The Private Life of Plants

Ich bin ja schon in grauer Vorzeit geboren worden. Damals in den 80ern und 90ern, als wir noch in infantiler Ursuppe lebend dachten wir bekämen die Umweltverschmutzung in den Griff, weil uns die ganzen Kindermedien beigebracht haben die Wale zu retten, beim Zähneputzen den Wasserhahn zwischenzeitlich abzudrehen, oder die Kühlschranktüre währen des Brotschmierens zu schließen und so. Wer so astronomisch lange lebt, wie ich das bereits tat, dessen Interessen fluten und ebben natürlich auch. Der „Reading matters“ tag zeigt das beispielsweise ganz gut.

Damals habe ich aber nicht nur mehr Bücher gelesen und öfter Cherry Coke getrunken. Sondern auch mehr Dokumentationen geschaut. Vorm beziehungsweise zu den Frühzeiten des Internets wurden wir noch nicht damit abgelenkt, dass 300 Stunden Video täglich alleine auf Youtube erhältlich sind, mit dem man sich seine Lebenszeit vergeuden kann. Was im Fernsehen lief… schaut man heutzutage noch normales Fernsehen?… das war alles, was es gab. Und wer nicht immer den gleichen Quark schauen wollte, für den waren Dokus zwischendrin eine Oase. Das war sogar noch vor Phoenix und N24, die eh die ewig gleichen Weltkriegs- und Technikdokus wiederholen. Nein, damals kam auf regulären Senden noch Zeug, das mich thematisch abgeholt hat. Dinge über moderne Städteentwicklung/-architektur, um untergegangene Zivilisationen, und um die Flora und Fauna des Planetens.

Die BBC-Dokus mit und von David Attenborough waren da immer ein Highlight für letztere Thematik. Besonders die jeweils mehrere Folgen spannenden Einträge in die Life-Serie. Zwischen 1979 und 2008 sind zwar eigentlich „nur“ 9 davon rausgekommen, aber weitere Sachen wie Planet Earth oder The Blue Planet sind natürlich stark von ihnen inspiriert.

Mein absoluter Favorit, der mich auf die Attenborough-Dokus überhaupt erst aufmerksam machte, war irgendwann so Mitte der 90er The Private Life of Plants. Was hat mich die damals abgeholt. Komplette sechs fast einstündige Folgen über das Leben und Überleben in der Pflanzenwelt. Hochkarätig produziert und präsentiert. Da hab ich mir jetzt kürzlich gedacht, die mal wieder zu schauen würde sich doch bestimmt lohnen. Eigentlich ist mir  schon länger immer mal wieder die Idee gekeimt, aber nun lies ich die Saat endlich aufgehen und habe es vollzogen.

Travelling dreht sich natürlich ganz darum, wie die eigentlich so stationären Lebewesen es schaffen, sich räumlich auszubreiten. Sprich auf welche Arten sie ihre Samen auf die Reise schicken. Von Pilzen (eigentlich keine Pflanzen, sondern eine eigen Kategorie), die sie einfach in den Wind pusten. Zu Samen, die ausgeklügelter als Flugzeuge und Helikopter durch die Luft taumeln. Zu welchen wie die Seebohne, die sie im Wasser teils für Monate auf Reise schicken, bis sie wo stranden. Zu jenen, die sich darauf verlassen, von Tieren davon getragen zu werden, durch anreizenden Geschmack, Farben oder wie die Durian-Frucht ihrem Gestank. Ob nun sich im Tierfell verhakend, als vergessene Reserve vergraben werdend, oder mit dem Kot frisch gedünkt wieder ausgeschieden. Ja sogar auf Buschfeuer warten einige Pflanzen, um sich anschließend auf dem getilgten Boden frisch aussähen zu können.

Growing kommt als Nächstes, denn so ein Samen muss ja auch zu einer Pflanze wachsen. Dafür braucht es Luft, Licht und Nährstoffe. Für die allseits wichtige und als Unikat bei Pflanzen bestehende Photosynthese. Doch nicht alle haben es einfach. Manche wachsen in schattigen Wäldern und müssen sich Strategien ausdenken, ans Licht zu kommen oder aus dem wenigen das meiste rauszuholen. Wie rote Unterseiten an den Blättern, die er zurückstrahlen statt durchscheinen lassen. Blätter sind dadurch sehr wichtig, sorgen aber auch für viele Fressfeinde. Also Methoden wie Nesselgift oder Stacheln entwerfen, um Tiere abzuwehren. Die wiederum Zungen entwickeln, denen die Stacheln nichts machen. Manche Pflanzen drehen den Spieß um und fangen Insekten und kleine Nager in zersetzenden Kesseln, damit sie den Nährwert-armen Boden ausgleichen können. Am Ende geht es natürlich nach Nordamerika zu den langlebigsten und großwüchsigsten Bäumen der Welt.

Eine ausgewachsene Pflanze muss sich nun wieder drum kümmern, sich zu reproduzieren, wie wir in Flowering erfahren. Um den Pollen an andere Blüten zu bringen, werden diverse Methoden angewendet. Teils durch Farbe werden Vögel oder Insekten zu köstlichem Nektar eingeladen. Teils über Gerüche oder Mimikry von Sexpartnern Tiere angelockt. Häufig sind Blüten so konstruiert, dass sie nur von einer ganz speziellen Spezies befruchtet werden können, damit die Pollen auch ja auf anderen Blüten der gleichen Pflanzengattung landen, statt überall verteilt zu werden. Und letztendlich, zurück zu attraktivem Verwesungsgeruch kommend, landen wir auch bei dem größten Blütencluster des Pflanzenreiches.

The Social Struggle nimmt sich dem Sprichwörtlichen Kampf um einen Platz an der Sonne an. Wie Pflanzen darauf warten können und müssen, bis etablierte Baumriesen durch Alter, Sturm oder Feuer einen luftigen Sonnenplatz hergeben. Und dann möglichst schnell jener ergriffen werden muss. Wie Pflanzen sich parasitär oder nicht an Stämmen entlang ranken oder in Baumkronen einnisten, um an die Sonne zu kommen. Das ganze Landflächen im ständigen Kampf mal von Wiesen, dann Baumhainen und dann wieder Wiesen dominiert werden. Auch in dem sie sich für helfende Tiere schmackhaft machen, wie die weite Verbreitung von Kornfeldern zeigt.

Bei Living Together starten wir ausnahmsweise unter Wasser. An einem Korallenriff. Korallen sind keine Pflanzen, tragen aber Algen in sich, die Tagsüber für die Nahrungsbeschaffung sorgen. Andere Pflanzen hingegen wachsen so, dass sie Ameisenkolonien Nester bereitstellen können, die sie wiederum gegen Fressfeinde schützen. Orchideensamen fruchten gar nicht erst, wenn sie nicht mit dem richtigen Pilz in Berührung kommen, um die fürs Keimen nötigen Nährstoffe zu erlangen. Aber auch Pflanzen untereinander leben zusammen, wenn auch meist parasitär, da sie ja die gleiche Nahrung benötigen. Beispielsweise die Rafflesia, die komplett innerhalb ihres Wirtes lebt und nur ihre Blüten (die größten einzelstehenden der Pflanzenwelt) nach außen sichtbar macht.

In der finalen Episode, Surviving, kommen wir zu Pflanzen, die in Lebensunwirtlichen Gegenden wachsen. Dort wo es zu kalt ist, schützen sie sich mit Wärme haltenden pelzigen oder abgestorbenen Blättern. Dort wo es heiß ist, haben Kakteen gelernt Wasser in ihren Stämmen zu speichern. In Gebirgen mit wenig Nährstoffgebendem Boden gibt es erneut fleischfressende Pflanzen. Und selbst in den Weltmeeren leben überall Kleinstorganismen an Algen, welche den Grundstein des Lebens bilden. Ohne die ein Surviving auch von Tier und Mensch nicht möglich wäre.

Mich holt das tatsächlich immer noch absolut ab. Die ersten drei Folgen vielleicht etwas mehr als die zweite Hälfte, weil sich dann auch ein paar Dinge etwas wiederholen, da sie in mehrere der ausgewählten Themen passen, doch toll sind sie alle. Super interessant die Zeitraffer-Aufnahmen zu sehen, die zeigen, wie viel Leben doch tatsächlich in Pflanzen steckt, die einfach nur wesentlich langsamer funktionieren, als wir das gewohnt sind. Mit der richtigen Soundkulisse eingespielt, um auch so eine fleischfressende Pflanze bedrohlich wirken oder aufspringende Blüten wirklich poppen zu lassen. Alles wirkt so lebendig und dynamisch in dieser Aufmachung. Und dann natürlich die Infos im britischen Akzent eingesprochen, dem man eh alles glauben will, weil er so schön smart klingt. Wie up to date die Infos einer über 20 Jahre alten Doku-Reihe sind, sei dann mal dahingestellt. Aber um einen Überblick zu erhalten, und in vielen Details kann sich eben in 6 x 50 Minuten nicht ergangen werden, ist es allemal noch gehaltvoll.

