Kamen Riding: Paradise Lost and The First

ava-2710Willkommen zurück in der Welt von Tokusatsu, Seitenbranche Kamen Rider. Bekanntermaßen sind jene Shows ja für kleine Kinder gemacht. Was war der absolute Trend in den frühen 2000ern? Ganz genau „Was wenn Kindermedium, aber edgy?“. Wir hatten düstere Magical Girl Shows, wir hatten fiese Neuerzählungen von Märchen, und auch Tokusatsu-Superhelden machten da mit. Immerhin stammten aus der Zeit die trashig-unterhaltsame Cutie Honey: The Live TV-Serie und der tatsächlich richtig gute Casshern Live Action Film.

Die 2003er-Staffel der langen Franchise nannte sich Kamen Rider 555 (ausgesprochen Faizu, weil Five-Three in japanischer Umschrift Faibu-Suri ist nehm ich mal an). Der alljährlich darauf basierende Film hat den Untertitel „Paradise Lost“ bekommen, einer der Standardtitel, wenn man wichtig und smart klingen will. Die Serie muss allerdings nicht gekannt werden, denn Paradise Lost ist eine alternative Zeitlinie, ein anderer Weg, wie sie hätte enden können.

Alles Wichtige aus der Serie kann sich aus Context Clues zusammengereimt werden, immerhin haben wir es hier mit einer Kinderserie zu tun, das ist schon nicht so schwer. Scheinbar wurde die Erde von einer Organisation mit Namen Smart Brain angegriffen, welche die Menschen zu hörigen Orphnochs macht, die gleichzeitig als eine höhere Evolutionsstufe der Menschheit angesehen werden. In der Serie wird Kamen Rider Faiz wohl gegen deren Pläne, die Erde zu übernehmen, kämpfen und sie zurückschlagen, nehme ich mal an.

In der Kontinuität von Paradise Lost allerdings unterlag Faiz einem Angriff von Smart Brain und gilt als tot. Smart Brain hat die Welt übernommen, die wenigen überlebenden Menschen hocken in Enklaven außerhalb der Orphnoch-Gesellschaft. Ziemlich fiese Situation, in der sie sich also befinden. Tja, sagt das mal den Ureinwohnern von Australien oder Nordamerika. Takumi ist einer jener normalen Einwohner der Enklave. Denkt er zumindest. Bei einer Orphnoch-Attacke gewinnt er nämlich sein Gedächtnis zurück: Er ist Kamen Rider Faiz. Nach dem Angriff wurde er von einem menschlichen Wissenschaftler gefunden und bekam eine falsche Erinnerungen eingepflanzt, damit er bei dessen Tochter bleiben wird. Takumi hat überraschend wenig über jenen immensen Eingriff in seine Selbstbestimmung und Persönlichkeit zu sagen. Aber es gibt ja auch Orphnochs zu verprügeln.

Zumindest fiese Orphnochs, denn der Film etabliert, dass ein paar wenige auch auf der Seite der Menschen sind. Was allerdings mit enormen Spannungen einhergeht. Die menschliche Widerstandsbewegung selbst kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie Takumi als ihren Retter sehen soll, weil er als Faiz erfolgreich gegen Orphnochs kämpfen kann, oder ob sie ihm misstrauen sollen, weil eigentlich nur Orphnochs die Gürtel verwenden können, die einen in Kamen Rider verwandeln.

Das hört sich bestimmt an, als wäre eine Menge los in Paradise Lost. Und zu einem bestimmten Teil ist dem auch der Fall. Zum einen muss natürlich viel über die Welt und in welchem Zustand sie ist überbracht werden. Zwar ist das hier ein Film, der auf sich alleine gesehen werden kann, aber das bedeutet nicht, dass es ein Stand Alone Film ist. Es muss ein wenig erklärt werden, was in der Serie los war, und selbst für Fans der Serie, an welchem Punkt und zu welchem drastischen Ausmaß sich die Welt im Film von jener in der Serie abgespalten hat. Zudem gibt es eine Unmenge an Charakteren und Verwicklungen. Takumi findet sich in einem romantischen Dreieck. Die drei guten Orphnochs zwischen dem Willen den Menschen helfen zu wollen und von ihnen misstraut zu bekommen. Die Leute im Widerstand unsicher, wem sie trauen können.

Erwartungsgemäß gibt es da so einige Verwicklungen, so einige Missverständnisse, einigen Betrug. Es wird viel untereinander gekämpft. Da wirkt der Film manchmal ein wenig überladen, wahrscheinlich weil man alle wichtigen Rollen aus einer längeren TV-Serie erneut unterbringt. Aber alles ist doch relativ einfache und normale Kost, wenn es um einen Film in jenem Thema geht. Von daher ist ihm einfacher zu folgen, als das in der Retrospektive klingen mag.

Besonders gefallen haben mir übrigens die Designs in Paradise Lost. Damit meine ich nicht unbedingt das allgemeine Stage Design oder Takumis schreckliche Perücke, noch nicht mal unbedingt die Kamen Riders, sondern ich fand vor allem die Orphnoch-Designs ziemlich cool. Die weißen Kostüme mit der organisch aussehenden Detaillierung und Designs basierend auf diversen anthropomorphen Tieren sind ziemlich nice.

2005 brachte uns dann Kamen Rider: The First in die japanischen Kinos. Ein Film-Reboot, der eine alternative Erzählweise des allerersten Kamen Riders ist… also der TV-Serie und des Manga von 1971. In einem dann modernen Setting.

Student Takeshi hat ein kleines romantisches Problem. Denn er hat sich ein wenig in Reporterin Asuka, die über seine Forschungen berichtet, verguckt, sie ist allerdings schon mit ihrem Kollegen Katsuhiro verlobt. Doch überraschend ist jenes Problem aus dem Weg geschafft, nachdem Katsuhiro bei einem Überfall der bösen Shocker getötet wird… von Takeshi selbst.

Das hat natürlich einen Grund. Die Shocker kidnappen kompatible Menschen und verwandeln sie in ihre Agenten. Takeshi ist deren jüngstes Opfer, Codename Hopper, erwacht aber zu seiner Menschlichkeit zurück, nachdem er sieht, was er getan hat. Dummerweise hat aber auch Asuka alles gesehen und ist selbstredend nicht so gut auf den Mörder ihres Verlobten zu sprechen. Netterweise geht sie allerdings nicht zur Polizei oder so, sondern stalked stattdessen Takeshi in Hoffnung eine Newsstory zu bekommen. Und dann taucht auch noch ein neuer Kerl in ihrem Leben auf, der genau wie Katsuhiro aussieht. Denn die Shocker haben einfach einen zweiten Hopper gemacht, nachdem sie Takeshi nicht steuern können.

Im Gegensatz zu Paradise Lost ist The First ziemlich geradlinig. Es ist einer jener Filme, bei dem die meisten menschlichen Konflikte, welche die Sache verlängern, hauptsächlich darauf zurückzuführen sind, dass keiner richtig miteinander redet. Aber im Prinzip haben wir eine fiese Organisation, die Leute in sich infiltriert, und ihre Opposition umbringen. Inklusive Asuka, die ihnen auf die Schliche zu kommen versucht. Nun haben wir aber gleich zwei Kamen Rider, die von den Shocker geschaffen sich in Asuka verlieben und natürlich darüber streiten, wer sie bekommen sollte, statt ihr die Entscheidung zu überlassen. Und eine von allem sehr verwirrte Asuka.

In der Theorie zumindest, denn das größte Problem von The First ist, dass die Charaktere ziemlich blasé bei allem erscheinen. Egal wie sehr der Narrativ uns mitzuteilten versucht, wie emotional aufgewühlt sie doch sind, so richtig rüberkommen will das nicht. Ist auch etwas wenig für 90 Minuten Laufzeit, was wahrscheinlich der Grund ist, warum wir ständig Flashbacks zu zwei stationierten Teens in einem Krankenhaus bekommen, die immer etwas perplex die eigentliche Handlung unterbrechen, bis wir am Ende endlich herausfinden, wie jene überhaupt marginal mit hineinspielen.

Kudos allerdings zum Shocker Bat, einer der drei Anführer, die wir hier sehen. Nicht nur hat er entsprechend in seiner Verwandlung einen Fledermaushelm auf und kann via schrecklichem Effekt sogar fliegen, nein selbst in seiner menschlichen Form bleibt er sich treu und trägt ein Dracula-Cape.

Saber + Zenkaiger: Super Hero Senki

ava-2701Heute reden wir mal über Tokusatsu, ein Genre von japanischen Filmen, welches eigentlich keines ist, sondern ein Dachbegriff. Wenn Tokusatsu als Begriff fällt, und dieser überhaupt etwas sagt, dann ist der erste Gedanke immer Japans Superhelden-Filme, wahrscheinlich sogar direkt die westliche Adaption Power Rangers. Doch Tokusatsu steht im Prinzip für alle Live Action Produktionen, die einen hohen Anteil an Special Effects beinhalten. Mecha Shows sind also Tokusatsu und genauso das Subgenre der Kaijus: Monsterfilme a la Godzilla.

