Academy Weekend – La La Land

La La Land ist der große Gewinner der letztjährigen Show. Nicht nur war der Film für 14 Trophäen nominiert, eine Anzahl die bisher nur Titanic und All About Eve schafften, sondern die letztendlich gewonnenen 6 hat auch kein anderer Film des Jahres übertrumpfen können. Best Picture hätte er auch beinahe erhalten, wenn man die falsch vorgelesene Karte durchgewunken hätte.

La La Land ist ein Musical über ein Pärchen. Mia ist eine angehende Schauspielerin, die allerdings noch keine einzige Rolle abstauben konnte. Sebastian hingegen ist Jazz-Musiker, der versucht das sterbende Genre am Leben zu halten, und eines Tages seinen eigenen Club eröffnen will. Ihr erstes Aufeinandertreffen ist auf der Autobahn von Los Angeles, auf der Mia Sebastian kurz im Weg steht, so dass der laut hupend vorbei rast und sie ihm den Mittelfinger entgegenhält.

Doch die beiden scheinen füreinander bestimmt zu sein, denn über die folgenden Wochen begegnen sie sich immer mal wieder, was in einer Stadt von 4 Millionen Einwohner schon was heißt, und über das gegenseitige Kabbeln entsteht doch eine Beziehung. Eine sehr gute und erfüllte sogar, bei der sich beide gegenseitig in ihren Träumen unterstützen. Zumindest so lange, bis Mias Bühnenstück floppt und Sebastian auf Grund von Erfolg mit einer Band, deren Musik kaum noch als Jazz zu betiteln ist, kaum noch Zeit hat.

Es ist gleichzeitig klar und merkwürdig, dass La La Land so viele Preise anhäufen konnte. Merkwürdig dahingehend, da es ein Musical über eine Romanze ist, was eher belächelnd als Chick Flick deklarierend abgetan und nicht genauer betrachtet wird. Gleichzeitig spielt der Film aber in viele Dinge hinein, welche die Academy liebt. Nämlich ordentlich Nostalgie gegenüber des vergangenen Rums Hollywoods und der Kunst allgemein. Sebastian liebt eine emotionale Musikrichtung, die am Aussterben ist. Mia möchte Schauspielerin werden, seitdem sie Klassiker mit einer Freundin nach der Schule gesehen hat. Das Los Angeles im Film soll zwar im Hier und Jetzt spielen, was Smartphones auch bezeugen, doch viel vom Look sieht eher aus wie aus den 50ern und 60ern. Mit plakatiert aufgehängten Filmstars vergangener Zeiten, mit poppigen Outfits angelehnt an Vintage der 50er und die allgemeine Kolorierung von La La Land im Stil jener Filme.

Das Musical nimmt sich zusätzlich ziemlich zurück. In der ersten Stunde, die sehr lebendig und poppig gestaltet ist, während die beiden noch zusammenfinden müssen, wird noch vergleichsweise viel gesungen. Doch im anschließenden Verlauf, wenn deren Leben dramatischer wird, habe ich mich dabei ertappt, dass ich geradezu überrascht war, wann immer ein Song begann, weil ich kurzzeitig wieder vergessen hatte, dass dies hier ein Musical sein soll.

Was natürlich auch immer gut ankommt ist der hier gezeigte amerikanische Traum. Hohe Ziele, langes Träumen, hart dafür arbeiten und du wirst es schaffen. La La Land lässt praktischerweise dabei aus, dass man zudem den richtigen Leuten seine Seele und Würde verkaufen muss, gerade im Showbusiness, weil das weniger gut aufgenommen wird. Aber natürlich ist sich der Film bewusst, dass hier nicht alles einfach letztendlich gut enden kann, und so ist die letzte halbe Stunde geradezu bittersüß. Wenn beide zwar ihre Träume erreicht haben, aber letztendlich doch nicht mehr zusammen sind, weil das Leben nun mal nie perfekt ist und einem nicht alles gibt, was man will. Mit einem sehr interessanten „What if“ kurz vor den Credits.

Am besten gefallen hat mir dann auch die erste Stunde von La La Land, wenn ich ehrlich sein soll. Wenn es noch ein sehr farbenfroher und schneller Film ist, voller Musical-Einlagen und mit witzigen Auseinandersetzungen der beiden Hauptdarsteller. Und dann in der letzten halben Stunde wieder, wenn das bittersüße Finale eingeläutet wird. Die halbe Stunde dazwischen war nicht schlecht, aber mir doch zu sehr „through the motions“ gehend.

Besonders hervorheben will ich dann aber noch mal Emma Stone. Die gute Frau ist nicht nur so charismatisch wie immer, sondern spielt auch um ihr Leben. Dass sie hierfür den Oscar Best Actress abräumen konnte, ist absolut keine Überraschung für mich. Die Nomination als Best Actor für Ryan Gosling ist da schon merkwürdiger gewesen. Der ist wie immer recht hübsch anzusehen, und ein schlechter Schauspieler nun wirklich nicht, aber eine Leistung wie seine Co-Schauspielerin liefert er bei Weitem nicht ab.

Das ich zugegeben mit Musicals auch viel anfangen kann, sei hier noch mal erwähnt. Denn ich fand La La Land einen richtig unterhaltsamen Trip. Wie gesagt in der ersten Hälfte sogar etwas besser noch, als in der zweiten, wenn er sich darauf besinnt, dass er vielleicht doch nicht so oberflächlich bleiben sollte, aber das Ende macht das eh wieder wett.

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Academy Weekend – Arrival

Arrival ist einer jener Verlierer-Gewinner der Oscars des letzten Jahres gewesen. Denn obwohl der Film für ganze 8 Trophäen nominiert war, darunter auch große wie Best Picture und Best Director, sollte letztendlich nur einer bei rum kommen. Dann auch noch so ein schnöder wie Best Sound Editing.

Louise hat eine Tochter. Sie wird geboren, wächst auf, lacht und weint, zickt als Teenager rum. Und stirbt früh.

Louise ist Sprachwissenschaftlerin und doziert an der Uni, als plötzlich 12 außerirdische Raumschiffe auf der Erde auftauchen und die Bevölkerung in Staunen, Panik oder religiösen Eifer versetzen. Da sie bereits der Regierung einmal ausgeholfen hat, rekrutieren sie erneut Louise, um die Sprache der Aliens zu übersetzen, die Kontakt aufzunehmen versuchen.

