Digimon, Pokemon & Clear Cards

Schon wieder Quickies? Schon wieder Quickies! Diesmal zum Thema Anime. Weil ich da drei gesehen habe, über die es zwar was zu sagen gibt, aber nicht unbedingt viel. Deswegen das alles voll effizient und ökologisch wertvoll zusammengebündelt, statt einzeln rausgehauen zu werden.

Zunächst geht es direkt mit Digimon weiter. Und zwar dem Fernsehfilm X-Evolution. Keine Relation zur TV-Staffel Digimon X-cross. Sondern auf sich alleine stehend. Und komplett in der Digimon-Welt veranlagt und nur mit Digimon in den Rollen. Da die ja richtig sprechen können und eine eigene Gesellschaft haben, statt wie Pokemon Tiere zu sein, kann man das ja mal machen.

Und es ist herrlich dämlich. Also irgendwie gab es eine Art Apokalypse, nur noch wenige Digimon sind im von Gottheit Yggdrassil beherrschten Gebiet beheimatet. Aber der will einen Teil davon auslösen, weil es immer noch zu viele sind. Was in seinem Auftrag eine Art Ritterbund macht. Die haben aber nicht mit dem Erlöser-Digimon gerechnet, was von Wolfvieh zu Supermecha evolutionieren kann. So oder so ähnlich, denn trotz der gerade mal ca. 80 Minuten geschieht hier so viel Zeug mit so wenig Erklärungen, dass es echt schwer ist am Ball zu bleiben und die Übersicht zu behalten, was wir jetzt warum genau machen. Wer wen weshalb bekämpft.

Ich kann mir halt einfach das Lachen nicht verkneifen. Wenn, was Dank des CG und der üblichen Designmentalik der Franchise wie edgy Plastikfiguren aussieht, plötzlich anfängt Götter anzubeten, sich heldenhafte Ritterduelle liefert, eine Existenzkriese erfährt, oder darüber philosophiert, ob ein wenig Genozit bei zu hoher Überbevölkerung nicht doch gut ist. Es ist einfach sowas von lächerlich, dass es aus allen nicht gewollten Gründen eigentlich sogar ganz gut unterhält.

Pokemon: Twilight Wings hingegen ist ziemlich bodenständig. Denn es sind nur 8 Folgen von jeweils unter 10 Minuten, die zusätzlich gratis gestreamt wurden. Das Konzept ist, dass jeweils ein kleiner Einblick in einen Charakter aus den aktuellen Schwert/Schild behandelt wird. Lose zusammengehalten durch den narrativen Faden eines kleinen Jungen im Krankenhaus, der sich nichts sehnlicher wünscht, als irgendwann im Stadium zusehen zu können, wie der Champion seinen Rang verteidigt.

Mal bekommen wir einen Eindruck in die herzige Beziehung von Hop mit seinem Pokemon. Den hektischen Alltag von Workaholic Olivia. Yaroo inmitten seiner Schafherde, Kate bei ihren Modeljobs, Saida hart im Training. Plus eine nachgeschobene achte Folge, die stark den DLC anpreist. Kaufen Kinder, kaufen.

Aber tatsächlich fand ich die Episoden sehr unterhaltsam und herzig. Sie tun das, was der Anime sonst nicht schafft. Und zwar einem die Pokemon-Welt tatsächlich als lebendiges Ökosystem, das ganz normale Zusammenleben mit den Pokemon, zu zeigen. Wobei ich hier der TV-Serie natürlich auch Unrecht geben kann, denn ich habe davon ja nur damals die ersten Staffeln gesehen. Twilight Wings bietet auf jeden Fall sehr schön inszenierte und gut animierte kurze Ausflüge in die Welt von Schwert/Schild.

Zum Schluss haben wir noch Card Captor Sakura: Clear Card, von dem ich anfänglich gedacht hätte, bestimmt mehr schreiben zu müssen. Aber so wirklich bewahrheitet hat sich das nicht. Nachdem Clamp mit Tsubasa und xxxholic fertig waren, sind sie auf den Zug aufgesprungen, späte Sequels oder Reboots zu starten, um die Nostalgie derjenige, die um 2000 rum Kinder/Jugendliche waren, zu melken. In dem eine dritte Story Arc Card Captor Sakura gestartet wurde, dessen Manga bis heute noch läuft. Während das Anime bisher aus einer Staffel an 22 Episoden aus 2018 besteht.

Drei Jahre sind vergangen und Sakuras Karten werden plötzlich zu reinen glaskaren Hülsen. Aber neue Dinge machen die Stadt unsicher, die sich von ihr fangen lassen und zu ganz neuen Karten werden. Die allerdings häufig ein Äquivalent zu den Alten darstellen. Shaoran ist auch aus Hong Kong zurück, um nun an Sakuras Seite zu bleiben. Und ein neues Mädchen ist mit ihrem Butler ins ehemalige Haus von Eriol eingezogen, was sicherlich keinerlei Wichtigkeit haben wird.

Ich muss sagen, dass ich Clear Card zwar ganz nett fand, es mich aber nicht ganz abgeholt hat. Zunächst einmal ist das Pacing ganz komisch. Es macht fast den Eindruck, als hätte man dem Team kurz vor Schluss erst gesagt das… nun ja halt eben Schluss ist. Die Serie plätschert so ein wenig mit episodenhaften Eskapaden vor sich hin. Was nicht schlecht ist, die Original Clow Cards Story Arc ist ja auch so. Halt einfach jeweils die Charaktere und ihre Beziehungen etwas näherbringen und nebenbei die Karte des Tages fangen zu müssen, die narrativ wesentlich weniger wichtig ist. Doch dann auf die letzten zwei Folgen wird plötzlich ein Ball an Exposition losgetreten und ein frühzeitiges Finale geschaffen, welches sich aber wieder ausnullt, weil die Handlung ja eigentlich noch weitergeht. Das wirkte plötzlich etwas überstürzt.

