InuYasha I

Es wird also tatsächlich geschehen, knapp 200 Folgen Inuyasha und 4 Filme werden beschaut. Weil es irgendwie schon ganz angenehm ist, so eine Folge pro Tag zu schauen, als kleine Konstante am Abend. Wobei sich natürlich direkt ein Problem offenbart: Wie unterteilen? Die Handlung ist ein Durchgang ohne voneinander abgegrenzte Arcs. Staffeln gibt es in dem Sinne anscheinend auch nicht. Die ursprünglichen 167 Folgen liefen in Japan an einem Band ohne Unterbrechung. Und jede „Staffel“-Box unterteil anders. HK-Raukopien in 18 Folgen, die US-Boxen in 27, und Deutschland hatte damals die 104 hier erschienenen Folgen als zwei Staffeln a 52 Folgen angepriesen.

Ich hingegen gehe einfach mal ganz ungleichmäßig nach Openings, von denen die Serie 6 gesehen hat. Der erste Bulk sind also die Folgen 1 bis 34, denen das schreckliche Change the World voransteht. Und an sich auch nicht wirklich gut abgetrennt, denn Folge 34 ist dann tatsächlich sogar der erste Part eines Zweiteilers, endet also auf einen Cliffhanger.

Vor Inuyasha haben sich die bekannten und lang laufenden Geschichten von Rumiko Takahashi ja dadurch ausgezeichnet, dass sie Love Comedys waren, mit mehr oder weniger abgedrehten Grundideen. Sie hat allerdings auch so einige kürzere Geschichten gezeichnet, in denen sie durchaus gerne Mal dem reinen Horror-Genre frönt, hiervon ist die etwas längere Mermaid Saga noch ganz bekannt. In Inuyasha scheint sie sich vorgenommen zu haben die beiden Vorlieben miteinander zu vermischen. So haben wir es hier zum einen mit einer sehr humorigen Serie und Liebeswirrwar zu tun, aber es gibt auch mehr ernste Momente und reichlich Monster zu erlegen.

Grundsätzlich befinden wir uns im feudalen Japan. Allerdings gehört Hauptcharakterin Kagome hier nicht hin, sondern wohnt in unserer Zeit mit ihrer Familie in einem Schrein, fällt eines Tages in den verwunschenen Brunnen hinterm Haus, und reist so zurück in jene Zeit. Dort trifft sie auf den Halbdämonen Inuyasha, den sie aus der Versiegelung von einem Baum befreit, damit er sie vor einem Dämonen retten kann. Kagome sieht dabei genau aus wie die Priesterin Kikyo, die Inuyasha vor 50 Jahren an den Baum gefesselt hat, obwohl sich davor eigentlich eine Liebe zwischen den beiden angebahnt hatte. Kagome scheint die Wiedergeburt deren Seele zu sein, denn sie kann auch das mächtige Heilige Juwel aufspüren, hinter dem alle Dämonen her sind, um besonders mächtig zu werden. Darunter auch Inuyasha, um zum vollwertigen Dämonen zu werden. Dummerweise zerbricht das Artefakt allerdings im Kampf und die Splitter verstreuen sich übers Land.

Und schon hat Rumiko Takahashi eine Ausrede gefunden, um die Serie so lang laufen zu lassen, wie sie lustig ist. Denn ob es nun ein paar Dutzend oder ein paar Hundert Splitter sind, die eingesammelt werden müssen, ist natürlich nicht bekannt und selbst bereits gefundenen können ja jederzeit wieder den beiden enteignet werden.

Die ersten knapp drei Dutzend Folgen führen dann schon so ziemlich alle wichtigen Charaktere und alle Handlungsstränge ein. Beispielsweise kommt in Episode 5 Sesshomaru dazu, der komplett dämonische Bruder von Inuyasha, der ihn überhaupt nicht ab kann, und das mächtige Schwert des Vaters abnehmen möchte. Der Verwandlungskünstler-Fuchsdämon Shippo aus Episode 9 hingegen wird eher zum Sidekick-Charakter, der für den Humor zuständig ist. Ab Episode 14 erwacht Kikyo wieder zum Leben und darf ab nun die Handlung ordentlich verkomplizieren, da der aufkeimenden Zankliebe zwischen Kagome und Inuyasha nun seine alte Flamme in die Quere kommt und sie befreit von ihrem hehren Priesterinnen-Dasein auch ein wesentlich undurchsichtigerer Charakter wird, bei der nicht klar ist, auf welcher Seite sie nun steht. Der lüsterne Priester Miroku kommt in Episode 16 hinzu, und sucht die Juwelensplitter, weil sie ihn zum Erzfeind Naraku, der die Familie mit einem Fluch belegt hat, führen werden. Naraku ist im Prinzip ab Episode 18 dabei, so richtig wichtig wird er aber erst ab Episode 21, welche auch ein neues Ending Theme mit sich bringt. Er ist nämlich für die Geschichte besonders integral, da er es war, der vor 50 Jahren Inuyasha und Kikyo ausgetrickst hat sich gegenseitig zu bekämpfen, um an das Heilige Juwel zu kommen. Und in Episode 24 stößt dann letztendlich noch Sango zur Truppe, eine Dämonenjägerin, deren ganzes Dorf von Naraku zerstört wurde und der ihren wiederbelebten Bruder als Trumpfkarte bei sich behält.

Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, wie narrativ zusammenhängend Inuyasha dann doch ist. Irgendwie hatte ich mehr damit gerechnet, dass die Sache ziemlich episodisch vonstatten geht und Dämonen des Tages sich mit der Truppe einen Kampf um die Juwelensplitter leisten, während die Haupthandlung nur hin und wieder kurz angerissen wird, damit man die Lust nicht verliert. Es gibt zwar auch von sich unabhängige solche Exkurse, beispielsweise der Kampf gegen die hübsche Schädeldiebin Yura oder die ungleichen Brüder Hiten und Manten, die aus Japans Yokai-Folklore schöpfen, doch viel zumindest des Beginns von Inuyasha geht doch von aufs Wesentliche ein. Wie gesagt dauert es nicht lange, bis mit Sesshomaru die Familienverhältnisse von Inuyasha ins Licht gerückt werden, oder mit Kikyo die Vergangenheit zurückkommt um alles zu verkomplizieren, oder bis Naraku seinen ersten Auftritt hat und sowohl die Ereignisse von vor 50 Jahren in einem neuen Licht erscheinen, sondern der auch mit seiner eigenen extremen Entstehungsgeschichte daher kommt und über den Kikyo in Folge 33 sogar fallen lässt, dass er deswegen selbst nur ein Halbdämon ist.

Dass die Serie auf einen langen Zeitrahmen hinspielt, ist allerdings dennoch schon ersichtlich. So beeindruckend und Respekteinflößend sowohl Sesshomaru als auch Naraku als Gegner sein können, so klingen viele Folgen mit ihnen etwas unausgegoren aus, da sie sich immer noch mal wieder erneut zurückziehen müssen, damit der Ball im Rollen bleibt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere doch etwas arg an Ranma 1/2 erinnern. Sowohl die Hassliebe-Dynamik zwischen Inuyasha und Kagome ist ziemlich Ranma vs Akane und der feig-lüsterne Myoga ist praktisch schlichtweg Happosai. Witzigerweise sind selbst die Synchronsprecher von Inuyasha und Ranma sowie Kikyo und Akane die gleichen.

Doch bisher bleibt die Serie ziemlich gefällig. Wenn auch bekannt erscheinend, so sind die Charaktere sympathisch und unterhaltsam. Der Humor hat ein sehr gutes Timing, aber statt nur abgedrehtes Zeug zu liefern bemüht sich die Serie sowohl dramatische und spannende Momente einfließen zu lassen, immer wieder auf die Handlung und das Wesentliche zurückzuschwenken. Mit reichlich Möglichkeiten in den folgenden Folgen, um die diversen Charakterbeziehungen und -hintergründe noch zu ent- oder verwirren, denn für genug Zündstoff ist in dem Geflecht gesorgt.

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Persona 3: Fall & Winter

Okay, weiter geht’s endlich in der Version von Persona 3, die keinen merkwürdigen Zeichenstil und rudimentäre Animationen aufweist. Mit den letzten beiden Filmen, die das Schuljahr der Vanilla- und Portable-Version des Spieles ausklingen lassen wird. Denn keiner mochte den FES-Zusatz The Answer, weswegen Atlus ihr möglichstes tun, es seither unter den Tisch fallen zu lassen.

Falling Down ist dabei nicht wirklich so sehr der Herbst-Film, als vielmehr der November-Film. Denn wie ich bereits beim letzten Mal erwähnte, ist das Pacing des Spieles etwas stark auf die ersten zwei Spielstunden und dann wieder auf die Offenbarungen gegen Jahresende zentriert. Die 90 Minuten des dritten Filmes sind also ziemlich beschäftigt, denn im November geschieht echt viel.

Der Film beginnt dann auch schon direkt mitten im Kampf gegen den finalen Shadow und simultan die Strega-Persona-Nutzer. Dass Chidori sich Junpei als Geisel genommen hat, ist bereits geschehene Sache beispielsweise, nachdem sie in den Filmversionen bisher kaum miteinander interagiert hatten, abgesehen von drei scheuen Blicken und einem „Geh mir aus der Sonne“ in Midsummer Knight’s Dream. Keine Sorge, sobald Strega besiegt ist, und Chidori von den SEES im Krankenhaus gefangengehalten wird, gibt es endlich mehr dringend nötiger Szenen zwischen den beiden.

Direkt nach dem Kampf auf der Brücke geht es auch schon rasend weiter mit der Offenbarung, dass die Dark Hour doch noch nicht erledigt ist, Tartarus weiterhin erscheint, und Ikutsuki alle hereingelegt hat und der wahre Drahtzieher hinter allem ist. Ein paar Verluste folgen, inklusive ein sich von MC Makoto verabschiedender Pharos, und ein passend auftauchender neuer Klassenkamerad Ryoji. Zur Auflockerung des ganzen Doom und Gloom dann noch die Klassenfahrt nach Kyoto, inklusive der üblichen Anime-Dämlichkeit zusammen mit den Mädels im Onsen zu landen, aber statt direkt das Maul aufzumachen und die Situation zu klären, alles durch einen Schwachsinnsplan eskalieren zu lassen. Zurück daheim kommt die nächste Auseinandersetzung mit Strega, mehr Drama, und der Film endet wo er begann: Auf der Brücke unter dem unheilvollen Dark Hour Mond, wenn Ryoji, Aegis und Makoto aufeinandertreffen, um den nächsten Film mit der letzten Offenbarung beginnen zu können.

