Assassin’s Creed (2016)

Es gibt mittlerweile so gut wie nichts, was halbwegs Kohle gemacht hat, was nicht die Option auf einen Film bekommt. Ob daraus dann auch wirklich was wird, ist immer so eine Sache, manches verschwindet sofort wieder in der Versenkung, anderes taucht dann eventuell doch wieder auf – der Castlevania-Film, der sofort absackte, ist ja auch kürzlich beispielsweise als Netflix-Miniserie realisiert worden.

Videospiel-Adaptionen haben allerdings einen eher mauen ruf was die Qualität angeht, genau wie deren Zugkraft an den Kinokassen, solange wir zumindest von Hollywood-Adaptionen jener sprechen. Die schon in die Jahre gekommenen zwei Tomb Raiders und die Resident Evil Franchise bestreiten weiterhin mit die Top-Ränge, wenn es um die Einspielergebnisse gibt. So ganz richtig legitim gemacht hat Hollywood Videospieladaptionen jedenfalls immer noch nicht, selbst in Zeiten von Blockbuster Comic-Adaptionen oder selbst einer Themenpark-Attraktionen wie Fluch der Karibik.

Assassin’s Creed ist jedenfalls definitiv ein weiterer Versuch nicht nur endlich die Blockbuster-Wirksamkeit von Videospiel-Adaptionen zu untermauern, sondern jene mehr zu legitimieren, als das ein Resident Evil kann. Mit einigen guten und bekannten Schauspielern, allen voran der Hauptstar Michael Fassbender (der auch einer von ganzen 7 Produzenten des Filmes darstellt, was schon ein gewisses Warnsignal ist). Mit einem Budget hinter der Angelegenheit. Und in dem sich das ganze Ding absolut bierernst nimmt. Das Resultat ist dann ähnlich dem Prince of Persia Film mit Jake Gyllenhaal ein Film der weniger wirklich als schlecht zu betiteln ist, als vielmehr einfach nur ziemlich langweilig.

Ich meine das Ausgangsmaterial hilft definitiv nicht. Ich persönlich habe den ersten Teil, alle drei um Ezio, sowie den dritten gespielt. In jenen fünf Einträgen kam die Serie nur ein einziges Mal nahe daran, eine gute Handlung zu haben, und das war in Assassin’s Creed II. Und auch da nur der historische Part um Ezio, denn der übergeordnete Präsenz-Part der Franchise war schon immer Blödsinn der nirgendwo hin geführt hat. Und selbst bei Ezio ruiniert das Spiel noch viel im finalen Kapitel. Gleichzeitig ist Ezio auch der einzige Charakter in diesen Spielen, der wirklich Charisma hat, statt sterbenslangweilig zu sein. Assassin’s Creed ist hauptsächlich dann launig, wenn man den Scheiß macht, der einen persönlich unterhält, eher weniger während man den Haupthandlungen folgt.

Das ist natürlich von vornherein keine gute Voraussetzung, weil ein Film sich auf Handlung und Charaktere stützt, kein Gameplay enthält welches bei Laune halten könnte. Außerdem trifft der Film nicht die schlaue Entscheidung, auf Ezios Geschichte aufzubauen. Genau genommen erzählt der Film nicht wirklich strickt eines der Spiele nach, denn alle Namen und Lokalitäten sind neben anderen Änderungen nicht kongruent zu ihnen. Jedoch stützt sich all das hier eindeutig wesentlich auf das erste Assassin’s Creed. Ein Spiel mit Nonsens-Handlung und einem Hauptcharakter, dessen Lahmheit nur noch von dem in Assassin’s Creed III übertroffen wird. Außerdem wird sich stark auf den Präsenz-Teil gestützt, was schon immer das schwächste Glied der Spiele war.

Dementsprechend gibt es auch viele neue Hintergründe, um den Blödsinn aus den Spielen zu hinterfüttern und eventuell zu legitimieren. Und mehr zu einem Hollywood-Film zu machen. Beispielsweise ist der Animus nicht mehr eine Maschine, in die man sich einfach hineinlegt, sondern nun ein Ganzkörper-Workout-Virtual-Reality-Gerät, weil das in einem Film cooler aussieht, besonders wenn man während der Einsätze in der Historie immer wieder zu Fassbender im Animus blenden will wie hier. Auch bekommt der nun eine ganze kleine Truppe an Neben-Assassinen, die mit ihm mit kämpfen können, inklusive ein Love Interest zu dessen keine Chemie besteht, aber Hollywood halt. Und eine tragische Geschichte natürlich. Boring McDull in den Spielen war einfach irgendein Barkeeper in einem Hoody, der von Abstergo entführt wurde, weil er vor hunderten von Jahren mal einen Assassinen-Vorfahren hatte. Boring McDull Fassbender-Variante hingegen musste als Kind miterleben, wie seine Mutter von seinem Vater umgebracht wurde, um das Assassinen-Geheimnis vor den Templern zu bewahren – ach ja, Assassine zu sein ist jetzt scheinbar genetisch, einmal einer, schon ist es jeder in deinem Familienstammbaum. So auf die schiefe Bahn geraten wurde er zum Kriminellen, der den Film im Gefängnis und gar in der Todeszelle beginnt (er hat jemanden umgebracht, aber nur einen Zuhälter, was der Film scheinbar für mildernd ansieht), aus dem Abstergo ihn heraus holt. Vielleicht auch, um besser zu erklären, wie sie Boring McDull dort festhalten können, ohne dass es irgendwann mal auffallen würde.

Es wird im Film auch wesentlich klarer gemacht, dass die Assassinen die Guten sind, ein hehres Kredo an vigilanten Außenseitern, die aus den Schatten Gerechtigkeit ausüben und im Gegensatz zu uns Sheepeln die Wahrheit sehen. Während die Templer eindeutig die Bösen sind, weil wann sind die das in einem Hollywood-Film schon mal nicht. Aber die hübsche Wissenschaftlerin macht natürlich all die Experimente nur, um die Gewalt in der Welt zu beseitigen, nicht um mit dem Apfel von Eden jene zu regieren.

Und die ganze Handlung ist wirklich ziemlicher Blödsinn, ziemlich langweilig präsentiert, mit vielen luftigem aber eigentlich stumpfsinnigem Phrasentum, und einer Horde an extrem uncharismatischen Charakteren. Selbst Fassbender kann seinen Boring McDull nie interessant oder charmant machen. Und vor allem gibt es im ganzen Film so gut wie nichts Cooles zu sehen. Kein Parkour in luftigen Höhen. Nur kurze und langweilige Brawls statt geheimes Dahinmmeucheln. Der ganze Film ist von seinen Farben her sehr gedeckt und die meisten Szenen wirken staubig oder neblig und verschmiert, als würde nie alles so richtig in den Fokus geraten. Allen voran das Rumgehampel im Animus, welches in einem schon schlecht beleuchteten Raum geschieht, plus per Hologram-CG die historischen Ereignisse so in die Realität blenden, dass man wirklich nichts Genaues ausmachen kann. Und wow was sieht Fassbender in der Assassinen-Kapuze so blöd aus.

Nein, Assassin’s Creed ist definitiv nicht der Film geworden, der endlich beweist das Videospiel-Adaptionen was her machen können. Dass sie ein gutes Mittel gegen Schlafstörungen sein können hingegen aber doch.

1313: UFO Invasion

Och mei, sind wir doch beim letzten 1313 angekommen. Es scheint noch gar nicht lange her zu sein, dass es immer einen weiteren Film in meiner Zukunft gab, mit dem ich potentielle Insomnie heilen und mir gleichzeitig ordentlich Körperkomplexe einfangen konnte. 14 Filme später ist mir bei Ersterem nicht geholfen, sondern hat nur Auswirkungen auf Letzteres gesehen.

Aber UFO Invasion (diesmal kein schreiendes Satzzeichen im Titel) fängt sogar richtig mit Action an! Das verdient ein schreiendes Satzzeichen! Denn statt schon mal 5 Minuten damit gefüllt zu bekommen, dass die Kamera über die ewig gleiche Szenerie aus Establishment Shots streift, in der Regel die gleichen von DeCoteaus Haus wie zu Beginn fast aller 1313s, steht schon nach unter einer Minute der erste Kerl mit nacktem Oberkörper im Haus und Hallo-t sich die Gänge hoch und runter. Je mehr sich ändert, umso mehr bleibt gleich.

Manchmal, wenn meine Gedanken sich nicht in den Windungen der Oberkörpermuskeln der Akteure verlieren, oder ich der ganzen Fleischbeschau schlichtweg überdrüssig geworden bin, frag ich mich ja schon wo die überhaupt immer herkommen. Ständig tauchen in diesen Filmen Kerle auf, die man vorher nie gesehen hat, die aber nichts außer die Kleidung an ihrem Leibe mit sich tragen, und selbst davon nicht sonderlich viel, und durch das Haus geistern und nach Leuten suchen, die wir eventuell nie sehen werden. Waren die hier verabredet und der Erdboden hat sich kurz vorher aufgetan und alle anderen verschluckt? Sind alle spontan von UFOs entführt worden? Ist das die lang seit 14 Filmen angesetzte UFO-Invasion? Hat sich das Vakuum in den Köpfen der Schönlinge spontan ins Unendliche ausgeweitet, bis selbst die härtesten Muskeln ihre Form nicht mehr aufrechterhalten konnten?

Jedenfalls wird der Kerl plötzlich von einer Mikroskopansicht attackiert und erwacht nur in weißer Buchse auf ein Bett gefesselt. Arbeiten die Aliens etwa mit dem Bermudadreieck? Sind die Atlanter eigentlich Aliens? Haben Aliens die Hochkultur von Atlantis beeinflusst? Ist die rothaarige Cougar, die sich ihn dabei beguckt eines der Aliens? Oder wirkt ihr Gesicht nur dank Schönheitschirurgie so außerirdisch, und sie ist eigentlich im Begriff sich einen heißen Frankenstein zu bauen? Oder sind die “Monster” in Werken von David DeCoteau einfach nur unkreativ in ihrem Fetisch? Fragen, die keiner stellt, und keiner beantwortet.

Wäre da nur nicht der total laute und hohe Ton, der für DeCoteau wohl „Alien“ aussagt, und den er für mehrere Minuten im Hintergrund einspielt. Der ist sowas von nervig, ich glaub die ganze Hundenachbarschaft von mir hat wild zu kläffen begonnen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den dumpfen Herzschlag-Sound, den er in 90% seiner Filme einspielt, je zurückhaben wollen würde, aber wenn das hier die Alternative ist, dann nehme ich doch lieber das bekannte und kleinere Übel.