Eine andere Sache, über die ich mich Gedanken beim Schauen gemacht habe, sind die Charaktere. Und zwar, ob sie eindimmensionaler geworden sind. Irgendwie kam es mir etwas so vor, als wären sie hautpsächlich nur One Trick Ponys. Kero-chan ist verfressen. Tomoyo hat eine Obession Sakura zu filmen. Shaoran hat eigentlich gar keine Persönlichkeit mehr, außer das seine Gefühle zu zeigen ihn peinlich berührt macht. Ich fand die Charaktere immer noch sehr niedlich und unterhaltsam, bin mir aber nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich sie aus der vorigen Serie noch so gut kenne. Wäre interessant zu wissen, ob sie einem auch ans Herz wachsen, wenn man nur Clear Card geschaut hat.

Das soll wie gesagt nicht heißen, dass Clear Card schlecht ist. Es ist immer noch eine ganz nette kleine Serie zum Entspannen und nebenbei wegschauen. Aber so gut wie die Sakura Card Arc der ersten Staffel wurde es halt im CCS-Anime auch leider nie wieder.

Tatort Giftschrank: Wem Ehre gebührt

Es ist vollbracht. Wir sind beim letzten Tatort mit Giftschrank-berührung angekommen. Diesmal handelt es sich um den 684sten auf dem Jahr 2007. Der elfte Fall mit Kommissarin Lindholm, Wem Ehre gebührt, ist bis Heute im Giftschrank verblieben und nicht wieder ausgestrahlt worden.

War ein wenig schwer in den Film reinzukommen, muss ich ehrlich gestehen. Wahrscheinlich weil hier viel in den B-Plots im Privatleben von Lindholm rumgemacht wird. In welches ich natürlich ziemlich ins kalte Wasser gesprungen bin, da ich keinen ihrer vorigen zehn Fälle kenne. Somit auch nicht die Vorgeschichten, die hierhin geführt haben. Sie ist schwanger, aber der Kindsvater ist aus dem Bild, genaues weiß ich nicht. Ihr Mitgewohner hilft ihr viel, ist aber auch etwas schlecht auf sie zu sprechen, weil sie nicht richtig dankbar ist. Oder so ähnlich. Allgemein fehlt es Lindhom extrem an Sozialkompetenz, weswegen auch ihre Kollegen auf dem Revier sie scheinbar nicht so super leiden können. Wobei es mir halt nicht klar ist, ob das daran liegt, dass sie so für sich zurückgezogen bleibt, oder ob da schon immer Animositäten waren, wegen derer sie die eben eher meidet.

Im Hauptplot geht es zumindest um eine ermordete Frau. Aber eigentlich auch am Rande zur Raubkopiererei, Lindholms aktueller Fall, der aber unter Anderem an ihren neuen türkischen Kollegen übergeben wird, damit sie wegen ihrer Schwangerschaft nicht auf Außendienst muss. Schreibtischarbeit liegt ihr aber gar nicht, also haut sie ständig für verlängerte Mittagspausen ab. Wodurch sie auch zufällig in die Deutschtürkin Afife rennt, die sich mit ihrem Bruder und wichtigen Mittelmann im Raubkopierer-Fall streitet. Kurz darauf wird sie tot aufgefunden. Angeblich Selbstmord.

Lindholm glaubt da nicht dran. Was ihr auch eine Xenophobie-Vorwurf ihres Kollegens einbringt. Denn was macht sich schon besser, als zu zeigen, wie schwer das Leben einer weißen deutschen Polizistin doch ist, wenn sie ausländische Minderheiten unter Tatverdacht stellt. Einfach so Grundlos hagelt es da Rassismusvorwürfe. Von denen sich Lindhom natürlich nicht unterkriegen lässt, immerhin hat sie sich nichts zu Schulden kommen lassen. Ja als Afifes jüngere Schwester Selda um Hilfe bittet, weil sie selbst unverheiratet schwanger ist und um sich fürchtet, beherbergt sie die sogar. Wer genau der Vater ist oder warum sie so überzeugt davon ist, dass Afife ermordet wurde, will Selda aber nicht rausrücken.

Letztendlich wird der Mord aufgedeckt. Was stark mit dem Kindsvater zusammenhängt. Und mit der Tatsache, warum der Tatort im Giftschrank ist. Die türkische Familie gehört den Aleviten an. Die Probleme zwischen der aufgeschlosseneren Religion und den orthodoxeren Sunniten (denen Afifes Mann angehörte) wird behandelt. Ehrenmord als Tatmotiv klischeehaft aufgeworfen. Tatsächlich geht es aber um schnöde Pädophilie und Inzest. Der Vater von Selda hat sich an ihr vergriffen, ist deren Kindsvater. Afife wusste Bescheid und musste deswegen sterben. Die Geschichte wird nicht wirklich direkt mit der Religion in Verbindung gebracht. Es ist mehr ein roter Hering, ein Gotcha-Moment. Nach dem Motto „Türkische Familie, ist ja klar, an welche üblichen Klischeemorde da jeder denkt, aber das hier hätte in jeder vorkommen können“. Dennoch waren angehörige der Glaubensgemeinschaft selbstverständlich nicht sonderlich erfreut darüber, dass ausgerechnet bei einer Familie ihres Glaubens die Inzestkeule rausgeholt wird. Man hat sich beschwert und die ARD sich dazu entschieden, die Folge nicht mehr auszustrahlen.

Verlustig gegangen ist uns damit allerdings auch nicht viel, will ich hier mal so ganz frech sagen. Die Folge ist unaufgeräumt und langweilig. Zu viel Privatleben der Kommissarin, zu wenig Fokus auf den Fall. Die ganzen Missdirects, die zusätzlich mit verbaut sind, aber alle sehr Klischeelastig behaften, machen die Handlung auch nicht stringenter. Am Ende sitzt man dann da, hat einer Unsympathin 80 Minuten durch ihren Fall gefolgt, und denkt sich „Ach so war das… ok“, zuckt mit der Schulter, und übergibt den Tatort dem Vergessen. Vielleicht ist aber auch die Reihe einfach nicht ganz mein Ding.

The Private Life of Plants

Ich bin ja schon in grauer Vorzeit geboren worden. Damals in den 80ern und 90ern, als wir noch in infantiler Ursuppe lebend dachten wir bekämen die Umweltverschmutzung in den Griff, weil uns die ganzen Kindermedien beigebracht haben die Wale zu retten, beim Zähneputzen den Wasserhahn zwischenzeitlich abzudrehen, oder die Kühlschranktüre währen des Brotschmierens zu schließen und so. Wer so astronomisch lange lebt, wie ich das bereits tat, dessen Interessen fluten und ebben natürlich auch. Der „Reading matters“ tag zeigt das beispielsweise ganz gut.

