The Dragon and the Wolf

Das Ende naht. Mit einer verkürzten siebten Staffel, die nur sieben statt der üblichen zehn Folgen beinhaltet, dafür deren Länge teilweise auf über eine Stunde zieht, statt konstant knapp darunter zu bleiben, sind wir im Vorfinale angekommen. Was natürlich bedeutet, dass verbliebene Storylines und Charaktere weiter zusammengetunnelt werden.

Wobei die drei Stark-Kinder Arya, Sansa und Boredom etwas ab des Geschehens sind. Aber fast die interessanteren Etappen haben. Arya beginnt die Staffel eh ziemlich cool, indem sie jeden Mann des Hauses Frey ermordet, um sich für die Rote Hochzeit zu rächen. Und auch Sansa darf direkt erst Mal Jon Snow vorwerfen, dass Ned und Robb an ihrem eigenen dämlichen Gutmenschtum gestorben sind, welchem Jon vehement nachgeht. Das beweist mal wieder, dass die Starks eigentlich gar nicht so blöd und langweilig sind, denn die Stark Frauen waren schon immer ziemlich stark und toll in der Serie, es sind nur die Stark Männer, bei denen ich Sekunden in eine Szene mit jenen das Interesse daran verliere, was gerade geschieht. Brandon hat es irgendwie geschafft, nun da er der Three Eyed Raven ist, sogar noch langweiliger zu werden. Aber hey, wie Littlefinger versucht die Mädels gegeneinander auszuspielen, und diese ihn letztendlich loswerden, war eine interessante B-Handlung der Staffel.

Dummerweise dreht sich die A-Handlung nun maßgeblich um Jon Snow, den ich wohl tatsächlich bis ins Finale der Serie ertragen werden muss, obwohl seine Figur bereits zehn Mal hätte tot sein sollen, und es einmal sogar bereits war. Der hat mir echt die siebte Staffel mit seiner Präsenz ein wenig verdorben, um ehrlich zu sein. Ich verstehe nicht, was die coole Daenerys in dem kolossalen Langweiler sieht, außer einen optisch ansprechenden One-Night-Stand vielleicht. Und das wir nun herausgefunden haben, dass er nicht nur wie die sechste Staffel offenbarte neben dem Stark-Blut auch Targaryen-Blut in sich hat, sondern auch noch in heimlicher Ehe gezeugt wurde, also legitimer Erbe ist, lässt mich schlimmes ahnen. Wenn Jon Goddamn Fucking Snow am Ende der Serie auf dem Iron Throne landet, kippe ich jeden Tisch in diesem Hause um. Vielleicht erbarmt sich mir auch einer, und macht daraus eine tragische Plotline, in der Daenerys ihren Geliebten ermorden muss, damit er ihr besagten Thron nicht streitig machen kann. Aber dafür hat Jon Snow mittlerweile glaube ich zu viel Plot Armor an. Ich meine mal ernsthaft, es war schon etwas lächerlich, wie er mit seinen Merry Man in den Norden gegangen ist, um einen White Walker zu fangen, sie von einer Übermacht umzingelt wurden, und Jon Snow gleich zwei Mal innerhalb zehn Minuten hintereinander in letzter Sekunde gerettet wurde, zuerst durch Daenerys Dragon Ex Machina, und dann in seinem heroischen Last Stand direkt darauf erneut.

Es ist übrigens erneut niemand gestorben, den ich als Save eingestuft hätte. Littlefinger war eventuell etwas überraschend, aber so richtig die absoluten Zentralfiguren sind noch alle da. Selbst Jaime überlebt gleich zwei Instanzen, zunächst wenn Daenerys mit ihren Drachen seine Armee zerstört, und dann, wenn er sich von Cersei am Ende abwendet, obwohl ich ihm beide Male gute Sterbemöglichkeiten eingeräumt hätte. Aber zentrale Figuren sterben in Game of Thrones halt partout nicht mehr, zumindest nicht in Staffel 6 und 7.

Der Hauptkonflikt der Serie ist nun natürlich der Krieg zwischen Daenerys und Cersei, wer hätte gedacht das im Finale sich mal zwei Königinnen gegenüberstehen würden. Wobei Daenerys so ziemlich das gleiche Problem hat, wie schon die ganze Serie über: Sie könnte so einfach mit ihrer Übermacht die Macht an sich reißen, aber um eben kein Despot wie diejenigen vor ihr auf dem Thron zu werden, kann sie halt nicht einfach alles schnell niederbrennen. Dann verliert sie hier auch noch die Häuser Dorne und Tyrell und einen ihrer drei Dachen, so dass wir mal sehen müssen, ob ihre Entscheidung fair zu spielen nicht ins Wanken kommt. Während der einen Schlacht lässt sie ja bereits eine Hölle aus Feuer und Stahl auf die Lannister-Armeen herniederregnen, was definitiv ein Vorgeschmack dessen ist, was geschehen könnte. Cersei ist sowieso bereit alles und jeden zu ignorieren und zu hintergehen, weswegen sie am Ende der Staffel selbst die Unterstützung ihres Bruders Jaime verliert und nun tatsächlich ganz alleine dasteht. Das politische Geplänkel zwischen den beiden Damen, wann immer Jon Snow sich nicht eingemischt hat, war definitiv auch nicht uninteressant.

Und zum Schluss, der zweite A-Plot, der uns theoretisch die ganze Serie über bereits begleitet, von dem man aber keinem vorwerfen kann, wenn jener ständig wieder zwischenzeitlich vergessen wurde, ist die Bedrohung durch die White Walker. Frost Zombies sind halt einfach nicht so interessant wie Charakterintrigen, und wann immer sich die Serie um sie dreht, geht es mir ein wenig so, wie wann immer ein männlicher Stark die Szene betritt, nämlich mein Interesse fällt deutlich ab. Immerhin hat Jon Snow jetzt mal alle davon überzeugt, dass jene wirklich existieren, Daenerys mit ihrem Drachenfeuer will ihm helfen, und die Viecher haben nach schier endloser Wanderung doch tatsächlich den Wall überquert und Dringen in Westeros ein. Meine Hoffnung ist dennoch, dass jener Part eher einen kleineren Teil der sechs Folgen der Finalstaffel einnimmt, weil ich Game of Thrones ehrlich nicht einschalte, um eine weitere Zombie-Serie zu sehen, auch nicht eine im Mittelalter-Fantasy.

Und das war Staffel 7 für mich. Weiterhin kann ich das Gefühl, welches sich bereits in Staffel 6 eingestellt hat, nicht ganz abschütteln, dass sie nun, wo sie von den Büchern weitestgehend getrennt verläuft, sicherer und vorhersehbarer geworden ist. Investiert bin ich dennoch voll ins Geschehen, solange Jon Snow nicht alles ausbremst, was er hier leider viel zu häufig macht. Auf das er in Staffel 8 sterben mag. Aber vorher wird sein magisches Sperma erst mal Daenerys Unfruchtbarkeit heilen, nehme ich mal an.

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The Winds of Winter

Ab April diesen Jahres wird mit der achten Staffel Game of Thrones sein Ende finden, und ich hinke immer noch hinterher. Vor fast drei Jahren habe ich die Serie zum letzten Mal gesehen, und zwar nicht die damals aktuell laufende sechste, sondern erst die fünfte Staffel. Habe ich da überhaupt noch eine Chance mitzukommen?

Ja, absolut sogar. Von vielen Charakteren wollte mir vielleicht nicht sofort der Name mehr einfallen, sobald sie zum ersten Mal den Bildschirm betraten, aber insgesamt ist die Serie jetzt, wo es rapide gen Finale geht, eine ganze Ecke unkomplizierter geworden. Ich möchte geradezu sagen etwas gewöhnlicher sogar, oder bilde ich mir das nur ein, weil ich weiß, dass sich nicht mehr auf die Bücher gestützt werden kann, sondern die Drehbuchautoren auf eigenem Glatteis schreiben müssen?