Was die Superhelden-Seite angeht, möchte ich immer sagen, dass ich mich damit gar nicht auskenne, bis mir dann wieder einfällt, dass ich doch ein paar gesehen habe. Das bedeutet nicht, dass ich mich dadurch wirklich im Subgenre auskenne, aber immerhin ist es mir auch nicht ganz unbekannt. Ich habe tatsächlich den Beginn von Power Rangers bis zum ersten Film gesehen. Ich mochte es nie, muss ich dabei eingestehen. Aber es war halt eine Show, die zwischen anderen Shows im Samstag-Morgen-Programm für Kinder lief und damals hat man das dann einfach mitgenommen, weil man nicht einfach Youtube, Twitch oder Netflix für interessantere Unterhaltung anschmeißen konnte. Ich habe im alten Blog mal die ersten Folgen vom japanischen Spiderman besprochen, wo er im Prinzip ein Kamen Rider Verschnitt ist. Und die frühen 2000er Reboots von Cutie Honey sowie Casshern habe ich geschaut, wobei gerade letzterer eher ein Arthouse-Film denn reguläres Tokusatsu ist. Cutie Honey: The Live war ebenfalls ziemlich cool. Oh ja, und ich kenne natürlich die Live Action Sailor Moon Serie, die ist im Prinzip auch Tokusatsu.

Allerdings, soweit Power Rangers vor dreißig Jahren nicht zählt, habe ich nie die beiden großen Serien miterlebt. Kamen Rider und Super Sentai, die beiden seit den 70ern laufenden Evergreen Franchises in Japan, den Kindern dort regelmäßig neue Inkarnationen ihres Superheldens oder Superhelden-Teams auf die Bildschirme bringend. Beides aus der Feder des bereits 1998 verstorbenen Shotaro Ishinomori. Doch mehr zufällig bin ich jetzt in Berührung mit ihnen gekommen. Beiden gleichzeitig im film Saber + Zenkaiger: Super Hero Senki, denn jener zelebriert gleichzeitig das 50-jährige Jubiläum von Kamen Rider und das 45-jährige von Super Sentai.

Das führt natürlich dazu, dass ich so einige Momente über ein wenig lost war. Aber irgendwie kann man sich Dinge ja glücklicherweise zusammenreimen. Wie schwer kann es schon sein, bei einer Kinderfranchise mitzukommen?

Also wir starten in einer Weltraumstation, wo der Bösewicht Asmodeus verschiedene Bücher abgreift. Das scheinen die Kamen Rider/Super Sentai Geschichten zu sein. Ok. Also die verschiedenen Shows existieren scheinbar alle zusammen in einer Art Metaversum oder so. Verstehe. Nur sind sie da nur Geschichten in Büchern, oder führen jene tatsächlich in individuelle Parallelwelten?

Scheinbar letzteres, denn Teile des Teames der aktuellen Kamen Rider und Teile der aktuellen Super Sentai verschwinden plötzlich in der jeweils ihrigen Welt und tauchen stattdessen in der jeweilig anderen wieder auf und müssen nun sehen, was Sache ist. Der aktuelle Kamen Rider ist dabei selbst ein Romanautor und die Serie scheint sich darum zu drehen, dass die Geschichten aus Büchern wahr werden können? Oder so ähnlich, denn plötzlich werden die beiden gemischten Teams in klassische japanische Literatur wie die Wolfslegende Hakkenden oder die allseits bekannte Dragonball-inspiration Reise in den Westen gewarpt. Einen jungen Schreiberling namens Shotaro greifen sie dabei auch auf.

Als ich den Film sah, war mir der Name des Creators der Serien noch nicht bekannt, aber es ist ziemlich schnell ziemlich klar, dass Shotaro auf einer Meta-Ebene wichtig werden wird. Und als ich dann fragte, ob der Crossover-Film zu einem Jubiläum oder ähnliches herausgekommen ist, und gesagt bekam, dass es sogar das Jubiläum beider Serien ist, war klar, dass es sich dabei um den Schöpfer handeln würde.

Und so gebiert sich der weitere Film auch dahingehend, dass Shotaro dabei zusehen muss, wie seine späteren Schöpfungs-Superhelden bzw deren aktuelle Inkarnationen von nach seinem Tode, sich mehr und mehr gefährlichen Kämpfen zu stellen haben. Bis Asmodeus ihn dazu überredet, dass Superhelden zu kreieren eine schlechte Idee ist und Shotaro seine Zeichnungen zerstört, was die Rider und Sentai aus der Existenz puffen lässt. Natürlich sieht er später wieder ein, dass die Welt dennoch Superhelden benötigt, die für das Richtige kämpfen, und es kommt im Finale passend zu einer Kampf der Inkarnationen aller bisherigen Kamen Rider und Super Sentai gegen Asmodeus Armee.

Am Ende war ich gar nicht so lost, wie ich dachte, dass ich es wahrscheinlich sein werde. Und das obwohl ich mitten in einen Film geschmissen wurde, der Tribut zu einem halben Jahrhundert gleich zweier Franchises ists. Viele Dinge waren aber ziemlich selbst-erklärend, beziehungsweise Sachen, die man einfach so hinnehmen kann, ohne groß weiter drüber denken zu müssen. Ein wenig Blödsinn und „was ist hier los, wer kämpft jetzt schon wieder gegen wen“ gehört halt einfach auch ein Stück weit dazu. Und der Film war schon ziemlich zügig voranschreitend, so dass keine Langeweile aufkommt, und das Finale mit allen Riders und Sentais ziemlich Hype, auch wenn die mir an sich nichts gesagt haben. Guter Jubiläums-Film.

Wobei mein zynisches Ich natürlich all die vielen Gadgets, die fürs Verwandeln und Superpowern und was weiß ich noch, welche die Kamen Rider und Super Sentai einsetzen, nicht sehen kann, ohne zu denken, dass die alle spezifisch designt sind, um so viel Plastik-Spielzeug wie möglich an die junge Zielgruppe wie möglich zu bringen.

Ich wäre jedenfalls nicht abgeneigt mir mehr Kamen Rider und Super Sentai anzusehen. Aber wahrscheinlich doch nicht via der Serien, sondern weiterhin im Schnellformat durch die Filme.

Anime Quickies: Boys Love in a Band and Yakuza at Home

ava-2697Willkommen zurück oh Freunde der japanischen Zeichentrickkunst. Auch Heute haben wir wieder eine Reihe an Anime auf einmal zu bieten. Allerdings nicht mehrere Einträge in der selben Franchise, sondern fünf eigenständige Serien, zu denen es sich anbietet, sie in relativen Blurbs zu halten.

Beastars Season 2

Die erste Staffel lies ja noch offen, wer der Mörder an der Schule der antropomorphen Tiere ist. In der zweiten Staffel findet das Legosi sogar relativ früh heraus. Und es entwickelt sich ein Psychospielchen zwischen den beiden, da Legosi ihn nicht so einfach auffliegen lassen kann. Währenddessen struggelt Louis damit, von einer Lichtgestalt zum Anführer einer Gang im Schatten der Gesellschaft gewechselt zu sein.

Die Serie ist weiterhin spannend und packend wie eh und jeh. Erneut wird viel das heikle Gleichgewicht im Zusammenleben von Herbivoren und Carnivoren behandelt. Im Gegensatz zur ersten Staffel ist diesmal allerdings die Sexualität kein so zentrales Thema, sondern es geht wesentlich stärker um Freundschaften. Weswegen Haru auch eine eher kleine Rolle hat und stattdessen die Dualität zwischen Legosi und Louis ins Zentrum rückt, die weiterhin gegensätzliche Seiten einer Medaille darstellen.

Jujutsu Kaisen

Yuji ist ein athletischer aber etwas fauler Schüler, der in die okulte Parallelwelt gezogen wird, als er versehentlich ein magisches Artifakt schluckt. Denn der mumifizierte Finger Sukunas nimmt von ihm Besitz. Yuji wird kurzerhand an eine Magieschule umgesiedelt, damit er mit seinen neuen Kräften bei der Dämonenbekämpfung helfen und gleichzeitig unter Aufsicht der Exorzisten bleiben kann.

Jujutus Kaisen ist genau genommen eine recht typische Mainstream-Shonen-Serie mit den üblichen Story-Beats und Charakter-Stereotypen. Davon habe ich schon lange keine mehr gesehen, weil die immer endlos waren. Netterweise sind Anime mittlerweile allerdings kurzweiliger und selbst jene Mainstream-Serien kommen in überschaubaren Staffeln heraus. Das führt zu einem wesentlich besseren Pacing und weniger Füller. Und tatsächlich hat mir Jujutsu Kaisen sehr gut gefallen. Die Serie geht sehr zügig voran (noch vor 15 Jahren hätte man aus den Story-Arcs der ersten Staffel locker drei gemacht), die Charaktere sind sympathisch und vor allem ist die Action wirklich gut animiert und mitreißend.

