Meiken Lassie

Das World Masterpiece Theatre ist eine über 20 Jahre laufende Franchise von Toei Animation, welches im Kinderprogramm jedes Jahr eine neue Serie basierend auf einem Kinderbuch-Klassiker präsentierte. Streitbar entweder bei Heidi (1974) oder Niklas, der Junge aus Flandern (1975) gestartet, haben auch wir im deutschen Fernsehen damals fast alle davon mitgenommen.

Doch der Stern der Einschaltquoten war nach einer gewissen Zeit beständig am Sinken. Ursprünglich hatte noch jede Serie um die 50 Folgen, um die kompletten 52 Wochen (minus evtl einiger Feiertage o.Ä.) eines Jahres zu füllen. Gegen 1990 war das schon auf regelmäßig 40 Folgen runtergeschraubt. Die Schwarzen Brüder 1995 wurden sogar auf 33 Folgen verkürzt. Das Damokles-Schwert hing also bereits über der Prestige-Reihe, die einfach nicht mehr die gewohnten Zuschauerquoten bringen konnte.

Das änderte leider auch die 1996er Season mit Meiken Lassie nicht. Eine Serie, die wegen schlechter Quoten sogar nach 26 Folgen beendet und Mittjährig von Nobody’s Girl Remi ersetzt wurde, in der Hoffnung die Franchise zu retten. Stattdessen endete sie dort vorerst. Übrigens zwei der drei Serien der Original-Riege, die es gar nicht mehr nach Deutschland schafften.

An der Qualität soll das aber nicht gelegen haben, denn auch Famous Dog Lassie ist eine knuddelige Wohlfühl-Serie für Kinder. Sogar knuddeliger und wohlfühliger als alle anderen, denn Ausnahmsweise gibt es mal keine großen dramatischen Ereignisse im Leben des kleinen John und seines Adoptivhundes Lassie. Vielleicht liegt da das Problem? War die Serie den Kids zu langweilig? Wahrscheinlich hat es keinen Unterschied gemacht, denn Remi drehte das Drama um Waisenkinder auf der Reise nach einem Elternteil inklusive vieler Tragödien wieder voll auf und kam auch nicht besser an.

John hat sogar nicht nur zu Beginn der Serie zwei Elternteile, nein er wird sie auch beide behalten! Niemand verschwindet, stirbt oder was sonst so den Kids in den WMT-Serien meist geschieht. Stattdessen hat sein zu Hause einen Zuwachs, als er Lassie findet und aufpeppelt. Nachdem er den Besitzer nicht ausfindig machen kann auch behält. Was die schlaue Hündin ihm mit ewiger Treue bezahlt. Beispielsweise immer schön brav am Schultor darauf wartet, ihn nach Schulschluss abzuholen. Mit John und seinen Freunden Collin und Sandy über die Wiesen tollt und in Geheimverstecken abhängt. Und natürlich immer rettend und helfend zur Seite steht, wenn doch mal etwas kurzzeitig schiefläuft. In der Kohlemine des Vaters oder im Krankenhaus der Mutter zum Beispiel.

Denn ganz ohne Drama kommt natürlich auch Lassie nicht aus. Es ist nur so, dass es sich hier immer um kleine Einzelfälle handelt, die immer in einer Folge abgecancelt sind und alles schnell wieder gut wird, nie bleibende Schäden entstehen. Die Mutter mag sich überarbeiten und zusammenbrechen, wird aber wieder gesundgepflegt. Ein vermeintlicher Krimineller taucht im Dorf auf, das Missverständnis kann aber aus dem Weg geräumt werden (was Ausnahmsweise mal eine Doppelfolge dauert). Sehr dramatisch wird es tatsächlich nur auf die finalen paar Folgen, wenn der reiche Besitzer der Mine Lassie als Pfand nimmt. Denn die Kohle ist versiegt und er will die Arbeit einstellen lassen, was die Stadt in der John lebt natürlich in enorme Nöte bringen würde. John glaubt seinem Vater, dass eine neue Erzader gefunden werden kann und verpfändet seinen Hündin. Die prompt ausbricht und sich auf den Weg zu seinem Herrchen macht. Hunderte Meilen nach Süden. Ob Lassie wieder ankommt und ob die Mine gerettet werden kann, ist sozusagen das Grande Finale der Serie.

Der Rest ist weitestgehend Wohlfühl-Fluff für die Seele, von dem ich sehr gerne eine Episode pro Abend geschaut habe. Als letzter Sargnagel des Tages sozusagen noch mal schnell 20 Minuten Wholesomeness fürs Runterkommen tanken.

A Little Princess

ava-1659Jetzt kommt’s, die ganz große Serie aus meiner Kindheit, oder zumindest eine der Topps. Bisher musste ich ja den meisten WMT-Serien erneut als Erwachsener geschaut ein wenig „meh“ entgegenbringen, da sie vielleicht doch nicht so unterhaltsam sind, wie ich in meiner Nostalgie dachte, bzw. eben nicht auf mein erwachsenes Ich zugeschnitten sind. Aber wenn es eine Serie geben sollte, die mich vom Gegenteil überzeugen kann, dann sollte das Die kleine Prinzessin Sara sein.

Tat sie nicht. Es klingt immer etwas kaltherzig dies zu Serien über Kinder in Notlage zu sagen, worauf ja so ziemlich komplett WMT basiert, aber auch das Leiden des reichen Mädchens Sara Crewe, die in ein englisches Internat kommt, dessen Vater dann stirbt und verarmt, und die sich nun als Dienstmädchen in der ehemaligen Schule, in der sie es sich bereits mit der Stammzicke und der herrischen Leiterin verdorben hatte, durschlagen muss, ließ mich ziemlich kalt.

