Trials of Mana

Seiken Densetsu 3 war immer einer der heiligen Grale der Spielerlandschaft. Damals groß als Secret of Mana 2 in Spielemagazinen hochgehyped, aber letztendlich doch nie erschienen. Wir alle wollten es spielen. Da war es auch nicht verwunderlich, dass es zu einer der frühesten Fanübersetzungen gehörte. Die ich mir aber eigentlich erst spät reinzuziehen gedachte. Damals, 2016, als ich zum 25-jährigen wieder mal den Erstling spielte.

Hatte Seiken Densetsu 3 dann aber nach einigen Stunden genervt abgebrochen. Sah zwar super aus, aber spielerisch fand ich es viel zu zähl. Ständige Gegner und sobald man in einem Kampf ist bewegt man sich nur soch so frickelig. Ständige nervige Statusveränderungen und überstarke Bosse. Mir machte es schlichtweg keinen Spaß. Aber nachdem das Spiel zunächst zum ersten Mal im Original offiziell lokalisiert in der Collection of Mana in den Westen kam, folgte darauf mit Trials of Mana sogar ein vollwertiges Remake. In dieser Form gab ich dem Spiel dann noch mal eine Chance.

Es sieht auch weiterhin echt schön aus. Also so high end wie auf dem SNES natürlich nicht, es ist immer noch ein budget Remake. Und die detaillierten 2D-Pixelsprites haben eh einen ganz anderen Charme als 3D-Modelle. Aber es sieht schon mal nicht so low budget aus wie Adventures of Mana oder das Secret of Mana Remake. In dem Grafikstil könnte ich mir durchaus mehr 16bit-Klassiker neu gemacht vorstellen. Eigentlich passt es ganz gut.

Von der Spielstruktur ist es übrigens gleich geblieben. Trials of Mana gibt einem die Auswahl aus sechs Charakteren, wobei einer der Haupt-Hauptcharakter ist und zwei andere als Kompanions in die Truppe gestellt werden. Im Remake kann allerdings den Prolog von allen drei gespielt werden. Hier gibt es sogar ein wenig Wiederspieltwert. Eben nicht nur, um die anderen drei Prologe zu sehen. Sondern im Prinzip nimmt das Spiel an einigen Stellen kleine Abstecher in Charakter-spezifische Storylines. Letztendlich gibt es dadurch drei leichte Variationen der Geschichte, weil die Nebenhandlung zweier Charkatere immer zusammenläuft. Um alles gesehen zu haben muss also drei Mal durchgespielt werden. Mit 20 Stunden ist das ja zum Glück ein ziemlich schnelles Spielvergnügen.

Allgemein geht alles ziemlich zackig. Die Handlungsszenen sind genug, um einen weiterzutreiben, halten aber nicht mit endlosen aufgefüllten Dialogen auf, um mehr draus zu machen, als letztendlich da ist. Ist sich auch nicht zu schade darum, sich über sich selbst lustig zu machen. Ich fand es zum Beispiel witzig, dass in jedem Prolog der jeweilige Charakter zu so einem Typen nach Wendel muss, weil der angeblich die Lösungen zu jedem Problem weiß, und der Typ einfach mal überhaupt nicht helfen kann. Nur damit in Angelas Prolog sich die Wahrsagerin genau darüber lustig macht. Die Handlung weist eine gute Balance zwischen witzigen Einlagen und ernstgemeinten Momenten auf und ist sich einfach immer netterweise klar, dass sie nicht weltbewegend ist.

Schön finde ich auch die neuen Quest-Marker, die einem immer anzeigen, wo es jetzt genau weiter geht. Wo im Dungeon hingegangen werden soll. Welcher NPC die nächsten Infos bereithält. So muss sich nicht durch jeden NPC gefragt werden, der eh nur sagt, dass ihm die Nase läuft, wenn man das nicht will. Und wer erst mal alles erkunden will, läuft nicht mehr versehentlich in eine Story-fortschreitende Szene.

Vom Gameplay her sind wir im Remake auch wesentlich moderner. Es ist immer noch ein Action-RPG, bei dem munter zwischen den Charakteren hin und her gewechselt werden kann. Viel druff kloppen und mal nen Skill werfen ist meist eine gewinnende Taktik. Aber mittlerweile kann man schon mal springen, um fliegende Gegner zu erreichen. Und es gibt sichtbare Danger Zones auf dem Spielfeld, um Magien aus dem Weg gehen zu können. Das ist schon eine massive Verbesserung zum Vorgänger. Einem Kampf zu fliehen ist auch nicht mehr so schwer. Das eigene Empfinden mag hierbei je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad variieren. Wobei ich schon fand das es zumindest in Kapitel 5 einen deutlichen Anstieg an Härtegrad gibt. Als wäre das Kapitel dafür gemacht, bereits die dritten Jobklassen zu haben, die man aber erst gegen Ende bekommt.

Diese Berufe zu wechseln benötigt es neben dem richtigen Level nun nämlich auch Samen. Und die scheinen einfach seltsam spät im Spiel untergebracht. Ich war schon weit über dem Wechsellevel, als ich endlich genug davon hatte. Zumal man zwar nur Samen für den Job der aktiven Charaktergruppe bekommt, aber dafür eventuell für einen Jobwechsel, den man nicht vollziehen will. Abgesehen von wenigen kleinen Anstiegen ist das Spiel allerdings nicht sonderlich schwer, besonders wenn es nicht zu schade ist im Notfall einfach Items zu spammen.

Das ich nach dem Ende des Spieles tatsächlich noch motiviert war für knapp fünf weitere Stunden zu spielen, obwohl ich selten nach den Credits weiterzocke, sollte beweißen, dass ich meinen Spaß mit dem Remake hatte. Anschließend gibt es nämlich als neuen Content das Abholen der vierten Jobklasse und ein neues Bonusdungeon mit Boss. Das ist zwar der übliche etwas unkreative Remake-Bonus eines langen Dungeons, welches schlichtweg aus Versatzstücken und Bossen des Hauptspieles zusammengebastelt ist, aber gefällig genug war es.

Mana war nie die weltverändernde A-Riege von Square, sondern immer komfortabel im gut unterhaltenden B-Stapel der Spielebibliothek zu finden. Und genau da ist auch das Trials of Mana Remake gut beheimatet. Wer mal wieder ein schönes buntes RPG spielen will, das sich nach den guten 90ern anfühlt, aber doch ein paar moderne Verbesserungen parrat hält, ist hier nämlich genau an der richtigen Stelle.

Dragon’s Dogma

Ich weiß noch als Dragon’s Dogma nur mit dem Drachenlogo angekündigt wurde und alle darauf hofften, dass Capcom ein sechstes Breath of Fire macht. Nun, ein sechtes Breath of Fire haben sie schon gemacht, nur Jahre später und im ganz anderen Look. Dragon’s Dogma war allerdings auch eher so ein verschlafener Hit, von dem man immer mal wieder gehört hat, dass es ganz toll sein soll, das aber letztendlich doch nicht ganz so viele Leute spielten. Trotz erweitertes Dark Arisen Re-Release und Systemportierungen.

Dragon’s Dogma fällt genau in die Zeit, während der sich viele japanische Entwickler an den Westen orientiert haben, weil die eigene Spielerschaft mehr und mehr von stationärer Konsole weg hin zu Handhelds und Smartphone Gaming ging. In diesem Fall ein wenig ein eigenes Skyrim zu machen, sozusagen. Ein stark in D&D-Ästhetik verliebtes westliches RPG, viel Freiheit, mittelalterliche Drachen, viele Brauntöne halt.

Wobei Dragon’s Dogma direkt zu Beginn schon auftrumpft. Also nicht zu Beginn Beginn. Zunnächst gibt es einen kleinen Prolog, den man spielen soll, der wohl Anheizer auf das Restspiel darstellt, statt klein und langweilig beginnen zu müssen, aber etwas überfordert, da man bereits alle Kampfoptionen hat. Ist ja nicht so, dass man nach der Charakterstellung nicht fünf Minuten nach dem Aufwachen bereits von einem Drachen am Strand aufgespießt würde, um dem Startschuss etwas Adrenalin zu geben.

Aber diese Charaktererstellung nach dem Prolog ist tatsächlich so tief, wie sie wohl in noch keinem Spiel davor oder danach gewesen ist. Wobei sich Dragon’s Dogma zugegeben auch nur darauf konzentrieren muss, menschliche Charaktere wiederzugeben. Hühnenhafte Amazoninnen sind möglich. Kindergestalten. Kerle, die so breit wie lang sind. Alle Standardoptionan sind reichlich vertreten und dann eben noch jene, die es selten bis gar nicht mehr in Videospielen gibt, weil zu stark unterschiedliche Körperformen zu animieren und sichtbare Rüstung drauf anzupassen viel Arbeit ist.

Noch interessanter ist sicherlich, dass dies auch Auswirkungen auf das Spielerlebnis an sich hat. Wenn auch eher im kleinen Rahmen. Besonders kleine Charaktere können an wenigen Stellen beispielsweise durch Tunnel oder Mauerlöcher krabbeln und müssen nicht den langen Weg in eine Festung hinein finden. Ein besonders großer Charakter hat dafür mehr Tragegewicht zur Verfügung. Wie stark oder auch schnell ein Charakter ist, ist leicht unterschiedlich.

Ich mein, Dragon’s Dogma ist voller kleiner Details, die keinem auffallen würden, wenn sie fehlten. Richtig gemerkt habe ich das erst, nachdem ich im Gefängnis gelandet war, weil ich versehentlich meine Schwert in einer Stadt gezückt hatte oder so. Kleines Vergehen, kann mal passieren, hab mich wieder freigekauft. Aber als mein Charakter dann barfuß in der Gefangenenkluft über die Backsteinstraßen lief, fiel mir auf, dass seine Sohlen tatsächlich langsam dreckig werden.

Und dann sind im Kontrast dazu plötzlich weite Landesstriche mit Variationen der gleichen paar Gegner bestückt. Wolf. Räuber. Harpie. Goblin. Vielleicht als Miniboss nen Manticore oder Cyclops. Es gibt tatsächlich noch mehr Gegner, die sind aber zum Großteil Post-Game, in optionalen Dungeons, oder Bosse, so dass man sie fast nie sieht. Man wird es besser nicht leid, von den Pawns „It’s weak to fire, Master!“ zugerufen zu bekommen.

Erneut ist dieses Pawn-System an sich ein ganz nettes. Man bekommt aus dem Rift irgendwann einen willigen Sklaven aufs Auge gedrückt, der  anstandslos folgt und auch an andere Spieler ausgeliehen werden kann. Dort kann der Pawn sogar lernen, wie Quests ablaufen oder wogegen Gegner schwach sind, die man im eigenen Spiel noch nicht hatte. Genauso wie sie beim eigenen Spielen nach und nach die gleichen Erfahrungen sammeln. Erneut ist das ein sehr schön durchdachtes System, dem aber wohl ein wenig Zeit fürs Feintuning fehlte. Die meiste Zeit gibt es offensichtliches. Gegner schwach gegen Feuer (fast alle sind es). Gegner mit Schwanz besser den Schwanz abschlagen. Als nächstes geht’s in der Questreihe zum NPC, zu dem der Spielermarker eh zeigt.

Ein weiters cooles System ist, dass an Monser entlanggeklettert werden kann. Das hilft, wenn man der Chimäre zunächst den Ziegenkopf auf dem Rücken ausschalten will, damit der keine Magien mehr wirft. Oder um beim Cyclops ans Auge zu kommen, ohne ihn mühsehlig zu Fall zu bringen. Erneut ist das System allerdings etwas ungelenk. Man wird automatisch abgeworfen, wenn die Stamina ausgeht. Die sich bei jedem Rütteln des Monsters verringert. Dagegen kann nix getan werden. Von daher ist es oft sehr vom Glück abhängig, wie lang man jetzt an so einem Monster bleibt oder wie schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt wurde.

Ich mochte Dragon’s Dogma schon insgesamt, das will ich gar nicht bestreiten. Einfach mal wieder mit zwei Companions durch die mittelalterliche Welt schnetzeln, Quests für NPCs erledigen, alte Gemäuer erkunden, und der klassichen-passablen Handlung folgen. Bäume ausreißen tut das Spiel meiner Meinung nach nicht, aber dennoch ganz unterhaltsame Kost bieten, wenn einem nach Questen ist. Halt echt schade, dass so viele System im Konzept interessanter sind, als sie dann wirklich groß Auswirkung hatten.

Das alles zumindest zum Hauptspiel. Dragon’s Dogma hat allerdings auch noch ein dickes Endgame. Zum einen der Everstream, welcher zum wahren Ende des Spieles führt. Und dann natürlich noch die Bitterblack Isle, eine Insel, die in der Erweiterung hinzugefügt wurde. Beide sind eigentlich hauptsächlich Kampf- und Loot-Runden. Es geht immer tiefer in jene Gebiete, ein Challenge-Raum nach dem Anderen, dabei ordentlich Truhen öffnen, um besseres Equip zu haben, um sich den tieferen Herausforderungen zu stellen. Das Problem bei Dragon’s Dogma ist allerdings, dass Truheninhalte randomisiert sind. Da überhaupt mal was zu bekommen, was die eigene Charakterklasse ausrüsten kann, geschah mir so selten, dass ich nach ein bisschen Erkunden des Everstreams und nach dem Gazer-Boss in Dark Arisen die Schnauze voll hatte.

Aber ich meine, durchs komplette Hauptspiel eine angenehme Zeit gehabt zu haben, reicht auch vollkommen aus. Da wollen wir dem mülligen Endgame-Loop mal nicht zu sehr Gewichtung geben. Und wer wirklich so sehr in das Spiel verliebt ist, um es wieder und wieder und wieder spielen zu wollen, für denjenigen ist diese Looterei wahrscheinlich sogar Motivationsfördernd.

Bloodborne

Es ist vollbracht. Die Reise hat ein Ende gefunden. Vor zwei Jahren holte ich mir Dark Souls Remastered. Vollkommen davon überzeugt das die Franchise nichts für mich ist. Aber nach Jahren des Interesse-weckens war ich doch bereit dazu, es zumindest auszuprobieren. Nur mal so zum Spaß. Nur um zu sehen, wie früh der spät das unweigerliche Scheitern kommt.

Es kam nicht. Stattdessen kamen die zwei Nachfolger und Bloodborne zu mir nach Hause. Die es auch nicht vermochten einen hoffnungslos unfähigen Spieler wie mich davon abzuhalten, irgendwie durch ihren Content bis zu den End Credits zu stolpern. Wie sich herausstellt muss man gar nicht git gooden. Ich habe nie gelernt wie ein Backstab funktioniert, oder ein Parry und Reposte. Auch Bloodborne konnte mir den Gun Parry und die Visceral Attacks nicht beibringen, nach Anfangsschwierigkeiten habe ich nie wieder die Pistole abgefeuert. Bossattacken lernen? Durch sie hindurch dodgen? Nah. Und dennoch stehe ich nun hier, mit allen vier von mir spielbaren Soulsbornes (Demon’s Souls gibt’s auf der PS4 nicht, Sekiro ist keines, gut danke weiter im Text) hinter mir liegend. Ich bin frei!

