Ant-Man and the Wasp

Am Wochenende war Open-Air-Kino angesagt, welches mit Ant-Man and the Wasp nicht nur seine dies-sommerliche Öffnung beendete, sondern auch die Aufführungsrunde des Filmes abschloss. Wird ja mittlerweile auch etwas kalt dafür, sich unter freiem abendlichen Himmel auf Holzbänken den Hintern wund zu sitzen.

Unglaublich, dass dies schon der zwanzigste Film in Marvels Cinematic Universe ist, und dies gar nicht (Marvel) Superheldenfilme einschließt, die nicht dazugehörig sind, jedoch zur gleichen Zeit rauskommen, wie die Deadpools oder den kommenden Venom. Zuletzt habe ich mich tatsächlich in 2015, zur Zeit der Kinoaufführung des ersten Ant-Man, mit denen beschäftigt und mich durch die sogenannte Phase 2 geschaut. Dazwischen habe ich jetzt sieben Filme der Phase 3 verpasst, bis wir bei Ant-Man and the Wasp angekommen sind.

Deswegen hat mir zu Beginn auch direkt etwas Kontext gefehlt, da Scott Lang nun ohne Ant-Man-Anzug unter mehrjährigen Hausarrest wegen eines internationalen Zwischenfalles steht, weswegen Hope und ihr Vater Hank untergetaucht sind. Das hat wohl alles was mit Ant-Mans Auftreten im dritten Captain America zu tun.

Das ist halt immer so ein wenig das Problem an diesen Shared Universes. Es ist natürlich für Leute, die es verfolgen, sehr schön, die diversen Charaktere miteinander interagieren zu sehen und das Gefühl zu bekommen, dass es ein größeres Bild gibt, welches über die Ereignisse eines einzelnen Filmes hinausgeht. Für die Firmen klingeln auch die Kassen besser, wenn man wegen Cameos von Lieblingen auch Filme außerhalb deren Franchise anschauen muss und diverse Crossover als große Happenings hypen kann. Kann natürlich etwas schal wirken, wenn man genau dies nicht macht, nicht alle Filme verfolgt, und sich plötzlich Lücken öffnen. Ganz davon abgesehen, dass es fraglich ist, ob das Marves Cinematic Universe ganz wie die Comic-Crossover-Großereignisse, die die Filmfranchise inspiriert haben, nicht irgendwann unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht, oder sich der Hype einfach nicht ewig fortsetzen lässt – bei zwanzig Filmen und steigend nicht unwahrscheinlich.

Nicht dass es wirklich sonderlich schwer gewesen wäre reinzukommen, da Ant-Man and the Wasp ziemlich schnell zu Beginn klarmacht, was die veränderte Situation angeht. Man merkt halt nur, dass man was verpasst hat, wenn CapAm3 nicht geschaut wurde. Wir müssen ja eh nur wissen, dass Scott nicht mehr Ant-Man ist, kurz vorm Ende seines Hausarrestes steht, und Hope und ihr Vater keinen Kontakt mehr zu ihm haben. Bis dann der rote Faden-Aufhänger des Filmes kommt, nämlich das Scott eine Vision von Hopes Mutter hat, die vor Jahrzehnten sich bis in den Mikrokosmos geschrumpft hat, um eine Bombe auszuschalten, und seither dort gefangen ist. Scott war ja im letzten Ant-Man ähnlich weit geschrumpft, jedoch wieder herausgekommen. Hope und Hank suchen sowieso nach einem Weg sie zu retten, und nachdem Scott von seinem seltsamen Traum berichtet, entführen sie ihn schnell, um ihnen helfen zu können. Ist den beiden ja was schuldig.

Allerdings gibt es dann noch zwei dem nicht so wohlgesonnenen Gruppen. Zum einen die Schwarzhändler, bei denen Hope die Komponenten für die Forschung kauft, und die die neue Technologie haben wollen, um sie gewinnbringend unter den Mann zu bringen. Und dann noch Ghost, eine Ex-Shield-Geheimwaffe, deren atomarer Aufbau seit einem gescheiterten Experiment eines Ex-Kollegens von Hank ständig zerfällt und sich wieder zusammensetzt, weswegen sie einfach durch Wände etc. hindurchgehen kann. Dummerweise bringt sie das demnächst auch um, doch sie erhofft sich von der Energie, die Hanks Frau angesammelt haben sollte, die Rettung. Scott muss also den Anzug des Ant-Mans wieder anziehen, und neben Hope als Wasp in Aktion treten, und all das, ohne dass die Bullen herausfinden, dass er seinen Hausarrest verletzt.

Mir sind die Ant-Man-Filme ja sehr gefällig. Einfach weil sie es sich leisten können ein Stück gegen den üblichen Strom der Einträge ins Marvel Cinematic Universe zu schwimmen. Sie sind sich halt bewusst, dass sie „nur“ Ant-Man sind, und nicht das große Happening schlechthin, welches schon alleine durch den vorstehenden Superhelden massiv Leute anzieht. Deswegen nehmen sich die Filme durchgängig nicht allzu ernst und streifen selten die humorigen Untertöne ab. Klar sind auch andere Filme im MCU mal witzig und leisten sich auch was auf Kosten ihrer Hauptdarsteller, aber ein Ant-Man darf noch etwas verquerer sein, sich mehr über ihn lustig gemacht werden. Ist eben „nur“ Ant-Man, gell, nicht Thor oder Captain America.

Nebenbei sollte zudem absolut gewürdigt werden, dass Hope bzw. The Wasp nicht zu kurz kommt. Die anderen MCU-Filme sind was weibliche Repräsentation angeht häufig stark unterbesetzt, und abgesehen von Black Widow jene meist auf Love Interest Nebenrollen beschränkt. Wie viel bekommt die arme Natalie Portman in den Thoren oder Gwyneth Paltrow in den Iron Men schon zu tun? Evangeline Lillys Charakter hingegen wird in diesem Film als mindestens genauso wichtig und genauso kompetent (bzw. sogar wesentlich kompetenter) als ihr männlicher Superhelden-Partner dargestellt. Ghost oder Hanks Frau sind natürlich kleinere Rollen, aber auch jene werden als ebenbürtige Gegen-/Mitspieler angesehen, wenn sie denn mal auftauchen.

