Academy Weekend: Into the Spider-Verse

Wenig überraschend kommen wir auch dieses Jahr bei einem der Oscar-Gewinner zu der Kategorie Animationsfilm. Den hat im letzten Jahr Spider-Man: Into the Spider-Verse abgeräumt. Was durchaus nicht einfach war, lief doch sowohl ein Pixar- wie ein Disney-Film in Konkurrenz, an welche die Trophäe häufig scheinbar schon rein pro forma geht. Wir ignorieren mal, dass theoretisch alle drei Filme eigentlich Disney sind, da zu denen sowohl Pixar wie Marvel gehört. Immerhin verdiente an Spider-Verse auch noch Sony mit, da die ja die Filmrechte am Superhelden halten.

Comics sind ein altes Medium, und Spider-Man ist ein alter Superheld. Das bedeutet natürlich, dass es dutzende an Geschichten gibt. Wann immer der alte Ballast zu viel wird oder man eine neue Kundschaft ansprechen will, gibt es halt einen Reboot oder ein Spinoff, welches die Sache modern neu von vorn erzählt. Der tituläre Superheld mag mal Nazis kloppen, mal schwarz oder weiblich sein, mal einen Packt mit dem Teufel eingehen. Theoretisch ist alles möglich. Selbst die Filmfranchise ist damit geschlagen, haben wir in den letzten 20 Jahren doch rein auf die Live-Action-Franchise bezogen drei verschiedene Spinnenmänner zu sehen bekommen. Spider-Verse nutzt dies geschickt für seine Storyline: Was wäre nämlich, wenn all diese Spider-Menschen in parallelen Universen existieren?

Was aber nicht bedeutet, dass es nicht auch so schon zwei Spider-Men in einer Welt geben könnte. Dies nämlich hier im Film. Peter Parker ist Spider-Man, er rettet die Stadt nun schon seit 10 Jahren, macht es immer noch gern und mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Aber als hübscher, blonder Kerl, der mit seiner Mary Jane verheiratet ist, könnte es ihm auch nicht besser gehen.

Miles lebt auch in New York und hat aktuell das Problem, dass er die Schule wechseln muss. Von einer öffentlichen zu einer privaten, weil sein Genie dort besser gefördert werden kann. Dadurch wird er seine Freunde weniger häufig sehen, und außerdem wirkt die Eliteschule zunächst elitär und kalt auf ihn. Zuflucht sucht er beispielsweise bei seinem coolen Onkel, mit dem er seiner künstlerischen Graffiti-Ader freien Lauf lassen kann, ganz im Gegensatz zum Polizisten-Vater. Währenddessen beißt ihn aber auch eine radioaktive Spinne. Miles macht nun die üblichen Spider-Man-Erwachens-Probleme mit, weil die neu entwickelnden Kräfte zunächst unkontrollierbar sind.

Hilfe erhofft er sich vom Parker-Spider-Man, immerhin lebt der bereits eine Dekade mit den Kräften. Bei der Suche nach ihm platzt Miles allerdings mitten in einen Kampf Spider-Man gegen Handlanger des Kingpin, der mit einer Maschine seine tote Familie aus einem Paralleluniversum ziehen will. Der Plan kann zunächst vereitelt werden, doch Spider-Man stirbt an seinen Verletzungen. Durch den Kontakt mit der Maschine sind allerdings bereits ganz andere Spider-Men, -Women und –Pigs auf dem Weg.

Einen etablierten Charakter umzubringen ist in Comics und der Animationsfilm-Peripherie solcher Superhelden-Franchises nicht unbedingt neu. Es sind nur die Live-Action-Filme, die immer die möglichst sicherste Route fahren und dies wegen ihrer wiedereinzuspielenden Budget eventuell auch einfach so tun müssen. Ganz so lang hält sich Spider-Verse am Tod von Peter Parker eh nicht auf. Immerhin ist der so gesehen kein etablierter Charakter, zumindest in dieser hiesigen Version sehen wir ihn ja zum ersten Mal.

Direkt darauf trifft Miles nämlich auf Peter B. Parker, einen der Parallel-Spider-Men, und zwar einer, der im Prinzip die gescheiterte Version des hiesigen Peter Parkers ist, älter, einsam, und allgemein nicht mehr ganz auf der Höhe. Der wird letztendlich unfreiwillig zu Miles Mentor und zusammen mit Spider-Gwen eine der drei Hauptfiguren des Filmes. Es gibt noch einen coolen Noire Spider-Man, ein Anime-Girl mit Spider-Mech und ein WB-Cartooniges Spider-Pig (Simpsons-Referenz!), aber die sind eher blass und mehr als Gag dazu, wie anders und schräg die Spider-Wesen werden können.

Außerdem bringen sie wesentlich mehr optische Abwechslung, ein Punkt, in dem Into the Spider-Verse sowieso sehr gut ist. Das Schöne an Animation ist ja, dass viel mehr dargestellt werden kann als mit Live Action. Dinge, die sonst unmöglich oder unglaublich kostspielig wären natürlich. Aber auch einfach, weil Animation von Natur aus nicht realistisch ist, und das Publikum somit auch mehr Suspension of Disbelief mitbringt. Peter Porker und Peni Parker kommen in einem anderen Zeichenstil daher und sind anders animiert, um die Influenz von WB-Cartoons respektive Anime widerzuspiegeln. Der Film stilisiert immer wieder mit einem Comicbuch-Look, wenn der Bildschirm wie Comic-Panels designt wird, Gedankengänge in Denkblasen eingeblendet werden, wenn der Spidersense mit Wellenlinien visualisiert wird und allgemein alles sehr bunt und farbenfroh gestaltet ist. Die Animation ist mal weniger flüssig und abgehackter, um coole Posen einzufangen oder zu zeigen, dass Miles seine Kräfte noch nicht kontrollieren kann. Spider-Verse schöpft, besonders für eine amerikanische Produktion, enorm viel visuelle Kreativität des Animationsmediums aus.

Und ganz allgemein ist es einfach ein sehr spritziger und weitestgehend leichtherziger Film. Die Charaktere sind spaßig, agieren gut miteinander, es gibt reichlich Sprücheklopferei und einfach eine allgemeine Atmosphäre von Schwung und Leichtigkeit. Das macht den Film insgesamt zu einem super kurzweiligen und unterhaltsamen Genuss.

Academy Weekend: BlacKkKlansman

Blackkklansman ist ein Film von Spike Lee, basierend auf dem Buch, welches eine reale Begebenheit nacherzählt. Der Film war für sechs Oscars nominiert, mit Best Picture und Best Director sogar zwei der großen, bekam dann aber nur den kleinen Best Adapted Screenplay zugesprochen. Spike Lee mag ein bekannter Regisseur Hollywoods sein, der sich vor allem durch Filme mit sozialem Kommentar auszeichnet, doch ich hatte hiervor tatsächlich noch nicht einen davon gesehen.

Es sind die 70er-Jahre. Die Civil Right Movements, in denen sich Schwarze gleiche Rechte erkämpften, sind also noch nicht lange her. Ron Stallworth glaubt daran, dass eine neue Ära angebrochen ist. Der Sohn eines Militärs bewirbt sich als erster schwarzer Cop bei der Colorado Springs Polizei. Und wird dort auch genommen. Wo er prompt als Undercover-Polizist bei einem Meeting einer Veranstaltung einer Civil-Rights-Bewegung eingesetzt wird, weil man Verbindungen zu den Black Panthern vermutet. Ron hält die Studenten allerdings für ungefährlich und mogelt sich telefonisch stattdessen beim Ku-Klux-Klan unter. Wo er natürlich kaum physisch auftauchen kann, was sein jüdischer Kollege übernehmen muss.