Egal, wenn der Film dann nach dem ersten Rando-Opfer so wirklich beginnt, finden wir heraus, dass die rothaarige MILF das Gebäude an eine Gruppe Studenten untervermieten will. Derjenige, der es sich stellvertretend anschaut, ist sogar an Alienkulturen interessiert. Was ein Zufall aber auch. Ach ja, DeCouteaus Haus hält diesmal übrigens als Roswell her. Weil Aliens. Ich bin ja überrascht, dass es nicht gleich Area 51 ist. Jedenfalls glaube ich, dass es im Dialog hierum ging, der Soundmix ist gewohnt mal wieder so schlecht, dass man nur jedes dritte Wort versteht.

Obwohl die drei Studenten eigentlich beteuern dringend studieren und ihre Thesis schreiben zu müssen, oder was Stundenten auch immer machen, wenn sie nicht gerade ihre Lesungen verschlafen, springen sie natürlich erst mal in Unterwäsche in den Pool. Dem Sirenengesang der prompt daraus ertönenden Porn-Mucke kann halt nicht entwichen werden. Er ist wie eine gigantische Venusfliegenfalle, nur dass er statt zu morden lediglich die Unterhose durchsichtig macht. Keine Klagen meinerseits.

Man sollte sich selbstverständlich auch nicht davon täuschen lassen, dass drei knackig junge Kerle abgeschieden in einem hübsch ausstaffierten Haus leben wollen, miteinander gern im Pool tollen, oder den kompletten Tag nur in Boxershorts umeinander rum laufen, denn die sind aboslut #NoHomo und nur gute Freunde die total auf Pussy stehen. Man muss halt auch über seinen Tellerrand der Schwulenklischees hinausschauen können, und sich eingestehen, dass die junge Generation schlichtweg altertümliche Macho-Klischees zu brechen weiß. Einer der drei Adonisse ist sogar ganz gezielt auf Granny-Action aus, weil es immer mindestens ein Kerl in diesen Filmen auf die Rentnerin, der das Haus gehört, abgesehen hat.

Nach so viel Produktivität im Etablieren, worum es geht, ist natürlich prompt der Moment gekommen, wenn sich der Film so langsam aufzulösen beginnt. Hauptcharakter-Blondie verlässt nämlich seine frisch gegründete Kommune, um Roswell zu investigieren. Was zu nicht viel führt, außer dass er essenziell bis zum Finale aus dem Film raus ist. Nur unterbrochen mit überraschenden Shots, zu denen er tatsächlich zu einem dämlichen Voice Over durch die Gegend fährt und auch in einer Stadt auf und ab läuft. Ich hätte ja erwartet, dass sie ihn nur drei Mal DeCoteaus Garten entlang streifen filmen und dann diese ewig wiederholen, aber für den letzten Film hat man sich scheinbar nochmal in Unkosten geschmissen. Oder der Kerl war eh unterwegs, weil David DeCoteau doch den Boden seiner schier endlosen Kiste an weißer und schwarzer Unterwäsche aller erdenklichen Knackarsch-Komfortgrößen erreicht hatte, und der neue kaufen gehen musste, und man hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt.

Mit dem Hauptcharakter aus dem Film entstiegen ist stattdessen die Zeit gekommen, in der Rando Collegestudenten einer nach dem anderen auf der Türschwelle auftauchen. Und es ist klar, dass dies alles Collegestudenten sind, weil sie einfach nicht aufhören können blöde Dudebro-Sprüche vor sich hin zu maulen, bis man ihnen dreimalig den Tod gewünscht hat. Jedenfalls tauchen alle gewohnt mit nacktem Torso beim Haus auf, welches plötzlich völlig leer ist, weil sich immer nur so viele oder wenige andere Personen darin befinden, wie es das Script benötigt, nicht wie viele anhand voriger und folgender Szenen wirklich gerade vor Ort sein sollten, und verschwinden dann, nachdem sie sich kurz in Unterwäsche gefesselt auf dem Bett hin und her winden durften. Es wird dabei viel „Hallo“ gerufen. Nie geantwortet. Bei jenen endlosen Wegen durchs Haus ist mir immerhin eine neue Hahnenfigur auf einer der Anrichten aufgefallen, welche ich sehr passend finde, mal so vom englischen Begriff für Hahn her.

Wir bekommen auch unsere letzte Duschszene in einem dieser Filme geboten, was einen schon etwas schwermütig mache kann. Nie wieder. Da muss man sich doch prompt eine Träne aus dem Gesicht, oder wenigstens etwas Precum aus dem Schritt, wischen. Jene dank des niedlichen Kerls, der entweder total stoned, in einer Sprechrolle vollkommen fehlplatziert, oder ein überraschend attraktiver animierter Leichnam ist.

Nachdem dann alle tot oder verschwunden oder wie auch immer sind, darf Blondie zurückkehren, und der Film seine blöde Wendung offenbaren, die irgendjemand, als er die Handlung via zwei Sätze auf eine Serviette gekritzelt hat, bestimmt total geil fand. Und der Film klingt aus, obwohl wir noch nicht ein UFO gesehen haben oder mal jemandem zumindest eine blöde Halloween-Aliengummimaske aufgesetzt wurde.

1313: Frankenqueen

Wenn ich den Titel Frankenqueen höre, muss ich irgendwie unweigerlich an Rocky Horror Picture Show denken. Aber so eine herrliche Camp-Feier ist natürlich ein 1313 im Leben nicht. Es braucht für mich als Deutschen halt auch einen Moment, um zu realisieren, dass Frankenqueen sich schön auf Frankenstein reimt, zumindest wenn man es falsch-amerikanisch ausspricht.

Der Film beginnt allerdings ausnahmsweise mal nicht damit, dass ein halbnackter Kerl nach dem anderen bei David DeCoteaus Haus ankommt. Nein, hier kommen sie gleich im Doppelpack, und im Haus werden die bereits von drei weiteren erwartet! Eine Person alleine könnte natürlich auch nicht diese super Exposition Talks mit sich selbst führen, die uns als Publikum sagen, was Sache ist, aber total unnatürlich einander zu sagen sind.

Die beiden sind also zusammen in einer Limo angekommen. Kein Grund die zeigen zu müssen, kostet auch nur Geld. Allerdings finden sie erst jetzt die Zeit, sich gegenseitig vorzustellen. Keine Ahnung, um dem Publikum die Namen der beiden mitzuteilen, hätte man diese auch einfach in den Dialog hineinschreiben können, und in wenigen Minuten müssen sie sich eh dem Rest im Haus vorstellen. Ach ja, und sie sind hergekommen als Versuchsobjekte einer berühmten Schönheitschirurgin. Naive Blonde findet das ganz cool, Bitchy Brunette hingegen ist eben total zickig deren Reputation gegenüber.

Im Gespräch mit den nächsten dreien – Black Dude, Tall Dumb und Playboy – ergibt sich dann, dass die gute Frau Doktorin auch noch in Cash zahlt. All das nur dafür, ein Wochenende lang in deren Villa abzuhängen, im Pool zu schwimmen, und sich verköstigen zu lassen. Und scheinbar findet das immer noch keiner von denen fischig. Was hat die ein Glück, dass die Kerle alle schön und dazu noch schön dumm sind. Ein wenig bitchy sind sie zudem auch noch alle von Zeit zu Zeit. Abgesehen von Naive Blonde, mein heimlicher Favorit, der ist total niedlich. Mein wahrer Favorit ist allerdings Tall Dumb, weil der von allen am besten aussieht, und ich ein oberflächliches Stück bin.

Besagter Favorit ist auch der erste, der wie ein Unterwäschemodelzombie durch das Haus schlendern darf, während plötzlich nirgendwo mehr sonst jemand zu sehen ist, und das Bild ganz leicht bläulich getüncht ist. Ich weiß bei denen immer nicht, ob dann jetzt mal wieder Nacht sein soll, obwohl die kalifornische Sonne eindeutig im Zenit steht, oder das eine Traumsequenz darstellt, oder was. Auch weiß ich nicht, warum DeCoteau so ein Faible dafür hat, wenn die Kerle die Treppe hochgehen, dies vom unteren Stockwerk durch das Geländer zu filmen, statt hinter ihnen zu bleiben. Wäre der Kerl nicht so groß, würde man so überhaupt nicht seinen Knackarsch sehen können.

Jedenfalls war ich schon ganz betrübt, dass ausgerechnet der Kerl mit dem besten Torso als erster sterben muss. Aber dann doch nicht. Er geht nur mehrere Minuten lang die Gänge des Hauses auf und ab, legt sich dann aufs Bett, Frau Doktor hält einen Leuchtstick über ihn, während total wissenschaftliche Scan-Geräusche eingespielt werden, und dann sehen wir wiederholte Aufnahmen von ihm die Gänge entlang schleichen. Dann gibt es einen harten Cut und es ist wieder Tag und die ganzen Kerle sitzen im Pool. Inklusive ihm, er ist also auch nicht verschwunden oder offscreen ermordet worden oder sonstwas. Aber der Film ist nun 10 Minuten länger, es hat also nicht nichts gebracht.

Irgendwann ist klar, dass Kissable Lips… ne warte, ich meine Bitchy Brunette, so bitchy ist, weil er meint all die tollen technischen Superdinge seien vom verstorbenen Mann der Doktorin entwickelt worden, und sie hält dies Durchbrüche jetzt zurück, nur um die beste Schönheitschirurgin zu sein. Er ist also ein Spion, der hier einklauen gehen will. Dafür ist die Doktorin, die merkwürdigerweise nicht von DeCoteaus BFF Michelle Bauer gespielt wird, allerdings viel zu gewitzt.

Allgemein ist das Script häufiger mal überraschend launig und humorig geschrieben für die ansonsten so faden 1313, die öfter mal sogar ganz ohne Dialoge auskommen würden. Hauptsächlich bekommt die Doktorin so einige schneidige Kommentare ihren Boytoys gegenüber rein, besonders wenn sie die einzeln mit einem Türstopper scannt und zynische Bemerkungen über sie ablässt. Da versucht der Playboy schon mal eine seiner lahmen Anmachversuche mit dem Spruch „So… I was thinking…“ einzuleiten, und wird von ihr sofort mit einem „Nope you weren’t. Says it right here on the scale“ unterbrochen.

Mittlerweile bin ich ja auch der Überzeugung, dass David DeCoteaus Pool einfach au naturel mit Porno-Musik kommt, sobald er registriert, dass jemand zu schwimmen beginnt. Apropos obligatorische Szenen. 55 Minuten in den Film ist wohl aufgefallen, dass noch keiner unter der Dusche im Obergeschoss stand, und so muss natürlich noch schnell eine Szene mit dem heimlichen Star aller dieser Filme eingeworfen werden. Ein wenig kurz gehalten, aber dafür gibt es nach 62 Minuten eine Bonusrunde in Form einer weiteren Duschszene. Unterbricht ganz plötzlich sogar eine begonnene Traumsequenz eines rumlaufenden Kerls – der Blaufilter scheint nicht Nacht zu signifizieren, wodurch sich die Frage stellt, wo plötzlich währenddessen all die anderen Kerle hin sind. So richtige Duschszenen sind das eh nicht, sondern eher „ich reibe Wasser auf meine Muckis“ Szenen. Und endlich, auch wenn es wohl nur ein Versehen ist, bekommen wir nach Dutzenden an austauschbaren Schönlingen, die nur in Unterwäsche durch DeCoteaus Haus gestreift sind, mal einen, dessen ganz besondere Silhouette darin ersichtlich ist.

