007 Sunday – Skyfall

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Da sind wir nun. 26 Bond Filme später, gestreckt um ein paar ausgefallene Wochenenden zwecks notorischer Unlust, ist das Ende der 007 Sundays erreicht, mit dem 23. Eintrag in die Eon-Filme, Skyfall, der zudem auch das 50. Jubiläum derer Linie feierte. So einen passenden Abschlussfilm hatte ich nicht mehr seit Godzilla: Final Wars zu dessen 50.!

Und ganz wie Final Wars ist auch Skyfall der Film, den anzuschauen mir am meisten Spaß bereitet hat. Wer dachte ich hätte zu viel zu Casino Royale (2006) verbal masturbiert, Skyfall gab mir konstante, trockene Orgasmen. Was ein Film, the Bond movie to end all Bond movies. Der The Dark Knight und gleichzeite The Dark Knight Rises der Bonds. Und ironischerweise der Bond-Film, der mich wahrscheinlich von den beiden geplanten weiteren Daniel Craigs absehen lässt, obwohl ich nach Casino Royale durchaus gehyped auf seine Ära war, weil ein zweites Skyfall wird sicherlich eine geraume Weile nicht mehr geschehen können, definitiv nicht mit dem gleichen Bond. Das wäre sowieso mal eine Idee, wie wäre es, wenn mit jedem Bond-Akteur die Reihe einen neuen Reboot bekommt? Jedes Mal wieder ohne Altlast anfangen und eine Trilogie wie Casino Royale zu Skyfall machen – persönliche, an den Charakter von Bond herangehende, Filme, die scheinbar eine übergreifende Charakterarc haben, statt Bonds Abenteuer des Tages zu sein?

Anyways, gewohnt spannend geht es natürlich los, mit ganzen 15 Minuten, in denen Bond sich eine Verfolgungsjagd liefert, zuerst über die Dächer von Istanbul, dann geht es weiter auf einem Zug. Und dann wird Bond erschossen, von einer anderen MI6-Agentin, da M die harte Entscheidung treffen musste, dass die Möglichkeit den Terroristen, der die Datenbank aller Agenten gestohlen hat, auszuschalten, die Möglichkeit aufwiegt, im Gerangel versehentlich auch Bond treffen zu können. So ist das Agentenleben nun mal, du wirst eher nicht alt, und du bist austauschbar, deine Bosse haben das Wohl der Nation gegen dein Leben aufzuwiegen. Und nahtlos geht’s über in die Titelsequenz, in der zwar die üblichen ein oder zwei Shots auf nen nacktes Mädel untergebracht sind, die aber nach dem eher drögen Quantum of Solace wieder eine coole Sequenz zeigt, die ich gern als „im Persona-Style“ bezeichne.

Bond ist natürlich nicht tot, gilt aber als solches, und wenn man die Chance auf einen Ausstieg aus dem Spiel bekommt, nimmt man sich als desillusionierter Veteran jene auch. Bis er Wind davon bekommt, dass seine Heimat in Gefahr ist – das MI6 und M selbst stehen unter Beschuss von Terroraktionen, sowie M auch bald auf der Abschussliste der Regierung ob jener unverhinderten Zwischenfälle.

Dass die Geschichte relativ durchschaubar wird, bei so einem Leadup klar ist, dass da ein ehemaliger Agent, der ebenfalls unter einer harten Entscheidung Ms zermalmt wurde, eine persönliche Vendetta gegen seinen ehemaligen Arbeitsgeber und dessen Oberhaupt hat, ist natürlich mehr als klar. Wenn das jedoch so modern und genial inszeniert ist, man vor brandheißer Action abwechselnd mit wunderschön inszenierten Shots nicht zum Durchatmen kommt, wen stört das schon? Und mal ehrlich, die komplexesten und intelligentesten Speerspitzen des Filmschauens sind die Bonds alle nicht.

Ich war sowieso immer ein Fan von Judi Dench als M, und da dies hier ihr letzter Auftritt in der Rolle ist, hat man sie noch mal ordentlich in den Mittelpunkt gestellt. Sie zeigend als die harte Dame, die eben jene Entscheidungen zu treffen hat, das Leben ihrer Agenten gegen den Nutzwert ihres Todes abwägen muss, und dies ihr durchaus nicht unbedingt leicht fällt, aber einer muss es halt machen und Schwäche zeigen darf man anschließend eben auch nicht. Und Bond als langsam alternden, desillusionierten Agenten, gegenüber einem Gegenspieler, der mal wie er war, bis er sich halt verraten fühlte. Das Ganze wird eben auch viel persönlicher und Charakter-zentrischer, wenn der Kampf plötzlich zuerst nach London ins MI6 und dann sogar nach Bond Manor gebracht wird – wo wir sogar einen Satz oder zwei über seine Kindheit zu hören bekommen (wäre es nicht grenzgenial gewesen, wenn der alte Schotte, der auf das Anwesen aufgepasst hat, von Sean Connery gespielt worden wäre?)

