Lost Kefin, Kingdom of Sand

ava-1462Seit diesem November ist es endlich soweit: Jeder Teil der Ys-Serie ist in einer englischen Version vorliegend. Der vierte dank XSEED zum ersten Mal offiziell auf der PSVita als Ys: Memories of Celceta, und Ys V zum ersten Mal inoffiziell dank einer lang in Arbeit befindlichen Fantranslation von Aeon Genesis.

Was Ys V dabei besonders macht, ist das es das erste Ys von Falcom ist, das exklusiv auf Konsole erschien. Sicher, die Spiele von Falcom wurden schon immer auf Konsolen portiert, aber dies immer von anderen Firmen, Falcom selbst war bis zur PSP-Ära fast PC-exklusiv unterwegs. Selbst Ys IV, welches auf den beiden Konsolen PC Engine und SNES erschien, war nicht von ihnen, sondern zwei anderen Firmen produziert. Doch Ys V ist von Falcom, und nur auf dem SNES erschienen.

Was den Spielern damals dabei sofort auffiel ist, wie un-Ys der fünfte Teil doch geworden war. Oh sicher, es ging immer noch um den Rotschopf Adol (wobei man hier seine Haarfarbe sogar ändern kann, wenn man denn ein Häretiker ist), der mal wieder in einem neuen Land ankommt, wo eine antike Zivilisation des Bösen unschädlich gemacht und einem unter Amnesie stehenden Mädel geholfen gehört – typsich JRPG eben. Und erneut ist die Angelegenheit im knackigen einstelligen Stundenbereich machbar.

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Doch das alles sieht anders aus und hört sich anders an, als bisher. Ys hatte durch seinen Ursprung eben immer diesen typischen japanischen PC-Look, den man bei Spielen auf PC88/98 aber auch viel auf dem PC-Engine sah, dazu alles noch sehr 80s-Anime, mit Cutscenes, hellen Farben, und einem überraschen rockigen Soundtrack. Ys V geht in eine ganz andere Richtung. Eine mehr typisches Fantasy-Game. Kaum noch Anime-Standbilder zum Voranbringen der Handlung, die Farben sind alle gedeckter, die Sprites realistischer proportioniert, und der Soundtrack ist auch orchestraler. Ich persönlich fand das weniger schlimm, zumal es sich immer noch gut anhört und das Spiel auch wirklich gut aussieht – immerhin ist es von 1995, wer bis dahin immer noch nicht gute Performance aus dem SNES holen konnte, macht echt was falsch – aber vielen ging halt der typische Look ab.

Spielte sich dann auch ganz anders. Ys war bisher immer aus der Vogelperspektive mit einem Adol, der geschwind über den Bildschirm brettert und dabei Kopf-durch-die-Wand mit den Monstersprites kollidiert, um sie zu schädigen. Lediglich im Anomalie-Sidescroller Ys III konnte er springen und per Knopfdruck attackieren. Nun, auch Ys V nutzt eine Topdown-Ansicht, nun kann aber eben gesprungen werden und muss per Knofpdruck das Schwert geschwungen und Schild gezückt werden. Das ist wohl für mich erneut nicht wirklich eine Änderung, da ich mit Ys VI und später in die Serie einstieg, die genauso sich handhaben, lediglich Ys I.II Complete gaben mir das alte Gameplay mit Adol als Todesramme.

Mein Problem hiermit ist lediglich wie steif sich Adol doch spielen lässt. Er bewegt sich gar nicht mal so langsam – solange man eben nur geht. Sobald eine Aktion zu machen ist, wird es jedoch frickelig. So ist die Hit Detection des Schwertes nicht immer gut, sondern resultiert manchmal in keinen Schaden, obwohl es das Monster getroffen hat und ich von ihm durchaus Schaden einstecken musste. Zudem gibt es keine Kombos, sondern tatsächlich nur einzelne Schwertstreiche. Und das Springen ist ganz NES-Castlevania-Style: Sobald Adol die Füße vom Boden erhebt, hat man keine Kontrolle mehr, sondern er springt immer genau die gleiche Weite und in die Richtung, in die man vorm Initiieren des Sprunges gedrückt hat. Oder einfach in gar keine Richtung, wenn man das eben nicht vor Sprungtaste festgelegt hat. Zusammen mit der Tatsache, dass es häufig zu keinem Schaden für Adol kommt, wenn man in die Gegnersprites läuft, solange jene nicht in ihrer Attackanimation sind, fühlt sich die ganze Angelegenheit für mich ehrlich gesagt so an, als wäre Adol ursprünglich immer noch so programmiert worden, dass man eben per Spriterammen die Gegner schadet und das manuelle Schwertschwingen eine Entscheidung in letzter Minute war. Zauber werden nun übrigens eingesetzt, in dem eine Schultertaste mehrere Sekunden zum Aufladen gehalten und dann die Angriffstaste gedrückt wird, was sie weitestgehend unnütz macht.

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Dies wird dahingehend nicht frustrierend, dass man sich natürlich einerseits an das spezielle Kontrollieren von Adol gewöhnt, zudem es selten nötig ist überhaupt zu springen, und das Spiel doch echt einfach geraten ist (ein Jahr später wurde in Japan auch mit Ys V Expert eine Hard Type Variante veröffentlicht). Dennoch ist es so, dass es etwas nervt, wenn bewegliche Bosse einem so vorkommen, als könnten sie Adol permanent ausmanövrieren, während stationäre Bosse hingegen super lachhaft einfach bleiben.

Ys V ist dabei noch nicht mal ein schreckliches Spiel, man wünschte sich einfach, dass es spielerisch etwas launiger wäre, in dem die Steuerung eben schneller und weniger clunky ist. So blieb es eben eher eine leicht enttäuschende Note, auf die Ys für 8 Jahre geendet hatte bis Ark of Napishtim auf die japanischen PCs einschlug.