Resident Evil: Vendetta

Das Jahr 2017 sah einige neue Aktivität in der Resident-Evil-Franchise. Neben dem Release vom Live Action The Final Chapter und dem neuesten Videospiel Resident Evil 7: Biohazard, kam es nämlich auch zum dritten CGI-Film mit Resident Evil: Vendetta.

Der bringt uns den beliebtesten Charakter der Franchise zurück: Rebecca Chambers! Jetzt Professor Chambers, in einem argen Bruch mit der Suspension of Disbelief. Man hat ja über die Jahre so einigen Blödsinn im Namen von Resident Evil zu schlucken gelernt. Chris boxt einen Felsen? Klar. Ein Zombie-Elefant? Warum nicht. Whesker als Präsident? Ok. Aber „Professor Chambers“ geht dann doch etwas arg weit.

Sie ist sogar ein sehr integraler Charakter des Filmes. Denn ein Zombie-Virus geht um. Wow, in Resident Evil? Nicht doch. Tatsächlich ist es allerdings ein neuer, der die Zombies zu wesentlich effektiveren Waffen macht, da sie von Hersteller Arias kontrolliert werden, und somit nicht einfach jeden angreifen, den sie sehen. Rebecca, das Professoren-Superhin, hat ein Gegenmittel gefunden. Dann sieht sie auch noch aus wie die tote Frau von Arias, dem die Regierung einfach mal die Hochzeit zerbombt hat, woraufhin alle außer ihm starben, was ihn überhaupt zu seiner Zombie-Vendetta verleitet.

Was ich hieran persönlich ganz interessant fand, war die Tatsache, dass Shinji Mikami in einem Interview sagte, dass er passive weibliche Charaktere wie Rebecca gar nicht leiden kann, und nicht im Original Resident Evil haben wollte. Wirft natürlich ein wenig die Frage auf, warum man ihre Rolle im REmake nicht etwas angepasst hat, oder warum Jill in besagtem Spiel in jeder zweiten Cutscene auf den Hintern fällt und von Barry gerettet werden muss. Interessant ist das aber auch im Kontext mit Vendetta, mit dem Mikami natürlich nichts zu tun hatte. Denn Rebecca ist hier ein durchaus sehr starker und sich durchsetzender Charakter, wenn auch wie gewohnt als Medic bzw. Professor keine Kämpferin. Oder zumindest bis sie halb durch den Film durch vom Schurken entführt und zur Damsel in Distress gemacht wird. Da musste ich dann doch etwas schmunzelnd an das Interview denken.

Netterweise hat sie gleich zwei Kerle, die um ihre Befreiung kämpfen. Zum einen Leon, der wie immer in den Filmen leider nicht der DMC-Dante-light Sprücheklopfer und witziges Kerlchen bekannt aus Resident Evil 4 ist, sondern weiterhin relativ selbstmitleidig auf den Grund von Alkoholflaschen schaut, bevor er von Rebecca ins Gewissen geredet bekommt, dass man vielleicht doch mal ein paar Zombies abknallen gehen sollte. Dann stiehlt der Alte aber echt das Rampenlicht, ist Leon doch der Einzige, der hier die coolen Slow-Motion Shots bekommt im Schusswechsel mit Zombies oder auf dem Motorrad gegen Zombie-Hunde. Chris ist auch mit dabei, eigentlich der Charakter, den wir am meisten sehen werden, und absolut goldig in seiner Daddy-Nummer gegenüber Rebecca.

Aus der ganzen Sache damit, zu hinterfragen, ob eine Regierung überhaupt unterstützenswert ist, die viele Unschuldige auf einer Hochzeit umbringen, nur um einen Waffenhändler zu erledigen, macht der Film natürlich letztendlich nichts. Genau wie die beiden Freunde von Arias, Nina Williams für Arme und ihr Hühnen-Vater zwar wichtig aussehen, dies jedoch nie werden. Resident Evil halt, wen kümmert schon die Handlung – den Film an sich sicherlich eher nur auf drittrangiger Stelle. Dafür kommt er dem Rest aber nicht in den Weg.

Er ist nämlich dennoch ziemlich gefällig und vielleicht bisher die beste Film-Inkarnation der Franchise. Einfach weil er ziemlich launig unterhält. Ob es nun die Anfangsszene in der Villa ist, in der Chris mit Einsatzteam durch die dunklen Gänge geht und einer nach dem anderen von Zombie-Kindern zerfleischt wird. Teilweise in atmosphärischer Egoperspektive. Oder dann eben später, wenn die Action so richtig aufdreht, und gegen die Horden an Zombies vorgegangen wird. Dabei immer dämlicher aber auch witziger werdend. Kulminierend in einem Nachkampf Chris vs. Arias, in dem sich die beiden mit Knarren beschießen, aber dauerhaft trotz nächste Nähe verfehlen, weil sie mit Akrobatik und Fisticuffs einander beständig ausweichen. Etwas besser aussehen könnte der Film lediglich, hinkt er doch weit hinter anderen CG-Filmen wie beispielsweise Kingsglaive hinterher.

Resident Evil: Vendetta ist absolut dämlich, aber auch absolut unterhaltend. Prädikat Sehenswert.

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Resident Evil: The Final Chapter

Man kann der Resident Evil Film-Franchise so einiges vorwerfen, von minderer Qualität zu schlechter Reputation, aber sicherlich nicht, dass sie nicht profitabel gewesen wäre. Wo ständig Videospiele für Verfilmungen optioniert werden, daraus dann aber gar nicht so häufig etwas wird, oder wenn dann nach einem oder zwei Filmen wieder eingehen, lief Resident Evil immerhin für 14 Jahre und brachte 6 Filme hervor. Plus bereits Gespräche über ein Reboot und weiterer Zusammenarbeit von Capcom, Constantin Film und Paul W.S. Anderson im bereits im Filmen befindlichen Monster Hunter.

Und das, wo die Filme auch noch ein durchgängig überschaubares und relativ konstantes Budget von für Hollywood mageren 40-60 Millionen Dollar hatten, während die Abverkäufe mehr und mehr Gewinn machten. Kurioserweise sinkend im eigenen Land, aber steigend in ausländischen Märkten. Ist vielleicht so ein Ding wie Fluch der Karibik, welches auch nur noch existiert, weil es in China unglaublich an den Kassen klingelt, während der Rest der Welt seit zwei Filmen über die Franchise hinweg ist.

Mit den Videospielen hatten die Filme irgendwie sowieso schnell gar nichts mehr zu tun. Was vielleicht im Grundsatz keine schlechte Idee ist. Die Spiele haben schwachsinnige Charaktere in dämlichen Handlung zu bieten, und sind dann am besten, wenn man sich dessen voll bewusst ist und den Blödsinn regelrecht zelebriert wie ein Resident Evil 4, oder möglichst wenig Handlung bietet wie das erste Resident Evil. Sich stark vom Ursprungsmaterial wegzubewegen hätte hier zumindest die Möglichkeit gegeben, die Filme besser zu schreiben. Dem ist wie wir wissen allerdings nicht so gewesen.

Genau genommen erinnert man sich eh kaum daran, was in vorigen Filmen geschieht, die aber netterweise immer einen schnellen Recap bieten, nach dem zu urteilen sowieso nie viel von Wert geschehen ist. Wobei The Final Chapter ordentlich Backstory zum Ursprung des T-Virus und Umbrella gibt, von denen ich echt nicht sicher wäre, dass dies so direkt überhaupt mal in den vorigen fünf Filmen angesprochen wurde. Nachdem dies das Schlusskapitel ist und so auf die Tochter des Forschers, die als Bildnis für die Computer-KI Red Queen aus dem ersten Teil herhalten durfte, rumgeritten wird, ist sicherlich auch schnell jedem klar, welches Geheimnis hier um Amnesie-Alice gelüftet werden wird.

