Oz 12-14

ava-1746Ein Jahr mit den Oz-Büchern geht nun also zu Ende, mit den letzten drei Exemplaren von L. Frank Baum. Das erste davon, zwölftes Buch in der Reihe, The Tin Woodman of Oz, bringt ganz unerwartet den Zinnmann wieder ins Rampenlicht.

Genauer gesagt trifft ein wandernder Junge, Woot, beim Zinnmann im Schloss ein, wo auch gerade die Vogelscheuche abhängt, und lässt sich dessen Geschichte erzählen. Die, wie er zum Zinnmann wurde, war er ja mal ein Holzhacker, der um ein Mädel geworben hat, welches die Dienstmagd einer der Hexen war, die deswegen seine Axt verzaubere, auf das sie ihm nach und nach die Körperteile abschlägt, die er einfach mit Zinnprothesen ersetzt hat. Woot fragt aber dann das, was ich mich nie gefragt habe: Was wurde aus der großen Liebe?

Gar nichts, ein Zinnmann ohne Herz liebt nicht, und deswegen hat er das Mädel einfach im Regen stehen lassen. Appelliert Woot aber an das Ehrgefühl des Zinnmannes, der die Logik durchaus einsieht, dass wo er dem Mädel die Ehe versprochen hat, es nur ihr recht ist, dass er dazu auch steht, auch wenn keine Liebe mehr da ist. Also geht das Trio die Ex suchen, und gerät dabei an Ballonmenschen, werden von einer Riesin verwandelt, sammeln die Tochter des Regenbogens ein, und finden einen zweiten Zinnmann, der dem gleichen Mädel die Ehe versprach, und ebenfalls am Altar stehen lies. Autsch.

Ich persönlich bin mir ja nicht so sicher, ob es wirklich richtig ist, jemanden des Versprechens wegen zu heiraten, auch wenn man selbst keinen Bock mehr hat, aber immerhin stellt diesmal auch das Buch selbst die Motivation des Zinnmannes in Frage.

Im Vorwort zu The Magic of Oz schreibt der Herr Baum, dies wäre anders, als seine anderen Oz-Geschichten. Was genau er damit meint, erläutert er nicht weiter, und so ganz auf den gleichen Gedanken kam ich auch nicht. Eventuell, dass diesmal 3 Gruppen gleichzeitig auf ihrem Abenteuer durch die Oz-Landen gefolgt wird?

Jedenfalls ist es bald Ozmas Geburtstag, und jeder versucht natürlich das beste Geschenk zu erhalten. Dorothy und der Wizard machen sich auf, ein Dutzend Affen zu holen, die sie für eine Showeinlage trainieren wollen. Trot und Captain (aus The Scarecrow of Oz) hingegen werden von der Glaskatze zu einer sich ständig veränderten Blume geführt. Derweil wurde der Junge Kiki Aru, der ein Zauberwort eigentlich nur nutzen wollte, um seinem zu Hause zu entfliehen und von der Welt zu sehen, vom Gnomenkönig dazu überredet, lieber das Land Oz zu übernehmen.

Natürlich laufen die jeweiligen Reisen früher oder später ineinander, und der Tag wird gerettet, in dem man mit dem Oblivion-Brunnen mal wieder den Bösen einfach eine Gehirnwäsche gibt. Apropos, die Glaskatze ist übrigens in der hiesigen Geschichte wieder recht aufmüpfig, obwohl sie ja am Ende von The Patchwork Girl of Oz eigentlich eine Lobotomie unterlag, um sie gefügig zu machen.

Glinda of Oz ist das vierzehnte und finale Buch, welches L. Frank Baum schrieb, da er bereits kurz vor der Publikation von The Magic of Oz verstarb. Es ist schon interessant, was für eine friedliche Utopie Oz doch ist, aber dennoch jedes Buch wieder ein letztes kleines Rebellenfleckchen irgendwo am Rande entdeckt wird, welches sich der Regierung von Ozma entgegenstellt. Diesmal haben wir es mit zwei verfeindeten Völkchen zu tun, für die Ozma höchstpersönlich mit Dorothy auszieht, um Frieden zu stiften. Nur um zur Buchmitte hin gefangen zu werden, weswegen Glinda mit einem Großteil der Charaktere der vorigen Bücher auszieht, um sie zu befreien. Was eine nette Abschluss-Gruppe bekannter Gesichter bedeutet, auch wenn niemand davon wirklich was zu tun bekommt.

