Resident Evil: Infinite Darkness

ava-2636Nachdem die Filmreihe von Paul W. Anderson beendet war, mussten Fans von Resident Evil nicht lange warten, bis sie einen neuen Grund fanden, um sich Beschweren zu können. Eine Serie wurde angekündigt, und das auch noch auf Netlfix. Am Ende wurde allerdings doch kein Live Action daraus, sondern CG-Animation. Also vielleicht doch alles gut? Zumal es nach einem neuen Abenteuer von Leon und Claire aussah.

Leon ist gerade mal wieder im Weißen Haus, wo er einer Investigationstruppe beitreten soll, als genau jenes gehackt und von Zombies überfallen wird. Er und sein neues Team machen sich anschließend auf zu investigieren, welche Beweggründe dahinter stecken könnten. Claire derweil ist wegen karitativen Zwecken im mittleren Osten und macht dort die Entdeckung, dass vor sechs Jahren etwas bei einem hiesigen Einsatz des US-Militärs vertuscht wurde. Beide Stränge führen natürlich letztendlich zusammen.

Am Ende sind vier Folgen von knapp einer halben Stunde draus geworden. Es ist also doch eher ein Film, der in vier Teile zerteilt wurde. Und fühlt sich genau wie ein solcher an. Gewisse Flashbacks werden beispielsweise zu häufig wiederholt, wohl um dem zerstückelten Vorgehen mehr Kohärenz zu verleihen, und alles was geschieht wirkt einfach, als ob es besser in eine 3-Akt-Struktur eines ganzen Filmes gehört hätte, denn halbherzig auf vier Folgen aufgeteilt zu werden.

Dazu kommt noch, dass dies hier nicht mal sonderlich wie ein Resident Evil für mich rüberkam. Es machte auf mich eher den Anschein, dass ein Script für einen sehr langsamen Polit-Thriller kurzfristig umgeschrieben wurde, um Leon und Claire und Biomutanten zu beinhalten. Gerade das Fehlen von Action ist herausstechend, sind doch alle entsprechenden Szenen extrem kurz angebunden und macht selbst der Klimax in der letzten Folge nicht viel her. Stattdessen wird lieber viel geredet und geflashbacked. Mit Charakteren, die nur in dieser Serie auftauchen und für die wir uns plötzlich was scheren sollen

Selbst wer ganz nette Buddy-Action zwischen Leon und Claire erwartet, wird von Infinite Darkness enttäuscht werden. Die beiden laufen sich so gut wie gar nicht über den Weg, haben so gut wie keine Interaktion miteinander, bis sie im Finale endlich zusammentreffen. Und selbst dann separat an unterschiedlichen Enden des Raumes was gegen den „Endgegner“ unternehmen. So richtige Zusammenarbeit ist da nie. Und am Ende trennen sich ihre Wege auch noch in einem antagonistischen Verhältnis, weil Claire nicht drauf klar kommt, dass Leon teil des Establishments geworden ist oder so. Die Serie verschlechtert die Beziehung der beiden zueinander also sogar noch.

Der letzte Sargnagel ist dann noch, dass die ganze Angelegenheit einfach nicht sonderlich gut animiert ist. Alles wirkt wie PS3-CG, mit abgehakten Charakteranimationen, komischer Haarphysik und manchen Szenen, in denen Charaktere mehr durch den Raum zu schweben scheinen. Das ist wirklich alles kein aktuelles Niveau.

Hat mir Infinite Darkness gefallen? Es sollte ziemlich ersichtlich sein, dass hierauf mit Nein zu antworten ist. Dafür ist die Mini-Serie einfach zu langweilig und bietet zu wenig Resident Evil.

Academy Weekend – Toy Story 4

Es ist mal wieder Zeit die Oscars unter die Leute zu bringen. Also schau ich mal wieder was von den Gewinnern des letzten Jahres, die bisher an mir vorbeigegangen sind. Dieses Jahr allerdings nur einen Vertreter, da im Jahr unserer Pandemie zwar viel Freizeit herrscht, mir aber kein Sinn nach Produktivität in jener steht. Da ist das Ereignis etwas an mich herangeschlichen und am Ende hatte ich eh keinen Bock drei Filme zu schauen. Somit fallen Joker und JoJo Rabbit unter den Tisch, es bleibt nur der Animations-Oscar-Gewinner Toy Story 4 übrig.

Der vierte Film setzt zwar eigentlich kurz nach Toy Story 3 an, beginnt aber zunächst mit einem Flashback in noch frühere Zeit. Nämlich als Andys Schwester einige ihrer Spielzeuge abgegeben hat, derer sie entwachsen ist. Darunter auch Woodys Love Interest Bo, die Schäferin. Dann springen wir ans Ende von Toy Story 3, wenn Andy, nun bereit fürs College und ebenfalls lang über seine Kinderspielzeugtage hinaus, seine Spielsachen an das kleine Mädchen Bonnie weitergibt.

Und da setzen wir jetzt an, im Kinderzimmer von Bonnie, die viel mit ihnen spielt. Nur mit Woody nicht so. Aus Andys liebstem Spielzeug ist ein Ladenhüter geworden. Dennoch tut er sein Bestes, um sein neues Kind glücklich zu sehen. Sich beispielsweise mit ihr zum ersten Tag in den Kindergarten zu schleichen, damit sie dort nicht so alleine ist. Im Bastelunterricht stellt Bonnie allerdings aus einem Spork (das sind diese Gabel-Löffel-Mischdinger) mit Forky einen neuen Spielkammeraden her. Der ihr ein und alles wird, das aktuell wichtigste Spielzeug. Und da Forky nun ein Spielzeug ist, ist er nun auch lebendig, versteht aber noch nicht ganz, dass er nicht mehr Müll ist und will sich deswegen ständig entsorgen.

Woody macht es sich also zur Aufgabe ein Auge auf Forky zu haben, damit er Bonnie nicht abhandenkommen kann. Was sich besonders beim Familientripp im Wohnwagen als schwierig herausstellt. Und so landen die beiden über Komplikationen in einem Antikladen. Wo die Puppe Gabby alles fest in ihrem Griff hat. Und die nichts mehr will, als Woodys Sprachbox ebenfalls in den Griff zu bekommen, um ihre eigene kaputte zu reparieren. Ob vielleicht die mittlerweile zum verlorenen Spielzeug gewordene Bo, in die sie rennen, ihm aus der Patsche helfen kann?

Pixar hat es also mal wieder geschafft und den Oscar abgeräumt. Wie stark die Konkurrenz war, kann ich allerdings sowieso nicht beurteilen, weil mir die anderen nominierten Filme alle nichts sagen. Wird schon verdient sein, mittlerweile geht der ja nicht mehr automatisch ans Studio wie das früher noch der Fall war.

Mir hat der Film auf jeden Fall gefallen, ja definitiv, auch wenn die emotionale Resonanz nicht ganz so stark war wie beim fantastischen Toy Story 3. Das liegt allerdings glaube ich auch daran, dass die hier anders ausgeformt ist. Immerhin waren es erneut fast 10 Jahre seit dem letzten Film. Da spielt Toy Story 4 natürlich auch viel auf die Nostalgie derer an, die währen der ersten Filme Kinder waren und sich einfach freuen ihre liebsten Charaktere wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Da ich jemand bin, dem Toy Story nie so viel bedeutete, und dem die ersten beiden Filme eh etwas egal sind, zieht diese Komponente persönlich gesehen natürlich weniger. Es ist nicht so, dass es nicht unterhaltsam ist, den Figuren bei ihrem Schabernack zuzusehen, aber es ist bei mir eben nicht dieses Gefühl wieder mit vermissten alten Freunden abzuhängen.

Was mir aber gut gefallen hat, ist, dass der Film sich tatsächlich nicht nur darauf stützt mit Nostalgie zu punkten und sich sonst nicht sonderlich anstrengen würde. Der emotionale Kern der Franchise ware schon immer die Bindung von Spielzeug zu Kindern und was die füreinander bedeuten. Das kommt auch in Toy Story 4 wieder zum Tragen. Besonders in den Rollen von Woody und Gabby.

