädel treu zu bleiben.

Wobei ich ehrlich gesagt die Pariser Tanztruppe eh eine Ecke sympathischer fand, als die Schauspielerinnen aus Teito. Das liegt vielleicht auch daran, dass einem Sakura Taisen 3 mehr Zeit mit ihnen einzuräumen scheint. Wie immer hat jedes der Mädchen eine Episode, die sich vorrangig um sie und deren Hintergrund dreht, aber auch so hatte ich das Gefühl, dass mehr mit ihnen interagiert wird. Zudem gibt es diesmal gleich mehrere Dates mit der gegen Ende Auserwählten, plus ist der Charakter-spezifische Epilog länger statt fast nur aus einer kurzen Anime-FMV zu bestehen. Mir ist die holde Weiblichkeit aus Paris jedenfalls ein ganzes Stück mehr ans Herz gewachsen, als die aus Tokyo das über zwei Spiele geschafft haben. Und ich glaube die Herangehensweise, den Hauptcharakter von Stadt zu Stadt ziehen zu lassen, um jedes Mal eine neue Kämpfertruppe aufzubauen, ist sowieso interessanter, als mit etablierten Teams erneut in den Kampf zu ziehen. Auch wenn sich dadurch natürlich der Beginn der Spiele ähnelt, da Ogami sich zunächst als Anführer beweisen und später die Egos der Waifus untereinander zur Teamarbeit geführt werden müssen. Das verläuft im ersten und fünften Teil nicht viel anders.

Auch an die traditionelle Victory Pose müssen sich die Pariserinnen erst gewöhnen.

Sakura Taisen 3 kann die alte Riege dann doch nicht ganz loslassen, damit die Spielerschaft auch ihre Lieblinge aus den vorigen beiden Spielen zu Gesicht bekommen. Denn gerade um die neuen Mädels nach einem Rückschlag zu motivieren und Teamarbeit beizubringen, werden in Episode 7 Sakura, Iris und Sumire importiert. Was prompt dazu führt, dass sich der Pariser Harmen und Teito Harem über Ogamis Zuneigung in die Haare geraten. Allgemein ist Sakura Taisen 3 vielerorts wesentlich leichter und humoriger erzählt als Sakura Taisen 2, was für mich ganz gut gepasst hat. Episode 4 besteht beispielsweise hauptsächlich daraus, dass durch den Neuzugang der Diebin Lobelia die komplette bestehende Charakterdynamik aus den Fugen geworfen wird, und beim Einsatz in einem Gefängnis die anderen Mädels den Inhaftierten Standpauken halten, wie man ein ehrliches Leben zu führen hat. Auch die auf Beliebtheitslisten niedriger angesiedelten Teito-Waifus wie Kanna, Maria und Kohran kommen übrigens zum Trainieren vorbei, in der anschließenden Episode 8, und sind wesentlich verständnisvoller darüber, dass Ogami halt mal wieder seinen Charme nicht zu zügeln wusste. Reni und Orihime haben dann ihren Gastauftritt als Informanten in Episode 9. Und somit kann sich keiner beschweren, dass die Teito-Truppe einen Teil hätte aussetzen müssen.

Zusätzlich gibt es übrigens weiterhin den Kinematron, mit dem Ogami in den Free Movements auch nach Tokyo telefonieren kann, für diejenigen, die den alten Harem doch so sehr vermissen. Was ich nie gemacht habe, denn ganz ehrlich gesagt hätte ich persönlich auf die Gastauftritte ganz verzichten können. Sie sind nicht ausgeweitet genug, um wirklich von den neuen Charakteren zu viel Zeit zu stehlen, aber gebraucht hätte ich sie nicht. Zumal das Spiel etwas zu sehr Ogami und die alten Weiber glorifiziert. Witzigerweise fand ich das neue Opening für Paris zunächst etwas schwächer gegenüber dem ikonischen Geki! Teikoku Kagekidan, welches in den anderen Spielen und Anime beständig verwendet wird. Über die Zeit hinweg ist mir das neue Mihata no Moto ni jedoch sehr ans Herz gewachsen – gerade dann, wenn wir auf Disc 2 wechseln und mit den Gastauftritten auch ein neues Opening mit dem alten Song läuft.

Man(n) sollte nie den Haus- und den Urlaubs-Harem mischen.

Während ich die frische Charakterriege und das Pariser Setting übrigens sehr positiv aufgenommen habe, muss ich eingestehen, dass ich die Haupthandlung als etwas schwächer angesehen hatte, zumindest auf das Ende hin. Insgesamt fand ich die von ihrer Persönlichkeit sehr unterschiedlichen Charaktere der Antagonistentruppe an Tiermenschen doch sehr unterhaltsam. Und auch die auf die letzten zwei Episoden hervorkommende wahre Schurkin hinter allem hatte genug forshadowing, um nicht aus dem Nichts zu kommen. Dadurch wirkt das auch besser ineinandergreifend. Aber die Eröffnung, dass die fünf Mädels eigentlich von den schamanischen Ureinwohnern der Parisi abstammen, die von den Römern als sie Paris hier gründeten, überrannt wurden, und das sie deswegen kurz ihren Willen verlieren für Paris zu kämpfen, fand ich sehr an den Haaren herbeigezogen. Die Mädels sind alle in Paris aufgewachsen und damit selbst Pariser weit bevor sie Parisi sind. Wieso sollten sie der aktuellen Pariser Bevölkerung etwas nachtragen, was das römische Imperium vor tausenden Jahren verbrochen hat? Damit dürften die sich gar nicht identifizieren können. Paris zerstören zu wollen, weil Städte es verlernt haben mit der Natur im Einklang zu leben, war genauso etwas aufgesetzt. Aber auch wenn Sakura Taisen einen stärkeren narrativen Faden durch seine Haupthandlung hat, sind die sowieso nie ganz so extrem wichtig, und damit konnte ich auch mit diesem etwas schwachen Ende leben. Das Charakter-bezogene Ende war viel wichtiger und wieder schön herzlich.

Ein weiterer Aspekt, bei dem sich einiges getan hat, sind die SRPG-Kämpfe. Grundsätzlich kann man die meisten Episoden immer noch darin trennen, dass für 2 Stunden durchs Visual Novel gelesen wird und Antworten anzuklicken sind, die einem in der Affinität der Charaktere steigern oder senken, gefolgt von einem Kampf von 30 Minuten, der die Episode ausklingen lässt. Nur führt Sakura Taisen 3 das freiere Punkte-basierende System an, welches westliche Spieler aus dem fünften Teil, So Long My Love, kennen können. Zumindest die drei Leute abgesehen von mir, die es hier gekauft haben. Das Kampffeld ist als nicht mehr auf einem Grid basierend mit einem Bewegungsradius aus Felden. Und es können nicht mehr nur zwei Aktionen pro Kampfrunde pro Einheit ausgewählt werden.

Showdown vor Notre Dame.

Stattdessen hat jede Einheit jetzt eine nach Punkten abgegrenzte Leiste zur Verfügung, bevor deren Kampfrunde zu Ende ist. Es wird sich frei auf dem Kampffeld bewegt, allerdings alle paar Meter ein Punkt von der Leiste gelöscht. Je weiter sich also bewegt wird, umso weniger anderes kann noch gemacht werden. Normale Angriffe kosten einen Punkt, können aber zu einer stärker werdenden Kette von bis zu 5 Schlägen verlängert werden – mindestens 5 Aktionspunkte verbleibend natürlich vorausgesetzt. Eine Defensivhaltung einnehmen, die Spezialleiste zu boosten, sich oder eine angrenzende Einheit zu heilen, oder das Special zu werfen kostet alles eine gewisse Anzahl an Punkten. Das macht die Kämpfe viel flexibler und auch schneller, da nun eine schwächere Einheit beispielsweise in der gleichen Runde auf den Angriff verzichten aber dafür mehrere andere Aktionen durchfürhen kann, oder sich schneller auf die entfernten Gegner zubewegt wird.

Als weitere Variabel oben drauf hat Ogami weiterhin in seinem Kommandeurs-Menü ein paar zusätzliche Optionen. Zurück ist die Möglichkeit, eine der Mitstreiterinnen bis zu drei Mal im Kampf zu schützen, wodurch sie beim Angegriffen-werden keinen Schaden nimmt. Aber auch können erneut verschiedene Kampfstrategien gesetzt werden, die diverse Herangehensweisen ermöglichen. Und hier zusätzlich die Anzahl der Verbrauchspunkte verändern. Wer beispielsweise meint ganz ohne den normalen Heilbefehl auszukommen, weil Ericas AOE Special schon ausreichend heilt, kann auf die Angriffsformation wechseln, die im Gegenzug den Special-Boost nur einen Punkt kosten lässt, wodurch viel schneller alles mit den Spezialangriffen zu Kleinholz verarbeitet wird. Sporadisch eine Duo-Attacke werfen oder sich gegenseitig zu schützen kehrt ebenfalls zurück, worauf man allerdings natürlich nicht zählen sollte.

Will man eine so aufgebrachte Dame denn wirklich anquatschen?

Abgesehen davon lässt das 3D-Kampffeld wesentlich cineastischere Perspektiven zu, wenn mit dem Gegner geredet wird, bevor es los geht oder nachdem sie besiegt sind. Und sind die Kampffelder auch wesentlich abwechslungsreicher. Mal wird auf einem sinkenden Schiff mit jeder Runde erhöhendem Wasserstand gekämpft, dann wieder im Louvre ohne die Gemälde zerstören zu dürfen, oder auf dem Rücken eines Zuges während der Antrieb zu verteidigen ist. Diesmal haben mir die SRPG-Kämpfe beispielsweise gar nicht so viel ausgemacht, weil sie ziemlich schnell und flüssig erschienen sind durch das neue System. Einfach wie nichts sind sie natürlich schon immer gewesen, denn selbst wenn Gegner mal ordentlich austeilen kann man so nur umso schneller seine Special werfen, um AOE zu heilen oder den Gegner viel Rückschaden zu machen. Ich glaube nicht, dass irgendein Spieler je einen Kampf in einem dieser Spiele ernsthaft am Verlieren war. Eine einzelne Einheit, wenn man zu unbedarft selbstsicher ist, vielleicht schon mal. Was hier ja wenig bedeutet, im nächsten Part des Kampfes stehen sie eh wieder zur Verfügung, nur die Affinität gegenüber Ogami wird gesenkt. Selbst dass die Finale Episode 11 mal wieder einen wesentlich höheren Anteil an Kämpfen bietet, fiel für mich diesmal nicht ins Gewicht, da jedes Vorgeplänkel sowie der dreistufige Endboss jeweils eher fix über die Bühne gingen.

Selbst die Mini Games mit dem Mädchen haben mich diesmal nicht so genervt. Zum einen sind sie sowieso wesentlich weniger zahlreich als im Supergau in Sakura Taisen 2, sondern wenn ich mich recht erinnere nur eines pro Waifu ganz wie im ersten Teil. Sie lockern also nur das Lesen vom Text auf, statt dass sich eine halbe Minispiel-Sammlung im Hauptspiel versteckt hält, welches einen aus dem Nichts anspringt. Außerdem fand ich die kleinen Puzzler oder Quick Timer spielerisch diesmal angenehmer als so einige Geschicklichkeitsübungen der vorigen Teile.

Getimte Gesprächsrunden mehrerer Charaktere sind neu.

Im Großteil des Spieles, dem Visual Novel, hat sich hingegen weniger geändert. Weil man auch eher wenig am Konzept des Lesens von Textes unterbrochen von Multiple-Choice-Antworten ändern kann. Stattdessen konnte hier und dort ein Gimmick angefügt werden. Es wird weiterhin ge-LIPS-ed. Sprich die Antworten zu geben steht unter einem Timer. Aus den Vorgängern bereits bekannt ist dabei, dass beim Voranschreiten der Zeit durchaus auch schon mal Antworten dazu kommen oder sich deren Wortlaut ändern können. Auch gibt es kleinere Szenen, bei denen unter einem langen Timer mehrere Sequenzen von Frage-Antwort-Spielchen gestellt werden. Neu hierzu kommt eine Sache, nämliche die Überzeugung hinter einer Antwort bestimmen zu können. In diesen Fällen ist die Antwort an sich schon vorbestimmt, statt aus einer Liste ausgewählt zu werden, und der Spieler darf über eine Leiste bestimmten, wie viel Kraft Ogami hineinlegen soll – ist die Antwort besser aus voller Überzeugung gebrüllt, oder doch mit sachter Behutsamkeit auszusprechen? Weiterhin aus vorigen Spielen bekannt sind Szenen, in denen man verschiedene Dinge auf dem Bildschirm – häufig Körperteile der einem gegenüberstehenden Lady – anklicken muss, um eine Konversation auf bestimmte Themen zu lenken. Dazu kommen in Sakura Taisen 3 noch Konversationsrunden. Wenn es zu einem Konflikt unter den Mädels kommt, wird sich an einen runden Tisch gesetzt, und über das Anklicken der Mädels kann Ogami lenken, wer wann seine Einwände einbringen kann, wodurch hoffentlich die Problematik gelöst wird. Gutes oder schlechtes Abschneiden in all diesen Dingen ist gewohnt mit einem Audio-Effekt unterlegt.

Zuguterletzt wurde auch das Free Movement erweitert. Ein bis zwei Mal pro Episode darf sich Ogami frei durch die Gegend bewegen, um diverse Szenen und Gespräche mit Leuten zu aktivieren, oder zu verpassen, um Informationen zu sammeln oder Mädels zu bequatschen. Jeder Besuch treibt dabei die Uhr voran, bis Ogami über seinen tragbaren Kinematron – der Text ist im Display im DC-Kontroller angebracht – wieder zurück zur Heimbasis des Kabaretts Chattes Noires beordert wird, um die Eintrittskarten abzureißen. In Sakura Taisen 3 kann sich jetzt nicht nur im Theater sondern auch im umgebenden Stadtviertel von Paris bewegt werden, wodurch der Bewegungsspielraum erneut viel freier erscheint. Während viele Szenen immer noch automatisch mit der Ankunft an einer Lokalität beginnen, gibt es zusätzlich einige optionale Szenen, die vom Spieler selbst rechtzeitig wenn Ogami den Charakter rumstehen sieht bestätigt werden müssen, damit er nicht vorbei und ihm eine der fünf Mädels durch die Lappen geht:

Eine Nonne mit Maschinengewehr-Kreuz hätte ich nicht für den Healbot gehalten.

