Space Sheriff Gavan: The Movie

ava-2745Es ist mal wieder Tokusatsu Time! Diesmal mit Space Sherriff Gavan, über wessen Hintergründe ich mich nun informiert habe, auch wenn ich mir deren zur Sichtung des Filmes noch nicht bewusst war. Es ist nämlich ursprünglich eine Serie, die bereits 1982 im TV lief und die Grundlage der Metal Hero Franchise bildet. Für zwei Dekaden ein drittes Standbein Tohos neben Kamen Rider und Super Sentai gewesen, scheint die Franchise allerdings das neue Millennium nur spärlich mit Filmen erreicht zu haben.

Darunter eben auch zum 30. Jubiläum der von mir geschaute Space Sheriff Gavan: The Movie. Eine neue Generation von Gavan und Semi-Sequel zur Originalserie. Soweit ich das nun nachgelesen habe. Der Film war eine spontane Sichtung, von daher war ich mir ob der Franchise-Informationen während des Ansehens noch nicht gewiss. Wobei ich es nach einiger Zeit doch ziemlich offensichtlich fand, dass da eindeutig Hommagen an was aus den 70ern oder 80ern gespielt werden.

Der Film beginnt mit den drei Freunden Geki, Toya und Itsuki, zwei Jungs und ein Mädel, damit es auch schön zu einem Liebesdreieck kommen kann. Die wollen seit ihrer Kindheit ins All. Während Itsuki allerdings am Boden der Tatsachen in die Forschung geht, schaffen es die beiden Kerle zum Astronaut. Auf ihrem ersten gemeinsamen Flug geraten sie allerdings an ein schwarzes Loch und gehen verschwunden.

Ein Jahr später werden Itsuki und die Station, an der sie arbeitet, von Monstern angegriffen. Glücklicherweise tauch der maskierte Blechmann Space Sheriff Gavan auf, um sie zu retten. Es braucht weder Itsuki noch uns sonderlich lange, um zu wissen, dass Geki hinter dem Helm steckt. Dummerweise führt die Tatsache, dass er die Rettung seiner Kindheitsfreundin priorisiert hat, dazu, dass wichtige Daten von den Space Maffia Monstern gestohlen wurde. Gavans Chef will deswegen zwei neue Space Sheriffs auf die Erde ansetzen, die dann aber bis zum Finale nie wiedergesehen werden. Allgemein hat der Film unglaublich viele Charaktere, die nur mal so nebenbei auftauchen, was ihn schon sehr so wirken lässt, als hätten sie in einer Serie eine größere Rolle und würden für den Fanservice deswegen auch ihren obligatorischen Filmauftritt bekommen.

Wie sich herausstellt möchte die von Brighton angeführte Space Maffia verschiedene Artefakte stehlen, um ihren wahren Anführer Don Horror wiederzubeleben. Das wollen Gavan und seine Partnerin Shelly, die hauptsächlich zum Comic Relief und schrille Kostüme tragen verkommt, polizeilich vereiteln.

Und dann passiert im Mittelteil eine ganze Menge wirres Zeug. Der allererste Space Sheriff, also der von 1982, taucht wieder auf. Die beiden Gavans kämpfen gegeneinander. Und dann wieder miteinander. Und hier war es wirklich, wo ich fragte, ob es bereits eine alte Serie dazu gibt. Natürlich, weil den ersten Gavan wieder aufzuweisen dahindeutete. Aber auch weil viele der Szenen wie eine Best of Aneinanderreihung von Hommagen ikonischer Szenen einer typischen oldschool Tokasatsu TV-Serie aussahen. In dem Film hier wirkten sie etwas wirr.

Am Ende kommt natürlich heraus das Brighton eigentlich Toya ist. Geki hat ihn eventuell absichtlich losgelassen und abtreiben lassen, so genau klar ist das nicht, weil beide an Itsuki ran wollten. Dort wurde Toya von der Macht Don Horrors indoktriniert, um ihn wieder zu beleben und dafür seine Rache zu bekommen. Die Haupthandlung des Filmes ist wirklich nicht so schwer und ziemlich üblich, es sind lediglich die vielen halbherzig genutzten Charaktere und Schnellschuss-Szenen, die eingestreut werden, wodurch man sich wirr fühlt. Als hätte man versehentlich mehrere Bindungsszenen verpasst, für die für den narrativen Strang wichtig wären. Jedenfalls besiegt Gavan natürlich das Böse. Toya kann er retten. Itsukis Herz hat er erobert. Und düst direkt wieder ins All ab, statt bei ihr zu bleiben, um weiteres Space Verbrechen zu bekämpfen. Ich gehe mal davon aus, dies leitet in eine neue Serie, oder war mindestens dafür geplant.

Ich muss sagen, dass ich Tokusatsu jetzt nicht unbedingt schaue, um geistig stimuliert zu werden. Ich möchte lediglich audiovisuell stimuliert werden. Lasst es Krachen, dann macht es mir auch nichts aus, was für ein Blödsinn eigentlich dabei rumkommt. Womit ich nicht meine, dass Tokusatsus nichts zu sagen haben. Einige schon, und jene Themen und Symbolik zu sehen kann auch interessant sein. Ich brauche es nur nicht unbedingt. Und um auf den Punkt zu kommen ist Space Sheriff Gavan: The Movie genau ein solcher Auswuchs. Mächtig dämlich aber flott anzusehen. Anfang und Ende sind ziemlich Standard, dazwischen wird’s was chaotisch, aber die 80 Minuten gehen verdammt schnell rum. Kein Subjekt für eine Medienanalyse, sondern fürs Beschallen lassen.

Kamen Riding: Black Sun, Vail, Shinobi

ava-2733Kürzlich gab es im Land der Kamen Rider ein großes Ereignis. Die Franchise wurde 50 Jahre. Letztes Jahr. Zusätzlich feiert dieses Jahr die beliebte Serie Kamen Rider Black ihr 35-jähriges Jubiläum. Zum Zelebrieren wurde das Projekt Kamen Rider: Black Sun auf Streaming-Plattformen gehievt. Zunächst munkelte man es würde eine Film-Trilogie werden, letztendlich wurde eine 10-teilige Miniserie draus. Das ist gerade mal ein paar Wochen her, also noch richtig frisch.

Die Serie spielt im aktuellen Jahr, allerdings leben neben den Menschen auch noch Kaijins, eine diskriminierte Minderheit, welches sich in eine Tierform verwandeln kann. Aoi ist ein junges Mädchen, welches sich für die Gleichberechtigung derer einsetzt, und sogar vor der UN sprechen durfte. Was sie und die weite Bevölkerung allerdings nicht weiß, ist, dass die Kaijin von der japanischen Regierung während des Zweiten Weltkrieges erschaffen wurden. Noch komplizierter wird alles dadurch, dass die Kaijin nur über das Sekret des Creation Kings, dessen Leben sich zu Ende neigt, überleben. Nun gibt es natürlich Strömungen, die einen neuen Creation King suchen, und welche, die die Kaijin einfach sterben lassen wollen. Darunter befinden sich auch die beiden ehemaligen Freunde Kotaro und Nobuhiko, die vor Jahrzehnten bereits einer studentischen Widerstandsbewegung angehörten. Beide können sich in Kamen Rider verwandeln, finden sich allerdings auf gegenseitigen Enden des Konflikts wieder.

Die Serie möchte auf jeden Fall super erwachsen sein. Es gibt keinen Humor. Die Szenerie ist realistisch und häufig sehr tröge gestaltet –  Slums, Hinterhöfe, verlassene Industriekomplexe und so. Niemand ist glücklich, in den Kämpfen wird schon mal jemandem der Arm oder Kopf abgerissen (die Serie hat ein 18+ Rating in Japan), auch wenn jene Gewaltspitzen hauptsächlich für Kamen-Rider-Verhältnisse extrem sind. Sie sind meist super schnell rum, als habe man sie in einer Art und Weise gefilmt, damit die Kämpfe auch noch funktionieren, sollte man die gröbste Gewalt rauseditieren müssen. Und natürlich gibt es jede Menge Realwelt-Probleme, allen voran eine korrupte rechte Regierung und Rassismus gegen die Kaijin.

