Academy Weekend – Soul

ava-2677Es ist mal wieder Oscar-Wochenende, was ich wie jedes Jahr dazu nutze, mir mal drei ausgewählte Filme der letztjährigen Gewinner anzusehen. Horizonterweiterung und so. Wie jedes Jahr haben wir dabei auch den Animationsfilmgewinner dabei, welches mal wieder an Pixar ging. Und diesmal blieb er nicht auf jene Kategorie beschränkt, sondern war auch für Best Sound und Best Original Score nominiert, von dem er letzteren sogar obendrein mitnehmen durfte.

Ich wusste hineingehend nichts vom Film, kannte nur das Poster. Von daher ging ich davon aus, dass es um einen Mann mittleren Alters geht, der eben Soul-Musik für sich entdeckt, beziehungsweise endlich zu seiner Karriere macht. Und so fängt der Film auch an. Joe ist ein Musiklehrer an einer Schule und bekommt endlich eine Festanstellung mit all den Boni, die das so mit sich bringt. Er sollte also froh darüber sein, dass sein Leben endlich finanziell stabil ist. Dem ist aber nicht so, denn Joes Traum war es immer „richtige“ Musik zu machen. Und hey, da ist ihm doch jemand Hold und er bekommt seine Chance den frei gewordenen Slot in einer jeden Abend in Clubs auftretenden Band zu füllen.

Prompt stirbt Joe, da er in einen offenen Gullideckel fällt.

Ab hier geht der Film dann für mich überraschende Wege. Wird quirliger und bunter. Welche Kids wollen schon einem Kerl in seiner Midlife Crisis zusehen, von dahin muss da mehr Humor rein kommen. Joe, nun als Seele, ist gar nicht bereit ins Jenseits einzugehen, jetzt wo er endlich seine große Chance hatte. Also versucht er einen Weg zurück zur Erde zu finden. Und trifft dabei auf das Areal, wo frische Seelen darauf vorbereitet werden, zum ersten Mal geboren zu werden. Er wird Mentor für 22, eine Seele, die sich bisher dagegen sträubte, weil sie das Menschsein für zu dämlich hält.

Nun wird es Joes Auftrag 22 dabei zu helfen einen „Funken“ zu finden. Das besondere etwas, was denjenigen als Menschen antreiben würde – wie die Musik für ihn zum Beispiel. Was unter anderem auch dazu führt, dass 22 in seinem Körper landet und Joe in der einer Katze.

Ich mochte den Film schon sehr. Die Beziehung zwischen Joe und 22 hat beispielsweise eine echte angenehme Dynamik. Quirlig und humorig, aber die beiden verstehen sich auch auf einem gewissen Level. Letztendlich ist die Suche nach 22s Funken auch natürlich Joes Reise die Welt in einem neuen Licht zu sehen.

Denn der Film tut hier etwas interessantes. An einem Punkt schafft es Joe endlich in der Band vor Leuten aufzutreten. Und es ist ein fantastisches Gefühl. Zumindest während des Auftritts. Danach ebbt die Euphorie ab und Joe wundert sich darüber, warum er sich immer noch wie vorher fühlt. Warum seinen Traum zu leben ihn nicht plötzlich rundum erfüllt. Was auch auf den „Funken“ zurückkommt. Denn Joe ist davon überzeugt, dass jener das Lebensziel einer Seelen werden soll. Bis er darüber aufgeklärt ist, dass dies nur ein Teil ihrer Persönlichkeit ist, eine Inspiration, aber eben nicht denjenigen als Menschen komplett ausmacht.

Denn Soul sagt uns, dass es Ok ist, wenn man seine Aspiration lieber als Hobby hat. Oder wenn man es schafft, jenen Lebenstraum nicht zu erfüllen. Denn Soul sagt uns, dass es so viel mehr im Leben gibt. Joe muss lernen, dass Leben an sich wieder lieben zu können. Egal ob er nun in der Band spielt oder nicht. Denn die Musik ist nicht alles im Leben und nicht die einzige Komponente die ihn ausmacht und ihn erfüllen kann. Und ich finde das ist eine nette Message statt jemandem schlicht fürs Gutsein damit zu belohnen, dass dessen größter Traum erfüllt wird, und das war es, Happy End fürs Rest vom Leben.

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Godzilla vs Kong & Singular Point

ava-2659Und schon widmen wir uns wieder einem Altbekannten, der uns im letzten Jahr sogar gleich zweimalig besucht hat. Denn sowohl das amerikanische MonsterVerse ging mit Godzilla vs Kong in die nächste Runde, als auch mit Singular Point ein neues Anime in die Startlöcher gestellt wurde.

Godzilla vs Kong baut dabei natürlich sowohl auf die beiden vorigen Godzilla-Filme auf, die seit dem 2014er Reboot erschienen sind, wie auch auf Kong: Skull Island. In der hiesigen Kontinuität sind die Kaiju also bekannte Größen, die jederzeit auftauchen können, weswegen die Organisation Monarch sie zu erforschen hofft. Das tun sie aktuell beispielsweise mit Kong, der unter einem Dom gefangen ist, der ihm vorgaukeln soll, weiterhin auf Skull Island zu sein. Was nicht so ganz gelingen will, aber die Gehörlose Adoptivtochter der Hauptforscherin im Projekt kann ihn immer wieder beruhigen, denn die beiden verständigen sich über Zeichensprache.

Derweil ist die Firma Apex daran interessiert, in das Erdinnere einzudringen, da man von der Theorie der hohlen Erde überzeugt ist, und dort ein Ökosystem mit enormer Energiequelle vermutet, welche die Menschheit in eine neue Zukunft leiten kann. Da es sich um den ehemaligen Lebensraum der Superbestien handelt, soll Kong sie dorthin führen.

Aber auch mit Godzilla muss gerechnet werden, welcher von den Energiequellen und Anwesenheit Kongs angezogen wird, da es ja bekanntlich nur einen unter den Kaiju geben kann, und die sich zum ständigen Kampf zueinander gezogen fühlen. Am Ende darf sogar noch Mecha Godzilla mitmischen, der dank der Energie aus einem der Ghidora-Schädel zum Leben erweckt wird.

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Es ist schon etwas merkwürdig den Film in 2021 zu schauen. Denn er geht hart auf Verschwörungstheorien ein. Nun ist es nicht ungewöhnlich in solchen Filmen, dass es die kleine Widerstandbewegung gibt, welche die wahren Machenschaften aufzudecken weiß. Oder das genau der eine Wissenschaftler, auf den niemand gehört hat, Recht hatte. Mittlerweile sind aber eben auch so viele verschrobene Verschwörungstheoretiker in der Realität sehr laut geworden, welches es etwas schwer macht, auf jene Underdog-Geschichten zu bauen.

Das ist nämlich auch im Prinzip, was nun die Lücken zwischen den Monsterkämpfen füllt. Die Godzilla-Filme waren ja noch nie sonderlich herausragend darin, den Zuschauer für die menschliche Komponente zu interessieren, auch wenn deren Perspektive die Filme eigentlich erden soll. Und ich meine damit nicht nur den Reboot, sondern die komplette Franchise, erinnere an der hiesigen Stelle daran, dass ich im Vorläufer zum hiesigen Blog mich durch alle japanischen Filme und einige Spinoffs geschaut habe. Godzilla vs Kong setzt dann auch darauf, dass man sich automatisch auf diverse Archetypen einlassen kann und bietet abgesehen von der Bindung des tauben Mädchens zu Kong wenig Charakterisierung.

Im Gegensatz zum 2014er-Film, dem der menschliche Blickwinkel auf die Katastrophe allerdings wichtig war, und das mit absoluten Pappaufstellern als Hauptcharaktere vermasselt hat, geht es Godzilla vs Kong aber auch wesentlich mehr um die Monster. Darum, sie cool in Szene zu setzen und sie sich regelmäßig brachial kloppen zu lassen. Ja am Ende dürfen die beiden sogar ihre Differenzen beiseite legen und kooperativ den Mecha Godzilla ausschalten. Genug Spektakel und Action ist also da.

