Clash of the Titans

ava-1765Der König von Argos ist beschämt das seine hübsche Tochter einen Bastard zur Welt gebracht hat, und setzt die beiden deswegen auf dem Meer aus, um sich selbst die Hände nicht schmutzig zu machen überlässt er damit deren Schicksal den Göttern. Zeus ist erzürnt über eine solche Schandtat des eigenen Fleisch und Blutes gegenüber und lässt Poseiden den Kraken aussenden, um den ihm immer gottestreu gewesenen König und dessen Reich zu zerstören. Das ist ungewöhnlich hart und vor allem ungewöhnlich sentimental von einem Gott wie Zeus, nicht? Tja, die Realität hinter der Sache ist, dass Zeus nun mal gerne durch die Gegend hurt, und Perseus, besagtes Bastard-Kind, das seinige ist.

Der Sohn der Göttin Thetis, Calibos hingegen bekommt kein Mitleid von Zeus, als jener ihn durch seine Taten erzürnt, wird in ein Monster verwandelt, womit auch die Heirat mit der hübschen Andromeda ins Wasser fällt. Thetis ist natürlich wenig erfreut darüber, jedoch sich direkt gegen Göttervater Zeus stellen ist selbstredend nicht die beste Entscheidung. Stattdessen weist sie den mittlerweile herangewachsenen Perseus in die Geschichte, auf dass jener sein Heldentum beweist. Zeus findet das zunächst ungut, nachdem er allerdings einigen Göttinnen befohlen hat, Perseus Ausrüstung zu schenken, erwärmt er sich für die Heldenreise seines Sohnes, auf dass er seine guten Gene unter Beweis stellt. Spornt ihn mit der kryptischen Floskel „Suche und erfülle dein Schicksal“ an.

Als junger Mann findet Perseus sein Schicksal natürlich im ersten hübschen Mädchen, das seine Lendengegend in Wallung bringt, Andromeda. Doch so einfach ist sie nicht zu gewinnen, stehen doch sowohl Calibos als auch ein Rätsel im Weg um die Hand der Schönen. Und als er dies überwindet, soll sie schlichtweg dem Kraken geopfert werden, der als unbesiegbar gilt… es sei denn vielleicht man kommt mit dem Kopf der Medusa angerückt.

Clash of the Titans ist von 1981, man hat aber immer so ein wenig das Gefühl, einen Film von einem oder zwei Jahrzehnten früher zu sehen. Eben wie das in den 60ern entstandene Jason and the Argonauts. Das kommt von der Optik her, wird hier doch noch viel alte Schule geboten. Nicht wirklich überzeugender Blue Screen, viel Kulisse mit Modellen gearbeitet, und vor allem die Monster als finale Arbeit von Ray Harryhausens Stop Motion Künsten. Die sind tatsächlich auch wieder der Hauptgrund, warum der Film es zum Klassiker gebracht hat. Der gigantische Kraken mit seinen vier Armen, die jede Schlange ihrer Haarpracht einzeln bewegende Medusa, der Flug des Pegasus, gut gemachter Stop Motion hat eben seinen ganz eigenen Charme. Ist halt aber auch ein enormer Zeitaufwand, und deswegen zum Erscheinen von Clash of the Titans eigentlich bereits durch modernere Tricktechnik abgelöst worden.

Der Rest ist sicherlich nicht übel, aber eben doch üblich. Miteinander eifernde Götter, hehre Helden, hübsche Trophäenfrauen, grausige Monster, eine griechische Heldensage eben, die allemal unterhaltsam erzählt ist, aber wie gesagt nicht ganz so spezielle wäre, wenn es nicht Harryhausens Monster offerieren würde.

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ParaNorman

ava-1732Zuletzt hatten wir mit Coraline den ersten Film von Laika, eine nette und fantasievolle Fabel für die ganze Familie. Mit ihrem zweiten Stop-Motion-Werk haben sie nun ordentlich Butter bei die Fische gegeben, und einen absolut fantastischen Film abgeliefert gehabt.