Amerika und auch die Academy mögen ganz besonders eine Art von Film über Rassismus. Nämlich jene über isolierte Fälle. Die bestätigen das Rassismus natürlich mal eine schlimme Sache war, aber eigentlich rum ist. Natürlich nicht zwangsläufig komplett, Rassisten wird es immer geben, aber man ist ja über Sklaverei und Segregation hinweg und eigentlich damit systematischer Rassismus kein Teil des Landes mehr. Einzelfälle sind differenzierter zu betrachten und die individuellen Hintergründe zu bleuchten und können gelöst werden. Wenn bei den Oscars 2019 endlich vermehrt Schwarze nominiert werden, zeigt das doch, wie weit wir gekommen sind. Wenn prompt in sozialen Netzwerken das Echo erfolgt, dass dies doch irgendwie merkwürdig und bestimmt eine forcierte Minderheitenquote ist, dann ist das niemals nicht echter Rassismus, sondern nur das legitime Hinterfragen von Fakten.

Tatsächlich scheint Blackkklansman zunächst genau so einen Film zu liefern. Immerhin spielt er Jahrzehnte vom Hier und Jetzt entfernt, wo man zugeben können darf, dass damals Rassismus vielleicht noch ein größeres Problem war. Und natürlich sind die KKK extreme Einzelfälle einer ansonsten sicherlich akzeptierenden Gesellschaft. Immerhin gibt es auch im Police Department scheinbar nur einen rassistischen Kollegen, während alle anderen Ron ganz normal behandeln und teilweise gute Freunde sind. Ron als der gute Schwarze, der an Recht und Gesetz glaubt und die Polizei von innen verbessern will, statt offene Rebellion gutzuheißen. Die Leute beim Klan werden geschickt ausgetrickst, mit ihren dummen Vorurteilen gespielt, schaden sich am Ende in ihrer eigenen Dummheit selbst. Und auch der rassistische Kollege wird überführt. Ende gut, alles gut.

Doch damit endet Blackkklansman nicht. Der aktuelle Fall mag abgeschlossen sein, zu einem guten Ende geführt haben, alle zufrieden und glücklich. Doch eine weitere Investigation in den Klan wird untersagt, die Unterlagen gehören vernichtet, da hat eindeutig jemand im Hintergrund an den Fäden gezogen. Vorm Haus von Ron und seiner Freundin wird ein brennendes Kreuz aufgestellt. Rassismus verpufft eben nicht einfach in der Luft, weil ein paar Einzelpersonen überführt sind. Schon gar nicht in einem Land, in dem es so lange inhärent war. Nicht umsonst startet der Film mit einem Ausschnitt aus Vom Winde verweht (13 Oscar-Nominierungen, davon 8 Gewinne), einem der absoluten beliebten Filmklassiker, welcher den Kampf der Südstaaten für die Sklaverei romantisiert. Und nach dem Abschluss von Rons Geschichte gibt es Ausschnitte in die Gegenwart. Zu rechten Aufmärschen wie in Charlottesville, zu einem Präsidenten, der das mit „auf beiden Seiten gibt es Gute und Schlechte“ relativiert, ist dem Gedenken an die tote Heather Heyer gewidmet.

Nachdem der Film in einem schon fast zu kitschig-sauberen Hollywood-Ende also genau das geliefert hat, was das breite Publikum erwartet, reißt er die Wunde wieder auf. Rassismus ist immer noch aktuell und am Erstarken. Der Klan im Film mag untereinander schon fast cartoonig chargierend, aber die Rhetorik den sie bereits in den 70ern nach außen filtern ist eine wohlbekannte. Man darf gar nichts mehr gegen Minderheiten sagen. Man darf nicht mal mehr sagen man wäre stolz darauf ein Weißer zu sein. Oder stolz auf sein Land. Ist das nicht der wahre Rassismus? Linke Terrorbewegungen wie die Black Panther sind doch eigentlich viel schlimmer. Wir sind nur um unser Land besorgte Bürger. Und eigentlich stimmt da doch jeder rational Denkende ein, es wird sich nur nicht getraut, dem offiziel zuzustimmen. Spike Lee zeigt, dass all dies Teil des Problems ist. Ja, wenn getwitter wird, dass du es irgendwie komisch ist, dass es so viele schwarze Oscarnominierungen gab, dann ist das Teil des Problems.

Spike Lee nutzt die lang zurückliegende Geschichte also dafür um zu zeigen, dass sich so viel eventuell gar nicht geändert hat und es sich eben nicht so schön einfach abcanceln und verpacken lassen kann, wie der Film zunächst vorgegeben hat. Wie es Hollywood-Filme über Rassismus häufig so gerne tun. Das ist ehrlich gesagt auch was ganz anderes, als ich zunächst vom Film erwartete. Ich hatte mehr mit einer schwarzen Komödie gerechnet, aber so witzig ist Blackkklansman gar nicht. Gerade die erste Stunde ist sogar ziemlich bedächtig. Die chilligen Vibes des Hauptcharakters und die dazu passende Musik lassen das nur kurzweiliger wirken als es ist. Weitere Mittel der Blendung und Täuschung von Lee, um sein Publikum in einen Film mit mehr Gravitas als es zunächst erscheint zu tricksen.

Academy Weekend: The Favourite

Es ist Oscar-Wochenende und wie jedes Jahr nutze ich es dafür, drei Gewinner der letztjährigen Academy Awards zu schauen. Weil das immer eine gute Ausrede ist, um Filme auf der To-Watch-Liste nach oben zu schieben, die interessant aussehen, zu denen ich aber realistisch gesehen wahrscheinlich dann doch nie oder erst spät gekommen wäre. Den Anfang macht The Favourite, welcher mit 10 Nominationen gut dabei war, auch wenn im Endeffekt nur eine Auszeichnugn rumkam. Dafür immerhin mit Best Actress für Olivia Colman eine der großen Auszeichnungen.

Die spielt die britische Queen Anne. Eine Monarchin, die im Film oft als leicht einfältig und kindisch dargestellt wird, und absolut unter der Fuchtel ihrer Geliebten Lady Sarah steht, welche für sie die meisten Staatsgeschäfte übernimmt. Immerhin haben die beiden eine Bindung seit ihrer Jugend. Aktuell ist beispielsweise der Krieg mit Frankreich aktiv, und währed die Kron-treue Party im Parlament ihn weiterführen will, möchte die Opposition ihn mögilchst schnell beenden, da er nicht weiter finanziert werden kann und nach einem ersten Sieg Brittaniens Frankreich zu Friedensgesprächen bereit ist. Queen Anne sieht durchaus die Not der Bevölkerung unter einem weiterzufinanzierenden Krieg, während Lady Sarah darauf pocht, dass Frankreich komplett zu schlagen letztendlich besser ist und alles tut, um dies durchzusetzen.

