Tom of Finland (2017)

Touko Laaksonen ist ein junger finnischer Mann, der im Zweiten Weltkrieg dient. Das ist natürlich eine Ausnahmesituation, bei der man nie weis, ob und wer lebend wieder nach Hause kommt. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass bei allen anderen Nachteilen, er zumindest seine Homosexualität ausleben kann. Natürlich alles immer noch hinter vorgehaltener Hand und nicht offen angesprochen. Doch kümmert es keinen, welche Soldaten sich nachts heimlich in den Parks treffen, um gleichgeschlechtlichem Personennahverkehr nachzugehen, wenn es am nächsten Tag Bomben regnen könnte.

Das ändert sich, sobald der Krieg vorbei ist und Touko zurück nach Hause kommt, ein normales Leben beginnen soll. Nun wird er aus Clubs geworfen, wenn er dort dem Falschen Avancen macht. Und nachts werden Gleichgesinnte von prügelnder Polizei aus den Parks vertrieben. Finnland ist zu konservativ, auch gegenüber Laaksonens Faible homoerotische Bilder zu zeichnen.

Doch sein späterer Partner ermutigt ihn nicht nur weiterzuzeichnen, sondern die Bilder auch ins Ausland zu schicken. Im aufgeschlossenen Kalifornien der Flower-Power-Era wird er sogar hochbekannt und seine Bilder das Gesicht der Community – allerdings alles schön brav unter schützendem Pseudonym Tom of Finland.

Bilder von Tom of Finland kennt sicherlich jeder, immerhin ist er einer der bekanntesten Porn-Künstler, die es gibt. Und seine Werke sind mittlerweile durch Ausstellungen und Kunststudium längst nicht mehr nur in der Schmuddelecke zu finden. Heutzutage mag man beim Anblick seiner hypersexualisierten Männer in hautengen Uniformen fast ein wenig schmunzeln, können sie doch glatt ein wenig lächerlich übertrieben wirken. Zumindest wenn man eines seiner zahmeren Werke sieht, statt eines derer, wo stark mit sexueller Gewalt geflirtet wird.

Deswegen fand ich es sehr interessant in dieser Dramatisierung seines Lebens mehr Kontext zu bekommen. Es ist sonst einfach zu vergessen, dass Touko Laaksonen diese Bilder seit den 40ern gezeichnet hatte. Dass er damit begann, als deren Besitz einen noch hinter Gittern bringen konnte. Das sie mit ein künstlerischer Ausdruck dafür waren, dass Homosexualität existiert und nicht verschwinden wird. Zunächst für Laaksonen und seinen Partner. Dann später als Gesicht der Freien Liebe, die auch Homosexualität duldet. Und während der Beginne der AIDS-Krise, als es als schwule Krankheit galt, und von der Regierung nix unternommen wurde, weil die Schwuchteln sollen ruhig dran sterben, erneut als ein Sinnbild dafür, dass man existiert und sich nicht erneut Stigmatisieren lassen will.

Etwas wackeliger wird der Filmes schon, wenn es um das Privatleben von Laaksonen geht. Immerhin spannt er in seinen knapp 2 Stunden ganze Jahrzehnte, vom Einsatz im Krieg in den 40ern bis hin zu seinem Tod Anfang der 90er. Da geht dann natürlich alles sehr schnell und man mag sich kaum auf was einlassen können. Seine Schwester bleibt beispielsweise ein unterrepräsentierter Charakter. Sie nimmt ihn nach dem Krieg auf. Sie scheint auch eine unterstützende Wirkung zu haben, auch wenn sie seine Homosexualität nicht akzeptiert. Es kommt sogar fast zu einem Liebesdreieck mit Toukos späterem Partner, welches nie wieder Reibungspunkte aufbietet, nachdem er sich für ihn statt seine Schwester entschieden hat. Anschließend verschwindet sie sogar weitestgehend aus dem Film. Auch Toukos Partner kommt immer sporadischer vor, nachdem sich ihre Beziehung gesetzt hat.

Von daher ist es sicherlich besser, wenn man Tom of Finland (2017) als eher oberflächliche Biographie des Künstlers sieht. Eine, die mehr auf seinen Schaffungsprozess und Sexualität eingeht.

Mardock Scramble – Third Exhaust

Der finale Film, The Third Exhaust, startet genau dort, wo der zweite Film aufhörte: Im Casino. Wer dachte, dass eine halbe Stunde der knappen Stunde des vorigen Films ans Glücksspiel zu verlieren, bereits eine ziemliche Zeitverschwendung war, wird hier nicht glücklicher gemacht. Auch die dritte Stunde der Saga wird zur Hälfte davon eingenommen. Damit ist ein drittel der Spielzeit von Mardock Scramble im Casino zugebracht.

Und sicherlich gibt es auch Anime, die Glücksspiel als zentrale Thematik interessant aufbereiten können. Mardock Scramble gehört aber nicht dazu. Dafür ist das immer alles viel zu einseitig. Entweder gewinnt Rune-Balot haushoch, oder sie verliert alle Spiele. Zumindest bis über ewige innere Monologe mit Oeufcoque hinter dessen Trick gekommen wurde, und Rune-Balot wieder einseitig gewinnen darf. Es gibt nie ein richtiges Tauziehen, nie einen Clash der Strategien.