Damals habe ich aber nicht nur mehr Bücher gelesen und öfter Cherry Coke getrunken. Sondern auch mehr Dokumentationen geschaut. Vorm beziehungsweise zu den Frühzeiten des Internets wurden wir noch nicht damit abgelenkt, dass 300 Stunden Video täglich alleine auf Youtube erhältlich sind, mit dem man sich seine Lebenszeit vergeuden kann. Was im Fernsehen lief… schaut man heutzutage noch normales Fernsehen?… das war alles, was es gab. Und wer nicht immer den gleichen Quark schauen wollte, für den waren Dokus zwischendrin eine Oase. Das war sogar noch vor Phoenix und N24, die eh die ewig gleichen Weltkriegs- und Technikdokus wiederholen. Nein, damals kam auf regulären Senden noch Zeug, das mich thematisch abgeholt hat. Dinge über moderne Städteentwicklung/-architektur, um untergegangene Zivilisationen, und um die Flora und Fauna des Planetens.

Die BBC-Dokus mit und von David Attenborough waren da immer ein Highlight für letztere Thematik. Besonders die jeweils mehrere Folgen spannenden Einträge in die Life-Serie. Zwischen 1979 und 2008 sind zwar eigentlich „nur“ 9 davon rausgekommen, aber weitere Sachen wie Planet Earth oder The Blue Planet sind natürlich stark von ihnen inspiriert.

Mein absoluter Favorit, der mich auf die Attenborough-Dokus überhaupt erst aufmerksam machte, war irgendwann so Mitte der 90er The Private Life of Plants. Was hat mich die damals abgeholt. Komplette sechs fast einstündige Folgen über das Leben und Überleben in der Pflanzenwelt. Hochkarätig produziert und präsentiert. Da hab ich mir jetzt kürzlich gedacht, die mal wieder zu schauen würde sich doch bestimmt lohnen. Eigentlich ist mir  schon länger immer mal wieder die Idee gekeimt, aber nun lies ich die Saat endlich aufgehen und habe es vollzogen.

Travelling dreht sich natürlich ganz darum, wie die eigentlich so stationären Lebewesen es schaffen, sich räumlich auszubreiten. Sprich auf welche Arten sie ihre Samen auf die Reise schicken. Von Pilzen (eigentlich keine Pflanzen, sondern eine eigen Kategorie), die sie einfach in den Wind pusten. Zu Samen, die ausgeklügelter als Flugzeuge und Helikopter durch die Luft taumeln. Zu welchen wie die Seebohne, die sie im Wasser teils für Monate auf Reise schicken, bis sie wo stranden. Zu jenen, die sich darauf verlassen, von Tieren davon getragen zu werden, durch anreizenden Geschmack, Farben oder wie die Durian-Frucht ihrem Gestank. Ob nun sich im Tierfell verhakend, als vergessene Reserve vergraben werdend, oder mit dem Kot frisch gedünkt wieder ausgeschieden. Ja sogar auf Buschfeuer warten einige Pflanzen, um sich anschließend auf dem getilgten Boden frisch aussähen zu können.

Growing kommt als Nächstes, denn so ein Samen muss ja auch zu einer Pflanze wachsen. Dafür braucht es Luft, Licht und Nährstoffe. Für die allseits wichtige und als Unikat bei Pflanzen bestehende Photosynthese. Doch nicht alle haben es einfach. Manche wachsen in schattigen Wäldern und müssen sich Strategien ausdenken, ans Licht zu kommen oder aus dem wenigen das meiste rauszuholen. Wie rote Unterseiten an den Blättern, die er zurückstrahlen statt durchscheinen lassen. Blätter sind dadurch sehr wichtig, sorgen aber auch für viele Fressfeinde. Also Methoden wie Nesselgift oder Stacheln entwerfen, um Tiere abzuwehren. Die wiederum Zungen entwickeln, denen die Stacheln nichts machen. Manche Pflanzen drehen den Spieß um und fangen Insekten und kleine Nager in zersetzenden Kesseln, damit sie den Nährwert-armen Boden ausgleichen können. Am Ende geht es natürlich nach Nordamerika zu den langlebigsten und großwüchsigsten Bäumen der Welt.

Eine ausgewachsene Pflanze muss sich nun wieder drum kümmern, sich zu reproduzieren, wie wir in Flowering erfahren. Um den Pollen an andere Blüten zu bringen, werden diverse Methoden angewendet. Teils durch Farbe werden Vögel oder Insekten zu köstlichem Nektar eingeladen. Teils über Gerüche oder Mimikry von Sexpartnern Tiere angelockt. Häufig sind Blüten so konstruiert, dass sie nur von einer ganz speziellen Spezies befruchtet werden können, damit die Pollen auch ja auf anderen Blüten der gleichen Pflanzengattung landen, statt überall verteilt zu werden. Und letztendlich, zurück zu attraktivem Verwesungsgeruch kommend, landen wir auch bei dem größten Blütencluster des Pflanzenreiches.

The Social Struggle nimmt sich dem Sprichwörtlichen Kampf um einen Platz an der Sonne an. Wie Pflanzen darauf warten können und müssen, bis etablierte Baumriesen durch Alter, Sturm oder Feuer einen luftigen Sonnenplatz hergeben. Und dann möglichst schnell jener ergriffen werden muss. Wie Pflanzen sich parasitär oder nicht an Stämmen entlang ranken oder in Baumkronen einnisten, um an die Sonne zu kommen. Das ganze Landflächen im ständigen Kampf mal von Wiesen, dann Baumhainen und dann wieder Wiesen dominiert werden. Auch in dem sie sich für helfende Tiere schmackhaft machen, wie die weite Verbreitung von Kornfeldern zeigt.