Ich dachte übrigens auch, dass der vorige Film darauf geendet hatte, dass sich Alice und ihre Company in Washington DC getroffen haben, um ein letztes Gefecht zu schlagen. Keine Ahnung, ob da in der Babypause von Milla Jovovich zu viele Schauspieler für abgesprungen sind, oder was auch immer, aber The Final Chapter erklärt uns, dass dies nur eine Falle von Whesker war und nun ist Alice wieder alleine unterwegs. Die Red Queen kontaktiert sie, meinend dass die letzten tausend menschlichen Überlebenden innerhalb von 48 Stunden aussterben werden, es sei denn, sie kommt zum Umbrella-HQ aus dem ersten Teil im zerbombten Raccoon City zurück, um ein dort gelagertes Antivirus zu entlassen. Wie praktisch.

Ach ja, und Umbrella ist nicht voller Idioten, die keinen Virustest machen können, ohne dabei versehentlich das halbe Land zu infizieren, sondern zumindest in der Filmfranchise dürfen wir herausfinden, dass dies eine gezielt eingefädelte Apokalypse ist. Da die Erde in naher Zukunft durch Umweltzerstörung und Überbevölkerung eingegangen wäre, haben die Umbrella-Obrigen auf eine regenerierende Zombie-Apokalypse gesetzt, während sie sich im Kryptoschlaf auf eine bessere Zukunft der Elite freuen. Klar, warum auch nicht.

Im Prinzip besteht der Film nun aus dem Trip von Alice nach Raccoon City, auf dem sie an Umbrella-Militärs gerät, und auch einen Fight in den Ruinen angekommen gegen Sie mit weiteren Überlebenden hat. Plus dann der Gang durch das wieder aktivierte Sicherheitssystem des unterirdischen HQs.

Alles leidlich unterhaltsam, da die Action nämlich nie wirklich abzubrechen vermag, und man sich um viel mehr sowieso nie zu scheren gewusst hat. Dass das Budget nie wesentlich erhöht wurde, sieht man dabei allerdings leider, denn die CG-Effekte sind weiterhin mau, und allgemein kaschiert der Film viel durch dunkle Shots und verwackelter Kamera, auch in Sachen Action-Chorographie. Zudem sind die Gegnerdesigns halt auch nicht der Bringer, sondern hauptsächlich stinknormale Zombies, an denen sich die Welt vor Jahren tot gesehen hat. Resident Evil verkam relativ schnell zu einem durchschnittlichen und Identitätslosen Zombie-Action, und daran wird auch The Final Chapter nichts mehr ändern. Milla Jovovich hat immerhin wie immer ihren Spaß und Onscreen Charisma, auch wenn man aus ihrer Rolle natürlich nicht viel rausholen kann.

Ich bin einer, der sich nie über die Filme so aufregen konnte, wie das manch anderer vermag. Was aber auch nicht bedeutet, dass ich sie sonderlich gut finde. Für mich dümpelten die alle mehr oder weniger zwischen langweilig bis ganz schaubar dahin. Das ist keine hohe Auszeichnung, aber dann wiederum scheinen die Projekte nie sonderlich ambitioniert gewesen zu sein. The Final Chapter fällt da so ein wenig in den oberen Bereich der niedrig angesiedelten RE-Film-Qualität: Man wird nicht einschlafen, aber den Film nach einer Woche bestimmt schon wieder vergessen haben.

Hustler White

Hustler White beginnt wie jedes romantische Epos: Mit einer Leiche im Pool. Aber dann, im darauffolgenden Rückblick haben wir es: Liebe auf den ersten Blick. Jürgen Anger, der gerade aus Europa angereist ist, um sich Inspiration für ein Buch über Stricher und Pornodarsteller zu holen, läuft Bald-Poolleiche Monti über den Weg, der gerade einem Freier den Geldbeutel gestohlen hat und bei der Diebesflucht zum Fahrerflüchtigen wurde, nachdem er einen anderen Stricher über den Haufen gefahren hat. Monti bekommt Jürgen (noch) nicht in die Finger, aber das blutverschmierte weiße Hemd um den Mannesschweiß zu inhalieren ist auch schon was wert.

Tatsächlich wird Jürgen noch einige Male auf Monti treffen, ohne ihn direkt in sein Auto komplimentiert zu bekommen. Beispielsweise wenn Jürgen Backstage beim Dreh eines Schwulenpornos dabei ist und Monti dort als Fluffer arbeitet, der schwindende Manneskräfte mit Handauflegen wieder zu neuem Stehvermögen verhilft. Irgendwann hat er ihn dann aber, tausend Dollar Gage für einen Nachmittag als Möchtegern-Fremdenführer haben wohlweislich geholfen, und Monti erzählt Jürgen alles, was es über Hollywood zu berichten gibt. Nicht übers reiche Beverly Hills, nicht über die Filmtraumfabrik, nicht über den berühmten Sunset Boulevard. Nein, über den dazwischen gelegenen Santa Monica Boulevard, wo sich die Stricher ihr Geld verdienen.

Hustler White ist ein Film von und mit Bruce LaBruce, der sich für einige kontroverse Randproduktionen auszeichnet, sowie unter dem für seinen Charakter hier verwendeten Namen Jürgen Anger auch direkt Schwulenpornos gedreht hat. Mit dem weniger glamourösen Bereich des Filmemachens kennt er sich aus, genau wie in der Schwulenszene an sich.

Der Film hat dann auch eine interessante Herangehensweise an seine Geschichte der sexuellen Perversionen, für die sich hübsche Jungs von Nebenan so bezahlen lassen, um über die Runden zu kommen. Denn so viel hier auch gezeigt wird, welches definitiv auch auf Shock Value aus ist, so blasé ist der Film im Zeigen dessen. Sich beim Sex fürs höhere High die Luft abzudrücken? Warum nicht. Totengräber, die als Drag Queen verkleidet die Freudenjungs wie eine Mumie in Folie wickeln, um sich dran zu reiben? Geht klar. Ein Amputations-Fetischist, der vom Stricher anal mit dem Fußstumpf penetriert wird? Aha. Beim Pornoshoot extra rausgezoomt, damit man die ganze gelangweilt drumherumstehende Crew sehen kann, während Monti beim Palmeschütteln des erschlafften Hauptdarstellers weiterhin getrost sein Buch liest. Die Aussage dahinter: All dies ist irgendwo geradezu alltäglich, auch wenn es weit von unserem Normie-Dasein entfernt sein mag.

Sex und nackte Haut sind allgegenwärtig im Film, aber es ist alles strickt Business. Ein Verkauf von körperlichem Intimsein, ohne jegliche Intimität zwischen den Beteiligten. Bewusst unsexy, und bewusst gern auch mal ein wenig schräg dargestellt. Denn nicht alles schockt. Wenn ein Bordsteinspecht direkt auf die Offenbarung, dass er verheiratet war und eine Tochter hatte, dann eine Station im Militär hinter sich brachte, bevor er mit entblößten Arschbacken auf den Gehwegen des Boulevards endete, von seinem Freier im eigentlichen Sinne des Wortes gesattelt und geritten wird, weil der Cowboy spielen will. Wenn der alte Masochist, der sich auch schon mal mit Rasierklingen schneiden lässt, felsenfest behauptet berühmter Schauspieler und Model zu sein, obwohl keiner ihn kennt und er dafür auch gar nicht das Aussehen mitbringt.

Ein wenig Introspektion darf also doch sein, statt das Jürgen einfach grundlos prätentiöser Schreiber vor sich hin philosophiert. Monti beispielsweise macht, was er macht, weil seine Freundin ihn mit einem kleinen Jungen sitzengelassen hat. Ob es sein Kind ist weiß er nicht mal, ist ihm aber auch nicht wichtig. Auf die Frage, warum so viele Stricher das Titelgebende Weiß tragen, kommt sofort die Antwort „Reinheit“. Dies sind allerdings die Ausnahmen in einem mehr als schrägen Film über die unreinen Seiten der Großstadt.