Ein wenig holprig von der Handlung her ist der Film leider schon, denn irgendwie vermisste ich stellenweise einfach den Fokus darum, was jetzt genau wichtig ist und wer jetzt genau der Antagonist sein soll. Die Post-Credit-Szene, die den Film ins größere MCU-Geschehen einbindet, passte tonal auch nicht zum eher leichtherzigen Restfilm. Aber abgesehen davon hat mir der Film wieder sehr gut gefallen, als kleinerer, unaufgeregterer Eintrag ins MCU. Der dennoch viel Action bietet, mit den Schrumpfungen auch visuell etwas anderen Flair in jene Action-Shots reinbringen kann, und der vor allem durch seinen Humor und die absolut charismatische Darbietungen seitens Lilly und Rudd glänzt.

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Suicide Squad

ava-2081Ich war im Kino, und in 3D, und bunt! Mein Allererster in 3D sogar, denn bisher konnte ich mich vor dem Aufpreis-Gimmick hüten, jedoch lief Suicide Squade Ende September eben nur noch in tiefenwirkend, also halt so. Wie bei vielen Brillenträgern, bei denen die Augenwerte nicht sonderlich nah aneinander sind, sehe ich übrigens auch gar nicht den ganzen Effekt. Im Prinzip sehe ich das Bild schon plastischer, aber eben nur einen Tiefeneffekt zu dem, was in den Hintergrund gehen soll, so gut wie nichts von den Sachen, die nach vorn herausstechen müssten. Von daher kann ich nicht sagen, dass es mir den Aufpreis wert ist, ich wäre mir nicht mal sicher, der komplette Effekt wäre das, aber zunächst ganz cool ist es schon, dass die Szenerien greifbarer wirken.

Aber zurück zum Film, der mir jene Jungfräulichkeit genommen hat: Suicide Squad. Der mit dem ganze schlechten Ruf im sowieso schon verrufenen DC-verse. Nach einer bescheidenen Reaktion auf Man of Steel und einer desaströsen auf Batman vs Superman der Film, der obwohl schon komplett abgedreht war, noch mal komplett umgeschnitten wurde, irgendwann muss man doch mal einen Wurf nahe den Marvels landen, von denen selbst die weniger beliebten meist als „anständig aber etwas Einheitsbrei zum Rest“ durchgewunken werden.

Ob Suicide Squad die Not-OP geholfen hat, mag ich mal bezweifeln, ob es je ein guter Film war lässt sich so oder so nicht mehr sagen. Vielleicht gibt es ja mal einen Director’s Cut der ursprünglichen Version, dann kann man ja sehen, ob da mehr zu holen war, oder das jetzige Suicide Squad auch nichts ruiniert hat, was eh nicht da war. Vielleicht war zumindest mal irgendwas da, denn was ich auf der Leinwand mir anschauen durfte, waren 2 Stunden nichts. Nichtssagende Charaktere in generischer Action, ohne das ein einzelner Witz oder emotionaler Moment gezündet hätte, und über den selbst zu meckern fast wie Zeitverschwendung wirkt, da er ernsthaft nicht scheint, als hätte er je versucht irgendwas darzubieten, das man hätte mögen oder hassen können. Suicide Squad hat sich wie ein Fisch am Land röchelnd vor einen gelegt, drei mal nutzlos mit dem Schwanz geplatscht, und ist dann sofort krepiert.

Es ist schon fast etwas merkwürdig, so einen Assembly-Film zu haben, zu dessen Team es nicht zumindest teilweise einzelne Filme mit der Origins-Story gibt. Zumal es sich verdammt danach anfühlt, als sollte man diese Charaktere kennen, Suicide Squad selbst krümmt kaum einen Finger, um sie einem nahe zu bringen. Oh sicher, ein paar Sätze, mal mehr mal weniger, werden über jeden fallengelassen. Ja ziemlich redundant beginnt der Film sogar mit 3 Szenen, ein Mal beim Essen, eine im Konferenzraum, die dritte dann Vorort im Gefängnis, in denen Amanda Waller jemandem erklärt, was für ein Team sie zusammenstellen will, und uns jeweils die Fähigkeit jedes Bösewichts präsentiert wird, plus vielleicht kurz was zur Familiensituation. Dennoch wirft der Film solche Sachen so nebensächlich ein und versucht so schnell wieder von der eigentlichen Hintergrundgeschichte wegzukommen, dass man sich kaum was um irgendeinen scheren kann. Und so viel unser Himmelsfahrtkommando im großen Finale was davon tönt, dass sie alle zu sowas wie einer Familie geworden sind, so wenig Indiz gibt es im Film, dass sie wirklich als Einheit zusammengewachsen sind. Die Szene in der Bar war wohl als jener Moment gedacht, ist aber ein kurzer insularer Moment, der sich weder wiederholt noch einen Aufbau dorthin hat, und erneut so lapidar hingeschludert wird, dass man sich einfach nicht um die Leute schert.

Am Schlimmsten getroffen haben wird es Harley Quinn und den Joker, Jared Leto hat sich ja nicht umsonst darüber ausgelassen, dass zahlreiche Szenen mit ihm im Endprodukt fehlen. Abgesehen das der sonst so gute Method Actor als Joker im hiesigen Resultat eh eine miese Figur macht, es ist ja nicht so, dass die Versatzstücke zu den anderen Charakteren, die übergeblieben sind, jene sonderlich gut aussehen ließen. Man merkt auch wirklich, dass hier viel fehlt. Zwei Szenen deuten so viel tiefer gehendes psychologisches Geflecht in der Beziehungsdynamik zwischen ihm und Harley an, aber so wirklich was präsentiert bekommen wir nicht, die beiden Szenen hätten genauso gut nicht da sein können, und man wäre wenigstens nicht so irritiert, dass man die wahre Vorgeschichte der beiden nie zu sehen bekommt. Irritierend sind eigentlich alle Szenen mit dem Joker, und zwar nicht nur wegen Leto, sondern weil sie so beliebig aus dem Nichts eingestreut scheinen. Der Anfang des Filmes hat mehr zufällig als passend hier und dort mal eine Szene mit ihm, dann scheint der Film für eine weitere Strecke seine Existenz fast komplett zu vergessen, nur damit dann genauso random eine weitere Joker-Szenen aus dem Nichts auftaucht, die ihn endgültig aus dem Rest des Filmes streicht.

Es ist so eindeutig, dass der Joker mal eine größere und präsentere Rolle gespielt hat, die komplett kaputt geschnitten wurde, so dass es fast besser wäre, man hätte ihn komplett rausgenommen. Der Joker wäre, theoretisch zumindest, auch ein besserer Antagonist gewesen als Enchantress. Das sie sich aus dem Team ab machen wird, wird ziemlich schnell klargemacht, dann tut sie es auch schon, und für den Rest des Filmes lehnt sie sich erst Mal zurück und zaubert eine Schrottkugel zusammen, während der Squad gegen ihre Fischeier-Menschen kloppen kann. Ihr Bruder ist präsenter und wirkt gefährlicher als sie. Hier wäre es sicher cooler gewesen, wenn ein herrlich verquerer Joker der Hauptbösewicht für den Großteil des Filmes gewesen wäre, und als Late-Game-Reveal nach dessen Niederlage dann Enchantress noch draufgesetzt würde. Auf sich alleine ist sie mit der blasseste Charakter in einer Riege aus Blässlichen.