Bei Living Together starten wir ausnahmsweise unter Wasser. An einem Korallenriff. Korallen sind keine Pflanzen, tragen aber Algen in sich, die Tagsüber für die Nahrungsbeschaffung sorgen. Andere Pflanzen hingegen wachsen so, dass sie Ameisenkolonien Nester bereitstellen können, die sie wiederum gegen Fressfeinde schützen. Orchideensamen fruchten gar nicht erst, wenn sie nicht mit dem richtigen Pilz in Berührung kommen, um die fürs Keimen nötigen Nährstoffe zu erlangen. Aber auch Pflanzen untereinander leben zusammen, wenn auch meist parasitär, da sie ja die gleiche Nahrung benötigen. Beispielsweise die Rafflesia, die komplett innerhalb ihres Wirtes lebt und nur ihre Blüten (die größten einzelstehenden der Pflanzenwelt) nach außen sichtbar macht.

In der finalen Episode, Surviving, kommen wir zu Pflanzen, die in Lebensunwirtlichen Gegenden wachsen. Dort wo es zu kalt ist, schützen sie sich mit Wärme haltenden pelzigen oder abgestorbenen Blättern. Dort wo es heiß ist, haben Kakteen gelernt Wasser in ihren Stämmen zu speichern. In Gebirgen mit wenig Nährstoffgebendem Boden gibt es erneut fleischfressende Pflanzen. Und selbst in den Weltmeeren leben überall Kleinstorganismen an Algen, welche den Grundstein des Lebens bilden. Ohne die ein Surviving auch von Tier und Mensch nicht möglich wäre.

Mich holt das tatsächlich immer noch absolut ab. Die ersten drei Folgen vielleicht etwas mehr als die zweite Hälfte, weil sich dann auch ein paar Dinge etwas wiederholen, da sie in mehrere der ausgewählten Themen passen, doch toll sind sie alle. Super interessant die Zeitraffer-Aufnahmen zu sehen, die zeigen, wie viel Leben doch tatsächlich in Pflanzen steckt, die einfach nur wesentlich langsamer funktionieren, als wir das gewohnt sind. Mit der richtigen Soundkulisse eingespielt, um auch so eine fleischfressende Pflanze bedrohlich wirken oder aufspringende Blüten wirklich poppen zu lassen. Alles wirkt so lebendig und dynamisch in dieser Aufmachung. Und dann natürlich die Infos im britischen Akzent eingesprochen, dem man eh alles glauben will, weil er so schön smart klingt. Wie up to date die Infos einer über 20 Jahre alten Doku-Reihe sind, sei dann mal dahingestellt. Aber um einen Überblick zu erhalten, und in vielen Details kann sich eben in 6 x 50 Minuten nicht ergangen werden, ist es allemal noch gehaltvoll.

Tatort Giftschrank: Krokodilwächter

Ein Krokodilwächter ist eine Vogelart, die in den geöffneten Mäulern von Krokodilen sitzt, um dort die Essensreste aus den Zähnen zu picken. So haben die eine Mahlzeit, während die Krokodile keine Keimentzündungen fürchten müssen, weswegen sie die Vögel gewähren lassen, statt sie zu fressen wie man meinen sollte. Ein starkes und gern verwendetes Bild für symbiotische Beziehungen. Und eventuell nur eine schöne Legende, weil wohl keine Beweise dieses Verhaltens vorliegen.

Auch an der Existenz eines Tatortes mit dem Namen Krokodilwächter könnte man fast zweifeln. Denn der ist im Giftschrank zu finden, also nach der Erstausstrahlung nie in die Wiederholungsrotation aufgenommen worden. Nach Tod im Jaguar übrigens der zweite Giftschrank-Tatort des Jahres 1996 und erneut mit Hauptkommissar Roiter und dessen niedlichen Kollegen Zorowski.

Diesmal geht eine Bombe hoch. Und zwar eine Briefbombe im Wagen eines Postbotens. Das macht es natürlich entsprechend schwer herauszufinden, an wen der Brief eigentlich gehen sollte, sprich wer in Gefahr ist ermordet zu werden und wer der Täter sein könnte. Das Ermittlerduo bewegt sich zunächst auf dem Fleck.

Aber in der ersten Hälfte des Filmes spielen die beiden sowieso eine eher untergeordnete Rolle. Sofort nachdem die Bombe hochgegangen ist gleiten wir nämlich erst Mal ins Netz der russischen Mafia ab. Paten importieren gern mal hübsche russische Mädchen nach Deutschland, die dann in Bordellen ihrer Landsleute prostituiert werden. Ohne Pass und so flieht es sich natürlich auch schlecht. Der Zuhälter bekommt frische Ware für seine Fleischtheke, während die Mafia Prozente von deren Einspielergebnis holt und sich nach dem Erstimport nicht mehr die Hände schmutzig machen muss.

Irina ist eine solche Prostituierte, der allerdings ihr Zuhälter Olek verfallen ist, weswegen er sie hinter der Bar arbeiten lässt statt weiterhin mit den Kunden schlafen zu müssen. Nebenbei verdient sie sich aber genau darüber noch was dazu, zumindest am im gleichen Haus wie ihr lebenden und ihr hoffnungslos verfallenen Apothekenbesitzer Wittkowski. Dass das Zugpferd Irina nicht mehr anschaffen gehen muss, gefällt den Nachwuchsmafiosi Dima und Viktor allerdings gar nicht, immerhin hat Olek ordentlich Schulden beim Paten. Als Irina dann noch aufmüpfig wird, gerät die Sache mit dem hitzköpfigen Dima aus dem Ruder, der sie schlägt, vergewaltigt und dann erschießt.

Erst jetzt haben Roiter und Zorowski auch eine Schnittstelle mit der ganzen Mafia-Geschichte des Filmes, zu dem die Briefbombe natürlich zurückkehrt.

Im Giftschrank ist der Tatort wohl dann auch, weil er brutal und sexistisch ist. Tatsächlich gehen die Bordellbesitzer und Mafiosi nicht gerade zimperlich mit den Prostituierten um. Sonderlich grafisch brutal wird es nie, aber 1996er Prime Time in des Deutschen liebster Fernsehreihe sorgte das halt für Aufsehen.