Neu am Königshofe ist die junge Abigail, eine Cousine von Sarah, die ursprünglich auch mal eine Lady von Ansehen war, bis ihr Vater das ganze Vermögen und sie selbst beim Glücksspiel verloren hatte. Sie ist also weit gefallen, hatte nicht das beste Leben seither, und hofft nun um Anstellung als Dienstmagd. Über einen Dienst an der kranken Königin hebt Sarah sie allerdings zu ihrer Zofe an. Und Abigail merkt schnell durch ihre Verwandte, dass sich mit dem richtigen Kalkül am Hofe bewegt werden muss, wenn man Macht haben will. Besonders als Frau ohne Stand, die ihr ehemals angenehmes Leben zurückhaben will. Im Zweifelsfalle auch gegen ihre Gönnerin Sarah, wenn Abigail so zur neuen Favoritin der Königin werden kann.

Der Film klingt jetzt natürlich wie ein Historiendrama. Wird aber nicht umsonst als schwarze Komödie bezeichnet. Denn er ist extrem überspitzt geschrieben und geschauspielert. Mit viel zynischem Humor, mit fiesen Sprüchen der Ränkeschmiede gegeneinander. Sich nicht zu schade den Hof als dekadentes Dreckloch und den Hochadel als verzogene Kindsköpfe darzustellen. Der trockene Humor trieft geradezu aus vielen der Szenen, und das häufig durch die Art der Dialoge und wie sie geschauspielert sind.

Was nicht bedeutet, dass The Favourite ausschließlich Klamauk ist. Es gibt auch viel Drama und ehrliche Momente. Gerne im Kontrast zueinander. In einer Szene beispielsweise proklamiert Queen Anne, die bisher ausschließlich kindisch dargestellt wurde, es sei der Tag eines ihrer Hasen und das sie deswegen jetzt mit ihren spielen wird. Abigail lässt die Haustiere aus ihren Käfigen mit dem verschmitzten Kommentar, dass das ganz schön viele sind. 17 Stück an der Zahl, benannt nach den 17 Kindern, die Queen Anne entweder direkt als Totgeburt oder kurz danach verloren hat. Bam, ein ernster Charaktermoment hat sich angeschlichen und einem eiskalt in die Rippen gehauen.

Die ganze Situation an sich entbehrt natürlich einer gewissen Tragik. Die traurige Königin ohne Selbstwertgefühl, deren einzige Liebe Sarah ist. Die Anne scheinbar auch wirklich wahrhaftig liebt, aber oft etwas arg schroff mit ihr ist, und ihr Land noch mehr liebt, so dass sie auch häufig keine Zeit hat. Abigail, die durchaus gewitzt ist, aber anfänglich noch etwas blauäugig scheint, bis sie merkt wie der Hase läuft und je mächtiger sie wird immer mehr korrumpiert. Männer spielen in The Favourite nur eine untergeordnete Rolle. Der Film verstärkt sich komplett auf das Zusammenspiel, Miteinander und Gegeneinander dieser drei Frauen. Die sich mal foppen, mal miteinander lachen und gegen Ende erbitterten Psychokrieg führen.

The Favourite war ein bisschen „der andere“ Film bei meiner diesjährigen Wahl. Ich war mir schnell bei zweien sicher, dass ich sie schauen will, während der dritte Slot eine Weile offen war, bis ich spontan diesen hier gewählt habe ohne groß was zu wissen. Und was für eine angenehme Überraschung mich erwartete. Gar kein staubiger Kostümfilm, sondern locker flockig. Mit komischen Momenten, mit dramatischen Momente, mit starken gut geschauspielerten Frauen, und einem bitteren Ende. Genau meine Art von Film.

American Horror Story 1984

Ein neues Jahr, eine neue Staffel American Horror Story. Mit der Serie wird das mal wie mit Supernatural sein und keiner so richtig glauben können, wenn sie abgesetzt ist, weil die irgendwie immer da war. Immerhin ist sie seit Anfang des Jahres bereits für drei weitere Staffeln grüngelichtet worden. Kann man nur hoffen, dass sie die Chance bei der kommenden beim Schopfe packen, und die zehnte Staffel American Horror Story X nennen und sie in den Weltraum verlagern.

Eine starke Überschneidung mit Friday the 13th gab es immerhin schon in der letzt durchgelaufenen Staffel 1984. Wofür stehen die 80er denn so? Freiheit, Hedonismus, Kapitalismus. Natürlich war das nicht alles, Amerika ist so gut wie nie nicht in einen Krieg verwickelt und auch die AIDS-Kriese fand in den 80ern ihren Anfang. Doch für das allgemeine Volk, und für die nostalgisch auf die Dekade zurückblickenden aktuellen Serien, war dies nicht so im Augenschein. Es gab tolle neue Technologie, Pop-Stars, Aerobic-Workouts und irgendwie schien es oberflächlich allen gut zu gehen. Auch waren die 80er was Horror angeht die Dekade der Slasher-Filme, als dunkle Unterseite des Glamours, und genau in jene Kerbe schlägt deswegen American Horror Story 1984.

Die Staffel beginnt sogar in einem Camp Redwood, wo vor über zehn Jahren ein Massaker stattfand, und welches aktuell neu eröffnet werden soll. Ein bunter Haufen, die Los Angeles mal kurzzeitig entfliehen wollen, melden sich als Aufseher fürs Camp. Und prompt geht nicht nur ein sondern gleich zwei Mörder um. Derjenige, der das Massaker in den 70ern veranstaltet hat, und bei den News, dass das Camp wieder loslegt, direkt mal aus seiner Anstalt entflohen ist. Plus ein Mörder aus LA, der unseren Hauptmädel Brooke gefolgt ist, nachdem sie ihm in der Metropole entkommen konnte.

Warum es gleich zwei Serienmörder braucht, wird auch schnell klar. Denn der Part im Camp zieht sich einfach ewig. Ich dachte ja echt, man nutze dies mehr als Aufhänger für die ersten zwei maximal drei Episoden und dann geht es zum Hauptplot oder so. Zumal ich auch darauf wartete, dass gewisse andere bekannte Gesichter noch auftauchen, die im Camp nicht dabei sind. Allen voran Sarah Paulson, die seit der allerersten Staffel in jeder zu finden war. Aber tatsächlich sitzt der letzte Main Stay der Serie diese Staffel aus. Natürlich gibt es wieder bekannte Schauspieler, die schon in vorigen Staffeln dabei waren, aber sie war eben schlicht die letztgebliebene, die tatsächlich von Anfang an dabei gewesen war.

Doch Camp Redwood zieht sich ganze 5 von den 9 Folgen. Es muss also ordentlich aufgestockt werden an Dingen, die passieren können. Gleich zwei Serienmörder. Von denen einer mit Satan im Bunde ist und nicht sterben kann. Zumal auf dem Grund des Camps, und es wird nie erklärt wodurch, scheinbar eh alle Getöteten als Geister zurückkommen. Dann sind die meisten Charaktere auch nicht, wer sie zu sein vorgeben, sondern haben eine gewisse Agenda. Abgesehen von einer. Ich hatte ja echt erwartet, dass Brooke sich nicht als das typische Final Girl herausstellt, sondern die übliche Naivität etwas anderes verbergen soll, aber leider ist ihr Charakter tatsächlich so flach gewesen. Zumindest im Redwood-Teil. Dafür ist ziemlich schnell klar, wer wirklich in 1970 die anderen Kids umgebracht hat.

