Universal Monsters – The Invisible Ray

ava-2035Irgendwann müssen wir ja mal aus den 1930ern heraus kommen, also mutig vorangeschritten, statt erneut fast ein Jahr zwischen Einträgen vergehen zu lassen. Und zwar mit zwei alten Bekannten der Universal Monsters, denn in The Invisible Ray kommen sowohl Boris Karloff als auch Bela Lugosi erneut zusammen.

Auch wenn der Titel recht nach Science Fiction klingt, so hat der Film doch mehr von einem Horror-Film, genau genommen wieder mit einer Art Monster in ihm sogar, statt eines normalen Killers. Nicht ungleich Dr. Jekyll and Mr. Hyde oder The Invisible Man geht es nämlich um einen Wissenschaftler, dessen Forschungen ihn in den Wahnsinn treiben/zum übernatürlichen Mörder machen, nur das halt die Pseudo-Wissenschaft dran schuld ist statt traditionelle Monstermacherei.

Besagter Forscher ist der von Karloff verkörperte Janos, der mit seiner gruseligen, blinden Mutter und seiner jungen, hübschen Frau in einem Goth-Horror-Schloß in den Karpaten lebt, wo er in seinem Planetarium gen Andromeda-Nebel schaut. Nicht, um Galaktika herbeizurufen, sondern weil bekanntlich das Licht seine eigene Geschwindigkeit hat, weswegen das, was wir am Abendhimmel sehen nicht ist, wie das Universum um uns herum momentan aussieht, sondern wie es aussah, als das jeweilige Licht seinen Weg begonnen hat, welches jetzt bei uns angekommen ist. Jedenfalls schließt Janos daraus, dass wenn man sich Andromeda anschaut, dort das Licht der Erde der Vergangenheit eintrifft, und man so in jene frühen Ereignisse der Erdgeschichte sehen kann. Macht Sinn? Nö, muss es aber auch nicht.

Jedenfalls zeigt er jenen Durchbruch seinen geladenen Gästen, darunter auch Lugosi, die ihn auf eine Afrika-Expedition mitnehmen, um einen Meteor, den sie in jenem Rückblick haben einschlagen sehen, bergen können. In jenem findet Janos Superstrahlen, die Menschen heilen können. Ihn allerdings verstrahlen, nicht nur macht er Nachts nun eins auf menschliches Glühwürmchen, sondern sein Körper und Verstand zersetzen sich langsam. Ähnlich wie der Invisible Man wird er dadurch wahnsinnig, verdächtig hinter Kollegen und Frau (die auch tatsächlich schon längst mit einem jüngeren Modell anbandelt) eine Verschwörung, und versucht ihnen mörderisch vorzukommen.

The Invisible Ray hat dabei den Vorteil gegenüber dem bereits zweimalig genannten Invisible Man, obwohl die Geschichte grundsätzlich erst mal ähnlich abläuft und ähnlich endet, dass die ganze Sache etwas spannender aufgezogen ist. So spannend, wie ein Universal-Film von 1936 sein kann, versteht sich. Tricktechnisch dafür weniger interessant, nur das Schloss zu Filmbeginn macht was optisch her. Die Charaktere sind immer noch nicht die sympathischsten, aber mit knapp 70 Minuten ist der Film auch nicht zu lang geraten. Netter kleiner Ausflug in die Filmgeschichte, mehr aber auch nicht.

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Universal Monsters – Mystery of Edwin Drood

ava-2031Boah, ich schwöre jedes Mal, wenn ich auf die Wikipedia-Liste der Universal Monsters schaue, ist die anders. Filme sind in eine neue Reihenfolge gestellt, es sind neue dazu gekommen, dafür andere rausgenommen. The Mummy, Murders in Rue Morgue, und The Old Dark House habe ich jetzt nicht in richtiger Reihenfolge geschaut. Das ist an sich nicht wahnsinnig schlimm, solange ich sie halt alle gesehen habe, bringt aber mit sich, dass ich die Evolution der Reihe nicht richtig nachvollzogen habe. Secret of the Blue Room ist plötzlich gar nicht mehr in der Liste. Dafür ein 1930er Serial aufgetaucht, das netterweise ein verlorener Filme ist, ich ihn also gar nicht sehen hätte können.

Egal, genug gemeckert. Als nächstes ist Mystery of Edwin Drood dran, momentan in der Liste für 1935 geführt, noch vor den bereits von mir geschauten The Raven, Bride of Frankenstein, und Werewolf of London, aber wer weiß wie lange dem noch so ist. Wenn ich in einem halben Jahr wieder rein schaue, ist er vielleicht gar nicht mehr in der Liste.