Und das endet die 14 Bücher umfassenden Oz-Geschichten von L. Frank Baum. Der hat noch ein paar Nebengeschichten geschrieben, und über die Jahrzehnte nach seinem Tod haben sich weitere Autoren dutzende an fortführenden Oz-Büchern ausgedacht, doch dies hier waren die 14 Originale. Ich fand sie recht charmant, und vor allem witzig geschrieben, aber so nach den ersten paar Einträgen hat sich entweder eine gewisse Sättigung eingestellt, oder Baums Welt wurde mir doch etwas zu handzahm, um die anfängliche Qualität halten zu können.

Oz 10&11

ava-1718Bald sind wir am Ende der Oz-Bücher angelangt, zumindest was jene von Original-Autor L. Frank Baum angeht. Der bekanntlich auch gerne andere Bücher geschrieben hätte, aber nicht nur wegen der Nachfrage seiner jungen Fans fast jährlich nach Oz zurückkehrte, sondern auch, weil sich jene Bücher wesentlich besser verkauften, also das Essen auf den Tisch brachten.

Rinkitink in Oz lässt das auch stark spüren, ich war nicht überrascht auf almighty Wikipedia zu lesen, dass dies zunächst ein Konzept für ein eigenständiges Buch war, welches dann Oz aufgepappt bekam. Hier folgen wir Prinz Inga, der in einem beschaulichen Inselkönigreich lebt, welches eines Tages von einer benachbarten Nation überfallen, gebrandschatzt und die Bevölkerung als Sklaven abtransportiert werden. Nur Inga und der freundlich-kugelrunde König Rinkitink, der mit seiner sprechenden Ziege auf Besuch war, bleiben verschont. Praktischerweise kennt Inga das königliche Familiengeheimnis der drei Perlen – eine für Stärke, eine für Weisheit und eine als Schild. Also nimmt er sich das Triforce und macht sich auf, sein Volk und Eltern zu befreien.

Wie gesagt wirkt die Geschichte überraschend un-Oz, selbst wenn man nicht schon vorher weiß, dass es gar keine hätte sein sollen. Dorothy Deus Ex Machina-ed sich ganz zum Schluss noch mal schnell in die Geschichte, aber selbst in den vorigen, in denen die Reise zum Großteil in anderen Ländern stattfand, und Oz erst gegen Ende zum Tragen kam, wirkte das noch nie so überflüssig und aufgesetzt. Und auch auf der Reise an sich fehlt die übliche Oz-Magie. Wir begleiten einen Jungen und einen fetten König, außerdem eine Ziege, die immerhin sprechen kann, aber das war es dann auch. Keine Regenbogenprinzessinnen, keine Zinnmänner, keine menschensgroße Frösche oder Kakerlaken, keine lebendigen Plüschtiere. Keine imaginativen Länder aus Porzellan oder unter der Erde, oder mit Snack-Bäumen. Zwei Menschen und ne Ziege gehen ins kriegerische Nachbarkönigreich und befreien ihre Leute. Selbst das übliche Spiel mit Worten und ihrer Bedeutung scheint abseits von dem, was Rinkitink von sich gibt, ziemlich zurückgeschraubt zu sein.

In The Lost Princess of Oz verschwindet Oz‘ junge Regentin Ozma. Aber nicht nur sie, sondern auch die beliebtesten Deus Ex Machinas der Bücher: Ihr Bild, welches einem jederzeit jeden zeigen kann, und Glindas Buch, welches alle Geschehnisse in sich nachlesen lässt, die am Geschehen sind. Dazu dann noch die Zauberutensilien vom Zauberer von Oz… und eine Pfanne. Während sich Cayke die Plätzchenbäckerin mit dem distinguierten Frosch auf dem Weg macht, ihre Pfanne zu suchen, starten von der Smaragdstadt aus diverse Grüppchen altbekannter Gesichter, um Ozma und die magischen Gegenstände zu finden, wir folgen aber quasi nur der Gruppe von Cayke und der von Dorothy. Die Restgruppen existieren, um zu zeigen, dass sich alle um Ozma sorgen, aber nicht einen Trupp mit dutzenden Charakteren der vorigen Bücher auf einmal durch die Geschichte schleppen zu müssen.