Tatort Giftschrank: Krokodilwächter

Ein Krokodilwächter ist eine Vogelart, die in den geöffneten Mäulern von Krokodilen sitzt, um dort die Essensreste aus den Zähnen zu picken. So haben die eine Mahlzeit, während die Krokodile keine Keimentzündungen fürchten müssen, weswegen sie die Vögel gewähren lassen, statt sie zu fressen wie man meinen sollte. Ein starkes und gern verwendetes Bild für symbiotische Beziehungen. Und eventuell nur eine schöne Legende, weil wohl keine Beweise dieses Verhaltens vorliegen.

Auch an der Existenz eines Tatortes mit dem Namen Krokodilwächter könnte man fast zweifeln. Denn der ist im Giftschrank zu finden, also nach der Erstausstrahlung nie in die Wiederholungsrotation aufgenommen worden. Nach Tod im Jaguar übrigens der zweite Giftschrank-Tatort des Jahres 1996 und erneut mit Hauptkommissar Roiter und dessen niedlichen Kollegen Zorowski.

Diesmal geht eine Bombe hoch. Und zwar eine Briefbombe im Wagen eines Postbotens. Das macht es natürlich entsprechend schwer herauszufinden, an wen der Brief eigentlich gehen sollte, sprich wer in Gefahr ist ermordet zu werden und wer der Täter sein könnte. Das Ermittlerduo bewegt sich zunächst auf dem Fleck.

Aber in der ersten Hälfte des Filmes spielen die beiden sowieso eine eher untergeordnete Rolle. Sofort nachdem die Bombe hochgegangen ist gleiten wir nämlich erst Mal ins Netz der russischen Mafia ab. Paten importieren gern mal hübsche russische Mädchen nach Deutschland, die dann in Bordellen ihrer Landsleute prostituiert werden. Ohne Pass und so flieht es sich natürlich auch schlecht. Der Zuhälter bekommt frische Ware für seine Fleischtheke, während die Mafia Prozente von deren Einspielergebnis holt und sich nach dem Erstimport nicht mehr die Hände schmutzig machen muss.

Irina ist eine solche Prostituierte, der allerdings ihr Zuhälter Olek verfallen ist, weswegen er sie hinter der Bar arbeiten lässt statt weiterhin mit den Kunden schlafen zu müssen. Nebenbei verdient sie sich aber genau darüber noch was dazu, zumindest am im gleichen Haus wie ihr lebenden und ihr hoffnungslos verfallenen Apothekenbesitzer Wittkowski. Dass das Zugpferd Irina nicht mehr anschaffen gehen muss, gefällt den Nachwuchsmafiosi Dima und Viktor allerdings gar nicht, immerhin hat Olek ordentlich Schulden beim Paten. Als Irina dann noch aufmüpfig wird, gerät die Sache mit dem hitzköpfigen Dima aus dem Ruder, der sie schlägt, vergewaltigt und dann erschießt.

Erst jetzt haben Roiter und Zorowski auch eine Schnittstelle mit der ganzen Mafia-Geschichte des Filmes, zu dem die Briefbombe natürlich zurückkehrt.

Im Giftschrank ist der Tatort wohl dann auch, weil er brutal und sexistisch ist. Tatsächlich gehen die Bordellbesitzer und Mafiosi nicht gerade zimperlich mit den Prostituierten um. Sonderlich grafisch brutal wird es nie, aber 1996er Prime Time in des Deutschen liebster Fernsehreihe sorgte das halt für Aufsehen.

Besonders beliebt ist er wohl auch nicht, weil qualitativ nicht gut? Ich bin da so ein wenig gespaltener Meinung. Im Konzept finde ich Krokodilwächter eigentlich ganz gut. Hier war jemand am Werk, der ein echtes Faible für epische Mafia-Dramen hat. Die Ermittler sind mal fast Nebensache. Stattdessen gibt es ordentlich Irrungen und Wirrungen in der Familie was einen Generationskonflikt angeht, plus die dreckigen Machenschaften im Rotlichtmilleau und dem Menschenhandel. Da lässt sich dramaturgisch echt was rausholen und langweilig wird es definitiv nicht. Wenn das ganze halt nicht so sehr wie ein billiger Abklatsch wirken würde. Das Schauspiel ist solala, die Struktur klischeehaft wie die Musikuntermalung, und erneut haben wir die billige Soap-Optik der Betamax-Kameras wie schon beim Tod im Jaguar. Gut gemeint ist halt noch nicht gut gemacht, wie Krokodilwächter schön beweist.

Ride Your Wave & Legend of Crimson

Wie bereits erwähnt war Corona-bedingt das Kinoprogramm in letzter Zeit unter ständiger Fluktuation. Dazu zählte auch, dass statt eine Anime Night pro Monat fast jede Woche eine kam. Die hatte ich mir dann auf den sonntäglichen Event-Plan geschrieben, da ja sowieso nur fünf Zuschauer oder so kommen, die schön weit auseinander sitzen können. Dummerweise hat sich das Programm wieder etwas reguliert und so habe ich leider das Yuri Double Feature von Fragtime und Kase-san & Morning Glories verpasst, weil es am üblichen Anime-Dienstag statt Sonntag lief. Die beiden Filme davor konnte ich allerdings mitnehmen.

Ride Your Wave (Kimi to, Nami ni Noretara) dreht sich um die junge Hinako, die fürs Studium umzieht. In eine Stadt, in der sie schon immer gern Surfurlaub gemacht hat, da dieses Hobby ihre große Leidenschaft seit Kindheitstagen darstellt. Als ihr Apartment auf Grund eines illegalen Feuerwerks in Flammen aufgeht und sie vom Feuerwehrmann Minato gerettet wird, bahnt sich die ganz große Liebe an. Minato schwört immer an Hinakos Seite zu sein und ihr zu helfen. Ich denke es ist bei dem Setup und ob der Tatsache, dass keine halbe Stunde in den Film sich bereits das perfekte Traumpaar gefunden hat, kein großer Spoiler, wenn ich verrate, dass Minato kurz darauf stirbt, als er beim Surfen jemanden vorm Ertrinken rettet. Hinako ist am Boden zerstört, zieht weg vom Ozean und geht nicht mehr surfen. Nichts scheint ihr bei der Verlustbewältigung helfen zu können. Bis sie das Lieblingslied von ihr und Minato singt und dessen Geist plötzlich in ihrer Wasserflasche auftaucht. Von nun an kann sie ihn auf diese Art und Weise in Flüssigkeit beschwören, um mit ihm zu kommunizieren.

Der Film ist ein sehr charmanter und quirliger Anime darüber, den Verlust eines geliebten Menschens akzeptieren zu lernen und sich im Leben weiterbewegen zu können. Es hat auch etwas bittersüßes. Natürlich der Kontrast der lebensfrohen Hinako und dann dem verschlossenen Haufen Elends vor beziehungsweise direkt nachdem Minato stirbt. Auch wie sie wieder fröhlicher wird, sobald sie sein Abbild im Wasser sieht. Was aber gleichzeitig einen deprimierenden Unterton hat, da sie nun für alle anderen wie eine Verrückte mit einer immer mitgetragenen Wasserflasche spricht oder einen mit Wasser aufblasbaren Delfin umarmt. Denn andere können Wasser-Minato nicht sehen.

Zunächst dachte ich dadurch echt, dass der Film in eine andere Richtung geht, als er das letztendlich tat. Ich ging davon aus, dass sich Hinako das Abbild von Minato nur zusammen halluziniert. Wie gesagt sieht ihn ja sonst keiner, und wann immer Minato das Wasser für Hinako manipuliert, ist sie auch alleine, kann sich dies also ebenfalls einbilden. Zumal der beste Freund von Minato, Wasabi, ebenfalls seit der Nacht, in dem ihr Apartment abbrannte, in Hinako verschossen war. Ich ging also davon aus, dass der sie letztendlich aus ihrer Realitätsflucht hilft und Hinako sich eingesteht, dass sie nicht für die nächsten sechzig Jahre allein bleiben kann und sich Wasabi zuwendet. Das Setup deutet zumindest zunächst stark darauf hin, will ich meinen. Letztendlich wird Wasabi allerdings doch mit jemand anderem verkuppelt und es geschehen Wassermanipulationen, die alle sehen können. Das die übernatürliche Komponente also wirklich eine solche ist, hat den Film schon an manchen Stellen etwas merkwürdig erscheinen lassen. Passt aber doch ganz gut zu dessen Flair.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist das Augenmerk auf Details. Beispielsweise erwähnen sowohl Hinako wie auch Wasabi mehrmals im Film, wie sie es doch etwas beneiden, dass Minato in allem zu leichtfüßig gut ist und scheinbar alles Problemlos schafft. Wenn Minatos Schwester später allerdings Hinako in dessen Jugendzimmer führt, sehen wir, dass dem nicht so ist. Er hat hart trainiert, als er zur Feuerwehr kam. Er hat als Kind Kochbücher studiert, als er wegen der ständig beschäftigten Eltern für sich und seine Schwester kochen musste. Jetzt erklärt sich auch, warum Minato schon beim ersten Surf-Date mit Hinako in voller neugekaufter Montur auftauchte: Wenn er sich was vor nimmt, macht er keine halbe Sachen, sondern kommt vorbereitet und arbeitet so lange an sich, bis er es kann. Nichts damit, dass er einfach ein Alleskönner ist, dem alles zufällt. Hinakos Vorliebe zu Erdbeerlimo kommt dadurch, dass ihr Elternhaus von Erdbeerfeldern umgeben ist, wie wir in einer kurzen Szene nur am Rande sehen. Warum Minato sie immer als „seine Heldin“ bezeichnet hat, und warum das alte Filmlied sie verbindet, wird auch noch geklärt. Es fallen dann viele kleine Puzzleteile zusammen, was ich echt sehr schön fand.