Denn Antagonistin Gabby ist kein Bösewicht, die halt fies ist. Sie ist eigentlich sogar sehr nett und empathisch anderen gegenüber. Aber sie hat halt auch einen Traum. Nämlich endlich selbst das geliebte Spielzeug zu sein, das wunderschöne Erinnerungen mit Kindern teilt. Das blieb ihr bisher versagt, da sie nie an ein solches verkauft wurde und somit seit 60 Jahren einsam geblieben ist. Sobald sie Woody offen ihr Leid klagt, zeigt der auch durchaus Verständnis für Gabby. Denn es ist auch der Film, in dem Woody lernen muss loslassen zu können. Die schönen Erinnerungen mit Andy zu genießen aber sich eingestehen zu können, dass die Zeit mit ihm rum ist und nicht wiederkommen wird, und das er nicht für Bonnie die gleiche Stellung einnehmen kann. Mit einem wirklich schönen und passenden Abschluss für ihn am Ende, der es fraglich macht, ob es jemals ein Toy Story 5 geben wird.

War also gut der Film. Zunächst nett unterhaltsam quirlig und bunt und rasant und dann gegen Ende kommen doch auch die besonnenen und nachdenklichen Momente. Gute Mischung.

Our Story & Mewtwo Strikes Back

Vor fünf Jahren war das große 20. Geburtstagsjahr von Pokemon. Dazu habe ich ein paar Spiele erneut gespielt, ein paar Nachahmer auch, und sogar alle damals erhältlichen Filme beschaut. Da dies fünf Jahre her ist, haben wir natürlich mittlerweile schon den nächsten Meilenstein erreicht. Ein Vierteljahrhundert Pokemon. Wenn man sich als Spieler der ersten Gen da nicht alt fühlt. Zur Feier habe ich dann mal die (fast) aktuellsten zwei Filme geschaut.

Pocket Monsters the Movie: Our Story setzt dabei zwar die alternative Timeline des vorigen Filmes fort, ist aber ziemlich von allem losgelöst alleine genießbar. Satoshi reist hier nämlich alleine mit seinem Pikachu durch die Gegend und kommt aktuell in Fula City an. Die Stadt hat eine Legende darüber, dass das Tal ehemals schwer zu besiedeln war, bis Lugia wortwörtlich für frischen Wind sorgte. Nun wird ein Mal im Jahr das Windfest groß gefeiert, in der diese Bande mit Lugia erneuert wird. Natürlich steht genau das Fest gerade an.

Neben Satoshi hat die Feier auch jede Menge andere Leute zu den Festlichkeiten getrieben. Lisa zum Beispiel, die nach einem Unfall ihre Karriere als Profiläuferin aufgegeben hat, und für ihren kleinen Bruder ein Pokemon fangen gehen soll. Kagachi, der notorische Lügner und Geschichtenerzähler, ist mit seiner Schwester und die ihn anhimmelnde Nichte vor Ort. Team Rocket treibt wie immer ihren Schabernack. Und dann haben wir noch ein paar lokale Charaktere. Torito ist ein brillianter Pokemon-Forscher, der zu viel Lampenfieber hat, um seine Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die alte Dame Hisui hat eine Aversion gegen Pokemon, seitdem ihr eigenes vor 50 Jahren im großen Waldbrand ums Leben gekommen ist. Die Tochter des Bürgermeisters, Largo, derweil hat in den seither verbotenen Wäldern das Pokemon Zeraora getroffen, vor dem allen Angst gemacht wird.

Der Film trägt den Namen Our Story dabei zu Recht. Denn es geht Mal nicht zentral nur um Satoshi und sein Super-Pikachu, sondern tatsächlich um alle diese Menschen. Es ist die Geschichte von allen. Am Ende geht ne Menge auf einmal schief. Der Wind erlischt. Ein giftiges Gas bedroht die Stadt. Ein weiterer Waldbrand bricht aus. Ist schon fast etwas komisch, man fühlt sich fast in einem Katastrophenfilm von Roland Emmerich. Aber um all das gleichzeitig in den Griff zu bekommen braucht es eben auch den Einsatz und die Kraft vom ganzen Ensemble an Hauptcharakteren gleichzeitig, die alle über ihr vorher ausreichend etabliertes Problem hinwegkommen.

Dadurch geht es diesmal im Film auch überraschend wenig um Pokemon. Natürlich sind die allgegenwärtig. Das alltägliche Leben mit jenen Kreaturen wird hier gut dargestellt. Und auch gekämpft wird etwas, was wie der Rest des Filmes gut durchanimiert ist. Aber das Hauptaugenmerk der Handlung sind diesmal die menschlichen Charaktere und ihre Beweggründe. Die Geschichte um Furry-Bait Zeraora ist mit das schwächste Element des Filmes, weil einfach weniger interessant.

Am Ende des Tages ist Our Story einfach ein echt guter und unterhaltsamer Film. Sympathische Charaktere, attraktiv designt, eine dynamische Welt, gut durchanimiert, und genug passiert, so dass es nie langweilig wird.

Der Pokemon-Film, der 2019 den jährlichen Slot in den japanischen Kinos besetzte, sollte hingegen etwas ganz Besonderes werden. Keine neue Erzählung war er, sondern mit Mewtwo Strikes Back: Evolution wurde ein Remake des allerersten Filmes präsentiert. Komplett in CG statt der üblichen 2D-Animation. Schon irgendwie komisch, dass der nicht genau 20 Jahre nach dem ersten Film gebracht wurde, sondern ein Jahr darauf.

Viel zu sagen gibt es über den Film dabei nicht, denn er ist mehr oder weniger ein 1:1-Remake geworden. Mewtwo wird aus der DNA des legendären Mews in einem Labor gezüchtet. Hat Minderwertigkeitskomplexe. Zerstört die Anlage. Wird von Giovanni, dem Leiter Team Rockets, ausgenutzt. Flieht desillusioniert auf die Insel. Lädt ein paar Trainer, darunter die Orginal Dreier-Reisegruppe ein. Lässt seine Klone gegen deren Pokemon kämpfen, um zu beweisen, dass sie stärker sind. Satoshi versteinert beim Aufeinanderkrachen der Psychokräfte von Mew und Mewtwo. Wird wieder gesund geheult. Alle sind gute Freunde, Mewtwo macht den Gedächtnis-Wipe, Credits und Ende.

Die meisten Veränderungen im Film sind eher kleinerer Natur. Die Szenenreihenfolge und ihr Inhalt sind alle erhalten geblieben. Die Original-Designs der Charaktere wurden nicht überarbeitet oder modernisiert. Selbst Pokemon, die nach der ersten Gen erschienen sind, hat man wiederstanden einzufügen. Eine Action-Szene hier und dort mag nun ein bisschen länger gehen. Oder die Überfahrt zur Insel fährend des Sturms umdesignet. Wirklich auffällige Änderung gibt es aber letztendlich nur eine.

Und zwar basiert der Film auf dem internationalen Kinorelease statt auf der kompletten japanischen Version. Das bedeutet, dass der Prolog um Mewtwos Kindheit fehlt. Wir finden also nicht mehr heraus, dass er mit Klonen der drei Starterpokemon aufgewachsen ist, was erklärt, warum er genau deren drei Endformen am Ende des Filmes in den Kampf führt. Oder das der Professor das Klonexperiment gestartet hat, um seine tote Tochter wieder zum Leben zu erwecken.