Lost Princess ist immerhin wieder durch und durch eine Oz-Geschichte, spielt sie nicht nur komplett in dessen Landen, sondern weist auch altbekannte Gesichter plus neue schräge Gestalten und Landstriche auf. Selbst die Kinderlogik hinter den Wortbedeutungen ist wieder stärker vertreten. Und natürlich die lapidare Logik, wie wenn der Bärenkönig die Gruppe durchaus wegen begangener Straftat verurteilen muss, da sie unwissend begangen war dies aber nicht wirklich tun will. Also verurteilt er sie zum Tode in 10 Jahren, wohl wissend das Oz-Kreaturen unsterblich sind und sich bis dahin eh keiner mehr an das zu vollstreckende Urteil erinnern wird. Oder wenn die animierten Objekt-Wesen mal wieder darüber sinnieren, wie umständlich das Leben als Fleischwesen doch sein muss, da man ständig Zeit ans Schlafen, Essen und Kacken verliert, alles Dinge, deren so eine Vogelscheuche oder Patchwork-Mädel nicht nachgehen müssen.

Oz 8&9

ava-1662Manchmal sind die Namen der Oz-Bücher auch recht irreführend. Oder zumindest nur halb wahr. Die nächsten beiden, Tik-Tok of Oz und The Scarecrow of Oz, inkludieren die Titel-gebenden Figuren in den partizipierenden Charakteren, aber es geht wohl eher kaum um sie. Tik-Tok ist mit auf der Reise, aber häufig vergisst man fast, dass er anwesend ist. Die Vogelscheuche hingegen taucht im Buch erst ganz zum Schluss auf. Beide besiegen nicht wirklich das Übel des Tages.

In Tik-Tok of Oz haben wir eher die Reise eines weiteren menschlichen Mädchens, Betsy, die mit dem Esel Hank in einem Sturm gerät und in die magischen Reiche angespült wird. Dort treffen sie auf den Shaggy Man, der seinen Bruder aus der Gefangenschaft des Gnomenkönigs befreien will, und alle die er trifft mit seinem Liebesmagnet dahin gehirnwäscht, sich ihm anzuschließen. Darunter fallen dann auch die Rosenprinzessin und die kleine Arme von Königin Ann Soforth, die auszog Oz und dann die ganze Welt zu erobern, weil es ihr in ihrem abgeschiedenen, kleinen Reich zu langweilig wurde. Ach ja, Tik-Tok wird auch eingesammelt.

The Scarecrow of Oz ist eine weitere Geschichte, in der Charaktere aus anderen Baum-Storys, die sich weniger gut verkaufen, für Oz wiederverwertet werden – allerdings wie er im Vorwort sagt auf Drängen der Leserbriefe, die sie gerne miteinander interagieren sehen würden. Das Mädchen Trot und ihr Beschützer Captain Bill geraten in einen Strudel, der sie auf kurz oder lang mal wieder in magische Reiche bis hin zu Oz bringt. Einsammeln tun sie einen Ork (was vor Tolkien noch nicht so universell geprägt war und hier ein Vogel ist) und erneut die Tochter des Regenbogesn Polly. Erst als sie im abgelegenen Oz-Territorium Jinxland ankommen, wo sie auf den schrecklichen König Krewl und eine Wicked Witch treffen, muss ihnen die Vogelscheuche zur Hilfe kommen.

Die Oz-Bücher unterscheiden sich wirklich nicht sehr voneinander, weder im Schreibstil, noch im Ablauf der Abenteuer, noch in der Handlungsweise der Charaktere. Das macht sie nicht unbedingt langweilig, weil sie eben doch recht launige und launig beschriebene Abenteuer sind, die man mal schnell weg gelesen hat, aber es gibt wohl auch eher weniger und weniger deswegen zu schreiben über sie. Im Falle von Tik-Tok und Scarecrow sind sich die Reisegesellschaften sogar noch ähnlicher, als sonst.