Und als solches reines Popkorn-Kino unterhält der Film auch gut. Kein Hirn aber dafür viel Action. Uns wurden zwei Kaiju und ordentlich Haudrauf versprochen, und das bekommen wir auch geliefert. Nicht mehr und nicht weniger.

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Das 13 Episoden Anime Godzilla: Singular Point will da schon intelligenter sein. Setup ist das Jahr 2030, bei dem wir zwei verschiedenen Charakteren folgen, die zwangsläufig über das gleiche Phänomen zusammengebracht werden. Arbeiter Yun soll eine mysteriöse Energie-Fluktuation in einer verlassenen Villa untersuchen. Verursacht wird das durch einen Apparat, der plötzlich angefangen hat, einen alten Song zu spielen. Physikstudentin Mei derweil soll den Arbeitern der Misakioku-Organisation dabei helfen, plötzlich aufgetretene unbekannte Signale zu identifizieren. Auch hier steckt jenes altertümliche Lied dahinter. Was beide noch nicht wissen ist, dass im aufgegebenen Keller von Misakioku ein Godzilla-Schädel liegt, der plötzlich seine Aktivität wieder aufgenommen hat. Das weltweit aufkommende Phänomen von rotem Staub und wiedererweckten prähistorischen Kaiju lenkt davon natürlich auch gewaltig ab.

Der Elefant im Raum ist zunächst schonmal, dass die Serie zwar Godzilla im Namen trägt, das titelgebende Monster in voller Pracht aber erst gegen Ende zu sehen sein wird. Stattdessen fallen erst Mal diverse Kaiju, viele davon Neuinterpretationen alter Bekannter aus der Franchise, über die Erde her. Selbst ein im charmanten Retrocharme designter Jet Jaguar darf seinen Auftritt in Singular Point haben. Wer damit zufrieden ist, generell viel Kaiju-Action zu Gesicht zu bekommen, und nicht unbedingt Godzilla vermisst, bekommt schon sein Fett weg.

Wer allerdings nur Action sehen will, dem wird die Handlung immer wieder dazwischen funken. So interessant das Mysterium darum, warum die Kaiju plötzlich auftauchen, auch ist, so sehr verliert sich Singular Point nämlich auch gerne in langen Gesprächen über theoretische Physik und damit einhergehende parallele Zeitlinien etc. pp. Das lässt die Serie durchaus erstmal smarter erscheinen als viele andere Godzilla-Produktionen, am Ende kommt aber auch die Frage auf, ob all dies zur Erklärung wirklich nötig war. Das Hirn schalte schon gern mal auf Durchzug, wenn wieder ein mehrere Minuten langer Textnachrichten-Austausch zwischen Yun und Mei beginnt, bei dem man eh nur die Hälfte des Techno-Babbles versteht.

Man kann also sagen, dass Singular Point fast ins entgegengesetzte Extrem so vieler anderer Godzilla-Projekte verfällt. Es mag es zwar schaffen neben der Monster-Action auch tatsächlich ein interessantes Mysterium um deren Erscheinen aufzubauen, schlägt dabei aber immer mal wieder über die Stränge, dies wissenschaftlich fundieren zu wollen. Macht die Serie dahingehend manchmal etwas anstrengender als nötig, aber unterm Schnitt bleibt sie absolut schauenswert. Besonders für alteingesessene Fans, die was damit anfangen können, wenn plötzlich Manda oder Kumonga aus der Showa-Ära auftauchen.

Monster Hunter in Anime and Manga

ava-2641Ich bin ein Weeb in Monster Hunter. Immerhin benutze ich nichts außer Longsword, was so ziemlich die weebigste Waffenart zusammen mit den Dual Blades ist. Als solches ist es eigentlich quasi meine Aufgabe auch mal in den Weebshit um die Spiele herum einzutauchen: Anime und Manga.

Als Manga getroffen hat es Monster Hunter Orage, ein von 2008 bis 2009 fast genau ein Jahr gelaufenes Ding, welches anschließend in 4 Sammelbände zusammengefasst wurde. Wir folgen hier dem Hauptcharakter Shiki, der von seinem Meister alles übers Hunting beigebracht und spezielle Dual Blades überreicht bekommen hat, sowie zu einem Forbidden Hunter gemacht wurde. Die dürfen sich gegen die normalen Regeln sträuben und jederzeit und überall jagen gehen, statt auf Guild Quests eingehen zu müssen.

Ziemlich schnell trifft er auf Ailee, die Tochter seines verstorbenen Meisters, die sich gegen Teams sträubt und lieber alleine jagen geht, an die sich Shiki aber einfach dranklebt. Curlon, bekannt als der Prinz, wird deswegen zu seinem Rivalen, hat er doch ein Auge auf Ailee geworfen. Letztendlich geht es Shiki und Ailee darum, das legendäre Monster Myo Galuna zu finden, um dessen Existenz zu beweisen.

Eine schöne Sache an Monster Hunter Orage ist, dass es die Welt von Monster Hunter etwas ausbaut. Es zeigt ein wenig, wie das Leben der Menschen außerhalb von Hunting Quests so ist. Außerdem erklärt es einige der Konventionen der Spiele, die ziemlich gamey sind, und warum sie dennoch Sinn machen würden, statt das sie für den Narrativ einfach weggelassen werden. Auch ganz nett ist, dass es sich ein paar neue Monster ausdenkt, statt nur unkreativ auf alte Favoriten zu setzen.

All das hilft aber nicht der Tatsache, dass es das Malen nach Zahlen an Shonen Manga ist. Alle Stereotypen einer solchen Serie sind vertreten. Shiki ist selbst für deren Verhältnisse unerträglich laut. Die Handlung springt von einem Plot Point zum nächsten, als wollte sie nur eine Liste der üblichen klischeehaften Ereignisse so schnell wie möglich abgrasen. Natürlich ist es so, dass Shonen Manga immer relativ Formelhaft sind und Stereotypen müssen nichts schlechtes sein, sondern können dennoch gut unterhalten. Monster Hunter Orage hat aber einfach überhaupt keinen Charme. Das ganze liest sich einfach so unglaublich Seelenlos. Als wären die üblichen Shonen-Tropes in einen Computer eingegeben worden, und der hätte dann dies hier ausgespuckt.

Was merkwürdig ist, denn zwischen zwei Kapiteln gibt es immer wieder einen kleinen Gag-Streifen über den Mangaka, seine Assistenten, und wie sie Monser Hunter spielen. Hiro Mashima scheint also Fan der Reihe zu sein. Dass überträgt sich aber leider nicht via Enthusiasmus auf den Manga, sondern Orage wirkt einfach wie eine schnell herunter gezeichnete Auftragsarbeit zwischen den Sachen, die er eigentlich machen wollte.

Ich kenne seine anderen Werke persönlich zwar nicht. Aber Mashima hat mehr als eine Hit-Serie unter seiner Feder, deren Namen mir zumindest was sagen. Darunter das monumentale 63 Bände umfassende Fairy Tail. Eine gewisse Kompetenz will ich dem Mann also nicht absprechen. In Monster Hunter Orage kommt davon aber einfach nichts rüber. Selbst der Zeichenstil brachte bei mir eher die Assoziation „One Piece für Arme“ auf. Ich gehe einfach mal davon aus, dass er sich normalerweise mehr anstrengt.

Was Monster Hunter Anime angeht, so hat uns Netflix erst kürzlich mit Legends of the Guild Nachschub geliefert. Nachdem das Ding 2018 bereits angekündigt wurde und dann nichts mehr dazu zu hören war. Bis dann dieses Jahr endlich ein Trailer ankündigte, dass man es sich bereits in einem Monat anschauen können wird. Ein wenig merkwürdig ist das schon.

Legends of the Guild ist ein direktes Prequel zu Monster Hunter 4, folgt einem jungen Aiden, der auch in World ist, und wie er auf Julius trifft. Nämlich weil der richtige Hunter Julius im Dorf von Hobby-Hunter Aiden vorbeischaut, um sie davor zu warnen, dass sie genau im Weg eines Elder Dragons sind und evakuieren sollen. Doch die Leute hängen an ihrem Dorf und Aiden will ihnen helfen und mit etwas Appell an Julius entscheidet derjenige, dass die beiden mit Hilfe weiterer Hunter doch einfach gegen  Lunastra kämpfen können. Um sie zu besiegen flutet Aiden übrigens letztendlich das ganze Dorf, also hätte es genauso gut gleich evakuiert werden können, aber was solls.