Erica Fontaine ist die Vorzeige-Waifu des Spieles, die gesonderten Aufmerksamkeit in allen nicht Charakter-spezifischen Dingen bekommt, plus mehr Charakter-spezifisches Zeug für sich hat als der Rest der Belegschaft. Auch die einzige Pariserin, die auf dem Cover (zumindest der DC-Version) ist, oder im Opening von Sakura Taisen 4 ihr Gesicht präsentieren darf. Die Gute ist nicht nur Nachts eine Kabarett-Tänzerin und bei Angrffen auf die französische Hauptstadt eine Steampunkt-Mech-Pilotin, nein am Tage ist sie zudem eine Nonne, was die verschiedenen Kreuzmotive durchaus andeuten können, allen voran das Maschinengewehr, dass sie gern und häufig zückt. Wie das alles zusammen passen will, weiß ich nicht wirklich, aber immerhin bringt das Spiel das auch an, wenn Erica meint, bei ihr in der Kirche hat keiner ein Problem mit ihren Eigenarten. Oder das sie häufiger mal von der örtlichen Polizei aufgegriffen wird.

Dem Kloster beigetreten ist sie ursprünglich, weil die Leute Angst vor ihren übersinnlichen Heilkräften hatten, die sie so inflationär nutzt, wie sie einen darum bittet sie geheim zu halten. Es sollte klar sein, dass Erica der verquere Charakter des Spieles ist, ständig stolpert, gegen Straßenschilder rennt, ganz naiv und gutgläubig ist, und allgemein an der Grenze des Special Needs kratz, aber von allen wegen ihrer warmherzigen Art gemocht wird. Anhänglich ist sie auch, wie sowohl die Tokyoter Mädels bei ihrem Trainings-Besuch, bei dem Erica durh jeden Test fällt, merken, sowie die kalte Lobelia, an der Erica einen besonderen Narren gefressen hat, und die mit ihrer gutmütigen und aufgedrehten Art überhaupt nicht klar kommt.

Später finden wir allerdings heraus, dass sie sehr unzufrieden mit ihrer eigenen Dämlichkeit und Ungeschicklichkeit ist, und häufig nur als Schutzmechanismus über sich selbst lacht, damit sie dennoch gemocht wird. Da sie sich selbst nichts zutraut ist ihre spirituelle Energie auch nur gerade so über der Schwelle einen Koubu zu steuern, und als die Mechs ein Upgrade erlangen, ist sie im nächsten Kampf total nutzlos. Was natürlich nur bedeutet, dass der Schurke sie aufs Korn nimmt, die anderen sie beschützen, und Erica zu ihrer wahren Kraft als ultimativer Healbot des Teams erwacht.

Ein Mädchen und ihre… Katze.

Glycine Bleumer ist eine stolze blonde Amazone aus einer hoch angesehenen Pariser Adelsfamilie, deren Ursprünge allerdings auf die Wikinger zurückgehen. Daher wahrscheinlich auch das aufbrausende Temperament, die immer griffbereite Streitaxt, oder als Trainingsstädte ein Piratenschiff im Garten ihrer Villa untergebracht zu haben. Sie ist jedoch durchaus den Vergnügungen des Fußvolkes gegenüber aufgeschlossen, auch wenn sie häufig erst in die Richtung gestupst werden muss, wie beispielsweise ihr Debüt als Tänzerin unter dem Pseudonym Blue Eyes zu  geben (da sie sich nicht kostümiert weiß ich allerdings nicht, wie viel ein Künstlername wirklich hilft unerkannt zu bleiben). Sie nimmt sogar Ogami auf einer Party in ihrem Anwesen gegenüber einem andren adeligen Fatzke in Schutz, wenn der jenen wegen seiner Abstammung als gelben Affen bezeichnet – wobei sie allerdings auch die Japanerin Hanabi als gute Freundin bei sich leben hat, und daher wohl schon von Natur aus eine andere Sichtweise inne hat.

Dennoch besteht ihre Charakter Arc letztendlich daraus, dass sie sich etwas vom Rest der Truppe abkapselt, und zu viel auf falsche Ehre gibt, ja sogar dazu bereit ist einen anderen Adeligen zu heiraten, den sie kaum kennt, um den guten Namen ihrer Familie voranzubringen. Stellt sich allerdings als der Löwenmensch unter den Schurken heraus, und so nimmt Glycine die Hilfe der anderen letztendlich doch an. Dadurch lernt sie etwas aufzutauen, mehr Freude in ihr Leben zu lassen, und dass man auch man verlieren darf ohne sich gleich im falschen Stolz verletzt zu fühlen. Zumindest bis Lobelia zur Truppe stößt, denn natürlich ist sie wenig von deren kriminellen Seite überzeugt und die beiden streiten sich von da ab freundschaftlich nicht unähnlich der Dynamik zwischen Sumire und Kanna in Tokyo.

Glycine ist auch das Mädel, deren Ende ich erspielt hatte. Auf einem der Dates nimmt sie Ogami beispielsweise zur Jagd auf dem Pferderücken mit, ist sich allerdings auch nicht zu schade sich im Zweifelsfalle die Hände schmutzig zu machen und die Beute selbst auszunehmen (am Ende des Tages wurden dann aber doch keine Hasen verletzt). Sie und ihre Hauptzofe sind übrigens sehr davon überzeugt Ogami zum kommenden Ehemann der Bleumer-Familie erziehen zu können. Ogami ist sogar etwas früher im Spiel mit den Mädels ein Training als Zofe in ihrer Villa durchlaufen, Hausmädchenoutfit und alles. Wenn er am Ende des Spieles erst Mal wieder nach Japan zurückbeordert wird, verspricht sie ihm in einem Brief so schnell wie möglich hinterher zu kommen.

Zum Glück eher der humorige statt flirtende Loli-Charakter.

Coquelicot, der einzige Charakter, der keinen Nachnamen bekommen zu scheint, ist eine vietnamesische Artistin, die mit dem Zirkus zu Besuch in Paris ist. Zunächst trifft Ogami sie auf dem Markt, wo er Coquelicot wegen ihrer forschen Art für einen Jungen hält – dafür betitelt sie Ogami aber auch eine Weile als alten Mann. Sie ist häufiger dort, um Essensreste einzusammeln, die sie dann an ihre tierischen Freunde im Zirkus verteilt.

Ganz wie jene Tiere wird sie im Zirkus allerdings eher schlecht behandelt, bis sich einen hübsche neue Artistin einmischt, die sich zu ihrer Ersatzmutter erklärt. Stellt sich heraus, die ist eigentlich die Juwelen fressende Schlangenfrau, und nimmt Coquelicot als Geisel. Was nur dazu führt, dass das Mädchen zu ihren spirituellen Kräften erwacht und ein Teil der Tänzerinnen-Roboterkämpfer-Truppe wird. Ganz niedlich zeichnet sie zur Personalisierung eine Katze auf ihren Koubu.

Auch sie lacht nur so viel, weil sie gelernt hat, dass weinen eh nichts bringt. Was ihr Ogami natürlich direkt austreiben und beibringen muss, dass es eine heilende Wirkung hat, seine negativen Gefühle herauszulassen, statt in sich zu vergraben. Nachdem der Zirkusleiter von der Schlange gefressen wurde, geht es ihr dort auch besser, und keiner hat ein Problem mit ihrem Zweitjob im Chattes Noire.

Das Comedy-Duo in Aktion.

Lobelia Carlini wird als Paris unsicher machende Diebin eingeführt, die unter einer Haftstrafe von tausend Jahren gesucht wird. Klingt ein wenig arg heftig, und so richtig was sie alles angestellt hat, um dies zu verdienen, wird ehrlich gesagt nie wirklich genannt. Nachdem sie dann irgendwann wirklich gefangen und eingelocht ist, kommt die Truppe des Chattes Noires direkt mal vorbei, weil sie Wind von deren spiritueller Energie gekriegt haben, und sie rekrutieren wollen.

Alle sind sich ziemlich schnell sicher, und natürlich ist es letztendlich auch wirklich so, dass Lobelia tief drinnen eigentlich eine Gute ist, das nur unter ihrer harten Schale und kühlem Gehabe verbirgt. Beispielsweise unternimmt sie nie was gegen die Anhänglichkeit von Erica, auch wenn jene die einzige ist, die Lobelia mit ihren Eigenarten aus dem Tritt bringt. Normalerweise ist nämlich Lobelia diejenige, die die Gutmenschen um sich herum mit ihrer speziellen Art aus dem Konzept bringt. Vorrangig natürlich Glycine. Aber auch die Schurkin ihrer Episode, welche den Louvre unsicher macht und die Mona Lisa als „Geisel“ nimmt, worauf Lobelia das Gemälde einfach verbrennt, damit die kein Ass mehr im Ärmel hat. Stellt sich übrigens raus die war unecht, genauso wie das Lobelia dies allerdings nicht wusste.

Grand Mere, die Anführerin der Paris-Truppe ist dabei nicht blöd. Zum einen motiviert sie Lobelia zur Zusammenarbeit, in dem sie mit ihre wie auf einem türkischen Basar darum fälscht, wie viele Jahre ihrer ausstehenden Haftstrafe reduziert werden, plus ob sie bei besonders gutem Benehmen nicht noch einen monetären Bonus erhält. Hat sich gleichzeitig aber die Erlaubnis geholt, Lobelia sofort ausschalten zu dürfen, wenn sie zur Gefahr wird. Das erntet ihr natürlich Respekt von Seiten Lobelias.

Wollen Blume kaufen?

Die Letzte im Bunde der fünf von Ogami gewinnbaren Ladys ist die Japanerin Hanabi Kitaoji. Ihr Vater war ein Baron, und sie studiert seit vielen Jahren hier in Paris, lebt bei Glycine in der ausschließlich von Frauen bewohnten Villa, da sich die beiden Familien gut verstehen. Ihr Raum ist allerdings echt schräg. Als Japanerin im Ausland achtet sie natürlich besonders auf ihre Herkunft und die damit einhergehenden Eigenschaften. Ja wenn die Tokyoter Mädels zu Besuch kommen, ist sie ganz von denen eingenommen, hat aber gleichzeitig ein ordentliches Problem Kanna in den Stereotyp der Yamato Nadeshiko – der anmutig untergeordneten japanischen Frau – zu bringen. Dementsprechend würde es Sinn machen, wenn ihr Zimmer traditionell japanisch eingerichtet ist. Stattdessen ist es allerdings ganz normal herrschaftliche im Pariser Stil, nur in der Mitte liegen zwei Tatami-Matten und ein wenig Bambus. Höh?

Ogami sieht sie übrigens sehr häufig den Friedhof aufsuchen. Das liegt daran, dass sie tatsächlich bereits mit dem Pariser Adeligen Philipe verlobt und durchaus auch in ihn verliebt war. Tragischerweise ist er allerdings noch am Hochzeitstag mit dem Schiff, auf dem sie stattfinden sollte, untergegangen. Der stylische Krähen-Typ ist ganz von ihrer melancholischen Aura eingenommen und entführt sie in die Pariser Oper, wo er Hanabi in einem Trugbild gefangen hält. Wir besiegen ihn natürlich, bevor er seinen romantischen Doppelsuizid vollführen kann.

Von da an ist Hanabi etwas weniger traurig, jedoch weiterhin sehr zurückhaltend mit vielen Seufzern in ihren Dialogen. Dagegen unter dem Künstlernamen Tatamize Jeune als orientalische Schönheit mit den anderen Mädels zu tanzen hat sie allerdings wiederum nichts. Komplett reserviert ist Hanabi also nicht.

Willkommen im Pariser Nachtleben.

Der Rest:
Die Groupe Fleur de Paris hat insgesamt drei Supports zu verzeichnen, die alle weiblich sind, allerdings nicht von Ogami eingefangen werden können. Zum einen ist da natürlich Grand Mere, die bei Tage die adelige Countess of Lilac ist, während sie nachts zum einen das Chattes Noires betreibt, und gleichzeitig das Oberkommando über die Kämpfertruppe hat. Eine sehr starke und sich kümmernde Person, die durchaus zu vielen Opfern bereit ist, wenn es darum geht Paris vor dem Untergang zu retten.

Mell ist ihre persönliche Sekretärin, während Ci im Geschenkeladen des Kabaretts die Headshots der Tänzerinnen verkauft. Beide kündigen zudem im Katzenoutfit die Showeinlagen an. Und sind die beiden, die passive Unterstützung für die Truppe bereitstellen, in dem sie die Lage analysieren, wichtige Informationen weiterleiten, Nachschub garantieren etc.

Beloved, You Must Not Die: Sakura Taisen 2

Keiner war sich wirklich sicher, ob Sakura Taisen sonderlich gut ankommen würde, auch wenn das Entwicklerteam um Sega und Red komplett hinter dem Projekt standen und der erste Teil eindeutig mit Budget und Marketing ausgestattet war. Die Macher gingen sogar so weit, Sega 200.000 sicherlich absetzbare Kopien zu garantieren. Sakura Taisen verkaufte sich letztendlich rein auf dem Sega Saturn fast doppelt so häufig. Dazu muss man immer auch im Hinterkopf behalten, dass die Installationsbasis des Sega Saturns in Japan weniger als 10 Millionen Einheiten war. Ein Sequel war also garantiert.