Als Episode 6 dann einen Zeitsprung macht, war ich ganz erleichtert, dass wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das Camp los sind. Aber so wirklich stimmt das leider nicht. Nun springen wir stark in der Zeit hin und her, zu tragischen Ereignissen in den 40ern, aber auch wild in den 80ern herum. Aber alles hängt noch am Camp, was dort geschehen ist, und letztendlich geht es dorthin zurück. Das hat dies die übliches AHS-Problematik, dass dies etwas wirr und unorganisiert wird. Mr. Jingles, der Serienmörder der 70er, fällt mehr oder weniger aus der Serie raus. Der Night Stalker oder warum die Leute auf dem Campboden nicht endgültig sterben werden ebenfalls nie richtig befriedigend beendet. War schon etwas enttäuschend.

Es ist selbstverständlich nichts Neues, dass die Staffeln von American Horror Story gerne mal stark schwanken was die Qualität angeht. Von Staffel zu Staffel aber auch Staffel-intern. Einen gewissen Unterhaltungswert haben sie zwar immer, auf eine gewisse Dämlichkeit ist sich sowieso einzustellen, und wir schauen ja alle so oder so brav weiter. 1984 ist auch nicht die schlechteste der Staffeln bisher. Sie wirkt aber schlecht strukturiert. Der beginnende Camp-Teil zieht sich zu lang hin und danach scheint die Serie für die letzten Episoden nicht mehr so richtig zu wissen, was sie noch machen soll. Dabei wäre der Ansatz quasi gleich mehrere Slasher-Filme einer Reihe als durchgängige Serie zu präsentieren nicht der schlechteste.

Hellraiser Judgment

Im Jahre 2011 habe ich mich durch die Hellraisers geschaut, inklusive dem damals frisch erschienenen Hellraiser Revelations. Das war der neunte Teil. Kaum einer, der nicht spezifisches Interesse bekundet, wird wohl gewusst haben, dass es so viele Teile gibt. Das liegt zum Teil an dem Vertrag, den Dimension Films zur Franchise hat. Die haben 1991 die Rechte bekommen, sind als seit Hellraiser III mit dabei, behalten die Verfilmungsrechte aber nur dann, wenn sie alle X Jahre einen neuen Film mit dem Titel herausbringen.

Das hat zunächst zu mehreren Direct-to-Video Sequels geführt, deren Scripts halt so unverfilmt rumlagen, und die hastig zu einem Hellraiser umgeschrieben wurden. Ein Reboot der Franchise bzw. zumindest Remake des Originals ist passenderweise seit 2006 in der Developement Hell gefangen. Hellraiser Revelations war tatsächlich nach dem vierten Teil der erste, der wirklich als Hellraiser konzipiert und nicht zu einem umgemodelt war. Gary Tunnicliffe sollte Regie führen, konnte letztendlich aber nur das Drehbuch beisteuern. Immerhin musste Revelations in wenigen Wochen abgedreht sein, um das rechtzeitige Release vorm Auslaufen der Rechte zu sichern. Erst als die erneut bevorstand kam Tunnicliffe zum Zug und wurde Regisseur des 2018 erschienenen zehnten Teil Hellraiser Judgment.

Dessen Drehbuch er schon Jahre vorher geschrieben hatte. Da Dimension mit Revelations allerdings ihre Schuldigkeit getan hatten und vorerst keine weiteren Sequels produzieren wollten, schrieb er den Hellraiser-Bezug raus, um es als eigenständigen Horrorfilm zu realisieren. Allerdings sprang kein Produktionsstudio auf, so dass er es dann doch wieder für den nächsten Hellraiser benutzen konnte. Die Geschichte hinter dem wie und warum die Franchise überhaupt noch existiert und weitere Filme ausspuckt, ist glaube ich interessanter, als der Plot eines jeglichen Sequels, seitdem sie die Kinosäle verlassen hat.

Neuerdings scheinen die Cenobiten die Leute nicht mehr durch die Puzzle-Box einzufangen, sondern nun werden Verbrecher zu einem einsamen Haus gelockt, wo der Auditor sich ihre Sünden anhört, niederschreibt und dann über sie gerichtet wird. Alles sehr wie in einem edgy Metal-Video, welches ein Faible für Silent Hill hat. Mit einem Kerl, der die Niederschrift ist, wieder herauswürgt, von barbrüstigen Frauen dann durchwühlt und für sündig befunden wird, woraufhin der Henker hereinkommt und ihn richtet.

Das letzte Opfer des Auditors war übrigens ein Kerl, der schnell zum Hauptverdächtigen einer aktuellen Mordreihe wird. Die beiden Detektive Carter investigieren jenen Mörder, der seine Opfer je eines der zehn Gebote brüchig befunden hat. Für mich sahen die ja wie das typische Gay Power Couple aus, mit dem kernigen Kerl in Lederjacke und dem gestriegelten im Anzug. Etwas später erklärte mir der Film allerdings, dass die beiden Brüder sind, was für die Handlung auch nicht unerheblich sein wird.

Sean Carter ist derjenige, welcher der Spur zum Haus des Auditors folgt und prompt von ihm in den Richtsprozess eingebunden wird. Doch etwas geht schief, es taucht sogar ein Engel auf, der Sean befreit sehen will, weil er Gottes Werk tut. Und noch bevor der Auditor richtig Rücksprache mit Pinhead gehalten hat, ist Sean mit einem der Würfel entschwunden.

Wie sich letztendlich herausstellt ist er der Serienkiller. Als er bei der Army war hat er sich ordentlich PTSD und ein Geschmack fürs Morden geholt und macht nun im Sinne der zehn Gebote weiter. Seine finalen Opfer sollen seine Ehefrau und sein Bruder werden, da die zusammen eine Affäre hatten. Und dafür will er den Würfel nutzen, um sein Leben bei den Cenobiten gegen das der beiden einzutauschen. Verhandeln lassen die bekanntlich aber nicht mit sich. Doch dann taucht der Engel wieder auf, es gibt einen verbalen Bitch Fight mit Pinhead, der den Engel schlicht dahinschnetzelt, und zur Strafe als Mensch in unserer Realität wiedergeboren wird.

Expanded Universe Hellraiser ist Blödsinn. Was für mich die Mythologie immer ausgemacht hat, ist, dass es da keine gibt. Es gibt keinen größeren mystischen Plan, keinen eindeutigen Grund, warum die Cenobiten tun, was sie tun. Es kann nicht mit ihnen verhandelt werden, ist der Würfel geöffnet, ist man Geschichte. Alles was mit ihnen zu tun hat, ist für Menschen unbegreiflich. Dementsprechend ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass mir Judgments Herangehensweise nicht so gelegen hat. Seit wann schert sich Pinhead und seine Entourage darum, ob ihre Opfer Sünder sind oder nicht? Gab es dazu früher schon Hinweise und ich habe das nur wieder vergessen? Seit wann gibt es dort einen Gerichtsprozess? Seit wann chillt der einfach sein Leben in einem Hinterraum, während der Auditor das für ihn macht? Was soll der Mist mit dem Engel und das Pinhead wieder zum Menschen verbannt wird?

Ansonsten ist der Film ja schon kompetent. Er weiß sein niedriges Budget so einzusetzen, dass es nicht wirklich ins Auge fällt. Die Handlung ist zwar vorhersehbar aber ordentlich strukturiert und nachvollziehbar. Ob ich jetzt erneut eine „Cop der eigentlich ein Mörder ist“ Handlung gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, aber die Hellraiser-Sequels hatten auch schon Dämlicheres zu bieten. Die Klasse der ersten beiden Filme hat er freilich nicht, aber soweit wie man das von den Direct-to-DVD Inkarnationen betrachtet ist Judgment davon definitiv ein guter.