Hustler White ist halt dennoch häufig eher eine schwarze Komödie denn sonst was. Bewusst trashig, bewusst schlecht, bewusst anstoßend. Aber auf jeden Fall nie langweilig oder vorhersehbar konventionell. Ein wenig Andy Warhol „ist das jetzt Kunst, oder kann das in den Müll?“, jedoch allemal ziemlich kultig.

Mary to Majo no Hana

Vorletztes Wochenende war nicht nur Ant-Man and the Wasp im Kino angesagt, sondern auch eine Vorstellung vom frisch ins deutsche synchronisierte Mary und die Blume der Hexen. Das ist der erste Film von Studio Ponoc, gegründet maßgeblich von Ex-Ghibli-Mitarbeitern. Was man auch sofort sieht, da nämlich strukturell und visuell alles versucht wurde, dies wie einen Film vom Studio Ghibli aussehen zu lassen, inklusive dem Poster- und Fontdesign beim deutschen Verleih Peppermint Anime.

Mary hat in den Schulferien ein wenig mit sich selbst zu schaffen. Sie ist bereits vor ihren Eltern zur Oma ins kleine Dorf gereist, in dem es einfach nicht viel zu tun gibt. Anderen helfen ist auch schwer, wenn man so tollpatschig wie Mary ist. Und ihre sperrigen roten Haare konnte sie sowieso noch nie leiden, da hilft es nicht das der Nachbarsjunge Peter sie als rotes Äffchen bezeichnet.

Beim Trip in den nahegelegenen Wald entdeckt Mary einen seltsamen Besen und eine wunderschöne Blume, die der Gärtner als „Flieg bei Nacht“ bezeichnet, und die laut Sagen von Hexen gesucht wurden. Die zerquetsche Blüte führt dann auch dazu, dass Mary für einen Tag zaubern kann und vor allem mit dem sich verselbstständigenden Besen zur Hexenakademie fliegt. Wo sie auf Grund von Missverständnissen als neue Schülerin betrachtet wird, und nachdem sie sich Komplimente ob ihrer nur Superhexen vorbehaltenen Haarfarbe und immenser Zauberkräfte abholen durfte, ist Mary auch nicht mehr so erpicht darauf, dies sofort aufklären zu müssen.

Zurück im Dorf muss sie allerdings feststellen, dass sie schon längst aufgeflogen ist. Denn Peter wurde entführt und ihr die Nachricht hinterlassen, dass sie die mächtige Hexenblume vorbeibringen soll, wenn sie ihn zurückhaben will.

Die Regie bei Mary und die Blume der Hexen führte Hiromasa Yonebayashi, der diese Rolle bisher bei zwei Filmen innehatte, beide von Studio Ghibli: Arrietty – Die wundersame Welt der Borger, und Erinnerungen an Marnie. Tatsächlich würde ich Mary auch auf eine ähnliche Schiene schieben: Es ist ein süß-bezaubernder Film, aber ganz den Höhepunkten Ghiblis nicht gewachsen, Ponoc konnten sich aus dem langen Schatten des ehemaligen Arbeitgebers nicht befreien.

Das lag für mich etwas an der unebenen Struktur. Nach einem Action-Feuerwerk von einem Opener, gelangen wir in einen langen ersten Akt, in dem nicht viel geschieht. Bis Mary ihren unfreiwilligen Trip zur Hexenschule hat, und der eigentliche Plot endlich loslegt, werden so einige Minuten vergehen. Wir bekommen hier Mary nähergebracht und lernen weitere Dorfbewohner kennen, aber dennoch bleiben die Charaktere etwas blass und abgesehen von Mary und Peter werden sie sowieso nicht mehr wichtig. Die zentrale Botschaft des Filmes, nämlich das es Ok ist sein normales Selbst zu sein, keine Magie beherrscht werden muss um sich zu mögen, sozusagen die Antithese der üblichen Auserwählten-Abenteuergeschichten a la Harry Potter, wird hier auch noch nicht so wirklich aufgebaut. Klar wäre Mary gern wer anders, dies scheint sich jedoch hauptsächlich auf ihre Haarfarbe zu beschränken, sie hat keine Tagträume darüber ein genialer Protegé oder ähnliches zu sein.

Wenn der Film allerdings richtig loslegt, bin ich wieder voll mit dabei. Es ist schön, dass es sozusagen keine echten Schurken gibt, sondern nur zwei Antagonisten mit fehlgeleiteten Ambitionen. Der Film ist super animiert und jeder Hintergrund mit vielen Details ausgestattet. Gerade auch viele kleine Animationen, wie die abwertenden Gesichtsausdrücke der schwarzen Katze in Marys Armen, wenn sie sich aufplustert, sind sehr charmante Randnotizen. Die Welt an sich ist ein verzauberter Ort an verwunschenen Wäldern, kleinen Hexenhäuschen und imaginativer Vorrichtungen in der Magieschule. Und wie gesagt, dass Mary eigentlich ein ganz normales Mädchen ist, das sich nur zufällig Zauberkräfte leiht, aber kein herausragendes Talent ist und als heimlicher Messias entdeckt wird, ist auch mal angenehm anders. Hier legt der Film an Action und Witz ordentlich zu.

Macht für mich unterm Schnitt einen angenehmen und netten kleinen Film aus, der die langsame erste Hälfte etwas besser hätte nutzen können, aber dann besonders in der zweiten Hälfte gut unterhält und durchgängig durch die visuelle Komponente zu überzeugen weiß. Die deutsche Synchro ist übrigens auch gut gelungen.

Ant-Man and the Wasp

Am Wochenende war Open-Air-Kino angesagt, welches mit Ant-Man and the Wasp nicht nur seine dies-sommerliche Öffnung beendete, sondern auch die Aufführungsrunde des Filmes abschloss. Wird ja mittlerweile auch etwas kalt dafür, sich unter freiem abendlichen Himmel auf Holzbänken den Hintern wund zu sitzen.

Unglaublich, dass dies schon der zwanzigste Film in Marvels Cinematic Universe ist, und dies gar nicht (Marvel) Superheldenfilme einschließt, die nicht dazugehörig sind, jedoch zur gleichen Zeit rauskommen, wie die Deadpools oder den kommenden Venom. Zuletzt habe ich mich tatsächlich in 2015, zur Zeit der Kinoaufführung des ersten Ant-Man, mit denen beschäftigt und mich durch die sogenannte Phase 2 geschaut. Dazwischen habe ich jetzt sieben Filme der Phase 3 verpasst, bis wir bei Ant-Man and the Wasp angekommen sind.

Deswegen hat mir zu Beginn auch direkt etwas Kontext gefehlt, da Scott Lang nun ohne Ant-Man-Anzug unter mehrjährigen Hausarrest wegen eines internationalen Zwischenfalles steht, weswegen Hope und ihr Vater Hank untergetaucht sind. Das hat wohl alles was mit Ant-Mans Auftreten im dritten Captain America zu tun.

Das ist halt immer so ein wenig das Problem an diesen Shared Universes. Es ist natürlich für Leute, die es verfolgen, sehr schön, die diversen Charaktere miteinander interagieren zu sehen und das Gefühl zu bekommen, dass es ein größeres Bild gibt, welches über die Ereignisse eines einzelnen Filmes hinausgeht. Für die Firmen klingeln auch die Kassen besser, wenn man wegen Cameos von Lieblingen auch Filme außerhalb deren Franchise anschauen muss und diverse Crossover als große Happenings hypen kann. Kann natürlich etwas schal wirken, wenn man genau dies nicht macht, nicht alle Filme verfolgt, und sich plötzlich Lücken öffnen. Ganz davon abgesehen, dass es fraglich ist, ob das Marves Cinematic Universe ganz wie die Comic-Crossover-Großereignisse, die die Filmfranchise inspiriert haben, nicht irgendwann unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht, oder sich der Hype einfach nicht ewig fortsetzen lässt – bei zwanzig Filmen und steigend nicht unwahrscheinlich.