Ich bin bis Heute nämlich nicht sicher, was mich an den Spielen so packt. Irgendwas muss es ja sein, sonst hätte ich nicht in zwei Jahren vier davon durchgezogen. Es muss wohl was im Gameplay-Loop sein, auf das ich meine Finger nicht legen kann. Der Schwierigkeitsgrad ist es jedenfalls nicht, ich würde die auch auf einem Easy-Mode spielen. So verpönt es auch ist, Schwierigkeitsgrade im Kontext mit Soulsborne ins Gespräch zu bringen. Als ob die Existenz von mehr Optionen dazu führen würde, dass es nicht weiterhin auf Normal gespielt werden könnte. Es kann auch nicht an Handlung und Lore legen, denn erstere gibt es in den Spielen keine, und zweiteres ignoriere ich.

Wobei das Victorian Gothic Design von Beast Souls schon sehr ansprechend ist. Die Stadtlandschaften voller Grabsteine, Särge und Statuen sehen schon richtig geil aus, wenn auch das Spiel grafisch weiterhin etwas flach und eindimensional rüberkommt statt schön plastisch. Was ein allgemeines Soulsborne-Problem ist, oder bis zur PS5-Version von Demon’s Souls zumindest war. Außerdem gibt es vielleicht ein paar Stadtgebiete viel in Bloodborne. Ähnlich wie bei Code Vein kann ich nicht sagen, dass die mir während des Spielens absolut zum Hals raushingen, aber ein wenig Abwechslung schadet nicht. Als richtige Beschwerde geht es aber denke ich nicht durch, wenn es nur auffällt statt wirklich zu stören. Zumal die Gebiete definitiv in sich distinikter und interessanter designt sind als die doch sehr gamigen Level eines Code Veins. Später kommt dann eh noch der kosmische Horror hinzu, was aber mehr Auswirkungen auf das Gegnerdesign hat und nur bedingt auf die Gebiete an sich. Man fühlt sich in Bloodborne einfach, als wäre man im viktorianischen London nicht der eigentlichen Periode, sondern in einer korrupten Version wie sie durch Gedichte von Poe und Geschichten von Lovecraft vor dem inneren Auge erscheinen.

Spielerisch hat sich gegenüber den anderen Teilen nicht viel geändert und doch schon ein wenig was. Wobei es erneut darauf ankommt, ob man Bloodborne mit den Spielen vor ihm vergleicht, oder mit dem Spiel nach ihm. Generell ist das Kampfsystem wesentlich schneller als in den ersten drei Soulsbornes. Allerdings habe ich ja das später erschienene Dark Souls III auch vorher gespielt, und so unähnlich sind die sich dann wieder nicht. Allerdings muss ich noch mal deutlich betonen, dass der schnellere Spielverlauf für mich in Dark Souls III gegenüber dem bedächtigeren der ersten beiden Dark Souls nie so richtig funktioniert hat. Für mich wirkte da irgendwas nicht stimmig. In Bloodborne hatte ich damit tatsächlich wesentlich weniger Probleme. Vielleicht weil es tatsächlich gar keine Schilde gibt, die zum Blocken ausgerüstet werden können. Vielleicht aber auch wegen dem Rally-System. Wer nämlich in Bloodborne eine Attacke einsteckt, kann sich einen Teil der verlorenen Lebensleiste durch direktes gegenattackieren zurückholen. Das belohnt das gewollte aggressivere Spielen wesentlich mehr als das Estus-System eines Dark Souls. Auch wenn Auseinandersetzungen, gerade gegen (große) Biester dadurch optisch gern mal zu einem reinen Clusterfuck werden können, bei dem man am Ende nicht genau sagen kann, wer nun mehr eingesteckt hat, bis eine der Seiten tot ist.

Eine weitere Neuerung ist die Art der Heilung. Das funktioniert eben nicht mehr durch etwas wie den Estus, der an Bonfiren automatisch wieder aufgefüllt wird. Stattdessen gibt es Blood Vials, die wie die Kräuter in Demon’s Souls ganz normal konsumierbare Gegenstände sind. Und deswegen finit sind und nachgefarmt werden müssen, wenn das Lager leer ist. Fürs Balancing können „nur“ 20 davon auf einmal mitgenommen werden, was aber ziemlich reichlich ist. Ich hatte sogar das Glück, dass ich nie langwierig jene nachfarmen musste, wie ich das zunächst befürchtet hatte. Allerdings habe ich zu Beginn Upgrade-Materialien in Central Yharnam gefarmt, wodurch ich einen gewissen Puffer von Anfang an hatte. Da Blood Vials von vielen Gegnern hinterlassen werden, war es sogar so, dass ich häufig mehr Heilung hatte, als das ein Estus-System zugelassen hätte. Einfach weil ich verbrauchte Vials unterwegs durch Gegner-Drops wieder aufgestockt hatte. Die gehen nämlich zunächst ins aktive Inventar und erst ab dem Maximum von 20 in den Vorrat. Von daher kam mir persönlich das geänderte System sogar zugute statt mich zu belasten. Ich darf mich also hier nicht beschweren.

Ich will mich aber beschweren, sonst verliere ich noch meine Identität. Und deswegen sprechen wir mal ganz schnell über die Lampen. Das sind die Bonfire von Bloodborne. Aber mal so gar keine Bonfire. Ist das nicht doof? Das ist doof und hier ist warum. Sie sind eher Arch Stones aus Demon’s Souls. Deswegen müssen sie doch doof sein! Es liegt letztendlich an ihrer Funktionalität. Denn all die schönen Sachen, die man so an einem Bonfire machen konnte, kann man an den Laternen nicht. Nur warpen. Und auch nur in die Hub-World des Hunter’s Dreams. Man möchte aufleveln, Gegenstände kaufen, Gegenstände aus dem Lager holen, Waffen aufbessern, die geslotteten Gems/Runes wechseln, Rüstung reparieren? Für all das muss in den Hunter’s Dream zurück. Die Gegner eines Gebietes sollen respawnen? Zum Hunter’s Dream und dann zurück ins Gebiet warpen. Man möchte in einem anderen Gebiet weiterkämpfen? Zum Hunter’s Dream und dann von dort ins neue Gebiet. Klar gewöhnt man sich dran. Aber dennoch ist es etwas schade, dass all dies immer mit zwei Ladebildschirmen einhergeht, während die Dark Soulse mehr oder weniger viele der häufiger genutzten Funktionen bereits schön praktisch ohne die unnötige Warperei bereitgestellt hatten.

Weiterhin persönlich unbegeistert war ich vom harten Einstieg in das Spiel. Ich würde mal sagen, dass es eigentlich insgesamt sogar das einfachste der vier Spiele ist. Zumindest bin ich bei meinem üblichen Death Count hier deutlich am niedrigsten geblieben. Die meisten Tode gingen auf den Boss Father Gascoigne. Das ist der Boss das allerersten Gebietes. Und der fühlt sich einfach viel zu fies dafür an. Der optionale weitere Boss im ersten Gebiet, Cleric Beast, war um einiges einfacher. Und ironischerweise gab es mal eine Türe, die von dessen Arena ins nächste Gebiet geführt hatte, dann aber irgendwann während des Developements verschlossen wurde. Sich auszusuchen, welchen der beiden Bosse man lieber machen will, und zum anderen im Notfall später zurückkommen zu können, wäre echt schön gewesen. Cleric Beast und Father Gascoigne sind auch noch zwei komplett unterschiedliche Archetypen an Bossen. Eines ist ein großes wild fuchtelndes Biest. Der andere ein humanoider Hunter mit einem Spielercharakter-Attackarsenal. Cleric Beast zu besiegen bereitet einen also auch überhaupt nicht auf Father Gascoigne vor. Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn Bloodborne statt Dark Souls Remastered mein erstes Soulsborne gewesen wäre, ich hätte wohl dort aufgegeben. Mein Gefühl, dass die Franchise zu schwer für mich ist, und ich früher oder noch früher eh nicht weiterkomme, hätte ich sofort bestätigt gesehen. Laut Trophies besiegen nur 45% aller Spieler ihn. Über die Hälfte kommt nie aus dem ersten Gebiet raus. Das Internet ist voller Threads von Leuten, die sich über ihn beschweren oder zumindest zugeben, dass sie das Spiel dort entweder komplett abgebrochen oder zumindest für lange Zeit pausiert haben. Ist echt schade, dass diese erste Hürde so hoch ist, das Spiel hat echt viel zu bieten und ist danach wesentlich ausgewogener.

Natürlich liegt das wie eigangs erwähnt auch an meinem unterirdischen Spielstiel. Als jemand, der die Feinheiten nicht beherrscht, sondern sich hinter einem dicken Schild verkriecht und mit dem fetten Zweihänder den Gegnern in möglichst wenigen Schwüngen den Kopf einschlägt, bevor die gefährlich werden können. So auch in Bloodborne nicht anders gespielt, nur halt ohne Schild. Wer braucht schon eine Pistole, wenn er die Hunter’s Axe, dann den Kirkhammer und dann Ludwig’s Holy Blade zweihänden kann? Tja bei Gascoigne und den teils sehr überstarken Hunter-NPCs in einigen Gebieten wäre gekontes Gun-Parrying sicherlich nützlich gewesen. Fraglich ob es nötig war, einem das am ersten mandatory Boss unbedingt beibringen zu wollen, wenn der Rest des Spieles auch ohne funktioniert.

Am Ende des Tages ist doch eh alles egal. Der Gameplay-Loop ist da. Der Gameplay-Loop packt. Der Gameplay-Loop lässt einen immer weitere Soulsbornes kaufen, bis man am Ende der Reihe angekommen ist. Bloodborne ist zudem meist das rundeste der Spiele, welches die wenigsten starken Schwankungen an Qualität und Balancing mit sich bringt. Ich glaube ich mag Dark Souls Remastered dennoch etwas lieber, aber dann kommt schon Beast Souls noch vor Dark Souls II: Scholar of the First Sin und Dark Souls III.

Code Vein

Vor drei Jahren habe ich Monster Hunter für mich entdeckt und nicht nur jede Menge Spiele aus der Franchise nachgeholt, sondern auch locker fröhlich „Klone“ des Spielprinzips gekauft. Vor zwei Jahren habe ich mit Dark Souls Remastered mein erste Soulsborne gespielt und mich von jenem Zug mitreißen lassen. Innerhalb des nächsten halben Jahres landeten alle vier PS4-Einträge im meiner Spielebibliothek. Soulsborne-likes gibt es auch jede Menge, überraschenderweise hat es mich bei jener Franchise aber nie sonderlich dazu gejuckt, jene ähnliche Spiele anderere Hersteller anzupacken.

Die rühmliche Ausnahme darunter besteht durch Bandai Namcos Code Vein. Ich weiß selbst nicht genau, warum das der Fall ist. Den Großteil der beständig verzögerten Entwicklungszeit brachte ich dem Spiel hauptsächlich Unwissenheit bis Apathie entgegen, gespickt mit einigen „Ach ist das immer noch nicht raus?“-Gedanken wann immer schon wieder ein neues verschobenes Release-Datum genannt wurde. Und dann kam es raus und plötzlich hatte ich irgendwie Bock drauf.

Vampire Souls ist dabei vom Team, das vorher für God Eater verantwortlich war. Tatsächlich lässt sich hier auch eine grobe Parallele herstellen. Denn Code Vein ist zu Dark Souls, was God Eater zu Monster Hunter ist. Die Inspiration ist eindeutig da und nicht zu bestreiten, doch es gibt genug Alleinstellungsmerkmale. Dazu bringt das Spiel gegenüber dem „Original“ eine richtige Handlung mit massenhaft Cutsenes mit sich, eine Edgelord-Anime-Design und spielt sich generell etwas schneller und einfacher. Anime Souls lite wurde uns sozusagen aufgetischt.

Was ja als Ästhetik, auch wenn sie zunächst etwas generisch anmuten mag, nicht nachteilig sein muss. Der sehr stark ausgearbeitete Character Creator lässt einen zumindest die Waifu oder den Husbando der Träume verwirklichen. Mit wahlweise einem Dutzend Accessoires, dass selbst eine K-Pop-Band das etwas übertrieben finden würde. Auch NPCs sind sehr ansehnlich. Wobei ich grundsätzlich allerdings das Design der männlichen Charaktere etwas besser fand. Nicht nur weil ich auf Kerle stehe. Sondern weil denen es erlaubt ist einige echt geile Outfit von casual cool bis hin zu aristokratisch ausgefeilt zu tragen. Die Frauen hingegen haben zu 75% XXL-Titten und müssen in zerrissenen Kleidern, Bikini-Tops oder Strapshaltern rumlaufen. Etwas schade, dass man denen nicht ein paar interessantere Looks gönnt. Das Modern Vampire Design des Spieles gäbe jedenfalls wesentlich mehr her, wenn man denn mehr wollte. Code Vein möchte lieber weniger, vor allem weniger Stoff. Wodurch die Damenabteilung leider mit einem wesentlich schlechterem Kostümdesign gesegnet ist als die Männerabteilung.

Etwas mehr optische Abwechslung hätten sicherlich auch die Gebiete haben können. Nun gibt es einen guten Grund, warum viel von Code Vein in zerstörten Stadtruinen spielt. Nämlich einfach der, dass dies hier nur eine kleine, künstlich abgeschottete Blase ist, in der die Revenants eingesperrt sind. Als Vorläufer der God Eater, Superwaffen gegen die Aragami, haben sie sich als zu instabil herausgestellt. Sie verlieren ihre Menschlichkeit im Überlebenskampf um das Blut von Menschen. Also wurde das Gebiet aufgegeben und abgeschottet. Damit erklärt sich auch, warum das Weltendesign so stark an God Eater erinnert, denn es ist die gleiche Welt. Ursprünglich mag man denken, das Team hätte einfach nur keine große kreative Vision was Spielewelten angeht oder ein besonderes Lieblingsdesign. Aber letztendlich geht ja auch beides, womit erklärt wäre, dass Freedom Wars und Scarlet Nexus genauso aussehen, obwohl sie meines Wissens nach nicht in der God Eater Welt angesiedelt sind.