Ich denke ein Großteil dessen, warum ich die WMTs mittlerweile als „ganz nett, aber auch irgendwie meh“ abstemple, ist neben der epischen Länge (erneut fast 50 Folgen), dass ich kein Kind mehr bin, und deswegen weniger gut auf diese Hauptcharaktere anspreche. Ja, ich bin nicht nur kein Kind mehr, ich finde Kinder auch hochgradig nervtötend. Das hilft natürlich nicht bei einer Serie, die komplett in einem Mädcheninternet hauptsächlich jüngerer Schüler stattfindet.

Beispielsweise ist jede Folge, in der Lotty vor kommt, sofort ruiniert, weil die dämliche Kuh ja mal sowas von unerträglich ist. Das ständige Geheule, und die sowieso schon penetrant nervige Stimme, selbst wenn sie normal redet, kann ich einfach nicht ab. Am Besten ist dann noch, dass die kleine Zicke ständig allen vorwirft zu lügen, auch wenn dies gar nicht stimmt. Gerade in der Folge, wo die Ziege ihr Buch verliert und dann eines einer Mitschülerin klauen will, und dann so ein großes Gewese draus macht, wenn es ihr zu Recht wieder abgenommen wird. Ich mein, klar, die blöde Fotze ist so ziemlich die jüngste Schülerin, und Kleinkinder sind nun Mal quengelig, jähzornig und denken wenig rational, aber das ändert nichts dran, dass jedes Mal wenn ich Lotty auch nur irgendwo am Bildrand stehen sehe, sich mir sofort ein frustrierter Stöhner entfleucht.

Ich find Sara ehrlich gesagt aber auch nicht so toll. Als Kind mag sie eine nette Identifikationsfigur sein, doch als Erwachsener geht mir ein so übertrieben unrealistischer Gutmensch einfach etwas auf den Senkel. Und wenn sie nicht immer so auf ihrem hohem Moral-Ross runter predigen würde, sich in Sachen einmischte, die sie eigentlich gar nichts angehen, als sie noch reich war, dann hätte sie anschließend auch ein wesentlich einfacher Leben unter Fräulein Minchin und Lavinia gehabt. Und das übertriebene für Sara Geheule, welches Peter und Becky immer mal wieder veranstalten… nah, kein Freund von Pity Parties.

Die Erwachsenen sind ehrlich gesagt auch nicht wesentlich besser. Fräulein Minchin ist eh viel zu unausstehlich und die Tatsache, wie hart sie für sich und ihre Schwester selbst arbeiten musste, ist leider nur ein kurzer Nebeneinwurf viel zu spät in der Serie, um ihr noch etwas Dimension zu geben. Aber am Seltsamsten ist wirklich Mr. Crawford. Der kommt so Dreivierteil durch die Geschichte durch in London an, auf der Suche nach der verlorenen Tochter seines Freundes. Er zieht sogar direkt neben Sara ein, braucht aber ewig lang (und genau genommen einen reinen Zufall), um sie ausfindig zu machen. Es ist das neunzehnte Jahrhundert. Ich kann nicht glauben, dass das Kind eines ehemaligen Megareichens einfach so ohne Papiere oder Anhaltspunkte verschwindet. Ja am Anfang der Serie hatte Mr. Crewe doch sogar jemanden in London beauftragt, seine dortigen Geschäfte und die seiner Tochter zu erledigen. Wie kann es so schwer sein, herauszufinden, dass Sara noch genau an dem Ort haust, an dem sie zuletzt zur Schule ging?

Wups, das war jetzt eine ziemliche Hasstirade, eh? Unverdient, denn so schrecklich ist Die kleine Prinzessin Sara nicht. Aber wie gesagt, ich bin von den WMT-Serien im Nachhinein doch etwas enttäuscht, weil ich doch mehr erwartet hatte. Quasi Ghibli in Serie, mit guter Familienunterhaltung, die man auch als Erwachsener nicht als Zeitverschwendung ansieht. Ok sind sie allemal, aber eben doch irgendwo Zeitverschwendung. Wenn ich hiervon eine (non-Lotty) Folge im TV aufschnappen würde, wäre ich vielleicht sogar ganz nostalgisch entzückt – aber die komplette Serie hintereinander geschaut… meh. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu verschroben und kaltherzig, um mich mit simplen Kinderfreuden bezaubern zu lassen. Durchaus möglich.

Little Women

ava-1388Oder Eine fröhliche Familie, wie es dann bei uns im Fernsehen hieß, die nächste WMT-Serie mit 48 Folgen in DVD-Box gefasst.

Diesmal geht es, wie der deutsche Titel schon sagt, um eine Familie, statt eines einzelnen Kindes, und wie der Originaltitel des Buches sagt, um dessen weibliche Mitglieder. Denn die Serie spielt zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, weswegen Vater March, der einzige Mann im Hause, den Großteil der Serie absent an der Front verbringt. Wir hingegen folgen Mutter March, die mit ihren vier Töchtern Meg, Jo, Beth und Amy, sowie der schwarzen Haushaltshilfe, die Heimatstadt verlässt, nachdem der Krieg zu nahe kommt und sie gebrandschatzt wird, wodurch die gut betuchte Familie nun auch ihren Wohlstand verliert.

Netterweise haben sie da ja noch die vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz so nette, reiche Tante, bei der sie in der neuen Heimat unterkommen können, bis sie ein eigenes Haus gefunden haben, in dem sie alle unterkommen können und das sie sich auch leisten können. Und mit einem Zeitungsredakteur, den Möchtegern-Schriftstellerin Jo befreundet, sowie netten Nachbarn im dann doch gefundenen neuen Haus, sowie der aufgetauten Tante, haben sie alle Unterstützung, die man sich nur wünschen kann, um wieder auf die Beine zu kommen.