Norman ist kein ganz normaler 11-jähriger Junge. Nicht nur ist er ein Geek, der eine Faszination zu alten, schlechten Horrorfilmen hat, nein viel merkwürdiger ist, dass er auf Schritt und Tritt mit sich selbst redet, behauptend, er antworte nur den Geistern der Verstorbenen. Das dies ihn schnell zum sozialen Außenseiter macht, und seinen Vater beunruhigt, kommt sicherlich nicht überraschend.

Doch Norman ist natürlich, wie sich das im Film so schön gehört, nicht geisteskrank, sondern „der Mann, der es kommen sah, dem aber niemand glauben wollte“. Genau gesagt ist es das 300. Jubiläum einer Hexenverbrennung, zu dem durch deren Fluch die 7 Leichen ihrer Peiniger als Zombies wieder auferstehen. Über ein paar Komplikationen kommt so unsere Truppe aus Norman, seiner oberflächlichen Teenie-Schwester, seinem fetten ebenfalls Außenseiter-Freund Neil, dessen älteren Bruder, und einer der Bullies der Schule zusammen, auf einem Tripp die Zombies aufzuhalten.

Mit viel Schwung und schneidendem Witz ist die Gruppe also eine Stunde damit beschäftigt, von den Zombies verfolgt durch die Kleinstadt zu rasen, bis sie im Rathaus hoffen einen Lösung für den Fluch zu finden, um die bösen Zombies aufzuhalten. Und dann geht der Film für seine letzte halbe Stunde überraschend plötzlich einen ganz anderen Weg.

Denn Paranorman ist ein erstaunlich cleverer Film, der eine Message hat. Sicherlich, die berüchtigte Moral von der Geschichte ist nichts neues in Kindergeschichten, die gibt es solange, wie es Erzählungen für die Kleinsten gibt. Doch im Falle von Paranorman ist der komplette Film damit durchzogen und davon geprägt, statt dies einfach nur eine nebenbei laufende Sache zum actionreichen Hauptabenteuer zu sein.

In Paranorman geht es um die Angst vor der Andersartigkeit, dem automatischen Willen sich selbst als die Norm zu betrachten und diejenigen, die den selbst gesteckten Maßstäben nicht entsprechen, als einen Angriff auf das Selbstbild zu verstehen. Norman selbst natürlich durch seinen Draht zu den Geistern – wenn man sich das, was er sagt, und was andere zu ihm sagen, in der ersten Hälfte des Filmes genau anhört, ist das sogar Textbuch Coming Out Talk. Sein ebenfalls gehänselter Freund Neil (der knuffigste Charakter des Filmes überhaupt) sagt auch einfach ganz lapidar, dass die Schikane eine ganz normale Sache ist, und wenn man selbst größer und dümmer wäre, dies sicherlich auch tun würde. Das ist natürlich halb scherzhaft gemeint, aber eben, keiner ist davor gefeilt selbst anderen eine harte Zeit zu geben, weil man sie nicht versteht/verstehen will. Gibt ja im Internet genug Nerds, die sich darüber beschweren, dass sie der Norm nicht entsprechen und deswegen gehänselt werden, aber selbst gegen alle wettern, die ihrer eigenen „Abnorm“ nicht entsprechen.

Da reihen sich dann selbst die Zombies ein, die automatisch von allen angegriffen werden, obwohl noch gar nicht raus ist, ob sie den Bewohnern der Kleinstadt überhaupt Übel wollen. Nach einem rasanten Zombie-Film in der ersten Stunde geht dann eben auch die finale halbe Stunde ordentlich vom Gas, und zeigt lieber auf, dass Hass immer nur zu mehr Hass führt, und keiner sich selbst gerne an der Empfängerseite jenes wiederfindet. Dass sich das ungleiche Team aus Norman, Neil, deren ältere Geschwister, und dem Schulrüpel im Angesicht der Gefahr zusammenrauft und hilft, kann man sich natürlich auch dahin drehen, dass es doch noch das Gute im Menschen gibt und man gemeinsam Ziele verfolgen sollte, oder wer zynisch sein will einfach, dass man erst dann zusammenfindet, wenn man sich ein gemeinsames Feindbild sucht.