Was hier übrigens auch so sehr in der Kondensation der Materie herauskommt ist, dass einer der Pfeiler von Persona 3 ist, wie diese Teenager mit dem Konzept des Todes und der eigenen Sterblichkeit zurecht kommen. Ich mein das Spiel ist da nie sonderlich subtil mit umgegangen, immerhin „schießen“ sie sich in den Kopf, um ihre Persona zu beschwören, und das Opening bringt die Worte „Mement Mori“ plakativ unter. Nachdem Shinjiro im letzten Film den Anfang gemacht hat, ist zumindest in Falling Down nun das große Sterben angesagt. Bereits verlorene Freunde/Familie von vor Spielbeginn sowie während jener Ereignisse ist einer der Hauptkatalysatoren für die Charakterentwicklung in Persona 3 (weswegen ich auch einer der wenigen zu sein scheine, der meint, dass die Aufbereitung des P3-Endes in The Answer durchaus narrativ passt).

So auch beim neuen Charakter Makoto, der als MC im Spiel undefiniert geblieben war. Denn er macht erst Mal eine Regression in seine Gefühlskalte Schale vom Beginn von Spring of Birth mit, nachdem Shinjiro im Kampf verlorengegangen ist. Ryoji hilft ihm mit seiner unermüdlichen Art, dessen Freundschaft zu gewinnen, wieder heraus. Womit auch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen sind. Denn bei Ryoji gibt es das gleiche Problem wie mit Shinjiro im vorigen Film: Der Charakter taucht zum ersten Mal richtig auf und wird am Ende schon wieder weg sein, was im Spiel mehrere Monate Gameplay mit ihnen ausmacht, ist in 90 Minuten kondensiert eine größere Herausforderung dem Zuschauer nahezubringen. Aber hierdurch gibt es viele neue Szenen zwischen Shinji Makoto und Kaworu Ryoji, die auch dringend nötig sind. Außerdem ist Ryoji zusammen mit dem Schultripp und ein paar weiterer Randszenen von Social Links, die in den vorigen Filmen viel kürzer kamen, aber hier doch mal einen oder zwei Sätze kommentieren dürfen, weitestgehend für die Auflockerung der deprimierenden Resthandlung von Falling Down zuständig.

Winter of Rebirth fängt dann auch direkt auf der Brücke damit an, dass Makoto sich daran erinnert, wie er mit seinen Eltern einen Autounfall hatte, gerade als Aegis gegen Death kämpfte, die den Teil der Shadows in ihn eingepflanzt hat. Und Ryoji darf erklären, dass durch die Wiedervereinigung der Shadows in ihm Nyx heraufbeschworen wird, die das Ende der Welt einleitet. Punkt. Es gibt keine Möglichkeit dies zu verhindern. Lediglich ihn auszuschalten, wodurch die Erinnerungen gelöscht werden, und alle die finalen Monate in ruhiger Unwissenheit verbringen dürfen, statt sich ihrem unausweichlichem Tod bewusst zu sein.

Merkwürdigerweise ist die Szene dahingehend gegenüber dem Spiel geändert worden, als dass alle SEES auftauchen und Ryoji mit ihrer Persona attackieren, die er ausschaltet. War denen wohl ein zu langweiliger Anfang für einen Film, ihn einfach die Exposition Bomb machen und dann „bis in nem Monat, bye“ verschwinden zu lassen. Macht aber nicht so viel Sinn? Ryoji ist ja gewillt sich töten zu lassen, da er nach dem Verschmelzen mit Nyx eh seine Eigenständigkeit verliert, damit seine Freunde in Unwissenheit weiterleben können. Und außer Makoto kann ihn sowieso niemand besiegen.

Egal, der nächste Bulk des Filmes geht nun wieder auf Charaktermomente, die so detailliert im Spiel nicht vorkommen, was durchaus gut ist. Wir sehen, wie die verschiedenen Persönlichkeiten darauf reagieren, zu wissen, dass sie sterben werden. Und zwar bald und unausweichlich, statt das dies ein vages Konzept in der Zukunft ist. Akihiko verstrickt sich in unnötigen Aufgaben, die er nicht unbeendet lassen will. Junpei wird aggressiv und selbstzerstörerisch. Yukari verfällt der Apathie und wird von ihrer eigenen Persona angegriffen. Es kommt zu neuem Zwist in der Gruppe. Währenddessen bleiben Strega ziemlich cool, da sie sowieso jederzeit mit ihrem Tod zu rechnen hatten. Definitiv eine Bereicherung in der Filmversion. Genauso wie die Elizabeth-Dates erst hier anzusiedeln und sie dazu umzufunktionieren, dass sie Makoto etwas die Augen öffnet. Dadurch, dass er ihr ganz normale Dinge zeigen soll, die sie als Bewohner des Velvet Rooms nicht kennt, merkt er das auch Alltäglichkeiten wichtig sind und wie viel er über das Jahr als SEES-Mitglied erlebt hat. Das Leben besteht nicht nur aus Highlights, sondern auch den kleinen Freuden.

Nachdem die erste Stunde des Filmes rum ist, und alle auf ihr eigene Weise neue Hoffnung geschöpft haben, Nyx doch aufhalten zu können, und Ryoji nicht ausschalten, geht es weitestgehend wie im Spiel am finalen Tag weiter. Es gibt noch mal ein paar nette Action-Shots, wenn sich die Truppe zusammen den Tartarus hoch kämpft. Ein Teil bleibt zurück, um die Shadows aufzuhalten, ein weiterer wegen Strega, in einer kleinen Änderung des Filmes steht Makoto zunächst alleine Nyx gegenüber, während die durch ihre Arcana-Phasen wechselt. Wodurch wir auch noch mal ein paar Konter-Persona zu Gesicht bekommen. Auch nach hier hinten verlegt hat das Anime, dass die Charaktere durch ihren Glauben an sich selbst zu ihren ultimativen Personae erwachen.

Was definitiv merkwürdig gewesen wäre, wäre wenn Makoto beim letzten Widerstand Zuspruch von allen Social Links bekommen hätte, da die in den Filmen absolute Randcharaktere sind, mit denen wir ihn kaum interagieren sehen. Erneut begeht Winter of Rebirth die smarte Entscheidung die Szene dementsprechend etwas abzuwandeln und hat nur die anderen SEES-Mitglieder ihren Senf dazugebend. Nyx wird besiegt, alle vergessen was passiert ist, bei der Feier zum Schuljahresende erinnern sie sich wieder und kommen zum bittersüßen Wiedersehen zusammen.

Und so endet die Filmvariante von Persona 3 insgesamt doch sehr rund. Wenn es darum geht Videospiele zu adaptieren kann sehr viel schief laufen. Und Persona 3 ist definitiv kein RPG, welches sich für ein anderes Medium anbietet, weil doch viel vom Charme durch das selbst spielen der Social Links zustande kommt. Die Filme waren dann aber doch klug genug sich nicht sklavisch am Original zu orientieren, sondern hier und dort was zu ändern oder gar hinzuzufügen, damit es in 4 x 100 Minuten stimmig bleibt, wenn man eben Sozialinteraktionen und Dungeon Crawling aus dem Geschehen herausstreicht.

Doctor Who: Series Ten

Es ist soweit. Nachdem Doctor Who das Jahr 2016 ausgesetzt hatte, lief letztes Jahr dann die zehnte Staffel. New Who ist also im zweistelligen Bereich angekommen. Was allerdings natürlich viel monumentaler war, ist das dies auch die letzte Staffel mit Peter Capaldi als Doctor Twelve ist, womit uns abgesehen von Christopher Ecclestons Nine alle Neu-Doktoren nach je drei Staffeln verlassen haben. Und noch viel wichtiger ist, dass Steven Moffat, der in 2010 mit der fünften Staffel die Nachfolge von Russell T. Davies antrat, als Show Runner abdankt.

Ganz wurde das Jahr 2016 dann allerdings doch nicht ausgelassen, sondern es lief mit The Return of Doctor Mysterio das obligatorische Weihnachts-Special übers britische TV. Als netter Touch verabschiedet sich der Doctor für 24 Jahre von der Welt, um seine River Song nach dem letzten Weihnachts-Special zu betrauern, hinterlässt aber durch ein dummes Versehen einen Superhelden. Schon kurios, dass es Moffat scheinbar bis 2016 brauchte, um auf den Superhelden-Zug aufzuspringen und seine eigene Low-Budget-Version zu erschaffen. Abgesehen davon hat das Ding mal wieder absolut keinen Bezug zu Weihnachten, spielt nur beiläufig zu Beginn an jenem Tag.

Dennoch ist es eines meiner beliebteren Weihnachts-Specials. Die kleine Romanze zwischen dem Zufalls-Superhelden respektive Nanny und seiner Auftraggeberin respektive Schwarms ist so vorhersehbar wie sie niedlich ist. Dinge wie das die Reporterin dieses Quietschspielzeug als Verhörmethode einsetzt sind süß. Little Britains Matt Lucas ist als Companion zurück und super unterhaltsam und schräg. Selbst der Plan der Aliens in dieser Storyline ist nicht total blöde! Es gibt vieles, was man am Special mögen kann. Der einzige Nachteil des Einstünders war für mich, dass die Geschichte nicht sonderlich Doctor Who war und der Doctor an sich eher deplatziert wirkte.

Mit The Pilot beginnt die 2017er-Staffel also richtig und gleich ist viel anders. Der Doctor ist jetzt beispielsweise Professor an einer Uni und hat ein Bild von River Song und der Nichte des ersten Doctors auf seinem Tisch (und die Kamera geht sicher, dass wir das auch sehen, statt als Easter Egg für Aufmerksame am Bildrand zu haben). Außerdem scheint er jemandem versprochen zu haben keine Zeitreisen mehr zu unternehmen, damit er eine verschlossene Gruft bewachen kann. So wie ich Moffat kenne würde ich direkt darauf tippen, dass beides von enormer Wichtigkeit für den roten Faden der Staffel ist, aufgelöst wie und warum allerdings erst eher auf lahme Art und Weise gegen Staffelende erfolgt.

