Anime Anthology Week: Robot Carnival

ava-1710Willkommen in der 5-Tage-Woche der Anime Anthologien. Und zwar im Sinne von Filmen, die aus Kurzfilmen bestehen, also erwartet nicht Sachen wie Ayakashi, Mermaid Forrest oder Mononoke, die alle paar Folgen eine eigenständige Geschichte beginnen. Den Anfang macht der 1987er Robot Carnial, der es damals zum moderaten Kultstatus gebracht hat. Übrigens der einzige Eintrag der Woche, der es nie nach Deutschland schaffte.

Was hier vor allem auch sehr interessant ist, ist die Tatsache, dass die Regisseure der einzelnen Sequenzen vor Robot Carnival so gut wie keine Erfahrung auf diesem Posten mitbrachten, sondern lediglich als Animatoren tätig waren. Und hier bleiben sie bei ihren Stärken, denn der 90-Minüter besteht aus 8 Episoden, die demnach alle knappe 10 Minuten in Länge sind, die also nicht allzu viel Platz für große Handlungen lassen, und deswegen dies auch gar nicht tun. Ja die Storyline der Sequenzen ist so heruntergeschraubt, dass nur 2 davon überhaupt gesprochene Dialoge beinhalten, während die anderen 6 komplett stumme Charaktere beinhalten (bzw. im Opening/Ending, die zusammen gehören, eine unverständliche Fantasy-Sprache von sich geben), da die Animationen alleine ausreichen, um zu transportieren, was hier warum geschieht. Selbst die beiden anderen kämen mit kleinen Änderungen eigentlich auch ohne ihre geringe Verbalität aus. Dies soll übrigens keine Kritik sein, sondern schlichtweg zeigen, dass Robot Carnival mehr ein audiovisuelles Erlebnis ist, bei dem man sich von den Bildern und der Musik alles nötige an Handlung und Stimmung mitteilen lässt. Ein wenig wie Fantasia sozusagen.

Von dem, was die einzelnen Episoden so zeigen, könnten sie übrigens kaum unterschiedlicher sein, als Bindeglied dient lediglich, dass alle Roboter enthalten. So präsentiert uns das zusammengehörige Opening/Ending den Titel-gebenden Robot Carnival, der zur Glanzzeit der Menschheit als Amusement gebaut wurde, und selbst in der postapokalyptischen Wüste noch unermüdlich seine Runden dreht. Franken’s Gear hingegen zeigt uns das Erwachen von Frankensteins Monster, zumindest wenn seine Kreatur ein Roboter gewesen wäre. Deprive erinnert mich etwas an Casshern irgendwie, und zeigt ein von Robotern entführtes Mädchen bzw mehr wie ihr Androiden-Kompanion sie aus deren Klauen befreit. Presence ist wohl die ruhigste Erzählung, die einen Kerl ein hübsches Roboter-Mädel reparieren lässt, sich von ihren erwachten Gefühlen allerdings abwendet, um dies bis zu seinem Tode zu bereuen. Star Light Angel zeigt hingegen schlichtweg zwei Mädels in einem Vergnügungspark, die herausfinden, dass sie den gleichen Schleimer daten.

Mit Cloud haben wir das Arthouse-Segment, welches monochrom und fast im Stil von animierten Storyboards einen Roboter-Jungen zeigt, der vor verschiedenen Wolkengebilden einsam seines Weges schreitet, die mal den Aufstieg und Fall der menschlichen Zivilisation zeigen, oder auch Hasen und UFOs. War mir ehrlich gesagt zu lang und dadurch langweilig, ist aber perfekt für Arthouse-Fans, um sich dran aufzugeilen wie schlau man doch ist. Praktisch als absolutes Kontrastprogramm dazu sind die letzten beiden Episoden dafür wieder super kinetisch. A Tale of Two Robots beispielsweise ist ziemlich slapsticky und zeigt zwei sich im Tokyo der Meiji-Zeit bekämpfende Steampunk-Roboter, einer von einem hochtrabenden Ausländer, der Gegenangriff von Japanern gesteuert. Nightmare hingegen zeigt uns ebenfalls Tokyo, aber der Moderne, in dessen leergefegten Straßen nachts Maschinen-Monster ihren Aufzug machen. Fantasias letztes Segment mit Chernobog nicht unähnlich, aber mit Robotern.