Und so schön Coraline eben auch war, so war er doch vergleichsweise auch flach gegenüber Paranorman, der darüber hinaus dennoch nicht vergisst schlichtweg ebenfalls unterhaltend zu sein, mit einem rasanten Beginn, sympathischen Charakteren, trockenem Humor, und besonderem Charme-Bonus für Horrorfilm-Geeks.

paranorman

Coraline

ava-1731Ich habe ja eine gewisse Affinität zu Stop Motion Animation, nicht nur als kompletter Film an sich, sondern auch als Special Effect in alten Realfilmen a la Beast of 20.000 Fathoms. Um so überraschender ist es sicherlich, dass ich bin Heute nicht die Filme von Laika gesehen habe. Nun gut, zumindest Coraline habe ich hiermit dann schon nachgeholt, ist ja auch gerade mal 5 Jahre alt.

Coraline stimmt einen direkt zu Anfang gut auf den Vibe des Filmes ein, sehen wir doch Spinnenartige Metallfinger dabei, wie sie langsam eine Puppe auseinander nehmen… und dann zu einer neuen zusammensetzen. Eben schon leicht creepy, aber noch im Bereich des Kindgerechten.

Diese Puppe hat eine frappierende Ähnlichkeit mit Coraline, die doch gerade erst mit ihren Eltern in die Pink Palace Bude eingezogen ist. Das Mädchen ist gerade so an der Schwelle der Pubertät und entsprechend von allem genervt. Hilft natürlich nicht, dass ihre beiden Eltern nicht nur tödlich langweilig sind, sondern sich momentan wegen eines Abgabetermins – beide schreiben für einen Gartenkatalog, obwohl sie mit dem Gärtnern gar nichts anfangen können – auch schlichtweg keine Zeit haben, sich um sie zu kümmern. Die beiden Nachbarwohnungen des Gebäudes werden dann auch noch von einem schrägen Ausländer, der einen Mäusezirkus plant, sowie zwei gealterten Burlesque-Tänzerinnen und ihrer Horde an lebendigen wie ausgestopften Hunden bewohnt.

Da ist doch die verschlossene und übertapezierte Türe interessanter, hinter der sich allerdings unbefriedigend doch nur eine Backsteinmauer befindet. Zumindest bis Coraline nachts im Traum doch durch sie durch gehen kann, und dort auf eine Parallelwelt stößt, in der alle Menschen Knöpfe statt Augen haben, dafür aber ansonsten perfekt sind. Oder zumindest das, was Coraline für perfekt hält, was wie bei Teens üblich hauptsächlich bedeutet, dass sich deren persönliches Universum nur um Coraline dreht, und wie man sie bei Laune halten kann. Nur stellt sich ziemlich schnell raus, dass dies vielleicht einfach auch zu gut ist, um wahr zu sein.

Tatsächlich ist einem als erwachsener Zuschauer natürlich ziemlich schnell klar, dass da eine wohl eher böse Absicht hinter der Idealwelt steckt. Hänsel und Gretel durften sich ja auch nur satt essen, damit sie für die Hexe gemästet sind. Dafür gibt es auch zu schnell kleine Hinweise, wie die schrägen Kamerawinkel und Close-ups des aufgezwungenen Lächelns, oder das im wunderschön nächtlich leuchtenden Garten nur Pflanzen wachsen, die nach Insektenfängern und giftigen Spezies aussehen. Außerdem ist natürlich die ganze „pass auf was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen“ Moral nicht neu, viele Kindergeschichten lassen ihre Protagonisten lernen, dass ihre Familien doch gar nicht so übel sind.