Aber über typische Moffat-ismen will ich mich noch nicht beschweren, bevor sie zum Tragen gekommen sind. Und am Rest der Folge gibt es wieder einiges zu mögen. Die eigentliche Alien-Handlung ist nicht sonderlich berauschend und viel darin will für mich nicht so recht Sinn ergeben, aber sie dient sowieso mehr als Bühne zur Einführung der Charakter-Dynamik. Denn wir bekommen mit Bill eine neue Companion, und da die lesbisch ist müssen wir auch nicht fürchten, dass sie sich in den Doctor verguckt, obwohl die das mit dem alten Sack Capaldi genauer betrachtet eh nicht machen. Aber ihre verplante Art ist super gefällig, es ist witzig zuzusehen wie lang sie braucht, um die üblichen Tardis-Sachen zusammenzuzählen oder das sie „Doctor… What?“ statt wie übliche „…Who?“ sagt, sowie total bodenständige Parallelen zu all dem schrägen Zeit-Raum-Reisen zu finden, die den Doctor leicht anpissen. Dazu noch der mittlerweile etwas zickig gewordene Matt Lucas. Was für eine frische und quirlige Charakterdynamik zwischen den Dreien doch besteht. Das hat mir echt gefehlt.

Da der Doctor theoretisch nur versprochen hat, die Erde nicht zu verlassen, nutzt er natürlich prompt die neue Companion als Ausrede, um zumindest durch die Zeit reisen zu können. In Smile landen sie in der Zukunft, in der Roboter über Emoji mit den Kolonisten kommunizieren, deren Gefühle über eine Plakette ausgelesen wird. Und da sie dazu erschaffen wurden, die Menschheit glücklich zu machen, jedoch gerade negative Emotionen umgehen, gerät was schief und sie beginnen jeden umzubringen, der nicht lächelt.

Die Episode ist ein gutes Konzept, das leider nicht ganz so gut umgesetzt ist. Die Ausgangssituation ist echt interessant, jedoch hatte ich das Gefühl es hätte besser eine simplere Geschichte von halber Spielzeit abgegeben, denn in der zweiten Hälfte der Folge verliert sie sich so etwas. Mit den Bezügen zum Kolonie-Imperialismus mit den Robotern als neue Rasse, mit der koexistiert werden muss. Abgesehen davon ist es eh merkwürdig das die Plaketten, die ja eigentlich dazu da sind, die Emotionen zu visualisieren, durch falsches Lächeln ausgetrickst werden können. Dann braucht es derer nämlich nicht, wenn sie eh nur die äußere Fassade statt das Innenleben spiegeln.

In Thin Ice geht es dann ins London im Jahre 1814 zur dortigen Eis-Messe, da in jenem Jahr die Themse so stark zugefroren war, dass sich die Leute ein Spektakel daraus machen, darauf einen Rummel zu halten. Dummerweise gibt es Anglerfische unterm Eis, die Leute einbrechen lassen, sowie wartet ein Riesen-Monster-Fisch angekettet nur auf seinen Zug. Erneut ein ganz netter Einfall, so in seiner simplen Kürze wiedergegeben, der leider in eine Folge endet, an der ich nicht alles mögen konnte.

Mein größtes Problem ist, dass es mal wieder zum üblichen Gesang und Tanz kommt, wenn ein neuer Companion zum Doctor stößt. Und zwar lässt der einen Jungen einfach sterben, was Bill ganz scheiße findet, der Doctor aber damit rationalisiert, dass er nur so größeres Gutes in Form der Rettung von mehr anderen Menschen tun kann. Ein wenig inhuman für unseren menschlichen Companion, jedoch nachvollziehbar für ein tausende Jahre altes rationales Alien. Leider viel zu früh in den Reisen mit einer neuen Companion, und letztendlich kann sich die Serie erneut nicht verkneifen, den Doctor wenige Szenen später gleich wieder menschlicher und besser darstellen zu wollen. Wenn der Bösewicht der Episode, der die Leute an den Fisch verfüttern will, weil der dann besonders tolle Ressourcen auskackt, noch weniger Bedeutung einem Menschenleben zuordnet (und das passt in die Zeit der industriellen Revolution), der Doctor jedoch eine hehre Ansprache halten darf, dass wahrer Fortschritt nicht an wirtschaftlicher Leistung gemessen wird, sondern wie viel Wert einem einzelnen Menschenleben zukommt.

Und dann haben wir am Ende auch noch die gleiche dämliche Sache, die wir bereits mit Clara und dem Monddrachen und mit Amy und dem Weltraumwal hatten. Der Doctor überlässt nämlich Bill die schwere Entscheidung, ob der Fisch freigelassen wird, was Menschenleben riskieren könnte, weil er angeblich nur Entscheidungen ausführt. Der Heuchler, als ob er je auf die Ansagen anderer hören statt sein eigenes Ding drehen würde. Ansonsten war es eine brauchbare Episode, aber wie der Doctor hier mal wieder inkonsequent behandelt wird, war erbärmlich.

Bei Knock Knock bekomme ich so ein wenig das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Bill war eine Küchenhilfe an der Uni, die nur gerne in den Lesungen des Doctors abgehangen ist und zu seinem privaten Protegé wurde. Und hat schon mit jemandem zusammengelebt. Hier in der Folge ist sie plötzlich vollwertige Studentin und hat 5 Mitstudenten-Freunde, und alle zusammen sind auf der Suche nach einem Haus, um eine gemeinsame WG zu gründen. Ist dieser plötzliche Bruch nur da, um eine Ausrede für die Folge zu haben? Ist nicht so, dass Bill anschließend mit anderen Studenten abhängt, wir sie in Vorlesungen sehen würden, oder sie eine eigene Bude hätte.

Die Story an sich ist Horror, denn sie finden ein verdächtig weiträumiges Haus für einen verdächtig niedrigen Preis, bei dem keiner von den Sechs wirklich Verdacht schöpft. Aber nein, es gibt Menschenfressende Käfer in den Wänden und ein Familiengeheimnis des Vermieters. Viel Klopfen auf Holz, viele zuschlagende Türen, viele Lichtblitze. Wenig Inhalt. Ich mein es ist schon Ok, und der wiederholte Gag, dass der Doctor für Bills Großvater gehalten wird, obwohl er sich für viel zu jung dafür hält, ist ganz niedlich. Aber wie bei den vorigen Folgen kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, als wären 45 Minuten einfach zu lang für die simple Prämisse und das gezogene Endresultat dadurch in der Substanz geschwächt.

Oxygen ist eine weitere Horror-inspirierte Episode, in der mal wieder einem Notsignal gefolgt in einer scheinbar verlassenen Raumstation gelandet wird. Vom Haunted House also in SciFi-Äquivalent dessen. Stellt sich heraus in dieser Zukunft kostet Sauerstoff Geld, und sobald die Arbeiter von ihrer Leistung her nicht produktiver sind, als die Kosten sie mit Sauerstoff zu versorgen, wird ihnen das einfach ausgestellt und sie werden zu wandelnden Leichen. Die Zukunft, in der selbst die Luft zum Atmen einem in Rechnung gestellt wird, ist natürlich immer eine sehr dystopische Vorstellung, aber wenn man mal darüber nachdenkt, gar nicht so weit hergeholt. Wenn etwas zu einem endlichen Gut wird, kostet es auch was. Ohne Wasser oder Nahrung können wir genauso wenig überleben, aber dennoch zahlen wir im Supermarkt dafür. Interessanterweise macht die Folge, um den simplen Grundgedanken diesmal tatsächlich halbwegs gut auf Länge zu hinterfüttern, was daraus. Eben mit den Untertönen des Kapitalismus maximiert ohne dabei Rücksicht auf menschennahen Sozialismus zu geben. Ach ja, und der Doctor verliert sein Augenlicht, was ihn hier aber (noch) in keiner Weise im Weg steht.

Mit Extremis erreichen wir die Halbzeit der Staffel und die Folge ist so Moffat, wie eine Folge nur sein kann. Es gibt atmosphärische Szenerien in Bibliotheken und Schlössern, Charaktere tragen klassische Looks und Kutten, und die Geschichte ist geradezu am Überlaufen an Offenbarungen, die zu nur noch mehr Mysterien führen. Beispielsweise dürfen wir doch jetzt schon herausfinden, was in der Gruft eingeschlossen ist: Missy. Der Doctor sollte an ihrer Hinrichtung teilnehmen, hat aber alle so weit eingeschüchtert, bis er auferlegt bekam, tausend Jahre über sie in ihrem Gefängnis zu wachen. Auch wenn man sich schlecht vorstellen kann, was diese Zeit für den Doctor wirklich bedeutet, da er dies doch so einfach überbrücken oder Zwischenstopps einlegen kann, wie er lustig ist. Außerdem wäre die Szene als Ganzes stärker gewesen, statt den Rückblick in kleinen Stücken über die Folge zu verteilen, nur um das Mysterium etwas länger am Leben zu halten.

Die Folge entgleist sowieso zusehends. Alles beginnt damit, dass der Vatikan persönlich beim Doctor vorbei schaut, weil die ein super geheimes Buch in der Bibliothek gefunden haben, dass alle, die es lesen, dazu bringt sich umzubringen. Also soll der Doctor es sich ansehen, was natürlich etwas schwer ist, wo er doch gerade erblindet ist, dies aber keinem offenbaren will. Dass der Papst höchstpersönlich um seine Hilfe bittet ist natürlich etwas arg dämlich, aber insgesamt ist das Setup durchaus spannend. Doch dann stolpern die beiden Companions über einen Raum voller Portale in die wichtigsten Gebäude der Welt wie dem Weißen Haus oder Pentagon, und am Ende war alles nur eine simulierte Welt, in der Aliens die Eroberung der Welt planen wollen und der Sim-Doctor schickt von innerhalb der Matrix eine E-Mail an den echten Doctro in der richtigen Welt. Und irgendwo dazwischen schwappen mal wieder Moffats coole Ideen in nicht mehr ganz so befriedigende Resultate um.

