GitS Week – Ghost in the Shell

Aus mittlerweile dann doch nicht mehr ganz so aktuellem Anlass des kürzlich an den Kinokassen gefloppten Hollywood-Remakes mit Scarlett Johansson, schauen wir uns doch mal durch die ganze Ghost in the Shell Franchise, bzw. durch dessen Anime-Seite. Immerhin muss ich zugestehen, dass ich davon bisher nur den ersten 1995er-Film gesehen habe, und auch das ist schon fast 20 Jahre her, so dass ich mich an gar nichts mehr so richtig erinnern könnte.

Und immerhin ist das Ding zusammen mit Akira und Ninja Scroll einer der absoluten frühen Anime-Klassiker im Westen gewesen. Als Masamune Shirow noch regelmäßig populäre SciFi-/Action-Manga zeichnete, darunter auch Dominion Tank Police und Appleseed, die nur insular mal eine Ausrede finden ein Mädel nackt oder in Lesbensex verwickelt zu zeigen, bis er irgendwann kurz nach der Jahrtausendwende entschied doch lieber exklusiv Plot-losen Porn mit so attraktiven Namen wie GalGrease und GreaseBerries zu zeichnen. Aber so richtig zum Megahit wurde die Franchise erst, als Production IG Mamoru Oshii die Regie für einen großen Kinofilm überließ. Wer eine Generation unter mir ausgebrütet wurde, kennt Ghost in the Shell wahrscheinlich eher als die Musikvideo-Clips aus Wamdue Projects King of My Castle, welches unerträglich lang hoch und runter gespielt wurde.

Kult-Regisseur Mamoru Oshii ist dabei für einige Konstanten bekannt, von denen mindestens eine, wenn nicht mehrere, in allen seinen Filmen auftauchen. Er hat einen Hang für politische Plots, er philosophiert gerne, spielt mit dem Verwischen von Traum und Realität, liebt Corgis, und nimmt es mit dem Ursprungsmaterial nicht zwangsläufig allzu genau. So wird aus der seichten Love-Comedy Urusei Yatsura in seinem Beautiful Dreamer eine Traumsphäre mit philosophischen Gequatsche, oder aus der Action-Serie Patlabor im zweiten Kinofilm ein Polit-Thriller mit viel Gequatsche. Ghost in the Shell (1995) checkt gleich alle vier Oshii-Merkmale mit einem Haken ab.

Dabei ist die erste Szene schon so quintessentiell 90er-Anime Großproduktion, so typisch für die damalige Zeit, und vielleicht sogar ein wenig fehlleitend was den weiteren Film angehen wird: Vor einer unterkühlten Großstadtfassade steht Hauptakteurin Motoko Kusanagi, bekommt ihren Auftrag, entledigt sich ihrer Kleidung, und springt nackt vom Hochhaus, um durch die Fassade hindurch ihr Ziel zu erschießen. Das ist eine ziemlich coole Hammer-Szene, und ein guter Auftakt, aber wie gesagt nicht unbedingt Indikativ für den Rest des Filmes. Hin und wieder wird in jenem um sich geschossen oder gibt es eine Verfolgungsjagd, dies ist dann auch nicht gerade unblutig geworden, und ein paar weitere nackte Tatsachen werden ebenfalls den Bildschirm zieren, jedoch ist der Film weitestgehend ruhig und gelassen rübergebracht, und es wird mehr geredet denn explodiert oder gekämpft werden.

Die Haupthandlung an sich wird dabei schon fast zum unwichtigen Hintergrund, ist teilweise unnötig kompliziert dargestellt, und kommt nicht unbedingt zum befrindigendsten Ende, welches man sich vorstellen kann. Außenministerium, Sektion 9, und Sektion 6 spielen also ein Verwirrspiel darum, was wirklich hinter dem Drahtzieher der aktuellen Welle an Cybercrime, genannt der Puppet Master, steckt. Jeder will ihn, aber warum genau? Letztendlich läuft er zur Sektion 9, weil er ein Date mit Motoko ausmachen will, aber warum sie genau so wichtig für ihn ist, ist auch nicht unbedingt aufgeklärt. Jedoch reicht dies vollkommen aus, um dem Film eine Struktur zu verleihen, und als Bühne für die Gedankenspiele zu dienen, die Mamoru Oshii wirklich interessieren.

Denn Ghost in the Shell spielt in einer Welt, in der die Augmentation der Menschheit weit fortgeschritten ist. Wer es sich leisten kann, hat diverse Funktionen seines Körpers technologisch verbessert, gerade auch wenn es natürlich um Agenten des Staates wie hier geht. Motoko selbst ist eigentlich ein kompletter Cyborg, deren einzige menschliche Zellen im Gehirn übrig bleiben. Das macht einen natürlich allerdings auch sehr von Checkups abhängig. Der Film spricht direkt an, dass jeder freiwillig aus dem Dienst der Sektion austreten kann – wenn er jene freien Checkups bzw. sogar die Cyborg-Augmenation an sich aufgeben will. Aber wenn man stärker, schneller, schlauer und immer mit dem Cyberspace verbunden zu leben gelernt hat, wer will das schon aufgeben? Gleichzeitig wirft das ganz neue Sicherheitslücken auf. Denn der Puppet Master nutzt seine Bauern, in dem er sich in ihr Hirn einklinkt, und ihnen Infos von komplett falschen Vergangenheiten einspeist, die für jene zur Realität werden. Man kann seinem eigenen Gedächtnis nicht mehr trauen, wenn was schlicht von einem Virus überschrieben oder gelöscht werden kann.

Ganz zu schweigen vom Verwischen der Abgrenzung zwischen Mensch und Maschine. Wie viel organische, menschliche Zellen, muss jemand noch haben, um als Mensch zu gelten? Ist Motoko noch ein Mensch, auch wenn sie zu 99% aus Technik besteht, und nur durch das Verhalten anderer ihr Gegenüber sich selbst als Person sieht? Was ist mit einer reinen Maschine, deren KI zu Eigenwahrnehmung erwacht – ist die ein Lebewesen? Der Film beantwortet diese Fragen freilich nicht.

Was bleibt ist ein ziemlich cooler, aber auch verkopfter Film. In unterkühlten aber stylischen Szenen reden und schießen unterkühlte Leute in der Gegend rum, das ganze zu einem coolen aber ebenfalls eher meditativen Soundtrack (selbst während der Action-Szenen), der dennoch immer mal wieder von etwas kurzer aber brachialer Action aufgelockert wird. Ghost in the Shell ist ruhig und langsamer, als ich ihn in Erinnerung hatte, aber gerade das Gesamtpaket an sich macht ihn zu so einer speziellen und interessanten Erfahrung, die tatsächlich komplett begründet zu einem Klassiker der Anime-Geschichte wurde.

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The Pit and the Pendulum

Nur weil es keine 1313 mehr gibt, ist natürlich nicht zwangsläufig der Boden der DeCoteau-Kiste erreicht. Masochisten wie ich, denen es doch nach mehr Pein verlangt, aber bei körperlicher eine Pussy sind, haben da noch zahlreiche Möglichkeiten, ihrem Fetisch nachzugehen. Immerhin hat der Mann über hundert Filme auf dem Buckel seiner IMDB-Liste.

Edgar Allan Poe ist da immer eine gute Wahl, weil dessen Geschichten alle Public Domain sind, sein Name aber einen gewissen Gravitas hat. Und viele sehr vage Kurzgeschichten sind, die man letztendlich eh auslegen kann, wie man lustig ist. DeCoteau hat das ja bereits mit einem House of Usher gemacht, welches plötzlich von heißen Jünglingen in Unterwäsche bewohnt war. Wobei ich Poe absolut nicht kenne, von daher meine Hand nicht ins Feuer legen könnte, ob es bei The House of Usher und The Pit and the Pendulum nicht tatsächlich um stahlharte Bauchmuskeln und engsitzende Boxer Briefs ginge.

The Pit and the Pendulum startet schon mal mit einem autoritär sprechendem Kerl, dessen luftige Sprüche höchstwahrscheinlich direkte Zitate aus der Poe-Geschichte sind, und genauso eventuell auch schon die einzige Verbindung zu jener darstellen. Jedenfalls philosophiert er zwei gefesselten Gestalten ins Gesicht, und das in einem komplett blau getünchten Raum. Ich bin mir da ja immer nicht so sicher, ob das eine stilistische Entscheidung von DeCoteau darstellen soll, oder schlichtweg schlechtes Day for Night darstellt.

Besagter Raum ist übrigens nicht in DeCoteaus Haus, dem heimlichen Star eines Großteils seiner Filme. Dafür im gleichen, in dem er bereits House of Usher gefilmt hat, denn so eine Location muss doch für mindestens zwei Dutzend Filme herhalten, wenn man sie schon ein ganzes Wochenende gemietet hat. Um dann aber doch keine zu großen Kulturschock zu haben, trifft natürlich gleich ein Wagen voller junger, attraktiver Kerle und deren Alibi-Mädel ein. Das sind angeblich Sportstudenten, wobei einer davon eindeutig schon jenseits der Dreißig ist, die einfach mal spontan auf eine Anzeige für Hypnosetherapie reagierend hierher gefahren sind. Voll seriös und so.

Geleitet wird das von der obligatorischen älteren Tussi, deren Schönheits-OP sie nicht nur wie ein undefinierbares Alter zwischen 40 und 70 ausschauen lassen, sondern auch einen distinkten Look einer aufblasbaren Puppe verleihen. Die hat einfach mal so die Praxis ihres Vaters übernommen, der verrückt war und Leute umgebracht hat. Wird ja immer seriöser diese Therapie. Eine von dann doch gleich zwei Alibi-Mädels ist ob deren Familienvergangenheit auch gleich ziemlich skeptisch, während einer der Typen das sofort wegwischt und unangemessen vertrauensvoll ist. Der Rest der Gruppe äußert sich nicht, aber dableiben tun sie auf jeden Fall. Die sind auch viel zu sehr damit beschäftigt, sich Porn-Dialoge aus dem Nichts an den Kopf zu werfen. Wie das eine Mädel, welches einfach mal so unaufgefordert dem anderen Mädel, welches sie seit gut 5 Minuten kennt, erzählt, dass sie noch Jungfrau ist, woraufhin jene sie erst Mal anflirtet.

