007 Sunday – Skyfall

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Da sind wir nun. 26 Bond Filme später, gestreckt um ein paar ausgefallene Wochenenden zwecks notorischer Unlust, ist das Ende der 007 Sundays erreicht, mit dem 23. Eintrag in die Eon-Filme, Skyfall, der zudem auch das 50. Jubiläum derer Linie feierte. So einen passenden Abschlussfilm hatte ich nicht mehr seit Godzilla: Final Wars zu dessen 50.!

Und ganz wie Final Wars ist auch Skyfall der Film, den anzuschauen mir am meisten Spaß bereitet hat. Wer dachte ich hätte zu viel zu Casino Royale (2006) verbal masturbiert, Skyfall gab mir konstante, trockene Orgasmen. Was ein Film, the Bond movie to end all Bond movies. Der The Dark Knight und gleichzeite The Dark Knight Rises der Bonds. Und ironischerweise der Bond-Film, der mich wahrscheinlich von den beiden geplanten weiteren Daniel Craigs absehen lässt, obwohl ich nach Casino Royale durchaus gehyped auf seine Ära war, weil ein zweites Skyfall wird sicherlich eine geraume Weile nicht mehr geschehen können, definitiv nicht mit dem gleichen Bond. Das wäre sowieso mal eine Idee, wie wäre es, wenn mit jedem Bond-Akteur die Reihe einen neuen Reboot bekommt? Jedes Mal wieder ohne Altlast anfangen und eine Trilogie wie Casino Royale zu Skyfall machen – persönliche, an den Charakter von Bond herangehende, Filme, die scheinbar eine übergreifende Charakterarc haben, statt Bonds Abenteuer des Tages zu sein?

Anyways, gewohnt spannend geht es natürlich los, mit ganzen 15 Minuten, in denen Bond sich eine Verfolgungsjagd liefert, zuerst über die Dächer von Istanbul, dann geht es weiter auf einem Zug. Und dann wird Bond erschossen, von einer anderen MI6-Agentin, da M die harte Entscheidung treffen musste, dass die Möglichkeit den Terroristen, der die Datenbank aller Agenten gestohlen hat, auszuschalten, die Möglichkeit aufwiegt, im Gerangel versehentlich auch Bond treffen zu können. So ist das Agentenleben nun mal, du wirst eher nicht alt, und du bist austauschbar, deine Bosse haben das Wohl der Nation gegen dein Leben aufzuwiegen. Und nahtlos geht’s über in die Titelsequenz, in der zwar die üblichen ein oder zwei Shots auf nen nacktes Mädel untergebracht sind, die aber nach dem eher drögen Quantum of Solace wieder eine coole Sequenz zeigt, die ich gern als „im Persona-Style“ bezeichne.

Bond ist natürlich nicht tot, gilt aber als solches, und wenn man die Chance auf einen Ausstieg aus dem Spiel bekommt, nimmt man sich als desillusionierter Veteran jene auch. Bis er Wind davon bekommt, dass seine Heimat in Gefahr ist – das MI6 und M selbst stehen unter Beschuss von Terroraktionen, sowie M auch bald auf der Abschussliste der Regierung ob jener unverhinderten Zwischenfälle.

Dass die Geschichte relativ durchschaubar wird, bei so einem Leadup klar ist, dass da ein ehemaliger Agent, der ebenfalls unter einer harten Entscheidung Ms zermalmt wurde, eine persönliche Vendetta gegen seinen ehemaligen Arbeitsgeber und dessen Oberhaupt hat, ist natürlich mehr als klar. Wenn das jedoch so modern und genial inszeniert ist, man vor brandheißer Action abwechselnd mit wunderschön inszenierten Shots nicht zum Durchatmen kommt, wen stört das schon? Und mal ehrlich, die komplexesten und intelligentesten Speerspitzen des Filmschauens sind die Bonds alle nicht.

Ich war sowieso immer ein Fan von Judi Dench als M, und da dies hier ihr letzter Auftritt in der Rolle ist, hat man sie noch mal ordentlich in den Mittelpunkt gestellt. Sie zeigend als die harte Dame, die eben jene Entscheidungen zu treffen hat, das Leben ihrer Agenten gegen den Nutzwert ihres Todes abwägen muss, und dies ihr durchaus nicht unbedingt leicht fällt, aber einer muss es halt machen und Schwäche zeigen darf man anschließend eben auch nicht. Und Bond als langsam alternden, desillusionierten Agenten, gegenüber einem Gegenspieler, der mal wie er war, bis er sich halt verraten fühlte. Das Ganze wird eben auch viel persönlicher und Charakter-zentrischer, wenn der Kampf plötzlich zuerst nach London ins MI6 und dann sogar nach Bond Manor gebracht wird – wo wir sogar einen Satz oder zwei über seine Kindheit zu hören bekommen (wäre es nicht grenzgenial gewesen, wenn der alte Schotte, der auf das Anwesen aufgepasst hat, von Sean Connery gespielt worden wäre?)

Der neue Q ist kein alter Knacker, sondern ganz modern ein niedlicher Nerd-Typ um die 30. Es gibt einen Abstecher in die glitzernden Metropolen der neuen Weltmacht China. Moderne Kriegsführung und vor allem Spionage findet hinter Computern statt, und statt eines Krieges zwischen Nationen fürchten Industrienationen stattdessen eher Terroristen, die zudem wesentlich besser im Schatten bleiben können. Skyfall ist die Quintessenz eines modernen Bondfilmes. Aber als Film zum 50. Jubiläum lässt er sich kleine Nods auf die lange Geschichte der Franchise eben doch nicht nehmen, was durchaus auch seinen Charme ausmacht.

Zu sagen, dass Skyfall mit weitem Abstand mein Favorit unter den Bonds ist, mag nach all dem nicht überraschen, aber wenn man mal bedenkt, wie wenig ich mich um die meisten Filme kümmere, auch grundsätzlich erst mal nicht die größte Errungenschaft sein. Was ich aber immer gesagt habe, ist, dass die Bond-Filme zumindest auf einem technischen Level kompetent gemacht und vor allem bildhübsch inszeniert sind. Von daher ist es schon eine größere genommene Hürde, wenn ich auch meine, dass Skyfall der bestaussehende Eintrag der Franchise ist. Die wunderschöne Szenerie; die Bildkompositionen; das Spiel mit Farben, Licht und Schatten… es gibt kaum einen Frame in diesem Film, der nicht interessant fürs Auge ist, und dann passend dazu noch der wuchtige Soundtrack – Skyfall klotzt statt zu kleckern.

Bond Girl: Es ist etwas schade, dass die meisten Bond-Filme ein Girl haben, der ich den Titel „Todesfick“ geben kann, womit sofort klar wird, was für eine Minirolle sie erfüllen, wie das auch in Skyfall für Bérénice Marlohe der Fall ist. Naomie Harris als Eve bekommt da schon mehr zu tun, wenn sie ob der Natur der Handlung her natürlich auch hauptsächlich nur in der ersten Hälfte des Filmes ist. Als MI6-Agentin darf sie jedoch ordentlich auf den Putz hauen, gerade im Pre-Titel-Opener ist sie ein richtiger Badass.