Alle 18 Stunden öffnet sich das Raumschiff, und lässt die Abgesandten in einem Raum, der mit einer Glaswand gegenüber der Atmosphäre, in der die großen Tintenfisch-ähnlichen Aliens leben, abgeschirmt ist. Louise ist natürlich zunächst wegen jener enormen Eindrücke überfordert, fängt sich dann jedoch wieder. Da es nichts zu bringen scheint, den Aliens einfach Worte entgegenzusprechen, nimmt sie stattdessen den Weg über Schrift. Und die Aliens antworten, in dem sie mit Tintenwolken ausgeklügelte Ringe an die Glaswand „schreiben“ – der Durchbruch.

Arrival ist ein smarter SciFi, eine Sache die dem Genre gern aberkannt wird. Tatsächlich benutzt Arrival seine First Contact Story auch eher als Vehikel für andere Dinge. Beispielsweise als Lehre von Sprache. Louise erklärt den Militärs und damit uns Zuschauern beispielsweise, warum es durchaus Sinn macht auf Schrift umzusteigen, wenn das Wort allein nicht weiterhilft, statt dass Sprache und Schrift verstehen zu wollen viel umständlicher wäre. Oder warum es viel schwerer als gedacht ist beim Satz „Was wollt ihr auf der Erde?“ anzukommen, wenn man von der gegenüberstehenden Kultur nichts weiß (haben die überhaupt konkrete Ziele statt animalische Instinkte, haben die überhaupt ein Konzept eines Selbst und eines Wir etc.). Das ist überraschend interessant umgesetzt und funktioniert natürlich nur, in dem Arrival seine Aliens möglichst… Alien macht. In dem es sie eben nicht humanoid gestaltet, oder ihnen eine Schrift gibt, die wie eine aussieht. Und in dem wir so gut wie nichts über sie herausfinden werden, zumindest nicht viel, sie bleiben halt anders und unbegreiflich, immerhin sind sie ja auch nicht der Hauptfokus der Handlung.

Überhaupt hält sich er Film mit vielen Erklärungen dezent zurück. Hier merkt man vielleicht auch, dass er auf einer Kurzgeschichte basiert. Denn weitestgehend hat der Film eine sehr gemächliche Gangart und lässt Szenen und Eindrücke wirken, sich alles langsam entfalten. Letztendlich geschieht über die 2 Stunden gar nicht mal allzu viel. Doch gleichzeitig erreichen Charaktere gewisse Durchbrüche und Erkenntnisse überraschend schnell. Und ohne viele Erklärungen. Was wahrscheinlich auch ganz gut ist, denn wenn die vagen Erklärungen noch weiter konkretisiert würden, ich glaub sie würden nur merkwürdiger und unglaubwürdiger werden, während sie in der Form, wie sie in Arrival präsentiert werden, leichter zu schlucken sind, weil man nicht zu genau Bescheid weiß.

Fieser Spoiler im folgenden Absatz: Irgendwann wird uns langsam klar, was diese seltsamen Eindrücke auf sich haben, die Louise von ihrer toten Tochter bekommt, sobald sie anfängt mit den Aliens zu kommunizieren. Der Film erwähnte bereits die Theorie, dass sich komplett mit einer Sprache zu umgeben, dies das Gehirn neu vernetzt, man sozusagen anders zu denken beginnt. Und die Aliens empfinden Geschehnisse nicht auf einer linearen Zeitschiene wie wir. Louise vergräbt sich in deren Sprache, und deswegen bekommt sie Visionen von der Zukunft. Ihre tote Tochter ist noch nicht mal geboren worden. Diese Erkenntnis trifft einen schon hart. Gleichzeitig ist es eine etwas schwerer zu schluckende Realität, dass sich mit einer Alien-Sprache zu umgeben schon ausreichen würde, damit das Hirn auf diese komplett unmenschliche Art und Weise funktionieren würde. Aber wie gesagt, Arrival erklärt nie zu sehr in die Tiefe, um auf sowas nicht noch unnötig aufmerksam zu machen.

Viel vom Film macht eben nicht nur die Sprachforschung an sich aus, sondern auch mitzuerleben, wie die taffe Louise mit der außerordentlichen Situation, in der sie sich befindet, und ihren späteren Erkenntnissen umzugehen lernt. Mit einem sehr bittersüßen Ende zur ruhigen und dennoch spannenden Reise durch die 2 Stunden. Hat mir echt gut gefallen.

Academy Weekend – Zootopia

Es ist mal wieder Oscar-Wochenende, und ich nutze die Gelegenheit als gute Ausrede, um letztjährige Gewinner zu schauen, damit auch mal was Aktuelles mit Prestige geschaut wird. Zootopia, der in Europa Zootropolis betitelt wurde, während Deutschland auf Grund eines bestehenden Copyrights ihn als Zoomania kennt, ist der Animationsfilm-Gewinner des Jahres. Ist ja auch von Disney, nicht umsonst wird gern kritisierend diese Rubrik als der Pixar-/Disney-Oscar bezeichnet, weil fast immer, wenn eine dieser Firmen antritt, sie den Preis sicher haben. Selbst wenn ein makelbehaftetes Brave gegen ein fantastisches Paranorman antritt.

Judy ist ein Hase mit einem Traum. In der modernen Welt, in der Tiere ihre wilden Ursprünge hinter sich gelassen haben und Herbivoren und Karnivoren friedlich zusammenleben, will das kleine Häschen eine Polizistin werden. Ein Traum, den keiner so richtig für voll hält. Aber wenn Judy schon sonst nichts ist, dann doch zumindest engstirnig, und so schafft sie es auf die Akademie und ist unter Auszeichnung der erste Hasenpolizist der Multikulti-Metropole Zootopia. Wo sie prompt erneut nicht für voll genommen, sondern als Politesse eingesetzt wird, statt wie alle anderen am Fall der verschwundenen Raubtiere zu arbeiten.

Wie der eine und andere sich anhäufende Zufall das so wollen, wird sie natürlich dennoch mit dem Fall betraut, allerdings darunter innerhalb von 48 Stunden Resultate zu liefern, oder ihren Job aufzugeben. Genau wie sie plötzlich den Fuchs Nick als Informanten und Helfer am Hals hat, der eigentlich ein betrügerischer Kleinkrimineller ist – weil das von hinterlistigen Füchsen halt so erwartet wird.