Zugegeben beginnt die Staffel für mich nicht unbedingt an den motiviertesten Stellen, sondern bietet in den ersten drei Folgen unter anderem direkt all jene Charaktere, die ich lieber nicht mehr in der Show hätte. Wir beginnen mal wieder an diesem unsäglichen Wall, von dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der langweilige Stark-Abkömmling, der seit gefühlt dreihundert Jahren im Visionen-Baum hockt, ist wieder mit dabei und hockt weiterhin schier ewig im Baum rum. Aus irgendwelchen Gründen gibt es immer noch Szenen mit Jon Snows fettem Freund und seiner Trulla, die ich eigentlich für erfolgreich aus der Serie herausgeschrieben erachtet hatte. Und Jon Snow ist zurück, um wie gewohnt hübsch auszusehen, permanent wie ein getretener Welpe in die Kamera zu blicken, und massiv das Publikum zu langweilen.

Was wäre es so geil gewesen, wenn der wirklich einfach weiterhin tot wäre. Nicht nur, weil ich mit ihm noch nie was anfangen konnte, sondern weil es einem als Zuschauer auch zeigen könnte, dass weiterhin jeder Charakter Fair Play ist, wenn es um ein mögliches Ableben geht. Stattdessen fühle ich mich persönlich so, als hätte ich mittlerweile ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wer ein zu zentraler und wichtiger Charakter ist, um wirklich noch je ernsthaft in Gefahr zu sein, zumindest bis in die finale Staffel überleben wird. Wenn Arya Stark von ihrem Javert durch die Straßen der Stadt gejagt wird, oder wenn Jon Snow im Battle of the Bastards in jede einzelne Falle von Ramsey tappt, hatte ich nie auch nur für eine Sekunde in Betracht gezogen, dass dies wirklich ihr Ende bedeuten könnte. Lang her sind die Tage der Hinrichtung von Ned Stark oder einer Roten Hochzeit.

Aber irgendwann wendet Jon Snow wenigstens dem Wall den Rücken zu. Und auch aus dem Baum kommen wir raus. Wobei das Ableben von Hodor zwar eine gute Szene war, die Begründung, warum er nur dieses eine Wort sagen konnte, aber sowas von dämlich ist. Ich habe aber allgemein Game of Thrones mehr gemocht, als es noch weitestgehend in schnöder Realität verankert war, statt das an jeder Ecke scheinbar ein Seher oder eine Priesterin steht, die irgendwelchen Wortbrei über Religionen, Prophezeiungen und Schicksale von sich geben und eine gewisse magische Vorbestimmtheit eingebracht wird.

Ich konnte die sechste Staffel zumindest nicht schauen, ohne einen leichten Geruch von Scriptwriting 101 in der Nase zu haben. Die Staffel wirkte häufig nicht mehr ganz so überraschend, nicht mehr ganz so fies, einfach etwas vorhersehbarer und mit mehr Genre-Tropes versehen. Wie häufig kommen Charaktere hier in eine extrem brenzliche Lage, nur um in letzter Sekunde gerettet zu werden? Es gibt gleich mehrere Szenen, in denen Daenerys cooles Showmanship zur Machterlangung hinlegt. Und mal ganz ehrlich, wäre dies hier noch Staffel 4 oder so gewesen, wäre Jon Snow mit seinem idiotischen und unüberlegten Heroismus im Battle of the Bastards gestorben und seine genauso dämlich agierende Armee gleich mit, statt mit viel Pathos und einer weiteren Unterstützung in letzter Sekunde zu siegen. Gutmenschentum und Pathos wurden in der Serie bisher häufig bestraft, weil es keine gute Überlebensstrategien sind, während sie in Staffel 6 geradezu zelebriert werden.

Was nicht bedeutet, dass es nicht auch viel Gutes in der Staffel gibt. Genau genommen ist die Serie weiterhin die meiste Zeit über sehr spannend und geil gestaltet. Ich liebe es beispielsweise, wie einfach die Lannisters absolut von der neuen Religion überrannt werden, weil sie es schlichtweg nicht gewohnt sind, es mit jemandem zu tun zu haben, der absolut ehrlich überzeugt von seiner Sache ist, oder was für eine Macht doch selbst einfache Menschen in der Masse erreichen können, wenn sie scheinbar nichts mehr zu verlieren haben, ganz davon abgesehen, wie sehr sich Kults eben um charismatische Anführer aufbauen. Daenerys ist weiterhin eine coole Lady, egal wie aufgesetzt einige ihrer Szenen sein können, ihre großen Gesten sind cool, und auch wenn sie etwas zu einfach aus dem Konflikt mit den Mastern geschrieben wird (sie greifen von sich aus an, statt dass sie hinterher wirklich noch unkomfortablen Frieden mit Sklavenhändlern schließen müsste), so bewegt sie sich auch endlich mal wieder. Einige Tode sind immer noch überraschend, wie beispielsweise die Machtergreifung in der ersten Folge in Dorne, und zeigt sehr gut, warum man die Serie zu schauen begonnen hatte. Die Machtverteilung ist nämlich eben nicht langfristig in Stein gemeißelt.

Dass Best Boi Jorah sich endlich seiner Daenerys offenbaren darf, oder die Freundschaft zwischen Jamie und Brienne sind sowieso ganz schnuckelige Szenen, die immer gehen. Auch hier glaube ich nicht, dass ich mich in früheren Staffeln bei zwischenmenschlichen Freundschaften je so sicher gefühlt habe, dass nicht mindestens einer davon den anderen eventuell zu betrügen plant, doch so ein wenig ernste Freundlichkeit kann auch Game of Thrones nicht schaden.

Und wir bewegen uns nun definitiv stark aufs Ende zu. Spätestens in der letzten Folge scheint alles in Bewegung zu sein. Daenerys ist endlich auf der Überfahrt nach Westeros. Cersei, die zuletzt etwas zum ohnmächtigen Zuschauer verkommen war, brennt im wahrsten Sinne des Wortes alles nieder. Dorne, Tyrell und Daenerys Abgesandter verbünden sich gegen die Lannisters. Jon Snow wird der König im Norden. Der Cast an Charakteren ist stark ausgedünnt, um einiges an Ballast loszuwerden.

Wenn ich also auch während des Verlaufes der zehn Folgen hin und wieder mal eine Augenbraue hochziehen musste (und diese leichte Schwächen im Schreiben sind mehr im Direktvergleich zu den fantastischen ersten Staffeln denn sonstwas), so war ich am Ende wieder voll und ganz gehyped, wie es denn weitergehen wird, wenn die verbliebenen Charaktere aufeinanderzutreffen beginnen.

American Horror Story: Apocalypse

Ein neues Jahr, eine neue Staffel von American Horror Story. Eine Tradition, die so schnell nicht gebrochen werden wird, da die Serie bereits das grüne Licht bis Staffel 10 hat, uns also auf jeden Fall bis einschließlich 2020 erhalten bleiben wird.

Ich hätte dabei nicht gedacht, dass der Untertitel so direkt ist. Aber das ist er. Innerhalb der ersten Folge sorgt ein Ereignis dafür, dass die Welt untergeht, und während der nukleare Winter auf der Oberfläche sein Unwesen treibt, folgen wir nun einer kleinen Gruppe vom Collective ausgewählter (oder sich hineingekaufter, weil so ein Projekt natürlich auch finanziert werden muss) Leute in einem Bunker. Violett für den Apokalypsen-Adel mit besonders herausragenden Genen… oder viel Geld, und Grau für das ihnen dienende Fußvolk.