Macht Ride Your Wave zu einen sehr bunten, flippigen und Lebensbejahenden Film. Der es sich dennoch nicht zu einfach macht. Wie die finale Szene zeigt, in der Hinako noch mal an Minato erinnert wird und weint. Weil man einen Verlust zwar verarbeiten kann, er aber dadurch nie komplett verschwindet.

Mit Konosuba: Legend of Crimson kommen wir hingegen zu unseren überdeht-liebenswerten Arschlöchern aus der Light Novel turned Anime Adaption, die mir in seinen beiden vorigen Staffeln immer gut gefallen hat. Diesmal in Kinofilm-Version.

Die Gruppe aus dem nur den Glückswert gelevelten Kazuma, der hasenfüßigen Wassergöttin Aqua, nur ein mal pro Tag die Apokalypse beschwörenden Magierin Megumin, und masochistischen Ritterin Darkness sitzt gerade mal wieder in der Taverne. Mit keinem Geld, da sie beim Erledigen des letzten Quests so viel kaputt gemacht haben, dass dessen Belohnung sofort wieder einkassiert wurde. Da kommt Megumins Rivalin Yunyun herein und bittet Kazuma um etwas, was noch nie jemand von ihm wollte: Er soll mit ihr ein Kind machen. Nur so kann das Dorf der Crimson-Dämonen laut Prophezeiung gerettet werden. Ist etwa endlich der Moment angebrochen, bei dem Kazuma Erfolg bei Frauen vergönnt ist?

Ja und Nein lässt sich dazu sagen. Die Prophezeiung stellt sich schnell als Jux heraus und Yunyun hat dann gleich kein Interesse mehr am übereifrigen Kazuma. Auf dem Weg zum Dorf der Crimson-Dämonen, da die dennoch Probleme haben, wird Kazuma allerdings von einer Horde Orc-Frauen gejagt und verliert beinahe seine Jungfräulichkeit an deren ganzes Rudel. Bis die Crimson-Dämonen sie noch rechtzeitig mit ihrer Magie pulverisieren. Wie sich herausstellt haben die nämlich gar kein Problem einfallende Monster selbst aus dem Weg zu räumen. Dummerweise halten die Eltern von Megumin nun aber sie und Kazuma für ein Paar und schließen sie während der Übernachtung in einem gemeinsamen Schlafzimmer weg. Wodurch Kazuma laut mit sich selbst diskutiert, ob das eine Einladung ist, sich an der schlafenden Megumin vergreifen zu können.

Ich glaube damit ist eine Sache direkt schnell klar geworden: Nicht nur sind viele der Witze im Konosuba-Film von sexueller Natur, sondern erstaunlich viele flirten mit der Androhung von sexueller Gewalt. Ich habe keinen Plan, wo das her kommt. Ist das in der Serie schon so gewesen und ich habe das schon wieder vergessen? Beziehungsweise wirkt das in einem durchgängigen Film von 90 Minuten komprimierter und häufiger als wenn es in 20-minütige Folgen unterbrochen ist? Kazuma war natürlich schon immer etwas notgeil und moralische Vorbilder keiner der Charaktere unserer Truppe. Bisher wurden solche Witze aber immer schnell von einem anderen Charakter abgeschossen und wirkte Kazuma wie ein letztendlich harmloser Dummschwätzer. Das ist er hier immer noch letztendlich, aber Mensch gibt es hier viele rapey Jokes.

Wer über die hinwegsehen kann, der bekommt insgesamt einen Film geboten, den ich mal als Ok beschreiben würde. Viele Kinofilme zu TV-Serien, gerade zu Komödien ohne großen Narrativ, wirken gerne mal wie ein überlanges Special. So auch der Konosuba-Film, der trotz einer übergeordneten Handlung häufiger etwas unfokussiert in Vignetten von Einzelgags abrutscht. Er war für mich auch nur halb so witzig, wie er zu sein denkt. Aber das ist natürlich auch immer Ansichtssache: Ein Mädel im Kino hat es geschafft keine Sekunde während der Vorstellung Luft holen zu müssen, da sie so beschäftigt war, über jedes Wort zu lachen oder ihrem Freund zu erklären, warum sie jedes Wort für saukomisch hält. Ich fand den Film nicht ganz so witzig wie die Serie, was aber nicht bedeutet, dass er mich nicht unterhalten hat. Und manchmal ist er sogar ganz clever. Wenn der Endboss beispielsweise ein Schild aus Liebe und Emotionen um sich errichtet, und unsere „Helden“-Truppe sie mit brachialer Explosionsgewalt und Hintertücke besiegt. Also genau andersrum, wie es in Rollenspielklischees eigentlich der Fall ist.

Parasite: A Tale of Two Houses

2020 ist doch das perfekte Jahr, um ins Kino zu gehen. Zumindest ins sommerliche Open Air Kino mit schön viel Abstand und frischer Luft zwischen um einen herum. Zumal es die perfekte Zeit ist, um verpasste Blockbuster nachzuholen, weil eh nichts Aktuelles läuft, sondern stattdessen alle drei Tage ein neuer Klassiker rotiert. Wie für mich auch letztendlich den Oscar-Abräumer des Frühlings, das vier Auszeichnungen gewinnende Parasite aus Korea.

Die Familie Kim wohnt ärmlich. In einer Gosse eines Armenviertels, in einer stinkende und schlecht beleuchtete Kellerwohnung, bei der durch die auf Straßenhöhe befindlichen Fenster jeder Dreck reinzieht. Sowohl die Eltern wie auch die beiden Kinder sind arbeitslos. Die Telefone abgestellt. Wifi wird sich von anderen Wohnungen gestohlen.

Da kommt es zu einem Lichtblick. Ein Freund des Sohnes Ki-Woo geht ein Jahr ins Auslandsstudium und bietet ihm an, ein gutes Wort als Nachfolger für den Englischunterricht einer Tochter aus reichem Hause einzulegen. Dass Ki-Woo gar kein Unistudent ist, muss man dabei ja nicht erwähnen, immerhin wird er es, sobald er es sich leisten kann, demnächst ja sein.

Bei der reichen Familie Park angekommen, die wie in einer eigenen abgeschotteten Oase hinter den festen Mauern ihres Grundstücks haust, wickelt Ki-Woo die Mutter auch schnell um seinen Finger und bekommt den Job als Nachhilfelehrer. Als beim Smalltalk fällt, dass der junge Sohn des Hauses künsterlisch veranlagt aber ein Problemkind ist, hat Kim-Woo seine Schwester Ki-Jung ebenfalls schnell unter falschen Tatsachen als Kunsttherapeutin eingeschleust. Jetzt noch schnell den Fahrer und die Haushälterin unter Verleumdungen rausschmeißen lassen, und schon arbeitet die ganze Familie Kim bei den gut bezahlenden Parks.

Dank der Naivität der Parks haben die gerissenen Kims leichtes Spiel mit der Familie. Ki-Woo bandelt sogar mit der Tochter an, um später in den reichen Haushalt einheiraten zu können. Alles scheint nach Plan zu laufen. Zumindest bis die Parks einen Camping-Ausflug machen und die Kims es sich in deren Villa richtig gut gehen lassen. Denn plötzlich steht die vorige Haushälterin vor der Türe. Sie hat nämlich was im Keller vergessen. Ihren im geheimen Bunker lebenden Ehemann. Ab da geht alles bergab.

Parasite ist ein interessanter Film. Er beginnt im Prinzip wie eine schwarze Komödie. Wie sich die Kims mit viel Charme und Witz und leichtfüßiger Hinterhältigkeit zu klassischer Musik in das Leben der Parks bugsieren, ist echt zu viel Schmunzlern gut. Genau wie die Parks sich so weltfremd auf einige Situation verhalten. Und dann, mit der Offenlegung des Geheimnisses im Keller kippt alles. Der Kampf zwischen den beiden ärmlichen Familien verwandelt den Film in einen dramatischen Thriller, aus dem keiner verschont hervorkommen kann, und es nur darum geht, wie lange die Endeskalation noch aufgeschoben werden kann. Der Film legt vom Ton her eine komplette Metamorphose hin.

Als Lackmustest zur Beurteilung des Charakters von denen, die den Film geschaut haben, dient übrigens immer gerne die Frage „Wer ist der Parasit?“. Wer hier mit den Kims antwortet ist Teil der Bourgeoisie, des Problemes. Ohne Empathie für jene, denen es schlecht im Leben geht. Wer identifiziert sich schon mit den Reichen, den habenden Parks? Nein nein, die richtige Antwort ist doch, dass die Parks die Parasiten sind, die ohne die Ausbeutung der Arbeitskraft der von ihnen abhängigen Kims ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen würden. Wozu gibt es immerhin die kurze Szene, nachdem die alte Haushälterin rausgeworfen ist und bevor Mutter Kim als neue eingestellt wird, in der Frau Park hoffnungslos am Haushalt scheitert? Das stimmt schon.