Aber wie gesagt, dass scheint einfach der präferierte Style des Teams zu sein. Und es gibt einen guten Grund, warum fast jedes Gebiet in zerstörter Stadtlandschaft spielt. Das macht es aber nicht immer interessanter, durch sie hindurchzugehen. Vor allem wenn sie in sich auch noch sehr generisch sind. Eines der optischen Highlight-Gebiete ist beispielsweise die Kathedrale. Schon einfach weil es keine halbzerstörten modernen Stadtstraßen sind, sondern man sich über leuchtendweiße Wege und Gerüste eines Kathedralenbaus schlägt. Das erste Betreten des Gebietes ist beeindruckend. Und wenn man für den Bosskampf und den Successor-Raum ins Gebäudeinnere kommt auch wieder. Dazwischen wird sich aber über ewig gleiche Giebel und Hängewege bewegt, so dass das Gebiet fast wie aus einem Baukasten zusammengeschustert wirkt. Und dies gibt es eben zu sehr in allen Gebieten. Ob nun im unterirdischen See. Oder auf den noch in Flammen stehenden Straßen der Stadt. Beim Begehen von versandeten Hinterhöfen. Oder dem Erklimmen eines gigantischen Turmes. Die Wege und Räume sehen innerhalb eines Gebietes unglaublich gleich aus mit wenig optischer Abwechslung. Das hat mich beim Begehen der Gebiete nicht mal sonderlich gestört, weil man damit beschäftigt ist nicht zu sterben, aber es führt halt nie zu Aha- oder Wow-Effekten, weil besonders coole Landmarken oder schöne Details ins Bild kommen, die einzelne Plätze unikat machen. Gebiete in Code Vein wirken gamiger, wenn das Sinn macht.

Immerhin wird einem die Orientierung durch eine Karte erleichtert. Eine Sache, die einem die Soulsbornes nicht an die Hand geben. Wobei man hier anführen kann, dass die eben durch ihr weniger gleiches Gebietsdesign es eh vereinfachen sich an den Weg zu erinnern und die konfusen Gebiete, in denen man sich leicht verläuft, genau diese Orientierung per Design verschlechtern sollen. So oder so fand ich das definitiv eine nette Addition in Code Vein, dass jederzeit eine Auto Map angezeigt wird. Die nicht nur, sobald man eine Mistle (Bonfire) gefunden hat, das umliegende Teilgebiet aufdeckt, sondern auch jederzeit schön zeigt, welche Teile man schon abgegrast hat und ob man nicht gerade an einem der schlecht sichtbaren rumliegenden Gegenstände vorbeigelaufen ist. Hat das Durchkämmen der Gebiete sehr angenehm gestaltet. Zusammen mit der Tatsache, dass zwei Mistles selten sehr weit voneinander entfernt sind und auch meistens der Weg zum Boss von der letzten aus wenig obstruktiv gestaltet ist. Gibt nichts nervigeres, als nach einem gescheiterten Bossversuch Minuten zur Arena zurücklaufen und auch noch normale Gegner im Weg aus jenen räumen zu müssen.

Eine weitere echt nette Idee in Edgelord Souls ist übrigens der Onsen im Hauptquartier gewesen. In jener gemischten Außensauna, in der man je nach Glück jeden NPC unabhängig von Geschlecht antreffen kann, um sie sich nur im Badetuch anschauen zu können, gibt es nämlich zwei wesentliche Funktionen. Zum einen können sich die nett umgesetzten, für die relativ unwichtige Wegwerf-Story designten Cutscenes erneut angeschaut werden. Viel besser hingegen ist aber auch die Option sich die Hälfte der verlorenen Seelen-Pendanten zurückzuholen. Wer kennt das nicht in einem Soulsborne? Man stirbt irgendwo in einer Sackgasse weit ab vom Hauptweg nach dem Einsammeln der dortigen Gegenstände und hat echt keinen Bock bis dorthin zurücklaufen zu müssen. Oder fällt einer Falle mit einem Übermaß an toughen Gegnern zum Opfer, die man wirklich nicht erneut bekämpfen will, nur um die Seelen zurückzubekommen. Oder der Boss killt einen und man weiß, dass der nächste Versuch höchstwahrscheinlich auch noch nicht erfolgreich sein wird und man somit alle Blood Echoes verliert, mit denen man in der Bossarena angekommen war. In Code Vein kann man sich jetzt zumindest die Hälfte davon ganz gefahrlos zurückholen, gibt dafür aber die andere Hälfte entgültig auf. Ganz so häufig hab ich die Option nicht mal benutzt, fand sie aber wenn dann super praktisch zu haben.

Eine weitere Idee, welche Code Vein unkomplizierter als ein Vorbild gestaltet, ist diejenige, dass beim Level Up keine Statuswerte selbst verteilt werden. Stattdessen rüstet man sich einen von mehreren Dutzend Blood Codes aus, die automatisch basierend auf dem Level die Statuswerte bestimmen. Es ist also ein wenig wie ein Jobsystem, bei dem die Klasse ständig geändert werden kann. Etwas komplizierter wird das nur dadurch, dass Blood Codes einen vom Tragen gewisser Ausrüstung abhalten können und es etwas arg unübersichtlich viele Skills im Spiel durch sie gibt. Sind die Fähigkeiten erst mal gelernt, können sie nämlich auch mit anderen Blood Codes verwenden werden. So sehr es also in Code Vein nicht geschehen kann, dass man durch unwiederrufliche Statuswerteverteilung nur noch einen validen Build hat, statt viel experimentieren zu dürfen, so ist letztendlich durch die vielen Optionen es immer noch ziemlich komplex zu einem End-Build zu gelangen. Oder man ist so wie ich mal wieder, schnappt sich einen Tank Blood Code und vermöbelt alles mit wenigen Schlagen eines brachialen Zweihänders. Anders habe ich nie zu Soulsbornen gelernt.

So hatte ich auch fast immer keine allzu schlimme Zeit mit dem Spiel. Ich würde schon unterschreiben, dass Code Vein ein Soulsborne light ist, da es insgesamt wesentlich einfacher ist, durchzukommen. Mit ein paar horrenden Balancing-Issues wohlgemerkt. Diese großen Seeigel, die wild zu rotieren beginnen und dann auf einen zupreschen waren beispielsweise nie eine Freude zu bekämpfen. Die Boreal Brutes – ebenfalls ganz normale Gegner – sind auch wesentlich tougher als so mancher Boss und das Spiel hat tatsächlich die Chuzpe, einem in den (zugegeben optionalen) Depths-Gebieten zwei davon gleichzeitig in einen Miniboss-Raum zu stellen. Der Mid-Boss in der Cathedral of Sacred Blood ist ebenfalls viel zu fies für das beengte Kampffeld und ist ausgerechnet einer derjenigen, bei denen man von der letzten Mistle einen längeren Weg mit Gegneraufkommen hinter sich bringen muss. Und dann ist das der Endboss Virgin Born. Code Vein hat drei Enden zu bieten. Auf dem Bad End gibt es nur einen Endboss. Beim Normal oder Good End, und es ist im normalen Spielen wesentlich einfacher bei jenen zu landen, kommt danach noch der Virgin Born. Ein Bosskampf den ich gehasst habe und echt gehofft hätte, man könne noch etwas machen, um den Endpfad zu ändern. Ich hätte mit Handkuss das Bad End genommen, wenn ich dadurch den Virgin Born nicht mehr hätte bekämpfen müssen. Umso lachhafter dann im Internet nach Hilfe zu suchen und zu lesen zu bekommen, wie einfach der Boss ist, gefolgt von nem dutzend Kommentare, dass er mittlerweile durch einen Patch erschwert wurde. Danke für Nichts Bandai Namco. Das hat einen leider ziemlich säuerlichen Nachgeschmack gerade zum Ende eines Spieles hinterlassen, welches ich eigentlich bisher fast immer gut fand.

Dabei muss ich übrigens erwähnen, dass ich immer mit einem NPC-Partner gekämpft habe. Online mit anderen Spielern ging wegen eines Mangels an PS+ mal wieder nicht. Allerdings funktionieren die NPCs hier anders als in den Soulsbornes, denn sie sind nicht nur für einen Teil eines Gebietes oder einen Bosskampf zu beschwören, sondern folgen einem das ganze Spiel über. Bis man sie für einen anderen NPC austauscht. Aber auch wahlweise ganz alleine losziehen kann, wenn die Challenge größer sein soll. Dazu kommet, dass ich mich in Beefcake Yakumo verguckt hatte, was wohl eh mit der hilfreichste Mitstreiter ist, den man sich mitnehmen kann. Die wirkliche Hilfe ist allerdings leicht RNG-abhängig. Denn mal hat Yakumo ordentlich draufgedroschen und sich immer rechtzeitig geheilt, so dass er Bosse fast alleine hätte erledigen können. Und mal ist er ständig nur um sie herumgerollt ohne anzugreifen und hat sich von Angriffen eine Minute in den Kampf hinein totschlagen lassen. Meistens helfen die NPCs allerdings schon sehr.

Zuguterletzt will ich noch mal auf die Story zurückkommen. Davon gibt es nämlich mehrere im Spiel. Wohlweislich fand ich die übergeordnette des Spieles mal wieder nicht allzu packend aber passabel genug, um der Klopperei einen Rahmen zu geben und die Cutscenes nie allzu störend zu empfinden. Dabei will ich erneut betonen, dass ich in Spielen wie Monster Hunter und Soulsborne eh keine Story brauche, sondern mich lieber dem Gameplay hingebe. Neben jener passablen Rahmenhandlung hat Code Vein allerdings auch jede Menge Flashbacks zu den unterschiedlichen Charakteren im Spiel. Revenants erinnern sich nämlich nur bruchstückhaft an ihr früheres Leben, bevor sie zu Vampiren wurden. Durchs Finden von Vestiges kann man jene nun nach und nach nacherleben. Und diese Vestige-Szenen, in kühlen blautönen gehalten, mit rudimentär-stilisierten Schauplätzen und sombrer Musik, haben einen unglaublich gutes Staging und viel Atmosphäre. Storytechnisch definitiv das Higlight im Spiel.

Willkommen am Ende. Was lässt sich beendigend zu Code Vein sagen? Das Spiel hat seine Ecken und Kanten, seine Kinderkrankheiten, was die Soulsbornes allerdings auch haben. Am besten als ein Soulsborne light betrachten. Ein Anime Souls, das ein wenig generischer daherkommt, aber durchaus auch gut unterhaltsam ist und sich vor allem simpler und einfacher spielen lässt. Ich habe es tatsächlich gezockt, als mir nach einem Soulsborne war, mir Bloodborne aber zu hoch eine Einstiegshürde hatte. Und in diese Nische passt es wirklich gut.

Super Paper Mario

Vor fünf Jahren habe ich mich durch Super Mario RPG gespielt und das „Let’s Play some Marios“ genannt. Der Grund dahinter ist, dass ich eigentlich vorhatte, noch mehr zu spielen. Vorrangig eigentlich die anderen Mario RPGs halt, oder zumindest einen guten Teil davon. Da ich Super Mario RPG aber im Gegensatz zu so vielen anderen, ich bin halt voll special und so, eher langweilig fand und mein erstes Anzocken von Mario & Luigi auch keine Besserung zu verschaffen schien, hab ich das ziemlich unverzüglich wieder abgebrochen gehabt.

Auf der Liste, ziemlich an ihrem Ende, war auch Super Paper Mario, der Wii-Ableger. Weil den mein Neffe hatte, in seiner kindlichen Uninformiertheit denkend, es sei ein weiteres Jump n Run wie das New Super Mario Bros. auf dem DS, das er so mochte. Sollte wenig überraschen, dass er mit Super Paper Mario wenig anfangen konnte. Ich hab es mir damals ausgeliehen und jetzt, wo ich mein Wii-Backlog reduzieren wollte, immer noch bei meinen Spielen rumliegend vorgefunden. Und den Mario RPGs durch es eine letzte Chance eingeräumt.

Muss ich jetzt einen Storyabriss bringen? Eigentlich nicht, oder? Wir wissen doch eigentlich alle, dass die Mario RPGs, all ihrer Wortlastigkeit zum Trotze, nichts Nennenswertes an Story rüberbringen. Die ist halt akzepables Window Dressing, welches dazu führt, unsere diversen Mario-Charaktere, die normalerweise nicht auf der gleichen Seite einer Auseinandersetzung zu finden sind, in die gleiche Gruppe zu bringen, um ein anderes Übel auszuschalten. Der genaue Beweggrund ist eigentlich nicht wichtig und die Handlung sicherlich nicht der Grund, warum man sich diese Spiele zu Gemüte führt.

Was ich an Super Paper Mario auf jeden Fall auch ziemlich interessant fand, ist die Tatsache, dass es gar nicht sonderlich ein RPG ist. Also es ist schon so, dass die Gegner Erfahrungspunkte hinterlassen und die Charaktere dadurch nach und nach aufleveln um marginal ihre Statuswerte zu verbessern. Aber irgendwie wirkt das Ganze im hiesigen Spiel zumindest reichlich aufgesetzt und notdürftig auf ein Jump n Run draufgeklebt.

Die acht Welten würden sich nämlich auch ohne mehr oder weniger genauso spielen. Traditionell wird von links nach rechts in 2D erkundet, um das Ende des Levels zu erreichen. Wobei eventuell auch mal nen Schlüssel oder Schlüsselersatz gefunden werden muss, um eine verschlossene Türe oder Türersatz zu öffnen, durch welche der Weg zum Ende blockiert ist. Das pro Welt in vier Leveln inklusive einem Boss, auf dessen Kopf gesprungen oder dessen Projektile zurückgeschleudert gehören oder so.

Das besondere Gimmick bei Super Paper Mario ist dann zweifaltig anzutreffen. Zum einen ist das die Tatsache, dass man mehrere Charaktere in der Gruppe hat. Nach und nach werden nämlich auch Peach, Bowser und Luigi angetroffen. Die vergrößern allerdings das Kämpferteam an sich nicht, durch sie entsteht nun lediglich die Entscheidungsmöglichkeit, wen davon man einwechseln will, damit jener alleine durch das Level streift. Inklusive natürlich von Stellen, die nur durch Luigis höheren Sprung oder Peachs Schirmgleitflug oder so überwunden werden können. Doki Doki Mario Bros.2 lässt grüßen. Wären die Level etwas nonlinearer, Super Paper Mario hätte fast was von einem Metroidvania. Oder ein Spiel des Genres Search Action, wie wir prätentiösen Weebs das nennen.

Gimmick Nummero Zwei ist, dass die Stages in Super Paper Mario nicht nur in 2D sind. Mit einem Knopfdruck kann jederzeit ein eine zeitlich begrenzt begehbare 3D-Ansicht gewechselt werden. Erneut ist das fürs Weiterkommen nötig, wenn über einer Reihe von ankommenden Gegnern in 2D nicht Schadensfrei zu kommen ist, in 3D aber einfach links oder rechts der Reihe vorbeigerannt werden kann. Oder sich eine Türe hinter einer Röhre versteckt. Oder eine Röhre hinter einer Türe. Kurz gesagt, wenn in den linearen und normalerweise einfach zu begehenden Leveln aktuell kein Weiterkommen ist, liegt es bestimmt daran, dass irgendwas in der 3D-Ansicht versteckt ist, was die weitere Erkundung ermöglicht.