Bond Bösewicht: Javier Bardem miemt Raoul Silva, den durchgedrehten Kerl, der als Agent blind M vertraute, bis sie dessen Leben gegen einen größeren Nutzwert abwägen musste, weswegen er sich verraten fühlt und nun M vernichtet sehen will. Ein gutes Motiv für einen Schurken, und dazu auch noch unterhaltsam gespielt von einem zunächst foppishen, später durchgedrehten Akteur.

Bond Himself: Craig ist schon alleine deswegen mein liebster Bond, weil er einfach den am interessantesten geschriebenen Bond spielen darf. Ihn hier zu Beginn desillusioniert zu sehen, wegen des Schulterschusses seine Kraft zu bändigen, sowie ihn am Ende in sein Elternhaus zu bringen und seine Überzeugung zu seinem Beruf zu verstärken, macht Skyfall auch zu seiner vielschichtigsten Inkarnation eines meist sehr eindimmensionalen Charakters.

Action: Nonstop würde ich sie nicht mal nennen, aber es fühlt sich im Nachhinein fast so an. Irgendwie ist einfach immer was los, und vor allem wenn wir dann mal in einer von den zahlreichen Actionsszenen sind, reißt die cool inszenierte Sache so schnell sicherlich auch nicht ab.

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007 Sunday – Quantum of Solace

ava-1483Es lässt sich den wenigsten Bond-Opening-Credits nachsagen, nicht stylisch oder zumindest interessant anzusehen zu sein. Doch mit jedem Film, den wir uns weiter von den 70ern entfernen, finde ich ja die Nötigkeit von Random Naked Chicks geringer, seit den 90ern eigentlich nur schrecklich fehl am Platze wirkend. Das Opening von Casino Royale (2006) war ja so cool, dagegen wirkt das von Quantum of Solace mit seinen weiblichen Silhouetten und regnenden Bonds wieder wie ein Relikt.

Quantum of Solace ist sozusagen mit den Aufräumarbeiten zu Casino Royale beschäftigt. Bond hat Vesper Lind verloren, durch die Intrigen einer Super-Geheimorganisation, von dessen Existenz das MI6 bisher gar nicht mal wusste. Doch hat Bond am Ende des letzten Filmes ja Mr. White schnappen können, den er mit M nun verhören will. Der lacht sich aber nur ins Fäustchen, hat Quantum doch selbst das MI6 unterwandert bekommen, wodurch ihm erneut die Flucht gelingt.

Bond versucht der Spur zu folgen, die immer wieder droht kalt zu werden, da er eine Eigenschaft hat Leute umzubringen, bevor sie mit Infos rausrücken können, landet jedoch letztendlich bei Camille Montes, deren Liebhaber Dominic Greene sie umgebracht sehen will, da sie ihn nur benutzt um an einen Diktator zu kommen, der ihre Familie auf dem Gewissen hat. Und einen Dominic Greene hintergeht man nicht, ist er doch nach außen hin der karitative Wohltäter, kauft seine Umweltschutzzonen aber wegen ganz anderer Motive, und ist ein ganz Hoher bei Quantum. So plant er beispielsweise momentan ganz Südamerika dadurch zu kontrollieren, dass er den Großteil der Wasserreservoirs sein Eigen nennen wird.

Es gibt mehrere Filme, deren Hauptaugenmerk eine persönliche Vendetta Bonds ist, weil er einen seiner wenigen nahestehenden Menschen verloren hat, häufig auch mit der Frage spielend ob diese fixierte Rachenahme nicht ins Unglück führt. Aber keiner dieser Filme scheint aus jener Prämisse wirklich je viel zu machen, und leider gehört dazu auch Quantum of Solace. Genau wie die moderene Thematik des Wassers, um das vielleicht eines Tages WWIII ausbricht, schnell untergeht.

Was wirklich schade ist, denn es ist ein gewohnt schick inszenierter Film, mit deftiger Action, schnellem Schnitt (und mal wieder ein Bond von unter 2 Stunden!), attraktiven Locations… aber ohne den gewissen Funken. Es gibt einige Bond-Filme, denen merkt man an, dass hier jemand den besten Bond-Film abliefern wollte, den er machen konnte. Und es gibt Bond-Filme, die mehr wirken wie die Obligation eines neuen Filmes alle 2-3 Jahre erfüllen zu müssen. Und nach dem „hier haben sich alle ordentlich ins Zeug gelegt“ tollen Casino Royale wirkt Quantum of Solace eben wieder ein wenig „shoe-horned in“. Kein langweiliger Film, aber auch ohne Ambition.

Bond Girl: Gemma Arterton ist ein non-Charakter, die zwei Sätze mit Bond hat, mit ihm schläft, und dann stirbt. Olga Kurylenko spielt Camille Montes, die alles tun würde, wenn es sie ihrer Rache näher bringt, und der jene immerhin im Finale parallel zu Bonds Kampf gegen Greene auch gegönnt wird. Aber wie so vieles im Film wirkt ihre Story erneut ein wenig emotionslos dahingeklatscht.

Bond Bösewicht: Mathieu Amalric ist Dominic Greene, bringt durchaus gute Leistung, aber ist auch kein herausragender Charakter in der Riege der Bond-Bösewichter, da ist der schmierige Mr. White fast interessanter.

Bond Himself: Ich mag, dass auch Quantum of Solace erneut ordentlich Salz in Bonds Charakterschwächen streut, darauf aufmerksam macht – sein verursachter Body Count wird schon fast zum makabren Running Gag. Doch Craig ist hier wie alles andere auch am Film: Kompetent, ok, aber etwas ernüchternd.

Action: Die Verfolungsszene zu Beginn in Siena ist ein Paradebeispiel dafür, wie man hektisch-schnelle Action-Szenen zu schneiden hat. Solche Szenen sind so hektisch um ein gewisses Gefühl hervorzurufen, sicher, jedoch sollte man immer noch dem Geschehen auch folgen können, eine Sache, die einigen modernen Actionfilmen verlustig geht. Hier nicht. Der Film ist voll mit solchen Szenen (der Kampf simultan zur Oper ist ein weiteres Highlight), letztendlich vielleicht sogar ein oder zwei zu vielen – nicht jeder Kampf muss wackelig gefilmt werden.

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007 Sunday – Casino Royale 2006

ava-1478Zeit für ein Geständnis: Die 007 Sundays gibt es nur wegen den Filmen mit Daniel Craig. Wie bereits ganz zu Beginn erwähnt, war ich nie sonderlich an den Bond-Filmen interessiert. Aber dann gingen alle auf Skyfall so ab, selbst jene, die weniger mit den Filmen anfangen konnten. Also dachte ich mir, wäre es vielleicht doch mal eine Maßnahme, mir zumindest die Craig-Bonds anzuschauen. Nur kam ich dann auf die irrwitzige Idee, dass es sogar noch besser sein könnte, alle Filme zu schauen, um die Evolution der Serie über die letzten 50 Jahre mitzubekommen.