Schön an der kurzen Laufzeit von 10 Minuten bei diesen Anthologie-Filmen ist natürlich auch immer, dass selbst wenn man einen Part mal nicht so mag, dieser nie lange aufhält, bis der Nächste beginnt. Als einzige mir nicht so gefallen haben das dämliche Star Light Angel und das artsy fartsy Cloud. Interessanterweise unter Regie von Hiroyuki Kitazume respektive Manabu Ohashi, die beide bei vielen Projekten als Animatoren zuständig waren, aber hiernach kaum noch Regie führten. Der Rest des Filmes war wirklich toll, gerade eben um sich von den für das Jahresdatum wirklich mit viel Energie durchanimierten Bewegungsabläufen und detaillierten Szenarien unter musikalischer Begleitung auf eine abenteuerliche Reise mitnehmen zu lassen. Gerade das die Handlungen einfach gehalten bleiben, kommt dem hier definitiv auch zugute, da es einem so auch nie nach mehr verlangt, weil die 10 Minuten für den interessanten Ansatz nicht ausreichen würden.

Was die anderen Regisseure angeht, so haben Opening/Ending Katsuhiro Otomo (Akira, Steamboy, Manie Manie, Memories, Short Peace) und Atsuko Fukushima (Genius Party) zusammen gemacht, die wir beide in den folgenden Tagen noch wiedertreffen werden. Auch Franken Gears Koji Morimoto blieb viel den Kurzfilmen treu mit Beiträgen zu Memories, Animatrix, Genius Party und Genius Party Beyond. Deprives Hidetoshi Omori ist ebenfalls nur noch ein paar Mal in Regie gewesen, abgesehen von The Urotsuki sagt mir davon aber kein Werk etwas. Das ruhige Presence hat ausgerechnet Yasuomi Umetsu beigesteuert, der sich eher durch Girls with Guns in Kite, Mezzo Forte oder Wizard Barristers einen Namen machte. Von Hiroyuki Kitakubo, der A Tale of Two Roberts machte, wäre da beispielsweise noch Roujin Z, Golden Boy und Blood: The Last Vampire. Nightmares Takashi Nakamura führte zudem noch Regie in WMTs Peter Pan, Tree of Palme und Fantastic Children.

robotcarnival

Nostalgic Anime Week II: Kite

ava-1430Erneut kommen wir nach einer eingeworfenen, eher leichten Unterhaltung, zu einem härteren Anime. Das 1998er Kite von Yasuomi Umetsu, der neben hauptsächlich helferischer Tätigkeiten und Character Designs (u.A. auch für Castlevania 64 oder Shin Megami Tensei: NINE) eher durch die Hardcore-Anime Cool Devices: Yellow Star, Kite und Mezzo Forte bekannt wurde, mittlerweile mit der Mezzo TV-Serie und Kite: Liberator auch vergleichsweise harmlose Dinge hervorgebracht hat.

Yasuomi Umetsus Eintrag in die Cool-Devices-Reihe, Yellow Star, gestaltet sich wie folgt: Mädchen wird vom Stiefvater, der offiziell im Fall der Droge ermittelt, von eben jener abhängig gemacht, damit sie es mit ekligen Kerlen treibt, bringt ihn um, nur um dann doch ein Bad End zu haben. Kite hat eine ähnliche Story, nur mit einem Girl with Gun Protagonist (denn niedliche Mädchen in Brachialgewalt geht immer, wie auch die Mezzos zeigen):

Akai ist ein korrupter Polizist der Mordermittlung, der zusammen mit Kanie eine Agentur für Auftragsmorde betreibt. Die beiden haben einen ziemlichen Hunger für minderjährige Muschi, und so nehmen sie sich der jungen Sawa an, nachdem sie deren beide Eltern ermordet haben. Denn mit genug Gehirnwäsche, Ausnutzung, Stockholm-Syndrom, „Streicheleinheiten“ mit dem Penis, und Waffentraining am lebenden Objekt, wird aus dem jungen Mädchen schnell eine gewissenlose Killerin, die für sie die Aufträge ausführt, so dass sich die beiden gar nicht mehr selbst die Finger schmutzig machen müssen.