Ich habe Legends of the Guild mit ein paar anderen geschaut, die ihn alle ganz gut fanden. Hauptsächlich, weil er sich halt an die Lore aus den Spielen hält und viel aus ihnen referenziert. Nach dem Motto „Immerhin ist es nicht der Film von Anderson“. Das ist selbstverständlich genau genommen ein recht bescheidenes Lob, und besser als der Live Action muss noch lange nicht gut heißen. Besonders wenn das Gütesiegel rein auf Authentizität zum Ursprungsmaterial fußt und nicht auf irgendwas, was einen Film an sich gut macht.

Ich war nämlich eher nicht abgeholt von den 60 Minuten Film. Der erste Eindruck ist schon schrecklich. Ich habe vorher noch gescherzt, dass es wenigstens nicht schlechter aussehen werden wird als Resident Evil: Infinite Darkness. Aber genau das tut Legends of the Guild. Der Film ist tatsächlich nicht besser aussehend als frühe 2000er CG wie beispielsweise aus einer PS2 Cutscene oder einem der Barbie-Filme. Es sieht miserabel aus und ist super hakelig und unrealistisch animiert. Die Handlung ist zusätzlich ziemlicher Standard und lässt überhaupt kein Pacing zu. Statt irgendwas sickern lassen zu können, wird sofort in die nächste Szene gehetzt. Die Witze zünden nicht, die Charaktermomente sind zu kurz, und die Action ist im Schnellflug vorbei. Das hier hätte 100 Minuten füllen können, stattdessen fühlt man sich, als hätte jemand Transitszenen herausgeschnitten und beim Rest auf 1.5-fache Geschwindigkeit gestellt.

Dadurch komme ich eigentlich zu einem Ergebnis, dass Legends of the Guild eigentlich genau die gleichen Probleme wie Monster Hunter von Anderson hat: Es passiert viel ist aber dennoch bestechend langweilig, weil nichts davon Gewicht hat und alles viel zu schnell an einem vorbeizieht. Nur hier in kürzer und mit mehr Wissen aus den Spielen bestückt. Das ganze macht, besonders wegen der langen Stille und der miserablen Animationen, auf mich etwas den Eindruck, als ob das Projekt nach der Ankündigung in Probleme gelaufen ist und fast eingestellt wurde. Bis Netflix es dann später aufgegriffen hat und schnell fertigstellen lies.

Resident Evil: Infinite Darkness

ava-2636Nachdem die Filmreihe von Paul W. Anderson beendet war, mussten Fans von Resident Evil nicht lange warten, bis sie einen neuen Grund fanden, um sich Beschweren zu können. Eine Serie wurde angekündigt, und das auch noch auf Netlfix. Am Ende wurde allerdings doch kein Live Action daraus, sondern CG-Animation. Also vielleicht doch alles gut? Zumal es nach einem neuen Abenteuer von Leon und Claire aussah.

Leon ist gerade mal wieder im Weißen Haus, wo er einer Investigationstruppe beitreten soll, als genau jenes gehackt und von Zombies überfallen wird. Er und sein neues Team machen sich anschließend auf zu investigieren, welche Beweggründe dahinter stecken könnten. Claire derweil ist wegen karitativen Zwecken im mittleren Osten und macht dort die Entdeckung, dass vor sechs Jahren etwas bei einem hiesigen Einsatz des US-Militärs vertuscht wurde. Beide Stränge führen natürlich letztendlich zusammen.

Am Ende sind vier Folgen von knapp einer halben Stunde draus geworden. Es ist also doch eher ein Film, der in vier Teile zerteilt wurde. Und fühlt sich genau wie ein solcher an. Gewisse Flashbacks werden beispielsweise zu häufig wiederholt, wohl um dem zerstückelten Vorgehen mehr Kohärenz zu verleihen, und alles was geschieht wirkt einfach, als ob es besser in eine 3-Akt-Struktur eines ganzen Filmes gehört hätte, denn halbherzig auf vier Folgen aufgeteilt zu werden.

Dazu kommt noch, dass dies hier nicht mal sonderlich wie ein Resident Evil für mich rüberkam. Es machte auf mich eher den Anschein, dass ein Script für einen sehr langsamen Polit-Thriller kurzfristig umgeschrieben wurde, um Leon und Claire und Biomutanten zu beinhalten. Gerade das Fehlen von Action ist herausstechend, sind doch alle entsprechenden Szenen extrem kurz angebunden und macht selbst der Klimax in der letzten Folge nicht viel her. Stattdessen wird lieber viel geredet und geflashbacked. Mit Charakteren, die nur in dieser Serie auftauchen und für die wir uns plötzlich was scheren sollen

Selbst wer ganz nette Buddy-Action zwischen Leon und Claire erwartet, wird von Infinite Darkness enttäuscht werden. Die beiden laufen sich so gut wie gar nicht über den Weg, haben so gut wie keine Interaktion miteinander, bis sie im Finale endlich zusammentreffen. Und selbst dann separat an unterschiedlichen Enden des Raumes was gegen den „Endgegner“ unternehmen. So richtige Zusammenarbeit ist da nie. Und am Ende trennen sich ihre Wege auch noch in einem antagonistischen Verhältnis, weil Claire nicht drauf klar kommt, dass Leon teil des Establishments geworden ist oder so. Die Serie verschlechtert die Beziehung der beiden zueinander also sogar noch.

Der letzte Sargnagel ist dann noch, dass die ganze Angelegenheit einfach nicht sonderlich gut animiert ist. Alles wirkt wie PS3-CG, mit abgehakten Charakteranimationen, komischer Haarphysik und manchen Szenen, in denen Charaktere mehr durch den Raum zu schweben scheinen. Das ist wirklich alles kein aktuelles Niveau.

Hat mir Infinite Darkness gefallen? Es sollte ziemlich ersichtlich sein, dass hierauf mit Nein zu antworten ist. Dafür ist die Mini-Serie einfach zu langweilig und bietet zu wenig Resident Evil.

Academy Weekend – Toy Story 4

Es ist mal wieder Zeit die Oscars unter die Leute zu bringen. Also schau ich mal wieder was von den Gewinnern des letzten Jahres, die bisher an mir vorbeigegangen sind. Dieses Jahr allerdings nur einen Vertreter, da im Jahr unserer Pandemie zwar viel Freizeit herrscht, mir aber kein Sinn nach Produktivität in jener steht. Da ist das Ereignis etwas an mich herangeschlichen und am Ende hatte ich eh keinen Bock drei Filme zu schauen. Somit fallen Joker und JoJo Rabbit unter den Tisch, es bleibt nur der Animations-Oscar-Gewinner Toy Story 4 übrig.

Der vierte Film setzt zwar eigentlich kurz nach Toy Story 3 an, beginnt aber zunächst mit einem Flashback in noch frühere Zeit. Nämlich als Andys Schwester einige ihrer Spielzeuge abgegeben hat, derer sie entwachsen ist. Darunter auch Woodys Love Interest Bo, die Schäferin. Dann springen wir ans Ende von Toy Story 3, wenn Andy, nun bereit fürs College und ebenfalls lang über seine Kinderspielzeugtage hinaus, seine Spielsachen an das kleine Mädchen Bonnie weitergibt.

Und da setzen wir jetzt an, im Kinderzimmer von Bonnie, die viel mit ihnen spielt. Nur mit Woody nicht so. Aus Andys liebstem Spielzeug ist ein Ladenhüter geworden. Dennoch tut er sein Bestes, um sein neues Kind glücklich zu sehen. Sich beispielsweise mit ihr zum ersten Tag in den Kindergarten zu schleichen, damit sie dort nicht so alleine ist. Im Bastelunterricht stellt Bonnie allerdings aus einem Spork (das sind diese Gabel-Löffel-Mischdinger) mit Forky einen neuen Spielkammeraden her. Der ihr ein und alles wird, das aktuell wichtigste Spielzeug. Und da Forky nun ein Spielzeug ist, ist er nun auch lebendig, versteht aber noch nicht ganz, dass er nicht mehr Müll ist und will sich deswegen ständig entsorgen.