Doch statt Sakura Taisen 2 schnellstmöglich hinterher zu schmeißen, ließ man sich 2 Jahre Entwicklungszeit, die stattdessen mit Spinoffs und Multimedia-Sachen aufgefüllt war, um die neue Hitmarke zu melken. Gedankt wurde es Sega und Red, denn Sakura Taisen 2 verkaufte sich in den ersten Wochen schon so häufig, wie Sakura Taisen insgesamt, und brachte es alleine auf dem Saturn letztendlich auf knapp über einer halben Millionen abgesetzter Einheiten. Das macht es zu dem Sakura Taisen mit den höchsten Verkaufszahlen der Franchise, platziert es in den Top 5 der meistverkauften Saturn-Spiele Japans, und ist direkt nach dem ersten Tokimeki Memorial das zweitmeistverkaufte Galge. Das steht für Girl Game, was in Japan nicht benutzt wird, um Spiele für Mädels zu bezeichnen, sondern Spiele, bei denen die weiblichen Charaktere zu umschmeicheln die Hauptattraktion ist, vornehmlich also Dating Sims und Visual Novels mit Dating-Aspekten.

Wer soll dein Herzblatt sein?

Viel geändert hat sich dabei nicht im fiktiven Land der aufgehenden Sonne der 1920er Jahre. Sakura Taisen 2 ist Sakura Taisen, nur viel mehr davon. Von allem, jeder Aspekt hat ein wenig mehr dazu bekommen, ohne sich sonderlich groß zu ändern. Es gibt zwei neue Charaktere zu der aus dem Vorgänger bekannten weiblichen Kämpfertruppe, die Story spannt zwölf statt zehn Episoden, kam auf dem Saturn auf 3 statt 2 Discs, es gibt neue Möglichkeiten im Visual-Novel-Part auf die Gesprächen mit der holden Weiblichkeit zu reagieren, und zusätzliche taktische Optionen in den SRPG-Kämpfen.

Also insgesamt den gewohnten Aufbau gleichbehaltend, auch hier eine Struktur wie eine Anime-Serie, unterteilt in Episoden, die sogar mit einer kleinen Ausblick-Szene auf die jeweils nächste enden. Zwei Drittel einer Episode ist der Visual-Novel-Part, in dem über Frage-Antwort-Spielchen die diversen Mädels für Hauptcharakter Ogami gewonnen werden oder nicht, dazwischen immer mal wieder eine Free Time, um sich selbst durch das Theater bewegen zu können. Gegen Ende dann ein zweistufiger SRPG-Kampf, zusammen mit immer mal wieder einem Mini-Game, um die Bilderbuch-Software interaktiver und spannender zu gestalten. Eine zunächst etwas gemächliche Handlung, weil sich die ersten Kapitel mehr darum drehen, die einzelnen Charaktere (erneut) einzuführen, ein paar ihrer Probleme und Charakteristiken zu beleuchten, um nicht nur durch farblich abgesetzte Uniform/Mechs zu einem Unikat in den Einheit zu werden, bis die eigentliche Handlung später erst richtig zum Tragen kommt.

Anime-FMVs sind immer noch etwas dunkel, aber immerhin nicht so pixelig/ausgewaschen wie noch in PSP-1.

Wobei ich es schon so empfand, als dass die Handlung hier etwas präsenter und stärker eingewoben ist. Beispielsweise wird bereits in der ersten Episode Aoi Satan, der Hauptschurke des vorigen Spieles, vom mysteriösen Oni-oh wiederbelebt. Und das nur, um von selbigem noch am Ende der Episode, nachdem Aoi Satan der Hana-Gumi enterlegen ist, ermordet zu werden. Um direkt klar zu machen, dass die neuen Antagonisten nicht rumspielen und stärker sind als selbst der Obermotz des vorigen Spieles. Außerdem bietet auch das zweite Spiel ein Fake End, wenn der Militär-Putsch in Episode 8 verhindert wird und scheinbar alle besiegt sind, Episode 9 sich wie ein Epilog gestaltet. Doch ist hier klar das da noch mehr kommen wird, und diesmal erscheinen halt einfach die totgeglaubten Schurken erneut, statt dass das Ende wie eine aufgesetzte Neuhandlung wirkt. Dennoch kommen sie für mich etwas kurz. Es gibt immer mal wieder einen Hint dessen, dass die Generale eigentlich einen guten Grund haben, warum sie dem Oberschurken folgen, und auch das derjenige sich absolut im Recht sieht ein besseres Teito zu erschaffen. Doch so richtig in die Tiefe wird in ihren Motivationen leider nie gegangen, richtig viel Screentime bekommt nur Oni-oh, weil er mit Sakura in einem offensichtlichen Plot Twist verlinkt ist.

Zudem wirkt mir die Charakterriege in Sakura Taisen 2 manchmal etwas überladen. Die acht Mädchen gehen in Ordnung, gerade weil sechs davon bereits aus dem Vorgänger bekannt sind. Und auch die Schurken sind eine überschaubare Anzahl. Aber an Nebencharakteren, die wenig zu tun bekommen, wird man geradezu überschüttet. Yoneda bekommt gleich zwei neue Sekretärinnen, eine um Ayame aus dem Vorgänger zu ersetzen, die andere eindeutig ein Spion, der Unmut in der Truppe sähen soll. Tsubaki vom Verkaufsschalter bekommt einen Ersatz, für die Zeiten, in denen sie in den Kämpfen mit den anderen beiden gewohnten Supports Infos gibt. Der abgedrehte Kayama hat hier sein Debüt, um Ogami immer mal wieder mit seinen Sprüchen und Gitarrenspiel zu nerven, und stellt sich gegen Ende sogar als Anführer der Tsuki-Gumi heraus, eine weitere Division neben der Hana-Gumi und deren Kaze-Gumi Supports. Und eine weitere gibt es auch noch in der Bara-Gumi, einem unerträglichen Trio aus drei Schwulen-Stereotypen, die schon immer nur Japan witzig fand, und bei denen ich ganz ehrlich dankbar bin, dass sie durch den überladenen Nebencast schnell wieder fast aus dem Spiel verschwinden.

Neue Chain-LIPS mit erhöhtem Timer.

Die bereits bekannten Mädels werden ebenso etwas kurz gehalten. Sakura Taisen ist ja so nett, und bindet sie alle bereits während des eigentlich ziemlich linearen Verlaufes ein, statt wie ein Dating Sim fast nur das eine Mädchen zu behandeln, dem man auch hinterher steigt. Dafür muss natürlich auch weniger Spielzeit mit jedem individuellen Charakter gefüllt werden, spezifisch für die Route ist eigentlich nur ein Date in Episode 10 und dann eben ein kurzer Teil des Endings, ansonsten findet man jeden Durchgang fast gleich viel über alle heraus. Doch auch wenn sich immer mal wieder eine Episode um eines oder zwei der Mädels dreht, so bekommen hauptsächlich die beiden neuen Orihime und Reni viel Charakterisierung, während für die bekannten Kämpferinnen nur ein oder zwei Trivia-Addendum angefügt werden. Macht auch Sinn, und Sakura Taisen 2 ist sogar so schlau, Ausreden zu erfinden, warum der Großteil der Hana-Gumi in den ersten beiden Episoden nicht im Theater ist, damit eben die Alteingesessenen Waifus den beiden Neuankömmlingen nicht die Show stehlen. Doch wer erst hier einsteigt, wird die vorigen sechs Charaktere eventuell etwas schal vorfinden.

Dadurch habe ich auch erneut nicht wirklich die Motivation gehabt, mehr als ein Ende zu sehen, konsistent wie im ersten Teil das mit Sakura, weil mein Ogami ruhig treu bleiben darf. Das Spiel erinnert sich übrigens daran, wen man im vorigen Teil gewonnen hat, wenn man einen Save File lädt, alternativ fragt aber Chef Yoneda einfach in der ersten Episode, wen Ogami am meisten mochte. Nur um dann direkt zu sagen, dass die beiden, nachdem Ogami ein Jahr im Ausland trainiert hat, sich dem Wesentlichen widmen sollen, immerhin ist man eine Militäreinheit, statt ihre Gefühle füreinander vor allen zur Schau zu stellen. Sozusagen als Öffnung dafür, dass Ogami hier einer neuen Trophäe nachsteigen kann, statt zu sehr von seiner vorigen Entscheidung gekettet zu sein. Etwas gemein wäre es natürlich schon, wenn man drüber nachdenkt, dass Ogami direkt vor den Augen seines vorigen Flirts nun mit jemand anderem anbändeln würde. Den Point of No Return für das Ende mit einem Charakter wird jedenfalls diesmal wesentlich besser telegraphiert, statt im Hintergrund zu laufen. In Episode 9 darf Ogami sozusagen aus den vier der acht Mädels, die ihn am meisten mögen, die Hauptrolle für die Weihnachtsvorstellung wählen. Wer also den Speicherpunkt direkt davor behält, kann von allen vier das Ende sehen, und muss nur Episode 9-12 erneut spielen. Was ich allerdings dennoch nicht machen wollen würde, weil ganz wie es die Tradition der Serie ist, stecken die finalen zwei Episoden voller SPRG-Kämpfe, statt nur den üblichen einen zur Auflockerung des Leseflusses zu bieten, und die sind weiterhin mein wenigst gemochter Aspekt der Spiele.

Coole neue Cutins, wenn ein Charakter an der Reihe ist.

Gekämpft wird auf dem üblichen rundenbasierten Schachbrett, jede Einheit hat ihren Bewegungsradius, kann jede Runde zwei Aktionen aus dem Menü wählen – allerdings nur eine pro Kategorie. Bewegen und Angreifen ist Ok. Angreifen und Heilen auch. Aber Angreifen und Spezialangriff zusammen gehen nicht, weil gleiche Kategorie. Oder Heilen und abwehren. Die Spezialangriffe brauchen die komplette Spirit Gauge auf, die manuell über eine Aktion erhöht wird, oder durch gegnerische Angriffe. Ogami hat zusätzlich die Option, eine der Kämpferinnen bis zu drei Mal pro Kampf zu schützen. Neu in Sakura Taisen 2 ist die Möglichkeit, eine von mehreren Strategien zu wählen, immer wenn Ogami an der Reihe ist. Eine Kampfaufstellung beispielsweise erhöht den Angriff aber senkt die Verteidigung aller Charaktere, oder umgekehrt. Wobei ich eigentlich immer beim Standard mit ausgeglichenen Werten geblieben bin. Weiter neue Kleinigkeiten sind die hübschen Charakter-Cutins, wenn jemand an der Reihe ist, sowie sporadisch das zwei Einheiten einen Komboangriff miteinander ausführen, wenn beide in Attackreichweite zum Gegner stehen.

Wie gesagt sind diese Kämpfe nie mein liebster Teil einer Episode gewesen, schon im Vorgänger nicht. Ich muss dazu sagen, dass SRPGs allgemein nicht so mein Ding sind, was hier natürlich mit hineinspielt. Die Kämpfe sind immerhin weiterhin super einfach zu bestehen. Grundeinheiten halten nicht viel aus, und selbst im zweiten Stage gegen einen Bosscharakter reicht es einfach das Special aller Charaktere ein oder zwei Mal drüber zu werfen. Mir sind die Schlachten einfach immer ein Stück zu nahe daran kratzend, zu langsam zu gehen. In den ersten Episoden mach ich mir noch nicht zu viel draus, weil es wie gesagt eigentlich immer nur einen zweiphasigen Kampf gibt. Doch die Finalepisoden, die den Anteil der VN- und SPRG-Parts von 80:20 plötzlich auf den Kopf stellen, sind mir da echt zu viel. Während ich normalerweise so eine Episode von ca. 2 Stunden eine gute Spielesession pro Tag fand, so hab ich Episode 11 und 12 über jeweils mehrere verteilt, weil mir nach zwei oder drei Kampfphasen echt die Luft ausging. Hilft nicht, dass Sakura Taisen 2 die sehr geradlinigen Kämpfe des Erstlings doch etwas ereignisreicher machen will, in dem häufiger nervige Gimmicks eingebaut werden, wie Supportstationen vor den eigentlichen Gegnern zerstören zu müssen, durch Defensivposten brechen zu sollen, oder einen Boss nur zur richtigen Phase angreifen zu können. Nett ist allerdings, dass es häufiger dem Spieler selbst überlassen wird, einen von zwei Plänen auszuwählen, welcher die Siegesbedingungen leicht modifiziert.

Ich warte noch aufs Auftauchen einer eindeutig vorhandenen dritten Antwort.

Wie üblich kennt Sakura Taisen 2 dabei keine Levels für die Einheiten oder Erfahrungspunkte, an denen man sie steigert. Stattdessen gibt es diverse Pluswerte zu den Grundstatuswerten, je nachdem, wie motiviert das jeweilige Mädel auf Grund von Storybedingungen im nächsten Kampf ist, und machen diverse Angriffe mehr schaden, wenn Ogami sich in den Visual-Novel-Parts besser in ihr Herz geschmeichelt hat. Jene Schmeichelei ist durch das Geben der richtigen Antworten bewerkstelligt, wenn Dating Sims einem eines lehren, dann das man dem Partner in Spe besser immer nach dem Maul redet, statt auf das Glänzen der eigenen Persönlichkeit zu zählen. Ob die Antwort jetzt richtig war, ist imme schön transparent durch diverse Soundeffekte ersichtlich.

Stellt ein Charakter Ogami zum Kreuzverhör, kommt das bekannte LIPS-System zum Tragen. Das bedeutet eigentlich nur, dass die Antwortrunde auf Zeit geht, wer nicht schnell genug eine der gegebenen Antworten auswählt, sagt nach Ablaufen des Timers eben gleich gar nichts. Was nicht immer die falsche Antwort ist, aber meist halt doch. Aber auch hier gibt es ein paar Neuerung in Sakura Taisen 2, um die Sache dynamischer zu machen. Beispielsweise tauchen nun manche Antworten erst dann auf, oder verändern ihren Wortlaut, wenn Ogami lange genug darüber nachgedacht hat, sprich der Timer schon eine Weile gelaufen ist, statt sofort die erstbeste Antwort zu brüllen. Etwas unterbenutzt ist zudem, dass je nachdem ob Ogami eher ernst oder witzig antworte, manchmal nur noch ernste oder witzige Folgeantworten auftauchen. Dazu kommen die bereits bekannten Touch-LIPS, bei denen man mit dem Zeiger einen Körperteil der Waifu betatscht, um das Gespräch in diverse Richtungen zu lenken. Und neu sind ein paar wieder eher wenig genutzte Momente, in denen man einen besonders langen Timer hat, dafür aber auch durch eine ganze kleine Szene mit mehreren LIPS-Antworten gehen muss, bevor dieser sein Ende erreicht.