In The Pyramid at the End of the World sind also jene Aliens, die in Extremis die Simulation gestartet haben, in der echten Welt aufgetaucht, um sie zu übernehmen. Nur sind sie plötzlich keine wirklichen Invasoren mehr, sondern wollen das wir die Erde freiwillig übergeben. Jedoch gebunden daran, dass es aus Liebe geschehen muss, nicht Furcht oder Strategie. Alles, während im Hintergrund die Uhr zum Weltuntergang tickt, wenn sie nicht helfend eingreifen. Und erneut ist die Idee an sich keine schlechte, eine Geschichte darüber, wie viele kleine Zufälle dazu führen können, dass irgendwann die Waagschale kippt und das Ende unwiderruflich ist.

Doch wenn das hier nicht mal ein Supergau an gekünstelten Gespinsten ist, damit es funktioniert. Die zwei Wissenschaftler müssen die dümmsten und unprofessionellsten Idioten sein, und es darf trotz der gefährlichen Experimente keinerlei Aufsicht oder Sicherheitsvorkehrungen geben, damit das hier alles geschehen kann. Und warum wird die Luft alle Stunde komplett in die Außenwelt gepumpt? In einem Labor, bei dem diese bei einem Fehlexperiment einfach kontaminiert werden kann? Und die Türsperre, die letztendlich den Plan des Doctors vereitelt, ist auch mal hirnrissig und nur so designt, damit sich dessen Blindheit endlich auszahlt und Bill dazu getrieben wird aus Liebe die Erde zu übergeben. Matt Lucas kann auch dem Doctor nicht helfen, weil der warum auch immer ihn aus dem Tardis aussteigen lässt, nur damit er kurz die giftige Luft einatmen kann, um dann ausgeknockt zu werden. Ne echt jetzt, dass Setup hier war mir zu hirnrissig und unglaubwürdig, selbst für Doctor Who.

Weiter geht die Handlung, auch wenn es offiziell kein Mehrteiler ist, in The Lie oft the Land, nachdem die Mönchskutten die Erde übernommen und die Geschichte überschrieben haben, als wären sie schon immer als leitende Hand der Menschheit vorhanden gewesen. Selbst der Doctor scheint mit ihnen zusammenzuarbeiten. Und was eine Folge der verpassen Möglichkeiten wir doch vor uns haben. Was wäre beispielsweise, wenn die Mönche tatsächlich die Erde besser und friedvoller regieren würden, als wir das können? Daraus eine Frage der Freiheit und Selbstbestimmung gegen objektiv höhere Sicherheit zu machen. Was wenn selbst wenn nicht alles besser wäre und die Mönche nicht komplett uneigennützig sind, hier dennoch die Frage abzuwägen wäre, welche Variante nun wirklich schlechter ist – eine Welt mit oder ohne sie? Was, wenn der Doctor wirklich davon überzeugt wäre, dass sie die Sache besser machen, und erst vom Gegenteil überzeugt werden müsste? Stattdessen agieren die Mönche wie die Gestapo, alle Menschen bekommen deprimierend uniforme Kleidung aufgezwungen, und das Bill scheinbar den Doc erschießt ist ein billiges Gimmick.

Immerhin ist Missy, die nun endlich als Charakter wieder so langsam dazu stoßen darf, ziemlich launig. Und da sie eigentlich ein Bösewicht, wenn auch eventuell ein läuternder, ist, darf sie auch die Pragmatikerin spielen. Diejenige, die einwürft das bei der Rechnung von Bills Leben versus der komplette Rest der Menschheit, der Tod von Bill gegebenenfalls das kleinere Übel ist. Und das der Doctor der Menschheit das wegen seinem persönlichen Bund zu seiner Compenion verweigert eigentlich pure Arroganz ist. Missy macht hier das, was die Serie dem Doctor immer wieder anhängen möchte, und dann doch wieder den Schwanz einzieht, weil sie zu viel Angst hat man könne ihn nicht mehr mögen. Siehe Thin Ice.

Bei Empress of Mars schauen der Doctor und seine Companions bei der NASA rein, die gerade unter der Eisschicht der Mars den Schriftzug „God save the queen“ entdecken. Daraus resultiert eine Reise in die Vergangenheit des roten Planeten, die sehr Jules Vernes ist, mit alten britischen Offizieren und den Ice Warriorn, die vielleicht böse sind aber dann doch nicht aber dann vielleicht doch und alles eskaliert aus hanebüchenen Gründen. Und am Ende waren der Doctor und Co. es, welche die Nachricht gelegt haben, von daher sind sie also nur bei der NASA vorbei gezoomt, um über ihren eigenen Witz zu lachen? Nicht wirklich eine Folge, mit der ich viel anfangen konnte. Weder das Setting noch der Stil liegen mir, und insgesamt ist es ziemlich konfus warum Dinge aus welchen Gründen jetzt noch mal genau geschehen.

Die nächste Folge mag The Eaters of Light heißen, aber wenn ich mich nicht vertan habe, gibt es hier nur einen Lichtfresser. Dessen Design sogar grundsätzlich ganz gut geraten ist, jedoch dadurch unterminiert wird, dass wenn am Ende ein Haufen Fast-Kinder gegen ihn kämpfen, das Vieh doch überraschend klein ist und viel zu einfach in Schach gehalten werden kann. Abgesehen davon würde die Geschichte ums Vergeben und Zusammenarbeit zwischen den schottischen Kids und den römischen Kindersoldaten besser funktionieren, wenn es eine echte Entwicklung dahin gäbe, oder einen entscheidenden Fixpunkt, der alles ins neue Licht rückt, statt das alle einfach irgendwann plötzlich miteinander arbeiten.

Ähnlich mit Missy, die nun wirklich echt ein Companion sein darf, aber irgendwie hätte man sich auch vorgestellt, dass es hier eine langsame Entwicklung hin gegeben hätte. Eine Charakter Arc, in der sie Sühne zeigt, in der sie das Vertrauen des Doctors wiedergewinnt, statt das der sie einfach plötzlich mitreisen lässt. Dass sie wie ein Schoßhund nach seiner Zuneigung bettelt, bekommt dem Charakter auch nicht gut. Dafür ist es ganz niedlich, wie überrascht Bill ist, dass die römischen Legionäre kein Problem damit haben, dass sie lesbisch ist, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass vorigen Zivilisationen ein Auf und Ab an progressivem Verhalten hatten, statt dass es zwangsläufig in allen Belangen archaischer wird.

World Enough and Time ist die erste Hälfte des Staffelfinales und startet direkt mal mit belanglosem Köder eines regenerierenden Doctors. Die nächsten zehn Minuten sind hingegen großartig, wenn Missy so tut als wäre sie der Doctor, voller schneller und blöder Sprüche, und mit 4th-Wall-Jokes in denen sie die Companions nach ihrer Rolle in der Geschichte benennt, oder das er sich wirklich Doctor Who nennen würde, und natürlich die fantastische Retour auf die Frage, ob sie ein Mensch wäre, mit „Now, don’t be a bitch“. Was ein Schwung und eine Freude dieser Charakter doch ist, genau was Doctor Who gefehlt hat.

Die eigentliche Hauptepisode dreht sich um ein Raumschiff, dass nahe eines schwarzen Lochs abhängt, und deswegen die Zeit an den beiden Enden unterschiedlich schnell läuft. Und Bill wird von den Bewohnern der unteren Stockwerke entführt und erwacht in einem Silent-Hill-Krankenhaus voller maskierter Patienten, die beständig nach Erlösung ihrer Pein rufen. Die ganze Welt an der unteren Seite ist durch die schneller laufende Zeit eine seit Generationen aufgebaute und schon wieder im Untergang befindliche Zivilisation, während am Kopf des Schiffes wenige Wochen vergangen sind. Und dann stellt sich raus, dass dies die Geburtsstunde der Cybermen ist und der Master hier untern crashlandete (als russischer Kerl mit bestem Unterhaltungswert maskiert) und Bill zu einem jener macht. Spannende Geheimnisse, tolle Offenbarungen. Eindeutig der Anfang einer Moffat-Geschichte, die Steilkurve nach oben vor dem Fall auf der anderen Seite.

Tja, The Doctor Falls endet also die Staffel, und ist nicht so sehr schlecht als weitestgehend für mich einfach etwas langweilig. Erneut erbärmlicher Bait zu Folgenbeginn, mit einer Cyber-Bill, die mit einem scheinbar toten Doctor auf Stockwerk 507 des Schiffes auftaucht. Und die überlangen 60 Minuten sind zum Großteil wirklich nur langgezogene Vorbereitung der dort lebenden Menschen, um sich gegen den baldigen Angriff durch die Cybermen des untersten Stockwerks zu rüsten. Und eine weitere Episode, in der der Doctor menschliches Leben über alles stellt, obwohl sie selbst nach ihrer Flucht auf höhere Stockwerke früher oder später den Cybermen zum Opfer fallen werden. Alles wirklich nur, damit der Doctor sich dramatisch wie dämlich opfern darf, nur dass er dann doch weiterleben darf. Bill und ihr Kampf damit, ein Cyberman zu sein, ist der Lichtpunkt der Folge, und selbst sie darf dramatisch sterben, nur damit sie es dann doch nicht ist, sondern mit dem Mädel aus Pilot in lesbischer Liebe durchs All geistern darf. Selbst Missy und der Master haben hier mit ihrem ständig vagen Verhalten auf welcher Seite sie nun stehen, wenig Unterhaltungswert.

Mit dem Ende der Staffel sind wir aber noch nicht am Ende von Doctor Who in 2017, denn Capaldi durfte die Titelrolle auch noch im kurz darauf ausgestrahlten Weihnachts-Special Twice Upon a Time verkörpern. Das Bild der Nichte zu Beginn der Staffel auf dem Tisch des Doctors? Handlungs-technisch komplett irrelevant, aber ein Hint, den Moffat bestimmt für clever angesehen hat, denn Doctor Twelve trifft in der Antarktis auf Doctor One. Verkörpert durch einen Schauspieler, der dem gar nicht mal so ähnlich sieht, wenn man die Frisur ändern würde. Dass beide Doctoren nicht regenerieren wollen bringt aus irgendwelchen Gründen die Zeit aus den Fugen, spuckt beide hier aus, genauso wie einen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Bis sich ein Computer einmischt, der eine Datenbank aus den Erinnerungen aller Toten ansammelt, allerdings nicht wegen eines fiesen Planes wie in einem früheren Staffelfinale, als Missy ein Kollektiv an Toten erstellt hat.