Um jegliche Anflüge von Unseriösität endgültig auszumerzen, nimmt sich Frau Aufblaspuppe auch direkt erst mal den muskelbepacktesten Kerl mit in ihren Velvet Room, und unterzieht ihn der Hypnosetherapie. Strip-Hypnotherapie! In Unterwäsche therapiert es sich gleich viel besser. Vor allem wenn die Therapeutin sich auch noch an einem trockenstimuliert. Und den Kerl dann umbringt. Nehme ich mal an. Genau wie der Sex komplett bekleidet erfolgt ist, sieht man nach dem Mord auch keinerlei Verletzung an dem Kerl. Während der Hypnose sieht man übrigens ein Pendel und der Kerl steigt geistig in eine Grube hinab. Damit ist der Titel wohl gerechtfertigt, denn keines von beidem wird Handlungsbedingt wirklich wichtig werden.

Damit hat sich auch geklärt, ob David DeCoteau den Blaufilter für Traumsequenzen, Day for Night oder doch einfach stilistisch verwendet. Für maximale Verwirrung und einen über die Hälfte der Spielzeit in besagt unterkühlten Tönen gehaltenen Film nämlich gleich für alles drei. Nachts ist alles Blau. Unter Hypnose ist alles Blau. Und einfach weil es mysteriös aussieht, ist der Therapieraum grundsätzlich Blau, egal ob in wachem Zustand am Tage oder unter Hypnose in der Nacht.

Unter dem Banner von Dialogen, die nirgendwo hinführen, gibt es anschließend übrigens eine seltsam unkomfortables Dinner zwischen dem Rest der Truppe und der Aufblaspuppe. Bei der sie ihre tragische Kindheit eines an ihr experimentierenden Vaters offenbart. Und das die Hypnose dazu da ist, das Schmerzempfinden auszuschalten. Und ihr Vater tatsächlich Leute umgebracht hat. Und das stört Mal wieder keinen so wirklich. Genauso wie alle anzweifeln, dass das erste Mordopfer angeblich einfach so wieder heimgefahren ist, aber auch dem Gedankengang nicht weiter folgen. Dann wiederum sind sie auch alle angetrunken und damit beschäftigt, sich gegenseitig die Zungen in den Hals stecken zu wollen. Weil das hier eindeutig ein Porn-Script war, bevor es verharmlost wurde.

Case in Point: Anschließend nimmt sich Aufblaspuppe zwei der anderen Kerle mit, und während die sich in Unterwäsche bei überraschend legitim ausschauendem Wrestling die fast nackten Körper aneinander reiben, kommen plötzlich die Titten raus. Woah, so viel nackte weibliche Haut… bin ich in den Film eines anderen Regisseurs gefallen? Gefolgt wird das davon, dass die zwei verbliebenden Kerle und die beiden Mädels sich jeweilig queerer Liebe zueinander hingeben. Schwule und lesbische Küsse, statt sich die Kerle immer nur schöne Augen machen, aber dann dennoch #NoHomo sein zu lassen? Davide DeCoteau, heute sind wir aber mal so richtig wagemutig!

Ok, jedenfalls ist es so, dass die Experimente des Vaters an Frau Aufblaspuppe erfolgreich waren, und sie deswegen kein Schmerzempfinden mehr hat. Was ich ja irgendwo nicht positiv ersehen kann. Ich mein Schmerz ist ein Warnhinweis des Körpers sich nicht kaputt zu machen. Außerdem behandelt der Film das so ein wenig, als hätte sie auch kein Gefühlsempfinden mehr, obwohl sie das eindeutig hat. Die Experimente fortführen tut sie auch nur, um einen Gleichgesinnten zu haben, weil sie so alleine ist. Und ihren Bruder hat sie im Keller weggesperrt, weil bei ihm die Experimente zu einer Überempfindlichkeit geführt haben.

Das macht für mich halt alles erneut keinen wirklichen Sinn. Zum einen, warum der Deckmantel der Klinik, statt einfach einen BDSM-Swingerclub zu eröffnen? Die machen schräge Sexspielchen mit Schmerz freiwillig mit, und wenn einer verschwindet kommt das nicht so schnell raus. Warum ist ihr Fehlen von Schmerzempfinden so eine Hürde einen Partner zu finden? Oder warum kann sie nicht einfach mit ihrem Bruder zusammenleben statt ihn im Wandschrank einzusperren? Dass hier nie mal beleuchtet wird, warum die Gruppe an Studenten überhaupt bei einer solchen Therapie mitmachen wollen, wäre auch mal interessanter gewesen, als einfach „weil sportliche Leistung“ einzuwerfen.

Ich weiß ja nicht, so wirklich gut ist The Pit and the Pendulum zwar nicht, aber überraschend unschlecht für einen DeCoteau. Also schlecht und billig und unsicher immer noch, aber nicht so extrem, wie ich das von so manch anderem Eintrag gewöhnt bin. Dann zwar auch nicht so unfreiwillig witzig wie so mancher, aber auch nicht so langweilig wie manch anderer. Sondern so seicht-unterhaltsames Mittelfeld?

Let’s Play Might & Magic III – 02. Forgotten Fountainhead Revisited

Ich glaube ich habe etwas über mich herausgefunden. Ich bin kein großer Fan von 25+ Jahre alten RPGs in ihrem Originalzustand, was nicht neu ist. WRPGs häufig schon gar nicht, weil die mir zu langatmig und umständlich sind – auch nicht neu. Dass ich dennoch immer mal aus Kuriosität dennoch zu einem historischen Stützpfeiler wie einem Wizardry, Ultima, Might & Magic oder frühem JRPG greife, ist auch bekannt. Eigentlich find ich es aber häufig interessanter über sie zu lesen, bei so Anlaufstellen wie bloggingultima oder crpgaddict (oder Einträge im lparchive zu ähnlichen Games, die entsprechend „behind the scenes“-informativ und nicht in universe geschrieben sind), die mich wiederum aber gleichzeitig wieder in Stimmung bringen, selbst mal wieder eines zu probieren, obwohl sie mir nicht liegen. Egal, neu ist mir aufgegangen, dass ich es wesentlich weniger interessant finde, diese Brocken wirklich blind und den vollen Content zu spielen, sondern es spaßiger ist, welche Shortcuts man durch das offener Game-Design der WRPGs hat, und wie man sie so eigentlich ziemlich schnell abgrasen kann. Nicht Speedrunning per se, aber eben doch zu sehen, wie man schnell nach X teleportiert, gute Rüstung einsteckt, bei Y massig Erfahrung bekommt, und dann ohne langsames Exploring und Grinding recht zackig durch das Hauptspiel kann.

Case in point: In Fountainhead eines der Gitter eintreten, dahinter ist ein Teleportationsspiegel. DOE MEISTER als Passwort, und schon ist man 2 Mille reicher. ORB MEISTER, und schon hat man den ersten Orb. Der wird später wichtig, wenn man den einem der Könige gibt, der einen mit 1 Mille Erfahrung belohnt. In die Schlösser dürfen wir aber nur, wenn wir den Crusader Skill haben. Denn die Secondary Skills wie Mountaineering, Pathfinding etc. gibt es erneut.

Neu im Spiel ist übrigens, dass die Monster auf der Oberwelt nicht einfach so spawnen, sondern Nester haben, die man für mehr Erfahrung und ein paar Items zerstören kann, was das Nachspawnen der dazugehörigen Gegner beendet. Nachdem ich 1 Mille in der Bank verstaut und somit nochmal genauso viel als Taschengeld mit meiner Truppe rumzutragen hatte, sowie durch das Besiegen einiger Gegner auf der Oberwelt inklusive guter EXP-Nester-Zerstörung auf Level 5 trainiert hatte, habe ich das Spiel erst mal liegengelassen. Ganz kurz nur, so zwei Jahre und noch ein halbes. Bis der crpgaddict mich aktuell wieder akkut daran erinnert hat.

Dann wieder einzusteigen bringt natürlich zusammen mit akuter Dämlichkeit ein paar Nachteile mit sich. Wenn man sich beispielsweise wundert, warum man die Starterstadt nicht mehr betreten kann, ohne dass einen Skelette und Zombies die Bude einrennen und selbst besagt trainierten Charakteren schnell das Licht auspusten. Ich habe versucht mich dennoch durchzuschlagen, und solange es nur ein Gegner auf einmal, vielleicht maximal zwei waren, ging das sogar noch, weil ich sie von ein wenig Entfernung aus mit dem Energy Blast von meinem Sorcerer besiegen konnte. Sobald dort drei Skelette in der Ferne auftauchten, ging dann aber wirklich nichts mehr vor oder zurück und ich war kurz am verzweifeln, ob ich mir irgendwie eine Unwinable Situation hervorbeschworen habe. Was aber tatsächlich geschehen war, ist, dass ich beim letzten Spielen Anfang 2015 tatsächlich bei der Oberwelterkundung den Weg bis zur nächsten Stadt Baywatch eingeschlagen hatte, die ich jetzt einfach mit der Starterstadt Fountainhead verwechselte. Ist ja auch von der Oberwelt her nicht zu unterscheiden, und beide sind blau und mit Brunnen, in Baywatch nur mit einer Bikini-Wassernixe, die mir meinen Irrtum hätte klar machen müssen.

Also schnurstracks zurück nach Fountainhead, zumindest nachdem wir schnell noch zwei Charakteren Mountaineer und einem zweiten Pathfinder (der Ranger startet schon damit) gegeben haben, um nun auch über Berge und durch Wälder schreiten zu können. Und dann ab in das Dungeon unter Fountainhead, was ja eigentlich unser erster Auftrag ist. Hier gibt es Fledermäuse, und schadende Pendelfallen, und vielleicht schadende vielleicht Schätze beinhaltende Truhen, manchmal mit Silberschädeln, die ein NPC in der Stadt gegen gut Bares kauft, um sein Haus für Halloween zu schmücken. Und seltsame Steinköpfe, die uns weitere Secondary Skills verkaufen wollen. Da ich keinen Druid habe, muss ich mir beispielsweise Direction Sense kaufen, um die Himmelsrichtung, in die wir schauen, angezeigt zu bekommen. Oder den restlichen vier Charakteren Swimmer beizubringen (erneut, Menschen starten bereits mit dem Skill), um seichtes Wasser mit der Truppe durchqueren zu können. Danger Sense und Spot Secret Doors, damit der Gargoyle am Bildrand winkt, wenn ich neben einer versteckten Türe stehe, oder die Fledermaus am oberen Rand rumkeift, wenn aus meiner Blickrichtung sich ein Gegner nähert, brauche ich nicht extra kaufen, weil mein Dwarf respektive Gnome schon von Natur aus damit kommen.