Das ist selbstverständlich eher bescheidenes Lob. So richtig irgendeines dieser Sequels hätte es nicht gebraucht und auch Judgment reiht sich dann mit wenig Entusiasmus eher unter „halt noch einer“ ein. Schaubar ja, nötig aber nicht.

Beastars

Beastars war eines der Hype-Anime der letzten Jahre, basierend auf einen laufenden und aktuell satte 17 Bände umfassenden Manga, mit einer bereits angekündigten zweiten Staffel. Und da ich es zwischen den Jahren geschaut habe, kann ich doch gleich mal meine Plattform nutzen, um zu sagen, ob es sich lohnt die 12 Folgen Lebenszeit dran zu verlieren, wenn es im März offiziell für den Westen auf Netflix aufschlägt.

Wobei ich natürlich schon alleien vom charmanten Stop-Motion-Opening eingenommen war. Aber das ist natürlich eine sehr persönliche Präferenz. Sowie ein unikater Stil nur für jene Eröffnungssequenz, nicht der Animationsstil der Serie an sich. Dort handelt es sich nämlich um CG. Was für mich persönlich ja immer etwas Eingewöhnung benötigt. Weil es häufig so ein merkwürdiges Gemisch ist zwischen eigentlich viele weiche Bewegungsabläufe darstellen zu können, diese dann aber bewusst abgehackt wirken zu lassen, um sich traditioneller Frame-Animation anzunähern. Bei Beastars hatte ich mich allerdings ziemlich schnell dran gewöhnt, was eventuell auch daran liegt, dass nur die Charaktere CGI sind und die Hintergründe weiterhin 2D-Zeichnungen. Oder weil der Content der Serie mich genug ablenkend packte, ich habe die 12 Folgen nämlich in 2 Tagen durch-gebinged.

Beastars handelt in einer Welt, in der anthropomorphe Tiere in prinzipiell unserer Gesellschaft leben was den Entwicklungsstand angeht. Der Unterschied ist halt, dass bei ihnen noch die tierischen Urahnen einen Einfluss haben. Herbivore und Karnivore leben noch nicht so lange friedlich zusammen, da erstere die Beute der letzteren sind. Doch mittlerweile ist angeblich alles anders. Dass dies noch nicht perfekt läuft, müssen die Schüler von Cherryton allerdings in der ersten Folge bereits feststellen, als das Alpaka Tem von einem mysteriösen Karnivoren Mörder gerissen aufgefunden wird. Dies streut Angst und neue Animositäten zwischen den beiden Fraktionen der Schüler.

Legosi glaubt nicht nur fest an das friedliche Zusammenleben, sondern tut auch sein Möglichstes, um unauffällig zu bleiben. Er ist nämlich ein Grauwolf, ein berüchtigter Predator also. Von seiner Persönlichkeit her könnte Legosi allerdings nicht weiter davon entfernt sein, denn er ist zurückhaltend, schüchtern, leicht introvertiert, und immer hilfsbereit. Das führt dazu, dass er Konflikte umgehen will, wenn er in eine Schlägerei mit einem anderen Karnivoren landet immer absichtlich verliert, um seine Größe zu verschleiern nur gebeugt läuft. Selbst beim Drama-Club, dem er angehört, ist er nur hinter der Bühne zu finden.

Umso verstörender ist es für ihn, als er eines nachts die Fährte des Zwerghasens Haru aufnimmt und seine animalischen Instinkte nicht zurückhalten kann, sondern sie angreift. Die gemobbte Mitschülerin ist sich selbst nicht mal sicher, ob sie entkommen oder ein Ende finden will. Doch da Legosi dann noch zögert, kann sie entkommen. Von nun an ist er aber besessen von der Mitschülerin, durch komplexe Gefühle, die er zum ersten Mal in sich entdeckt.

Es mag etwas komisch klingen zunächst, aber Beastars hat mich etwas an Utena erinnert. Absolut nicht von der Optik versteht sich, denn Beastars bietet keinen Kitsch und ist sehr bodenständig gehalten. Eher von der Thematik und der Herangehensweise her bekam ich ähnliche Vibes. Beide Serien spielen an einer High School, die ein wenig den Eindruck einer abgeschotteten Welt gegenüber dem Leben drumherum macht, in der die Schüler in ihrer eigenen kleinen Gesellschaft leben. Und dann behandelt die Serie den Schmerz des Erwachsenwerdens, das Zurücklassen kindlicher Ideale beim Heranwachsen zu einem Erwachsenen, das Erwachen von Sexualität, aber all das zum Teil stark symbolisch. Utena packt dies eben in eine verkitschte Optik aus Märchen und Magical Girl. Beastars hingegen ist eher düster und bodenständig und nutzt Parallelen aus Fabeln und dem Tierreich.

Dies funktioniert besonders dadurch gut, da jemanden zu „essen/verschlingen“ ein bekannter japanischer Euphemismus für Sex ist. Sexualität spielt eine wichtige Rolle in Beastars. Zwerghase Haru beispielsweise, als eine der schwächsten Herbivoren, wurde immer entsprechend leicht herablassend behandelt, als könne sie nichts selbst. Bis sie eine Sache entdeckte, bei der sie auf Augenhöhe mit ihren Partnern ist: Sex. Seither geht sie sehr freimütig damit um und schläft mit ziemlich jedem, der das von ihr will. Was sie nach und nach zur gemobbten Außenseiterin gemacht hat. Gleichzeitig fühlt sich das perfekte Schul-Idol Loius, ein Hirsch, der immer vor allem die Fassade des Perfektionismusses aufrechthält, nur beim Beischlaf mit Haru dazu möglich, sich endlich mal fallenzulassen. In Legosi wiederum erwachen durch das Treffen auf Haru ganz neue Gefühle in ihm, sehr dringlich-animalische, bei denen er selbst zunächst nicht weiß, ob es Liebe ist, oder doch nur die Besitzansprüche eines Jägers seiner Beute gegenüber.

Die Tragik ist selbstverständlich, dass es schwer denklich ist, wie ein Hase und ein Wolf überhaupt ein Paar sein sollten. Selbst wenn sich herausstellen würde, dass Haru auch etwas für Legosi empfindet, und der sich endlich über seine eigenen Gefühle ihr gegenüber klar wird. Man feuert die emotional abgekühlte Häsin und den unsicheren Wolf geradezu an, endlich zueinander zu finden.