Aber Mensch wenn die pragmatischen Dialoge in den Büchern einen nicht zum Schmunzeln bringen. Wenn die Armee von Ann Soforth auf ein Monster trifft, und sich alle Feldwebel und Generäle etc. verstecken, meinend es gibt viele Arten von Mut, sie als Obere haben den Mut andere zu kommandieren, den Mut auch zu kämpfen hätten aber nur untergebene Fußsoldaten. Wenn jenes Monster verletzt wird und eine ruhige Konversation darüber hat, dass die Armee doch bitte ein paar Tage auf seine Heilung warten solle, damit er sie wie geplant essen kann, sie dann aber großmütig ziehen lässt, weil sie meinen dies wäre unmöglich, immerhin haben sie bereits eine Verabredung mit der Welteroberung, was man schlecht in die Tat umsetzen kann, wenn man erst mal gefressen ist. Goldig.

Diesmal gibt es allerdings weniger Dinge, die schreckliche Implikationen mit sich bringen. Genau genommen nur der Liebesmagnet, den der Shaggy Man in Tik-Tok mit sich rum trägt. Er bringt jeden, der ihn sieht, dazu seinen Träger zu lieben. Und der Shaggy Man nutzt jenen nicht nur, um sich aus Gefahrensituationen zu retten, sondern zeigt ihm praktisch jeden, den er trifft, die dann meinen ja, sie würden sich gerne seiner gefährlichen Reise anschließen. Natürlich würden sie das, immerhin hat er ihnen den freien Willen genommen, und ihnen das Gehirn gewaschen, auf das sie ihm Nutze sein wollen. Nenn es „Liebe“ so viel du willst, das ist emotionale Versklavung, wenn man mal zu viel drüber nach denkt.

Oz 6&7

ava-1622Die nächsten beiden Oz-Bücher, The Emerald City of Oz und The Patchwork Girl of Oz, gehen nun tatsächlich wieder dahin zurück, Abenteuer zu präsentieren, die weitestgehend in Oz an sich stattfinden, anstatt dies nur den Schauplatz der gehetzten Resolution in den letzten beiden Kapiteln sein zu lassen. Was vielleicht auch daran liegt, dass Emerald City das finale Oz-Buch sein sollte, und Baum erst drei Jahre später mit Patchwork Girl zur Serie zurückkehrte, um finanziell über die Runden zu kommen. Von daher war vielleicht diesmal einfach mehr Kreativität über, statt die Dinger im Jahresrhythmus rauszuhauen.

In The Emerald City of Oz will sich der Gnomenkönig daran rächen, dass Dorothy seiner Falle entwischt ist und Ozma mit dem magischen Gürtel die Hälfte seiner Kräfte besitzt, weswegen er einen Tunnel Richtung Smaragdstadt baut, um das Land von innen zu erobern. Währenddessen fliehen Dorothy und ihr Onkel und Tante vor der verschuldeten Farm der Realwelt nach Oz, wo Ozma sie von nun an leben lässt. Die Attacke des Gnomenkönigs wird schon fast zum Beiwerk des kleinen Trips in dem Dorothy ihrer Verwandtschaft das verquere Märchenland zeigt.

Ganz am Ende wird Oz dann endgültig von der Außenwelt abgeschottet, damit niemand mehr versehentlich rüberwechseln kann. Was aber nicht bedeutet, dass es von innen keine Abenteuer geben kann. Denn Ojos Onkel wird in eine Statue verwandelt und er begibt sich mit den zum Leben erweckten Glaskatze und Flickenmädel auf die Reise durchs Land, um die Zutaten für den Gegenzauber zu sammeln, auf der er auf alle möglichen früheren Oz-Bekannten von uns trifft.