Am Ende der Höhle kommen wir beim Rattenboss der Stadt raus und befreien die Schutzgottheit, wodurch die Brunnen der Stadt wieder reines Wasser statt grüne Kotze speien. Und bekommen auch den Tipp, gerade bei dem abseits stehenden Brunnen vorbei zu schauen. Der wechselt einem Charakter das hineingeworfene Geld in Erfahrungspunkte. Also überschütten wir das Ding doch von unserer 1 Mille gleich mal mit 600k, in dem jeder Charakter 100k drauf wirft. Reicht dann aber tatsächlich nur für je ein einzelnes Level Up im Trainingscenter. Anschließend noch gefühlt drei Stunden damit verbracht, das angelaufene Inventar umständlich zu sortieren, Ausrüstung zu vergleichen und umzurüsten, und überschüssiges zu verkaufen. Might and Magic 3 geht hier nämlich ein wenig Überhand. Nicht nur wird einem vom Spiel nicht gezeigt, was die Werte von den Sachen sind, so dass ich das in einer Internettabelle heraussuchen musste, nein dann ist alles auch noch aus einem Material gefertigt, welches Modifikationen zu den Grundwerten gibt, plus einem eventuellen Titel, der einen Nebeneffekt suggeriert. Ein Scimitar ist also besser als ein Sabre. Aber was ist mit einem Crystal Scimitar of Lightning vs einem Glass Sabre of Fireball? Ugh.

Damit sind wir fertig in Fountainhead und können endlich weiterziehen. Wird auch Zeit, die Charaktere sind Level 9 und die hiesige Muckibudi trainiert nur bis maximal 10. Die Oberwelt östlich von Fountainhead weist übrigens keine Ansiedlung auf, allerdings dafür die Nester von Käfern und Pilzen, welche die lokalen Overweltgegner ausmachen. Dafür aber auch von einigen Gruppen jener bewacht werden, bevor man sie zerstören kann. Wobei ich ja gern durch mein Mountaineering-Skill einfach auf den Berg-Tiles stehen bleibe und die nahen Gegner mit Pfeil und Bogen bearbeite, während die mich nicht erreichen können. Auch hier sind einige Trinkbrunnen, die Serien-üblich mit Drogen gespiked sind und temporäre Statusboni verabreichen. Eine Neuerung auf der Weltkarte ist dabei, dass man manchmal auf vergrabene Schätze stößt, hier beispielsweise, um dem Cleric frühzeitig Create Food beizubringen, damit der den Welthunger, oder zumindest das Rationenkaufen der Gruppe, ausmerzen kann.

Um die zweite Hälfte des Beitrages noch ein wenig schizophrener zum Einstieg zu machen: Wo ich mich noch Anfang 2015 darüber beschwert habe, dass ich lieber durch diese Spiele schnell durchhetze, als mich langfristig drauf konzentrieren zu müssen, so hatte ich Mitte 2017 plötzlich eine richtig gute Zeit einfach nur die Umgebung und Katakomben von Fountainhead in mehreren Exkursen über einen langweilen Sonntag hinweg zu erkunden und langsam Fortschritt zu machen.

Clockwork Prince

Mit Clockwork Prince kommen wir also nun zum zweiten und Mittelteil der Infernal Devices um die Gestaltwandlerin Tessa, die bei den Shadowhunter-Nephilim im viktorianischen London untergekommen ist, die gegen den Magister und seine Steampunk-Roboter kämpfen müssen, während sie zwischen den Gefühlen für Jem und Will pendelt.

Wow, Leute, ich habe das Buch gerade erst beendet, und auch nicht gerade über den Verlauf von Monaten nur in Stücken gelesen, aber ich weiß schon kaum noch, was überhaupt darin geschehen ist. Ist überhaupt was geschehen? Ich meine die Mitteilteile von Serien, die von Anfang an als Trilogien angelegt sind, haben ja immer etwas den Ruf, dass die Handlung hier am Schwächsten ist, weil weder Beginn noch Ende vorliegt, und im Zweifelsfall eben auch einfach etwas Luft getreten wird, um die Sache zu strecken. Aber hier ist das echt mal sowas von extrem gewesen.

Dann wiederum gibt es Sachen, von denen man denken sollte, dass sie wesentlich weitläufiger angelegt sind, aber erst hier angesprochen und bereits erledigt werden, besonders wenn es um die Charakterhintergründe geht. Beispielsweise finden wir hier heraus, dass Will nicht so ein zynischer Arsch zu allen ist, weil das eben seinem Charakter entspricht, oder weil Bad Boys mit weichem Kern der absolute Stereotyp für das Love Interest in Young Adult Romances darstellt, oder weil die Love Interests in einem Buch von Cassandra Clare immer ein solcher sind. Nein, er ist verflucht, und jeder der Zuneigung zu ihm zeigt wird sterben, und deswegen stößt er alle Leute zu deren eigenem Besten von sich, und eigentlich ist er innerlich total allein und emotional verkrüppelt und buhuhu CRAWLING UNDER MY SKIN. Das hätte man eventuell schon mal zur Hälfte oder zumindest gegen Ende des vorigen Buches erwähnen können, statt erst hier, wenn es auch schon aufgelöst wird. Wie alles im Buch übrigens ganz typisch.

Es gibt keinen Fluch, Will wurde nur von dem Dämon hinters Licht geführt, und er hätte die ganze Zeit eigentlich der von allen geliebte Gutmensch sein können, der er innerlich eigentlich gern wäre. Das war genau so zu erwarten, weil es so natürlich dramaturgisch am interessantesten ist. Und sobald uns klar ist, dass Jem langsam so richtig auf Tessa abgeht, und Will nun keinen Grund mehr hat seine Wahre Liebe (TM) von sich zu stoßen, dass Jem und Tessa anbandeln werden. Damit es noch ein weiteres Buch lang Suspens geben darf, weil weder Will noch Tessa jemals Jem verletzen wollen würden. Und mit jemandem zusammen zu sein, obwohl man jemand anderen liebt, nur aus der Obligation des Versprechens, als man dachte keine bessere Option zu haben, ist doch so viel liebevoller, als demjenigen gegenüber ehrlich zu sein. Außerdem stirbt Jem ja eh ziemlich bald an seiner Krankheit, die sicherlich total und absolut nicht bis zum Ende der Reihe noch geheilt werden wird, und mit deren Heilung eventuell auch für diesen Topf ein neuer Nicht-Tessa-Deckel abfallen wird, also können die beiden ja notfalls die Situation auch einfach auswarten. Apropos, Sophie findet natürlich prompt einen neuen Deckel, an dem Tessa nicht interessiert ist, damit es da keine Probleme gibt.

Ach ja, ein wenig Handlung gibt es dazwischen auch überhaupt und so. Erneut hauptsächlich insular hier im Buch. Oder auch nicht. Wir finden heraus, warum Mortmain überhaupt die Shadowhunter so scheiße findet, dass er zum Unterweltsboss aufsteigt, nur um denen zig Jahrzehnte später eins reinzuwürgen. Nate, der mit dem fiesen wie offensichtlichem Reveal gegen Ende des letzten Buches, dass er eigentlich mit besagtem Bösewicht zusammenarbeitet, ziemlich narrativ überflüssig geworden ist, wird hier umgebracht, damit der Ballast weg ist. Was Tessa nun genau für eine Downworldlerin ist, ist immer noch nicht geklärt, sondern darf weiter im Suspens bleiben, wobei eigentlich klar ist, dass sie halb Nephilim halb Downworlder ist, nur noch eine große Eröffnung gemacht werden muss, wie das über ein spezielles Rosemary’s Baby Ritual überhaupt möglich war. Wahrscheinlich will Mortmain sie deswegen so sehr, sie sind verwandt oder durch das Ritual aneinander gebunden oder so ein Mist. Das Institut soll eigentlich an die Lightwoods gehen, nachdem am Ende des letzten Buches so viel schief gelaufen ist, welches wohl halbherzig als Story Arc für diesen Band herhalten soll, und am Ende dann auch beseitigt wird.

Die Meh-Reihe, die mit einem ersten Meh-Buch angefangen hat, ist auch im zweiten Buch ziemlich Meh, nur sogar noch mehr Meh als vorher.

Final Fantasy V Job Fiesta 2017

Es ist Mitte des Jahres und damit stand ein großes Ereignis für Gamer an. Nein, nicht die E3, die dieses Jahr kaum hätte langweiliger ausfallen können, wenn es Absicht gewesen wäre. Sondern die Job Fiesta zu Final Fantasy V, bei der für einen guten Zwecks das Spiel unter speziellen Job-Restriktionen gespielt wird, und somit das Gimmick eines jeden Jobs genauer studiert werden kann. Dieses Jahr gibt es zudem drei neue Registrationsmöglichkeiten. #PureChaos beispielsweise, während auf einem normalen Chaos-Run jeder Kristalljob zu jeder Zeit gezogen werden kann, gilt das hier mit jedem Job des Spieles – also auch Freelancer und Mimic, die nicht in Kristallen stecken. #Popular hingegen gewichtet die Ziehwahrscheinlichkeit stärker für die Berufe, die in einem Twitter-Poll zu Jahresbeginn als die beliebtesten gevotet wurden. Und #FifthJob gibt einem sobald Krile ins Team kommt einen neuen Job, der den Erdkristall-Job überschreibt. Eventuell gar keine schlechte Option, da so der Run etwas frischer gehalten wird, statt sich Mitte durch World 2 auf seine 4er-Synergie eingeschossen zu haben, dass der Rest des Spieles etwas langweilig wird.

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Fire Emblem Jump!

Es scheint ja bei Fans der Franchise etwas Frevelhaftes zu sein, wenn man erst durch das Anime-lastig sich dem Mainstream anbiedernde Fire Emblem Awakening eingestiegen ist, statt schon bei den sich schlecht verkaufenden Vorgängern mit dabei gewesen zu sein. Kann ich nachvollziehen, ich würde glaube ich auch nicht wollen, dass Leute denken, ich kenne die MegaTen-Serie durch Persona. Hat was mit Nischen-Glaubhaftigkeit zu tun, die im Internet besonders wichtig ist. Ich denke das mein allererstes Fire Emblem das Smartphone-Game für Casual Babies Fire Emblem Heroes ist, würde da schon ein Aneurysma verursachen.

Der Hauptgrund, warum ich bisher zu keinem Fire Emblem gegriffen habe, obwohl es tatsächlich zu GBA-Zeiten kurz zusammen mit Tactics Ogre zu den Untergrundhits gezählt wurde, ist das ich es einfach nicht so mit SRPGs habe. Ich bring weder das strategische Denken noch die Geduld mit, mich langwierig auf eine Schlacht vorzubereiten, und jene dann für bis zu eine Stunde schlagen zu müssen. Ganz einfach und simple Vertreter wie ein Super Robot Wars, Another Bible, Zone of the Enders oder Arc the Lad hab ich sogar mal durchbekommen. Aber dem Spieler wirklich etwas abverlangende Einträge wie Final Fantasy Tactics, Kartia, Arc the Lad II, Devil Survivor oder Shining Force liegen hier angespielt und schnell aufgegeben in der Ecke.