Dragon Goes House-Hunting

Letty ist ein roter Drache, welche eigentlich zu den mächtigsten Kreaturen in der Fantasy-Welt gehören. Doch Letty selbst ist ziemlich nutzlos und wird letztendlich von seinem Klan rausgeworfen. Also muss er eine neue Bleibe finden. Netterweise trifft er auf Diaria, der ehemalige Dark Lord, der nun Immobilienmakler ist.

Erwartungsgemäß ist Dragon Goes House-Hunting eine ziemlich niedliche kleine Comedy-Serie. Es wird auf der Suche nach der richtigen Unterkunft für Letty auf die üblichen Fantasy-Tropes angespielt und sich über sie lustig gemacht. Alles allerdings ziemlich wholesome, denn Letty ist ein echt netter Typ und Diaria ihm sehr wohlgewollt. Keine besonders mitreißende Must-Have-Serie, aber eine nette fluffige Unterhaltung für zwischendurch.

Given

Ritsuka ist ein musikalischen Wunderkind in einer kleinen Indieband, der ein wenig die Lust an der Musik zu verlieren scheint. Bis er auf Mafuyu trifft, der unbedingt mehr über Musik lernen will und den Ritsuka in die Band aufzunehmen versucht. Wobei sein Interesse an ihm irgendwann romantischen Untertöne annimmt.

Given ist eine sehr nette Coming of Age Boys Love Story. Es geht hauptsächlich auf die Dynamik der vier Jungs der Band ein auf ihren Weg zu ihrem ersten Live Auftritt. Und um die erste Liebe, zumindest die von Ritsuka. Mafuyu hat dabei einen gewissen dunklen Schatten in seiner Vergangenheit, der aufgearbeitet gehört, aber netterweise ist Ausnahmsweise die Homosexualität an sich kein großer Deal. Die wird von allen ziemlich schnell akzeptiert, selbst Ritsukas erste Panik ist mehr „Oh Gott ich bin zum ersten mal verliebt, was mach ich nur“ und nicht „Oh Gott darf ich überhaupt einen anderen Mann lieben“. Insgesamt also auch eine sehr charmant entspannte Serie über die erste Liebe und die Leidenschaft zur Musik.

The Way of the Househusband

Tatsu war mal der berüchtigte „Immortal Dragon“ in Yakuza-Kreisen. Mittlerweile ist Tatsu-Chan aber mit der Büroangestellten Miku verheiratet und hütet das Haus für sie.

Hierbei handelt es sich um eine weitere charmante Komödie, bei der natürlich die meisten Gags auf die Juxtaposition zwischen Tatsus Yakuza-Manierismen und seinem stinknormalen Hausmann-Alltag liegt. Wenn er es lebensbedrohlich wichtig nimmt, es rechtzeitig zum Supermarkt-Sale zu schaffen, oder die Flecken aus der Wäsche zu prügeln. Die Original Net Animation ist dabei allerdings etwas billig gemacht. Es wurden eindeutig einfach die einzelnen Panels des Manga eingescannt, koloriert und dann bestenfalls rudimentär wenn überhaupt animiert. Das schnelle Vorangehen (jede Episode besteht aus mehreren Geschichten) und Voice Acting haucht dem allerdings ganz gut Leben ein und rettet das Comedic Timing bedeutend. Ich fands sehr unterhaltsam.

Project A-Ko times Five

ava-2695Project A-Ko ist ein weiterer der großen Klassiker der 80er. Als ich Ende der 90er meinen Einstieg hatte, gab es noch reichlich Seiten, welche die Komödie hoch lobten. Zumindest jene, welche englische Importe kannten, denn ein Deutschland-Release gab es nicht. Was eventuell auch erklärt, warum schon bereits kurz danach, als die deutschen Releases an Quantität stetig zunahmen, A-Ko schnell an Relevanz und Visibilität verlor. Kurz gesagt ist es ein weiteres jener Anime, welches in den Jahren nach Release jeder kannte, und das dann abrupt aus dem Zeitgeist verschwand.

Eine zusätzliche interessante Sache ist zudem, dass Project A-Ko als eine Episode in der Anthologie an erotischen OVAs Cream Lemon startete. Bekam dann allerdings doch ein gehöriges Upgrade und wurde als 80-minütiger eigenständiger Kinofilm realisiert. Es war sogar ein Double Feature zusammen mit Ami Final Chapter, dem Kinofilm-Ende einer der bekanntesten Cream Lemon Handlungen. Vom Porn ist im finalen Project A-Ko übrigens nichts übrig, höchsten ein oder zwei Szenen mit rausgeholter Titte erinnert noch leicht an den Ursprung.

Die superstarke A-Ko, mit ihrem Groupie und bester Kindheitsfreundin C-Ko im Schlepptau, kommt regelmäßig zu spät zur Schule. Wo die reiche B-Ko bereits auf sie wartet, welche nicht nur seit dem Kindergarten eine Rivalität mit A-Ko pflegt (an die sich jene nicht mal mehr erinnert), sondern auch eine Obsession mit C-Ko entwickelt hat. Hier sei erwähnt das ziemlich viele Cream Lemon Episoden Lesbenspiele beinhalten. Nun besteht der Großteil des Filme aus den ständigen Streitereien und Kämpfen zwischen A-Ko und B-Ko. Bis dann aufs Finale doch ein wenig Handlung hereinkommt. Wenn Aliens auftauchen, die ihre verlorengegangene Prinzessin zurückholen wollen: C-Ko.

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Das Script des ersten Projekt A-Ko ist ziemlich dünn und wie gesagt hauptsächlich auf der eindimensionalen Dynamik der drei Ko-Mädels beschränkt. Der Film ist absoluter Slapstick-Nonsens. A-Ko hat übermenschliche Kräfte, die nie erklärt werden. B-Ko eine Bande an überdrehten Schergen und baut ständig neue Mechs und Power Suits für die Auseinandersetzungen. C-Ko verhält sich wie eine 5-Jährige und schreit und heult ständig. Es gibt unglaublich viele visuelle Anspielungen an Anime aus der Zeit, die zumeist in Vergessenheit geraten sein werden. Wie viel davon Sinn macht sei eh mal dahingestellt. Der Gag bei einer von B-Kos Handlangern ist beispielsweise, dass sie ebenfalls eine 16-Jährige Schülerin sein soll, allerdings wie ein muskulöser Kerl gebaut ist, trotzdem ihre Piepsstimme behält. Ihr Design und Kampf Moves sind dabei direkt Fist of the North Star entnommen. Der Anführer der Aliens ist an Captain Harlock angelehnt und der ganze Gag ist das sie ohne Alkohol nicht funktionstüchtig ist.

Ich muss sagen, dass ich die Energie des Filmes absolut mochte. Er steht nie still, ständig geschieht etwas, und alles ist für die Mitt-80er richtig gut animiert. Mir wurde nie langweilig beim Schauen. Aber gelacht habe ich auch nicht. Ich glaube ich bin mittlerweile über diesen extremen Slapstick- und Referenzen-Humor ohne wirkliche Pointe, der nur auf Randomness und Überdrehtheit setzt, einfach hinweg. Früher war das mal meins. Das 2001er Puni Puni Poemie schlägt beispielsweise genau in die gleiche Kerbe wie Project A-Ko und damals fand ich die OVA zum Wegschmeißen komisch. Von daher will ich jenen Humor nicht unbedingt schlechtreden, aber drüber lachen kann ich zwanzig Jahre später nicht mehr.

Die Popularität des Erstlings führte zu drei direkten Follow-Up Filmen, die allerdings eine wesentlich geringere Laufzeit von 40-55 Minuten aufweisen. Die wurden immer im Westen als OVAs vermarktet und liegen deswegen hauptsächlich im 4:3-Format vor, allerdings sind sie angeblich in Japan in die Kinos gekommen. Würde mich nicht wundern, denn die Animationsqualität ist gleichbleibend hoch. Und es ist dort nicht ungewöhnlich, dass ein Anime-Kinofilm nur 30-60 Minuten aufweist – die werden dann eben in Features mit anderen kürzeren Filmen gezeigt.

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Project A-ko 2: Plot of the Daitokuji Financial Group started damit, dass das crashgelandete Alien-Schiff zu einer Vergnügungsinsel umgebaut wurde. Während die Mädels ihre Sommerferien im Pool etc. verbringen, wollen sowohl B-Kos raffgieriger CEO-Vater wie auch einige weltweite Regierungen die Alien-Technologie für sich gewinnen. Project A-ko 3: Cinderella Rhapsody hingegen findet in den nächsten Frühlingsferien statt. A-Ko und B-Ko vergucken sich beide in den Schönling Kei. Der wiederum nur Augen für C-Ko hat, welche ihn hasst. Anscheinend war der Lehrerin-Charakter relativ beliebt, denn in Project A-ko: FINAL hat sie eine zentralere Rolle. Sie soll sowohl Kei heiraten, was A-Ko und B-Ko natürlich verhindern wollen, als ist auch möglicherweise die zentrale Figur eine Welt-endenden Legende. Was sich als roter Hering herausstellt und nur Screentime füllt.