Dadurch fehlt dem Film selbstverständlich etwas an dem Gravitas, der im Original vorgeherrscht hat. Was schade ist, denn am Rest habe ich nichts zu meckern. Wie gesagt halten sich die Änderungen in den restlichen Szenen zu sehr zurück, um ihn als schlechter als das Original ansehen zu wollen. Auch mit der CG-Animation habe ich keinerlei Probleme. Die simplen Designs der Franchise eignen sich sehr gut für den Stil und man muss der Computer-Animation zu Gute halten, dass durch sie viel mehr detaillierte Animationen und aufregende Kamerafahrten möglich sind, die bei traditioneller 2D-Animation einfach ungleich mehr gekostet hätten. Das Fehlen der einen Szene ist der einzige Grund, warum ich Evolution als schwächer gegenüber des Originals einstufen würde.

Digimon, Pokemon & Clear Cards

Schon wieder Quickies? Schon wieder Quickies! Diesmal zum Thema Anime. Weil ich da drei gesehen habe, über die es zwar was zu sagen gibt, aber nicht unbedingt viel. Deswegen das alles voll effizient und ökologisch wertvoll zusammengebündelt, statt einzeln rausgehauen zu werden.

Digimon X-Evolution
Zunächst geht es direkt mit Digimon weiter. Und zwar dem Fernsehfilm X-Evolution. Keine Relation zur TV-Staffel Digimon X-cross. Sondern auf sich alleine stehend. Und komplett in der Digimon-Welt veranlagt und nur mit Digimon in den Rollen. Da die ja richtig sprechen können und eine eigene Gesellschaft haben, statt wie Pokemon Tiere zu sein, kann man das ja mal machen.

Und es ist herrlich dämlich. Also irgendwie gab es eine Art Apokalypse, nur noch wenige Digimon sind im von Gottheit Yggdrassil beherrschten Gebiet beheimatet. Aber der will einen Teil davon auslösen, weil es immer noch zu viele sind. Was in seinem Auftrag eine Art Ritterbund macht. Die haben aber nicht mit dem Erlöser-Digimon gerechnet, was von Wolfvieh zu Supermecha evolutionieren kann. So oder so ähnlich, denn trotz der gerade mal ca. 80 Minuten geschieht hier so viel Zeug mit so wenig Erklärungen, dass es echt schwer ist am Ball zu bleiben und die Übersicht zu behalten, was wir jetzt warum genau machen. Wer wen weshalb bekämpft.

Ich kann mir halt einfach das Lachen nicht verkneifen. Wenn, was Dank des CG und der üblichen Designmentalik der Franchise wie edgy Plastikfiguren aussieht, plötzlich anfängt Götter anzubeten, sich heldenhafte Ritterduelle liefert, eine Existenzkriese erfährt, oder darüber philosophiert, ob ein wenig Genozit bei zu hoher Überbevölkerung nicht doch gut ist. Es ist einfach sowas von lächerlich, dass es aus allen nicht gewollten Gründen eigentlich sogar ganz gut unterhält.

Pokemon: Twilight Wings
Pokemon: Twilight Wings hingegen ist ziemlich bodenständig. Denn es sind nur 8 Folgen von jeweils unter 10 Minuten, die zusätzlich gratis gestreamt wurden. Das Konzept ist, dass jeweils ein kleiner Einblick in einen Charakter aus den aktuellen Schwert/Schild behandelt wird. Lose zusammengehalten durch den narrativen Faden eines kleinen Jungen im Krankenhaus, der sich nichts sehnlicher wünscht, als irgendwann im Stadium zusehen zu können, wie der Champion seinen Rang verteidigt.

Mal bekommen wir einen Eindruck in die herzige Beziehung von Hop mit seinem Pokemon. Den hektischen Alltag von Workaholic Olivia. Yaroo inmitten seiner Schafherde, Kate bei ihren Modeljobs, Saida hart im Training. Plus eine nachgeschobene achte Folge, die stark den DLC anpreist. Kaufen Kinder, kaufen.

Aber tatsächlich fand ich die Episoden sehr unterhaltsam und herzig. Sie tun das, was der Anime sonst nicht schafft. Und zwar einem die Pokemon-Welt tatsächlich als lebendiges Ökosystem, das ganz normale Zusammenleben mit den Pokemon, zu zeigen. Wobei ich hier der TV-Serie natürlich auch Unrecht geben kann, denn ich habe davon ja nur damals die ersten Staffeln gesehen. Twilight Wings bietet auf jeden Fall sehr schön inszenierte und gut animierte kurze Ausflüge in die Welt von Schwert/Schild.

Card Captor Sakura: Clear Card
Zum Schluss haben wir noch Card Captor Sakura: Clear Card, von dem ich anfänglich gedacht hätte, bestimmt mehr schreiben zu müssen. Aber so wirklich bewahrheitet hat sich das nicht. Nachdem Clamp mit Tsubasa und xxxholic fertig waren, sind sie auf den Zug aufgesprungen, späte Sequels oder Reboots zu starten, um die Nostalgie derjenige, die um 2000 rum Kinder/Jugendliche waren, zu melken. In dem eine dritte Story Arc Card Captor Sakura gestartet wurde, dessen Manga bis heute noch läuft. Während das Anime bisher aus einer Staffel an 22 Episoden aus 2018 besteht.

Drei Jahre sind vergangen und Sakuras Karten werden plötzlich zu reinen glaskaren Hülsen. Aber neue Dinge machen die Stadt unsicher, die sich von ihr fangen lassen und zu ganz neuen Karten werden. Die allerdings häufig ein Äquivalent zu den Alten darstellen. Shaoran ist auch aus Hong Kong zurück, um nun an Sakuras Seite zu bleiben. Und ein neues Mädchen ist mit ihrem Butler ins ehemalige Haus von Eriol eingezogen, was sicherlich keinerlei Wichtigkeit haben wird.

Ich muss sagen, dass ich Clear Card zwar ganz nett fand, es mich aber nicht ganz abgeholt hat. Zunächst einmal ist das Pacing ganz komisch. Es macht fast den Eindruck, als hätte man dem Team kurz vor Schluss erst gesagt das… nun ja halt eben Schluss ist. Die Serie plätschert so ein wenig mit episodenhaften Eskapaden vor sich hin. Was nicht schlecht ist, die Original Clow Cards Story Arc ist ja auch so. Halt einfach jeweils die Charaktere und ihre Beziehungen etwas näherbringen und nebenbei die Karte des Tages fangen zu müssen, die narrativ wesentlich weniger wichtig ist. Doch dann auf die letzten zwei Folgen wird plötzlich ein Ball an Exposition losgetreten und ein frühzeitiges Finale geschaffen, welches sich aber wieder ausnullt, weil die Handlung ja eigentlich noch weitergeht. Das wirkte plötzlich etwas überstürzt.

Eine andere Sache, über die ich mich Gedanken beim Schauen gemacht habe, sind die Charaktere. Und zwar, ob sie eindimmensionaler geworden sind. Irgendwie kam es mir etwas so vor, als wären sie hautpsächlich nur One Trick Ponys. Kero-chan ist verfressen. Tomoyo hat eine Obession Sakura zu filmen. Shaoran hat eigentlich gar keine Persönlichkeit mehr, außer das seine Gefühle zu zeigen ihn peinlich berührt macht. Ich fand die Charaktere immer noch sehr niedlich und unterhaltsam, bin mir aber nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich sie aus der vorigen Serie noch so gut kenne. Wäre interessant zu wissen, ob sie einem auch ans Herz wachsen, wenn man nur Clear Card geschaut hat.

Das soll wie gesagt nicht heißen, dass Clear Card schlecht ist. Es ist immer noch eine ganz nette kleine Serie zum Entspannen und nebenbei wegschauen. Aber so gut wie die Sakura Card Arc der ersten Staffel wurde es halt im CCS-Anime auch leider nie wieder.

Dragon Quest: Your Story

Nachdem mit Dragon Quest: Your Story ein CG-Film basierend auf dem fünften Teil Anfang 2019 angekündigt wurde, sollte nur wenig Zeit vergehen, bis er später im gleichen Jahr noch bereits seine Prämiere in Japan feierte und Anfang 2020 auf Netflix für ein internationales Publikum landete.