M hat gerade einen neuen, vielversprechenden Agenten zur Doppel-Null erklärt, sich ob dessen doch eher Kopf-durch-Wand-Vorgehensweise nicht so sicher, ob dies eine gute Idee war. Der Namen jenes Blondschopfs? Bond, James Bond. Der Gute jagt dann auch direkt mit viel schlechter Publicity eine Botschaft in die Luft, beim missratenen Versuch einen Bombenleger nach seinen Auftraggebern auszufragen. M zieht ihre Entscheidung also noch mal ordentlich in Betracht.

Doch so leicht lässt sich Bond nicht ruhig stellen, investigiert auf eigen Faust weiter, und kommt letztendlich Le Chiffre auf die Schliche, der für die großen Verbrechensorganisationen Geld vermehrt, momentan aber das Problem hat, dank Bonds Eingreifen das Geld am Aktienmarkt verspielt zu haben, was ihn auf deren Todesliste setzt. Allerdings erhofft sich Le Chiffre bei einem großen Bakkarat-Spiel in Monte Carlo dies zurückzuholen, während sich das MI6 erhofft, ihm dies zu verwehren, auf dass er bei ihnen Zuflucht suchen muss im Austausch gegen die Namen seiner Geschäftspartner. Da Bond der beste Glücksspieler ist, wird er auch ganz offiziell wieder auf den Auftrag angesetzt.

Ich hatte sofort ein gutes Gefühl bei Casino Royale – Klappe die Dritte. Ein Reboot, der sich alle vorigen Filme (auch wenn die selten wirklich direkten Bezug aufeinander nahmen) entledigt, auf dass alles nochmal bei (Doppel-)Null anfangen kann, mit einem fehlbaren Bond und alles mal ordentlich grundsaniert? Immer her damit. Wenn dann noch die stylische Pre-Titelsequenz in s/w Bonds erste noch eher unbeholfen-brachiale Morde zeigt. Und dann die eigentliche Titelsequenz, die prompt aus einem Persona sein könnte? Doch, doch, ich hatte schnell ein gutes Gefühl bei Casino Royale, Version Eon Films.

Und dies blieb dann auch so. Moderner Bond liegt mir doch einfach so viel besser, weil mir modernes Action-Kino besser liegt. Die Fights sehen besser aus, haben mehr Wuchtigkeit hinter sich. Bond ist nicht so gelackt und der Film sich dessen Fehlzügen durchaus bewusst, statt ihn zu glorifizieren. Die Mädels sind alle schlau und sexy, die Setpieces spektakulär, die Szenerien gewohnt atemberaubend und gut gefilmt… einfach herrlich. Der Film ist mit 2.5 Stunden zwar mal wieder überlang, aber kam mir wesentlich kurzweiliger vor, als so einige Vorgänger, weil einfach immer was los ist, und das nicht nur an Action, sondern auch an Charakterinteraktion (die Szene in der Dusche hätte man in einem „alten“ Bond nie zu sehen bekommen) und – endlich! – auch viel Agenten-Verwirrspielt. Um die Nebencharaktere, die manchmal interessanter denn Bond waren, war es auch in einigen früheren Filmen etwas schade, aber erneut nicht hier, Casino Royale weiß eine Judi Dench auch zu nutzen.

War also tatsächlich bisher mein Favorit unter den Bond-Filmen, eben wegen der moderneren Mentalität, weil nicht so altbacken und angestaubt, weil cooler und mit mehr Grauschattierungen. Genau genommen der erste Bond, für den ich mich sogar richtig begeistern konnte. Und übrigens trotz bereits zwei Vorversionen relativ frisch, da die Climax-TV-Version immerhin unter eine Stunde ist und die Version aus den 60ern dank Parodie und drölfzig verschiedenen Regisseuren sich doch wesentlich von dieser Version unterscheiden.

Bond Girl: Caterina Morino ist der übliche „Todesfick“, sprich sexy aber nach einem kurzen Techtelmechtel mit Bond auch schon tot, bevor sie wirklich zur Geltung kommen konnte – jedoch immerhin schlau genug, sich bewusst zu sein, dass Bond sie nur ausnutzt. Eva Green als Vesper Lynd ist ziemlich genial, sowohl der zerbrechlich Fisch außer Wasser, wie Willensstark, mit einer schneidigen Zunge, und perfektem Zusammenspiel zu Bond. Lediglich die Liebelei-Dialoge der beiden gegen Ende des Filmes sind ein Schwachpunkt, da so schrecklich künstlich, sie könnten direkt aus Twilight stammen.

Bond Bösewicht: Mads Mikkelsen, den so einige wahrscheinlich mittlerweile als den Titelgeber der neuen TV-Serie Hannibal kennen, verkörpert Le Chiffre, den kühlen und berechnenden Börsenspezialisten, der so sehr in die Ecke gedrängt wird, dass er nichts mehr zu verlieren hat, was dementsprechend auch ordentlich seine Kontenance immer wieder bröckeln lässt. Beides wirklich gut verkörpert. Allgemein wird man in diesem Bond keinen schlechten Akteur entecken.

Bond Himself: Der knackige Daniel Craig darf zum ersten Mal in den Anzug springen, und macht seine Rolle ganz gut. Wie erwähnt gefällt mir dieser Anfänger-Bond sowieso viel besser, denn zum einen bröckelt seine arrogante Superheldenfassade immer wieder ordentlich, weil ihm eben die Situation doch häufiger zu entgleiten droht, zum anderen wird seine Kaltschnäuzigkeit – wenn auch für seinen Beruf hilfreich – nicht zwangsläufig als was Gutes im menschlichen Gesichtspunkt dargestellt. Ein fehlbarer und verletzlicher Bond ist eben wesentlich interessanter anzusehen.

Action: Nie war die Action so gut inszeniert, so gut gefilmt, so gut choreographiert, so schön brachial wuchtig anzusehen, und auch die gigantischen Setpieces sind natürlich wieder dabei. Bei der Jagd in Madagaskar, beim Kampf durchs halbe Treppenhaus, bei der Folterszene gegen Ende, bei all dem ist das Adrenalin doch ordentlich am Pochen.

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007 Sunday – Die Another Day

ava-1469Okay, Die Another Day hat eine der coolsten Titelsequenzen bisher, aber Madonnas Song ist ja mal absolut schrecklich und unpassend. Die hat übrigens auch einen kurzen Cameo-Auftritt hier. Angeblich wollten die Bond-Macher ja bereits im vorigen Film mit Denise Richards auch wieder ein jüngeres Publikum ins Boot holen, was die nicht wirklich passenden Songs, die ein paar Mal im hiesigen Film eingespielt werden, zusammen mit der Titelsequenz erklären würden.

Bond ist diesmal in Nordkorea, wo er dem mit Waffen gegen Blutdiamanten handelnden General Moon auf die Schliche gekommen ist. Bond fliegt auf, was allerdings darin endet, dass Moon stirbt, Bond von dessen Vater gefangen genommen und über unbestimmte Zeit gefoltert wird – lang genug, um Haare und Bart zum Waldschrat wachsen zu lassen, aber an die Knochen oder Fingernägel von Bond sind sie trotz Unkooperation noch nicht gegangen.