Besonders beliebt ist er wohl auch nicht, weil qualitativ nicht gut? Ich bin da so ein wenig gespaltener Meinung. Im Konzept finde ich Krokodilwächter eigentlich ganz gut. Hier war jemand am Werk, der ein echtes Faible für epische Mafia-Dramen hat. Die Ermittler sind mal fast Nebensache. Stattdessen gibt es ordentlich Irrungen und Wirrungen in der Familie was einen Generationskonflikt angeht, plus die dreckigen Machenschaften im Rotlichtmilleau und dem Menschenhandel. Da lässt sich dramaturgisch echt was rausholen und langweilig wird es definitiv nicht. Wenn das ganze halt nicht so sehr wie ein billiger Abklatsch wirken würde. Das Schauspiel ist solala, die Struktur klischeehaft wie die Musikuntermalung, und erneut haben wir die billige Soap-Optik der Betamax-Kameras wie schon beim Tod im Jaguar. Gut gemeint ist halt noch nicht gut gemacht, wie Krokodilwächter schön beweist.

Tatort Giftschrank: Tod im Jaguar

Wir springen nun wieder ein paar Jahre weiter, sind beim 335. Tatort Mitte 1996 angekommen. Ein weiteres erfolgreiches Jahr für den Giftschrank, landete später doch noch eine zweite Folge daraus in ihm. Aber zunächst einmal zu Tod im Jaguar, dem ersten Tatort des Berliner Ermittlungs-Duos Roiter und Zorowski.

Roiter ist ganz frisch aus Frankfurt nach Berlin gekommen und wird von einem Freund erst Mal der High Society der Stadt vorgestellt, in dem er zur großen Gebrutstagsfeier des bekannten jüdischen Gechäftsmannes Prestin eingeladen wird. Der nimmt sich Roiter auch gleich zur Seite, und meint, er würde neuerdings bedroht werden. Nachdem Prestin zum Verlassen der Feier in sein Auto eingestiegen ist, fliegt das auch sofort in die Luft.

Nun beginnt also die Mordermittlun Prestin. Wer hat ihn bedroht und warum? Wo kam der Sprengstoff her? Wer erbt das ganze Geld? Und was hat es mit dem Savigny-Kreis zu tun, in dem nicht nur Prestin, sondern auch andere Geschäftsmänner und Politiker sich austauschten?

Die Tochter und ihr Ehemann können beispielsweise nicht erben, da Prestin mit der Ehe nicht einverstanden war und sie enterbt hat. Gleichzeitig hat Prestin aber weiterhin Geschäfte mit dem Ehemann am Laufen, der mehrere Baustellen in Berlin führt. Aber eigentlich pleite ist. Staatssekretär Bernbeck, Teil des Savigny-Kreises, drängt hingegen darauf in der Neo-Nazi-Szene zu ermitteln, da sich Prestin stark öffentlich gegen Antisemitismus ausgesprochen hat. Eventuell weiß auch die Bekannte Katharina Lefevre etwas, doch hier scheint Roiter mehr an Candle-Light-Dinners mit der Dame interessiert zu sein. Als dann noch rauskommt, dass Prestin über die Schweiz im Waffenhandel steckte, wird alles nur noch undurchsichtiger.

Tod im Jaguar ist definitiv einer der komplexeren Giftscharnk-Tatorte. Es gibt eine Vielzahl and Charakteren und persönliche öffentliche und geheime Verwicklungen untereinander. Im Kreis der Reichen und Schönen hat ja sowieso jeder ein wenig Dreck am Stecken, um in die Position gekommen zu sein, in der sie sich befinden. Durch die milchglasige Optik, weil der Tatort via Betacam aufgezeichnet ist, hat das ganze Unterfangen dadurch einen starken Einschlag einer Soap Opera. Wer mit wem warum und so. Langweilig wird es jedenfalls nicht. Wobei ich es echt kurios finde, wie häufig die Ermittler in diesen alten Tatorten mit einer Zeugin oder Tatverdächtigen anbandeln.

Was neben der für viele billig aussehenden Optik übrigens kritisiert wurde, ist der antisemitische Unterton. Der ist nicht bewusst und absichtlich da. Aber das hier hauptsächlich in Kreisen von reichen Juden ermittelt wird, die dann auch noch über ihre eigenen Organisationen und Stiftungen dicht miteinander vernetzt sind und im Geheimen Geschäfte und Pläne schmieden… spielt halt einigen sehr unschönen Stereotypen zu. Tod im Jaguar befindet sich bis Heute im Giftschrank.

Tatort Giftschrank: Blutspur

Wir überspringen die nächsten 9 Jahre und kommen mit dem 222. Tatort, Blutspur, zum nächsten Zeitweise-Giftschrank-Fall. Das ist übrigens bereits der 21. Fall von Kommissar Schimanski, dem wohl berühmtesten und beliebtesten Ermittler, den die Reihe je gesehen hat. Immerhin war es einer seiner Tatorte, die zum ersten Mal ins deutsche Kino kamen, und gab es sogar ein eigenes Spinoff mit ihm.

Schimanski ist mal wieder in seinem Element: Schlecht drauf. Ist aber auch verständlich, immerhin wurde er früh geweckt, nur um einem Exhibitionisten an einem Flugdrachen hinterherzujagen, der junge Mädchen anmacht. Nicht unbedingt Aufgabe der Mordkommission, was Schimanski auch gern alle, die nicht gefragt haben, wissen lässt. Als er vom Schrottplatz ihres Informanten Leszek aus beim Amt anrufen will, kommt plötzlich ein Wagen voller Araber vorbeifahren, die wild um sich schießen.

Die kommen direkt vom nahen Lager für Fernfahrer, wo sie einen Haufen Polen erschossen haben. Da ist also endlich ein Fall für eine Mordkommission. Zumal in einem Gebäude auch noch massenweise altes Blut gefunden wird. Weitere Morde oder eine illegale Tierschlachtung etwa? Das BKA hilft auf jeden Fall nicht sonderlich weiter, aber irgendwie können sich die Ermittler verschiedner Bereiche allgemein in Blutspur auf den Tod nicht ausstehen.