Allerdings verstehe ich, wie man die Kims als die Parasiten sehen kann. Wie sie sich in die unbedachte Familie Park einschleichen und sie ohne Skrupel ausnutzen. Sehe ich das so, weil ich nicht Teil des Proletariats bin und nie ernste Geldsorgen hatte oder in einer Bruchbude dahingesiecht habe? Möglich. Dennoch möchte ich den Gedanken in den Raum werfen das, ja, die Kims können genauso gut wie die Parks als Parasiten angesehen werden. Und das dies den sozialen Kommentar um die kapitalistische Klassengesellschaft des Filmes nicht kaputt macht. Denn wenn die Kims Parasiten sind, dann weil sie es sich nicht anders leisten können. Sie müssen die Parks ausnutzen, wenn sie nicht langsam in ihrer Bruchbude eingehen wollen. Mutter Kim sagt nicht zu unrecht, dass die Parks immer so nette und naive Menschen sind, weil sie es sich leisten können. Weil sie nicht permanent ums Überleben kämpfen müssen. Und das, wie die Auseinandersetzung mit der ehemaligen Haushälterin und ihren Mann zeigt, zum Großteil im Kampf mit anderen Leuten aus der Unterschicht.

Die Parks haben nichts zu verlieren. Sie werden interessanterweise im Film nie als wirklich üble Menschen gezeigt. Oder als ein Menschenschlag, der partout andere zur eigenen Verbesserung ausnutzt. Denn sie sind schon in der Oberschicht angekommen und können es sich im Gegensatz zu den Kims leisten sich chilliger zu verhalten. Ihr Verbrechen ist eher eines von Ignoranz und Vernachlässigung. Sie kümmern sich schlichtweg nicht um ihre Angestellten. Dass der komplette Haushalt der Parks eigentlich eine Kontinentalverschiebung durchgeht, nachdem alle Angestellten in kürzester Zeit komplett ausgetauscht werden, ist gar keine Sache. Für sie sind die austauschbar und niemand spricht je über die langjährigen vorigen Bediensteten, nachdem sie entlassen wurden. Herr Park sagt sogar ein Mal zu seiner Frau, dass bisher mit den neuen alles gut läuft, weil sie noch keine Grenze überschritten haben, auch wenn der Körpergeruch des Fahrers dem schon sehr nahe kommt. Dies zeigt, wie schnell es geschehen kann, von den Parks wieder rausgeworfen zu werden, ohne das die sich groß was dabei denken. Weil eventuell ein ungeschriebener und arbiträrer Deal Breaker vollzogen wurde, von dem keiner was wusste.

Eben weil die Parks nicht übertrieben schurkisch chargieren, entzieht sich die Geschichte der häufigen Fallgrube, dass dies ein an Menschen festgemachter Einzelfall ist. Stattdessen kommen wir dahin zurück, dass im Sinnbild dieser zwei Familien das eigentlich inhärente Problem der Klassengesellschaft aufgezeigt wird. Eine Gesellschaft, in der Reiche ganz natürlich und unbekümmert ihre Angestellten als austauschbare Arbeiterbienen ansehen, weil das als selbstverständlich angesehen wird. Als etwas, was gar nicht hinterfragt werden muss. Währen die Kims zu sehr damit beschäftigt sind um ihr Überleben und gegen andere aufstrebende Arme um die wenigen Möglichkeiten, die ihnen gegeben sind, zu kämpfen. Über gesellschaftliche Probleme philosophieren zu können bleibt da gar keine Zeit. Das System an sich ist der Schurke.

Rumic World III: Rumic Theatre

Ein knappes Jahr nach den ersten beiden Einträgen sehen wir uns also wieder. Immerhin ist Rumiko Takahashi seit über 40 Jahren aktiv im Manga-Business, da kommt so einiges zusammen. Geradezu vorbildhaft ist ihre unermüdliche Zeichenfeder. Viele andere Mangaka zeichnen noch einer oder zwei großen und langjährigen Hitserien dank Burnout keine Großprojekte mehr und ergehen sich eher in kleineren Unterfangen und leben von den Royalties jener endlos beliebten Hitserien. Der Beruf Mangaka ist einer, der zerschleißt.

Das Takahashi seit über 40 Jahren eine lange Hitserie nach der anderen aneinanderreiht ist erstaunlich. Und dann findet sie noch Zeit, um sich von jener Formelhaftigkeit abzulenken und mal was anderes zeichnen zu können, diverse kurze One Shots zu zeichnen. Die wurden nicht nur in den Rumic World Bänden zusammengefasst, sondern auch in welchen, die als Rumic Theatre (teilweise auch Rumiko Takahashi Anthology) betitelt sind. In Japan sind jene World und Theatre Bände sogar bei Reprints teilweise umbenannt worden, um sich ähnlicher anzuhören.

In 2003 nahm sich TMS dem Projekt an, sie ins japanische Fernsehen zu bringen. 13 Episoden sollten das Jahr über laufen, gefolgt von 13 Episoden der Neuadaption von Mermaid Saga. Das Konzept ist klar: Eine Folge pro Kapitel, sprich jede Episode ist eine in sich geschlossene Storyline.

Die haben mich etwas an Clamps Tokyo Babylon erinnert. Weniger den Anime, der ja nur zwei OVAs hat, sondern mehr dem Manga an sich. In soweit, als dass sich der Manga nicht nur Einzelschicksalen widmet, sondern auch einem seltsamen Ereignis im Leben eines relativ gewöhnlichen Japaners. Nur halt ohne wiederkehrend eingreifende Charaktere, welche die Fälle aneinanderbinden und am Ende für eine größere Tragödie herhalten müssen. Vergesst es, so wahnsinnig wie Tokyo Babylon ist Rumic Theatre gar nicht.

Wobei hier schon etwas mehr Tragik drin ist, als man das eventuell erwarten würde. Ich dachte zumindest, immerhin ist es ja von Takahashi, dass dies hier wieder ziemlich in die Richtung von überdrehten Komödien geht. Dabei könnte ich es besser wissen. Klar, Romantic Comedy ist deren Markenzeichen und ein Bestandteil aller ihrer langjährigen Hitserien. Doch sollte mir mittlerweile durch Mermaid Saga und die Rumic Worlds zur Genüge klar sein, dass die Frau gerade bei ihren One Offs eben auch mal dem Historiendrama oder Horror-Genre frönt.

Dennoch bleibt festzustellen, dass Rumic Theatre thematisch sich wesentlich ähnlicher ist als die Rumic Worlds. Hier geht Takahashi eben nicht einfach mal gerade das Genre an, auf das sie momentan Bock hat. Sondern die Folgen sind schon kohärenter, auch wenn sie nichts miteinander zu tun haben. Aber in der gleichen Welt spielen, man wird so einige Charaktere aus anderen Folgen immer mal wieder durch die Hintergründe von aktuellen huschen sehen. Das zusammenhängende Thema der Geschichten ist dann tatsächlich, dass es hauptsächlich um ganz normale japanische Menschen in ihrem Alltag geht, denen eine merkwürdige oder zumindest besondere Eskapade mit humorigem Einschlag geschieht. Das muss nicht immer einen übernatürlichen oder fantastischen Part haben, kann es aber.

So geht es in einer Folge nur darum, dass eine Familie vom Boss des Vaters dazu beauftragt wird, für eine Woche auf dessen Haustier aufzupassen. Dabei leben die in einem Apartmentkomplex, in dem Tiere streng verboten sind. Und dann ist es auch noch ein Pinguin, auf den alle Nachbarskinder steil gehen. Wie soll das nur ein Geheimnis bleiben können? In einer anderen geht ein Angestellter mittleren Alters zu seinem Klassentreffen und die rosaroten Erinnerungen an seine erste Liebe drohen an der gealterten Realität zu scheitern. Doch dann haben wir auch wieder Episoden, in denen sich ein Mann plötzlich in der Situation wiederfindet, dass er nun mit dem Geist seiner verstorbenen Frau zusammenlebt. Es kann also auch zu übernatürlichen Komponenten kommen.

Die Situationen, wenn das oben vom ganz kurzen Abriss auch eventuell nicht rüberkommt, sind durchaus mit einem witzigen Touch versehen. Es gibt Takahashis übliche übertriebenen Gesichtsausdrücke und Wutanfälle. Missverständnisse und auch trockener Humor. Doch das alles wirkt in Theatre wesentlich bodenständiger. Wahrscheinlich weil sie stärker an das Alltagsleben dieser Figuren gebunden sind. Weil sie nach 20 Minuten rum sind, statt immer weiter eskalieren und immer übertriebener werden zu müssen. Aber auch, weil es häufig einen besinnenden und erdenden Unterton gibt.

Der Kerl beim Klassentreffen zum Beispiel? Der Lernt am Ende der Episode seine erste Liebe und seine beschönigten Jugenderinnerungen aufzugeben. Das hat etwas bittersüßes. Zum einen lernt er dadurch seine existente Familie wieder etwas mehr zu schätzen. Aber er kommt halt auch zur Realisation, dass die unbeschwerte Jugend eben rum ist und nie wiederkommen wird. Die Episode mit der Pinguin-Versteckspielerei? Wir finden am Ende heraus, dass die Vorsitzende, die so streng die Regeln befolgt, selbst unter Tränen ihren Hund aufgeben musste, als sie in den Apartmentkomplex gezogen ist. Sie versteht wie schwer das ist, sie mag Tiere selbst. Aber im Leben muss man sich halt manchmal entscheiden und wer eine dieser tollen Wohnungen haben will, hat halt die dafür festgelegten und vorher gewussten Regeln zu befolgen.