Es kommt letztendlich dabei rum, dass die verschollen gegangenen Tiere alle in ihre Urinstinkte zurückgefallen zu sein schienen, wild um sich schlagend und beißend. Wer wie ich denkt das läuft auf eine Tollwut-Epidemie oder so heraus, täuscht sich übrigens, denn natürlich hat ein Fiesling im Hintergrund einen Masterplan zu bieten, um Panik zu schüren und unter dem Versprechen eines Mauerbaus Präsident der Vereinigten Staaten zu werden oder so.

Zootopia war ein sehr angenehmer Film. Die Charaktere und Situationen sind zwar weitestgehend bekannt, aber es ist doch eine sehr rasante und kurzweilige Buddy Cop Comedy gewesen. Bestechend durch viele tatsächlich witzige Sprüche, spitzfindige Charaktere, und Situationen in gut getimter Animation. Besonders tiefgründig ist er allerdings nicht gewesen.

Der Film hat generell gesehen zwei Messages. Zum einen diejenige, die für Kinderfilme ziemlich obligatorisch ist, nämlich an sich und seine Träume zu glauben, wer nicht aufgibt kann alles schaffen. Das ist natürlich nicht immer wirklich realistisch, sondern man muss auch mal wissen, wann man besser aufzugeben hat, aber Kinder zu motivieren Dinge auszuprobieren und nicht bei der ersten Hürde gleich aufzuhören, ist natürlich nicht falsch. Das andere Thema ist Intoleranz. Zootopia als Stadt wird gefeiert, weil es so Multikulti ist. Die Charaktere, auch Judy, müssen über ihre Vorurteile anderen Tieren gegenüber hinwegkommen. Der ganze Plan des Bösewichtes ist Panik über alte Urinstinkte zu schüren. Die Sache ist nur die, dass Zootopia das auf die vagste und unverbindlichste Art und Weise unterbringt, die nur möglich ist.

Dadurch kann letztendlich jeder alles oder nichts in diese Botschaft hineinsehen. Ist Panik über Rassismus zu schüren eine Parabel zum Erstarken rechter Politik der letzten Jahre? Ist Judy eine feministische Ikone als Frau, die sich in einem Männerberuf durchsetzt? Ist die Multikulti-Gesellschaft ein Kopfnicken zur Flüchtlingsthematik? Genauso gut kann jemand, wenn er denn will, allerdings auch bei den Vorurteilen den Raubtieren gegenüber sehen, dass ihn als Alt-Right oder AfD-Wähler direkt als Neo-Nazi abzustempeln falsch ist. Es ist klar, warum Zootopia seine Botschaft nie zu klar definiert, denn der Film will Mainstream-tauglich bleiben. Nicht zuletzt ist beispielsweise die Szene mit den Nachrichtensprechern regional angepasst. Und einer der größten Erfolgsmärkte des Filmes (und von Hollywood-Blockbustern generell in den letzten Jahren) ist China weitaus über beispielsweise Europa gewesen. Möglichst jeden ansprechen und niemanden vor den Kopf stoßen zu wollen zahlt sich also aus.

Komplett negativ muss das auch gar nicht betrachtet werden. Vielleicht ist es ja sogar ganz gut, dass sich jeder hier wiederfinden kann, jedem etwas Mut zugesprochen wird, der unterschätzt und stereotypisiert wird. Etwas mehr Klarheit und Biss wäre aber dennoch schön gewesen für einen Oscar-Gewinner. Doch unterm Strich ist Zootopia natürlich immer noch ein Kinderfilm, von dem man eventuell nicht zu viel erwarten sollte, und als solcher auch ein sehr gut unterhaltender Ritt durch seine Spielzeit. An launigem Unterhaltungswert zum Familienabend fehlt der dem Teil nämlich definitiv nicht.

Academy Weekend – Mad Max: Fury Road

ava-2139Die Academy hat sich Jahrelang vorwerfen lassen müssen, nicht sonderlich viel mit der Realität und was in ihr so beliebt ist zu tun zu haben. Dem steuern sie mittlerweile gern entgegen, in dem auch mehr auf Action und Spektakel ausgelegte Filme reichlich nominiert werden. Beispielsweise der vierte Mad Max, der satte 10 Nominierungen bekam, damit nur knapp hinter The Revenant lag, und mit 6 gewonnenen bei den eigentlich erhaltenen Statuen sogar deutlich vor jenem liegt.

Als Disclaimer gleich zu beginn, sollte ich wohl erwähnen, dass ich keinen der anderen drei Mad-Max-Filme aus den 80ern gesehen habe, weil mich die nie wirklich interessierten. Aller Lobeshymnen zum Trotz hätte ich wohl ohne diese alljährliche Ausrede auch Fury Road eher links liegen lassen. Bin aber dann doch sehr froh, dass ich dies nicht getan und stattdessen The Martian oder so geschaut habe (der Verlierer des Abends schlechthin, denn trotz einiger Nominationen räumte er exakt Null davon ab).

Die postapokalyptische Zukunft, in der die Welt zu einer Wüste geworden ist. Der tyrannische Immortan Joe regiert über sein Fleckchen Erde, weil er am Hebel für die in den Bergen eingeschlossenen Wasserreserven steht, zudem seine kränklichen und ihm fanatisch unterstehenden War Boys mit Blutspendern versorgt, durch die sie am Leben gehalten werden. Außerdem wählt sich Joe immer mal wieder eine Hand voll Ehefrauen aus, die von ihm geschwängert werden und anschließend als Muttermilch-Spender dienen dürfen.

Imperator Furiosa stammt ursprünglich aus Dem Grün, eine von Frauen regierte Oase, aus der sie allerdings entführt wurde. Mittlerweile ist sie zu einer von Joes besten Untergebenen herangewachsen und wird mit einem War Rig auf Vorratsbeschaffung geschickt. Damit sieht Furiosa ihre Gelegenheit gekommen, um aus der Citadel zurück zum Grün zu entkommen – mit den aktuellen fünf Frauen Joes, die ihre Kinder nicht als War Boys aufwachsen sehen wollen, direkt gestohlen im Gepäck. Joe schickt natürlich unweigerlich, sogar von ihm selbst angeführt, eine ganze Kompanie an von seinen War Boys besetzten Fahrzeugen aus, um sie aufzuhalten und seine Frauen zurückzugewinnen.