Gerade letzteres mag nicht das einzige Thema der Serie sein, ist aber doch ein wichtiges Element, welches konstant zur Sprache kommt. Und hier ist es, wo die Serie sich manchmal etwas schwer tut. Die Parabel der Kaijin zu menschlichen Minderheiten ist schon von Anfang an mit dem gleichen Problem ausgestattet, mit dem diese Fantasy-Rassen häufig kommen. Rassismus macht keinen Sinn, weil es Rassen nicht gibt, jede Begründung, warum verschiedene Menschen verschieden behandelt werden sollten, ist Blödsinn. Die Kaijin allerdings, sie sind halt keine regulären Menschen. Ja sie sind sogar als Weltkriegswaffen entwickelt worden und damit der Creation King ihr Überlebenssekret herstellt, müssen Menschen geopfert werden. Die Art und Weise, wie sie behandelt werden ist falsch und die Serie framed das auch so, allerdings sind nicht zwangsläufig alle Gründe ob einer Unterscheidung der beiden Spezies haltlos. Obendrauf gibt es noch einen geheimen Kabal an Kaijin, die mit der Regierung zusammenarbeiten. Was kein ungewöhnlicher Beat in einer Storystruktur ist, sich allerdings scheinbar niemand dem unfreiwilligen Zusammenhang mit rechter Rhetorik über Minderheiten, die im Dunkeln die Politik beeinflussen, bewusst gewesen war. Schön ist allerdings, dass die Serie sehr realistisch zur Konklusion kommt, dass es eben nicht nur an wenigen Headlinern liegt, Rassismus aus der Welt zu schaffen. Speerkämpfer auf beiden Seiten des Konfliktes sterben, aber in der Bevölkerung ändert sich nichts, es muss weitergekämpft werden. Das ist überraschend pragmatisch. Auf den Blödsinn, dass sich nur mit passiv-netten Reden was machen lässt, lässt sich die Serie netterweise gleich gar nicht ein. Das hat schon wieder etwas mehr Biss.

Natürlich ist Kamen Rider: Black Sun nur eine Serie. Eine, in der sich Menschen in Tiere verwandeln und dann Prügeln. Von daher lässt sich immer sagen, dass nichts hiervon eine direkte Parabel zu realen Dingen sein soll, sondern mehr eine allgemeine Allegorie darstellt. Also nicht alles 1:1 funktionieren muss. Ganz lasse ich das Black Sun allerdings nicht durchgehen, weil es dafür viel zu viele direkte reale Ereignisse referenziert. Aoi ist ganz klar nach Greta Thunberg designt. Die Behandlung der Kaijin erinnert stark dem Rassismus, den die Burakumin in Japan ausgesetzt sind. Ja im Finale gibt es eine Szene, bei dem ein Polizist auf dem Nacken eines Kaijin kniet, welcher „I can’t breath“ erwidert.

Allgemein hätte ich mir gewünscht, dass die Handlung etwas aufgeräumter gewesen wäre. Neben den Ungereimtheiten im Rassismus-Thema gibt es nämlich andere Dinge, die überraschend plötzlich geschehen. Das Finale macht beispielsweise ein großes Ding aus der Freundschaft von Nobuhiko und Kotaro und wie beide am Liebsten in die einfache Zeiten zurückkehren würden, als sie mit der Studentenbewegung waren. Wir bekommen viel Screentime mit jener Bewegung, aber kaum Szenen, in denen die einfach froh miteinander waren, meist gab es schon deutliche Risse. Genauso wie es nur wenige Szenen der beiden als Kindheitsfreunde gibt. Allgemein haben viele Folgen eine Szene, die einen sehr prägnanten Schluss abgeben würde, gehen dann aber noch zwei oder drei weitere lang. Ich wäre tatsächlich nicht überrascht, wenn das hier als drei Filme geplant war, die dann in einer kurzfristigen Entscheidung in zehn Folgen zerlegt wurden, denn der narrative Flow ist doch etwas schräg. Und zuletzt wäre es, gerade für so ein großes Jubiläumsprojekt, einfach schön gewesen, wenn die Serie etwas besser aussehen würde. Bei allem Realismus muss das doch nicht aussehen wie Reality TV, bei dem einfach draufgehalten wurde. Ein wenig mehr Ambition im Stage Setting und bei der Kameraführung, um alles etwas schnieke in Szene zu setzten, wäre nett gewesen.

Das klingt jetzt so, als hätte ich Black Sun nicht gemocht. Dem ist allerdings nicht so. Ich finde lediglich, dass die Serie viel verschenktes Potential hat. Als reine düstere Action-Serie, bei dem sich Kamen Rider brutal kloppen und die dabei erwachsene Themen hauptsächlich als Stage Setting benutzen, ist die Serie allemal unterhaltsam. Sie hätte halt noch wesentlich interessanter sein können, wenn mit jenen Themen wirklich so viel gemacht worden wäre, wie die Serie zu denken scheint das sie das tat. Die Serie wollte mehr aussagen, von daher kann sie auch unter harscheren Gesichtspunkten betrachtet werden.

Black Sun ist allerdings nicht das einzige edgy Kamen Rider. Mitnichten. In den 50 Jahren, die Kamen Rider besteht, gibt es da natürlich gleich mehrere. Eine davon ist sogar noch ziemlich neu. Nämlich Revice Legacy: Kamen Rider Vail, ein Special zur 2021-2022 gelaufenen Kamen Rider Revice Serie.

In 5 Episoden von jeweils 15 Minuten wird natürlich nicht viel erzählt. Im Prinzip ist es halt ein Special zum Ehepaar in Revice, die ich denke mal den emotionalen Familienkern der Serie bilden. Ich habe Revice nicht gesehen, aber würde so zumindest Sinn ergeben. Die Mutter erinnert sich 25 Jahre in die Vergangenheit, wie sie als junge Frau auf ihren Ehemann getroffen ist, und wie jener als Experiment zu Kamen Rider Vail wurde, um Dämonen zu besiegen.

Die Show macht dabei kein großes Geheimnis daraus, dass die Organisation wahrscheinlich Dreck am Stecken hat. Und es ist ziemlich offensichtlich, dass jene die Dämonen auf Junpeis Eltern losgelassen haben, um ihn zu traumatisieren und als williges Versuchsobjekt zu rekrutieren. Was ich allerdings ziemlich interessant fand, war das genutzte Transformationswort. Wenn die Kamen Rider ihre Gürtel aktivieren, kommt aus ihnen meist ein englisches Wort, welches die Aktivierung bestätigt. Das ist von Serie zu Serie unterschiedlich. Bei der Vail-Verwandlung ist das „Deal“. Was, wenn man das Setting der Serie betrachtet, impliziert, dass der Held selbst einen Packt mit dämonischen Kräften eingeht, um andere Dämonen besiegen zu können.

Allerdings schon ganz witzig, dass im Prinzip herausgefunden wird, dass die Ehe der beiden auf einer Lüge basiert. Nachdem Junpei wieder sein Gedächtnis am Ende verliert, erzählt sie ihm nämlich, sie seien verlobt. Um ihn emotional zu schützen. Und die beiden haben ja Gefühle zueinander. Aber es wäre schon irgendwo besser gewesen, sich eventuell lediglich als Freundin auszugeben und zu schauen, ob die Beziehung überhaupt klappt, statt ihm eine komplett falsche Familie vorzugaukeln.

Aber ja, im Prinzip ist Kamen Rider Vail also ein Prequel-Film. Ich denke er bringt einem etwas mehr, wenn man Revice kennt und einem die beiden Hauptfiguren von dort mehr bedeuten. Aber es war schon ein nettes kurzes Ding, wenn natürlich auch in der Natur der Sache liegend nichts besondres.

Eine weitere kurze Webserie ist Rider Time: Kamen Rider Shinobi, allerdings eine tonal ganz andere. Wesentlich bunter, komödiantischer und mehr auf Kinder ausgelegt würde ich mal sagen. Was ja nicht bedeutet, dass da kein Charm drin steckt. Rider Time sind wohl mehrere Specials, die als Spinoffs zu Kamen Rider Zi-O dienen, welches ich mal wieder nicht kenne.

Mit diesmal 3 Episoden a 15 Minuten gibt das Special natürlich noch weniger her. Das Setting ist so ziemlich die heutige Zeit, aber fusioniert mit einem mehr traditionell japanischem Design. Es gibt beispielsweise Ninja-Kämpfe darum, wer einen begehrten Platz in der erfolgreichsten Firma der Stadt bekommt, beheimatet in einem Wolkenkratzer mit einem japanischen Schloss auf dem Dach. Unsere drei Charaktere sind Iroha, die besonders viel Skill hat und am Wettkampf teilnimmt. Ihr Bruder Rentaro scheint wenig begabt zu sein, ist allerdings heimlich Kamen Rider Shinobi, in den Iroha sich verguckt hat. Der beste Freund der Geschwister ist Isami, welcher an Iroha interessiert ist und als Kamen Rider Hattari versucht Shinobi zu übertrumpfen.