Sind wir endlich aus diesem unsäglichen Casinos raus, geht es dafür umso überstürzter. Sie haben aus den Chips die Erinnerungen von Shell geholt, und finden endlich heraus, warum er Mädels umbringt. Er selbst wurde von seiner Mutter vergewaltigt, bis er jene umbrachte. Deren Asche war der erste blaue Diamant. Dann war er aber mal eine weile glücklich mit jemandem liiert, bis die ihm offenbarte, dass sie ebenfalls als junges Mädchen von ihrem Vater missbraucht wurde. Sie ist dann irgendwie auch gestorben, so richtig wie wann und warum hab ich nicht mitbekommen. Alles hat Shell dann jedenfalls so sehr mitgenommen, dass er anfing, misshandelte Mädchen aufzunehmen, sie früher oder später aber wie seine Mutter umzubringen und zu blauen Diamanten zu verarbeiten.

Die Gerichtsverhandlung gegen Shell, um die es ja eigentlich gehen soll, und für die man seine Erinnerungen als Beweise brauchte, sehen wir übrigens gar nicht. Sondern nur die Szene, wie er schon als Verurteilter abgeführt wird. Na da hat es sich doch echt gelohnt, das Casino auf eine volle Stunde zu ziehen. Musste man ja nur so eine Unwichtigkeit für einsparen, wie der eigentliche Verhandlungshöhepunkt gegen den Antagonisten.

Der entkommt und bringt seine Verlobte um, durch die er ja zur October Corp eine Verbindung hatte. Und wir finden heraus, dass auch sie von ihrem Vater, dem Oberhaupt der October Corp, misshandelt wurde. Ich schwör, Mardock Scrambles einziger Modus Operandi ist, Charaktere, die ein Trauma brauchen, eine Misshandlung anzuhängen, und Bösewichte als Pädophile darzustellen. Mardock Scramble ist das edgedordigste Anime, das ich seit RIN: Daughters of Mnemosyne geschaut habe.

Shell will den October Corp Präsidenten erschießen, der ist jetzt irgendwie wichtig, auch wenn er nur zwei Sätze im Film hatte. Hält sich dann aber doch zurück. Genauso, wie sie Shell verschont, sondern ihm nur seine Erinnerungen wieder einpflanzt, davon überzeugt, dass er dann nicht mehr mordet. Das ist wohl ihre Character Arc. Statt Oeufcoques Kräfte wie am Ende vom ersten Film im Rachewahn zu missbrauchen, behält sie einen kühlen Kopf und lässt die Rechtssprechung über sie entscheiden. Boiled will sie ebenfalls verschonen, aber der geht zu brutal gegen sie vor und lässt sein Leben. Was er aber gut findet. Und dann ist Mardock Scramble auch ziemlich sang- und klanglos vorbei.

Mardock Scramble war im Ganzen schon eine Enttäuschung. Es möchte so gerne das neue Ghost in the Shell sein, ist aber viel zu dämlich dafür. Dabei gibt es durchaus viele interessante Ansätze, die man verfolgen kann. Nicht nur was das World Building angeht, wie ich es schon beim zweiten Film bemängelte. Sondern auch Tiefenpsychologisches. Die ganze Shell-Revelation ist so kurzangebunden und abgehackt, dass man schnell die Übersicht verlieren kann. Was war genau mit seiner Freundin geschehen? Warum meint Rune-Balot, dass seine Erinnerungen ihn vom Morden abhalten werden? Ist das unterbewusste Halb-Erinnern an sein Kindheitstrauma ohne konkrete und klare Erinnerungen der Grund seiner Psychose? Hält er sich die misshandelten Mädchen, weil er sie unterbewusst als Ersatz der vergessenen Freundin sieht? Oder Boiled. Was macht es aus einem Menschen, wenn man ihm nicht nur die Emotionen nimmt, sondern auch die Not zum Schlafen? Als Supersoldat sicherlich geil, aber was macht es psychisch mit einem Menschen, nie zur Ruhe zu kommen, nie abschalten zu können?

Das interessiert Mardock Scramble aber irgendwie alles nicht. Traumata sind plakativ und möglichst fies, gleichzeitig aber doch irgendwie immer wieder das gleiche. Action-Szenen möglichst schnell und brachial. Hier und dort mal ne Titte ins Bild halten. Extreme Gesichtszüge und Reaktions-Cose-Ups. Aber wirklich spannend ist es dann dennoch nicht, wenn man plötzlich eine volle Stunde tote Zeit mit langweiligen Casino-Gesprächen füllt.

Funky Forest

Funky Forest ist ein Anthologienfilm aus dem Jahr 2005, der unter der Direktion von Katsuhito Ishii, Hajime Ishimine und Shunichiro Miki enstand. Manchmal wird dem auch der Untertitel The First Contact angehängt, was allerdings hinfällig ist, da es nur diesen einen Film gibt. Vielleicht war auch nie mehr geplant und der Beititel ist nur eine weitere merkwürdige Anomalität in einem merkwürdigen filmischen Gebilde.

Es gibt ein paar Charaktere und deren Handlungen, zu denen wir regelmäßig zurückkommen werden. Beispielsweise Guitar Brother, wenn es um drei zusammenlebende Brüder geht. Von denen einer die Gitarre spielt. Während der jüngste und einzige Nicht-Japaner, dessen Kinderschauspieler glaube ich auch nicht die Sprache versteht, die er da vor sich hinredet, beständig am Essen ist. Der ist nämlich fett. Und Fette essen ständig. Es darf nun gelacht werden. Das war der Witz.