Grundsätzlich gibt es ja eh nichts gegen eine reiche Witwe einzuwenden, die sich die Tage damit vertreibt, heiße junge Kerle nur in Shorts in ihrer Villa wohnen zu lassen, und unter dem Vorwand von Experimenten ihnen beim Krafttraining etc. zuzusehen. Das ist mein nicht-so-heimlicher Lebenstraum. Doch wie Bitchy Brunette herausfindet, im Raum, der als „Downstairs Library“ angekündigt wird, dann aber eindeutig das Wohnzimmer im Obergeschoss ist, mit keinem Buch weit und breit und einem klaren Blick auf den Balkon, ist das nicht alles. Natürlich macht sich unsere Doctor Frankenqueen ein „Monster“, in dem sie aus den perfekten männlichen Ersatzteilen einen hübschen jungen Stecher zusammenschraubt. Moralisch schon etwas verwerflicher, aber durchaus auch nachvollziehbar ein Ziel. Wäre natürlich der Lacher schlechthin, wenn dieser perfekte Partner sich als schwul herausgestellt hätte, statt sich auf Ewwww-Hetenküsse mit ihr einzulassen.

Frankenqueen war wieder launiger und witziger ein Eintrag in die 1313.

1313: Hercules Unbound!

Hercules Unbound! kommt erneut mit Satzzeichen im Titel für maximales Aufmerksamkeitsgreifen daher, wobei man natürlich auch durchaus noch ein weiteres Ausrufe- und ein Fragezeichen hätte einfügen können. Aber ich glaube die kommen bei DeCoteau nur in Verbindung mit A Talking. Und A Talking Hercules!?! ist dann wieder weniger griffig.

Ich war ja echt gespannt, wie der Film aufgezogen sein wird. Soll der etwa wirklich in der Antike spielen, ähnlich wie sich Billy the Kid für den Wilden Westen ausgegeben hat? Denn eine entsprechende Location findet sich sicherlich nicht im 1-Kilometer-Umkreis von DeCoteaus Haus mal schnell. Er beginnt dann auch mit Establishment Stock Fotos der Akropolis. So weit, so gut. Sofern man nicht anfängt zu denken jedenfalls, denn die Akropolis war in der griechischen Antike weder eine Ruine, noch war sie farblos.

Immerhin erzählen uns Zeus und Hera dann, über Stock Footage einer Wolkenformation, die ich bestimmt auch bereits zum millionsten Male in den 1313s zu sehen bekomme, so ungefähr die richtige mythologische Geschichte. Oder zumindest deren Eckpfeiler: Zeus hurt sich durch die Gegend, Herkules ist ein halb-menschlicher Bastard mit besonderer Körperkraft, und Hera ist im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch eifersüchtig. Nichts mit liebenden Eltern und einem fiesen Hades wie in der Disney-Variante. Die dennoch ein gutes Stichwort bleibt, denn es kommt einem so vor, als wäre der Rest der Handlung schon so ein wenig daraus entnommen, nur mit viel rausgestrichen. Oder zumindest Herkules generelle Charakter-Entwicklung stammt von dort.

Mit all der Einführung aus dem Weg, können wir ja endlich zum Hauptschauplatz von Hercules Unbound! kommen: David DeCoteaus Haus. Oder besser gesagt dessen Garten und Swimming Pool, vor dem fast der komplette Film gedreht ist, da es im Haus dann doch nicht altgriechisch genug aussieht. Mein besonderes Highlight hierbei sind die Szenen, die aussehen wie aus einem FMV Adventure der mittigen 90er. Unkomfortabel nahe Aufnahmen von Charakterköpfen bis zur Schulter, mit den Hintergründen unter anderen Lichtverhältnissen als seien sie via Greenscreen davor gesetzt worden, und fast nie mehrere Charaktere zusammen im Bild, sondern nur ein Hin und Zurück dieser Closeups beim Reden miteinander.

Sobald ich dann die Spiegelung im Hintergrund gesehen habe, ging mir auch auf, warum diese so seltsam wirken. Die sind im Haus aufgenommen worden, keine Ahnung warum, vielleicht weil dort die Umgebungsgeräusche nicht die Hälfte der Worte schlucken, so wie das in den Außenaufnahmen der Fall ist. Es war halt windig an dem Nachmittag, an dem der Film komplett abgedreht wurde. Die Hintergründe sehen so anders aus, weil dazwischen eine Glasscheibe ist, durch die sie ausgewaschener wirken. Es wird so nah an die Leute rangezoomt, damit eben nicht irgendwo noch eine nicht-antike Wand oder so mit auf das Bild rutscht. Und wir sehen so gut wie nie zwei nebeneinander stehen, weil sich alle Charaktere genau in die gleiche Position vor die Balkonglastüre stellen müssen, damit eben nichts Ungewünschtes mit im Bild ist. Die Gespräche sind also tatsächlich getrennt voneinander ohne Gegenpartizipation aufgenommen worden. Was natürlich die eh schon nicht überragenden Schauspieler nur umso mehr glänzen lässt. Auch der leicht altertümlich angehauchte Wortlaut des Scriptes kommt denen selbstverständlich komplett natürlich über die Lippen.

Hut ab allerdings fürs Kostümdesign, welches das halbe Dutzend Kerle alle in extrem winzige Lendenschurze steckt, einem davon sowieso nur ein Taschentuch für die Hüften gegeben hat, und Athena wie Cleopatra ausstaffiert. Die ist die Alibi-Frau des Filmes und Dreh- und Angelpunkt für das wenige Geschehen, welches geschieht. Denn DeCoteaus Garten soll deren Trainingsstätte für junge Kämpfer sein. Und sie hat Herkules aufgenommen, damit er etwas aus der Reichweite von Hera raus ist. Allerdings ist er ein zu selbstüberzeugtes Arschloch in ihren Augen (generell hat sie damit nicht Unrecht), also beschließt sie, sehr wohl um die Gefahr wissend, die von Hera ausgeht, ihn über einen Trank zu schwächen.

Jedenfalls spiked der Antagonist, der seine Frisur zwischen den Außen- und Innenaufnahmen zu ändern scheint, und ganz typisch antikes Griechenland chinesische Schriftzeichen seine Seite hoch tätowiert hat, dieses Gebräu und versucht Herkules dann zu erschlagen. Nachdem er bereits einen Kerl so schwer verletzt hat, dass der sich ganze 2 Sekunden die Seite halten muss, bevor er wieder normal posen kann, der ganz plötzlich Herkules Kindheitsfreund sein soll. Damit Herk die Überzeugung gewinnt sich weniger wie ein Großkotz zu benehmen und selbst geschwächt den Ringkampf zu gewinnen. Athena übrigens bekommt nie die Retourkutsche dafür, dass all dies nur durch ihre ursprüngliche Aktion geschehen konnte.

Nicht, dass 90% des Filmes von vorig genannter Handlung eingenommen würde. Nein, der Großteil des Filmes besteht aus sich immer wiederholenden Aufnahmen der Kerle beim Training. Im weitesten Sinne. Manchmal posieren sie auch einfach nur recht unbeholfen in der Gegend, weil deren Direktion wohl höchstens „mach Bodybuilder-Bewegungen“ oder „sieh aus wie eine antike Statue“ war. Welches von beiden auch immer, so wirklich gelingen will die Umsetzung nicht. Hin und wieder dürfend die Kerle auch ein wenig joggen, oder mit Bällen und Speeren werfen wie Mädchen, oder miteinander ringen. Letzteres ist fast ein wenig erotisch, auch wenn mal wieder nicht die Extrameile gegangen wird, und keiner daran dachte, die Typen etwas einzuölen. Überhaupt ist das Framing scheinbar noch schlechter als sonst, denn regelmäßig ist das Bild zu weit rausgezoomt und von zu weit unten aufgenommen, um das Posen wirklich gut sehen zu können, und außerdem schneidet DeCoteau gern mal einen Kerl am Bildrand halb ab, obwohl auf der anderen Seite Leere klafft.

Wer übrigens denkt die Macher des Filmes wären sich bewusst gewesen, dass die sportlichen Leistungen bei den antiken Griechen gern mal nackt ausgeführt wurden, oder deren Gesellschaft wenig Probleme mit homosexuellen Liebschaften hatte, der ist auf der falschen Fährte. All das hier ist so stimulierend wie als Vegetarier an der Fleischtheke des Metzgers zu stehen. Und diesmal wird auch nicht mal der Anschein eines Horror-Filmes geweckt, da es weder einen mörderischen Stalker noch ein Monster gibt. Kein Kerl im sexy Minotauruskostüm, oder einer Tussi mal drei Gummischlangen ins Haar zu werfen und sie Medusa zu nennen.

Da ist es doch ganz passend, dass der Hercules at the  Training Camp eigentlich nach 60 Minuten rum ist, und die finale zehn wirklich absolute nichts Neues mehr zeigen, sondern nur die paar Minuten an Posier-Szenen, die bereits den Film um 40 Minuten unter Endlosschleife gestreckt haben, ein finales Mal abgespult werden.

1313: Billy the Kid

Bei Billy the Kid ist es nicht wie üblich so, dass die Story erst in den letzten 10 Minuten ihre Herkunft von einem schnell dahin gekritzelten Zweizeiler auf einer Serviette zeigt, nein hier gibt es sogar gleich direkt einen kleinen Situationsabriss. Und zwar ist der berüchtigte Billy angeschossen worden (zumindest sagt dies der Film uns und er hält sich den Arm zu Beginn, scheint den je nach Szene allerdings auch uneingeschränkt benutzen zu können) und auf der Flucht vor dem Sheriff, was ihn ach New Mexico und in das Hell’s Heart treibt.

Welches prompt mit Roanoke in Verbindung gebracht wird? Ist ein wenig weit ab von den Neuenglandstaaten, aber am Ende wird das sogar erklärt, wie überraschend für einen 1313. Und Hell’s Heart scheint tatsächlich der legitime Name der Stadt zu sein, in der er ankommt. Ich hätte ja eher darauf getippt, dass dies ein Name der Region oder des Tales ist, und das auch nur im Volkssagen, aber der Wilde Westen war wohl ziemlich Metal in der Benennung der Siedlungen.