The Mystery of Edwin Drood basiert auf einem Buch von niemand anderem als Charles Dickens. Oder besser gesagt auf einem Manuskript davon, denn es hätte sein letztes Buch werden sollen, jedoch verstarb Dickens bevor er es beenden konnte. Somit blieb das Geheimnis des Mr. Drood für immer ungelöst. Zumindest in besagtem Original, denn die Version von Universal erfindet sich natürlich ein Ende.

Im Prinzip haben wir es hier mit einem Liebesviereck zu tun, da sich gleich drei Männer um eine Dame streiten, auch wenn eigentlich gar nicht alle sie wollen. Das Ziel von Jedermanns Affektion ist die gute Rosa, die gerade ihren 18. Geburtstag feiert. Bevor ihre Eltern starben wurde Rosas Hand ihrem Kindheitsfreund Edwin Drood versprochen, der auch durchaus vor hat sie zu heiraten, und das möglichst schnell, denn er hat einen Job in Ägypten, also muss sie vorher zu einer anständigen Frau gemacht werden, damit er sie dorthin mitnehmen kann. Wie das allerdings mit Kindheitsfreunden häufig der Fall ist, haben die beiden keinerlei romantische Chemie zwischen einander, sondern stehen sich mehr wie Geschwister gegenüber. Frisch aus den Kolonien in die englische Society gekommen ist der junge Neville mit seiner Schwester, der sich auf den ersten Blick in Rosa verguckt, und sie auch in ihn. Als Dritten im Bunde hätten wir den Onkel von Edwin, John Jasper, der Rosa hat aufwachsen sehen und ihr Gesangsunterricht gibt, und ganz eindeutig Interesse an ihr hat, auch wenn das sonst keiner zu merken scheint – abgesehen von Rosa vielleicht, die sich zwar nicht sicher ist, was mit dem Kerl los ist, aber ihn doch mittlerweile für einen ziemlichen Creep hält.

Damit wären alle Figuren auf dem Schachbrett und ich muss wohl beim Titel The Mystery of Edwin Drood und dem Setup nicht erwähnen, dass Edwin Drood verlustig geht, und der Rest der Geschichte sich darum dreht, was mit ihm geschehen ist, und wenn dann wer ihn eventuell umgebracht haben könnte. Problematisch ist hierbei, dass der Film sein erdachtes Ende viel zu offensichtlich macht, in dem er John Jasper so eindeutig als den Fiesling porträtiert, ihn so eindeutig was planen und im Schilde führen hat. So sehr, dass ich ganz moderne Filme gewohnt, dachte dies wäre zu offensichtlich, und das hat ein Roter Hering zu sein, in Wirklichkeit sei was ganz anderes mit dem Herrn Drood geschehen.

Ich wüsste ja gern mal, wie weit das Buch an sich geschrieben wurde, nehme einfach mal spontan an, dass Dickens kaum über das Verschwinden von Edwin Drood hinaus gekommen ist. Denn das Pacing von The Mystery of Edwin Drood ist schon sehr… langsam. Gut, dass sind die Universal Filme der damaligen Zeit irgendwie alle. Jedoch braucht der Film bis fast zur vollen Stundenmarke seiner 90 Minuten, um besagtes Geheimnis sprich das Verschwinden geschehen zu lassen. Dafür geht es anschließend umso schneller in die Beschuldigung von Neville, der als „zu braun“ für einen Engländer natürlich ganz xenophob zusammen mit seiner Hitzköpfigkeit zum Ziel der Anschuldigung wird. Hier wäre es sicherlich schön gewesen, wenn das doch eigentlich recht simple Setup schneller über die Bühne gegangen wäre, dafür das anschließende Rätselraten die Hauptzeit des Filmes eingenommen hätte – inklusive einem nicht eh so weit im Voraus hervorsehbaren Endes.

Eine Sache, die ich irgendwie ja schon niedlich fand, war wie gay der Film doch wirkt. Die gute Darstellerin von Rosa hat keinerlei echte Chemie mit irgendeinem von den Kerlen, dafür die umso mehr untereinander, wenn sie ohne ihr Herzblatt beisammen sind. Gerade Edwin Drood und sein Onkel John Jasper. Das liegt sicherlich schlichtweg daran, dass damals dies on par war, was das Schauspiel eines Romantic Male Leads angeht. Aber diese hübschen Kerle in extrem eng geschneiderten Anzügen und Mini-Jackets zu sehen, wie sie foppisch schauspielern, und Zahnpastalächelnd auf Mobiliar rumflätzen, inklusive „zeichne mich wie eines deiner französischen Mädchen“-Haltung… herrlich. Umso witziger, wenn man anschließend rausfindet, dass der Akteur von Edwin Drood – sprich der einzige Kerl, der nicht in Rosas Höschen will – tatsächlich schwul war.