Harley Quinn beispielsweise ist auch zu einer Nervensäge degradiert worden, die am Laufenden Bande unkomische One-Liner vom Stapel lässt, und sonst wenig bis gar nichts tut, oder bis zum Finale zumindest. Margot Robbie hat sicherlich Einsatz gezeigt, denn die Hot Pants, die sie trägt, hat sicherlich zur kompletten Zeit des Shoots für eine wundgeriebene Vagina gesorgt, aber wie mit so ziemlich allen anderen Akteuren im Film, kann man nicht behaupten, im Suicide Squad, so wie er ins Kino kam, einen sonderlich belebten Charakter von ihr präsentiert zu bekommen.

Der einzige Charakter, der es halbwegs fertigbringt, dass man sich was um ihn schert, ist Deadschot. Und ich bin mir nicht mal sicher, dass es daran liegt, dass der Film ihn besser behandelt – was er schon ein wenig tut, immerhin hat Deadshot nach Harley mit die meisten Szenen, bekommt in ihnen aber auch was zu tun – und nicht mit einfach daran, dass Will Smith viel zu charismatisch ist, um sich nicht um seinen Charakter und dessen Tochter zu scheren. Er ist auch der Einzige, dessen ein oder zwei Sprüche etwas witzig sind, wahrscheinlich wieder mehr durch Smits Charme statt des eigentlichen Scripts verdankt.

Warum können die Militärs eigentlich wild um sich schießen, und die Fischei-Menschen laufen munter weiter, wenn aber Deadshot eine Kugel in sie setzt, oder Harley mit einem Baseballschläger auf sie einhaut sind sie futscht? Ich mein der unterrepräsentierte Rest-Squad hat ja wenigstens Superkräfte, aber Deadshot und Harley haben doch auch nur die gleiche Kraft/Munition, mit der jeder Normalo kämpft. Und wer hat sich das Design des Filmes ausgedacht? Gerade was die Spezialeffekte angeht, könnte er nicht langweiliger dreinschauen. Die Gegner sind wie gesagt einfach nur deformierte Humanoide, die wie aus Froschlaich gemacht wirken, nicht sonderlich spannend oder Ehrfurchtgebietend. Dass ganze CG-Zeug, das einem in 3D um die Ohren gehauen wird, ist auch nur irgendwelche Splitter und Altmetall, selbst Enchantress ultimative Zerstörungsmaschine sieht aus wie ein Michael-Bay-Transformer Mitt-Verwandlung. Und der Kampf am Ende gegen sie erst, da sieht man ja gar nichts, weil der Film das komplette Geschehen mit Partikeleffekten, die in den Vordergrund (und aus dem Bildschirm heraus) fliegen (sollen) verdeckt.

Ne, Suicide Squad ist echt eine Nullnummer. Das Ding wirkt wirklich wie ein 3-Stunden-Film, aus dem man 1 Stunde an Content genommen hat, so dass nur die leere Hülle dageblieben ist. Unidentifizierbare Charakter, die wie an Fäden gezogen von einer generischen Action-Szene in die nächste gezerrt werden, alles ohne Biss, Witz oder Emotionen, sondern auf Impotenz runter kastriert. Ironischerweise ist wahrscheinlich die einzige Sache, weswegen ich dennoch nicht total gelangweilt war, das Erlebnis es schön cineastisch an der großen Leinwand und in 3D gesehen zu haben. Obwohl ich nicht raten würde, dafür Eintritt zu zahlen, schläft man so wenigstens nicht halb durch den Film ein, wie das zu Hause am TV der Fall wäre.

Superhero Sunday – Birdman

ava-1943Das (vorläufige?) Ende meines Superhero Sunday Reboots läutet ein Film ein, der gar kein Superhelden-Film ist. Sollte aber auch nicht weiter verwundern, denn Birdman (or The Unexpected Virtue of Ignorance) war mit 9 Nominierungen und 4 Gewinnen der Sieger der Oscars (zusammen mit Grand Budapest Hotel), und wann würde schon je ein Superhelden-Film bei den Academy Awards auftauchen?

Michael Keaton Riggan Thomson war mal ein ganz großer Star in den 90ern, denn immerhin war er Batman Birdman. Als er allerdings von jenem Mainstream abspringen und als seriöser Akteur Achtung gewinnen wollte, verschwand er ziemlich schnell aus dem Auge der Öffentlichkeit, kann jetzt nur noch neidisch zusehen, wie durch den Superhelden-Boom des neuen Jahrtausends die Downey Jr.s, Hemsworths und Evans dieser Welt Millionen verdienen.

Doch Thomson ergreift seine sozusagen letzte Chance. Er ist beim Broadway, hat ein eigenes Stück geschrieben, in dem er selbst spielen wird. Große Kunst, nicht sinnfreies Hollywood. Nur muss das Stück überhaupt noch Erfolg haben, denn es stehen gerade mal die Proben an.

Die 2 Stunden Birdman decken dabei so ziemlich genau den Zeitraum von den ersten Proben vor richtigem Publikum bis zur Eröffnungsnacht ab. Zeigen Thomsons langsamen Absturz, als sein letzter Versuch doch wieder relevant zu werden zu scheitern droht. Die Streitereien der anderen Akteure hinter den Kulissen. Das schizophrene hin und her das Theater als höhere Kunst über Hollywood-Schund zu sehen, jedoch gleichzeitig der Neid da dort das wahre Geld gemacht wird. Alternde Schauspieler in einer immer schnelllebigeren Welt, die neue Auswüchse um sich im Auge der Öffentlichkeit zu halten, nicht nachvollziehen können. Der Verlust von Würde und Achtung des Filmindustrie, jetzt wo Social Media einen für nichts berühmt machen kann, das Ende der erhabenen Stars aus dem goldenen Zeitalter.

Es ist also ziemlich klar, warum Birdman (or The Unexpected Virtue of Ingorance) ziemlich beliebt bei der Academy ist. Denn es ist ein Film übers Schauspiel, mit ein wenig Anklage ans Mainstream-Hollywood, welches bei den Awards niemals Chancen haben würde. Und eben eine Charakterstudio, gleichzeitig Drama wie unterschwellig humorig. Zusammen mit dem Aufhänger alles wie einen durchgängigen Shot wirken zu lassen, in dem es (fast) keine harten Cuts gibt, sondern immer jemandem in die nächste Szene gefolgt wird.