Und ja, überraschend ist das hier ein Period Piece, die Angelegenheit soll tatsächlich in 1881 spielen. Ich hatte ja halb erwartet, dass der in Hell’s Heart in einen Dimensionsriss fällt und in der Gegenwart im Pool von David DeCoteaus Haus ausgespuckt wird. Oder das man einfach zwei Salontüren in dessen Wohnzimmer hängt und behauptet, dies sei der Wilde Westen. Aber man ist tatsächlich zwei Meilen weiter auf eine Farm gefahren und hat den Film in den drei rustikalen Gartenhütten mit billigen Stripper-Cowboy-Outfits gedreht. Das ist schon echt viel Mühe für einen 1313, und das sage ich ganz ohne Sarkasmus. Also zumindest so absent von Sarkasmus, wie irgendetwas sein kann, was von mir kommt.

Die Kerle versuchen sogar im Western-Akzent zu reden, was herrlich schief läuft. Besonders bei dem, der sich nur sporadisch daran erinnert dies zu tun, und dessen Stimme dann plötzlich drei Oktaven nach oben klettert, als wäre er frisch im Stimmbruch. Das ist übrigens der schlacksige Kerl im Cast, den sie ausgerechnet als Schmied einsetzen. Auch bedeutet Western für einen David DeCoteau anscheinend ein Sepia-Filter. Wobei das hier nicht alles nur etwas ausgewaschen und bräunlich ist, aber durchaus noch Farben zeigt, sondern tatsächlich eine komplette Einfärbung des Bildes vorgenommen wurde. Und das nicht so sehr in Brauntönen, sondern eher in Curry-Gelb. Abgesehen von den Traumszene, wenn Billy wie ein Ureinwohner im Blaufilter in ständig wiederholten Sprints zu sehen ist. Ich glaube ich habe selten einen solchen weißeren California Surfer Boy in einem Barbarenoutfit rumrennen sehen, seit die Beastmaster TV-Serie nicht mehr ausgestrahlt wird. An den grausamen Gelb-Filter, der die Details aus allem herauswäscht, inklusive der Muskeldefinition der Schauspieler, mit denen die 1313-Filme werben, gewöhnt man sich besser – er wird erst zum Abspann verschwinden.

Aber Billy findet sich nicht nur unter lauter männlichen Cowboys wieder, die überraschend viel Aufwand um ein gepflegtes Äußeres zu machen scheinen und einen Schopf voller Haarpflegeprodukte haben, dafür allerdings eine Allergie gegen Hemden mitbringen – man muss die Nippel halt Atmen lassen. Und außerdem sieht man an jener Epidemie der Phobie seinen Oberkörper zu verdecken, dass man im Decoteau-verse unterwegs ist. Obwohl, wenn ich den Köper dieser Kerle hätte, ich würde den wohl auch jedem unter die Nase reiben, immerhin wird der irgendwann auch mal alt und unattraktiv und man steht ohne seine einzige positive Eigenschaft auf weiter Flur. Mensch, jetzt haben mich die Männermuckis doch glatt abgelenkt. Also Billy ist nicht alleine mit drei anderen Cowboy-Strippern in der Gartenhaus-Stadt des Wilden Kalifornien, sondern es gibt auch wieder ein Alibi-Weib, welches ihn sogar gesund pflegen darf. Wer die Filme von David DeCoteau kennt, weiß mittlerweile aber eh, dass es nur zwei Rollen für die einzige Vagina-Haberin des Casts gibt: Entweder ist sie total überflüssig, oder der geheime Drahtzieher hinter dem Bösen. Ich habe auch noch nie gesehen, wie jemand, der verzweifelt so tut, als wäre er am Gesagten seines Gegenübers interessiert, so hohl dreinschauen kann wie sie.

Es kommt sogar zu Hetero-Küssen zwischen den beiden. Was nicht nur ziemlich Ewww ist, sondern jetzt wo sie die Verführerin geben soll, auch klar macht, welche der beiden Archetypen diese Rolle erfüllen wird. Aber um uns von so viel ungewollter Heterosexualität reinzuwaschen, darf wenigstens dank der Tatsache, dass das Gefängnis abgebrannt ist, der Sheriff seinen Billy auf ein kuscheliges Bett fesseln, um ihn zu einem sexy Gefangenen zu machen.

Kommt letztendlich raus, dass der Kerl, der unbedingt an Billy ran will, und den anderen Typen gern mal am Hals rumbeißt, all dies natürlich gar nicht sexuell meint. Nein, Roanoke ist damals von einem Gestaltwandler ausgelöscht worden, der dann in den Westen geflohen ist. Warum und wovor? Und hier im Westen benutzt er Hell’s Heart – ich nehme an der Name ist wie eine Fügung des Schicksals gewesen –, um einsame Wanderer zu fressen. Scheint wohl auf Diät zu sein, so häufig wird hier keiner vorbeischauen. Aber Alibi-Girl steckt eigentlich dahinter. Irgendwie, kein Plan warum. Und Billy wollen sie, weil sie unbedingt einen guten Schützen brauchen. Genauer Grund unerklärt. Außerdem darf er eh nicht mehr weg, weil er sie verraten könnte. Weil ein gesuchter Krimineller ja auch so viel Clout hat und jemand mit so einer Geschichte absolut nicht für einen Spinner gehalten würde.

Aber schön, dass sich DeCoteau von all den diversen Western-igen BGMs, die er hier benutzt, die dämlichste und lächerlichste für das spannende Finale aufgespart hat. Nicht das dieses „spannende“ Finale mehr ist, als ein wenig zu posen, ein wenig zu rennen, dann ein Cut, und die Gestaltwandler werden auch schon umgebracht, bevor man noch richtig genießen kann, dass sie nur noch Lendenschurz tragen.

Ach, so ein wenig langweilig war Billy the Kid ja dann schon. Nicht nur ging mir der Farbfilter gewaltig auf den Geist, der Film und die Akteure nehmen sich auch irgendwo zu ernst. Es geschieht immerhin mehr als in so manch anderem 1313, weswegen er nicht ganz so ermüdend ist, aber mir fehlt weite Strecken über einfach das unfreiwillig Komische.

Doctor Who: Specials 2013

Ganz wie sein Vorgägner David Tennant verlässt auch Matt Smith seine Rolle als Doctor nicht einfach so mit einem Staffelfinale, sondern blieb noch den Rest des Jahres 2013 der Rolle in Specials treu. Und das neben dem üblichen Weihnachtsspecial auch noch dem Großereignis des Jahres: Doctor Who wurde 50 Jahre alt.

Auf das Ding wurde natürlich auch groß hin gehyped, beispielsweise auch via zwei Mini-Episoden, die von Steven Moffat selbst geschrieben wurden, und normalerweise auch mit der DVD-Auswertung des großen Specials gereicht werden.

The Last Day ist lediglich 4 Minuten lang und zeigt uns den letzten Tag der Stadt Arcadia auf Gallifrey, gerade als die Daleks überraschend doch durch die Barrieren gebrochen kommen, und das im POV-Shot eines neue ins System eingeloggten Soldatens. Ist halt echt nicht besonders.

Interessanter ist das schon das mit 7 Minuten auch alles andere als lange The Night of the Doctor. Und zwar kehrt hier Paul McGann zu seiner Rolle als Doctor Acht aus dem TV-Film wieder. Er versucht ein Mädel aus einem todgeweihten Raumschiff zu retten, die aber interessanterweise ablehnt, sobald sie herausfindet, dass er ein Timelord ist. Denn mittlerweile sind die im Time War genauso schlimm wie die Daleks. Letztendlich bruchlandet er bei den Sisters of Khan, die ihm in eine ganz besondere Reinkarnation verhelfen: Den War Doctor, derjenige, der sich nicht offiziell Doctor genannt hat, weil er ein Kriegsverbrecher ist. Oder auch, weil man beim Reboot vergessen hat einfach eine Nummer zwischen Acht und Neun zu lassen, um den Time War Docotr einzufügen. Wie man es sehen will.

Und damit wären wir beim Hauptereignis angekommen, dem 75 Minuten spannenden The Day of the Doctor, welches netterweise mit dem Opening der aller ersten Staffel beginnt. Und dem Time War. Das Großereignis zwischen Doctor Acht und Doctor Neun, welches beständig in New Who erwähnt wird, aber immer ein Mysterium geblieben ist. Der große Krieg zwischen den Timelords und den Daleks, welches solche Ausmaße annahm, dass dem Doctor keine andere Wahl blieb, außer beide Rassen schlichtweg auszulöschen.

Wobei ich ehrlich gesagt etwas zögerlich ins Special gegangen bin, weil ich der Meinung war, die bessere Idee sei es, jenen ominösen Time War nie wirklich zu zeigen, sondern immer als Schatten in der Vergangenheit zu haben. So kann sich jeder selbst vorstellen, wie die Sache wirklich gelaufen ist, ohne das irgendwie beeinflusst zu bekommen. Gerade wenn man sich mal anschaut, was New Who den Daleks angetan hat, und was für Witzfiguren die geworden sind, halte ich es für zweifelhaft einen Krieg in der Größenordnung und mit der Gravität rübergebracht zu bekommen, wie dies immer angedeutet wurde.

Glücklicherweise sind die Macher dann wohl doch auf ein ähnliches Ergebnis gekommen. So sehr im Vorfeld darauf angespielt wurde, dass sich das 50th Anniversary Special um den Time War drehen wird, so spielt der doch eine eher untergeordnete Rolle. Zu Beginn stielt der War Doctor eine enorme Massenvernichtungswaffe, die er letztendlich zum Genozid der beiden Völker benutzt hat, nur um festzustellen, dass er sich damit ins eigene Fleisch geschnitten hat, weil das Ding nämlich ein eigenes Bewusstsein in Form der nervigen Rose Tyler hat, die ihm die Benutzung der Waffe wieder ausreden will. Und das tut sie, in dem sie ihn zu seinen folgenden Inkarnationen Doctor Zehn und Elf schickt. Eccleston war ja immer sehr bestimmt in seiner Aussage, die Rolle als Doctor Neun nie wieder annehmen zu wollen, und scheinbar hat er sich auch fast zehn Jahre später noch daran gehalten.

Letztendlich bekommt nämlich das bisher auch im Dunklen gehaltene Treffen von Zehn auf Queen Liz die Erste mehr Screentime als der Time War. Denn hier trifft der Doctor auf eine Alien-Rasse, die sich deren Gesicht anzunehmen versucht, um dann in der Gegenwart die Welt übernehmen zu können. Das ist letztendlich die Haupthandlung des Specials, während War eigentlich nur mit abhängt, um sich wie der alte Mann, der er ist, über die jungen Hüpfer Zehn und Elf zu beschweren, und reflektieren zu müssen, ob er wirklich tun will, was er am Ende des Time War gemacht hat.