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Universal Monsters – Werewolf of London

ava-1915Universals Werewolf of London von 1935 ist doch tatsächlich der erste richtige Werwolf-Film. Ich hätte gedacht bis dahin hätte es definitiv schon Vorläufer gegeben. Neben Dracula und Frankenstein, dem Unsichtbaren und der Mumie, nun also auch der Wolfmann im Pantheon der Universal-Monster.

Unser Hauptcharakter ist ein Botaniker und Indiana-Jones-ed sich gerade so ein wenig durch Tibet, auf der Suche nach einer legendären Pflanze, die nur im Mondlicht blüht. Die findet er auch, denn wäre er nicht erfolgreich hätten wir einen ziemlich langweiligen Film. Allerdings wäre der Film auch sehr langweilig, wenn wir nur jemandem dabei zusehen, wie er eine Pflanzen hegt, also wird er sofort an Ort und Stelle angegriffen.

Die Auswirkungen davon merkt er erst als er wieder in London ist und in seinem Gewächshaus besagte Pflanze unter künstliches Mondlicht setzt: Er selbst wird haariger! Und dabei steht die Ehe mit seiner Frau eh schon mehr und mehr auf der Kippe, wo er sie doch für seine Arbeit vernachlässigt, und sie mehr und mehr mit ihrem ehemalig besten Freund die Zeit verbringt, der sie umwirbt. Da können behaarte Hände und Reißzähne der Romantik sicherlich nicht gut tun. Ganz zu schweigen davon, der nun umgehende Frauenmörder zu sein.

Eh… ich weiß nicht. Werewolf of London ist schon ganz ok, denke ich, aber auch nicht herausragend. Ein Problem sind sicherlich die Charaktere. Ich weiß nicht, ob man hier ein Statement ob der High Society Londons machen wollte, oder dies unwillentlich geschehen ist, aber irgendwie ist jeder so ein wenig ein Arschloch, hinter der lächelnden Fassade und den gestochenen Worten befindet sich fast immer beißender Sarkasmus und passiv-aggressive Anfeindungen. Der Werwolf an sich ist auch ein wenig unbeeindruckend, sowohl seine Maske, als auch sein Verhalten, wie auch den komischen Gesichtsausdruck, den der Darsteller dann immer auflegt. Und er bringt nie einen der ätzenden Charaktere um! Nur irgendwelche nie vorher gesehenen Frauen auf nächtlichen Straßen.

Dass der erste Werwolf-Film Hollywoods im Nachhinein vielleicht etwas Standard wirkt, das mag man ihm etwas vergeben wollen, auch wenn es deswegen nicht viel zu ihm zu sagen gibt. Doch das keine so echte Spannung aufkommen oder man einen Charakter sympathisch finden will, ist da schon ein größeres Problem. Obwohl der Film eigentlich solide ist, keine Längen hat, und der Wolf im Mann häufig genug durchbricht. Im Gegensatz zu einem Dracula oder einem (trotz Stummheit!) Frankenstein-Monster fehlt es dem ersten Wolfman einfach an Persönlichkeit.

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Universal Monsters – Bride of Frankenstein

ava-1874Bride of Frankenstein hat einen interessanten Start, denn es geht nicht mit der Geschichte an sich los, sondern im Hause Mary Shelly, die von zwei Freunden aufgezogen wird, dass sie den Horror-Roman Frankenstein geschrieben hat, und dazu überredet wird, ihnen eine Fortsetzung zu erzählen. Das ist glaub ich der erste Universal mit einem solchen Rahmen drumherum.

Und dann starten wir mit dem Finale des ersten Filmes, der ja streng genommen nicht sonderlich mit dem wirklichen Roman von Mary Shelly kongruent gelaufen ist, und sehen das sowohl der gute Doktor Frankenstein wie auch seine Kreatur die brennende Windmühle überlebt haben. Und jetzt läuft Bride of Frankenstein dann plötzlich näher am ersten Buch, als dessen Verfilmung es tat. Zumindest was die Kreatur an sich angeht, die nämlich den Großteil des Restfilmes über damit verbringt, menschliche Anerkennung suchen zu wollen, während alle sofort schreiend die Mistgabeln schwingen ihn vergraulen. Es gibt sogar einen Moment, wo er bei einem Blinden unterkommt, der sein erster und einziger Freund wird, was ähnlich auch im Buch eine Szene war.