Unser Hauptcharakter ist dabei über die zwei Jahre, die wir der Familie vom Aufgeben der alten Heimat bis zum Ende des Krieges folgen, die Zweitälteste Jo. Sie bekommt mehr Szenen. Sie hat gleich zwei Love Interests, an denen sie aber nicht viel mehr denn Freundschaft findet und was netterweise nie ein großes Ding in der Serie wird. Sie hat den Traum Schriftstellerin zu werden. Hauptsächlich zu ihr baut die Tante ein Verhältnis auf. Und als die Burschikose der Familie hat sie einfach mehr Abenteuer und Spaß, denn die sich mehr in ihre Geschlechterrolle einfügende Älteste Meg, deren Story Arcs sich auf das Gehen auf einen Ball und Finden eines Ehemannes beschränken, oder die Zweitjüngste Beth, die schüchterne Stubenhockerin, die außer Klavier spielen die Serie über nicht viel tut. Eigentlich ist es ein Glücksgriff, dass niemand auf die Idee gekommen ist, in einer Kinderserie die Jüngste Amy zum Hauptcharakter zu erheben, das egoistische Stück nervt mit ihren kleinen Aufständen, wenn sie nicht bekommt, was sie will, nämlich häufig gewaltig. Ich mein, Kinder sind natürlich häufiger mal so, aber das macht sie auch nicht sympathischer wenn man als Erwachsener jene Serie erneut schaut.

Was mir nun gegenüber meinem Kinder-Ich von damals allerdings aufgefallen ist, sind die doch seltsamen Dialoge der Serie. Jeder drückt sich so gestelzt aus, Drama Queen Jo benimmt sich sowieso häufiger wie in einem Theaterstück, und viele Gespräche sind auch nur Charaktere, die sich mehrmals Story Exposition entgegenwerfen, die eigentlich beide sowie der Zuschauer schon kennen und somit gar nicht sein müssten. Unglaublich gekünstelt klingen einfach viele Gespräche.

Was vielleicht auch ganz nett gewesen wäre, wäre den Bezug zum Krieg und die Unterdrückung der Schwarzen nicht nach den ersten paar Einstiegsepisoden fast zu vergessen. Sicher, die Frauen haben mit dem Krieg nichts zu tun, aber abgesehen von der Erwähnung hin und wieder, dass Paps immer noch an der Front ist und der Krieg hoffentlich bald gewonnen werden soll, verschwindet er quasi aus der Serie. Und mit der schwarzen Haushaltshilfe gäbe es auch eine nette Bezugsquelle, immerhin geht es hier um die Abschaffung der Sklaverei, aber das wird auch nie genutzt. Stattdessen haben wir den mehr oder minder normalen Alltag einer Fünfergruppe an weißen Frauen, in einer Zeit, wo jene nicht viel erleben können. Wobei ich es durchaus erfrischend fand, mal nicht die Reise eines Waisenkindes zu verfolgen, sondern eine intakte Familie in ihrem Heim zu haben, nur viel Aufregendes erleben tun die über die 48 Folgen eben nicht immer.

Nobody’s Girl Remi

ava-1348Auch gern übersetzt als Homeless Child Remy, ist dies die Serie, die den zweifelhaften Ruf hat, nach über 20 Jahren der letzte Eintrag ins World Masterpiece Theater gewesen zu sein – zumindest bis zu dessen kurzem Wiederauflebens zehn Jahre später. Der Untergang ist sicherlich nicht nur Remys Schuld, so ging es der Reihe schon in den vorigen Jahren nicht so gut, was die Quoten anging, und das Projekt Remy war schnell vorgezogen worden, um Mitt-Saison das abgesetzte Lassie zu ersetzen. Den letzten Strohhalm ergriff allerdings niemand, auch von Remy wurden nicht mal alle 26 Folgen (nicht vergessen, ursprünglich hatten die WMTs alle nahe am Jahresfüllenden 52) ausgestrahlt. Außerdem gehört es, zusammen mit Lassie und Der kleine Lord, zu den einzigen WMT-Serien des ursprünglichen Laufs, die es nie nach Deutschland schafften.

Remy lebt mit ihrer Mutter und kleinen Schwester in einem französischen Kaff. Sie kommen so über die Runden, dank des Geldes, das der in der Ferne arbeitende Vater schickt. Bis an Remys zehntem Geburtstag jener mit Neuigkeiten auf der Türschwelle auftaucht: Er ist verletzt und hat deswegen seine Arbeit verloren, weswegen es sich die Familie nicht leisten kann, Remy weiter durchzubringen – denn sie ist nur ein Waisenkind, welches er als Baby auf den Pariser Straßen fand. Ja, sogar an einen Kinderhändler verkauft er sie.

Gerettet wird sie vom fahrenden Schausteller Vitalis, der mit seinen drei Hunden und einem Affen – und von nun an auch Remy – durch die Lande zieht, um auf den Märkten Frankreichs Geld zu verdienen. Remy derweil hofft, dass ihre wahre Familie noch lebt, und sie so vielleicht irgendwann ihre echte Mutter treffen kann.

Bis klar ist, wer die echte Mutter von Remy ist, dauert es eigentlich überhaupt nicht lange, sondern die Serie ist nicht mal halb rum. Aber  so einfach ist das natürlich nicht, die Kinder in den WMT-Serien müssen alle erst mal ordentlich harte Zeiten durchmachen, und so ist Kennern der Reihe eigentlich klar, dass es zu einigen Missverständnissen kommen wird, bis die beiden wirklich vereint sind, sowie das der nette Vitalis ein Dead Man Walking ist.