Insgesamt finde ich das Special eigentlich ziemlich fantastisch. Es verliert beispielsweise sein Momentum nie ganz. Und wie sowohl Tennant und Smith sich aneinander aufwiegeln, aber auch John Hurt als der War Doctor mit ihnen schauspielt, ist eh herrlich mit anzusehen. Besonderes Highlight ist und bleibt deren erstes Treffen, bei dem Hurt direkt davon ausgeht, Tennant und Smith wären die Companions, weil sie so jung sind, und nachdem er herausfindet, dass dies seine zukünftigen Inkarnationen sind, sich dazu verleiten lässt, anzunehmen, er wäre in der Midlife Crisis. Und letztendlich nutzen sie das sogar zur Charakterisierung, denn das der Doctor so jung und verspielt wurde, ist eine direkte Reaktion auf das, was aus ihm im Time War werden musste. Auch sind die Special Effects wesentlich besser als in der Hauptserie, beispielsweise ist das 3D-Bild des Untergangs von Arcadia echt cool und wenn die eine Schauspielerin zu einem Zygon schmilzt auch richtig gut umgesetzt. Dazu gibt es dann noch viel Fanservice, in dem noch mal alle Inkarnationen des Doctors gezeigt werden, es sogar ein kurzes Aufblitzen von Zwölf gibt, und Tom Baker (der ursprünglich Doctor Vier gespielt hat) am Ende den Curator geben darf.

Jedoch gibt es eine Sache, die mir nicht gefallen hat – abgesehen davon, Fischmaul Billie Piper als KI zu casten natürlich. Und zwar das die Doctoren in gemeinsamer Arbeit den Ausgang des Time War ändern. Er bringt nicht mehr all um, er friert den Moment nur ins Bild ein. Ob man nun tot oder für immer eingefroren ist, macht glaub ich letztendlich für den Betroffenen auch keinen großen Unterschied. Aber dennoch mag ich es nicht, dass man dem Doctor im Prinzip Dimensionen entfernt. Nun hat er keinen Völkermord mehr begangen, wurde nie durch Krieg zu dieser drastischen Maßnahme gezwungen, es ist kein schwarzer Fleck auf seiner Vergangenheit mehr. Dazu dann auch noch zu sagen, dies wäre der einzige Moment gewesen, in dem der Doctor jemals das Leben vieler gegen das Leben einiger in seinen 900 Jahren abgewogen hat, ist sowieso komplett gelogen, wir müssen uns nur mal an Fires of Pompeii erinnern.

Mit The Time of the Doctor kommen wir dann zum 60-minütigen Weihnachtsspecial des Jahres 2013, welches mal nicht zum Beginn der nächsten Staffel gezählt wird. Macht aber durchaus auch Sinn, weil es die letzte Folge und die große Verabschiedung von Matt Smith als Elf ist, statt bereits hauptsächlich den ab der nächsten Staffel durchstartenden Zwölf in der Hauptrolle zu haben.

In bester Moffat-Manier wird natürlich noch mal wieder ein Großteil der angehäuften Mysterien angesprochen. Das nun doch theoretisch nicht vernichtete Gallifrey, die Frage Doctor Who?, die Silence, und selbst die Risse aus der fünften Staffel.

Die Folge beginnt dabei eigentlich ziemlich witzig und leichtfüßig. Clara lädt den Doctor als ihr Alibi-Date zum Weihnachtsessen ein, weswegen man natürlich ordentlich auf deren süßes Zusammenspiel und die Brauch-Missverständnisse eingehen kann, inklusive Fanservice in Form eines nackten Matt Smith. Und die Interaktionen zwischen dem Doctor und seinem Cybermen-Kopf, der ebenfalls zu vielen Missverständnissen kommt, ist auch sehr launig. Dann kommt noch mal richtig Action und Spannung rein, wenn alle möglichen Alien-Rassen sich um einen unbekannten Planeten scharen, der ein merkwürdiges Signal durchs Universum ausstrahlt, nur um herauszufinden dies sei angeblich Gallifrey. Und am Ende wird es richtig dramatisch, wenn sich herausstellt, dass dies eine Falle war und der Planet eigentlich Trenzalore ist, um den Doctor zu seiner Namensnennung zu zwingen, und der dort altert und fast stirbt, weil Classic Who wohl irgendwann mal die Regel von maximal zwölf Reinkarnationen aufgestellt hat, die nun eigentlich ausgeschöpft sind.

Und dann wird es tatsächlich überraschend emotional, wenn Clara denkt der Doctor hätte sie wirklich endgültig zurückgelassen. Und ich muss dann doch meinen Hut abnehmen, denn so sehr ich mich darüber beschwert habe, dass ich es unpassend finde die Ponds halb durch die letzte Staffel wie Restmüll zu entsorgen und eine neue Companion aufzunehmen, so sehr wirkt sie doch jetzt schon wie ein fester Bestandteil zu Doctor Elf, ansonsten würde nämlich diese Szene hier auch gar nicht wirken. Außerdem gibt es dann natürlich eine große Abschlussrede von Matt Smith darüber, dass man sich doch immer daran erinnern soll, als der Doctor sein Gesicht trug. Och…

Und das war es, Matt Smith tritt als Hauptcharakter der Serie ab und überlässt Peter Capaldi die Show als Zwölf. Ein wenig vermissen werde ich ihn ja schon, denn bisher war Matt Smith tatsächlich mein Lieblings-Doctor. Klar war David Tennant auch schon sehr passend, aber manchmal wirkte mir der etwas zu angestrengt, Smith hingegen hat das alles mit einer natürlich kommenden Leichtigkeit gespielt und war einfach direkt der Doctor, musste sich gar nicht wirklich in die Rolle lange einfühlen.

1313: Bermuda Triangle

Haha! Der Title Font von 1313: Bermuda Triangle ist anders als bei Bigfoot Island! Ich hätte es doch gewusst, wenn der schon immer so schrecklich gewesen wäre. Ansonsten beginnen wir allerdings wie gehabt: Die Musik sagt uns, dass was Spannendes zu erwarten ist, während die dazugehörigen Bilder für 5 Minuten Establishment Stock Footage von karibischen Küsten und Städten zeigt.

Wer meint dies würde bedeuten, dass auch Bermuda Triangle in einer Lokalität auch nur im Entferntesten nahe des Bermudadreiecks spielt, hat sich allerdings getäuscht, dieser Stock Footage soll nur den Anschein erwecken, David DeCoteaus kalifornisches Haus stünde in der Karibik, denn der Film ist mal wieder exklusiv hier aufgenommen worden.

Sobald der erste sexy Kerl ohne Shirt dann das Haus betritt und 3 Minuten die Gänge hoch und runter läuft, und beständig „Hallo?“ ruft, hab ich dann auch direkt eine pawlowsche Reaktion. Er geht die Treppe hoch und nach rechts? Der Gang mündet in ein Wohnzimmer und endet in einem Schlafzimmer, von ihm ab geht ein weiteres Schlafzimmer und das Bad mit der Dusche, unter dem sich mindestens ein Typ pro Film wiederfindet, und welche einen Durchgang zwischen beiden Räumen darstellt. Ich könnte glaube ich rein aus dem Gedächtnis einen Grundriss von DeCoteaus Haus zeichnen und läge nicht viel falsch.

Wie immer geschieht da oben natürlich nichts, sondern der Kerl, der schnell gar nicht mehr so sexy ist, weil er alles damit ruiniert, dass er Flipflops trägt, läuft nur gewohnt drei Mal die Gänge ab, und geht dann wieder die Treppe runter. Aber dann, als ich mich schon darauf eingestellt hatte, dass erneut nichts im Film geschehen wird… Bam! Der Typ wird von super schlechten Blitz-SFX angegriffen und nach einem schnellen Cut befindet er sich unerklärlich nur in Unterhose an ein Fitnessgerät gefesselt vor, während das Bild bläulich eingefärbt ist und die Kamera spastische Zoom-Anfälle hat. Was zur Hölle? Herrlich dämlich. Ist das die Auswirkung des Bermudadreiecks? Statt Schiffe und Flugzeuge verschwinden zu lassen, warpt es nun Menschen in ihren Häusern weg und zieht sie dabei gleich noch aus?

Allerdings hätte man dem Kerl ruhig mal den weißen Schlüpfer mit ner Socke oder so ausstopfen können, wenn schon wild drauf reingezoomt wird. Das Gezeigte ist nämlich ein wenig bemittleidenswert. Wobei ich nach 3 vollen Minuten des wilden Kamerazoomens eh etwas Seekrank zu werden drohe. Und ich will ja nicht Skinny Shaming betreiben, doch warum ist erneut einer der Kerle in der Riege aussehend, als wäre er ein unterernährter 12-Jähriger? Die Filme verkaufen sich doch über Beefcake.

Ab zum nächsten Kerl, der das Haus betritt. Und schon denke ich, dass dies einer jener Filme ist, bei dem ein austauschbarer Kerl nach dem anderen alleine das Haus betritt, sich für 3 Minuten die Gänge hoch und runter Hallo-t und dann „attackiert“ wird, unter 3 Minuten wildem Zoomen gegen seine Fesseln sich aufbäumt, und dann Cut und der nächste. Dem ist allerdings nicht so, ok ein wenig schon für die nächsten zwei Typen, allerdings gibt es zwischendrin immer mal wieder Cuts auf die eigentliche Handlung, wenn Muscle Bitch und Black Dude am Strand nach einem Schatz tauchen und Muscle Bitch den anderen Kerl dann umbringt. Mit der üblichen verwirrenden Szenenabfolge. In der einen meint Muscle Bitch, dass Black Dude sich seine Tauchausrüstung anziehen soll, kurzer Cut und die beiden sind immer noch am Strand, aber das Tauchen soll wohl schon gelaufen sein? Muscle Bitch erschlägt Black Dude, kurzer Cut und er steht neben der Leiche… aber nicht mehr am Strand sondern im Garten des Hauses?

Und dann beginnt nach einer halben Stunde plötzlich eh ein neuer Film, der sich einen Scheiß um die drei Randos kümmern wird, die bisher im Haus verschwunden sind. Stattdessen wohnt hier jetzt Muscle Bitch mit einer ganzen Horde an hübschen Jünglingen zusammen, die alle angebliche Experten sind was Artefakte, Archäologie und Ozeanographie angeht, auch wenn das wenig glaubwürdig ist. Denn Muscle Bitch braucht die, um den Schatz zu kommen, hinter dem er her ist. Warum genau, ist mir dabei bei allen Beteiligten nie so recht klar geworden. Geht es jetzt um den Reichtum, den Ruhm, oder doch einfach nur der Schatzsuche wegen? Egal, wer braucht Charaktermotivation, wenn er Sixpacks haben kann?