Es gibt einige Dinge, die mich während des Spieles von Super Paper Mario immer mal wieder gestört haben. Zum einen muss zwischen Charakteren und Pixels für die entsprechenden Fähigkeiten etwas häufig gewechselt werden, was immer den Spielfluss komplett zum Halten bringt, um dafür ins Menü zu gehen. Außerdem ist die Tiefenperspektive im 3D-Modus unter aller Sau und ich sprang gern mehrmals an Dingen vorbei, bevor ich sie getroffen habe. Hier hat sich seit Super Mario RPG also nichts gebessert. Eine weitere Sache ist, dass mir Super Paper Mario wirklich zu Wortlastig ist. Es ist eigentlich ein simples Unterfangen. Und auch wenn einige Interaktionen durchaus witzig und charmant geschrieben sind, und auch eine simple Märchen-like Story ihre Daseinsberechtigung hat, so hatte es für mich doch nie genug davon zu bieten, um wirklich den Word Count des Spieles zu rechtfertigen. Halbgare Witze und kurze Charmeinlagen gehen auch prägnanter geschrieben. Erneut wird hier das Spiel oft viel zu stark ausgebremst.

Das sind so die Kleinigkeiten. Ein größeres Problem hatte ich mit Welt 3 und Welt 8. Die fand ich beide nämlich ziemlich schrecklich designt. Allgemein kann gesagt werden, dass die Welten in Super Paper Mario an sich etwas auf der generischen Seite sind und bei einem reinen Jump n Run wahrscheinlich viel müdes Gähnen heraufbeschwören würden. Immerhin ist die Thematik schön unterschiedlich. Mal gibt es ein relativ normales Mario-Level, mal befinden wir uns im Weltall, mal ist es eher eine Kampf-Challenge, mal in der Unterwelt mehr Puzzle-lastig. Hier ist es zugegeben schon so, dass Super Paper Mario eben weil es nicht nur ein Jump n Run ist, durchaus Gameplay bieten kann, welches etwas aus den Einschränkungen des Genres ausbricht. Was natürlich gut ist. Welt 3 ist eine Retro-Anbiederung, die so ziemlich ein normales Mario Jump n Run sogar in pixeliger Optik bietet. Und zeigt halt genug die Schwächen, die dadurch kommen, dass Super Paper Mario kein reines darstellt. Ich fand es ermüdend und nervig, mich durch den Quatsch prügeln zu müssen. Welt 8 ist dann das Finale und klar muss sich Zeug zuspitzen, aber mir waren hier zu viele zu nervige Gegner die zu viel Schaden angerichtet haben. Ich hatte schlichtweg keinen Spaß an den beiden Welten. In ihrere Komplettheit.

Was natürlich definitiv der Große Pluspunkt des Spieles ist, ist der Charme, den es versprüht. Witzigerweise gestaltet der sich auch viel durch optische Dinge und eben nicht nur durch die Texte. Ich kann es nur erneut betonen, aber häufig wäre wirklich weniger mehr gewesen was die Worte angeht, und dem Sympathibonus des Spieles in keinster Weise was genommen. Die vielen niedlichen Animationen und Reaktionen der Charaktere und Gegner aufeinander zum Beispiel mochte ich sehr. Aber auch, wie sich die einzelnen Welten beim Betreten erst selbst aufbauen. Hot Take des Tages: Eventuell sogar gar kein Text, sondern die rudimentäre Story komplett durch herzige Pantomieme erzählen wäre mal ein Ansatzversuch für ein Mario RPG.

So kam ich dann also zum Ende des Spieles, das netterweise seine Zeit mit ca. 15 bis 20 Stunden nicht überstrapaziert, sondern dann rum ist, wenn man auch genug von dem Treiben hat. Erneut bleibe ich etwas damit zurück, dass ich die Erfahrung zwar in ihrer Gesamtheit keine schlechte fand und jetzt nicht unbedingt meine investierte Zeit beim Manager zurückfordern will, aber diese Franchise wohl doch tatsächlich nicht ganz so meines ist. Sie klickt halt nicht komplett mit mir. Die Spiele sind ganz süß, aber für mich nicht halb so charmant und witzig, wie viele andere sie zu sehen scheinen. Und das Gameplay ist immer so am Rande etwas langweilig zu sein finde ich.

Make Love and War: Shin Sakura Wars

Fast fünfzehn Jahre, nachdem das fünfte Sakura Wars in Japan erschienen war, und zehn Jahre nach dessen West-Release, welches von der Spielerschaft kollektiv verschlafen wurde, war es endlich soweit. Immerhin, wir lebten in einer Zeit, nach dem Shenmue für einen dritten Teil zurückkam, in der also alles möglich ist. Auch das Sega die endlose Geldschatulle, die von Yakuza und Persona gefüllt wird, dazu nutzt, ein neues Sakura Wars auf die PS4 zu hieven. Die Vorzeigeserie ihrer gescheiterten Saturn- und Dreamcast-Konsolen hatte ein Popularitätsvoting gewonnen und Sega lieferte ab.

Leider ist die Namensgebung etwas unglücklich. Ich bin grundsätzlich nie ein großer Fan davon, Filme oder Spiele genau wie einen Vorgänger zu benennen, es sei denn es handelt sich dabei um ein Remake. Alles andere ist nur verwirrend. Ich habe Sakura Wars gespielt? Ja wovon rede ich jetzt? Von der Serie an sich? Von einem bestimmten Spiel darin, das ich nicht genauer benannt hatte? Vom ersten Teil, der tatsächlich nur Sakura Wars heißt? Oder vom sechsten Teil, der auch nur Sakura Wars heißt? Japan darf es wenigstens Shin Sakura Wars nennen und ist damit klar. Hier im Westen dachte sich Sega wohl, da wir die ersten vier eh nie bekommen haben, geht das schon. Es sind aber nicht mehr die 90er und Leute mittlerweile besser informiert, haben leichteren Zugriff zu unlokalisierten Spielen, und erst kürzlich ist eine Fantranslation zum ersten Teil dedropt. Hätte man keinen Subtitel dransetzen können? Oder zumindest eine kleine Zutat? New Sakura Wars? Sakura Wars R(eturn)? Weiterhin einfach den Working Title Project Sakura Wars?

Die Qual der Antwortwahl

Das Spiel wird übrigens oft ein Soft-Reboot genannt. Reboots haben ja gern auch den gleichen Titel. Find ich da schon nicht gut und funktioniert fürs sechste Sakura Wars eh nicht. Ich hab das neumodisch Konzept des Soft Reboots eh nie verstanden. Im Prinzip bedeutet es ja nur, dass es ein stinknormales Sequel ist, welches sich aber ohne Vorkenntnisse der anderen Teile spielen lässt. Ja in Shin Sakura Wars haben wir zum Großteil einen neuen Cast an Charakteren. Das hatten wir bei Sakura Wars V aber auch. Alle vorigen Teile sind geschehen und die vorigen Combat Revues werden auch referenziert. Natürlich muss man die nicht gespielt haben, wäre ja auch seltendämlich von den Entwicklern, zwanzig und mehr Jahre an Videospielen auf verschiedenen Plattformen als Wissen vorauszusetzen (looking at you, Kingdom Hearts).

Die Story geht so: Kurz nach den Ereignissen vom fünften Teil, welcher schon mit ein paar Jahren Abstand zum vierten Teil angesiedelt war, kam es in Tokyo zu einem großflächigen Kampf gegen die Dämonen. Alle drei bekannten Combat Revues aus Tokyo, Paris und New York waren gemeinsam nicht stark genug, um sie endgültig zu schlagen. Also wurde zu drastischen Maßnahmen gegriffen, um das Böse zu versiegeln, wodurch aber auch die Pilotinnen und ihre beiden Captains verlorengegangen sind. Nur Sumire ist zurückgeblieben, weil sie dort bereits, wie im Abschiedsspecial dargelegt, keine spirituelle Kräfte mehr hatte, um einen Steampunk-Mecha in den Kampf zu führen. Stattdessen leitet sie jetzt, zehn Jahre später, die neue Tokyo Flower Division.

Die Einfachheit des Button Mashings

Es ist das Jahr 1940 in dieser alternativen Historie, in der die Leute sich zwar traditionell kleiden und für die Unterhaltung die Flower Division während ihrer Bühnendarbietungen im Imperal Theatre anschauen müssen, gleichzeitig mit spiritueller und Dampfkraftenergie aber auch Kampfroboter, Flugschiffe und Smartphones betrieben werden. Die Weltkriege haben wohl ob der dämonischen Gefahr auch nicht stattgefunden, nehme ich mal an. Jedenfalls sind sich die anderen Combat Revuen, die regelmäßig zu einer Art olympischer Spiele zusammenkommen, ganz dicke. Auch die aus London und Berlin, was zum realhistorischen 1940 jetzt eher nicht passt. Aber hey, das Gerücht, dass im sechsten Sakura Wars eine Berliner Truppe sein wird, hat sich hiermit im Prinzip bewahrheitet. Sind halt nicht der Fokus und es hat mit der Wii nicht mehr geklappt.

Ja zum ersten Mal kommen neue Revuen unter anderen Kommandos vor, nicht nur diejenigen, die vom Spielehauptcharakter geführt werden. Diese freundschaftlichen Wettkämpfe, welche davon die beste ist, werden nämlich dieses Jahr in Tokyo ausgeführt. Was bedeutet, dass die Imperial Flower Division vor Ort wenig Zeit hat, um sich konkurrenzfähig zu machen. Shin Sakura Wars nimmt nämlich eine sehr ähnliche Struktur an wie die anderen drei, bei denen wir eine neue Truppe Mädels vorgefunden haben. Sie sind nicht sonderlich gut. Weder was das Schauspiel noch den Dämonenkampf angeht. Ja Tokyo muss aktuell sogar von Abgesandten der Hong Kong Revue verteidigt werden. Kamiyama, der neue Protagonist, findet vor Ort drei eher suboptimale Kämpferinnen vor. Die zum Großteil nicht mal an den eigenen Erfolg glauben. Dazu ist das Budget aufgebraucht und das Imperial Theatre heruntergekommen. Wie soll er es da schaffen, die alle innerhalb weniger Wochen und Monate bereit zu haben, gegen die etablierten Revuen anzutreten, zu gewinnen, und Tokyo wieder selbst vor den Dämonen verteidigen zu können?

Der beste Charakter, den man nicht daten darf

Na mit der Macht von Liebe und Freundschaft natürlich. Das ist übrigens nicht wirklich ein Scherz. Der Auftrag des Spielers als Puppenspieler hinter Kamiyama ist nun, den Mädels guten Mut zuzusprechen, sie zu unterstützen und immer schön positives Denken anzuregen. Auf das ihre spirituelle Energie so gut fließt, dass selbst vorher unüberwindbare Hürden in kürzester Zeit geschafft werden. Wie üblich haben die ersten fünf Kapitel dabei neben einem langsamen Ankurbeln der Handlung jeweils eine andere der Kämpferinnen im Fokus und was deren mentales Problem ist, das überwunden werden muss, um sie in Topform zu bringen. Erst für die finalen Kapitel läuft die Handlung auf Hochtouren.

Shin Sakura Wars ist also sehr beladen mit Anime-Klischees. Inklusive seriöser Charaktermomente dicht gefolt von cooler Mecha-Action, schräger Blödelei und Wortwitzen. Das scheint so einige Spieler überrascht zu haben. Immerhin ist das wahrscheinlich der erste Teil, den so einige je gespielt haben, und die Serie wurde lange Jahre ganz anders hochgehyped. Doch Sakura Wars war schon immer ein spielbarer Anime. Jedes Kapitel lässt sich am besten als eine spielbare Episode ansehen. Nicht umsonst gibt es am Ende jedes davon einen „Das nächste Mal bei Sakura Wars“-Ausblick. Die Spiele haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, was sie sind. Das kommt mit vielen Stereotypen in Charakteren und Handlungsverlauf, sicher. Aber so ein Anime nachzuspielen ist doch auch mal geil, oder nicht? Zumal dann wenn die Charaktere sympathisch sind, was sie für mich immer in allen Teilen waren. Die Mädels wachsen einem mehr oder minder stark ans Herz. Die Nebencharaktere ebenfalls. Und die herzigen Hauptcharaktere, die dennoch gern mal in ein Fettnäpfchen treffen, sowieso. Selbst Kamiyama, der endlich mal sexy sein darf (Tite Kubos Designs sei gedankt), hat netterweise immer noch seine etwas schrägen und dämlichen Momente, und ist nicht der absolute Super-Lady-Magnet, der er in einem dieser unterträglichen Wish Fullfilment Isekais wäre.

Tonal gibts in Sakura Wars alles

Auch an der spielerischen Struktur hat sich im neuesten Teil eigentlich nicht viel getan. Erneut glaube ich, dass hier viele Spieler falsch gehyped wurden, weil immer so stark auf die RPG-Seite von Sakura Wars eingegangen wurde. Ich verstehe ja, dass Fans ihre Spiele immer gern neuen Leuten verkaufen wollen. Aber ich habe festgestellt, dass dies häufig über populäre Vergleiche läuft, die etwas anders gestaltete Serien oftmals fehl repräsentieren. Sakura Wars ist zuvorderst ein Visual Novel. Und ich spreche hier von Sakura Wars nicht als das neueste Spiel, sondern als Serie an sich. So ein Kapitel füllt sich in jedem der Spiele zu ungefähr zwei Dritteln daraus, sich durch Textboxen zu klicken, mit den Mädels zu flirten, die Story voranzubringen. Und dann, damit man ob all der Leserei nicht einschläft, wird das mal für einen kurzen Moment mit einem Kampf gegen Ende aufgelockert. Aber die Kämpfe haben immer schon nur einen geringen Teil der Spiele ausgemacht und waren zudem sehr simpel und einfach gestaltet.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum mich die meist-diskutierte und umstrittenste Veränderungen kalt gelassen hat. Sakura Wars ist kein SRPG mehr. Sakura Wars ist jetzt Hack n Slash. Weg sind die Schlachtfelder, auf denen sich Einheiten rundenbasiert langsam aufeinander zu bewegten und dann geklöppelt hatten. Ohne Level Ups. Ohne Ausrüstung. Und mit Specials, die einen Kampf sehr schnell für einen gewinnen konnten. So wahnsinnig viel Strategie stecke, wenn wir mal ehrlich sind, noch nie im SRPG. Jetzt rast man halt in Gegnergruppen rein und spammt die  Attackkombinationen, um alles etwas unübersichtlich schnell und flashy in Grund und Boden zu stampfen, während Bosse weiterhin mit dem Einsatz der überstarken Specials schnell fallen. Ich kann verstehen, dass für einige das SRPG durchaus auch eine prägende Komponente der früheren Spiele war. Mir isses aber ehrlich gesagt absolut egal, zumal wie gesagt der Fokus sowieso noch nie auf ihnen lag. Was macht schon eine halbe bis dreiviertel Stunde Schlachtfeld aus, wenn vorher zwei Stunden durch Dialoge manövriert wurde?