Stalker Mode activate!

Ein wenig beeinflussen, welches weibliche Opfer einem vor die Flinte läuft, kann man dann allerdings doch, statt dass alle Visuel-Novel-Parts komplett linear aufeinander folgen. Wie gesagt gibt es immer mal wieder eine Free Time, in der Ogami für gewöhnlich eine Stunde hat, um sich frei durch das Theater zu bewegen, bevor die Story weitergeführt wird. Jetzt sogar mit einer netten Uhr am Bildschirmrand. Häufig gibt es dabei mehr zu sehen und mit mehr Charakteren zu reden, als die Zeit zulässt. Es kann also selbst priorisiert werden, welches Mädel man treffen will, und ob man Zeit opfert einen Glamour Shot von ihnen im Geschenkeshop zu kaufen, oder die Zeit an einem der diesmal zahlreichen und häufig nervigen Mini Games verschwendet. Zudem gibt es einige Interaktions-Szenen, die nur triggern, wenn man gewisse vorige Szenen mit dem Charkter gesehen hat. Selbst gerade nicht hier beheimatete Charaktere können über Kohrans neues Videotelefon angerufen werden.

Insgesamt fand ich Sakura Taisen 2 schon sehr rund. Ich mein, so wirklich weite Sprünge vom Vorgänger macht es eh nicht, und da derjenige mir schon gefällig war, ist es ziemlich klar, dass sich dort nicht viel geändert hat. Manche Sachen macht der Nachfolger halt etwas besser, wie beispielsweise die Handlung, manche etwas schlechter, wie beispielsweise die nervigeren Mini Games und SPRG-Kämpfe, aber im Groben habe ich meine Zeit mit dem Spiel dennoch genießen können. Und süß war die Epilog-Szene, genannt Episode 13, nach den Credits irgendwie schon. Nachdem Ogami bereits nach Paris abkommandiert wird, in dem Sakura Taisen 3 stattfindet, und sich der volle Achter-Harem der Teito-Truppe von ihm verabschiedet:

Einer von vielen McGuffins.

Sakura ist das Poster Child der Serie, und dementsprechend diejenige der bereits bekannten Waifus, die noch mit am Besten weg kommt, wenn es darum geht, ein wenig was über sie zu erfahren. Dadurch geholfen, dass die Handlung sie später stark integriert, und natürlich auch, weil ich ihr Ende zu sehen bekommen habe. Zudem ist sie von Anfang an dabei, als eine von zwei Mädels, die im Theater beheimatet ist, während alle anderen wegen diverser Gründe erst mal ausgeflogen sind. Ihre Begrüßung des vom Training im Ausland zurückgekommenen Ogami ist sogar richtig zurückhaltend gegenüber ihrem normalerweise hitzköpfigen selbst, wobei jenes hervorsticht, wenn Saki später ausgiebig mit Ogami flirtet.

Wenn wir später den General treffen, der zum Oberschurken wird, und der den Vater von Sakura beschmäht, kommt es zu einer ersten Konfrontation. Bekanntermaßen war es Sakuras Vater, der mit Yoneda, Ayame und Aoi Satan vor Jahren beim ersten Auftauchen der Kouma sein Leben opferte, um sie zu versiegeln. Später, wenn die Feinde das Theater stürmen, haben sie es sogar gezielt auf Sakura und die drei magischen Artefakte abgesehen, da Sakura die gleiche Macht innehat, und sie somit aufhalten könnte. Sakura hingegen möchte ihr Leben nicht wirklich opfern, also bricht Ogami die drei Artefakte einfach. Nicht, dass dies sonderlich viel Auswirkung hätte, wir bekommen später einfach vier magische Schwerter überreicht, die auch ohne zu sterben Böses versiegeln können. Das Neujahresdate mit Sakura ist übrigens in ihre Heimat, wo uns deren Mutter herzlich aufnimmt, und gemeinsam das Grab von Sakuras Vater besuchen lässt, obwohl das eigentlich nur Familie vorbehalten ist. Ihre Ending-Sequenz zeigt Ogami dabei, wie er Sakura das Fahrradfahren beibringen will, und beide übereinander fallen – wie goldig.

Konfrontation mit dem Vater.

Orihime Soletta ist der erste in Episode 1 neu eingeführte Charakter. Sie stammt aus einer italienischen Adelsfamilie, ist 17 Jahre alt, und weiß die anderen Mädels manierlich zu begrüßen, während sie Ogami gegenüber von Anfang an ziemlich zickig gegenübersteht, weil sie japanische Männer hasst und für nutzlos erachtet. Genau genommen ist ihr Charakter ähnlich dem von Sumire, etwas hochnäsig und stark von sich selbst überzeugt, nur mit einem schwer erträglichen Akzent, und dem typischen Anime-Verhalten eines Ausländers, der von allem in Japan überrascht wird, und gleichzeitig alles mit der angeblich besseren Variante aus dem eigenen Heimatland vergleicht. Zudem stammt sie aus einer früheren, gescheiterten Hoshi-Gumi Truppe in Europa, von wo sie auch den Eisenkleid-Mech hat.

Wenn sie um sich aufzuspielen alleine in den Kampf zieht, aber von allen geholfen werden muss, erweicht sie der Hana-Gumi gegenüber natürlich etwas, und ihre arrogante Art ist mehr selbstreflektiertend. Episode 7 zeigt uns dann auch, warum sie japanische Männer nicht mag, denn ihr Vater war ein reisender Künstler, in den sich ihre Mutter verliebte, der aber von der Adelsfamilie nicht anerkannt wurde, und deswegen zurück nach Japan floh. Für die Trauer ihrer Mutter macht sie also jenen verantwortlich, taut aber ihm und Ogami gegenüber auf, nachdem sie mit ihrem Vater vom Schurken des Tages an eine Bombe gebunden wird, und Ogami die beiden rettet, während sich ihr Vater für sie in Gefahr begibt.

Wenn Shinji und Kaworu ein Kind hätten…

Reni Milchstraße ist das deutsche Wunderkind, das alle zunächst für einen Jungen halten. Und wäre der Name nicht eigentlich als Leni korrekter romanisiert? Jedenfalls kommt sie in Episode 2 dazu, stammt wie Orihime aus der gescheiterten Hoshi-Gumi, und ist insgesamt eher verschlossen und gefühlskalt, sowie extrem Wortkarg. Ausgerechnet Iris freundet sich mit Reni an, dabei ist die immer nur langweilig und faktisch, wann immer man eine Konversation mit ihr beginnt. Das sie eigentlich ein Mädchen ist findet die Hana-Gumi in der obligatorischen Onsen-/Strand-Episode eines jeden Animes heraus. Als Ogami sie nackt in der heißen Quelle überrascht reagiert sie allerdings überraschend wenig darauf, aber Reni kommt halt aus deutscher Freikörperkultur.

Genau genommen finden wir ein Episode 6 heraus, dass Reni das einzige überlebende Ergebnis eines deutschen Experiments ist, eine psychische Wunderwaffe zu erschaffen. Deswegen kein Teamplayer und so spröde, man hat ihr halt nie soziale Konventionen oder Gefühle beigebracht. Nachdem sie vom Gegner gehirngewaschen und dann von den Aktionen der Hana-Gumi wieder reingewaschen wird, taut natürlich auch ihr Herz auf. Sie zu gewinnen scheint mir übrigens ein schweres Unterfangen zu sein, weil sie erst nach dem eher späten Reveal, dass sie ein Mädchen ist, im Friendship-Panel auftaucht, welches zeigt welches Mädchen Ogami wie sehr mag, und davor auch kaum Möglichkeiten bestehen, ihr positive Gesprächsantworten zu geben.

Trivia: Der Teddy heißt Jean-Paul.

Iris ist der zweite Charakter neben Sakura, die zu Beginn des Spieles im Theater verweilt, und somit direkt auf Ogami anspringen kann. Und was tut sie das mal wieder, eine der ersten Konversationen mit ihr ist beispielsweise, ob Ogami sie nicht für viel erwachsener hält, jetzt wo sie 11 Jahre alt ist. Ich weiß das ein Loli-Charakter obligatorisch ist, Sakura Taisen, aber bitte schieb Iris nicht immer so in Ogamis Richtung, kthxbye.

Jedenfalls wird erneut erwähnt, dass sie ein ziemlich einsam aufgewachsenes Kind ist, was ihre Fixation immerhin etwas erklärt, da alle Angst vor ihren unkontrollierten PSI-Kräften hatten. Selbst ihre eigenen Eltern haben sie ziemlich alleine gelassen. Dennoch hängt sie an ihnen und Ogami hilft ihr dabei, einen Brief an sie in Frankreich zu verfassen. Zu Neujahr kommen sie dann sogar zu Besuch vorbei.

Nicht abgebildet: Eine konstante Spur aus leeren Reisschalen.

Kanna ist zu Beginn nicht im Theater, weil sie mal wieder in Okinawa ihrem Spezialtraining nachgeht. Die Arme wird wie üblich vom Spiel leider etwas extrem auf ihre bullige Statur/Kräfte und einem unersättlichen Essdrang reduziert. Aber immerhin darf sie mal erwähnen, dass sie aufgehört hat nur deswegen stärker werden zu wollen, um sich ihrem toten Vater gegenüber zu beweisen, sondern dass sie nun ihre Kräfte dafür einsetzen will, alle ihre Freunde in der Hana-Gumi zu beschützen.

Sie kommt in Episode 3 zurück, gerade wenn wir herausfinden, dass Sumire in ihrem Elternhaus festgehalten wird. Und da sie und Sumire sich eigentlich gut leiden können, auch wenn sie sich immer wie Katz und Maus hitzige Wortgefechte liefern, wann immer sie sich sehen, ist Kanna natürlich an der Front der Rettungsmission. Nachdem Yoneda angeschossen im Krankenhaus liegt, ist sie es übrigens, die dem Theaterstück von King Lear mit ihr in der männlichen Hauptrolle ein Happy End geben will, sozusagen als hoffentlich gutes Omen.

Möglicher allmorgendlicher Anblick.

Von Sumire wissen wir ja bereits, dass sie die Tochter eines reichen Geschäftsmannes und einer berühmten Schauspielerin ist. Zu Beginn ist sie nicht da, weil sie zurück in die Villa der Familie ist, da ihr Großvater angeblich im Sterben liegt. Das stellt sich allerdings als Lüge heraus, um sie dorthin zu locken. Und in Episode 3 erfahren wir dann, dass ihr Großvater eigentlich das Sagen in der Familie hat, und der Hana-Gumi seine finanzielle Unterstützung kappen will, wenn Sumire nicht ihr Ja zu einer arrangierten Ehe gibt.

Obwohl Sumire in der Hana-Gumi immer so arrogant und laut ist, ist sie vom Großvater ziemlich eingeschüchtert und bereit seinen Konditionen nachzugeben, als wir die Villa stürmen und sie befreien. Mit neuem Mut geht sie zurück zu Hana-Gumi, um sich dort aufzuspielen und mit Kanna freundschaftlich zu streiten.

Nǐ hǎo

Kohran hingegen ist geschäftlich in einem anderen Zweig des Militärs beschäftigt, um dort an Gadgets zu arbeiten. Kontaktiert Ogami aber direkt zu Spielbeginn mit ihrem neuen Videotelefon, um ihm zu zeigen, dass er jederzeit auch mit den absenten Charakteren kommunizieren kann. Außerdem finden wir hier heraus, dass ihre Liebe am Maschinen zu basteln daraus entstanden ist, dass eine Uhr das einzige Memento an ihre Familie war, nachdem in einer Revolution ihr Dorf in China abgefackelt wurde, die Eltern darin starben, und sie nach Japan kam.

Dort wurde nicht nur ihr Talent gefördert, sondern Yoneda auch ein wenig wie ihr Ziehvater, weswegen die eigentlich witzige Kohran besonders aufgebracht ist und Rot sieht, nachdem jener von jemandem angeschossen wird. Wir ohrfeigen ihr wieder etwas Sinn und Verstand ein, sobald sie im folgenden Einsatz in einem brennenden Stadtteil in Teito durchzudrehen droht, und schon geht es in den Hintergrund für Kohran, wenn es nicht um Reparaturen an den Steampunk-Mechs oder Witze über Explosionen geht.

Maria kleidet sich besser als Ogami, so viel ist klar.

Maria ist zu Spielbeginn auf einer Geschäftsreise nach New York (wo Ogami übrigens in Sakura Taisen 4 ursprünglich hin sollte), ist aber selbst dort über Videotelefon erreichbar, wenn auch als nettes Detail das Bild bei ihr durch die Distanz am meisten Störungen beinhaltet. Wenn in Episode 4, in der auch Kohran wieder zur Truppe stößt, ein Stadtteil abgebrannt wird, und der Schurke des Tages Zivilisten mit einer Bombe bedroht, darf Scharfschützin Maria uns aus der Klemme retten und sich wieder in die Hana-Gumi integrieren. Womit wir auch unseren mütterlichen Charakter zurückhaben.

Scheinbar kann die in Kampf super ausgebildete Maria allerdings nicht schwimmen. Was sie damit begründet, dass dies in Russland nicht nötig ist. Ich kenne mich da ja nicht so aus, aber gibt es nicht auch in Russland Teile des Landes, die im Sommer warm genug sind, um schwimmen zu gehen, immerhin ist das Land ja doch groß. Und Eisschwimmen gibt es doch auch. Immerhin gibt es dadurch einen guten Grund, dass Ogami sie in der Strandepisode rettet, wenn wir der Verräterin im Team hinterher spionieren und in einer Höhle von der Flut erwischt werden.