Die Ermittlungen führen zurück zu Leszek, zu einem vermutlichen Wafenschmuggel aus Polen in den Mittleren Osten. Das wird gar nicht gern gesehen, immerhin untergräbt das die Profite der deutschen Waffenlobby, die gut Kohle mit Kriesengebieten machen. Die arabischen Terroristen tauchen jedenfalls auch wieder auf und zerbomben den Laden. Leszek wird für tot gehalten, seine Geliebte und ehemalige Prostituiert taucht ab.

Schimanski und Co versuchen sie zu finden, spannen dafür auch ihren Ex-Zuhälter, der frisch aus dem Knast ist, ein. Am Ende finden sie nicht nur sie, sondern auch Leszek, der statt mit Waffen mit Blutplasma gehandelt hat. Osteuropäisches Blut, denn das hat die richtige Blutgruppe. Seine Freundin wird während der erneuten Schießerei mit den Arabern tötlich getroffen, bevor alle festgenommen werden können.

Also wenn man eine Sache über Blutspur sagen kann, dann das der Film echt nicht langweilig war. Hier wird wild um sich geflucht. Scheinbar aus dem Nichts rasen Autos ins Bild und plötzlich wird wild mit Maschinenpistolen geschossen. Gebäude explodieren. LKW-Tanker fangen an zu bluten. Die Ermittler feinden sich gegenseitig an. Es wird abgetaucht in Millieus von Prostution, Waffenhandel, Menschenhandel zur Schwarzarbeit, Bauchtanz in verruchten Kneipen. Blutspur wirkt dreckig. Die Locations genau wie die schnoddrigen Partizipanten, selbst auf Seiten der Kripo.

Das ist dann wohl auch der Grund, warum Blutspur im Giftschrank gelandet ist. Es gab anscheinend Beschwerden darüber, dass das hier alles viel zu brutal ist. Der durchschnittlich Alman ist halt so viel Aufregung zur Pime Time auf den Öffentlich-Rechtlichen nicht gewohnt. Und deswegen war Blutspur dann zehn Jahre lang gespertt, bevor er ab 1999 wieder ausgestrahlt wurde. Sonderlich gut weg kommen die osteuropäischen und arabischen Minderheiten übrigens auch nicht, sondern werden alle als hochkriminell porträtiert. Das war aber wohl eher nicht Grund des Sperrvermerks.

Tatort Giftschrank: Mit nackten Füßen

Das Jahr 1980 war ergiebig an Giftschrankfolgen. Nach dem 109. Fall Der Gelbe Unterrock im Februar, schaffte es direkt darauffolgend auch der 110. Fall im März weggesperrt zu werden. Damals gab es noch nur circa einen Tatort pro Monat. Mit nackten Füßen, der einzige Fall von Kommissar Sander, ist ausnahmweise einer derjenigen, die bis Heute im Giftschrank verblieben sind.

Verena Kersten, die in einer Werbeargentur beim Schnitt arbeitet, findet ihre Kollegin Uschi tot auf. Und dann ihr Chef Dörhoff sie neben der Leiche mit dem Mordwerkzeug, das sie dummerweise aufgehoben hat. Sieht nach einem klaren Fall aus. Dörhoff versucht Verena in Schutz zu nehmen, schickt sie nach Hause und wischt die Mordwaffe ab, um ihre Fingerabdrücke loszuwerden. Verena beteuert ihm, dass sie es nicht gewesen war, woraufhin Dörhoff nur weiterhin patronisierend meint, sie hätte eventuell einfach einen typsichen Ausfall gehabt an den sie sich nicht mehr erinnert.

Das alles hilft wenig, denn Verena gerät sofort unter Tatverdacht. Immerhin hat sie sich gern mal mit Uschi gestritten, gesteht beim Verhör die Leiche alleine aufgefunden zu haben, und verstrickt sich von Dörhoff verunsichert in Wiedersprüche. Nur Kommissar Sanders ist von ihrer Unschuld überzeugt. Weil er der unseriöseste Ermittler aller Zeiten ist. Denn er steht ganz eindeutig auf Verena, will von daher nix zum berechtigten Tatverdacht wissen. Geht sogar mit ihr aus und nimmt sie dann mit nach Hause, wo die Flirterei weitergeht.

Letztendlich wird eine zweite Tote gefunden, ebenfalls wie Uschi mit den ausgezogenen Schuhen neben ihren Kopf gestellt. Verena ist da gerade in Untersuchungshaft. Das entlastet sie also. Aber ist der Mord schlicht von Dörfhoff veranstaltet worden, um es wie einen Serienmord aussehen zu lassen und Verena ein Alibi zu verschaffen?

Die große Frage des Tatorts ist und bleibt also die Täterschaft. Klar sehen wir zu Beginn, dass Verena tatsächlich Uschi tot auffindet und entsetzt ist. Aber das bedeutet ja nicht, dass sie sie nicht vorher umgebracht hat. Ist sie ein unreliable Narrator? Es wird ihr immerhin beständig vorgeworfen, dass eine uminöse Krankheit, die erst gegen Ende aufgeklärt wird, sie dazu befähigen könnte die Tat zu begehen wie auch zu vergessen. Zumal Verena wiederholt sehr impulsiv und merkwürdig in ihren Interaktionen mit Sanders ist. Aber Dörhoff bleibt natürlich auch weiterhin sehr verdächtig. Hat er den zweiten Mord begangen, um Verena weiterhin zu schützen? Hat er eventuell sogar schon den ersten begangen, und benutzt Verena als Schild?

Verenas Krankheit ist übrigens, was den Tatort in den Giftschrank befördert hat. Sie ist Epileptikerin, was hier als Geisteskrankheit dargestellt wird, die mit dem Stigma der unbeherrschten Gewaltattacken verknüpft ist. Tatsächlich sagt ein Arzt im Film aus, dass dies nicht stimmt und es nicht erwiesen ist, dass Epileptiker zu Gewalttaten neigen. Es ist sogar ein Punkt im Finale, wer denn ob dieses Unwissens Verena zu decken versucht hat, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre, und damit den Fall nur verkomplizierte. Doch den Großteil des Filmes über wird es als Tatmotiv proträtiert. Mittlerweile sind Wiederholungen allerdinsg teilweise auch auf den Grund des qualitativen Mangels geschoben worden.