Kamen Rider Shinobis Design finde ich nicht ganz so toll. Hauptsächlich der violette Schal ist mir vom Material zu glänzend, was ihn und damit das ganze Kostüm billig wirken lässt. Hattari hat auch Flatterkram am Kostüm, welches allerdings wesentlich weniger glänzt, was man auch bei Shinobi hätte verwenden sollen.

Gibt viel Comedy-Potential in dieser ziemlich leichtfüßigen Kurz-Show. Die mir wirklich gut Laune bereitet hat. Lediglich etwas kurz wirkt es schon, da die ganze Miniserie eher wie eine Pilot-Folge zu einer Serie erscheint, die es so nicht gibt. Tatsächlich macht Shinobi auch Bock auf mehr. Eine komplette 50-Episoden-Serie im TV hätte es vielleicht nicht sein müssen, aber hieraus so 12 Folgen zu machen wäre sicherlich als nettes Dreinspiel schön gewesen.

Kamen Riding: Paradise Lost and The First

ava-2710Willkommen zurück in der Welt von Tokusatsu, Seitenbranche Kamen Rider. Bekanntermaßen sind jene Shows ja für kleine Kinder gemacht. Was war der absolute Trend in den frühen 2000ern? Ganz genau „Was wenn Kindermedium, aber edgy?“. Wir hatten düstere Magical Girl Shows, wir hatten fiese Neuerzählungen von Märchen, und auch Tokusatsu-Superhelden machten da mit. Immerhin stammten aus der Zeit die trashig-unterhaltsame Cutie Honey: The Live TV-Serie und der tatsächlich richtig gute Casshern Live Action Film.

Die 2003er-Staffel der langen Franchise nannte sich Kamen Rider 555 (ausgesprochen Faizu, weil Five-Three in japanischer Umschrift Faibu-Suri ist nehm ich mal an). Der alljährlich darauf basierende Film hat den Untertitel „Paradise Lost“ bekommen, einer der Standardtitel, wenn man wichtig und smart klingen will. Die Serie muss allerdings nicht gekannt werden, denn Paradise Lost ist eine alternative Zeitlinie, ein anderer Weg, wie sie hätte enden können.

Alles Wichtige aus der Serie kann sich aus Context Clues zusammengereimt werden, immerhin haben wir es hier mit einer Kinderserie zu tun, das ist schon nicht so schwer. Scheinbar wurde die Erde von einer Organisation mit Namen Smart Brain angegriffen, welche die Menschen zu hörigen Orphnochs macht, die gleichzeitig als eine höhere Evolutionsstufe der Menschheit angesehen werden. In der Serie wird Kamen Rider Faiz wohl gegen deren Pläne, die Erde zu übernehmen, kämpfen und sie zurückschlagen, nehme ich mal an.

In der Kontinuität von Paradise Lost allerdings unterlag Faiz einem Angriff von Smart Brain und gilt als tot. Smart Brain hat die Welt übernommen, die wenigen überlebenden Menschen hocken in Enklaven außerhalb der Orphnoch-Gesellschaft. Ziemlich fiese Situation, in der sie sich also befinden. Tja, sagt das mal den Ureinwohnern von Australien oder Nordamerika. Takumi ist einer jener normalen Einwohner der Enklave. Denkt er zumindest. Bei einer Orphnoch-Attacke gewinnt er nämlich sein Gedächtnis zurück: Er ist Kamen Rider Faiz. Nach dem Angriff wurde er von einem menschlichen Wissenschaftler gefunden und bekam eine falsche Erinnerungen eingepflanzt, damit er bei dessen Tochter bleiben wird. Takumi hat überraschend wenig über jenen immensen Eingriff in seine Selbstbestimmung und Persönlichkeit zu sagen. Aber es gibt ja auch Orphnochs zu verprügeln.

Zumindest fiese Orphnochs, denn der Film etabliert, dass ein paar wenige auch auf der Seite der Menschen sind. Was allerdings mit enormen Spannungen einhergeht. Die menschliche Widerstandsbewegung selbst kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie Takumi als ihren Retter sehen soll, weil er als Faiz erfolgreich gegen Orphnochs kämpfen kann, oder ob sie ihm misstrauen sollen, weil eigentlich nur Orphnochs die Gürtel verwenden können, die einen in Kamen Rider verwandeln.

Das hört sich bestimmt an, als wäre eine Menge los in Paradise Lost. Und zu einem bestimmten Teil ist dem auch der Fall. Zum einen muss natürlich viel über die Welt und in welchem Zustand sie ist überbracht werden. Zwar ist das hier ein Film, der auf sich alleine gesehen werden kann, aber das bedeutet nicht, dass es ein Stand Alone Film ist. Es muss ein wenig erklärt werden, was in der Serie los war, und selbst für Fans der Serie, an welchem Punkt und zu welchem drastischen Ausmaß sich die Welt im Film von jener in der Serie abgespalten hat. Zudem gibt es eine Unmenge an Charakteren und Verwicklungen. Takumi findet sich in einem romantischen Dreieck. Die drei guten Orphnochs zwischen dem Willen den Menschen helfen zu wollen und von ihnen misstraut zu bekommen. Die Leute im Widerstand unsicher, wem sie trauen können.

Erwartungsgemäß gibt es da so einige Verwicklungen, so einige Missverständnisse, einigen Betrug. Es wird viel untereinander gekämpft. Da wirkt der Film manchmal ein wenig überladen, wahrscheinlich weil man alle wichtigen Rollen aus einer längeren TV-Serie erneut unterbringt. Aber alles ist doch relativ einfache und normale Kost, wenn es um einen Film in jenem Thema geht. Von daher ist ihm einfacher zu folgen, als das in der Retrospektive klingen mag.

Besonders gefallen haben mir übrigens die Designs in Paradise Lost. Damit meine ich nicht unbedingt das allgemeine Stage Design oder Takumis schreckliche Perücke, noch nicht mal unbedingt die Kamen Riders, sondern ich fand vor allem die Orphnoch-Designs ziemlich cool. Die weißen Kostüme mit der organisch aussehenden Detaillierung und Designs basierend auf diversen anthropomorphen Tieren sind ziemlich nice.

2005 brachte uns dann Kamen Rider: The First in die japanischen Kinos. Ein Film-Reboot, der eine alternative Erzählweise des allerersten Kamen Riders ist… also der TV-Serie und des Manga von 1971. In einem dann modernen Setting.

Student Takeshi hat ein kleines romantisches Problem. Denn er hat sich ein wenig in Reporterin Asuka, die über seine Forschungen berichtet, verguckt, sie ist allerdings schon mit ihrem Kollegen Katsuhiro verlobt. Doch überraschend ist jenes Problem aus dem Weg geschafft, nachdem Katsuhiro bei einem Überfall der bösen Shocker getötet wird… von Takeshi selbst.

Das hat natürlich einen Grund. Die Shocker kidnappen kompatible Menschen und verwandeln sie in ihre Agenten. Takeshi ist deren jüngstes Opfer, Codename Hopper, erwacht aber zu seiner Menschlichkeit zurück, nachdem er sieht, was er getan hat. Dummerweise hat aber auch Asuka alles gesehen und ist selbstredend nicht so gut auf den Mörder ihres Verlobten zu sprechen. Netterweise geht sie allerdings nicht zur Polizei oder so, sondern stalked stattdessen Takeshi in Hoffnung eine Newsstory zu bekommen. Und dann taucht auch noch ein neuer Kerl in ihrem Leben auf, der genau wie Katsuhiro aussieht. Denn die Shocker haben einfach einen zweiten Hopper gemacht, nachdem sie Takeshi nicht steuern können.

Im Gegensatz zu Paradise Lost ist The First ziemlich geradlinig. Es ist einer jener Filme, bei dem die meisten menschlichen Konflikte, welche die Sache verlängern, hauptsächlich darauf zurückzuführen sind, dass keiner richtig miteinander redet. Aber im Prinzip haben wir eine fiese Organisation, die Leute in sich infiltriert, und ihre Opposition umbringen. Inklusive Asuka, die ihnen auf die Schliche zu kommen versucht. Nun haben wir aber gleich zwei Kamen Rider, die von den Shocker geschaffen sich in Asuka verlieben und natürlich darüber streiten, wer sie bekommen sollte, statt ihr die Entscheidung zu überlassen. Und eine von allem sehr verwirrte Asuka.