Denn Funky Forest soll witzig sein. Es ist eine Comedy-Anthologie. Und eine von über 2 Stunden. Der Humor gestaltet sich aber eher in Form von reiner Randomness oder einfach mehr oder weniger skurrilen Ereignissen und schnellem Gerede. Die Mädels, die zu Dritt einen Onsen besuchen, erzählen sich beispielsweise nur Maschinenpistolenartig Geschichten. Die sind eigentlich auch nur leicht strange. Nichts im Vergleich dazu, wenn ein Kerl in seinem Traum plötzlich am Strand mit einem hypersexualisierten Anime-Roboter tanzen muss. Oder wenn ein Kerl im gelben Plüschkostüm ein Schulmädchen darum bittet, zu ziehen, der Schwanz des Kostüms aber aus der Lendengegend hängt. Manche Dinge sind also wesentlich abgedreht und unverständlicher, während andere mehr durch die Atmosphäre, die Musik, das Schauspiel einen leicht skurrilen Einschlag bekommen, obwohl sie eigentlich nicht so besonders sind.

Funky Forest hat eine gewisse Notorietät erlangt. Über kleine Clips davon, die auf Youtube gelandet sind. Der Tennisunterricht mit den Klöten ist davon, zum Beispiel. Und diesen Effekt hat der Film dann auch durchgängig. Der eines Memes. Von kurzen Vines oder TikToks. Nur eben nicht kurz. Diese funktionieren nämlich, weil sie nur wenige Sekunden lang sind. Da braucht es keinen Witz, keine Pointe. Die können einfach merkwürdig sein. Jetzt stelle man sich aber vor, so ein Clip wäre eine Szene von mehreren Minuten. Und man müsse sich für Zweieinhalb Stunden diese Clips anschauen. Funktioniert nicht.

Ich persönlich fand Funky Forest dann auch keineswegs witzig. Ich empfand den Film lediglich als nervtötend und anstrengend. Eine Strapaze. Sicherlich wollte ich ein wenig der Kreativität Goodwill entgegenbringen, denn die ist bestimmt gegeben. Doch für über zwei Stunden einfach jeglichen dämlichen Scheiß auf die Leinwand zu klatschen, da muss man schon im Kopf des Regisseurs sein, um mitgehen zu können.

Good Omens

Good Omens ist ein Buch, welches von den beiden Autoren Terry Pratchet (u.A. Scheibenwelt) und Neil Gaiman (Sandman, American Gods etc.) kooperativ kreiert wurde. Die beiden Namen sind natürlich schon ein ziemlicher Qualitätsgarant, wenn man sich ein wenig mit deren Werken oder auch nur ihrer Reputation auskennt. Tatsächlich ist Good Omens sogar das allererste Buch von Gaiman, der vorher in der Comic-Szene unterwegs war.

Ums Buch geht es hier aber gar nicht, sondern um deren Adaption. Die ist dieses Jahr als 6-teilige Miniserie auf Amazon Prime erschienen und hat sofort die Herzen meiner Twitter-Timeline erobert gehabt. Mit Michael Sheen und David Tennant in den Hauptrollen konnte man auch hier auf einiges hoffen.

Engel Aziraphale und Dämon Crowley kennen sich schon eine geraume Weile. Seit dem Sündenfall, um genau zu sein. Denn Crowley ist derjenige, der als Schlange Eva den Apfel schmackhaft machte. Während Aziraphale dem verstoßenen Paar sein Flammenschwert mitgab, um sich außerhalb des Paradieses verteidigen zu können. Dabei sollte er jenes doch im letzten Gefecht selbst schwingen. Aber so ein Armageddon ist ja noch lang hin.

Bis es das nicht mehr ist. Im Hier und Jetzt müssen die beiden nämlich erfahren, dass der Weltuntergang für nächste Woche anberaumt ist. Die Heerschaaren des Himmels und der Hölle wetzen bereits ihre Waffen, Einladungen an die vier Reiter der Apokalypse sind raus. Nur der Antichrist fehlt. Auf den sollten Aziraphale und Crowley eigentlich achten, doch dummerweise gab es bei seiner Geburt eine kleine Verwechslung. Oder anders gesagt: Die beiden haben den Antichrist verlegt.

Ganz so originell wie noch 1990 ist Good Omens heutzutage selbstverständlich nicht mehr. Engel und Dämonen in die Moderne zu versetzen, und sie selbst dabei als verschrobene Neutzeitmenschen zu modernisieren, ist einfach nicht mehr so neu. Was aber nicht bedeutet, dass es dadurch ein langweiliges Konzept ist, gerade wenn die Umsetzung stimmt.

Und die stimmt zum Großteil in Good Omens. In den sechs Stunden wird dem Zuschauer solch ein Kaleidoskop an verqueren Figuren vorgesetzt, solch merkwürdige Szenen geboten, sich im trocken-britischen Humor inszeniert. Von einer Hexe, die ihre eigene Verbrennung einleitet und sich via Explosion rächt. Von einer Domina, die sich als falsches Medium was dazuverdient, und von Aziraphale besessen wird. Von einem Höllenhund, der als Terrier undercover geht, und dabei dessem freundlichen Gemütszustand erliegt. Good Omens bietet viele Charaktere, fährt viele Begebenheiten auf, ist unermüdlich darum bemüht, keine tote Luft aufkommen zu lassen.

Da droht das ganze Ensemble auch schon mal unter seinem eigenen Gewicht zusammenzubrechen. Wenn an zu vielen Orten mit zu vielen Charakteren Dinge geschehen. Wenn so einiges zunächst keiner Wichtigkeit offenbaren will. Unterhaltsam ist der trockene Humor immer, aber manchmal fragt man sich echt, was die Szene jetzt schon wieder sollte, oder warum noch ein neuer Charakter nötig war.