Cooles Posieren in Mechs? Unwiederstehlich

Für die ist übrigens das übliche LIPS-System zurück. Sprich Sakura Wars lässt einen nicht endlos im FAQ nachschauen, was die richtige Antwort ist. Das muss man schon machen, noch bevor die Angebetete die Frage fallenlässt. Denn die Antworten stehen nur unter Timer zur Verfügung und im Zweifelsfall wird nichts geantwortet, wenn der Spieler zu lange wartet. Was manchmal auch richtig ist. In manchen Szenen müssen auch mehrere Aktionen oder Antworten nacheinander unter einem größeren Event-Timer ausgeführt werden oder darf die Intensität der Antwort manuell eingestellt werden. Hier hat sich nicht viel verändert. Durch ein paar kleine Änderungen dann aber doch.

Shin Sakura Wars lässt einen immer und überall speichern. Also nicht während Dialoge, aber während man Kamiyama durch das Theater und die umliegenden Stadtviertel bewegt. Bevor er einen Charakter anspricht, kann also gespeichert werden, und wenn das Ergebnis der getroffenen Antwortmöglichkeiten nicht schmeckt, lässt sich das schnell einfach neu laden. Frühere Spiele ließen einen nur während der teilweise eine Stunde auseinanderliegenden Intermissions speichern. Wahrscheinlich, damit man eben mit den getätigten Antworten zu leben lernt, um nicht den ganzen Block erneut spielen zu müssen, statt perfekt spielen zu wollen. Im sechsten Teil ist das rum. Auch gestaltet sich die Free Time nun anders. Früher nahm jede Interaktion in ihnen einen Teil der begrenzten Zeit, die sich frei bewegt werden dufte, weg. Dadurch konnte häufig nicht mit jedem Charakter, der zur Verfügung stand, gesprochen werden. In Shin Sakura Wars geht der Free Time Slot erst zu Ende, wenn gezielt das nächste Story-Hauptziel angesteuert wird. Das Smartphone von Kamiya hat dabei immer ganz praktisch eine Karte der kompletten Umgebung parat, auf der alle Nebenszenen und das Hauptziel verzeichnet sind, um auch kaum was verpassen zu können.

Der süßeste Affinitäts-Chart ever

Wie immer zeigen die Intermissions dafür weiterhin schön an, wie sehr Charaktere Kamiyama mögen. Ein Feedback gibt es zwar schon durch einen positiven oder negativen Soundbit währen der Gespräche, aber hier sieht man dann, wie viel Zuneigung das insgesamt wirklich ausgemacht hat. Mit netten SD-Charakteren auf einer Bühne. Sogar die Nebenfiguren sind dabei. Eine weitere Änderung ist hierbei, dass alle fünf Kämpferinnen in einem Durchgang abgefrühstückt werden können. Sakura Wars hat immer einen Moment gegen Ende des vorletzten Kapitels, bei dem rausgesucht werden kann, von welchem Mädchen man das Ende sehen will. Dafür standen in vorigen Teilen aber nur die drei zur Verfügung, die ihren Kapitän am meisten mochten. In Shin Sakura Wars können, sofern ihre (nicht mehr schwer zu erhöhende) Zuneigung hoch genug ist, durchaus alle fünf gewählt werden. Nun kann ein dort gesetzter Speicherpunkt also genutzt werden, um direkt alle Enden freizuschalten. Wer durch Gespräche und Hauptkämpfe immer noch nicht genug Zuneigung erhalten hat, kann sogar noch die bereits bestrittenen Kämpfe im VR-System mit den anderen Mädels ebenfalls durchspielen. Es steht einem während der Handlung nämlich eigentlich nur eine davon zur Seite, und je nachdem, wie gut sie bestritten wurden, hat der anschließende Score auch eine Auswirkung darauf, wie viel Affinitäts-Bonus ihr zugerechnet wird. Durch ihre optionale Wiederholbarkeit lässt sich also zusätzliche ergrinden.

Macht all das Shin Sakura Wars einfacher? Ja irgendwie schon. Ich möchte aber in den Raum werfen, dass es das Spiel auch schlichtweg weniger zeitraubend macht. War es wirklich spaßig, Strecken des Spieles erneut spielen zu müssen, um bessere Antworten der langsam zusammengeraubten Zuneigung zu geben? Beziehungsweise strickt mit FAQ zu spielen, um sich gleich keine Sorgen um beste Resultate machen zu müssen? Ab einem frühen Punkt oder von komplett vorne spielen zu müssen, um auch die Enden der anderen Cast-Hälfte zu sehen? Ich fand Shin Sakura Wars eigentlich so, wie es ist, super entspannend. Es war schon chillig, sich durch ein Anime zu spielen, mit direktem und schnell änderbaren Feedback der mehr als zahlreichen Möglichkeiten die Zuneigung aufzubessern. Mit je nur knapp über einer Stunde Extra-Zeitinvestition auch die anderen vier Enden zu haben.

Die Victory Poses gehören bei der Serie zum guten Ton

Natürlich wären ein paar Sachen ganz schön gewesen. Beispielsweise gibt es unglaublich viele Szenen, die kein Voice Acting haben, aber gut welches gebraucht hätten, um sie zusätzlich zu beleben. Gerade da ich kürzlich erst Tokimeki Memorial 2 gespielt habe, welches jeden Dialog vertont, fällt mir das stark auf. Und ja es hätte eine komplexere Storyline oder interesanntere Kämpfe geben können, statt weiterhin so barebones bleiben zu müssen. Auch sind die etwas intimeren 1 on 1 Szenen mit den Mädels etwas merkwürdig, weil sei aus First Person sind, was ihren Kitsch noch etwas merkwürdiger und übertriebener macht, da man in diesem Teil ja die meiste Zeit aus einer anderen Perspektive spielt. Das letzte Kapitel ist übrigens wieder hautpsächlich Kampf und nur wenig Visual Novel, bremst hier jedoch ständig die Action und das Pacing mit kleinen unnötigen Cutscenes und Gesprächen aus. Viel dazugelernt hat die Serie während ihrer Abwesenheit also auch wieder nicht.

Für mich ist das neueste Sakura Wars auf jeden Fall ganz eindeutig ein vollwertiges Mitglied der Serie und nicht schlechter als die anderen Teilen im Groben ebenfalls waren. Ein spielbares Anime mit all seinen bekannten Klischees und charmanten Charakterstereotypen. Der beste Opening-Song der Welt, nette Anime-Optik durch die Cel-Shading-Charaktermodelle inklusive übertriebener Animationen und Manierismen. Es gibt die übliche Struktur, übliche Storyline, übliche Gewichtung zwischen Visual Novel und Kampf. Sakura Wars ist zurück und weder besser noch schlechter als vorher. Mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.

Sakura, aber nicht DIE Sakura, ist das Hauptaugenmerk unter den gewinnbaren Damen. Sogar mehr noch als ihre Vorgängerin. Sie und Kamiyama sind nämlich Kindheitsfreunde und haben sich wie das in diesen Storylines so üblich ist einige besondere Versprechen gemacht. Die Handlung des Spieles treibt die beiden also schon sehr einander in die Arme. Sakura ist übrigens der Flower Division beigetreten, weil Sakura Shinguji aus den vorigen Teilen sie beim Dämonenangriff vor 10 Jahren gerettet hat. Seitdem will sie eine genauso mutige Schwertkämpfern trifft Theaterschauspielerin trifft Mechpilotin werden. Sie ist tatsächlich auch diejenige, die immer noch voller Zukunftselan ist, als Kamiyama zur Truppe stößt, statt von den vorigen Misserfolgen abgeschreckt zu sein.

Ins Wanken gerät sie etwas, wenn die maskierte Kämpferin Yasha der Dämonen angreift und Teile des eh schon maroden Theaters zerstört. Denn von ihren Bewegungen und der Stimme her ist sich Sakura sicher: Das is Sakura Shinguji. Kann sie gegen ihr Idol kämpfen? Kamiya begleitet sie zurück in ihr Elternhaus, um einen freien Kopf zu bekommen. Beim anstehenden Gefecht gegen die London Revue bekommt Sakura dann auch noch einen neuen Obu, der enorm viel spirituelle Energie braucht, die sie aktuell eigentlich gar nicht hat. Doch ein Sparring gegen Lancelot bringt sie über ihre Sperre hinweg.

Der heißblütige Rotschopf Hatsuho ist ein weiteres bereits bestehendes Mitglied der Flower Division. Und die beste Freundin von Sakura, sind die beiden doch am Längsten mit dabei. Und machen die meiste Handarbeit hinter den Kulissen, um das marode Theater vorm Zusammenfallen zu bewahren. Sie ist eigentlich eine Schreinpriesterin und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Stein der spirituellen Energie im Hof des Theaters zu bewachen. Natürlich ist sie etwas vorlaut, und auch nicht zimperlich Kamiyama eine zu boxen, sollte er unangekündigt im Bad auftauchen, hat jedoch ein echtes Helferherz und Schwachpunkt für Kinder.

Tatsächlich kommt Hatsuho in ihrem Kapitel etwas kurz, denn sie muss es mit Sakura teilen. Ihre Eltern wollen sie eventuell zurückholen, um den Tempel zu übernehmen. Und sie wird es ziemlich Leid, wenn Sakura ihre verlängerte Depri-Phase hat. Versucht ihr sogar ein wenig Verstand einzuprügeln. Die Auseinandersetzung hilft beiden sogar irgendwie, sie sind halt schon lang Freunde. Und am Ende kommen sie beide geläutert wieder daraus hervor. Hatsuho hat übrigens die rettende Idee, nachdem Yaksha die Theaterbühne zerstört, für die wichtige Weihnachtsvorstellung einfach behelfsmäßig eine auf dem Platz vor dem Eingang zu errichten.

Claris ist der etwas schüchterne Bücherwurm der Truppe. Und diejenige, die definitiv die Anfangssituation der Truppe am Realistischsten sieht. Sie hat nämlich ein wenig aufgegeben, nachdem weder das Dämonenkämpfen noch die Bühnenschows zu klappen vermögen. Außerdem spricht sie schlecht geschriebenes Deutsch und Französisch. Keine Ahnung, woher die Blondine genau kommen soll, wahrscheinlich irgendwas vage europäisches.

Ihre erste mentale Hürde ist, wenn alle einfach so beschließen, dass sie das Script für ein neues Stück schreiben soll. Sie hat ja so viele Bücher gelesen und kennt sich deswegen mit Geschichten aus. Oh wow, was für eine Logik. Das funktioniert sogar. Zumindest nachdem Kamiyama sie auf ein Date ausgeführt hat, um ihre Wissenslücken in Sachen Romantik zu füllen. Die wahre mentale Hürde ist allerdings, wenn wir herausfinden, dass sie magische Kräfte hat. Und ihre Familie die schon immer besaß, im Namen von Herrschern aber für deren unlautere Zwecke einsetzen mussten. Deswegen hat sie Angst vor der zerstörerischen Kraft, die sie erst mal mit dem üblichen Zuspruch überwinden muss.

Die sexy Russin Anastasia ist die einzige Dame, die erst später zur Flower Division hinzustößt. Sumire holt sie im zweiten Kapitel dazu, da sie schon ein bekannter Theater-Star ist. Sie ist also dazu da, wieder Interesse an der Truppe zu wecken, nachdem die Öffentlichkeit deren Fähigkeiten abgeschrieben hat. Obwohl sie meint, dass sie nicht als Lehrerin befähigt ist, hilft sie über die darauffolgenden Kapitel den anderen mehr und mehr ihre Leistungen zu verbessern. Außerdem hat sie ein Faible für Astrologie und Wahrsagerei, weil sie meint, dass das Schicksal bereits vorbestimmt ist und lieber so frei und strahlend wie die Sterne wäre.

Wie sich herausstellt ist nämlich ihre Familie schon tot und sie als Waisenkind aufgewachsen. Teilweise von Yaksha erzogen worden, die ihr versprochen hat, mit ihren dämonischen Kräften Anastasia wieder mit ihrer Familie vereinen zu können. Alles was Anastasia dafür tun muss, ist die Flower Division auszuspionieren. Wir glauben natürlich dennoch daran, dass sie uns beistehen wird, und so wechselt sie irgendwann die Seiten. Nachdem sie beinahe gestorben wäre. Denn wie man sich denken kann ist Yakshas Versprechen sie mit der toten Familie zu vereinen keines, jene wiederzubeleben, sondern eines Anastasia umzubringen, sobald sie keinen Nutzen mehr hat.

Die Letzte im Bunde ist der übliche kindliche Charakter. Azami ist eigentlich bereits Teil der Truppe, als Kamiyama zu ihnen stößt. Doch aktuell auf einer Mission für Sumire, wodurch auch sie erst im zweiten Kapitel auftaucht und Kamiyama sogar erst nach Anastasia das erste mal auf sie trifft. Azami ist ein einem Ninja-Dorf aufgewachsen, und hat einen ziemlichen Komplex, wenn es darum geht, zu kindisch und unseriös zu erscheinen. Beispielsweise wenn es um ihre Leidenschafft für Süßigkeiten geht

Am Ende ist übrigens nicht so ganz klar, ob die Geschichte um ihr Aufwachsen stimmt oder nicht. Wir treffen nämlichen den merkwürdigen Kauz, der sie erzogen hat. Und ob der ihr einfach nur vorgegaukelt hat, ein Ninja zu sein, oder nicht, ist nie so ganz klar. Was er Azami als Ninja-Brauchtum beigebracht hat ist nämlich ziemlich merkwürdig und irregulär, aber dennoch hat sie richtige Ninja-Moves von ihm gelernt. Jedenfalls merkt sie irgendwann, dass es egal ist, ob ihre Eltern tot oder wie er behauptete nur Ninjas auf ewig währenden Missionen sind. Hauptsache sie hat Fähigkeiten, mit denen sie diejenigen, die ihr wichtig sind, unterstüzten kann.

The Witcher III: An Unpolished Polish Game

Endlich ist es soweit. Lange hat es gedauert. In mehrerer Hinsicht. The Witcher III: Whild Hunt ist bereits 2015 erschienen, die Game of the Year Edition mit beiden umfangreichen DLCs inkludiert in 2016. Ich selbst habe 2014 die ersten beiden Witchers gespielt und mich 2015/16 durch die Bücher gequält. Als ich 2018 meine PS4 bekommen habe, war das für 20€ zu habende Witcher III GotY ein früher Kauf. In vielerlei Hinsicht hätte man also meinen sollen, dass ich schon längst mal zu dem Spiel gekommen wäre. Aber es hat bis jetzt ins Jahr 2020 gedauert, bis die Aufgabe endlich erledigt war.