Dementsprechend ist es für mich natürlich nur vorteilig, wenn das Ganze in abgespeckter Smartphone-Variante vorliegt. Nachdem ich mich überhaupt sehr Late to the Party dazu überwunden habe, dem doch eine Chance zu geben. In dem nur auf das farbig kodierte Waffendreieck geachtet werden muss, um zu sehen wer gegen wen gut ist. Mit einem schnellen Wischen des Touchscreens ist der Charakter übers Feld geschoben. Die Areale sind klein und mit weniger als einem Dutzend Einheiten ausgestattet, darunter vier Charaktere, die man selbst mitbringen kann. Und was für eine der drei Farben plus neutral die enthaltenen Gegner sein werden, um das eigene Team darauf einzustellen, ist auch vorher angezeigt.

Natürlich gibt es die üblichen Smartphone-Dinge, die zum Investieren echten Geldes anregen sollen. Seltenere Einheiten mit mehr Sternen haben besseres Level-Wachstum. Einheiten können geopfert werden, um andere zu verstärken. Über diverse unterschiedliche Gegenstände können Einheiten auf vielfältige andere Art und Weise verbessert werden. Doch all das ist insgesamt überschaubar, optional, und durch das Bestehen der Kämpfe im Spiel gibt es sie auch, nur halt eben wesentlich langsamer.

Was mir allerdings natürlich etwas abgeht, ist der Fanservice, da ich kein Fan der Franchise bin. Ich meine das Spiel hat über 600MB Platz eingenommen, was schon enorm ist, einfach weil es über 100 Einheiten quer aus der Fire-Emblem-Serie gibt, und die auch noch mit unterschiedlichen Event-Artworks aufwarten müssen. Damit man halt auch immer wieder neue Einheiten beschwören können möchte, selbst wenn man ein starkes Team hat, weil jetzt gibt es auch deinen Lieblingscharakter aus Spiel XYZ, oder die Recken in Badehosen, oder die Mädels mit Hasenohren etc. Mir geht es halt total ab, die Charaktere, die ich beschwöre, auch in der Franchise an sich einordnen zu können und wiederzuerkennen. Genauso habe ich es schnell gelernt, jegliche Story-Szenen zu überspringen, weil der Crossover-Blödsinn einem auch absolut nix bringt, wenn man die Charaktere nicht wiederkennt.

Wo ich natürlich gleich viel schneller hinterher war, war Karpardor Jump. Gerade rechtzeitig erschienen, als ich endgültig mich dazu entschlossen hatte, Pokemon Go vom Gerät zu löschen. Ist natürlich das übliche Aufzuchtspiel, also ganz mein Ding. Füttern, damit es wächst, wenn es ausgewachsen ist durch einige Arena-Sprung-Kämpfe gehen, und dann von vorn beginnen, diesmal mit einem Boost im Wachstum. Und nebenbei auch noch Collectathon-mäßig verschiedene Färbungen und Musterungen sammeln. Was kann man schon mehr wollen? Eine süße Optik und humorige Begleittexte, die gibt es nämlich auch. Herzig und kurzweilig halt, auch wenn nach einer Zeit ermüdend, da der Grind natürlich exponentiell zuzunehmen beginnt.

Aber von daher hat es Nintendo schon drauf ihre Milk-Franchises qualitativ ganz Ok auch auf den Videogame-Markt der Moderne, nämlich das Handy, zu bringen.

Falling for the Criminal: Nicole

Als nächstes Dating Sim hat es nun doch unsere Freunde bei Winterwolves erneut getroffen, die ja im Indie-Bereich ordentlich an Visual Novels und Dating Sims zu bieten haben, auch wenn ich die alle eher im Durchschnitt einordnen würde. Aber ich glaube das Thema, dass ich sehr einfach zu befriedigen bin, hatten wir bereits.

Nicole (Otome Version) dreht sich um die Titel-gebende Nicole, die gerade frisch ans College gekommen ist. Zunächst recht gut eingestellt, da der Campus hübsch ist und sie sich auch sofort mit ihrer Zimmergenossin versteht, wirft ein kurzer Gang in die lokalen News allerdings bereits einen Schatten voraus. Im Laufe des letzten Jahres sind 3 Mädchen, die auf das College gehen, entführt worden. Alle nach 3 Tagen allerdings unverletzt aber mit Amnesie wieder aufgetaucht. Nicole scheint das nicht weiter groß zu jucken, stattdessen scrollt sie lieber gleich weiter und geht Internet-Shoppen.

So ein wenig unbedarft ist die Gute ja schon.

Wobei sie uns direkt im inneren Monolog versichert, dass sie ein schlauer Brainiac ist, aber deswegen kann man ja trotzdem stylish sein, auch wenn auf ihrer High School dadurch immer alle überrascht waren, zwecks Vorurteil das hübsche Mädchen nicht auch schlau sein können. Wow, Humble Brag much? Tatsächlich ist es so, dass mein größtes Problem in Nicole Nicole selbst war. Scheinbar wollte man ihr etwas mehr Persönlichkeit abgeben, als Protagonisten in diesen Spielen normalerweise mitbringen. Aber Mensch, wenn ich deren nicht immer mal wieder absolut nervig fand.

Wenn sie in der Cafeteria essen geht beispielsweise, versichert sie uns sofort im inneren Monolog, dass sie das eigentlich total selten macht, statt hier ständig abzuhängen. Sie ist gern die Erste in den Vorlesungen, weil man sich dann so gut alle anderen, die nachträglich kommen, anschauen und beurteilen kann. Wenn sie uns erzählt, dass sie das Blog von einem Kerl mag, der viel über Technik schreibt, wird sofort eingeschoben, dass sie mit dem Thema selbstverständlich nicht viel am Hut hat, den Schreibstil nur so mag. Natürlich hat sie selbst ein super beliebtes Life-Blog. Es kam mir teilweise wirklich so vor, als wäre jede zweite Szene mit ihr eine Ausrede, um entweder anzugeben, oder zu versichern, dass sie das, was sie unter ihrer Würde sieht, eigentlich unter normalen Umständen ja nie machen würde. Was für eine selbstverliebte Kuh.

Show don’t tell?

Natürlich wird Nicole dann später auch selbst vom Entführer kontaktiert, um zum vierten Opfer zu werden. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das nicht einfach als Karma abtun sollte. Allerdings ist es so, dass sie mir später im Spielverlauf dann aber auch gar nicht mehr so viel auf den Keks ging. Ein wenig immer noch, aber irgendwann bekommen auch die Kerle immer mal verbal die Oberhand und erwischen Nicole auf dem falschen Fuß. Sie ist natürlich dennoch sau dämlich, weil sie nicht die Polizei kontaktiert, sondern der Sache selbst nachzugehen versucht. Und da Nicole nur an sich selbst denken kann, überrascht es sie tatsächlich auch, wenn ihr jeweiliger gewonnener Freund dies total egoistisch und blöde von ihr findet, nicht den Behörden und ihm zu sagen, was Sache ist. Abgesehen natürlich von demjenigen, welcher der Übeltäter ist. Aber hey, wenn man in Sweet Fuse einen Terroristen daten kann, warum in Nicole (Otome) nicht auch einen Entführer?

Spielerisch ist alles so ziemlich beim Alten. Das Spiel startet Anfang September und läuft bis Ende Dezember, jeder Tag ist in 7 Zeitslots unterteilt. Und man darf nun immer schön klicken, zu welcher Lokalität man gehen und welche der dort angebotenen Aktionen man für Statusupgrades machen will. Wobei die unterschiedlich viele der Slots einnehmen, und an Wochentagen der Vormittag natürlich mit Vorlesungen gefüllt ist. Wie immer gibt es sogar einen praktischen Überblick am Ende eines Tages, wie sich die Statuswerte und Charakteraffinitäten geändert haben. Und Cutscenes mit den Kerlen, in denen Multiple-Choice-Antworten gegeben werden, triggern automatisch, man muss also nicht am richtigen Tag am richtigen Ort sein, sondern nur die Affinität hoch genug haben, in dem man genug richtige Antworten gegeben hat.

Statusveränderungsübersicht.

Das Spiel kennt dabei 7 Statuswerte. Wobei Energy und Morale so ziemlich das Gleiche tun, nämlich ausbalancieren, dass man hin und wieder auch mal rasten muss, statt immer nur an den anderen arbeiten zu können. Die anderen 4 Statuswerte sind jeweils für einen der Charaktere benötigt, den Rest kann und sollte man weitestgehend ignorieren. Denn wer sich nicht fast von Anfang an ganz speziell auf einen Charakter eingeschossen hat, wird in Probleme geraten, wirklich noch jemanden zu gewinnen, da auch alle nötigen Szenen mit ihnen bis zum Spielende gesehen werden müssen. Bleibt noch ein weiterer Statusbalken, nämlich Clues, welches damit zusammenhängt, ob man am Ende das Mysterium um die verschwundenen Mädchen gelüftet bekommt, oder nicht. Um einen Charakter zu gewinnen ist das theoretisch nicht benötigt, sie bei 100% Zuneigung und den von ihnen gewünschten Wert auf 999 zu haben, plus alle Szenen mit ihnen zu sehen, und man bekommt deren Normal End vorgespielt. Wer allerdings dies um das True End des Charakters erweitert sehen will, muss auch Clues auf 999 und alle zugehörigen Mystery-Szenen gesehen haben.

Um hiermit zu helfen, werden im Oktober Jobs freigeschaltet, um Geld zu verdienen und den an ihnen hängenden Status schneller leveln zu können. Und Ende Oktober darf das angesammelte Geld dann per Online-Shopping wieder ausgegeben werden. Wobei es hier auch nötig ist sich die Zuneigung der Kerle zu erkaufen. Über die ursprünglich und in jedem Durchgang erneut gesehenen Szenen, wodurch der Anfang immer sehr Textlastig ist, man aber dafür auch einen guten Überblick über die Liebesprospekte hat, kommt man nämlich nur bis 30% Affinität mit ihnen, um weitere zu triggern muss dann anschließend mit Geschenken nachgeholfen werden.

In wessen Herz möchte Frau sich einkaufen?