Dragon Quest V: Die Hand der Himmelsbraut zu adaptieren ist natürlich eine sehr logische Entscheidung gewesen. Es ist einfach das Dragon Quest, welches sich schon von der Handlung her am besten für einen Film anbietet. Der Rest würde eher in eine episodische Abenteuer-Serie passen. Doch V hat für die Serienverhältnisse einen besonders starken narrativen Faden, einen besonders starken emotionalen Kern. Außerdem ist er, wenn man Re-Releases hinzuzählt, wohl einer der bestverkafuten Teile der Reihe. Und eben einer, dessen Handlung beim japanischen Publikum am meisten nostalgische Resonanz auslöst. Was eventuell auch der Grund ist, warum dort angeblich viele Fans das Ende nicht mochten, obwohl es ihnen eigentlich absolut zuspielen sollte.

Aber zunächst einmal fangen wir tatsächlich ganz nostalgisch mit Szenen aus dem Spiel an. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dragon Quest V ist in drei Generationen unterteilt. Es gibt eine kürzeren spielbaren Kindheitsteil, bei dem der Held mit seinem Vater durch die Lande streift. Und dann den Großteil des Spieles ausmachend ihn als Erwachsener mit Entscheidung einer von zwei Damen zu heiraten (Drei in den Remakes), und dann später mit den Kindern das ultimative Böse zu besiegen. Der Film beginnt nun mit einer kurzen Collage an Kindheitsereignissen, direkt aus dem SNES-Original genommen. Dann geht es erst in die toll aussehende CG-Welt hinein. Um den Rest der Kindheitsreise mit dem Vater weiterhin mehr oder weniger als Kurz-Collage zu zeigen, bis zur dramatischen Szene, wenn sich deren Wege scheiden.

Hier machen also noch viel mehr den Großteil des Filmes die beiden Erwachsenenstadien aus. Geändert und gestaucht hat sich natürlich erwartungsgemäß dennoch viel, um in einen durchgänigen Film von unter 2 Stunden zu passen. Der Held muss sich für eine der beiden Damen entscheiden, es ist canon Bianca. Wobei er zunächst Nera heiraten will und sich erst mal durch seine unterbewusste Programmierung kämpfen muss, um zu merken, wen er wirklich mag. Eine seltsame Szene, die Schatten vorauswirft. Den Großteil der anderen Charaktere, welche die Heldengruppe aus Dragon Quest V ausmachen, gibt es nicht bzw. reisen nicht mit ihm. Auch gibt es nur ein heldenhaftes Kind statt zwei davon.

Mir hat der Film aber auf jeden Fall unglaublich gut gefallen. Er sieht einfach toll aus. Manche mögen sich daran stören, dass das Toriyama-Charakterdesign gegen ein massentauglicheres getauscht wurde. Ich war nie ein sonderlicher Fan seiner menschlichen Designs und kann deswegen gut darauf verzichten. Die Monster sind cartoonig und sympathsich wie immer. Alles ist super durchanimiert. Sowohl die Action-Szenen als auch die Manierismen der Charaktere beim Reden. Es ist aller punktuell ernsten Momente zum Trotz gerade bis zur dritten Generation hin ein sehr leichtfüßiger und humoriger Film. Keine Ahnung, wie sehr man DQV gespielt haben muss, um emotional mitgehen zu können, ich kann es für mich persönlich ja nicht im Nachhinein wieder ungespielt machen. Für mich zumindest war es ein fantatsischt aussehender und gut umgesetzter Abenteuerfilm, der mich durchgängig gut unterhalten hat.

Und dann müssen wir jetzt mal Spoiler-mäßig über das Ende reden. Wie sich herausstellt gibt es einen guten Grund, warum der Film nicht Dragon Quest V The Movie heißt, sondern als Your Story betitelt ist. Denn es stellt sich heraus, dass alles Geschehene nur ein VR-Abenteuer ist. Als Dragon Quest V auf dem Super Famicom herausgebracht wurde, hat es Japan im Sturm erobert (wie alle Dragon Quests). Und auch unseren Protagonisten. Als Kind hat er sich in die Welt und Charaktere des Spieles verliebt. Seither hat er DQV wiederholt gespielt, um mit seinen altbekannten fiktiven Freunden rumzuhängen und das Abenteuer erneut zu bestreiten. Also ist er natürlich auch einer der ersten, der die neue VR-Maschine ausprobiert, die aus DQV ein personalisiertes und am eigenen Leibe erfahrbares Abenteuer macht.

Dragon Quest: Your Story ist also eine Ode an die Nostalgie einer ganzen Generation mittlerweile erwachsener Japaner, die 1992 mit Dragon Quest V aufgewachsen sind. Und symbolisch im Prinzip auf alles anwendbar. Auf das eine Spiel, Buch, Film, Serie, in die man sich als Kind verliebt hat. Die regelmäßig erneut konsumiert werden. Die Gefühle, die man den darin enthaltenen Welten und Charakteren entgegenbringt sind real. Sich hin und wieder in sie fliehen und an die gute alte Zeit denken zu wollen ist legitim. So sagt es zumindest Your Story. Nicht jedem mag dieser Einschlag in die Meta-Ebene fürs den Klimax gefallen, ich fand es aber tatsächlich eine sehr herzerwärmende Idee. Und erstaunlich mutig für eine es normalerweise eher safe spielende Franchise wie Dragon Quest.

Academy Weekend: Into the Spider-Verse

Wenig überraschend kommen wir auch dieses Jahr bei einem der Oscar-Gewinner zu der Kategorie Animationsfilm. Den hat im letzten Jahr Spider-Man: Into the Spider-Verse abgeräumt. Was durchaus nicht einfach war, lief doch sowohl ein Pixar- wie ein Disney-Film in Konkurrenz, an welche die Trophäe häufig scheinbar schon rein pro forma geht. Wir ignorieren mal, dass theoretisch alle drei Filme eigentlich Disney sind, da zu denen sowohl Pixar wie Marvel gehört. Immerhin verdiente an Spider-Verse auch noch Sony mit, da die ja die Filmrechte am Superhelden halten.

Comics sind ein altes Medium, und Spider-Man ist ein alter Superheld. Das bedeutet natürlich, dass es dutzende an Geschichten gibt. Wann immer der alte Ballast zu viel wird oder man eine neue Kundschaft ansprechen will, gibt es halt einen Reboot oder ein Spinoff, welches die Sache modern neu von vorn erzählt. Der tituläre Superheld mag mal Nazis kloppen, mal schwarz oder weiblich sein, mal einen Packt mit dem Teufel eingehen. Theoretisch ist alles möglich. Selbst die Filmfranchise ist damit geschlagen, haben wir in den letzten 20 Jahren doch rein auf die Live-Action-Franchise bezogen drei verschiedene Spinnenmänner zu sehen bekommen. Spider-Verse nutzt dies geschickt für seine Storyline: Was wäre nämlich, wenn all diese Spider-Menschen in parallelen Universen existieren?

Was aber nicht bedeutet, dass es nicht auch so schon zwei Spider-Men in einer Welt geben könnte. Dies nämlich hier im Film. Peter Parker ist Spider-Man, er rettet die Stadt nun schon seit 10 Jahren, macht es immer noch gern und mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Aber als hübscher, blonder Kerl, der mit seiner Mary Jane verheiratet ist, könnte es ihm auch nicht besser gehen.

Miles lebt auch in New York und hat aktuell das Problem, dass er die Schule wechseln muss. Von einer öffentlichen zu einer privaten, weil sein Genie dort besser gefördert werden kann. Dadurch wird er seine Freunde weniger häufig sehen, und außerdem wirkt die Eliteschule zunächst elitär und kalt auf ihn. Zuflucht sucht er beispielsweise bei seinem coolen Onkel, mit dem er seiner künstlerischen Graffiti-Ader freien Lauf lassen kann, ganz im Gegensatz zum Polizisten-Vater. Währenddessen beißt ihn aber auch eine radioaktive Spinne. Miles macht nun die üblichen Spider-Man-Erwachens-Probleme mit, weil die neu entwickelnden Kräfte zunächst unkontrollierbar sind.