Oh-hi-oh onee-sama

Der Rest:
Sakura Taisen 2 bringt die gewohnten drei Supports zurück. Kasumi ist die Chefin des Sekretariats, Yumi arbeitet mit ihr zusammen und kann jederzeit für den neuesten Lore-Gossip von Teito in der Free Time besucht werden. Tsubaki bemannt den Geschenkeshop, wo es in der Free Time jede Episode eine Bromide eines Mädchens zu kaufen gibt. Alle drei halten unterstützenden Funkkontakt während der SRPG-Kämpfe. Ein Quasi-Date mit einer der Dreien in Epsiode 9 hat Ogami auch.

Neu ist Saki, die Chefsekretärin von Yoneda, die immer bereitwillig mit Ogami flirtet, um Unruhe in die Hana-Gumi zu bringen. Sollte ziemlich schnell klar sein, wer die Verräterin ist, die für die Schurken arbeitet, und Yoneda angeschossen hat. Zumal mit Kaede ein Ersatz für sie auftaucht, die genau wie ihre Schwester Ayame aussieht, und deren Rolle aus dem ersten Teil übernimmt, damit Saki eigentlich überflüssig wird. Auch noch neu im Nebencharakter-Supergau ist Tsubomi, welche den Geschenkeladen übernimmt, wenn Tsubaki zum Training verschwindet. Außerdem stammt sie aus einer Schule für angehende Hana-Gumi-Kämpferinnen, die Yoneda anscheinend ins Leben gerufen hat.

Final Fantasy II Anniversary

Ich bin ein dreckiger Lügner und habe doch direkt mit dem nächsten Teil nachgelegt, statt bis zum nächsten Jahr zu warten. Genau genommen ist es Final Fantasy II ja auch gar nicht wert, dass man dessen Geburtstag feiert, und so dient es nun eben als Verlängerung des Franchise-Dreißigsten. Rein in den ersten Teil mit Chocobos und Cids und SaGa-Levelsystem!

Eben genau wegen jenem stecken wir direkt zu Beginn, nachdem wir ganz prophetisch zum Restspiel direkt erst mal in einem selbst steuerbaren aber nicht gewinnbaren Kampf ausgeknockt wurden und ein Teammitglied für fast den Rest des Spieles verlieren, die Rollenverteilung ab. Der naive Gutmensch mit den hellen Haaren Luke wird unser Weißmagier, die dunkelhaarige Frau des Spieles wird unsere Schwarzmagierin, und der in gebrochenen Sätzen redende Muskelprotz Chew wird unser Tank. Der moralisch graue Han ist ja zunächst ausgeschieden.

Luke bekommt Cure aufs Auge gedrückt und darf es nun beständig casten, egal ob dies nötig ist, um dessen Level und seine MP und Spirit zu erhöhen, plus Thunder für den Notfall das er doch mal attackieren muss. Mit Waffen ist nämlich nichts, die Magier kommen in die hintere Reihe, wo physische Attacken sie nicht erreichen, sie aber auch wenig ausrichten können. Leia bekommt alle drei Schwarzmagien zum beständigen Casten und für Notheilung auch Cure. Chew hingegen darf sogar Rüstung tragen und bekommt definitiv ein Schwert in die Hand, um seine Professionalität damit zu erhöhen, sowie ein Schild, damit seine Ausweich- und Blockrate leveln kann.

Auf dem Weg bis zum ergattern des Mythrils geschieht eigentlich herzlich wenig, auch wenn man einen Großteil der Städte des Spieles begeht, die aber hauptsächlich Filler sind, wobei man hier und dort doch das Passwort-System an NPCs ausprobieren kann. Aber mit Minwu im Gastcharakter-Slot kann einem hier noch gar nicht wirklich was geschehen, kommt der Kerl doch mit allen nötigen Weißmagien auf hohen Leveln. Auch wenn ich ihn nur als Notfall-Knopf nutze, damit eben die Statuswerte der anderen drei durch Gebrauch leveln können – gerade anständige MP zu haben ist zu Spielbeginn noch eher schwer, während in den Remakes die HP auch bei Nichtgebrauch immer mal wieder upgraden, damit die Magier nicht doch bei einer einzelnen Distanzattacke tot am Boden liegen. Sobald wir Exit und Warp eingesteckt haben, beginnt jedenfalls der Spaß jene ad nauseum zu sprechen, damit sie via Insta-Death die Random Encounter alle wegzaubern können. Warp hat allerdings eine ziemlich miserable Trefferquote. Aber deswegen gehen wir, kurz bevor Minwu uns verlässt, noch mit Teleport und dessen Heilung bei den Captains in Fynn vorbei, bis die uns den Toad-Spell droppen.

Die folgenden Companions sind alle vergleichsweise ein wenig bis total nutzlos. Ich zieh sie einfach nackt aus, und stecke sie mit einem Bogen in die hintere Reihe. So wird weiterhin ausschließlich Chew von physischen Angriffen ins Visier genommen, um seinen Verteidigung und vor allem Ausweichrate zu erhöhen. Und magisch können Luke und Lea genug selbst ausrichten. Abgesehen vom anstehenden Red Soul Boss, welches alle Magien absorbiert, aber dafür hat Chew ja schön Schwert-Skill trainiert. Mit Ancient Sword verflucht und anschließend trifft jede Attacke mit dem eingewechselten Mythril-Schwert für vollen Schaden.

Auf dem Weg zur Dreadnought zwecks dessen Explosion durch uns, mit einem Abstecher nach Mysidia via Chocobo, lernen wir auch schon die beiden nächsten Spielzeuge: Weißmagie Holy und Schwarzmagie Berserk. Das Problem mit dem Levelsystem in Final Fantasy II ist wirklich schlicht, dass alle Magien so gut wie nutzlos sind, wenn sie nicht die passende Stufe erreicht haben, was durch beständiges zaubern egal ob es überhaupt Not tut gelingt. Abgesehen davon, dass man so ständig seine MP ausschöpft ohne genug MP-Ups zur Kompensation zu bekommen, spezialisiert man sich besser früh auf wenige Magien, wenn nicht ständig extreme Grind-Sessions gegen Spielende anfallen sollen.

Zahlt sich jedenfalls aus, wenn man Bosse wie die Manticore-Gruppe oder die Lamia Queen oder gar den Behemoth mit einem Casting von Teleport oder Toad aus dem Weg geräumt hat. Hochlevelige Magien gehen natürlich auf die MP mit der Zeit, aber gleichzeitig hat man bald wenig Nutzen für das gewonnene Gold außer es in Cottages und Ethers zur Heilung von MP zu investieren. Und dann gibt es natürlich noch Osmose. Welches leider zu bekommen enormst nervig ist. Das Ding ist im eigentlich sehr kurzen Kolosseum-Dungeon, wird dort aber nur vom seltenen Encounter mit Wizards erlangt, die meist nur einer pro Gruppe auftauchen und das Spellbook auch nicht unbedingt so gern fallen lassen. In einem Dungeon voller Spectre, die wenn man Pech hat einen Großteil bis die ganze Truppe mit Break versteinern. Kann schon nerven hier gegebenenfalls Stunden seine Runden drehen zu müssen, nur um 2 oder 3 Osmose für seine Mages zu bekommen. Umso nützlicher ist allerdings der Spell, denn mit ihm können jeglichem Gegner, der MP besitzt, jene entzogen werden. Hilft nicht nur dafür, sie daran zu hindern ihre eventuell harten Zauber zu werfen, sondern eben auch das Problem zu beseitigen, dass man in Final Fantasy II gern mal schneller durch den MP-Pool eines Charakters heizt, als einem lieb ist. Jetzt kann man ihn fast jederzeit wieder auffüllen.

Dadurch ist Gordon immerhin beim zweiten Gastauftritt in der Tuppe für mehr als 5 Minuten im Team, bevor er es wieder verlässt. Der Kerl wäre beinahe brauchbar geworden… so brauchbar wie der vierte Slot im Team überhaupt werden kann, was keine hohe Hürde ist.

Um ganz ehrlich zu sein ist und bleibt Final Fantasy II relativ langweilig im Hauptbulk über, wenn man es richtig spielt nervt das Gameplay nur währenddessen nicht gehörig. Doch grundsätzlich ist es eine Menge Fetch-Questing, bei dem man diverse Kleinigkeiten sammelt, NPCs zum Bequatschen aufsucht, und alle 5 bis 30 Spielminuten einen neuen Gefährten im vierten Slot hat. Nur die Hauptstationen, in die eine Questing-Etappe kulminiert, bleibt halbwegs im Gedächtnis, wie das Zerstören der Dreadnought oder endlich in den Mysida Tower zu gehen um Ultima zu holen.

Und das Weltendesign macht das alles nicht spannender, da man zu Spielbeginn bereits die meisten Städte aufgesucht haben wird, und im späteren Verlauf nur noch auf dem einen riesigen Kontinent und der einen riesigen See hin und her segelt und rennt, zu viel zu weit auseinanderliegenden Orten. Auch Bosse hinterlassen wenig Eindruck, wenn man sie mit einem Zaubern von Toad oder Teleport noch in der ersten Runde ausgeschaltet hat. Die Random Encounter sind alle mit einem Toad und einem Teleport besiegt, abgesehen die Polimorph-geschützten Monster, bei denen ein Mal Berserk auf Chew und ordentlich Holy von Luke auch schnell zum Sieg führen. Gefährlich werden sowieso nur die wenigen Mages, da nach den ersten 3 Spielstunden keine einzige physische Attacke nicht von Chew gedodged wurde, und die können mit Osmose auch schnell unschädlich gemacht werden, werden sogar nützlich, da sie die eigene Zauberfähigkeiten verlängern.

Interessant ist erst wieder, wenn man von Leviathan verschluckt wird, was aber ein Dungeon von ungefähr 10 Minuten ist. Immerhin gibt es hier mit dem Gaia Blade endlich ein Schwert-Upgrade für Chew, der zwischen Long Sword, Mythril Sword und Winged Sword bisher wenig in die Hände bekam. Gefolgt vom Mysidia Tower, weil da echt gute Mucke vorherrscht. Fühlt sich auch endlich mal wieder wie ein richtiges Dungeon an. Mit 10 Stockwerken und mehreren Midbossen. Mit gutem Loot wie einem ordentlichen Roben-Upgrade für den White und Black Mage der Party. Mit Fire Sword und Ice Brand zwei weiteren Schwert-Upgrades. Und an der Spitze ein wenig Story, ein wenig toter Minwu, und vor allem 5 Orbs, von denen vier Statusupgrades verteilen und der letzte Ultima überreicht. Klingt gut, ist durch seine Schadensberechnung, welches auf den Level aller Waffen und Magien skaliert, doch nicht so super gut. Ach ja, unterwegs gibt es auch Flare, die Black Mage Variante von Holy, allerdings so spät im Spiel natürlich hoffnungslos unterlevelt.

Nach dem lahmen Mittelteil geschieht jetzt dann alles auf einmal. Große Dungeons. Märtyrer-Tode von Gefährten. Beständige Loot-Upgrades. Story-Fortschritte. Und letztendlich bekommen wir unseren letzten Charakter auf den vierten Team-Slot, der auch unser allererster war: Han ist zurück. Nachdem er damit geliebäugelt hat der neue Bösewicht zu werden, nachdem wir den Emperor ermordet haben, nur um dann von dessen Zombie wieder entthront zu werden, kommt er doch wieder ins Team. Wahrscheinlich nur, um den Emperor endgültig zu besiegen und doch wieder den dunklen Thron zu besteigen. Egal, der Kerl kommt mit brauchbaren aber nicht guten Stats daher, dafür aber ohne MP oder Zauber. So wirklich mehr als einen Charakter im Vordergrund stehen zu haben, zahlt so spät im Spiel aber nicht mehr aus, weil Han nie im Leben aufschließen könnte. Also kommt er in die hintere Reihe und ein paar Weißmagien beigebracht, um zu heilen, damit Luke weiterhin Holy und Teleport schmeißen kann.

Wobei seine Wachstumsraten doch sehr gut zu sein scheinen. Ich hab mich nämlich dann doch mal dazu durchgerungen so eine halbe Stunde Grinding zu machen. Nur um seine Zauber so auf Level 5 zu bekommen, damit sie nicht komplett nutzlos sind. Hab ihm ja nur Mini, Osmose, Ultima, Cure, Esuna und Life gegeben, und in den Remakes leveln die ersten Stufen ja recht zackig nach. Und durch das jeweilige komplette Aufbrauchen seiner MP hatte er am Ende durch MP-Ups doch glatt aus seinen 5MP ganze 250MP gemacht – mehr als Luke und Leia über den Spielverlauf angesammelt hatten. Durch seine Agility darf er sogar zuerst dran, noch vor dem immer schön Agility-Ups bekommen habenden Chew. Egal, jedenfalls schnell noch für besagten Tank-Frontliner das Exkalibur bei der Dragoon-Witwe geholt, und ab geht es ins finale Dungeon.

Die beiden Enddungeons sind mit einem vorbereitetem Team natürlich auch kein großes Ding. Zwischen Teleport, Toad und Mini bekommt man alles weggezaubert, was gegen polymorph anfällig ist – und das beinhaltet 80-90% aller Random Encoutner und 100% der Bosse und Minibosse abgesehen vom finalen Emperor. Zwei Charaktere, die mit Cure jeglichen Schaden sofort heilen und mit Esuna Statusveränderungen beheben können, wenn dank des guten Equips überhaupt mal eine davon sitzt (gerade in Pandemonium hab ich 3 Ribbon Drops erhalten). Fast alles hier hat auch MP, so dass dank Osmose auch nie ein Ende des Zauberns erreicht wird. Was nicht anfällig ist bekommt Chews Exkalibur und später Masamune zu spüren, sowie Holy, Flare und Ultima. Und normale Attacken treffen eh nicht ein einziges Mal, da nur Chew in der Front Row steht, und dessen Agility/Evasion durch seine Exklusivität hier das ganze Spiel über so hoch sind, dass nichts ihn trifft.