Wie immer ist natürlich die Kinderlogik, auf der das Land Oz funktioniert, herrlich. Die Wortspiele, Dinge zu wortwörtlich zu nehmen, oder ganz lapidar die seltsamen Beweggründe von Erwachsenen hinnehmend. Wenn der Gnomenkönig sich ärgert, und seinen Marschall her zitiert, mit der Begründung, dass es natürlich keinen Spaß macht, sich zu ärgern, solange man jenen Ärger nicht an jemandem auslassen kann. Und wenn sein Marschall ihm ganz blase erzählt, dass wenn der Grund für seinen Ärger ist, dass er seinen magischen Gürtel zurück will, er vielleicht einfach aufhören sollte, jenen zurückhaben zu wollen, was somit seinen Grund zur Ärgernis nimmt, und er sich nicht mehr ärgern muss. Wenn die fehlende Empathie des Flickenmädchens damit abgetan wird, dass man diesem Zustand nicht helfen kann, weil sie nun mal mit Watte ausgestopft ist und somit kein Herz besitzt. Gleiches bei der Glaskatze meint, da sie ein Rubinherz hat, weswegen sie nun mal hartherzig ist.

Dabei wirft die Beschaffenheit des Landes Oz an sich natürlich viele interessante Fragen auf, die man am Besten direkt wieder abwinkt, weil es nun mal einfach ein Kinderbuch ist. Immerhin sprechen wir hier von einem Land, bei dem sich selbst die wachsenden Blumen ans Color Coding der einzelnen Gebiete halten. Bei dem Kürbismänner lebendig sind und sich ihre eigenen neuen Köpfe heranzüchten, weil Kürbisse nun mal verfaulen. Baum selbst gibt zu, nachdem er schreibt, was für eine Utopie Oz doch ist, bei der jeder nur so viel arbeitet, wie nötig ist, und per Tauschhandel auch jeder alles hat, was er benötigt, dass dies natürlich niemals in unserer echten Welt funktionieren würde.

Interessant wäre da beispielsweise der Antiklimax von Emerald City, wo die Armeen an Fieslingen einfach wieder nach Hause geschickt werden, nachdem sie vom Wasser des Vergessens getrunken haben und anschließend handzahm wurden. Ein Statement, dass Böses nicht geboren wird, sondern durch die Umwelt anerzogen ist?

Wenn ebenfalls in Emerald City eröffnet wird, dass die zu schrägen Einwohner einfach ihre eigenen Städte bekommen. Dort dürfen sie dann mit Gleichgesinnten sein, wie sie sind, ohne die Restbevölkerung zu stören. Ugh, ein sehr gefährlicher „aus den Augen, aus dem Sinn“-Gedankengang. Allgemein scheint eigene Persönlichkeitsentfaltung keine große Priorität im Lande Oz zu haben, wenn man nicht eine der außergewöhnlichen Hauptfiguren ist. So wird auch nebenbei erwähnt, dass Ozma zuteilt, wer wo zu leben hat, oder wer welcher Arbeit zum Allgemeinwohl nachgehen darf. Und da es zu gefährlich ist, darf niemand mehr Magie ausüben, abgesehen von Ozmas Buddies Glinda und der Oz-Zauberer.

Das ist natürlich in Oz alles supi, weil Ozma lieb und gerecht ist, und niemand irgendjemandem was böses wollen würde, und die gesamte Bevölkerung mit allem zufrieden ist. Doch in den falschen Händen wäre Oz sowas von schnell eine Tyrannei. Ozma regiert, weil sie in die Königsfamilie geboren wurde, das sie auch eine gerechte Herrscherin ist, ist reiner Zufall. Sie bestimmt, ihr Wille ist unumstößlich. Sie teilt ihren besten Freunden Villen und Schlösser zu, gibt ihnen sogar Landesteile, über die sie regieren können. Nur sie und ihre Freunde dürfen magische Vorteile nutzen. Schon praktisch, wenn „zum Allgemeinwohl“ bedeutet, dass nur man selbst und die seinigen das Sagen haben, und die Macht innehalten, dies ändern zu können. Oh, und das Liebesamulett, welches jeden friedfertig und freundlich macht? Hängt über dem Eingangstor zur Smaragdstadt. Na kein Wunder das jeder Ozma so toll findet und niemals anzweifeln würde, wenn selbst die eigenen Emotionen kontrolliert werden.