Droht also fast zu prätentiös zu werden? Überraschenderweise nicht. Birdman ist gefällig, denn der universelle Drang dem eigenen Leben eine Bedeutung zu geben, funktioniert. Die verqueren Charaktere und der trockene Humor helfen das Ding lebendig zu halten (denn wenn man es genau betrachtet, besteht der Großteil des Filmes daraus, dass Charaktere sich anschreien oder indifferent sind). Und wir mögen unsere Underdogs wie Thomson sowieso, denen das Leben scheinbar nur Steine entgegen wirft. Das Birdman zusätzlich super geschauspielert ist und echt coole Mucke aufweist, ist da noch Bonus obendrauf.

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Superhero Sunday – Age of Ultron

ava-1940Ok, die Avengers haben also Lokis Zepter den Nazis bei Hydra abgeluchst, Tony Stark sich dabei aber eine Horrorvision von Scarlet Witch eingefangen. Das bestätigt ihn in seinem Plan eine KI zu schaffen, die die Welt schützt, da die Avengers alleine das nicht schaffen können. Tony Stark scheint nicht sonderlich viele SciFi-Geschichten zu kennen. Dann gibt er dem Ding auch noch den Namen Ultron.

Es kommt, wie es kommen muss, und die KI verselbstständigt sich und eruiert, dass die größte Gefahr für den Planeten die Menschheit an sich ist, und wir sozusagen vor uns selbst geschützt werden müssen, was sicherlich nicht unbedingt ein Trugschluss ist, aber mal so gar nicht mit unserem Willen der Persönlichkeitsentfaltung einher geht. Na ja, notfalls kann man das Leben auf dem Planeten wie damals bei den Dinos ja mit einer globalen Katastrophe resetten. Zumal Ultron doch ein wenig was von seinem Schöpfer abbekommen hat, und somit vielleicht doch nicht einfach nur objektiv-kühl kalkuliert, sondern einen gewissen herrischen Unterton mitbringt.

Das ist natürlich eine ganz bewusste Entscheidung, denn Joss Whedon ist ja nicht dumm und weiß, dass unterhaltsame Bösewichter besser sind, als blasse Fieslinge. Deswegen ist Hydra ja auch kein großes Ding, sondern im ersten Teil Scherzbold Loki, und so bekommt auch in Age of Ultron eben Namensgeber Ultron ein paar flapsige Stark-Sprüche drauf. Ganz mit seinem Vorgänger mag er da nicht mithalten können was den Unterhaltungswert angeht, aber einen Tom Hiddleston als Loki übertrumpft man auch nur schwerlich, dafür ist Ultron etwas bedrohlicher.

Dass Whedon allerdings eher in der TV-Landschaft zu Hause ist, merkt man dem Pacing seiner Filme immer etwas an. Im Falle von Age of Ultron hat sich das mittlerweile fast revidiert. Besonders die erste Stunde ist ein stringentes Feuerwerk aus Action und Charakterinteraktionen, und der beste Teil des Filmes. Dann jedoch kommt der Rückzug aufs Landhaus, ein sehr Whedon-esques Segment der Charaktermomente, aber doch ein Teil, in dem der Film schlichtweg mal eine halbe Stunde komplett zum Erliegen kommt. Das ist allerdings auch schon das einzige Pacing-Problem des Filmes, danach geht es fast eine Stunde lang ins Action-geladene Finale. Und gerade die Kampfsequenzen sind diesmal etwas besser umgesetzt und gerade auch besser, was das Charakterzusammenspiel angeht.

Gerade mehr im TV gemacht zu haben kommt Whedon bei den Avengers andererseits vielleicht auch wieder zugute, denn dadurch ist er doch recht gut darin, den ganzen Cast zu handhaben, statt das der Film unter der Anzahl an Persönlichkeiten zusammenbricht, zumal mit Quicksilver und Scarlet Witch ja nun noch zwei weitere Figuren hinzu kommen. Dabei ist Whedon überraschend gut darin, den Charakteren in Age of Ultron Szenen zuzuschustern, die normalerweise eigentlich als zweite Geigen eher so gut wie nichts zu tun bekommen würden. Wie häufig müssen wir denn auch die gleichen Charakteristiken von Thor, Iron Man und Captain America durchkauen, wenn die in deren eigenen Trilogien schon tot geredet sind? Stattdessen gibt es halt mal mehr zu Hawkeye und Black Widow, die selbst im ersten Avengers eigentlich nicht viel taten. Aber auch hier ist Whedon sich bewusst, dass die Normalos des Teams eben nicht mit den Halbgöttern mithalten können, und baut deren menschliche Seite aus. Selbst Cobie Smulders bekommt ein paar nette Szenen.

Abschließend gefällt mir Age of Ultron besser als der erste Avengers – welcher ich ja auch bereits schon gut fand. Minus Loki, dafür mag ich die Charakterinteraktionen hier mehr, und die Action, und eigentlich auch die Handlung, also schon fast mehr oder minder alles. Mein Favorit aus dem Marvel Cinematic Universe ist er nicht ganz, Guardians of the Galaxy reihe ich drüber ein, und was nicht-Marvels seit der Jahrtausendwende angeht wohl auch noch The Dark Knight und X-Men: Days of Future Past, aber dann kommt doch schon Avengers: Age of Ultron sag ich jetzt einfach mal aus dem Bauch heraus.

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Superhero Sunday – Guardians of the Galaxy

ava-1937Der junge Peter wird 1988, direkt nach dem Tod seiner Mutter, von einem Raumschiff gekidnappt. 26 Jahre später ist er der selbsternannte Star Lord, ein möchtegern Han Solo oder Indiana Jones, der mit flapsigen Sprüchen durchs All reist, Relikte zum Weiterverkauf birgt, Tussis flachlegt, und häufiger mal auf die Nase fällt. So wie jetzt auch, denn seine neueste Errungenschaft ist ein Orb, der die Macht innehält das Universum zu zerstören.

Hinter dem ist natürlich der ein oder andere her, und dadurch auch so ziemlich jeder Space-Pirat, um das Schmuckstück teuer verkaufen zu können. Nicht zuletzt will ihn auch ein Fanatiker der Kree-Rasse, die zwar offiziell momentan einen Friedensvertrag unterschrieben haben, den jener aber gern wieder gebrochen sehen will, und der deswegen Gamora hinter Peter her schickt, um das Ding zu holen. Versuchswaschbär Rocket Racoon und der lebende Baum Groot mischen sich auch noch ein, weil sie es aufs Kopfgeld abgesehen haben, das auf Peter veranschlagt ist.