Ganz ehrlich gesagt hab ich die ganze Handlung nicht so ganz gecheckt. Warum all dies jetzt genau geschieht. Warum der Soldat aus dem Ersten Weltkrieg so wichtig ist. Vor allem warum er genau an seinen Todeszeitpunkt zurück muss, nur damit der Doctor das dann doch nicht tut, sondern ein paar Stunden später, damit er überleben kann, weil er Teil des Weihnachtswunders von 1914 wird. Bill und Nardole sind als Erinnerungen zurück, damit der Doctor sich dramatisch von den Companions verabschieden kann, was aber seltsam hohl wirkt, wenn er ständig behauptet sie wären nicht real. Selbst Clara, ein Charakter den keiner mehr leiden konnte, darf sich verabschieden. Keine River Song, keine Amy, keine Missy.

Dafür ist Doctor Twelve hier immerhin so unterhaltsam und schneidig, wie fast in keiner anderen Folge seiner Ära. Wahrscheinlich, weil er der witzig-überdrehte Charakter sein muss, der zum altbackenen One kontrastiert. Der übrigens sehr schlecht hier gehandhabt wird. Doctor One war schon ein wenig ein Arschloch, aber er war nie solch ein Relikt. Er bekommt eigentlich nichts die ganze Folge zu tun, sondern darf nur für „Ohoho, die 60er waren doch andere Zeiten“-Witze herhalten. Wenn er meint, dass Frauen keine Doktoren sondern nur Krankenschwestern sein können, oder das Bill doch mal den Tardis aufräumen sollte. One war nie ein altbackener Sexist, sondern reiste mit einer Lehrerin und seiner Nichte, die beide starke Persönlichkeiten waren. Das Ganze ist nur ein großer fehlgeleiteter Witz, wie weit wir doch gekommen sind, und natürlich weil der nächste Doctor tatsächlich mit Jodie Whittaker eine Frau sein wird. Abgesehen davon, dass es nicht passt, ist es auch schlichtweg nicht witzig.

So klingt sie also aus, die Ära von Peter Capaldi, die Zeit mit Doctor Twelve, und die Schirmherrschaft von Steven Moffat. Und immerhin ist Series Ten schon mal insgesamt besser gewesen, als die Staffel davor. Doch während ich einige Dinge in den Episoden durchaus mag, so kann ich mich dennoch nicht des Gefühls erwehren, dass sie im Endresultat häufig dennoch etwas lahm sind. Nicht so sehr, weil es an guten Ideen gemangelt hätte, sondern weil sie oftmals einfach unter Wert umgesetzt wurden.

Recovery of an MMO-Junkie

Net-Juu no Susume, auch bekannt als Recommendation of the Wonderful Virtual Life, jedoch eher bekannt unter dem Lizenz-Titel Recovery of an MMO-Junkie ist ein noch laufender Web-Manga, der sich im letzten Jahr einer Adaption als Anime in 10 Folgen plus der mittlerweile obligatorischen Bonus-OVA, um die Heimkinoauswertung an den Käufer zu bringen, angenommen hat.

Unsere Hauptfigur ist die 30-jährige Moriko Morioka, die frisch ihren Beruf gekündigt hat, um als Elite-NEET zu leben. Wer sich mit japanischem Jargon nicht auskennt, NEET steht für „Not in Employment, Education or Training“, sprich jemand der weder eine Schule besucht, eine Ausbildung durchläuft, oder einen Beruf ausübt. Das ist häufig geknüpft an die Hikikomori, also jemand der sich zu Hause vor der Welt verschließt, und auch Moriko hat die Tendenz in einem unaufgeräumten Zustand ihre Apartment nur dann zu verlassen, wenn sie Notwendigkeiten des Überlebens im Conbini (24 Stunden geöffnete Läden) um die Ecke kaufen muss.

Nur was stellt man mit sich selbst an, wenn einem der ganze Tag zur freien Verfügung steht, man sich allerdings auf wenige Quadratmeter wegschließt? Moriko erinnert sich daran, vor einem halben Jahr ganz gern ein MMORPG gespielt zu haben, welches zwar nicht mehr aktiv ist, allerdings nach Empfehlungen für neue gegoogelt in Fruits de Mer landet. Dort den männlichen Charakter Hayashi erstellt und los kann es gehen ins Online-Leben. Netterweise trifft sie auch direkt auf die hilfsbereite Lily, die gerne den Noob unterstützt, und mit der Hayashi eine richtig gute Bindung aufbaut, obwohl beide sich sehr reserviert halten, was die realen Spieler hinter den Figuren angeht. Sogar in Lilys Gilde @HomeParty wird sie aufgenommen, durch die Hayashi weitere nette Leute kennenlernt.

Derweil wird Moriko im echten Leben von einem attraktiven Kerl mit Namen Yuta Sakurai über den Haufen gerannt. Beide vergucken sich ineinander, eine von beiden Seiten ist jedoch immer zu schüchtern, um den Ball wirklich ins Rollen zu bringen, obwohl sie sich mehrfach zufällig über den Weg laufen. Vielleicht kann ja der draufgängerischere Kollege von Yuta, Koiwai, den beiden auf die Sprünge helfen? Was ihnen zudem nicht bewusst ist, ist das sie sich bereits sehr gut verstehen… denn auch Yuta spielt Fruits de Mer, als Lily.

Recovery of an MMO-Junkie ist eine Mischung aus Slice of Life und romantischer Komödie mit Zufällen gerade lächerlichen Ausmaßes. Nicht nur das eine fast die meiste Zeit in ihrem Zimmer verbringender NEET, und ein ständig mit Arbeit beschäftigter sich wiederholt über den Weg laufen. Dann auch noch beide das gleiche MMO zocken, und sich dort sofort über den Weg laufen. Nein, stellt sich heraus Koiwai kennt Moriko sogar flüchtig, weil er in seinem früheren Job in der gleichen Firma gearbeitet hat, bei der sie kündigte. Und ein weiterer Kerl aus der gerade mal ein halbes Dutzend Leute habenden Gilde ist die Teilzeitkraft im Conbini, den Moriko regelmäßig aufsucht. Und wir finden sogar heraus, dass Moriko und Yuta im vorigen MMORPG bereits zusammen gespielt haben. Also wenn das Schicksal die beiden nicht miteinander vereint sehen will, dann weiß ich auch nicht.

Zwei Dinge fand ich an der Serie dabei besonders interessant. Zum einen das Alter der Hauptfigur. Anime über sich wegschließende Hikikomori gibt es durchaus nicht wenige, aber die sind in der Regel Teenager, die Probleme in der Schule haben, oder Studenten, die ihren Weg verloren haben. Moriko war allerdings bereits ein Teil der Arbeitskraft Japans und es wird auch erwähnt, dass sie ihren Job gar nicht schlecht gemacht hat, hat sich aber aus eigenem Willen dazu entschieden, nicht nur ihren Job zu kündigen, sondern auch keinen neuen zu suchen. Es wird leider nie direkt von der Serie angesprochen, was zu dieser Entscheidung geführt hat. Allerdings ist es so, dass das japanische Arbeitsleben schon ziemlich höllisch sein kann – wenn ein Land eine eigene Bezeichnung für „zu Tode gearbeitet“ hat, dann gibt es glaube ich ein ordentliches Problem was die generell akzeptierten Arbeitsbedingungen angeht. Zudem wird bis Heute noch häufig erwartet, dass Frauen im Speziellen nicht wirklich Karriere machen, sondern mit Mitte bis Ende Zwanzig sich in ein häusliches Leben begeben. Von daher ist es sicherlich nicht weit hergeholt, anzunehmen, dass eine generelle Atmosphäre der Überarbeitung und Unterwertschätzung hierhin geführt hat.

Die andere interessante Sache ist, dass die Flucht in die virtuelle Realität nicht universell als schlecht angesehen wir. Genau genommen dient Morikos NEET-Dasein sowieso meist nur als Gag, und sobald sich Koiwai einmischt, verlässt sie auch mehr und mehr ihre Wohnung, um sich mit ihm oder Yuta zu treffen. Aber die Sache ist die: Internet ist auch Realität. Hinter den Spielern in einem MMO stecken echte Menschen. Mit ihnen zu interagieren ist auch eine Form des Sozialisierens. Klar ist die Bande selten wirklich ganz so stark, wie bei Leuten im Offline-Leben, aber auch in MMOs gegründete Freundschaften sind grundsätzlich nicht weniger wert, und in der heutigen Zeit online gebildete Bindungen nicht mehr wegzudenken. Die Barriere des Bildschirmes kann sogar ein wenig helfen. Yuta erklärt beispielsweise, dass er nach dem Tod seiner Eltern auch eine Weile keine Menschen um sich haben konnte. Aber ganz alleine zu sein ist dann doch auf Dauer etwas einsam. Das hat ihn ursprünglich zu den MMOs gebracht – man ist alleine aber nicht einsam, denn man interagiert mit anderen Menschen durch deren Spieler, ohne den gleichen mentalen Stress zu haben wenn man denen in real gegenüberstehen würde.

Das alles etwas leichter und weniger dramatisch gesehen wird, liegt vielleicht auch daran, dass dies mehr als Bühne für das eigentliche Geschehen dient. Die Ereignisse im MMO sind mehr Slice of Life Abenteuer mit den anderen Charakteren der Gilde, statt in den Tiefen der virtuellen Welt verlorene Seelen darstellen zu wollen. Und wie bereits erwähnt verschließt sich Moriko ziemlich schnell nicht mehr in ihrem Zimmer, und dient mit ihrem NEET-Verhalten eher zum Humor der Serie. Wobei es schon absolut merkwürdig ist, dass eine der größten Stolpersteine in der Kommunikation von Yuta und Moriko daraus besteht, dass sich beide total dafür schämen in ihrer Avatar-Wahl das andere Geschlecht genommen zu haben. Als ob das nicht Gang und Gäbe wäre in Videospielen/dem Internet.