Hilfe erhofft er sich vom Parker-Spider-Man, immerhin lebt der bereits eine Dekade mit den Kräften. Bei der Suche nach ihm platzt Miles allerdings mitten in einen Kampf Spider-Man gegen Handlanger des Kingpin, der mit einer Maschine seine tote Familie aus einem Paralleluniversum ziehen will. Der Plan kann zunächst vereitelt werden, doch Spider-Man stirbt an seinen Verletzungen. Durch den Kontakt mit der Maschine sind allerdings bereits ganz andere Spider-Men, -Women und –Pigs auf dem Weg.

Einen etablierten Charakter umzubringen ist in Comics und der Animationsfilm-Peripherie solcher Superhelden-Franchises nicht unbedingt neu. Es sind nur die Live-Action-Filme, die immer die möglichst sicherste Route fahren und dies wegen ihrer wiedereinzuspielenden Budget eventuell auch einfach so tun müssen. Ganz so lang hält sich Spider-Verse am Tod von Peter Parker eh nicht auf. Immerhin ist der so gesehen kein etablierter Charakter, zumindest in dieser hiesigen Version sehen wir ihn ja zum ersten Mal.

Direkt darauf trifft Miles nämlich auf Peter B. Parker, einen der Parallel-Spider-Men, und zwar einer, der im Prinzip die gescheiterte Version des hiesigen Peter Parkers ist, älter, einsam, und allgemein nicht mehr ganz auf der Höhe. Der wird letztendlich unfreiwillig zu Miles Mentor und zusammen mit Spider-Gwen eine der drei Hauptfiguren des Filmes. Es gibt noch einen coolen Noire Spider-Man, ein Anime-Girl mit Spider-Mech und ein WB-Cartooniges Spider-Pig (Simpsons-Referenz!), aber die sind eher blass und mehr als Gag dazu, wie anders und schräg die Spider-Wesen werden können.

Außerdem bringen sie wesentlich mehr optische Abwechslung, ein Punkt, in dem Into the Spider-Verse sowieso sehr gut ist. Das Schöne an Animation ist ja, dass viel mehr dargestellt werden kann als mit Live Action. Dinge, die sonst unmöglich oder unglaublich kostspielig wären natürlich. Aber auch einfach, weil Animation von Natur aus nicht realistisch ist, und das Publikum somit auch mehr Suspension of Disbelief mitbringt. Peter Porker und Peni Parker kommen in einem anderen Zeichenstil daher und sind anders animiert, um die Influenz von WB-Cartoons respektive Anime widerzuspiegeln. Der Film stilisiert immer wieder mit einem Comicbuch-Look, wenn der Bildschirm wie Comic-Panels designt wird, Gedankengänge in Denkblasen eingeblendet werden, wenn der Spidersense mit Wellenlinien visualisiert wird und allgemein alles sehr bunt und farbenfroh gestaltet ist. Die Animation ist mal weniger flüssig und abgehackter, um coole Posen einzufangen oder zu zeigen, dass Miles seine Kräfte noch nicht kontrollieren kann. Spider-Verse schöpft, besonders für eine amerikanische Produktion, enorm viel visuelle Kreativität des Animationsmediums aus.

Und ganz allgemein ist es einfach ein sehr spritziger und weitestgehend leichtherziger Film. Die Charaktere sind spaßig, agieren gut miteinander, es gibt reichlich Sprücheklopferei und einfach eine allgemeine Atmosphäre von Schwung und Leichtigkeit. Das macht den Film insgesamt zu einem super kurzweiligen und unterhaltsamen Genuss.

Beastars

Beastars war eines der Hype-Anime der letzten Jahre, basierend auf einen laufenden und aktuell satte 17 Bände umfassenden Manga, mit einer bereits angekündigten zweiten Staffel. Und da ich es zwischen den Jahren geschaut habe, kann ich doch gleich mal meine Plattform nutzen, um zu sagen, ob es sich lohnt die 12 Folgen Lebenszeit dran zu verlieren, wenn es im März offiziell für den Westen auf Netflix aufschlägt.

Wobei ich natürlich schon alleien vom charmanten Stop-Motion-Opening eingenommen war. Aber das ist natürlich eine sehr persönliche Präferenz. Sowie ein unikater Stil nur für jene Eröffnungssequenz, nicht der Animationsstil der Serie an sich. Dort handelt es sich nämlich um CG. Was für mich persönlich ja immer etwas Eingewöhnung benötigt. Weil es häufig so ein merkwürdiges Gemisch ist zwischen eigentlich viele weiche Bewegungsabläufe darstellen zu können, diese dann aber bewusst abgehackt wirken zu lassen, um sich traditioneller Frame-Animation anzunähern. Bei Beastars hatte ich mich allerdings ziemlich schnell dran gewöhnt, was eventuell auch daran liegt, dass nur die Charaktere CGI sind und die Hintergründe weiterhin 2D-Zeichnungen. Oder weil der Content der Serie mich genug ablenkend packte, ich habe die 12 Folgen nämlich in 2 Tagen durch-gebinged.

Beastars handelt in einer Welt, in der anthropomorphe Tiere in prinzipiell unserer Gesellschaft leben was den Entwicklungsstand angeht. Der Unterschied ist halt, dass bei ihnen noch die tierischen Urahnen einen Einfluss haben. Herbivore und Karnivore leben noch nicht so lange friedlich zusammen, da erstere die Beute der letzteren sind. Doch mittlerweile ist angeblich alles anders. Dass dies noch nicht perfekt läuft, müssen die Schüler von Cherryton allerdings in der ersten Folge bereits feststellen, als das Alpaka Tem von einem mysteriösen Karnivoren Mörder gerissen aufgefunden wird. Dies streut Angst und neue Animositäten zwischen den beiden Fraktionen der Schüler.

Legosi glaubt nicht nur fest an das friedliche Zusammenleben, sondern tut auch sein Möglichstes, um unauffällig zu bleiben. Er ist nämlich ein Grauwolf, ein berüchtigter Predator also. Von seiner Persönlichkeit her könnte Legosi allerdings nicht weiter davon entfernt sein, denn er ist zurückhaltend, schüchtern, leicht introvertiert, und immer hilfsbereit. Das führt dazu, dass er Konflikte umgehen will, wenn er in eine Schlägerei mit einem anderen Karnivoren landet immer absichtlich verliert, um seine Größe zu verschleiern nur gebeugt läuft. Selbst beim Drama-Club, dem er angehört, ist er nur hinter der Bühne zu finden.

Umso verstörender ist es für ihn, als er eines nachts die Fährte des Zwerghasens Haru aufnimmt und seine animalischen Instinkte nicht zurückhalten kann, sondern sie angreift. Die gemobbte Mitschülerin ist sich selbst nicht mal sicher, ob sie entkommen oder ein Ende finden will. Doch da Legosi dann noch zögert, kann sie entkommen. Von nun an ist er aber besessen von der Mitschülerin, durch komplexe Gefühle, die er zum ersten Mal in sich entdeckt.

Es mag etwas komisch klingen zunächst, aber Beastars hat mich etwas an Utena erinnert. Absolut nicht von der Optik versteht sich, denn Beastars bietet keinen Kitsch und ist sehr bodenständig gehalten. Eher von der Thematik und der Herangehensweise her bekam ich ähnliche Vibes. Beide Serien spielen an einer High School, die ein wenig den Eindruck einer abgeschotteten Welt gegenüber dem Leben drumherum macht, in der die Schüler in ihrer eigenen kleinen Gesellschaft leben. Und dann behandelt die Serie den Schmerz des Erwachsenwerdens, das Zurücklassen kindlicher Ideale beim Heranwachsen zu einem Erwachsenen, das Erwachen von Sexualität, aber all das zum Teil stark symbolisch. Utena packt dies eben in eine verkitschte Optik aus Märchen und Magical Girl. Beastars hingegen ist eher düster und bodenständig und nutzt Parallelen aus Fabeln und dem Tierreich.