Woody macht es sich also zur Aufgabe ein Auge auf Forky zu haben, damit er Bonnie nicht abhandenkommen kann. Was sich besonders beim Familientripp im Wohnwagen als schwierig herausstellt. Und so landen die beiden über Komplikationen in einem Antikladen. Wo die Puppe Gabby alles fest in ihrem Griff hat. Und die nichts mehr will, als Woodys Sprachbox ebenfalls in den Griff zu bekommen, um ihre eigene kaputte zu reparieren. Ob vielleicht die mittlerweile zum verlorenen Spielzeug gewordene Bo, in die sie rennen, ihm aus der Patsche helfen kann?

Pixar hat es also mal wieder geschafft und den Oscar abgeräumt. Wie stark die Konkurrenz war, kann ich allerdings sowieso nicht beurteilen, weil mir die anderen nominierten Filme alle nichts sagen. Wird schon verdient sein, mittlerweile geht der ja nicht mehr automatisch ans Studio wie das früher noch der Fall war.

Mir hat der Film auf jeden Fall gefallen, ja definitiv, auch wenn die emotionale Resonanz nicht ganz so stark war wie beim fantastischen Toy Story 3. Das liegt allerdings glaube ich auch daran, dass die hier anders ausgeformt ist. Immerhin waren es erneut fast 10 Jahre seit dem letzten Film. Da spielt Toy Story 4 natürlich auch viel auf die Nostalgie derer an, die währen der ersten Filme Kinder waren und sich einfach freuen ihre liebsten Charaktere wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Da ich jemand bin, dem Toy Story nie so viel bedeutete, und dem die ersten beiden Filme eh etwas egal sind, zieht diese Komponente persönlich gesehen natürlich weniger. Es ist nicht so, dass es nicht unterhaltsam ist, den Figuren bei ihrem Schabernack zuzusehen, aber es ist bei mir eben nicht dieses Gefühl wieder mit vermissten alten Freunden abzuhängen.

Was mir aber gut gefallen hat, ist, dass der Film sich tatsächlich nicht nur darauf stützt mit Nostalgie zu punkten und sich sonst nicht sonderlich anstrengen würde. Der emotionale Kern der Franchise ware schon immer die Bindung von Spielzeug zu Kindern und was die füreinander bedeuten. Das kommt auch in Toy Story 4 wieder zum Tragen. Besonders in den Rollen von Woody und Gabby.

Denn Antagonistin Gabby ist kein Bösewicht, die halt fies ist. Sie ist eigentlich sogar sehr nett und empathisch anderen gegenüber. Aber sie hat halt auch einen Traum. Nämlich endlich selbst das geliebte Spielzeug zu sein, das wunderschöne Erinnerungen mit Kindern teilt. Das blieb ihr bisher versagt, da sie nie an ein solches verkauft wurde und somit seit 60 Jahren einsam geblieben ist. Sobald sie Woody offen ihr Leid klagt, zeigt der auch durchaus Verständnis für Gabby. Denn es ist auch der Film, in dem Woody lernen muss loslassen zu können. Die schönen Erinnerungen mit Andy zu genießen aber sich eingestehen zu können, dass die Zeit mit ihm rum ist und nicht wiederkommen wird, und das er nicht für Bonnie die gleiche Stellung einnehmen kann. Mit einem wirklich schönen und passenden Abschluss für ihn am Ende, der es fraglich macht, ob es jemals ein Toy Story 5 geben wird.

War also gut der Film. Zunächst nett unterhaltsam quirlig und bunt und rasant und dann gegen Ende kommen doch auch die besonnenen und nachdenklichen Momente. Gute Mischung.

Our Story & Mewtwo Strikes Back

Vor fünf Jahren war das große 20. Geburtstagsjahr von Pokemon. Dazu habe ich ein paar Spiele erneut gespielt, ein paar Nachahmer auch, und sogar alle damals erhältlichen Filme beschaut. Da dies fünf Jahre her ist, haben wir natürlich mittlerweile schon den nächsten Meilenstein erreicht. Ein Vierteljahrhundert Pokemon. Wenn man sich als Spieler der ersten Gen da nicht alt fühlt. Zur Feier habe ich dann mal die (fast) aktuellsten zwei Filme geschaut.

Pocket Monsters the Movie: Our Story setzt dabei zwar die alternative Timeline des vorigen Filmes fort, ist aber ziemlich von allem losgelöst alleine genießbar. Satoshi reist hier nämlich alleine mit seinem Pikachu durch die Gegend und kommt aktuell in Fula City an. Die Stadt hat eine Legende darüber, dass das Tal ehemals schwer zu besiedeln war, bis Lugia wortwörtlich für frischen Wind sorgte. Nun wird ein Mal im Jahr das Windfest groß gefeiert, in der diese Bande mit Lugia erneuert wird. Natürlich steht genau das Fest gerade an.

Neben Satoshi hat die Feier auch jede Menge andere Leute zu den Festlichkeiten getrieben. Lisa zum Beispiel, die nach einem Unfall ihre Karriere als Profiläuferin aufgegeben hat, und für ihren kleinen Bruder ein Pokemon fangen gehen soll. Kagachi, der notorische Lügner und Geschichtenerzähler, ist mit seiner Schwester und die ihn anhimmelnde Nichte vor Ort. Team Rocket treibt wie immer ihren Schabernack. Und dann haben wir noch ein paar lokale Charaktere. Torito ist ein brillianter Pokemon-Forscher, der zu viel Lampenfieber hat, um seine Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die alte Dame Hisui hat eine Aversion gegen Pokemon, seitdem ihr eigenes vor 50 Jahren im großen Waldbrand ums Leben gekommen ist. Die Tochter des Bürgermeisters, Largo, derweil hat in den seither verbotenen Wäldern das Pokemon Zeraora getroffen, vor dem allen Angst gemacht wird.

Der Film trägt den Namen Our Story dabei zu Recht. Denn es geht Mal nicht zentral nur um Satoshi und sein Super-Pikachu, sondern tatsächlich um alle diese Menschen. Es ist die Geschichte von allen. Am Ende geht ne Menge auf einmal schief. Der Wind erlischt. Ein giftiges Gas bedroht die Stadt. Ein weiterer Waldbrand bricht aus. Ist schon fast etwas komisch, man fühlt sich fast in einem Katastrophenfilm von Roland Emmerich. Aber um all das gleichzeitig in den Griff zu bekommen braucht es eben auch den Einsatz und die Kraft vom ganzen Ensemble an Hauptcharakteren gleichzeitig, die alle über ihr vorher ausreichend etabliertes Problem hinwegkommen.

Dadurch geht es diesmal im Film auch überraschend wenig um Pokemon. Natürlich sind die allgegenwärtig. Das alltägliche Leben mit jenen Kreaturen wird hier gut dargestellt. Und auch gekämpft wird etwas, was wie der Rest des Filmes gut durchanimiert ist. Aber das Hauptaugenmerk der Handlung sind diesmal die menschlichen Charaktere und ihre Beweggründe. Die Geschichte um Furry-Bait Zeraora ist mit das schwächste Element des Filmes, weil einfach weniger interessant.

Am Ende des Tages ist Our Story einfach ein echt guter und unterhaltsamer Film. Sympathische Charaktere, attraktiv designt, eine dynamische Welt, gut durchanimiert, und genug passiert, so dass es nie langweilig wird.

Der Pokemon-Film, der 2019 den jährlichen Slot in den japanischen Kinos besetzte, sollte hingegen etwas ganz Besonderes werden. Keine neue Erzählung war er, sondern mit Mewtwo Strikes Back: Evolution wurde ein Remake des allerersten Filmes präsentiert. Komplett in CG statt der üblichen 2D-Animation. Schon irgendwie komisch, dass der nicht genau 20 Jahre nach dem ersten Film gebracht wurde, sondern ein Jahr darauf.