Etwas schade fand ich es zunächst dann doch, dass Recovery of an MMO-Junkie über die ernsteren Themen, die das Setting hergeben würde, hinweg geht. Oder das nichts Interessantes aus dem Gegensätzen zwischen Realität und virtueller Welt gemacht wird, wenn die Serie schon so viel zwischen beiden hin und her springt, statt wie andere sich stark auf eine zu beschränken. Genau genommen geschieht in den ganzen zehn Folgen nicht sonderlich viel Drama, da alle Charaktere nett und unterstützend sind, alle sich gern haben, und das „werden sie zueinander finden?“ nur durch Schüchternheit und leicht aus der Welt zu räumende Missverständnisse ausgebremst wird. Doch als leichtfüßigen Fluff geschaut fand ich die Serie schon ganz nett. Alles ist halt sehr unaufgeregt, niedlich und witzig, leicht zu verdauen.

Devilman Crybaby

Es muss schon deprimierend sein, wenn man ein Hardcore-Anime-Fan ist. 2018 hat gerade mal begonnen, und am 5. Januar ist das beste Anime des ganzen Jahres, an das sonst nichts mehr heranreichen können wird, gelaufen gewesen. Und dann noch auf Netflix! Letztes Jahr haben die sich noch zum Gespött aller gemacht, in dem sie einen lächerlich fehlgeleiteten Live-Action-Film zu Deathnote produziert haben, und dieses Jahr tauchen in den Netflix Originals plötzlich vielversprechende Anime-Serien wie Junji Ito Collection oder Devilman Crybaby auf!

Mit Devilman kenne ich mich sogar etwas aus. Immerhin sind mir viele der anderen Inkarnationen über die Jahre hinweg nicht unbekannt geblieben. So hatte ich vor gut zehn Jahren in kurzer Folge sowohl den Original-Manga von Go Nagai aus den 70ern gelesen, die auf den ersten beiden Bänden basierenden zwei OVA-Folgen aus den späten 80ern geschaut, und selbst den gar nicht mal so schlechten japanischen Live-Action-Film gesichtet. Gefolgt sind zudem die ersten beiden Bände plus die eher lose darauf basierende TV-Serie zum Spinoff Devil(man) Lady, und der komplette Manga der komplett wirren Neuinterpretation Darkside of Devilman, auf dem basiert im Schnelldurchlauf die Amon Devilman Apocalypse OVA noch weniger Sinn macht.

Von daher kann ich schon mal getrost offenbaren, dass Devilman Crybaby auf dem Original-Manga basiert, eine weitere der vielen Interpretationen der ursprünglichen Geschichte darstellend. Die erste der zehn an einem Stück rausgehauenen Folgen ist sogar ziemlich identisch zum ersten Band respektive der ersten OVA. Akira ist ein etwas weichlicher Schüler, der bei der Familie seiner besten Freundin Miki lebt, bekommt aus dem Nichts Besuch von seinem Kindheitsfreund Ryo. Der erzählt ihm was davon, dass Teufel wirklich existieren und in Orgien aus Sex und Blut gerne menschliche Körper übernehmen. Um ihre Existenz zu beweisen nimmt Ryo mit Kamera bewaffnet einfach den willigen Akira mit auf eine Party voll Sex und Drogen, geht für das nötige Blut mit einer abgebrochenen Flasche auf die weggetretenen Feiernden los. Und die Teufel kommen, verwandeln Leute, reißen ihre Beute. Nur Akira nicht, der wird nämlich zwar auch vom besonders starken Amon besessen, der jedoch kurzerhand Kleinholz aus den anderen Teufeln macht, um Ryo zu schützen, da Akira an seiner Menschlichkeit festhalten und die dominante Persönlichkeit in seinem Körper bleiben kann.

Der Rest der Serie mag mit so einigen Modernisierungen aufwarten, weil es nun mal 40 Jahre nach dem Original spielt, wegen der Laufzeit auch einige neue Nebencharaktere und Subplots parat halten. Doch das allgemeine Gerüst bleibt das Gleiche. Das Teufelsblut macht Akira stärker und sexyer. Er beginnt gegen andere Teufel zu kämpfen. Besonderen Augenmerk wird dabei auf die geflügelte Silene gelegt, die Amon zu ihrem Partner machen will. Inklusive verschmelzen mit Kaim und gewinnen, nur um im entscheidenden Augenblick zu sterben. Als der Anstoß dafür genommen, dass Akira zu hinterfragen beginnt, ob nicht auch Dämonen lieben können. Und auch hier geht alles den Bach runter, sobald die Bevölkerung davon erfährt, dass jeder heimlich einen Teufel in sich tragen könnte, und im gegenseitigen Misstrauen die Apokalypse hervorruft. Bis Satan das für seine finale Konfrontation mit Amon so richtig besiegelt, inklusive bittersüßem Ende mit Geheul.

Die Sache ist die, dass Go Nagai nicht unbedingt für tiefsinnige Manga bekannt ist. In Devilman und noch mehr Devilman Lady kommt er zwar gern mit langatmiger Pseudowissenschaft daher, und wie gesagt wirft er kurz die Frage auf, was Menschlichkeit überhaupt bedeutet, wenn die sich gegen Ende so bereitwillig gegenseitig abschlachten und es bei den Teufeln zu Bindungen kommen kann. Doch sonderlich smart sind seine Geschichten nicht, sondern zeichnen sich besonders durch abgedrehte Charaktere in Extremsituationen, viel Gore und nackte Haut aus. Trash vom Feinsten. Immerhin reden wir hier von einem Mann, der eine Comedy über eine Superheldin gezeichnet hat, die abgesehen von ihrer Maske komplett nackt ist, und Übeltäter mir aus ihrer Vagina schießenden Babygranaten unschädlich macht. Viel mehr als eine wahnsinniger und unterhaltsamer Ritt durch Blut und Nacktheit hat also wahrscheinlich niemand bei Devilman Crybaby erwartet.

Und tatsächlich kann ich beteuern, dass sich die Serie nicht vor jenem Ruf scheut, sondern den Irrsinn des Originals komplett zelebriert, in dem es das alles sogar noch mehr auf die Spitze treibt. Hier wird geschnetzel und gemetzelt. Hier geht es über die nackten Tatsachen zum (natürlich nie die bösen Details zeigendem) Sex. Die Charaktere scheinen manchmal geradezu vom Wahn gepackt zu werden, und die Handlung stürzt zusehends in chaotischere Abgründe. Das ganze animiert in einem ähnlichen Stil wie Studio 4°, wobei die Thematik der Monsterverwandlungen besonders Madhouses Kemonozume heraufbeschwört, in denen eine sehr flüssige Animation über allem steht, während die Charaktere eher minimalistisch designt sind und gerne mal extrem verschoben und quer gezeichnet wirken. Dazu noch ein absolut rockender Soundtrack, und schon ist die wilde und absolute Achterbahnfahrt komplett. Devilman Crybaby löst alles ein, was das Ursprungsmaterial hergibt, und macht eine wahnsinnige Gaudi draus.

Aber dann kommt die Überraschung. Denn Devilman Crybaby ist plötzlich doch viel mehr als das Original. Nach der ersten Folge schleichen sich zusehends mehr und mehr ruhigere Momente ein. In denen die Charaktere miteinander interagieren. In denen es Flashbacks in die Jugend von Akira und Ryo gibt, um deren starkes Band zueinander glaubhafter zu machen. Das von Akira zu Miki und deren Familie wird genauer beleuchtet, damit das Drama der späteren Episoden um jene besser zieht. Neue Nebencharaktere dürfen ihre eigene Arc haben. Die komplett neu definierte Miko und Schulkameradin von Miki ist beispielsweise nicht einfach nur dazu da, um als Gag zu dienen, weil sie sich von Akiras neu-dämonischen Aussehen so scharf gemacht fühlt, dass sie an ihn denkend masturbiert während die Serie die Laute eines Esels statt Stöhnen einspielt. Nein sie hat ihre eigene kleine Charakterhandlung vom Neid gegenüber Miki, dem werden zu einem Devilman-Hybriden, und dem sich letztendlich eingestehen, dass ihre Gefühle komplexer waren und sie Miki gleichzeitig geliebt hat. Der das bewusst ist. Ja, auch die homoerotischen Untertöne des Originals greift Crybaby auf und liefert gleich eine Vielzahl an queeren Charakteren. Komplett ohne Wertung, schlicht als Menschen, die existieren dürfen.

Und das ist es letztendlich, was Devilman Crybaby zum jetzt schon besten Anime des Jahres macht. Das Gesamtpaket aus allem, den dynamischen Animationen, dem wuchtenden Soundtrack, der Irrsinnigen Fahrt durch Sex and Violence, den ruhigen Charaktermomente, dem legitim berührendem menschlichen Drama, dem allumfassenden der Story inhärenten Nihilismus. Was eine Serie, was seine Perle.

Stranger Things

Eine weitere Serie, durch die ich mich geschaut habe, ist die akutelle(-ish) Hitserie Stranger Things, bei der jeder absolut die erste Staffel gefeiert hat, und bei der zweiten dann schon etwas besorgter war. Ich selbst habe auch bisher nur Season 1 geschaut, die ja mit 8 Folgen auch ziemlich übersichtlich bleibt. Wir hatten nämlich die ersten 3 Folgen über Weihnachten so in den langweiligen Todphasen zwischen Fressen und Geschenke und erneut Fressen geschaut, und ich direkt die restlichen Folgen hinterher geprügelt, sobald ich wieder daheim war.

Die Serie spielt übrigens in 1983, dem besten Jahr ever. Und zwar in den Nostalgie-80ern. Die, an welche sich die Generation, die damals geboren und Kinder waren, gerne zurückerinnert. Stranger Things nimmt nie wirklichen Bezug auf die Probleme der Zeit, Dinge wie in einer armen Familie aufzuwachsen oder in der Schule gehänselt zu werden sind ganz universell. Das einzige sozialpolitische Elend der Zeit, dem die Charaktere unterliegen, ist die damalige Mode. Alles hat einen Look wie ein Film von Stephen Spielberg der Ära. Natürlich umgeht die Serie durch das Setting auch einige Probleme, die sich dank moderner Technologie einschleichen würde, doch weitestgehend wurde es definitiv für den Nostalgiebonus gewählt.