Ach ja, und irgendwo dazwischen hängt ein unwichtiger Typ mit Namen Max, den sich ein War Boy als ständiger Blutspender wie eine Galionsfigur an sein Vehikel pappt, und der nachdem er entkommen konnte Furiosas War Rig übernehmen will, letztendlich aber mit den sechs Frauen zusammen auf der Flucht vor Joe darin landet.

Mad Max: Fury Road ist ein absolut abgedrehter und irrsinniger Film. Ein Nonstop Action-Spektakel fast komplett ohne Verschnaufpause. Wenn unter dröhnender Musik Furiosa in ihrem War Rig auf einen Sandsturm zubraust, direkt hinter ihr diverse gepimpte Trucks und Motorräder, die Flammen aus dem Auspuff speien, von manisch schreienden Kerlen mit Brandings besetzt sind, und Immortan Joe seine eigene Metal-Band mitfahren lässt, um für Stimmung zu sorgen. Es wird gefahren, es wird geschossen, waghalsige Manöver, Explosionen. Schnelle Schnitte, und insgesamt ein Look, der fast an Heavy-Metal-Comics erinnert. Was ein Spektakel, was eine Gaudi. Mad Max: Fury Road macht keine falschen Andeutungen irgendwas außer ein extrem launiger Action-Streifen zu sein. Und es ist eine verdammte Leistung, diese Adrenalin und diese Energie für 2 Stunden Film halten zu können, ohne dass man bei der konstanten Brachial-Action nicht irgendwann abzuschalten beginnt.

Was nicht bedeutet, dass Fury Road nicht dennoch den einen oder anderen kurz gehaltenen ruhigen Moment findet. Und das unter extrem stilsicherer Cinematographie. Wenn es in der Nacht mit gedrosseltem Tempo durch die von Krähen besetzten Sümpfe geht, oder Furiosa in den Windgespeitschten Dünen den Frust von sich schreit. Natürlich gibt es hier unterschwellige Themen, allen voran offensichtlich Frauenpower sowohl in Furiosa, ihrem Stamm, aber auch den erstaunlich toughen Ehefrauen. Das finden einer Heimat in dieser gestorbenen Welt ist eine große Charaktermotivation, genau wie Rache und Sühne. Max bleibt nicht komplett Randcharakter, auch wenn das hier eher Furiosas Geschichte ist, denn auch er, heimgesucht von den Geistern seiner vorigen Fehler, macht einen Wandel durch von einem Kerl, der nur ums Überleben kämpft, zu einem, der den sechs Frauen aushilft um seine Fehler zu sühnen.

Von daher ist es nicht so, dass es nicht einen oder zwei kleine Denkansätze in Mad Max: Fury Road gäbe. Aber all dies wird einem nie mit dem Zaunpfahl eingetrichtert, sondern läuft ganz organisch nebenbei mit, während der Groß des Filmes damit zufrieden ist einem richtig schön dumm-unterhaltsame Action zu bieten. Und ich war letztendlich keine Sekunde dieser 2 Stunden nicht voll und ganz unterhalten. Fury Road ist einer der absolut besten Filme seines Genres.

furyroad

Academy Weekend – Room

ava-2138So einer der drei Slots pro Jahr muss irgendwie dann doch an einen Film gehen, der unter den mittlerweile entstandenen Begriff „Oscar Bait“ fällt. Sprich was, bei dem man sich schön schlau und gebildet fühlen kann, weil man gehobenere Unterhaltung geschaut hat. Getroffen hat es dann doch nicht The Danish Girl, sondern stattdessen den für vier Trophäen nominierten und eine für beste Hauptdarstellerin gewonnenen Room.

Der ist ziemlich genau in zwei Hälften von jeweils einer Stunde unterteilt. In der ersten sehen wir das ganz normale Leben von Jack und seiner Mutter Joy, häufig unter der inneren Narration von Jack, der uns freudig die Dinge in seiner kleinen Welt erklärt. Und klein ist seine Welt auf jeden Fall, denn sie besteht lediglich aus „Raum“. Denn Joy ist ein Entführungsopfer, die mit 17 von einem Kerl in sein Auto gezogen und dann in dessen Schalldicht versiegelte Gartenhütte gesperrt wurde. Dort kommt er zu je einem nächtlichen Sexualakt vorbei, und lässt sich ansonsten eigentlich nur noch Sonntags blicken, wenn er den wöchentlichen Einkauf der nötigsten Überlebensvorräte und ein einzelnes Goodie als „Belohnung“ für Joy mitbringt. Die einzige Freude in Joys Leben ist der nach zwei Jahren aus jenen regelmäßigen Vergewaltigungen entstandene Jack.

Jack hingegen kennt ja gar kein anderes Leben, gar keine andere Welt, außer „Raum“. Und als so junges Kind, das auch noch so benachteiligt eingeschlossen aufgewachsen ist, hat er auch gar nicht die mentalen Kapazitäten, die Situation groß zu hinterfragen oder den wahren Horror des Daseins von seiner Mutter und ihm zu realisieren. Und so ist Jack durchaus weitestgehend glücklich in seiner kleinen Welt.

Zumindest bis seiner Mutter dann doch ein Plan einfällt, um eventuell aus dem Raum zu entkommen. So zu tun als wäre Jack krank hilft erst mal nichts, der Entführer bringt nur mehr Medizin vorbei, statt den Jungen ins Krankenhaus bringen zu wollen. Dann wiederum hat sie Jack auch nie eine Bindung mit seinem biologischen Vater eingehen lassen, was zum einen verständlich ist, damit der nicht das letzte bisschen Glück in ihrem Leben verderben kann, aber natürlich auch nicht jetzt dabei hilft, den Kerl Empathie für den Jungen entwickeln zu lassen. Also rollt sie Jack in einen Teppich ein und tut so, als wäre der Junge gestorben. Und jetzt ist der Kerl netterweise blöd genug, dies nicht zu prüfen, sondern den stillhaltenden Jungen mitsamt des Teppichs auf seinen Truck zu laden, um ihn zu begraben.

Nachdem Jack entkommen ist und auch der Aufenthaltsort seiner Mutter gefunden und Joy befreit werden konnte, geht es in die zweite Hälfte des Filmes.

