GameBoy Obscurities: Wizardry Empire

ava-1829Es gibt mal wieder eine Rückkehr zu einer vorigen Serie, immerhin habe ich dieses Jahr noch gar nicht meinen Soll an Wizadry erfüllt. Der erste Eintrag in die Wizardry Empire Subserie ist es geworden, die von Starfish stammt, und die nachdem ihre Rechte am Namen ausliefen einfach munter genau die gleichen Spiele weiter produziert und schlichtweg Elminage genannt haben.

Sprich auch Wizardry Empire spielt sich bestechend wie die ersten Teile der Franchise. Ein Dungeon, eine Menüstadt, wenn auch hier ganz nett anzusehen, und die üblichen 6 Charaktere zu erstellen. Diesmal kann wie in Wizardry VI das Geschlecht ausgewählt werden, Rassen und Jobklassen sind allerdings zu Wizardry I-III identisch. Abgesehen von der Addition der Ranger als neue Starterberufung. Und diesmal scheinen auch Evil und Good Charaktere miteinander gehen zu wollen, der alte Rettungstrick muss also nicht angewendet werden.

Was ist eigentlich die Motivation ins Dungeon zu gehen? Wer sich an die netten Charakter-Portraits der NPCs in Wizardry Gaiden erinnert, die einem zumindest ein wenig Story Exposition gaben… wird die in Wizardry Empire vermissen. Da gibt es nada von. In der Stadt steht ein Schild, welches uns in kurz angebundener Art entgegen schreit, dass es eine Belohnung für jene gibt, die den Untertitel-gebenden Imperator Naraka besiegen und den Dimensionsriß schließen. Okidoke, anzunehmen ist also, dass jener sich ins Verlies verkrochen hat, und wir zu ihm hinunter kriechen müssen. Selbst wenn auf den unteren Stockwerken auf fixe Kämpfe gegen die Demon Queen und King getroffen wird, sind das einfache Textboxen ohne zusätzlich Grafiken.

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Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher warum Archer hinzugefügt wurde. Ein guter Back Row Angreifer? Tja, ich dachte mir also ich lasse den Thief mal weg, weil der Ninja kann ja auch (etwas schlechter) Fallen identifizieren, und so benutze ich mal die neue Jobklasse. Nur kam mir dann direkt auf dem ersten Stockwerk eine verschlossene Türe in den Weg, und ein (gelevelter) Thief ist der einzige Beruf, der die knacken kann. Da man bei Wizardry auf jeden Fall einen Mage und Cleric hinten stehen haben will, ist somit kein Platz für den Archer. In die erste Reihe stelle ich den Thief nämlich bestimmt nicht. Die Nützlichkeit eines Archers wird zusätzlich untergraben, weil Bögen und Peitschen auch andere Charaktere von hinten angreifen lassen. Zu knackende Türen ziehen sich übrigens durchs ganze Dungeon, ein Dieb bleibt also unumgänglich.

Ganz wie Wiz1-3 ist es also nicht. Dass ein Dieb erst ab einem gewissen Level Türen knacken kann ist genau wie die Distanzwaffen für die hintere Reihe aus Wiz5. Und etwas, was es in den ersten sechs Teilen gar nicht gab: Im Dungeon kann man NPCs finden, mit denen die Gruppe aufgestockt werden kann (als besonderes Schmankerl gehört dazu auch Murphy, der in den anderen Teilen als Geist die frühe EXP-Pinata gibt). Zudem gibt es tatsächlich 5 weitere neue Berufe, die allerdings alle nicht zu Beginn ausgewürfelt werden können, sondern über Gegenstände freigeschaltet werden müssen. Da wären beispielsweise der Summoner, für den die seltsamen Magiezirkel gedacht sind, um neue Beschwörungen zu lernen, oder Musashi und Kunoichi, Varianten von Samurai und Ninja. Außerdem hat das Spiel obszöne Länge für ein Wizardry, die normalerweise um die 10 Stockwerke aufweisen, hier aber geht es bis 666. Wenig verwunderlich bei Starfish, denn Elminage ist ein Rebrand deren Wizardry Empire IIIs und mit einem dutzend Dungeons von je ca. 5 Stockwerken auch viel zu lang fürs Spielkonzept gewesen. Ganz so schlimm ist es dann allerdings doch nicht, denn nach Stockwerk 20 springt man immer mehrere, Nr. 666 ist real gesehen „nur“ das dreißigste Stockwerk. Außerdem ist alles nach 20 eh Post-Game (glaub ich zumindest, der Ending-Text war nicht übersetzt) und ab Stockwerk 3 finden sich Aufzüge, durch die je 4 Level übersprungen werden können. Es geht also im Prinzip 1 > 2 > 3 > 7 > 11 > 15 > 19 > 20, insgesamt acht Stockwerke beim schnellsten Weg.

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Übrigens erinnert auch die Fantranslation von Wizardry Empire an das offizielle englische Release von Elminage Original: Jede Menge seltsamer Abkürzungen, merkwürdige Trennungen und japanische Versatzstücke in den Info-Menüs.

Wie sehr man Wizardry Empire mag hängt also mal wieder stark damit zusammen, wie sehr man die ersten drei Original-Teile mochte, denn erneut haben die Japaner im Prinzip einen weiteren davon produziert (man kann sogar die Dungeons in Wireframe um- und die Musik ausschalten), spielt sich also fast identisch zu jenen, mit ein paar drauf gesprenkelten neuen Jobklassen. In Japan zumindest kam es gut an, Empire ist eine der weiterläufigen Subserien mit einem zweiten GBC-Teil, zwei Teilen für PSX/PC (nicht identisch zu den zwei auf dem GBC) und Empire III für PS2/PSP, summa summarum also 5 Spielen. Ich persönlich finde es immer schade, dass sich weniger nach Wizardry VI orientiert wird was die Charakterverbesserung und fairen Spielverlauf angeht.