Viel zu sagen gibt es über den Film dabei nicht, denn er ist mehr oder weniger ein 1:1-Remake geworden. Mewtwo wird aus der DNA des legendären Mews in einem Labor gezüchtet. Hat Minderwertigkeitskomplexe. Zerstört die Anlage. Wird von Giovanni, dem Leiter Team Rockets, ausgenutzt. Flieht desillusioniert auf die Insel. Lädt ein paar Trainer, darunter die Orginal Dreier-Reisegruppe ein. Lässt seine Klone gegen deren Pokemon kämpfen, um zu beweisen, dass sie stärker sind. Satoshi versteinert beim Aufeinanderkrachen der Psychokräfte von Mew und Mewtwo. Wird wieder gesund geheult. Alle sind gute Freunde, Mewtwo macht den Gedächtnis-Wipe, Credits und Ende.

Die meisten Veränderungen im Film sind eher kleinerer Natur. Die Szenenreihenfolge und ihr Inhalt sind alle erhalten geblieben. Die Original-Designs der Charaktere wurden nicht überarbeitet oder modernisiert. Selbst Pokemon, die nach der ersten Gen erschienen sind, hat man wiederstanden einzufügen. Eine Action-Szene hier und dort mag nun ein bisschen länger gehen. Oder die Überfahrt zur Insel fährend des Sturms umdesignet. Wirklich auffällige Änderung gibt es aber letztendlich nur eine.

Und zwar basiert der Film auf dem internationalen Kinorelease statt auf der kompletten japanischen Version. Das bedeutet, dass der Prolog um Mewtwos Kindheit fehlt. Wir finden also nicht mehr heraus, dass er mit Klonen der drei Starterpokemon aufgewachsen ist, was erklärt, warum er genau deren drei Endformen am Ende des Filmes in den Kampf führt. Oder das der Professor das Klonexperiment gestartet hat, um seine tote Tochter wieder zum Leben zu erwecken.

Dadurch fehlt dem Film selbstverständlich etwas an dem Gravitas, der im Original vorgeherrscht hat. Was schade ist, denn am Rest habe ich nichts zu meckern. Wie gesagt halten sich die Änderungen in den restlichen Szenen zu sehr zurück, um ihn als schlechter als das Original ansehen zu wollen. Auch mit der CG-Animation habe ich keinerlei Probleme. Die simplen Designs der Franchise eignen sich sehr gut für den Stil und man muss der Computer-Animation zu Gute halten, dass durch sie viel mehr detaillierte Animationen und aufregende Kamerafahrten möglich sind, die bei traditioneller 2D-Animation einfach ungleich mehr gekostet hätten. Das Fehlen der einen Szene ist der einzige Grund, warum ich Evolution als schwächer gegenüber des Originals einstufen würde.

Digimon, Pokemon & Clear Cards

Schon wieder Quickies? Schon wieder Quickies! Diesmal zum Thema Anime. Weil ich da drei gesehen habe, über die es zwar was zu sagen gibt, aber nicht unbedingt viel. Deswegen das alles voll effizient und ökologisch wertvoll zusammengebündelt, statt einzeln rausgehauen zu werden.

Digimon X-Evolution
Zunächst geht es direkt mit Digimon weiter. Und zwar dem Fernsehfilm X-Evolution. Keine Relation zur TV-Staffel Digimon X-cross. Sondern auf sich alleine stehend. Und komplett in der Digimon-Welt veranlagt und nur mit Digimon in den Rollen. Da die ja richtig sprechen können und eine eigene Gesellschaft haben, statt wie Pokemon Tiere zu sein, kann man das ja mal machen.

Und es ist herrlich dämlich. Also irgendwie gab es eine Art Apokalypse, nur noch wenige Digimon sind im von Gottheit Yggdrassil beherrschten Gebiet beheimatet. Aber der will einen Teil davon auslösen, weil es immer noch zu viele sind. Was in seinem Auftrag eine Art Ritterbund macht. Die haben aber nicht mit dem Erlöser-Digimon gerechnet, was von Wolfvieh zu Supermecha evolutionieren kann. So oder so ähnlich, denn trotz der gerade mal ca. 80 Minuten geschieht hier so viel Zeug mit so wenig Erklärungen, dass es echt schwer ist am Ball zu bleiben und die Übersicht zu behalten, was wir jetzt warum genau machen. Wer wen weshalb bekämpft.

Ich kann mir halt einfach das Lachen nicht verkneifen. Wenn, was Dank des CG und der üblichen Designmentalik der Franchise wie edgy Plastikfiguren aussieht, plötzlich anfängt Götter anzubeten, sich heldenhafte Ritterduelle liefert, eine Existenzkriese erfährt, oder darüber philosophiert, ob ein wenig Genozit bei zu hoher Überbevölkerung nicht doch gut ist. Es ist einfach sowas von lächerlich, dass es aus allen nicht gewollten Gründen eigentlich sogar ganz gut unterhält.

Pokemon: Twilight Wings
Pokemon: Twilight Wings hingegen ist ziemlich bodenständig. Denn es sind nur 8 Folgen von jeweils unter 10 Minuten, die zusätzlich gratis gestreamt wurden. Das Konzept ist, dass jeweils ein kleiner Einblick in einen Charakter aus den aktuellen Schwert/Schild behandelt wird. Lose zusammengehalten durch den narrativen Faden eines kleinen Jungen im Krankenhaus, der sich nichts sehnlicher wünscht, als irgendwann im Stadium zusehen zu können, wie der Champion seinen Rang verteidigt.

Mal bekommen wir einen Eindruck in die herzige Beziehung von Hop mit seinem Pokemon. Den hektischen Alltag von Workaholic Olivia. Yaroo inmitten seiner Schafherde, Kate bei ihren Modeljobs, Saida hart im Training. Plus eine nachgeschobene achte Folge, die stark den DLC anpreist. Kaufen Kinder, kaufen.

Aber tatsächlich fand ich die Episoden sehr unterhaltsam und herzig. Sie tun das, was der Anime sonst nicht schafft. Und zwar einem die Pokemon-Welt tatsächlich als lebendiges Ökosystem, das ganz normale Zusammenleben mit den Pokemon, zu zeigen. Wobei ich hier der TV-Serie natürlich auch Unrecht geben kann, denn ich habe davon ja nur damals die ersten Staffeln gesehen. Twilight Wings bietet auf jeden Fall sehr schön inszenierte und gut animierte kurze Ausflüge in die Welt von Schwert/Schild.

Card Captor Sakura: Clear Card
Zum Schluss haben wir noch Card Captor Sakura: Clear Card, von dem ich anfänglich gedacht hätte, bestimmt mehr schreiben zu müssen. Aber so wirklich bewahrheitet hat sich das nicht. Nachdem Clamp mit Tsubasa und xxxholic fertig waren, sind sie auf den Zug aufgesprungen, späte Sequels oder Reboots zu starten, um die Nostalgie derjenige, die um 2000 rum Kinder/Jugendliche waren, zu melken. In dem eine dritte Story Arc Card Captor Sakura gestartet wurde, dessen Manga bis heute noch läuft. Während das Anime bisher aus einer Staffel an 22 Episoden aus 2018 besteht.

Drei Jahre sind vergangen und Sakuras Karten werden plötzlich zu reinen glaskaren Hülsen. Aber neue Dinge machen die Stadt unsicher, die sich von ihr fangen lassen und zu ganz neuen Karten werden. Die allerdings häufig ein Äquivalent zu den Alten darstellen. Shaoran ist auch aus Hong Kong zurück, um nun an Sakuras Seite zu bleiben. Und ein neues Mädchen ist mit ihrem Butler ins ehemalige Haus von Eriol eingezogen, was sicherlich keinerlei Wichtigkeit haben wird.