Jetzt müssen die beiden sich mit dem Leben außerhalb des Raumes akklimatisieren. Joy sind immerhin 7 Jahre ihres Lebens genommen worden. Sie war eine Schülerin, als sie entführt wurde, jetzt ist sie eine erwachsene Frau mit Kind. Sie hat keine Bindungen mehr zu den zurückgelassenen Menschen, ihre Eltern haben sich über den Schmerz der verlorenen Tochter voneinander geschieden, und sie selbst leidet an Depressionen, obwohl sie nach der Flucht doch glücklich sein sollte. Jack hingegen kennt das Leben außerhalb von „Raum“ gar nicht. Die vielen Dinge, die man unternehmen kann, die Hektik auch überall sein und Dinge erledigt bekommen zu müssen, die vielen Menschen, einfach alles ist neu und unbekannt. Und die Öffentlichkeit möchte über die Sensationsgeile Presse natürlich auch ihren Teil an der Geschichte haben.

Ich muss sagen, dass ich die erste Hälfte des Filmes insgesamt besser fand, als die zweite. Das sehr beengte aber auch sehr persönliche Dasein im Raum der beiden miteinander, sowie die Flucht und ob sie denn funktionieren wird, ist einfach interessanter gegenüber dem sich dann öffnenden Film mit mehr Charakteren und Lokalitäten und Komplikationen. Dem fehlt etwas die Intimität der ersten Hälfte, auch wenn es natürlich nur der logische nächste Schritt in der Geschichte ist, und man sich wahrscheinlich etwas betrogen fühlen würde, wenn nach der Flucht ein „und dann lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende“ den Film abrupt beenden würde.

Der Oscar für Brie Larson in der Rolle der Joy ist jedenfalls verdient. Und auch Jacob Tremblay als Jack ist richtig gut. Immerhin ist es selten genug, dass ein Kinderschauspieler auch wirklich gut schauspielern kann, und deren Rolle auch noch so geschrieben wurde, dass sie nicht kolossal nerven. Als einer von zwei sehr zentralen und im ersten Teil gar einzigen Figuren war das schon wichtig, und Tremblay spielt fantastisch.

Viel mehr bleibt glaub ich nicht zu sagen, ist schon ein packendes und gut geschauspielertes Drama mit einer sehr starken finalen Szene und einer tollen ersten Hälfte. So ganz klicken tun die Art-Festival-FIlme mit mir nur immer nicht ganz, auch wenn ich sie zu sehen nie vollends bereue. Mich immer mal wieder mit einem auseinander zu setzen ist sicherlich keine schlechte Idee, auch wenn ich nie so viel zu ihnen letztendlich zu sagen habe.

room2015

Academy Weekend – Inside Out

ava-2137Ein weiteres Oscar-Event rückt dieses Wochenende näher, und traditionell nutze ich die Chance, um drei Vorjahres-Gewinner zu begutachten, die ich ohne diese selbst auferlegte Ausrede entweder wahrscheinlich nie geschaut hätte, oder aber obwohl ich sie schauen wollte, dies bisher nicht hinbekommen hatte. Den Anfang macht der Gewinner des Best Animated Feature. Nur ein Gewinn, weil nachdem Beauty and the Beast fast den Best Feature 1992 von „richtigen“ Filmen gestohlen, für 6 nominiert und 2 auch gewonnen hat, anschließend für die Animationsfilme dieses kleine Ghetto geschaffen wurde, damit sie was gewinnen können, ohne „echten“ Filmen ihre Oscars wegzunehmen, und somit in der Regel auch nur diesen einen gewinnen dürfen.

Außerdem ist es ein Film von Pixar. Aber weder jenes Studio noch der Gewinn sollen jetzt wahnsinnig viel bedeuten, denn die drei Filme davor waren jetzt alle nicht der Renner, darunter sogar ein weiterer Oscar-Gewinner. Und nein, ich werde nie verstehen wie Brave die Statue gewinnen konnte, schon gar nicht gegen Paranorman laufend.

Aber hey, nach 5 Jahren beweist Pixar, dass sie doch noch richtig gute Filme machen können! Wenn man also total übersieht, dass deren nächstes Projekt ein weiterer Cars ist und der total schrecklichen Idee eines Toy Story 4 nachgegeben wurde, kann man zunächst erst Mal durchaus freudig sein.

Übrigens beweist Pixar mal wieder seine Wurzel als Produzent von echt guten Kurzfilmen. Denn die ersten 7 Minuten von Inside Out könnten total als ein kurzer, fast ohne Gesprochenes auskommender, Kurzfilm durchgehen, der genau an seiner Pointe endet. Aber der Film geht weiter, und zunächst war ich mir nicht sicher, ob nun die Idee das Gefühls-Innenleben eines Teenagers in dessen Kopf zu zeigen, wirklich für 90 Minuten ausreichen würde, oder ein Kurzfilm nicht eben genau die beste Wahl gewesen wäre.

Zum Glück ist der Film weit davon entfernt, ewig durchgekaute Klischee-Witze über das Gefühlschaos in der Pubertät und die distinkte Denkweise von Frau vs. Mann vorzukäuen, auch wenn die Werbung mit der Szene beim Abendessen dies befürchten lassen würde. Denn genau genommen ist Riley noch gar nicht in der Pubertät. Das eigentliche Problem ist, dass die Familie von Minnesota nach San Francisco umzieht, und weitere Probleme eben das Innenleben des Mädels ordentlich durcheinander bringen.

Gerade das Gefühlsleben an sich spiegelt dabei sehr schön die Entwicklung des menschlichen Geistes wieder. In besagtem Anfang, die erste Emotion des Babys ist Freude, erst danach kommen langsam die anderen Gefühle Kummer, Angst, Ekel und Wut hinzu. Die alle scheinbar eine wichtige Rolle zu füllen scheinen, Angst beispielsweise beschützt auch vor Gefahren, nur Kummer ist nutzlos. Und durch die Kindheit hindurch dominiert Freude, die anderen sind nur Zaungäste. Aber so einfach ist das Leben eben nicht, und irgendwann kann man auch nicht weiter so tun, als wäre immer alles Ok. Wenn man langsam aus den Kinderschuhen herauswächst bekommt man auch mehr von der Welt mit, reflektiert mehr. Und so ist ein wichtiger Punkt des Filmes das Riley durch die Figur der Freude zu akzeptieren lernt, dass es durchaus in Ordnung ist auch Kummer zu empfinden. Auch diese Emotion kann helfen. Und letztendlich ist es ein ausgewogenes Miteinander, welches wirklich im Leben gebraucht wird. Der Mix der Gefühle offenbart eine viel größere und expandierende innere Welt gegenüber den einfachen aber auch beschränkten Gefühlen eines Kleinkindes.