Remy ist sicherlich nicht eine der besten WMT-Serien, die man schauen kann, aber doch allemal adäquat. Und mit 26 statt der doppelten Folgenzahl hat es auch nicht so die Möglichkeiten, dass mir Remys Reise arg schnell langweilig zu werden droht. Ganz packend ist sie nun aber auch nicht. Irgendwie sind gerade die vielen „(Waisen-)Kind reist durch die Welt“-Storylines, die viele WMT-Serien haben, mit der Zeit och etwas Schablonenhaft, zumindest fühlt sich Remy so an. Ein bisschen kitzelt es dadurch meinen Nostalgienerv an einfachere Zeiten, zu denen ich ähnliche Serien regelmäßig als Kind im TV schaute, dennoch. Gleichzeitig bin ich als Erwachsener aber wohl auch etwas zu zynisch geworden, um mich komplett auf die hoffnungslose Naivität und Optimismus von Remy einstellen zu können, sondern mag mir doch häufiger auch mal an den Kopf fassen. Wenn sie beispielsweise den anderen Waisenkindern von Paris predigt, dass das Stehlen schlecht ist, auch wenn jene sonst kaum über die Runden kommen würden.

Porphy’s Long Journey

ava-1154Porphy’s Long Journey ist die zweite der drei Reboot-Serien des World Masterpiece Theaters, zwischen Les Miserables und Before Green Gables. Man ging hier zurück zu den Kinderbüchern, blieb bei den üblichen 50 Folgen.

Hauptakteure hier sind Porphy und seine jüngere Schwester Mina, die in einem griechischen Kaff am Arsch der Ägäis aufwachsen. Und da sich die Serie gewohnt viel Zeit mit einem mehr als gemächlichen Voranschreiten lässt, sehen wir das erste Vierteil, also 13 Folgen lang, in denen andere Anime bereits ihr Ende erreichen, ihr Alltagsleben mit Freunden und Eltern und der kleinen Tankstelle, die sie sich aufgebaut haben. Dann kommt das Erdbeben.

Porphy und Mina stehen plötzlich als Waisen da, ihr Heimatdorf ist zerstört, Bekannte leben nicht mehr oder ziehen weit weg zu Verwandten. Porphy und Mina sehen sich der Möglichkeit gegenübergestellt, dass sie von verschiedenen Familien adoptiert und somit getrennt werden könnten. Denn mal ehrlich, keiner halst sich gleich zwei Adoptivkinder auf und Jungen und Teenager (Porphy ist 13) sind eh nicht so beliebt, wie süße Mädchen (Mina ist 10). Also wollen die beiden zusammen abhauen, doch wie das Schicksal so will, trennt sie genau jener Plan und Porphy sieht sich plötzlich quer durch Europa reisen, um seine verschwundene Schwester aufzuspüren.

Wie man sich denken kann, ist Porphy’s Long Journey recht episodisch, ähnlich der Reise des kleinen Marco, zunächst ein Viertel in der Heimat und dann die einzelnen Reisestationen, die selten mehr als eine oder zwei Folgen aufhalten. Das sollte die Serie kurzweilig machen, aber irgendwie war ich eher weniger gefesselt. Vielleicht liegt es daran, dass Porphy sich nicht wirklich wie ein 13-Jähriger verhält, sondern seine enorme Naivität und Gutgläubigkeit, selbst in Anbetracht dessen, dass er als Hinterwäldler aufgewachsen ist, ihn eher wie das Alter seiner Schwester wirken lassen. Auch wächst er über die Reise da nicht wirklich raus, behauptet zwar in der letzten Folge, all diese verschiedenen Ereignisse und Menschen hätten ihn geformt, aber sehen mag man das nicht wirklich, bis zum Schluss ist er ein gutgläubiger Trottel. Mina hingegen wird nur eher selten gezeigt, lediglich aufs letzte Viertel haben wir etwas mehr Szenen mit ihr. Und die längste Zeit über war ich echt am Rätseln, warum sie überhaupt mit der Zigeunerin gegangen ist, als sofort zu ihrem Bruder zurück zu wollen, nachdem sie aus Versehen auf einem Schiff nach Italien gelandet ist. Die Trennung der beiden wirkte so krampfhaft bemüht. Das wird viel später damit erklärt, dass der Schock ihr Amnesie verpasst hat, aber… eh.

Auch für die einzelnen Reisestationen konnte ich mich häufig nicht so ganz erwärmen. Meist sind die Leute sowieso überraschend nett zu Porphy und wirkliche Konflikte kommen kaum auf oder werden recht schnell und einfach aus dem Weg geschafft. Wenn dann auf die späteren Folgen unfreundliche Menschen zunehmen, die Porphy auch austricksen, wirken jene wiederum zu unreflektiert gemein. Mir fehlten da glaub ich einfach etwas die Charaktere, die etwas mehr Tiefe haben, mehr als eine Seite zeigen, vielleicht ruhig auch durch etwas längere Subepisoden, die eine Reihe an Folgen einnehmen. Sehr befremdlich fand ich auch immer, wie dicht Porphy doch immer auf Minas Spuren ist, obwohl er selten bis gar nicht Anhaltspunkte ob ihres Verbleibs bekommt und häufiger einfach mal so quer durch die Lande streift. Europa ist halt doch ein Dorf, eh?

Ja, ich muss es leider wirklich sagen, aber die Reise des Porphys, um seine verlorene Schwester wiederzufinden, ist irgendwie doch etwas langweilig. Immerhin, so enttäuschend wie Les Miserables ist die Serie nicht gewesen, ist aber auch ein wesentlich weniger ambitioniertes Projekt, das gar nicht tief fallen kann. Zumindest ist’s nicht so hässlich anzusehen.

Shoujo Cosette

Von 1975 bis 1997 lief jährlich eine neue Serie des Labels World Masterpiece Theater, bevor sie wegen schlechter Quoten eingestellt wurden. Doch zehn Jahre später wagte sich Nippon Animation an ein Reboot der TV-Reihe. Überraschenderweise diesmal aber nicht basierend auf einem Kinderbuch, wie sonst so üblich, sondern auf dem französischen Backstein von einem Klassiker schlechthin: Die Elenden. Immerhin, in einem Buch von Tausend und dann noch mal halb so vielen Seiten, sollte man meinen, stecke genug Stoff, um die üblichen 52 Folgen auch prall füllen zu können.