Und der Emperor an sich? Ich bin mal nicht mit dem Blood Sword hingegangen, sondern habe ihn anderweitig versucht. Und er war ein Klacks. Erst mal haben alle drei von meinen Charakteren Osmose gezaubert, wodurch nicht nur deren MP-Pool wieder komplett gefüllt war, sondern auch der Emperor seinen komplett trocken gelegt bekam. Also kann er nur noch versuchen Chew physisch zu attackieren, der lachend allem ausweicht. Während Luke mit Holy so 800 und Han mit Ultima so 200 Schaden pro Runde macht, zaubert Leia beständig Berserk und Haste auf Chew, was seinen Schaden und Schlaghäufigkeit erhöht, so dass der auch mit dem Masamune jede Runde 3000-4000 Schaden verursacht. Und mit ungefähr 5000 Schaden pro Runde ist eben auch ein Emperor von 15000 HP schnell explodiert.

Und so endet Final Fantasy II. Ein Spiel mit einem System, das nur funktioniert, wenn man es wirklich gut kennt, während das Spiel einem nichts dazu erklärt. Mit einer großen und leeren Welt, über die man hin und her geschickt werden wird. Mit einer Handlung, die in Grundsätzen gut für die Zeit ist, im langen Mittelteil des Spieles aber fast komplett verschwindet. Es gibt hier Dinge, die man mögen kann, aber der Großteil des Spieles gehört eher nicht dazu.

Final Fantasy Anniversary

Final Fantasy wird doch tatsächlich Heute bereits 30 Jahre alt. Zur Feier des Tages können wir es doch prompt noch mal bespielen, obwohl es das im Blog theoretisch bereits früher mal gab. Dann aber in einer anderen Version, wenn auch keiner sonderlich abgeänderten. Es geht also nicht ganz true zum Original-Release. Nein, ich habe zu dem gegriffen, welches selbst sein 10-Jähriges hat, nämlich die zum 20. Geburtstag erschienene PSP-Version.

War damals schon etwas komisch, dass die ersten beiden Teile getrennt auf UMD erschienen sind. Ich meine für Japan vielleicht nicht, die Remakes für WSC und PSX (genau wie dessen zu IV-VI) waren dort ebenfalls getrennt auf den Markt geworfen worden. Aber nur drei Jahre vorher gab es beide auf einem Modul für GBA, auch in Japan. Und die ein paar Jahre davor erschienenen PSX-Versionen wurden im Westen auch zu den Origins gebundelt. Man sollte meinen es gäbe keinen Grund sich Vollpreis-Einzelreleases mehr zu kaufen, wenn auf diese zurückgegriffen wird. Aber dafür zieht der Name Final Fantasy viel zu gut, sowohl Final Fantasy wie Final Fantasy II haben sich je ungefähr eine halbe Millionen mal verkauft, was sehr ordentlich ist, zumal in diesen erneuten Remakes nicht viel Zusatzarbeit steckt, und letztendlich denoch nahe an die Verkaufszahlen vom I&II-Modul für GBA herankommt.

Aber egal, mal los auf die allererste Reise mit den vier Kriegern des Lichtes, um die vier Kristalle wieder zum Leuchten zu bringen, und das Zeitparadox zu zerstören, damit die Welt sich weiterdrehen kann.

Ich mag ja auch irgendwo die Opening-FMV aus den PlayStation-Remakes, die in den PSP erneut verwertet werden, sehr. Zum einen sehen sie wesentlich besser aus, als die zu IV-VI, da auch Jahre später erschienen. Und gerade zum ersten Final Fantasy ist sehr nett, kurz gehalten, und zeigt einen Kristall, weil die sind ja in den alten Teilen wichtig, und wie der Warrior of Light stellvertretend für die Truppe gegen einen Drachen in den Kampf zieht. Nicht das dies etwas aus dem Spiel an sich wiedergeben würde, basiert stattdessen auf einem der Artworks von Yoshitaka Amano.

Sind die Preise drastisch gesenkt worden? Die ganze Truppe konnte von mir ausgerüstet und jedem der Mages drei Stufe-1-Zauber gekauft werfen (mehr dürfen sie pro Stufe nicht lernen), und das alles mit dem Startgeld, mit dem sie nach dem Einleitungstext vor der ersten Stadt standen.

Die glasklare Soundausgabe lässt die Uematsu-Stücke übrigens wundervoll klingen, aber der Look gefällt mir nach wie vor nicht. Diese dann doch nicht ganz so detaillierten Sprites von jeglichem Pixellook zu entfernen, zu sehr zu glätten, lässt die Spiele für mich immer billiger statt edler wirken. Zumal es eine deutliche Diskrepanz zwischen den Gegnern und den einfacheren und superdeformten Charakteren gibt. Wie ein schnell zusammengeworfenes Smartphone-Game einfach.

Merkwürdig am Beginn des Spieles ist, dass schon bei der dritten Stadt, noch vor dem ersten richtigen Dungeon, man bis zu Stufen-4-Magien lernen kann. Das ist der halbe Magiekatalog innerhalb kürzester Zeit, und natürlich wird man das Geld bis dann noch nicht haben, aber es ist schon merkwürdig frontlastig statt sie gleichmäßiger zu verteilen.

Ich bin ja auch immer wieder etwas überrascht, wie viele HP und brauchbare Hammer-Waffen ein White Mage im Early-Game doch hat, gerade im Vergleich zum wesentlich schwächeren Black Mage. Aber das kommt wohl von der starken D&D-Inspiration.

Das Spiel mag übrigens konstant in jeder Reinkarnation vereinfacht worden sein, doch manchmal muss man dennoch das ursprüngliche Resource-Management machen und durchaus zwei oder drei Trips in ein Dungeon begehen, bis man wirklich alles gelootet und den Boss besiegt hat. Beispielsweise in der Earth Cave, obwohl man beim ersten Besuchen nicht mal das ganze Dungeon macht.

Schon interessant, dass man bereits direkt nach Lich sich aufmachen kann, um das Luftschiff abzustauben und die Jobklassen aufzubessern. Gibt zudem noch ordentlich gutes Loot. Das macht Marilith und ihren Vulkan gleich einfacher, obwohl das Areal cheated, indem man durch nicht umgehbare und mit jedem Schritt schädigende Lava stapfen muss, um beim Feuerkristall anzukommen. Marilith hat übrigens nicht gerade den besten neuen Sprite abbekommen.

Schatztruhen mit Gold drin scheinen schon sehr unnütz, wenn es nicht mehrere in einem Raum gibt. Die Menge ist nämlich meist das, was man auch in 1-3 Random Encountern erwirtschaftet bekommen würde. Auch die Bosse des Spieles sind gar nicht so schwer, und ich glaube das liegt nicht nur an den Remakes. Die Schwierigkeit kam im Original glaub ich eher daher, die doch umfangreichen und mit einigen harten Encountern gespickten Dungeons durchzustehen, und beim Boss noch genug HP/MP/Items über zu haben, um sie zu besiegen. Auf sich alleine gesehen sind sie gar nicht solche Gefahren.

Und natürlich immer schön ab Stufe 7 mit den Magien aufpassen, da es die nun nicht alle zusammen in einer sondern zwei Städten gibt. Und da ein Charakter nur 3 der 4 möglichen Magien lernen kann, sollte man sich vorher vielleicht eine Übersicht schaffen, was alles im Angebot ist. Nicht zu vergessen ist die Entscheidung, welche Magien man gelernt hat in den Remakes nicht mehr final, sondern sie können im Menü gelöscht und ein anderer gekauft werden. Wobei man im Remake wahrscheinlich eh die zweite Stadt gefunden hat, bevor die Charaktere auf dem Level sind, dank dem sie diese Stufen überhaupt lernen können, da ab Job Change ohne Grinding oder mehrere Dungeon-Trips durch das Restspiel gegangen werden kann.

Vielleicht mal ausgenommen der Water Shrine, aber auch nur, weil es einfacher ist Exit zu nutzen und von vorn zu beginnen, wenn man den Rosetta Stone respektive Kraken erreicht hat, um zum jeweilig anderen Ziel zu gehen, statt den ganzen Weg wieder zum Eingang zu kriechen und in die entgegengesetzte Richtung zu gehen.

Dadurch schrumpft das Spiel natürlich auch sehr zusammen. Die Momente, wo man in den Remakes vielleicht noch leichte Schwierigkeiten bekommt, ist das ganze Vorbereitungszeug bis und einschließlich der Earth Cave mit Lich als Boss. Wenn man dann zusätzlich noch das Luftschiff und Job Change direkt nach ihm macht, gibt es anschließend ja fast nichts mehr zu tun, außer die anderen drei Fiends/Kristalle zu erledigen und ins Endgame zu gehen. Klar, ein oder zwei Items von woanders müssen dafür auch zwischendrin mal geholt werden, aber das hält wesentlich weniger auf, als das Pre-Earth-Zeug.

Um noch mal auf den im ersten Teil überraschend gar nicht ganz so fragilen White Mage zurückzukommen. Gegen Ende des Spieles hatte der White Wizard doch tatsächlich mehr HP als der Ninja. Das ist immer wieder ein komischer Anblick.

Die einzig wirkliche Herausforderung des Spieles bleibt Chaos. Nicht mal wegen des langen Dungeons, das ihm vorangestellt ist, mit seinem fast dutzend Stockwerken und Refights mit allen 4 Fiends. Wofür hat man denn am Ende des Spieles all das Geld, wenn nicht um Ether ohne Ende einzukaufen. Da muss mit den MP nicht mehr sonderlich Haus gehalten werden, kurz vor Chaos komplett HP/MP geheilt zu stehen, ist also nicht so schwer. Aber ohne groß zu grinden ist der Endboss halt doch noch etwas knackig, wobei wie in allen Versioen stark davon abhängig was er in welcher Reihenfolge herausholt. Sich mit Curaja komplett heilen zu können find ich von ihm ja sowieso unglaublich cheatig. Aber auch er ist irgendwann überstanden.

Ernsthaft, in den Remakes kann Final Fantasy locker in 10-15 Stunden beendet werden. Das ist gut, oder auch nicht. Je nachdem, wie man es sehen will, nehme ich mal an. Zum einen ist es so, dass das erste Final Fantasy halt doch zu alt und simpel ist, um wirklich noch groß begeistern zu können, selbst wenn man auf oldschool RPGs steht. Da 30 Stunden dran zu sitzen und viele Grinding-Runden zu drehen, ist nicht unbedingt die beste Zeitinvestition, die man machen kann.

Auf der anderen Seite der Medaille ist allerdings die Tatsache das, wenn man den Schwierigkeitsgrad und Grind auch noch aus dem Erstling entfernt, das Spiel noch simpler erscheint als es das eh schon ist. Die Erfahrung ist irgendwie hohl und unecht. Irgendwo wirken dadurch die Remakes für mich immer wie Spiele, die eher für diejenigen geeignet sind, die damals in den NES-Tagen das Original gespielt haben. Eben die Nostalgie jenes Teiles erneut aufleben lassen zu können, ohne allerdings all die nötige Freizeit in dessen trägen Verlauf investieren zu müssen.

Aber hey, wir wollen Final Fantasy zu seinem 30. Geburtstag doch lieber zelebrieren. Immerhin hat der Erfolg des ersten Teiles anschließend über eine Dekade lang zu (mit zwei Ausnahmen) besseren Nachfolgern geführt, bevor die Serie stark eingebrochen ist. Das ist auch was wert. Wenn es darum geht den ersten Teil dennoch mal am eigenen Leibe zu erfahren, ist vielleicht ein Mittelweg zwischen zu einfachen neuen Remakes und zu archaischem Original eine gute Idee. Die Versionen für WSC und PSX (diese kommt sogar mit einer Easy-/Normal-Auswahl) machen einem das Leben beispielsweise einfacher, aber noch nicht so einfach wie GBA und danach, nicht nur durch einen höheren Schwierigkeitsgrad, sondern auch weil sie noch Charges für die individuellen Magiestufen benutzen statt einen allgemeinen MP-Pool.

Wir sehen uns nächstes Jahr im Dezember wieder, zu Final Fantasy IIs 30. Geburtstag… dun dun dun!

Monster Hunter Stories

2014 war das 10-jährige Jubiläum der Monster Hunter Franchise, die Capcom über diese Dekade hinweg konstant bombige Verkaufszahlen (zumindest in Japan) bei weitestgehend gleichbleibenden Spielen beschert hat. Abgesehen von Monster Hunter Diary, dem niedlichen Spinoff um die Felynes, welches ausgerechnet von From Software entwickelt wurde, hat man sich nie weit davon weg gewagt. Mit dem Ultimate-Upgrade von Monster Hunter 4 später das Jahr erscheinend, entschloss man sich allerdings die Franchise um zwei weitere Nebenspiele zu erweitern.

Während das Hauptteam am fünften Teil arbeitete, durfte sich ein Nebenteam darum kümmern, mit Monster Hunter Generations das Leben der Franchise auf dem 3DS um einen Jubiläums-Eintrag zu erweitern, der die vier vorigen Generationen feiern sollte. Und Marvelous begann die Arbeit daran, die Monster Hunter Manie auf eine jüngere und weniger harte Zielgruppe zu erweitern, in dem Monster Hunter Stories eher Freunde von Pokemon und Yo-Kai Watch abgrasen sollte.

In Verkaufszahlen hat sich das nicht bewiesen. Japan hat etwas über 300.000 Einheiten abgesetzt, was für ein neues Spiel sicherlich nicht schlecht ist, Capcom aber dahin schauend, dass sowohl die Monster Hunter Hauptspiele sowie eben Pokemon und Yo-Kai Watch regulär 2 Millionen Einheiten und mehr absetzen, sich sicherlich mehr erhoffte. In den Westen wollten sie es dann gleich gar nicht bringen, unser Release haben wir Nintendo zu danken, denen wiederum dies mit erbärmlichen Verkaufszahlen gedankt wurde. Weltweit kratzt Stories gerade so an der halben Millionen verkaufter Einheiten. Die von der Hauptserie gezüchtete „Git gud“-Spielerschaft läuft eben nicht mit der von einfachen Casual-Monstersammlern kongruent.

Während ich jedenfalls so Mitte November eine Pause vom exzessiven Bespielen von Monster Hunter Tri genommen hatte, bevor ich den Rest dessen 5 Sterne Missionen aufgeräumt habe, kam es mir ganz gelegen, Monster Hunter Stories zum Geburtstag zu erhalten und stattdessen jenes als Ersatz zu suchten. Erneut mit einer kurzen Pause gegen Ende, in der ich Monster Hunter Tri beendet hatte, so dass mit dem aus dem Weg nun der Finish für Monster Hunter Stories kommen konnte.