Letztendlich wird Bond in Austausch gegen den schwerstkriminellen Zao freigelassen, wobei M ihm klar macht, dass Bonds Leben die Freilassung eines solch gefährlichen Individuums nicht wert war. Außerdem bekommt er seine Lizenz entzogen, da Infos geleaked wurden und anzunehmen ist, Bond ist während der Folter doch eingebrochen.

Bond lässt das natürlich nicht auf sich sitzen und begibt sich deswegen auf die Spur von Zao, was ihn zunächst nach Kuba bring, wo er Agentin Jinx flachlegt, eine DNA-verändernde Klinik entdeckt, und darauf kommt, dass Milliardär Graves Dreck am Stecken hat. Hat der natürlich wirklich, so arbeitet er nicht nur mit Zao zusammen, sondern birgt noch ein viel größeres Geheimnis um seine wahre Identität.

Eh… Die Another Day ist einer jener Bonds, die durchaus vollkommen kompetent gemacht sind, die ich aber insgesamt etwas Ambitionslos und langweilig fand. Obwohl er extrem Action-lastig ist, war ich häufig geistig doch am Abschweifen, da all dies hier so nach Schema F zu laufen scheint. Auch hat mir die Optik nicht ganz so zugesagt, die Grittyness des Films führt dazu, dass hier irgendwo die Farben fehlen, alles ausgewaschen und Grau wirkt, als wäre man in einem Bioware RPG. Und… mehr hab ich allgemein gar nicht zu sagen, kommen wir nun also ins Spezifische.

Bond Girl: Rosamund Pike als Frost ist blas und ihren Verrat sieht man Meilenweit kommen. Halle Berry ist die sexy Jinx, die sozusagen das weibliche Gegenstück zu Bond ist: Sprücheklopfend, selbstbewusst, und einem Techtelmechtel ohne Konsequenzen nie abgeneigt. Die beiden dürfen sich sogar Parallel zu Bond und Graves einen Finalkampf liefern, was ganz cool war. Etwas seltsamer war der kurze verbale Catfight darum, wer für Bond der bessere Fick war, obwohl sich beide eigentlich wenig darum scheren sollten (Frost schläft mit ihm, um ihn hinters Licht zu führen, Jinx weil sie halt Bock auf Sex hat, woher kommt da plötzlich dieses „mah man!“). Halle Berry als Schauspielerin ist ein Kuriosum für mich, weil die Gute sowohl einen Oscar wie eine Goldene Himbeere ihr eigen nennt. Und ob sie gut (Cloud Atlas) oder schlecht (X-Men) oder irgendwas dazwischen (Gattaca) agiert, scheint weitestgehend an ihrer Tagesstimmung zu liegen. Während des Filmens von Die Another Day scheint sie mal bessere und mal schlechtere Tage gehabt zu haben.

Bond Bösewicht: Zao ist fast so blas wie Frost, während Graves vielleicht nicht super unterhaltend als Bösewicht ist, aber doch zumindest hin und wieder eine Präsenz beweist. Am besten gefallen hat mir eigentlich das Fechtduell mit Bond, da sich die beiden eigentlich nicht so ungleich sind, geben den weltgewandten Gentleman, jedoch bricht der Höhlenmensch aus beiden schnell durch die aufgesetzte Schale.

Bond Himself: Pierce Brosnan spielt Bond routiniert, aber der hiesige Film gibt ihm auch nicht wirklich viel, mit dem er was anfangen könnte.

Action: Also hier dreht Die Another Day auf jeden Fall voll auf, Action gibt es eigentlich am laufenden Bande, und gerade große CG-Sachen sowieso, zu dem Punkt, dass sich Kinogänger teilweise sogar darüber beschwert haben, es würde alles von der Handlung ablenken. Aber so viel Handlung für seine üblichen über 2 Stunden hat Die Another Day nun auch wieder nicht, da muss man halt anderweitig füllen.

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007 Sunday – The World is Not Enough

ava-1460Robert King, ein alter Freund von M, hat das MI6 damit beauftragt ihm seinen Geldkoffer zurückzuholen, was Bond auch macht. Doch im Hauptquartier angekommen stellt sich heraus, dass das Geld zur Bombe umfunktioniert wurde, welches nicht nur die Räumlichkeiten des MI6 ramponiert, sondern auch King umbringt.

Dahinter zu stecken scheint Terrorist Renard, welcher vor Jahren die Tochter von King entführt und nach Lösegeld verlangt hat. M riet King damals dazu nicht zu zahlen und tatsächlich konnte Elektra ihren Peinigern entkommen. Allerdings hat Renard sich auch eine Kugel im Kopf eingefangen, die nicht entfernbar ist, und langsam durch sein Hirn wandert, dabei seine Schmerzempfindlichkeit zerstört, bis er an ihr sterben wird. Nichts mehr zu verlieren, aber noch eine Rechnung mit dem MI6 und den Kings offen habend, macht ihn zu einem gefährlichen Gegner.

Stellt sich raus dies ist nicht der einzige Gegner der Konzernerbin Elektra, denn Firma King macht in Öl und plant eine neue Pipeline vom Nahen Osten nach Europa, was natürlich die Monopol-Russen nicht so toll finden. Es ist sogar gut möglich, dass unter den Angestellten des Hauses Kings ein Verräter ist, der mit Renard zusammenarbeitet. Oder ist es hinterher doch eine an Stockholm-Syndrom erkrankte Elektra?

Ich find es ja witzig, wie Bond mal wieder zu Beginn des Filmes sich aus einer Tauglichkeitsprüfung herauswindet, in dem er ganz business as usual die Ärztin flachlegt. Eines Tages muss in einem Bond-Film so ein Charakter eine Lesbe sein, die ihm „danke fürs Angebot, aber ich steh nicht so auf Penis“ antwortet. Oder noch besser, ein Mann sein. Bekanntlich nutzen Agenten ja skrupellos jede Möglichkeit, die ihnen zur Verfügung steht – Bond hatte bisher nur das Glück, dass die Bettgefälligkeiten immer nur die Möglichkeit bei hübschen Frauen waren.

Egal, mir gefiel The World is Not Enough enorm gut, da es mal wieder ein sehr persönlicher Film ist. Sicher, wir hatten schon einige, die Bond nahe waren, aber hier geht es ums ganze MI6. In der Eröffnungssequenz wird zum ersten Mal deren HQ in London in Gefahr gebracht. Und der Bösewicht diesmal hat sogar noch eine persönliche Rechnung mit M offen (die hier ein paar coole Szenen bekommt), statt nur direkt mit Bond.