Doch schon der Ersteindruck von Les Miserables: Shoujo Cosette ist kein guter: Das Charakterdesign ist scheußlich, die Animationen unter aller Sau, Opening und Ending sind ätzend. Das Problem: Diese Oberflächlichkeiten ignoriert und nur auf den Inhalt konzentriert, wird es auch nicht viel besser.

Ich habe den Roman nie gelesen, kann also keine Vergleiche anstellen, ja ich habe bis zu dieser Serie noch nicht mal eine der zahlreichen Verfilmungen oder das bekannte Musical geschaut. Ich war also eine Les-Mis-Jungfrau. Doch das Konzept der Geschichte müsste eine unglaublich graue Handlung sein. Es geht um gute Charaktere, die wegen ihrer Situation das Falsche tun. Fiese Charaktere, die wegen ihres Standes davonkommen. Einen Polizisten, der das Gesetz bis auf den Punkt genau befolgt, aus seiner Sicht also absolut richtig handelt, dabei aber keinerlei Ermessen oder mildernde Umstände kennt. Für Mundraub geht es in den Knast, denn es ist Diebstahl, egal ob deine Kinder kurz vorm Verhungern sind. Und es gibt Charaktere, die aus diesem Elend zu entkommen versuchen, dazu Privilegierte, die durchaus die Situation für jene verändert sehen wollen.

Doch in Shoujo Cosette ist dies alles so unglaublich Schwarz und Weiß, so enorm eindimensional. Charaktere sind entweder eindeutig gut oder eindeutig böse, ganz unreflektiert und ohne Grund. Die Thenardiers sind fies zu Cosette bei jeder bietenden Gelegenheit, weil sie eben gemeine Menschen sind. So ganz Grundlos halt. Jean Valjean ist so lupenrein und würde niemals etwas Schlechtes tun, egal in wie viele Schwierigkeiten es ihn bringt, das Richtige zu tun. Er tut es. Das wird umso idiotischer, wenn dann Charaktere aufs letzte Viertel der Serie tatsächlich einen Wandel durchleben sollen, aber weil sie so eindimensional waren, das nicht wirkt.

Und wie dämlich alle sind, und so unglaublich leichtgläubig noch dazu. Ja, irgendwie scheint es häufig nicht mal wirklich Konflikt zu geben, wo ein guter bestehen könnte. Cosette hinterfragt Valjean niemals, egal wie seltsam sein mysteriöses Gehabe ist. Fantine schafft es in vier verdammten Jahre nicht, ihre Tochter auch nur einmalig zu besuchen, um nach dem Rechten zu sehen, vertraut auf jedes Wort der Briefe der Thenardiers. Und Gavroche hat doch tatsächlich die Frechheit, gleich zwei Mal währen des Serienverlaufes sich darüber zu mokieren, dass Diebstahl schlecht ist – obwohl er selbst einen Großteil der Serie als Straßendieb verbringt.

Und dann die Mitglieder des ABC erst! So dumm wie ihr Name. Die bescheuertsten Charaktere in einer Serie, die nur bescheuerte Charaktere kennt. Die sind ein Haufen an Studenten, die auf Kosten ihrer reichen Familien leben, und in Hinterzimmern bei geselligen Gelagen darüber philosophieren, wie Unrecht ihr Staat doch gegenüber den weniger Privilegierten ist. So leichtgläubig, so realitätsfremd. Und wirklich ohne Persönlichkeit. Irgendwann entscheiden sie sich dann, eine Revolution muss her, sie werden das Land verändern, den Armen zu Recht verhelfen. Eine mickrige Barrikade bekommen sie errichtet, und sobald der erste von ihnen erschossen wird, sind sie total geschockt. Ja wer hätte das gedacht, Revoluzzer spielen, aufzurüsten und dann gegen das Militär zu kämpfen – da könnt ja jemand bei sterben! Und dann wollen sie nicht zurückschießen zunächst, weil ja dort auch Studenten drunter sind, die nur ihren Dienst ableisten und Familien haben. Hallo, auch die Berufssoldaten machen da nur ihren Job und haben Familien, die sie vermissen würden. Die Mitglieder des ABC sind ein schwarzes Loch an Dummheit und was war ich froh, als die alle abgekratzt sind. Was natürlich total dramatisch sein sollte, dafür müsste man aber natürlich sich was um die involvierten Charaktere scheren. Jedoch weiß ich gar nichts um diese Handvoll Studenten, abgesehen davon, dass sei weltfremden Idioten sind, bei denen es am Nachdenken hapert.

Nein, wirklich, ich konnte Les Miserables: Shoujo Cosette wenig abgewinnen. Manchmal, ganz wenig, schien ein Hoffnungsschimmer durch, dass daraus was werden hätte können, denn Potential hat das Konstrukt ja. Aber wenn es so schlecht erzählt ist und vor allem ein Drama, eine Charakterstudie ist, jene dann aber so unglaublich eindimensional bis zur Unsympathie sind… ja, da kommt dann eben nicht viel bei rum.

WMT Reloaded: Marco & Niklaas

Nach drei Serien aus den 70ern, gehen wir nun weit voraus. Denn nachdem die WMT-Serien Mitte der 90er, 20 Jahre, nachdem die Reihe startete, auf Grund schlechter Quoten eingestellt wurden, beschloss man bei Nippon Animation sich an Kinofilm-Neufassungen der Serien zu versuchen. Schon früher gab es Filmversionen, diese waren allerdings nur Zusammenschnitte der Serien, hier sollte die Geschichte nochmal komplett neu animiert werden. In gleicher Reihenfolge, wie die Serien erschienen, also zuerst Niklaas, dann Marco und dann… nichts mehr, da auch jene sich anscheinend als unprofitabel erwiesen.