Frankenstein derweil wird von seiner Verlobten überredet, seine irren Forschungen ruhen zu lassen, nur um von einem bekannten Wissenschaftler doch wieder in Versuchung geführt zu werden. Der hat bisher Miniaturmenschen erschaffen und sagt auch schon mal ganz lapidar, dass es vielleicht viel einfacher wäre, wenn alle Menschen böse seien, weil man sich dann um nix scheren würde, wir wissen also sofort wer der Bösewicht in diesem Film ist. Die Braut an sich, die er erschaffen will, kommt aber eigentlich erst aufs Finale zustande, so viel dreht sich Bride of Frankenstein also nicht um sie.

Was man dem Film vor allem ansieht, ist, dass er scheinbar wieder ein höheres Budget denn die Vorgängern hatte, was ja auch verständlich ist, setzt er doch einen von Universals erfolgreichsten Einträgen fort. Jedenfalls gibt besseres Make up und Kostümdesign, besonders der distinkte Look der Braut, sowie andere für die damalige Zeit interessante Special Effects (die Miniaturen in den Gläsern per Green Screen), spielt das Geschehen in vielen hübschen Szenerien, und wird auch von der Kameraführung wieder mehr geboten, besonders die Dutch Angles im rasanten Finale. Das gibt dem Film an sich wieder etwas mehr Klasse und ist so ein wenig das, was ich in den letzten paar Einträgen vermisst habe.

Was ich persönlich auch recht interessant finde, und was sicherlich von Studenten auch schon zu tote zerlegt wurde, ist allerdings auch, wie die Kreatur seine Braut sieht. Für die beiden Wissenschaftler ist sie eindeutig als Gefährtin im romantischen Sinne gedacht, weil das einfach die menschliche Psyche so vorschreibt, wenn sich gleichgesinnte Frau und Mann treffen, und war ja auch einer der Gründe, warum Frankenstein im Buch ablehnte seinem Adam eine Eva zu basteln – er wollte nicht, dass sich die „Monster“ vermehren. Da die Kreatur an sich aber eben nicht in unserem Sozialgefüge aufgewachsen ist, und nur von dem Einsiedler das Wort „Freund“ gelernt hat, ist das alles, was er in ihr sieht: Endlich einen Gefährten, der ihm gleichgestellt ist und sich nicht vor ihm fürchtet, ohne jegliche romantische Implikationen. Über einen männlichen Begleiter hätte er sich genauso gefreut. Das die Braut ihn dann doch ablehnt, nun, dies ist wiederum erneut eine andere Geschichte.

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Universal Monsters – Secret of the Blue Room

ava-1859Interessant am 1933er Secret of the Blue Room ist, dass es ein Remake eines deutschen Filmes gleichen Namens (nur in Deutsch natürlich) des Vorjahres darstellt. Noch im gleichen Jahr ist auch ein tschechisches Remake erscheinen, plus zwei weitere amerikanische in der folgenden Dekade.

Bei Secret of the Blue Room haben wir es übrigens wieder mit einem auf wenige Rollen und Räume beschränkten Krimi zu tun, der quasi über den Verlauf von drei Tagen stattfindet, sprich Filmen wie The Cat and the Canary nicht unüblich ist, und entsprechend Theaterstück-esque daher kommt.

Es ist der 21. Geburtstag von Irene, den sie mit ihrem Vater und ihren drei Jungessellen-Freunden auf dem Schloss feiert, in dem sie leben. Es ist ziemlich schnell klar, dass alle drei Kerle romantisches Interesse an der jungen Frau haben, die dies durchaus genießt, sich aber definitiv nicht für einen entscheiden will. Das Gespräch kommt dabei auf den blauen Raum, in dem vor 20 Jahren drei tragische Morde kurz aufeinander folgten, der seither als verflucht gilt und verschlossen blieb. Als Mutprobe fürs Herz von Irene wollen nun alle drei Typen dort je eine Nacht verbringen. Der Erste tut dies, und ist am nächsten Morgen verschwunden. Der Zweite wird erschossen. Also muss definitiv die Polizei verständigt werden, die ihre Befragung der Anwesenden, inklusive des Personals, beginnt.