Überhaupt ist dies wohl der intelligenteste und raffinierteste Plot, den ein Bond-Film je hatte, und viel besser wird’s in der Franchise auch wohl nicht. Wir haben hier nämlich durchaus Wendungen und Charaktere, die nicht sind, was sie zu sein scheinen, sondern im Hintergrund planen und das MI6 an der Nase herum führen. Man sollte meinen in einer Filmfranchise über einen Geheimagenten wäre das ganz normal, ist es bisher aber leider eher nicht gewesen. Es wäre nur schön, wenn das alles etwas besser geschrieben wäre, eben der Zuschauer länger in der Dunkelheit tappen würde. Denn bereits zur Ein-Stunden-Marke wissen wir, welcher King-Angestellte mit Renard unter einer Decke steckt, was es ziemlich offensichtlich macht, dass da noch mehr dahinter stecken muss. Und kurz darauf macht es uns der Film auch schon ziemlich klar, wer denn noch ein Verräter ist, und man kann sich auch zusammenreimen warum, obwohl es dennoch mindestens eine weitere halbe Stunde dauert, bis der Film die „Überraschung“ wirklich finalisiert. Unter einem kompetenteren Drehbuchschreiber hätte aus der Idee hinter The World is Not Enough jedenfalls wesentlich mehr herausgeholt werden können.

Bond Girl: Mit Sophie Marceau und Denise Richards (die hatte in den 90ern beinahe eine Karriere) bekommen wir hier zwei Gegenteile geboten. Marceau versprüht europäische Klasse, Richards wirkt wie amerikanischer White Trash. Marceau zeigt, dass für die Rolle als Bond Girl eben genug hübsche Damen zur Verfügung stehen, die auch schauspielern können, während Richards zeigt, dass sie dennoch nur nach erstem Kriterium gewählt werden. Und Richards spielt nicht irgendeine Hupfdohle, sondern soll eine Wissenschaftlerin geben – und das in Tank Top und Shorts, mit dem Gesichtsausdruck, hinter dem der IQ eines Silberfischchens scheint.

Bösewicht: Renard ist wirklich ziemlich unterhaltsam, denn als jemand, der weiß, dass er unweigerlich demnächst zu sterben hat, hat er eben nichts zu verlieren. All die Drohungen und Spielchen, die Bond normalerweise anwenden kann, prallen an ihm einfach ab. Und auch (Spoiler) Elektra King ist genial, als die (nicht) überraschend Mit-Drahtzieherin hinter dem Ganzen, um ebenfalls persönliche Rache nehmen zu können, und ihr Unternehmen nebenbei noch zu verbessern. Vor allem wie sie Bond mit seiner üblichen Schwäche, alles wo er mal reingestoßen hat, nicht mehr auf dem Radar zu haben, auszutricksen weiß.

Bond Himself: Ich mag am Film vor allem auch, dass er zwar wie immer viele der üblichen Bond-Klischees abklappert, aber wie oben eben auch schon angesprochen teilweise nutzt, um sich entweder darüber leicht schwarzhumorig lustig zu machen, oder als offene Schwäche Bonds auch als solche zu zeigen. Dass er eben nicht zu jeder Zeit den Überblick hat und bei jeder Situation merklich Obenauf ist, macht ihn einfach interessanter.

Action: The World is Not Enough hat die wohl coolste Pre-Cedits-Sequenz der Reihe, und mit 15 Minuten wohl auch die längste.

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007 Sunday – Tomorrow Never Dies

ava-1453Ich glaub ich bin auch einfach zu zynisch für diese Franchise. Tomorrow Never Dies beginnt damit, dass Bond fürs MI6 einen Schwarzmarkt an Militärmaschinerie investigiert, und da gerade so schön viele Terroristen dort auf einem Fleck versammelt sind, schießt die britische Armee mal schnell eine Rakete ab. Nur das Bond natürlich genau dann Nuklearsprengköpfe entdeckt, die dort gelagert werden, also kidnappt er das Flugzeug, an dem sie angebracht sind, und fliegt in letzter Sekunde davon, bevor es zu einem Fallout kommen kann. So viel Pathos und Heroismus bereits in den Anfangsminuten hypen mich eher wenig, sondern lassen meine Augen wie ein Metronom kreisen.

Es hat mich zumindest viel zu lange gedauert, um zu merken, dass James Bond eigentlich nicht wesentlich anders ist, als Indiana Jones, nur das man das Archäologie-Abenteuer mit Spionage-Action austauscht und den Charme missen lässt. Finesse oder Subtilität sollte ich von den Filmen nicht erwarten, nur weil es um Supergeheimagenten geht.

Das wird dann auch in der übernächsten Szene klar, nachdem das britische und chinesische Militär gegeneinander ausgespielt wurde, eine Seite ein U-Boot, die andere einen Kampfjet zerstört bekommt, und jeweils die andere dafür verantwortlich macht. Denn dann zeigt uns der Film seinen Bösewicht, den Medienmogul Carver, der dies inszeniert hat, um eine gute Schlagzeile zu bekommen. Und will, dass die Briten die Chinesen stürzen, um sein Medienimperium nach Ostasien ausweiten zu können, statt von der kommunistischen Regierung geblockt zu werden. Wir haben es hier also mit einem Medienunternehmen zu tun, das Katastrophen forciert, um was zu berichten zu haben. Es gibt sogar einen Kerl in der gleichen Szene, der meint die neue Software wäre extra bug-infestiert auf den Markt gebracht worden, damit sie anschließend den Kunden Updates andrehen können. Das ist ziemlicher Schwachsinn und alles andere als subtil vom Film, sondern schon wesentlich näher an „9/11 was an inside job“-Verschwörungsdummheit.

Dabei ist die Idee an sich Ok und auch recht modern wie eigentlich der ganze Film. Die Russen sind nicht mehr die aufkommende Weltmacht, sondern die Chinesen. Waffenhändler und böse Organisationen, die böse sind, um böse zu sein, sind nicht mehr die Gegner, sondern Großkonzerne, denen es um Macht und Gewinn geht. Bond nutzt die Girls weniger als Frischfleisch, sondern sieht sie als menschliche Wesen, um die er sich was kümmert. Aber auch hier wieder weniger subtil dank musikalischer Untermalung etc. durch welche die Szenen etwas zu kitschig wirken und man sich fragt, ob er sich nicht doch etwas zu viel um eine Agentin einer anderen Weltmacht sorgt, die er erst kürzlich getroffen hat.

Dafür hat Tomorrow Never Dies einen Knight-Rider-esquen BMW, der mit Frauenstimme in deutschem Akzent mit ihm redet, und das im klischeehaft streng-befehlendem Ton. Wenn das Teil nicht mal das Highlight des Filmes ist, dann weiß ich auch nicht.

Was ich damit wohl sagen will ist, dass Tomorrow Never Dies mich auch nicht für die Reihe hypen konnte, er aber durchaus ganz gut und leicht verdaulich war (und endlich mal unter 2 Stunden blieb) und ich vielleicht einfach häufig falsche Erwartungen an die Serie stelle, sozusagen mein „How I stopped worrying and learned to not mind the Bonds“.

Bond Girl: Teri Hatcher ist die Ex von Bond, die selbstverständlich nie über den Superstecher hinweg kam, uns eine heiße Szene bietet, und dann nach dem Todesfick aus dem Film verschwindet (ernsthaft, ich hätte eine Liste anfangen sollen, wie viele Girls mit Bond schlafen und in der nächsten Szene tot aufgefunden werden). Michelle Yeoh ist das moderne Bond Girl, nämlich eine die Situation gut handeln könnende Agentin, die Bond mindestens so viel hilft, wie er ihr.

