Academy Weekend – Zootopia

Es ist mal wieder Oscar-Wochenende, und ich nutze die Gelegenheit als gute Ausrede, um letztjährige Gewinner zu schauen, damit auch mal was Aktuelles mit Prestige geschaut wird. Zootopia, der in Europa Zootropolis betitelt wurde, während Deutschland auf Grund eines bestehenden Copyrights ihn als Zoomania kennt, ist der Animationsfilm-Gewinner des Jahres. Ist ja auch von Disney, nicht umsonst wird gern kritisierend diese Rubrik als der Pixar-/Disney-Oscar bezeichnet, weil fast immer, wenn eine dieser Firmen antritt, sie den Preis sicher haben. Selbst wenn ein makelbehaftetes Brave gegen ein fantastisches Paranorman antritt.

Judy ist ein Hase mit einem Traum. In der modernen Welt, in der Tiere ihre wilden Ursprünge hinter sich gelassen haben und Herbivoren und Karnivoren friedlich zusammenleben, will das kleine Häschen eine Polizistin werden. Ein Traum, den keiner so richtig für voll hält. Aber wenn Judy schon sonst nichts ist, dann doch zumindest engstirnig, und so schafft sie es auf die Akademie und ist unter Auszeichnung der erste Hasenpolizist der Multikulti-Metropole Zootopia. Wo sie prompt erneut nicht für voll genommen, sondern als Politesse eingesetzt wird, statt wie alle anderen am Fall der verschwundenen Raubtiere zu arbeiten.

Wie der eine und andere sich anhäufende Zufall das so wollen, wird sie natürlich dennoch mit dem Fall betraut, allerdings darunter innerhalb von 48 Stunden Resultate zu liefern, oder ihren Job aufzugeben. Genau wie sie plötzlich den Fuchs Nick als Informanten und Helfer am Hals hat, der eigentlich ein betrügerischer Kleinkrimineller ist – weil das von hinterlistigen Füchsen halt so erwartet wird.

Es kommt letztendlich dabei rum, dass die verschollen gegangenen Tiere alle in ihre Urinstinkte zurückgefallen zu sein schienen, wild um sich schlagend und beißend. Wer wie ich denkt das läuft auf eine Tollwut-Epidemie oder so heraus, täuscht sich übrigens, denn natürlich hat ein Fiesling im Hintergrund einen Masterplan zu bieten, um Panik zu schüren und unter dem Versprechen eines Mauerbaus Präsident der Vereinigten Staaten zu werden oder so.

Zootopia war ein sehr angenehmer Film. Die Charaktere und Situationen sind zwar weitestgehend bekannt, aber es ist doch eine sehr rasante und kurzweilige Buddy Cop Comedy gewesen. Bestechend durch viele tatsächlich witzige Sprüche, spitzfindige Charaktere, und Situationen in gut getimter Animation. Besonders tiefgründig ist er allerdings nicht gewesen.

Der Film hat generell gesehen zwei Messages. Zum einen diejenige, die für Kinderfilme ziemlich obligatorisch ist, nämlich an sich und seine Träume zu glauben, wer nicht aufgibt kann alles schaffen. Das ist natürlich nicht immer wirklich realistisch, sondern man muss auch mal wissen, wann man besser aufzugeben hat, aber Kinder zu motivieren Dinge auszuprobieren und nicht bei der ersten Hürde gleich aufzuhören, ist natürlich nicht falsch. Das andere Thema ist Intoleranz. Zootopia als Stadt wird gefeiert, weil es so Multikulti ist. Die Charaktere, auch Judy, müssen über ihre Vorurteile anderen Tieren gegenüber hinwegkommen. Der ganze Plan des Bösewichtes ist Panik über alte Urinstinkte zu schüren. Die Sache ist nur die, dass Zootopia das auf die vagste und unverbindlichste Art und Weise unterbringt, die nur möglich ist.

Dadurch kann letztendlich jeder alles oder nichts in diese Botschaft hineinsehen. Ist Panik über Rassismus zu schüren eine Parabel zum Erstarken rechter Politik der letzten Jahre? Ist Judy eine feministische Ikone als Frau, die sich in einem Männerberuf durchsetzt? Ist die Multikulti-Gesellschaft ein Kopfnicken zur Flüchtlingsthematik? Genauso gut kann jemand, wenn er denn will, allerdings auch bei den Vorurteilen den Raubtieren gegenüber sehen, dass ihn als Alt-Right oder AfD-Wähler direkt als Neo-Nazi abzustempeln falsch ist. Es ist klar, warum Zootopia seine Botschaft nie zu klar definiert, denn der Film will Mainstream-tauglich bleiben. Nicht zuletzt ist beispielsweise die Szene mit den Nachrichtensprechern regional angepasst. Und einer der größten Erfolgsmärkte des Filmes (und von Hollywood-Blockbustern generell in den letzten Jahren) ist China weitaus über beispielsweise Europa gewesen. Möglichst jeden ansprechen und niemanden vor den Kopf stoßen zu wollen zahlt sich also aus.

Komplett negativ muss das auch gar nicht betrachtet werden. Vielleicht ist es ja sogar ganz gut, dass sich jeder hier wiederfinden kann, jedem etwas Mut zugesprochen wird, der unterschätzt und stereotypisiert wird. Etwas mehr Klarheit und Biss wäre aber dennoch schön gewesen für einen Oscar-Gewinner. Doch unterm Strich ist Zootopia natürlich immer noch ein Kinderfilm, von dem man eventuell nicht zu viel erwarten sollte, und als solcher auch ein sehr gut unterhaltender Ritt durch seine Spielzeit. An launigem Unterhaltungswert zum Familienabend fehlt der dem Teil nämlich definitiv nicht.