Tja, nach einer Schießerei mitten in der Stadt landen einfach alle mal zusammen im Gefängnis, wo sie die Bekanntschaft mit Drax dem Zerstörer machen, und plötzlich sehen sich alle fünf als Team durchs All düsen, auf das der Orb wirklich niemandem in die Hände fällt, der damit ganze Welten auslöschen wird.

Guardians of the Galaxy ist glaub ich eines jener Marvel-Film-Projekte gewesen, dem Leute eher skeptisch gegenüber standen. Ist auch nicht ganz schwer zu sehen, warum dem so sein könnte. Das hiesige Team aus grüner Lady, tätowiertem Hünen, Waschbär und Baum ist doch schon sehr untypisch, eher etwas was in Form von Comics funktioniert, hätte aber ziemlich schnell als Live Action auf der großen Leinwand schief gehen können. Tat es aber nicht, Guardians of the Galaxy ist einer der erfolgreichsten Marvel-FIlme, sowohl was die Kritiken wie das Einspielergebnis angeht.

Ich mochte ihn auch sehr, und muss sagen, dass ich ähnliche Vibes wie bei Ant-Man hatte. Auch Guardians of the Galaxy fühlt sich eher an wie ein Film über die B-Riege an Superhelden, der obwohl ein großes AAA-Budget-Spektakel stattfinden lassend, sich sehr bewusst ist, dass das hier eigentlich die B-Riege ist. Ein Ant-Man ist eben kein Spider-Man oder Batman. Und die Guardians of the Galaxy sind halt nicht die Avengers oder X-Men. Und auch der Film hier nutzt das, um einfach mehr Spaß mit sich und seinem Team zu haben, weniger seriös zu sein, mehr auf den Putz zu hauen. Nicht nur was die Action angeht eben, sondern auch was die quere Teamdynamik betrifft. Dass es letztendlich auch hier um die Rettung der Galaxie geht, ist dabei dann sogar ziemlich zweitrangig, und es geht viel mehr darum, dem cool-chaotischem Team auf ihrer Odyssee zuzusehen.

Das gibt dem Film viel mehr Frische und Dynamik im Superhelden-Genre, welches durchaus konstant guten Output liefert, aber eben langsam aber sicher doch droht etwas überbevölkert zu werden. Da heben sich die Guardians of the Galaxy doch klar heraus, sowohl was das merkwürdige Team an Gegner-die-zu-Freuden-werden angeht, sowie den grundlegenden Ton des Filmes, wie auch die nette Einbettung in die 80er-Jahre. Guardians of the Galaxy, wenn man mal die moderne CG-Technik außen vor lässt, kommt tatsächlich fast wie ein leichtherziges SciFi-Abentuer der damaligen Dekade daher. Eben mit wesentlich mehr Charisma, als man das vielleicht zu befürchten hatte.

Einen Orden verdient übrigens derjenige, der Chriss Pratt verpflichtet hat, nachdem sowohl jener wie auch der Regisseur dem zunächst skeptisch gegenüber standen, denn einen besseren Schauspieler für den modernen Han Solo hat Hollywood nicht zu bieten.

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Superhero Sunday – Days of Future Past

ava-1934Days of Future Past also, der Mittelteil der X-Men Prequel Trilogie. Ich weiß ja nicht, irgendwie fühlt es sich so ein wenig an, als hätten wir bereits einen Film übersprungen. First Class hätte vielleicht doch besser mit dem Sieg über Shawn enden sollen, ein zweiter Teil dann den Bruch der Liebenden Xavier und Magneto behandeln können, und Days of Future Past wäre dann ein guter Abschluss gewesen. Denn es fühlt sich tatsächlich ein wenig an wie der große Schlussstein zu einer Trilogie. Und es fühlt sich so ein wenig an, als hätte man gehörig was zwischen dem Ende von First Class und dem hiesigen Anfang verpasst.

Der hiesige Anfang da wäre… die Zukunft. Die Menschheit gewinnt ihren Krieg gegen die Bedrohung durch die Mutanten, denn in den 70ern hat man dank der DNA von Mystique doch tatsächlich die Forschung an Sentinel-Robotern begonnen. Nicht nur können die scannen wer ein Mutant ist und wer nicht, sondern haben auch die entsprechenden Fähigkeiten, um sie effektiv auszuschalten.

Also schickt das wiedervereinte Ehepaar Stewart-Xavier und McKellen-Magneto den unsterblichen Logan zurück in die 70er, wo er die jungen McAvoy-Xavier und Fassbender-Magneto wieder zusammenbringen muss, damit sie Mystique daran hindern können Peter Dinklage zu töten, der das Sentinel-Projekt ausgearbeitet hat, aber ohne dessen Ermordung niemand Mutanten für bedrohlich genug gehalten hätte, um wirklich die Unsummen für dessen Realisierung beizusteuern. Natürlich geht das ganze Unterfangen, nachdem zunächst alles verdächtig in Spur läuft, gewaltig schief wenn es denn darauf ankommt, und es muss ein neuer Weg gefunden werden die Sentinel zu stoppen.

Magneot ist weggesperrt (und hat angeblich JFK getötet), Xavier kann wieder laufen dafür nicht mehr PSI-en, die Schule ist ein Trümmerhaufen, Mystique auf Alleingang… ja so ein wenig kommt es einem zunächst so vor, als hätte man den Anschluss im Vergangenheits-Teil des Filmes verloren. Gerade mit dem großen Finale des Filmes, der alles korrigiert, und nicht nur die düstere Zukunft vom Filmbeginn, sondern quasi auch die Original-Trilogie revidiert, hat das schon den Anschein, als hätten wir den Mittelteil übersprungen und wären gleich am Ende der neuen Trilogie angelangt. Können wir nur hoffen, dass man sich für Apocalypse noch richtig gut was einfallen lassen kann, und dessen generischer Titel nicht ein Hinweis darauf ist, dass auch in dieser Trilogie der zweite Teil der stärkste und das Finale ein Reinfall werden wird.