Ich muss sagen, dass ich Clear Card zwar ganz nett fand, es mich aber nicht ganz abgeholt hat. Zunächst einmal ist das Pacing ganz komisch. Es macht fast den Eindruck, als hätte man dem Team kurz vor Schluss erst gesagt das… nun ja halt eben Schluss ist. Die Serie plätschert so ein wenig mit episodenhaften Eskapaden vor sich hin. Was nicht schlecht ist, die Original Clow Cards Story Arc ist ja auch so. Halt einfach jeweils die Charaktere und ihre Beziehungen etwas näherbringen und nebenbei die Karte des Tages fangen zu müssen, die narrativ wesentlich weniger wichtig ist. Doch dann auf die letzten zwei Folgen wird plötzlich ein Ball an Exposition losgetreten und ein frühzeitiges Finale geschaffen, welches sich aber wieder ausnullt, weil die Handlung ja eigentlich noch weitergeht. Das wirkte plötzlich etwas überstürzt.

Eine andere Sache, über die ich mich Gedanken beim Schauen gemacht habe, sind die Charaktere. Und zwar, ob sie eindimmensionaler geworden sind. Irgendwie kam es mir etwas so vor, als wären sie hautpsächlich nur One Trick Ponys. Kero-chan ist verfressen. Tomoyo hat eine Obession Sakura zu filmen. Shaoran hat eigentlich gar keine Persönlichkeit mehr, außer das seine Gefühle zu zeigen ihn peinlich berührt macht. Ich fand die Charaktere immer noch sehr niedlich und unterhaltsam, bin mir aber nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich sie aus der vorigen Serie noch so gut kenne. Wäre interessant zu wissen, ob sie einem auch ans Herz wachsen, wenn man nur Clear Card geschaut hat.

Das soll wie gesagt nicht heißen, dass Clear Card schlecht ist. Es ist immer noch eine ganz nette kleine Serie zum Entspannen und nebenbei wegschauen. Aber so gut wie die Sakura Card Arc der ersten Staffel wurde es halt im CCS-Anime auch leider nie wieder.

Dragon Quest: Your Story

Nachdem mit Dragon Quest: Your Story ein CG-Film basierend auf dem fünften Teil Anfang 2019 angekündigt wurde, sollte nur wenig Zeit vergehen, bis er später im gleichen Jahr noch bereits seine Prämiere in Japan feierte und Anfang 2020 auf Netflix für ein internationales Publikum landete.

Dragon Quest V: Die Hand der Himmelsbraut zu adaptieren ist natürlich eine sehr logische Entscheidung gewesen. Es ist einfach das Dragon Quest, welches sich schon von der Handlung her am besten für einen Film anbietet. Der Rest würde eher in eine episodische Abenteuer-Serie passen. Doch V hat für die Serienverhältnisse einen besonders starken narrativen Faden, einen besonders starken emotionalen Kern. Außerdem ist er, wenn man Re-Releases hinzuzählt, wohl einer der bestverkafuten Teile der Reihe. Und eben einer, dessen Handlung beim japanischen Publikum am meisten nostalgische Resonanz auslöst. Was eventuell auch der Grund ist, warum dort angeblich viele Fans das Ende nicht mochten, obwohl es ihnen eigentlich absolut zuspielen sollte.

Aber zunächst einmal fangen wir tatsächlich ganz nostalgisch mit Szenen aus dem Spiel an. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dragon Quest V ist in drei Generationen unterteilt. Es gibt eine kürzeren spielbaren Kindheitsteil, bei dem der Held mit seinem Vater durch die Lande streift. Und dann den Großteil des Spieles ausmachend ihn als Erwachsener mit Entscheidung einer von zwei Damen zu heiraten (Drei in den Remakes), und dann später mit den Kindern das ultimative Böse zu besiegen. Der Film beginnt nun mit einer kurzen Collage an Kindheitsereignissen, direkt aus dem SNES-Original genommen. Dann geht es erst in die toll aussehende CG-Welt hinein. Um den Rest der Kindheitsreise mit dem Vater weiterhin mehr oder weniger als Kurz-Collage zu zeigen, bis zur dramatischen Szene, wenn sich deren Wege scheiden.

Hier machen also noch viel mehr den Großteil des Filmes die beiden Erwachsenenstadien aus. Geändert und gestaucht hat sich natürlich erwartungsgemäß dennoch viel, um in einen durchgänigen Film von unter 2 Stunden zu passen. Der Held muss sich für eine der beiden Damen entscheiden, es ist canon Bianca. Wobei er zunächst Nera heiraten will und sich erst mal durch seine unterbewusste Programmierung kämpfen muss, um zu merken, wen er wirklich mag. Eine seltsame Szene, die Schatten vorauswirft. Den Großteil der anderen Charaktere, welche die Heldengruppe aus Dragon Quest V ausmachen, gibt es nicht bzw. reisen nicht mit ihm. Auch gibt es nur ein heldenhaftes Kind statt zwei davon.

Mir hat der Film aber auf jeden Fall unglaublich gut gefallen. Er sieht einfach toll aus. Manche mögen sich daran stören, dass das Toriyama-Charakterdesign gegen ein massentauglicheres getauscht wurde. Ich war nie ein sonderlicher Fan seiner menschlichen Designs und kann deswegen gut darauf verzichten. Die Monster sind cartoonig und sympathsich wie immer. Alles ist super durchanimiert. Sowohl die Action-Szenen als auch die Manierismen der Charaktere beim Reden. Es ist aller punktuell ernsten Momente zum Trotz gerade bis zur dritten Generation hin ein sehr leichtfüßiger und humoriger Film. Keine Ahnung, wie sehr man DQV gespielt haben muss, um emotional mitgehen zu können, ich kann es für mich persönlich ja nicht im Nachhinein wieder ungespielt machen. Für mich zumindest war es ein fantatsischt aussehender und gut umgesetzter Abenteuerfilm, der mich durchgängig gut unterhalten hat.

Und dann müssen wir jetzt mal Spoiler-mäßig über das Ende reden. Wie sich herausstellt gibt es einen guten Grund, warum der Film nicht Dragon Quest V The Movie heißt, sondern als Your Story betitelt ist. Denn es stellt sich heraus, dass alles Geschehene nur ein VR-Abenteuer ist. Als Dragon Quest V auf dem Super Famicom herausgebracht wurde, hat es Japan im Sturm erobert (wie alle Dragon Quests). Und auch unseren Protagonisten. Als Kind hat er sich in die Welt und Charaktere des Spieles verliebt. Seither hat er DQV wiederholt gespielt, um mit seinen altbekannten fiktiven Freunden rumzuhängen und das Abenteuer erneut zu bestreiten. Also ist er natürlich auch einer der ersten, der die neue VR-Maschine ausprobiert, die aus DQV ein personalisiertes und am eigenen Leibe erfahrbares Abenteuer macht.

Dragon Quest: Your Story ist also eine Ode an die Nostalgie einer ganzen Generation mittlerweile erwachsener Japaner, die 1992 mit Dragon Quest V aufgewachsen sind. Und symbolisch im Prinzip auf alles anwendbar. Auf das eine Spiel, Buch, Film, Serie, in die man sich als Kind verliebt hat. Die regelmäßig erneut konsumiert werden. Die Gefühle, die man den darin enthaltenen Welten und Charakteren entgegenbringt sind real. Sich hin und wieder in sie fliehen und an die gute alte Zeit denken zu wollen ist legitim. So sagt es zumindest Your Story. Nicht jedem mag dieser Einschlag in die Meta-Ebene fürs den Klimax gefallen, ich fand es aber tatsächlich eine sehr herzerwärmende Idee. Und erstaunlich mutig für eine es normalerweise eher safe spielende Franchise wie Dragon Quest.

Academy Weekend: Into the Spider-Verse

Wenig überraschend kommen wir auch dieses Jahr bei einem der Oscar-Gewinner zu der Kategorie Animationsfilm. Den hat im letzten Jahr Spider-Man: Into the Spider-Verse abgeräumt. Was durchaus nicht einfach war, lief doch sowohl ein Pixar- wie ein Disney-Film in Konkurrenz, an welche die Trophäe häufig scheinbar schon rein pro forma geht. Wir ignorieren mal, dass theoretisch alle drei Filme eigentlich Disney sind, da zu denen sowohl Pixar wie Marvel gehört. Immerhin verdiente an Spider-Verse auch noch Sony mit, da die ja die Filmrechte am Superhelden halten.