Wie dies geschieht finde ich hingegen als einzige Sache in der Staffel als etwas unglücklich geregelt. Haru wird entführt und Legosi rettet sie, was beiden deutlich die Augen für die Gefühle einander gegenüber öffnet. Das ist an sich schon ein ziemlich arges Klischee an sich, die Damsel in Distress und der rettende Held, und durch die Extremsituation muss man sich nun halt lieben. Netterweise macht es die Serie sich dann doch nicht ganz so einfach. Das eigentliche Problem für mich war, dass Haru von der Mafia entführt wird. Von einer Gruppe mehrerer Dutzend Löwen. Und Legosi sich fast im Alleingang durch sie hindurchkämpft, nur mit Unterstützung eines helfenden Pandas. Dessen Hilfeangebot war genauso unrealistisch für mich war, wie dass sich Legosi immer noch durch den Großteil der bewaffneten Verbrecher durchgeprügelt bekommt. Und ziemlich unnötig, da es andere Arten gab, Haru in Gefahr zu bringen, aus dem ein einsamer Wolf sie hätte befreien können. Den Tiger-Mitschüler beispielsweise über seine Obsession nach der Droge Hasenblut auf Haru einfallen zu lassen. Den Mörder der ersten Episode zurückzubringen, der in der ersten Staffel nie wieder auftauchen wird. Oder das die andere Häsin, die Haru mobbt, weil ihr Freund mit ihr geschlafen hat, zwei oder drei Raudis engagiert, die Haru entführen. Durch den Kampf gegen mehrere wenige andere Karnivore hätte man auch gut darstellen können, was für eine Kraft Legosie die ganze Zeit unterdrückte. Dass sich ein Schüler durch einen ganzen Yakuza-Clan schlägt, fand ich hingegen überraschend dämlich für eine ansonsten eigentlich sehr bodenständige Serie, die ihr Drama möglichst realistisch angeht.

So wie eine Zigarre manchmal einfach nur eine Zigarrie ist, ist freilich das „Fressen“ manchmal auch einfach nur ein Fressen und keine Symbolik für Geschlechtsverkehr. Das hinter der schönen Fassade des trauten Beisammenseins immer noch mörderische Urinstinke herrschen, bekommen wir mehrmals gezeigt, so dass der Mord zu Serienbeginn nicht mehr als das so herausragende Ereignis dasteht. Wenn es auf einem kurzen Tripp in die Stadt geht, sieht man dort zwar auch alle Erwachsenen schön miteinander leben, doch in den Hintergassen stolpert die Gruppe in den Schwarzmarkt. Wo Karnivoren illegal das Fleisch von Herbivoren erstehen. Und einige Mitschüler von Legosi können sich kaum zurückhalten, endlich mal richtiges Fleisch und Blut schmecken zu wollen. Gleichzeitig führt dieses Karnivore vs Herbivore aber auch als soziales Klassenkonstrukt zu Minderwertigkeitskomplexen. Es wird mehrmals erwähnt, wie selbstsicher und edel sich (Apex-)Predatoren einfach von Natur aus bewegen, was ein Herbivor so nie tun würde. Gerade Schul-Idol Louis hat einen extremen Komplex dahingehend eigentlich der Schwächere zu sein. Was auch gut in einer Szene dargestellt wird, in der eine Wölfin ihm eine Kriegserklärung ob des Idol-Daseins macht und einfach zu Boden drückt. Die zierlich dargestellte Wölfin hat kein Problem damit, den großgewachsenen Hirsch an den Boden zu nageln, weil sie als Karnivore von Natur aus mehr Kraft mitbringt. Bestätigt das Gefühl von Loius, dass egal wie sehr er sich anstrengt, er immer einen Nachteil haben wird.

Ist halt schon viel Teenager-Drama drin in Beastars, immerhin sind das unsere Hauptcharaktere und es geht um deren Leben und Wachstumsschmerzen. Ich fand es von dieser einen erwähnten Instanz gegen Ende abgesehen aber sehr spannend und interessant und konnte kaum aufhören zu schauen. Bin auch sehr gespannt auf die zweite Staffel und wie dort das Mordmysterium vom Anfang eventuell wieder aufgegriffen wird. Wie es mit Haru und Legosi weitergeht. Und ob es doch noch was zu bedeuten hat, dass das Opening Louis vage wie den Antagonisten repräsentierte, der aber zumindest in Staffel 1 noch gar nicht der Psychospielchen spielende Fadenzieher ist, sondern seine eigenen Probleme mitbringt und zum Glück wesentlich runder als zunächst befürchtet war.

What Did You Eat Yesterday?

Boys Love Manga sind, um es mal vorsichtig auszudrücken, selten sonderlich Realitätsnahe. Immerhin ist es auch ein Genre, welches maßgeblich von Frauen für Frauen geschaffen ist, von daher ist das auch weniger deren Ziel. Tatsächlich von schwulen Männern gezeichnete Mangas werden in Japan häufig auch gar nicht als Boys Love, sondern als Gay Comics kathegorisiert. Die mögen sich von der Natur der Sache aus besser damit auskennen, wie es zwischen zwei Männern läuft, was aber nicht bedeutet, dass der Content zwangsläufig mehr schwulen Alltag in Japan wiederspiegelt, da sie sich in der Regel über den Sex verkaufen und daneben wenig Platz bleibt.

Eine Ausnahme zur Regel ist allerdings What Did You Eat Yesterday?, auch unter dem japanischen Titel Kinō Nani Tabeta? bekannt. Der BL Manga hat es sich zur Aufgabe gemacht, via Slice of Life tatsächlich den Alltag eines schwulen japanischen Pärchens darzulegen. Und das mit Erfolg, denn der 2007 gestartete Manga läuft immer noch und steht aktuell bei 15 Sammelbänden. Um den soll es hier aber gar nicht gehen. In 2019 lief nämlich eine 12 Folgen umfassende Live Action Adaption über die Fernsehbildschirme Japans. Und die ist es, welche ich mir zu Gemüte geführt habe.

Mich hatte die erste Folge auch sehr positiv überrascht zurückgelassen. Unser Pärchen besteht aus dem Anwalt Shiro und dem Friseur Kenji, die beide nicht nur in einer bereits gefestigten Beziehung miteinander, sondern auch über die 40 sind. Bin ich voll dabei. Kein übliches Coming of Age. Kein Hauptcharakter, der ja eigentlich gar nicht schwul ist, aber dann einen unwiederstehlichen Kerl trifft und erst mal damit klarkommen muss, dass er für den Gefühle hat. Kein frühbeziehungstechnisches Drama. Dann bekommt der reservierte Shiro auch noch einen Anruf seiner Mutter, die ihm ins Gewissen redet, er solle sich ruhig bei seiner Arbeitsstelle outen, weil nichts Schlimmes daran ist, homosexuell zu sein. Also auch noch eine unterstützende Familie, statt heimliche Beziehung oder Beef mit den Eltern. Letztendlich eröffent Shiro sogar noch, dass er bewusst nur langweilige und einfache Fälle annimmt, auch wenn er dann etwas weniger gut verdient, weil er ein angenehmes Leben haben will und jeden Tag zur gleichen Zeit nach Hause kommen kann, um für sich und Kenji zu kochen. Also keine positive Portätierung der japanischen Tugend sich halb tot zu arbeiten.

Rundum also eine sehr erfrischende Show. Und ich war voll und ganz dabei, hier schlicht ganz undramatisch und langweilig einer Beziehung zu folgen. Ein etabliertes Paar in ihrem schnöden Alltag ohne große Probleme. Nur das sie halt schwul sind.