Denn Days of Future Past ist richtig geil. Schon allein weil er schlau genug ist die Lieblings-Charaktere und besten Schauspieler stark hervorzuheben, gleichzeitig mit einer Unzahl an Cameos aber eben auch beide Trilogien zu verbinden. Vornehmlich spielt natürlich Fassbender/Magneto eine große Rolle, der so richtig schön auch mal seine Seite zeigen darf, denn Xavier hat auch ihn enttäuscht, nicht nur umgedreht. Natürlich ist Everybody’s Darling Logan mit einiger Screentime bestückt, die Huge Jackedman in voller Statur ausfüllt. Wichtigster Charakter ist aber tatsächlich der andere Antagonisten-Fanfavorit Mystique, gespielt von Hollywoods momentan populärster Dame Jennifer Lawrence. Ich mag hier vor allem auch, dass Days of Future Past sich nicht davor schreckt, schlichtweg keinen definitiven Bösewicht zu bieten, sondern nur verschiedene Seiten, die aneinander reiben, aber doch das aus ihrer Sicht nötige tun.

Für mich funktioniert im Film schlicht gesagt einfach alles. Das Schauspiel. Der Fanservice. Die coole Action und Setpieces, während der Film dennoch nicht wie eine pure Aneinanderreihung jener wirkt, sondern durchaus eine nachvollziehbare Struktur mit durchdachter Handlung aufweist. Die Dramatik und die Weite des Unterfangens, und selbst die anfänglichen, kleinen humorigen Teile. Lediglich wie man sich am Ende aus der scheinbar aussichtslosen Situation wieder heraus gegraben bekommt macht sich der Film vielleicht ein wenig zu einfach, aber ansonsten stimmt alles.

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Superhero Sunday – Amazing Spider-Man 2

ava-1930Wieder zurück bei den aktuelleren Superhelden-Filmchen kommen wir zum zweiten Eintrag in die Amazing Spider-Man Trilogie, die nun scheinbar doch keine mehr sein wird, da hiernach der dritte Teil gecancelt wurde. Stattdessen bekommen wir bald den dritten neuen Spider Man in 15 Jahren, beginnend im nächsten Captain America.

Okay, gut, Amazing Spider-Man 2 beginnt mit einem Flashback dahingehend, was wirklich die letzten Momente von Peters Eltern waren, etwas, was ich gedacht hätte, was man sich für Amazing 3 aufheben würde. Aber so wirklich was aufheben tut man sich eh nicht, Amazing 2 ist genug Material, um eine ganze Trilogie zu füllen.

Jedenfalls nach dem eigentlich echt coolen Opener geht es zurück zu Peter und seiner Gwen und wir haben das ganze Spiel von wegen das er sie zwar liebt, sie aber nicht zusammen sein können, weil sein Lebensstil sie in Gefahr bringt und, blargh. Nebenbei rettet Spider Man noch einen Loser, der nun sein größter wahnhafter Groupie wird, und dann kommt ein ehemaliger bester Freund von Peter zurück, der der Sohn des Bösewichts vom ersten Teil ist, und eine unheilbare Krankheit wie jener hat, und Probleme mit den Machtstrukturen in der geerbten Megafirma bekommt.

Und jedenfalls so richtig los geht es erst nach einer Stunde oder so. Davor geht es viel hin und her. Sind Peter und Gwen nun auseinander, oder dann doch nicht, aber doch irgendwie, aber so richtig auch wieder nicht. Und drei potentielle Bösewichte werden aufgebaut, von denen zwei sogar welche sein werden, aber nachdem der Loser zu Electro wird und zu Ein-Stunden-Marke die erste große Auseinandersetzung mit Spider Man hatte wird der auch schon wieder aus dem Gefecht gezogen. Und kommt dann erst wesentlich später als echter Bösewicht zurück, und wird auch so ungefähr genau zur Zwei-Stunden-Marke besiegt, aber dann kommt so spät erst der Ex-Freund Peters als Green Goblin dazu, und statt zu enden geht der Film noch eine halbe Stunde, verpasst dabei eine zweite gute Chance ein Ende zu finden, nur um uneingelöstes Sequel-Bait zu präsentieren.

Amazing Spider-Man 2 schaut sich wie ein Film, der zehn Jahre in Developement Hell war, dabei fünfzig mal umgeschrieben wurde, und dann mit einem Frankenstein-Script endete. Denn das Ding ist sowas von unfokussiert. Es gibt viel so viele Charaktere, so viele Nebenhandlungen, viele davon werden spät oder gar nicht richtig eingelöst. Die Szenenfolge ist so bizarr und man hat immer so ein wenig das Gefühl kurz davor zu sein, nicht mehr so richtig mitzukommen, warum jetzt diese Charaktere dies tun. Amazing Spider-Man 2 ist schlichtweg ein heilloses Durcheinander. Das Ding hätte entweder Electro oder den Green Goblin raus lassen sollen. Stringentere Szenenfolge für Gwen und Peter, denn wenn wir den ganzen blöden „Ich bin nicht gut für dich, kann aber auch nicht von dir lassen“-Mist wieder abspulen müssen, und immerhin ist es hier fürs Finale wirklich wichtig, dann brauchte deren Plot wesentlich mehr Klarheit und Gewicht. Mehr Szenen mit Aunt May, dem Highlight der Filme. Eine halbe Stunde weniger Spielzeit, und auf dem Friedhof enden lassen.

Was man dem Film allerdings lassen muss ist, dass er ziemlich cool ist. Es gibt eine enorme Anzahl an echt cooler und großer Set Pieces. Das Gerangel im Flugzeug zu Beginn, dann wenn Electro Times Square lahm legt, selbst dazwischen wesentlich mehr bahnbrechende Akrobatik Spider Mans in den Straßenzügen. Und ein wuchtiger Score von Hans Zimmer.

Ich kann also nicht behaupten, dass ich während der fast 2,5 Stunden je gelangweilt gewesen wäre, dafür passiert zu viel Action, aber eben passiert auch sonstig viel zu viel im Film, dass er es einen schwer macht irgendwas außerhalb der Action wirklich auch nur richtig zu verarbeiten zu können.

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Superhero Sunday – Blade Trinity

ava-1923Mit Blade: Trinity kam die Trilogie dann also zu ihrem Ende. Diesmal mit David S. Goyer im Regiestuhl, der das Drehbuch aller drei Filme schrieb, aber eben eher selten auf jenem Stuhl Platz nimmt. Wobei dies eh nur geschah, weil Wesley Snipes, der angeblich während der Produktion eine echte Diva war, und als Mit-Producer der Reihe doch ein gewisses Mitspracherecht hat, ein Veto gegen den ersten Regisseur einlegte, nur um mit der zweiten Wahl auch nicht zufrieden zu sein.