Das ist allerdings auch alles reichlich egal, denn Coraline ist einfach unterhaltsam, und vor allem unaufdringlich in der Message. Die Charaktere sind sympathisch und schräg genug, um mitzugehen, die konventionelle Handlung kompetent erzählt, und die imaginären halb-umheimlichen Szenarien ansprechend. Ja wenn die Traumwelt zu einer Alptraumwelt wird, sehen die drei Szenerien, aus der sie die Augen holen muss, überraschend wie das Stage Setting für einen Bosskampf in einem Survival Horror Game aus. So richtig unheimlich wird es, abgesehen für die ganz Kleinen, wie erwähnt natürlich nicht, ist auch häufig viel bunter als beispielsweise einer von Burtons Stop Motions. Von daher runde Familienunterhaltung ist geboten.

coraline

Disney Sunday – Frankenweenie

ava-1575So, das 1984er Frankenweenie ist ein netter kleiner Halbstünder, gedreht in schwarz/weiß (nicht das Burton-Filme sonderlich viel farbenfroher sind, normalerweise) und auch im sonstigen Design aussehend wie ein altmodischer Horrorfilm, in dem der junge Victor seinen toten Hund wiederbelebt ganz a la Frankenstein. Fast dreißig Jahre später hat Burton den Film dann für Disney erneut gedreht, diesmal aber in abendfüllender Laufzeit und als Stop Motion Animation.

Der Rest ist aber überraschend weitestgehend gleich. Grundhandlung ist immer noch, dass Victor seinen Hund verliert, vom Wissenschaftslehrer auf die Wunder der Elektrizität aufmerksam gemacht wird, und dann im nächsten Gewitter seinen Hund zum Leben erweckt. Zuerst hält er es geheim, dann wird es doch rausgefunden, die Eltern sind überraschend unterstützend, die restliche Kleinstadt bildet einen Lynchmob. Doch am Ende müssen alle einsehen, dass der untote Hund ein tolles Kerlchen ist und er bekommt sogar seine Frankensteins Bride.

Ganz füllt das natürlich keine 80 Minuten, wobei in dieser Version hauptsächlich eben tatsächlich nur Füllmaterial hinzugefügt wird. Mehr Charaktere mit mehr schrägen Manierismen. Mehr Buton-sche Kritik an kleingeistige Bewohner von Kleinstädten. Ein Love Interest für Victor an sich. Die einzig wirkliche Addition zur Haupthandlung bleibt eigentlich, dass andere Kids in Victors Klasse sein Geheimnis herausfinden, und um den kommenden Wissenschaftswettbewerb zu gewinnen die eigenen Haustiere erwecken, mit eher suboptimalen Ergebnis aber ordentlich Wumms für einen Klimax.

Besonders sympathisch ist dabei das Ding erneut für Fans von klassischen Horrorfilmen. Das Design der Kleinstadt irgendwo in den 30ern, sowie das Ding erneut monochrom zu drehen. Und dazu unglaublich viele bildliche Referenzen zu den Klassikern, nicht nur die offensichtlichen zu Frankenstein, Godzilla, dem Wolfman etc. durch die Wiederbelebten Tiere. Nein auch einfach nur das die Eltern in einer Szene einen alten Dracula-Film schauen, oder wenn drei der andren Kids die Treppe besteigen dies an den berühmten Schattenriss aus Nosferatu erinnert. Frankenweenie ist voll mit kleinen Gimmicks für Genre-Fans.

Aber auch für alle anderen ist Frankenweenie ein Film, den man nur schwerlich nicht mögen kann. Trotz mehr Charakteren und mehr Komplikationen am Ende ist es nämlich immer noch essentiell die Geschichte eines seltsamen Jungens und seines treuen Hundes, deren Liebe über das Grab hinaus geht.