Gut gefallen hat mir übrigens auch das sehr hübsche Charakterdesign des Spieles. Und diesmal gibt es sogar mehr als nur 1 CG, sondern neben dem aus dem normalen Ende noch 2 weitere im True End. Wobei merkwürdigerweise andere weibliche Charaktere eher nicht so pralle aussehen. Was deswegen auch seltsam ist, da seit Ewigkeiten ein Nicole (Yuri Version) angekündigt ist, in dem man eben andere Mädels statt Jungs daten können soll. Wenn daraus überhaupt noch mal was wird. Auch der sehr auf melancholisch stehende Piano-Klänge gehende Soundtrack war ganz nett, die SFX eher nervig, gerade das ständige Vogelgezwitscher im Park.

Ganz einfach ist Nicole übrigens nicht, obwohl es wieder verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl gibt. Es ist tatsächlich nicht unbedingt schwer, alle Statuswerte bis zum Ende auf Maximum zu haben, die man für den jeweiligen Charakter braucht. Aber man kann sich doch verkalkulieren, wenn es darum geht, auch noch alle Mystery- und Romantik-Szenen zu sehen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Ich habe letztendlich das True End von allen vier Charakteren gesehen, musste aber bei zwei von denen von vorn beginnen, da beim ersten Versuch noch ein Standardende über den Bildschirm lief:

Rechts der DILF ist Teds Vater btw.

Jeff war der Erste, den ich angetroffen habe, nachdem Nicole prompt auf dem neuen Campus verlustig geht, und er ihr den Weg weist. Immer gestriegelt angezogen, gepflegtes Äußeres, super freundlich und charmant, ist der Pharmazie-Student auch intellektuell ein Überflieger. Also der perfekte Kerl, da muss doch was Dunkles dahinter stecken. Und bei seinen Studienfächern, und da er seinem Professor im Labor aushilft, würde Jeff doch sicherlich auch wissen, welche Drogen man verabreichen muss, um jemanden zu kidnappen und anschließend die Erinnerung zu vernebeln.

Tja, seine Nettigkeit ist dann auch nur Fassade, die er sich aufgebaut hat, als seine Großeltern in erziehen mussten, und er seither allen alles recht machen will. Darunter ist ein wenig freundlicher und arroganter Typ, der Nicole zu seiner eingeschworenen Assistentin macht. Denn der Kerl hält sich für einen Alchemisten und braucht diverse Zutaten, um einen Beliebtheitstrank zu brauen. Über die Arbeit mit ihm verguckt er sich natürlich in Nicole und wird netter, und Nicole ist dann auch so nett auf ihn zu warten, bis er aus dem Gefängnis entlassen wird. Weil Jeff natürlich der Entführer ist, der seinen nicht sonderlich erfolgreichen Trank an den Mädels ausprobiert hatte.

Ich mag den Zeichenstil, aber schon alleine 3 Charaktere sehen sich eigentlich zu ähnlich.

Ted trifft man im ersten Kriminologie-Unterricht an, wenn man ihm den Rucksack ins Gesicht haut und er später die rausgefallenen Stifte Nicole hinterher trägt. Soll angeblich einen niedlichen Akzent haben, wobei wir später herausfinden, dass damit ein Südstaatenakzent gemeint ist, und das mal alles andere ist. Jedenfalls ist er der etwas verklemmte Typ, der seinen Job im Laden des Vaters echt ernst nimmt, und leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Und Nicole behandelt ihn sofort wie eine Zirkusattraktion, die zu ihrem eigenen Vergnügen existiert.

Wir finden dann heraus, dass sein Vater Polizist ist und die Mutter vor Jahren verstarb, deswegen der von ihr geleitete Laden verkauft werden musste. Sie sind hierher gezogen und nun will er sich über den neuen Laden beweisen, der aber nicht so gut läuft. Es sei denn sein DILF von Vater steht hinterm Tresen (kein gewinnbarer Charakter, leider). Mit einer Aktion soll dann auch mehr Aufmerksamkeit auf den Laden gelenkt werden, doch letztendlich stampft sein Vater ihn doch ein, weil er nicht weiter will, dass Ted sich unnötig für den aufopfert.

Wer drauf steht…

Kurt ist der Jock-Charakter des Spiels, den man versehentlich in der Umkleidekabine erwischt. Nicole wird sich übrigens seine ganze Route über wie eine 12-Jährige verhalten, der es total unangenehm ist, wann immer sie ihn ohne Shirt sieht, als wäre ein Kerl mit nacktem Oberkörper wahnsinnig was Besonderes. Trotz reichem Vater ist er über ein Sportstipendium hier, und auch nicht wirklich eine helle Leuchte, weswegen seine aktuellen Noten das Stipendium zum Wackeln bringen, bis Nicole zu seiner Nachhilfelehrerin wird.

Denn über den Unterricht werden nicht nur seine Noten besser, sondern auch seine Attitüde. Weniger dumme Sprüche, mehr ehrliche Gespräche. Dass man ihn auf dem ersten Date nicht küssen will, als wäre man eine schüchterne 12-Jährige macht die Situation allerdings angespannt, zusammen mit einer Verletzung, wegen der er das Jahr Football aussetzen muss. Weil er meint für sonst nichts gut zu sein, dem wir natürlich wiedersprechen. Und am Ende kann er zwar wieder spielen, hat aber auch nun neue Ziele und ändert seinen Studiengang in Sportmedizin.

Autsch.

Darren trifft man ursprünglich als Voix, den besagten Blogger, den Nicole so interessant findet, obwohl sie sofort beteuert, dass sie für die wenig mädchenhaften Themen eigentlich nichts übrig hat. Hey, Nicole ist doch kein Nerd, sondern nur eine missverstandene schöne Intelligenzbombe, auf die alle neidisch sind. Das arme Mädchen, schweres Schicksal. Wenn sich dann herausstellt, dass er an das gleiche College geht, und dahinter der schüchterne Darren steckt, der so ganz anders ist, interessiert Nicole das natürlich nur noch mehr.

Tatsächlich versteckt sich der spritzige Voix auch unter der Schale des zunächst fremdelnden Darren, der erst mal auftauen muss. Darren ist sich dabei durchaus bewusst, dass sein IRL-Selbst eher eine Enttäuschung ist, wenn man ihn vom Internet kennt. Was Nicole nicht komplett abstreiten aber auch nicht komplett bestätigen kann, weil das nur der erste Eindruck ist. Nachdem Nicole ihm auf Anfrage von guter Horror-Literatur ausgerechnet Internet-Creepypastas vorschlägt, und über Darrens enge Freundschaft zu Kurt unwitzige Schwulenwitze reist, hatte ich Nicole auf Darrens Route endgültig aufgegeben. Irgendwie meidet er sie dann auch, weil er zu nah an der Sonne flog, und sie doch nie auf ihn stehen würde, aber am Ende klärt sich das alles auf und gut ist.

A Princess of Mars

Edgar Rice Burroughs hatte definitiv ein interessantes Leben. Zunächst schien alles in trockenen Tüchern einer Karriere beim US-Militär zu sein, bis er auf Grund eines Herzfehlers aus dem Dienst entlassen wurde. Die anschließenden Jahre hat er sich mit mehreren Jobs rumgeschlagen, um seine Frau und zwei Kinder zu ernähren, ohne je der erfolgreiche Geschäftsmann zu werden, den er anstrebte zu sein. In seiner vielen Freizeit ließ er sich allerdings von seichten, in Magazinen Kapitelweise veröffentlichten, Groschenromanen berieseln. Was ihn motivierte selbst zu schreiben, denn wenn ein solcher Schund publiziert würde, könne er doch sicherlich genau so Geld verdienen.

Aus Burroughs wurde letztendlich nie der große Geschäftsmann, stattdessen allerdings ein erfolgreicher Autor, der zwischen seinem ersten in einem Magazin publiziertes Kapitel in 1912 bis zu seinem Tod in 1950 fast 80 Novellen schreiben sollte, darunter auch seine bekannteste Schöpfung Tarzan. Seine wohl zweitbekannteste Schöpfung hingegen ist wohl John Carter, der direkt aus dem ersten abgedruckten Roman Under the Moons of Mars entsprang, später als A Prince of Mars auch in einem Buch zusammengefasst erschienen. Und mit 10 weiteren Büchern folgend.

Ich gehe ja schon davon aus, dass ein Buch, welches vor über 100 Jahren geschrieben wurde, ein Stück weit antiquiert ist. Schon alleine durch die im Vergleich zum modernen Slang eher gestelzt klingenden Sprache, und natürlich durch den Wandel von Wortbedeutungen schlechthing – immer erneut ein Highlight, wie häufig freudig eingestellte Charaktere als „gay“ bezeichnet werden. Und auch wissenschaftliche betrachtet, wenn ein Mars bei einem Herrn Burroughs beispielsweise komplett mit Moos bedeckt ist. Ich meine klar, es gibt auch kein intelligentes Leben auf dem Mars, und schon alleine das ist die Hauptprämisse der Reihe, aber Fiktion, die in uns bekannten Gefilden angesiedelt ist, versucht sich normalerweise dennoch stärker in der Realität zu verankern. Ein 2012 geschriebenes Buch über ein Volk auf dem Mars würde sich zumindest stärker an die uns heutig bekannten Tatsachen halten, statt einen reinen Fantasy-Planeten daraus zu machen. Aber um 1900 war eben nur bekannt, dass der Mars eine weniger dichte Atmosphäre/Schwerkraft hatte, die beiden Monde ihn näher und schneller umkreisen, es Polarkappen gibt. Außerdem gab es noch immer die Theorie von Kanälen auf dem Mars, und darauf basierend eben, dass der Mars zwar eine sterbende, aber immer noch bewohnbare Welt ist. Und darauf stützt sich Burroughs hier.

Immerhin konnte man sich dadurch damals sowohl an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, und gleichzeitig seiner Fantasie noch freien Lauf lassen, weil eben nicht genug definitiv bekannt war. Barsoom, wie der Mars hier von dein Einheimischen genannt wird, ist also tatsächlich eine Fantasywelt. Ein Planet konstant bedeckt von Moos, mit den letzten Lebenserhaltenden Kanälen und Atmosphäre konstant haltenden Einrichtungen, um das Überleben der Völker zu garantieren, nachdem die großen Seen ausgetrocknet und die antiken Städte zu Ruinen verkommen sind. Den Bulk der Einheimischen macht das nomadisch lebende Volk der grünen Marsianer aus, größer als ein Mensch, mit zwei zusätzlichen Armen und Stoßzähnen ausgestattet. Ein kriegerisches Volk, sich den rauer werdenden Gegebenheiten des Planeten angepasst, und der Tatsache dass ein individuelles Leben nicht mehr viel bedeutet, gerade wenn die Lebensressourcen der Knappheit unterliegen und die Lebenserwartung bei fast tausend Jahren liegt. Ihnen gegenüber stehen die roten Marsianer, die fast nicht von einem Erdenmenschen zu unterscheiden sind und zivilisiert in ihren ummauerten Städten leben.