Wie in jedem guten Krimi-Stück ist dabei natürlich jeder verdächtig, weil jeder irgendein Geheimnis zu haben scheint. Der Butler trifft sich mit einem seltsamen Kerl in den Schatten, das Dienstmädchen versucht den Chauffeur mit irgendwas zu erpressen, jener wiederum fährt nachts heimlich in die Stadt, und selbst Irenes Vater scheint etwas vor ihr zu verheimlichen. Erst der Klimax in den letzten zehn Minuten des nur etwas über eine Stunde gehenden Filmes, wenn der dritte Kandidat sich nächtlich in den blauen Raum begibt, inklusive einer wilden Schießerei, deckt auf, wer der wahre Übeltäter ist. Der sein Motiv in den letzten anderthalb Minuten des Filmes noch schnell raushauen muss. Oh Universal und ihre Pacing-Probleme.

Uhm, joa, ist kein schlechter Film. Nach all der Zeit vielleicht erneut etwas Standard geworden, da das Setup der dutzend Geheimnis-belasteten Charaktere, von denen es letztendlich dann doch jemand ganz anderes war, den man nie auf dem Bildschirm hatte, weil er tot geglaubt war, ist sicherlich mittlerweile zu tote erzählt. Aber ein brauchbarer, altmodischer Krimi ist Secret of the Blue Room dennoch.

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Universal Monsters – The Raven

ava-1847Hmm… entweder gleite ich langsam in den Wahnsinn ab, oder Wikipedias Liste der Universal-Monster-Filme wurde zwischenzeitlich ausgebessert. Ich schaute The Raven als ersten Film in 1935, auf der Liste ist er nun aber der letzte. Außerdem sind Secret of the Blue Room, The Mystery of Edwin Drood und The Invisible Ray aufgetaucht, die ich gar nicht auf dem Plan hatte.

Diese Timeline-Unstimmigkeit ist vor allem dahingehend wichtig, weil The Raven eigentlich das kurzzeitige Absterben des Horror-Phänomens einläutete, nachdem anschließend US-Horrorfilme vorübergehend in Großbritannien verboten waren, und nach dem gefloppten The Raven auch in den USA in den folgenden drei Jahren bis Son of Frankenstein fast kein weiterer Film erschien – eigentlich nur Dracula’s Daughter und zwei SciFi-Streifen, die ja technisch gesehen dann nicht Universal Horror sind, und eben vorher auch gar nicht auf Wikipedias Liste waren. So wie ich es nun gesehen habe, würde man das gar nicht glauben, da nach The Raven noch einige weitere Filme aus 1935 und 1936 kommen.

The Raven nutzt übrigens ganz wie The Black Cat den Titel nur, um die damalige Popularität von Poe auszunutzen, hat letztendlich aber herzlich wenig mit dessen gleichnamiger Geschichte am Hut. Mehr als The Black Cat, immerhin ist der hiesige Dr. Vollin (Bela Lugosi) ein Fan dessen Werke und zitiert The Raven auch zu Beginn, sowie sehen wir Love Interest Jean in einem Poe-Theaterstück spielen.

Jedenfalls hat Jean zu Beginn einen schweren Autounfall. Ihr Vater und Verlobter überreden nun den eigentlich unwilligen Dr. Vollin dazu, sie zu operieren. Jean geht es wieder gut, sie verehrt den Dr. anschließend, der sich weitergehende Hoffnungen macht, und es gar nicht gern sieht, dass Jeans Vater dem einen Riegel vorschieben will. Als ein Verbrecher (Boris Karloff) ihn überfällt, weil er von Vollin ein neues Gesicht für die Flucht vorm Gesetz bekommen will, willigt der nur zu gerne ein. Er entstellt den Mann, der seinen Wunsch vielleicht etwas spezifischer hätte ausdrücken sollen, denn streng genommen hat Vollin damit immer noch genau das gemacht, wonach verlangt war. Er soll nun helfen den Verlobten und Vater von Jean auf einer Feier Vollins unschädlich zu machen, damit seiner erhofften Liebe mit der Schönen nichts mehr im Wege steht.

Wie immer ist nach einer knappen Stunde der Spuk schon vorbei, wodurch der eigentlich gemächliche Film dennoch theoretisch gesehen nicht langweilig wird, aber ein absoluter Reißer ist es erneut nicht. Es ist schon ziemlich kurios, wie das hier in der damaligen Zeit als kontrovers gegolten hat, weil er angeblich so brutal ist. Denn das ist der Film nun wirklich nicht. Vollin ist fasziniert von Poe, Tod und Folter, sozusagen ein Proto-Goth, aber so wirklich explizit beschreiben tut er weder die Methoden, noch sehen wir was von seinem Folterkeller. Abgesehen von einem Pendel am Ende, welches langsam gen Jeans Vater sinkt, um ihn zu entzweien, es aber erneut eigentlich nie weit genug schafft, um nach heutigem Maßstab sonderlich viel Spannung zu bieten.