Die Arbeitsethik der Kerle ist nämlich potentiell fantastisch, wir werden keinen davon irgendwie seinen Job machen sehen, sondern sie reden nur darüber etwas vielleicht demnächst mal eventuell machen zu müssen, während sie ihre Sonnenbräune auffrischen, zusammen im Muckiraum schwitzen, oder gar nicht homoerotisches Partnerschwimmen im Pool zu Porn-Musik veranstalten. Eine Lotion-missende Duschszene gibt es selbstredend ebenfalls. Nicht, dass ich nicht gern dem Spiel der Muskeln unter der Haut zusehen würde. Michelle Bauer, David DeCoteaus langjährige Schauspieler-Freundin und Alibi-Weib des Filmes, hat zumindest sichtlich ihren Spaß die Henne im Korp zu sein. Und man muss es DeCoteau lassen, wenn der eine BGM oder Stock Footage kauft, dann milkt er die bis zum bitteren Ende, egal wie unpassend die plötzlichen Cuts auf Palmenstrände oder die unpassend eingespielte Musik letztendlich wirken.

Überhaupt habe ich zwei Highlights im Film. Neben den herrlich dämlichen Entführungsszenen in der ersten halben Stunde. Und neben den drei der hübschesten Kerle, die auch als einzige festes Schuhwerk tragen, statt sich über Flipflops unfuckable zu machen. Und zwar ist das tatsächlich wie viel Laune Michelle Bauer hat, und das zumindest einer der Kerle sich bewusst ist, in was für eine Art Film er ist, statt wie der Rest entweder gar nicht oder das alles ernst zu spielen. Von den beiden kommt auch der beste Austausch an Dialog, der sicherlich nicht so witzig gemeint ist, wie die beiden ihn präsentieren – Michelle: „I couldn’t help noticing all of Sean’s experts are a little young…“ Kerl (zynisch) „Yeah, and cheap too“.

Ach ja, worum geht es überhaupt? Tja der Kerl mit der Hackfresse und der Körperbehaarung, der so deplatziert unter den anderen glatten Schönlingen wirkt, und vielleicht im vorigen Film hätte Bigfoot spielen sollen, und der sich total fischig verhält? Der ist aus Atlantis. Der Schatz, den Muscle Bitch sucht, ist der Schatz von Atlantis. Atlantis ist gar nicht untergegangen, sondern auf Dimensionsreisen, und zwar via das Bermudadreieck. Was das damit zu tun hat, Randos aus DeCoteaus Haus zu entführen und in weißer Buchse an Möbel zu fesseln, will sich mir allerdings nicht ganz erschließen.

Was bin ich froh bei den Filmen an der Stange geblieben zu sein. 1313: Bermuda Triangle ist ganz genau die richtige Art von saublöd und inkompetent, und ich kann mich nicht erinnern während der Laufzeit irgendwann ernsthaft gelangweilt gewesen zu sein.

Doctor Who: Series Seven

In der siebten Staffel Doctor Who kommt es erneut zu einer Zweiteilung wie in der vorigen. Allerdings diesmal wesentlich extremer, denn die ersten 5 Folgen sind im Herbst 2012 ausgestrahlt worden, die restlichen 8 erst im Frühjahr 2013 mit 6 Monaten Abstand dazwischen. Dadurch sind hier dann auch gleich zwei Weihnachtsspecials inkludiert.

Zumindest wenn man auf die Komplettbox gewartet hat, wer frühzeitig die Halbboxen kaufte ist gearscht, musste nämlich nicht nur doppelt zahlen, sondern hatte bei Part 1 noch nicht mal das 2011er Special mit drauf. Was schon eine dürftige erste Box ausmacht, da hier ja auch noch weniger Folgen an sich drauf sind. Und ein ansehnliches Digipack mit Schuber gab es auch nicht mehr, sondern stinknormale DVD-Hüllen in einer Pappschachtel. Und einem Doctor-Who-Logo drauf, welches den TARDIS an die falsche und unansehnliche Stelle rückte. Manchmal mag man meinen, die BBC schert sich nicht sonderlich um Doctor Who.

Und warum drei Openings? Nein ernsthaft, das erste Weihnachtsspecial kommt mit dem regulären daher, welches wir bereits von Staffel 5 und 6 kennen, nur damit dann die ersten 5 Folgen jenes mit einem hässlichen Photoshop-Filter versehen und den TARDIS aus dem Who-Titel entfernen, nur damit dann ab der zweiten Hälfte der Staffel gleich ein komplett neues kommt.

Egal, genug gemeckert, vorerst zumindest, wie steht es denn um das einstündige Weihnachtsspecial 2011: The Doctor, the Widow, and the Wardrobe? Wie man schon erkennen kann macht Doctor Who also einen auf Narnia. Immerhin sollte sich die BBC mit der Thematik auskennen, nehme ich mal an. Wie so häufig bei den Weihnachtsspecials halte ich es für eine gemischte Episode, wenn auch unterm Strich für eine brauchbare.

Das Production Design ist beispielsweise hochwertig, bricht aber üblicherweise bei CG/Greenscreen ein. Der Anfang soll leichtfüßig und quirky sein, allerdings nervt mich der extrem chargierende Doctor doch eher etwas an. Der Mittelteil ist hingegen Ok. Das Ende mit der Familie ist mir zu kitschig und den Vater wiederzubeleben untergräbt den eigentlichen Sinn der Folge über jenen Verlust hinweg zu kommen. Im Post-Ende, wenn der Doctor die Ponds zu Weihnachten besucht und herausfindet, dass sie immer einen Platz für ihn parat halten, ist allerdings tatsächlich sehr herzig. Unsicher bin ich mir darüber, was ich davon halte, dass man nur stark genug wünschen muss, damit der Doctor vorbeigedüst kommt, oder das ein 900 Jahre altes Alien plötzlich so ein Experte sein soll, was menschliche Emotionen angeht.

Asylum of the Daleks ist für eine Dalek-Episode sogar ziemlich gut. Der Beginn mit dem Depri-Doctor ist erneut etwas blah, sobald er jedoch auftaut wird es schnell besser. Ich mag beispielsweise das extrem clevere Girl Clara, und deren ziemlich vorhersehbares Ende. Ich mag die Spannung, wenn die Truppe in einer Anstalt von wahnsinnigen Daleks eingesperrt ist, die langsam zu Leben erwachen. Leider sind sie wie immer etwas arg einfach besiegt, für diese ultimative Kriegerrasse. Sparen könnte sich die Serie die Eheprobleme von Amy und Rory, vor allem wenn sie nur für diese eine Episode vorhanden sind. Und Amy ist ziemlich gemein, sich von ihm zu trennen, weil sie für sich entscheidet es wäre besser für ihn, ohne Rorys Meinung je anzuhören. Aber na ja, ist ja alles wieder gut anschließend.

Dinosaurs on a Spaceship beginnt fast wie ein billiges Saturday Morning Cartoon Spinoff der Serie, mit einem übertrieben schrägen Doctor, mit einem Dinsosaurier-Abenteuer, mit einem sich wie ein Schoßhund verhaltender Triceratops, mit einer Gang aus bekannten historischen Figuren um den Doctor. Allerdings wird es dann gegen Ende doch noch ziemlich düster, wenn der unheimliche Kopfgeldjäger die Bühne betritt.

Bei A Town Called Mercy handelt es sich um einen Western. Ein Genre, welches mir noch nie lag und wohl nie so richtig liegen wird. Selbst wenn man den Terminator hineinversetzt. Die ganze Folge in Brauntönen zu halten mag zudem zwar passen, macht sie aber auch nicht spannender anzusehen. Dass der wie ein Nazi-Wissenschaftler aussehende hierher geflohene Alien-Doktor eigentlich ein Kriegsverbrecher ist, war ja auch sofort klar. Seine Sühne gegen Ende würde auch besser funktionieren, wenn man ihn grauer gestaltet hätte, statt ihn so extrem fies starten zu lassen. Allerdings fand ich es ganz gut, dass die Folge mal wieder aufgreift, dass der Doctor gar nicht so moralisch einwandfrei ist, solange ihm seine Companions nicht die nötige Bodenhaftung geben.

The Power of Three ist tatsächlich keine Charmed-Episode, sondern bezieht sich auf den Doctor und die Ponds. Die mittlerweile seit zehn Jahren sporadisch immer mal wieder aus ihrem regulären Leben ausscheiden, um mit dem Doctor auf wilde Abenteuer zu gehen. Ich finde es ganz interessant, dass die Folge behandelt, dass die Companions irgendwann mal erwachsen werden müssen, weil sie ein solches Leben auf Abruf des Doctors, der wer weiß wann überhaupt mal auftaucht, nicht dauerhaft geführt werden können.

Stattdessen darf der Doctor mal eine Zeit bei ihnen verbringen, beim Warten darauf, dass die plötzlich aufgetauchten Würfel mal was machen. Wobei ich nicht weiß, warum das Militär die nicht alle einsammeln würde, statt die ein Jahr lang rumliegen zu lassen. Rorys Vater ist allerdings ziemlich cool. Außerdem bekommt der Doctor mal gesagt, dass die Menschheit nicht nur Hoffnung mit sich bringt, wie er so gern propagiert, sondern auch üble Dinge anstellen kann. Und ich weiß nicht genau, was ich davon halte, dass die Ponds letztendlich doch wieder mit dem Doctor abhauen. Sie aus der Abenteuer-Phase entwachsen und sich vom Doctor Verabschieden zu lassen wäre doch ein nettes Halb-Staffel-Finale gewesen.

Stattdessen läutet die Folge The Angels Take Manhatten die Staffelplause ein. Als Episode über die Weeping Angels ist sie auch eine relativ gute, wobei ich die Freiheitsstatue zu einem zu machen doch etwas zu dämlich fand. Was mir allerdings nicht gefällt ist das emotional manipulative Finale, in dem die Ponds wirklich final aus der Serie ausscheiden. Ich finde es eh merkwürdi, die Companions, die seit der ersten Staffel von Doctor Elf dabei sind, halb durch seine letzte Staffel ausscheiden zu lassen. Aber das Wie wirkt für mich halt ein wenig zu forciert reißerisch, besagtes mögliches Ende in der vorigen Folge wäre anständiger gewesen.

Zwischen den zwei Hälften der Staffel kam dann erst mal das 2012er Weihnachtsspecial The Snwomen, bei dem es um Killerschneemänner im viktorianischen London geht, und welches definitiv keine volle Stunde hätte gehen müssen. Mögen tue ich auf jeden Fall die coole Echsenfrau und ihr Ehefrau als kurzzeitige Companions und auch „it is smaller on the outside“ ist süß. Nicht so der Reißer ist der Depri-Doctor, der über den Verlust der Ponds hinwegkommen muss. Oder das die clevere Schnellsprecherin Clara aus Asylum of the Daleks in neuer Inkarnation zurück ist, um ihn über jenen Verlust wegzuhelfen, nur um irrsinnigerweise direkt zu sterben, sobald sie das vollbracht hat. Und mal ehrlich, neues Opening, neue Companion, neuer Look für Doctor und TARDIS… hatte die Serie Quotenprobleme, und hoffte mit drastischen Änderungen sich wieder interessant machen zu können, statt für all dies noch eine halbe Staffel bis Doctor Zwölf warten zu können?