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Disney Sunday – James and the Giant Peach

ava-1570Der zweite und bereits letzte Film von Disney in Zusammenarbeit mit Skellington Productions ist eine Adaption von James and the Giant Peach, ein Buch von Roald Dhal, zu dem Burton später in Charlie and the Chocolate Factory zurückkerhen sollte. Erneut ist Burton allerdings nur Producer, Henry Selick übernimmt wie bei Nightmare before Christmas den Platz im Regiestuhl.

So… James ist ein kleiner Junge, der ein traumhaftes Leben mit seinen Eltern führt, kaum erwartend könnend, dass sie wie versprochen nach New York gehen und sich das Empire State Building anschauen – damals noch das höchste Gebäude der Welt. Bis ein Nashorn aus den Wolken kommt und die Eltern umbringt. OK.

Nun lebt er mit den beiden teuflischen Tanten, die ihn alle Arbeit erledigen lassen, bis ein Fremder ihm magische Würmer gibt, die James versehentlich sofort im Vorgarten verschüttet. Das Wirken jener Magie ist allerdings angeblich unergründlich… wie Gott? Zumindest führt es dazu, dass der tote Baum wieder einen Pfirsich trägt, der dann zu Hausgröße heranwächst, die darin befindlichen Insekten (plus Spinne) die Sprache lehrt und auf Menschengröße wachsen lässt, sowie James in eine Stop-Motion-Figur verwandelt. Auf jenem Pfirsich geht es nun zu Wasser wie Luft gen Amerika.

Ähm… ich bekomme so das Gefühl, dass die Kindergeschichten von Roald Dhal weniger auf einen logischen Aufbau setzen, und mehr einfach eine magische Reise wiedergeben, in der alles geschehen kann, ohne dass dahinter allzu viel Sinn sein muss. Ich mein, ein Nashorn in den Wolken killt die Eltern? Und als wir es quasi schon wieder vergessen haben, taucht es aus dem Nichts am Ende des Filmes wieder auf, aber James schreit ihm ein generisches „Ich hab keine Angst mehr“ entgegen, und es ist wieder weg? Steht das symbolisch für etwas? Aber wir sehen es ja, und seine Eltern sind ja tot, und die Tanten sprechen auch davon das es ein Nashorn war. Warum verwandelt sich James, wenn er dann auf der Reise doch nichts macht, was er als normaler Junge eh machen könnte? Scheiß drauf, im Film hier reisen wir in einem von Möwen gezogenen Riesenpfirsich von England nach Amerika. Magic did it, end of story.

Oh, und um es gleich mal zu adressieren: James and the Giant Peach ist keine reine Stop-Motion, wie ich das anfänglich dachte. Nein, die anfänglichen und finalen 15-20 Minuten (also ein Drittel bis die Hälfte der Laufzeit) ist Live Action. In Tim-Burton-Land, wo die immer etwas schräg stehende Welt wie ein Papp-Bühnenbild ausschaut, auf dem sich die kruden Menschen bewegen. Stop-Motion ist nur die Reise im Pfirsich an sich, und jene gefällt mir optisch wesentlich besser.

Dennoch konnte der Film mich nicht ganz für sich gewinnen. Sicherlich mag er imaginativ sein und ist bestimmt eine nette kleine Fabel für Kinder, aber irgendwie konnte ich die Langeweile nicht immer abschütteln. Das Setup und Finale in Live Action waren mir zu lang, und auch auf der Reise ist erstaunlich wenig los, ein kurzer Fight gegen einen Metallhai und ein Exkurs zu Geisterpiraten mal abgesehen. Außerdem ist der Darsteller von James ein miserabler Schauspieler und Sänger.

