Ys VIII: Lacrimosa of Dana

Ist eine Weile her, dass ich bei der Ys-Serie war. Vor sechs Jahren habe ich Ys VI erneut gezockt gehabt, das Jahr davor war ich Ys V angegangen. Aber der letzte aktuelle Teil war das Spielen von Ys Seven in 2011, also vor fast zehn Jahren. Doch jetzt, wo der neunte Teil bereits in Japan raus und für den Westen angekündigt ist, habe ich mir endlich Ys VIII: Lacrimosa of Dana zu Gemüte geführt.

Den besten Ersteindruck macht das Spiel ja schon Mal nicht, wenn ich das mal so sagen darf. Das Anime-Opening zum Beispiel sieht gut aus und die Melodie auf sich alleingestellt ist auch gut, aber wirklich zusammenkommen tun die nicht. Das eher ruhige Instrumental-Stück passt gut zum Hauptmenü oder als Ending. Aber zum Opening, welches alle Standard-Beats einer Anime-Serie voller Action bietet, will es nicht so ganz wirken. Dann starten wir das Spiel und finden uns in früher PS2-Grafik wieder. Suikoden III lässt grüßen. Mit rudimentären Charaktermodellen, deren Animationen nicht mit ihrer Bewegungsgeschwindigkeit einhergehen, so dass es mehr aussieht, als würden sie durch die Szenerie gleiten. Mit einem Schiff, das barebones Architektur aufweist und bei dem alles ein wenig zu groß im Vergleich zu den Charakteren ist. Die meisten Cutscenes haben enorm langweiliges staging und bieten ständige und geradezu zufällig wirkende Kameraperspektivenwechsel. Ich war echt überrascht. Ys VIII wirkt wir ein allererste 3D-Spiel aus den frühen 2000ern, nicht wie ein Spiel für PSVita und PS4, dessen Hersteller durchaus vorher schon Spiele in dieser Dimension zusammengebraut hat.

Allerdings ist es für Serien-Veteranen schon niedlich, dass der sexy junge Dogi sich noch voll darüber freut mit seinem Boyfriend Adol auf Schiffsreise zu gehen. Scheinbar hat er noch nicht herausgefunden, dass jedes Boot, auf welches Adol einen Fuß setzt, zum Kentern verurteilt ist. Wie Ys VIII auch mal wieder beweist, nachdem alle auf einer einsamen Insel stranden, die von prähistorischen Monstern bevölkert ist. Ganz nach Die Blaue Lagune, nur mit weniger minderjähriger Nacktheit und mehr Publikum, müssen Adol, Dogi und die anderen Gestrandeten hier nun erst Mal ihre eigene kleine Kommune aufbauen, bevor sie einen Weg finden können, die Insel wieder zu verlassen.

Auf der Insel wird der Eindruck des Beginns übrigens etwas revidiert. Hier sieht die Umgebung wesentlich besser aus und hat ein paar echt schöne Lokalitäten zu bieten. Die Cutscenes werden weniger häufig, so dass die darin befindlichen merkwürdigen Charakteranimationen weniger zwischen jenen im eigentlichen Gameplay ins Gewicht fallen, die ordentlich aussehen. In jeder dann doch mal spielenden Cutscene selbst das statischste Lagerfeuergespräch alle 10 Sekunden mit neuen Kamerasperspektiven in grundlosen Dutch Angles zu präsentieren, bleibt allerdings vorhanden. Der Amateurhafte Charaktere der Story-Präsentation nimmt mit der Zeit allerdings einen regelrecht charmanten Vibe an. Ein gutes Äquivalent zu B-Movies sind vielleicht doch weniger Spiele, die schlecht zu spielen sind, sondern deren Gameplay ordentlich ist und nur in der restlichen Umstzung diletantisch werden.

Ys VIII setzt übrigens den Trend der immer längeren Spiele in der Franchise fort. Ich persönlich war ja immer ein Fan davon, als sich Legend of Heroes und Ys konstrastierten. Legend of Heroes ist das lange traditionelle RPG mit stark ausgearbeiteter Handlung von 50 Stunden, während Ys das schnelle und spaßige Gameplay nicht unnötig aufbläht und nach 10-15 Stunden rum ist. Das ist freilich schon länger nicht mehr der Fall, Ys VI war 20 Stunden und Ys Seven bereits 30. Auch Ys VIII ist mit Dingen zugemüllt, bis es seine fast 50 Stunden Spielzeit erreicht.

Auch hier gibt es wie im Vorgägner mehrere Charaktere, die diesmal mit ihren verschiedenen Waffenarten die verschiedenen Gegnerschwächen angehen. Statt Adol also beispielswiese durch drei Elementarschwerter switchen zu lassen wie im immer noch besten Ys aller Zeiten, The Oath in Felghana, switcht man nun den selbst gespielten der drei aktiven Charaktere. Es gilt Ausrüstung und Waffen in der Schmiede aufzubessern, verschiedene teils auch kosmetisch Accessoires zu schneidern, und die Waffenskills durch beständiges Nutzen aufzubessern und neue zu erlernen. Irgendwie muss sich das weiterhin simpel-schnelle Kampfsystem ja auf die ganze Zeit strecken lassen, ohne langweilig zu werden. Und das wird es durchaus nicht. Durch die Gegend zu hetzen und alles im Weg niederzumähen ist so spaßig wie es immer war, auch weiterhin durch die pumpende Musik, die dabei läuft, und Ys-üblich immer ein rockiges Highlight darstellt. Bosse sind ebenfalls weiterhin imposant und mit dramatischen Titeln und Cutscenes eingeleitet, mit einem hier Handlungsbedingt animalistischen und Saurier-lastigen Thema, welches ich ebenfalls sehr gefällig finde.