Was das immer irgendwie dann doch zusammehält, selbst wenn das ganze Drumherum zu mäandern beginnt, ist die Beziehung von Aziraphale und Crowley. Dies ist das wahre Kernstück um die apokalyptischen Ereignisse von Good Omens und sicherlich auch, was die meisten Zuschauer an der Serie wirklich bewegt. In Flashbacks zu sehen zu bekommen, wie die sich über die Jahrtausende seit der Schaffung der Erde angefreundet haben. Wie sie heimlich den Weltuntergang zusammen zu verhindern versuchen, weil sie eigentlich gerne auf der Erde verweilen. Wenn sie sich ein wenig ansticheln müssen, weil sie ja offiziell auf verschiedenen Seiten stehen, aber doch eigentlich immer klar ist, dass sie umeinander besorgt sind. Die Alte-Ehepaar-Routine von Sheen und Tennant ist das, was Good Omens wahrhaftig ausmacht. Was der manchmal etwas unfokussierte Vergnügungsfahrt der Handlung einen zentralen Kern und Ankerpunkt gibt.

Tales of Halloween

Das Jahr ist 2015. Der Ort ist die Indie-Produktionsfirma epic. Die Protagonisten sind ein Dutzend Regisseure. So entstand Tales of Halloween, ein Anthologien-Horror-Film zum besten Fest des Jahres.

Als Gesamtwerk ist der Film dabei knapp unter 100 Minuten lang, beinhaltet allerdings ganze 10 Segmente. Da muss natürlich noch ein wenig was für Opening- und Endingcredits abgezogen werden. Eine einzelne Geschichte ist also auf unter 10 Minuten beschränkt. Wir gehen daher zügig durch das Geschehen. Welches, wie wir im Finale herausfinden, tatsächlich alles an ein und der selben Nacht in der gleichen amerikanischen Kleinstadt stattfindet. Die haben wohl jährlich so ein kleines Problem, dass zu Halloween alles drunter und drüber geht.

Und schon hätte ich gern, dass man im Jahreszyklus einen Anthologie-Film zu Halloween raushauen würde. Das könnte doch echt spaßig sein.

Die überschaubare Zeit im Auge behaltend sind die einzelnen Geschichten natürlich sehr basisch. Sie hängen immerhin nicht zusammen, auch wenn sie am gleichen Abend geschehen sollen. Dafür bekommt man natürlich so einiges in der Zeit geboten. Ob nun zwei Babysitter die Legende eines Jungen erzählen, der nie Süßigkeiten essen durfte, und sie deswegen Leuten an Halloween aus dem Magen frisst, wenn man ihm keine Opfergabe bringt. Und der natürlich prompt auftaucht, nur damit das Babygesittete Kind am Ende wie der Mörder seiner Aufpasser aussieht. Oder wenn wir in einer schwarzhumorigen Parodie von Friday the 13th stecken, bei dem ein Alien das Teeny-Opfer vom Hockey-Masken-Mann übernimmt und sich beide gegenseitig kaputthauen. Vielleicht geht auch einfach nur ein riesiger Killer-Kürbis um.

Es sollte wohl klar sein, dass die Geschichten nicht nur Horror beinhalten, sondern mal mehr oder mal weniger viel Witz mit hineinbringen. Der ist manchmal fieser als andermal, genau wie manche Segmente mit mehr Gore aufwarten als andere. Gerade das erste setzt hier eigentlich den Brutalitätshöhepunkt, während sich der Rest entweder mehr zurückhält oder es so überspitzt, dass es wieder eine Komik hat.

Ich war jedenfalls gut unterhalten mit den kurzweiligen Happen an Horrorgeschichten. Das ist wirklich der perfekte Halloween-Watch. Und es ist schade, dass daraus keine Tales of Halloween Reihe wurde, bei dem sich regelmäßig kreativ in kleinen Segmenten ausgetobt werden konnte.

Universal Monsters – Dracula’s Daughter

Hollywood war früher keinen Deut besser. Wunderbar ersichtlich an Universals Produktion Dracula’s Daugther. Sequel zu einem ihrer beliebtesten Streifen. Teil eines gigantischen, übergeordneten Monster-Universum zum Gelddrucken. Die Adaptionsrechte an Stokers Kurzgeschichte von MGM schnell geschnappt, um Universal für die Rechteabtretung ordentlich blechen zu lassen. Wiederholt umgeschrieben, bis das Script allen Studiobossen gefiel. Drehbeginn war sogar noch vor dessen Finalisierung, um es möglichst schnell abgedreht und in den Kinos zu haben. Mit einer Hauptdarstellerin, welche die Rolle eigentlich nicht wollte, um nicht a la Lugosi im Typecast zu landen.

Die finalisierte Version setzt direkt dort an, wo Dracula aufhörte. Van Helsing hat den Grafen gepflockt, und wird von der Polizei aufgegriffen. So einen alten Kerl in einer Krypta mit zwei Leichen ist immerhin verdächtig. Nur das bald eine der Leichen fehlt. Denn Gräfin Zaleska hat sich Draculas Leichnam geschnappt, um ihn rituell zu verbrennen. Nicht als letzte Salbung, oder um ihn wiederzuerwecken. Nein, Draculas Tochter hofft einfach nun von ihrem Blutsauger-Fluch befreit zu sein.