Wer das erste Project A-Ko mochte, dem werden auch die drei jährlich erschienenen Nachfolger gefallen. Denn die Serie bleibt sich treu. Die Charaktere sind der gleiche Archetyp – was leider bedeutet, dass C-Ko nie aufhören wird nervtötend zu kreischen. Sie sind eine Aneinanderreihung schräger Ereignisse voller Unsinns-Humor. Der narrative Faden scheint etwas stringenter in ihnen, was aber mehr an der kürzeren Laufzeit liegt, statt daran, dass die Handlung wesentlich wichtiger geworden wäre. Aber die Energie bleibt hoch und unterhaltsam, eben wegen der Kürze noch mehr als vorher.

Den vierten Film FINAL zu nennen stellte sich bereits im Jahr darauf als Täuschung heraus, als A-Ko the Versus erschien, im Westen eher als Project A-Ko: Uncivil Wars bekannt. Diesmal sogar tatsächlich eine OVA, was man an der wesentlich niedrigeren Animationsqualität auch sehen kann. Tatsächlich handelt es sich hierbei allerdings um die längste A-Ko Geschichte, denn die zwei 50-minütigen Folgen haben eine durchgängige Handlung.

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Im hiesigen alternativen Universum sind A-Ko und B-Ko befreundet und jagen zusammen Monster in der Wüste. C-Ko hat man zu einem 10-jährigen Kleinkind gemacht, was wesentlich besser zu ihren nervigen Manierismen passt. Sie ist zudem Tochter eines reichen CEO und wird von Piraten für Lösegeld gekidnappt. Fällt jenen aber aus den Händen und in jene von A-Ko und C-Ko. Was entsprechend viel Gerangel mit sich bringt. Bis Aliens auftauchen, die C-Ko haben wollen, um ihre Anführerin wiederzuerwecken, welche das Universum beenden und eine neue Utopie erschaffen soll.

A-Ko the Versus hat sich immer noch den Humor zum Teil beibehalten. Es gibt immer noch übertriebene Funny Faces und jede Menge hin und her zwischen den Charakteren. Diesmal allerdings auch eine definitiv wichtige Sci-Fi-Handlung, in welche das eingebettet ist. Das Problem dabei ist allerdings, dass dadurch A-Ko the Versus irgendwie den Charme der Vorgänger einbüßt. Es kommt einfach daher wie jede generische SciFi-Story mit ein wenig eingestreuten Humor. Ich kann verstehen, warum danach keine weiteren A-Ko Projekte gemacht wurden, denn sicherlich hat the Versus die A-Ko-Fans ziemlich kalt gelassen.

Dirty Pair: On Mission with the Lovely Angels

ava-2691Bei Dirty Pair handelt es sich um eine Reihe an japanischen Light Novels, die seit den 80ern publiziert werden, also einen gewissen langlebigen Klassiker-Status genießen müssen. Wobei hier nicht wie mit Vampire Hunter D jährlich mindesten ein Eintrag auf den Markt geworfen wurde, in knapp 40 Jahren hat es das Dirty Pair auf 9 Bände gebracht.

Bekannter im Westen sind da schon eher die Anime-Adaptionen. Weniger die TV- oder OVA-Serie der 80er, sondern mehr die Filme. Vielleicht noch die drastisch verjüngerte Dirty Pair Flash OVA-Serie der 90er. Wobei es sich bei Dirty Pair um etwas handelt, was ich als vergessenen Klassiker betiteln würde. In den späten 80ern bis in die Mitte der 90er hatten die Filme schon einen gewissen Bekanntheitsgrad als gute SciFi-Komödie, die man sich anschauen kann. Mich würde allerdings wundern, wenn in den letzten 20 Jahren jemand and die Anime gedacht hätte. Wobei das deutsche Anime Label Anime House, die in ihren ersten Releases eher das rausbrachten, was sie als alteingesessene Hasen interessant finden, statt was sich sonderlich gut verkaufen würde, das Dirty Pair dann verspätet 2006 doch auch nach Deutschland brachten.

Mir war zumindest mal nach einer seicht-humorigen Unterhaltung und etwas nostalgisch altem Anime-Konsum. Und deswegen habe ich nach dem Dirty Pair gegriffen. Nicht nach einer der längeren Serien, sondern die drei Filme sind es geworden, die auch die einzigen damals hier releasten Folgen des Duos geblieben sind. Wobei gesagt werden muss, dass es sich nur bei einen der drei Einträge um einen richtigen Kinofilm handelt, die anderen beiden sind einzeln erschienene OVAs.

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Chronologisch nach Erscheinen vorgegangen beginnen wir im Jahr 1985, fünf Jahre nach dem ersten Light Novel, aber noch im ersten Jahr der Anime-Umsetzungen. Neben der TV-Serie erschien nämlich auch die 60-minütige OVA Affair of Nolandia. Hier verschlägt es die beiden Agenten Yuri und Kei auf einen Planeten, der zum Großteil unbewohnbar ist, auf den ein Großkonzern allerdings eine Stadt erbaute, um die Ressourcen auszubeuten, weswegen jener auch die dortige Regierung stellt. Die beiden Mädels sollen ein verschwundenes Mädchen ausfindig machen, die lokale Regierung will die beiden aber lieber wieder loswerden. Allerdings bekommen sie einen Tipp, dass sie es mal im Nolandia-Wald versuchen könnten, wo sie neben magischen Wesen und Visionen auch tatsächlich das Psi-begabt Mädchen ausfindig machen. Allerdings ist der Großkonzern ebenfalls hinter ihr her.

Die erste OVA ist wie gesagt nur 60 Minuten und das merkt man auch. Als Zuschauer wird man direkt in die Handlung geworfen, alles geht unglaublich schnell, scheinbar wird wirklich erwartet, dass wir die beiden Charaktere und ihre Dynamik bereits kennen. Nicht, dass man sich jene nicht auch bald zusammenreimen kann. Die beiden sind Agenten einer Weltraum-weiten Organisation, aber auch berühmt berüchtigt. Während sich die Damen, die sich Space-Bikinis als Arbeitsoutfit ausgesucht haben, selbst als die „Lovely Angels“ bezeichnen, nennt sie jeder andere nur das „Dirty Pair“, weil nämlich wenn sie eine Mission annehmen damit zu rechnen ist, dass viel zu Bruch geht. Die insulare Missions-Story der hiesigen OVA ist auch nicht super schwer verständlich. Aber wie gesagt, mit doch einigen Charakteren, vielen Lokalitäten, jeder Menge Traumsequenzen und Action-Szenen, wirkt alles einfach nur  überhastet und davonrasend. So richtig auf was konzentrieren kann man sich nicht.

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Zur Rettung kommt der vollwertige Kinofilm, Project Eden. Das sicherlich berühmteste Dirty Pair Werk, welches bereist 1986 auf die Leinwände Japans kam und satte 80 Minuten für seine Erzählung parat hält. Die hiesige Mission bringt das Dirty Pair auf einen Planeten, dessen Hauptexport ein wichtiges Mineral ist, weswegen auch hier Großkonzerne das Sagen haben. Im hiesigen Fall gibt es allerdings zwei konkurrierende Unternehmen, die sehr unterschiedliche Meinungen über den Abbau und Verkauf des Rohstoffes haben. Neuerdings kommt es zu Zwischenfällen auf beiden Seiten und merkwürdige grüne Echsenaliens attackieren Arbeiter – beide Unternehmen bezichtigen das jeweilig andere der Sabotage. Yuri und Kei müssen allerdings herausfinden, dass stattdessen ein verrückter Professor dahintersteckt, der das Mineral für eine ultimative Lebensform in Ruheschlaf hält, welches er wiedererwecken will.

Project Eden ist um so vieles besser als Affair of Nolandia. In jeglicher Hinsicht. Es ist immer noch ein schnell voranschreitender Film. Immerhin haben wir es hier mit SciFi-Action und Comedy zu tun. Unsere beiden Mädels lassen nix anbrennen, flux geht es zwischen Schauplätzen, Action-Sequenzen, und Witzelei und Sprücheklopferei hin und her. Dennoch wirkt es in Project Eden alles wesentlich weniger gehetzt. Szenen haben Zeit zu atmen, Dialoge können aufeinander aufbauen. Zudem bekommen Kei und Yuri hier mit Damien auch noch einen Mit- und leichten Gegenspieler geboten, der sie ordentlich auf Trab hält und gute Chemie mit den beiden mitbringt. Als Kinofilm sieht das alles auch super gut aus und ist toll durchanimiert. So richtig schön handgezeichnetes, Alt-Anime-Flair. Project Eden ist total sehenswert als kurzweiliges Missions-Spektakel.

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Damit kommen wir zu einer weiteren 60-minütigen OVA, Flight 005 Conspiracy. Diesmal in 1990 erschienen, was sich auch in einen leicht veränderten, moderneren Zeichenstil gegenüber den beiden Vorgänger auszeichnet. Allerdings weit davon entfernt nicht wiederzuerkennen zu sein wie Dirty Pair Flash vier Jahre später. Diesmal ist ein Flug mit 300 Passagieren auf der Reise zwischen drei Planeten verschiedener Regierungen verschwunden gegangen. Merkwürdig ist dabei, dass niemand davon von Familie als vermisst gemeldet wurde. Abgesehen von einem Professor, dessen Forschung jeder gern in seine Hände bekommen hätte.

