Nostalgic Anime Week: Bubblegum Crisis

Bubblegum Crisis ist eines der Kultanime der 80er und 90er Jahre. Und eines, welches ich nie besessen habe, weil ich es bereits auf einer Vox-Anime-Nacht sichten konnte. Erinnert sich noch einer an die? Allerdings hatte ich den DVD/Soundtrack-CD-Hybriden Hyrricane Live, der Musikvideos zu den Songs der OVA enthielt. Leider ist BGC aber auch eine der Serien, die eine eher problematische Geschichte aufweist.

Produktions- und Vertriebsfirma war offiziell Youmex, Animationsstudio allerdings Artmic. So weit, so gut. Allerdings gehörten die Rechte an der Serie beiden Studios, und das führt häufig zu Streitigkeiten. Gerade bei dem explosiven Erfolg, den BGC hatte. Während zunächst noch voll Kapital daraus geschlagen wurde, mit jede Menge Merchandising und geplanten Spinoffs, verkrachten sich die beiden Studios Anfang der 90er. Womit die auf 13 Folgen geplante OVA-Serie nach 8 eingestellt wurde und auch das Spinoff A.D. Police nach 3 ihr vorzeitiges Ende fand. Artmic begann mit Bubblegum Crash einen eigenen Nachfolger, wurde von Youmex verklagt, und die Erfolgsserie war Jahrelang im legalen Limbo. Erst 1998/99, nachdem es beide Firmen nicht mehr gab, starteten zwei Reboot-Serien, die den Erfolg aber nicht mehr replizieren konnten.

Die Handlungsstruktur ist dabei eher episodisch angelegt. Schauplatz ist Tokyo in einem dystopischen 2032, in dem die Kluft zwischen Arm und Reich enorm ist, während die Welt essentiell von Megacorps regiert wird. Genom ist die größte davon, da sie Boomer bauen – State of the Art Cyborgs. Durchaus als normales Kommerzprodukt, doch von denen werden wir in der Serie wenig zu sehen bekommen, denn natürlich dienen sie auch als Waffen und BGC behandelt den Kampf der Knight Sabers, einer Truppe an taffen Frauen, die in ihren eigenen Battle-Suits in Sachen Boomer-Kriminalität agieren.

Es gibt natürlich hier und dort mal einen roten Faden, der sich über die Serie erstreckt, oder das Ereignisse einer OVA die nächste beeinflusst, doch weitestgehend haben wir es hier mit in sich geschlossenen Ereignissen zu tun. Was die Serie nämlich viel mehr auszeichnet ist, wie cool sie einfach ist. Die Blade-Runner-esque Atmosphäre ist sowieso eine, die man so dargestellt nur in Medien aus dieser Dekade finden wird. Die brachialen Kämpfe gegen die Boomer sind geil, und bekommen ihre besondere Note dadurch, dass nebenbei gern J-Pop eingespielt wird. Denn eine unserer Knight Sabers ist nebenbei Sängerin. Ernste Action und Gesang zu mischen hat BGC sicherlich nicht erfunden (Macross hat ein ähnliches Konzept zum Beispiel), aber Mensch wenn wir das nicht alle damals Mitte der 90er für den coolsten Mix ever gehalten haben! Youmex war auch ein Musik-Label, und ich wäre nicht überrascht, wenn die Soundtracks letztendlich mehr eingespielt haben, als das Anime an sich. Der OST ist jedenfalls weiterhin einer der absoluten Highlights der Serie!

Was mir persönlich allerdings auch gut gefallen hat, ist wie viele starke Frauen es in der Serie gibt. Fast alle Haupt- und Nebencharaktere, die keine Schurken sind, sind weiblich (außerhalb ein paar wiederkehrender A.D. Police Kerle). Und die Serie ist auch sehr gut darin, die Kameradschaft zwischen ihnen zu präsentieren. Die Knight Sabers zerstreiten sich beispielsweise nie in einem Cat Fight, der so häufig für Drama in entsprechenden Serien genutzt wird. Selbst als Priss das Team verlassen will, sind alle unterstützend. Und ein paar gute lesbische Verhältnisse gibt es bei einigen der Nebencharaktere auch. Obendrauf einen schwulen Nebencharakter bei der A.D. Police, der für Anime geradezu uncharakteristisch normal und integriert dargestellt ist. Ich weiß nicht, was genau in den 80ern in der Anime-Szene abgegangen ist, aber gerade bei den Sci-Fi-Serien gab es überraschend viel Progressives zu sehen.

Witzig ist natürlich auch zu sehen, was für eine Art von Future Tech man sich Ende der 80er so vorgestellt hat. Im Jahre 2032 nutzen wir immer noch Telefonzellen! Gedruckte Zeitschriften existieren noch, aber nun kommen sie direkt per Fax nach Hause! Computer sind zwar allgegenwärtig, aber weiterhin mit kleinen CRT-Monitor-Kästen ausgestattet. Herrlich.

Ein wenig ungleich sind die Folgen natürlich schon. In der Laufzeit zwischen 30 bis 50 Minuten, in der Animatiosqualität über die Jahre, und natürlich auch ein wenig in der Stärke der einzelnen Handlungen. Besonders gefallen haben mir dabei die finalen drei Episoden, die inszenatorisch einfach am besten waren. Aber auch bei den vorigen Folgen sind keine Stinker dabei, und ich glaube mir haben die Vibes der Reihe mittlerweile sogar besser gefallen, als beim letzten Schauen vor 20 Jahren. Weil es Serien wie BGC so heutzutage auch einfach nicht mehr gibt.

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