Ist sie nicht. Die gute Gräfin streunt weiterhin aufgewühlt durch die nächtlichen Londoner Straßen, bis sie attraktive junge Dinger mit verführerischen Halsschlagadern trifft, an denen sie sich festsaugen kann. Doch eine letzte Hoffnung bleibt ihr. Doctor Garth, der zufälligerweise auch Van Helsing bei seiner Mordanklage helfen soll. Denn Gräfin Zaleska bekommt mit, dass jener Süchtige therapiert.

Dracula’s Daughter ist immerhin besser geworden, als man sich bei dem ganzen Developement-Trubel, der sich darum gerankt hat, denken mag. So absolut der Reißer mag er jedoch immer noch nicht sein. Dafür ist der Film etwas zu langatmig und stellenweise Ereignislos, obwohl er gerade mal 70 Minuten füllt. Hier merkt man wahrscheinlich am ehesten, wie häufig das Script geändert wurde, und dass es erst nach Drehbeginn fertig war.

Zwei Dinge machen den Film allerdings auch aus heutiger Sicht noch interessant und elevieren ihn über das durchwachsene Script. Zunächst ist da das schauspielerische Talent von Gloria Holden als Gräfin. Sie spielt ihre Rolle mit einer aritokratisch-kühlen Distanziertheit, aber doch mit einer darunterliegenden Fragilität, die sie weit über alle anderen Akteuere stellt. Ihre Darstellung ist ein Urkern der Goth Lady. Sexy, erhaben, düster.

Und dann sind da die homoerotischen Untertöne. Sicherlich mag Zaleskas erstes Opfer ein Mann sein, in einem schnellen Blinzel-und-du-hast-es-verpasst, fast wie zum Alibi. Denn wesentlich interessierter scheint sie an jungen Damen zu sein. Die Szene mit dem Model, wenn sie sich ihrer Sucht stellen will und ihr dann doch erliegt, versprüht eine ordentliche Portion Erotizismus, so dass sie gegenüber der ursprünglich geplanten Version verharmlost wurde. Das unruhige Herumschleichen auf Londoner Straße auf der Suche nach neuen Opfern oder der verzweifelte Versuch, sich über Therapie von ihrem Dasein zu befreien, bringt gerade im Kontext der Enstehungszeit natürlich auch ihren ganz eigenen Subtext mit. Wenn auch natürlich keinen eindeutig positiven, die homosexuell konnotierte Rolle als gefährlichen Räuber zu haben. Nicht das der Film ihr nicht zumindest zu Beginn noch eine gewisse Sympathik gegenüberbringt, die wir aber durchaus auch schon früher bei „Monstern“ wie im Hunchback of Notre Dame oder Frankenstein sahen.

Zusätzlich etwas Schwung in die Sache bringt die Beziehung vom jungen Doctor Garth zu seiner Sekretärin. Die starke, unabhänige Frau ist nämlich ziemlich selbtsbewusst und schnippisch, und er weiß ganz genau, wie er das erwiedern muss. Deren Interaktionen miteinander ist sodann auch das andere schauspielerische Highlight neben Holden. Diese humorigen Einlagen zusammen mit der Dramatik hinter der Figur der Gräfin lassen letztendlich nur wenig Platz für Horror oder auch nur Grusel im Film.

Schlecht ist der Film also nicht. Oftmals aber eher interessant denn wirklich gut. Dadurch geholfen, dass das Unterfangen würzig-kurz bleibt. Länger hätte er nämlich wirklich nicht sein dürfen.

Psycho IV: The Beginning

Es geht zurück in die Hauptfranchise, wir bleiben allerdings den TV-Bildschirmen treu. Also in der Erstveröffentlichung. Meine Sichtung aller fünf Filme war natürlich konsequent auf dem gleichen Wiedergabegerät.

Norman Bates ist mal wieder draußen. Was zwischen Psycho und Psycho II durch das zwanzig Jahre Spät-Sequel noch Sinn machte, will natürlich bei den vier Jahren zwischen Psycho III und Psycho IV eher weniger wahrscheinlich erscheinen. Verheiratet ist er auch, dies dadurch erklärt, dass seine Frau Psychotherapeutin ist, und die beiden sich in der Heilanstalt kennengelernt haben, die Norman zu so einer Speed-Heilung verholfen hat.

Das dient allerdigns zunächst eh mehr als Rahmenhandlung. Denn eine Radiostation interviewt gerade Experten zum Muttermord, und da es Normans Geburtstag ist, fühlt er sich dazu geneigt, doch mal anzurufen und seine Geschichte zu erzählen. Vom Tod seines Vaters, als er noch klein war, der seine liebende Mutter so extrem veränderte, zu der eher unkomfortabel nahen Beziehung der beiden als er ein Teen war, von ihren Tobsuchtsanfällen, kulminierend darin, als sie einen neuen Mann ins Haus holt, und Norman sich dazu entschließt, beide umzubringen. Um dann doch die Leiche der Mutter wieder zu sich zu holen und in ihrem Sinne Frauen umzubringen, die sich an ihn ranmachen.

Erst am Ende kommt die Präsenz-Handlung wieder zum Zuge, wenn wir herausfinden, dass Normans Frau schwanger ist, obwohl er dem immer entgegenstand, weil er befürchtet, sein Wahnsinn könnte sich auf das Kind übertragen. Weswegen er nun seine Frau umbringen will, die Vorzeige-Therapeutin, die überhaupt nichts faul daran findet, dass Norman sie an seinem Geburtstag zum verlassenen Bates Motel bringt.