Ist er denn qualitativ mangelhaft? Eh, hauptsächlich ist Mit nackten Füßen wieder einfach ziemlich schräg. Man mag nur darüber den Kopf schütteln, wie hochgradig unproffessionell sich Sanders verhält. Und wie seltsam jegliche Szene zwischen ihm und Verena sich gestaltet. Die machen tatsächlich den Großteil des Filmes aus, dadurch wirkt das eigentliche Mysterium, welches mehrere Ebenen aufweist, sehr gestaucht und überladen.

Tatort Giftschrank: Der Gelbe Unterrock

Wir lassen die 70er nun hinter uns. Ganz knapp. Der nächste Giftschrank-Tatort ist nämlich die Nummer 109 vom Februar 1980, den man anschließend erst 2016 wiedersehen sollte. Der Gelbe Unterrock heißt er und ist der dritte und letzte Fall von Kommissarin Buchmüller. Und nur einer von zwei Tatorten aus 1980, der im Giftschrank landete.

Wir beginnen bei Harry, der gern mal mit Damenklamotten tantz. Gerade ist das der tituläre gelbe Unterrock, den die Familie Klefisch für den Karneval an Harrys Mutter gegeben hat. Eine verschlüsselte Nachricht im Radio wiegelt Harry allerdings auf. Er steckt den Unterrock ein und fährt zur Familie Klefisch, wo er Tochter Marianne dazu zwingt, ihn in die Wohnung zu lassen. Er nennt sie Molly, sperrt sich mit ihr zusammen in ein Zimmer, und will sie zu seiner Freundin machen. Als jemand die Wohnung betritt, drückt er ein Kissen auf Mariannes Gesicht, damit sie nicht schreit. Eine fremde Männerstimme sagt ihm, er habe sie umgebracht, woraufhin Harry flieht.

Die Ermittlungen brauchen ein wenig, bis sie einen Tatverdächtigen haben, obwohl Mariannes Vater Harry im Treppenhaus an sich vorbeilaufen sah, als er seine tote Tochter fand. Immerhin hatte auch Marianne etwas zu verheimlichen, stahl sie doch Opiate in der Apotheke, in der sie arbeitete. Ihre Vorgängerin und Bekannte Mariannes, Molly, war da auch nicht besser und ist nun sogar mit einem Drogenhändler liiert, nachdem sie die Verlobung zu Harry beendet hat. Irgendwann ist Harry dann auch mal der Tatverdächtige, kann aber im Trubel des Mainzer Karnevals immer wieder verschwinden.

Letztendlich findet Buchmüller sowieso raus, dass Molly hinter allem steckt. Marianne wollte auch ins Drogengeschäft einsteigen und war Molly und ihrem Freund im Weg. Molly sendete also die kodierte Nachricht an Harry, damit der Marianne ausschaltet. Oder damit er zumindest wie der Täter aussieht, sollten Molly und ihr Freund, wie auch eingetreten, selbst noch Hand anlegen müssen.

Was ein verwirrender Film. Also wenn das dann mal alles auseinanderklamüsert ist, ist der nicht so komplex. Aber wirklich am Ball zu bleiben, wer jetzt wen von wann kennt, ist echt irgendwie anstrengend. Dabei ist der Film eigentlich ziemlich langweilig. In der Szenen zu Beginn, wenn Harry Marianne festhält, und auch wenn er später im Kanrevalstroubel untergeht, die sind noch ganz Ok. Ansonsten passiert aber einfach nicht viel, außer das Leute lang in dunklen Räumen stehen und miteinander mehr oder minder wichtige Informationen austauschen. Der Gelbe Unterrock ist mit 100 Minuten gut 20 länger als die anderen, es scheint aber weniger als in der Regel zu geschehen.

Passenderweise ist einer der Gründe, warum er so lange im Giftschrank war, angeblich auch schlichtweg, dass die Qualität nicht stimmt. Zu scheiße zum Wiederholen sozusagen. Dazu kommt dann noch, dass Gewalt gegen Frauen etwas zu verherrlicht gewesen sein soll, was man nach aktuellen Standards natürlich nicht mehr so wirklich sieht. Aber der Hauptgrund waren wohl wirklich die Qualitätmängel. Man hätte es Nicole Heesters gegönnt einen besseren letzten Fall als erste Tatort-Kommissarin zu bekommen.

Tatort Giftschrank: Drei Schlingen

Der nächste Tatort ist ebenfalls aus den 70ern. So wurde die 78. Folge doch 1977 zum ersten Mal ausgestrahlt. Der 11. Fall vom Kommissar Haferkamp landete anschließend im Giftschrank und wurde erst 2003 wiederholt. Witzig ist hierbei, dass eine der Rollen von Andreas Seyferth verkörpert wird, der schon im Giftschrank-Tatort Tote brauchen keine Wohnung zu sehen war.

Er ist nämlich das Mordopfer in Drei Schlingen. Während eines Geldtransports muss der Wachmann miterleben, wie eine Frau einfach auf offener Straße bei einer Unfallflucht überfahren wird. Entgegen dessen, was ihm sein Vorgesetzter über Funk rät, verlässt er den Transporter, um der Dame zu helfen, statt auf die gerufene Polizei zu warten. Was ihm zum Verhängnis wird, denn dies war ein abgekartertes Spiel, um den Geldtransporter zu klauen. Während des Gerangels wird er erschossen.

Besonders schwer trifft das seinen Kollegen Schießer, der mit ihm unterwegs war, aber gerade Geld in der Bank ablieferte, als dies geschah. Der Ex-Polizist sah sich als eine Art Vaterfigur für den naiven aber sympathischen Kollegen und dessen kleine Familie. Gleichzeitig ist er aber auch ein Verdächtiger beim Überfall. Denn nur Schießer, sein toter Kollege, und der Chef der Firma haben eigentlich den nötigen Schlüssel, um den Transporter entführen zu können. Einer davon hat also mit den anderen beiden Dieben unter einer Decke stecken müssen.

Dann werden auch noch Leute, die Schießer vom Judo-Club kennt, mit einer Schlinge erhängt aufgefunden. Ist dies seine Art die Komplizen aus dem Weg zu räumen? Natürlich nicht, wie man sich erneut halb durch den Tatort denken kann, begeht der rechtschaffene Schießer hier Selbstjustiz. Er hat herausgefunden, dass von seinem Schlüssel eine Kopie während des Aufenthalts im Club angefertigt wurde, und richtet nun diejenigen hin, die er für die Mörder seines Kollegens hält.