Aber an heutige Maßstäbe kann sich ein Film mit 80 Jahren auf dem Buckel auch kaum halten. Dennoch weiß ich nicht so recht, ich schaue die Universal Horror ja eigentlich weit genug auseinander voneinander, und dennoch kann ich mir ein wenig Ernüchterung bei The Raven erneut nicht verkneifen. Wie gesagt, die kurze Spielzeit macht ihn nicht direkt langweilig, aber ein wahres Highlight ist er einfach auch nicht. Dafür passiert dann trotzdem nicht genug.

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Universal Monsters – The Black Cat

ava-1805Mit The Black Cat hat sich Universal nicht lumpen lassen an Publikumsmagnetismus. Ihre beiden Größen Bela Lugosi und Boris Karloff sind im Streifen zu sehen, zum ersten von anschließend einigen Malen. Außerdem adaptiert es die damals nicht gerade unbeliebten Geschichten von Edgar Allan Poe, zumindest im Namen an sich, ich kenne die Originalgeschichte zwar nicht, aber abgesehen des Auftretens einer schwarzen Katze kann ich mich nicht erinnern, irgendwas hiervon in der Episode der Masters of Horror gesehen zu haben. Kunden über False Advertisement zu locken gab es halt auch schon in 1934.

Ein junge Pärchen, Peter und Joan, macht auf Reisen durch Ungarn in ihrem Zugabteil die Bekanntschaft mit Dr. Werdegast, ein Psychiater der ihnen erzählt, dass er in den Krieg zog, 15 Jahre in einem Gefängnislager zubrachte, seine Frau verlor, und nun auf dem Weg zu seinem Freund, den österreichischen Architekten Poelzig ist. Das Trio hat einen Unfall, der ihr Vorankommen zum Stillstand bringt, doch praktischerweise ist das Haus von Poelzig, gebaut auf den Ruinen eines ihm im Krieg unterstehenden Forts, nahe, so dass sie dort Unterschlupf finden.

Eigentlich keine glückliche Fügung, denn Poelzig verriet das Fort damals an den Feind, weswegen Werdegast gefangen genommen wurde, während Poelzig sich dessen Frau schnappen konnte, die er jetzt a la Blaubart mit anderen Schönheiten in Glassärgen im Keller aufbewahrt. Werdegast plant Rache, Poelzig hingegen Joan in einem Ritual seines Satanskultes zu opfern.

Wo bleibt dabei die schwarze Katze, die den Titel gibt? Werdegast hat eine panische Angst vor Katzen, und Poelzig hält sich eine im Haus, die seinen Feind durch ihre bloße Anwesenheit aus der Bahn werfen kann. Ernsthaft gesagt wäre dem Film nichts genommen, wenn es sie nicht gäbe. Es wird nicht mal genau geklärt, ob diese Phobie eventuell eine indoktrinierte ist, und Poelzig sich die Katze bewusst als Waffe gegen Werdegast hält.

Es ist sicherlich ein langsam-schreitender Film, ich mag ihn nicht langweilig nennen wollen, denn er geht ja nur die üblichen 60-70 Minuten der Universal-Produktionen der Ära, von daher hat er nicht wirklich die Chance zu lang zu wirken, aber ein wenig ziehen tut er sich vielleicht doch. Als bei der 30-Minuten-Marke alle Spielsteine bereits auf ihrem Platz zu sein schienen, war ich echt etwas am Zweifeln, was da noch 35 weitere Minuten füllen soll.

Es ist also kein Film mit einem großen Knalleffekt, was schon fast ironisch ist, denn am Ende wird das Haus über eine Explosion zerstört, so viel Knalleffekt, wie der Klimax in wenigen dieser frühen Universal-Filme ihn wirklich hat. Nur dahin zu kommen ist halt viel Gerede, welches dadurch gerettet wird, dass es eben ein Psychospielchen zwischen den beiden Größen Lugosi und Karloff ist, bei denen die beiden anderen Schauspieler schnell blass wirken.

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Universal Monsters – Invisible Man

ava-1782Mit dem Unsichtbaren kommen wir zur dritten Universal Monster Ikone, die uns die 30er brachten. Das wird auch die letzte sein, es sei denn man zählt Frankensteins Braut hinzu, denn der Wolfmensch und die Kreatur kommen erst je ein Jahrzehnt später aufs Tablett. Das Ding basiert übrigens auf einem Buch von niemand anderem als H. G. Wells.