Es sei übrigens gleich beruhigend angemerkt, dass man sich hier nicht schnell eine Kopie angefertigt und ein wenig notdürftig Monster Hunter drüber gesprenkelt hat, um an die Pokemon-Kohle zu kommen. Auch wenn sicherlich Capcom optisch nicht viele Risiken eingegangen ist. Nicht nur sollte „Pokemon aber mit deinen coolen Lieblings-Monstern aus MonHun“ ganz gut ziehen, sondern auch die Welt an sich schaut häufiger etwas aus wie eine Ghibli-Interpretation von How to Train Your Dragon, und das sicherlich nicht ganz durch Zufall. Im Zuge theoretisch perfektem Marketing zumindest alles richtig gemacht.

Macht aber irgendwo auch Sinn, wenn man drüber nachdenkt. Für ein Spinoff, in dem die Monster kuschelig sein sollen, ist es natürlich von Vorteil, keinen Hunter zu spielen, dessen Lebensunterhalt daraus besteht die Viecher im Dutzend abzumetzeln und sich aus Gallenblase und Stoßzahn eine Dudelsackwaffe zu schmieden. Stattdessen eröffnet uns Monster Hunter Stories, dass es fernab im Geheimen lebend, auch Dörfer an Ridern gibt. Diejenigen können über Bindungssteine sich mit Monstern anfreunden, die sie aus den Eiern züchten. Keine Ahnung, ob es so viel besser ist, den Monster-Müttern die Nester auszurauben, um die von Geburt an auf einen geeichten Nachkommen dann mit Magiesteinen in die Unterwerfung zu zwingen. Aber immerhin überleben sie das Treffen auf Menschen, im Gegensatz zu ihren Vettern in der Hauptfranchise.

Und Stories ist auf jeden Fall sowas von voll ein Monster Hunter, hier hat man sich schon Mühe gegeben, die Dinge aus den Hauptspielen für das rundenbasierte RPG zu vereinnahmen. So gibt es die gewohnten Intro-Panoramashots beim Betreten von neuen Arealen und dem Auftauchen eines der Story-Haupt-Monster. Es gibt aus der Umgebung herausstechende Erntestellen und die Item-Kombinationen, wie aus Blaupilzen und Kräutern eine Potion und mit Honig eine Mega Potion zu machen, nur das hier zur Einfachheit jeder Spot nur eine Ernte pro Besuch abwirft, statt wiederholt niederknien zu müssen. Die Poogie-Schweinchen mit ihren schrägen Outfits sind 100 Collectibles für Sammler. Die Karren, die einem in der Hauptreihe nach einem KO zur Basis zurückbringen, sind in Stories der Quick Travel zwischen schon besuchten Gebieten. Whetstones verhelfen zu garantiert kritischen Treffern, Paint Balls erhöhen die Chance ein Monster für dessen Eier in seinen Bau verfolgen zu können.

Nicht nur gibt es über 100 Monster aus der Hauptfranchise, sie haben auch viele ähnliche Skills und teilweise abschlagbare Körperteile im Kampf. Ein Qurupeco kann also schon unterstützende Monster zur Hilfe in den Kampf rufen. Deviljho gesellt sich einfach von sich aus plötzlich in Kämpfe, um einem das Leben schwer zu machen. Und auch hier gibt es ein 3-Strike-System im Sinne von Herzen. Wenn der eigene Rider oder das gerade aktive Monster (von 5 im Team, plus später das Story-Rathalos auf sechstem Slot) KO geht, wird ein Herz abgezogen. Sind alle drei Weg, gilt der Kampf als gescheitert. Wobei einem Monster Hunter Stories soweit ich bemerkt habe dafür nichts abzieht, einen höchstens aus dem Dungeon raus wirft.

Die rundenbasierten Kämpfe laufen Zwei gegen Ein bis Drei Gegner ab. Wobei wenn mehr als ein Gegner dasteht der Rest meist kleines Kanonenfutter ist. Dafür ist der eigene Rider allerdings auch eher schwach und gerade im späteren Spielverlauf mehr als Support durch Skills und Itemwurf gedacht. Der Schlagabtausch erfolgt auf einem Stein-Papier-Schere-Prinzip von Speed > Technique > Power. Zumindest in den Standard-Angriffen, Skilleinsatz ist häufig neutral, kostet aber auch Punkte aus der Freundschaftsleiste, die sich mit Erfolg im Stein-Papier-Schere füllt. Und bei voller Füllung darf sogar auf dem Monster geritten werden, was die Angriffe verstärkt, gegen diverse Statusveränderungen schützt und vor allem die schwächliche HP des Riders ausblendet. Was mich hieran allerdings etwas störte ist, dass dies teilweise sehr vom Glück abhängt. Als Spieler kann man dem Monster zwar auftragen, welchen Skill es einsetzen soll, aber keine der drei Standard-Angriffe wählen, weswegen Erfolg beim Stein-Papier-Schere stark davon abhängt, was derjenige gerade machen möchte, und vor allem auch was der Gegner ausgewählt hat. Anfänglich tendieren Monster zwar vorrangig zu bestimmten Attacken, aber gerade aufs Finale ist kein großer Verlass darauf, beim Stein-Papier-Schere unbedingt zu gewinnen. Besonders schön ist übrigens die Option kämpfe x2 oder x3 zu beschleunigen, um schneller durch die Animationen zu kommen. Zusätzlich werden Spieler noch via QTE-Tauziehen wach gehalten, wenn die richtigen Monster aufeinander treffen. Beispielsweise zwei mit Atemangriff oder zwei Flieger.

Jedes Monster kommt zusätzlich übrigens auch mit einem oder zwei Passivskills daher, die bei der Exploration der Gebiete helfen. Auf dem die Gegner übrigens sichtbar sind, was natürlich immer schön ist. So kann Tigrex beispielsweise Efeu erklimmen, Qurupeco jederzeit einen Kampf forcieren, Rathalos fliegen, Lagiacrus schwimmen etc., womit teilweise neue Teile der Gebiete erkundet werden können, um auch abgelegene Items zu finden. Die Welt sieht hier durchgängig hübsch aus und hat eine meist sehr konstant hohe Framerate, nur bei Popins mehrerer Details oder NPCs kann es kurz straucheln. Nicht, dass dies bei einem rundenbasierten RPG sonderlich störend wäre.

Wäre natürlich nicht sonderlich spannend, wenn man die Monster, nachdem man das Ei aus den randomisierten Nestern gestohlen hat, einfach statisch bleiben würden. Sie verändern sich zwar nicht optisch, und auch ihre Wachstumskurve an Statuswerten bei Level Ups ist festgelegt, doch ihr Skillset kann vom Spieler beeinflusst werden. So hat jedes Monster eine gewisse Anzahl an freien Slots auf einem 3×3 Brett, und dessen natürliche Skills zufällig darauf versetzt. Es kann allerdings jederzeit (sobald die Option per Story freigeschaltet ist) ein anderes Monster geopfert werden, um dessen Skill auf ein anderes zu übertragen, sofern es denn dort einen Platz dafür hat. Die richtige Skillkombination kann sogar zu zusätzlichen Passiv-Boosts führen.

Weiterhin gibt es natürlich nach erfolgreich beendetem Kampf auch Materialien vom Monster, wie viele hängt vom ermittelten Rang ab, wie gut man sich geschlagen hat. Und mit jenen kann der eigene Rider gewohnt mit verschiedenen Rüstungs- und Waffensets aufgebessert werden. Wobei die Waffenarten auf die nötigsten reduziert sind. Und auch so die Sache etwas geradliniger und nicht so grindy wie in der Hauptfranchise ist. Um die Rüstung oder Waffe eines Monsters zu schmieden oder zu verbessern, kann fast immer jegliches Material des Monsters verwendet werden, nur geben die seltenere einen besseren Schmiedefortschritt. Immerhin ist das Hauptaugenmerk von Monster Hunter Stories ja auch nicht das wiederholte Erlegen von harten Monstern, sondern dem Folgen der Handlung und das Erfüllen von ganz vielen Sidequests (alle nett mit Questmarkern versehen).

Die Handlung ist dabei einfach aber brauchbar, die Cutscenes alle ganz niedlich designt, und vor allem kommt sie häufig genug vor, um einem am Ball zu halten, ist aber nie übermäßig ausschweifend, so dass sie vom Spielen zu lange abhalten würde. Die Geschichte um eine dunkle Aura, die Monster böse macht, und ein Kindheitsfreund, der an sie seine Mutter verliert, sollte in seinem Fortschreiten eh keinen erwachsenen Spieler sonderlich zu überraschen wissen. Ich habe dennoch gut 50 Stunden gebraucht, bis ich den Abspann gesehen habe. Hauptsächlich allerdings, weil ich so gut wie alle Nebenaufgaben erledigt und einen Großteil der Monster gebrütet hatte, einfach weil ich das Ding so launig fand. Ich mein, auf einem Barioth durch die Gegend zu reiten und Monster mit eigenen Dinosaurier-Drachen-Haustieren eins überbraten? Da bin ich aber sowas von dabei.

Deswegen finde ich es echt etwas schade, dass ein zweiter Teil eher ungewiss ist und ein West-Release eines hypothetischen Nachfolgers fast ausgeschlossen. Denn ich habe meine Reise durch Monster Hunter Stories voll genossen, mir persönlich lag das Spiel beispielsweise wesentlich mehr als Yo-Kai Watch. Und die paar kleinen Makel wie das etwas Glücks-abhängige Kampfystem oder der unebene Schwierigkeitsgrad gegen Ende liesen sich in einem Sequel locker beheben.

The False Prophet

Ich komme nicht weg von den Konsolon-Ports von WRPGs bzw. cRPGs, bei denen ja immer gern Masterrace-mäßig gewettert wird, dass die sowieso kaum sinnig sind. Aber wenn man wie ich keine Vergleichswerte hat, da man nur das minderwertige Produkt bespielt, kann man das natürlich auch nur auf Grund seiner eigenen Qualitäten bewerten.

Ich glaube mir liegt die Serie so im Ganzen vielleicht gar nicht mal so sehr. Ultima III war ja jetzt nicht gerade eine sich entfaltende Liebe, wohingegen mir Ultima IV zwar gut gefallen hat, aber gerade jetzt nach Ultima VI weiß ich gar nicht mehr, ob das nicht wie hier mehr am Konzept statt am Spielerischen gelegen hat. Letztendlich erinnere ich mich vage daran, dass Ultima IV hauptsächlich in den Parts interessant war, die nicht traditionell-klassiches RPG waren, und sobald es in die Dungeons oder Kämpfe ging, meine Laune beständig am Sinken war.

Bei Ultima VI ist dann vielleicht auch einfach wirklich das Problem, dass es die Bestandteile besser durchmixt, um eben nicht den Großteil des Spieles wie zwei Vorgänger vorher fast mehr in einem Adventure-Game zu haben, und alle Auseinandersetzungen auf die letzten paar Stunden verschieben zu können. Dadurch wirkt natürlich auf mich, der einen der Parts eher nicht so mag, die Gesamtheit auch durchwachsener.

Aber fangen wir doch auf der theoretischen und positiven Seite an. Die Handlung von The False Prophet gestaltet sich wie folgt. Wir als der Avatar haben zwar ein beschauliches Leben, aber sehnen uns auch nach der Action in Britannia, als gerade ein Mondportal aufgeht. Das ist zwar Rot statt wie sonst Blau zu sein, aber Mut ist eine Tugend und durch geht’s. Und schon liegen wir auf einem Altar gefesselt, während uns ein Dämon abschlachten will, unsere Companions uns allerdings erretten und nach Castle British warpen. Wo direkt weitere Dämonen den Thronraum unsicher machen, die wir auch kurzerhand massakrieren.

Lord British erzählt uns dann, dass diese dämonischen Wesen sich Gargoyles nennen, und neuerdings aufgetaucht sin, um die Schreine der Tugenden zu entweihen. Das ist natürlich nicht gut, also ziehen wir Avatar mit Companions im Gepäck ins Land, um die besetzten Schreine mit brachialer Schwertschneide wieder zu befreien und die Runen erneut einzusetzen.

So weit, so typisch RPG ist die Handlung von Ultima VI. Doch um wie üblich auch an den Codex of Ultimate Wisdom zu kommen, machen wir plötzlich die Bekanntschaft eines Gargoyle-Jungens, der sogar der menschlichen Sprache mächtig ist und uns die der Gargoyles beibringt. Und so finden wir heraus, dass in deren Augen eigentlich wir die Bösen sind. Durch das Erobern des Codex und die Zerstörung der Monster-infizierten Unterwelt in den Vorgängern haben wir deren Welt dem Untergang geweiht. Aus Sicht der Gargoyles war das Leben einbahnfrei, bis plötzlich ein Oberbösewicht mit seinen Schergen aufgetaucht ist, um ihr magisches Artefakt zu stehlen, damit sein König von dessen Macht profilieren kann, und im gleichen Zug ihre ganz friedlich für sich selbst lebende Rasse dem Tode geweiht hat. Laut ihrer Prophezeiung ist erst durch das Erschlagen jenes Bösewichts und Widererlangen des Codex das Gleichgewicht wieder hergestellt.

Zusätzlich interessant ist auch dabei zu sehen, dass in den drei Schreinen der Tugenden der Gargoyles, die man fürs Endgame betritt, dort jeweils die Statue eines der Endbosse der ersten drei Ultimas steht. Weil die nämlich jene Tugend repräsentieren, nur im Übermaß ins Negative umgeschwenkt ist, statt in Balance zu halten. Was die Fieslinge der ersten Teile also böse gemacht hat, ist eigentlich in Maßen genossen eine positive Eigenschaft. Das Sprichwort „zu viel des Guten“ kommt eben nicht von irgendwo. Allgemein unterstreicht dies erneut die Thematik des Spieles, dass gute Intentionen nicht zwangsläufig auch zu positiven Ergebnissen führen müssen.