Gleichzeitig dürfen aber auch ihre Eltern lernen, wie sehr man sein Kind doch emotional durch unbedarft gewählte Worte belasten kann, obwohl dies gar nicht gewollt oder bewusst wahrgenommen wird. Und der Grundpfeiler der Familie ist der, der in Rileys zusammenbrechender Innenwelt am längsten und festen steht, und der beim Wiederaufbau hilft. Und gerade jener zunächste Zusammenbruch, wenn die ersten Persönlichkeitsinseln sinken und Kindheitserinnerungen der Vergessenheit anheim fallen, das Imaginationsland von Neuem plattgewalzt wird… dann passiert etwas, was zuletzt Toy Story 3 geschafft hat. Dann weckt der Film nämlich bei der älteren Generation etwas Kummer und Nostalgie. Das ganze hat schon fast einen Michael Ende Einschlag an verlorener Kindheitsunschuld und Fantasie. Ein Mensch wächst und verändert sich emotional, gerade beim Heranwachsen, alte Interessen weichen neuen, dies ist ganz normal, aber ein wenig schade ist das, was man für immer hinter sich lässt, dann irgendwo doch.

Zwischen alldem gibt es zudem ein buntes Farbenspiel, quirlige Animationen, sitzender Humor, und ein Action-reiches Spektakel. Alles gut und schön, aber Inside Out bietet eben darüber hinaus mehr, weiß richtig Emotionen beim Zuschauer hervorzurufen, und das ist, was ihn letztendlich so richtig gut macht. Im Gegensatz zu Brave definitiv kein unverdient gewonnener Oscar.

insideout

Academy Weekend – Grand Budapest Hotel

ava-1973Grand Budapest Hotel gehört zusammen mit Birdman zum großen Abräumer der Academy Awards im letzten Jahr, denn beide hatten ganze 9 nominierte Kategorien, gewannen davon 4. Birdman schnappte sich davon zwei der großen (Best Picture und Best Director), Grand Budapest Hotel hingegen musste „nur“ mit den audiovisuellen Nebenkategorien wie Best Original Score, Best Production Design, Best Costume Design und Best Hair & Makeup vorlieb nehmen.

Grand Budapest Hotel ist so ziemlich Quirky: The Movie, was nicht weiter verwundern sollte, immerhin ist er von Wes Anderson. Und ich meine hier übrigens das gefällige und charmante quirky a la Pushing Daisies, nicht das nervtötend Hipster-ige wie in Zooey Deshanel.

Jedenfalls ist es eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Und zwar starten wir mit einem Mädel, welches das Buch, betitelt Grand Budapest Hotel, eines verstorbenen und berühmten Autors ihres Landes zu lesen beginnt. Und prompt springen wir zum Autor als Erzähler, aber nur kurz, denn auch er erläutert uns nur, dass er als junger Mann im damals bereits heruntergekommenen Grand Budapest Hotel abgestiegen ist, wo ihm dessen Inhaber von dessen Jugend als Bell Boy Zero unter dem verqueren Leiter Monsieur Gustave gearbeitet hat.

Der war ein gepflegter, diskreter, und launiger Chef, der gerne mal den reichen älteren Damen, die im Hotel einquartiert waren, dienlich war. Bis eine davon starb, ihm ein berühmtes und unbezahlbares Gemälde vermachte, was ihren Kindern mal so gar nicht gefiel. Und schon sieht sich Gustave vor der Anklage die alte Dame umgebracht zu haben, und Zero muss einen Plan ausarbeiten, wie man ihn aus dem Gefängnis holt. Plus dann quer durch das fiktive europäische Land zu fliehen, sowohl vor der Polizei, sowie den Erben der Alten, als auch dem nahestehenden Krieg.

Klingt nicht nach viel, was auch so hinkommt, denn Grand Budapest Hotel ist ein Film, in dem viel passiert, welcher an Haupthandlung allerdings relativ simpel ist. Viel Quirk wenig Content sozusagen. Das macht auch gar nichts wenn das Gezeigte so gut unterhält wie hier. Das gute Schauspiel, die schnittigen Dialoge, der schnelle Szenenschnitt, die vielen Farben, die Exzentrik, all dies gibt dem Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen, sondern treibt einen auf der humorigen Welle durch den Film, bis er sich seinem Ende neigt und dann nach all der Abgedrehtheit plötzlich doch noch überraschend ruhige Töne anschlägt. Denn Grand Budapest Hotel ist auch ein Film über eine längst vergangene Zeit. So bunt und schnell und launig die quirligen Abenteuer von Zero und Gustave in den 1930ern sind, so sehr macht der Rahmen um sie herum eben auch klar, dass jene Zeit der Vergangenheit angehört, packt den Film in doch relativ melancholische Anfangs- und Endminuten. Die Geschichte lebt nur noch in nüchternen Worten in einem Buch weiter, geschrieben von jemandem, der sie selbst erst erzählt bekommen hat, als das berühmte Hotel bereits seine Glanzzeiten lange hinter sich hatte.

Von daher findet der Film dann auch mal kurz seinen Ruhepol nach all den vielen Charakteren, den schnellen Dialogen, den sich zuspitzenden Ereignissen. Ein nettes Kontrastprogramm zum Ausstieg aus der Achterbahn, die Grand Budapest Hotel ansonsten aufzufahren weiß.

grandbudapest

Academy Weekend – The Theory of Everything

ava-1972The Theory of Everything war ganz gut dabei in den letztjährigen Oscars, hatte er doch 5 Nominierungen, darunter auch drei der großen: Best Picture, Best Actor und Best Actress. Gewonnen hat dann aber doch nur Hauptdarsteller Eddie Redmayne, der auch dieses Jahr wieder nominiert ist. Den kannte ich ja bisher nur als den blassen Kerl auf Les Miserables, der eher modeln statt schauspielern sollte, was aber sicherlich auch seiner Rolle geschuldet war, Marius und Collette sind so ziemlich die langweiligsten Charaktere in der Geschichte.

The Theory of Everything ist die Biographie von Stephen Hawkings, zumindest geht der Film zurück auf das von seiner Ex-Frau geschriebene Buch Travelling to Infinity: My Life with Stephen. Was sicherlich auch erklärt warum der Film tatsächlich weniger das gesamte Leben von Stephen Hawkings abdeckt, sondern beim Treffen auf seine erste Frau einsteigt, über deren Romanze und Ehe geht, und im Prinzip wenn die Scheidung bevorsteht endet. Sein akademisches Leben wird relativ beiseite gelassen, es geht hier um seine große Liebe zu Jane.