Bond Bösewicht: Jonathan Pryce ist Medienmogul Carver und ich hab weder gutes noch schlechtes über ihn zu sagen. Er ist etwas zu überzeichnet, um als cooler Bösewicht herauszustechen, aber nicht überdreht genug, um cartoonig launig zu sein.

Bond Himself: Es ist sicherlich kein großes Geheimnis, dass ich den früheren sexistischen, aufgeblasenen Chauvinisten nicht leiden konnte. Die modernen Bonds subtrahieren netterweise diese unangenehmen Charaktereigenschaften… geben Bond aber nicht wirklich viel, um sie zu ersetzen, weswegen ich den Brosnan-Bond durchaus ok aber etwas blass finde.

Action: Nichts herausstechendes. Warte, stimmt nicht, die Verfolgungsjagd auf dem Motorrad, bei der Brosnan und Yeoh mit Handschellen aneinander gefesselt waren, war ziemlich cool.

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007 Sunday – GoldenEye

ava-1446Auf Grund von Rechtestreitigkeiten musste ganze sechs Jahre gewartet werden, bis der nächste Bond in die Kinos kam, womit das Brosnan-Debüt GoldenEye beweisen musste, dass sich sowohl die Wartezeit gelohnt hat, die Serie modern genug für die 90er ist, sowie der neue Schauspieler in die Rolle passt.

Der Film beginnt mit 007 und 006, die eine russische Anlage infiltrieren, allerdings von Ourumov bereits erwartet werden. Trevelyan, 006, wird von Ourumov erschossen, doch Bond kann entkommen und die Anlage in die Luft jagen. Seither sind 9 Jahre vergangen.

In Monte Carlo begibt sich Bond auf die Spur der gefährlichen Schönheit Xenia Onatopp, die so gar nicht gern im Glücksspiel verliert, und beim Liebesakt gern ihre Partner umbringt, besonders wenn sie dadurch Zugang zum neuesten Militärhubschrauber erlangt. Jenen nutzt sie, um mit Ourumov in eine russische Geheimbasis zu fliegen, wo die beiden Goldeneye-Satelliten kontrolliert werden, deren elektromagnetisch Strahlen jegliche Technik ausschalten können. Ourumov nutzt einen davon, um die Basis selbst auszuschalten, während er seinen Vorgesetzten versichert, dass dies der einzige Goldeneye-Sattelit war. Allerdings hat eine Mitarbeiterin der Basis, Natalya Simonova, überlebt.

Die macht sich auf nach St. Petersburg, wo sich auch Bond, Onatopp und Ourumov aufhalten. Aber nicht nur jene, sondern Bond trifft auch auf den Drahtzieher hinter allem: Der überraschend doch lebende Trevelyan, der auf Rache gegen Großbritannien aus ist.

GoldenEye geht schon Mal sicher, alles zu haben, um ihn als Bond-Film auszuweißen. Es gibt die übliche Intro-Sequenz (die wohl herrlich-dämlichste der ganzen Reihe), begleitet von einem coolen Song, wir haben fiese russische Bösewichter, hübsche Frauen, geschüttelte Martinis, und Bakkarat in Monakos Casinos. Es gibt ein paar kurze Jokes zwischen Bond und Q (der immer noch von Desmond Llewelyn gespielt wird, der letzte „Überlebende“ der alten Riege), und natürlich kommt auch M wieder vor (zum ersten Mal gespielt von der coolen Judi Dench). Sogar in die Karibik geht es fürs Finale. Und natürlich hat er mit über 2 Stunden fast schmerzliche Überlänge.

Der Film schließt auch gut an die Dalton-Bonds an, so bleiben wir doch bodenständig und düster, und mehr auf Spionage denn Frontalaction bedacht. Auch bei den persönlicheren Plots bleibt es, mit dem Verlust eines von Bonds Freunden zu Beginn des Filmes, der sich dann anschließend als der hiesige Bösewicht entpuppt. Das überraschend schon ungefähr zur Filmmitte hin, wenn wir noch eine volle Stunde vor uns haben, was vielleicht etwas früh war. Auch wird wiederholt eine gewisse Desillusion, die der Job als Agent mit sich bringt, angesprochen. Macht es, was zumindest die Handlung angeht, wahrscheinlich zum interessantesten und cleversten Bond seit On Her Majesty’s Secret Service. Wer natürlich die Bonds lieber als kurzweilig-launige Actionfilme mit einem Sprücheklopfer, der alle Frauen flach legt, schaut, ist bei den moderneren Filmen eher weniger gut aufgehoben.

Bond Girl: Izabella Scorupco spielt die schlaue Programmiererin Natalya Simonova, die freilich nicht viel kämpferisch helfen kann, aber deren Fähigkeiten durchaus nützlich werden. Die Show stiehlt ihr jedoch eindeutig Famke Jannsen als psychotische Femme Fatale Onatopp, die mich doch sehr an Barbara Carrera in Never Say Never Again erinnerte.

Bond Bösewicht: Die machen beide eine ganz gute Figur, sowohl Gottfried John als Ourumov mit dem perfekt passenden Gesicht für die Rolle, so wie Sean Bean als desillusionierten Trevelyan, stehen aber natürlich beide hinter der auffälligeren Rolle der Onatopp zurück.

Bond Himself: Der moderne Bond ist nicht mehr so ein sexistisches Arschloch und überheblicher Sprücheklopfer, und gefällt mir so auch besser. Was nicht bedeutet, dass er sich einen gewissen Sinn für Humor nicht beibehalten hat. Und Pierce Brosnan passt durchaus ganz gut in die Rolle, auch wenn er mir den Film über erst etwas hineinwachsen musste – sein Spiel in der Pre-Titel-Sequenz erinnerte mich eher etwas an ein Kleinkind, das Agent spielt.

Action: Wie in den meisten ernsteren Bonds ist GoldenEye natürlich nicht bar jeglicher, aber eben auch nicht so sonderlich flashy. Wirklich herausstechend waren für mich nur der Sexkampf mit Onatopp in der Sauna, sowie als Bond in einem Panzer Ourumov durch die russischen Straßen jagte.

bond1995

007 Sunday – Licence to Kill

ava-1439Mit Licence to Kill kommen wir zum zweiten und schon letzten Film, der Timothy Dalton in der Rolle des Bonds hat, bevor die Serie eine überraschend lange Pause von sechs Jahren einlegte, bis Pierce Brosnan in den Anzug schlüpfte.

Der Film startet mit Bond als Trauzeuge bei der Hochzeit seiner beiden BFFs, was natürlich bedeutet, dass beide zu sterben haben. Und wer hätte es gedacht, der Drogenbaron, den beide just an dem Tag gefangen haben, und der auch noch direkt wieder ausbrechen konnte, lässt direkt parallel dazu die Braut umbringen und den Bräutigam Krankenhausreif machen.