Dies funktioniert besonders dadurch gut, da jemanden zu „essen/verschlingen“ ein bekannter japanischer Euphemismus für Sex ist. Sexualität spielt eine wichtige Rolle in Beastars. Zwerghase Haru beispielsweise, als eine der schwächsten Herbivoren, wurde immer entsprechend leicht herablassend behandelt, als könne sie nichts selbst. Bis sie eine Sache entdeckte, bei der sie auf Augenhöhe mit ihren Partnern ist: Sex. Seither geht sie sehr freimütig damit um und schläft mit ziemlich jedem, der das von ihr will. Was sie nach und nach zur gemobbten Außenseiterin gemacht hat. Gleichzeitig fühlt sich das perfekte Schul-Idol Loius, ein Hirsch, der immer vor allem die Fassade des Perfektionismusses aufrechthält, nur beim Beischlaf mit Haru dazu möglich, sich endlich mal fallenzulassen. In Legosi wiederum erwachen durch das Treffen auf Haru ganz neue Gefühle in ihm, sehr dringlich-animalische, bei denen er selbst zunächst nicht weiß, ob es Liebe ist, oder doch nur die Besitzansprüche eines Jägers seiner Beute gegenüber.

Die Tragik ist selbstverständlich, dass es schwer denklich ist, wie ein Hase und ein Wolf überhaupt ein Paar sein sollten. Selbst wenn sich herausstellen würde, dass Haru auch etwas für Legosi empfindet, und der sich endlich über seine eigenen Gefühle ihr gegenüber klar wird. Man feuert die emotional abgekühlte Häsin und den unsicheren Wolf geradezu an, endlich zueinander zu finden.

Wie dies geschieht finde ich hingegen als einzige Sache in der Staffel als etwas unglücklich geregelt. Haru wird entführt und Legosi rettet sie, was beiden deutlich die Augen für die Gefühle einander gegenüber öffnet. Das ist an sich schon ein ziemlich arges Klischee an sich, die Damsel in Distress und der rettende Held, und durch die Extremsituation muss man sich nun halt lieben. Netterweise macht es die Serie sich dann doch nicht ganz so einfach. Das eigentliche Problem für mich war, dass Haru von der Mafia entführt wird. Von einer Gruppe mehrerer Dutzend Löwen. Und Legosi sich fast im Alleingang durch sie hindurchkämpft, nur mit Unterstützung eines helfenden Pandas. Dessen Hilfeangebot war genauso unrealistisch für mich war, wie dass sich Legosi immer noch durch den Großteil der bewaffneten Verbrecher durchgeprügelt bekommt. Und ziemlich unnötig, da es andere Arten gab, Haru in Gefahr zu bringen, aus dem ein einsamer Wolf sie hätte befreien können. Den Tiger-Mitschüler beispielsweise über seine Obsession nach der Droge Hasenblut auf Haru einfallen zu lassen. Den Mörder der ersten Episode zurückzubringen, der in der ersten Staffel nie wieder auftauchen wird. Oder das die andere Häsin, die Haru mobbt, weil ihr Freund mit ihr geschlafen hat, zwei oder drei Raudis engagiert, die Haru entführen. Durch den Kampf gegen mehrere wenige andere Karnivore hätte man auch gut darstellen können, was für eine Kraft Legosie die ganze Zeit unterdrückte. Dass sich ein Schüler durch einen ganzen Yakuza-Clan schlägt, fand ich hingegen überraschend dämlich für eine ansonsten eigentlich sehr bodenständige Serie, die ihr Drama möglichst realistisch angeht.

So wie eine Zigarre manchmal einfach nur eine Zigarrie ist, ist freilich das „Fressen“ manchmal auch einfach nur ein Fressen und keine Symbolik für Geschlechtsverkehr. Das hinter der schönen Fassade des trauten Beisammenseins immer noch mörderische Urinstinke herrschen, bekommen wir mehrmals gezeigt, so dass der Mord zu Serienbeginn nicht mehr als das so herausragende Ereignis dasteht. Wenn es auf einem kurzen Tripp in die Stadt geht, sieht man dort zwar auch alle Erwachsenen schön miteinander leben, doch in den Hintergassen stolpert die Gruppe in den Schwarzmarkt. Wo Karnivoren illegal das Fleisch von Herbivoren erstehen. Und einige Mitschüler von Legosi können sich kaum zurückhalten, endlich mal richtiges Fleisch und Blut schmecken zu wollen. Gleichzeitig führt dieses Karnivore vs Herbivore aber auch als soziales Klassenkonstrukt zu Minderwertigkeitskomplexen. Es wird mehrmals erwähnt, wie selbstsicher und edel sich (Apex-)Predatoren einfach von Natur aus bewegen, was ein Herbivor so nie tun würde. Gerade Schul-Idol Louis hat einen extremen Komplex dahingehend eigentlich der Schwächere zu sein. Was auch gut in einer Szene dargestellt wird, in der eine Wölfin ihm eine Kriegserklärung ob des Idol-Daseins macht und einfach zu Boden drückt. Die zierlich dargestellte Wölfin hat kein Problem damit, den großgewachsenen Hirsch an den Boden zu nageln, weil sie als Karnivore von Natur aus mehr Kraft mitbringt. Bestätigt das Gefühl von Loius, dass egal wie sehr er sich anstrengt, er immer einen Nachteil haben wird.

Ist halt schon viel Teenager-Drama drin in Beastars, immerhin sind das unsere Hauptcharaktere und es geht um deren Leben und Wachstumsschmerzen. Ich fand es von dieser einen erwähnten Instanz gegen Ende abgesehen aber sehr spannend und interessant und konnte kaum aufhören zu schauen. Bin auch sehr gespannt auf die zweite Staffel und wie dort das Mordmysterium vom Anfang eventuell wieder aufgegriffen wird. Wie es mit Haru und Legosi weitergeht. Und ob es doch noch was zu bedeuten hat, dass das Opening Louis vage wie den Antagonisten repräsentierte, der aber zumindest in Staffel 1 noch gar nicht der Psychospielchen spielende Fadenzieher ist, sondern seine eigenen Probleme mitbringt und zum Glück wesentlich runder als zunächst befürchtet war.

City at the Edge of Battle & Planet Eater

Nach Planet of the Monsters Ende 2017 kamen dann jeweils Anfang und Ende 2018 die beiden Nachfolger in der Godzilla-Trilogie der Koproduktion von Toei und Netflix heraus: City at the Edge of Battle und Planet Eater. Womit die aktuelle Ära der japanischen Godzilla-Filme, die scheinbar noch keinen Titel trägt, insgesamt vier Filme zählt. Damit wird es jetzt erst Mal wieder etwas ruhiger um diese Seite, bis 2021 mit der World of Godzilla ein weiteres Cinematic Universe starten soll, sollte das Publikum Shared Cinematic Universes bis dahin immer noch nicht überdrüssig sein. Vorher müssen wir Richtung USA schauen, wo uns demnächst zwei Godzilla-Filme in deren Cinematic Universe, dem MonsterVerse, erwarten werden.

Als kleiner Refresher der Story, da die drei CG-Filme nicht so sehr eigenständige Werke sind, als vielmehr eine zusammenhängende Serie an Filmen, die Story-technisch direkt ineinander übergehen: Menschliche Zivilisation hatte den Punkt erreicht, wo sie den Planeten zu zerstören drohte. Also tauchten Monster auf. Dann tauchte Godzilla auf und hat die Monster besiegt. Aber auch die Menschheit angegriffen. Aliens A wollten helfen und mit Mechagodzilla gegen Normie Godzilla kämpfen, funktionierte aber nicht. Andere Aliens B haben also alle mit auf ihr Schiff geladen, um nach einem neuen bewohnbaren Planeten zu suchen. 20 Jahre später ist das als gescheitert zu betrachten und die wenigen Überlebenden kehren zurück, um die Erde zurückzuerobern. Auf der sind aber 20.000 Jahre vergangen, und ein Urwald voller Godzilla-DNA-basierender Monster hat sich ausgebreitet.