Im Bunker herrschen unter der schwarz gekleideten Miss Venable allerdings merkwürdig strickte Regeln. Natürlich besteht das Essen in so einer Extremsituation nicht aus besonders tollen Gaumenfreuden, aber kein Interkurs und nur ein Kuss pro Woche? Die Unterkunft ist nicht nur eingrichtet wie im viktorianischen London, sondern auch unter entsprechend puritanischer Leitung. Zumindest bis Michael Langdon auftaucht, der vom Collective stammt, und Psychospielchen mit den Bunkerbewohnern treibt, meinend er würde die Besonderen unter ihnen für eine zentrale Unterkunft auswählen, weil die einzel verstreuten bisherigen von Zombies überrannt werden.

Wie sich herausstellt ist er allerdings der Antichrist, der mit Hilfe der Iluminati die Apokalypse heraufbeschworen hat, und nun die letzten Hexen aus der dritten Staffel umbringen will, die sich ihm noch in den Weg stellen könnten. Außerdem ist er das Baby aus der ersten Staffel. Ich denke mal diesen peinlichen Satz geschrieben haben zu müssen reicht aus, um darzulegen, dass auch Apocalypse die Tradition von reichlich dämlichen Trash der Serie vortführt.

Das Problem für mich ist dabei eher wieder, dass sie häufig einige Durchhänger im Unterhaltungswert hat. Ich fand die ersten vier oder so Folgen im Bunker mit den Animositäten unter den Überlebenden und Langdons Spielchen mit ihren Egos tatsächlich recht gut und es schien in eine interessante Richtung zu gehen. Ich war echt gespannt, was geschehen würde, wenn sie in den neuen Bunker des Collectives gelangen. Das geschieht allerdings nie. Sobald wir herausgefunden haben, dass Langdon der Antichrist ist, springen wir in einen Flashback vor die Apokalypse und wie er aufwuschs, zum jetzigen sich geworden ist, und warum er die Hexen so hasst. In die Apokalypsen-Timeline geraten wir erst wieder für die finale zehnte Folge.

Das war mir ehrlich gesagt eindeutig zu viel Zeit verbracht in dem Teil der Narration, die wesentlich weniger interessant ist. Nur um herauszufinden, dass Michael eine schlechte Kindheit hatte? Dass ihn früher oder später jeder im Stich gelassen hat? Und was ist das Ziel dessen? Sympathie geht schlecht, da er als tatsächlicher Sohn Satans von Anfang an Tiere und Babysitter umgebracht hat, hat aus gutem Grund jeder ihm früher oder später den Rücken zugekehrt. Die umgedrehte Geschlechterdiskriminierung, weil die Hexen auf Grund ihrer größeren Macht auf die Warlocks hinabschauen, war sicher mal ein unterhaltsames Thema, aber auch hier wesentlich länger als erwünscht. Das ist glaube ich einfach das allgemeine Problem: Es ist nicht so, dass im Rückblick nicht interessante Themen zu finden sind, sondern das er einfach viel zu langgezogen ist. Es hätte vollkomen gereicht für drei Folgen in ihm zu verweilen und die drei letzten im Finale der Staffel wieder coolen Ereignissen in der Apokalypse zu gönnen.

Abgesehen davon, dass die Staffel sowieso rechts und links Tode wiederbelebt und sogar Zeitreisen einbringt, um Michael aufzuhalten. Da ist natürlich dann auch ein wenig das Lüftchen an Spannung raus, wann immer jemand in Gefahr ist oder etwas gehörig schief zu laufen beginnt, weil wir jetzt wissen, dass mit genug Magieschmalz alles wieder gerichtet werden könnte. Aber mittlerweile macht American Horror Story eh, was ihm gefällt. Mittendrin haben wir beispielsweise, wenn der Hexentest der 7 Wunder durchgeführt wird, einfach mal, dass die Serie in Stummfilm-Ästhetik umschaltet. Warum auch immer, fand halt jemand eine tolle Idee, egal wie merkwürdig es wirkt. Oder in einer Folge taucht aus dem Nichts Stevie Nicks auf, um einen Song zu singen, und dann nie wieder gesehen oder von geredet zu werden.

Apocalypse ist dabei auch die „Everyone is here!“ Staffel. Sie bringt die vorigen Staffeln mehr zusammen als je eine vorher. Wie gesagt sind die Ereignisse aus Murder House und die Hexen aus Coven wichtig, aber wir machen beispielsweise auch einen Abstecher nach Hotel. Und fast jeder wichtige Charakter aus einer vorigen Staffeln wird irgendwann mal durchs Bild getrieben und vom Originalschauspieler verkörpert. Ja selbst Jessica Lange haben sie zurückbekommen, der wahre Star der ersten vier Staffeln! Die Schauspieler, die nicht für diese Staffel zumindest kurz zurückgekehrt sind, kann man echt an einer Hand abzählen. Das ist natürlich der Vorteil, wenn man eine so erfolgreiche Serie mit weiterhin stabilen Einschaltquoten hat: Man kann sich mehr Cameos leisten. Abgesehen davon kann ich Bryan Murphy nur Respekt zollen, seine Erfolgsserien als Outlets zu nutzen den Traum eines jeden Schwulen zu realisieren: Jede Königin von einer Frau und jedes Sahnestück von einem Mann zu casten, für die er gerade eine Schwäche hegt.

Eigentlich hat sich bei American Horror Story also wieder gar nicht so viel verändert. Die Serie war immer dummer Trash, aber auch immer unterhaltsam, wobei einige Staffeln halt im Unterhaltungswert mehr schwächeln als andere – Apocalypse vorrangig in der zweiten Hälfte.

Chilling Adventures of Sabrina

Ein weiteres aktuelles Netflix Original, über das mehr oder weniger viel geredet wurde, ist Chilling Adventures of Sabrina. Eine fiesere Herangehensweise an die Sitcom Sabrina the Teenage Witch, welche immer wieder zwischen blödem Trash und unterhaltsam-blödem Trash schwankte, jetzt wo dessen Zielgruppe auch erwachsen ist. Damit folgt die Serien-Adaption im Prinzip seinen Ursprüngen in den Archie-Comics, wo die für Kinder und frühe Teens konzipierte Teenage Witch in 2014 ihr edgy Chilling-Reboot bekam.

Ich stehe der Serie dabei eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum einen möchte ich ihr den reinen Unterhaltungswert nämlich nicht absprechen, wodurch ich mich die überschaubaren 10 Folgen nie je gelangweilt hätte. Es ist allerdings schon auffällig, dass sie nicht so gut oder in sich schlüssig geschrieben ist. Und halt manchmal die Edgyness einfach unnötig aufdreht, um sich seinem Alleinstellungsmerkmal und dem „Woah, Sabrina ist jetzt so dark geworden“-Effekt voll auszuschöpfen.

Das große Ding der Serie ist, dass Sabrina in den nächsten Tagen ihren 16. Geburtstag feiert. Die Halb-Hexe darf dann nämlich endlich ihren Namen ins Buch der Bestie eintragen und somit ihr Hexen-Geburtsrecht als Untergebene des Dunklen Lords antreten, um an seiner Macht teilzuhaben. Das Problem, welches sich über dies Story Arc der ersten drei Folgen streckt, ist dabei, dass sie zum einen ihr Leben mit ihren menschlichen Freunden auf der normalen High School und ihren Freund Harvey nicht aufgeben will, von Hexen aber erwartet wird, dass sie keine echten Beziehungen zu Normalsterblichen haben und auch auf ihre eigene Magieschule gehen. Dann kristallisiert sich noch schnell heraus, dass wer an der Macht Lucifers teilhaben will, sich auch an ihn bindet und ihm hörig sein muss, und mit dieser Freiheitsaufgabe hat es Sabrina auch nicht so ganz, zumal nicht sicher ist, welche Tragweite dies haben soll, warum sie darüber belogen wurde, und was so einige Charaktere planen das es ihnen überhaupt so extrem wichtig ist, ausgerechnet Halb-Hexe Sabrina im Buch stehen zu haben.