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Disney Sunday – The Nightmare before Christmas

ava-1563Dachtet die Disney Sonntage wären rum, hmm? Allerdings ist mir danach mal wieder Nightmare before Christmas zu schauen, also gehen sie in eine kurze Bonusrunde der Stopmotion-Animationsfilme von Burton/Skellington Productions. Interessant hierbei ist, dass Burton seine Animationskarriere bei Disney begann, nach dem allerdings sein zweiter für die Firma produzierter Kurzfilm (das 1984er Frankenweenie, der als Bonus auf der Nightmare before Christmas DVD zu finden ist) als nicht Kinderfreundlich genug eingestuft wurde, feuerte ihn die Firma wieder. Ist schon interessant, dass er nicht mal ganz zehn Jahre später für sie dann diesen Film hier produzieren sollte, sogar musste, denn Disney hielt immer noch die Rechte am Titel, den Burton ursprünglich vor dem Rausschmiss machen wollte – und den Disney erneut für zu unheimlich für Kinder hielt und deswegen lieber unter dem Touchstone Label veröffentlichte.

Es gibt also für jeden Feiertag eine eigene Stadt, in der die Bewohner 364 Tage des Jahres auf das große Ereignis hinarbeiten, wenn sie in unsere Welt gehen und Stimmung verbreiten. Tim Burtons Film ist natürlich angesiedelt in Halloween Town, in der Jack Skellington, der Kürbis-König, Jahr ein und Jahr aus den gruseligsten 31. Oktober auf die Welt los lässt. Nur hat er nun ein Burnout, will sich neuen Herausforderungen stellen, und als er in das thematisch komplett andere Christmas Town gerät, hat er seine neue Bestimmung gefunden: Santa Claus kidnappen und den Feiertag übernehmen!

Irgendwo darin ist dann noch nebenbei ein Love Interest und ein Bösewicht, der im Finale besiegt werden muss, eingebaut, doch hauptsächlich geht es wesentlich mehr um Jacks streben nach Abwechslung und die daraus resultierende Erkenntnis, dass er seinen alten Job eigentlich doch mag – und die Halloweener ein im wahrsten Sinne des Wortes schreckliches Weihnachten produzieren, da sie eben den Geist eines ganz anderen Feiertages so geprägt hat.

Nightmare before Christmas ist natürlich der feuchte Traum für einen Tim Burton, da man in Animation so viele schräge Sachen machen kann, wie er in seinen Live Actions nie ganz realisieren konnte, besonders vor den Zeiten, als CG großflächig eingesetzt werden konnte. Auch wenn er letztendlich beim Film nur die Produzenten-Rolle hatte, da er bereits woanders mit Regiearbeiten voll eingebunden war, könnte der Film natürlich dennoch nicht Burton-iger sein. Sicherlich sind mittlerweile, nach dem dutzendsten Film von ihm, die Leute seinen Style etwas leid geworden, oder sagen dies zumindest, denn ich glaub eher, dass dies damit zusammenhängt, dass Burtons letzter wirklich guter Film 9 Jahre her ist, und bei den minderwertigeren das ganze „been here, done that“ stärker auffällt.

Überraschend ist allerdings nicht mal alles in Nightmare before Christmas schräg und düster und schwarz-weiß-gestreift. Die Weihnachtsstadt ist passend farbenfroh und fröhlich mit niedlichen Einwohnern, und selbst in Halloween Town hat die Gesangseinlage von Oogie Boogie einen starken Mississippi-Voodoo-Einschlag, a la Bösewicht in Princess and the Frog, mit viel Neonfarben.

Doch der Großteil des Filmes gibt uns natürlich die düsteren Gestalten des zentralen Halloween Towns. Voller Anspielungen an Horrofilmen oder allgemein Ikonen, mit Vampiren, Wolfmännern, Lagunenmonstern, Hexen, Skelettbäumen etc. pp. Es ist einfach eine Freude, dem fröhlich-diabolischen Treiben der Einwohner in der Stadt zuzusehen, die gut und gerne die Kulisse fürs Kabinett des Dr. Kaligari sein könnte. Ein wenig wie beim Zuschauen der Addams Familiy, wirklich, denn eigentlich sind alle recht gut gelaunt und herzig, haben halt nur einen Fetisch für Mord und Totschlag und andere Horror-Dinge – was ja an sich auch kein Problem ist, da sie alle untote Monster sind, schaden sie sich gegenseitig nicht dauerhaft.