Flight 005 Conspiracy ist teils anders and die vorigen beiden Missionen. Die Handlung, wenn auch nicht sonderlich kompliziert, ist politischer. Die OVA insgesamt etwas ernster und weniger humorig. Viel Action gibt es aber immer noch. Und sie hat ein wenig das Problem, welches ich schon bei Nolandia hatte: Alles fühlt sich etwas überhastet und gehetzt an und insgesamt ists dadurch einfach nicht super interessant.

Die beiden OVAs sind also nicht super herausragend und ein definitiver Skip, Project Eden macht aber Laune und sollte sich ruhig reingezogen werden.

Doctor Who: Flux

ava-2688Was das Jahre 2021 angeht, gab es bei Doctor Who in dessen dreizehnten Staffel nach dem Soft-Reboot so einige Änderungen. So ist die Staffel erneut in seiner Folgenzahl verkürzt, diesmal nach bereits sechs Episoden rum. Denn diesmal hat man sich von den finalen beiden Staffeln des Ablegers Torchwood inspirieren lassen: Die ganze Staffel ist eine Miniserie mit einer durchgängigen Handlung. Deswegen auch in der Regel als Doctor Who: Flux bezeichnet, statt als Staffel 13 durchnummeriert zu sein.

Außerdem wurde angekündigt, dass sich erneut in der Serie vor und hinter der Kamera große Änderungen ankündigen würden. Dies ist die letzte vollwertige Staffel mit Jodie Whittaker als Doctor Dreizehn, wie mittlerweile zur Norm geworden dankt die Darstellerin der aktuellen Inkarnation nach drei Staffeln ab. Aber auch Show Runner Chris Chibnall, der wie Whittaker seit der elften Staffel die Zügel in der Hand hielt, wird mit ihr abdanken. Zumindest nachdem beide 2022 noch ein paar Specials spendiert bekommen.

Wobei auf mich die Staffel durchaus den Eindruck erweckte, gar nicht so anders zu sein, wie eine normale, die nur eine etwas stärkeren narrativen Faden hat, wie damals zu Matt Smiths Zeiten zum Beispiel. Viele Folgen wirken immer noch, als wären sie ursprünglich Einzelepisoden gewesen, bei denen man nur ein paar Szenen der Flux-Sache eingeworfen hat, damit jenes Ding wenigstens in jeder Folge mal erwähnt wird. Aber wenn man die Struktur leicht ändern würde, haben sie damit eigentlich nicht viel zu tun.

Das wären vor allen die Folgen 2 bis 4. In einer geht es darum, dass die Doctor während des Krimkrieges auftaucht, doch merkwürdigerweise ist die russische Seite dank einer Zeitanomalie von den Sontarians ersetzt. Die nächste Folge dreht sich immerhin um den Zeittempel, von dem aus die Bösewichter der Staffel aus agieren, wirft aber schnell Doctor und Companions in Flashbacks um ihre Hintergrundgeschichten. Die vierte Episode dreht sich letztendlich um ein Dorf, welches von den Weeping Angels angegriffen wird und sowohl in 1967 als auch 1901 feststeckt. Welche für mich auch die beste Episode der Staffel war, so nebenbei bemerkt.

Wären eben nicht hier und da mal ein paar Szenen eingeworfen, die uns die Bösewichter zeigen, oder kurz erwähnen, dass all diese Zeitungereimtheiten mit dem Flux zu tun haben, welcher unser Universum a la das Nichts aus der Unendlichen Geschichte auffrisst, könnte man schnell vergessen, dass dies eigentlich wichtig sein soll. Zumal diese Szenen eben wirklich nur erscheinen, als wären sie da, um uns an den Hauptnarrativ zu erinnern, aber jenen nicht wirklich weiterbringen. Das ist nämlich irgendwo dann auch meine Hauptkritik an der Staffel. So häufig wie der Hauptnarrativ um Flux, die Divission, und die Swarm-Gegner erwähnt wird, so bruchstückhaft und holprig wird es erzählt. Wirkt irgendwie dünn gezogen und als wäre es nicht genug gewesen, um eine volle Staffel zu füllen. Teils hab ich echt vergessen, warum jetzt überhaupt in jenen Szenen geschieht, was gerade gezeigt wird, und keine Ahnung gehabt, was das jetzt mit Flux und Co. zu tun haben soll. Das alles mag mysteriös wirken sollen, doch irgendwann hat mich die Staffel bei all den scheinbar nichtssagenden ominösen Szenen verloren gehabt.

Was schade ist, denn Doctor Who: Flux hätte durchaus was zu bieten gehabt. Die Idee einer kürzeren, enger gestrickten Staffel finde ich durchaus im Prinzip gut. Jodie Whittaker macht wie immer schauspielerisch das Beste aus der Sache, was rauszuholen ist. Genauso wie sowohl das agieren wie auch das kristalliene Design der Antagonisten echt toll ist. Allgemein wirkt das Design von Flux ziemlich gut, was eventuell auch daran liegt, dass man das Budget eben auf weniger Episoden strecken musste. Doch eben erzählerisch will die Staffel einfach absolut nicht überzeugen.

Academy Weekend – My Octopus Teacher

ava-2679Zum Abschluss kommen wir zu eine Prämiere für diese Wochenenden. My Octopus Teacher hat den einen Oscar gewonnen, für den er nominiert war, nämliche Best Documentary Feature. Ganz genau, wir haben es hier nicht mit einem traditionellen Film, sondern zum ersten Mal mit einer Dokumentation zu tun.

Es ist ein Film von, mit und über Craig Foster. Ein Oktopus kommt auch vor.

Craig Foster filmt bereits seit 20 Jahren Dokumentationen. Und My Octopus Teacher startet damit, dass er Burnout hat. Oder ähnliches. Genau angesprochen worum es sich handelt, wird nie, doch Foster findet keine Freude mehr an seiner Arbeit, kann einfach nicht mehr, und das hat auch negative Auswirkungen auf die Bindung zu seiner Familie. Glück im Unglück ist Foster aber auch ziemlich privilegiert und kann einfach mal über ein Jahr Auszeit nehmen. Das Wochenendhaus der Familie steht zudem an der südafrikanischen Küste. Dort hat er bereits als Kind gern getaucht, und das entdeckt er nun für sich wieder.

Doch nicht nur das entdeckt er dort, sondern auch einen Oktopus. Dessen Verhalten findet er faszinierend, weswegen er ihn nun regelmäßig auf seinen Tauchgängen besucht. Das für Mollusken überaus intelligente Meerestier verliert nach und nach die Scheu zu Forest. Die beiden erforschen die Bucht zusammen. Forest ist da, wenn der Oktopus einen Tentakel an einen Haiangriff verliert und einen neuen wachsen lässt. Wenn er sich einen neuen Unterschlupf sucht. Und auch, wenn sie einen Sexualpartner zum Fortpflanzen findet – das Ende eines Oktopus-Lebens. Und das Ende der gut einjährigen Reise von Foster mit ihr.

Es ist natürlich überaus interessant, diese intimen Nahaufnahmen aus dem Leben des Meerestieres zu sehen. Foster verbringt immerhin fast deren kompletten Lebenszyklus in Ausschnitten mit dem Oktopus. Von daher bekommen wir als Zuschauer auch viele Einblicke darin.

Aber das alleine bringt einem keinen Oscar ein. Stattdessen, zurückkommend auf den Titel, kommentiert Foster, wie das Zusammensein mit dem Oktopus auch ihm in seinem Leben weiterhilft. Was er daraus lernt zu sehen, wie der Mollusk lebt und überlebt. Wie ihn das aus dem Tief in seinem eigenen Leben half. Wie er letztendlich sogar eine neue stärkere Bindung mit seinem Sohn aufbaut, weil der auch am Tauchen Interesse findet. Das macht die Dokumentation menschlicher und bringt sie einem, beziehungsweise einer Award-Jury, direkt näher.

Ich bin darüber manchmal geteilter Meinung. Denn ich bin hier wegen des Oktopus. Dementsprechend finde ich es manchmal etwas fehlplatziert, dass Forest quasi alles auf sich selbst zurückbringen muss. Wenn der Oktopus seinen Tentakel verliert, muss Foster anbringen, wie schlimm das führ ihn ist und wie nachdenklich ihn das macht. Das ist mir dann doch manchmal etwas zu Ich-bezogen. Witzig ist auch, dadurch, dass der Oktopus ein Weibchen ist, es manchmal fast so klingt, als habe Foster eine neue Frau gefunden. Es hilft nicht, dass seine wahre Frau nach einem kurzen Shot zu Beginn nie wieder in der Doku zu sehen ist oder nur erwähnt wird. Das Foster wieder eine bessere Bindung zu seiner Familie gewinnt wird komplett über seinen Sohn getragen. Ich hatte mich zum Ende echt gefragt, ob die beiden überhaupt noch verheiratet sind und uns die Doku nicht schlichtweg eine Scheidung verschweigt, weil es nicht ins Narrativ passt.