Ok, womit endet man eine Trilogie am besten? In dem man den größten, stärksten und bedrohlichsten Feind auf den Plan ruft, oder an die Anfänge der Geschichte zurückkehrt. Trinity geht an die Anfänge zum Größten, und zwar denen des Vampir-Mythos: Dracula wird von den Vampiren wiedererweckt, um gegen Staatsfeind No.1 Blade zu kämpfen. Wie auch immer der Daywalker es zu jenem Ruf geschafft hat. Ich mein, ja, er bekämpft Vampire und das auch recht erfolgreich, aber als ein Solo-Kämpfer verstehe ich nicht ganz, wie er plötzlich der Grund sein kann, dass Vampire die Ausrottung ihrer Spezies zu befürchten haben.

Fragt man sich, warum sie Dracula überhaupt brauchen, denn gleichzeitig fahren sie auch eine Schmierenkampagne gegen Blade auf, in dem sie filmen wie er einen Menschen tötet und es verbreiten, damit das FBI ihn jagt. Sie nutzen dafür übrigens einen Menschen, der sich als Vampir ausgibt, wenn Blade doch eigentlich eh deren Familiars – also normale Menschen, die für die Blutsauger arbeiten – tötet, über 1000 davon bisher, wie er später sagt. Warum nicht eh das filmen? Und wirklich, wie wird Blade plötzlich im Auge der Öffentlichkeit zum Staatsfeind No.1 und hohe Priorität beim FBI, nur weil er einen einzelnen Menschen tötet?

Egal, vielleicht war es doch ganz gut Dracula zu holen, denn das FBI kann Blade gar nicht lang festhalten, er wird nämlich von seiner neuen Scooby Gang gerettet, ein Haufen unlustiger, möchtegern-hipper Jungspunde, die angeblich schon immer im Hintergrund für seine Unterstützung trainiert wurden. Eine davon sogar die Tochter seines Mentors, dessen Familie ja eigentlich umgebracht wurde, und bei der ich mir nicht sicher bin, warum diese Verbindung überhaupt reingeschrieben werden musste, es ist nämlich nie wichtig genug, als das sie nicht einfach irgendein Mädel sein könnte, welche es auf Vampire abgesehen hat.

Der Rest des Filmes ist, uh… Blade und seine zwei Sidekicks hauptsächlich dabei, wie sie Vampire/Drake jagen oder von jenen gejagt werden, bis es dann am Ende einen gar nicht so spektakulären Endkampf gegen den perfekten Supervampir gibt, der selbst der Sonne stand halten kann.

Ach ja, Dracula hat viele Namen, geht bis auf die babylonische Zeit hier zurück, und die Scooby Gang nennt ihn doch tatsächlich Drake. Ugh.

So ungefähr gestaltet sich die Qualität des ganzen Filmes. Er ist unglaublich schlecht geschrieben, mit lauter Löchern in der Logik oder Handlung, intern sowie zu den beiden Vorgängern. Und die Dialoge sind einfach schrecklich, denn die Charaktere geben wirklich nur die generischsten Sachen von sich, die entweder absolute Situationsklischees darstellen, oder unwitzige Sprücheklopferei sind. Da wollte jemand wohl Joss Whedon emulieren, hat aber nicht den gleichen Witz. Man fühlt sich anschließend wirklich, als hätte man einige Gehirnzellen verloren, sich dies anhören zu müssen.

Schauspielerisch wird auch nicht so viel gebracht. Jessica Biel beim Versuch ein Badass zu sein, ist sowieso absolut fehlbesetzt, aber auch Ryan Reynolds macht nicht viel, und selbst Snipes versprüht kaum noch was von seinem Charme aus den Vorgängern. Ich mag das Dracula optisch eine ganze Ecke maskuliner geraten ist, als der aristokratische englische Gentleman oder metrosexuelle Schönling, der er normalerweise in aktuelleren Filmen ist, doch ist er absolut unterrepräsentiert in diesem Film. Aber immerhin, Parker Posey ist im Film, die wie immer ihren Spaß hat, und der deswegen zuzusehen wie immer eine Freude ist. Und Reynolds hat natürlich seine obligatorische Shirtless-Szene, ich glaub ich habe noch keinen Film mit dem Mann gesehen, in dem er nicht das Sixpack zeigt, und das ist auch gut so. Überhaupt gefällt mir nichts an der Szene, wenn er gefangen gehalten wird, nicht. Weder die Optik, noch die Bauchmuskeln, noch Posey als Fiesling, noch der Vampirköter.

Leider hält sich auch die Action diesmal ein ganzes Stück zurück. Blade hat mir immer ganz gut gefallen, weil es sich erlaubte etwas dunkler und fieser zu sein, etwas blutiger und brutaler, wobei die Franchise natürlich auch damit gut weg kam, weil die Vampire kurz darauf eh zu Staub zerfallen. Del Toros zweiter Teil war sogar noch etwas brutaler als der Vorgänger. Blade: Trinity rudert stattdessen zurück, ist so schnell und vage geschnitten, nutzt so viel CG, dass überhaupt kein Gewicht hinter den Kampfszenen mehr ist, sie wirken viel harmloser und blutleerer ist das Ding sowieso. Etwas schade, denn die Action ist solide, aber eben wie bei allem im Film ein deutlicher Rückschritt zu den Vorgängern zu verzeichnen.

Keine Ahnung was bei Blade: Trinity schief gelaufen ist, wahrscheinlich sind es mehrere Dinge. Dass Snipes unmöglich war, kann es nicht allein sein. Goyer mag nicht viel Erfahrung als Regisseur haben, mag der Grund für den biederen Look und Inszenierung sein, aber dies erklärt nicht das miserable Drehbuch, wo er dort doch bisher ganz brauchbare Arbeit leistete. Jedenfalls war Blade: Trinity ziemlich bleh, was schade ist, denn die Vorgängern waren eben schon launig. So hätte das nicht enden müssen. Gut, hat es auch nicht, die TV-Serie setzt wohl eh hiernach an, es geht also theoretisch weiter.

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Superhero Sunday – Blade II

ava-1916So, Blades Mentor, der im vorigen Film gestorben ist, damit der Kampf gegen den Endboss eine persönliche Note bekommt (als hätte Blades Mutter nicht gereicht)? Der lebt doch noch. Mehr schlecht als recht allerdings, denn die Vampire haben ihn gekidnappt. Keine Ahnung warum, aber Blade rettet ihn nun, damit wir den Film über jemanden in seinem Team haben, bei dem wir nicht wissen, ob er nicht ein doppeltes Spiel spielt, und vor allem um so von viel offensichtlicheren Leuten abzulenken.