Der neue Q ist kein alter Knacker, sondern ganz modern ein niedlicher Nerd-Typ um die 30. Es gibt einen Abstecher in die glitzernden Metropolen der neuen Weltmacht China. Moderne Kriegsführung und vor allem Spionage findet hinter Computern statt, und statt eines Krieges zwischen Nationen fürchten Industrienationen stattdessen eher Terroristen, die zudem wesentlich besser im Schatten bleiben können. Skyfall ist die Quintessenz eines modernen Bondfilmes. Aber als Film zum 50. Jubiläum lässt er sich kleine Nods auf die lange Geschichte der Franchise eben doch nicht nehmen, was durchaus auch seinen Charme ausmacht.

Zu sagen, dass Skyfall mit weitem Abstand mein Favorit unter den Bonds ist, mag nach all dem nicht überraschen, aber wenn man mal bedenkt, wie wenig ich mich um die meisten Filme kümmere, auch grundsätzlich erst mal nicht die größte Errungenschaft sein. Was ich aber immer gesagt habe, ist, dass die Bond-Filme zumindest auf einem technischen Level kompetent gemacht und vor allem bildhübsch inszeniert sind. Von daher ist es schon eine größere genommene Hürde, wenn ich auch meine, dass Skyfall der bestaussehende Eintrag der Franchise ist. Die wunderschöne Szenerie; die Bildkompositionen; das Spiel mit Farben, Licht und Schatten… es gibt kaum einen Frame in diesem Film, der nicht interessant fürs Auge ist, und dann passend dazu noch der wuchtige Soundtrack – Skyfall klotzt statt zu kleckern.

Bond Girl: Es ist etwas schade, dass die meisten Bond-Filme ein Girl haben, der ich den Titel „Todesfick“ geben kann, womit sofort klar wird, was für eine Minirolle sie erfüllen, wie das auch in Skyfall für Bérénice Marlohe der Fall ist. Naomie Harris als Eve bekommt da schon mehr zu tun, wenn sie ob der Natur der Handlung her natürlich auch hauptsächlich nur in der ersten Hälfte des Filmes ist. Als MI6-Agentin darf sie jedoch ordentlich auf den Putz hauen, gerade im Pre-Titel-Opener ist sie ein richtiger Badass.

Bond Bösewicht: Javier Bardem miemt Raoul Silva, den durchgedrehten Kerl, der als Agent blind M vertraute, bis sie dessen Leben gegen einen größeren Nutzwert abwägen musste, weswegen er sich verraten fühlt und nun M vernichtet sehen will. Ein gutes Motiv für einen Schurken, und dazu auch noch unterhaltsam gespielt von einem zunächst foppishen, später durchgedrehten Akteur.

Bond Himself: Craig ist schon alleine deswegen mein liebster Bond, weil er einfach den am interessantesten geschriebenen Bond spielen darf. Ihn hier zu Beginn desillusioniert zu sehen, wegen des Schulterschusses seine Kraft zu bändigen, sowie ihn am Ende in sein Elternhaus zu bringen und seine Überzeugung zu seinem Beruf zu verstärken, macht Skyfall auch zu seiner vielschichtigsten Inkarnation eines meist sehr eindimmensionalen Charakters.

Action: Nonstop würde ich sie nicht mal nennen, aber es fühlt sich im Nachhinein fast so an. Irgendwie ist einfach immer was los, und vor allem wenn wir dann mal in einer von den zahlreichen Actionsszenen sind, reißt die cool inszenierte Sache so schnell sicherlich auch nicht ab.

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Ein Kommentar

  1. Der einzige Bond, an den ich mich aktiv erinnern kann und wahrscheinlich auch der einzige, den ich jemals komplett gesehen habe. Actionfilme generell können ganz nett sein, sind jedoch zumeist nicht so mein Fall. Deshalb bekomme ich nur dann gelegentlich den ein oder anderen Film mit, wenn meine Mutter ihrem Lieblingsfilmgenre Action nachgeht und ich mich zufällig gerade bei ihr befinde. So auch eben bei Skyfall.
    Deshalb kann ich mich nicht mit so manchen Traditionen anfreunden, von denen es in dem Film auch so einige gab. Damit meine ich den sogenannten „Todesfick“, der im Nachhinein absolut unnötig erscheint. Hatte diese Frau überhaupt eine Relevanz? Ich kann mich jedenfalls nicht an eine Berechtigung für die Handlung des Films erinnern. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass sie mit manchen Konventionen brechen, wie man es beispielsweise an den augenzwinkernden Kommentare von Q merkt.
    Davon aber mal abgesehen ist die Inszenierung ziemlich gelungen und die vorherrschenden Farbkompositionen einzelner Szenen sind ziemlich herrlich. Mein Highlight des Films war aber das echt stylische Intro mit seinem Kaleidoskopeffekten und den intensiven Farben. In dem Moment hätte ich mir sogar gewünscht, dass das Intro noch ein wenig länger läuft, da scheint aber meine Affinität zu Animationssegmenten zu sehr durch.
    Insgesamt kann ich jedenfalls sagen, einen netten, kurzweiligen Film mit toller Inszenierung gesehen zu haben. Kaufen werde ich ihn mir nicht, habe aber mich trotzdem sehr unterhalten gefühlt und es definitiv nicht als Zeitverschwendung angesehen.

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