Niklaas, der Junge aus Flandern gibt es sogar als deutsche barebones DVD (Cover als Menü recycled, keine Extras, kein OmU, mit bloßem Auge sichtbares Ghosting), womit es natürlich schon fast gut neben die TV-Serien-Box passt. Marco gibt es so leider nicht, zu meinem Eintrag zur TV-Serie letztes Jahr hab ich ja noch geschrieben, dass ich auch leider keinen Fansub finden konnte, aber entweder hab ich damals nicht gut genug gesucht, oder jener ist noch nicht so alt. Jedenfalls gibt es da jetzt einen.

Die Geschichten sind natürlich mit den TV-Serien weitestgehend identisch, werden hier eben die wichtigsten Szenen aus jenen in einen Film von 90-100 Minuten kondensiert. Bei Marco erzählt uns übrigens sein erwachsenes Ich seine Geschichte, bei Niklaas die erwachsene Aneka, die Nonne in der Kathedrale geworden ist. Kleine Änderungen gibt es natürlich, jedoch sind jene häufig marginal. Bei Niklaas beispielsweise gibt es keinen Onkel Michel, der die helfende Hand ausstrecken kann.

Nun gestaltet es sich so, dass ich die Filme recht unterschiedlich erfolgreich einstufen würde, hauptsächlich durch den Inhalt der Geschichten alleine bedingt schon. Denn wenn ich es fies ausdrücken wollen würde, passiert in Niklaas eh nicht wesentlich mehr von Interesse, als 100 Minuten Film auch zeigen könnten. Es ist einfach so, dass die Serie unglaublich viel Leerlauf aufweist und ich sie eben Stellenweise einfach nicht so interessant fand. Der Film hingegen gibt eben jene knackig kurze Alternative, kann aber dennoch recht adäquat Stimmung und Handlungsbogen wiedergeben, sogar mit etwas Charakteraufbau zu Beginn, bevor die dramatischen Ereignisse einsetzen. Von daher gefällt mir hier der Film im Prinzip besser, als die Serie.

Bei Marco ist das andersrum der Fall, weil die lange Reise Marcos eben besser auch in einer langen Serie erzählt wird, als es in 90 Minuten stopfen zu wollen. So kommen die einzelnen Etappen und Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren, die der Junge trifft, etwas kurz. Beispielsweise bedeutet einem der Abschied von der Crew des Schiffes, mit der Marco den Atlantik überquert, in der TV-Version auch was, da wir mit ihnen mehrere Folgen verbringen. Im Film ist die Überfahrt eine kurze Diashow von keinen fünf Minuten und so lernen wir die Charaktere auch nicht kennen.

Dog of Flanders

Niklaas, ein Junge aus Flandern ist streng genommen die erste “richtige” World Masterpiece Theater Serie, da Heidi ja noch vor dem Label entstand. Ein ziemlicher Downer ist sie auch, viel mehr, als deren restliches Output. Wie üblich mit 52 Folgen vielleicht auch ein wenig lang, für den simplen Content, die so eine Kinderbuch-Vorlage aufweist, aber das ist ja nun mal das Standard-Format der WMT-Serien. Übrigens habe ich sie nie als Kind gesehen, seltsamerweise sind hauptsächlich die WMT-Serien auf deutscher DVD erhältlich, die ich damals nicht sah (wobei es da ja eh nicht so viel Auswahl gibt, von den zwei Dutzend Serien haben ja nur eine knappe Hand voll die DVD-Auswertung bekomen).

Niklaas ist ein kleiner Junge, der in Flandern lebt. Echt jetzt. Außerdem, und da kommt ja der Titel des Buches her, findet er den Hund Patrasch, der von seinem alten Besitzer misshandelt wurde. Nebenbei ist noch das Mädchen Aneka seine beste Freundin und er lebt bei seinem Großvater. Sein größter Wunsch ist es, irgendwann mal ein großer Maler wie Rubens zu werden, und Niklaas ist tatsächlich sehr begabt. Die Sache ist nur dummerweise die, dass sie in Armut leben. Und die Malerei gilt nicht umsonst als brotlose Kunst, damals hat man damit häufig kein großes Geld gemacht und vor allem kann man sich so einen Lebensstil nicht leisten, wenn man nicht aus reichem Hause kommt, der Großvater kann Niklaas ja noch nicht mal auf eine Schule schicken, geschweige denn das Kunsthandwerk ermöglichen.

Wohl der größte Downer der WMT-Serien ist Niklaas auf Grund seiner finalen zehn oder so Folgen. Davor haben wir wie so häufig viel Alltagsleben des kleinen Jungen mit seinem Großvater, Hund und Freunden, die ehrlich gesagt wahrscheinlich als Kind ganz nett unterhalten, bei denen ich mich als Erwachsener hin und wieder der Langeweile aber nicht ganz erwehren konnte. Wahrscheinlich auch, weil es eben alles Alltag im Leben eines Dorfes ist, Niklaas geht nie auf eine große Reise wie Marco oder Perrine, es gibt sozusagen kein Ziel vor Augen wie die Mama oder der letzte Verwandte. Natürlich gibt es auch hier Schicksalsschläge, gerade Anekas Vater und dessen Diener können Niklaas absolut nicht ausstehen, natürlich alles grundlos, da Niklaas ein echter Gutmensch hoch Zehn ist, und lassen ihn das auch bei jeder sich bietenden Möglichkeit spüren.