Und auf jene Bühne verschlägt es eben John Carter, einen jungen Mann aus Virgina USA. Genau genommen ist das Buch in Form einer fiktiven Biographie geschrieben, Carters Niederschrift über seine merkwürdige Reise nach Barsoom, gefunden von einem dies nun publizierenden Neffen. John Carter ist allerdings ein unerträglicher Mary Stue. Bereits im Einstiegsprolog erzählt uns der Neffe davon, was für ein perfekter Mensch er war. Gut gebaut, selbst in die Vierziger noch wie Mitte-Ende Zwanzig ausschauend, ein ehrenvoller Gentleman, ein mutiger Kämpfer im Militär, ein guter Freund, wegen seines Charisma sogar von den bei der Familie beschäftigen Sklaven geliebt (ein Moment, in dem die Antiquiertheit des Buches eher einen unangenehmen Moment hat).

Und auf Barsoom ist er der schiere Superheld. Da er ja höhere Schwerkraft seines Heimatplaneten Erde gewohnt ist, sind seine Muskeln einfach gewohnt so viel mehr leisten zu müssen. Er kann also dutzende Meter weit und hoch springen. Er kann sich selbst mit den doppelt so großen und als Krieger ausgebildeten grünen Marsianern im Kampf messen, ja sogar mehrere gleichzeitig mit Leichtigkeit niederstrecken. Er lernt die Sprache innerhalb von wenigen Tagen. Sein taktisches Denken führt zu fast unfehlbaren Plänen. Die Prinzessin von Helium, und schönste Blume der roten Marsianer, verliebt sich sofort Hals über Kopf in ihn. Während alledem versichert uns Carter natürlich beständig, dass er sich für absolut nicht besonders hält, dass all dies einfach in seinem Naturell liegt, oder an seiner Besonderheit als Erdenmensch auf dem Mars. Bescheidenheit hat er also auch noch zu bieten.

Ein perfekter und unfehlbarer Charakter ist allerdings auch ein sehr langweiliger Charakter. Und ein ziemlich nervtötender in einer von ihm selbst geschriebenen Biographie, in der er selbst es somit ist, der uns alle 3 Seiten von seinem Übermenschentum berichtet, und dabei auch noch ständig bescheiden zu klingen versucht. Und manchmal ist John Carter schlichtweg ein Psychopath, der ohne mit der Wimper zu zucken mordet, und ganze Völker auslöschen würde, um an seine geliebte Prinzessin zu kommen. Das Buch über bekommt man schon das Gefühl, dass einem John Carter ein Leben absolut nichts wert ist, wenn es sich nicht um einen seiner Freunde handelt.

Ein weiteres Problem ist der imperialistische Touch der Geschichte. Nach heutiger Sicht ist es immer ein wenig unglücklich eine Geschichte zu schreiben, in welcher ein weißer Mann in einer anderen Kultur auftaucht, und als Supermensch sofort allen überlegen ist und alle ihre Probleme zu schlichten weiß. Selbst wenn es sich auf dem Mars nicht um andere menschliche Völker handelt, sondern fiktive. Gerade wo die zwei oder drei Halbsätze über das Leben auf der Erde, die Sklaven oder amerikanische Ureinwohner erwähnen, auch eher unglücklich ausfallen. Die Stämme des Mars sind für Burroughs sicherlich Analogien zu in seinen Augen weniger zivilisierten Völkern auf unserer Erde gewesen. Durchaus auch Naturvölker, denn ein weiteres Kuriosum des Lebens auf dem Mars ist, dass im Prinzip jeder permanent nackt ist, abgesehen von Rang oder Kriegsehren bestimmenden, schmückenden Ornamenten, die aber nicht zwangsläufig viel bedecken müssen.

Um ehrlich zu sein hat mich A Princess of Mars weniger für sich selbst interessiert bekommen, als vielmehr dafür mir Disneys gefloppten Versuch anzusehen, dies hier in 2012 in eine Blockbuster-Fantasy-Franchise zu wandeln. Einfach um zu sehen, wie stark die den langweiligen Über-Hauptcharakter, die rassistischen Untertöne, die inakkurate Darstellung des Mars und der nonchalante Nudismus umgesetzt haben, um dies in einen familienfreundlichen Film nach modernen Gepflogenheiten zu wandeln.

Denn das Buch an sich, pulpig und kurz wie es ist, ist schon eine ziemliche Zeitkapsel aus vor 100 Jahren. Mehr als ein Wizard of Oz oder ein Alice in Wonderland, weil so viel mehr Weltanschauung mit durchsickert und der Hauptcharakter das damalige Idealbild einer männlichen Heldenfigur sein soll. Mittlerweile gelesen ist das Ding ehrlich gesagt ein wenig dämlich bis infantil. Und maßlos überholt.

Loving Wife or Dirty Whore: Eleanor

Hallo, mein Name ist [aus Gründen der Privatssphäre zensiert] und ich habe ein Problem. Ich bin süchtig danach, zuzuschauen, wie sich Statuswerte erhöhen. So sehr, dass ich bereitwillig jedes Dating Sim spielen würde. Egal wie billig gemacht oder schmutzig von der Materie. Ja selbst wenn die schmutzige Materie wieder der Natur meiner Sexualität gestaltet ist, so dass sie mir gar nichts bringt. Ich glaube, ich muss mich langsam wieder in saubere Gefilde vorarbeiten, vielleicht über Tears to Tiara nach Sakura Wars 2?

Aber soweit sind wir noch nicht, sondern bei Eleanor: Loving Wife or Dirty Whore. Einem in Flash für den Browser gemachten Porn-Game, wenn es der Titel nicht schon verrät. Davon gibt es reichlich, denn dank diverser 3D-Model-Software ist es einfach, ein paar wenig bis moderat attraktive Charaktere in eine nichtssagende Lokalität zu schmeißen und rammeln zu lassen. In der Regel in kurzen Visual Novels gemacht, damit man über wenige richtig zu gebende Antworten in den verschiedenen Stellungen landen kann, und weil das viel einfacher zu programmieren ist. Aber so einfach macht es sich Eleanor gegenüber den meisten anderen Spielen aus gleichem Hause dann doch nicht, sondern ist tatsächlich ein vollwertiges wenn auch abgespecktes Dating Sim.

Ein wenig selbstironisch ist das Spiel schon.

Das Setup der Angelegenheit ist wie folgt. Eleanor ist eine Ehefrau, jedoch alles was sie an ihrem Ehemann Drake liebt ist sein Geld. Oder besser gesagt jenes auszugeben, was dazu geführt hat, dass der gute Drake irgendwann feststellen muss, dass alle Konten, auf die seine Eleanor zugriff hat, leer geräumt sind. Wobei es etwas hart ist zu verstehen, wofür sie das alles ausgegeben hat, denn anschließend wieder zu Barem machen kann man gerade mal 5 Kleider. Aber gut, mit zigtausenden von Dollar weniger in der Ehe, kommt Drake zum Entschluss, dass es eine Ehefrau weniger auch tun könnte. Also nicht in dem Sinne, dass er versucht sie umzubringen, sondern Eleanor mit der Scheidung droht. Es sei denn die beweist ihm ihre Gutmütigkeit der Ehe doch noch eine Chance zu geben. In dem sie sich wieder hinein kauft. Wenn Eleanor es schafft in 50 Tagen mit 2000$ an Anzahlung um die Ecke zu kommen, und auch ausreichend herzlich Drake gegenüber war, nimmt er sie doch wieder zurück.

Es gibt also im Spiel sowohl ein Zeitlimit wie auch ein bis dahin zu erreichendes Ziel, sowohl in Geld als auch in Zuneigung Drakes gegenüber Eleanor. Um jene zu gewinnen bleiben Eleanor täglich diverse Aktionen, wie ihm beispielsweise ein Essen zu kochen, mit ihm zusammen TV zu schauen, und sobald eine gewisse Schwelle überschritten ist, ihm das Hirn rauszuvögeln. Geld verdient sich, zumindest sobald sie die 5 Kleider im Schrank verkauft hat, von denen sie sich zu trennen bereit ist, nur in dem sie einen der vier Jobs der Stadt annimmt. Und hier zählen weitere Statuswerte wie Style, ihr Management, ihre Sexappeal etc. hinein, denn nur mit den richtigen Stats wird sie engagiert, und nur mit noch besseren wird sie befördert. Zusätzlich hat natürlich auch Eleanor Stamina zu balancieren, in Form von Hunger, der mit jeder Aktion, die nicht essen beinhaltet, steigt. Und letztendlich muss ihre Moral auch immer wieder aufgepeppt werden, damit sie überhaupt die Motivation für andere Aktionen hat.

Bei der Haltung ist es nur eine Frage der Zeit zum Hexenschuss.

Doch dann gibt es noch einen weiteren Statuswert, der im Titel des Spieles verankert ist: Treue. Wir starten in der Mitte bei 50 und diverse Aktionen verringern oder erhöhen diesen Wert. Bis bei 100 Eleanor zur liebenden Frau und bei 0 zur dreckigen Hure wird. Manche Dinge sind selbsterklärend, sich um Drake oder den Haushalt zu kümmern gibt beispielsweise Punkte gen gute Ehefrau, mit anderen Leuten zu schlafen ist hingegen nuttig. Manche Dinge sind fragwürdiger. Wenn Eleanor für sich im Büro masturbiert, um ein wenig Dampf abzulassen, gibt das Huren-Punkte statt neutral zu sein. Aber so richtig witzig ist es, mit Drake zu schlafen. Beziehungsweise was man dort mit ihm macht. Denn ihn einfach ranzulassen macht einen zur guten Frau, sich von ihm die Muschi lecken zu lassen hingegen zur Hure. Irgendjemand fand das bestimmt logisch, ich fand es urkomisch.