Da kann ich es sogar verzeihen, dass das Finale genau genommen etwas aufgesetzt wirkt. Sally mag Jacks Traum nach mehr teilen, doch so wirklich viel den Film über miteinander sprechen tun sie genau genommen gar nicht, noch hört Jack häufig überhaupt richtig zu in seiner Weihnachts-Obsession. Von daher kommt seine „ups nur noch eine Minute bis zu den Credits“ Liebeserkenntnis etwas plötzlich. Genau wie Oogie Boogie kaum Screentime bekommt, aber dann eben doch als Bösewicht für ein großes Finale hinhalten muss, weil ein Film eben ein solches braucht – statt einfach damit zu enden, dass Jack Weihnachten vermasselt und dann Santa Claus dazu bringt, den Feiertag doch noch zu retten. Das wirkt ehrlich gesagt ein wenig, als wäre beides in der ursprünglichen Idee nicht drin gewesen und dann schnell eingefügt, weil es mehr in die konventionelle Filmstruktur gebracht werden muss.

Aber für mich ist Nightmare before Christmas sowieso mehr ein Film des Styles over Substance, bei dem es mir mehr darum geht die charmant-schräge Welt und den Manierismen der Horrorgestalten zuzuschauen, und zusammen mit den unglaublich Ohrwurmigen Songs bin ich somit voll für die ~70 Minuten des Filmes unterhalten, leichtes Schwanken in der Storystruktur hin oder her.

disney57

Dark Alice

Es gab natürlich schon düstere Alices, bevor McGee meinte, überall großzügig Blut drauf schmieren zu müssen. Ich mein, um mitzubekommen, dass die Geschichte ja schon irgendwie recht dement ist, muss man nicht gerade Raketenwissenschaften studiert haben. Die Tschechen beispielsweise bereits in ihrem 1988er Something from Alice, bzw. dann im US-Release lediglich Alice genannt.

Auch hier haben wir natürlich ein glangweiltes, kleines Mädchen mit Namen Alice, das einschläft, nur um ein ausgestopftes Kaninchen zum Leben erwachen zu sehen und ihm zu folgen. Wir treffen auf Flüssigkeiten, die sie schrumpfen; Plätzchen, die sie vergrößern; sie steckt in einem Haus fest; hat eine Teeparty mit dem verrückten Hutmacher und spielt Cricket mit der Herzkönigin, die sie anschließend vor Gericht zerrt, was dann doch genug Unsinn und Wahnsinn für Alice ist, um wieder aufzuwachen.

Alice hält sich also tatsächlich recht genau am Buch, ist dabei nur kompromisslos düster, nicht mal unbedingt so extrem bemüht wie McGees Spiele, sondern wesentlich organischer. Die Sets stehen beispielsweise alle in runtergekommenen Fluren und Zimmern eines Hauses, sind zusammengesetzt aus Bauklötzen und Schrott. Sprich alles ist dreckig und rostig und abgegriffen. Als hätte Silent Hill das Wunderland verschluckt. Die Kreaturen, die es bevölkern bestehen zum Großteil aus ausgestopften Tieren, denen das Sägemehl aus den Ritzen läuft; aus Tierskeletten oder eine Mischung von beidem. Manchmal sicherlich auch eine Holzfigur oder eine Spielkarte, aber alles gewohnt verschlissen und alt. Zum Leben erweckt werden sie mit Stop Motion, wodurch die damit einhergehenden abgehackten Bewegungsabläufe die Viecher nur noch creepier erscheinen lassen. Geräusche sind häufig sehr laut, gesprochen wird eher wenig.

Das führt zu einem echt interessant anzusehendem und atmosphärischen Erlebnis. Ich würd noch nicht mal direkt sagen eine Alice nicht für Kinder, auch wenn es für jene sicherlich sehr unheimlich ist. Aber eben schon eine sehr runtergekommen-düstere Ostblock-Alice.