Nicht dass es wirklich sonderlich schwer gewesen wäre reinzukommen, da Ant-Man and the Wasp ziemlich schnell zu Beginn klarmacht, was die veränderte Situation angeht. Man merkt halt nur, dass man was verpasst hat, wenn CapAm3 nicht geschaut wurde. Wir müssen ja eh nur wissen, dass Scott nicht mehr Ant-Man ist, kurz vorm Ende seines Hausarrestes steht, und Hope und ihr Vater keinen Kontakt mehr zu ihm haben. Bis dann der rote Faden-Aufhänger des Filmes kommt, nämlich das Scott eine Vision von Hopes Mutter hat, die vor Jahrzehnten sich bis in den Mikrokosmos geschrumpft hat, um eine Bombe auszuschalten, und seither dort gefangen ist. Scott war ja im letzten Ant-Man ähnlich weit geschrumpft, jedoch wieder herausgekommen. Hope und Hank suchen sowieso nach einem Weg sie zu retten, und nachdem Scott von seinem seltsamen Traum berichtet, entführen sie ihn schnell, um ihnen helfen zu können. Ist den beiden ja was schuldig.

Allerdings gibt es dann noch zwei dem nicht so wohlgesonnenen Gruppen. Zum einen die Schwarzhändler, bei denen Hope die Komponenten für die Forschung kauft, und die die neue Technologie haben wollen, um sie gewinnbringend unter den Mann zu bringen. Und dann noch Ghost, eine Ex-Shield-Geheimwaffe, deren atomarer Aufbau seit einem gescheiterten Experiment eines Ex-Kollegens von Hank ständig zerfällt und sich wieder zusammensetzt, weswegen sie einfach durch Wände etc. hindurchgehen kann. Dummerweise bringt sie das demnächst auch um, doch sie erhofft sich von der Energie, die Hanks Frau angesammelt haben sollte, die Rettung. Scott muss also den Anzug des Ant-Mans wieder anziehen, und neben Hope als Wasp in Aktion treten, und all das, ohne dass die Bullen herausfinden, dass er seinen Hausarrest verletzt.

Mir sind die Ant-Man-Filme ja sehr gefällig. Einfach weil sie es sich leisten können ein Stück gegen den üblichen Strom der Einträge ins Marvel Cinematic Universe zu schwimmen. Sie sind sich halt bewusst, dass sie „nur“ Ant-Man sind, und nicht das große Happening schlechthin, welches schon alleine durch den vorstehenden Superhelden massiv Leute anzieht. Deswegen nehmen sich die Filme durchgängig nicht allzu ernst und streifen selten die humorigen Untertöne ab. Klar sind auch andere Filme im MCU mal witzig und leisten sich auch was auf Kosten ihrer Hauptdarsteller, aber ein Ant-Man darf noch etwas verquerer sein, sich mehr über ihn lustig gemacht werden. Ist eben „nur“ Ant-Man, gell, nicht Thor oder Captain America.

Nebenbei sollte zudem absolut gewürdigt werden, dass Hope bzw. The Wasp nicht zu kurz kommt. Die anderen MCU-Filme sind was weibliche Repräsentation angeht häufig stark unterbesetzt, und abgesehen von Black Widow jene meist auf Love Interest Nebenrollen beschränkt. Wie viel bekommt die arme Natalie Portman in den Thoren oder Gwyneth Paltrow in den Iron Men schon zu tun? Evangeline Lillys Charakter hingegen wird in diesem Film als mindestens genauso wichtig und genauso kompetent (bzw. sogar wesentlich kompetenter) als ihr männlicher Superhelden-Partner dargestellt. Ghost oder Hanks Frau sind natürlich kleinere Rollen, aber auch jene werden als ebenbürtige Gegen-/Mitspieler angesehen, wenn sie denn mal auftauchen.

Ein wenig holprig von der Handlung her ist der Film leider schon, denn irgendwie vermisste ich stellenweise einfach den Fokus darum, was jetzt genau wichtig ist und wer jetzt genau der Antagonist sein soll. Die Post-Credit-Szene, die den Film ins größere MCU-Geschehen einbindet, passte tonal auch nicht zum eher leichtherzigen Restfilm. Aber abgesehen davon hat mir der Film wieder sehr gut gefallen, als kleinerer, unaufgeregterer Eintrag ins MCU. Der dennoch viel Action bietet, mit den Schrumpfungen auch visuell etwas anderen Flair in jene Action-Shots reinbringen kann, und der vor allem durch seinen Humor und die absolut charismatische Darbietungen seitens Lilly und Rudd glänzt.

Jupiter Ascending

Was macht man am besten, wenn man so begeistert vom All ist, jede Nacht mit dem Teleskop zum Himmel schaut, sogar seine Tochter Jupiter nennen will, die Ehefrau mit den russischen Wurzeln sich allerdings stur stellt? Man lässt sich einfach während eines Überfalles erschießen, so dass die zurückgelassene Witwe den Namen doch wählt!

Jupiter mag ihr Leben nicht sonderlich. Aber wer täte dies auch schon, wenn er sich mit der Großfamilie ein Haus teilen müsste und als Job bei Reichen die Klos schrubbt und Wohnung entmüllt? Wie sie bald merken muss, ist dies aber vielleicht immer noch besser, als mitten in den Gefechten zwischen einem Haufen Söldnern und Kopfgeldjägern gefangen zu sein, weil sie sich darum kloppen, wer einen zu seinem Auftraggeber bringen oder in dessen Auftrag umbringen darf. Ist schon eine schwere Last von royalem Blut zu sein, auch wenn man im Gegenzug wenigstens nie von Bienen gestochen wird, weil jene Respekt vor Königinnen in den Genen haben.

Jedoch muss sich der Horizont von Jupiter bald erweitern – wortwörtlich, denn mit Ex-Soldat Caine als Bodyguard geht es in den Weltraum. Und zu so einigen Offenbarungen. Beispielsweis das die Menschheit nicht von der Erde stammt, sondern aus dem All. Von dem sie weite Teile kolonisiert hat, unter der Regie der royalen Familie Abrasax, dessen Original-Königinnen-Wiedergeburt Jupiter darstellt. Welche die Planeten untereinander aufgeteilt haben: Jupiter gehört laut eigenem Testament die Erde. Die aber ihre drei „Kinder“ gerne hätten, denn es handelt sich beim Planeten um die am nächsten zur Ernte anstehende Farm, im wichtigsten Geschäft überhaupt: Zeit.

Die Familie Abrasax hält den Schlüssel zur Unsterblichkeit und ewiger Jugend in den Händen. Da der Alterungsprozess und Tod dadurch ausgelöst wird, dass sich unsere Zellen langsamer und langsamer und irgendwann gar nicht mehr erneuern können, kann dem entgegengewirkt werden, in dem man ein erfrischendes Bad in einer Substanz nimmt, die aus den noch regenerierbaren Zellen von hunderten von Menschen besteht, kondensiert zu Cyber-Badesalz.