Grundsätzlich beginnen wir die Staffel erst Mal beim D&D-Spielen von vier Jungs, um direkt zu kodifizieren, dass die Nerds sind. Einer ist schwarz, einer fett und lispelt, die beiden anderen sind einfach hässliche weiße Jungs, womit ziemlich sofort klar ist, dass da einer an Redundanz eingebaut wurde. Am Ende der Folge ist der dann auch spurlos verschwunden, nachdem ihn ein aus dem nahegelegenen Forschungslabor ausgebrochenes Experiment angegriffen hat.

Gleichzeitig taucht allerdings auch ein merkwürdiges Mädchen ohne Sozialkompetenz und mit geschorenem Kopf auf, die von den anderen Jungs versteckt wird, weil Leute in schwarzen Anzügen mit Knarre nach ihr suchen. Derweil ist der verschwundene Junge vielleicht doch noch nicht ganz weg, immerhin bekommt seine Mutter merkwürdige Signale über die Lampen in ihrem Haus. Der heruntergekommene Sheriff hingegen wacht aus seiner Lethargie wieder auf, da er selbst seine Tochter vor Jahren verloren hat, ist er nämlich besonders engagiert, wenn es um ein vermisstes Kind geht. Wer hätte auch gedacht, dass in so einem kleinen, ereignislosen Städtchen plötzlich mehrere Leute vermisst oder tot aufgefunden würden.

Der Hauptstrang der Staffel ist natürlich das Verschwinden des einen Freundes, und die Suche nach ihm. Plus herauszufinden, was das Mädchen mit den besonderen Kräften damit zu tun hat. Welche Experimente im Labor vor sich gegangen sind. Was da jetzt für ein Monster genau umgeht. Plus natürlich viel zusammenwachsende Kameradschaft. Nicht nur zwischen den Nerds und dem Mädel, sondern auch teilweise mit älteren Geschwistern oder Erwachsenen, denen sie sich anvertrauen, und die für sie überraschend auf ihrer Seite sind.

Was Stranger Things dabei für mich so gut macht, so dass ich direkt ein Komaschauen veranstaltet habe, ist die gute Mischung und das dichte Verpacken. Die Serie gibt den Charakteren und Mysterien genau genug Spielraum, um sich auf sie einzustellen, verändert dann aber doch schnell genug Dinge, um nicht ewig auf dem gleichen hängen zu bleiben. Um nicht zu deprimierend zu werden, gibt es immer wieder ein paar trockenhumorige Szenen, oder kleine Siege für die Charaktere zu verzeichnen.

Irgendwie hatte ich zu Beginn der Staffel beispielsweise die Befürchtung, wir könnten es hier mit einem neuen Lost zu tun haben, bei dem das Setup super interessant ist, dann aber nie Antworten kommen und die Weiterentwicklung ausgebremst wird, stattdessen die Serie interessant bleiben will, in dem sie immer neue Geheimnisse oben aufgießt. Sich dabei aber nie jemand Gedanken darüber macht, wie das am Ende alles Sinn ergeben soll. Aber Stranger Things ist tatsächlich sehr gut durchdacht, gibt immer mal wieder kleine Antworten, und bietet am Ende der Staffel sogar ein zufriedenstellendes Finale. Natürlich mit Sequel-Bait drin, und alle Geheimnisse sind noch nicht gelüftet. Aber für mich löst Stranger Things genau genug wichtige Dinge auf um auf einer befriedigenden Note zu enden. Ich finde das so glaube ich sogar noch besser, als jede Kleinigkeit übererklären zu müssen, manche Dinge sind halt einfach.

Von daher: Dicht gepackte Story, sympathische Charaktere, interessante Handlung, gutes Schauspiel, und gefällige Atmosphäre/Setting. An Stranger Things: Season 1 habe ich persönlich nichts zu meckern.

KonoSuba 2

Kono Subarashii Sekai ni Shukufuku o!, oder KonoSuba: God’s Blessing on This Wonderful World, hat seine zweite Staffel und dazugehörige OVA mittlerweile auch beendet. Also erneut hinein in die Serie mit den schrägen Gesichtszügen und wild wackelnden Hängetitten!

Wirklich viel hat sich allerdings nicht geändert. Genau genommen ist alles beim Alten. Hauptcharakter Kazuma ist weiterhin ein Sozialversager, der auch in die Fantasy-Welt transferiert nicht plötzlich zu besonderen Kräften erwacht, sondern weiterhin Auseinandersetzungen höchstens durch Glück und Trickserei gewinnt. Göttin Aqua ist weiterhin schrill und anstrengend und weinerlich. Magierin Megumin ist weiterhin absolut von sich selbst überzeugt, obwohl sie nur einen einzelnen apokalyptischen Zauber pro Tag sprechen kann. Und Paladin Darkness ist weiterhin nur eine Anhängerin von Kazuma, weil er so schön fies mit ihr umgeht, und sie das M in SM ist. Die Truppe ist weiterhin objektiv betrachtet nutzlos, gewinnt mit mehr Glück als Verstand, und in dem sie mehr kaputt hauen, als es das Unterfangen wert gewesen wäre.

Nur kam es mir so vor, als würde die zweite Staffel alle diese Charaktereigenschaften bis Elf aufdrehen. Natürlich ist KonoSuba eine Parodie der üblichen Fantasy Light Novels wie Asterisk War und Sword Art Online und der ganze Mist mit ewig gleichem Schema, in dem es alle üblichen Stereotypen untergräbt, aber letztendlich bleibt halt doch jeder nur bei einem einzelnen definierenden Charakterzug übrig. Der wird eben nur immer extremer.

Ich meine so eine richtige Handlung gibt es in den Staffeln ja sowieso nicht. Offiziell soll der Dark Lord besiegt werden, ist schon klar, und irgendwie schaffen die es mal wieder so beiläufig auch einen seiner Generale am Ende der Season besiegt zu haben, doch so ein richtiger roter Faden will sich für mich nicht wirklich einstellen.

Was an sich aber noch nicht mal unbedingt sonderlich negativ ist. Mit 10 Folgen ist so eine Staffel eh schnell genug rum, als das ich persönlich noch nicht davon gelangweilt wäre, dass sie immer wieder dieselben Klänge anschlägt. Und irgendwie finde ich diese Truppe an Arschlöchern und Chaoten, die sich durchs Leben schummeln schon einen witzigen und sympathischen Haufen. Von daher war ich erneut gut und kurzweilig unterhalten.

Wartet, jetzt hab ich es. Einen guten Vergleich zu KonoSuba, zumindest für jene, die in meine Altersklasse sind und damals bereits Anime geschaut haben. Denn irgendwie ist KonoSuba schon ziemlich wie Slayers. Wenn man denn nur den Humor und die irren Charaktere übrig hat, weil man die doch immer mal wieder halbwegs ernst sein wollende Handlung herausgeschnitten hat. Also praktisch die guten Parts von Slayers minus die langweiligen.

American Horror Story: Cult

Auch dieses, bzw. mittlerweile dann ja doch schon letztes Jahr, gab es eine neue Staffel von American Horror Story. Diese nennt sich Cult und nimmt sich zu gegebenem Anlass direkt mal den Totalausfall der amerikanischen Präsidentschaftswahl an. Oder das zumindest zu Beginn.

Ich meine, AHS ist immerhin kein South Park, bei dem man eine Woche vor Ausstrahlung erst das Skript schreibt. Von daher kann man natürlich davon ausgehen, dass die Präsidentschaftswahl oder zumindest deren ultimatives Ergebnis sich nur sehr gut mit dem Hauptthema der Staffel paaren lies. Denn dieses ist dem Untertitel geschuldet eines um Sekten. Hauptsächlich eben, wie charismatische Soziopathen es schaffen, Leute von ihren immer extremeren Vorstellungen zu überzeugen. Maßgeblich natürlich dadurch, dass sich Menschen von ihrem Staat und sozialem Umfeld im Stich gelassen fühlen, weil sie in zumindest als immer chaotischer und schlimmer werdend wahrgenommenen Zeiten nach einfachen Lösungen suchen, und nach jemandem, der ihnen eine klare Linie vorgibt, ihnen die Verantwortung fürs eigene Leben abzunehmen bereit ist.

Das funktioniert eben ganz gut mit dem Zuckerguss der Wahlen. Denn die Präsidentschaftswahl war schon eine, die viele mit Unmut zurückgelassen hat. Schon vor dem Ergebnis war es oftmals eine Entscheidung für das kleinere Übel, denn so wirklich populär war auch Clinton selbst bei vielen Demokraten nicht. Und leider ist das amerikanische System auch noch so aufgebaut, dass es sich nur lohnt eine der beiden großen Parteien zu wählen, Stimmen an Dritte verschwendet sind.

Und dadurch, dass es letztendlich Trump geworden ist, kann sich AHS: Cult so richtig auf die uramerikanische Kleinstadtangst einlassen. Eben zum einen der Radikalisierung der Alt-Right und dem ganzen Anhang, die schleichend und vor allem auch bei jungen Männern im Internet, zu dem Ergebnis geführt hat, mit dem nun gelebt werden muss. Aber auch die liberale Wählerschaft der Demokraten, die dank des Trump-Regimes darum zittern dürfen, dass ihnen langsam aber sicher ihre Rechte wieder aberkannt werden, oder die Nachbarschaft von Neo-Nazis überschwemmt wird.

Optisch bleibt die Serie übrigens bei der brachialen, realistischen Darstellung der vorigen Staffel. Das Opening mag zurück sein, das Promotionsmaterial wieder viel Glamour und Class verbreiten, doch die Optik ist wieder bodenständiger und ernster. Was der Thematik durchaus auch ganz gut tu.

Wobei ich persönlich die Staffel im späteren Verlauf besser fand, als eben der Bezug auf die aktuelle politische Lage immer notdürftiger wurde, und die eigentliche Handlung um den Kult angefangen wurde. So ganz verschwunden ist es nie, aber AHS ist halt einfach eine viel zu dumme Serie, um wirklich etwas aussagen zu können, und da nimmt sich Cult nichts. Ganz so wie jede Staffel kommen immer mehr Nebenhandlungen hinein, hier noch eine Abzweigung, hier noch eine Biegung in die Geschehnisse. Nicht alle wirklich zwangsläufig zu einem befriedigenden Ende gebracht, und allgemein die Serie zu verwässernd, um wirklich am Ende des Tages eine Punkt und eine Aussage zu bieten. AHS schaut man für den Unterhaltungswert, nicht um dabei auch das Hirn aktiviert zu haben.