Der depressive Doctor ist zu Beginn von The Bells of Saint John zunächst zurück, was zum Glück aber nicht lange anhält, weil es kein besonders guter oder überzeugender Look für Matt Smith ist. Dass Leute in Internet hochgeladen und von ihm kontrolliert werden, ist definitiv eine interessante Idee, wenn auch hier etwas dumm ausgeführt. Außerdem weiß ich nicht, warum die super clevere Clara in dieser Inkarnation plötzlich nicht mal mehr in der Lage ist, sich in vorhandenes WiFi einzuloggen. Und mal ehrlich, die Nachricht nicht auf eine bestimme Verbindung zu klicken, würde nur um so mehr kuriose Leute genau dies machen lassen.

The Rings of Akhaten präsentiert den Doctor dann als totalen Creep, der Clara beim Aufwachsen und selbst ihre Eltern beim Zusammenkommen heimlich die ganze Zeit über beobachtet hat. Passend dazu geht es in der Hauptstory um einen mumifizierten Altengott, der über den gemeinsamen Gesang eines devoten Mannes im mittleren Alter und dazu gezwungenes kleines Mädchen, dessen Seele ultimativ als Opferdarbietung herhält, am Schlafen gehalten werden soll. Jeder darf sich eine eigenen Parallelen zu existenten Religionen ziehen. Insgesamt keine großartige Episode, aber ganz brauchbar. Die flüsternden Gasmasken-Kerle sind beispielsweise ziemlich verschwendet, hätten besser ihre eigene Horror-Episode bekommen. Und der große Monolog des Doctors am Ende über all seine schlechten Erinnerungen der langen Reise, hätte erneut besser ans Ende von Elf gepasst, doch zumindest gibt dies Clara eine große dramatische Geste, um sich als Companion etablieren zu dürfen.

Cold War spielt im Kalten Krieg. Duh. Und zwar werden der Doctor und Clara auf ein russisches U-Boot transportiert, auf dem ein Ice Warrior ist, den zu attackieren übles bedeutet. Was natürlich geschieht, und den nächsten Teil der Episode Horror-Einflüsse gibt, wenn das Vieh die Crew einen nach dem anderen aus den Schatten umbringt – sobald wir das CG-Geschöpf sehen, verliert es leider viel an Respekt. Etwas mehr Paranoia der Crew hätte es vielleicht auch bedurft, wenn man mal die Zeit und den Ort in Betracht zieht.

In Hide hingegen stoßen die beiden auf einen muffigen Engländer mit einer heißen jungen Begleiterin… und zwar in einem Spukhaus-Mysterium, welches ganz SciFi über in einer Taschendimension gefangenen Monster gelöst wird. Hier sind sie übrigens clever genug, die Viecher eben nicht allzu deutlich und klar in die Kamera zu halten. Zumindest bis zum Ende, wenn sie narrativ gar nicht mehr unheimlich sein sollen. Übrigens eine weitere Folge, in der ein Companion realisieren muss, wie nonchalant der Doctor dem Ende der Welt gegenübersteht. Wobei es eigentlich logisch ist, dass einem 900 Jahre alten Alien, der dies bereits häufig mit angesehen hatte, und dessen Heimatwelt wo ganz anders ist, das Ende der Erde emotional nicht so viel bedeuten würde. Dass die TARDIS Clara nicht leiden kann, ist dabei eine gleichermaßen erheiternde wie dumme Idee. Nett auch die Zeile „Every lonely monster needs a companion“.

Ist Journey to the Center of the TARDIS eine weitere Saturday Morning Cartoon Folge wie Dinosaurs on a Spaceship? Nein, stattdessen geht Clara in den Paralleldimensionen des TARDIS verloren, wo sie von Monstern gejagt und durch eine sich ständig verändernde Umgebung verwirrt wird. Außerdem adressiert die Folge eine Menge der Unstimmigkeiten, die in den wenigen gemeinsamen Folgen sich bereits zwischen Clara und dem Doctor aufbauen konnten, nur um alles am Ende wieder auf Null zu setzen.

The Crimson Horror siedelt sich im viktorianischen Yorkshire an, was bedeutet das die launige Truppe an Echsenfrau, Dienstmädchen und Kartoffelkopf wieder auftreten dürfen. Zudem geht es um eine abgeschirmte Modellgesellschaft (im wahrsten Sinne des Wortes, denn nur Models werden eingelassen), die eine Mischung aus Hitlers Arier-Lehren und Religions-Paradies darstellt, und wie jede Utopie natürlich dunkle Abgründe maskiert. Witzig übrigens, dass der Doctor selbst als Ausschussware noch was besonderes ist.

Nightmare in Silver dreht sich um die Cybermen, man sollte also von den Antagonisten gewohnheitsmäßig nicht viel erwarten. Außerdem nerven die Kids gewaltig, die sich dem Doctor und Clara für den Trip anschließen. Aber ich mag es immer, wenn Clara herrisch sein und den Doctor verprügeln darf. Außerdem sind die Psychospiele zwischen den beiden Doctoren ziemlich launig, denn Matt Smith dabei zuzusehen einen Bösewicht zu spielen, ist einfach herrlich komisch.

Und somit leutet The Name of the Doctor das Ende der letzten Staffel mit Matt Smith ein. Wie üblich im Moffat-Land ist natürlich absolut nichts ein Zufall gewesen, noch nicht mal ein Herbstblatt als Memento von Claras Eltern, oder die Lust Soufflés zu backen. Selbst der Titel der Serie ist immerhin ein Plot Point, und dies hier so sehr wie noch nie zuvor. Und wir finden heraus warum Clara das Impossible Girl ist, weil das ja nicht einfach nur ein niedlicher Spitzname vom Doctor sein kann. Die Whispermen sind im Prinzip die Silence, die Great Intelligence und die Freunde aus dem zweiten Weihnachtsspecials kommen ebenfalls zurück. Und am Ende werden mit dem Auftauchen von John Hurt auch die Weichen für das 50th Anniversary Special gelegt. Alles in allem betrachtet ist das hier sogar ein relativ geradliniges Unterfangen für ein Staffelfinale von New Who. Und der Abschied von River Song ist tatsächlich ziemlich nahegehend.

Damit endet also die Staffel, die nicht eine einzige Doppelepisode auffährt. Diejenige, die mit vielen Veränderungen zur Mitte hin aufzuwarten weiß. Und eine, die irgendwie zu adressieren scheint, dass man sich etwas damit verfahren hat, die vorigen immer größer und spektakulärer sein zu wollen. Weil der Doctor durch seine vielen kolossalen Einmischungen mittlerweile zu bekannt und mächtig ist. Das versucht man scheinbar etwas zu resetten, in dem er in Asylum of the Daleks sich selbst aus vielen Datenbanken löscht, oder seine Vergangenheit in Rings of Akhaten fast aufgibt. Ganz lässt man sich dann allerdings doch leider nicht darauf ein.

Jedenfalls haben wir es auch mit Season 7 wieder mit einer im Gesamten guten und unterhaltsamen Staffel zu tun. Allerdings mit der wohl mittlerweile unebendsten des Doctor Elf, zum Teil dem Bruch zur Mitte natürlich geschuldet. Staffel 5 ist und bleibt also die beste.

1313: Bigfoot Island

Wird aber auch endlich Zeit, dass wir zu meinem Guilty Pleasure die 1313-Filme zu schauen, zurückkehren. Immerhin hatten wir letztes Jahr bereits im September 8 Einträge, jetzt fehlen noch die letzten 6, um die… 14 voll zu machen.

1313: Bigfoot Island beginnt schon mal wenig glücklich mit einem absolut hässlichen und schwer leserlichen Title Font, dem ich mir nicht aus den vorigen Einträgen gewahr wäre, aber vielleicht habe ich das auch irgendwo einfach verdrängt gehabt. Gefolgt von soliden 5 Minuten an Establishment Shots von Waldlandschaften, die vielleicht oder vielleicht auch nicht Stock Footage sind. Sofern man diese Szenenfolgen wirklich Establishment Shots nennen kann statt einfach nur Zeitfüller, wofür sie nämlich wirklich in diesen Filmen dienen.

Dann kommt endlich der erste Kerl mit nacktem Oberkörper ins Bild, und ich würde sagen damit fühlen wir uns endlich wie in einem Film von David DeCoteau angekommen, aber die Zeitfüller-Landschaftsaufnahmen sind eigentlich auch schon typisch er, und merkwürdigerweise hat er keinen sinnigen oder unsinnigen Grund gefunden, die Kerle nur in Unterwäsche durch den Wald stapfen zu lassen, wie in Brotherhood VI: Initiation, von daher könnte der Film von jedem notgeilen Regisseur stammen und trägt gar nicht mal DeCoteaus Markenzeichen.

Ein weiteres Markenzeichen fehlt auch: DeCoteaus Haus. In dem waren bisher alle 1313-Filme gefilmt, egal wo sie eigentlich spielen sollten. Aber drei eingetopfte Bäume in seinen Garten zu stellen und die Kerle 75 Minuten um diese Möbiusschlaufen drehen zu lassen, war wohl selbst ihm zu doof, und somit hat sich die Crew tatsächlich zum Shoot des Filmes in einen Park begeben. Der wird sicherlich auch nur ein paar Kilometer von DeCoteaus Haus weg sein und er mindestens zwei Dutzend weiterer Filme über ein Wochenende hinweg abgefilmt haben, damit die Anreise es auch wert war, aber hey, neue Locations sind doch was. Darüber sollte man sich so lange freuen, wie man kann, denn bis zum Ende des Filmes wird man die immer gleichen Shots auf die Wälder und das die Kerle die immer gleichen Pfade entlanglaufen, bereits gehörig leid sein.