Jupiter Ascending hat mich in vieler Hinsicht an The Fifth Element erinnert, nur eine wesentlich schlechtere Variante davon. Beide Filme haben Dinge gemein wie das die eigentliche Handlung ein ziemlich konventionelles Action-Feuerwerk ist, welches sich hauptsächlich durch die spezielle Optik der Angelegenheit heraushebt. Mit einem Male Lead, der optisch absolut fehlgecastet für seine Rolle ist. Eine aufgesetzte Romanze, die keinerlei Chemie hat. Einem chargierenden Bösewicht mit Hang zu Wutausbrüchen. Jupiter Ascending fehlt allerdings eine Showstopper-Szene wie den Auftrit der Diva, welche schon auf sich alleingestellt die Existenz des Filmes rechtfertigen würde.

Nur ist The Fifth Element mit all seinem Camp-Value nicht nur ein wesentlich solider gemachter Film, sondern auch einer, der eine gewisse Energie und Freude ausstrahlt, die Jupiter Ascending absolut abgeht. Nichts an der Pre- und eigentlichen Produktion offeriert eine Basis dahingehend, dass es hier Ungereimtheiten gegeben hätte, jedoch wäre ich persönlich nicht überrascht gewesen, hätte ich zu lesen bekommen, dass Jupiter Ascending irgendwann mal einem Studio offeriert wurde, für 5 Jahre in Developement Hell gelandet wäre, und erst grünes Licht bekam, als sowohl Regie wie auch Schauspieler keine Lust mehr hatten jedoch vertraglich weiterhin dazu verpflichtet waren, den Film zu realisieren.

Mila Kunis beispielweise scheint durch den Großteil des Filmes einfach zu schlafwandeln. Channing Tatum… nun aus dem Mann, so charismatisch er in Interviews ist, wird sowieso nie ein besonders guter Schauspieler werden, ist aber definitiv einfach auch optisch absolut Fehlplatziert als der mit Cyberskates durch die Luft fliegende, mit starkem Eyeliner, blondiertem Bärtchen und spitzen Elfohren ausgestattete Caine. Eddie Redmayne, der dank Jupiter Ascending das Jahr auf seinen Oscar-Gewinner auch eine Goldene Himbeere sein Eigen nennen durfte, passt hingegen visuell absolut in seine Rolle, und scheint sich sehr bewusst, was für einen hysterisch-übertriebenen Bösewicht er spielen soll, hat aber im Gegensatz zu beispielsweise einer Minnie Driver in Phantom der Oper nie Spaß daran, sich einfach gehen zu lassen und den Camp voll aufzudrehen.

Der Film mag auch nie seine wirklich interessanten Implikationen beleuchten, opfert stattdessen lieber viel Zeit an Verfolgungsjagden, Schießereien, und einer nicht funktionierenden Romanze. Was bedeutet es, das ewige Leben entdeckt zu haben, wenn dafür Menschenleben geopfert werden müssen? Moralisch ist das selbstverständlich absolut verwerflich, besonders aus der Sicht einer noch jungen Jupiter. Aber wenn man dann im hohen Alter mit dem nihilistischen Ausblick konfrontiert wird, dass die eigene Existenz bald definitiv enden wird und dann Nichts mehr ist – vielleicht rationalisiert man sich das dann schon eher weg. Und erst einmal entschieden, dass das eigene Leben mehr wert ist als das mehrere Fremder, fällt die Entscheidung jedes Mal sicherlich einfacher. Wenn man bereits über 1000 Jahre lebt, obwohl die natürliche Lebensspanne der Spezies <100 ist, was macht das dann mental mit einem – wie viel ist anderes Leben dann noch wert? Jupiter findet die Idee abscheulich und wir bekommen auch genannt, dass ihre frühere Inkarnation auch irgendwann zu jenem Ergebnis kam, es wird aber nie genauer darauf eingegangen und den ganzen Film über kommt es nicht zu einem Flashback zu ihrem früheren Selbst.

Es gibt jedoch auch einige Dinge, die funktionieren. Die Direktion des Filmes ist beispielsweise weitestgehend kompetent, wenn auch dadurch, dass die drei Abrasax-Geschwister nacheinander abgehandelt werden und dann nie wieder auftauchen, fast ein wenig episodisch, als wären 4 Halbstünder einer Serie zu einem Film zusammengeflickt worden. Die Szene mit den bürokratischen Hürden, die überkommen werden müssen, damit Jupiter ihren Titel erlangt, so dass selbst der bereitgestellte Cyborg fast einem Kurzschluss erleidet, sind so gehabt wie sie dennoch funktionieren, und der einzige Moment im Film, an dem er Spaß mit sich zu haben scheint. Und die visuelle Präsentation ist nun ernsthaft wirklich gelungen, gerade wenn es auf die außerplanetarischen Gebiete geht. Abrasax Space-Royalty weiß, wie man dekadent zu leben hat. Die Hochzeitszeremonie ist wirklich toll dargestellt. Die Kostüme selbst von Extras im Hintergrund häufig ausgefallen und interessant anzusehen.

Was sicherlich einige auch befremdlich fanden ist, dass der Film ausgesprochen Anime ist. Die Wachowskis sind ja gern mal davon inspiriert. Was dem Look von The Matrix beispielsweise sehr gutgetan hatte. Jupiter Ascending hat allerdings was Design und Charakterarchetypen angeht ein paar Dinge gehabt, die selbst ich zunächst etwas befremdlich fand. Allen voran beispielsweise war Caine für mich in seiner Gesamtheit etwas lächerlich. Was eventuell auch schon dadurch etwas revidiert gewesen wäre, hätte man einen jüngeren und drahtigeren Schauspieler wie einen Spider-Man-Ära Andrew Garfield gewählt. Aber als ich daran dachte, was wäre, wenn Jupiter Ascending ein Anime gewesen wäre, statt die Ästhetik eines Hollywood-Streifens zu erwarten… es hat gleich alles viel besser gepasst. Besser wäre er auch dann nicht gewesen, sondern abgesehen einiger netter visueller Einfälle immer noch unglaublich Standard.

Corpse Party (2015)

Zufällig lief neulich der 2015er Live Action zu Corpse Party bei uns im kleinen Nischenkino, da er wohl bald seine Deutschlandveröffentlichung hat, und da geht man doch ruhig mal hin. Vom Regisseur, der uns auch Hitori Kakurenbo beschert hat, was jetzt nicht unbedingt eine Auszeichnung ist. Doch zu Corpse Party kann ich aber ruhigen Gewissens sagen: Es ist ein ziemlich schlechter Film, und jeder sollte ihn sehen.

Grundsätzlich geht der Film die gleiche Handlung ab, nur natürlich viel schneller. Eine Gruppe Teens macht ein dämliches Ritual, bei dem Sachiko angerufen wird, weil man sich dann angeblich niemals trennen wird. Stimmt so gesehen auch, denn es versetzt die Schüler in die Grundschule, in der drei Kinder umgebracht wurden, und aus der es kein Entrinnen gibt, bevor nicht der Geist von Sachiko beschwichtigt wird. Die große Wendung am Ende, wer der wahre Kindsmörder ist, welche im Spiel ziemlich offensichtlich war, und im Film etwas weniger so ist da er so viel schneller voranschreitet, weniger Aufbau bietet, mit inbegriffen.

Was der Film sogar fast etwas besser hervorbringt als das Spiel, dem geschuldet das er sich nicht wie das Visual Novel mehrere Pfade und Bad Ends basierend auf die Multiple-Choice-Möglichkeiten leisten kann, sondern alles in eine straffe Narration packen muss, ist das die Extremsituation nicht gerade das Beste aus diesen Kids herauszulocken vermag.

Die kleine Schwester, der nervigste Charakter, der bitter aus der Riege im Spiel hervorgestochen ist, ist übrigens immer noch mit dabei, auch wenn ihre Route eine ist, die zum Großteil verändert wurde. Es ist ihr mit dem Film-Casting definitiv nicht geholfen worden, denn die Schauspielerin schaut genauso alt aus wie der Rest der Truppe, verhält sich aber weiterhin wie eine unterbelichtete 6-Jährige. Aber wenigstens gibt es jetzt weniger Zeit mir ihr. Einschiffen darf sie sich dennoch auch hier, für diejenigen, dessen Fetisch das war.