Und so wird von 4Chan bis zu den extremen First Wave Feministen, die plötzlich eigentlich der Zodiac Killer waren, weil sie alle Männer umbringen wollten, alles geboten. Warum junge Menschen dennoch rechts wählen, warum die snobistische Einstellung vieler Linker keinen für ihre Seite gewinnen kann, gezielt geschürte Panik durch fingierte Überfälle, um die immer bessere Kriminalstatistik zu untergraben und subjektive Gefahr der objektiven Lage entgegenzusetzen – und am Ende gibt es doch das Matriarchat als richtige Gruppe von Frauen in Kutten. Wilder Ritt, abgedreht und unterhaltsam, aber wann immer die Serie droht vielleicht doch einen nuancierten Punkt zu machen, wird das von einer an den Haaren herbeigezogenen Idee wieder untergraben. Aber hey, Subtilität oder Hirn kann man der aktuell realen politischen Lage in den USA tatsächlich nicht vorwerfen, von daher ist AHS vielleicht gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt, wie sie das mal war.

A Christmas Horror Story

Bei A Christmas Horror Story handelt es sich um einen weiteren amerikanischen Horrorfilm aus dem Jahr 2015, der zur Weihnachtszeit spielt, und welcher den Krampus für sich entdeckt hat.

Nur haben wir es diesmal um eine Anthologie aus vier kaum miteinander verknüpften Geschichten zu tun. Für einige davon ist Weihnachten wichtiger, bei anderen ziemlich nebensächlich. In der einen Geschichte folgen wir drei Teenagern, die zu Weihnachten in ihre Schule einbrechen, weil sie eine Doku darüber drehen wollen, als das Gebäude noch von Nonnen geleitet wurde und nun der Geist einer bei der Abtreibung ihres Kindes gestorbenen Mädchens umgehen soll. In der nächsten folgen wir einer dysfunktionalen Familie, die zum Fest die deutsche Tante besuchen wollen, und von Krampus gejagt werden. Die Familie der dritten Geschichte geht in eine abgesperrte Zone im Wald, um ihren perfekten Weihnachtsbaum zu schlagen, nehmen aber statt ihres Kindes einen Gestaltwandler mit nach Hause. Die vierte Geschichte spielt hingegen in der Fabrik vom Weihnachtsmann, der seine zu Zombies mutierten Elfen köpfen muss.

Den Rahmen von alledem bildet William Shatner, der als DJ einer Radiostation zu Weihnachten ein wenig hier und dort kommentiert, Lieder einspielt, und über den Krieg gegen Weihnachten mosert. Weil es für gelangweilte, konservative, mittelständige Weiße ohne echte Probleme im Herzen Amerikas nichts Schlimmeres gibt, als das man in Geschäften nur noch „Frohe Feiertage“ wünscht, da in der Multikulti-Gesellschaft eben nicht jeder Kunde zwangsläufig das christliche Weihnachten feiert. Unterdrückung von Religion und Redefreiheit und all der an den Haaren herbeigezogene Müll. Hashtag White Genocide.

Nun handhaben es Anthologien meist so, dass sie ihre verschiedenen Geschichten nacheinander abhandeln. Um sie vage miteinander zu verknüpfen läuft vielleicht mal wer aus einer anderen durch den Hintergrund oder offenbart die letzte doch einen größeren Zusammenhang, aber zunächst läuft jede Geschichte für sich. Warum das normalerweise so gehandhabt wird, zeigt sich ganz gut in A Christmas Horror Story, welches nämlich nicht dieser Konvention folgt. Stattdessen hält er sich an eine normale Filmstruktur und springt Szene für Szene zwischen den Geschehnissen hin und her. Das funktioniert bei einem normalen Film, der einen eindeutigen Hauptfokus hat, aber nicht so sehr bei einer Anthologie. Denn so häufig zwischen Charaktergruppen, Handlungssträngen und Lokalitäten hin und her zu wechseln, die alle gleiche Gewichtung haben, ist eher verwirrend und wirkt wie ein Durcheinander.

Ansonsten ist es halt so, wie das bei Anthologien häufiger der Fall ist, dass sich die Gefälligkeit des Filmes stark danach richtet, in welcher Storyline man sich gerade bewegt. Wobei ich schon sagen muss, dass die alle keine großen Sprünge machen. Am interessantesten ist im Prinzip diejenige, die am stärksten heraussticht, nämlich der Weihnachtsmann im Kampf gegen seine Zombiehelfer. Die Handlung ist zwar auch ein wenig simple durch die insgesamt kurze Zeit, aber doch sehr unterhaltsam, von der Grundidee nicht so Standard, und vor allem auch mit einer netten Wendung fürs Ende bestückt, die darauf aufbaut, dass diese Handlung so anders ist. Die anderen drei sind halt so ein wenig gehabt, durch ihre Kürze und den schnellen Wechsel zwischen ihnen nicht komplett langweilig, werden einen aber auch nicht wirklich vom Hocker hauen.

Frohe Festtage und der ganze Kram dann auch von mir.

Krampus

Ich muss eingestehen, bevor Horror-Hollywood vor wenigen Jahren ihn kurzzeitig für sich entdeckte, habe ich noch nie vom Krampus gehört gehabt. Allerdings scheint es so, dass der zwar gern der deutschen Folklore zugeteilt wird, aber dann doch stark auf den alpinen Raum von Bayern über Österreich nach Tirol beheimatet ist. Mir als Nordhesse wäre das Vieh zumindest noch nie über den Weg gelaufen.

Der nach ihm benannte Film Krampus ist übrigens dahingehend sehr interessant, als dass er mich ein wenig an Gremlins erinnert. Für kleiner Kinder ist er nämlich wohl schon etwas zu gruselig, aber insgesamt doch handzahm genug, als dass man ihn mit den etwas Größeren als Familien-Gruselstreifen zu Weihnachten schauen könnte.

Bestenfalls denjenigen, die eine leicht zynische Ader haben. Horrorfilme zu Weihnachten, wenn der Tag an sich nicht eher zufällig gewählt scheint, sind natürlich von Natur aus eher mit einem differenzierten Blick auf den Feiertag ausgestattet, statt es als absolut wundervollste Zeit des Jahres voller Kuscheleinheiten zu präsentieren. Krampus allerdings ist schon fast eine schwarze Komödie an gewissen Stellen. Darauf stimmt uns bereits die Einstiegsszene ein, die eine außer Kontrolle geratene Bande von Leuten im finalen Rausch die Weihnachtsgeschenke zu kaufen zeigt, sich die gegenseitig aus den Händen reißend, die eigenen Kinder fast niedertrampelnd. Und dazu immer schön ein Weihnachtslied.

Der Hauptfilm an sich geht natürlich zu einer Familie nach Hause, deren nahe Verwandten zum Weihnachtsfest eingeladen sind. Obwohl sich keiner davon wirklich sonderlich leiden kann. Die einen werden für Snobs gehalten, die anderen für White Trash. Und die unleidliche Tante, die eh alles scheiße findet, ist auch noch mit dabei. Da ist es klar, dass man sich fast sofort auf die Nerven geht, passiv-aggressive Töne durch die Gegend fliegen, und die Spannungen gerade unter den Kids irgendwann zu eskalieren drohen.

Doch was bringt eine Familie zu Weihnachten schon besser zusammen, als plötzlich in einem Schneesturm im eigenen Hause gefangen zu sein, während der Krampus die Nachbarscheit heimsucht, um sich diejenigen vorzuknöpfen, die zum Fest nicht bemüht fröhlich und glücklich sind, so wie sich das gehört?

Was ich Krampus allerdings echt hoch anrechne ist, dass es sehr mit den Erwartungen des Publikums zu spielen weiß. Eben weil er relativ harmlos gehalten ist. Die Monster sind zwar schon unheimlich designt, aber es gibt kein wirkliches Blut zu sehen, Charaktere sterben alle Off Screen, und nackte Tatsachen sind ebenfalls absent. Gerade deswegen erwartet man halt fast, dass dies wie eingangs erwähnt so ein Stück weit Familienhorror ist. Dass es hier darum gehen wird, das die Familie nur im gemeinsamen Kampf zusammenfinden muss. Den wahren Sinn von Weihnachten entdeckt. Alles am Ende irgendwie doch überstanden wird und gut ausgeht.

Aber genau das liefert Krampus eben nicht. Wenn die Teenie-Tochter bereits nach einer halben Stunde doch kurz in das Schneetreiben geht, um ihren wenige Häuser entfernten Freund aufzusuchen, und der Krampus sie zu jagen beginnt. Ja das ist doch eindeutig nur da, damit ein Familienangehöriger die Gefahr zu Gesicht bekommt und die anderen darauf aufmerksam machen kann. Sie wird es doch bestimmt wieder zurück nach Hause schaffen. Nope. Und in der finalen halben Stunde, auf die wahrscheinlich fast das ganze Special-Effects-Budget verwendet wurde, geht sowieso alles drunter und drüber – was für eine Gaudi.

Schön vor allem auch, dass die Omi von einer österreichischen Schauspielerin verkörpert wird. Um an die Folklore anzuknüpfen ist die nämlich deutschstämmig und spricht auch fast nur unsere Landessprache den kompletten Film über. Was übrigens ein weiterer netter Gag ist, wenn sie dann doch der Einfachheit halber (die meisten Familienangehörigen verstehen kein Deutsch, so dass der Junge meist übersetzt) eine kurze Geschichte in Englisch erzählt, und die Tante meint, sie hätte schon immer gewusst, dass die Omi nur zu starrköpfig ist, die Sprache zu sprechen. Die Omi ist sowieso der härteste Charakter des Filmes und der in einer Animations-Sequenz erzählte Flashback an die Nachkriegszeit, in der sie bereits auf den Krampus traf, ziemlich cool.

Super unterhaltend war der Film einfach. Ich habe per se kein Problem mit dem Weihnachtsfest, aber gleichzeitig finde ich es halt auch immer erheiternd, auch so einen eher zynischen Blick drauf geworfen zu sehnen. Und Krampus ist einfach herrlich gemein von seiner Wesensart her, sowohl dem Fest wie auch der Familie gegenüber. Aber eben auf eine schwarzhumorige Art und Weise. Hat mir echt total gefallen.

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