War jedenfalls eine interessante und gut gefilmte Doku. Für mich persönlich hätte aber eben ein bisschen weniger Egotrip mitschwingen können.

octopusteacher

Academy Weekend – Promising Young Woman

ava-2678Als ich durch die Liste der letztjährigen Gewinner gegangen bin, habe ich Promising Young Woman direkt wegen des Titels und des Poster rausgesucht, ohne wirklich zu wissen, worum es geht. Es sprach mich einfach direkt an. Der Film war übrigens für fünf Awards nominiert, letztendlich bekam er den für Best Original Screenplay für Schreiberin (und Regisseurin) Emerald Fennell.

Wir starten mit Cassie, einer hübschen Blondine, die total betrunken in einem Club fast vom Stuhl rutscht. Ein paar Typen machen sich lustig über sie und das sie es ja geradezu herausfordert. Nur einer aus der Gruppe meint, sie sollen nicht so sein, und hilft Cassie dabei ein Taxi zu rufen. Allerdings überlegt er es sich auf der Fahrt anders, nimmt sie doch mit zu sich nach Hause, wo er mit der total weggetretenen Frau Sex haben will. Bis Cassie im zeigt, dass sie überhaupt nicht betrunken ist, sondern er in ihre Falle ging.

Stellt sich heraus, Promising Young Woman ist ein Film der Sparte Rape-Revenge. Ein Subgenre, dass eigentlich mit den Exploitation Movies der 70er und 80er mehr oder weniger ausgestorben und nicht mehr wirklich zeitgemäß ist. Mit wenigen Ausnahmen wie das 2002er Irreversibel mal abgesehen, welchem es aber auch hauptsächlich auf Shock Value ankam.

Überraschend also, dass solch ein Film überhaupt noch gemacht wird, und vor allem es in die Oscar-Verleihung schafft. Nun, dies tat er, in dem er ein modernes Herantasten an die Thematik ist, geschrieben und unter Regie einer Frau entstanden.

Beispielsweise exploited der Film die Vergewaltigung nie. Es gibt keine große Szene, bei der voll draufgehalten wird. Cassie ist auch nicht das Opfer. Es ist ihre beste Freundin seit Kindheitstagen, die während des Colleges betrunken auf einer Party vergewaltigt wurde und sich anschließend das Leben nahm. Wir treffen das Opfer an sich also nicht, zumindest nicht das direkte Opfer, sondern folgen der Freundin, die zurückgeblieben ist. Später im Film, weil es für einen überraschenden Reveal nötig ist, hören wir kurze Ausschnitte aus einem Video – denn ein Typ hat das alles zum Spaß aufgenommen – aber erneut wird sie uns nicht visualisiert.

Stattdessen folgen wir Cassie, die nie über die Sache hinweggekommen ist. Dass sie nicht da war, um es zu verhindern. Das sie den Selbstmord nicht aufhalten konnte. Jahre sind vergangen, aber es hat sie nicht losgelassen. Als eine Art Rache mimt sie nun am Wochenende in Clubs das einfache Opfer, um die Kerle dann zu erschrecken, wenn sie versuchen Vorteil aus ihre zu ziehen. Bis sie herausfindet, dass der Vergewaltiger ihrer Freundin, der ins Ausland ging, zurück ist und heiraten wird. Ein wunderbares, uneingeschränktes, privilegiertes Leben führt. Was sie daran erinnert, dass es doch viel Sinnvoller ist, sich an den Schuldigen zu rächen. Dem Vergewaltiger. Seinen Kumpels, die zugesehen und ihn angefeuert haben. All diejenigen, die wegschauten und Entschuldigungen hervorbrachten. Diejenigen, welche die Sache unter den Teppich kehrten und dem Kerl aus der Bredouille halfen.

Es geht Cassie dabei aber nicht rein um Rache an sich. Sondern auch um Sühne. Sie setzt sich mit einigen dieser Leute zusammen, konfrontiert sie direkt mit dem, was geschehen ist. Um zu checken, wie sie mittlerweile dazu stehen. Jetzt, wo sie reifer sind und Abstand hatten über alles nachzudenken. Cassie ist durchaus bereit zu verzeihen. Wie wir sehen, wenn sie den Anwalt konfrontiert, der den Kerl rausgeboxt hat. Er bereut, er ist bereit, von ihr seine Strafe zu erhalten. Das wirft Cassie aus dem Gleichgewicht und letztendlich vergibt sie ihm. Alle anderen hingegen bringen die üblichen Entschuldigungen hervor. Niemand sieht sich selbst als der Böse, und so ist alles, was sie können, sich rechtzufertigen. Warum hat die Freundin so viel getrunken? Die Kerle waren doch auch betrunken und wussten gar nicht so recht, was sie da taten. Auf solchen Partys passiert doch ständig was, das war doch ganz normal. Abwiegeln und Victim Blaming rundum.

Bestechend vor allem auch, was die Rektorin der Uni sagt. Es würden nämlich ständig ähnliche Anschuldigungen gegen Studenten hervorgebracht, man kann das doch nicht alles ernst nehmen. Unschuldig bis die Schuld bewiesen, um so einem hoffnungsvollen jungen Mann nicht die Zukunft zu verbauen. Zum einen ist bestechend, dass sie überhaupt nicht hinterfragt, dass es häufig zu solchen Anschuldigungen kommt. Es kommt ihr gar nicht in den Sinn, dass dies auf ein systematisches Problem an College-Kampusen hinweist. Sobald Cassie vorgibt, deren Teenager-Tochter bei einer Bruderschafts-Feier abgesetzt zu haben, ist die Rektorin dann auch direkt nicht mehr so davon überzeugt, dass bei solchen Partys selten schlimmes geschieht. Wie Cassie selbst so schön sagt: „Die Situation ist gleich eine ganz andere, wenn es um jemanden geht, der einem nahesteht, nicht wahr?“. Aber die Szenen ist auch interessant, weil der Titel fällt. Fast zumindest. Denn „Promising Young Men“ ist etwas, was von der Verteidigung in Vergewaltigungsfällen häufig als Phrase benutzt wird. Junge Männer mit so viel Zukunft vor sich, die man doch nicht verbauen kann. Wonach nie jemand fragt sind all die „Promising Young Women“, die wegen sexueller Übergriffe ihre Ausbildung und Karriere aufgeben.

Der Film macht es einem dabei bewusst nicht einfach. Es sind keine schmierigen Kerle, die vergewaltigen. Sondern zum Großteil die „Nice Guys“, die durchaus nett rüberkommen, und dann doch die Situation ausnutzen. Es sind auch nicht nur Kerle schuldig, wir bekommen auch zwei Frauen gezeigt, die weggeschaut haben, als die Anschuldigungen aufkamen. Und es war auch keine Vergewaltigung, bei der die Freundin schön brav beständig Nein geschrien hat. Sie war total betrunken und gar nicht mehr dazu in der Lage. In vielerlei Köpfe herrscht immer noch die Vorstellung, dass sich „angemessen“ gewehrt werden muss, damit es sich um eine handelt.

Und auch, soviel wie man Cassie auf ihrem kleinen Supergirl Feldzug anfeuern will, und wie cool berechnend er daherkommt… der Film macht es dennoch klar, dass dies auch ein ungesundes und selbstzerstörerisches Verhalten ist, welches Cassies Psyche nicht gut tut.

Was für ein Film. Er kam wirklich total aus dem nichts für mich und hat mich hart überfahren. Doch ich bin sehr froh darüber, dass ich ihn herausgepickt hatte.

promisingwoman

Academy Weekend – Soul

ava-2677Es ist mal wieder Oscar-Wochenende, was ich wie jedes Jahr dazu nutze, mir mal drei ausgewählte Filme der letztjährigen Gewinner anzusehen. Horizonterweiterung und so. Wie jedes Jahr haben wir dabei auch den Animationsfilmgewinner dabei, welches mal wieder an Pixar ging. Und diesmal blieb er nicht auf jene Kategorie beschränkt, sondern war auch für Best Sound und Best Original Score nominiert, von dem er letzteren sogar obendrein mitnehmen durfte.

Ich wusste hineingehend nichts vom Film, kannte nur das Poster. Von daher ging ich davon aus, dass es um einen Mann mittleren Alters geht, der eben Soul-Musik für sich entdeckt, beziehungsweise endlich zu seiner Karriere macht. Und so fängt der Film auch an. Joe ist ein Musiklehrer an einer Schule und bekommt endlich eine Festanstellung mit all den Boni, die das so mit sich bringt. Er sollte also froh darüber sein, dass sein Leben endlich finanziell stabil ist. Dem ist aber nicht so, denn Joes Traum war es immer „richtige“ Musik zu machen. Und hey, da ist ihm doch jemand Hold und er bekommt seine Chance den frei gewordenen Slot in einer jeden Abend in Clubs auftretenden Band zu füllen.

Prompt stirbt Joe, da er in einen offenen Gullideckel fällt.