Allgemein hilft es einem in den Grundzügen so simplen und vorhersehbaren Horror-Plot wie in Corpse Party natürlich wenig, wenn man ihn in einen kurzen, geradlinigen Film stecken muss, dem sowohl die Interaktion des Spielers mit dem Geschehen abgeht, als auch die interessante Kapitelstruktur mit den verschiedenen Endmöglichkeiten. Außerdem ist das Ding billig gemacht, die Schauspieler bieten alle eher unterirdische Leistungen, und die deutsche Synchro ist auch nicht unbedingt hochwertig.

Das ist aber alles absolut irrelevant. Schaut den Film dennoch unbedingt, und das auf jeden Fall in einer Riege an Freunden, oder Leuten, die ihr zu solchen machen wollt. Denn Corpse Party (Live Action) ist die witzigste Komödie unseres Jahrhunderts.

Der Film ist einfach so absolut chaotisch und unbegreiflich, es grenzt an vielen Punkte stark an Parodie. Wenn die Charaktere dann schlecht geschauspielert in absolute hysterisch-witzige Emotionen verfallen, oder diese absolut dämlichen hormonellen Entscheidungen treffen, die sie sicher umbringen werden, und das Ganze nur übertrieben und aus dem Nichts kommend wirkt. Wenn der Gore ebenfalls so absolut überdramatisiert wie gleichzeitig nonchalant präsentiert wird. Als die Lehrerin zu Beginn die Türe aufmacht und ohne jegliches Trara den Schädel eingehämmert bekommt, oder die eine Schülerin von den beiden kleinen Kindern so fest gegen die Mauer geworfen wird, dass ihr Körper explodiert. Wenn der eine Kerl fasziniert vor dieser Pfütze, die mal seine Mitschülerin war, steht, und einen Anruf von ihrem Geist bekommt, er solle ihr nicht auf die Organe starren. Ich habe mich weggeschmissen vor Lachen während des Filmes.

Das ist es einfach. Die Momente, die im Spiel grausam sind, die im Spiel leichte unheimliche Atmosphäre aufbauen, die Charaktermomente zeigen, einfach die überraschen oder erschrecken oder mitfühlend machen sollen… sind alle im Film absolut lächerlich und das auf die beste unfreiwillige Art und Weise, die man sich nur wünschen könnte. Hut ab Corpse Party, ich habe selten so gelacht, Unterhaltungswert 10/10.

InuYasha VIII

Im Jahr 2008 fand InuYasha dann nach 12 Jahren mit Band 56 und über 500 Kapiteln sein Ende. Somit wurde unter fast gleichen Team auch das 2004 vorzeitig beendete Anime in 2009 erneut aufgegriffen, und die finalen Geschehnisse in den 26 Folgen von InuYahsa: The Final Act umgesetzt. Bereits im Jahr davor, als der Manga beendet war, gab es übrigens eine InuYasha OVA, welche sein Erlangen des schwarzen Tessaiga behandelt, die allerdings dann als Episode 15 in The Final Act integriert wurde.

Es ist natürlich schon ein ziemlich großer Unterschied zwischen den beiden Anime. Wo die erste Serie mit ihren 167 Folgen sich noch ziemlich Zeit gelassen hat, um dem Manga nicht zu früh davonzurennen, muss The Final Act jetzt jede Menge Material in seinen gerade Mal 26 Folgen unterbringen. Es geht alles demnach nicht nur ziemlich schnell, bereits in der ersten Folge scheint irgendwie an mehreren Fronten plötzlich jeder mit jedem zu kämpfen, sondern die Charaktere wissen nun auch teilweise Dinge, die sie am Ende von Folge 167 noch nicht zu wissen schienen, wenn ich nichts verpasst habe.

Zum Beispiel ist es nun allgemein bekannt, dass Narakus Herz in Moryomaru ist. Genau wie sowohl Moryomaru als auch Hakudoshi jetzt offen gegen Naraku sind und ihn besiegen wollen. Soweit ich mich zurückerinnere, waren sowohl wo Narakus Herz untergekommen ist, sowie die genaue Bedeutung von Maryomaru und Hakudoshi am Ende des ersten Anime noch unbekannt, und gegen Naraku hatten sie sich auch noch nicht gestellt. Auch dass im Heiligen Juwel sich eine gute und böse Seite ständig bekämpfen und aktiv in das Geschehen eingreifen wäre mir jetzt definitiv neu gewesen. Vielleicht habe ich tatsächlich nicht immer genau genug aufgepasst? Oder es kommt wirklich daher, dass doch viel übersprungen werden musste, um die restlichen Bände abdecken zu können. Es ist ja nicht so, dass man nicht mitkommen würde, manche Dinge kommen nur etwas überraschend.

Die Serie ist nun auch nicht sonderlich zimperlich damit, Charaktere umzubringen, wodurch Gefahr tatsächlich gerade für Nebencharaktere wirklich etwas bedeutet. Beispielsweise ist am Ende von Episode 1 Hakudoshi auch schon aus der Serie ausgeschieden, und in Episode 2 wird ihm bereits Kagura folgen. Deren Ende überraschend eine der stärkeren Szenen der Serie ist, auch wenn ich erneut nicht hundertprozentig weiß, warum sich ausgerechnet Sesshomaru um sie schert. Kagura hat ihm mal ein oder zwei Tipps gegeben gehabt, in der Hoffnung er können Naraku besiegen, was sie von ihm befreien würde, aber so eine wirkliche Bindung hatten die beiden Charaktere jetzt auch nicht gerade.

Richtig gut Zeit räumt sich The Final Act dann jedoch für die tatsächlich finale Auseinandersetzung mit Naraku ein, was schon passend ist, nach all der Zeit und dem Buildup. Dies startet nämlich bereits in Episode 20 und zieht sich bis einschließlich 25. Aller Charaktere dürfen noch mal auftauchen, alle dürfen an verschiedenen Fronten kämpfen, alle haben mittlerweile Upgrades in ihren Waffen oder Fähigkeiten bekommen. Nur der arme Kouga ist mal wieder außen vor, der durfte zwar ebenfalls eine neue Waffe bekommen, aber dann doch seltsamerweise nicht fürs Finale auftauchen.

Auch ein wenig merkwürdig ist ehrlich gesagt, wie die Serie gern bei den Halbdämonen in den Vordergrund stellt, dass sie eine Wahl zwischen ihrem menschlichen und dämonischen Herz haben, als wäre dies eine Entscheidung zwischen Gut und Böse. Dabei gibt es in der Serie reichlich vollwertige Yokai, die auf der guten Seite sind. Shippo beispielsweise, und Sesshomaru kann man da mittlerweile eigentlich auch hinzuzählen. Ich glaube es gibt doch manche Punkte und Themen in der Story, die über deren Entwicklung hinweg eventuell nicht mehr hundertprozentig so passen, wie das ursprünglich mal gedacht war. Dass es nur einen richtigen Wunsch beim Heiligen Juwel gäbe, wäre mir beispielsweise auch neu, und das beim falschen das ganze Drama einfach von vorn beginnen würde.

Schön ist jedenfalls auch, dass die Serie trotz der erhöhten Gefahr und nicht ganz unbeträchtlichen Sterbequote eigentlich wieder eine sehr gute Mischung findet. Neben dem Drama und den ernsten Momenten gibt es nämlich doch auch so einige humorige Einlagen, die in ihren Manierismen so sehr Rumiko Takahashi wie nie zuvor sind, und jetzt wo sich die Stellungen finalisieren dürfen ist die Romantik zwischen den diversen Pärchen wieder ganz vorn mit dabei.