Sie schreibt natürlich letztendlich zunächst nicht ihren Namen ins Buch und kommt auch aus den daraus resultierenden Konsequenzen fast ein wenig zu einfach heraus, damit der Rest der Staffel geschehen kann. Nun geht sie eben auf beide Schulen, hat sowohl mit ihrem menschlichen wie hexischen Leben zu tun, und die wirklichen Probleme jene in Einklang zu bringen mögen sich eigentlich auch nicht stellen. Stattdessen kommt es eben zu mehreren übernatürlichen Ereignissen und Mysterien, die gelöst werden müssen, wobei allerdings auch viel in die roten Fäden einspielen. Eben warum es dem Dunklen Lord so wichtig ist, dass Sabrina im Buch steht. Was wirklich mit ihren verunglückten Eltern geschehen ist. Was überhaupt das Ziel der mysteriösen Madame Satan sein soll. So wirklich gelöst wird davon allerdings hier noch nichts. Mir wäre es da teilweise manchmal fast lieber, wenn nicht immer wieder zur übergeordenten Handlung gegangen worden wäre, sondern tatsächlich mehr in sich geschlossene Einzelgeschichten erzählt würden.

Um den entsprechend düsteren Edgy-Quotient zu erfüllen sind Hexen in dieser Serie halt im Prinzip einfach Satanisten. In der Schule steht eine Statue von Baphomet (was die Serie auch in Schwierigkeiten brachte, als Randnotiz), sie gehen ein Bündnis mit dem Dunklen Lord für ihre Mächte ein, sie preisen Satan in ihren Gebeten. Manchmal stößt sich das allerdings auch. Tante Zelda scheint sich nie so richtig entscheiden zu können, ob sie nun nett und fürsorglich ist, oder ob sie doch hartgesotten und den Regeln ergeben ist, je nachdem wie der Plot der aktuellen Folge das benötigt. Viele Hexen werden als ganz nette und normale Menschen porträtiert, gerade eben die Spellmans, und dann schüttelt die Serie aber doch schnell mal aus dem Ärmel, dass es kannibalistische Rituale gibt und sie vor Mord nicht zurückschrecken. Besonders wankelmütig ist hier Sabrina auf der zweiten Hälfte der Serie, die mal der ganz liebe Gutmensch ist, und dann doch wieder scheinbar über Leichen zu gehen bereit ist. Dies aber nicht als schlüssigen langsamen Abstieg in einen aus den Schatten geleiteten dunklen Pfad erscheinend, wie das die Serie gerne hätte, sondern schlicht nach Belieben wechselnd, einfach nur für den Überraschungseffekt erscheinend.

Dazu kommen dann noch Plotpunkte, die irgendwie komplett verschwinden, als hätte man sich ursprünglich was bei ihnen gedacht, sie dann aber doch wieder herausgeschrieben. Relativ früh in der Serie entdeckt beispielsweise Sabrinas Cousin Ambrose an einer Leiche (die Spellmans haben ein Bestattungsunternehmen), dass dies ein Warlock ist, der eventuell von einem Hexenjäger umgebracht wurde. Er bekommt dessen Familiar in die Hände und versucht über diesen eventuell hinter das Geheimnis zu kommen. Prompt taucht zur Beerdigung des Warlocks ein heißer Kerl auf, der sich als dessen Ex Lucas ausgibt, mit Ambrose flirtet, und nach einer gemeinsamen Nacht verschwunden aber der Familiar des Warlocks tot ist. Schon sehr eindeutiges Forshadowing meiner Meinung nach. Nur wird der ganze Subplot über einen möglichen Hexenjäger dann komplett aus der Serie gestrichen und auch Lucas taucht erst wieder ganz am Ende auf, und ist plötzlich mit Ambrose zusammen, nur weil der Plot jemanden brauchte, der Ambrose im Finale zurückhält, nicht weil Lucas wirklich ein Charakter in dieser Staffel gewesen wäre.

Oder die Folge, in dem die Spellmans dem Vorstand der Dunklen Kirche und seiner Frau ein Wahrheitsserum einflößen, und dadurch dessen heimliche Vaterschaft zu einem anderen Charakter aufzudecken. Wird nie wieder wichtig, und es hat auch keine Auswirkung auf die Beziehung zwischen ihm und den Spellmans, obwohl man davon ausgehen würde, dass jene jetzt sicherlich wesentlich angespannter ist.

Die finale Viertelstunde ist eh ein Clusterfuck an „Oh edgy! Oh überraschend“ Aha-Effekten und unnötigem Sequel-Bait hoch Zehn, so dass sich für mich die eh schon wackelige Serie da fast komplett an den Nähten aufgelöst hat, und ich fast weniger bereit bin die zweite Staffel zu schauen, statt mehr. Da wird einfach viel kaputt gemacht, und es wirkt einfach mal wieder nicht sonderlich von den Schreibern vorausgeschaut, dass nämlich jene jetzt massiv Probleme haben wird, wie sie dort ansetzen will. Wenn die nicht einfach fast alles davon wegignoriert wie es das anschließende Weihnachtsspecial getan hat.

Natürlich hat die Serie auch ein paar gute Ideen. Beispielsweise den Misogynie-Aspekt. Der gehört bei Geschichten um Hexen ja fast obligatorisch dazu, weil eben die Hexenverbrennungen hauptsächlich dazu da waren, eigenständige und sozial nicht konforme Frauen loszuwerden. Weil es meist so dargestellt wird, dass das Erlangen jener Kräfte nun dazu da ist, aus sozialen Konventionen eher ausbrechen und Unterdrücker bestrafen zu wollen. Da finde ich es beispielsweise ganz interessant, das es in der Serie angesprochen wird, dass sich wirklich die vollen Kräfte über das Buch des Biests zu holen, über den eingegangenen Packt doch wieder nur einem „Mann“ im Dunklen Lord unterstellt wird, der frei über einen verfügen kann. Natürlich ist die Serie prompt wieder nicht ganz gut genug geschrieben, dies immer so interessant zu behandeln. Wenn uns beispielsweise mehrmals gesagt wird, dass auch der Direktor der High School ein unterdrückender Despot sein soll, dies aber nie wirklich durch sein Verhalten untermauert wird. Und das es ja auch Warlocks, also männliche Hexen, gibt, macht es natürlich auch etwas weniger ein starkes Bild.

Von daher kann man sagen, dass Chilling Adventures of Sabrina eigentlich fast aus dem gleichen Grund einen Unterhaltungswert darbietet, wie das thematisch und stilistisch doch eigentlich so sehr gegensätzliche Sabrina the Teenage Witch: Der Trash-Faktor ist da. Ganz so blöd ist Chilling zwar nicht, aber halt doch oft unglaublich schlecht durchdacht und im Verlauf umgeschrieben erscheinend. Es versucht sein „Oh so düster“ etwas zu angestrengt. Die Charaktere sind je nach Notwendigkeit sehr wankelmütig. Aber ja, einer etwas gemeineren Sabrina im Kampf gegen Monster und Magie zu folgen, bei dem eben auch der Horror-Einschlag wirklich zum Tragen kommt, hat selbst wenn man sich der Unzulänglichkeiten der Serie bewusst ist, einen nicht unerheblichen Attraktionsfaktor. Der weitestgehend negative Beitrag von mir soll hier auch eher dazu dienen, nicht zu viel, und schon gar nicht sonderliche Intelligenz, von der Serie zu erwarten, und weniger sie wirklich als unschaubar darzustellen. In dieser Hinsicht nämlich die Erwartungen zu zügeln, hebt letztendlich einfach das Sehvergnügen.

Holidays

Ein weiterer Weihnachtshorrorfilm zu den Weihnachtsfeiertagen? Ja und Nein. Denn bei Holidays handelt es sich um eine Filmanthologie, die sich in ihren 95 Minuten von Jahresbeginn bis Jahresende durch gleich neun Feiertage hangeln wird, von denen Weihnachten (und das kommende Neujahr) nur je einer ist.