Wer meint, dass ich nur am Zeit schinden bin, um selbst beim endlichen Schreiben über Witcher III nicht wirklich über Witcher III schreiben zu müssen… ich teleportiere mich hinter und ermorde dich. Nichts Personelles, Kind, aber du weißt zu viel.

Ich habe mich in das Witcher-Universum nie so verlieben können, wie das scheinbar jedem anderen geschehen war. Ich habe nie so richtig in die Handlung und Lore hineingefunden, fand die Charaktere nie sonderlich interessant. Die Bücher sogar ziemlich ermüdend. Die beiden vorigen Spiele fand ich schon gut, so ist das nicht, aber den extremen Hype konnte ich nicht mitmachen. Liegt vielleicht auch am Alter, mit dem verschrumpelten Kohlestück inmitten der verwelkten Hülle eines Menschen, die mich ausmachen, sind starke Gefühle nicht mehr wirklich reproduzierbar.

Witcher III habe ich dann auch wohl wahrscheinlich eine ganze Ecke anders gespielt, als das normalerweise so ist und von den Machern intendiert war. Ich habe mir nicht weitergehende Beschreibungen in der umfangreichen Menübibliothek durchgelesen, um mehr Hintergründe zur Welt oder den Menschen herauszufinden. Mich hat die Haupthandlung kaum interessiert, zumal ich Yennefer und Ciri eh schon immer ziemlich nervtötend fand, die diesmal zentrale Rollen spielen. Man kann sogar so weit gehen, zu behaupten, Witcher III wäre Ciris Handlung, die man nur durch die Augen von Geralt miterlebt. Ich habe mich regelmäßig dabei ertappt, dass wenn mir NPCs eine Meinungsauswahl abverlangten, ich gar nicht so genau wusste, worauf ich jetzt überhaupt antworte, weil ich bestenfalls halb bis gar nicht richtig hingehört habe, sobald wieder jemand endlos zu reden beginnt. Besonders dann, wenn es eh nur um eine Questline ging und der ganze Flavor Text unwichtig erscheint, wenn mir doch die Questmarker eh knackig-kurz sagen, was ich wo umbringen muss.

Ich spielte tatsächlich Witcher III mehr wie ein The Elder Scrolls. Frei durch die Welt stiefeln, sich überall Sidequests abholen, und diese Einkaufsliste an zu erledigenden Dingen zur Lebenszeitverschwendung dann abarbeiten. Interessiert mich nicht wirklich, warum das kleine Mädchen ein Brot brauchte. Oder warum die Succubus die örtlichen Männer umbringt. Oder ob das alles gar nicht stimmt und bei genauerer Betrachtung das Mädchen eigentlich der Teufel ist, dem nur noch ein Brot zur Übernahme der Weltherrschaft fehlte, oder die Männer freiwillig Zerstreuung beim Sexdämonen suchten und deren Ehefrauen ihr die Schuld gaben. Was muss ich für dich holen oder umbringen, und was krieg ich dafür, ist alles, was ich wissen will, danke. Wäre sicherlich cool wenn ich so ein Joseph Anderson wäre, der auf jede Inkarnation des Witcher-Universums steil abgeht und begeisterte 24-stündige Videos pro Spiel raushauen kann. Bin ich aber nicht.

Realistisch betrachtet habe ich Wild Hunt wohl also falsch gespielt. Ich lüge lieber, und behaupte, ich bin es anders und individuell angegangen und das es doch sicherlich mal so richtig interessant ist, eine neue Herangehensweise an das Spiel zu dokumentieren.

So ganz abwegig ist Elder Scrolls als Vergleich übrigens nicht, wobei das wohl eher hauptsächlich dadurch kommt, dass Witcher III schlichtweg die gleichen Probleme wie alle Open-World-Spiele bzw. Spiele mit enorm großen und dynamischen Spielwelten hat, und die Bethesda-Spiele da einfach der Richtwert sind. Was ich damit meine ist, dass Witcher III unglaublich glitchy ist. Zugegebenermaßen allerdings wenig in ruinierenden sondern eher in erheiternden Arten. Wie häufig die Animationen für Charaktere plötzlich schräg sind, oder Gegnerleichen einfach magisch über den Boden gleiten, die Soundausgabe plötzlich ausfällt oder die falsche Stimme abgespielt wird. Witcher III ist voller kleiner „Ist halt ein großes und komplexes Spiel, da muss ja früher oder später was schieflaufen“ Stellen, die ich ganz unironisch sehr charmant fand.

Zum Großteil zumindest, ein paar Dinge gehen schon auf den Keks, wenn sie geschehen. Wenn das Spiel mal wieder bei einem normalen Kampf unerfindlicherweise Geralt nicht sein Schwert ziehen lässt, sondern in den Fauskampfmodus geht und man plötzlich mit dem baren Handrücken gegen fünf Kerle mit Schwert kämpft. Wie häufig das Pferd, obwohl sie zu reiten Geralt eigentlich schneller wohinbringen sollten, an allen möglichen Ecken und Kanten hängenbleibt. Wann immer eine Lichtquelle nah an einem anderen Interaktionspunkt ist und scheinbar so programmiert ist, dass Geralt via Taschenspielertrick die Flamme anzünden/erlöschen zu lassen scheinbar höhere Priorität hat, als die Blutlache zu investigieren oder einen Schrank zu öffnen. So manchmal geht einem der Clunk im Spiel auch auf den Geist, klar.

Was ich persönlich auch nicht so geil fand, ist sicherlich auch wieder etwas, was erst durch die GotY-Edition hineingebracht ist. Wie gesagt sind die einzelnen Karten von Witcher III ziemlich groß und man darf sich eigentlich sofort überall hinbewegen. An allen Ecken und Enden auf der Karte sieht man Ausrufezeichen, die Quests markieren, oder ein halbes Dutzend andere Points of Interest Marker, die von versteckten Schätzen über Monsternester und Machtquellen alles Mögliche angeben. Nervig ist, wenn man wie ich das alles schon direkt abgrasen will. Und dann entdeckt, dass das Spiel kein Problem damit hat, neben einem solchen Einsatzort, bei dem einen Level 5 Banditen gegenüberstehen, einen nahegelegenen Marker von einem Level 30 Drachen bewachen zu lassen. Hier hätte ich mir etwas mehr Konsistenz gewünscht. Das ich mich drauf verlassen kann, wenn ich in einem Gebiet Nebensachen abgrase, die auch alle ungefähr auf gleichem Niveau sind. Ich gehe einfach mal davon aus, dass dies im ursprünglichen Basisspiel auch so war, und die übertrieben hochleveligen Sachen durch den ersten DLC kamen. Während der zweite DLC, Blood and Wine, nämlich mit einem komplett neuen Gebiet daherkam, ist der erste DLC, Hearts of Stone, in der schon existenten Karte des Hauptspieles eingewoben. Und mit ihm kamen wahrscheinlich auch diese hochrangigen optionalen Dinge, die ebenfalls in die bestehende Welt verstreut wurden.

Eine weitere Sache, bei denen ich mit West-RPGs wohl ebenfalls nie konform gehen werde, sind maximale Tragegewichte. Besonders, wenn Ladenbesitzer nicht nur feste Öffnungszeiten haben, sondern auch noch ein maximales Kapital, das aufgebraucht werden kann. Beim Spielen von The Witcher III fühlte ich mich wieder wie ein Teenager: Konstant übergewichtig. Alle paar optionalen Aufgaben, nach jeder längeren Schatzsuche, am Ende eines jeden Dungeons, konnte ich mir fast sicher sein, dass das aktuelle Tragegewicht von Geralt überschritten war und ich nur noch im Schneckentempo weitermachen durfte. Also in eine Stadt gewarpt, hoffend das die Läden noch auf haben. Im Notfall können ungenügende Nachtzeiten ja auch schnell wegmeditiert werden. Aber dann jeden einzelnen Laden der Stadt ablaufen, jedem Ladenbesitzer seine kompletten Sparanlagen durchs Verkaufen von Rüstung und Schätzen aufbrauchen, und am Ende nicht mal die Hälfte vom Loot losgeworden zu sein, nervt schon. Manche Leute werden jetzt behaupten, dies ist dazu da, damit man eben nicht jeden Scheiß einsteckt. Aber als jemand, der ein Final Fantasy mit einem Rucksack an 99 Elixieren, Phönixfedern, Ethern und jeder Form von Potion beim Endboss ankommt und sich immer noch überlegt, ob deren Einsatz wirklich lohnt, kann ich nicht einfach so an Loot vorbeigehen. Klingt sehr nach einem Ich-Problem? Ist es auch, jedoch geht es hier ja auch darum, was ich an dem Spiel gut fand und nicht.

Fand ich denn irgendwas überhaupt gut, mag der eine oder andere sich jetzt vielleicht fragen. Berechtigt. Aber ja, ich fand auch Sachen an Witcher III gut. Grundsätzlich hab ich es schlichtweg immer nur einfacher, aufzuzählen, was mich gestört hat, und zu implizieren, dass alles andere Ok war. Und am Ende dann zu schreiben „Trotz all meiner Meckerei fand ichs unterm Strich dennoch ein gutes Spiel“. Ein weiteres Ich-Problem, die fehlende Positivität.

Eine Sache, die ich zum Beispiel besonders gut fand, ist, dass man mit Yennefer Schluss machen kann. Nachdem die Alte mich durch die ganze Buchreihe hindurch genervt hat und in Wild Hunt ebenfalls nicht besser ist, ist es einfach befriedigend, das ständige nervige Hin und Her zwischen ihr und Geralt beenden zu können. Bin ich nicht charmant, wenn ich positiv bin?

Aber eine weitere Sache, die ich echt gut fand, ist die Optik des Spieles. Ja die Animationen der Charaktere sind immer noch etwas merkwürdig, und das rasche Downscaling sobald man Distanz zu seiner Umgebung hinlegt etwas krass. Doch die Landschaft an sich in Witcher III ist einfach wunderschön anzusehen. Ich bin ja schon alleine froh, wenn ein West-RPG tatsächlich sowas wie Farben zulässt, statt zu meinen, eine ernste Geschichte muss in Brauntönen erzählt werden. Der Sonnenuntergang badet die Landschaft in grelle Orangetöne, Weizen- und Sonnenblumenfelder erstrahlen golden in der Ferne. Greife haben strahlend blaues Federkleid getüncht in weinrotes Blut von Geralts Schwertstreichen. Nachts kommt der übernatürlich große Mond hervor und badet alles in seichtes Licht. Witcher III ist ein Spiel, dem ein Photomodus gut zu Gesicht gestanden hätte. All das war bereits, bevor ich nach Beendigen der Haupstoryline ins zweite DLC Blood and Wine ging. Das spielt in einer Grafschaft, die von der Toskana inspiriert ist. Im Direktvergleich zu den poppenden Farben der Lavendelfelder und mediteranen Häuser wirken die Gebiete des Hauptspieles plötzlich als wären sie nur Brauntönig gewesen.

Die DLCs sind übrigens ein Hightlight an sich gewesen. Hier habe ich mich sogar ein wenig für die individuellen Handlungen interessieren können. Vielleicht lag es daran, dass sie besser geschrieben waren. Vielleicht, weil sie einfach kleinere losgelöste Handlungen waren, die sich nicht in die Hauptgeschichte eines 100-Stunden-Spieles fügen mussten, sondern nur für 10-20 Stunden über Wasser halten durften. Vielleicht war es auch einfach mal schön, dass sich fast komplett von dem für mich langweiligen Witcher-Mythos gelöst werden konnte. Man stelle sich mal ein Witcher-Spiel vor, welches zwar grob in der Welt der Bücher spielt, aber bei dem es um einen komplett neu erzeugten Witcher auf seinen Abenteuern geht, ohne sich durch existente Charaktere und Handlungen des Orginaltexts ketten lassen zu müssen. Da wäre ich sofort dabei. Nach fast 100 Stunden Witcher III (Hearts of Stone eingeschlossen) war ich fast etwas ausgewitchered. Dass ich dann dennoch direkt bis Stunde 120 weitergemacht habe, statt ruhen zu können, spricht definitiv für die Qualität vom DLC Blood and Wine.

Ja es hat mich 120 Stunden gebraucht, um durch Witcher III und seine zwei DLCs zu kommen. Natürlich hat mir das Spiel gefallen. Ich mag mich durchaus durch Spiele zwingen, die ich nicht so geil finde, aber sicherlich nicht für über 100 Stunden. Gut, ich habe es als eher generisches West-RPG gespielt, nach dem mir zu Anfang des Jahres mal wieder der Sinn stand: Welt erkunden und Quests abarbeiten. Dass einem das Witcher-Universum wesentlich mehr bieten kann, ist schon klar, darauf hatte ich allerdings keinen Appetit. Für das, was ich gesucht habe, war das Spiel mit einigen kleinen Nervpassagen, die bei einem Unterfangen dieser Länge ganz selbstverständlich sind, aber auf jeden Fall gut. Und so lasse ich die Witcher-Trilogie hinter mir, als Spiele die ich nicht so lieben mag wie die meisten, die ich aber allemal gut finde.

Aber hey, „Das Spiel ist auch noch gut, wenn man es falsch spielt“ ist doch mal ein Kompliment.

Ys VIII: Lacrimosa of Dana

Ist eine Weile her, dass ich bei der Ys-Serie war. Vor sechs Jahren habe ich Ys VI erneut gezockt gehabt, das Jahr davor war ich Ys V angegangen. Aber der letzte aktuelle Teil war das Spielen von Ys Seven in 2011, also vor fast zehn Jahren. Doch jetzt, wo der neunte Teil bereits in Japan raus und für den Westen angekündigt ist, habe ich mir endlich Ys VIII: Lacrimosa of Dana zu Gemüte geführt.

Den besten Ersteindruck macht das Spiel ja schon Mal nicht, wenn ich das mal so sagen darf. Das Anime-Opening zum Beispiel sieht gut aus und die Melodie auf sich alleingestellt ist auch gut, aber wirklich zusammenkommen tun die nicht. Das eher ruhige Instrumental-Stück passt gut zum Hauptmenü oder als Ending. Aber zum Opening, welches alle Standard-Beats einer Anime-Serie voller Action bietet, will es nicht so ganz wirken. Dann starten wir das Spiel und finden uns in früher PS2-Grafik wieder. Suikoden III lässt grüßen. Mit rudimentären Charaktermodellen, deren Animationen nicht mit ihrer Bewegungsgeschwindigkeit einhergehen, so dass es mehr aussieht, als würden sie durch die Szenerie gleiten. Mit einem Schiff, das barebones Architektur aufweist und bei dem alles ein wenig zu groß im Vergleich zu den Charakteren ist. Die meisten Cutscenes haben enorm langweiliges staging und bieten ständige und geradezu zufällig wirkende Kameraperspektivenwechsel. Ich war echt überrascht. Ys VIII wirkt wir ein allererste 3D-Spiel aus den frühen 2000ern, nicht wie ein Spiel für PSVita und PS4, dessen Hersteller durchaus vorher schon Spiele in dieser Dimension zusammengebraut hat.