Ein Einsatzteam hatte in Planet of the Monsters unter Anime-Superheld Haruo nun gegen Godzilla gekämpft, gewonnen, nur um herauszufinden, dass dies lediglich ein Abkömmling war und der Original-Godzilla mittlerweile zu 300m herangewachsen immer noch existiert. Niederlage folgend.

City at the Edge of Battle beginnt nun dort, in dem Haruo aufwacht und feststellt, dass er und die wenigen anderen Überlebenden seines Einsatzkommandos, von humanoiden Wesen gerettet wurden, die sich scheinbar von Insekten über die vergangenen 20.000 Jahre entwickelt haben und dem Urwald angepasst leben. Aliens A entdecken allerdings Lebenszeichen vom Nanometall, aus welchem Mechagodzilla war. Wie sich herausstellt ist jener ebenfalls über diese Zeit hinweg gewachsen und hat sich repliziert, bis eine ganze Fabrikstadt an militärischen Waffen gewachsen war inklusive drei Mechs. Mit jenen wird OG-Godzilla nun bekämpft und sie scheinen fast auch zu gewinnen. Bis dann Aliens A allerdings alle opfern wollen, um mit dem Nanometall zu verschmelzen, damit dessen Kapazitäten verbessert werden, und überhaupt sich jenes beim Sieg über Godzilla über den ganzen Planeten ausbreiten würde. Die Menschen, vorneweg Haruo, finden natürlich wie gewohnt die Option ihr eigenständiges Sein aufzugeben weniger erbauend und so sträubt er sich dagegen. Godzilla wird also nicht besiegt.

In Planet Eater nun finden wir endlich heraus, was die religiösen Aliens B, allen voran Haruos Unterstützer Metphies, die ganze Zeit planten. Die Zerstörung des Universums. Irgendwann kam mal King Gidorah vorbei, und hat deren Planeten bis auf die wenigen Überlebenden, die nun die Priesterklasse ausmachen, zerstört. In der Erkenntnis, dass alles endlich ist, selbst das Universum an sich irgendwann zu existieren aufhören wird, haben die einfach beschlossen einen Death Cult zu gründen. Andere Zivilisationen werden aus dem Schatten zu dem Punkt geführt, an dem King Gidorah aus seiner Paralleldimension herbei beschworen werden kann, der dann den Planeten zerstört. Aber nicht wenn Godzilla und der mit der Insekten-Gottheit Mothra aus seinem psychischen Dilemma gerettet Haruo da nicht was zu sagen haben.

Im Prinzip kamen in der Trilogie also alle vier der großen Godzilla Mainstay Monster vor. Wobei allerdings nur Gidorah einen größeren Auftritt hat und mit Godzilla wrestlen darf, Mothra ist lediglich als schattenhafter Spirit Guide kurz eingeblendet und Mechagodzilla bereits in der Vergangenheit liegend. Und ehrlich gesagt fand ich auch den Kampf zwischen den beiden Monstern in Planet Eater nicht so wahnsinnig fesselnd, weil irgendwie nicht viel geschieht, außer dass sich Gidorah in Godzilla verbeißt, bis der endlich mit seinem Energiebeam zurückschlagen kann. Wirklich viel brachiale Action ist in der Trilogie echt nicht gewesen.

Gleichzeitig kann man ihr auf jeden Fall zugutehalten, dass sie nichts Erwartetes geliefert hat, sondern sich ein Stück weit weg traute. Eben in einer Zukunft spielend, in der Godzilla eigentlich schon gewonnen hat. Ihn dominant auf einer veränderten Erde herumwandeln lassen, statt durch präsente Großstädte. Und das Planet Eater Haruo plötzlich auf eine metaphorische Geistesreise schickt, Religion mal wieder böse war, Technikwahn irgendwie aber auch, und voll auf die Schiene des Nihilismus der Endlichkeit von uns als Menschen aber auch allem anderen einsteigt, ganz zu schweigen nie so ganz ein Happy End offerieren wollen scheint… ich denke niemand hat irgendwas davon wirklich von Godzilla erwartet.

Ist halt leider Schade, dass das Endresultat immer noch nicht so gut ist. Ich würde schon sagen, dass sich die Filme langsam steigerten. Planet of the Monsters war total langweilig, City at the Edge of Battle hingegen nur für seine erste Stunde der 90 Minuten. Die beiden hätten definitiv in einen Film zusammengefasst gehört. Planet Eater war dann sogar durchgängig ganz brauchbar. So richtig begeistern kann ich mich für das ganze Projekt an sich allerdings nicht. Dafür sind mir die Charaktere zu fade und werden mir nicht nahegebracht. Dafür hält es die interessanten Punkte zu lange (bis Film 3 im Prinzip) zurück, und scheint auch hier nie voll in die Tiefe zu gehen, sondern sie mehr zu servieren, um tief zu wirken. Und wie gesagt die Godzilla-Kämpfe waren auch eher lahm umgesetzt. Wäre dies hier nur Planet Eater gewesen, hätte ich noch sagen können, kann man sich ruhig antun. Aber die ganze Trilogie, nein die kann man getrost überspringen.

Academy Weekend – Coco

Oscar-Wochenende, und damit mal wieder eine gute Ausrede, um sich ein paar Filme reinzuziehen, die letztes Jahr gewonnen haben, die mich interessieren, die man aber dennoch bisher noch nicht geschaut hat. Pixars Coco ist natürlich immer ein ziemlich sicherer Kandidat gewesen, und hat letztendlich beide seiner Nominationen einstecken können. Über viel mehr als Best Animated Feature und Best Original Song dürfen sich Animationsfilme sowieso nicht freuen, sind sie doch von den anderen Kategorien ziemlich ausgeschlossen. Coco hat also so viel abgeräumt, wie maximal möglich war.

Miguel ist ein Junge, dem Musik wichtig ist, und dies zu seiner Profession machen möchte. Dummerweise ist es allerdings so, dass die Rivera-Familie nicht nur traditionell seit Generation alle Schuhmacher werden, sondern auch Musik hassen, weil der Gründerin der Schuhmacher-Dynastie der Ehemann kurz nach der Geburt ihrer Tochter Coco abgehauen ist, um sich als Musikant durchzuschlagen. Ausgerechnet am viel gefeierten Tag der Toten kommt es zu einer Auseinandersetzung mit dem Rest der Familie, die dazu führt, dass Miguel ausreist, um an einem Talentwettbewerb mitzumachen.

Über ein paar unglückliche Ereignisse hat Miguel bald allerdings ganz andere Probleme: Er kann nämlich die ihre Familie an jenem Tag besuchenden Toten sehen. Und nicht nur das, auch in ihre Welt überwandern. Mit dem unglücklichen Nebeneffekt, dass er von den Lebenden nicht mehr wahrgenommen wird und sollte er nicht bis zum Sonnenaufgang wieder in deren Welt übersetzen, ist ihm die Rückkehr für immer verwehrt. Das Ritual, ihn zu den Lebenden zurückzuführen, ist eigentlich gar kein schweres, benötigt aber die Mitarbeit eines toten Familienmitglieds von Miguel, und die Matriarchin der Familie stellt dies unter die Bedingung, dass Miguel der Musik entsagen soll. Der lehnt ab und sucht stattdessen lieber den Ur-Ur-Großvater, der damals abgehauen ist, da jener ihn schon verstehen wird.