Hierdurch bekommen die einzelnen Geschichten mehr Nuancen und vor allem einen emotionalen Kern, der ihnen komplett abgegangen wäre, wenn sie wirklich nur „Das eine total verrückte Ereignis in meinem Leben“ geblieben wären. Die Punchline zu einigen davon, besonders die mit dem Geist der verstorbenen Frau, die ihren Mann noch im Nachleben zu nerven scheint, hat mich ernsthaft tief getroffen. Klar sind manche Geschichten selbst auf 20 Minuten etwas überstrapaziert. Und gerade weil sie so geerdet sind und nicht total die Witze-Explosion zünden keines der absolut herausragenden Takahashi-Werke. Via Konzeption schon nicht, denn es handelt sich hier um sporadisch erschienene Nebenprojekte. Als solche kleine nebenbei geschaute Episoden halten sie aber wirklich gut hin.

Sakura Wars Su-Mi-Re

2002 war ein schweres Jahr für Sakura-Wars-Fans. Im Frühjahr wurde das Dreamcast vom vierten Teil zu Grabe getragen. Ein fast wie eine Fandisk wirkendes Spiel, welches eindeutig einen Schlussstrich unter die Sega-Konsolen wie auch die Handlung von Oogami und seiner Mädels-Truppe setzte. Wie genau es weitergehen sollte war ungewiss. Und dann verabschiedete sich auch noch die Sprecherin von Sumire aus dem Business, und mit ihr der Charakter an sich.

Man muss hierbei bedenken, wie beliebt die Mädels in diesen Spielen sind. Reihen wie Tokimeki Memorial und Sakura Wars machten ordentlich Kohle über ihre Spiele an sich. Sicherlich. Aber sie setzten auch unglaublich viel an Merchandising um, wesentlich mehr als andere Videospielserien der 90er. Und es lies sich ein und dasselbe Merchanidsing-Gut auch durchaus mehrmals verkaufen, jeweils unter dem Branding eines anderen Hauptcharakters. Spieler hatten ihre Lieblings-Waifu und kauften sich dann alles, wo deren Gesicht draufgeklastscht war. Zusätzlich waren die Rollen stark verwoben mit ihren Sprecherinnen. Die waren der Charakter. Im Falle von Sakura Wars gab es sogar Live Shows, zu denen sie im Cosplay die entsprechenden Themes aus den Spielen sangen, und die selbst noch stattfanden, nachdem es keine neuen Spiele mehr gab.

Mit Michie Tomizawa sollte aus dem Business eine Größe aussteigen. Sie war die Sprecherin von Rei/Sailor Mars im ursprünglichen Sailor Moon Anime. Hatte Rollen in Project A-Ko, Bubblegum Crisis und Kickers. War die japansiche Stimme von Pamela Anderson in Baywatch. Und mit Sumire eine der ursprünglichen fünf Frauen in Sakura Wars. Dadurch, dass die Sprecherinnnen so mit ihrer Rolle verbunden sind, konnte man sie natürlich nicht einfach ersetzen. Also entschloss man sich dazu, Sumire an sich  ebenfalls in Rente zu schicken. Mit einer Ende 2002 herausgekommenen OVA-Episode, passend betitelt Sakura Wars Su-Mi-Re: Sumire Kanzaki Retirement Special.

Allzu viel sollte von der OVA nicht erwartet werden. Es ist keine dreiteilige Serie, bei der noch mal ein letzter großer Kampf gegen einen Dämonen stattfinden, über den Sumire ihre spirituellen Kräfte aufbraucht. Um dann eine letzte große Bühnenshow mit allen andern Heldinnen mit abschließendem Solo zu haben und sich zu verabschieden. Es ist nur eine Folge von 25 Minuten. In der wir schnell erfahren, dass Sumire ihre Kräfte verliert, also nicht mehr in einem Steampunk-Mecha kämpfen können wird, und deswegen beschließt, das Imperiale Theater komplett zu verlassen. Es kommt zu ein paar reumütigen Gesprächen, in denen sie ihren Mitstreiterinnen noch ein paar Tipps auf den Weg gibt. Und dann darf sie einen Song auf der Bühne singen und sich von allen feiern und verabschieden lassen.

Nein, viel gibt das Special tatsächlich nicht her wenn man es genau betrachtet. Es ist noch nicht mal besonders gut animiert. Oder Sumires Song ein besonders guter, den man eh nur in Auszügen statt komplett mitbekommt. Hier hätte wirklich mehr raugeholt werden können. Mein erwähntes Konzept für einen Dreiteiler klingt für mich zumindest interessanter, als ein paar tränenreiche Gespräche und einen halben Song hinzuklatschen und das war es. Zudem ist die Sache selbstverständlich arg übertrieben rührseelig umgesetzt und wer diese Charaktere nicht bereits von den Spielen her kennt, dem bringt die OVA sowieso mal rein gar nichts.

Aber das ist schon berechtigt so. Es ist eben das Retirement Special für einen Charakter. Da darf man ruhig mal rührseelig werden. Und das intendierte Publikum sind die Fans der Reihe und des Charakters an sich, es darf davon ausgegangen werden, dass keiner die OVA kauft, der nicht schon Vorwissen über die Spiele mitbringt. Das nicht viel Arbeit reingesteckt wurde, ist etwas schade. Lässt das zynische Gefühl aufkommen, bevor der Charakter nicht mehr verwendet werden kann, weil die Sprecherin geht, noch mal schnelles Geld abschließend aus ihrer Vermarktung zu schlagen. Jedoch ist das Herz zumindest bei den Sprechern am rechten Fleck. Wenn Sumire gegen Ende ihre Abschlussrede gegenüber des Theaterpublikums hält, darüber wie dankbar sie ist, dass ihr die Treue gehalten wurde, und das sie hofft das man den Rest der Truppe auch weiter unterstützt, dann funktioniert das. Weil die Sprecherin an sich sich hierdurch auch von ihren Fans verabschiedet. Und weil die Zukunft von Sakura Wars ungewiss war und keiner wusste, wie es mit den anderen Charakteren weitergehen wird.

Wie sich herausstellte war Michie Tomizawa allerdings nicht lange weg. Bereits wenige Jahre später nahm sie wieder neue Sprecherrollen an und war auch bei den Abschiedsversanstaltungen der Sakura Wars Live Shows wieder dabei. Sie übernahm sogar erneut die Rolle der Sumire im 2019er Shin Sakura Wars. Dennoch ist die OVA eine gute Zeitkapsel dahin, wie beliebt und vermarktbar die einzelnen Charaktere der beliebtesten Dating Sims in den 90ern und frühen 2000ern bereits waren. Was für ein großes Ding das Genre an sich war und wie besonders sich eine Rolle als Sprecherin eines Hauptcharakteres zu sichern.

Tatort Giftschrank: Tod im Jaguar

Wir springen nun wieder ein paar Jahre weiter, sind beim 335. Tatort Mitte 1996 angekommen. Ein weiteres erfolgreiches Jahr für den Giftschrank, landete später doch noch eine zweite Folge daraus in ihm. Aber zunächst einmal zu Tod im Jaguar, dem ersten Tatort des Berliner Ermittlungs-Duos Roiter und Zorowski.

Roiter ist ganz frisch aus Frankfurt nach Berlin gekommen und wird von einem Freund erst Mal der High Society der Stadt vorgestellt, in dem er zur großen Gebrutstagsfeier des bekannten jüdischen Gechäftsmannes Prestin eingeladen wird. Der nimmt sich Roiter auch gleich zur Seite, und meint, er würde neuerdings bedroht werden. Nachdem Prestin zum Verlassen der Feier in sein Auto eingestiegen ist, fliegt das auch sofort in die Luft.

Nun beginnt also die Mordermittlun Prestin. Wer hat ihn bedroht und warum? Wo kam der Sprengstoff her? Wer erbt das ganze Geld? Und was hat es mit dem Savigny-Kreis zu tun, in dem nicht nur Prestin, sondern auch andere Geschäftsmänner und Politiker sich austauschten?

Die Tochter und ihr Ehemann können beispielsweise nicht erben, da Prestin mit der Ehe nicht einverstanden war und sie enterbt hat. Gleichzeitig hat Prestin aber weiterhin Geschäfte mit dem Ehemann am Laufen, der mehrere Baustellen in Berlin führt. Aber eigentlich pleite ist. Staatssekretär Bernbeck, Teil des Savigny-Kreises, drängt hingegen darauf in der Neo-Nazi-Szene zu ermitteln, da sich Prestin stark öffentlich gegen Antisemitismus ausgesprochen hat. Eventuell weiß auch die Bekannte Katharina Lefevre etwas, doch hier scheint Roiter mehr an Candle-Light-Dinners mit der Dame interessiert zu sein. Als dann noch rauskommt, dass Prestin über die Schweiz im Waffenhandel steckte, wird alles nur noch undurchsichtiger.