Allgemein muss ich sagen, fand ich das Spiel recht amüsant gehalten. Viel Text ist natürlich nicht drin, hauptsächlich klickt man sich stupide durch die immer gleichen Aktionen, um die richtigen Statuswerte zu verbessern, sich beim richtigen Charakter einzuschmeicheln, oder das Bankkonto zu füllen. Selbst besagte Gespräche mit den Charakteren sind nicht so sehr Dialoge, als das man einfach nur Icons anklickt, die für sie interessante Themen repräsentieren, um die Zuneigung zu erhöhen, während die Konversation komplett Wortlos und für den Spieler unsichtbar telepathisch abläuft. Aber die ein oder zwei Sätze, welche die meisten Aktionen begleiten, sowie die drei oder vier, die dann doch mal bei einem Event-Gespräch zustande kommen, sind selten ernst gemeint, nie ernst zu nehmen, und durchaus humorig.

Reden ist Silber, Icons klicken ist Gold.

Ich meine selbst Eleanor als Charakter konnte ich gegen Ende etwas leiden, obwohl das Setup sie so extrem schlecht porträtiert. Ist sie zu Beginn auch. Jedoch hat sie einen sehr starken Charakter und ein ziemlich loses Mundwerk, plus viele sarkastische Gedankengänge, durch die ich mich schon für sie erwärmen konnte. Je nach einem der 8 erreichbaren Enden kann sie durchaus auch wesentlich netter sein, und wann immer sie jemandem etwas auswischt, freut man sich fast für sie, weil der jeweilig andere noch mieser vom Charakter her ist. Abgesehen davon mag ich sehr, dass sie das ganze Spiel über komplett in Kontrolle bleibt, statt zum Sexpüppchen zu verkommen, da tatsächlich alles in der Hand des Spielers liegt. Sie muss sich nicht durch die halbe Nachbarschaft schlafen, wenn ihr (bzw. dem Spieler) nicht danach ist. Sie kann zur netten und treuen Hausfrau werden. Sie kann ihrer wilden Sexualität freien Lauf lassen. Egal was sie auch macht, um Geld zu verdienen, es ist immer ihre freie Entscheidung.

Ich glaube wenn man nicht will, muss man das ganze Spiel über gar keinen Sex haben. Geld lässt sich auch auf andere Art und Weise gewinnen, und die Zuneigung von Drake kann auch über Gespräche und andere Aktionen erhöht werden. Das ist schon ziemlich interessant, wenn man mal bedenkt, dass der Stimulus der Libido des Spielers schon das Hauptziel des Spieles ist. Hat man sich jedoch dafür entschieden, sich doch Stimulieren zu lassen dann… eh, ich weiß ja nicht. Ich bin sicherlich auch nicht das Zielpublikum in jener Hinsicht, aber so ein paar 3D-Modelle in abgehakten Wenig-Frame-Animationen aneinander reiben zu lassen. Ich will hier niemanden werten, aber ich halte das schon schwerlich für sonderlich sexy, was einem das Spiel so zu zeigen hat.

She works hard for her money…

Weitere Probleme, die dadurch kommen, dass wir es hier mit einem Flash-Browsergame zu tun haben, ist das es kein traditionelles Speichersystem gibt. Stattdessen funktioniert das Spiel komplett über eine Autospeicher-Funktion, die von selbst beim Übergang in einen nächsten Tag zwischenspeichert. Bricht man das Spiel ab ist man somit mit einem schnellen Klick auf Continue wieder zurück. Das bedeutet aber auch, dass man nie zu Entscheidungen zurückgehen kann, die vor dem aktuellen Tag geschehen sind. Und das es keine weiteren Speichermöglichkeiten gibt. Wer was anderes ausprobieren oder ein weiteres Ende bekommen will, selbst wenn der einzige spielerische Unterschied ist am letzten Tag eine einzelne Entscheidung zu ändern, muss komplett von vorn beginnen.

Damit einher geht, das sollte man den Tag abbrechen und auf Continue neu einsteigen, man auf der Übersichtskarte der Stadt beginnt, statt wie gewohnt im Schlafzimmer zu erwachen. Jegliche Szene, die also direkt nach dem Aufwachen getriggert würde, wie beispielsweise mit Drake einen Kurzurlaub zu machen, geht einem verloren. Und dennoch habe ich einen Großteil der optionalen Events mir erspielt und alle 8 Enden gewonnen. Ich glaube ich bin echt viel zu einfach zu befriedigen, gibt mir ein wenig Stat-Raising-Gameplay und ich bin am süchteln. Zumal man wie gesagt bei Eleanor wenig Text und viele repetitive Klicks hat, was dem Spiel so gesehen für mich zugutekam, da sich so leicht auf Autopilot durchhecheln lässt, während man nebenbei einen Stream schaut.

Eigentlich isser echt ein guter Fang.

Drake ist eigentlich ein sehr guter, wenn auch nicht ganz so schlauer, Ehemann. Ich hab keine Ahnung, warum Eleanor zu Beginn so wenig von ihm hält, sie ist nämlich wirklich nicht gerade mit einem Schwein verheiratet. Drake ist ein Silberfuchs, der immer noch körperlich gut in Schuss ist, sein volles Haupthaar mit sich trägt, und sogar die Option seine Frau oral zu befriedigen früher offen hat, als sich einen Blowjob geben zu lassen oder Penetration zu wollen. Ich find es ja auch ganz niedlich, dass Eleanor zunächst beim Schlafengehen allein im Bett ist (er nimmt die Couch), aber bei etwas mehr Zuneigung die beiden dann doch wieder nebeneinander schlafen, noch bevor er sie ranlässt.

Was nicht bedeutet, dass er keine abenteuerliche Seite haben kann. Wenn man beispielsweise den Garten auf Vordermann bringt und den Bikini kauft, ist eine optionale Szene es dort mit ihm zu treiben, wohlwissend das der Nachbar spannt, für den leicht exhibitionistischen Kink. Oder im Urlaub auf Gras einen Dreier zu schieben. Es gibt übrigens zwei Enden mit ihm. Zahlt man ihm sein Geld zurück und hat genug Zuneigung, plus ist mehr auf der Seite der liebenden Hausfrau im Treuemeter, kauft er Eleanor ein neues Auto und sie machen zweite Flitterwochen. Tendiert sie allerdings mehr zur Hure bekommt er eine Beförderung, wodurch er viel auf Dienstreise ist, während der sich Eleanor die Zeit mit Sexpartys vertreibt. Aber hey, die sind immerhin umsonst statt das Konto zu leeren.

Dennoch gibt es attraktivere Fänge.

Sven ist der arische Schwede, der den Fashion Store leitet, eine von vier Jobmöglichkeiten für Eleanor. Da er Eleanor wenig gut behandelt, ziemlich selbstverliebt ist, und viel zu gut aussieht, hält sie ihn dann auch sofort für schwul. Womit sie leben kann, wenn schon jemand sie verbal disst, dann wenigstens eine Queen. Zu meiner persönlichen Freude wird das Model in spe allerdings nicht nur mit der Zeit freundlicher, sondern ist durchaus eine Option für Eleanor, wenn man es schafft auf die dritte Stufe befördert zu werden.

Dann lädt er sie nämlich auf ein nettes Essen ein, mit von ihm gespendetem Glamour-Outfit, meint gar nicht verstehen zu können, warum ihn immer alle für schwul halten, und anschließend geht es aufs Zimmer. Gibt man ihm hier direkt einen Blowjob, hat man es übrigens mit ihm vermasselt, weil zu herabwürdigend oder was weiß ich. Lässt man ihn den Sex initiieren, geht das besser aus. Er geht eine Weile auf Dienstreise nach Europa, während man den Laden für ihn managet, und nach seiner Rückkehr nimmt er Eleanor mit nach New York, wo er ein weiteres Geschäft eröffnet, und sie zu seiner Geschäftspartnerin und Gesicht des Unternehmens macht.

Eleanor: Immer voll in Kontrolle.

Auch mit Flake kann man ein Ende gewinnen, und auch er ist der Boss eines der Etablissements, in denen Eleanor Geld verdienen kann. Der einzig schwarze Charakter des Spieles ist der Zuhälter, der den Strip Club der Stadt leitet. Wer für ihn arbeiten will braucht nicht nur die richtigen Statuswerte und ein sexy Outfit, sondern muss ihm auch einen Blowjob geben. Anschließend ist schnell ein Vorschuss von 500$ verdient, wenn man seinen Vorschlag annimmt, vaginalen Verkehr mit ihm zu haben, plus 100 weitere Flocken, wenn er bei Kommen nicht rausziehen muss.

Eleanor wird also zur Stripperin Princess Lusty Lick, und kann hierüber sogar das Event starten an einem Porno teilzunehmen. Was aber nicht für Flakes Ende wichtig ist. Wichtig ist allerdings auch hier bis Stufe 3 der Karriere zu kommen, durch deren neue Option man sich richtig in „Privattänzen“ prosituieren kann. Jedenfalls gerät Flake mit der Polizei in Probleme und muss die Stadt verlassen, bietet jedoch seiner besten Zuchtstute an mit ihm zu kommen. Romantik pur.

Und wenn das Bier erst versehentlich das Shirt durchnässt.

Besagter Porno, sollte man sich denn hingeben schnell weitere 500$ gewinnen zu wollen, nennt sich übrigens Four Cocks Three Holes: The Journey, was ich für sehr fehlleitend halte, denn die anschließende Szene beinhaltet Eleanor mit zwei Kerlen. Da kann jemand eindeutig nicht zählen. Ich meine drei Löcher sind an Eleanor ja schon, aber was für Mutanten sind die Kerle, um auf vier Schwänze zu kommen? Anschließend hat man sogar die Option professionelles Porn Starlett zu werden. Jedenfalls, wenn man den Porno dreht, und an einem vorherigen Tag das Cheerleader-Outfit anhatte, als man Drake und dessen Kumpel an einem Football-Abend Snacks gebracht hat, und mit dem Kumpel im Bad einen Quickie hatte, taucht Greg auf.

Der ist ehemaliger Trauzeuge von Drake, der einen mit seinem Wissen erpresst. Wenn man mit ihm schläft, nimmt er witzigerweise an, Drake würde einen zu all diesen Dingen zwingen, um Geld zu verdienen, und nimmt einen mit in eine offene Beziehung. Woraufhin Eleanor prompt sein Konto leerräumt, ihn verlässt, und als Laura Golddigger an die 100 Gang-Bang-Pornos dreht. Lehnt man den Sex mit Greg ab kommt es zu einem anderen Ende, denn er erzählt Drake alles, der einen rauswirft, Eleanor sich allerdings an einen reichen Kunden des Strip-Schuppens hängt und weiterhin gut lebt.

Eleanor macht das nicht zum ersten Mal.