Comics sind ein altes Medium, und Spider-Man ist ein alter Superheld. Das bedeutet natürlich, dass es dutzende an Geschichten gibt. Wann immer der alte Ballast zu viel wird oder man eine neue Kundschaft ansprechen will, gibt es halt einen Reboot oder ein Spinoff, welches die Sache modern neu von vorn erzählt. Der tituläre Superheld mag mal Nazis kloppen, mal schwarz oder weiblich sein, mal einen Packt mit dem Teufel eingehen. Theoretisch ist alles möglich. Selbst die Filmfranchise ist damit geschlagen, haben wir in den letzten 20 Jahren doch rein auf die Live-Action-Franchise bezogen drei verschiedene Spinnenmänner zu sehen bekommen. Spider-Verse nutzt dies geschickt für seine Storyline: Was wäre nämlich, wenn all diese Spider-Menschen in parallelen Universen existieren?

Was aber nicht bedeutet, dass es nicht auch so schon zwei Spider-Men in einer Welt geben könnte. Dies nämlich hier im Film. Peter Parker ist Spider-Man, er rettet die Stadt nun schon seit 10 Jahren, macht es immer noch gern und mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Aber als hübscher, blonder Kerl, der mit seiner Mary Jane verheiratet ist, könnte es ihm auch nicht besser gehen.

Miles lebt auch in New York und hat aktuell das Problem, dass er die Schule wechseln muss. Von einer öffentlichen zu einer privaten, weil sein Genie dort besser gefördert werden kann. Dadurch wird er seine Freunde weniger häufig sehen, und außerdem wirkt die Eliteschule zunächst elitär und kalt auf ihn. Zuflucht sucht er beispielsweise bei seinem coolen Onkel, mit dem er seiner künstlerischen Graffiti-Ader freien Lauf lassen kann, ganz im Gegensatz zum Polizisten-Vater. Währenddessen beißt ihn aber auch eine radioaktive Spinne. Miles macht nun die üblichen Spider-Man-Erwachens-Probleme mit, weil die neu entwickelnden Kräfte zunächst unkontrollierbar sind.

Hilfe erhofft er sich vom Parker-Spider-Man, immerhin lebt der bereits eine Dekade mit den Kräften. Bei der Suche nach ihm platzt Miles allerdings mitten in einen Kampf Spider-Man gegen Handlanger des Kingpin, der mit einer Maschine seine tote Familie aus einem Paralleluniversum ziehen will. Der Plan kann zunächst vereitelt werden, doch Spider-Man stirbt an seinen Verletzungen. Durch den Kontakt mit der Maschine sind allerdings bereits ganz andere Spider-Men, -Women und –Pigs auf dem Weg.

Einen etablierten Charakter umzubringen ist in Comics und der Animationsfilm-Peripherie solcher Superhelden-Franchises nicht unbedingt neu. Es sind nur die Live-Action-Filme, die immer die möglichst sicherste Route fahren und dies wegen ihrer wiedereinzuspielenden Budget eventuell auch einfach so tun müssen. Ganz so lang hält sich Spider-Verse am Tod von Peter Parker eh nicht auf. Immerhin ist der so gesehen kein etablierter Charakter, zumindest in dieser hiesigen Version sehen wir ihn ja zum ersten Mal.

Direkt darauf trifft Miles nämlich auf Peter B. Parker, einen der Parallel-Spider-Men, und zwar einer, der im Prinzip die gescheiterte Version des hiesigen Peter Parkers ist, älter, einsam, und allgemein nicht mehr ganz auf der Höhe. Der wird letztendlich unfreiwillig zu Miles Mentor und zusammen mit Spider-Gwen eine der drei Hauptfiguren des Filmes. Es gibt noch einen coolen Noire Spider-Man, ein Anime-Girl mit Spider-Mech und ein WB-Cartooniges Spider-Pig (Simpsons-Referenz!), aber die sind eher blass und mehr als Gag dazu, wie anders und schräg die Spider-Wesen werden können.

Außerdem bringen sie wesentlich mehr optische Abwechslung, ein Punkt, in dem Into the Spider-Verse sowieso sehr gut ist. Das Schöne an Animation ist ja, dass viel mehr dargestellt werden kann als mit Live Action. Dinge, die sonst unmöglich oder unglaublich kostspielig wären natürlich. Aber auch einfach, weil Animation von Natur aus nicht realistisch ist, und das Publikum somit auch mehr Suspension of Disbelief mitbringt. Peter Porker und Peni Parker kommen in einem anderen Zeichenstil daher und sind anders animiert, um die Influenz von WB-Cartoons respektive Anime widerzuspiegeln. Der Film stilisiert immer wieder mit einem Comicbuch-Look, wenn der Bildschirm wie Comic-Panels designt wird, Gedankengänge in Denkblasen eingeblendet werden, wenn der Spidersense mit Wellenlinien visualisiert wird und allgemein alles sehr bunt und farbenfroh gestaltet ist. Die Animation ist mal weniger flüssig und abgehackter, um coole Posen einzufangen oder zu zeigen, dass Miles seine Kräfte noch nicht kontrollieren kann. Spider-Verse schöpft, besonders für eine amerikanische Produktion, enorm viel visuelle Kreativität des Animationsmediums aus.

Und ganz allgemein ist es einfach ein sehr spritziger und weitestgehend leichtherziger Film. Die Charaktere sind spaßig, agieren gut miteinander, es gibt reichlich Sprücheklopferei und einfach eine allgemeine Atmosphäre von Schwung und Leichtigkeit. Das macht den Film insgesamt zu einem super kurzweiligen und unterhaltsamen Genuss.

Beastars

Beastars war eines der Hype-Anime der letzten Jahre, basierend auf einen laufenden und aktuell satte 17 Bände umfassenden Manga, mit einer bereits angekündigten zweiten Staffel. Und da ich es zwischen den Jahren geschaut habe, kann ich doch gleich mal meine Plattform nutzen, um zu sagen, ob es sich lohnt die 12 Folgen Lebenszeit dran zu verlieren, wenn es im März offiziell für den Westen auf Netflix aufschlägt.

Wobei ich natürlich schon alleien vom charmanten Stop-Motion-Opening eingenommen war. Aber das ist natürlich eine sehr persönliche Präferenz. Sowie ein unikater Stil nur für jene Eröffnungssequenz, nicht der Animationsstil der Serie an sich. Dort handelt es sich nämlich um CG. Was für mich persönlich ja immer etwas Eingewöhnung benötigt. Weil es häufig so ein merkwürdiges Gemisch ist zwischen eigentlich viele weiche Bewegungsabläufe darstellen zu können, diese dann aber bewusst abgehackt wirken zu lassen, um sich traditioneller Frame-Animation anzunähern. Bei Beastars hatte ich mich allerdings ziemlich schnell dran gewöhnt, was eventuell auch daran liegt, dass nur die Charaktere CGI sind und die Hintergründe weiterhin 2D-Zeichnungen. Oder weil der Content der Serie mich genug ablenkend packte, ich habe die 12 Folgen nämlich in 2 Tagen durch-gebinged.

Beastars handelt in einer Welt, in der anthropomorphe Tiere in prinzipiell unserer Gesellschaft leben was den Entwicklungsstand angeht. Der Unterschied ist halt, dass bei ihnen noch die tierischen Urahnen einen Einfluss haben. Herbivore und Karnivore leben noch nicht so lange friedlich zusammen, da erstere die Beute der letzteren sind. Doch mittlerweile ist angeblich alles anders. Dass dies noch nicht perfekt läuft, müssen die Schüler von Cherryton allerdings in der ersten Folge bereits feststellen, als das Alpaka Tem von einem mysteriösen Karnivoren Mörder gerissen aufgefunden wird. Dies streut Angst und neue Animositäten zwischen den beiden Fraktionen der Schüler.