Was vielleicht auch zeigt, warum der Film etwas komplexer ist, als sonst. Oder auch nicht, wir hatten ja schon einige Monster, die nicht wirklich solche waren. Jedenfalls ist der Unsichtbare ein brillanter Wissenschaftslehrling, der eben ein Tonikum entwickelt hat, welches ihn unsichtbar machte. Dummerweise hat er noch kein Gegenmittel entwickeln können, und das ist auch schwer, wenn man sich bei seinem Professor und dessen Tochter und eigener Verlobten ob des aktuellen Aussehens nicht mehr zeigen kann. Auch abgeschieden komplett einbandagiert fällt man ziemlich auf, vor allem wenn man dann noch herrische Gewaltanfälle hat. Denn die Nebenwirkung zu den Wirkstoffen der Unsichtbarkeit ist auch ein langsamer Verfall in den Wahnsinn.

Da kommt man schon so auf einige Ideen, was man damit anfangen könne, wenn keiner einen sehen kann. Beispielsweise sich monetär bereichern. Oder aus Spaß an der Freude jemanden umbringen, nur um zu zeigen, dass man es kann und damit davon kommt, wenn man dabei nicht gesehen wird. Man kann sogar so mutig sein, dies alles direkt unter den Augen andere zu machen, Identifikation muss ja nicht gefürchtet werden. Und dann natürlich die Implikation dessen, was das Militär alles mit unsichtbaren Armeen anfangen kann, wenn ihnen das Tonikum verkauft würde.

Das ist ein interessantes Konzept, sicherlich, allerdings muss ich sagen das ich den Film von der Umsetzung her weite Strecken über langweilig fand. Dafür scheint er im Mittelteil etwas zu ziellos zu sein, und so wirklich warm mit einem Charakter wird man auch nicht, um gegen oder für den Unsichtbaren, seinen Kollegen, oder die Verlobte fiebern zu können.

Dafür ist die Technik natürlich für die damalige Zeit bahnbrechend. Es wird eben nicht nur permanent Luft gefilmt, ein Schauspieler unter Bandagen, oder an Drähten schwebende Gegenstände. Nein, es gibt auch Szenen, bei denen der Unsichtbare sich entkleidet und langsam darunter das Nichts zum Vorschein kommt, in einem Vorreiter zum Bluescreen-Effekt. Das ist schon recht cool, wenn man bedenkt, dass der Film von 1933 ist. Aber eben, sobald jene tricktechnische Leistung ob ihres Alters nicht mehr den Wow-Effekt bringt, kommt ein etwas blasser Film darunter zum Vorschein.

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Universal Monsters – Old Dark House

ava-1759In den 30ern war der Universal Horror mehr als lebendig, The Old Dark House ist beispielsweise bereits der dritte Film, der alleine im Jahr1932 raus kam, nach The Mummy und Murders in the Rue Morgue. Und ein weiterer weniger bekannter Eintrag, da ein weiterer Punkt in der Universal-Monsters-Liste, bei dem es per se kein wirkliches Monster im klassischen Sinne gibt.

Woran mich The Old Dark House allerdings stark erinnerte, war das 1927er The Cat and the Canary. Teilweise auch einfach, weil es das gleiche Bühnenstück-Gefühl verbreitet. Bei The Cat and the Canary lag das sicherlich daran, weil es eben auf einem basierte, was bei The Old Dark House nicht der Fall ist, allerdings kommt Regisseur James Whale vom Theater, von daher ist es wohl ihm zu schulden.

Denn auch hier haben wir es mit einer Gruppe illustrer Menschen zu tun, die lediglich für den Zeitraum einer Nacht in einem Haus eingesperrt sind. Das ganze Ding findet also mit dem gleichen, beständigen Grüppchen an Charakteren, in den gleichen drei oder so Räumen statt, die mehr oder weniger viel Grund haben, sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen, während sie darauf warten, dass der Sturm, der sie hier hat stranden lassen, vorüber zieht. Das ist tatsächlich sehr Stage-Play-esque aufgezogen.