Denn im zweiten Teil kämpft Blade zusammen mit einem Einsatzkommando von Vampiren, seinen eigentlichen Feinden. Denn ein neuer Vampir-Mutant geht um, der sowohl Vampire tötet, als auch seine Opfer zu weiteren seiner Art macht, wodurch er eine Bedrohung für beide Seiten ist. Der Feind meines Feindes und so, gell?

Die Blade-Filme haben schon grundsolide Storylines anzubieten, aber irgendwie mag ich die erste Hälfte immer mehr, als die zweite. Das Frost im ersten Teil einfach ein Halbblut mit Minderwertigkeitskomplex war und den alteingesessenen Vampiradel umbringt, um an Macht zu kommen, hätte für mich vollkommen gereicht. Dass er dann noch einen weltzerstörerischen Blutgott aus einer alten Legende beschwören will ist so ein wenig „warum das jetzt noch“ gewesen. Genauso hätte es mir eigentlich in Blade II gereicht, wenn Mutant Jared wirklich der Staatsfeind No.1 geblieben wäre. Gerne etwas hinterfüttern warum er normale Vampire hasst, und wie er erschaffen wurde. Aber seinem Vater dann noch die Ambitionen zu einer Superrasse an Vampiren zu geben… machte mir die Sache erneut wieder etwas unnötig generisch.

Jedoch, als Plattform für die Action sind die Handlungen der Filme allemal ausreichend. Und Action wird wieder gut geboten. Die war im ersten Film schon recht gut, doch Blade II kommt noch moderner und stylischer daher, so sind die Kämpfe schneller, akrobatischer, einfach etwas cooler inszeniert. Das kommt sicher auch daher, dass diesmal Guillermo del Toro Platz auf dem Regiestuhl nahm, der dem Film seinen eigenen Stil verleiht. Die Szenerien im vorigen Film waren schon teilweise nett anzusehen, häufig auf eine modern-stylische Business-Vampir Art und Weise. Toro geht einen anderen Weg, die Sachen sind alle dreckig und gelbstichig, oder es gibt nett Platzierte Blutbrunnen a la Legacy of Kain, das Nazi-Vampir-Krankenhaus im Opener ist auch echt geil, sprich die Welt von Toro sieht etwas mehr aus wie aus einem Silent Hill, wenn man es genau nehmen will. Ganz zu schwegen von den Vampir-Mutationen, die klar einen monströsen Nosferatu-Einschlag haben.

Ich glaube das ist schon fast der Hauptgrund, warum ich Blade II etwas über dem Vorgängern einordnen würde. Unter dem gleichen Regisseur geblieben würden sich die beiden Filme glaub ich gar nicht mal so viel tun. Aber eben weil Guillermo del Toro sein stilsicheres Auge drauf hatte, wird die Angelegenheit hier eine Ecke besser. Sowohl optisch wie inszenatorisch.

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Superhero Sunday – Blade

ava-1909Da hab ich doch letzte Woche scherzhaft behauptet, beim Suchen nach düster-dunklen Superhelden für diesen Monat mit Spawn doch ausgerechnet auch einen dunkler Hautfarbe gefunden zu haben… und hab gar nicht weiter drüber nachgedacht, dass dem mit der Blade-Trilogie ja genauso sein wird. Heh, hätte ich doch mal The Crow genommen, eh?

Was mir an Blade direkt gefällt ist, dass der erste Film keine Origins-Story ist. Nicht wirklich zumindest, denn natürlich finden wir auch hier heraus, wie Blade wurde, was er ist, denn seine Mutter wurde hochschwanger von einem Vampir gebissen, und deswegen kam mit Blade ein Dhampir bei raus, der dessen Kräfte und Blutdurst hat, aber doch menschlich ist und jenen zu unterdrücken versucht. Das macht in diesem Universum durchaus auch Sinn, denn hier ist der Vampirismus so etwas wie ein Virus, das beim Biss übertragen wird und somit das Opfer langsam zu einem Vampir ummodelt. Wobei, reinrassige Vampire, die bereits so geboren wurden, gibt es hier auch.

Wie Udo Kier und seine Truppe an Business-Vampiren. Denn die Vampire hier sind so ein wenig zwischen dem Coming Out in einem True Blood oder Anno Dracula und dem geheimen Monster: Die normale Bevölkerung weiß nichts von ihrer Existenz, allerdings haben sie finanziell die Hände in Wirtschaft und Politik stecken, sind in dortigen Kreisen also schon bekannt. Frost jedenfalls, ein nicht reinrassiger Vampir durch Biss, will lieber die Welt regieren und den Blutgott aus einer alten Prophezeiung erwecken, und allgemein damit seinen Minderwertigkeitskomplex bekämpfen und endlich was zu tun bekommen, außer ständig hohle nächtliche Parties zu schmeißen. Also ermordet er Udo Kier, was der Film schlauerweise zum längsten und blutigsten Ereignis macht, um seinen Udo Kier nicht zu verschwenden, bringt Blades Mentor um, und dann geht es im Finale nicht nur um Weltrettung sondern auch persönlicher Rache und so.

Mit Dr. Jenson läuft auch noch ein Weib immer mal wieder rum, die gerade gebissen und von Blade gerettet wurde, und nun versucht ein Gegenmittel zu finden. Interessant hierbei ist vor allem das sie kein Love Interest ist, der Film würde auch mit einem männlichen Sidekick oder so in ihrer Rolle funktionieren. Dafür wirkt sie allerdings auch ein wenig wie unwichtiges Beiwerk leider. Wobei, sie ist halt der „Normalo“, der in diese Welt geworfen wird, und durch sie kann dem Publikum erklärt werden, wie jene funktioniert.

Blade ist übrigens von 1998. Das ist dahingehend interessant, weil dies bedeutet, dass die Trilogie ziemlich in eine Lücke fällt. Anfang der 90er gab es einige qualitativ recht gute, und auch finanziell erfolgreiche Superhelden-Filme, ab der Mitte des Jahrzehnts hingegen eine Flut an ziemlichen Müll, bevor X-Men und Spiderman am Anfang des nächsten Jahrtausends das Genre mit bis heutig anhaltendem Effekt revitalisierten.

Blade nimmt damit die Ausnahme seiner Zeit ein, denn der Film ist wirklich gut. Natürlich ist die Handlung wieder etwas Standard, aber flüssig erzählt und gerade der Style weiß zu überzeugen. Nicht super aber schon relativ blutige Schlachten unseres Klingen-Schwingers gegen eine Horde Vampire, alle Beteiligten zusehends überzeugt was abzuliefern, und die Optik der modernen Anzug- und Leder-Vampire in ihren Glaspalästen ist eh immer gefällig.

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