Die jeweils kurze Laufzeit geht natürlich dafür Garant, dass jeweils eine geradlinige Idee schnell und schnörkellos umgesetzt gehört, ohne die Dinge unnötig verkomplizieren oder gar je überhaupt zwangsläufig erklären zu können. Manchmal funktioniert Horror so viel besser, im kleinen Brocken eines schrägen Ereignisses. Tatsächlich sind viele der Segmente auch nicht super unheimlich, sondern mit dem Zeigen eines merkwürdigen Ereignisses voll und ganz beschrieben.

Wobei durch die unterschiedlichen Teams hinter den einzelnen Feiertagen auch sehr unterschiedliche Geschichten zustande kommen. Einige davon sind wesentlich gewöhnlicher. Valentinstag beispielsweise dreht sich um eine gehänselte Teenagerin, die in ihren Sportlehrer verknall ist, und ihre Peinigerin im Wahn ermordet, um dem angebeteten deren Herz zum Tag der Liebe zu überreichen. Ganz schwarzhumorig, weil der zum einen tatsächlich einen Fundraiser für Herztransplantate geplant hat, und weil wir einige Szenen durchs schräge Hirn der Protagonistin sehen.

Halloween beispielsweise dreht sich um einen Kerl, der sich Cam-Girls hält, nicht sonderlich nett zu ihnen ist, und deswegen von denen bestraft wird. Was nicht nur ähnlich Valentinstag eine relativ gewöhnliche Story ist, sondern auch ohne dessen Flair daherkommt, ja mehr in Richtung Torture Porn geschrieben zu sein scheint, aber im eigentlich ziemlich zahmen Film davon nicht mal was zeigen darf. Dass die Ereignisse zu Halloween stattfinden ist zudem auch absolut zufällig.

Damit haben es andere „Feiertage“ natürlich einfacher als andere. Muttertag und Vatertag sind beispielsweise auch beide vertreten, und solange eine Mutter bzw. ein Vater in die Handlung eingebunden ist, kann man natürlich machen, was man will. Nicht dass es so wahnsinnig schwer gewesen wäre, ausgerechnet Halloween auf Horror zu münzen.

Wesentlich einfallsreicher kommt beispielsweise St. Patricks Day daher. Die Story beginnt damit, dass eine Lehrerin ihrer Grundschulklasse ein Video über die Ursprünge des Tages zeigt, laut dem St. Patrick Schlangen von der irischen Insel vertrieb, was ein Sinnbild für Ketzer sein soll. Und das Segment endet dann damit, dass sie in einem heidnischen Ritual tatsächlich eine Schlange zur Welt bringt. Rosemary’s Snake nennt eine Ärztin diesen Vorfall sogar direkt fürs Publikum.

Auch in Ostern werden zwei Dinge miteinander verflochten. Ein kleines Mädchen bekommt es nämlich nicht so ganz auf die Kette, warum der Feiertag sowohl sich um einen Hasen, der Schokoeier bringt, dreht, als auch um die Wiederauferstehung Christus. Kinder fragen da natürlich gern viel nach, und die Mutter ist sichtlich irgendwann genervt, warum ihre Tochter nicht einfach die Lügen, die man Kindern schon seit Ewigkeiten erzählt, einfach so schluckt. Jedenfalls bekommt das Mädchen tatsächlich nächtlichen Besuch von… einem Monster welches beide Mythen miteinander verbindet, nämlich ein Mensch mit Jesus-Stigmata und Dornenkrone aber auch mit einem (komplett Fell-/Haarlosen) Hasenkopf.

Eine Konstante der Geschichten, die sich dann doch ergibt, ist definitiv der schwarzhumorige Einschlag. Ob die Pointe jetzt wirklich so wahnsinnig schmunzeln lässt, ist natürlich wieder je unterschiedlich, aber so einen gewissen Kick gibt es immer zum Ende der Geschichte hin. Vielleicht vom Mutter- und Vatertag mal abgesehen, obwohl ich eventuell auch eventuell den Witz bei jenen schlichtweg nicht verstanden habe.

Ein kurzweiliges und spaßiges Unterfangen der mysteriösen Art haben wir also in Holidays zu verzeichnen, bei denen definitiv die Würze in der Kürze liegt. Solange man natürlich nicht absolut beinharten Horror gezeigt bekommen will, wird einem hier also ein nettes Kaleidoskop an Abwechslung geboten.

Red Christmas

Red Christmas ist ein australischer Beitrag in das nicht enden wollende Fass an weihnachtlichen Horrorfilmen. Was für mich als Mitteleuropäer natürlich irgendwie etwas befremdlich wirkt, da die südliche Hemisphäre im Dezember Sommer hat. Die ganze saftig-grüne Pflanzenwelt und sommerlichen Kleider neben Weihnachtsdeko zu sehen, ist von der Stimmung her halt irgendwie strange, wenn man dies so nicht gewohnt ist.

Wir beginnen den Film mit einem Rückblick auf eine Abtreibungsklinik vor 20 Jahren, in der ein religiöser Fanatiker eine Kofferbombe hochgehen lässt und anschließend ein Abtreibungsbaby, welches den Vorgang überlebt hat (man sollte nicht zu lang drüber nachdenken), mit heimnimmt, um es in seinem religiösen Wahn aufzuziehen.

Mittlerweile sind wie gesagt 20 Jahre vergangen und Diane möchte Weihnachten mit ihrer erweiterten Familie verbringen. Es ist ein besonderes Fest, da es das letzte sein wird, welches im Haus, in dem sie mit ihrem verstorbenen Mann ihre Kinder großgezogen hat, gefeiert werden wird. Dass sie es verkaufen und sich die letzten Jahre ihres Lebens mit den daraus erschwinglich gemachten Reisen verbringen will, stößt allerdings gerade einer Tochter schlecht auf, da sie dann auch das Haus verlassen werden muss.

Bald schon hat die Familie allerdings ganz andere Probleme, denn sie bekommen Besuch von einem merkwürdigen Vermummten, der ihnen einen Brief vorlesen möchte. Welcher Dianes Abtreibung zum Thema hat, weswegen die ursprünglich karitativ eingestellte Frau ihn wüst schimpfend wieder rauswirft. So von seiner eigenen Familie enttäuscht, bleibt Cletus natürlich nichts Anderes übrig, als sie nach und nach umzubringen.

Für seine 80 Minuten ist Red Christmas also eigentlich sehr einfach und unkompliziert aufgebaut. Durch den Rückblick zu Beginn ist sowieso gleich klar, was die Absicht von Cletus bei der Familie ist, und warum das schnell aufs Morden hinauslaufen wird. Und da überrascht der Film auch nicht sonderlich. Höchstens interessant sein könnten einige Quirks in der Familie an sich. Beispielsweise ist eine von Dianes Töchtern absolut religiös-verklemmt, hat sich einen entsprechenden Mann angelacht. Und als der eine der anderen Töchter und deren Stecher beim Rammeln erwischt, schaut er voyeuristisch heimlich zu und masturbiert dann später im Wandschrank – scheinbar mehr wegen dem nackten Hintern des Kerls. Darauf wird jedoch nie wieder eingegangen, es ist mehr ein Randgag fürs Publikum.

Was der Film allerdings zum Thema macht ist das Down-Syndrom. Es ist der Grund, warum Diane die Abtreibung überhaupt machte, denn ihr Mann war bereits krank, und mit vier Kindern, von denen bereits eines Down-Syndrom hat, wollte sie sich es nicht aufbürden ein weiteres mit jener Diagnose großziehen zu müssen. Und auch wenn der Film seinem Killer die Behinderung gibt, so muss ihm immerhin zu Gute gehalten werden, dass er überraschend sensibel mit Jerry umgeht, dem ersten Down-Kind von Diane. Insofern als dass er ein ganz normaler Charakter des Filmes ist, auf dessen Kosten keine Witze oder sonstiges gerissen werden.