Aber so eine richtig dramatische Abwärtsspirale gibt es eben erst am Ende (das ich hier jetzt verrate, btw): Zuerst stirbt der Großvater. Gut, in WMT-Serien überleben die nahesten Verwandten ja selten. Doch dann darf Niklaas gar nichts mehr mit Aneka zu tun haben und das komplette Dorf kehrt ihm den Rücken zu. Den Malwettbewerb gewinnt er auch nicht und so geht der hungernde Junge mit seinem Hund ein letztes Mal nach Antwerpen in die Kathedrale, um sich die Rubens-Bilder anzusehen. Wo beide sterben. Auch wenn die deutsche Synchro uns erzählen will, dass er nur mal kurz schlafen geht und später total glücklich lebte und ein großer Maler wurde. Ein Trick, den sich die Übersetzer von Lufia II zwanzig Jahre später auch bedienten und wo es genauso wenig glaubwürdig war. Das ist halt der Unterschied zwischen Niklaas und allen anderen WMT-Serien, die ich kenne. Die Kinder müssen häufig ziemlich harte Schicksalsschläge verkraften, aber letztendlich geht es für sie gut aus. Marco findet seine Mutter, Perrine wird vom Großvater aufgenommen, Sara lebt wieder ein gutes Leben in Reichtum. Niklaas stirbt und sein Köter auch. Natürlich gerade in dem Moment, wo eigentlich alles für sie hätte gut enden können, da das Dorf ihm verzeihen wollte, alle einsehen, wie sie ihm Unrecht taten und selbst die Kunstausbildung hätte stattfinden können. High Drama, Baby.

Ich mag ja fiese Enden, dennoch klickte Niklaas ehrlich gestanden nicht ganz mit mir. Nicht wegen dem Ende, sondern eben weil mir das davor häufig doch zu flach war. Außerdem fand ich die Charaktere zum Großteil nicht so sympathisch. Ich mein Hanse und Peter sollen ja unsympathisch sein, als jene, die Niklaas ständig fertig machen. Aber zumindest bei Peter wäre es vielleicht ganz gut gewesen, wenn er nicht ganz so unreflektiert ständig den Jungen für alles verantwortlich machen würde. Das der Großvater und Peters Frau, die ja auf der Seite Niklaas‘ sind, selten mal aufmucken, fand ich auch befremdlich. Gut, in der damaligen Zeit durfte man seinem Lehensherrn respektive Ehemann wohl nicht Kontra bieten, dennoch würde man sich wünschen, dass die sich mal ein wenig für den armen Jungen einsetzen würden. Und ganz besonders schlimm fand ich Aneka. Dieses verwöhnte Gör mit der nervigen Whiner-Stimme, die ständig nur ihren Kopf durchbringen will. Die meiste Zeit, in der Niklaas in Schwierigkeiten mit Peter gerät, ist Aneka dran schuld, einfach weil sie mal wieder das macht, wonach ihr der Kopf steht, statt an andere zu denken. Und wenn ich so vielen Charakteren ambivalent oder schlechter gegenüberstehe, verschenkt so eine Serie natürlich schon einiges an Mitfühl-Potential.

The Story of Perrine

Als ich letztes Jahr meinen WMT-Nostalgie-Post hatte, fand ich es ja sehr schade, dass zwar die meisten der gut zwei Dutzend Serien mal im deutschen Fernsehen liefen, die wenigsten davon allerdings auf DVD erhältlich und jene dann auch teilweise schon wieder out of print sind. Wirklich mehr erschienen sind zwar bis heute nicht, aber die Rechte an so alten Serien zu bekommen ist ja teilweise auch echt nicht einfach, doch zumindest werden die bereits nicht mehr erhältlichen anscheinend nun neu aufgelegt. So sind Perrine und Niklaas mittlerweile in einer Komplettbox für je knapp 20€ erhältlich und auch Marco und Anne werden anscheinend nun in neue Halbserienboxen gepackt.

Für den Preis hab ich mir die Gelegenheit dann doch nicht entgehen lassen und mir Perrine und Niklaas geholt, die letzten 52 Tage über je eine Folge der ersten Serie davon gesehen. Das hab ich damals mit Marco schon so gemacht und irgendwie finde ich lassen sich die Serien so am besten schauen, da man weder so ganz den Anschluss verliert (gut, nach 50 Tagen wird die erste Serienhälfte vielleicht doch langsam ein wenig nebliger), noch übertreibt man es und wird eine so lange Serie leid. Denn langatmig sind die Serien des World Masterpiece Theaters nun Mal unbestreitbar schon manchmal.

In Perrine geht es natürlich um das gleichnamige Mädchen, deren Vater in Bosnien verstorben ist und die sich mit Mutter, Hund und Esel auf die lange Reise nach Frankreich macht, wo der Großvater wohnt, damit die beiden dort unterkommen können. Natürlich wird auch die Mutter früher oder später krank und verstirbt und das Mädchen muss sich die letzten Kilometer alleine durchschlagen, nun auch noch wissend, dass der Großvater eigentlich mit den Eltern gebrochen hat, da er es nicht akzeptierte, dass der Vater in Indien einfach geheiratet hat, statt den vom Großvater geschmiedeten Zukunftsplänen zu folgen. Derweil sitzt jener als alter Mann ziemlich allein in seiner Villa und lässt verzweifelt nach seinem Sohn suchen, um ihn doch wieder nach Hause holen zu können. Perrine fängt sogar an, in dessen Fabrik zu arbeiten, weil sie sich nicht traut, sich dem strengen Großvater zu offenbaren.

Ich muss eingestehen, zunächst war ich nicht so begeistert von der Serie. Am Anfang fehlen mir einfach der Konflikt und die Spannung. Die Reise mit der Mutter geht zum Großteil reibungslos vonstatten und selbst wenn ihnen mal ein kleines Steinchen in den Weg kommt, ist das alles sehr schnell überkommen und die ständige Weichspüler-Einstellung der Mutter ging mir eh mit der Zeit auf den Keks. Wenn die Mutter dann krank wird, dann wird die Serie zum Glück stärker und der Teil, wenn sie in der Heimatstadt des Großvaters angekommen ist, hat mir im Gegensatz zum Großteil der Reise dahin dann wirklich gefallen. Es wird dramatischer und interessanter, sobald die Mutter endlich aus dem Weg ist, ist einfach so. Klar, Perrines ständiges Versteckspiel mit dem Großvater und Gutmenschentum droht hin und wieder mal, auch auf den Nerv zu gehen und Konflikte halten immer noch nicht allzu lang, doch die Serie ist auf der zweiten Hälfte definitiv wesentlich stärker, als in der ersten.