Nicht so geil hingegen fand ich die Campverteidigung. In regelmäßigen Handlungsabständen wird die Kommune angegriffen und es heist somit dorthin zurückwarpen, um die Verteidigungswälle vor den einfallenden Horden an Monstern zu verteidigen. Die fand ich nie sonderlich unterhaltsam und den eigentlichen Spielverlauf eher ausbremsend denn bereichernd.

Ansonsten muss noch in den Arealen nach weiteren Überlebenden und besonderen Landmarken gesucht werden. Besagte neue Kommunen-Mitglieder können durchs Überreichen von Geschenken und erledigen von Nebenaufgaben freundlicher gestimmt werden. Die Verteidigungswälle wollen nebst des eigenen Equips aufgerüstet werden. Es kann geangelt und gekocht und gefarmt werden. Da auf einer einsamen Insel Geld keinen Wert hat, wird alles übers Crafting durch gefunden Gegenstände erledigt. Dungeons haben teils nächtliche Variationen. Ys VIII ist voller Zeug, um die dutzenden Spielstunden anzufüllen. Das ist schön für diejenigen, die all diese Extraschnörkel gut finden. Ich hätte wie gesagt gern wieder eine Rückkehr zu simpler-kürzeren Zeiten ohne den ganzen Extra-Ballast.

Ebenfalls nicht der größte Fan war ich von den Difficulty Spikes. Ich sehe ja ein, dass es eventuell etwas härter sein sollte, wenn man irgendwann wirklich gegen wortwörtliche Dinosaurier kämpft. Doch zunächst sind die Areale mit denen sehr unausgewogen hart, während alles davor total einfach war. Und wann immer dann wieder ein größerer Story-Brocken kam, kann es in einem Gebiet zunächst wirklich dazu kommen, dass alle paar Schritte eine Cutscene das Gameplay unterbricht, was auch nicht wünschenswert ist. Und bin nur ich es, der ständig die aufgeladenen Superattacken verschwendet, weil er L1 und R1 gleichzeitig drückt, da ich während des Rennens einen normalen Skill machen wollte? Nicht die beste Tastenbelegung.

Ys VIII reiht sich übrigens ein in die Reihe an Spielen, die, obwohl sie grafisch nicht viel hermachen, die PS4Pro(!) punktuell in absoluten Startender-Düsentrieb-Modus bringen. Schon irgendwie witzig.

Es gibt aber auch absolut Dinge, die ich mochte am Spiel. Beispielsweise sind die Charaktere wirklich charmant und ich fand es sehr schön mit anzusehen, wie gerade die Kämpfer-Sechsertruppe über das lange Abenteuer langsam zueinander findet. Hier wächst wirklich was zusammen und bleiben die Beziehungen nicht komplett statisch. Die Handlung scheint zunächst sehr 08/15, legt aber verspätet aufs Finale doch noch mal ein wenig zu. Besonders mochte ich den Evolutions-Blickpunkt vieler späterer Offenbarungen und es gibt ein paar echt nostalgischen Noten in der Endsequenz, wenn sich wieder voneinander getrennt werden muss. Die Musik ist soweiso wieder total geil und wie erwähnt das Gameplay durchaus spaßig.

All das klingt jetzt so ein wenig, als wäre Lacrimosa of Dana das Tales of der Ys-Franchise: Es sieht super Anime aus, die Story ist ziemlich durchschnittlich, die Charaktere sind charismatische Stereotypen, das Action-Gameplay ist button-mashy, und das ganze Unterfangen gut 20 Stunden zu lang.

So ganz lässt sich das meiner Meinung nach nicht bestreiten. Ich scheine da allerdings ziemlich alleine dazustehen. Von allen Seiten höre und lese ich, wie Ys VIII eines der besten RPGs der letzten Jahre sein soll. Während ich ähnlich wie bei Xenoblade damals wieder dastehe und nur Schulterzuckend „eh, so weit würde ich echt nicht gehen, aber ist schon ganz Ok“ erwiedern kann. Das ist es auch durchaus. Wie immer ist es einfach negativ zu klingen, weil sich über die weniger optimalen Dinge mehr schreiben lässt, als über die kompetent umgesetzten Sachen. Ys VIII ist abgesehen von seinem Cutscene-Staging auch absolut kompetent. Im Moment-zu-Moment-Gameplay sogar meist sehr spaßig, was immerhin das Wichtigste ist. Es bleibt für mich aber schlichtweg eines der schwächeren Ys-Teile, welches eben „nur Ok“ ist.