Was ich an Coco sehr interessant fand, ist, dass es sich für mich ein wenig wie ein Echo auf Up anfühlte. Wo es nämlich in Up hauptsächlich um einen verschrobenen alten Kerl ging, so ist das zentrale und Namensgebende emotionale Kernelement von Coco nämlich die Urgroßmutter von Miguel und ihre Beziehung zum davongelaufenen Vater. Das ist das wahre Herz des Filmes. Statt jene allerdings auf eine Reise zu schicken, wird sie lange Zeit über zum Hintergrundelement der bunten Reise von Miguel und seinem derpigen Köter ins Reich der Toten, damit nämlich die eigentliche Zielgruppe von Pixar, Kinder, ein rasantes Abenteuer mit einer Identifikationsfigur geboten bekommen. Macht Coco viel attraktiver und leichter zu vermarkten, als das ein Up war.

Was nicht bedeuten soll, dass in Miguels Teil nicht auch Herz steckt. Dies wäre schon etwas arg dämlich, folgen wir ihm doch die meiste Zeit des Filmes über. Ein wichtiger Punkt hier ist einfach die Familie, deren Zusammenhalt, als emotionales Auffangbecken, welche einen so akzeptieren sollte, wie man ist. Und die Riveras sind eine sehr nette und stark zusammenhaltende Familienbande. Nur können sie halt Miguels Musik-Leidenschaft zunächst nicht akzeptieren, was zum ursprünglichen Konflikt führt. Hier können die Zuschauer natürlich sich selbst auch divers reininterpretieren. Ob man nun zum LGBTQ-Spektrum gehört, oder ein Furry ist, oder tatsächlich einfach eine unbeliebte Karriere anstreben möchte – jeder, für den irgendwann mal etwas wichtig war, welches die Familie nicht akzeptieren wollte, oder bei dem man zumindest Angst hatte, sie würde es eventuell nicht, kann sich natürlich in die Situation von Miguel hineinversetzen.

Und das Abenteuer durch den Tag der Toten ist einfach ein sehr buntes und rasantes Unterfangen, voller witziger Momente und charmanter Charaktere, aber eben auch mit seinen ruhigen Inseln. Beispielsweise verbleibt man nicht ewig in dieser fröhlichen Welt aus beleuchteten Häuserburgen und bunten Wesen, sobald der letzte Lebende einen vergisst, geht man auch hier verloren, und keiner kann sagen, ob es danach noch ein weiteres Leben nach dem Tode oder einfach nur das endlose Nichts gibt. Wahrhaftig das Herz geht einem aber wie gesagt hauptsächlich bei Coco auf, bei der Szene mit ihre als kleines Kind wenn sich der Vater verabschiedet, oder ihre Freude als alte Lady wenn Miguel ihr das Lied des Vaters vorspielt, da ist man zumindest als Erwachsener voll dabei, der durchaus das vorhersehbare Miguel-Abenteuer auch genießen konnte, aber hier einfach den emotionalen Kern findet.

Resident Evil: Vendetta

Das Jahr 2017 sah einige neue Aktivität in der Resident-Evil-Franchise. Neben dem Release vom Live Action The Final Chapter und dem neuesten Videospiel Resident Evil 7: Biohazard, kam es nämlich auch zum dritten CGI-Film mit Resident Evil: Vendetta.

Der bringt uns den beliebtesten Charakter der Franchise zurück: Rebecca Chambers! Jetzt Professor Chambers, in einem argen Bruch mit der Suspension of Disbelief. Man hat ja über die Jahre so einigen Blödsinn im Namen von Resident Evil zu schlucken gelernt. Chris boxt einen Felsen? Klar. Ein Zombie-Elefant? Warum nicht. Whesker als Präsident? Ok. Aber „Professor Chambers“ geht dann doch etwas arg weit.

Sie ist sogar ein sehr integraler Charakter des Filmes. Denn ein Zombie-Virus geht um. Wow, in Resident Evil? Nicht doch. Tatsächlich ist es allerdings ein neuer, der die Zombies zu wesentlich effektiveren Waffen macht, da sie von Hersteller Arias kontrolliert werden, und somit nicht einfach jeden angreifen, den sie sehen. Rebecca, das Professoren-Superhin, hat ein Gegenmittel gefunden. Dann sieht sie auch noch aus wie die tote Frau von Arias, dem die Regierung einfach mal die Hochzeit zerbombt hat, woraufhin alle außer ihm starben, was ihn überhaupt zu seiner Zombie-Vendetta verleitet.

Was ich hieran persönlich ganz interessant fand, war die Tatsache, dass Shinji Mikami in einem Interview sagte, dass er passive weibliche Charaktere wie Rebecca gar nicht leiden kann, und nicht im Original Resident Evil haben wollte. Wirft natürlich ein wenig die Frage auf, warum man ihre Rolle im REmake nicht etwas angepasst hat, oder warum Jill in besagtem Spiel in jeder zweiten Cutscene auf den Hintern fällt und von Barry gerettet werden muss. Interessant ist das aber auch im Kontext mit Vendetta, mit dem Mikami natürlich nichts zu tun hatte. Denn Rebecca ist hier ein durchaus sehr starker und sich durchsetzender Charakter, wenn auch wie gewohnt als Medic bzw. Professor keine Kämpferin. Oder zumindest bis sie halb durch den Film durch vom Schurken entführt und zur Damsel in Distress gemacht wird. Da musste ich dann doch etwas schmunzelnd an das Interview denken.

Netterweise hat sie gleich zwei Kerle, die um ihre Befreiung kämpfen. Zum einen Leon, der wie immer in den Filmen leider nicht der DMC-Dante-light Sprücheklopfer und witziges Kerlchen bekannt aus Resident Evil 4 ist, sondern weiterhin relativ selbstmitleidig auf den Grund von Alkoholflaschen schaut, bevor er von Rebecca ins Gewissen geredet bekommt, dass man vielleicht doch mal ein paar Zombies abknallen gehen sollte. Dann stiehlt der Alte aber echt das Rampenlicht, ist Leon doch der Einzige, der hier die coolen Slow-Motion Shots bekommt im Schusswechsel mit Zombies oder auf dem Motorrad gegen Zombie-Hunde. Chris ist auch mit dabei, eigentlich der Charakter, den wir am meisten sehen werden, und absolut goldig in seiner Daddy-Nummer gegenüber Rebecca.

Aus der ganzen Sache damit, zu hinterfragen, ob eine Regierung überhaupt unterstützenswert ist, die viele Unschuldige auf einer Hochzeit umbringen, nur um einen Waffenhändler zu erledigen, macht der Film natürlich letztendlich nichts. Genau wie die beiden Freunde von Arias, Nina Williams für Arme und ihr Hühnen-Vater zwar wichtig aussehen, dies jedoch nie werden. Resident Evil halt, wen kümmert schon die Handlung – den Film an sich sicherlich eher nur auf drittrangiger Stelle. Dafür kommt er dem Rest aber nicht in den Weg.

Er ist nämlich dennoch ziemlich gefällig und vielleicht bisher die beste Film-Inkarnation der Franchise. Einfach weil er ziemlich launig unterhält. Ob es nun die Anfangsszene in der Villa ist, in der Chris mit Einsatzteam durch die dunklen Gänge geht und einer nach dem anderen von Zombie-Kindern zerfleischt wird. Teilweise in atmosphärischer Egoperspektive. Oder dann eben später, wenn die Action so richtig aufdreht, und gegen die Horden an Zombies vorgegangen wird. Dabei immer dämlicher aber auch witziger werdend. Kulminierend in einem Nachkampf Chris vs. Arias, in dem sich die beiden mit Knarren beschießen, aber dauerhaft trotz nächste Nähe verfehlen, weil sie mit Akrobatik und Fisticuffs einander beständig ausweichen. Etwas besser aussehen könnte der Film lediglich, hinkt er doch weit hinter anderen CG-Filmen wie beispielsweise Kingsglaive hinterher.

Resident Evil: Vendetta ist absolut dämlich, aber auch absolut unterhaltend. Prädikat Sehenswert.