Die haben sich nämlich in 1963 auf der Uni getroffen. Er als der abgeklärte Physikstudent, der die eine Antwort auf alle Fragen des Universums entdecken will, und sie als Sprachstudentin, die an Gott glaubt. Und dennoch funkt es, ganz gewaltig sogar. So sehr, dass sie sich auch nicht abschrecken lässt, wenn bereits sehr früh im Film (30 Minuten in die 2 Stunden Laufzeit), Stephen zusammenbricht und die Diagnose kommt: Noch zwei Jahre zu leben, und ein kontinuierlicher Verfall aller körperlichen Funktionen, bis sein geniales Hirn in einer sich nicht verständlich machen könnenden Hülle gefangen sein wird.

Und die beiden sind starke Personen. Sowohl sie, die sich um ihren kranken Mann, den Haushalt, und die kommenden drei Kinder kümmern muss, obwohl die Überforderung droht, und natürlich auch er, der nie aufzugeben scheint, sondern sein Leben mit scharfem Verstand und geistreichem Humor weiter lebt. Sich zu haben scheint ein Hauptgrund zu sein, warum Stephen Hawkings es schaffte weiter zu machen, weit über das gehen konnte, was ihm die Ärzte zunächst prognostizierten.

Es ist ein sehr rührender und sehr schöner Film geworden. Und auch einer, bei dem die Schauspieler wirklich alles geben, kein Wunder das beide Hauptrollen für die Oscars nominiert waren. Redmayne hat natürlich den „Krüppel-Bonus“ gehabt, es ist nicht umsonst ein gewisser Gag, dass man immer für einen Oscar gut ist, wenn man eine Randgruppe oder jemand Kranken spielt. Aber ja, obwohl sich der Film um Stephen Hawkings dreht, wirkt er nie erdrückend, weil es weniger um seien Krankheit per se geht, sondern um sein Leben mit seiner ersten Frau, in der jene natürlich eine Rolle spielt, aber sie bleibt nicht der Fokus des Filmes.

Jedoch, obwohl mir der Film gut gefallen hat, und ich zunächst mit einem sehr positiven Gefühl hervorgegangen bin, fiel mir retrospektiv auf, dass es vielleicht doch etwas seltsam ist, dass er so ruhig ist. Das ist durchaus auch ein Grund, warum er mir gefallen hat, doch bei aller britischer Zurückhaltung ist es schon etwas seltsam, dass er nie so wirklich richtig dramatisch wird. Man hat ein wenig das Gefühl die Macher hatten Angst davor, Stephen Hawkings auch nur im kleinsten negativen Licht zu zeigen. Dafür das wir hier die Dekaden der Beziehung der beiden miterleben, und dafür das die Situation so extrem war, entladen sich Spannungen bei ihnen nie. Der Hawkings im Film lässt nie Frust ob seiner Krankheit an seiner Familie aus, wird nie wirklich auch nur launisch, oder ist abgeneigt wenn Jane plötzlich den jungen und attraktiven Kerl als Familienhilfe einspannt. Jane sieht man die Überforderung und den Unmut durchaus mal an, doch auch aus ihr bricht es nie wirklich hervor, und sie sagt auch nix gegen Stephens attraktive Assistentin. Beide lassen einander am Ende des Filmes zu ihrer jeweils neuen Liebe weiterziehen und verbleiben gute Freunde. Nur einen einzigen Moment im Film droht ernsthaft ein Konflikt loszubrechen, nämlich wenn Stephens Eltern fragen, ob das dritte Kind nicht von der Hilfe ist, was aber sofort abgeblockt und nie wieder erwähnt wird.

Von daher war es im Nachhinein einfach etwas seltsam, dass der Film bei seiner Thematik nie wirkliches Beziehungsdrama bietet, sondern alle doch ein wenig zu nett und verständnisvoll miteinander umgehen. Das ist aber wirklich etwas, was mir erst anschließend irgendwie aufgefallen ist. Solange der Film lief war ich voll auf seinen angenehmen Vibes am Schwimmen und dachte da gar nicht dran, von daher fiel es auch nicht wirklich negativ auf.

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Academy Weekend – Big Hero 6

ava-1971Und wieder Mal ist Oscar-Wochenende, Mensch wie schnell die Zeit vergeht. Auch dieses Jahr schaue ich mir drei Filme an, die letztes Jahr gewonnen haben, weils eine gute Ausrede ist was zu schauen, was ich nicht oder so schnell sonst nicht geschaut hätte. Den Anfang macht Big Hero 6 von Disney, der von den drei am wenigsten gewonnen hat, was aber ganz normal ist, da Animationsfilme eben nur in Best Animated Feature gewinnen können, höchstens noch einen zweiten in Best Orignal Song.

Und oh shit bin ich froh die Ausrede gehabt zu haben, den Film nicht weiter vor mir herzuschieben, denn Big Hero 6 macht fast das Jahr 2012 wett, als das meh-ige Brave es irgendwie schaffte den Oscar vom fantastischen ParaNorman zu stehlen!

Der Film spielt in einem San Francisco, welches komplett von Chinatown assimiliert ist, sprich alles hat ganz modern einen asiatischen Einschlag bekommen. Hier lebt der 14-jährige Hiro mit seinem großen Bruder und der Tante, die die Jungs nach dem Tod der Eltern aufgenommen hat. Hiro ist ein Genie, aber altersbedingt natürlich viel zu möchtegern-cool und gelangweilt um daraus was zu machen, sondern lässt selbstgebaute Roboter lieber in illegalen Wettstreits kämpfen. Bis sein tatsächlich cooler Bruder Tadashi ihm sein Unilabor zeigt, in dem er mit Mitstudenten interessante Experimente tätigt, statt der langweilige Nerd zu sein, den Hiro erwartete, darunter seine neueste Errungenschaft, den Krankenpflege-Roboter mit der knuddeligen Marshmallow-Optik Baymax.