Allerdings ist es für Serien-Veteranen schon niedlich, dass der sexy junge Dogi sich noch voll darüber freut mit seinem Boyfriend Adol auf Schiffsreise zu gehen. Scheinbar hat er noch nicht herausgefunden, dass jedes Boot, auf welches Adol einen Fuß setzt, zum Kentern verurteilt ist. Wie Ys VIII auch mal wieder beweist, nachdem alle auf einer einsamen Insel stranden, die von prähistorischen Monstern bevölkert ist. Ganz nach Die Blaue Lagune, nur mit weniger minderjähriger Nacktheit und mehr Publikum, müssen Adol, Dogi und die anderen Gestrandeten hier nun erst Mal ihre eigene kleine Kommune aufbauen, bevor sie einen Weg finden können, die Insel wieder zu verlassen.

Auf der Insel wird der Eindruck des Beginns übrigens etwas revidiert. Hier sieht die Umgebung wesentlich besser aus und hat ein paar echt schöne Lokalitäten zu bieten. Die Cutscenes werden weniger häufig, so dass die darin befindlichen merkwürdigen Charakteranimationen weniger zwischen jenen im eigentlichen Gameplay ins Gewicht fallen, die ordentlich aussehen. In jeder dann doch mal spielenden Cutscene selbst das statischste Lagerfeuergespräch alle 10 Sekunden mit neuen Kamerasperspektiven in grundlosen Dutch Angles zu präsentieren, bleibt allerdings vorhanden. Der Amateurhafte Charaktere der Story-Präsentation nimmt mit der Zeit allerdings einen regelrecht charmanten Vibe an. Ein gutes Äquivalent zu B-Movies sind vielleicht doch weniger Spiele, die schlecht zu spielen sind, sondern deren Gameplay ordentlich ist und nur in der restlichen Umstzung diletantisch werden.

Ys VIII setzt übrigens den Trend der immer längeren Spiele in der Franchise fort. Ich persönlich war ja immer ein Fan davon, als sich Legend of Heroes und Ys konstrastierten. Legend of Heroes ist das lange traditionelle RPG mit stark ausgearbeiteter Handlung von 50 Stunden, während Ys das schnelle und spaßige Gameplay nicht unnötig aufbläht und nach 10-15 Stunden rum ist. Das ist freilich schon länger nicht mehr der Fall, Ys VI war 20 Stunden und Ys Seven bereits 30. Auch Ys VIII ist mit Dingen zugemüllt, bis es seine fast 50 Stunden Spielzeit erreicht.

Auch hier gibt es wie im Vorgägner mehrere Charaktere, die diesmal mit ihren verschiedenen Waffenarten die verschiedenen Gegnerschwächen angehen. Statt Adol also beispielswiese durch drei Elementarschwerter switchen zu lassen wie im immer noch besten Ys aller Zeiten, The Oath in Felghana, switcht man nun den selbst gespielten der drei aktiven Charaktere. Es gilt Ausrüstung und Waffen in der Schmiede aufzubessern, verschiedene teils auch kosmetisch Accessoires zu schneidern, und die Waffenskills durch beständiges Nutzen aufzubessern und neue zu erlernen. Irgendwie muss sich das weiterhin simpel-schnelle Kampfsystem ja auf die ganze Zeit strecken lassen, ohne langweilig zu werden. Und das wird es durchaus nicht. Durch die Gegend zu hetzen und alles im Weg niederzumähen ist so spaßig wie es immer war, auch weiterhin durch die pumpende Musik, die dabei läuft, und Ys-üblich immer ein rockiges Highlight darstellt. Bosse sind ebenfalls weiterhin imposant und mit dramatischen Titeln und Cutscenes eingeleitet, mit einem hier Handlungsbedingt animalistischen und Saurier-lastigen Thema, welches ich ebenfalls sehr gefällig finde.

Nicht so geil hingegen fand ich die Campverteidigung. In regelmäßigen Handlungsabständen wird die Kommune angegriffen und es heist somit dorthin zurückwarpen, um die Verteidigungswälle vor den einfallenden Horden an Monstern zu verteidigen. Die fand ich nie sonderlich unterhaltsam und den eigentlichen Spielverlauf eher ausbremsend denn bereichernd.

Ansonsten muss noch in den Arealen nach weiteren Überlebenden und besonderen Landmarken gesucht werden. Besagte neue Kommunen-Mitglieder können durchs Überreichen von Geschenken und erledigen von Nebenaufgaben freundlicher gestimmt werden. Die Verteidigungswälle wollen nebst des eigenen Equips aufgerüstet werden. Es kann geangelt und gekocht und gefarmt werden. Da auf einer einsamen Insel Geld keinen Wert hat, wird alles übers Crafting durch gefunden Gegenstände erledigt. Dungeons haben teils nächtliche Variationen. Ys VIII ist voller Zeug, um die dutzenden Spielstunden anzufüllen. Das ist schön für diejenigen, die all diese Extraschnörkel gut finden. Ich hätte wie gesagt gern wieder eine Rückkehr zu simpler-kürzeren Zeiten ohne den ganzen Extra-Ballast.

Ebenfalls nicht der größte Fan war ich von den Difficulty Spikes. Ich sehe ja ein, dass es eventuell etwas härter sein sollte, wenn man irgendwann wirklich gegen wortwörtliche Dinosaurier kämpft. Doch zunächst sind die Areale mit denen sehr unausgewogen hart, während alles davor total einfach war. Und wann immer dann wieder ein größerer Story-Brocken kam, kann es in einem Gebiet zunächst wirklich dazu kommen, dass alle paar Schritte eine Cutscene das Gameplay unterbricht, was auch nicht wünschenswert ist. Und bin nur ich es, der ständig die aufgeladenen Superattacken verschwendet, weil er L1 und R1 gleichzeitig drückt, da ich während des Rennens einen normalen Skill machen wollte? Nicht die beste Tastenbelegung.

Ys VIII reiht sich übrigens ein in die Reihe an Spielen, die, obwohl sie grafisch nicht viel hermachen, die PS4Pro(!) punktuell in absoluten Startender-Düsentrieb-Modus bringen. Schon irgendwie witzig.

Es gibt aber auch absolut Dinge, die ich mochte am Spiel. Beispielsweise sind die Charaktere wirklich charmant und ich fand es sehr schön mit anzusehen, wie gerade die Kämpfer-Sechsertruppe über das lange Abenteuer langsam zueinander findet. Hier wächst wirklich was zusammen und bleiben die Beziehungen nicht komplett statisch. Die Handlung scheint zunächst sehr 08/15, legt aber verspätet aufs Finale doch noch mal ein wenig zu. Besonders mochte ich den Evolutions-Blickpunkt vieler späterer Offenbarungen und es gibt ein paar echt nostalgischen Noten in der Endsequenz, wenn sich wieder voneinander getrennt werden muss. Die Musik ist soweiso wieder total geil und wie erwähnt das Gameplay durchaus spaßig.

All das klingt jetzt so ein wenig, als wäre Lacrimosa of Dana das Tales of der Ys-Franchise: Es sieht super Anime aus, die Story ist ziemlich durchschnittlich, die Charaktere sind charismatische Stereotypen, das Action-Gameplay ist button-mashy, und das ganze Unterfangen gut 20 Stunden zu lang.

So ganz lässt sich das meiner Meinung nach nicht bestreiten. Ich scheine da allerdings ziemlich alleine dazustehen. Von allen Seiten höre und lese ich, wie Ys VIII eines der besten RPGs der letzten Jahre sein soll. Während ich ähnlich wie bei Xenoblade damals wieder dastehe und nur Schulterzuckend „eh, so weit würde ich echt nicht gehen, aber ist schon ganz Ok“ erwiedern kann. Das ist es auch durchaus. Wie immer ist es einfach negativ zu klingen, weil sich über die weniger optimalen Dinge mehr schreiben lässt, als über die kompetent umgesetzten Sachen. Ys VIII ist abgesehen von seinem Cutscene-Staging auch absolut kompetent. Im Moment-zu-Moment-Gameplay sogar meist sehr spaßig, was immerhin das Wichtigste ist. Es bleibt für mich aber schlichtweg eines der schwächeren Ys-Teile, welches eben „nur Ok“ ist.

Dragon Quarter: A Nightmare Fantasy

Vor einem Monat habe ich zu Crimson Shroud geschrieben, dass ich das Spiel sehr interessant finde. Das es besonders was die Atmosphäre angeht top ist. Das es mir persönlich vom Gameplay her allerdings zu anstrengend ist. Und das ich es deswegen zwar seit Jahren besitze, und auch schon mehrmals angefangen hatte, aber erst jetzt beendete. Genau so erging es mir auch mit Dragon Quarter. Ok, tschüß, bye.

Ok, gut, es gibt natürlich schon was mehr zu schreiben zum fünften Breath of Fire. Nachdem die Serie vier Episoden lang sehr traditionell und ähnlich geblieben war, ging es auf der frühen PS2 in ganz andere Richtungen. Was damals gefloppt ist hat sich mittlerweile für viele zu einem Kultklassiker entwickelt, eben weil es so sehr aus dem JRPG-Einheitsbrei heraussticht. Ich habe es ziemlich zeitlich nach Release gekauft, und da war es schon heruntergesetzt, um den Ladenhüter loszuwerden. In den ersten Jahren meines Blogs hier auf WordPress hatte ich ja mal das Year of Breath of Fire. Wo ich mir vornahm alle Teile hintereinander weg zu spielen. Dort war ich nicht zum ersten aber zum bisherig letzten Mal an Dragon Quarter gescheitert. Dieses Jahr habe ich es endlich als beendet aus dem Backlog entfernen können. Zugegeben dank der Hilfe von Emulation, durch die ich nicht mehr die europäische Fassung spielen musste.

Das Spiel beginnt mit den Worten „This is a tiny tale of time“. Dragon Quarter meint das auch so. Dies ist nicht die übliche epische Weltreise in der ein korruptes Imperium besiegt und ein Gott vom Thron gestoßen wird. Breath of Fire V ist die Geschichte eines Jungens, der ein Mädchen retten will. Und sich dadurch auf der anderen Seite eines Konflikts mit seinem ehemaligen besten Freund findet. Durchaus auch ein Klassiker, natürlich.

Die Welt im Spiel ist nicht groß, offen, voller bunter und diverser Lokalitäten, angefüllt mit Jahrhunderten unterschiedliche Kultur-Lore. Die Welt in Dragon Quarter ist bereits untergegangen. Die mächtigen Gott-ähnlichen Endless wollten endlich sterben und um ihr eigenes Ende herbeizurufen, haben sie die Welt zerstört. Die Überreste der Menschheit leben nun, unterernährt und krank aussehend, in Tunnelsystem unter der Erde. Mit wenig Licht, mit wenig Freiraum, in einem oppressiven Klassensystem. Schon früh wird einem ein Rang zugeordnet, der den kompletten Lebensweg bescheinigt. Die Ranger-Organisation steht über allem. Krieger, welche die Siedlungen vor den in den Tunnelsystemen lungernden Monster beschützen und andere Söldner-Aufträge erfüllen sollen. Ryu ist Rang 1/8192. Er wird es nie über einen entbehrlichen Fußsoldaten hinausbringen. Sein Freund Bosch hingegen ist Rang 1/64. Er wird es mal weit bringen und steht in jenem Rang eigentlich sogar noch über einigen seiner aktuellen Vorgesetzten.

Als die beiden eine Fracht, an die auch die Rebellen wollen, sicherstellen und im Notfall auch zerstören sollen, treffen sie auf Nina. Das kränkliche stumme Mädchen mit einem großen Geheimnis. Sie ist besagte Fracht. Schnell findet sich Ryu in einer Position, die er nie für möglich gehalten hätte. Um Nina, die in der schlechten Luft der Kolonie zugrunde gehen wird, zu retten, macht er sich mit ihr auf den Weg an die legendäre Oberfläche. Nicht wissend, ob ein grünes Paradies unter frischer Luft überhaupt existiert. Außerdem hat er Superkräfte bekommen, wurde er doch von einem Endless auserwählt. Bosch hingegen will nur seinen Auftrag erfüllen Nina sicherzustellen, koste es was es wolle. Im Notfall auch auf Kosten des Lebens seines ehemaligen Freundes. Nichts soll seinem vorbestimmten und nun ins Wackeln geratenen Karriereweg im Weg stehen, schon gar nicht ein Low-Rank, der plötzlich ungehante Kräfte zugesprochen bekommen hat.

Und das ist das Spiel auch schon. Eine überschaubare Anzahl an Charakteren, wobei man später auch die mysteriöse Zusammenkunft der besonders hochrangigen Regenten treffen wird. Das Mission Statement steht früh und ändert sich für die kompletten 15 bis 20 Stunden Spielzeit nicht: To the sky! Durch Tunnelsysteme, die mal Labore, mal Höhlen, mal Zugstrecken sind, aber selten viel Abwechslung bieten. In einer düsteren und Farblosen Umgebung. Mit dürren Cel-Shading Charakteren. Das Spiel hat durchaus was optisch drauf. Das merkt man an der sehr guten Kameraführung in den Handlungsszenen. Die zugegeben zum Großteil daraus bestehen, dass mysteriöse Charaktere cool in Räumen stehen und kryptische Halbsätze reden. Aber die Inszenierung ist top. Das die Umgebung oder das Charakterdesign nicht sehr hübsch sind, das ist eben, weil die Welt von Dragon Quarter nicht hübsch ist. Hier wird alles der Atmosphäre untergeordnet, auch wenn dadurch ein farbloser Dungeon Crawler aus dem fünften Breath of Fire wird. Die oppressive Stimmung ist allgegenwärtig.

Dungeon Crawler ist auch ein wirklich gutes Stichwort, denn dies ist Dragon Quarter auf jeden Fall. Es gibt wenige bewohnte Enklaven zwischen den weitläufigen Sektoren, durch die man sich kämpfen muss. Und tatsächlich wirkt viel im besonderen Gameplay des Spieles wie eine moderne Interpretation von Roguelike-Mechaniken.