Am Ende ging alles also vielleicht doch etwas arg schnell und man hätte eher die doppelte Folgenzahl anpeilen sollen, doch kommt dennoch alles zu einem runden und befriedigenden Abschluss, und ziehe ich die etwas gehetzte Gangart von The Final Act dann dem doch zu gemächlichen Voranschreiten des ersten Anime vor.

InuYasha VII

Während der vier Jahre, die InuYasha im japanischen TV ausgestrahlt wurde, kam auch jährlich ein Film in die Kinos des Landes – immer im Dezember. Während diese zu langen Endlosserien häufig glorifizierte Specials von einer knappen Stunde darstellen, gehen die InuYasha-Filme allerdings tatsächlich jeweils volle 90-100 Minuten.

Den Anfang machte 2001, knapp über einem Jahr nach Serienstart, und ungefähr in den 50er-Folgen angesiedelt, InuYasha: Affections Touching Across Time. Hier hat einer der Splitter des Heiligen Juwels einen Dämon vom Festland wiederbelebt, dessen Vater von Inuashas Vater besiegt wurde, und der nun die Nachfolger als Oberhaupt des Klans antreten will, wofür er Inuyashas Tessaiga braucht.

Es ist irgendwie schon schön, InuYasha mal so richtig gut animiert zu sehen. An das etwas andere und eckigere Design muss sich erst mal gewöhnt werden, sowie das flüssige Animation manchmal zu Lasten von sauberen Zeichnungen geht, doch mir hat die allgemeine Dynamik im Film sehr gut gefallen, sowie der erhöhte Detailgrad der Szenerien. Das Mottendesign der Gegner fand ich auch sehr gut. Auch gibt es viele kleine visuelle Gags, die eingebaut werden, welche aufzuspüren immer wieder ein Genuss ist. Die Handlung ist relativ gewöhnlich und die Charaktere bleiben altbekannt, aber dafür wird genug Action und Witz geboten, und solche Filmproduktion, die neben einer TV-Serie herlaufen, dürfen sich eh nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, damit es nicht hinterher zu Diskrepanzen kommt.

Das ein Jahr darauf auf die Leinwand gebrachte The Castle Beyond the Looking Glass hingegen nimmt sich der Legende der Prinzessin Kaguya an. Beginnend mit dem Kampf gegen einen wichtigen Charakter, den der vorige Film ausgelassen hat: Naraku. Und unsere Truppe schafft es ihren Hauptantagonisten zu besiegen! Sollte natürlich jedem klar sein, dass dies nicht aufgehen kann, da die Filme nicht ihre eigene Kontinuität sind. Kagura und Kanna derweil werden von Kaguya dazu gebracht, sie wiederzubeleben, wofür jedoch auch Gegenstände im Besitz von Inuyasha und Kohaku benötigt werden, wodurch das Team auch sofort wieder involviert ist.

Wie bereits erwähnt ist es für Kinofilme zu langen Serien immer ein gewisser Drahtseilakt sowohl interessant und spannend zu sein, gleichzeitig aber absolut nicht am Status Quo rütteln zu dürfen, damit die Kontinuität noch stimmt und die Filmereignisse in der Serie ignoriert werden können. Eine Sache, die The Castle Beyond the Looking Glass nicht ganz hinbekommt. Auch wenn am Ende des Filmes sozusagen alles wieder auf Null gesetzt ist, ist es doch etwas merkwürdig, dass diese Ereignisse nie referenziert werden würden. Zumal Naraku eigentlich aktuell gar nicht präsent in der Serie war, sondern wir im Block ohne ihn herumgeirrt sind.

Ich glaube aber genau deswegen mag ich den Film ein wenig mehr als den Vorgänger. Die Dinge, die hier geschehen erscheinen halt gewichtiger, auch wenn man sich darüber im Klaren ist, dass sie keine langen Auswirkungen haben werden, so geben sie es kurzzeitig zumindest vor. Diesmal spielt auch die Romantik stärker herein statt den Fokus größer auf Action und Humor zu legen, welche natürlich dennoch ziemlich ausgewogen vorkommen. Inuyasha und Kagome dürfen sich sogar küssen – eine weitere Sache, bei der es sowohl schön ist, dass sich so weit aus dem Fenster gelehnt wird, wie es etwas befremdlich ist, dass es nie wieder einer Erwähnung finden wird. Und das obwohl hier der Film mit dem Vorfahren von Hojo ist, der ja sehr wohl in der TV-Serie wieder eingebaut wird.

Der dritte Film, Swords on an Honorable Ruler, spart sich ein Auftreten von Naraku und Kikyo, zentriert dafür allerdings einen Charakter, der in den beiden vorigen Filmen nur mal kurz durchs Bild laufen durfte: Inuyashas volldämonischer Halbbruder Sesshomaru mit seiner Entourage. Wie sich herausstellt gibt es neben dem Inuyasha vermachten Tessaiga und dem Sesshomaru vermachten Tenseiga noch ein drittes Schwert, welches der mächtige Vater der beiden benutzte. Und das in Kagomes Zeit versiegelte Sounga, welches ein eigenes Bewusstsein hat, entkommt in die feudale Ära, um dort mit einem starken Dämonen verschmelzen zu können.

Schön ist zumindest schon mal zu sagen, dass der Film die Familienverhältnisse mal wieder zur Sprache bringt, die häufig in der Serie leicht kurz kommen. Wir bekommen einen besseren Einblick darin, wer der mysteriöse Vater der beiden war, mit Szenen wie er Inuyashas Mutter davor rettet, wegen ihrem Anbandeln mit einem Dämon getötet zu werden, dabei aber selbst sein Leben lässt. Die beiden Brüder dürfen fürs Finale auch mal zusammenarbeiten und Sesshomaru durchblicken lassen, dass er sich sehr wohl auch um andere kümmert.

Dennoch fand ich den dritten Film bisher am Schwächsten, um ehrlich zu sein. Abgesehen vom Rückblick zu Beginn hat er dann doch nicht viel Neues zu sagen, er scheint von Struktur und Geschehen her zu sehr auf Autopilot zu schalten. Der Antagonist ist nicht sonderlich interessant. Und irgendwie sieht der Film auch schlechter an Zeichenstil und Animationen aus als die Vorgänger. Mich hat er im Groben, trotz seiner in der Theorie interessanten Thematik, in der Praxis leicht kalt gelassen.

2004, zum vierten Jahr in Folge, und als Abschluss wenige Monate nach dem Auslaufen der TV-Serie in Folge 167, kam im Dezember also der vierte und auch letzte Kinofilm, Fire on the Mystic Island, auf die Leinwände Japans.

Diesmal geht es auf eine Insel, auf der Menschen und Dämonen friedlich abgeschieden zusammenlebten, ordentlich Halbdämonen großgezogen haben, bis vier dämonische Kriegsgötter aufgetaucht sind, um ihnen das ordentlich zu verderben. Ihre Macht ist mittlerweile zum Teil versiegelt, doch gleichzeitig benutzen sie die letzten Halbdämonen-Kinder als zukünftige Opfergaben, um sie zurückerhalten zu wollen. Finden Inuyasha und seine Truppe natürlich nicht so geil, die genau wie Sesshomaru und Kikyo schon alleine deswegen hierhergezogen wurden, weil sie von den Kriegsgöttern gezeichnet wurden, was sie an die Insel bindet.

Das Design der Kriegsgötter basiert übrigens auf den vier Himmelsbestien, was an sich immer gut kommt, aber schon deswegen etwas merkwürdig ist, weil die TV-Serie ähnliche Bösewichte erst kürzlich davor in dem 4-Teiler um Hojos Vorfahren hatte. Ist man auf nichts Neues gekommen? Auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen mag wirken, dass den Charakteren plötzlich wieder einfällt, von den Kriegsgöttern gebrandmarkt zu sein und damit zur Insel zurückkehren zu müssen. Dadurch erklärt, dass die eh nur alle 50 Jahre auftaucht, aber irgendwie dennoch fragwürdig.

Abgesehen davon bietet sich aber ein weiterer Grundsolider Film, in denen alle wichtigen Charaktere der Serie abgesehen von Naraku mit seinem Anhang (und der komplett die Filme aussetzende Kouga) vorkommen und sich mit mindestens einem des Schurkenquartetts ein wenig Kloppen dürfen. Mit Witz, Charme und Action. Und vor allem mit einer wieder erstarkten Optik und einem gefälligen nebligen bis tropischen Insel-Setting.

Let’s Play Final Fantasy XV – 01. Kingsglaive

Ja es ist endlich soweit, ich habe mir für ein paar Euronen das noch aktuellste Final Fantasy mit der Nummer 15 besorgt. Nicht in der Royalen Edition, sondern dem Standard, weil ich das Spiel true erleben will, wie es nach 10 Jahren Developement Hell, einem Konsolenwechsel, und einer Umbenennung, dann auf den Markt gebracht wurde. Außerdem habe ich keinen Bock 30 GB an bisher erschienenem DLC laden zu müssen, weil Square Enix es scheinbar für unzumutbar hält, jenen bei einer Komplettedition mit einem Installer auf eine zweite Disc zu hauen. Nur um selbst dann immer noch nicht alles zu haben, weil weiterer bis 2019 erscheint.

Begonnen wird jedoch gar nicht mit dem Spiel an sich, stattdessen macht mein Einstieg der CG-Film Kingsglaive aus, der bei einigen Früh-Editionen dem Spiel beilag, und parallel zu den Anfangsmomenten von Final Fanasy XV angesiedelt ist. Und nur das wird besichtigt. Nicht auch die billige Net-Animation Brotherhood oder eines der merkwürdigen Side-Spiele.

Zu Beginn begrüßt uns gleich mal der World Building Abriss: Wir befinden uns in der Welt Eos, in der das Imperium Niflheim seit Jahren Krieg gegen die anderen Nationen führt, um sie einzunehmen. Das Königreich Lucis ist die einzige Nation, die noch ungebrochen bleibt, allerdings lediglich, weil die Hauptstadt Insomnia von einer magischen Barriere geschützt wird. Angetrieben durch deinen Kristall, auf dessen Macht nur die Königsfamilie Zugriff hat.

Besagter Königsfamilie steht aktuell der Monarch Regis an, der vor Jahren mit seinem Sohn Noctis in Tenebrae war, damit das Kind sich von einem Unfall erholen kann. Just in dem Moment überfiel Niflheim Tenebrae, um die beiden umzubringen, die jedoch fliehen konnten. Jedoch verstarb die Königin von Tenebrae bei der Attacke, und Niflheim verleibte sich das Reich ein.

Nun, eine Dekade später, macht Niflheim dem geschwächten Lucis einen Vorschlag auf Friedensverhandlungen. Niflheim bekommt die Provinzen des Königreichs, jedoch darf Insomnia autark bleiben, und als Sinnbild sollen Prinz Noctis von Lucis und Princessin Lunafreya von Tenebrae verheiratet werden.

Wer das nicht so geil findet, sind die Kingsglaive. Dies sind von den äußeren Territorien nach Insomnia rekrutierte Streiter, welche ihr Leben im Kampf gegen Niflheim aufs Spiel setzen, dafür durch den König magische Kräfte des Kristalls beziehen. Unter ihnen auch Hauptcharakter des Filmes Nyx. Dass ihre Heimatländer, nachdem sie von den Insomnia-Bewohnern sowieso nie komplett akzeptiert wurden, nun verschachert werden sollen, liegt der Kingsglaive natürlich quer.

Es kommt, wie man sich das schon denken kann. Und wie König Regis sich das dachte, weswegen er vorsichtshalber Prinz Nocits mit seinen vier Leibwächtern auf einen Trip zur Hochzeitsvorbereitung aus Insomnia geschafft hat, bevor die Vertreter von Niflheim zum Unterzeichnen des Friedenspaktes kommen, die überraschend auch Prinzessin Lunafreya im Gepäck haben. Niflheim hält nicht Wort, sondern greift an und stiehlt den Kristall, während Nyx unter anderem auch ehemalige Freunde aus der Kingsglaive bekämpfen muss, um Lunafreya mit dem Ring der Königsfamilie, mit dem der Kristall kontrolliert werden kann, aus der gefallenen Hauptstadt zu schaffen.

In 2 Stunden prügelt und explodiert es sich dann halt so durch die Gegend. Natürlich gibt es auch ruhige Momente, in denen sich Charaktere unterhalten und hübsch aussehen dürfen, doch davon wird einem wahrscheinlich eher wenig in Erinnerung bleiben, weil sich Kingsglaive schon sehr was Charakterzeichnung und Handlung angeht an bewährte Stereotypen hält. Das einfallende Imperium, aus dem natürlich alle böse sind. Der Prinz aus Tenebrae, der Regis für den Tod der Mutter verantwortlich macht. Der gute König von Insomnia, dessen Macht geschwächt ist, sich deswegen auf den Handel einlassen muss, und dennoch verraten wird – man muss gar nicht erst herausfinden, dass sein Sprechen Sean Bean ist, um sich denken zu können, dass er den Film nicht überlebt. Der heroische Nyx, immer dazu bereit das Richtige zu machen.

Wirklich nachteilig getroffen hat es dabei Prinzessin in Nöten Lunafreya. Eigentlich eine ganz taffe Lady, aber leider darf die Arme nur in absoluten Plattitüden vor sich hin philosophieren, anstatt einen einzigen Satz ins Script zu bekommen, der sie wie einen normalen Menschen reden lässt. Allgemein verlässt sich Kingsglaive häufig in seiner Stereotypisierung auf ziemlich gehabte Sprüche in seinen Dialogen. Aber dazu wie ein Glückskeks-Lotto zu reden ist nur Lunafreya verdammt worden.

Was der Film halt kann, ist wirklich verdammt gut aussehen. Kingsglaive ist fast fotorealistisches CG ohne wirkliches Uncanny Valley. Ob man das gut findet oder nicht, sei dann wiederum mal dahingestellt. Denn gerade die im eigentlichen Spiel wiederkehrenden Charaktere in deren dortigen doch stilisierten Form sehen sich im realistischen Kingsglaive kaum ähnlich. Wenn sie nicht nach Anime-Stereotyp praktischerweise immer das gleichen Styling hätten.

Ich bin ja eher ohne jegliche Erwartung an Kingsglaive herangegangen. Vom FFXV-Universum allgemein erwarte ich erst Mal eher wenig bis gar nichts, und Advent Childen war ja auch nicht gerade berauschend. Doch ich muss sagen, dass mich Kingsglaive schon positiv überrascht hat. Klar sind Handlung, Charaktere und Dialoge sehr mit Klischees gefüllt, aber gewisse Stereotypen gibt es halt auch aus gutem Grund in Geschichten, und so muss man sich nicht lang mit diesen Feinheiten aufhalten, weil dem Publikum die generelle Outline bereits bekannt ist. Stattdessen kann man sich auf viel coole Action und eine fantastisch auszusehende Welt stützen, einem schnellen und packendem Pacing. Als reines Popcorn-Action-Spektakel funktioniert für mich Kingsglaive voll und ganz, viel Tiefsinn sollte eben nicht erwartet werden.

Warum man dies hier allerdings in einen Film auslagern musste, statt verkürzt ins Spiel zu packen, für das die groben Ereignisse ziemlich wichtig sind, bleibt mir allerdings dennoch schleierhaft.