Ich stehe dem letzten Psycho mit Anthony Perkins als Normal Bates etwas gemischt gegenüber. Es ist sicherlich eine gute Idee, eher weg vom Standard-Slasher zu gehen, und sich mehr auf Norman zu fokussieren, mehr das Drama hinter der Figur zu erzählen. Immerhin ist es das, was Psycho von den anderen Slashern abgesetzt hat.

Das funktioniert zunächst auch ganz Ok. In den Szenen, wenn Norman alleine mit seiner Mutter ist. Wenn die merkwürdige Intimität zu ihr zu einem Problem wird, sobald er in die hormonellen Teenagerjahre kommt, und ihre entmannende Reaktion darauf. Sonderlich gut geschrieben oder geschauspielert oder Unerwartetes bietend ist das alles zwar nicht, aber der Teil funktioniert durchaus noch. Und immerhin ist der Film nicht so langweilig und zerstückelt wirkend, wie seine beiden Vorgänger, sondern man bleibt am Ball.

All dies fällt allerdings auseinander, sobald sich Normans Mutter einen neuen Kerl angelt. Der Typ und Normans Mutter sind geradezu Karrikaturen an fiesem Verhalten und fehlender Empathie. Hier kommt das wenig gut geschriebene Script so richtig zum Vorschein, es ist einfach fast lächerlich, wie chargierend die beiden sich gegenüber Norman verhalten. Es wäre sicherlich ein interessanterer Ansatz gewesen, dies etwas reflektierter darzustellen. Ja vielleicht sogar anzudeuten, dass die Mutter durch ihren neuen Liebhaber eventuell zur Normalität zurückgefunden und Norman ein normales Leben hätte ermöglichen können, wenn vorher nicht schon zu viel schiefgelaufen wäre und durch Missverständnisse Norman über die Klippe getreiben wird. Stattdessen sind sie halt einfach Schnäuzerzwirbelnd gemein.

Ist halt in meinen Augen ein wenig eine verpasste Chance gewesen. Und bestätigt dann erneut die Annahme, dass man tatsächlich alle Psycho-Sequels getrost überspringen kann, ohne wirklich etwas missen zu müssen.

Bates Motel

Psycho III mag an den Kinokassen nicht sonderlich erfolgreich gewesen sein, doch so ganz gab man die Franchise deswegen noch nicht auf. Stattdessen landete sie eben auf TV-Bildschirmen. Vorerst allerdings als ein Pilotfilm für eine längere Serie: Bates Motel. Der es nicht schaffte, genug Interesse zu generieren, so dass es nie zu einer Serie kam. Bis viel später ein davon unabhängiges Konzept zumindest den Titel wieder ins Fernsehen bringen sollte.

In der hiesigen Kontinuität ist nur der allererste Psycho geschehen. Norman Bates landete in einer Nervenheilanstalt, in der auch der kleine Junge Alex untergebracht war, nachdem er seinen Stiefvater ermordete. Norman wurde sozusagen dessen Vaterfigur und hat sich herzlich um den Jungen gekümmert. Nun, 27 Jahre später, ist Norman Bates verstorben und hat dem passenderweise als geheilt angesehehen und künfitg auf die Welt losgelassenen Alex sein Motel vermacht. Bates wird hier übrigens nicht wie sonst von Athony Perkins verkörpert, allerdings von seinem Double. Sprechrolle gibt es eh nicht.

Wie das im suboptimalen amerikanischen Gesundheitssystem laut der Franchise so üblich ist, werden ja Leute, die zwanzig Jahre in einer Anstalt waren, einfach komplett sich selbst in alten Spukhäusern überlassen, um die Integration an eine ihnen komplett fremde Gesellschaft zu vollziehen.

Interessanterweise will die Bank Alex direkt 10 Millionen geben, als er einen Kredit aufnehmen will, um aus dem Motel etwas zu machen. Das ist allerdings nur ein Missverständnis, denn das Motel an sich ist nix wert, jedoch das Land, auf dem es sich befindet. Alex will es aber nicht abreißen und Wohnhäuser errichten, sondern nur das Motel an sich leicht renovieren. Von daher haben wir auch gleich eine super Motivation für jemanden, der sich als Bates Mutter verkleidet darum bemüht, Alex in den Wahnsinn zu treiben, so dass man ihm das lukrative Grundstück wieder abnehmen kann.

Tatsächlich geschieht eher wenig im Film, und gegen Ende wird er sich anscheinend selbst leid und wir sind plötzlich in einem ganz anderen Film unterwegs. Wenn ein Gast dort absteigt, um sich umzubringen, dann aber von den Geistern suizidaler Teenager eines Besseren belehrt wird. Ich persönlich fände es ja niedlich, wenn der Film sich tatsächlich selbst zu langweilig geworden wäre, sich aufgab und zu einem anderen Film wurde. Die größere Wahrscheinlichkeit ist natürlich, dass man nach einer Stunde Film im Kasten habend gemerkt hat, dass man noch überhaupt nicht gezeigt hat, was für eine Art von TV-Serie hier entstehen soll. Immerhin wird die Sache mit Bates Mutter in bester Scooby-Doo-Manier am Filmende demaskiert, von daher ist die eigentliche Filmhandlung an sich abgeschlossen. Da musste noch schnell eine Episode eingeschoben werden, die zeigt, dass es in der Serie an sich um Einzelschicksale von Leuten gehen wird, die im Motel absteigen, und eine übernatürliche Erscheinunge oder Ähnliches haben werden. Zumindest nur so kann ich mir jenen Einschub erklären, der so gar nichts mit dem Restfilm zu tun haben will.

