007 Sunday – The World is Not Enough

ava-1460Robert King, ein alter Freund von M, hat das MI6 damit beauftragt ihm seinen Geldkoffer zurückzuholen, was Bond auch macht. Doch im Hauptquartier angekommen stellt sich heraus, dass das Geld zur Bombe umfunktioniert wurde, welches nicht nur die Räumlichkeiten des MI6 ramponiert, sondern auch King umbringt.

Dahinter zu stecken scheint Terrorist Renard, welcher vor Jahren die Tochter von King entführt und nach Lösegeld verlangt hat. M riet King damals dazu nicht zu zahlen und tatsächlich konnte Elektra ihren Peinigern entkommen. Allerdings hat Renard sich auch eine Kugel im Kopf eingefangen, die nicht entfernbar ist, und langsam durch sein Hirn wandert, dabei seine Schmerzempfindlichkeit zerstört, bis er an ihr sterben wird. Nichts mehr zu verlieren, aber noch eine Rechnung mit dem MI6 und den Kings offen habend, macht ihn zu einem gefährlichen Gegner.

Stellt sich raus dies ist nicht der einzige Gegner der Konzernerbin Elektra, denn Firma King macht in Öl und plant eine neue Pipeline vom Nahen Osten nach Europa, was natürlich die Monopol-Russen nicht so toll finden. Es ist sogar gut möglich, dass unter den Angestellten des Hauses Kings ein Verräter ist, der mit Renard zusammenarbeitet. Oder ist es hinterher doch eine an Stockholm-Syndrom erkrankte Elektra?

Ich find es ja witzig, wie Bond mal wieder zu Beginn des Filmes sich aus einer Tauglichkeitsprüfung herauswindet, in dem er ganz business as usual die Ärztin flachlegt. Eines Tages muss in einem Bond-Film so ein Charakter eine Lesbe sein, die ihm „danke fürs Angebot, aber ich steh nicht so auf Penis“ antwortet. Oder noch besser, ein Mann sein. Bekanntlich nutzen Agenten ja skrupellos jede Möglichkeit, die ihnen zur Verfügung steht – Bond hatte bisher nur das Glück, dass die Bettgefälligkeiten immer nur die Möglichkeit bei hübschen Frauen waren.

Egal, mir gefiel The World is Not Enough enorm gut, da es mal wieder ein sehr persönlicher Film ist. Sicher, wir hatten schon einige, die Bond nahe waren, aber hier geht es ums ganze MI6. In der Eröffnungssequenz wird zum ersten Mal deren HQ in London in Gefahr gebracht. Und der Bösewicht diesmal hat sogar noch eine persönliche Rechnung mit M offen (die hier ein paar coole Szenen bekommt), statt nur direkt mit Bond.

Überhaupt ist dies wohl der intelligenteste und raffinierteste Plot, den ein Bond-Film je hatte, und viel besser wird’s in der Franchise auch wohl nicht. Wir haben hier nämlich durchaus Wendungen und Charaktere, die nicht sind, was sie zu sein scheinen, sondern im Hintergrund planen und das MI6 an der Nase herum führen. Man sollte meinen in einer Filmfranchise über einen Geheimagenten wäre das ganz normal, ist es bisher aber leider eher nicht gewesen. Es wäre nur schön, wenn das alles etwas besser geschrieben wäre, eben der Zuschauer länger in der Dunkelheit tappen würde. Denn bereits zur Ein-Stunden-Marke wissen wir, welcher King-Angestellte mit Renard unter einer Decke steckt, was es ziemlich offensichtlich macht, dass da noch mehr dahinter stecken muss. Und kurz darauf macht es uns der Film auch schon ziemlich klar, wer denn noch ein Verräter ist, und man kann sich auch zusammenreimen warum, obwohl es dennoch mindestens eine weitere halbe Stunde dauert, bis der Film die „Überraschung“ wirklich finalisiert. Unter einem kompetenteren Drehbuchschreiber hätte aus der Idee hinter The World is Not Enough jedenfalls wesentlich mehr herausgeholt werden können.

Bond Girl: Mit Sophie Marceau und Denise Richards (die hatte in den 90ern beinahe eine Karriere) bekommen wir hier zwei Gegenteile geboten. Marceau versprüht europäische Klasse, Richards wirkt wie amerikanischer White Trash. Marceau zeigt, dass für die Rolle als Bond Girl eben genug hübsche Damen zur Verfügung stehen, die auch schauspielern können, während Richards zeigt, dass sie dennoch nur nach erstem Kriterium gewählt werden. Und Richards spielt nicht irgendeine Hupfdohle, sondern soll eine Wissenschaftlerin geben – und das in Tank Top und Shorts, mit dem Gesichtsausdruck, hinter dem der IQ eines Silberfischchens scheint.

Bösewicht: Renard ist wirklich ziemlich unterhaltsam, denn als jemand, der weiß, dass er unweigerlich demnächst zu sterben hat, hat er eben nichts zu verlieren. All die Drohungen und Spielchen, die Bond normalerweise anwenden kann, prallen an ihm einfach ab. Und auch (Spoiler) Elektra King ist genial, als die (nicht) überraschend Mit-Drahtzieherin hinter dem Ganzen, um ebenfalls persönliche Rache nehmen zu können, und ihr Unternehmen nebenbei noch zu verbessern. Vor allem wie sie Bond mit seiner üblichen Schwäche, alles wo er mal reingestoßen hat, nicht mehr auf dem Radar zu haben, auszutricksen weiß.

Bond Himself: Ich mag am Film vor allem auch, dass er zwar wie immer viele der üblichen Bond-Klischees abklappert, aber wie oben eben auch schon angesprochen teilweise nutzt, um sich entweder darüber leicht schwarzhumorig lustig zu machen, oder als offene Schwäche Bonds auch als solche zu zeigen. Dass er eben nicht zu jeder Zeit den Überblick hat und bei jeder Situation merklich Obenauf ist, macht ihn einfach interessanter.

Action: The World is Not Enough hat die wohl coolste Pre-Cedits-Sequenz der Reihe, und mit 15 Minuten wohl auch die längste.

bond1999

Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: