Bible Black: New Testament

Der Erfolg von Bible Black ließ nicht lange mit einem Nachfolger auf sich warten. 2003 erschien die letzte Folge der ersten OVA-Serie, und bereits ab 2004 wurde Bible Black: New Testatment bzw. Shin Bible Black bzw. Bible Black: La Lanza de Longinus veröffentlicht, welches 2008 ebenfalls mit einer sechsten Folge sein Ende nehmen sollte. Im gleichen Jahr also, in dem das Visual Novel mit Bible Black: Infection erst sein Sequel sah. Und auch hier gab es während derer Veröffentlichungen zwei Nebenfolgen in Form von Bible Black Only.

Da es zu Beginn der Reihe noch keine weiteren Spiele gab, und das Original-VN auch nicht gerade irgendwelche stark alternativen Storypfade offen hat, aus denen man was machen kann, musste sich also eine eigene Fortführung ausgedacht werden. Sollte an sich nicht allzu schwer sein, die letzte Folge von La Noche de Walpurgis hat ja extra etwas Sequel-Bait in die Finalszene geworfen, in dem Kitamis Plan aufgegangen war und sie doch in Imaris Körper weitermachen konnte.

Ganz so einfach macht es uns La Lanza de Longinus allerdings nicht, denn die Serie scheint sehr dafür kompensieren zu wollen, dass der Vorgänger sich doch recht knapp gehalten hat und die Handlung insgesamt relativ simpel war. Denn über die sechs Halbstünder des Nachfolger wird man ständig mit neuen Charakteren konfrontiert, dessen Motivation häufig lange im Dunkeln bleibt, oder die obwohl sie wichtig erscheinen doch letztendlich wenig bis nichts zu tun bekommen, und worauf die Haupthandlung jetzt genau heraus will, ist auch nicht immer so einfach zu folgen. Wo Bible Black den Anschein erweckte, dass man weil man sich des Erfolges nicht sicher war, die Sache etwas arg knapp gehalten und dann nachträglich auf 6 Folgen aufgebläht hat, so wirkt New Testament eher, als hätte man das hier auf mehr Folgen angelegt gehabt, als man letztendlich realisieren konnte.

Seit dem Ende des Vorgängers sind also so einige Jahre vergangen, genug als das die Charaktere nun zumindest erwachsen sind. Imari arbeitet bei einer Psi-Sondereinsatzgruppe abseits der Polizei, Saeki und Shiraki sind nun selbst Lehrerinnen an der Schule, und Takashiro-Sensei ist keine Sensei mehr, sondern eine Priesterin. Minase wird man die Serie über nicht zu Gesicht bekommen und wir erfahren auch nie, was aus ihm geworden ist. Warum Kitami nun nicht sofort in Imaris Körper angefangen hat, Unfug zu treiben? Takashiro hat sie zwischen den zwei Serien versiegelt gehabt. Das muss als Begründung reichen, auch wenn es nicht ganz Sinn ergibt.

Die erste Folge bietet nun sich abwechselnde Schülerinnen, die mit ihren Lehrern und Professoren schlafen, um denen Informationen über die Longinuslanze zu entlocken. Dabei taucht immer mal wieder der Geist einer Blondine auf und ermordet die beiden kopulierenden Körper. Imari und ihr Einsatzteam untersuchen diese merkwürdigen Vorkommnisse. Takashiro brabbelt mysteriös vor sich hin. Und am Ende geraten Imari und ihre Kollegin Aki in einem Banküberfall, der allerdings von einem neuen Hexenzirkel gesteuert wird, um die Pfeilspitze der Longinuslanze zu rauben, und gleichzeitig erwacht in der obligatorisch dazugehörigen Orgie Kitami im Körper von Imari erneut.

Irgendwie ist jetzt Aki, auch „Frau in Rot“ genannt, wichtig für das bevorstehende Ritual. Und die Longinuslanze auch. Warum Kitami wiedererweckt wurde hab ich keinen Plan. Und was genau Kitami oder die als besagter Geist umhergehende, später aber auch Futanari-Physisch auftretende Crowley, die eigentlich hinter allem steckt, genau sich davon erhoffte? Den Antichrist via Aki gebären? Irgendwelche Kräfte durch einen Dämonenpakt erlangen? So was in der Richtung jedenfalls. Wie gesagt New Testament ist notorisch vage in den Charaktermotivationen oder –zielen und verschenkt gerne nicht nur viel Spielzeit an die obligatorischen Sexszenen, sondern auch an Charaktere, die wenig zu tun bekommen.

Saeki beispielsweise verkommt erneut zur zweiten Geige gegenüber Kitami. Shiraki ist eigentlich nur da, um einen weiteren Körper für Sexszenen zu haben. Was hat der junge Polizist jetzt eigentlich für einen Sinn gehabt, außer uns Flashbacks zu geben, in der er als Schüler eine Beziehung zur plötzlich ganz netten und weichherzigen Kitami hatte, die erneut sich stark an ihrer Porträtierung im Vorgänger reiben? Der Boss der Organisation? Die beiden am Ende der fünften Folge erst eingeführten Handlanger von Crowley? Warum ist Takashiro plötzlich in den letzten Folgen so stark im Kampf gegen die anderen übersinnlichen Charaktere, wenn sie in den ersten paar ständig stark unterlegen war? Warum ist die schwarze Bibel überhaupt plötzlich so wichtig, in der vorigen Serie schien sie zweitrangig und nur ein Mittel, um Magie zu üben?

Wenn es einer Serie zugutegekommen wäre, zwei weitere Folgen mit Erklärungen aufstocken zu können, dann wäre das Bible Black: New Testament gewesen. Aber leider gibt es hierzu keine Origins-Folgen. Denn die während dieser Serie animierten Bible Black Onlys sind lediglich 7 von der Handlung losgelöste Sexszenen, die zusätzlich auch lose während der ersten Serie angesiedelt sind. Wobei die beiden Folgen jeweils aus zwei längeren Szenen von 10-13 Minuten bestehen, die eindeutig durch das Charakterdesign mit den langen Gesichtern zeigend während in 2005 und 2006 nebst New Testament animiert wurden, während das Ende der Folgen eine kurze und im anderen Stil gezeichnete Szene von nur 5 Minuten ist, die bereits aus 2003 stammen und der Filmversion der ersten Serie beilagen. Macht 6 von 7 Szenen. Die letzte Szene, in der Imari nachts von einem Mitschüler attackiert wird, ist ebenfalls 10 Minuten und lag der japanischen Bible Black Complete Box bei, die in 2006 veröffentlicht wurde, und hat es deswegen nie (offiziell) in den Westen geschafft.

Ich meine, wer Bible Black nur als Masturbationsmaterial einlegt, der bekommt natürlich auch in New Testament viel geboten, und kann sich durch Only sogar ganz von störender Handlung lösen, aber wenn man tatsächlich die Serie auch ein wenig wegen der Hintergründe schaut, wird man sich ein wenig verloren vorkommen. Das Ding ist gar nicht mal so komplex, es ist einfach nur ein Paradebeispiel dafür, etwas unnötig kompliziert zu präsentieren.

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Bible Black

Bible Black ist eines der bekannteren Erotikanime des damals noch frischen Jahrtausends gewesen. Basierend auf einem 2000 auf japanischen PCs aufgeschlagenen Visual Novel, folgte nämlich bereits zwischen 2001 und 2003 die Umsetzung in 6 OVA-Folgen, weltweit lizenziert, und so erfolgreich, dass auch eine Lokalisation des Spieles folgte. Später sogar als Bible Black Complete Version zu einem Film zusammengeschnitten. Und noch bevor die eigentliche Serie beendet war, mit Bible Black Origins (bzw. Bible Black Gaiden in Japan) die Vorgeschichte 2002 in 2 weiteren Episoden animiert. Eine 18+ Franchise, deren attraktive Charadesigns und Schuluniformen immerhin dazu führte, dass sich selbst Cosplayer ihr annahmen.

Wie immer starten wir natürlich an einer ganz normalen japanischen Schule. Man geht lernen, man ist sozial verpflichtet sich einem der offiziell optionalen Schulclubs anzuschließen, erste unerwiderte Liebe, eine wachsende Libido. Same old, same old. Ach ja, und einen abgeschlossenen Kellerraum, in dem vor 12 Jahren zur Walpurgisnacht ein Hexenzirkel ein junges Mädchen opferte, um dämonische Mächte zu beschwören, etwas gehörig schief lieft, und das alles in einem Massaker aller Beteiligten endete.

Scheinbar war auch keiner wirklich gewillt das Ding mal aufzuräumen oder neu zu verputzen, so ist das Pentagramm immer noch auf den Boden geritzt, die Kerzenleuchter liegen dort, wo sie hingefallen sind, und der Altar und die Wände sind großzügig mit eingetrocknetem Blut verschmiert. Wer so unvorsichtig agiert, muss sich auch nicht wundern, wenn einer der Schüler das dort verborgene Magiebuch findet, welches für die Zeremonie verwendet wurde.

Und was macht so ein ganz normaler Schüler wie Minase schon mit einem Zauberbuch? Na beispielsweise die hübsche Vorsteherin des Schülerrats Shiraki, die weit über seinem Niveau schwimmt, mit einer Liebesmagie belegen, auf dass sie nur noch Augen und eine offene Möse für ihn hat. Allerdings gerät der blauäugig mit dem Buch umgehende und ziemlich Hormon-gesteuert einfach zu manipulierende Minase durch seine magischen Machenschaften ins Auge von Saeki, die einen eigenen Magieclub gründen will, sowie der Schulkrankrenschwester Reika, die sich selbst Magie übt, und ein Ritual zur nächsten Walpurgisnacht geplant hat, sowie den Futanari-Fetisch des geneigten Zuschauers bedient.

Dass die Serie auf einem VN basiert, merkt man ihr dabei schon irgendwo gut an. Mit dem einzigen wichtigen männlichen Protagonist der Hauptcharakter, darum herum nur süße Mädels und sexy Lehrerinnen, wobei für so ziemlich alle eine Ausrede gefunden wird, mit Minase zu schlafen. Nach der Eröffnungsszene mit dem Rituals-Flashback zur Walpurgisnacht von vor 12 Jahren geht es erst mal fast wie in einer seichten Schulkomödie weiter, mit Minase und Kindheitsfreundin Imari, die natürlich das OTP letztendlich darstellen werden, die sich gegenseitig necken. Bis halt die Sexy Times anrollen, und etwas später dann auch das Okkulte. Was irgendwie besonders kurios ist, sind die Diskrepanzen zwischen Ende Episode 1 und Beginn Episode 2. OVAs werden ja einzeln und mit Monaten zwischen ihnen released, von daher ist es natürlich keine Seltenheit, dass eine Folge mit einem kurzen Recap oder der Endszene der vorigen anfängt, um diese erneut ins Gedächtnis zu rufen. Vor allem bei Porn, wo der geneigte Käufer vielleicht eh nicht so sehr auf die Hintergrundgeschickte geachtet hat. Die Sexszene, mit der Episode 1 endet, eröffnet auch Episode 2, nur wird aus dem Titfuck plötzlich Rimming/Fingern. Kontinuitätsproblem, oder kann jene Szene so oder anders im Original-VN ablaufen, und man hat sich gedacht, auf diese Art einfach beide der Abwechslung zur Liebe einzubauen?

Ich kann mich dem Gefühl übrigens auch nicht ganz erwehren, dass die Serie ursprünglich nicht auf so viele Folgen geplant war, und ob ihrer Popularität darauf gezogen wurde. Die ersten beiden Folgen sind nämlich von für das Genre von hoher Zeichen- und Animationsqualität, und decken schon einen Großteil der Handlung an sich ab. Episode 3 und 4 haben dann einen plötzlichen qualitativen Einbruch, nur damit die Animationsqualität für Origins und die finalen beiden Folgen wieder stark ansteigt. Wobei aber die Serie zusehends mit Sex aufgefüllt wird, um das Material zu strecken. Denn man muss schon eindeutig sagen, dass Bible Black keine Franchise ist, die zuvorderst Horror mit etwas dazugegebenem Beischlaf ist, oder zumindest Porn und Horror relativ gleichmäßig mixt. Sondern Bible Black ist ein Porno mit Handlung, und für jene hat man sich einen okkulten Hintergrund geholt, doch zuvorderst ist Bible Black Porn, in dem entsprechend häufig gerammelt wird und die simple Handlung mehr das Gerüst dazu beisteuert.

Was nicht bedeutet, dass der Hintergrund nichts hergibt. Bible Black ist schon abseits von Stöckchen-in-Löchelchen ganz unterhaltsam. Zu gestreckt für die Standard-Handlung ist es nämlich dann doch nicht. Beziehungen zwischen den Charakteren sind nicht komplett unwichtig. Und wie absolute Macht absolut korrumpiert, oder der blauäugige Umgang mit Magie schnell nach hinten losgehen kann, wird auch behandelt. Sicherlich ist es alles andere als neu oder originell, jemandem über einen Liebeszauber zu einem psychotischen Stalker werden zu lassen, aber hey, immerhin geht Bible Black den Weg. Dennoch, mit der falschen Erwartungshandlung sollte man an das Ding nicht gehen. Viel Blut und Gore, schaurige Monster, oder andere Perversionen werden wenig bis gar nicht geboten, sondern all dies soll schon sexy und attraktiv bleiben. Wer allerdings richtig auf Anal steht, hat hier seine Serie gefunden, denn Bible Black hat einen absoluten Fetisch dafür.

Dabei würde ich übrigens vorschlagen die Serie als einen Block von 8 Folgen zu schauen, und jene dann auch in der Reihenfolge der Veröffentlichung. Sprich zuerst die ersten 4 Folgen Bible Black: La Noche de Walpurgis, dann die 2 Folgen Bible Black Origins, und dann die Folgen 5 und 6 der Hauptserie. Origins erzählt dem Zuschauer im Prinzip das, was genau vor 12 Jahren geschehen und warum das Ritual damals schief gegangen ist. Das ist etwas, was zunächst nur in kurzen Flashbacks angerissen wurde, im Finale der Hauptserie dann aber auch noch mal komplett kurz erklärt wird. Wer Origins also ans Ende setzt, wird sich dort etwas mehr langweilen, weil absolut nichts Neues erzählt wird. Zumindest dann, wenn man Bible Black überhaupt (auch) wegen der Handlung schaut.

Phantasm: Ravager

Bereits Anfang des neuen Jahrtausends, also die übliche halbe Dekade nach dem letzten Film, kamen erste Versuche auf, einen fünften Phantasm zu machen. Nun ist die Serie allerdings selbst zu deren Hochzeit bestenfalls ein Kult-Klassiker gewesen. Dass hat natürlich den Vorteil gehabt, dass nur dann ein Film produziert wurde, wenn die Beteiligten wirklich einen machen wollten, und das auch bei den gleichen Beteiligten, statt das ein Studio für den schnellen Cashgrab komplett Unbeteiligte schnelle Sequels raushauen lassen hat. Dann wiederum ist es natürlich auch immer entsprechend schwer, ein Studio davon zu überzeugen, einen weiteren Film zu finanzieren.

Deswegen wurde dann doch erst 2016 etwas daraus, mit fast zwanzig Jahren seit Phantasm IV: Oblivion hinter sich, dass Phantasm: Ravager das Licht der Welt sah. Erneut von Don Coscarelli, der allerdings zum ersten Mal nur am Drehbuch geschrieben und produziert, aber nicht selbst Regie geführt hat. Mit Angus Scrimm zum fünften Mal in der Rolle des Tall Man (und zum letzten, da er noch vor Release verstarb), mit Reggie Bannister zum fünften Mal als Reggie, und mit A. Michael Baldwin und Bill Thornbury zum vierten Mal in der Rolle der Brüder Mike und Jody. Selbst die beiden Nebenrollen der Rocky aus Phantasm III und Lady in Lavender aus Phantasm, die kurz auftauchen, werden von den gleichen Akteurinnen dargestellt.

Das macht es immer schwer die Phantasms nicht zu mögen, denn es ist halt einfach so viel ehrliches Interesse von allen dabei, wenn es darum geht, einen weiteren Film zu machen. Da wird nicht mal schnell was abgefilmt, um die Rechte an der Franchise nicht zu verlieren oder was es sonst so merkwürdige Gründe geben könnte. Nö, alle haben halt Bock drauf und ihren Spaß am Dreh. Das rettet dann selbst sowas wie Phantasm: Ravager etwas, der ansonsten manchmal nahe an der Qualität eines Asylum-Filmes kratzt.

Gerade die erste Hälfte des Filmes macht nicht den besten Eindruck. Hauptsächlich fokussiert auf Reggie, der aus der Höllendimension wieder ausgespuckt etwas alleine durch die Wüste geistert, von einem Mädel aufgegabelt wird, zwischenzeitlich allerdings Flashes hat, in dem alles Erlebte nur Fantasie war und Mike ihm in einem Heim offenbart, dass er Demenz hat. Das alles optisch extrem billig und langweilig gefilmt, und so wirklich richtig was scheint nicht zu geschehen, wären die Akteure 50 Jahre jünger und in Unterhose, könnte man es fast für einen Film von David DeCoteau halten. Mal schnell im Garten ein paar Leute durch die Gegend scheuchen und einander Unwichtigkeiten erzählen lassen.

Die zweite Hälfte zeigt dann, dass hier wohl doch jemand ein Drehbuch geschrieben hatte, laut dem etwas geschehen soll. Und vielleicht auch ein wenig viel geschehen soll, denn es wird zusehends schwerer am Ball zu bleiben. Reggie stürzt von einer Welt aus den vorigen Phantasms in die nächste, trifft Charaktere, die helfen oder auch nicht, und letztendlich ist er in einer vom Tall Man überrannten Zukunft und schlägt sich mit dem Rebellen-Anführer Mike durch? Nur um dann am Ende endlich mit Mike und Jody vereint im Auto zu sitzen, weißer Flash, und wir sehen ihn im Heim von beiden umgeben im Bett sterben. War etwa doch alles nur Einbildung? Sind das hier Parallelwelten? Was von all dem war denn jetzt nun echt und was nicht? Keine Ahnung, zumal der Film es zusätzlich verwirrt, in dem es noch eine Mid-Credit-Szene gibt, in der Rocky eins Auto zusteigt. Also doch nicht nur Wahnvorstellung eines Sterbenden?

Und so klingt Phantasm aus. Nehme ich zumindest mal an, denn erneut gibt es genügend Ansatzpunkte, um das in weiteren fünf bis zwanzig Jahren weiterzuspinnen, aber mit dem Tod von Angus Scrimm denke ich nicht, dass da noch jemand Lust zu haben wird. Zumal auch der Schauspieler von Reggie mittlerweile über 70 ist und es nicht mehr ewig machen wird. Eigentlich hätte man die Franchise schlafen lassen können, denn Ravager ist halt vom Look extrem billig, und zuerst etwas langweilig aber hintendran dann unnötig verwirrend. So richtig, was man hier mitnehmen soll, ist mir nicht klar geworden. Aber wie eingangs erwähnt, richtig nicht mögen kann man das Produkt halt auch nicht, weil es alle hiermit so verdammt ehrlich gemeint haben.

Event Horizon

Event Horizon ist ein Film mit einer sehr geplagten Entstehungsgeschichte. Was ursprünglich als The Shining, aber im Weltall und mit viel Gore geplant war, sollte sowohl während der Produktion als auch davor und danach unter Zeitdruck kommen. Ein unfertiger 130-Minuten-Cut hatte miserable Ergebnisse während eines Text-Screenings, weswegen das Ding auf 95 Minuten zurechtgestutzt wurde. Irgendwann wurde sogar ein Versuch unternommen, Event Horizon auf PG13 zu bringen, um mehr Publikum anzuziehen, was dann jedoch wieder rückgängig gemacht wurde.

Natürlich ist es sowieso etwas fraglich, wie viel der Film von Paul Anderson hätte werden können. Das ist der Paul Anderson, der mit Milla Jovovich verheiratet ist, und uns so filmische Perlen wie Mortal Kombat, die Resident Evils oder Dead or Alive beschert hat, und scheinbar momentan an einem zu Monster Hunter arbeitet. Dann wiederum ist ein Regisseur auch nicht alleinig an der Entstehung eines Filmes beteiligt, und aus Event Horizon hätte sicherlich zumindest mehr werden können, wenn mehr Zeit eingeräumt worden wäre, sowohl für die Produktion als auch für die Gesamtspielzeit.

Dass der Film stark runtergekürzt ist, merkt man eigentlich auch schon direkt zu Beginn. In schnellen Texttafeln wird uns davon erzählt, dass Menschen in der Zukunft, die jetzt 20 Jahre nach Filmrelease schon Vergangenheit ist, angefangen haben bemannt das All zu erforschen, und 2040 das besondere Exkursionsschifft Event Horizon mit einem speziellen Antrieb in unbekannte Weiten vorstoßen sollte, jedoch direkt zu dessen Aktivierung im Orbit des Neptuns spurlos verschwunden ging. Das kann man natürlich auch hübscher aufbereiten, auch wenn Backstory in schnöden Texttafeln jetzt auch nicht komplett ungewohnt zu Filmstarts sind.

Dann sehen wir Weir in einer Raumstation im Orbit der Erde, in der er Bilder seiner Frau betrachtet. Harter Cut und plötzlich ist er auf einem anderen Raumschiff, Mitglied einer Crew, und die sind auf der Mission einem Rettungssignal zu folgen, welches scheinbar von der wieder aufgetauchten Event Horizion (es sind 7 Jahre seit deren Verschwinden) ausgeht. Dass hier definitiv mindestens zwei Szenen flöten gegangen sind, in denen Weir sich der Truppe anschließt und die Mission genauer erklärt wird, ist hierbei ziemlich klar. So wäre es fast besser gewesen, die erste Szene mit Weir auch zu opfern und es so aussehen zu lassen, als wäre er von Beginn an ein Crewmitglied gewesen.

Viel mehr als das beginnende Setup, welches nicht wirklich über sehr viel mehr Spielzeit erklärt wird, als die letzten zwei Absätze zu lesen eingenommen haben kann, ist dann auch nicht mehr an Handlung. Geschehen tun schon noch diverse Dinge, aber viel mehr Story gibt es dazu nicht. Die Event Horizon war also statt durch den Raum zu springen in einer Höllendimension, in der alle wahnsinnig wurden und sich Cenobiten-mäßig gesexzerstückelt haben. Und jetzt haben die darauf neu gestrandeten Retter auch langsam merkwürdige Visionen und Weir wird ganz vom Schiff eingenommen und will alle umbringen.

Alles sehr vorhersehbar. Weil halt typisch besessenes Horror-Haus, welches seine Bewohner in den Ruin treibt, nur eben auf einem Raumschiff und mit dem Setdesign von Hellraiser. Alles ist dunkel und kantig, mit unnötigen Spitzen und Stacheln versehen und in einer der Höllenversionen wird die Crew aufgespießt und mit Stacheldraht durchzogen gezeigt.

Das Problem dabei ist einfach, dass der Film absolut leer wirkt. Als würde all dies so ein wenig ohne richtigen Gravitas im luftleeren Raum geschehen. Es ist ziemlich klar, dass hier mehr Story dahintergesteckt hat, die rausgeschnitten wurde. Vor allem auch was die Charaktere angeht, von denen nur bei dreien mal kurz die Ängste angesprochen werden, die sich die Event Horizon zu Nutze macht, während drei andere absolut eindimensionale Pappaufsteller bleiben. Der Suizid von Weirs Frau bekommt mit am meisten Zeit, und ist dennoch irgendwie zu kurz, um richtig Charaktermotivation reinzubringen. Zudem gibt es da ganz eindeutig spezielle Beziehungen zwischen einigen der Crewmitgliedern, die aber alle verlorengegangen sind, wann immer jemand also für jemand anderen wichtig erscheint, kommt das aus dem Nichts. Das Ende ist dann auch irgendwie ziemlich konfus und sprunghaft.

Selbst an Gore ist letztendlich gar nicht so viel geblieben. Ein wenig eklig wird es nur in der Aufzeichnung der Orgie der ursprünglichen Crew, nachdem die aus der Höllendimension zurückgekehrt sind, und die Höllenvision der neuen Crew gegen Ende. Beide Szenen sind aber extrem kurz und so schnell geschnitten, dass man eigentlich schon wieder kaum etwas zu erkennen vermag.

All das macht die beschnittene Version von Event Horizon wirklich mehr langweilig denn sonstwas. Das Konzept dahinter ist zu kompetent, um einen richtig schlechten Film auszumachen, oder gar einen schlecht-guten Unterhaltungswert einzubringen, aber es fehlt zu viel, um dann doch einen guten und interessanten Film zu bieten.

Doctor Who: Series Eight

Mit ein wenig Auszeit, damit sich kein absoluter Who-Burnout einstellt, sind wir nun also bei der achten Serie des Reboots gelandet. Ab nun in nur noch 12 Folgen und der zweiten Hälfte des Jahres ausgestrahlt, wodurch sich die Weihnachts-Specials an das Ende setzen, statt sie einzuläuten.

Und mit dem neuen Doctor Twelve, hier noch gewohnt männlich, weiß und über 180cm groß, wie das bis vor Kurzem noch scheinbar in der Casting-Beschreibung stand. Zum eleganteren Überleiten weiterhin mit Jenna Colemann als Companion, und wenn man es genau nimmt, so ist auch das Gesicht des Doctors kein neues. Denn Peter Capaldi war bereits ein Charakter in der Pompeii-Folge und in Torchwood. Wobei die rauchige Stimme mit dem schottischen Akzent-Unterton schon etwas Eingewöhnung brauchen wird, genau wie die theatralischen Gestiken.

Zum Einführen des neuen Doctors hat die erste Folge Deep Breath natürlich direkt Überlänge von 75 Minuten. Mit einem Doctor, der genauso verwirrt scheint, wie wir es sind. Ich meine er überlässt im Prinzip die ganze Truppe um die Echsenfrau und Clara ihres Schicksals, um alleine zu untersuchen, warum ein T-Rex mitten im viktorianischen London unterwegs ist. Ach ja, ein T-Rex ist mitten im viktorianischen London unterwegs, und schluckt auch direkt den Tardis, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das vom Größenverhältnis sinnig ist. Allgemein ist der Doctor hier relativ arschig drauf, aber dann wiederum ist er nun auch schottisch. Allerdings endet die Folge damit, dass er entweder jemandem in den Tod wirft, oder per Mindgames zum Selbstmord überredet, was beides nicht besser ist.

Ich mag aber auf jeden Fall, dass der Doc mal so nebenbei erwähnt, dass er immer junge Dinger einzusammeln scheint, ohne es zu wollen. Oder nachdem Clara über das neue alte Gesicht geschockt ist, lapidar gesagt bekommt, der Doctor wäre ja auch alt. Wobei sie eh eher Probleme damit hat, jemandem zu vertrauen, der plötzlich mit einem neuen Gesicht und einer neuen Persönlichkeit daher kommt. Da ist auch definitiv eine gewisse Parallele zwischen dem Doctor und dem Automaton, der seit Ewigkeiten konstant Teile austauscht und eventuell gar nicht mehr weiß, wer er eigentlich mal war. Und die Echsendame mit ihrer Ehefrau sind sowieso immer eine Bereicherung, von denen würde ich locker ein eigenes Spinoff schauen. Insgesamt schafft es die Episode irgendwie sowohl cool und spannend und witzig und nachdenklich zu sein, wie auch irgendwie blöd und kindisch.

Da der Doctor nun nicht nur 980 Jahre zu alt für Clara ist, sondern auch so aussieht, bekommt die in Into the Dalek direkt einen attraktiven neuen Werber in Form des Ex-Soldaten und nun Lehrers an ihrer Schule, Mr. Pink. Und auf jeden Fall mag ich es, dass das zwischen dem Doc und Clara jetzt eindeutig eine Mitarbeiter-Beziehung ohne jegliche romantische Gefühle ist, und er sie sogar irgendwie immer scherzhaft beleidigt, wobei sie ja weiß, wie drauf zu reagieren ist, weswegen es nicht bösartig wirkt.

Jedenfalls scheint endlich mal jemand kapiert zu haben, dass die einzig interessante Dalek-Folge in New Who die allererste war, in der ein vermenschlichter Dalek den Sinn des Lebens suchte. Denn auch hier wird damit gespielt, dass Daleks eventuell doch reformiert werden könnten, und es gibt sogar Die Fantastische Reise in einen hinein. Wobei der Doc definitiv die Antikörper einen Kerl umbringen lässt, ohne auch nur zu versuchen, dem zu helfen. Außerdem ist er ein echter Arsch, weil er die Soldatin am Ende nicht mitnimmt, nur weil sie Soldatin ist. Hey, du warst auch mal der War Doctor. Dass der Dalek beim Gedankenaustausch mit dem Doctor dort auch nur Hass liest, finde ich da ganz passend, obwohl das „you would make a good Dalek“ mittlerweile etwas alt ist.

So, scheinbar wollte Clara schon immer mal Robin Hood treffen, und hat bis Robot of Sherwood damit gewartet, dies rauszulassen. Der Doctor meint dann auch direkt, dass man fiktive Sagenfiguren nicht treffen kann, aber wer hätte es gedacht, in die generelle Zeitperiode gesprungen und schon treffen sie auf Robin Hood, dem der Doctor erst mal zeigen kann, was er für ein perfekter Übermensch ist, in dem er ihn in einem Duell nur mit Löffel ausgerüstet und später auch beim Bogenschießen schlägt (auch wenn später geklärt wird, dass er zumindest hier gecheated hat).

Und eigentlich geht es um Roboter, die Gold brauchen, um wieder nach Hause fliegen zu können. Und Robin Hood ist vielleicht nur ein Hochstapler oder doch echt, aber letztendlich ist es ja egal, solange er so schön charmant ist. Und Clara ist die beiden Alpha-Kerle dann doch ziemlich schnell leid, dann aber eine Szene später doch wieder total mit an Bord. Und das Ende mit dem Abschießen des Pfeiles als Trio ist so richtig blöde, und die Folge in der Gesamtheit eigentlich eher langweilig.

Ich mag ja die Horror-esquen Episoden, von daher sollte Listen mir direkt mehr gefallen. Sehr effektive Monster in New Who waren ja diejenigen, die immer um einen herum sind, deren Anwesenheit man aber direkt vergisst, wenn man wegschaut. Das spielt mit unserer Angst nicht alleine zu sein, uns beobachtet zu fühlen, dass da was gerade so außerhalb unseres Blickfeldes auf uns wartet. Tja, was wäre wenn es Monster gäbe, die am Rande unseres Blickfeldes, in den dunklen Ecken der Zimmer oder unter unserem Bett auf uns lauern? Die perfekten Verstecker sozusagen. Also grundsätzlich das gleiche Prinzip dahinter. Raus bin ich dann aber definitiv am Ende der Folge, wenn Clara plötzlich zum jungen Doctor in seiner Old Timey Scheune geht und ihm eine Ansprache über Angst hält. Wie blöd war das Mal.

Time Heist ist Oceans Eleven meets Saw. Clara in einem stylischen Anzug wacht mit dem Doctor und zwei Unbekannten auf, alle haben ihr unmittelbare Erinnerung gelöscht, sich aber Videonachrichten hinterlassen, dass sie freiwillig eine Hochsicherheitsbank ausrauben wollen. Also ähnlich wie bei Amy auf der Großbritannien-Raumstation. Warum keiner darauf kommt, dass diese Videobotschaften gefälscht oder unter Drohung aufgenommen worden sein könnten, sondern direkt darauf eingehen, sei mal dahingestellt. Jedenfalls ist es insgesamt eine unterhaltsame Episode, mit gutem Kostüm-/Stagedesign, tödlichen Fallen und coolem Slow-Mo Bankraub.

Während Clara Mr. Pink vor dem Doctor und den Doctor vor Mr. Pink geheim hält, hält der Doctor vor ihr geheim, dass er sich in The Caretaker als Hausmeister in deren Schule einschleust, wo er natürlich direkt auf Mr. Pink trifft. Den er nicht leiden kann, weil der war ja mal ein Soldat. Wobei Pink auch nicht so auf den Doc anspringt, weil er in ihm zu viel eines Kommandanten, der bereitwillig seine Truppen opfert, sich aber selbst die Hände nicht schmutzig macht, sieht. Die Vorverurteilung ist also beidseitig. Jedenfalls geht auch ein Alien um – also eines abgesehen vom Doctor – und die Episode versucht super quirky zu sein, ist aber eher wieder langweilig.

In Kill the Moon gehen Clara, der Doctor, und die nervige schwarze Schülerin in 2049 auf den Mond. Der voller Spinnen ist. Und eigentlich schon immer nur das Ei eines Space-Drachens war. Jedoch ist Clara endlich die Manipulationen des Doctors leid, wenn er plötzlich alle mit der Gefahr alleine lässt, um sie in eine Entscheidung zu manipulieren, was mit der möglichen Gefahr gemacht wird, nur damit Clara sich dann doch gegen die der Menschheit stellt. Was sich als richtig herausstellt, aber nun wirklich den Leuten auf der Erde, wenn potentiell deren Ende bevorstehen könnte, kein Vorwurf gemacht werden kann für dessen Zerstörung zu wählen. Und Clara dies durchmachen zu lassen ist echt fies gewesen, genau wie bewusst diesen Zeitpunkt hierfür zu wählen. Jedoch ist es insgesamt eine eher gemischte Folge, denn solange noch ein Geheimnis darum gemacht wird, was wirklich mit dem Mond los ist, war es schon spannend, nach dem Reveal wird’s aber eher etwas blöde.

Der Orientexpress aus Mummy on the Orient Express ist dann im Prinzip der Galaxy Express 999, der zwar einer nostalgischen Dampflock nachempfunden ist, aber durch das All fliegt. Passend zum Agatha Christie Cosplay aller Beteiligten kommt es auch zu merkwürdigen Todesfällen. Denn eine für den Rest unsichtbare Mumie nimmt sich einzelner Personen an. Der Doc manipuliert ein wenig, lässt ein paar Leute sterben, und Clara wird das mal wieder leid, also das gleiche Spiel wie bisher. Sie will sogar die Reisen beenden, was sicher mal interessant gewesen wäre, wenn man das zumindest für ein paar Folgen durchgezogen hätte, aber noch in der gleichen Folge springt sie doch wieder in den Tardis. Wie Kill the Moon ist die erste Hälfte mit der netten Optik und der mysteriösen, langsam tötenden Mumie besser, als die zweite Hälfte der Episode, wenn sich alles aufzulösen beginnt.

Wo wir schon dabei sind, so hätte das Verschlossene-Raum-Mysterium von Flatline durchaus interessant sein können, wenn uns Zuschauern nicht direkt zu Beginn gezeigt würde, was geschehen ist, was es etwas langweilig macht, bis Clara und der Doctor auf den gleichen Stand angekommen sind. Wobei ich es ja faszinierend finde, dass der Doc es nicht in Erwägung zieht, die Lösung war simple Teleportation oder irgendein anderer SciFi-Kram, den sie in aller Regelmäßigkeit in der Serie machen.

Ich mag das er hier etwas zurückgenommen wird, weil er im geschrumpften Tardis festhängt – vielleicht hatte Peter Capaldi auch einfach nur einen Friseurtermin, den er nicht verlegen konnte, denn seine Frisur ändert sich je nach Szene vor und zurück. Von daher muss Clara so tun, als sei sie der Doctor, was schon ziemlich witzig daher kommt, weil sie ihn bewusst damit aufzieht. Das Kreaturendesign ist auch gut, und ich mag die Horror-Vibes, wenn sie 3D werden und die Gruppe durch die Schächte jagen. Weniger gut fand ich des Doctors heroische Ansprache gegen Ende das die Erde von ihm geschützt sei, oder dass er sich was um die Leute scheren würde, die vor seinem Auftauchen bereits von den Kreaturen ermordet wurden, denn dies passt nicht wirklich zu Twelve und wie er bisher portraitiert wurde. Von daher eher wieder eine stark gemischte Folge.

London ist in In the Forest of the Night plötzlich von einem Wald überwuchert, und Clara mit Mr. Pink auf einem Schultrip gewesen, weswegen die ihre Klasse an der Backe haben. Was zum einen zu herrlichen Szenen führt, wenn alle Erwachsenen von der simplen Kinderlogik aus der Ruhe gebracht werden, dann wiederum nervt gerade das bezopfte Mädchen echt enorm die Folge über. Und erneut ist die Folge nur so lange gut, wie man nicht weiß, was Sache ist. Wenn dann die Lichterfeen auftauchen und man weiß der Wald möchte nur die Menschheit vor den Sonneneruptionen retten, und am Ende sogar eine tote Schwester einer Schülerin zurückgebracht wird, dann wird es so richtig blöd. Außerdem ist mir hier erst so richtig aufgefallen, wie langweilig ich den perfekten Mr. Pink eigentlich finde, obwohl er hier sogar einen Tiger verscheucht bekommt.

Was die 8. Staffel zurückbringt ist übrigens, dass Story Arcs zwei Folgen einnehmen können, denn Dark Water ist der Beginn des Finales. Clara kann Mr. Pink also endlich sagen, dass sie ihn liebt, was natürlich ein dramaturgisch guter Zeitpunkt ist, um ihn direkt mal umzubringen. Also droht sie dem Doctor dies per Zeitreise wieder geradebiegen zu sollen, und er nimmt sie mit in die Unterwelt. Diese merkwürdige Nachwelt, die in ein paar Folgen der Staffel bereits kurz gezeigt wurde, und in der die verquere Missy beheimatet ist.

Hierhin gehen die Toten in ein Leben nach dem Leben, weiterhin an ihren weltlichen Körper gebunden, und beispielsweise eine Verbrennung ihrer Überreste gewahr. Was ein interessantes Konzept ist, allerdings nur so lange, wie man nicht drüber nachdenkt, weil es eigentlich keinen Sinn ergibt. Muss es aber auch gar nicht, denn alles war nur ein Trick von Missy dem Master. Die Unterwelt mit ihren schrägen Einwohnern und bürokratischem Look ist natürlich typisch Moffat. Was für mich allerdings mal absolut nicht gezogen hat, ist mich einen Scheiß um den Tod von Pink oder dessen Soldaten-Trauma zu scheren, weil mich die Serie einfach nicht wirklich gut daran heranführen konnte.

Wir sind mittlerweile auch weit entfernt vom Ursprung der Cybermen, die ja mal nur menschliche Hirne in sich eingepflanzt haben, um sie zu assimilieren. Missy jedenfalls speist in Death in Heaven, welche in 60 Minuten die Staffel ausklingen lässt, die Seelen der Toten in ihren Computer, um sie dann in die Cybermen zu downloaden, die explodieren, und damit die Körper aller Toten zu Cybermen wandeln. Was immer noch ziemlich doof ist, wenn man mal drüber nachdenkt. Nicht genauer drüber nachdenken ist allerdings sowieso der MO, wenn es darum geht, die Staffelfinale zu genießen. Moffat ist da gut drin. Und so wird schon mal der Doctor witzigerweise zum Präsidenten der Erde, die geile Missy stielt sowieso jedem die Show, und die finale Goodbye-Umarmung zwischen Clara und dem Doctor, die sich für diese außerordentliche gemeinsame Reise danken, endlich mal mit emotionalem Zug. War dann doch rund, das Finale.

Keine zwei Monate später lief dann also das 2014er Weihnachtsspecial Last Christmas, welches die deutsche Box auch passend als letzte DVD liefert, während es im UK wohl auf der der 9. Staffel ist. Jedenfalls war sich Coleman wohl nicht so sicher, wie lange sie als Clara der Serie treu bleiben konnte. Vielleicht lieferte deswegen sowohl Mummy on the Orient Express wie auch Death in Heaven ein mögliches Out für ihre Rolle. Auch Last Christmas wurde ursprünglich als ihre mögliche letzte Folge geschrieben, wobei sie dann doch voll für Staffel 9 neu verpflichtet werden konnte.

Hier trifft sie plötzlich auf einen überraschend zynischen Weihnachtsmann und wird vom Doctor an den Nordpol entführt, wo gerade Alien meets The Thing stattfindet, da eine Forschergruppe von Facehuggern infiltriert wird. Allerdings ist dann doch alles nur ein Traum, weswegen die Ereignisse und Charaktere auch nicht voll Sinn ergeben müssen. Ist auch eines meiner Lieblingsspecials bisher, weil es echt spannend und mysteriös und witzig ist, und endlich mal nicht so wirkt, als wäre die volle Stunde etwas überlang gewesen. Die Endszene dann allerdings. Es wäre so ein perfektes Ende für die Figur Clara gewesen, und dann doch direkt wieder alles rückgängig zu machen fand ich sehr billig. Dann doch bitte gleich die Szene komplett heraus lassen und eine komplett andere Finalszene schreiben.

Ok, also ich versteh schon, was man versucht hat hier zu tun. Der Doctor sollte etwas grauer und fieser wirken, etwas ambitionierter sein, wenn es darum geht, wie sehr die Mittel die Ziele rechtfertigen. Wie viel Macht und Übermut er sich überhaupt herausnehmen sollen darf. Und dazu eben ein etwas älterer, schottischer Akteur gecastet. Dass ich mit Twelve (noch?) nicht warm geworden bin, liegt auch nicht an Capaldis Schauspiel, sondern dass mir der Doctor hier einfach etwas zu arschig geschrieben ist. Zumal die Staffel auf mich das immer nur eher halbherzig angesprochen zu haben schien, und die Idee an sich ja dann auch nicht komplett neu war, nur etwas konstanter hier eingebracht wurde. Die Romanze von Clara fällt sowieso absolut auf die Fresse, weil gerade die emotionalen Momente häufig in der Staffel nicht ziehen wollen. Es gibt ein paar gute Folgen, und ein paar gemischte in denen das Gute zumindest überwiegt, aber viele Handlungen warum einfach diesmal auch echt langweilig oder enttäuschend umgesetzt.

GitS Week – The New Movie

Im Juni 2015, nur wenige Tage nachdem mit Pyrophoric Cult Part 2 die zehnte und letzte Folge der TV-Version von Ghost in the Shell: Arise ausgestrahlt wurde, sahen japanische Kinos den ersten dortig releasten Film seit Innocence in 2004. Das neueste und bisher letzte Werk zur Franchise von Production IG, Ghost in the Shell: The New Movie, ist dabei natürlich im aktuellen Arise-Universum angesiedelt, statt ein drittes Oshii-Werk zu sein.

Diesmal haben wir es auch mit einer direkten Nachfolge zu tun, nicht einfach einer weiteren Handlung in der gleichen Timeline. Immerhin hat Pyrophoric Cult extra alles weit offen gelassen, um die Story hier weiterspinnen zu können. Und so wirkt The New Movie fast etwas wie ein Zusammenschluss aus zwei oder drei weiteren Folgen. Was an sich ja nicht zu bemängeln ist, man aber auf jeden Fall Arise gesehen haben sollte, um sich hieraus was ziehen zu wollen, weil doch viel aus der Serie referenziert aber nicht weiter groß erklärt wird.

Komplett auf weiter Flur würde man zwar glaube ich auch nicht stehen, wobei ich natürlich nicht vergleichen kann, da ich das Vorwissen mitbringe und schlecht ausblenden kann, aber insgesamt ist das Arise-Universum ja jetzt auch wieder kein hochgradig komplexes oder eines, was die Genre-Standards bewusst umgehen würde. Von daher kann ich mir schon vorstellen, dass man sich viel selbst zusammenreimen könnte, aber die genaue Signifikanz einiger Charaktere wäre halt dennoch nicht gegeben.

Kusanagis ehemaliger Boss in 501 mit dem Hang ihr Shirt nie zuzuknöpfen, Kurusu, ist beispielsweise jemand, der eindeutig wichtig ist, was sie hier allerdings genau tut ohne Arise etwas vage bleiben würde. Dort war es allerdings auch etwas luftig, warum genau sie wichtig ist, da sie eigentlich nicht viel gemacht hatte, bis sie in Pyrophoric Cult an Fire Starter gelangte. The New Movie zeigt uns nun beispielsweise, dass die beiden so eine gute Bindung hatten, weil sie im gleichen Waisenhaus aufgewachsen sind. Hier versucht sie einen Deal mit dem Prime Minister Japans zu organisieren, kommt aber bei einem Bombenattentat auf jenen selbst ums Leben. Sie ist dann auch genau das gegenteilige Pendant zu Kusanagi. Kurusu gliedert sich immer der Politik und dem Militär unter, sucht nach Deals, um das Weiterleben von 501 zu garantieren, während Kusanagi gezielt ihre Einheit unabhängig zu halten versucht. Immerhin gehören sie in der Arise-Inkarnation nicht mal richtig zu Section 9.

Letztendlich entbrennt ein Verwirrspiel darum, wer sich genau weswegen einmischt oder welche Agenda hat, und wem der Tod des PM dabei weitergeholfen hat. Inklusive natürlich Kurusus wirklicher Plan mit Fire Starter umzugehen. Denn ein wichtiger Punkt hier ist, dass die Cybernisation im Arise-Universum scheinbar nicht zwangsläufig positiv ist. Denn je nachdem, welche menschlichen Teile man sich ersetzen lässt, ist man eben auch davon abhängig jene warten zu lassen. Und es kommt zu ziemlichen Problemen damit weiterhin Upgrades und Reparaturen für das eigene Modell zu bekommen, statt das es obsolet wird und sich keiner mehr drum kümmern kann. Kurusus „Dritte Welt“, die sie erschaffen wollte, ist dann auch eine im Netz des Cyberspaces, in dem der individuelle Körper nicht mehr wichtig ist, egal ob menschlich oder robotisiert, egal welches Modell, alle sind gleich, weil nur noch ihr „Ghost“ zählt. Das Militär derweil hat das Problem, dass nicht mit der rapiden Cybernisierung gerechnet wurde, und durch sie immer mehr Macht an die Großkonzerne fällt, die nicht zwangsläufig das Wohl der Nation im Sinne haben.

The New Movie ist also schon etwas komplizierter und politischer als Arise davor gewesen ist, wobei man eigentlich immer noch ziemlich gut mitkommen kann, auch wenn erneut ein paar Charaktere etwas kurz oder vage gehalten werden, so dass man sich um deren Motivationen und Ziele nicht komplett sicher sein kann. Irgendwie wirkt halt doch jede weitere Addition von Arise so, als würde sie Grundlagen für eine Weiterführung legen, die vielleicht oder auch nicht bereits geplant ist. So wie Arise eigentlich mehr wie das Finden der Truppe um Kusanagi wirkte, auf das aufbauend eine längere Serie hätte starten können, so setzt The New Movie zwar einen guten Schluss zur OVA, ich konnte mich des Gefühls allerdings nicht erwehren, dass es ebenfalls die Option auf eine Nachfolgeserie oder weitere Filme weit offen gelassen hat.

Von daher zieht hier mehr oder weniger, wie ich auch schon nach Arise verblieben bin. Nur dass durch das Fehlen einer Folgenaufteilung eben die qualitativen Unterschiede schwanken. Etwas tiefer geht es schon, aber so wirklich die Komplexität, die man von vorigen Ghost in the Shells gewohnt ist, wird hier auch nicht erreicht, erneut mit anderen Charakteren käme man eventuell gar nicht darauf, dass dies hier GitS sein soll. Aber als reine SciFi-Action unterhält das Ding schon sehr gut.

GitS Week – Arise

Weitere 7 Jahre lag die Franchise zunächst brach, bevor es mit Arise in den nächsten Reboot von Ghost in the Shell ging. Dessen Veröffentlichungspolitik schon recht interessant ist. Über 2013 und 2014 hinweg erschienen 4 OVA-Folgen von jeweils einer Stunde. In 2015 wurde dann Ghost in the Shell: Arise Alternative Architecture im japanischen Fernsehen ausgestrahlt, welches allerdings nur die 4 Episoden in 8 gekürzte aufteilte, und außerdem den vierten Film an den Anfang stellte. Allerdings dann doch noch 2 neue Folgen oben drauf gab, die anschließend als 5. OVA nachgereicht wurden.

Diesmal starten wir übrigens da, wo noch kein Ghost in the Shell gestartet ist: Noch bevor sich das Team um Major Kusanagi gebildet und seine Arbeit für Section 9 angefangen hat. Stattdessen ist deren Zusammenwachsen sozusagen der rote Faden der Serie. Border 1 erzählt, wie Kusanagi aus ihrer Einheit 501 aussteigt, bereits auf alle anderen Charaktere trifft, und von Aramaki offeriert wird, ihr eigenes unabhängiges Team zu bilden. In Border 2 schafft sie sich dann fast alle davon heran, in Border 3 trifft auch das letzte Mitglied (erneut Tugosa) dazu, und in Border 4 erhalten sie endlich ihre volle Unabhängigkeit. Das auch mit einem schönen runden Ende, sozusagen ab jetzt können sie so richtig losgehen, während Border 5 dann ein paar übriggebliebene Fäden erneut aufnimmt, um eine Brücke zum kommenden Film zu schlagen.

Die Haupthandlung der einzelnen OVAs ist dabei hingegen eher episodisch geraten. Wie gesagt das Bilden des Teams ist ein roter Faden, dazu gibt es kein direktes Payoff hier zur mysteriösen Leiterin der Einheit 501, und das Virus Fire Starter. Es ist also nicht so, dass es nicht doch ein paar Zusammenhänge gibt, die immer so ein wenig im Hintergrund mitlaufen. Doch der Hauptauftrag der Folgen ist eher ein jeweils neuer Einsatz.

Im ersten wird das Hirn von Kusanagi gehackt, und sie muss herausfinden, was wirklich mit ihrem ermordeten Vorgesetzten geschehen ist. Auch in der zweiten Folge geht es um manipulierte Erinnerungen, durch die ein Ex-Militär als Rache und um das zu offenbaren, was er als Wahrheit ansieht, eine großangelegte Terroraktion plant. Die dritte Folge sieht Cyborg-Prothesen, die ihre Träger unwissentlich zu Bombenträgern machen. Folge Vier führt dann das Virus Fire Starter ein, welches sich erneut in die aufgerüsteten Cyber-Hirne einschleust, um die Wahrnehmung zu verändern. Und wie gesagt, Folge Fünf führt jenen Strang fort und öffnet die Serie erneut zu einem Sequel, statt das rundere Ende der vierten Episode zu bieten.

Was bei Arise ziemlich schnell auffallen sollte ist, dass es die bisher wohl gewöhnlichste Inkarnation der Franchise ist. Die Charaktere haben ein simpleres Design, um frischer zu wirken. Wobei jeder noch stark wie das Original aussieht, abgesehen von Kusanagi, die mit ihrer Figur wie eine 14-Jährige und dem Tragen von roten Lederoutfits sowie kessen Art mehr wie eine weniger nuttige Variante von Armitage III daher kommt. Es gibt eine Menge Action, Explosionen, Verfolgungsjagden, Schießereien etc. in den Folgen. Dafür wenig lange Szenen, in denen die Charaktere hochtrabend philosophische Gespräche führen. Ja die Denkanstöße sind im Prinzip hier gar nicht vorhanden. Selbst die exotische Musikrichtung ist gegen einen Standard-Soundtrack ausgetauscht worden. Die Charaktere an sich sind auch so menschlich und emotional wie noch nie portraitiert. Die Antagonisten sind immer schon von Folgenbeginn an ziemlich offensichtlich, alleine dadurch, dass sie vorher nie gesehene Charaktere darstellen, die plötzlich total wichtig sind.

Aus Ghost in the Shell ist also in der Arise-Inkarnation überraschend konventionelle SciFi-Action geworden. Weitestgehend allerdings nicht unbedingt schlechte. Die Action stimmt, die Charaktere sind sympathisch, und die Animationen sind sehr flüssig und schnell. Das Ding sieht gut aus und unterhält schon. Nur ein bisschen mehr Anspruch gehört bei Ghost in the Shell eigentlich ja schon dazu, und der ist in Arise gar nicht mehr wirklich gegeben.

Herausstechend aus der durchaus qualitativ guten Serie ist dabei allerdings Border 3: Ghost Tears. Denn aus dem Nichts hat Major Kusanagi plötzlich einen Freund. Kusanagi, die in den vorigen Inkarnationen nicht sonderlich viel zwischenmenschliche Zuneigung gezeigt hat und wenn überhaupt Sexualität ausstrahlte, dann nur impliziert und nur anderen Frauen gegenüber. Sie mit einem Mann zusammen zu sehen, ist an sich schon irgendwie total merkwürdig. Dass sie sich dem Prettyboy gegenüber aber auch wie ein frisch verliebtes Schulmädchen gibt, mag so gar nicht zu ihr passen, selbst zu dem neu definierten Charakter, der sie in Arise ist.

Arise ist also sozusagen das Ghost in the Shell für diejenigen, denen das Setting an sich zwar gefällig war, die aber mit den unterkühlten Charakteren nicht warm wurden, und welche die hochtrabende Philosphiererei als störend ansahen. Geradliniger eben, abgespeckter, und leichter zu verdauen.

GitS Week – Solid State Society

Stand Alone Complex geschieht scheinbar im 2-Jahres-Rhythmus, denn erneut dauerte es genauso lange nach der Ausstrahlung der zweiten Staffel 2nd GIG, bis die dritte Inkarnation über die japanischen Bildschirme flimmerte. Während die beiden vorigen allerdings 26-teilige Staffeln waren, von denen lediglich alternativ eine Filmvariante existiert, so wurde Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society gleich als solcher von nicht ganz 2 Stunden Laufzeit realisiert.

Interessant ist hier übrigens erneut die Parallele zu Innocence. Denn auch bei Solid State Society ist Major Kusanagi zu Beginn MIA. Nur statt das sich hier Section 9 auch ohne sie weiterdreht… nun ja, weiter geht deren Arbeit schon, allerdings erinnern uns die Charaktere beständig daran, wie wichtig sie doch war, und das sie hoffentlich bald zurück kommt. Während wir reichlich Szenen sehen, die uns zeigen, was sie währenddessen macht. Im SAC-Universum ist sie schon eindeutig das Zentrum, im Oshii-Universum ein schon fast austauschbares Zahnrad.

Togusa ist hier derjenige, der die Teamleitung übernimmt, während Batou dies abgelehnt hat, und stattdessen lieber seiner BFF Kusanagi hinterher trauert. Die aktuelle Investigation dreht sich um die plötzlichen Suizide mehrerer Mitglieder einer gewissen Republik, inklusive deren Diktator. Scheinbar steckt ein gewisser Puppenspieler dahinter, hat sie in den Selbstmord getrieben, und kidnappt Kinder, um sie anschließend mit einem Virus zu infizieren. Und da Kusanagi in wechselnden Körpern hinter den Szenen herum hüpft, fällt der Verdacht ob der wahren Identität des Pupeteers auf sie.

Es stellt sich sogar raus, dass es eine Diskrepanz ganzer 20.000 Kinder gibt, die verschwunden sind, und alle Noble Rots zugeteilt wurden. Das sind Alte, die wegen der Probleme der Überalterung der Gesellschaft und Wegfallen der sich um sie kümmern könnenden Familien an medizinische Geräte angeschlossen wurden, die sich selbstständig um sie kümmern sollten, an die sie jedoch nun gefesselt sind. Und im Cyberspace dieser verbundenen Maschinen hat sich die Solid State Society gegründet, welche die Kinder aus schlechten Familienverhältnissen herausbringen will.

Sich mit denen anzulegen führt dazu, dass selbst die Familie von Togusa in Gefahr gerät, so dass Kusanagi doch eingreifen und zur Section 9 zurückkehren muss, um den wahren Kopf hinter dem Pupeteer und der Solid State Society zu konfrontieren.

An die etwas anderen Vibes von Solid State Society gegenüber der TV-Serie muss man sich schon irgendwie gewöhnen. Wobei ja auch dort zwischen der ersten Staffel und 2nd GIG ein gewisser Bruch war. Schon alleine optisch ist in Solid State Society alles ziemlich ausgewaschen und grau, sowie das Charakterdesign etwas realistischer designt. Auch so bleibt wenig Zeit für humorige Einlagen oder schneidige Sprüche, und auch Action gibt es nur vereinzelt kurz explodierend. Die meiste Zeit des Filmes wird geredet. Über die Investigation und deren diverse Sackgassen, über die Probleme der japanischen Gesellschaft, über politische Motivationen, über das Zentrum des Universums Kusanagi. Weniger Philosophieren über das Thema Mensch vs. Maschine wie sonst in Ghost in the Shell, und mehr Gerede über moralische Zwickmühlen in der menschlichen Gesellschaft an sich.

Ich gehe mal davon aus, dass dies zwangsläufig so sein muss, da man diesmal ja nur knapp 2 Stunden Zeit hat, um die Handlung erzählt zu bekommen, statt das dies auf 26 Folgen gestreckt ist und dementsprechend genug Lücken zum Füllen offen sind. Vielleicht sind die Filmversionen der ersten beiden Staffel auch vergleichsweise trocken zu deren Serienform. Solid State Society ist dabei, obwohl die Beschreibung dies eventuell zunächst so klingen lässt, vom Vibe her nicht wie die Oshii-Filme. Dafür fehlt es zu sehr an den philosophischen Anspielungen und dem schlauen Zitate-Bingo. Außerdem nicht einen Gastauftritt eines Corgi oder Basset.

Dadurch haben wir es hier im Prinzip mit dem am wenigsten anstrengenden und stringentesten Fall von Section 9 zu tun. Es bleibt nicht die Zeit alles stark zu verkomplizieren wie in der TV-Serie, aber die üblichen luftigen Oshii-Ambitionen bremsen ihn auch nicht aus. Stattdessen haben wir eine bodenständige, zügig voranschreitende, und leicht zu folgenden Version von Ghost in the Shell. Ist auch mal was.

GitS Week – Innocence

2004 ist nicht nur das Jahr, in dem japanische Fernsehgeräte die zweite Staffel von Stand Alone Complex ausstrahlten. Nein, auch das ursprüngliche Film von Mamoru Oshii bekam neun Jahre später ein Sequel in die Kinos gebracht, erneut von Oshii geschrieben und dirigiert, und in Japan schlicht als Innocence bekannt, im Westen allerdings den Serien-Obertitel tragend.

Major Kusanagi ist immer noch MIA, und somit folgen wir Batou mit seinem neuen Partner Togusa. Deren aktueller Fall behandelt Gynoids, Puppenähnliche Dienstroboter, von denen eine neue Produktionslinie begonnen hat, ihre Besitzer zu ermorden. Um anschließend die Selbstzerstörung zu initiieren, da sie gegen das dritte Gesetz der Robotik verstoßen haben. Es ist zwar durchaus nicht komplett ungewöhnlich, dass experimentelle neue Modelle wegen Bugs etc. nicht richtig funktionieren und dies im Ernstfall in einem Kriminalfall enden kann, doch gerade weil hier die Opfer Politiker und sonstig einflussreiche Leute sind, investigiert Section 9 die Möglichkeit, dass dies unter deren Jurisdiktion fallen könnte.

Wie sich herausstellt haben die Gynoids illegale Sexbot-Funktionen und fallen unter das ebenfalls illegale Ghost-Dubbing, um sie entsprechend lebensnaher zu machen. Der Ghost in der Franchise ist sowas wie das menschliche Bewusstsein oder die Seele, sprich die Gynoids bekommen echte menschliche Gehirnströme eingespeist. Darin verwickelt sind die Yakuza, und letztendlich fliegen Batou und Togusa in eine Gesetzlose Zone der Megakonzerne, um sich mit dem Hersteller der Gynoids auseinanderzusetzen.

Mamoru Oshii war während der Arbeit an Innocence bereits über 50, bringt also reichlich Lebenserfahrung mit, ist ein belesener und gereister Mann, und im Gegensatz zu den meisten Japanern gläubiger Christ gewesen. Oshii hat außerdem in Interviews wiederholt gesagt, dass er in seinen Filmen gerne in andere Welten entführt, sowie die visuelle Komponente vor Story setzt und Charaktere hinten einreiht.

Es sollte also nicht weiter verwundern, dass seine Filme immer eine gewisse unmenschliche Note haben. Im ganz einfachen Sinne, dass sie eine humane Note vermissen, seine Charaktere nie wie wirklich echte Menschen wirken, sondern kühl-kalkulierende Schachfiguren in einem Theaterstück gleichen. Das geht in Innocence sogar noch ein Stück weiter. Nicht nur ist in Oshiis Ghost in the Shell nichts von den Charakter-Quirks und dem humorigen Schlagabtausch zwischen den Charakteren aus SAC übrig, sondern Charaktere reden meist gar nicht mal richtig miteinander. Stattdessen haben sie eine Obsession damit, Fragen und Aussagen anderer Charaktere mit Zitaten von Denkern, Dichtern und Philosophen zu kommentieren. Dieses Zitieren gehört durchaus zu den Charakteren in allen Ghost in the Shells, aber in Innocence nimmt das echt Überhand, da man manchmal wirklich fast das Gefühl bekommt, keiner habe wirklich einen Dialog miteinander, sondern als würden alle nur Zitate einander an den Kopf werfen.

Das wirkt natürlich extrem künstlich und kann durchaus anstrengend sein. Wobei Oshii bedacht hat die Grundhandlung des Filmes eigentlich relativ simpel zu halten, damit man dennoch mitkommt. Wobei ich zugeben muss, bis zum Ende nicht genau Klarheit gehabt zu haben, worum es jetzt genau gehen wird. Doch alles klärt sich auf, und so schwer war das nicht. Dieses einfache Grundgerüst ist allerdings auch nötig, damit man nicht erdrückt wird von der abgehobenen Optik und dem heftigen Rumphilosophieren, die er großzügig auf jener Leinwand verteilt.

Gerade zur Mitte des Filmes hin, wenn Batou und Togusa die Stadt verlassen und in die Gesetzeslose Zone wechseln, kommt es einem fast vor, als wäre man in einem komplett anderem und Fantasy-Film gelandet. Mit einem langen Intermezzo einer bunten Parade in den Straßen, Karnevals-maskierten Leuten, Gebäude wie Kathedralen, die aus dem endlosen Wolkenmeer voller weißer Vögel hervorstechen. Eine westliche Villa inmitten eines Sees, mit Bleiglasfenstern, angeführt von jemandem, der sein Bewusstsein komplett in eine Cyborg-Marionette hat einspielen lassen, und sich ins Hirn der beiden Ermittler einklinkt, um sie in einer Albtraumrealität zu fangen.

Besonders interessant ist dabei auch, dass Major Kusanagi quasi kein Charakter mehr ist. Batou ist der Hauptcharakter des Filmes und wir folgen zum Großteil ihm und Togusa, mit nur wenigen Szenen der anderen Besetzung von Section 9. Kusanagi ist am Ende des ersten Filmes verschwunden und dreht nur körperlose Runden im Cyberspace, kommt erst im Finale zu Hilfe, für das sie sich in eine der Dolls herunterlädt, also auch nicht ihr gewohntes Aussehen hat. Und ganz ehrlich gesagt fand ich jenes kurz angebundenes Action-Finale etwas merkwürdig. Ich meine der eigentlich sehr ruhige und dunkle Film lockert sich immer mal wieder mit kurzen Action-Spitzen auf. Aber es wirkt wirklich fast so, als wäre Kusanagi nur dabei, weil Ghost in the Shell ohne sie nicht denkbar ist, ihr Kurzauftritt wirkt etwas erzwungen nachgereicht, besonders weil man sich zu jenem Zeitpunkt sicher schon dran gewöhnt haben wird, dass sie nur Namentlich erwähnt werden wird.

Ist jedenfalls ein interessanter Kontrast zu Stand Alone Complex gewesen, in dem Kusanagi quasi das Zentrum des Universums ausmacht. Aber Innocence zeigt uns das die Welt auch ohne das Individuum an sich weiter geht, was schon sehr Oshii ist. Der Film wirft erneut dabei natürlich die Frage nach der Grenze auf, die zwischen Mensch und intelligenter Maschine besteht. Oder genauer gesagt, ob es jene überhaupt gibt, oder wir die nicht für uns ziehen, um den Menschen eine Sonderstellung zu geben, und zu rechtfertigen mit den Cyborgs so umgehen zu können, wie das teileweise getan wird. Was ist, wenn unsere Wegwerf-Haushaltsgeräte ein menschliches Aussehen bekommen und scheinbar Empfindungen haben? Ist es Ok Roboter zu opfern, um Menschen zu retten, weil das Menschenleben an sich höher eingeordnet wird? Und all das in einer Welt, in der mehr und mehr des menschlichen Körpers durch Maschinen ersetzt ist, nur noch das vage Konzept eines Ghosts die Trennung ausmachen soll? Und wenn der Körper eine finanzierte Maschine ist, gehört man dann nicht eigentlich der Firma, die ihn gebaut und bezahlt hat, statt sich selbst?

Innocence hat mir tatsächlich außerordentlich gut gefallen, weil der Film dann glücklicherweise nicht ganz so extrem verkopft war, wie ich zunächst befürchtet hatte. Klar sind die Dialoge unglaublich künstlich, und stellenweise dadurch fast lachhaft, aber auch das fügt sich ganz gut in den Vibe hinein. Dazu die treffsichere Bombastoptik, die einen in fremde Welten entführt, und eine durchaus nachvollziehbare Handlung, deren philosophischen Anspielungen zu folgen immer dem Zuschauer überlassen bleibt, statt notwendig zu sein. Es ist interessant, denn obwohl ich sagen würde das Oshiis Ghost in the Shells tiefgründiger sind als die Stand Alone Complexes, so würde ich sagen, dass sie dennoch weniger anstrengend und ihnen stellenweise einfacher zu folgen ist.

GitS Week – SAC 2nd GIG

Zwei Jahre nachdem Ghost in the Shell: Stand Alone Complex ausgestrahlt wurde und auch zwei Jahre nach dessen Story-Ende angesiedelt, flimmerte 2004 Ghost in the Shell: Stand Alone Complex 2nd GIG über die japanischen Fernsehbildschirme. Währenddessen war übrigens auch Mamoru Oshii, der Regisseur des ersten Filmes, wieder in den Räumlichkeiten von Production IG, um den Nachfolger-Kinofilm zu erschaffen, und gab ein wenig Input in die Storyline der Staffel.

Das bedeutet nicht, dass Stand Alone Complex 2nd GIG plötzlich im Universum der Kino-Franchise angesiedelt ist, oder dass Oshii wirklich stark an der Produktion der Staffel beteiligt war. Aber dennoch ist es so, dass SAC2ndGIG doch stärker als die Vorgänger-Staffel vom Stil her an ihn und seinen Film von 1995 erinnert. Wir haben hier einen stark politischen Plot mit mehreren involvierten Regierungen und Regierungsorganisationen. Die Optik ist unterkühlter und dunkler. Es geht etwas brutaler und blutiger zur Sache. Die Charaktere philosophieren sogar noch mehr als in der ersten Staffel und haben weniger humorige Charakterzüge. Fehlt nur noch ein Corgi oder religiöse Symbolik, und die Sache wäre rund.

2nd GIG macht übrigens damit weiter, die Episoden unter verschiedene Begrifflichkeiten einzuteilen, diesmal gar drei verschiedenen. Den Bulk der Serie machen die Individual und Dividual Episoden aus, dazu kommen noch ein paar wenige Dual Episoden. Da die Handlung diesmal komplexer ist und auch alles eine stärkere Verknüpfung zueinander hat, sind es nur die paar Dual, die komplett losgelöste Einzelfälle behandeln, während sich die Invidiual und Dividual jeweils einer der Haupthandlungsstränge widmen. Aber auch jene beiden Stränge verweben sich miteinander, so dass in 2nd GIG wirklich jede Episode narrativ stärker wirkt, statt das es einen wirklichen Analog zu den Stand Alone Wegwerf-Episoden der ersten Staffel bestünde.

Die Hintergründe zum aktuellen Geschehen bilden dabei die beiden Weltkriege, die in der Vergangenheit der Stand-Alone-Complex-Kontinuität liegen. An deren Ende nahm Japan nämlich einen ganzen Bulk an Flüchtlingen auf, die seit Dekaden in ihrem eigenen Ghetto leben, und keine wirklichen Rechte und Möglichkeiten genießen. Vor jener angespannten Situation tauchen die Individual Eleven auf, eine Gruppe an Terroristen, welche die neue Ministerpräsidentin ermorden und die Flüchtlinge zu einem Aufstand aufwiegeln will. Scheinbar mit Section 9 zur Zusammenarbeit angehalten ist dabei Goda, der von Nachrichtenkabinett stammt, und mit ihnen gegen die Individual Eleven vorgehen soll, allerdings seine ganz eigenen Pläne schmiedet, in denen er die Lage ausnutzen und zuspitzen will. Gleichzeitig taucht Kuze auf, der zunächst zu den Individual Elven gehört, sich später allerdings von deren Ideologie löst, und als charismatischer Führer den Flüchtlingen helfen will. Und um der ganzen Sache eine persönliche Note zu verleihen, hat er auch noch eine Vergangenheit mit Major Kusanagi.

Wer hier übrigens nicht aufpasst, hat ziemlich verloren. In Ghost in the Shell wird ja immer viel geredet und frei von der Leber weg philosophiert, und das ist in 2nd GIG keineswegs plötzlich anders. Nur wenn man hier an der falschen Stelle einer Episode nicht richtig aufgepasst hat, kann man auch echt schnell den Faden verlieren, warum jetzt was genau geschieht und braucht anschließend umso länger, um wieder richtig reinzukommen. Das macht die Serie, die selbst in den Action-Parts und sich immer mehr zuspitzenden Finale erstaunlich ruhig daherkommt, schon eher anstrengend und nichts für die kurzweilige Unterhaltung. Wer hingegen gut am Ball zu bleiben versteht, dem wird hier auch echt was geboten, besonders wenn demjenigen der Stil des Filmes gefälliger war als die erste Staffel Stand Alone Complex.

Von daher hat auch mir 2nd GIG durchaus besser gefallen. Allerdings kann ich auch sehen, warum man ursprünglich in der ersten Staffel eine andere Richtung eingeschlagen hat, die Handlung mit den Einzelepisoden aufgelockert und den Charakteren mehr Menschlichkeit verliehen hat. Denn quasi 26 Episoden im doch sehr dichten und unterkühlten Stil des Filmes sind manchmal etwas anstrengend und trocken. Keine Ahnung, wie die Japaner zur Erstausstrahlung mit einer Woche Lücke zwischen Folgen überhaupt noch klar gekommen sind, ohne sich ausgiebig Notizen zu machen. Ghost in the Shell macht sich glaub ich einfach etwas besser als Film oder Miniserie. Bei einer längeren Staffel wie in Stand Alone Complex läge vielleicht der Mittelweg zwischen der ersten und 2nd GIG ganz gut. Genau wie bei der ersten Staffel gibt es auch hier zwar eine Filmversion, Ghost in the Shell: Stand Alone Complex 2nd GIG – Individual Eleven, jedoch bin ich mir nicht so sicher, ob da nicht diesmal einige Nuancen verlorengegangen sind, um auf eine entsprechende Spielzeit zu kommen.