Der Teil ist allerdings nur die in wenigen Minuten als Versatzstücke eingestreute Hintergrundgeschichte, Kite spielt mit einer bereits erwachsenen(?) Sawa, die ohne Murren und Knurren Leute erschießt und Akai gefällig ist. Zumindest bis sie sich mit dem Studenten Oburi anfreundet, der ebenfalls Morde für Akai begeht, aber aussteigen will. Aus dem Business aussteigen kann man allerdings nur im Tode, so zumindest Akais Meinung, also wird Sawa auf ihn angesetzt – die nun ihre Chance riecht, sich endlich an ihren beiden Ziehvätern zu rächen. Gut ausgehen tut auch dies nicht.

Kite ist ein schon recht schonungsloser Action-Steifen, um eine Riege verachtungswerter Charaktere. Denn grafisch sind die beiden Halbstünder allemal, in beider Hinsicht. Sawa nutzt nicht einfach nur normale Kugeln, sondern um sie nicht nachverfolgen zu können, explodiert die Munition im Körper der Opfer, was Literweise Blut spritzen und auch mal das eine oder andere Körperteil fliegen lässt. Und auch die zwei oder drei Sexszenen sind volles Rohr auf die Action, in der komplett ungekürzten Fassung inklusive kurzer Flashbacks auf die Vergewaltigung der jungen Sawa. So weit zu gehen, Kite einen Hentai zu nenne, würde ich allerdings nicht. Die Sexszenen sind gar nicht mal so lang, und wirken auch nicht sonderlich stimulierend – merkwürdige Musik, eine eindeutig ausgenutzte Sawa und Umetsus Angewohnheit seine Kerle alle als eklig-schmierige Giganten neben den petit-niedlichen Mädels darzustellen sei Dank (Kite hat mit Oburi einen einzelnen attraktiven Kerl zu bieten, doch ganz wie mit dem attraktiven Freund des Mädels in Yellow Star, kommt er nie zum Schuss, sondern nur die alten Ekelpakete).

Zumal der Sex in Kite auch recht organisch wirkt, ganz im Gegensatz zu Mezzo Forte, er ist regelrecht charakterisierend: Wir wissen durch ihn, dass Sawa auf mehrere Art und Wiese von Akai ausgenutzt wird, und er zeigt erneut, was für Fieslinge er und Kanie sind. Denn egal wie sehr sie Sawa und Oburi sagen, was für Bösewichter sie da für das Gute der Menschheit umbringen, sie selbst sind auch korrupt, Geldgeil und vergreifen sich an jungen Dingern. Die Realität von Kite ist dreckig und korrupt, und die recht brachiale Gewaltdarstellung sowie sexuelle Ausnutzung untermauern dies.

Kite ist auch ein recht cooler Action-Streifen, wirklich. Neben einer attraktiven Protagonistin und stylischer Action bietet es viele stark schattierte Einstellungen, ins Nichts schauen, und einen chilligen OST, der dem Anime ein gewisses Noir-Feeling gibt. Als reines Actionfest ist Kite absolut zu gebrauchen. Der einzige Abzug hierbei ist, dass der Anime etwas zu cool ist, denn gerade Sawa und Oburi sind auch sehr kalt und Emotionsarm geraten. Und auch alles andere, als unschuldig. Oburi erschießt einen kleinen Jungen so ganz nebenbei, als wäre es normal wie das Atmen, nur weil dessen Ball in einer Pfütze landet, die seine neue Jacke durchnässt. Der tragische Aspekt von Kite würde tatsächlich etwas besser funktionieren, wenn uns die beiden jungen Protagonisten sympathischer gemacht würden.

Und damit wären wir auch am Ende der zweiten von drei Wochen, in denen ich für mich nostalgische Anime aus meinem DVD-Regal entstaube, erreicht.

kite