Es hat auch ein wenig was von Poe, denn die beiden unfreiwilligen Gastgeber in diesem Haus sind zwei ältere Geschwister, die ziemlich fremdeln und offensichtlich-mysteriöse Andeutungen machen. Dazu noch ein stummer Hüne von Butler (Boris Karloff), der über 100 Jahre alte bettlägrige Vater, und eine verriegelte Dachkammer, und schon haben wir die Ingredienzen für ein gehütetes Familiengeheimnis, das die darin involvierten über die Jahre an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Unser hiesiges „Monster“, wenn man das denn so will, ist dann auch schlichtweg ein Verrückter.

Was ich an The Old Dark House gut fand, und was mich erneut erwähnend an The Cat and the Canary erinnerte, ist das sich das nicht alles so super ernst nimmt, sondern nur halb, während der Film unter seinem Geschehen immer so etwas trockenhumorig bleibt. Sowohl was die Dialoge der Charaktere angeht, als auch wie überspitzt er die ganzen Haunted House Klischees abgrast. Dennoch war mir das Ergebnis aber doch etwas zu spröde. Es dauert mir einfach viel zu lang, bis wirklich was im Film geschieht, während man die Charaktere ganz unprovoziert ihre tragische Lebensgeschichte Wildfremden erzählen, und die Szenenwechsel schon fast fragmentiert denn organisch wirken.

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Universal Monsters – Rue Morgue

ava-1744Nach den drei ikonischen Monstern Dracula, Frankenstein und der Mumie, ging es anschließend bei Universal im Horror wieder mit nicht ganz so popkulturell bekannten Filmen weiter. Beispielsweise war noch im gleichen Jahr wie The Mummy der erste von drei Filmen mit Bela Lugosi basierend auf einer Geschichte von Edgar Allan Poe am Start: Murders in the Rue Morgue.

Der Film findet in Paris 1845 statt, und startet auf einer Freak Show, bei dem sich Pierre und seine Verlobte die schrägen Attraktionen anschauen, wie exotische Bauchtänzerinnen („glaubst du deren Haut ist wirklich so braun, oder malen die sich nur an?“) oder amerikanische Ureinwohner („rothäutige Barbaren“). Da zieht sie der Dr. Mirakle in sein Zelt mit dem Affenmenschen Erik, der sich als einfacher Gorilla herausstellt (gespielt mal von einem Schimpansen und mal von einem kleinen Mann im Kostüm), mit dem Mirakle meint sich unterhalten zu können.

Was keiner weiß ist, dass der verrückte Dr. Mirakle plant, eine Gefährtin für seinen Erik zu finden, aber dafür erst mal testen muss, ob deren Blut rein genug ist, denn der moderne Mensch ist wesentlich unwürdiger denn ein rein-animalischer Affe. Dies tut er, in dem er sich Prostituierte von der Straße schnappt, in seinem Labor fesselt, und dort Affenblut in die Venen injiziert, um die Kompatibilität zu prüfen, was bereits 4 Leichen mit sich gezogen hat. Doch jetzt ist er davon überzeugt in Pierres Verlobten die Richtige getroffen zu haben.

Poes auch in der Regel nicht allzu ausschweifend lange Geschichten bieten sich glaub ich eher für kürzere Projekte an, und Murders in the Rue Morgue geht auch nur ziemlich genau eine Stunde. Kurioserweise scheint allerdings der Originalschnitt wesentlich länger gewesen sein, Universal war jener aber zu brutal und lies vor Veröffentlichung ordentlich kürzen. Das ist etwas schade, denn etwas mehr Biss hätte der Film haben können. Es gibt einige beunruhigende Settings, wie wenn die Hure auf der nebligen Straße angegriffen wird, oder wenn das Opfer im Labor gefesselt da hängt, aber die sind häufig so kurz oder anderweitig schwer das Geschehene zu erkennen, besonders das Finale kann man verpassen,wenn man zur falschen Zeit blinzelt.

Ansonsten ist ziemlich interessant, wie viel Stereotypen von Detektivgeschichten hier doch drin sind, wenn man mal bedenkt, dass die Originalgeschichte von Poe eigentlich erschienen ist, bevor es dieses Genre richtig gab, also prägend gewesen sein wird. Unser Detektiv Pierre ist ein kluges Forscherhirn, der eigentlich zu schnell auf Zusammenhänge kommt. Er lebt zusammen mit einem Sidekick, der sich wie eine Ehefrau aufführt. Der verrückte Wissenschaftler als obsessives Gegenstück zum begabten Pierre.

Macht auch Murders in the Rue Morgue zu einem kurzen, sehenswerten Happen, wenn man sich in die schwarz-weiße Zeit der Horror- oder Detektivfilme verirren, oder als Fan von Bela Lugosi dessen Oeuvre verfallen will.

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