So ganz retten können die wenigen Quirks in den Charakteren oder in der Regie den Film allerdings nicht. Abgesehen davon, dass einige auch einfach nerven, wie die häufig sehr wackelige und nah rangezoomte Kameraführung, die weniger die Hektik der Situation wiedergibt, als es vielmehr einfach verdammt schwer macht mitzubekommen, was überhaupt abgeht. Wenn dann endlich mal jemand umgebracht wird, dann ist Red Christmas für einen Lacher gut, denn die sind irrsinnig over the top und gleichzeitig gar nicht mal so sonderlich gory. Dazwischen ist der Film halt nicht immer der spannenste, während sich die Familie im Haus verkriecht. Das ist vielleicht auch ein wenig das Problem, denn Red Christmas mag kein schrecklicher Film sein, aber einfach schrecklich blöd zu sein, so dass man sich herrlich drüber amüsieren kann, wäre vielleicht die bessere Alternative gewesen, als das gelieferte Produkt, welches ein Stück weit einfach Eindruckslos vorbeizieht. Von einem witzigen Kill hier und da mal abgesehen stehe ich ihm zumindest sehr ambivalent gegenüber.

Frohes alljährliches Tannenbaummassaker allerseits!

Lestat the Musical

Und noch mal Vampire, dank Anne Rices Vampire Chronicles. Adaptionen der ersten drei Bücher gibt es ja einige. Neben den beiden Filmen auch Comics, Manga, und demnächst anscheinend eine TV-Serie. Jedoch ebenfalls ins neue Jahrtausend, nachdem Rice mit der Serie eigentlich in Hohelied des Blutes abgeschlossen hatte, fällt eine weitere: Ein Musical basierend auf dem zweiten Buch, Fürst der Finsternis (bzw. The Vampire Lestat).

In Produktion seit 2003, also kurz nach der Film-Variante Queen of the Damned, startete es Dezember 2005 für knapp einen Monat in San Francisco. Mitte 2006 materialisierte das Musical nach Änderungen in New York am Broadway. Wo es schlechte Kritiken erntete und knappe zwei Monate später wieder abgesetzt wurde. Die Aufzeichnung des Stückes wurde sukzessive nie auf den Heimvideo-Markt gebracht. Im modernen Zeitalter von Kameras und Internet geht aber bekanntlich nichts verloren, und so lassen sich auf Youtube sowohl wackelige Aufzeichnungen der Broadway-Version wie der ursprünglichen San-Francisco-Variante finden.

Neben der Veränderung einiger Songs und Dialoge, sowie des Bühnenbildes, streicht Lestat am Broadway wohl hauptsächlich jegliche Referenzen auf den Ursprung der Vampire um Akasha und Enkil. Meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, weil dies sowieso erst für Königin der Verdammten wichtig wird, und hier nur unnötiges Beiwerk wäre, welches noch zu nichts führt. Besonders wenn man genauso schlau das eigentliche Buchende herauslässt, welches ein direkter ins dritte Buch führender Cliffhanger ist. Hat schon dem Film nicht gutgetan, beide Bücher von je ca. 600 Seiten nacherzählen zu versuchen, da ist es besser, wenn sich das Musical auf das erste zu beschränken weiß.

Mehr oder weniger zumindest, denn ein zweites Buch muss sich in Lestat dennoch wiederfinden: Das erste, Interview mit einem Vampir. Immerhin ist die Zeit mit Louis und Claudia eine sehr wichtige in der Biographie von Lestat, und kann im zweiten Buch als kurz angerissen abgehandelt werden, weil es eben bereits im ersten ausführlicher behandelt wurde. Im Musical nimmt es einen wesentlich größeren Platz ein, weil eben kein Vorwissen vorausgesetzt werden sollte.

Führt auf der anderen Seite allerdings zum Problem, dass Lestat bei einem Großteil der Ereignisse eigentlich nicht dabei ist, da das erste Buch aus der Sicht von Louis geschrieben ist. Nachdem Claudia also Lestat „umbringt“, verschwindet der aus dem Rest der Geschichte, Claudia sieht er nie wieder, Louis trifft ihn erst auf den finalen Seiten in der Moderne kurz erneut. Das ist dann natürlich etwas, welches im Musical umgeschrieben werden musste, und tatsächlich die größte Abwendung davon, wie die Ereignisse in den Büchern geschehen. Lestat ist im Musical also bei der Hinrichtung von Claudia anwesend, und Armand, der im Musical mehr oder weniger als Bösewicht herhalten muss, der Richter über sie.

Währenddessen ist es hart sich dem Gefühl zu entziehen, dass Interview das bessere Subjekt für ein Musical gewesen wäre. Das Buch ist kürzer, sowohl in Anzahl an Seiten als auch an interner Zeitspanne (besonders wenn man wie hier die weniger wichtigen Präsenz-Teile auslassen und kurz nach Claudias Tod enden würde). Der Cast an Charakteren ist überschaubarer und die Geschichte intimer. Es könnte einfach eine schlüssigere und besser ausgearbeitete Erzählung draus gemacht werden. Es ist auch so, dass Lestat das Musical hauptsächlich in diesem Teil zu glänzen weiß.

Was davor geschieht, also die eigentliche Lestat-Biographie, wirkt zerstückelt und gehetzt. Sein Leben als Mensch ist extrem kurzgehalten. Welches für die Vampirchroniken meist eine wichtige Zeitspanne ist, da die Art und Weise, wie sie gelebt haben, maßgeblich ihre Persönlichkeit und Weltsicht prägt. Eines der größten Probleme ihrer Spezies ist doch immerhin, dass sie sich schlecht neuen Zeiten anpassen können, weil sie in jener feststecken, in der sie als Mensch gelebt hatten. Die meisten Vampire begehen Selbstmord nach wenigen hundert Jahren, weil sie nicht mehr in der Welt zurechtkommen und dem ewigen Stillstand überdrüssig sind. Das Musical startet bereits mit einem erwachsenen Lestat, der die Wölfe umgebracht hat, Drängen seiner Mutter nach Paris zu entfliehen, und kurz darauf ist er bereits ein Vampir. Schnell ein wenig Hadern mit dem neuen Dasein, Mutter und besten Freund wandeln, Armands indoktriniert-mittelalterlichen Vampirglauben zerstören, und irgendwie ist schon über eine Stunde und damit die Hälfte des Musicals rum, wenn er Freund und Mutter verliert, und Marius dramatisch auftaucht. Während noch gar nicht viel geschehen schien.

Marius als Charakter leidet dabei am Meisten darunter, dass jegliche Referenzen zu Königin der Verdammten gelöscht wurden. Wenn der Vorhang sich nach der Pause wieder öffnet, merkt er Lestat über nämlich nur an ihm noch nicht in die Geheimnisse einweihen zu können, und verschwindet auch schon bis zum Finale wieder. Sein dramatischer Auftritt wirkt dementsprechend deplatziert.

Die Schauspielerin von Lestats Mutter Gabrielle, ist übrigens eine der herausragenden Leistungen im Cast. Ihre Rolle ist es auch ein wenig, die letztendlich die erste Hälfte zusammenhält und fürs frühe Finale einen gewissen Abschluss zu bieten weiß, während sie in den Büchern irgendwie schnell in Vergessenheit gerät – nachdem der Freigeist in die Wildnis verschwand sieht Lestat sie dort nur kurz wieder. Jedoch ändert auch dies nichts daran, dass die erste Hälfte des Musicals definitiv schwächelt und für Leute, welche die Bücher nicht kennen, keine richtige Resonanz bieten wird.