Obwohl es sich von der Kontinuität nicht in die Hauptfranchise einreihen lässt, passt Bates Motel sehr gut hinzu. In dem Sinne, als dass es ein Sequel zu Psycho ist, welches langweilt. Wo ich Psycho II und III attestieren kann, dass sie kompetent gemacht aber eben etwas langweilig wären, so zeigt einem Bates Motel hingegen, was echte Langeweile bedeutet.

Das ganze Ding ist halt auch so absolut ein TV-Pilot, so langweilig gefilmt, wie es einschläfernd geschauspielert ist (selbst die ewig quirlige Lori Petty rettet hier nichts), wie über lange Zeit nicht so wirklich was geschehen mag. Und wenn doch was los ist, hat das irgendwo den Anstrich zwischen Lifetime-Movie und Scooby Doo.

Psycho III

Diesmal dauerte es nur drei Jahre, bis der nächste Psycho in die Kinos kam. Was hieran besonders ist, ist die Tatsache, dass Anthony Perkins selbst Regie führte. Leider floppte der Film ziemlich, woraufhin die Franchise anschließend aufs TV delegiert wurde.

Wir beginnen bei einer Nonne. Die dem Glauben abfällt. Sie hat wohl Nietzsche entdeckt, von wegen Gott ist tot und so. Und will sich deswegen vom Glockenturm stürzen. Stattdessen fällt versehentlich die Obernonne, beim Versuch sie dort wegzuziehen, in den Tod. Noch mehr Sünde. Wie viel die zählt, wenn es Gott nicht gibt, sei mal dahingestellt. Aber am Tod von jemandem Schuld zu haben, ist natürlich auch rein fürs elementare Gewissen ohne Gläubligkeit nicht der Reißer.

Sie entflieht dem Kloster. Und endet nach ein paar Komplikationen beim Bates Motel. Es ist wenig Zeit seit Psycho II vergangen, Norman ist also wieder verrückt, und lebt mit der Leiche seiner wahren Mutter zusammen. Als die Ex-Nonne sich dann zum Duschen bereitmacht, hat er auch schnell seine Routine darin gefunden, sich deren Kleid und Perücke anzuziehen, und seinen weiblichen Gast mit dem Messer einseifen zu wollen.

Doch die überrascht ihn. Statt in ihrer vollen Blöse unter der Dusche den knackigen Körper mit Wasser einzureiben, sitzt die Ex-Nonne nämlich mit aufgeschlitzten Adern im Blutdurchtränkten Badewasser. Und findet sich schnell im Krankenhaus wieder, da Norman sie gerettet hat.

Während die beiden miteinander anbandeln, lässt der neue Mitarbeiter von Norman beim Motel ordentlich wilde Partys steigen, damit es dann doch genug verruchte Schlampen gibt, die seiner Mutter missfallen könnten, und einer großzügige Akupunktur anheimfallen dürfen.

Psycho hat ja schon immer gern damit gespielt, dass Norman Bates eine charismatische Note hat. Es gibt immer dieses „Was wäre, wenn er Erlösung widerfahren könnte?“. Das Aufwachsen mit seiner Mutter hat ihn zu dem gemacht, der er im ersten Film ist, und man kann sehen, dass er unter einer normalen Kindheit stattdessen ein toller Fang geworden wäre. In Psycho II hat er endlich seine Geisteskrankheit bezwungen und eine Chance auf ein neues Leben, wird dann aber von seiner Umwelt wieder in den Rückfall getrieben. Und in Psycho III trifft er auf eine ebenfalls mental instabile Frau, die in ihm die Erlösung und Rettung ihrer Probleme sieht, und die mit ihrer Nähe und Andersartigkeit, die ihm aus dem Konzept bringt, eventuell auch ihm ein anderes Leben ermöglichen könnte.

Das Problem an den Psycho-Sequels ist allerdings schlichtweg, dass sie ziemlich langweilig sind. Die Reihe, auch wenn der Erstling als Urvater des Subgenres gelten mag, fügt sich einfach nicht wirklich gut in die Slasher der 80er ein. Es wird nicht genug gemordet, sie scheinen sich nie so sicher, wer denn jetzt Hauptcharakter sein soll, und es fehlt ihnen auch einfach weitestgehend an Struktur.

So auch in Psycho III, dessen Mittelteil irgendwie überhaupt nichts bringt. Die Nonne verschwindet sowieso einen weiten Teil aus dem Film, ohne wirklich narrativ ersetzt zu werden. Und selbst wenn sie da ist, fährt der Film lieber ein paar Morde von Norman vom Fließband, statt den Fokus zu finden, scheinbar schlichtweg aus dem Grund, weil ein Slasher doch ein paar leichtbekleidete Mädels umbringen muss.

Und die Sache mit der Familiengeschichte wird sowieso immer blöder. Der erste Psycho ist ein relativ unkomplizierter Film. In Psycho II haben wir dann plötzlich Normans wahre Mutter, die selbst in einer Heilanstalt weggesperrt wurde, und deswegen Norman nichtsahnend von deren Schwester großgezogen wurde. In Psycho III ist es nun so, dass die ursprüngliche Mutter doch wirklich seine Mutter war, und die Schwester aus II nur in ihren Wahnvorstellungen dachte, Norman wäre ihr Sohn, weil sie auf dessen Vater stand.