Legosi glaubt nicht nur fest an das friedliche Zusammenleben, sondern tut auch sein Möglichstes, um unauffällig zu bleiben. Er ist nämlich ein Grauwolf, ein berüchtigter Predator also. Von seiner Persönlichkeit her könnte Legosi allerdings nicht weiter davon entfernt sein, denn er ist zurückhaltend, schüchtern, leicht introvertiert, und immer hilfsbereit. Das führt dazu, dass er Konflikte umgehen will, wenn er in eine Schlägerei mit einem anderen Karnivoren landet immer absichtlich verliert, um seine Größe zu verschleiern nur gebeugt läuft. Selbst beim Drama-Club, dem er angehört, ist er nur hinter der Bühne zu finden.

Umso verstörender ist es für ihn, als er eines nachts die Fährte des Zwerghasens Haru aufnimmt und seine animalischen Instinkte nicht zurückhalten kann, sondern sie angreift. Die gemobbte Mitschülerin ist sich selbst nicht mal sicher, ob sie entkommen oder ein Ende finden will. Doch da Legosi dann noch zögert, kann sie entkommen. Von nun an ist er aber besessen von der Mitschülerin, durch komplexe Gefühle, die er zum ersten Mal in sich entdeckt.

Es mag etwas komisch klingen zunächst, aber Beastars hat mich etwas an Utena erinnert. Absolut nicht von der Optik versteht sich, denn Beastars bietet keinen Kitsch und ist sehr bodenständig gehalten. Eher von der Thematik und der Herangehensweise her bekam ich ähnliche Vibes. Beide Serien spielen an einer High School, die ein wenig den Eindruck einer abgeschotteten Welt gegenüber dem Leben drumherum macht, in der die Schüler in ihrer eigenen kleinen Gesellschaft leben. Und dann behandelt die Serie den Schmerz des Erwachsenwerdens, das Zurücklassen kindlicher Ideale beim Heranwachsen zu einem Erwachsenen, das Erwachen von Sexualität, aber all das zum Teil stark symbolisch. Utena packt dies eben in eine verkitschte Optik aus Märchen und Magical Girl. Beastars hingegen ist eher düster und bodenständig und nutzt Parallelen aus Fabeln und dem Tierreich.

Dies funktioniert besonders dadurch gut, da jemanden zu „essen/verschlingen“ ein bekannter japanischer Euphemismus für Sex ist. Sexualität spielt eine wichtige Rolle in Beastars. Zwerghase Haru beispielsweise, als eine der schwächsten Herbivoren, wurde immer entsprechend leicht herablassend behandelt, als könne sie nichts selbst. Bis sie eine Sache entdeckte, bei der sie auf Augenhöhe mit ihren Partnern ist: Sex. Seither geht sie sehr freimütig damit um und schläft mit ziemlich jedem, der das von ihr will. Was sie nach und nach zur gemobbten Außenseiterin gemacht hat. Gleichzeitig fühlt sich das perfekte Schul-Idol Loius, ein Hirsch, der immer vor allem die Fassade des Perfektionismusses aufrechthält, nur beim Beischlaf mit Haru dazu möglich, sich endlich mal fallenzulassen. In Legosi wiederum erwachen durch das Treffen auf Haru ganz neue Gefühle in ihm, sehr dringlich-animalische, bei denen er selbst zunächst nicht weiß, ob es Liebe ist, oder doch nur die Besitzansprüche eines Jägers seiner Beute gegenüber.

Die Tragik ist selbstverständlich, dass es schwer denklich ist, wie ein Hase und ein Wolf überhaupt ein Paar sein sollten. Selbst wenn sich herausstellen würde, dass Haru auch etwas für Legosi empfindet, und der sich endlich über seine eigenen Gefühle ihr gegenüber klar wird. Man feuert die emotional abgekühlte Häsin und den unsicheren Wolf geradezu an, endlich zueinander zu finden.

Wie dies geschieht finde ich hingegen als einzige Sache in der Staffel als etwas unglücklich geregelt. Haru wird entführt und Legosi rettet sie, was beiden deutlich die Augen für die Gefühle einander gegenüber öffnet. Das ist an sich schon ein ziemlich arges Klischee an sich, die Damsel in Distress und der rettende Held, und durch die Extremsituation muss man sich nun halt lieben. Netterweise macht es die Serie sich dann doch nicht ganz so einfach. Das eigentliche Problem für mich war, dass Haru von der Mafia entführt wird. Von einer Gruppe mehrerer Dutzend Löwen. Und Legosi sich fast im Alleingang durch sie hindurchkämpft, nur mit Unterstützung eines helfenden Pandas. Dessen Hilfeangebot war genauso unrealistisch für mich war, wie dass sich Legosi immer noch durch den Großteil der bewaffneten Verbrecher durchgeprügelt bekommt. Und ziemlich unnötig, da es andere Arten gab, Haru in Gefahr zu bringen, aus dem ein einsamer Wolf sie hätte befreien können. Den Tiger-Mitschüler beispielsweise über seine Obsession nach der Droge Hasenblut auf Haru einfallen zu lassen. Den Mörder der ersten Episode zurückzubringen, der in der ersten Staffel nie wieder auftauchen wird. Oder das die andere Häsin, die Haru mobbt, weil ihr Freund mit ihr geschlafen hat, zwei oder drei Raudis engagiert, die Haru entführen. Durch den Kampf gegen mehrere wenige andere Karnivore hätte man auch gut darstellen können, was für eine Kraft Legosie die ganze Zeit unterdrückte. Dass sich ein Schüler durch einen ganzen Yakuza-Clan schlägt, fand ich hingegen überraschend dämlich für eine ansonsten eigentlich sehr bodenständige Serie, die ihr Drama möglichst realistisch angeht.

So wie eine Zigarre manchmal einfach nur eine Zigarrie ist, ist freilich das „Fressen“ manchmal auch einfach nur ein Fressen und keine Symbolik für Geschlechtsverkehr. Das hinter der schönen Fassade des trauten Beisammenseins immer noch mörderische Urinstinke herrschen, bekommen wir mehrmals gezeigt, so dass der Mord zu Serienbeginn nicht mehr als das so herausragende Ereignis dasteht. Wenn es auf einem kurzen Tripp in die Stadt geht, sieht man dort zwar auch alle Erwachsenen schön miteinander leben, doch in den Hintergassen stolpert die Gruppe in den Schwarzmarkt. Wo Karnivoren illegal das Fleisch von Herbivoren erstehen. Und einige Mitschüler von Legosi können sich kaum zurückhalten, endlich mal richtiges Fleisch und Blut schmecken zu wollen. Gleichzeitig führt dieses Karnivore vs Herbivore aber auch als soziales Klassenkonstrukt zu Minderwertigkeitskomplexen. Es wird mehrmals erwähnt, wie selbstsicher und edel sich (Apex-)Predatoren einfach von Natur aus bewegen, was ein Herbivor so nie tun würde. Gerade Schul-Idol Louis hat einen extremen Komplex dahingehend eigentlich der Schwächere zu sein. Was auch gut in einer Szene dargestellt wird, in der eine Wölfin ihm eine Kriegserklärung ob des Idol-Daseins macht und einfach zu Boden drückt. Die zierlich dargestellte Wölfin hat kein Problem damit, den großgewachsenen Hirsch an den Boden zu nageln, weil sie als Karnivore von Natur aus mehr Kraft mitbringt. Bestätigt das Gefühl von Loius, dass egal wie sehr er sich anstrengt, er immer einen Nachteil haben wird.

Ist halt schon viel Teenager-Drama drin in Beastars, immerhin sind das unsere Hauptcharaktere und es geht um deren Leben und Wachstumsschmerzen. Ich fand es von dieser einen erwähnten Instanz gegen Ende abgesehen aber sehr spannend und interessant und konnte kaum aufhören zu schauen. Bin auch sehr gespannt auf die zweite Staffel und wie dort das Mordmysterium vom Anfang eventuell wieder aufgegriffen wird. Wie es mit Haru und Legosi weitergeht. Und ob es doch noch was zu bedeuten hat, dass das Opening Louis vage wie den Antagonisten repräsentierte, der aber zumindest in Staffel 1 noch gar nicht der Psychospielchen spielende Fadenzieher ist, sondern seine eigenen Probleme mitbringt und zum Glück wesentlich runder als zunächst befürchtet war.