In der Theorie zumindest, denn das größte Problem von The First ist, dass die Charaktere ziemlich blasé bei allem erscheinen. Egal wie sehr der Narrativ uns mitzuteilten versucht, wie emotional aufgewühlt sie doch sind, so richtig rüberkommen will das nicht. Ist auch etwas wenig für 90 Minuten Laufzeit, was wahrscheinlich der Grund ist, warum wir ständig Flashbacks zu zwei stationierten Teens in einem Krankenhaus bekommen, die immer etwas perplex die eigentliche Handlung unterbrechen, bis wir am Ende endlich herausfinden, wie jene überhaupt marginal mit hineinspielen.

Kudos allerdings zum Shocker Bat, einer der drei Anführer, die wir hier sehen. Nicht nur hat er entsprechend in seiner Verwandlung einen Fledermaushelm auf und kann via schrecklichem Effekt sogar fliegen, nein selbst in seiner menschlichen Form bleibt er sich treu und trägt ein Dracula-Cape.

Saber + Zenkaiger: Super Hero Senki

ava-2701Heute reden wir mal über Tokusatsu, ein Genre von japanischen Filmen, welches eigentlich keines ist, sondern ein Dachbegriff. Wenn Tokusatsu als Begriff fällt, und dieser überhaupt etwas sagt, dann ist der erste Gedanke immer Japans Superhelden-Filme, wahrscheinlich sogar direkt die westliche Adaption Power Rangers. Doch Tokusatsu steht im Prinzip für alle Live Action Produktionen, die einen hohen Anteil an Special Effects beinhalten. Mecha Shows sind also Tokusatsu und genauso das Subgenre der Kaijus: Monsterfilme a la Godzilla.

Was die Superhelden-Seite angeht, möchte ich immer sagen, dass ich mich damit gar nicht auskenne, bis mir dann wieder einfällt, dass ich doch ein paar gesehen habe. Das bedeutet nicht, dass ich mich dadurch wirklich im Subgenre auskenne, aber immerhin ist es mir auch nicht ganz unbekannt. Ich habe tatsächlich den Beginn von Power Rangers bis zum ersten Film gesehen. Ich mochte es nie, muss ich dabei eingestehen. Aber es war halt eine Show, die zwischen anderen Shows im Samstag-Morgen-Programm für Kinder lief und damals hat man das dann einfach mitgenommen, weil man nicht einfach Youtube, Twitch oder Netflix für interessantere Unterhaltung anschmeißen konnte. Ich habe im alten Blog mal die ersten Folgen vom japanischen Spiderman besprochen, wo er im Prinzip ein Kamen Rider Verschnitt ist. Und die frühen 2000er Reboots von Cutie Honey sowie Casshern habe ich geschaut, wobei gerade letzterer eher ein Arthouse-Film denn reguläres Tokusatsu ist. Cutie Honey: The Live war ebenfalls ziemlich cool. Oh ja, und ich kenne natürlich die Live Action Sailor Moon Serie, die ist im Prinzip auch Tokusatsu.

Allerdings, soweit Power Rangers vor dreißig Jahren nicht zählt, habe ich nie die beiden großen Serien miterlebt. Kamen Rider und Super Sentai, die beiden seit den 70ern laufenden Evergreen Franchises in Japan, den Kindern dort regelmäßig neue Inkarnationen ihres Superheldens oder Superhelden-Teams auf die Bildschirme bringend. Beides aus der Feder des bereits 1998 verstorbenen Shotaro Ishinomori. Doch mehr zufällig bin ich jetzt in Berührung mit ihnen gekommen. Beiden gleichzeitig im film Saber + Zenkaiger: Super Hero Senki, denn jener zelebriert gleichzeitig das 50-jährige Jubiläum von Kamen Rider und das 45-jährige von Super Sentai.

Das führt natürlich dazu, dass ich so einige Momente über ein wenig lost war. Aber irgendwie kann man sich Dinge ja glücklicherweise zusammenreimen. Wie schwer kann es schon sein, bei einer Kinderfranchise mitzukommen?

Also wir starten in einer Weltraumstation, wo der Bösewicht Asmodeus verschiedene Bücher abgreift. Das scheinen die Kamen Rider/Super Sentai Geschichten zu sein. Ok. Also die verschiedenen Shows existieren scheinbar alle zusammen in einer Art Metaversum oder so. Verstehe. Nur sind sie da nur Geschichten in Büchern, oder führen jene tatsächlich in individuelle Parallelwelten?

Scheinbar letzteres, denn Teile des Teames der aktuellen Kamen Rider und Teile der aktuellen Super Sentai verschwinden plötzlich in der jeweils ihrigen Welt und tauchen stattdessen in der jeweilig anderen wieder auf und müssen nun sehen, was Sache ist. Der aktuelle Kamen Rider ist dabei selbst ein Romanautor und die Serie scheint sich darum zu drehen, dass die Geschichten aus Büchern wahr werden können? Oder so ähnlich, denn plötzlich werden die beiden gemischten Teams in klassische japanische Literatur wie die Wolfslegende Hakkenden oder die allseits bekannte Dragonball-inspiration Reise in den Westen gewarpt. Einen jungen Schreiberling namens Shotaro greifen sie dabei auch auf.

Als ich den Film sah, war mir der Name des Creators der Serien noch nicht bekannt, aber es ist ziemlich schnell ziemlich klar, dass Shotaro auf einer Meta-Ebene wichtig werden wird. Und als ich dann fragte, ob der Crossover-Film zu einem Jubiläum oder ähnliches herausgekommen ist, und gesagt bekam, dass es sogar das Jubiläum beider Serien ist, war klar, dass es sich dabei um den Schöpfer handeln würde.

Und so gebiert sich der weitere Film auch dahingehend, dass Shotaro dabei zusehen muss, wie seine späteren Schöpfungs-Superhelden bzw deren aktuelle Inkarnationen von nach seinem Tode, sich mehr und mehr gefährlichen Kämpfen zu stellen haben. Bis Asmodeus ihn dazu überredet, dass Superhelden zu kreieren eine schlechte Idee ist und Shotaro seine Zeichnungen zerstört, was die Rider und Sentai aus der Existenz puffen lässt. Natürlich sieht er später wieder ein, dass die Welt dennoch Superhelden benötigt, die für das Richtige kämpfen, und es kommt im Finale passend zu einer Kampf der Inkarnationen aller bisherigen Kamen Rider und Super Sentai gegen Asmodeus Armee.

Am Ende war ich gar nicht so lost, wie ich dachte, dass ich es wahrscheinlich sein werde. Und das obwohl ich mitten in einen Film geschmissen wurde, der Tribut zu einem halben Jahrhundert gleich zweier Franchises ists. Viele Dinge waren aber ziemlich selbst-erklärend, beziehungsweise Sachen, die man einfach so hinnehmen kann, ohne groß weiter drüber denken zu müssen. Ein wenig Blödsinn und „was ist hier los, wer kämpft jetzt schon wieder gegen wen“ gehört halt einfach auch ein Stück weit dazu. Und der Film war schon ziemlich zügig voranschreitend, so dass keine Langeweile aufkommt, und das Finale mit allen Riders und Sentais ziemlich Hype, auch wenn die mir an sich nichts gesagt haben. Guter Jubiläums-Film.

Wobei mein zynisches Ich natürlich all die vielen Gadgets, die fürs Verwandeln und Superpowern und was weiß ich noch, welche die Kamen Rider und Super Sentai einsetzen, nicht sehen kann, ohne zu denken, dass die alle spezifisch designt sind, um so viel Plastik-Spielzeug wie möglich an die junge Zielgruppe wie möglich zu bringen.

Ich wäre jedenfalls nicht abgeneigt mir mehr Kamen Rider und Super Sentai anzusehen. Aber wahrscheinlich doch nicht via der Serien, sondern weiterhin im Schnellformat durch die Filme.

The Deadpools

ava-2656Manchmal hat man das Gefühl alle Comics gehören entweder zu DC oder Marvel. Zumindest diejenigen über Superhelden. Deadpool beispielweise – ein Charakter der von Superschurke zu quirligem Antiheld wurde – entstammt den X-Men, crossovert aber auch gern munter mit allen möglichen anderen Franchises, ist häufig mit Spiderman unterwegs. Das geht natürlich wesentlich einfacher, wenn sowieso die Hälfte aller Superhelden Marvel gehören. Etwas schwieriger ist das dann wohl in Filmen, wenn die Rechte an unterschiedlichen Stellen liegen. Dort werden die X-Men nie auf andere Marvel-Helden treffen, und auch zu Spiderman überlegt man sich dreimalig, ob er wirklich hier oder dort zu sehen sein muss, weil man dann ja was von den Blockbuster-Megaverdienen mit anderen Firmen teilen müsste. Und wenn Disney eine Sache nicht mag, dann Geld abgeben, selbst wenn das bedeuten würde, dass ihre Parkmitarbeiter nicht mehr im eigenen Auto schlafen müssten.