Die von Elton John geschriebene Musik hat ebenfalls ihre Höhen und Tiefen. Gabrielles „My Beautiful Boy“ ist beispielsweise ziemlich schwach, Lestats „Sail Me Away“ nicht viel besser, die Duette „Crimson Kiss“ und „Embrace It“ hingegen anständig.

Sich für das Musical wirklich begeistern zu können fällt also etwas schwer, wenn weder Handlung noch Musik wirklich herausragend waren. Es ist auch nicht unbedingt ein markantes Qualitätsmerkmal, dass der beste Teil, wenn das Musical doch endlich an Leben gewinnt, mehr ein Hinweis darauf ist, dass ein anderes Buch die bessere Wahl gewesen wäre.

Digital Devil Story: Megami Tensei

Man vergisst es immer wieder gern zwischenzeitlich, aber ursprünglich ging das ganz erste Megami Tensei aus 1987 auf ein Buch zurück, hat sich dann nur ab dem zweiten Teil klar von denen distanziert. Ich mein, die drei trashigen Groschenromane Digital Devil Story sind sowieso nur in Japan erschienen, und eine inoffizielle Übersetzung reicht ebenfalls nur bis zum Ende des zweiten Bandes. Neben den beiden Videospiel-Adaptionen gibt es allerdings auch eine Anime-OVA.

Wie der Titel Digital Devil Story: Megami Tensei schon verrät, erzählt diese nur das erste der drei Bücher nach, denn nur jener trägt Megami Tensei als Untertitel. Nakajima ist also ein Computergenie, welcher das von ihm geschriebene Dämonen-Beschwörungs-Programm nutzt, um mit Loki einen Pakt zu schließen und sich an Schulschlägern zu rächen. Dummerweise übernimmt Loki seine Lehrerin, damit die etwas weiter Computerpferdestärken einsetzt, auf das von Nakajima gar nicht geplant die Gottheit in der realen Welt materialisieren kann. Im Kampf gegen ihn steht Nakajima auch die Transferschülerin Yumiko zur Seite, denn die beiden sind die Wiedergeburten von Izanagi und Izanami, was nun auch Nakajimas Alpträume ins frühere Leben erklärt.

Viel Fleisch ist zugegeben nicht dran, denn allzu viel geschieht in den sehr kurzen Büchern tatsächlich nicht. Am Ende des ersten Bandes ist Loki besiegt und Set kündigt sich bereits als Antagonist des zweiten an, und die OVA schafft das ohne wirkliche Abstriche in popelige 45 Minuten zu packen. Ich bin geradezu etwas gewillt der ganzen Sache das Prädikat Vergessenswert aufzudrücken. Dies ist nämlich nicht meine erste Berührung mit Digital Devil Story. Ich habe die Videospiel-Adaption von Namco und Atlus in Form von Kyuuyaku Megami Tensei gespielt. Da kann man noch sagen, dass jener Dungeon Crawler letztendlich außer Intro und Charakternamen kaum noch was mit dem Buch zu tun hatte. Aber auch die inoffizielle Übersetzung der ersten beiden Romane habe ich vor vielen Jahren gelesen, sowie diese OVA hier bereits gesehen gehabt. Und konnte mich dennoch an kaum etwas erinnern. Vielleicht liegt es allerdings auch an der langen Zeit und das ich schon sehr viel Mediales konsumiere, welches beständig ältere Dinge aus dem Gedächtnis verbannt.

Tatsächlich ist das Interessanteste am Anime der Look und Feel, und das wahrscheinlich auch nur für solche wie mich, welche die entsprechende Ära miterlebt haben. Es ist witzig die ganzen alten Computer zu sehen, die so viel leisten konnten wie heutzutage ein Smartphone, aber eine ganze Wand einnehmen und quietschend die Bänder ins Rollen bringen. Mit den alten CRT-Monitoren vor sich. Und natürlich das Design einer typischen 80s-Horror-OVA. Von den Charakter- über die Gegnerdesigns. Die Handanimation und der damit einhergehende etwas verwaschene und graustichige Look. Ein wenig Sexyness und ganz viel Blutspritzer und Dämonenfratzen. Und in den Alpträumen, wenn Nakajima als Izanagi von der Mumie Izanamis verfolgt wird, ein Uptempo-Track als Musik, der wirklich nur in einer Horror-Story der damaligen Zeit verwendet sein konnte.

Ob einen das über die immerhin kurzweiligen 45 Minuten an Standard-Cyber-Horror der Ära verhilft, ist dann natürlich von jedem selbst zu beantworten.

Resident Evil: Vendetta

Das Jahr 2017 sah einige neue Aktivität in der Resident-Evil-Franchise. Neben dem Release vom Live Action The Final Chapter und dem neuesten Videospiel Resident Evil 7: Biohazard, kam es nämlich auch zum dritten CGI-Film mit Resident Evil: Vendetta.

Der bringt uns den beliebtesten Charakter der Franchise zurück: Rebecca Chambers! Jetzt Professor Chambers, in einem argen Bruch mit der Suspension of Disbelief. Man hat ja über die Jahre so einigen Blödsinn im Namen von Resident Evil zu schlucken gelernt. Chris boxt einen Felsen? Klar. Ein Zombie-Elefant? Warum nicht. Whesker als Präsident? Ok. Aber „Professor Chambers“ geht dann doch etwas arg weit.

Sie ist sogar ein sehr integraler Charakter des Filmes. Denn ein Zombie-Virus geht um. Wow, in Resident Evil? Nicht doch. Tatsächlich ist es allerdings ein neuer, der die Zombies zu wesentlich effektiveren Waffen macht, da sie von Hersteller Arias kontrolliert werden, und somit nicht einfach jeden angreifen, den sie sehen. Rebecca, das Professoren-Superhin, hat ein Gegenmittel gefunden. Dann sieht sie auch noch aus wie die tote Frau von Arias, dem die Regierung einfach mal die Hochzeit zerbombt hat, woraufhin alle außer ihm starben, was ihn überhaupt zu seiner Zombie-Vendetta verleitet.

Was ich hieran persönlich ganz interessant fand, war die Tatsache, dass Shinji Mikami in einem Interview sagte, dass er passive weibliche Charaktere wie Rebecca gar nicht leiden kann, und nicht im Original Resident Evil haben wollte. Wirft natürlich ein wenig die Frage auf, warum man ihre Rolle im REmake nicht etwas angepasst hat, oder warum Jill in besagtem Spiel in jeder zweiten Cutscene auf den Hintern fällt und von Barry gerettet werden muss. Interessant ist das aber auch im Kontext mit Vendetta, mit dem Mikami natürlich nichts zu tun hatte. Denn Rebecca ist hier ein durchaus sehr starker und sich durchsetzender Charakter, wenn auch wie gewohnt als Medic bzw. Professor keine Kämpferin. Oder zumindest bis sie halb durch den Film durch vom Schurken entführt und zur Damsel in Distress gemacht wird. Da musste ich dann doch etwas schmunzelnd an das Interview denken.

Netterweise hat sie gleich zwei Kerle, die um ihre Befreiung kämpfen. Zum einen Leon, der wie immer in den Filmen leider nicht der DMC-Dante-light Sprücheklopfer und witziges Kerlchen bekannt aus Resident Evil 4 ist, sondern weiterhin relativ selbstmitleidig auf den Grund von Alkoholflaschen schaut, bevor er von Rebecca ins Gewissen geredet bekommt, dass man vielleicht doch mal ein paar Zombies abknallen gehen sollte. Dann stiehlt der Alte aber echt das Rampenlicht, ist Leon doch der Einzige, der hier die coolen Slow-Motion Shots bekommt im Schusswechsel mit Zombies oder auf dem Motorrad gegen Zombie-Hunde. Chris ist auch mit dabei, eigentlich der Charakter, den wir am meisten sehen werden, und absolut goldig in seiner Daddy-Nummer gegenüber Rebecca.