Ganz so langweilig wie ich es mir erhofft hatte, war die Serie dann letztendlich doch nicht. Ich meine, macht ja auch irgendwo Sinn. Als TV-Drama sowie als BL Manga richtet sie sich immerhin nicht vornehmlich an ein schwules Publikum, und deswegen ist es nicht verkehrt, doch zwischen dem harmlosen Slice of Life Pärchenalltag immer mal wieder ein Problem anzuschneiden, welches Homosexuelle in Japan haben. Die bleiben allerdings in der Regel auf der Stufe von nicht böswillig gemeinter Ignoranz und Micro-Aggressionen, es bleiben immer alle sehr nett und verständnisvoll. Lediglich etwas merkwürdig fand ich die Eltern von Shiro. Die haben sich zwar damit abgefunden, dass ihr Sohn nicht heiraten und eine Familie gründen wird, doch wie viel Verständniss und vor allem Aufgeklärtheit sie nun wirklich mitbringen, schien mir von Folge zu Folge merkwürdig zu schwanken.

Der Serientitel kommt übrigens daher, dass wie gesagt das Kochen für sich und seinen Partner für Shiro sehr wichtig ist. Im Gegensatz zu Kenji ist der nämlich etwas unterkühlt und wenig extrovertiert und zeigt seine Gefühle eher durch Taten denn Worte. In jeder Folge wird er also ein Gericht zubereiten, und der Vorgang wird in seinen einzelnen Schritten gezeigt und von ihm erklärt. Im Manga sind wohl sogar die genauen Rezepte abgedruckt gewesen.

Tatort Giftschrank: Der Fall Geisterbahn

Ort: Deutsche Fernsehstuben, Zeitpunkt: Sonntag. Seit Jahrzehnten und je über eintausend Folgen dominieren zwei deutsch-produzierte unterhaltungsmediale Klassiker die Bildschirme. Die Lindenstraße und der Tatort. Erstere bald nicht mehr, während der Tatort eher wieder auf einem Beliebtheitshoch ist. Den gibt es seit 1970 und tingelt neben den Erstausstrahlungen zur Wochenends-Prime-Time auch durch alle dritten Kanäle in endloser Wiederholung.

Doch es gibt Ausnahmen. Die nach Apotheken-Praxis benannten, weggesperrten Giftschrank-Folgen, denen nach der Erstausstrahlung ein Sendeverbot aufgestempelt wurden. Aktuell gibt es fünf Tatorte, die nie wiederholt wurden, während sich fünf weitere lange Zeit im Giftschrank befanden, mittlerweile aber wieder in der Rotation auftauchen. Zum allerersten Mal geschah dies bereits bei der 16. von mittlerweile 1116 Tatort-Folgen, dem 1972er Der Fall Geisterbahn.

Was natürlich immer sehr wichtig bei den Filmen ist, ist in welcher Stadt sie spielen und wer der Kommisar ist. Hier überrascht Der Fall Geisterbahn allerdings zweifach. Zum einen ist der Schauplatz einfach eine fiktive deutsche Stadt, ohne direkt Bezug zu einer real existenten zu nehmen. Der Kommissar ist Herr Konrad, dargestellt von Klaus Höhne. Wirklich ermitteln wird aber der von Herbert Bötticher dargestellte Kriminalhauptmeister Klipp.

Der ist ganz zufällig bzw. aus ganz normalen zivilen Gründen auf dem Rummel unterwegs, als man in der Geisterbahn eine Leiche findet. Klipp läst die Mordkommmission verständigen, da er selbst einem ganz andern Kriminalfachbereich angehört. Kommissar Konrad, dem der Fall zugeteilt wird, nimmt Klipp auf Grund seines guten Handlings der Sache wegen schlicht kurzerhand mit bei der ersten Befragung der Angestellten des Rummels. Wo wir beispielsweise die Geisterbahn-Mitarbeiter haben, zu denen der Ermordete gehörte, und von denen einer meint, der wäre ein Dreckschwein gewesen, während alle anderen abwiegeln und sofort dicht machen. Auch die Ehefrau des Ermordeten, der gerne zu häuslicher Gewalt neigte, scheint sich sofort den Gesprächen entziehen zu wollen, und flieht zu ihrer Mutter. Die ist Wahrsagerin des Rummels, hatte Klipp bereits einen aufregenden Tag prophezeit, und lässt nebenbei fallen, dass sie unheilbar krank ist.

Der Besitzer der Geisterbahn will jene sogar direkt abbauen lassen. Und nachdem Klipp von Konrad den Fall einfach komplett übertragen bekommt, weil der es mit dem Rücken hat, findet Klipp schnell heraus, dass Christopher Lee für Arme überraschend mondän lebt, für einen Besitzer einiger Rummelattraktionen. Schon sehr fischig der gute Mann.

Wer der Mörder ist, solte allerdings bereits lange vorher klar sein. Sobald die Mutter der Ehefrau des Toten nach ihrem Hustenanfall erwähnte, dass ihr keiner helfen kann, war es mir zumindest klar. Die hat halt nichts mehr zu verlieren gehabt, da sie eh bald stirbt, und noch mal schnell den prügelnden Ehemann ihrer Tochter umgebracht, damit die in Frieden leben kann. Und genau das war es dann auch. Der Geisterbahn-Besitzer und das merkwürdige Verhalten dessen Mitarbeiter waren nur ein Roter Hering, da die sehr wohl was kriminelles drehen, aber nichts mit dem Mord an sich zu tun hatten. Ist doch immer so in deutschen Krimis, der Offensichtliche ist es nicht, sonder der scheinbar Nette, der mal kurz forshadowing getrieben hat.

Dadurch ist natürlich leider die Luft am Fall schnell raus. Wobei es in 2020 geschaut schon witzig ist, so eine 70er-Zeitkapsel zu haben. Wenn die Spurensicherung ein Taschenmesser am Tatort findet, und das ganz ohne Handschuhe in die Höhe hält. Die alten Autos und Klamotten. Oder das man einfach so einen Beamten, der gar nicht zur Mordkommmission gehört, in die Ermittlungen einbeziehen und letztendlich sogar übertragen kann. Dies ist eindeutig nicht der Fall von Konrad, sondern von Klipp.

Aber warum ist das Ding jetzt im Giftschrank? Ist er zu brutal? Zu sexy? Diskriminierend, weil Kleinwüchsige als Liliputaner bezeichnet werden? Tatsächlich ist der Grund ganz schnöde und unaufregend. Die Produktionsfirma ging kurz nach der Erstausstrahlung pleite. Deswegen sind die Rechte an Der Fall Geisterbahn in der Schwebe und man hat sich dazu entschlossen, ihn lieber gar nicht mehr zu zeigen. Ein großer Verlust ist es freilich nicht.

Sheitan

Nachdem wir also den britischen Zombie-Comedy-Horror-Musical-Weinhachtsfilm hinter uns gebracht haben, kommen wir zum französischen Erotik-Comedy-Horror zur Weihnachtszeit mit Sheitan aus dem Jahre 2006.

Der beginnt einen Tag vor Weihnachten im Club Styxx, wo Bart und seine zwei Freunde sich direkt unsympathisch machen. Wollen Party auf lau machen und kloppen sich auch noch, so dass sie rausgeworfen werden. Doch die sexy Bekanntschaft Eve meint, sie können ja einfach zum Haus ihrer Familie auf dem Land fahren.

Das stellt sich als nettes aber nicht ganz unbewohntes Anwesen heraus, da der schräge Haushälter und seine schwangere Frau anwesend sind. Während die Truppe sich wie der Haufen Arschlöcher verhält, der sie sind, müssen sie die Bekanntschaft der sich mehr als merkwürdig verhaltenden Dorfgemeinschaft machen, und sich von der verführerischen Eve am langen Arm halten lassen. Und dann erzählt Haushälter Joseph, der scheinbar einen Narren ausgerechnet am unzufriedenen Bart gefressen hat, eine nette Geschichte, wenn das Abendgespräch plötzlich auf Religion kommt und die Muslimen in der Gruppe den Atheisten vorwerfen, der Sheitan (Satan) spreche aus ihnen.