Egal, Deadpool also. Wie so viele Superhelden-Franchises nach dem Erfolg der ersten X-Men und Spidermen zu Beginn des neuen Jahrtausends sofort unter den Verfilmungsrechte-Hammer gekommen, war es dann eine jener Dinge, die eine Weile in Development Hell verbrachten. Seinen ersten Auftritt hatte er in Wolverine: Origins, auch wenn das gern vergessen wird, da er nicht wiederzuerkennen war. Doch 2016 durfte Ryan Reynolds erneut in seine Rolle schlüpfen und nach dessen Wolverine-Verkörperung und Green Lantern endlich einen Comic-(Anti)-Helden spielen, der nicht von allen verschmäht wird.

Das viele unnötige Gerede darüber, dass man nicht so einfach Superhelden zusammenwirft, selbst wenn sie im Urpsrung vom gleichen Lizenzinhaber stammen, oder wie sehr die beiden vorigen Reynolds-Helden verschmäht werden, ist übrigens nicht ganz sinnlos gewesen. Denn auch die Deadpools werden es nicht leid, uns an diese Dinge zu erinnern. Referenzen und Fourth Wall Breaks sind die Hauptwährung des Filmes, in der Hoffnung, witzig zu sein

Schon die erste Szene im Filme, voll in media res, hat Deadpool in einer Prügelei, bei der schon mal das das People-Magazin vorbeifliegt, welches Ryan Reynolds als Sexiest Man Alive gekürt hat. Deadpool spricht direkt in die Kamera zu uns. Macht krude Sexwitze. Während in Slow Motion die Gegner teils im wahrsten Sinne des Wortes zu Brei verarbeitet werden. Wer das alles etwas arg anstrengend statt witzig findet, darf den Film direkt ausschalten, denn weder er noch sein Sequel werden sonderlich viel machen, um hieran was zu ändern.

Ich war da etwas geteilter Stimmung. Fand diesen Einstieg zum Teil schon ganz amüsant, war allerdings auch skeptisch, ob ich einen ganzen Film mit diesem kruden Früh-2000er-Jahre Humor überstehen werde. Habe ich dann, und den Nachfolger noch gleich mit.

Von der Handlung gibt der erste Deadpool nicht viel mehr her, als ich über kulturelle Osmose schon mehr oder weniger dachte, was los ist. Wade ist ein Auftragskiller, der sich in eine Nutte verguckt. Er bekommt Krebs und verlässt die Beziehung, weil er das fürs Beste beider hält. Er gerät an einen Typen, der meint über ein experimentelles Vorgehen kann er ihn heilen. Am Ende kommt eine Mutant bei raus, der gleichzeitig ständig vom Krebs zerfressen wird, aber durch konstante Selbstheilung nie sterben kann. Kostüm an, Deadpool als Namen rausgesucht, und ab hinaus in die Welt, um sich unter anderem an jenen zu rächen, die ihm das angetan haben.

Eine Sache die ich bei jener Standard-Handlung allerdings ganz gut fand ist, dass sich der Film selbst im Klaren darüber gewesen zu sein schien, das man die ewig gleiche Stationen abhandelnde Origin-Stories als Publikum über drei Millionen Marvel-Filme innerhalb der letzten fünf Jahre etwas leid geworden ist. So ganz ohne geht es aber scheinbar auch nicht. Und so versucht der erste Deadpool zumindest strukturell das Beste, um die ganze Sache aufzulockern. Sprich wir bekommen viele Szenen, in denen der etablierte Deadpool bereits sprücheklopfend um sich schießt, die immer mal wieder hier und dort mit den Origins Flashbacks unterbrochen werden. So langweilt man sich wenigstens nicht die erste Hälfte des Filmes, bevor es richtig losgehen kann.

Und irgendwo fand ich die geradelinige Handlung vom Erstling gar nicht mal so übel. Wie ich festgestellt hatte, als ich mir Deadpool 2 reingezogen habe. Nach dem sehr offensichtlichen Twist, dass Deadpools Freundin direkt zu Beginn erschossen wird, denn wir hätten ja keine weiteren Filme im gleichen Stil, wenn er mit ihr glücklich bis ans Ende ihres Lebens gewesen wäre, versinkt der nämlich in einer wesentlich undurchsichtigeren Handlung. Deadpool 2 wirkt wesentlich mehr wie der typische moderne Superheldenfilm, der fünf mal umgeschrieben wird, und bei dem Szenen schlicht geschehen, weil sie mal in einem der Scripte waren, auch wenn jetzt das Ganze nicht mehr zusammenpassen will. Kudos allerdings zum üblichen (filmischen) X-Men Faksimile die Mutantenfeindlichkeit mit Homophobie gleichzusetzen und ein christliches Umerziehungscamp zum Bösewicht zu machen.

Aber ja. Beide Filme werden es nicht leid in die Kamera zu winken. War der erste Deadpool in Wolverine: Origins nicht dämlich? War Green Lantern nicht schrecklich? Yo, Ryan Reynolds ist unser Deadpool, aber auch ein Charakter als er selbst! Hey, die X-Men-Villa ist komisch leer, gelle, wir können uns eben die ganzen anderen Stars nicht leisten! Viele Witze, gerade in der Kathegorie des Fourth Wall Breakings, wiederholen sich etwas zu häufig, um nicht alt zu werden. Und zünden dann am Besten, wenn der zweite Film sich doch mal entschließt, sie nicht 1:1 zu wiederholen, sondern tatsächlich mal auf sie aufbauend weiterzudrehen – wie wenn die anderen X-Men doch plötzlich in der Villa sind, aber sich verstecken, weil sie Deadpool so unerträglich finden.

Welcher Humor keine Referenz ist, der ist dann eben eher krude. Toilettenhumor, Sexhumor, alles wie gesagt extrem 2000ern a la South Park und Co. Gerettet wird das zum Großteil für mich dadurch, dass Ryan Reynolds tatsächlich einfach so unglaublich charismatisch ist, selbst wenn man ihm eine Maske aufzieht. Der Mann strahl eben eine Energie aus, mit der ich mitgehen will. Und wirkt so harmlos kanadisch, dass selbst die Witze, die schnell unangenehm von oben herab tretend wirken können, nicht so gemein herüberkommen, wie es im Schlimmstfalle hätte sein können.

Was ist nun also mein persönliches Verdikt zu der Deadpool-Duologie? Ich fand sie doch ganz unterhaltsam. Sie haben eine gute Energie, ein geradezu rasantes Tempo, langweilen nie wirklich, und wissen wie man auf den Putz haut. Nicht allzu lang durchatmen zu können verbirgt dann eben auch, dass der Humor teils nicht zündet, allgemein etwas veraltet wirkt, und die ganze Sache zum Großteil nur eine Gaudi ist, weil seine Darsteller echt Spaß zu haben scheinen.

Avengers: Endgame

Angekommen. Sieben Jahre nach dem ersten Avengers, elf Jahre nach dem ersten Iron Man, 22 Filme in den MCU. Avengers: Endgame bringt das Großereignis zum Abschluss, so dass wir alle ab nun nie wieder einen Superhelden-Film schauen müssen. Natürlich alle Rekorde gebrochen, inklusive sich noch vor Titanic und Avatar als erfolgreichster Film aller Zeiten zu setzen.

Die Hälfte der Universumsbevölkerung ist also eingeäschert. Wer übrig ist, kommt darüber nicht hinweg. Genau genommen machen sich unsere verbliebenen Helden sogar direkt auf den Weg zu Thanos, um das Ruder noch mal rumreißen zu können. Kann man aber nicht, denn Thanos war schlau genug, die Power Stones zu zerstören, damit nie wieder jemand in Versuchung gerät. Thor macht ihn dann auch sang- und klanglos einen Kopf kürzer.

Fünf Jahre später: Alle sind immer noch schlecht drauf. Captain America geht zu Selbsthilfegruppen, denen er seinen Optimismus näherbringt, an den er eventuell selbst nicht mehr restlos glaubt. Black Widow leitet die Avengers weiter, obwohl die Welt sie eventuell gar nicht mehr braucht. Thor ist ein heruntergekommener Penner. Tony Stark hat es ganz gut getroffen, als Familienvater, und beweißt, dass es Reichen selbst in der Postapokalypse gut gehen wird. Und Ant-Man kommt plötzlich aus der Mikrodimension wieder heraus, wo für ihn nur wenige Stunden vergangen sind.