Drei Schlingen ist definitiv ein guter Eintrag in die Reihe. Der Fall wendet sich mehrmals, bleibt durch die Bank weg spannend. Selbst nachdem man sich bereits denken kann, wer der Schlingenmann ist. Denn dann entbrennt das Spiel damit, ihn zu überführen, und vor allem die anderen Täter vor seiner Selbstjustiz schützen zu müssen. Macht einen runden und sehenswerten Fall aus. Zumal auch Haferkamp und sein Spiel mit Schießer sehr unterhaltsam gespielt sind.

Und warum war nun der mittlerweile aufgehobene Giftschrank nötig? Nach der Ausstrahlung gab es einige Beschwerden ob der hohen Brutalität der Folge, weswegen er weggeschlossen und erst 25 Jahre später erneut für eine mögliche Freigabe gesichtet wurde. Nach heutigen Maßstäben ist der natürlich ziemlich harmlos, Schießers Schlingen sind auch mehr psychologische Kriegsführung denn das die Erhängung wirklich lang in Bild und Ton gezeigt würde.

Tatort Giftschrank: Tod im U-Bahnschacht

Tod im U-Bahnschacht ist der 57. Tatort, der Ende 1975 seine Erstausstrahlung hatte, und dann wie Tote brauchen keine Wohnung bis 1992 im Giftschrank landete. Nach einer weiteren Ausstrahlung 1995 verschwand er übrigens ernaut für über zwanzig Jahr von der Bildfläche, wurde erst 2008 erneut ausgestrahlt. Auch ist es der erste Fall von Kommissar Schmidt, der in seinem Debut kurioserweise so gut wie nichts macht.

Im getrennten Berlin der 70er Jahre wird das U-Bahnnetz stark ausgebaut, da die S-Bahn vielerorts von den West-Berlineren boykottiert wird. Dafür sind allerdings viele Schwarzarbeiter, die sich illegal in Deutschland aufhalten, an den Baustellen eingesetzt. Zu dumm, wenn davon einer bei einem Arbeitsunfall ums Leben kommt, weil er von der Maschinerie überrollt wird. Da versteckt man die Leiche doch lieber, bevor noch auffliegt, dass man mit Menschenschmugglern unter einem Hut steckt, um an billige Arbeiter zu kommen.

Passenderweise haben die meisten illegalen Einwanderer keine starken Bindungen. So auch der tote Mehmet, der lediglich den sich ebenfalls illegal aufhaltenden und an der Baustelle eingesetzten Schwager Arkan und dessen Schwester Ayse, mit der er verlobt war, hier in Deutschland kennt. Andere Illegale kann man ja schnell mundtot machen, in dem man ihnen damit droht, dass es für sie eh schwerere Konsequenzen haben wird, wenn die Polizei sie aufgreift, als für die Vorabeiter und Schmuggler, die sie beschäftigen.

Arkan kann mann parktischerweise in eine Messerstecherei mit einem anderen Türken verwickeln, weswegen er von der Polizeit aufgegriffen wird und abgeschoben werden soll. Ayse, die sich legal in Deutschland aufhält, nimmt man unter einem Vowand einfach mit in einen „Gasthof“, wo sie weggesperrt wird und zwangsprostituiert werden soll, damit sie von der Bildfläche verschwindet. Nur dumm, wenn Arkan fliehen kann, seine Schwester ausfindig macht, und alles plötzlich in einer Geiselnahme endet.

Tod im U-Bahnschacht ist ein seltsamer Film gewesen. Interessanterweise verfolgt er beispielsweise schon gar nicht das normale Tatort-Schema, bei dem es darum geht, herauszufinden, wer der Mörder und was das Motiv ist. Es handelt sich nicht mal um Mord, sondern um einen Unfall. Stattdessen haben die Kommissare hier das Problem, die Leiche überhaupt zu finden und die Existenz des Unfalles und sukzessive Vertuschung der Baufirma nachzuweisen. Abgesehen davon verschwindet Kommissar Schmidt sowieso aus weiten Teilen des Filmes und übergibt an Kommissar Wagner und Assistent Wolf.

Der Fall ist stattdessen wesentlich mehr in der Thematik des Menschenschmuggels und der illegalen Einwanderung behaftet. Und hat insgesamt ehrlich gesagt ziemlich die Vibes eines trashigen Exploitation-Werkes, nur ohne die nackte Haut und das Blut. Fiese, betrügerische Schmuggler. Kriminelle Ausländer. Zwangsprostitution und Messerstechereien. Ein schlechtes Ende. Ein Haufen Charaktere, die alle nicht wirklich logisch sinnvoll agieren wollen und merkwürdige Manierismen aufweisen. Schauspieler, die wenig Direktion zu haben scheinen. Kein Wunder das dieser Eintrag einer der weniger beliebten Tatorte ist, denn man mag kaum meinen wollen, dass dies hier überhaupt einer hätte sein sollen. Irgendwie ist er zwar schon ein wenig blöd und wirr, aber nicht vollkommen uninteressant, da eben so unerwartet und sinnbefreig häufig.

Offiziell war er übrigens im Giftschrank, weil der Todeskampf von Mehmet zu Beginn des Filmes so lang dargestellt wird. Wirklich brutal mag das, besonders retrospektiv, aber nicht mehr wirken. Kein Blut, keine zerquetschten Gliedmaßen werden gezeigt, nur sein Schmerzverzerrtes Gesicht in Großaufnahme. Die Szene ist nicht ganz unbedrückend, aber doch relativ harmlos eigentlich. Inoffiziell als Gründe wird jedoch auch häufig gehandelt, dass dieser Tatort allgemein nicht unumstritten war. CSU-Politiker Strauß bemängelte hochoffiziell die Polizei würde als zu unnütz dargestellt, von anderen Stellen wurde hingegen entweder bemängelt, dass die illegalen Einwanderer als zu sympathisch und von anderer Stelle wieder als zu kriminell dargestellt werden. Regisseur und Produktionsfirma sollen sich auch über den Film verkracht haben.