Richard Garriott ist schon ein sehr interessanter Kerl, da er in seinen Ultimas so früh gern hinterfragt, was einen Helden überhaupt ausmacht. Wesentlich mehr reflektiert, als das viele RPGs bis heute machen. Nimm jeden Gegenstand mit, den man finden kann, und erschlage die meisten Monster, bis die Prinzessin oder das Reich oder gar die Welt gerettet ist, und du bist ein Held. Vielleicht gibt es ein Moralsystem im Spiel, welches aber dann auch nur beeinflusst, ob ein Gutmensch oder ein Arschloch die Welt rettet. Und sich auch hauptsächlich in deren Interaktionen mit anderen NPCs ausdrückt, alles was bei Drei nicht aus dem Weg gesprungen ist zu ermorden bleibt gleich. Anders waren die ersten drei Ultimas auch nicht. Und dann kam Ultima IV um die Ecke und hinterfragt, was eigentlich wirkliche Tugendhaftigkeit ausmacht. Was ein Vorbild, welches zu feiern wert wäre, ausmachen würde. Am Ende ist Dungeon Crawling und Monster Slaying dort stark untergeordnet, sondern man muss die richtigen ethischen und moralischen Wert beweisen, um zum wahren Avatar zu werden.

Und dann fragt Ultima VI ob was ein Held ist oder nicht letztendlich nicht sowieso nur eine Frage des Blickwinkels ist. Gewinner schreiben die Geschichte und man selbst sieht sich immer im Recht. Wenn Lord British einem aufgibt den Codex zu holen, damit das Land in Wohlstand und Frieden einer Goldenen Ära leben kann, dann ist das doch eine heldenhafte Tat. Aber eben nicht für diejenigen, denen man das weg nimmt. Für die ist gerade die Backstory für ein RPG, in dem ein Obermotz das Land in Chaos stürzt, angebrochen, während auf unserer Gegenseite das Ende eines RPGs mit Frieden und Blowjobs für alle läuft.

Letztendlich geht Ultima VI nicht mal den wirklichen „du bist eigentlich der Bösewicht gewesen!“-Weg. So einfach und Schwarz und Weiß macht es sich das Spiel nicht. Es hat ja keiner aus böser Absicht gehandelt, sondern weil sie tatsächlich davon ausgingen, nur Gutes zu bezwecken. Die Existenz der Gargoyles war nicht mal jemandem bekannt. Es waren nur alle blauäugig genug, um davon auszugehen, dass das eigene Wohl über allem steht. Und die Gargoyles anschließend sofort als die einfallenden Schurken zu verurteilen, nicht umsonst auch ganz bewusst optisch wie Dämonen designt, um sie auch direkt alleine äußerlich wie die Gegner in jedem anderen RPG zu kodieren.

Mein Problem mit Ultima VI: The False Prophet ist dummerweise einfach nur, dass ich keinen sonderlichen Spaß daran hatte, dies auch zu spielen. Die Welt von Ultima VI ist eine zusammenhängende Sache, mit Städten direkt in der Landschaft und NPCs in ihrem Tagesablauf. Das hat für mich dahin resultiert, dass ich ständig komplett verloren war. Wann immer ich eine neue Ansiedlung oder einen Charakter oder Etablissement aufsuchen musste, habe ich mich dumm und dämlich gesucht, um dies zu finden. Weil die Welt einfach so groß und unübersichtlich ist, selbst in den Städten man nie weiß, wann man den Rand erreicht hat, oder ob mehrere hundert Meter im Norden nicht doch noch ein Haus steht. Und das ist, wenn ich überhaupt weiß, was ich überhaupt tun soll, oder wo dies zu machen ist und inwiefern mich das überhaupt dem Endziel näher bringt.

Das Kampfsystem hingegen ist ziemlich langweilig. Halb-Action-Halb-Rundenbasiert läuft der Schlagabtausch zwischen Mitstreitern und Gegnern grundsätzlich erst mal von selbst, irgendwann wird dann halt unterbrochen, weil der Avatar am Zug ist, und man ihm einen Befehl geben soll. Wobei ich meist einfach Auto gewählt und gehofft habe, dass die Angelegenheit schnell rum ist. Ultima VI kennt außerdem viele Zaubersprüche, von denen allerdings nur Unlock und Expel Field wichtig sind, eventuell noch Invisibility um sich an Drachen vorbei zu mogeln, dafür aber an sie zu kommen unnötig komplex ist. Es muss ein Zauberbuch gekauft werden, dann aber jeder Zauber noch einzeln selbst, um ihn darin einzutragen, aber jeder Shop hat nur gewisse im Angebot, und neben Magiepunkten kosten sie auch noch Zutaten, die man eventuell erst suchen oder kaufen muss. Magie war also nur dann genutzt, wenn ich es wirklich nicht umgehen konnte.

Auf der etwas oberflächlichen Seite wäre dann noch die Tatsache zu erwähnen, dass ich die Optik des Spieles nicht sonderlich mag. Bei Ultima ehrlich gesagt noch nie sonderlich. The False Prophet hat dabei endlich durchaus anständige grafische Kapazitäten zu bieten, aber mir gefällt diese extrem hoch angesetzte Vogelperspektive weiterhin nicht, alles wirkt irgendwie zu… perspektivisch schräg? Abgesehen davon, dass man von vielen Gegnern und Gegenständen (die Ausstattung der einzelnen Räumlichkeiten ist schon sehr detailliert) erst beim zweiten oder dritten Blick sagen kann, was es sein soll, weil alles etwas arg klein geraten ist. Die arge Einschränkung des Blickfeldes in dunklen Bereichen und Nachts ist ebenfalls nicht unbedingt der Burner.

Das waren dann eigentlich schon die Punkte, die mir das Spielerlebnis irgendwo verregnet hatten. Zumal man erst ganz gen Ende mit der Wendung kommt, dass die Gargoyles gar keine einfallende Bösewichte sind, weswegen halt eben auch das interessante Konzept hinter dem Spielgeschehen sich nicht so frühzeitig offenbart hat, als das mich das bei Stange gehalten hätte, während ich mal wieder schier endlose Lebenszeit daran vergeudet habe, hoffnungslos in der Welt oder einem Dungeon verloren zu gehen, oder während eines Kampfes auf Durchzug geschaltet hatte.

GameGearing: Shining Force II

Segas war ziemlich fix dabei, ihre ehemalige Vorzeige-SPRG-Serie, nach dem Erfolg des Erstlings auszunutzen. Zwischen dem Release von Shining Force in 1992 und dem Mega-Drive-Nachfolger Shining Force II ein Jahr und wenige Monate in 1993 später, sollten nämlich bereits gleich zwei Handheld-Ableger das Licht der Welt erblicken. Shining Force Gaiden, Japan-exklusiv wie die neueren Teile der Reihe bleibend, bereits ein halbes Jahr nach dem Mega-Drive-Original, und Shining Force Gaiden II erneut ein knappes halbes Jahr später. Jenes kam dann sogar als Shining Force: The Sword of Hayja in den Westen. Und in 1994 konnten Westler dann sogar den Erstling nachholen, als beide als Remake Shining Force CD aufgelegt wurden. Das 1995 erschienene Schluss-Kapitel Shining Force Gaiden: Final Conflict hingegen ist dann wieder dem Land der aufgehenden Sonne vorbehalten geblieben.

Wobei es Shining Force auch wesentlich unbeschadeter auf den Handheld geschafft hat als so einige andere von Segas Vorzeige-Franchises, wenn man beispielsweise mit Panzer Dragoon oder Phantasy Star vergleicht. Was eventuell auch daran liegt, dass hier die Handheld-Spinoffs aus dem gleichen Hause wie die „großen“ Konsolengeschwister stammen, nämlich Segas Sonic Team bzw. Camelot, die sich für alle Shining Forces vom ersten Teil bis einschließlich der Shining Force III Trilogie verantwortlich zeichnen.

Dass die Stärken von Camelot sonderlich im Storytelling liegen würden, wird die wohl keiner je beschuldigt haben, und das war auch schon zu Sega-Zeiten nicht anders. Die im ersten Teil war brauchbar und schön kurz gehalten, wenn es vom Pacing her auch etwas luftleeren Raum zur Mitte hin gab, wo nur viel hin und zurück gereist wurde. The Sword of Hajya hat weitestgehend gar keine zu bieten, um ehrlich zu sein. Das Spiel beginnt damit, dass die feindliche Nation Iom zur Wiederweckung ihrer Gottheit einen König opfert. Dann schalten wir nach Cypres, wo Prinz Nick, der im ersten Shining Force Gaiden die Hauptrolle spielt, seine Armee in den Sturm auf Iom führt. Und seine Ische mit einem halben Dutzend Nachwuchssoldaten alleine zurück lässt, damit sie das wichtige Sword of Hajya bewachen können. Was ihr natürlich prompt unter der Nase weg gestohlen wird.

Insgesamt gibt es 24 Kämpfe im Spiel, und die ersten 8 davon verbringt man mit nichts, außer dem Dieb hinterher zu laufen, und das Schwert zurück zu erlangen. Wo es dann ungenutzt im Inventar versauert, es wird erst für den Endkampf wieder wichtig werden. Keine Versuche der Feinde es zurück zu stehlen, oder auch nur jegliche Erwähnung seiner Existenz bis dahin. Prompt bekommt man aber gesagt, dass Nick von Iom gefangen worden ist, und nun als nächstes royales Opfer herhalten muss. Damit ist dann auch der Rest des Spieles geregelt, denn Kämpfe 9 bis 23 läuft man nun unmotiviert Nick hinterher, bis der gerettet ist und man sich mit ihm und dem Schwert Gott Iom in der Finalschlacht entgegen stellen kann. Irgendwo ein oder zwei Maps davor taucht noch ein verschollener Bruder, von dessen Existenz oder Verschollenheit man nie was wusste, wieder auf, um sich heroisch zu opfern.

Also nein, so sonderlich viel narrativen Zug gibt es nicht im Spiel. Hier macht der große Konsolenbruder dann doch schon mehr her, dessen Handlung wenigsten etwas Quantität zu bieten hatte. Wobei ich schon denke, dass hier mehr drin gewesen wäre, und dies nichts mit Handheld-Restriktionen zu tun hat.

Worauf wir auch verzichten müssen ist eine Oberwelt oder Städte, die erkundet werden können. In Sword of Hajya geht es hingegen direkt von einem Kampfschauplatz über eine kurze Sprechsequenz in den nächsten Kampfschauplatz, wie das für SRPGs aber durchaus nicht unüblich ist. Sporadisch wird dennoch eine Stadt zum Einkaufen eingeworfen, aber die besteht hier aus einem minimalistischen Menü a la Shining in the Darkness.

Aber was die Kämpfe angeht, so ist Shining Force auch auf dem Game Gear komplett intakt geblieben. Hilft wahrscheinlich, dass Shining Force von Grund auf etwas minimalistischer gestaltet ist. Wie gesagt gibt es davon 24 an der Zahl, was nur ungleich weniger als im ersten Teil auf dem Mega Drive darstellt. Die Größe der eigenen Streitkräfte zählt weiterhin 12 Recken, die gleichzeitig auf das Schachbrett ins Feld geführt werden können. Waffen und eventuell ein Ring werden ausgerüstet, je nach Einheit und Untergrund gibt es leichte Unterschiede darin, wie weit sich auf dem Schachbrett des Kampffeldes bewegt und von wo aus angegriffen werden kann. Ab Level 10 kann ein Großteil zu besseren Klassen promoviert werden, und zwei in der Umgebung versteckte Geheimcharaktere gibt es auch noch. Über Egress ist jederzeit eine Flucht möglich, weswegen im Notfall gelevelt werden kann, und selbst der Endboss hat wieder endlos spawnendes Kleintier, an dem sich auch nachträglich hochgepowert werden könnte, sollte der Boss an sich zu viele Probleme bereiten.

Optisch ist natürlich alles etwas weniger detailliert und kleiner auf dem winzigen Bildschirm, wobei es zumindest gegenüber der Mega-Drive-Version vom ersten Shining Force nun auch wieder nicht allzu viele Abstriche gibt. Gerade die Animations-Cutins in den Kämpfen, wenn sich angegriffen wird, beweisen gut aussehende Hintergründe und Sprites.

Das Einzige, was den Spielspaß doch etwas gehindert hat, ist ein Bug im GG-Original. Es ist so, dass Magien im Spiel sowieso schon etwas arg mächtig sind, und einer Einheit mit Pech schnell das Licht ausblasen können. Und dann kommt in den letzten paar Schlachten Freeze 3 hinzu. Das hat die hohe Reichweite und AoE-Schadenszone der anderen Level-3-Magien, macht aber wegen eines Bugs fast den doppelten Schaden zu einem Blaze 3 oder Bolt 3. Das sind teilweise mehr HP, als eine voll geheilte Einheit mitbringt, und dann können noch locker 5 auf einmal getroffen werden. Dadurch ist ironischerweise Map 22 eindeutig der schwerste Kampf im ganzen Spiel, obwohl danach noch zwei weitere kommen, einfach weil dort zwei Gegner Freeze 3 mitbringen, anstatt nur einer wie im Rest.

Ansonsten ist es wieder eine vergleichsweise geschmeidige Fahrt gewesen. Schwerer als das GBA-Remake vom ersten Teil zwar schon, weil die Gegner-KI nicht ganz so Kamikaze ist, sondern etwas schlauer im Ausnutzen des Bewegungsradius, sowie schneller mal eine Einheit drauf geht, weil sie direkt nach einer starken Magie noch von anderen Gegnern ins Visier genommen wurde, bevor man sie heilen konnte. Aber insgesamt durchaus machbar, da Einheiten wie immer wiedererweckt werden können und damit locker entbehrlich sind, und wozu hat man denn Egress?

Also hat mir auch Shining Force II: The Sword of Hajya recht gut gefallen. Weil es erneut simpel und zügig von der Leber weg gespielt werden kann, wenn auch die Motivation der kleineren Version auch ein wenig kleiner gegenüber dem ersten Shining Force war.