Tod im Jaguar ist definitiv einer der komplexeren Giftscharnk-Tatorte. Es gibt eine Vielzahl and Charakteren und persönliche öffentliche und geheime Verwicklungen untereinander. Im Kreis der Reichen und Schönen hat ja sowieso jeder ein wenig Dreck am Stecken, um in die Position gekommen zu sein, in der sie sich befinden. Durch die milchglasige Optik, weil der Tatort via Betacam aufgezeichnet ist, hat das ganze Unterfangen dadurch einen starken Einschlag einer Soap Opera. Wer mit wem warum und so. Langweilig wird es jedenfalls nicht. Wobei ich es echt kurios finde, wie häufig die Ermittler in diesen alten Tatorten mit einer Zeugin oder Tatverdächtigen anbandeln.

Was neben der für viele billig aussehenden Optik übrigens kritisiert wurde, ist der antisemitische Unterton. Der ist nicht bewusst und absichtlich da. Aber das hier hauptsächlich in Kreisen von reichen Juden ermittelt wird, die dann auch noch über ihre eigenen Organisationen und Stiftungen dicht miteinander vernetzt sind und im Geheimen Geschäfte und Pläne schmieden… spielt halt einigen sehr unschönen Stereotypen zu. Tod im Jaguar befindet sich bis Heute im Giftschrank.

Shubh Mangal Zyada Saavdhan

Hallo Bollywood, so sieht man sich also wieder. Meine Berührungspunkte mit dem indischen Erfolgskino sind kurz und lange her. Auch ich war beim Großereignis dabei, als RTL2 Mitte der 2000 Sometimes Happy, Sometimes Sad ausstrahlte. Einer der erfolgreichsten Bollywood-Filme im Ausland bis zum heutigen Tage. Und damit echt große Einspielergebnisse fuhr, so dass eine Weile lang weiteres Bollywood ausgestrahlt wurde. Da war ich schon nicht mehr dabei, obwohl mir ersterer Film gut gefallen hatte.

So nebenbei habe ich ein bisschen darüber über Molodezhnaja mitbekommen. Mit seinen über 20 Jahren Bestehen auch bereits ein Urgestein im deutschsprachigen Internet, welches ich vor ungefähr 10 Jahren entdeckte, auf der Suche nach einer mehr Asia-zentrierten Filmreviewseite. Da war und ist Bollywood ein großes Thema gewesen und mir mittlerweile auch klar, dass indisches Filmeschaffen auch weit über jenen Bereich hinausgeht. Aber abgesehen vom Lesen einiger Reviews hat es mich nicht ins Selberschauen zurückgetrieben.

Shubh Mangal Zyada Saavdhan fiel mir jetzt aber ins Auge. Ein ganz aktueller Film von 2020 sogar. Wie bei den meisten Liebeskomödien/-dramen aus Bollywood dreht der sich zentral um eine Hochzeit. Das besondere daran ist allerdings, dass unser zentrales Paar aus zwei Männern besteht.

Aman kommt aus einer ländlich angesiedelten Großfamilie, wohnt und arbeitet nun aber in der Metropole Delhi. Wo er Kartik getroffen hat, der aus ärmlichern Verhältnissen kommt und über seine Homosexualität mit dem Vater gebrochen hat. Die Familie von Aman weiß über dessen Sexualität hingegen gar nicht Bescheid. Deswegen plant Aman auch gar nicht auf der großen überladenen Familienhochzeit seiner Verwandten aufzutauchen.

Die Umstände wollen es anders und Aman taucht mit Kartik doch bei der Familienfeier auf. Nur erwischt sein Vater ihn dabei, wie er seinen Freund küsst, und reagiert darauf eher suboptimal. Versucht die beiden während der Hochzeit auseinanderzuhalten. Was den eigentlich zurückhaltenden Aman dazu bringt, vor versammelter Familien- und Gästeschafft Kartik zu küssen. Jetzt läuft erst recht alles aus den Fugen.

Trailer zu Bollywood-Filmen sind schon ihre eigene Sache. Shub Mangal sah da fast nach wholesome content aus. Das bunte treiben zur eingängigen Musik mit ein paar typsichen Tanzeinlagen. Klar ein wenig Familientrubel und über-emotionales Geheule gehört dazu. Dass sich Amans Familie aber wirklich so komplett gegen seine Beziehung stellen und ihn „heilen“ wollen würde, hätte ich gar nicht mal erwartet. Letztendlich ist es mit all seiner bunten Optik und seinem überdrehten Familienhumor zum Trotz nämlich doch noch ein Film über den Kampf akzeptiert zu werden.

Was vor dem indischen Background auch ganz interessant ist. Hier gibt es immerhin viele Dinge zu beachten, die man sich, wenn man aus dem Kulturkreis nicht kommt, nicht oder zumindest zunächst nicht gewahr wird. Ab einem gewissen Alter verheiratet zu sein und Kinder zu zeugen ist in Idien immerhin vielerorts noch eine soziale Obligation. Ehe aus Liebe gar keine Priorität, sondern es wird ein sozial anerkannter Partner von der Familie ausgewählt. Es gibt ein starkes Clandenken und das Kastensystem ist immer noch nicht aus den Köpfen der Leute.

Tatsächlich offeriert Kusum, die Amans Familie für eine Hochzeit mit ihm auserwählt hat, einen Deal. Sie ist nämlich auch in jemand anderen verliebt, der kommt aber aus der sozialen Unterschicht, aus der falschen Kaste, und damit haben die beiden keine Chance zu heiraten. Warum sollten Aman und Kusum also nicht wie ihre Familien das wollen zum Schein heiraten und dann jeweils mit ihren Geliebten leben? Amans Eltern liebten ja auch jeweils jemand anderen, bevor sie miteinander verheiratet wurden. Gesellschaftlich ist Heirat in Indien eine ganz andere Nummer eben. Zeigt auch den gesellschaftlichen Wandel des Landes, wo die junge Generation wesentlich offenere Ohren für die „Liebe ist halt Liebe“-Argumentation hat, statt die ältere Generation, bei denen das individuelle Gefühlsleben nichts mit Heirat zu tun hat.

Und dann bringt das Finale noch das Problem von Sektion 377 der indischen Gesetzgebung in den Raum. Homosexualität ist in Indien ein strafbares Verbrechen. Oder war es zumindest bis 2018, als das Oberste Gericht beschloss einvernehmliche Beziehung zwischen Erwachsenen zu legalisieren. Das dient sogar als Finale des Filmes, der sprichwörtlich am Tag jener historischen Entscheidung endet.

Das hat den Film für mich insgesamt ziemlich interessant gemacht. Die verschiedenen Argumentation von Aman und Kartik, um zur Familie durchzudringen, gab es schon zur Genüge in entsprechenden Filmen. Liebe ist Liebe. Man ist so geboren. Warum ist deine spontane emotionale Rekation auf jemanden natürlich meine genau gleiche Reaktion auf meinen Partner aber angeblich eine Krankheit. Sind es nicht gesellschaftliche Zwänge und die Zuschüttung mit heteronormativen Partnerbildungen in den Medien jene, durch die wir das als Normal ansehen und alles andere dadurch automatisch als Abnormal.

Aber das alles war für mich halt in einem eher ungewohnten Päckchen verpackt. Manchmal etwas übertrieben sentimental und dramatisch, klar. Aber doch immer mit viel Schwung und auch mit dem Herz am richtigen Fleck.

Tatort Giftschrank: Blutspur

Wir überspringen die nächsten 9 Jahre und kommen mit dem 222. Tatort, Blutspur, zum nächsten Zeitweise-Giftschrank-Fall. Das ist übrigens bereits der 21. Fall von Kommissar Schimanski, dem wohl berühmtesten und beliebtesten Ermittler, den die Reihe je gesehen hat. Immerhin war es einer seiner Tatorte, die zum ersten Mal ins deutsche Kino kamen, und gab es sogar ein eigenes Spinoff mit ihm.

Schimanski ist mal wieder in seinem Element: Schlecht drauf. Ist aber auch verständlich, immerhin wurde er früh geweckt, nur um einem Exhibitionisten an einem Flugdrachen hinterherzujagen, der junge Mädchen anmacht. Nicht unbedingt Aufgabe der Mordkommission, was Schimanski auch gern alle, die nicht gefragt haben, wissen lässt. Als er vom Schrottplatz ihres Informanten Leszek aus beim Amt anrufen will, kommt plötzlich ein Wagen voller Araber vorbeifahren, die wild um sich schießen.

Die kommen direkt vom nahen Lager für Fernfahrer, wo sie einen Haufen Polen erschossen haben. Da ist also endlich ein Fall für eine Mordkommission. Zumal in einem Gebäude auch noch massenweise altes Blut gefunden wird. Weitere Morde oder eine illegale Tierschlachtung etwa? Das BKA hilft auf jeden Fall nicht sonderlich weiter, aber irgendwie können sich die Ermittler verschiedner Bereiche allgemein in Blutspur auf den Tod nicht ausstehen.

Die Ermittlungen führen zurück zu Leszek, zu einem vermutlichen Wafenschmuggel aus Polen in den Mittleren Osten. Das wird gar nicht gern gesehen, immerhin untergräbt das die Profite der deutschen Waffenlobby, die gut Kohle mit Kriesengebieten machen. Die arabischen Terroristen tauchen jedenfalls auch wieder auf und zerbomben den Laden. Leszek wird für tot gehalten, seine Geliebte und ehemalige Prostituiert taucht ab.