Ab hier geht der Film dann für mich überraschende Wege. Wird quirliger und bunter. Welche Kids wollen schon einem Kerl in seiner Midlife Crisis zusehen, von dahin muss da mehr Humor rein kommen. Joe, nun als Seele, ist gar nicht bereit ins Jenseits einzugehen, jetzt wo er endlich seine große Chance hatte. Also versucht er einen Weg zurück zur Erde zu finden. Und trifft dabei auf das Areal, wo frische Seelen darauf vorbereitet werden, zum ersten Mal geboren zu werden. Er wird Mentor für 22, eine Seele, die sich bisher dagegen sträubte, weil sie das Menschsein für zu dämlich hält.

Nun wird es Joes Auftrag 22 dabei zu helfen einen „Funken“ zu finden. Das besondere etwas, was denjenigen als Menschen antreiben würde – wie die Musik für ihn zum Beispiel. Was unter anderem auch dazu führt, dass 22 in seinem Körper landet und Joe in der einer Katze.

Ich mochte den Film schon sehr. Die Beziehung zwischen Joe und 22 hat beispielsweise eine echte angenehme Dynamik. Quirlig und humorig, aber die beiden verstehen sich auch auf einem gewissen Level. Letztendlich ist die Suche nach 22s Funken auch natürlich Joes Reise die Welt in einem neuen Licht zu sehen.

Denn der Film tut hier etwas interessantes. An einem Punkt schafft es Joe endlich in der Band vor Leuten aufzutreten. Und es ist ein fantastisches Gefühl. Zumindest während des Auftritts. Danach ebbt die Euphorie ab und Joe wundert sich darüber, warum er sich immer noch wie vorher fühlt. Warum seinen Traum zu leben ihn nicht plötzlich rundum erfüllt. Was auch auf den „Funken“ zurückkommt. Denn Joe ist davon überzeugt, dass jener das Lebensziel einer Seelen werden soll. Bis er darüber aufgeklärt ist, dass dies nur ein Teil ihrer Persönlichkeit ist, eine Inspiration, aber eben nicht denjenigen als Menschen komplett ausmacht.

Denn Soul sagt uns, dass es Ok ist, wenn man seine Aspiration lieber als Hobby hat. Oder wenn man es schafft, jenen Lebenstraum nicht zu erfüllen. Denn Soul sagt uns, dass es so viel mehr im Leben gibt. Joe muss lernen, dass Leben an sich wieder lieben zu können. Egal ob er nun in der Band spielt oder nicht. Denn die Musik ist nicht alles im Leben und nicht die einzige Komponente die ihn ausmacht und ihn erfüllen kann. Und ich finde das ist eine nette Message statt jemandem schlicht fürs Gutsein damit zu belohnen, dass dessen größter Traum erfüllt wird, und das war es, Happy End fürs Rest vom Leben.

soulmovie

Doctor Who: Series Twelve

ava-2676Das Neujahresspecial am 1. Januar 2019, welches offiziell noch zur elften Staffel gehört, sollte auch schon die letzte Folge von Doctor Who in jenem Jahr bleiben. Es musste stattdessen auf das Jahr 2020 gewartet werden, bevor die zwölfte Staffel anlief… und auch ziemlich schnell wieder abgeschlossen war. Erneut zehn Folgen zählend, war die Staffel nach einem Neujahresstart bereits am ersten März wieder rum. Wobei Natürlich erneut ein Special im nächsten Jahr drangehängt wurde.

Ich habe mich durch fast das ganze New Who in 2017 geschaut, lediglich Staffel zehn war Anfang 2018 erst durchgezogen und die elfte Staffel fand Mitte 2019 statt. Das ist dennoch mittlerweile fast drei Jahre her. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mittlerweile echt kaum noch eine Ahnung von der Serie habe. Es sei mir also nachgesehen, wenn ich nicht allzu viele Parallelen ziehen kann, sollte dies überhaupt möglich sein.

Nun gibt es auch wieder Mehrteiler, beginnt die Staffel doch direkt mit den zwei Spyfall Episoden. Rund um die Welt werden Spione aller Nationalitäten angegriffen und es stellt sich heraus, dass merkwürdige Lichtwesen dahinter stecken. Zusammen mit dem Master, der wieder da ist, und im Gegensatz zu seiner Missy-Inkarnation diesmal eindeutig antagonistisch der Doctor gegenüber ist. Außerdem spielt noch ein Kerl mit rein, der eine weltweite Social Media Firma gründete und nun die ständig vernetzte Menschheit zu Harddrives für jene Lichtwesen umprogrammieren will.

Es fehlt dem Doppel-Beginn der Staffel definitiv nicht an Action oder hoher Risiken. Und natürlich, wie man dem Namen basierend auf Skyfall sicher entnehmen kann, spielt es ganz charmant hin und wieder damit, die Truppe in Spionagekostüme mit Gadgets zu stecken. Doch irgendwo fühlt es sich auch so an, als hätte man zwei Einzelhandlungen zusammen forciert. Die Lichtwesen sind der Brückenschlag, ok, aber die Handlung um den wiederkehrenden Master und die um die Social Media Firma hätten vielleicht doch jeweils getrennt bleiben sollen. Gerade letztere geht stellenweise unter und der plötzlich gegen Ende kommende Bösewicht-Monolog von wegen „Haha, ihr gebt alle eure Daten jederzeit Preis und lasst euch von euren Handys ausspionieren“, wenn natürlich Realität, ist schon etwas arg plump dick aufgetragen.

In Orphen 55 haben die vier dann einen Urlaub auf einem Spa-Planeten gewonnen, müssen aber schnell feststellen, dass das Resort unter Attacke von Monstern ist. Denn das Hotel befindet sich unter einer Kuppel auf einem Orphen-Planeten, welches von ihren Einwohnern unbewohnt gemachte Himmelskörper sind. Oprhen 55 beispielsweise die Erde der Zukunft.

Als gute alte „eingesperrt mit Monstern“ Episode könnte Orphen 55 durchaus brauchbar sein, wenn es sich nicht etwas übertrieben dramatisieren würde. Es gibt gleich zwei angespannte Eltern-Kind-Beziehungen und nicht weniger als vier heroische Selbstaufopferungen in den knappen 45 Minuten. Schlau genug, die Monster hauptsächlich in Großaufnahme zu zeigen, ist die Episode immerhin. Denn scheinbar können die Schauspieler sich in den Gummikostümen kaum bewegen, bei Ganzkörperaufnahmen wirken sie nämlich sehr klobig und behäbig, egal wie viel die Charaktere meinen, was für eine Gefahr sie darstellen. Die Klimabotschaft ist… man kann sich schlecht gegen sie aussprechen… aber so richtig zünden will sie natürlich auch nicht. Nach dreißig Jahren an Medien, die vor der Klimakatastrophe warnen, in denen sich aber ziemlich gar nix getan hat. Ich bin mittlerweile zu zynisch für diese Messages, wir sind eh verloren.

Nikola Tesla’s Night of Terror hat unsere Truppe auf das sympathisch-altruistisch portraitierte Genie Tesla treffend, hinter dem eine Rasse von Aliens her ist, weil der ihr Schiff reparieren soll. Zudem spielt der antagonistisch geldgierig dargestellte Edison eine Rolle. Und ich weiß ja nicht. Irgendwie war der Plot doch ziemlich dürftig. Immerhin wird am Ende aufgegriffen, wie ungerecht es ist, dass Tesla nie die zustehende Anerkennung zu Lebzeiten bekam. Viel drin steckt in der Episode aber einfach nicht, wenn mein keinen Ständer für den verklärten Archetypen des brotlosen Künstlers hat. Mich muss aber auch sagen, dass historische Who-Episoden für mich häufig etwas lahm sind.

Die dümmlich-schießwütige Polizei-Rhinozeros Rasse ist zurück in Fugitive of the Judoon und auf der Suche nach… einem Flüchtling natürlich. Nach viel hin und her finden wir auch heraus wer das ist, und nach noch mehr hin und her wissen wir und sie selbst auch, wer sie wirklich ist: Der Doctor. Nur welcher? Tja das ist nicht so ganz klar, denn die Episode ist damit beschäftigt, die Mysterien, die den Hintergrund dieser Staffel bilden, zu hinterfüttern. Wir wissen bereits seit Ende der ersten Folge, dass Doctors Heimatplanet vom Master zerstört wurde, der gehintet hat, dass was die Doctor über die Time Lords weiß eine Lüge ist. Nun bekommen wir es mit einem Doctor zu tun, die nicht existieren dürfte, weil beide einander nicht kennen und theoretisch ja eine die Zukunft der anderen sein müsste. Zuguterletzt hat Captain Jack noch einen schnellen Gastauftritt und darf vor dem Lone Cyberman warnen. Es ist natürlich wie immer erheiternd, zwei Doctor-Persönlichkeiten aufeinandertreffen zu haben.