Aus der ganzen Sache damit, zu hinterfragen, ob eine Regierung überhaupt unterstützenswert ist, die viele Unschuldige auf einer Hochzeit umbringen, nur um einen Waffenhändler zu erledigen, macht der Film natürlich letztendlich nichts. Genau wie die beiden Freunde von Arias, Nina Williams für Arme und ihr Hühnen-Vater zwar wichtig aussehen, dies jedoch nie werden. Resident Evil halt, wen kümmert schon die Handlung – den Film an sich sicherlich eher nur auf drittrangiger Stelle. Dafür kommt er dem Rest aber nicht in den Weg.

Er ist nämlich dennoch ziemlich gefällig und vielleicht bisher die beste Film-Inkarnation der Franchise. Einfach weil er ziemlich launig unterhält. Ob es nun die Anfangsszene in der Villa ist, in der Chris mit Einsatzteam durch die dunklen Gänge geht und einer nach dem anderen von Zombie-Kindern zerfleischt wird. Teilweise in atmosphärischer Egoperspektive. Oder dann eben später, wenn die Action so richtig aufdreht, und gegen die Horden an Zombies vorgegangen wird. Dabei immer dämlicher aber auch witziger werdend. Kulminierend in einem Nachkampf Chris vs. Arias, in dem sich die beiden mit Knarren beschießen, aber dauerhaft trotz nächste Nähe verfehlen, weil sie mit Akrobatik und Fisticuffs einander beständig ausweichen. Etwas besser aussehen könnte der Film lediglich, hinkt er doch weit hinter anderen CG-Filmen wie beispielsweise Kingsglaive hinterher.

Resident Evil: Vendetta ist absolut dämlich, aber auch absolut unterhaltend. Prädikat Sehenswert.

Resident Evil: The Final Chapter

Man kann der Resident Evil Film-Franchise so einiges vorwerfen, von minderer Qualität zu schlechter Reputation, aber sicherlich nicht, dass sie nicht profitabel gewesen wäre. Wo ständig Videospiele für Verfilmungen optioniert werden, daraus dann aber gar nicht so häufig etwas wird, oder wenn dann nach einem oder zwei Filmen wieder eingehen, lief Resident Evil immerhin für 14 Jahre und brachte 6 Filme hervor. Plus bereits Gespräche über ein Reboot und weiterer Zusammenarbeit von Capcom, Constantin Film und Paul W.S. Anderson im bereits im Filmen befindlichen Monster Hunter.

Und das, wo die Filme auch noch ein durchgängig überschaubares und relativ konstantes Budget von für Hollywood mageren 40-60 Millionen Dollar hatten, während die Abverkäufe mehr und mehr Gewinn machten. Kurioserweise sinkend im eigenen Land, aber steigend in ausländischen Märkten. Ist vielleicht so ein Ding wie Fluch der Karibik, welches auch nur noch existiert, weil es in China unglaublich an den Kassen klingelt, während der Rest der Welt seit zwei Filmen über die Franchise hinweg ist.

Mit den Videospielen hatten die Filme irgendwie sowieso schnell gar nichts mehr zu tun. Was vielleicht im Grundsatz keine schlechte Idee ist. Die Spiele haben schwachsinnige Charaktere in dämlichen Handlung zu bieten, und sind dann am besten, wenn man sich dessen voll bewusst ist und den Blödsinn regelrecht zelebriert wie ein Resident Evil 4, oder möglichst wenig Handlung bietet wie das erste Resident Evil. Sich stark vom Ursprungsmaterial wegzubewegen hätte hier zumindest die Möglichkeit gegeben, die Filme besser zu schreiben. Dem ist wie wir wissen allerdings nicht so gewesen.

Genau genommen erinnert man sich eh kaum daran, was in vorigen Filmen geschieht, die aber netterweise immer einen schnellen Recap bieten, nach dem zu urteilen sowieso nie viel von Wert geschehen ist. Wobei The Final Chapter ordentlich Backstory zum Ursprung des T-Virus und Umbrella gibt, von denen ich echt nicht sicher wäre, dass dies so direkt überhaupt mal in den vorigen fünf Filmen angesprochen wurde. Nachdem dies das Schlusskapitel ist und so auf die Tochter des Forschers, die als Bildnis für die Computer-KI Red Queen aus dem ersten Teil herhalten durfte, rumgeritten wird, ist sicherlich auch schnell jedem klar, welches Geheimnis hier um Amnesie-Alice gelüftet werden wird.

Ich dachte übrigens auch, dass der vorige Film darauf geendet hatte, dass sich Alice und ihre Company in Washington DC getroffen haben, um ein letztes Gefecht zu schlagen. Keine Ahnung, ob da in der Babypause von Milla Jovovich zu viele Schauspieler für abgesprungen sind, oder was auch immer, aber The Final Chapter erklärt uns, dass dies nur eine Falle von Whesker war und nun ist Alice wieder alleine unterwegs. Die Red Queen kontaktiert sie, meinend dass die letzten tausend menschlichen Überlebenden innerhalb von 48 Stunden aussterben werden, es sei denn, sie kommt zum Umbrella-HQ aus dem ersten Teil im zerbombten Raccoon City zurück, um ein dort gelagertes Antivirus zu entlassen. Wie praktisch.

Ach ja, und Umbrella ist nicht voller Idioten, die keinen Virustest machen können, ohne dabei versehentlich das halbe Land zu infizieren, sondern zumindest in der Filmfranchise dürfen wir herausfinden, dass dies eine gezielt eingefädelte Apokalypse ist. Da die Erde in naher Zukunft durch Umweltzerstörung und Überbevölkerung eingegangen wäre, haben die Umbrella-Obrigen auf eine regenerierende Zombie-Apokalypse gesetzt, während sie sich im Kryptoschlaf auf eine bessere Zukunft der Elite freuen. Klar, warum auch nicht.

Im Prinzip besteht der Film nun aus dem Trip von Alice nach Raccoon City, auf dem sie an Umbrella-Militärs gerät, und auch einen Fight in den Ruinen angekommen gegen Sie mit weiteren Überlebenden hat. Plus dann der Gang durch das wieder aktivierte Sicherheitssystem des unterirdischen HQs.

Alles leidlich unterhaltsam, da die Action nämlich nie wirklich abzubrechen vermag, und man sich um viel mehr sowieso nie zu scheren gewusst hat. Dass das Budget nie wesentlich erhöht wurde, sieht man dabei allerdings leider, denn die CG-Effekte sind weiterhin mau, und allgemein kaschiert der Film viel durch dunkle Shots und verwackelter Kamera, auch in Sachen Action-Chorographie. Zudem sind die Gegnerdesigns halt auch nicht der Bringer, sondern hauptsächlich stinknormale Zombies, an denen sich die Welt vor Jahren tot gesehen hat. Resident Evil verkam relativ schnell zu einem durchschnittlichen und Identitätslosen Zombie-Action, und daran wird auch The Final Chapter nichts mehr ändern. Milla Jovovich hat immerhin wie immer ihren Spaß und Onscreen Charisma, auch wenn man aus ihrer Rolle natürlich nicht viel rausholen kann.

Ich bin einer, der sich nie über die Filme so aufregen konnte, wie das manch anderer vermag. Was aber auch nicht bedeutet, dass ich sie sonderlich gut finde. Für mich dümpelten die alle mehr oder weniger zwischen langweilig bis ganz schaubar dahin. Das ist keine hohe Auszeichnung, aber dann wiederum scheinen die Projekte nie sonderlich ambitioniert gewesen zu sein. The Final Chapter fällt da so ein wenig in den oberen Bereich der niedrig angesiedelten RE-Film-Qualität: Man wird nicht einschlafen, aber den Film nach einer Woche bestimmt schon wieder vergessen haben.