Bond plant also Rache, gerät dabei aber an M, der ihm ganz andere Aufträge erteilt hat, und Bond die laufenden Missionen um Drogenbaron Sanchez nicht stören sehen will. Bond sagt dazu nur „STFU“, woraufhin M ganz „GTFO und deinen Lizenz zum Töten kannst du auch vergessen“ ist. Bond taucht unter und verfolgt nun Sanchez in dessen korrupten Paradiese südlich der USA-Grenze.

Ich wünschte wirklich, die Bonds wären 30 Minuten kürzer. Das würde wirklich viel helfen Stringenz in die Sache zu bringen, gerade bei den Dalton-Filmen, die eben wesentlich geradliniger, bodenständiger und ernster sind. Hier gibt es immerhin eine wirkliche, direkte, nachvollziehbare Handlung, die nicht durch tausend Kleinigkeiten verwässert wird… sondern nur durch ihre überstrapazierte Spielzeit.

Ich mochte also Licence to Kill auch ganz gern, gerade auch weil Bond hier etwas fehlerhafter ist, der Film seine tote Frau ausnahmsweise mal wieder erwähnt, und ihm einen weiteren, ganz eigennützigen Rachefeldzug gibt, dabei sogar fragend, ob das denn überhaupt OK ist – denn Bond sprengt nicht nur ein Mal die Aktionen anderer Agenten, die seit Jahren Sanchez niederbringen wollen. Ich hätte da fast ein etwas fieseres Ende bevorzugt, bei dem Bond einsehen muss, dass er für seine Rache vielleicht zu viel geopfert hat, in dem sein Love Interest stirbt, weil er damit beschäftigt ist, Sanchez um die Ecke zu bringen o.Ä. Ihn halt einfach was ob seiner Scheuklappenvorgehensweise verlieren zu lassen. Stattdessen bekommt er das Mädchen und selbst sein BFF ruft ihn aus dem Krankenhaus an und ist total „Pfft, wer braucht schon Beine oder eine Ehefrau, wir gehen einen spaßigen Angeltripp machen!“

Außerdem hat der knuffige Q hier eine etwas expandierte Rolle und Bond ist nicht unprovoziert das absolute Arschloch zu ihm. Das gibt natürlich Pluspunkte.

Bond Girl: Taliso Soto ist die hübsche Dekoration an Sanchez Seite, die Bond den Film hindurch immer mal wieder hilft, und auf deren Konto nach einer komplett fehlplatzierend Liebeserklärung ihm gegenüber die seltsamste Szene des Filmes mit sich bringt. Alles, damit es etwas mehr Spannung gegenüber Love Interest Carey Lowell gibt, die CIA-Agentin, die eines auf Independent Woman machen darf.

Bond Bösewicht: Robert Davi spielt Sanchez und scheint wie geboren in der Rolle des eiskalten aber doch immer mal wieder temperamentvollen lateinamerikanischen Drogenbarons.

Bond Himself: Ich mag die Filme mit dem etwas fies-ernsteren Bond gegenüber dem kindisch-humorigen. Dalton spielt die Rolle auch weitestgehend gut, bricht dann aber doch in der Eröffnungs- und Endszene, wenn nach Emotion gefragt wird, etwas ein. Langsam glaub ich es liegt echt an der Rolle, dass so viele hochprofilierte Akteure in den Bond-Filmen immer wieder Hänger im Schauspiel zeigen.

Action: Jede Menge vorhanden, allerdings erneut etwas bodenständiger und ernster. Was durchaus zum Film passt. Jedoch warte ich ehrlich gesagt immer noch auf die perfekte Ehe der beiden Bond-Schema: Ein ernster, fieserer Film wie die Daltons und OHMSS, aber mit dem Spektakel und Feuerwerk an Action/Special Effects der dümmlicheren Filme.

bond1989

007 Sunday – The Living Daylights

ava-1432Ich war ja etwas freudig endlich in die 90er und zu den Brosnans zu kommen, weil mir ein aktualisierter Bond vielleicht doch besser gefällt… und dann ist mir eingefallen, dass es vorher ja noch den Lückenbüßer Dalton in zwei 80er-Bonds gibt. Mal schauen, vielleicht haben wir ja einen zweiten On Her Majesty’s Secret Service, der besser war, als die Filme mit den zwei groß-etablierten Bond-Darstellern.

Bond ist auf Auftrag dem Ex-KGBler Koskov bei der Flucht zu helfen, währenddessen er auch eine schöne Scharfschützin entdeckt. Als Koskov dem MI6 erzählt, dass der neue KGB-Oberster Pushkin eine Operation zur Ausschaltung von Spionen wieder aufleben lässt, gefolgt vom Mord an 00-Agenten und der Entführung von Koskov, drohen die Ost-West-Verhältnisse wieder zu vereisen.

Bond macht allerdings erst Mal die Scharfschützin ausfindig, die sich gar nicht als solche herausstellt, sondern eine Cellistin und Freundin von Koskov ist, die nur so tun sollte, als würde sie auf ihn schießen, um dessen Geschichte glaubwürdiger zu machen. Denn eigentlich steckt Koskov mit dem Waffenhändler Whitaker zusammen, die nicht nur in Waffen, sondern auch Drogen aus dem mittleren Osten handeln.

Tatsächlich hat mich The Living Daylights an On Her Majesty’s Secret Service erinnert. Nicht nur, weil wir hier einen neuen Bond zum ersten Mal erleben, ein wesentlich jüngeres Exemplar denn der Vorgänger, sondern auch weil es wesentlich ernster und bodenständiger ist. Den Kitsch einiger Filme der 60er/70er haben wir ja schon lang nicht mehr, aber der Sinn für Humor in den Filmen, der in den Moors stärker wurde, war mir immer etwas zu infantil und slapsticky. Ich hab nichts dagegen, wenn Bond mal einen Oneliner raus lässt, oder hier und dort die Situation etwas aufgelockert wird, aber zu einem Spionage-Action-Streifen um einen britischen Superagenten würde IMHO schwarzer Humor wesentlich besser passen als das, was uns die Bonds teilweise lieferten.

Auch ist die Handlung diesmal wesentlich geradliniger und einfacher zu folgen, statt sich unnötig an zusätzlichen Sachen aufzuhängen, die einen nur rätseln lassen, worum es jetzt noch mal genau ging. Die klassische Geschichte um eine Drittpartei, die die zwei Weltmächte gegeneinander ausspielen will, funktoiniert sowieso immer und ich mag sowieso, dass die KGB-Obersten immer recht sympathisch portraitiert werden, statt in das übliche „Russkis sind alle böse“ der Kaltkriegszeit zu verfallen. Da wäre es auch ganz nett gewesen, wenn der Filme nicht die üblichen 2 Stunden + hätte, was den simpel gestrickten Plot wesentlich effektiver machen würde, aber man kann eben nicht alles haben.

Bond Girl: Diesmal nur eine einzelne, nicht mal bei den Bösen ist eine hübsche Dame, die deswegen unweigerlich zum Girl wird. Maryam d’Abo ist die perfekte Ostblock-Schönheit, aber mal wieder ein Bond Girl, das eher blass bleibt und zum Accessoire verkommt.