Die grundlegenden Dinge in einem Roguelike sind meistens wie folgend. Sie sind schon mal Dungeon Crawler, natürlich. Aber sie haben Permadeath. Wer im Dungeon fällt, der verliert alle Level und Gegenstände. Layout sind zudem in der Regel randomisiert und es geht, auch durch stark begrenztes Inventar, darum, das Möglichste aus den aktuell gegebenen Dingen zu machen.

Dragon Quarter ist nun nicht wirklich ein Roguelike an sich. Die Höhlensysteme des Spieles haben vorgegebene Layouts, aber das genau Gegneraufkommen kann schon variieren, und auch die Gegenstände in den Schatztruhen sind tatsächlich randomisiert. Das Inventar ist stark begrenzt, sowohl das eigene als auch das des Lager-NPCs, bei der zumindest einige wichtige Dinge untergebracht werden können. Was Roguelikes eben oft auszahlt und es in moderner Form durch das SOL-System und das PETS-System im Spiel gibt, sind die vielen Fallen und der Permadeath.

Das PETS-System bedeutet schlichtweg, dass man Gegenstände in der Umgebung platzieren kann, um sich die Kämpfe einfacher zu machen. Beim Kollidieren mit einem der sichtbaren Gegner kommt es nämlich zu einer Auseinandersetzung in einem abgesteckten Kampfareal in genau dem Raum, in dem man war. Es können Fallen in den Weg des Gegners gelegt werden, um die zusätzlich zu schaden. Es kann sogar Fleisch zur Ablenkung geworfen werden, um sie in Fallen zu locken oder einfach an ihnen vorbeilaufen zu können. Das kluge Einsetzen von Fallen kann so einige der haarigen Räume um einiges einfacher machen. Genau wie ein guter Einsatz der Charakter-spezifischen Fähigkeiten.

Denn die Kämpfe haben einen leicht strategischen Einschlag. Jeder Charakter und Gegner hat eine gewisse Anzahl an Aktionspunkten zu Beginn seiner Runde. Je weiter sich bewegt werden muss, um so mehr werden aufgefressen. Angreifen hat je nach Skillwertigkeit auch einige duztend Punkte an Kosten, sowie können mehrere Angriffe hintereinander zu Kombos gereiht werden. Der Trick ist natürlich, dass der Gegner möglichst viele seiner AP dadurch verbrauchen soll, die Distanz zu den eigenen Charakteren zu überbrücken, während man selbst möglichst viele für lange Angriffsketten haben möchte. Zudem erfüllt jeder der drei Charaktere eine besondere Nische. Ryu ist hauptsächlich der starke Angreifer. Nina nutzt Magien für die dagegen schwachen Gegner, kann aber über Magiezirkel noch zusätzlich zum PETS-System ihre eigenen elemantaren Fallen legen. Lin ist hauptsächlich dazu da mit ihrer Pistole über Distanz Statusveränderungen einzusetzen oder die Position von Gegnern zu manipulieren. Ein gutes Zusammenspiel dieser drei Stärken ist wichtig.

Das SOL-System ist hingegen ein Spiel mit dem Permadeath. Breath of Fire hatte schon immer enorme Probleme damit, die Drachentransformationen von Ryu auszubalancieren. Dragon Quarter gibt das komplett auf. Ryu in einen Drachen zu verwandeln, macht ihn so überstark, dass es quasi ein Gottmodus ist. Im Gegenzug dafür sind diese Kräfte aber im wahrsten Sinne des Wortes tödlich. Jeder Einsatz von ihnen lässt Ryus D-Wert steigen. Der nie wieder gesenkt werden kann. Erreicht der D-Wert 100%, heißt es Game Over. Hier kommt rettend das SOL-System hinein. Ist der aktuelle Abschnitt nicht gut gelaufen? Mit SOL-Restore lässt sich ganz einfach zum letzten Punkt des Speicherns zurückkehren, mit dem damaligen Equipment und D-Wert. Was beibehalten wird sind allerdings beim Lager-NPC reingesteckte Items und individuell verteilbare Party-EXP. Diese Restore-Funktion ist also im Prinzip eine Möglichkeit Erfahrung und Ausrüstung zu grinden. In einem Spiel, bei dem besiegte Gegner und geöffnete Truhen nicht respawnen. Hat man sich allerdings wirklich komplett in eine unwinbare Situation gespielt, immerhin gibt es ja nur einen Save Slot, kann über SOL-Restart das ganze Spiel schlicht von vorn begangen werden. Erneut mit gelagerten Gegenständen und Party-EXP für ein bessen Neustart noch intakt. Außerdem gibt es dadurch zusätzliche Hanldungsszenen zu entdecken, damit Nutzer vom SOL-System oder New Game + Durchläufen ein wenig belohnt werden.

Alls das ist höchst interessant und komplex. Außerdem schwer und anstrengend. Denn das Speichern in Dragon Quarter ist nur mit finiten Tokens an Save Terminals (permanent) möglich. Der temporäre Spielstand, um jederzeit eine Pause einlegen zu können, wird beim Laden wieder gelöscht. Und fehlt in der europäishen Fassung komplett. Mehrere Stunden in Dragon Quarter am Stück zu spielen ist allerdins tatsächlich mental auslaugend. Die oppressive Atmosphäre, die harten Kämpfe. Das ständige Abwägen von Entscheidungen und Antizipieren was als nächstes geschehen könnte. Breath of Fire V spielt man nicht zur Entspannung. All dies hilft der Atmosphäre des Spieles ungemein, aber traditioneller „Spielspaß“? Je nachdem wie sehr man das Kampfsystem mag und gut darin ist, gibt es den eventuell sogar für den einen oder anderen. Dennoch wäre es nicht ein Wort, welches ich mit Dragon Quarter assoziieren würde.

Am Ende ist die tiny tale of time dann beendet. Das über die letzten Spielstunden zusammengewachsene ungleiche Trio ist am Ziel angekommen. Mysterien sind aufgedeckt, ein System ist besiegt, ehemalige Freunde haben ihre Waffen gekreuzt. Die Credits werden eingeleutet mit Castle Imitation, dessen Refrein ein mehrmaliges „Lebe!“-Ausrufen ist. Und der Capcom Staff bedankt sich mit den Worten „Thank you for playing the game to the end“. Weil wirkich was dazugehört, es bei diesem Spiel, das für JRPG-Verähltnisse gerade der PS2-Generation eigentlich kurz ist, bis zum Ende geschafft zu haben.

Aber auch weil es so eine unikate Vision ist. Der Staff bedankt sich dafür, ihm eine Chance gegeben zu haben. Und bis zum Ende drangeblieben zu sein. Weil Dragon Quarter so anders ist als andere JRPGs. Weil es so eine enorme Kehrtwende gegenüber den vier vorangegangenen Spielen ist. Dies ist ein Spiel, bei dem das Team eine ganz genaue und herausfordernde Vision hatte, und diese auch komplett Kompromisslos umsetzte. Ich tue mich schwer damit zu behaupten, dass ich Spaß mit Dragon Quarter hatte. Mir ist es spielerisch echt einfach zu anstrengend. Aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass es dennoch meinen absoluten Respekt hat. So anders und interessant sein zu wollen. Sich seine Ambition nicht verwässern zu lassen. Schön das es mittlerweile zumindest bei anderen Spielern gut angekommen ist, verdient hat es das sicherlich.

Level 5 Guild: Crimson Shroud

Mit Crimson Shroud kommen wir zum wohl bekanntesten und einem der best-bewertesten Vertreter der Guild-Reihe. Immerhin ist der Designer dahinter niemand anderes als Yasumi Mitsuno, der sich über die Ivalice-Spiele und Tactics Ogre einen Ruf als komplexer RPG-Auteur erkämpft hat. Dazu kommt dann noch die übliche Zusammenarbeit im Soundtrack mit (u.A.) Hitoshi Sakimoto. Da standen alle Lauscher auf.

Es ist tatsächlich auch das Spiel, durch das ich maßgeblich auf die Guilds aufmerksam wurde, und welches ich mir im ersten Kaufschub in 2015 erstand. Um nach zwei gecancelten Anfängen es im aller guten dritten Versuch nun fünf Jahre später endlich zu beenden. Das liegt mehr an mir, als am Spiel. Oder eher an uns beiden, denn Crimson Shroud ist nicht unbedingt die Art von Spiel, welche ich bevorzuge.

Grundsätzlich hat sich Mitsuno dazu entschieden, passend zum kleinen Budget, Crimson Shroud einfach als virtuelle Pen and Paper Runde zu gestalten. So sind die Charaktermodelle und Gegner beispielsweise nicht animiert, sondern ändern nur Story-Situationsbedingt eventuell mal die Pose, und kommen auf einem Ständer daher wie eine Spielfigur. Eingefügt in Diorama-Räume. Dass sich zusätzlich der Text über den kompletten Bildschirm kleistert und viel Atmosphäre vom Sound Design kommt, gibt dem Spiel zusätzlich noch etwas von einem Sound Novel.

Und an Text gibt es reichlich in Crimson Shroud. Wie ein DM offeriert uns die Software beim Betreten eines jeden Raumes eine hinreichende Beschreibung, wie jener aussieht und was die Charaktere aktuell denken, selbst wenn sonst wenig momentan darin geschieht. Häufiger gibt es natürlich auch noch einen die Handlung vorantreibenden Rückblick, wie es zum aktuellen Geschehen gekommen ist, oder mehr oder weniger aufklärenden Gespräche zwischen den drei Charakteren. Die eine Gruppe an Chaser ist, welche im Prinzip Söldner-Aufträge annehmen. Aktuell ein altes Gemäuer auf den Verbleib eines Gelehrten durchsuchen, mit dem Hinweis darauf, dass hier auch das erste Geschenk, welches Magie in die Welt gelassen hat, sein könnte.

Ganz Mitsuno gibt es da viel Lore, viel Politik und Intrige, Charakterbezüge und Revelationen. Wobei das Spiel für seine kurze Dauer von ca. 6-8 Stunden zunächst überraschend viel Lore abfährt und die eigentliche Handlung erst spät nach hinten raus so richtig loslegt, wenn wir bereits kurz vor den finalen Offenbarungen stehen.

Die Kämpfe nehmen in Crimson Shroud fast eine untergeordnette Rolle ein, geschehen doch lediglich ungefähr drei pro Kapitel. An Kapiteln gibt es vier. Das sind also wirklich nicht viele Auseinandersetzungen, wobei es manchmal optionale und wiederholbare gibt. Für den Grind. Der fast nicht optional ist. Aber dazu später. Nur weil die Kämpfe von der Anzahl her niedrig sind, heißt das aber nicht, dass sie simple Akte wären. Mitsuno-Spiele sind nicht nur für komplexe Handlungen sondern auch komplexe Spielsysteme bekannt, und nur weil Crimson Shroud ein Mini-Erlebnis ist, hat man es sich nicht nehmen lassen, dennoch gefühlt zehn Systeme übereinander zu häufen.

Es startet einfach damit, dass jeder Charakter zwei Aktionen pro Runde ausführen darf. Die aber teilweise sich ausschließend gruppiert sind. Attacke, Item und Magic sind beispielsweise so eine Gruppe, von der nur eine Aktion pro Runde stattfinden kann. Dafür kann zusätzlich noch ein Skill geworfen werden. Diese Skills lernen die Charakter nach einigen Kämpfen, wobei man sich einen von dreien zur Auswahl stehenden aussuchen darf. Ausrüstung kommt teilweise mit Zusatzskills, die nur solange aktiv sind, wie sie angezogen bleibt. Verschiedene Elementarzugehörigkeiten hintereinander zu nutzen führt zu Kombos. Level Ups gibt es nicht, Charakteraufbesserung findet ausschließlich über besseres Equip statt. Welches nach den Kämpfen fallengelassen wird, aber sehr random aus einem großen Pool an möglichen Sachen. Und Barter Points kosten, die es je nachdem, wie gut man sich geschlagen hat, mehr oder weniger am Kampfesende zum Eintausch gibt. Wer mehrere Stücke der gleichen Ausrüstung hat, kann sie übers Melding zu einer stärkeren Plus-Variante schmieden. Sofern das Pure Azoth dafür da ist, welches es ebenfalls im Pool an End-Kampf-Gegenständen für Barter Points gibt. Manche Magien/Skills, ganz zu schweigen von Kampfeffekten wie strategischen Vorteilen und Nachteilen, werden zudem im wahrsten Sinne des Wortes durch einen Würfelwurf des Spielers entschieden. Kombos bringen Bonuswürfel, die diese Würfe verbesser oder gegen Barter Points eingetauscht werden dürfen.

So, ja, das ist ganz schön viel für ein Spiel mit einem knappen Dutzend Auseinandersetzungen. Und der Hauptgrund warum ich bei den ersten beiden Versuchen kurz ins zweite Kapitel hinein aufgehört hatte. Mir war das System einfach viel zu komplex und überladen. Außerdem die Kämpfe zu hart und dauerten vor allem sehr lang. Alles Dinge, die sicherlich Pluspunkte für Leute sind, die es gerne strategischer und fordernder mögen. Zu jenen gehöre ich allerdings nicht.

Aushebeln kann dies der Grind. Eventuell ist dieser sowieso nötig, wenn fürs Weiterkommen in Kapitel 2 ein wiederholbarer Kampf immer wieder angegangen werden muss, damit ein Quest-Gegenstand fallengelassen wird. Wie bereits erwähnt ist die RNG, was aus dem Pool der möglichen Drops wirklich am Kampfende zur Barter-Auswahl steht, extrem fluktuierend. Zudem taucht in diesem Kampf nicht mal jedes Mal der Gegner auf, der das Item überhaupt im Pool hat. Mir wurde sie direkt im ersten Kampf überreicht. Andere Leute kämpfen wortwörtlich Stunden, bis sie es haben. Was mir allerdings aufgefallen war, war die Tatasche, dass dieser relativ einfache Kampf ganz gutes Equip abwirft. Und das ein paar Plus hinter dem Ausrüstungsgegenstand stehen zu haben einen riesigen Unterschied machen kann. Wer sich die Zeit zum Grind nimmt und da ein +5 oder gar bis zum Maximum +9 geht, für den gehen die anschließenden Kämpfe plötzlich in Windesweile dahin. Macht irgendwo Sinn, wenn Equip die einzige Charakterverbesserung ist. Dennoch macht das Spiel es einem nicht unbedingt sonderlich klar, dass es erwartet, man nutze stark das Melding, wenn die Schlachten in den letzten beiden Kapiteln nicht ewig andauern und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit des Game Overs kommen sollen.

Ich hatte dann für mich, der nicht gern übermäßig gefordert wird, und stattdessen lieber einen Grind in Kauf nimmt, eine angenehmere Zeit mit dem Spiel. Denn ich konnte die Handlugn und Atmosphäre ungestört auf mich wirken lassen, die beide wirklich super sind. Mit dem Gameplay des Spieles wurde ich persönlich halt nicht warm.