Zurück zu den Episoden mit Klimabotschaft. In Praxeus macht sich an verschiedenen Lokalitäten der Welt ein Virus breit, welches Menschen tötet. Der Zusammenhang? Vögel, die überall dort auftauchen. Wie sich herausstellt steckt ein Alienvirus dahinter, welches basierend auf Plastik lebt. Und dank der Tatsache, dass so ziemlich alles in unserer modernen Gesellschaft auf dem Material basiert, und es sich ökologisch auch nicht komplett abbauen lässt, es überall einfach in die Umwelt geschmissen wird, hat das Virus hier sozusagen einen super Heimatplaneten gefunden. Familiäre Probleme wie in Orphen 55 gibt es übrigens auch wieder, hier durch die bröckelnde Ehe von Jake und Adam. Immerhin hat die Serie ausnahmsweise mal eine Ausrede, warum die Alienkolonie billig budgetiert aussieht, als wäre sie aus Müllsäcken zusammengebaut, denn genau das ist hier der Fall.

Während in Can You Hear Me? die Doctor es mit Monstern in altertümlichen Syrien zu tun bekommt, besuchen die drei Companions Freunde und Familie und haben Alpträume. Denn zwei unsterbliche Wesen machen sich einen Spaß daraus, Leute zu quälen und ernähren sich von ihren Ängsten. Aber die Stärke von Menschen ist es ja, sich ihren Ängsten zu stellen und sich nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen? Oder auch nicht. Die Episode ist hoffnungslos konfus.

Hauptsächlich, weil sie mentale Gesundheit mit hineinbringt. Der Ort in Syrien ist eine Anstalt für geistig Kranke und die Monster die Manifestation der Ängste einer Patientin. Irgendwie vermischt die Episode das halt alles in eine Kategorie „Ängste“, von psychotischen Angstzuständen hin zu lapidaren Alpträume. Genauso wie es ziemlich zweifelhafter Natur ist, eine „überwinde einfach deine Ängste“ Botschaft einzubauen. Das ginge bei einer oberflächlicheren Thematik vielleicht noch an. Gerade wenn es um mentale Gesundheit geht ist „komm halt drüber weg“ kein valider Ratschlag. Selbst der Episodentitel scheint darauf hinzuleiten, dass dies oft ein stummes Leiden ist, dem sich Gehör verschafft werden muss. Und im Epilog scheint die Folge dann auch wieder rückrudern zu wollen, und zu zeigen, dass man externe Hilfe und sich jemandem anvertrauen braucht. Der Freund von Ryan tut das aber einer anderen Gruppe gegenüber, Ryan ist schon wieder mit der Doctor weitergezogen. Und Graham erwähnt der Doctor gegenüber seine Ängste, der Krebs könnte zurückkommen, die dazu aber nichts zu antworten weiß. Es wirkt doch alles etwas dürftig, zumal man hier mehr das Innenleben der Companions, ihre früheren Trauma, und ihr Verhältnis zu ihren Freunden und Familien zentral hätte rücken können.

Die Doctor bringt die Truppe in The Haunting of Villa Diodati an den Ort in der Nacht, in der Marry Shelly die Inspiration zu ihrem Roman Frankenstein, or the Modern Prometheus haben wird. Und landet in einer Nacht, in der die gelangweilten Aristokraten eine Heimsuchung haben. Skeletthände laufen herum, Geistererscheinungen tauchen auf, Treppen führen in sich selbst zurück. Bis dann plötzlich der Lone Cyberman auftaucht, vor dem Jack vor einigen Folgen gewarnt hat, weil er die Informationen sucht, um seine Rasse wiederbeleben zu können. Nette kleine Horrorepisode zu Beginn, mit Implikationen für den größeren Narrativ in der zweiten Hälfte. Wie der Angriff auf die Villa allerdings ausgerechnet den Roman inspirieren soll, ist mir nicht klar. Immerhin ist das Monster in Mary Shelly’s Roman ein veganer liebesbedürftiger Superkerl, der erst durch die Ausgrenzung seines Schaffers zum Monster wird.

Damit geht es ab in die finale Storyline mit dem Zweiteiler Ascension of the Cybermen und The Timeless Children. In jenen fliegt die Doctor mit ihren Begleitern zunächst ans Ende der Cyberkriege, um den letzten menschlichen Überlebenden gegen den Tod durch die letzten Cybermen zu helfen. Alles aber nur ein Auftakt, um in der zweiten Folge mit dem wieder aufgetauchten Master die wahre Handlung zu bringen. Nämlich die große Lüge der Time Lords. Wie sich herausstellt hat einer von deren Ursprungsrasse nämlich irgendwann während ihrer Reisen ein Kind aufgegabelt, bei dem es sich dann irgendwann herausstellte, dass sie zu einer regenerierenden Spezies gehört. Und das haben sie sich dann zu eigen gemacht, selbst die Macht auf Regenerationen erlangt, sich in Time Lords umbenannt und dem Kind eine Gehirnwäsche gegeben. Das Kind ist natürlich der Doctor. Ach ja und der Plan vom Master war die regenerativen Time Lords mit den Cybermen zu verbinden, um eine unbesiegbare Armee zu haben. Die er aber auch bereit ist zu opfern, wenn das bedeutet, dass er unsere Doctor dazu bringen kann, einen kleinen Genozid zu veranstalten.

Die Story bringt immerhin ein bisschen Aufklärung dahingehend, warum unsere Doctor so super special ist, selbst für einen Time Lord, und warum das zwölf Generationen Maximum nicht zieht: Sie ist nicht wirklich einer. Warum das den Master so extrem hart trifft, keine Ahnung, aber dem Master einen super stringenten Gedankengang zu geben, damit beschäftigt sich die Staffel eh nicht. Praktischerweise muss man Charaktermotivationen ja nicht erklären, wenn man ihn dafür super unberechenbar schräg und quirky macht. Der Schauspieler übertreibt es jedenfalls gewaltig und versucht sein bestes Johnny Depp vom zweiten Alice Live Action zu übertrumpfen.

Allgemein wirkt alles in der zweiten Folge ziemlich gehetzt und überkompliziert. Es hätte definitiv geholfen, die Handlung besser aufzuteilen. Das, was in der ersten Folge geschieht auf die Hälfte reduzieren und mit der Offenbarung zu enden, was die wahre Vergangenheit des Doctors und der Time Lords ist. Zugute halten kann ich der Handlung aber, dass sie sich traut die imperialistische Untertöne der Time Lord Agenda anzusprechen. Auch wenn sie dann damit nichts macht, damit der Serie doch noch ein paar Mysterien bleiben können.

Special Time! Nur ist das Special gar nicht so speziell, denn es ist mal wieder Zeit für eine Dalek-Episode. In Revolution of the Daleks nutzt die britische Regierung via Kontrakt einer Privatfirma nachgebaute Daleks als neue Sicherheitsdronen für die Öffentlichkeit. Zumindest verkauft sie das unter jenem Vorwand. Eine Sache, aus der man wirklich was machen könnte. Ein Anstieg von faschistischen Tendenzen in der Politik mit den klar für Faschismus stehende Symbol Dalekt zu verbinden – genau genommen als direktes Symbol für Nazis entworfen, was die Episode auch weiß, denn sie nutzt deren übersteigertes Interesse zur rassischen Reinheit als Trick gegen sie. Aber da hat die Episode irgendwie kein Interesse dran und lässt die Parabel so schnell fallen, wie man als Zuschauer auf sie aufmerksam wird.

Auch trennen wir uns hier von zwei der Companions, allerdings irgendwie ziemlich unzeremoniell. Sie haben einfach genug vom Mitreisen. Was merkwürdig ist, da die ganze Staffel damit gespielt hat, dass die Companions unzufrieden damit sind, dass die Doctor zu viele Geheimnisse für sich behält und dadurch eine emotionale Kluft zwischen ihnen entsteht. Aber auch daraus hat die Serie am Ende der Staffel nichts gemacht. Ich fühle mich ehrlich gesagt sowieso nicht so, als wären mir die aktuellen drei Companions sonderlich nahe gebracht worden, oder als hätte ich sonderlich viel über sie als Person erfahren, als das deren Abschied mich jucken würde.

Und damit ist Season 12 wirklich beendet. Ich zucke hier etwas mit der Schulter. Ansehbar sind die Episoden alle irgendwo mehr oder weniger. Lichter aus und runterrattern. Lichter anmachen muss man nicht, weil sie entweder eh nichts auszusagen haben, oder die aufgebrachte Thematik entweder wieder fallenlassen oder super plump umsetzen. Ein definitives Problem ist häufig zudem, dass sie einen überraschen wollen, jenen Twist aber über ein gutes Narrativ setzen. Oftmals vergeuden sie viel Zeit mit dem Aufbau zu jener Offenbarung und müssen dann anschließend zu viel in die wenigen Minuten Klimax quetschen, die sie noch übrig haben.

Zugute halten möchte ich der Serie aber definitiv das Casting. Nach dem Aufschrei eine Frau als Doctor einzusetzen, hat man sich nicht abschrecken lassen. Stattdessen bekamen wir nicht nur einige Folgen, die uns abenteuerlustige oder erfinderische Frauenrollen gaben, sondern auch einen ethnisch sehr diversen Cast in der hiesigen Staffel.