Was mich ja echt interessieren würde ist, wie der Casting Call zum Film war. „Suche junge Kerle mit heißem Oberkörper, die gewollt sind jene auch zu entblößen und keine Angst vor Zecken haben, während sie mit einem alternden schwulen Kerl in die Wälder fahren, um mit via Handkamera aufgenommenen voll legitimen Filmen ihr Schauspiel-Resümee aufstocken zu können. Garantiert kein Porn, keine Vergewaltigung, kein Ermorden, Ehrenwort.“

Ach ja, die Kerle werden natürlich letztendlich, nachdem die ewig die gleichen Pfade lang gewandert sind, von Bigfoot die gleichen Pfade wieder zurück gejagt. Bis er dann direkt vor sie teleportiert und über die gleiche POV-Szene umbringt. Wobei die Opfer und Bigfoot jeweils eindeutig an ganz anderen Stellen des Waldes aufgenommen sind. Meine Lieblingsszene ist hierbei gegen Ende, wenn zwei Kerle ein Wettrennen veranstalten, angeblich immer knapp auf miteinander sind, und Bigfoot die beiden ungesehen stalked, aber alle drei Schauspieler eindeutig in total unterschiedlichen Arealen getrennt voneinander aufgenommen wurden. Und wurden die Dialogaufnahmen alle nachträglich in eine Blechdose gemacht? Wenn mal jemand in diesem Plot-losen Film was redet, ist es total blechern, viel zu laut, und gleichzeitig versteht man doch nur die Hälfte.

Es sollte übrigens niemanden überraschend, dass Bigfoot einfach ein schmächtiger Kerl in einem schlechten und schlecht sitzenden Halloween-Kostüm ist. Hier wäre mehr Kreativität drin gewesen. Beispielsweise einfach einen heißen DILF-Holzfäller mit pelziger Brust hinter den glatten Jünglingen herlaufen lassen. Aber na ja, viel sieht man Bigfoot eh nicht, häufiger läuft möchtegern-unheimliche Musik während die Kamera wild auf Bäume zoomt.

20 Minuten in den Film findet DeCoteau übrigens eine Ausrede für eines seiner Markenzeichen: Eine Duschszene. Wobei ich echt nicht weiß, warum er die Idee hat ausgerechnet den Kerl, der den Körper eines halb verhungerten 12-Jährigen hat, darunter zu stellen, statt das halbe Dutzend an Beefcake, das durch die Wälder wandert. Aber mit Sexyness hat DeCoteau es eh mal wieder nicht. Man sollte meinen das Spiel aus Licht und Schatten durch die Baumkronen wäre ideal, um den Sixpacks richtig geile Definition zu geben, aber dann kann man so einen 75-Minuten-Film nicht innerhalb einer halben Stunde abfilmen, und von daher verlässt er sich wieder darauf, dass die Kerle so schon heiß genug sind.

Besagte Duschszene ist übrigens in einer Hütte, zu der sich eine Studentenbruderschaft ein Mal im Jahr für Alkohol-motivierte Feiern alleine in den abgeschiedenen Wäldern trifft. #NoHomo #JustHelpingAFriend #Orgy? Viel wichtiger ist, dass dort auch ein Auto geparkt steht. Weswegen ich sofort hinterfrage, warum sich die Kerle nicht alle am Dock treffen und gemeinsam zur Hütte fahren, statt das jeder einzeln vom immer gleichen Establishment Shot eines anlegenden Bootes eintrifft und dann alleine durch die Wälder wandert, um in einem Reaction Shot von Bigfoot erschlagen zu werden.

Jedenfalls, so schön doof auch dieser Film mal wieder geworden ist, so muss ich mal wieder feststellen, dass ich so ungefähr bei 45-50 Minuten langsam die Lust verliere und mich zu langweilen beginne. Was nicht überraschend ist bei einem Film, der zu 40% aus Stock Footage Waldaufnamen, 40% aus Kerlen die unmotiviert durch den Wald wandern, und zu 20% aus nichtssagenden Dialogen besteht.

Die Handlung ist nämlich letztendlich nur die, dass die Kerle im letzten Jahr betrunken auf einer Feier eines der ansässigen Mädels wüst beschimpft und fast vergewaltigt haben, bis 12-Jahre-Alt-Ausschauend eingegriffen hat. Jetzt beschwört jene Bigfoot, um die Kerle alle umzubringen, und 12-Jahre-Alt-Ausschauend dazu zu zwingen, sie zu heiraten. Happy End, roll Credits.

Dallos

Bei Dallos handelt es sich um die erste OVA-Produktion überhaupt. Durch die weite Verbreitung von VCRs in den 80ern gab es dort nämlich in der Anime-Landschaft für gut zwei Dekaden einen richtigen Boom an Direct-to-Video Produktionen. Das hatte mehrere Gründe. Ein nicht unbeachtlicher davon war einfach auch, weil diesen Produktionen so gut wie keine Zwänge auferlegt waren. Was im Fernsehen gezeigt werden kann war sehr restriktiv, zudem waren TV- und Kinoproduktion stark davon abhängig, ein entsprechend großes Publikum anzulocken. OVAs hingegen konnten so gut wie alles zeigen, und durch die Produktion auf einer Folge-zu-Folge-Basis konnten auch Nischen angesprochen werden – verkaufte sich eine rausgebrachte Folge nicht, produzierte man halt keine weiteren. Dafür allerdings war die Laufzeitig entsprechend gestreckt, da zwischen Folgen Monate lagen, wodurch die Serien entsprechend kürzer und knapper gerieten. Mittlerweile kann im TV mehr gezeigt werden und sind auch kurze Serien dort ganz normal, so dass die goldene Zeit der Direct-to-Heimvideo Produktionen abgeklungen ist.

Zudem war Dallos eine frühe Regiearbeit von Mamoru Oshii. Der begann sein Schaffen Ende der 70er an diversen TV-Serien, wobei er vor allem einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung von Urusei Yatsura leistete. Zu jener Serie steuerte er auch 1983 den ersten Kinofilm bei, noch im gleichen Jahr sollte Dallos starten, mit der vierten Folge im darauffolgenden Jahr, als er auch mit Urusei Yatsura 2: Beautiful Dreamer stark gegen den Strom zu schwimmen begann, beendet werden.

Dallos spielt in einer nahen Zukunft, in der die Zivilisation auf der Erde in arge Probleme auf Grund von Überbevölkerung und Ressourcenmangel geriet. Also wurden Siedler geschickt den Mond zu kolonisieren, um dort Rohstoffe abzubauen, die der Erde wieder auf die Beine helfen können. Mittlerweile lebt allerdings bereits die dritte Generation an Siedlern auf den Mondkolonien und ist das zu einem ziemlichen Polizeistaat mutiert. Siedler haben Ringe am Kopf, über die sie nur als Arbeiternummer identifiziert werden. Jegliches Vergehen wird sofort geahndet. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis das harsche und ungedankte Leben auf dem Mond zur Rebellion führt.

Insgesamt muss ich sagen, dass Mamoru Oshii die relative Freiheit einer OVA noch nicht ganz ausnutzt, sondern weitestgehend herkömmliche Kost anbietet. Ganz besonders in den ersten zwei Folgen, Remember Bartholomew und The Order to Destroy Dallos, die erst Mal damit beschäftig sind die Konflikte und Hauptpersonen einzuführen und zu erklären, wobei es natürlich auch hier schon zu kämpferischen Auseinandersetzungen kommt. Höchstens an den doch sehr cineastischen Kamerawinkeln erkennt man ihn – am teilweise absolut unpassenden Soundtrack zumindest nicht.

Ach ja, erklären was Dallos überhaupt ist, sollte ich vielleicht auch mal. Und zwar handelt es sich dabei einfach um eine alte Ruine auf der dunklen Seite des Mondes, die wie ein Gesicht aussieht, und von vielen der Kolonisten mittlerweile als Schutzgottheit angesehen wird. Wobei auch hier Oshii überraschend wenig seiner Spiritualität einbringt, und Dallos weitestgehend nicht so wichtig für die Handlung direkt ist, sondern als Motivation und Sinnbild der darin involvierten Charaktere.

In der zweiten Hälfte der Geschichte, Raising in the Sea of Nostalgia Act I und Act II, kommt letztendlich aber doch etwas Oshii rausgeblickt. Denn hier geht die OVA doch etwas stärker auf die Politik hinter den Ereignissen und dem Hinterfragen des Krieges ein. Beispielsweise die innere Unruhe und Hinterhältigkeiten bei den Fraktionen der Mondpolitik. Gerade wenn es um Alex geht, der als Gouverneur von der Erde geschickt ist und hier sozusagen nur ein paar Jahre seinen Dienst verrichten muss, bevor er wieder zurück kann, also ganz anders vorgehen kann als diejenigen, die mit den Kolonisten weiterhin auf dem Mond leben müssen. Aber auch wird erwähnt wie einfach es ist, einen Kampf zu starten, aber wie schwer es sein kann, diesen aufrecht zu erhalten, und dann natürlich immer noch die Frage, was danach kommt. Wie man wieder zu Frieden finden kann. Wann man soweit geht, dass sich die Kluft nicht mehr schließen lässt. Wie Gewalt eigentlich nur mehr Gewalt hervorbringt. Aber Dallos macht es sich nicht einfach, bringt keine einfachen Antworten auf den Tisch. Denn auch wenn Gewalt nur zu mehr Gewalt führen kann… ist es nicht dennoch nötig irgendwann auch diese in Betracht zu ziehen, wenn friedliche Mittel nicht ausreichen?

Sehr interessant ist hierbei auch die unterschiedliche Einstellung der drei Generationen an Mond-Kolonisten. Die alte Generation, die noch von der Erde stammt, ist wesentlich Bereitwilliger wenn es darum geht, ein hartes Leben auf sich zu nehmen. Denn sie wissen, wofür sie dies tun, nämlich damit die Ökonomie auf dem blauen Planeten wieder aufgebaut werden kann, damit dessen Schönheit erhalten bleibt. Erde ist deren ursprüngliches Heimatland. Die dritte Generation hingegen sind die jungen Leute, die auf dem Mond geboren und aufgewachsen sind. Für jene ist der Mond die Heimat, sie haben die Erde nie gesehen. Sprichwörtlich, denn die Kolonie ist auf der Erdabgewandten Seite des Mondes, sie sehen die blaue Kugel also nicht mal am Himmel stehen. Die Erde hat für sie keine Bedeutung, ihnen geht es um ein gutes Leben auf dem Mond.

Das Ende bleibt dabei dann auch offen. Die aktuellen Auseinandersetzungen sind beendet. Hauptcharakter Shun hat über die Ereignisse beide Seiten des Konfliktes kennengelernt, sich ein eigenes Bild machen können, und sich für diejenige entschieden, von der er hofft, dass dies die richtige ist. Aber er kann sich nicht sicher sein. Und andere Charaktere bereiten schon die nächste Rebellion vor. Während Dallos ominös über die Ending-Credits zu leuchten beginnt.

War also insgesamt schon ein interessantes Werk von 2 Stunden. Wenn auch etwas mehr drin gewesen wäre. Aber eben auch die herkömmlichen ersten zwei Folgen bieten insgesamt noch eine unterhaltsame SciFi-Story, die Tiefe wird halt erst in der zweiten Hälfte und eigentlich auch dort nur angekratzt. Für die damalige Zeit und die Laufzeitkürze allerdings durchaus ein gutes Werk.