Nur ist es so, wenn die Psycho-Sequels wenigstens so richtig blöde schlecht-doof wären, könnte man sich wenigstens daraus noch einen gewissen Unterhaltungswert ziehen. Aber die Dinger sind schon kompetent gemacht und wollen ernstgenommen werden. Und dies macht die nüchtern-schwunglosen Endresultate einfach ein wenig langweilig, weil sowohl die Klasse des Erstlings fehlt, sie aber auch nicht schlecht genug zum Riffen sind. Unspannende Durchschnittlichkeit ist hier die wahre Sünde.

Psycho II

Psycho gilt als der Grundstein des Slasher-Genres, welches seine wahre Hochzeit in den 80ern feiern sollte. Da überrascht es eventuell wenig, dass genau in jener Dekade, über 20 Jahre nach dem Original, sowohl ein eher satirisch angelegtes zweites Buch, sowie der damit nichts zu tun habende zweite Film folgen sollte.

Norman Bates gilt also 22 Jahre nach den Morden als geheilt und soll wieder in die Gesellschaft integriert werden. In dem man ihn alleine in dem Haus leben lässt, in dem er den Wahnvorstellungen seiner Mutter erlegen ist. Selbst nachdem er den ihm zugeteilten Job in einem Diner hinwirft und erneut das Motel leiten will, ist sein betreuender Arzt überraschend Ok damit.

Wer absolut nicht Ok mit der Rückkehr von Norman ist, ist Lila Loomis, die Schwester der von Norman unter der Dusche dahingemeuchelten Marion. Die macht ihren Unmut nicht nur lautstark Luft, sondern scheint Norman auch nicht alleinlassen zu wollen.

Es dauert prompt auch nicht lange, bis Norman scheinbare Nachrichten seiner toten Mutter findet, ihre Stimme hört, und sie vermeintlich in den Fenstern des Familienhauses stehen sieht. Als dann eine Arbeitskollegin bei ihm im Haus unterkommt, und Norman Telefonanrufe seiner angeblich wahren Mutter bekommt, sind die Morde quasi vorprogrammiert.

Im Prinzip ist das späte Sequel der Handlung ja zuvorkommend, denn es macht durchaus Sinn, dass man nach 20 Jahren das Verfahren um Norman Bates neu aufrollt, um zu sehen, wie weit sich sein geistiger Zustand gebessert hat. Und das Sequel geht eben einen interessanten Weg, da es ihn nun mehr oder weniger in die Opferrolle manövriert.

Immerhin hat Athony Perkins ihn schon immer als sehr charismatischen Kerl dargestellt. Norman Bates ist sozusagen der Archetyp des kaputten Kerls, den man doch bestimmt reparieren kann. Heutzutage kommt man ja fast nicht mehr drumherum, seine Serienkiller attraktiv zu gestalten, und auf die Flut an Fanfiction zu warten, in denen die wahre Liebe ihre Psychose heilen kann.

Es ist die Gesellschaft um ihn herum, die ihm übel mitspielt, die ihn schon vorverurteil, und die scheinbar sogar aktiv darauf hinarbeitet, ihn wieder in den Wahnsinn zu treiben, damit er erneut weggesperrt werden kann. Sowohl pro forma, weil davon ausgegangen wird, dass er eh wieder morden wird, als auch zur Strafe der schon begangenen Morde. Das Mysterium des Filmes gestaltet sich dann auch gleich wesentlich weniger darum, ob jemand Norman übel mitspielt, und vielmehr wer es aus welcher Motivation ist, und vor allem ob es funktionieren wird.

Das Problem für mich bei Psycho II ist somit sicherlich nicht das interessante Konzept. Sondern vielmehr die Umsetzung. Das Herz war sicherlich am rechten Fleck. Immerhin holte man sich sowohl für Bastes als auch Lila Loomis die Originalschauspieler zurück. Der Producer von Psycho II arbeitete bereits am Original und holte sich Rat bei Hitchcocks Tochter, ob jener nicht gegen ein Sequel gewesen wäre. Es gibt einige Szenen im Film, die eindeutig Hommage ans Original sind, in dem sie ähnliche Bildsprache in neuem Kontext wiederverwenden.

Aber das Resultat ist schlichtweg ein wenig auf der langweiligen Seite. Der ganez Look ist nicht so inspiriert, nicht so atmosphärisch wie das Original, sondern schaut nach absolutem Standard aus. Es gibt so gut wie keine der interessanten Kamerawinkel oder Beleuchtung. Abgsehen von Perkins kann man das Schauspiel der Rest-Truppe schlicht als kompetent beseite tun. Und auch das Script verpasst einige Chancen. Es ist schon etwas merkwürdig, dass Loomis so extrem gegen Norman eingestellt ist, zu Beginn im Gerichtssaal auch eine Unterschriftenaktion erwähnt, wir den kompletten Rest des Filmes über aber keine eigentlichen Nachbarn sehen, die etwas gegen seine Rückkehr haben, selbst die Polizei ihm relativ symphatisch gesinnt zu sein scheint. Hier hätte man mehr Druck auf den Charakter ausüben können. Auch wäre es etwas interessanter gewesen, den Film eine Szene früher zu beenden und damit offenzulassen, ob Norman nun wirklich wieder verrückt ist, oder doch nicht.

Kompetent wie das Schauspiel ist eigentlich der komplette Film und nicht mehr. Er versprüht keine Ambition oder Interesse, sondern scheint runtergedreht als wären wir schon im TV-Sequel-Land angekommen.