Es gab einmal einen Mann, der wollte unbesiegbar werden. Also kam der Teufel vorbei und bot ihm einen Pakt an. Der Mann nahm an, wurde überstark, und feierte das, in dem er seine Schwester durchnudelte. Die war nun allerdings geschwängert und das Baby wird das Satans sein, wenn der Mann nicht vor dessen Geburt um 12 Uhr Mitternacht zum Weihnachtsabend ein Opfer bereithält.

Sheitan ist ein französischer Film. Ein sehr fanzösischer Film. Und ich meine das jetzt nicht auf den simplen Fakt bezogen, dass es ein Film aus dem Produktionsland Frankreich ist. Das ist er natürlich auch. Aber er ist halt auch einfach sehr „französisch“, wie das Adjektiv, um ein gewisses Klischee von französischen Filmen zu bezeichnen. Weil es ein wenig mehr als nur „seltsam“ oder „merkwürdig“ mitschwingen lässt. Aber ja, Sheitan ist merkwürdig. Französisch-merkwürdig. Aber nicht das witzige französisch-merkwürdig. Leider. Sondern Sheitan ist eher nervtötend französisch-seltsam.

Das ganze Ding ist laut, und dreckig, und chaotisch, und seltsam. Die Begebenheiten merkwürdig, die Charaktere alle unsymphatisch, die Handlungen nicht nachvollziehbar. Man weiß nicht so recht, warum was gerade geschieht, und einem ist auch egal, was welchen Charakteren potentiell zustoßen könnte. Ich zumindest war mehr überfordert denn unterhalten vom Geschehen. Ich fand das Gezeigte übrigens auch weder sonderlich erotisch noch sonderlich witzig, so mal dabeigesagt, da dies hier ja als Erotic Horor-Comedy deklariert wird.

Anna and the Apocalypse

Zu Weihnachten gibt es ja normalerweise ganz zynisch immer thematisch passende Horrorfilme. Dem ist auch dieses Jahr so. Ich bin also mal wieder durch die Wikipedia-Liste an Christmas Horror gegangen. Welches alles von Horrorfilmen, in denen der Feiertag zentral wichtig ist, bis hin zu jenen, wo man nur durch einen Weihnachtsbaum in einer Szene im Hintergrund erraten kann, dass es zufällig an jenen Feiertagen spielt, enthält. Und mir war dabei dann doch mal nach etwas Speziellerem statt dem x-ten Weihnachts-Slasher im Santa-Clause-Kostüm, oder einem Creature Horror mit einer düster-mythologischen Weihnachts-Märchenfigur.

Als ich dann auf Filme mit der Bezeichnung „British Christmas Zombie Horror Comedy Musical“ und „French Erotic Horror Comedy“ gestoßen bin, war ich sofort Ready to Go. Den Anfang macht dabei Anna and the Apocalypse. Also das Weihnachts-Zombie-Musical unter den beiden Spezialinteressen-Filmen.

Ein gänzlich beschissenes Weihnachten steht an. So hat der Vater von Anna beispielsweise gerade herausgefunden, dass sie nach der High School nicht direkt an die Uni gehen, sondern erst Mal ein Jahr reisen will, was ihm so gar nicht gefällt. Schul-Schönling Nick, mit dem sie einen One-Night-Stand hatte, verhält sich auch ziemlich arschig. Währenddessen geht es ihrem besten Freund John auf den Zeiger, dass er nicht ihr Boyfriend ist. Und Steph, die eigentlich einen Artikel über das Obdachlosenproblem der Kommune in die Schülerzeitung bringen will, wird eiskalt vom stellvertretenden Direktor Mr. Savage abgesägt.

High School Drama eben. Welches allerdings am nächsten Tag prompt etwas in Perspektvie gerückt wird. Da sich die Kleinstadt nämlich plötzlich mitten in einem Zombieinfestationsausbruch befindet und ums Überleben gekämpft werden muss. All in this together~!

Ich reiteriere hier dann mal zwei Dinge über mich. Ich mag Musicals und habe an die keine besonders hohen Ansprüche. Wenn sie peppig ausschauen und die Musik eingängig ist, reicht mir das. Ich hab es nicht so mit Zombiefilmen oder Zombiemedia im allgemeinen. Ich mag Shaun of the Dead und Warm Bodies und vieles andere geht ein wenig an mir vorbei. Mit Anna and the Apocalypse gibt es nun aber auch einen dritten Zombiefilm, den ich immer wieder schauen könnte.

Es ist halt einfach so ein unterhaltsamer und spaßiger Genre-Mix. Natürlich klingen die Songs ein wenig arg nach High School Musical. Das ist natürlich so gewollt, weil sie damit ziemlich gut mit dem Rest kontrastieren. Das sollte klar sein, wenn in einer Zombieapokalypse plötzlich ein Song mit dem Titel „What a Time to be Alive“ angestimmt wird. Oder wenn der Tag, nachdem die Alltagsprobleme der Charaktere dargelegt wurden, sie mit einem fröhlichen Song darüber aufwachen, dass sie ihr Leben ändern werden und alles im Licht des neuen Tages sehen. Eben der übliche Motivationssong eines solchen Musicals. Nur dummerweise ist das der Tag, an dem das Virus die Stadt eingeholt hat. Während die Kids das also singen, natürlich mit der Welt um sich herum auscancelnden Kopfhörern im Ohr, ist hinter ihnen das absolute Chaos am ausbrechen.

Der Film nimmt sich also weitestgehend nicht wirklich ernst, sondern ist mehr eine schwarzhumorige Komödie. Bei der die Zombie-Köpfe auch schon mal platzen wie reife Melonen. So wirklich grausig soll diese Übertreibung eben auch nicht sein, sondern fun carnage bieten.

Aber es schleichen sich immer mal wieder partiell in guter Vorahnung auch ernste Momente ein, wenn die Charaktere doch an die Aussichtslosigkeit der aktuellen Situation geraten. Denn nach einer Stunde mit hauptsächlich Musik, Blut und Klamauk, wird der Film noch mal richtig ernst. Und das Drama funktioniert statt aus dem Nichts zu kommen, eben weil es schon jene vorigen Einschübe gab. Und weil die Charaktere doch erstaunlich rund und gut ausgebaut sind für einen solchen Film. Sie sind eben nicht nur eindimensionale Archetypen eines Horror- oder Comedy-Films, obwohl wenn mit jenen Rollenverhältnissen immer wieder gern gespielt wird.

Ich möchte Anna and the Apocalypse fast beste Weihnachtsunterhaltung für die ganze Familie nennen. Dafür sind die einzelnen Gore-Spitzen dann aber eventuell doch zu hart. Also zumindest für echte Kinder. Aber wenn die bereits Teenager sind, dann passt der Film schon gut. Weil er so gut unterhält. Weil er so frisch und anders ist. Aber weil er gegen Ende auch ehrlich nahegehen kann. Immer wieder schön, wenn man so einen Film entdeckt, den man nie auf dem Schirm hatte, und der zu einem Favoriten avanciert.