Schimanski und Co versuchen sie zu finden, spannen dafür auch ihren Ex-Zuhälter, der frisch aus dem Knast ist, ein. Am Ende finden sie nicht nur sie, sondern auch Leszek, der statt mit Waffen mit Blutplasma gehandelt hat. Osteuropäisches Blut, denn das hat die richtige Blutgruppe. Seine Freundin wird während der erneuten Schießerei mit den Arabern tötlich getroffen, bevor alle festgenommen werden können.

Also wenn man eine Sache über Blutspur sagen kann, dann das der Film echt nicht langweilig war. Hier wird wild um sich geflucht. Scheinbar aus dem Nichts rasen Autos ins Bild und plötzlich wird wild mit Maschinenpistolen geschossen. Gebäude explodieren. LKW-Tanker fangen an zu bluten. Die Ermittler feinden sich gegenseitig an. Es wird abgetaucht in Millieus von Prostution, Waffenhandel, Menschenhandel zur Schwarzarbeit, Bauchtanz in verruchten Kneipen. Blutspur wirkt dreckig. Die Locations genau wie die schnoddrigen Partizipanten, selbst auf Seiten der Kripo.

Das ist dann wohl auch der Grund, warum Blutspur im Giftschrank gelandet ist. Es gab anscheinend Beschwerden darüber, dass das hier alles viel zu brutal ist. Der durchschnittlich Alman ist halt so viel Aufregung zur Pime Time auf den Öffentlich-Rechtlichen nicht gewohnt. Und deswegen war Blutspur dann zehn Jahre lang gespertt, bevor er ab 1999 wieder ausgestrahlt wurde. Sonderlich gut weg kommen die osteuropäischen und arabischen Minderheiten übrigens auch nicht, sondern werden alle als hochkriminell porträtiert. Das war aber wohl eher nicht Grund des Sperrvermerks.

Cream Lemon: Anime’s Early Erotica Classic

In den 80ern waren Videorekorder zu einem Fixpunkt in vielen Haushalten geworden. Nun konnte man Filme auch außerhalb ihrer Kino- oder Fernsehaufführungen bei sich ganz gemütlich zu Hause anschauen. In Japan hatte dies zudem große Auswirkungen auf den Anime-Markt. Die ökonomische Blasen-Hochzeit war noch voll im Gange. Und da waren neue Projekte schnell abgesegnet. Die OVA, Original Video Animation, war geboren. Einzelne Filme oder Folge-per-Folge herausgebrachte Serien, die direkt auf dem Videomarkt ausgewertet wurden.

Das hatte gewisse Vorteile. So konnten jetzt auch eher Nischenprojekte gestartet werden, für die das für eine Kinoauswertung oder Fernsehausstrahlung nötige Massenpublikum nicht da war. Da pro Folge produziert wurde, waren jene Serien schneller einstellbar, wenn sie nicht gut liefen, und machte die individuell verkaufte Folge auf weniger Publikum mehr Umsatz. Nebenbei konnten OVA-Serien zudem Dinge zeigen, die Kinos und das Fernsehen nicht bereit waren auszustrahlen. Darunter natürlich auch Pornographie. Sich endlich ganz heimlich, ohne das es jemand mitbekommt, Pornos bei sich zu Hause über Video anschauen zu können, statt in schmuddelige Pornokinos zu schleichen, gab dem Genre immerhin weltweit einen Boom. Auch im Anime-Bereich.

Die erste OVA ist allerdings überraschenderweise kein Hentai, sondern Mamoru Oshiis Dallos. Wenige Monate später folgte die erste Hentai-Reihe mit dem umstrittenden 6-teiligen Lolita Anime. Der Titel ist ziemlich selbsterklärend, nehme ich mal an. Ein weiteres halbes Jahr später startete dann der absolute Erotik-Klassiker der japanischen Anime-Landschaft: Cream Lemon. Von August 1984 bis Februar 1987 sollten ganze 16 Folgen erscheinen. Wirklich rum war es damit allerdings noch lange nicht. Eine Nachfolge-Serie startete direkt. Es gab Specials und Spinoffs. Erst 1993 legte das Anime nach dutzenden Folgen eine Pause ein, bis in den 2000ern Reboots folgten, sowohl als Anime als auch als Live Action. Selbst Videospiele machten zwischen 1986 und 2002 regelmäßige Auftritte auf japanischen PC-Platformen.

Cream Lemon war also eine große Sache. Mit beliebten wiederkehrenden Storylines wie Escalation oder Ami. Bei letzterem wurde der Hauptcharakter sogar regelrecht zu einem virtuellen Idol ähnlich Tokimeki Memorials Shiori Fujisaki. Die Langlebigkeit lies sich natürlich auch durch das Konzept an sich gut erhalten. Denn Cream Lemon ist eine Anthalogie-Reihe, sprich jede Folge ist eine neue in sich geschlossene Handlung. Mehr oder weniger zumindest, wie gesagt gab es zu den beliebteren Geschichten häufiger auch Folgeepisoden. Aus Kuriosität habe ich mir davon mal die 16 des ersten Laufs angeschaut.

Be My Baby
Die erste Episode ist bereits signifikant, weil Hauptcharakter Ami wiederholt in der Serie auftreten und ihre eigenen Spinoffs bekommen wird. Sie ist in ihren Stiefbruder Hiroshi verschossen, auf den auch alle anderen Mädels an der Schule stehen. Was Ami echt eifersüchtig macht. Als die Mutter der beiden außer Haus ist und Hiroshi Ami unter der Dusche mastubieren findet, kommt es zum ersten Sex zwischen den beiden. Eine fast wholesome Love Story über die erste Liebe, wenn da die Stiefgeschwisterei nicht wäre.

Escalation: Hardcore Tonight
Rie wurde das Herz gebrochen, als sie ihre erste heimliche Liebe, ihren Pianolehrer, mit einer anderen im Bett erwischte. Also lässt sie sich auf ein katholisches Mädcheninternat bringen, um dort ihre schulische Bildung fortzusetzen. Sie verliebt sich sofort in die coole Naomi, die ihre Gefühle erwiedert. Denn Naomi suchte eh nach einer neuen Gespielin für ihre S&M-Eskapaden.

SF Super-Dimension Legend Rall
Was vom Titel her Assoziationen zu Macross aufkommen lässt, ist dann doch näher an Dragon Half dran. Die Episode spielt zwar auf einem fremden Planeten, aber einem der Mittelalter-Fantasy. Ein Bösewicht hat gerade die Prinzessin und ihren komplett weiblichen Hofstaat entführt, und versucht nun aus ihr den Verbleib eines legendären Schwertes via Orgien zu erpessen. Eine Kriegerprinzessin wird drin verwickelt. Alles mit leichter Komik und in einem verniedlicht SD-isiertem Look.

Pop Chaser
Merwürdiger und unsinniger Titel für eine Episode, die in einer postapokalyptischen Amerika-Wüste anfängt. Schnell stellt sich aber heraus, dass auch hier wieder die Komik obsiegen wird. Kopfgeldjägerin Rio macht in New Cansas halt, wo die einzige Bar/Hotel eines voller Angestellter in Schuldmädchenuniform ist. Eine davon überredet Rio gegen die lokale Gang einzugreifen, und bezahlt sie schon mal im Voraus mit lesbischen Liebesspielchen. Alles überraschend trotz enormer Länge der Sexszene durchgehen Softcore verbleibend und sich mehr durch kreative Darstellung auszeichnend.

Amy Again
Die erste Follow-Up Folge. Nachdem ihre Mutter Amy und Stiefbruder Hiroshi am Ende von Be My Baby beim Sex erwischt hat, ist Hiroshi auf ein Internet im Ausland geschickt worden. Amy ist einsam und vermisst ihn. Als ihre Freundinnen sie mit zum Feiern nehmen, verführt der Frauenheld Konou sie. Letztendlich bricht Amy weinend zusammen und erzählt ihren Freundinnen endlich, was Sache ist, die ihr emotionalen Beistand leisten. Wer hätte gedacht, dass eine Episodenhafte Porn-Serie doch so in die Charakterbildung geht.

Escalation 2: Forbidden Sonata
Nachdem Naomi vom Internat abgegangen ist, ist auch Rie furchtbar einsam. Zum Glück wird sie von einer anderen Gespielin Naomis mit zu deren Villa gebracht. Wo die lesbischen BDSM-Orgien vor den Augen von Naomis Vater und Bruder weitergehen. Am Ende der Folge voller üblicher klassischer Musik und katholischer Scham haben die drei Mädels dann ein süßes Beisammensein, bei dem sie über ihre Zukunftswünsche nach dem Internat reden, und das sie immer darüber verbunden sein werden, Naomis Haustiere gewesen zu sein.

Mako: Sexy Symphony
Mako findet alles, was mit Sexualität zu tun hat, irgendwie eklig. Selbst wenn es um den Jungen geht, den sie mag. Besonders merkwürdig ist ein kleines Mädchen auf dem Spielplatz, welches sie regelmäßig auf zweideutige Dinge anredet. Denn sie ist eine Repräsentation Makos, die ihr Sex näherbringen wird. Das ganze Konzept ist ziemlich abgedreht, genau wie die Kamerafahrten über Makos Körper zu deren Selbstbefriedigung.