Und genau daraus erwächst ein neuer Plan. Was, wenn mit jener Technologie Zeitreisen möglich sind? Was, wenn man aus den verschiedenen Jahren, bevor Thanos sie sich aneigenete, die Steine holen kann? Was, wenn man einfach alle wieder ins Leben zurückschnippst?

Damit starten also drei Stunden Film, in denen alle ein trauriges Gesicht machen und keine echten Farben poppen. Es muss ja eine ausreichend deprimierende Stimmung verbreitet werden.

Der Film spaltet sich dann auch in ziemlich genau drei Teile, man sollte fast meinen, eine 3-Akte-Struktur hätte sich historisch in der Cinematographie durchgesetzt, Genaues weiß man aber nicht. Die erste Stunde behandelt die Basics, wie es denn jetzt allen so geht. Grundresumee: Nicht so geil, very sadface, all the time. Die zweite Stunde hat dann etwas mehr pepp und sogar ein wenig humorige Sprüche zu bieten, wenn die einzelnen Teams in der Zeit zurückgehen, um jeweils ihre Power Stones abzugreifen. Natürlich geht da bei jedem irgendwas schief. Nach zwei Stunden wird dann die finale Schlacht gegen Thanos eingeläutet, resultierend aus den Schiefgängen. Was zunächst nur wie er gegen die drei Poster Boys der Franchise, Iron Man, Captain America und Thor, aussieht, verwandelt sich dann doch in einen großen Everyone’s Here Brawl fast jedes jemals in der MCU aufgetretenen Charakters. Sogar das Girl Squad bekommt eine gemeinsame heroische Szene, nachdem die weiblichen Figuren traditionell in den MCU-Filmen etwas kurz kamen bisher. Nach einer halben Stunde Kampf ist die Geschichte soweit gegessen und die finale halbe Stunde kann sich dem ausschweifenden Epilog widmen, der natürlich nach 22 Filmen irgendwo mal angebracht ist.

Damit gehen dann die bisherigen Avengers in die Gutenacht, auf das die neuen Galionsfiguren kommen mögen. Natürlich hat sich das Publikum bereits ausreichend in Tom Holland und seinen Spider Man verliebt, so dass dessen frisches Poster-Boy-Gesicht auch ordentlich im Finale zu sehen ist, damit man nicht vergisst, nach Endgame weiterhin in Marvel-Superhelden-Filme zu gehen. Und auch Captain America gibt sein Schild weiter, auf das der nächste unter dem Titel die Nachfolge von Steve Rogers antreten möge.

Bin erneut ein wenig in dem Gefühl hinterlassen, dass ich den Film schon sehr mochte, aber nicht so ganz weiß, wie sehr denn wirklich. Also die letzte halbe Stunde war schon geil, wenn dann alle da sind und sich alles ordentlich fetzt. Und auch die viele Emotionalität auf den langen Epilog gesehen, der doch mehr zog, als ich das von mir erwartet hätte. Die zwei Stunden davor sind auch gut, sind auch unterhaltsam, langweilen ebenfalls nie, aber ob sie wirklich so lang hätten sein müssen, sei dann mal wieder dahingestellt. Gerade in der allerersten wirkt der Film etwas leblos. Klar, ist ja auch nur noch die Hälfte davon übrig, aber irgendwie hätte ich mir etwas mehr Schwung oder zumindest eine verkürzte und stringentere Herangehensweise gewünscht. So richtig aufblühen tut der Film nämlich hier hauptsächlich dann, wenn einer der Charaktere Screentime bekommt, der selbst in jener Situation sich noch ein wenig seinen Humor bewahrte.

Captain Marvel

Wer sich wundert, dass wir Ant-Man and the Wasp überspringen: Das liegt daran, dass ich den tatsächlich mal sogar zu Release im Kino gesehen habe, also bereits kenne. Von daher haben wir zwischen den Avengers im Infinity War und denen im Endgame nur noch einen Zeitsprung zurück in die 90er zur Captain Marvel zu machen.

Vers ist eine Soldatin der Kree, deren oberstes Kredo es ist, dass Gefühle unterdrückt gehören, weil sie einem nur in den Weg kommen. Angeführt von der Supreme Intelligence führen die Kree einen Krieg gegen die feindlichen Skrull, die als Gestaltwandler theoretisch jederzeit eine Unterwanderung beginnen können, weswegen die Kree beständige Paranoia dahingehend hegen müssen.

Bei einem Einsatz strandet Vers allerdings mit ein paar Skrull auf der Erde, wo sie prompt auch Nick Fury über den Weg läuft, und nach und nach feststellen muss, dass was sie als Wahrheit zu kennen meint, dieser eventuell gar nicht entspricht. Immerhin scheint sie auf dem Planeten bereits als Kampffliegerin Carol Danvers bekannt zu sein, ist also eigentlich gar kein Teil der Kree.

Ich habe mit Captain Marvel im Grundzug bereits das gleiche Problem, welches ich mit Doctor Strange hatte: Er wirkt fehlplatziert und altbacken. Es ist 2019. Wir sind in Phase Drei des MCU. Einen Film vom Endgame entfernt. Und wir bekommen eine weitere Origins Story, die durch die Standards eines frisch erweckten Superhelden gehen muss, was thematisch wesentlich besser in Phase Eins und die erste Hälfte von Zwei passt. Ich als Zuschauer, aber auch der MCU als Franchise, ist eigentlich mittlerweile weitergezogen. Und das Spider-Man: Homecoming und Black Panther versuchten, wenn auch nicht ganz erfolgreich, eine jene zu übergehen, zeigt mir, dass man sich bei Marvel dessen auch bewusst ist. Aber wichtige Figuren für die Avengers-Filme dürfen nicht einfach vom Himmel fallen, und jeder neue MCU-Film schwingt sich automatisch dazu auf, einer der monetär erfolgreichsten Filme seines jeweiligen Kinojahres zu werden, also bekommen wir weitere Superhelden-Anfänge präsentiert.

Abgesehen davon wirkt Captain Marvel, erneut ganz wie Doctor Strange, besonders nüchtern und schwunglos. Spider-Man: Homecoming hat wenigstens die witzigen Sprüche und einnehmende Energie seines Hauptcharakters zu bieten. Black Panther eine Menge coole Action und einen eigenen Look. Captain Marvel hat auch Action. Captain Marvel hat auch flotte Sprüche. Aber so richtig herausragend in irgendeinem Bereich ist der Film nie, sondern scheint wirklich hauptsächlich durch die vorgegebene Motorik zu gehen.

Die Sprüche beißen sich teilweise sogar ein wenig mit dem Charakter an sich. Denn Vers ist mal die stoisch-emotionslose Kree, und dann in der nächsten Szene wieder die Sprüche-klopfende Oneliner-Maschine. Und es scheint nie so ganz zusammenpassen zu wollen. Selbst Brie Larson scheint in einigen Szenen etwas verwirrt darüber, welchen Charakter sie jetzt genau mimen soll. Ich kann mir echt nur vorstellen, dass hier jemand ziemlich merkwürdige Schauspielanweisungen gegeben hat. Wenigstens hat sie mehr Chemie beim Spiel mit ihren Co-Stars, als das Benedikt Cumberbatch hatte.

Ein Problem, welches der Film sicherlich hatte, ist zudem, dass Captain Marvel viel zu stark ist. Tatsächlich muss ihr im großen Endkampf dann sogar geradezu eine ganze Flotte an Raumschiffen entgegnen, damit sie als einzelner Superheld ein wenig ins Schwitzen kommt. Der Kampf wird auch prompt fast eher humoristisch dargestellt. Im Endresultat darf der Charakter dadurch eben erst auf die letzten 10 Minuten des 2-Stünders ihre vollen Kräfte als Captain Marvel bekommen, was den Film auch etwas hinzieht und dazu zwingt, sich irgendwie anders füllen zu müssen.

Ich verbleibe mit Captain Marvel also etwas unenthusiastisch. Erneut will ich wiederholen, dass man mit so ziemlich jedem MCU-Film einen langweiligen Abend killen kann. Auch Captain Marvel unterhält auf einem basischen Level. Aber eben auch nicht mehr. Damit steht der Film nicht alleine am Grund des MCU-Fasses, aber nur weil er Gesellschaft hat, hebt ihn das eben dennoch nicht über den Durchschnitt.

Avengers: Infinity War

2018 wurde also genau 10 Jahre nach dem ersten Iron Man das Ende eingeläutet. Der finale Avengers-Film ging in seine erste Hälfte, auch wenn Marketing irgendwann das Part 1 rausstrich, und dem letzten Film einen neuen Untertitel verabreichte. Wurde prompt auch der bestverkaufte Film des Jahres, und setzte sich auf den dritten Platz aller Zeiten, steht auch dieses Jahr noch auf Platz vier.