Das letzte Ende, welches an einem Kerl hängt, ist das mit Kevin. Kevin ist der Boss im Bürojob, und damit auch der von Drake. Die beiden verstehen sich gut, weswegen Drake ihm gebeichtet hat, in was für einer Situation man sich befindet, und dass er einen beim verzweifelten Versuch Geld zu verdienen doch helfen soll. Das fette Schwein nutzt das prompt aus, um Eleanor reichlich anzumachen, und jegliche Beförderung im Büro hängt an gegebenen Blowjobs. Eleanors neuer Name ist von dannen Fuckslut.

Schafft man es hier auch zum Höhepunkt der Karriereleiter, so will Kevin das man sein ganz persönliches und immer bereites Fuckslut wird, zumindest bis man zu alt und unattraktiv dafür ist. Man kann zustimmen, was aber kein eigenes Ende los tritt. Man kann ablehnen und genug Affinität vorausgesetzt auch die Büroangestellte Paige dazu bringen, einem dabei zu helfen, Kevin in den Arsch zu treten. So oder so sagt er Drake seine Version der Geschichte, der sich von Eleanor scheiden lässt, wobei sie sich auch hier einen neuen reicheren Kerl angelt.

Ein sich durch die Stadt hurendes Flittchen zu rollenspielen ist ja eigentlich genau, wie ich Sims zu spielen pflege.

Der Rest:
Bleibt noch ein Ende offen, welches an keinen Charakter gebunden ist. Genau genommen ist es daran gebunden, überhaupt nichts zu machen, denn es initiiert nur, wenn man Drake nicht zurück gewinnt, aber auch nicht die Weichen für das mit jemand anderem stellt. Drake lässt sich scheiden, Eleanor flieht aus der Stadt, jedoch kauft sie sich eine Farm (mit dem Scheidungsgeld nehme ich mal an) und lebt ein simples jedoch zufriedenes Leben als Landwirtin. Wie nett.

Eleanor hat allerdings noch weitere Möglichkeiten, ihrem Mann untreu zu werden, ohne in ein anderes Ende zu gelangen. Irgendwann taucht Tony auf, mit dem sie drei Jahre in der High School zusammen war, bis er sie dabei erwischt hat, wie sie am Abend des Abschlussballes mit seinem Vater für gute Noten schlief, nur um den dann mit dem Nachbarn zu betrügen. Seither konnte er nicht mehr mit einer Frau schlafen (praktischerweise ist er bisexuell), ob ein letzter Mitleidfick ihn heilen werden kann?

Auch aus der High School kennt Eleanor Johnny High-Tucker, den sie immer als Gay-Fucker getauft gehänselt hat. Jetzt ist er Anwalt bei der Firma des Bürojobs. Er lässt sich allerdings durchaus dazu überreden, einen eher aggressiv-rauen Dreier mit Eleanor und seiner Frau zu haben, wenn die zustimmt.

Der gerade volljährig gewordene Nachbarsjunge James kommt ebenfalls eines Tages vorbei, um sich auf einen Europatripp zu verabschieden, allerdings fragend, ob Eleanor ihn nicht eine Fantasie erfüllt, die er seit Beginn seiner Pubertät mit sich rumträgt.

Letztendlich kann Eleanor auch noch die Kollegin im Büro Paige zu einer flotten Bescherung überreden. Fast etwas schade, dass es im Spiel nicht ein volles Ende gibt, in dem die beiden ihrer lesbischen Liebe nachgehen. Das wäre doch mal ne Abwechslung gewesen. Eventuell gebunden an das Kevin-Ende.

Assassin’s Creed (2016)

Es gibt mittlerweile so gut wie nichts, was halbwegs Kohle gemacht hat, was nicht die Option auf einen Film bekommt. Ob daraus dann auch wirklich was wird, ist immer so eine Sache, manches verschwindet sofort wieder in der Versenkung, anderes taucht dann eventuell doch wieder auf – der Castlevania-Film, der sofort absackte, ist ja auch kürzlich beispielsweise als Netflix-Miniserie realisiert worden.

Videospiel-Adaptionen haben allerdings einen eher mauen ruf was die Qualität angeht, genau wie deren Zugkraft an den Kinokassen, solange wir zumindest von Hollywood-Adaptionen jener sprechen. Die schon in die Jahre gekommenen zwei Tomb Raiders und die Resident Evil Franchise bestreiten weiterhin mit die Top-Ränge, wenn es um die Einspielergebnisse gibt. So ganz richtig legitim gemacht hat Hollywood Videospieladaptionen jedenfalls immer noch nicht, selbst in Zeiten von Blockbuster Comic-Adaptionen oder selbst einer Themenpark-Attraktionen wie Fluch der Karibik.

Assassin’s Creed ist jedenfalls definitiv ein weiterer Versuch nicht nur endlich die Blockbuster-Wirksamkeit von Videospiel-Adaptionen zu untermauern, sondern jene mehr zu legitimieren, als das ein Resident Evil kann. Mit einigen guten und bekannten Schauspielern, allen voran der Hauptstar Michael Fassbender (der auch einer von ganzen 7 Produzenten des Filmes darstellt, was schon ein gewisses Warnsignal ist). Mit einem Budget hinter der Angelegenheit. Und in dem sich das ganze Ding absolut bierernst nimmt. Das Resultat ist dann ähnlich dem Prince of Persia Film mit Jake Gyllenhaal ein Film der weniger wirklich als schlecht zu betiteln ist, als vielmehr einfach nur ziemlich langweilig.

Ich meine das Ausgangsmaterial hilft definitiv nicht. Ich persönlich habe den ersten Teil, alle drei um Ezio, sowie den dritten gespielt. In jenen fünf Einträgen kam die Serie nur ein einziges Mal nahe daran, eine gute Handlung zu haben, und das war in Assassin’s Creed II. Und auch da nur der historische Part um Ezio, denn der übergeordnete Präsenz-Part der Franchise war schon immer Blödsinn der nirgendwo hin geführt hat. Und selbst bei Ezio ruiniert das Spiel noch viel im finalen Kapitel. Gleichzeitig ist Ezio auch der einzige Charakter in diesen Spielen, der wirklich Charisma hat, statt sterbenslangweilig zu sein. Assassin’s Creed ist hauptsächlich dann launig, wenn man den Scheiß macht, der einen persönlich unterhält, eher weniger während man den Haupthandlungen folgt.

Das ist natürlich von vornherein keine gute Voraussetzung, weil ein Film sich auf Handlung und Charaktere stützt, kein Gameplay enthält welches bei Laune halten könnte. Außerdem trifft der Film nicht die schlaue Entscheidung, auf Ezios Geschichte aufzubauen. Genau genommen erzählt der Film nicht wirklich strickt eines der Spiele nach, denn alle Namen und Lokalitäten sind neben anderen Änderungen nicht kongruent zu ihnen. Jedoch stützt sich all das hier eindeutig wesentlich auf das erste Assassin’s Creed. Ein Spiel mit Nonsens-Handlung und einem Hauptcharakter, dessen Lahmheit nur noch von dem in Assassin’s Creed III übertroffen wird. Außerdem wird sich stark auf den Präsenz-Teil gestützt, was schon immer das schwächste Glied der Spiele war.

Dementsprechend gibt es auch viele neue Hintergründe, um den Blödsinn aus den Spielen zu hinterfüttern und eventuell zu legitimieren. Und mehr zu einem Hollywood-Film zu machen. Beispielsweise ist der Animus nicht mehr eine Maschine, in die man sich einfach hineinlegt, sondern nun ein Ganzkörper-Workout-Virtual-Reality-Gerät, weil das in einem Film cooler aussieht, besonders wenn man während der Einsätze in der Historie immer wieder zu Fassbender im Animus blenden will wie hier. Auch bekommt der nun eine ganze kleine Truppe an Neben-Assassinen, die mit ihm mit kämpfen können, inklusive ein Love Interest zu dessen keine Chemie besteht, aber Hollywood halt. Und eine tragische Geschichte natürlich. Boring McDull in den Spielen war einfach irgendein Barkeeper in einem Hoody, der von Abstergo entführt wurde, weil er vor hunderten von Jahren mal einen Assassinen-Vorfahren hatte. Boring McDull Fassbender-Variante hingegen musste als Kind miterleben, wie seine Mutter von seinem Vater umgebracht wurde, um das Assassinen-Geheimnis vor den Templern zu bewahren – ach ja, Assassine zu sein ist jetzt scheinbar genetisch, einmal einer, schon ist es jeder in deinem Familienstammbaum. So auf die schiefe Bahn geraten wurde er zum Kriminellen, der den Film im Gefängnis und gar in der Todeszelle beginnt (er hat jemanden umgebracht, aber nur einen Zuhälter, was der Film scheinbar für mildernd ansieht), aus dem Abstergo ihn heraus holt. Vielleicht auch, um besser zu erklären, wie sie Boring McDull dort festhalten können, ohne dass es irgendwann mal auffallen würde.

Es wird im Film auch wesentlich klarer gemacht, dass die Assassinen die Guten sind, ein hehres Kredo an vigilanten Außenseitern, die aus den Schatten Gerechtigkeit ausüben und im Gegensatz zu uns Sheepeln die Wahrheit sehen. Während die Templer eindeutig die Bösen sind, weil wann sind die das in einem Hollywood-Film schon mal nicht. Aber die hübsche Wissenschaftlerin macht natürlich all die Experimente nur, um die Gewalt in der Welt zu beseitigen, nicht um mit dem Apfel von Eden jene zu regieren.

Und die ganze Handlung ist wirklich ziemlicher Blödsinn, ziemlich langweilig präsentiert, mit vielen luftigem aber eigentlich stumpfsinnigem Phrasentum, und einer Horde an extrem uncharismatischen Charakteren. Selbst Fassbender kann seinen Boring McDull nie interessant oder charmant machen. Und vor allem gibt es im ganzen Film so gut wie nichts Cooles zu sehen. Kein Parkour in luftigen Höhen. Nur kurze und langweilige Brawls statt geheimes Dahinmmeucheln. Der ganze Film ist von seinen Farben her sehr gedeckt und die meisten Szenen wirken staubig oder neblig und verschmiert, als würde nie alles so richtig in den Fokus geraten. Allen voran das Rumgehampel im Animus, welches in einem schon schlecht beleuchteten Raum geschieht, plus per Hologram-CG die historischen Ereignisse so in die Realität blenden, dass man wirklich nichts Genaues ausmachen kann. Und wow was sieht Fassbender in der Assassinen-Kapuze so blöd aus.

Nein, Assassin’s Creed ist definitiv nicht der Film geworden, der endlich beweist das Videospiel-Adaptionen was her machen können. Dass sie ein gutes Mittel gegen Schlafstörungen sein können hingegen aber doch.