Bond Bösewicht: Ich mochte alle drei eigentlich. Koskov ist überschwänglich und kommt deswegen mehr amerikanisch denn russisch rüber, aber immer recht amüsant, wenn er im Bild ist. Whitaker ist ein größenwahnsinniger US-General, der von Diktatoren besessen ist. Unterling Necros ist eine coole Sau, und ein enorm feines Stück Mann.

Bond Himself: Es ist natürlich schwer zu sagen ob ich Timothy Dalton tatsächlich mehr mag, weil er der bessere Bond ist, oder weil mir die ernstere Richtung dieses Filmes besser gefällt. Ich mag den reservierteren Charakter in diesem Film zumindest, sowie Dalton definitiv ein besserer Schauspieler ist denn Moor es je war.

Action: Hier gibt es nicht ganz so viele große Action, da man sich wieder mehr auf die Spionage und das Töten aus dem Schatten besinnt, was ich durchaus passend finde. Das Finale im mittleren Osten dreht dafür ordentlich auf.

bond1987

007 Sunday – A View to a Kill

ava-1425Nach einer kleinen Pause gehen wir nun also über in die finalen zehn Filme der Bond-Reihe. Und in den letzten mit Roger Moore in der Rolle, Zeit wurde es ja. Übrigens auch der finale Film für Lois Maxwell als Moneypenny, deren Szenen sowieso zu den besten gehörten. Eines sei noch schnell eingeworfen: Die Opening-Credits-Sequenz mit dem Lied sind die Definition der 80er!

Diesmal geht es um Mikrochips. Und dann um gedopte Pferde. Und dann um genetische Supermenschen. Und dann um Erdbeben. Und schließlich wieder um Mikrochips. Aber der Reihe nach. Mikrochips sind also anfällig gegen Magnetismus, was den britischen Geheimdienst lahmlegen könnte, der sich mehr und mehr auf Technik stützt, und bekanntlich läuft da ja nichts ohne. Also haben die besonders resistente entwickelt, aber die Russen haben sich die Baupläne einfach geklaut. Oder gekauft, von Max Zorin, der sie entwickelt. So zumindest der Verdacht, also geht Methusalem Bond ihn investigieren.

Darüber findet er heraus, dass Zorin seine Rennpferde dopt, um sie trotz schlechterer Blutlinie gewinnen zu lassen. Das ist aber alles nur Füller, der zur Eröffnung führt, dass Zorin selbst von einem Ex-Nazi-Doktor fürs KGB geschaffen wurde. Nur ist Zorin auch ein Psychopath, der sich von Mutterland Russland nichts mehr vorschreiben lässt. Genau genommen plant er ein künstliches Superbeben auszulösen, durch das er Silicon Valley zerstören will, auf dass er das Monopol auf die Herstellung von Mikrochips bekommt.

A View to a Kill ist einer der am wenigsten populären Bond-Filme überhaupt. Ich persönlich bin ja von den meisten Einträgen stellenweise eher unbegeistert, aber dem hier, wenn auch technisch wie üblich mal wieder nicht wirklich schlechter umgesetzt als der Rest, fehlt es doch irgendwie an Adrenalin und Passion. Der Film präsentiert seine Plotpunkte in einer so uninvolvierten Art und Weise, dass ich zwischenzeitlich fast den Faden verloren habe, weil ich kaum aufgepasst hatte, was er mir da präsentiert. Auch schien es mir lange nicht klar, was nun das Hauptproblem sein sollte. Dass die Russen die Technologie für die Mikrochips haben? Die Nazi-Experimente? Nö, dass Zorin ein größenwahnsinniger Psychopath ist. So richtig aufgegangen ist mir das aber erst gegen Ende, da ich echt fest damit rechnete die anderen beiden Punkte würden wiederkommen, schienen sie doch so viel wichtiger – nicht von der Screentime aber von der Thematik her.

Und endlich war Roger Moore auch dem Rest der Zuschauer anscheinend zu alt geworden, etwas was sich bei mir schon vor einigen Filmen eingestellt hat. Mit all den Supermodels, die er flach legt, und all den akrobatischen Stunts, die Bond hinlegt, sollten die Schauspieler echt in ihren 30ern gecastet werden und man sich anfangen nach einer Ablöse umzusehen, wenn sie die 40 überschreiten. Nicht wie Roger Moore in den Mittvierzigern unter Vertrag nehmen und dann über 10 Jahre beibehalten. Ich mein, sicherlich bleibt der Mann relativ gesehen in Form und hat sichtbar bereits den einen oder anderen Facelift hinter sich, doch den Superagenten Bond nimmt man ihm körperlich einfach schon eine Weile nicht mehr ab. Der Mann ist mittlerweile fast 60, da hat man bei jedem Sprung Angst, Bond kugelt sich die Hüfte aus und erwartet, dass die heißen Mädels auf seine Anmache nur mit einem langgezogenen „Ewwwwwww~, du bist älter als mein Vater“ kommen.

Bond Girl: Tanya Roberts in der Rolle der Guten, die das hiesige Love Interest von Bond gibt, aber in ihrer vielen Screentime nach einem zunächst coolen Abblitzen nicht mehr viel tut, als von Bond gerettet zu werden. Ach ja, und sie kennt sich mit tektonischen Platten aus, hätte ich beinahe wieder vergessen, sie ist also doch nicht ganz nutzlos. Im Kontrast zur milchigweißen, blonden Roberts steht das dunkle Spermodel Grace Jones, welche auf der Seite des Bösen steht, immer recht respekteinflößend daher kommt, aber fast keine Sprechrolle hat.

Bond Bösewicht: Christopher Walken ist Max Zorin. Und Christopher Walken tut, was Christopher Walken immer tut: Er christopher-walkent. Solche Akteure gibt es einfach, deren Schauspiel man eher nicht mit „schauspielern“ beschreibt, sondern in dem man ihren Namen einfach zu einem Verb macht. Johnny Depp johnny-deppt, Udo Kier udo-kiert, Christopher Walken christopher-walkent. Was ich damit meine ist, dass keiner Christopher Walken für eine subtile, nuancierte Rolle castet, sondern immer für Bösewichter und Exzentriker, was ihn natürlich für die Rolle des Max Zorin ideal macht.

Bond Himself: Ok, ich werde mit 60 bestimmt nicht so in Form sein, wie Roger Moore, noch werde ich mir die Facelifts leisten können, um zumindest als 50 durchzugehen. Dennoch ist der Mann eben einfach zu alt, ich konnte ihn in der Rolle eh nie leiden, also ist es gut, dass dies sein letzter Auftritt ist.

Action: A View to a Kill bringt neu auf die Bühne: Eine Verfolgungsjagd in einem Feuerwehrtruck, ein Kampf auf Pferderücken während einer berittenen Verfolgungsjagt, sowie ein Finale zwischen Zeppelin und Golden Gate Bridge. Hmm… Zeppeline und Nazi-Doktoren, warum bekomme ich nur das Gefühl, Flemings Roman ist wesentlich früher entstanden, als der 85er Film?

bond1985