Da gibt es so ein violettes Alien mit Namen Thanos. Dessen Planet stand vor der Zerstörung durch Überbevölkerung. Also hat er den „facts over feeling“-Plan entworfen, doch einfach die Hälfte der Bevölkerung zu töten. Ganz fair per Losentscheid. Hat keiner mitgemacht, und deswegen ist seine Heimat zugrunde gegangen. Thanos immer noch davon überzeugt, dass sein Plan die einzig wahre Idee ist, erhebt sich anschließend zum das Universum bevormundenden Faschisten, der einfach für alle anderen entscheidet, und von Planet zu Planet reist, um jeweils den halben Genozid zu vollführen.

Massenmord muss aber doch effizienter gehen, wenn man mal genau drüber nachdenkt. Und deswegen ist der fliederfarbene Schurke nun hinter den Infinity Stones her, damit er mit einem einzigen Fingerschnippen das halbe Universum ausrotten kann. Einen davon haben die Avengers. Über einen anderen wacht Doctor Strange. Den Zugang zu einem dritten Stein kennt seine abtrünnige Tochter bei den Guardians of the Galaxy. Den aus Asgard hat er Thor bereits abgenommen und Loki umgebracht. Thanos eckt also bei jedem an.

Thanos ist natürlich ein interessanter Schurke. Er ist nicht im Recht, aber man kann nachvollziehen, warum er sich so fühlt. Zumal er sehr charismatisch gespielt wird und der Film sichergeht, dass er nach jedem Mord oder gar Völkermord eine Träne vergießt, damit wir auch ja sehen, wie schwer es ihm fällt. Auf einer streng logischen Basis, wenn damit konfrontiert, dass die Welt an Überbevölkerung in naher Zukunft zugrunde gehen wird, und es dafür keine Lösung gibt… ist die Lösung die Überbevölkerung strikt anzugehen natürlich naheliegend. Moralisch und ethisch absolut verwerflich. Aber warum jemand auf die Idee kommen könnte schon klar. Wobei ich ja denke, dass die Regierungen dabei im Extremfall schon mitspielen würden, aber das mit dem Losentscheid für sich selbst und ihre Familien aussetzen würden. Es gäbe dann nämlich eher die Diskussion, wer lebenswert ist und wer nicht und wer das zu entscheiden hat. Aber keiner würde es komplett dem Zufall überlassen, der könnte nämlich auch einen selbst und die eigenen Lieben treffen.

Ich glaube nicht, dass Infinity War versucht, uns darzulegen, dass Thanos eigentlich recht hat. Stattdessen sehe ich es her so, dass es ganz gut zeigt, wie er immer tiefer in den Hasenbau fällt. Sobald erst mal angefangen wurde, Leben dem angeblich größeren Ziel zu opfern, entsteht ein Schneeballeffekt mehr und mehr zu opfern bereit zu sein, eben damit die vorigen Opfer und die damit auf sich gezogene Schuld nicht umsonst war. Man hört nicht mitten mi Genozid auf, sondern rechtfertigt weiter, bis er abgeschlossen ist, in der Hoffnung recht gehabt zu haben, dass das Ziel wirklich die Mittel heiligt.

Als Film an sich fühlt sich Infinity War übrigens ein wenig so an, als steckte man in mehreren. Die Sache mit so einem großen Crossover ist, dass es schwer ist alle Charaktere und deren Persönlichkeiten auftreten lassen zu müssen, ihnen gerecht werden zu müssen, sie in ein stimmiges Ganzes zu bringen. Da schafft es Infinity War sicherlich ganz gut, allen Beteiligten gerecht zu werden, und am Ende ist man ja aus der Problematik raus, in dem der Cast rigoros für Endgame zurechtgestutzt wird. Aber je nachdem, zu welcher Lokalität und welchen Superhelden wir gerade springen, scheinen wir von der Stimmung her doch in grundverschiedenen Filmen zu sein. Zumindest bis zum Ende, wenn alles in einem Rundumschlag an Misery Porn zusammenkommt.

Das führt natürlich auch dazu, dass der Film wenigsten viel Abwechslung bietet. Es ist schwer, sich zu langweilen, wenn so viel auf einmal zu geschehen scheint, so viele Charaktere mehr oder weniger zusammenkommen. Und gegen Ende natürlich auch so viel auf dem Spiel steht. Ich war zumindest voll involviert, und die Szene zwischen Peter Parker und seinem quasi Mentor Tony Stark hat mich schon erwischt gehabt. Es ist ein Film, der durch charismatische Charaktere, witzige Dialoge, coole Action und auch emotionale Momente unterhält, also ein wenig was von allem bietet. Letztere funktionieren natürlich nur, wenn man mehr oder weniger mit auf der Reise der letzten 10 Jahre durchs MCU war, die Charaktere schon noch zumindest vage aus den anderen Filmen kennt, aber es begeht sicherlich keiner wirklich den Fehler, die Franchise bei Infinity War zu beginnen.

Ganz so gut gefallen wie Captain America: Civil War hat mit Avengers: Infinity War zwar nicht. Denn Civil War hat ähnliche Thematik, ist jedoch wesentlich stringenter präsentiert. Aber richtig gut gefallen hat mir Infinity War dennoch, es ist definitiv ein toller Auftakt zum Payoff des MCU und ich bin mal gespannt, ob Endgame alles einzulösen wissen wird, ein guter Start dazu ist zumindest gelegt.

Black Panther

Als nächstes kommen wir zu Black Panther. Dem MCU-Superheldenfilm, der es schaffte für ganze 7 Oscars nominiert zu werden, und drei davon sogar abzuräumen. Natürlich hauptsächlich in den technischen Kategorien. Ein Gewinn bei Best Picture wäre aber auch nicht ganz nachvollziehbar gewesen.

Vor Ewigkeiten ist im Herzen Afrikas ein Meteorit runtergegangen, der ein Supermetall beinhaltete. Eine dadurch veränderte Pflanze wurde einem Krieger gegeben, damit er zum ersten Black Panther wurde, der vier der fünf Stämme unter sich vereinte und ein geheimes technisches Superimperium mit dem außerirdischen Metall erschuf.

Nachdem in Captain America: Civil War der aktuelle König von Wakanda gestorben ist, welches nach außen hin immer noch vorgibt, ein Dritte-Welt-Land zu sein, wird somit sein Sohn T’Challa zum neuen Staatsoberhaupt des technisch fortgeschrittenen Reiches gewählt. Der als Black Panther erst Mal ins Ausland reist, um einen Schwarzmarkthändler zu stoppen, der das Supermetall verkaufen will, und damit die ganze Scharade Wakandas auffliegen lassen könnte. Der wiederum arbeitet mit Killmonger zusammen, der eigentlich der verschollene Cousin von T’Challa ist, nachdem sein Vater vom ehemaligen König umgebracht wurde, und neben ein wenig Revanche auch im Sinn hat, den Thron für sich einzunehmen, um Wakanda der Welt zu öffnen und mit der fortschrittlichen Technologie zu regieren.

Black Panther ist ähnlich Spider-Man: Homecoming einer jener Filme, bei denen der Superheld seine Kräfte zwar schon hat, aber da es sein erster Alleingang ist, dennoch weitestgehend mit einer Origins-Story übereinstimmt. T’Challa muss halt nicht beweisen, dass er seiner Kräfte würdig ist, sondern seines Thrones. Doch der Rest läuft relativ ähnlich ab. Vielleicht ist es auch deshalb so, dass der Film sich nie lange an seinen Story-Beats oder tiefer Charakterisierung aufhält, und stattdessen immer schnell wieder einen flotten Spruch oder viel eher eine coole Action-Einlage auffährt. Denn das so eine quirlige Sprücheklopferei wie in einem Thor: Rangarok oder einem Guardians of the Galaxy sollte man hier nicht erwarten, sondern hat so mehr den Banter-Standard, der in einen MCU meist vorhanden ist.