Super Virgin
Eine Jungfrau zu sein führt in diesem, mit besonders merkwürdigem Charakterdesign gesegnetem, Universum dazu, dass man Superkräfte hat. Die Super Virgins sind die Mädchen und Jungs, die jene Kräfte dazu nutzen, um die Geschlechter weiterhin voneinander zu trennen. Aber auch hier kommt es natürlich irgendwann dazu, dass man sich verliebt und entdeckt, dass aus der liebevollen Verbindung der beiden Seiten die wahre Superkraft erwächst.

Happening Summer
Yuki, welche die Annäherungsversuche ihres Kindheitsfreundes ebenfalls schrecklich findet, wird Akira vorgestellt. Denn der ist der Freund ihrer großen Schwester. Sie verguckt sich ein wenig in den coolen Kerl, aber als er sie verführen will, entdeckt sie eine Seite an Akira, die ihr doch nicht gefällt. Am Ende ist es eben der langjährige Kindheitsfreund, mit dem sie wirklich glücklich werden will. Schon interessant, dass die letzten drei Folgen alle ein wenig damit zu tun haben, dass den Protagonistinnen Sexualität zuwieder ist, gerade als sich pubertär-bedingt ihr sexuelles Erwachen einstellt.

Star Trap
Der Folgentitel ist, auch vom Font her, eine Parodie auf Star Trek. Mit dem die Folge an sich dann absolut nichts zu tun hat. Kanata und Lan, die es mit ihren Superkräften beim Training übertrieben haben, und deswegen auf der Erde zwangsstationiert wurden, bekommen eine Spezialauftrag ihres Kommandantens: Ein lebender Planet ist auf dem Weg zu uns und entführt dabei alle weiblichen Passagiere ihn kreuzender Raumschiffe. Wie die beiden Mädels herausfinden tut er das, weil der Organismus herausfinden will, wie das mit der Fortpflanzung geht. Dies und anderes in einen ungelenken Erklärbär-Monolog am Ende verpackt, damit in der Folge genug Platz für Slapstick und Lesbenaction bleibt.

Black Cat Manor
Es ist die Zeit zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Student Murakami nimmt in einem Zeitungsartikel eine gut bezahlte Aushilfsarbeitsstelle an, die ihn zu einer abgelegenen Villa führt. Dort leben nur noch die Hausherrin, ihre Teenager-Tochter und ein Dienstmädchen. Alle drei chronisch untervögelt. Scheinbar ist Murakami hauptsächlich herbeordert, um genau dies zu ändern. Doch hinter den Orgien versteckt sich ein dunkles Geheimnis um den Tod des vorigen Hausherrens.

Mako: Sexy Symphony Part 2
Wir starten direkt den Tag nach der vorigen Mako-Episode, in der sie ihre Sexualität entdeckt hat. Wie sich herausstellt gibt es plötzlich zwei Repräsentationen ihrer sexuellen Gelüste, und die neue, welche wie eine erwachsene Mako aussieht, will sie zu einer Nymphomanin erziehen. Nur die Liebe ihres Kindheitsfreundes Yuu kann Mako also davor retten, ein Leben als leichtes Mädchen zu beginnen. Ich muss ja echt sagen das die Mako-Episoden nicht so meins sind.

Ami III
Ami hängt ihrem Bruder Hiroshi immer noch interher. Da kommt er überraschend vorbei. Ami ist überglücklich, zumindest solange, bis er einen entgültigen Schlussstrich unter ihre frühere Beziehung setzt. Ami flieht ins Bett von Konou, was sie aber auch nicht glücklicher macht. Das mag nach einer merkwürdigen und unbefriedigenden (pun intended) letzten Episode in der Ami-Storyline klingen. Das liegt daran, dass einen Monat später mit Going on a Journey: Ami Final Chapter ein 40-minütiger Kinofilm erscheinen sollte.

Nalice Scramble
Nalice geht auf die hochmoderne Schule, die ihr Vater leitet, und bei denen Jungs und Mädels strickt voneinander getrennt sind. Außerdem dient sie als mit Powerarmor ausgestatteten Superheldin, wenn es Probleme gibt. Wie aktuell, als drei Mitschülerinnen in Naiziuniform den Campus übernehmen wollen. Macht Nalice Scramble zur bisher abgedrehtesten Comedy der Serie, aber einer nicht mal wirklich sonderlich witzigen.

Super-Dimension Legend Rall: Ramorue‘s Counterattack
Diesmal ist der Name natürlich an den Gundam-Film Char’s Counterattack angelehnt, und hat erneut damit nichts zu tun. Ramorue, der im vorigen Teil besiegt wurde, ist wieder zurück und versucht die Dorfbewohner dahin zu kontrollieren, ihn vollends wiederzuerwecken. Er kann erneut besiegt werden, wobei er das Auftauchen einer Dunklen Königin ankündigt. Eine weitere Rall-Folge, in der sie bekämpft werden muss, gibt es allerdings nicht. Vielleicht erzählt eines der beiden Videospiele diese Story.

Escalation 3: Angel’s Epilogue
Für jedes Jahr der High School eine Folge Escalation. Aus der neu ans katholische Internat gekommenen Rie ist jetzt selbst eine Schulabgängerin geworden. Die sich von einer ihrer Liebesgespielinnen verabschieden muss. Und von ihrer Meisterin Naomi zum Abschluss weitere Lesbenorgien geschenkt bekommt. Nach einigen Episoden, in denen der Sex eher wenig Platz fand, endet Cream Lemon also noch mal mit einer, die fast nichts anderes bietet.

Das war es mit der ersten Serie Cream Lemon, zweieinhalb Jahre nach ihrem Start. So richtig geendet hat die Franchise aber wesentlich länger nicht. Genau genommen ging es sogar nahtlos weiter, denn die erste Episode New Cream Lemon stand bereits in den Startlöchern. Weitere Serien, Spinoffs und Specials sollten bis in die frühen 90er reichen. Bis zum Revival via Anime und Live Action in den 2000ern waren die 90er allerdings durchaus nicht ohne Cream Lemon, denn es gab munter Videospiele. Cream Lemon war wirklich ein großes Ding. Dies lässt sich schlecht bestreiten.

Die beliebteste Geschichte scheint dabei wirklich die Ami-Storyline zu sein. Noch während die erste Serie lief gab es hierzu ein Special und Kinofilm. In 1989 dann eine eigene Spinoff-Serie, die ihrer Geschichte ein alternatives Ende gab. In Videospielform lässt sie sich wiederfinden. Und auch im Reboot gibt es neue Ami-Folgen. Das ursprüngliche Ende habe ich mir aus Interesse dann doch mal angeschaut.

Ami Image: White Shadow ist ein zwischen Ami Again und Ami III erschienenes und spielendes Special. Mehr Clip Show und Musicvideo mit nur wenig neuen animierten Stellen darüber, wie Ami als Idol gescoutet wird. Goin on a Journey: Ami Final Chapter ist dann wirklich das Ende ihrer Geschichte. Der 40-minütige Film wurde übrigens zusammen mit Project A-Ko, einem weiteren Klassiker der 80er gerade im englischsprachigen Raum, als Double Feature in die Kinos gebracht. Das ist nicht so abwegig, wenn man betrachtet, dass A-Ko ursprünglich als Cream Lemon Folge geplant war, bevor das Projekt sich verselbstständigte. Jedenfalls ist das nicht ganz so spannende Ami-Finale dann so ziemlich das, was wir in allen Folgen geboten bekommen. Ami ist einsam und lässt sich durch andere bestimmt durchs Leben treiben. Bis sie sich dann emanzipiert. Sie beendet die Idol-Karriere. Sie macht eindeutig mit Konou schluss. Am Ende sitzt sie im Flieger nach London, um Hiroshi zu treffen.

Was natürlich beim Sichten von Cream Lemon sofort auffällt ist die Diversität der Folgen. Klar sollte es sowieso keine strickt gefolgte Handlung geben. Aber auch sonst gibt es eigentlich keine gerade, thematische Linie. Mal dreht sich alles um die erste Liebe, dann sind wir plötzlich in SciFi-Welten oder haben sogar mal einen kleinen Horror-Einschlag. Viele Folgen sind humorig angehaucht, einige behandeln ihre Charaktere aber auch mit absoluter Ernsthaftigkeit. In manchen geht es fast nur um Sex, bei anderen wirkt das eher noch schnell fünf vor Zwölf eingeworfen, um die Quote zu erfüllen. Es wird teils kreativ mit Kameraperspektiven und Animationsfahrten gespielt. Das macht die Serie doch im Nachhinein interessanter, als ich das erwartet hätte. Super sexy ist der altbackene Stoff freilich vierzig Jahre später nämlich nicht mehr. Zumindest von der Darstellung her, viele der Ideen sind natürlich Klassiker. So ein bisschen die verbotene Liebe zwischen (fast) Geschwistern oder bei kinnky Spielen im katholischen Internat geht ja immer. Ist kein Zufall, dass diese beiden die beliebtesten Handlungen waren, die auch später in Cream Lemon erneut auftauchen werden. Aber wie gesagt, Cream Lemon ist halt auch irgendwo mehr als nur reiner Porn, sondern liefert gern mal richtige Character-Arcs ab. Man weis am Ende der Reihe, wie es in einer Ami oder Rie aussieht und was für eine Reise sie emotional hinter sich haben. Da war ich sehr positiv überrascht von.