Ganz so toll wie die Odyssee des kleinen Marcos ist also die Reise von Perrine nicht wirklich, ist doch im Direktvergleich in vielen Dingen schwächer. Die erste Hälfte ist nicht so spannend, das Ziel des verschrobenen Großvaters nicht so greifbar wie die Mama, die Hindernisse nicht so hoch, die Charaktere nicht ganz so sympathisch. Nein, den Direktvergleich hält Perrine nicht stand. Eine nette Serie fürs Schauen Zwischendurch und etwas in der Kindheit schwelgen – egal ob man gerade jene hier tatsächlich damals auch gesehen hat – dafür ist sie allemal aber auch gut.

Eine Besonderheit der DVDs ist übrigens, dass sie eine Bonusepisode in Japanisch mit deutschen Untertiteln anpreisen. Nun gestaltet es sich mit der Serie so, dass die deutsche Fassung 52 Folgen zählt, die japanische allerdings 53. Das war ja mal ganz eindeutig genau eine zu viel. Nun ist es aber nicht so, dass man einfach eine Folge komplett rausgeschmissen hat, sondern ähnlich wie um damals Captain Future von 52 auf 40 zu bringen, drei Folgen zusammen genommen, gekürzt und dann wieder in zwei gesplittet hat. Von daher kann man leider nicht einfach eine Folge drauf tun und hat alles, was wir Deutschen nicht bekommen haben, dabei, sondern müsste um die Lücke wirklich zu füllen gleich mehrere nehmen. So ist der Neuwert der Folge dann vielleicht um die 5 Minuten ausgefallen. Aber die Geste zählt, wie es so schön heißt. Wenn das, was dort gesprochen wird, allerdings Japanisch sein soll, dann spreche ich fließend Mandarin.

From the Appenines to the Andes

Vor ein paar Monaten hatte ich ja meinen World-Masterpiece-Theater-Nostalgie-Post und ans Ende geschrieben, dass ich mir die Marco-Box mal bestellt hatte, obwohl ich, da sie direkt zum Preissturz als nicht mehr vorrätig gelistet wurde, stark davon ausging, dass das Teil nicht mehr produziert wird und Amazon dat nur noch nicht ganz gecheckt hat. So war es tatsächlich, die Box ist nie wieder offiziell als erhältlich gelistet worden (was ist’s eigentlich mit den Serien, dass von den Halbstaffelboxen immer noch eine erhältlich ist, die andere aber nur 2nd Hand für Wucherpreise zu bekommen ist?), doch Amazon war dennoch so nett, mir einige Zeit später eine zuzuschicken – vielleicht irgendwo aus einem Restbestand oder so. Und das ist über die letzten Wochen mein alltägliches Bettgeh-Ritual geworden: Sich ins Bett kuscheln und noch eine Folge Marco schauen, bevor das Licht ausgeht.

Die Familie des kleinen Marcos lebt in Genua, sein Vater führt dort eine Armenklinik. Das ist eine noble Sache, aber auch sehr dumm, wenn man so wie die Familie weder reich ist, noch einen reichen Gönner hat. Also bekommen sie Geldprobleme und da zur Zeit in Italien die Arbeitslosigkeit eh frapierend ist, geht die Mama nach Argentinien, wie so viele andere italienische Auswanderer auf der Suche nach Glück und Arbeit das auch tun. Marco findet die Trennung natürlich schrecklich und als dann eines Tages auch noch die Briefe der Mama ausbleiben, beschließt er, sie einfach holen zu gehen.

Und so entbrennt, nach der Einleitungsphase der Serie, die Marcos Leben in Genua zeigt, die Odyssey des kleinen Jungens über den Ozean, durch Teile Brasiliens und Argentiniens, von einem ehemaligen Aufenthaltsort der Mama zum nächsten, über Wasser, zu Lande, durch Schnee, mit neuen Freunden, die er wieder verlassen muss, bis er sie endlich findet.

52 Folgen sind natürlich ein ziemliches Time Commitment, aber doch ein sehr lohnendes, denn überraschenderweise wird die Serie nie langweilig, alle Folgen sind sehr kurzweilig, selbst jene, in denen im Nachhinein eigentlich gar nicht so viel passiert ist. Marco hält es nie lange an einem Ort auf und wenn doch, wie beispielsweise in Genua oder während der Ozeanüberquerung, gibt es immer was zu erleben. Man muss den naiven, stoischen kleinen Jungen einfach gern haben, der all das auf sich nimmt und mit träumerischen Blick verzweifelt gen Horizont schaut. Irgendwo da ist seine Mama und verdammtnochmal, er wird sie finden!

Es ist eine anrührende Serie, kaum anders zu erwarten von WMT und Isao Takahata, der es wie kaum ein anderer schafft, uns dramatische, menschliche Schicksale zu präsentieren. Man freut sich mit, wenn Marco mit den Puppenspielern auftritt, man fiebert mit, wenn er in einen Schneesturm gerät, man fühlt mit, wenn er mal wieder zu spät wo ankommt, da die Mama schon weitergezogen ist. Und man gewinnt auch all die anderen Charaktere, die er auf seiner Reise antrifft, gern. Schöne Serie, das :3

Ich würd ja gern auch mal den Kinofilm von 1998 sehen, als WMT die Serien zwecks schlechter Quoten einstellte, sich aber an einen Kinoreboot wagte, der nach Niklaas und Marco allerdings auch im Sande verlief. Nur glaub ich gibt’s den leider gar nicht in für mich verständlicher Sprache. Schade.