Das mag ich fast mögen, sich eben nicht mal wieder an den üblichen Origins-Sachen festhaken, die wir eh leid geworden sind, sondern als reines Action-Feuerwerk halt mal 2 Stunden Popkorn-Kino zu unterhalten. Ist bei Black Panther allerdings fast etwas schade, weil ein paar der interessanten Ansätze eben auch etwas auf der Strecke bleiben, statt die nötige Luft zum Atmen zu bekommen. Zuvorderst ist dabei natürlich der Konflikt, ob Wakanda weiterhin abgeschottet bleiben oder sich der Welt öffnen sollte. Maßgeblich sind es dann auch hauptsächlich die Charaktere, die selten bis gar nicht die sicheren Grenzen des Landes verlassen, die auf die Tradition pochen, abgeschottet zu bleiben. Während jene, die es häufig verlassen, diejenigen sind, die anführen, wie viel Leid in der Welt doch aus dem Weg geräumt werden könnte, wenn Wakanda seine geheime Technologie teilen würde. Natürlich ist historisch aber auch bewiesen, dass eine solche auch für militärische Zwecke missbraucht werden würde. Dieser Konflikt wird immer mal wieder sporadisch von einem Charakter angesprochen, aber so richtig als die zentrale Thematik, die es sicherlich mit ausmachen soll, kommt es nicht rüber.

Was für mich aber auch viel dazu beigetragen hat, dass sich Black Panther etwas vom üblichen Standard abheben konnte, ist einfach der doch wesentlich andere Look des Filmes. Dadurch, dass der Film, von einem Exkurs nach Korea abgesehen, eben hauptsächlich in Wakanda spielt. Das Kostümdesign, aber auch die Architektur, sind deswegen sehr stark von afrikanischen Stämmen und frühen Zivilisationen geprägt. In einer Zusammenkunft aus Futur-Technik und Tribalismus-Tradition. Das hält eben auch einfach optische die Spannung aufrecht.

Damit ist Black Panther einer jener Filme, die während des Schauens super unterhalten, weil er sowohl was aufs Auge gibt, als auch viel rasante Action bietet, einfach ziemlich cool ist. Er wird allerdings auch nicht viel zum Nachdenken bieten, an was sich noch zwei Wochen später erinnert würde. Von den Origins-Stories allerdings sicherlich einer der kurzweiligsten Einträge.

Thor: Ragnarok

Ganz wie der Captain America, bekam auch Thor in jeder der drei Phasen des Marvel Cinematic Universes einen Film in seiner eigenen Trilogie spendiert. Thor: Ragnarok unter neuen Screenwritern und Regisseur, die bisher nicht im MCU tätig waren.

Ist ja auch irgendwie kompliziert in der Herrscherfamilie Asgards. Nicht nur ist Göttervater Odin verlustig gegangen und Trickster Loki impersoniert ihn, sondern nachdem sie Odin in Norwegen aufspüren, gibt er seinen zwei meist eher suboptimal miteinander auskommenden Söhnen ein letztes Goodbye und stirbt. Hinterlässt also einen Thor, der den Thron nicht wirklich will, und einen Loki, der ihn besser nicht innehaben sollte. Passenderweise kommt prompt die nächste Familienkomplikation auf die Bühne: Hela. Odins Erstgeborene und Totengöttin, hatte ihm dabei geholfen die neun Reiche zu erobern und wurde von ihm verbannt und aus der Historie von Asgard gelöscht, nachdem er friedlich weitermachen wollte, sie allerdings nicht. Und die ist sehr wohl bereit, nun auf dem Thron zu sitzen.

Wahnsinnig herzig ist die Familienzusammenkunft mit der Schwester, von denen sie nie wussten, allerdings nicht. Hela zerstört erst Mal den Hammer Thors und Loki verhilft den beiden schnell zur Flucht, wobei Thor allerdings auf Sakaar, einem Müllplaneten am Rande des Universums, landet, wo der Alleinherrscher Grandmaster ihn in die Arena zur Volksbelustigung antreten lässt. Währenddessen übernimmt Hela Asgard.

Ich mag die MCU, ich habe auch bereits mehrmals geschrieben, dass ich die alle als sehenswert ansehe. Einen Abend bekommt man mit jedem der Filme gut rum, auch wenn nicht alle ganz so geil sind. Absolut schlecht finde ich keinen. Wobei ich glaube ich mit einigen aus Phase 1 und 2 mittlerweile etwas stärker gelangweilt wäre, weil sie nach dutzenden Filmen im Vergleich sehr generisch sind. Das ist glaube ich auch das Problem, welches ich mit Doctor Strange hatte, es scheint ein Film aus Phase 1 zu sein, der irgendwie in Phase 3 gerutscht ist. Es fehlt ihm das gewissen etwas und einfach nur als passabler Superheldenfilm aufzukreuzen reicht mittlerweile nicht mehr.

Das schreibe ich deswegen, und nerve euch dahingehend zum xten Mal mit, weil ich die vorigen zwei Thor-Filme an den unteren Rand der MCU-Hackordnung ansiedeln würde. Denn der erste ist absoluter Standard, während der zweite ziemlich uneben und in sich diffus ist. Umso größer war meine Überraschung, dass sich Thor: Raganrok sofort ziemlich an die Spitze katapultiert und einer der besten Filme der bis dato fast 20 geworden ist!

Chris Hemsworth ist bespielsweise echt gut mit Comedy! Die vorigen Filme haben ihm hier oder dort mal einen One-Liner gegeben und etwas mit dem „Fish out of water“ auf der Erde gespielt. Aber das Script von Ragnarok gibt ihm jede Menge witzigen Dialog, Szenen, die heroisch anfangen, nur um ihm den Boden unter den Füßen zu entziehen und etwas trottelig wirken zu lassen, und sogar die Oberhand über Loki darf er hin und wieder haben. Und der Hemsworth spielt das richtig gut, man muss ihm halt nur die Möglichkeiten dafür schreiben.

Und der Rest ist genauso gut gespielt und geschrieben. Cate Blanchett als Hela ist beispielsweise sowieso die coolste Sau und saugt jeden Tropfen aus dem Script in ihre Performance. We stan a Queen like this, selbst wenn sie eine genozidale Todesgöttin ist. Tom Hiddleston kann in meinen Augen sowieso nix falsch machen, und der hat eh immer seinen Spaß damit, Loki zu portraitieren und was schon in den vorigen Filmen eines der wenigen Highlights. Jeff Goldblum als exzentrischer Grandmaster spielt ihm dennoch die Show. Hulk kommt auch vor, und ich glaube Thor: Ragnarok schafft es tatsächlich der erste Film zu sein, in dem ich mich was um ihn schere. Sein eigener Film hat es nicht hinbekommen, so gut anzusprechen, was es eigentlich bedeutet mal Banner und mal Hulk zu sein, zumindest aus der Sicht des Hulks an sich, der ja häufig nur als Mittel zum Zweck genutzt wird und dann wieder schnell verschwinden soll. Was bedeutet es eigentlich für den Hulk so ungeliebt zu sein? Ich fand es übrigens auch sehr interessant, dass der Film direkt anspricht, dass Odin gar nicht so ein liebenswerter Monarch ist, oder zumindest nicht immer war. Ruler of the Nine Realms klingt natürlich gut, wir denken aber nicht automatisch so weit, zu hinterfragen, wie er an diese neun Reiche überhaupt gekommen ist. Eben mit blutiger Eroberung, die man dann passenderweise, weil Geschichte nun mal von den Gewinnern geschrieben wird, einfach fürs eigene Image streichen lässt. Auch gerade mit dem Ende ist das Hinterfragen gegebener Machtstrukturen definitiv ein Thema.

Die Optik und Akustik ist übrigens auch sehr gefällig. Das Ding von Guardians of the Galaxy, gerade Vol.2, war ja bereits, hier etwas Retro-Nostalgie aber in modernem SFX-Gewand zu bieten, und Thor: Ragnarok geht voll auf die Schiene. Es erinnert halt stark an SciFi der 60er/70er, als noch nicht alles steril farblos war, sondern überraschend bunt. Stark gemixt mit den 80ern, weil die Farben zusätzlich gern neon gehalten werden und der Soudntrack voller Synth ist. Dass alles wie gesagt in der Technik der Moderne, aber vom Stil her stark daran angelehnt. Wer will, kann dies natürlich als billiges Anbiedern sehen. Aber wenn es wirklich so durch und durch den Style und die Vibes des Filmes ausmacht, find ich das schon geil, und auch wenn diese 80er-Ästhetik aktuell mehr und mehr im Kommen ist, wirkt es in Ragnarok soweit noch frisch und sich eben von der spröden Optik vieler voriger Superheldenfilme abhebend. Mir hat es echt gefallen.

Ganz ehrlich, ich fand den ganzen Film eine absolute Gaudi. Wenn man keine coole Action sieht, dann wird charmant rumgeblödelt, und das alles in einem absolut treffsicheren interessanten Stil gepackt. Den Film wird man sich gern wiederholt ansehen.