Es kommt wie es kommen muss, und kaum hat sich Hiro darauf eingeschossen auch auf die Uni zu müssen und aus seinem Leben was zu machen, mit ganz viel Unterstützung von Tadashi und Co., stirbt Tadashi bei einem Unfall. Und Baymax sieht es in seiner Programmierung liegend, den trauernden Teenager zu heilen. Als Hiro dann aber entdeckt, dass der Brand in dem Tadashi ums Leben kam eventuell gar kein Unglück war, hat er mit der Suche nach dem Übeltäter sowieso wieder ein neues Ziel vor Augen, für das er auch bereitwillig in der Programmierung von Baymax rumpfuscht.

Big Hero 6 ist vorhersehbar. Das kann man echt nicht leugnen. Es ist sofort klar was mit Tadashi passieren wird. Wer der Rote Hering und wer der wahre „überraschende“ Bösewicht sein wird. Es ist klar, was Hiro mit Baymax machen, wie sich deren Beziehung gestalten, und welche Moral gelernt werden muss. Die Freunde und werdende Superhelden-Team um Hiro sind die üblichen Archetypen, mit einem Stoner, einer Hyperaktiven, einem Trottel und Miss Cool. Big Hero 6 hält keine wirklichen Überraschungen bereit, wenn man dem Zielpublikumsalter bereits etwas entwachsen ist.

Und das ist ziemlich egal wenn das Produkt Astro Boy meets Totoro dabei so rund und herzig ist. Baymax ist natürlich der wahre Star des Filmes, mit seinen sympathischen Voice Samples und knuddeligen Art kann man den Helferbot einfach nicht nicht lieb haben. Aber wie gesagt sind auch Tadashis Freunde und die Tante sehr sympathische Gesellen. Die Dynamik in der Charakterkonstellation stimmt einfach.

Allgemein könnte dies hier gut ein Film von Studio Ghibli oder Pixar in ihren jeweils bessern Zeiten gewesen sein. Wir haben sowohl viele herzige wie traurige Charaktermomente, dazu aber auch viel extrem schwungvolle Action und ein absolut stilsicheres Design. Und eben ein wenig Tiefgang, letztendlich ist es selbstredend die Haupt-Charakter-Arc von Hiro über den Verlust des verstorbenen Tadashi hinweg zu kommen, statt wie der Antagonist sich von der daraus resultierenden Wut zerfressen und bestimmen zu lassen. Ich fand den Film ja von Anfang an echt launig und charmant, aber die finale halbe Stunde hat mich dann zusätzlich noch positiver als eh schon zurückgelassen.

Ich fand Big Hero 6 mal so richtig geil. Ein absolut runder Film voller witziger Dialoge, dynamischer Action, buntem Design, aber eben auch mit Charakteren und ernsten Momenten und einer Message. Das ist Familienunterhaltung, wie sie sein muss. Weiter so Disney, ihr seid ja doch wieder zu was gut.

bighero

Academy Weekend – Gravity

ava-1773Gravity ist sicherlich die große Überraschung der Academy Awards 2014 gewesen. Wer hätte gedacht das sich eine so auf vordergründige hoch-budgetierte Effekte und Massenmarkt setzende Produktion gegen die beiden Außenseiter-Dramen durchsetzen kann. Denn mit 10 Nominationen (davon die drei großen) hatte er nicht nur davon die meisten, nein er räumte mit 7 Oscars auch mit deutlichem Vorsprung die höchste Zahl der Trophäen ab: Beste Regie (damit sind die drei großen Awards auf die drei besprochenen Filme verteilt), Kamera, Schnitt, Musik, Spezialeffekte, Tonschnitt und Tonmix. Ganz im Gegensatz zu American Hustle, der gleichauf stand in der Nominationsanzahl, aber als großer Verlierer des Abends nicht einen bekam.

Dr. Stone ist auf ihrem ersten Flug ins All und dabei das Hubble Teleskop zu reparieren. Doch die Russen haben einen ihrer Satelliten abgeschossen, dessen Bruchstücke nun eine Kettenreaktion ausgelöst haben, andere zerstörten und somit jede Menge für die drei Astronauten gefährlicher Müll im Erdorbit hin und her rast. Sprich Houston lässt sie die Arbeit sofort abbrechen und zum Schiff zurück schweben, doch es ist bereits zu spät, sie werden getroffen, einer stirbt sofort, Stone driftet einsam ins All davon.

Doch da hat sie die Rechnung ohne den erfahrenen Kollegen Kowalski gemacht, der sie einsammeln kommt, die beiden zusammen ankert, und sich dann auf den Weg zu einer Station und hoffentlich damit einhergehenden Weg per Rettungskapsel gen Erde macht, bestenfalls bevor ihm der Saft oder Stone der Sauerstoff ausgeht.

Gravity ist ein enorm simpler und eng gesteckter Überlebens-Thriller und als solcher auch extrem effektiv. Ja sicher, die Dialoge sind stereotyp – Kowalski ist der Charmeur und über Stone finden wir prompt heraus, dass sie eine tote Tochter hat, damit sie am Ende drüber weg kommen und ihren letzten Überlebenswillen unter Pathos von Kowalski zusammenreißen kann. Doch das stört wenig, denn viel von Information geredet wird ansonsten nicht. Es sind nur die beiden, lange Zeit sogar nur Stone selbst, die versuchen in der absolut desolaten Einsamkeit des Alls zu überleben, während in einem Paradebeispiel von Murphys Gesetz quasi im Minutentakt was neues um sie schief geht.

Und wie fulminant das aufgezogen ist! Gravity ist einer der wenigen Filme, bei denen ich es ein wenig bereue, ihn nicht auf der großen Kinoleinwand gesehen zu haben. Und der einzige, den ich wohl tatsächlich gern mal in 3D schauen würde. Denn Gravity verkauft sein Setting enorm gut. Die Einsamkeit, Desorientierung aber auch Schönheit des Alls kommt wirklich gut rüber, während Mensch und Maschine dort verloren oder mit Ziel um die Erde kreisen, hier mit enormer kinetischer Energie was vorbei rast oder auseinander fällt, dort ein neuer Gefahrenherd aufbricht, oder auch einfach nur die schier endlose zu überbrückende Einsamkeit zum nächsten Strohhalm sich auftut. Und dabei tatsächlich komplette Stille im All, abgesehen von dem, was unsere Charaktere sagen, und dem Stimmung unterstreichenden Score.

Tatsächlich haben mich die 90 Minuten Gravity super unterhalten, und es ist mein liebster Film der drei dieses Wochenendes geworden. Und das, obwohl er der normalste und filmischste der drei ist, so verdiene ich mir nie meine Street Creds!

gravity