Wo wir bei fragwürdigen Momenten sind. Das Flickenmädchen macht ein (illegaler) Zauberer, damit sie die Hausmagd für seine Frau spielt. Jene will ihr ein Gehirn zusammenbrauen, tut aber nur Dinge wie Gehorsam und Unterwürfigkeit und Sorgfalt rein, keine Cleverness und Humor etc, mit der Begründung „Dienerschaft benötigt dies nicht, sonst werden die nur unnötig aufmüpfig“. Autsch. Als die frische zum Leben erweckte dann auch nachfragt, was ein „Diener“ ist, wird ihr direkt gesagt, dies sei ein anderes Wort für „Sklave“. Und am Ende von Patchwork Girl, wenn sie der narzisstischen Glaskatze ihr pinkes Edelstein-Gehirn gegen ein gläsernes ersetzen, damit sie ebenfalls gutmütiger wird… haben die gerade eine Lobotomie an einer Katze durchgeführt, um sie gehorsam zu machen? Eine Katze wohlgemerkt, die das ganze Buch über keine Probleme bereitet hatte oder eine Gefahr für sich oder andere war, sondern nur etwas selbstverliebt war und sich für was besseres hielt (was wirklich ziemlich normal für eine Katze ist), Ojo seine halbe Reise über aber sehr wohl zur Seite stand.

Ich mein ja nur, es ist wirklich einfach diese Kinderbücher und ihre naive Utopie zu nehmen, die zweifelhaften Ideen zu dekonstruieren, und daraus einen absoluten Alptraum zu machen, in dem die Macht von wenigen Tyrannen gehalten wird, die ihre Beweggründe verdreht rationalisieren, während jede Opposition gehirngewaschen oder in „Spezialstädte“ abgeschoben wird.

Oz 4&5

ava-1592Zwischen den ersten drei Oz-Büchern vergingen jeweils mehrere Jahre, da L Frank Baum auch andere Bücher schrieb. Allerdings waren es die Oz-Geschichten, die sich wirklich gut verkauften, und so sollte sich das nun ändern, mit der Ausnahme von Buch 6 zu 7 sind die Bücher ab Band 4 alle im Jahresrhythmus erschienen. Baum beschwert sich sogar etwas zwischen den Zeilen darüber in seinem üblichen Vorwort, in dem er meint, er fände es ja sehr nett, dass seine Welt so viele Fans hat, würde aber gerne Erzählungen über so viele neue Länder berichten, wenn sie denn Anklang finden würden.

Das würde eventuell auch erklären, warum so viele der Oz-Sequels so gut wie gar nicht in Oz spielen, und vor allem sobald dann im ca. letzten Drittel das Land erreicht wird, dort eigentlich nichts geschieht. Baum ist fertig mit Oz als Setting und lässt Dorothy mit stetig neuen Kumpanen lieber eine abenteuerliche Reise durch neue Länder mit dem Endziel Oz erleben, statt dieses weiterhin als Hauptschauplatz zu verwenden.

In Dorothy and the Wizard in Oz fällt das Mädchen diesmal durch einen von einem Erdbeben aufgehenden Riss in der Erde, zusammen mit einem Jungen und seinem Pferdekarren, sowie Dorothys Katze. Beide Tiere lernen wie üblich in den magischen Königreichen sofort die Sprache (wird eigentlich je erklärt, warum Toto dies als einzigen nicht einschließt?), und kurz später stößt eben auch der Humbug-Zauberer wieder zu ihnen. Stellt sich raus, dass das Erdinnere voller Zauberwelten ist. Zuerst hat es der Trupp mit Gemüseleuten zu tun, die aufgrund des fehlenden Innenlebens keine Emotionen haben und alle einfach aus ihrem Reich schmeißen, weil sie hier nicht hingehören. Über die Station eines Landes voller unsichtbarere Bären, die nur deswegen die Bevölkerung nicht fressen, weil die Menschen auch unsichtbar sind, geht es dann auf den Berggipfel mit Holz-Gargoyles, die sie wegsperren und bei der Flucht dann in eine Höhle voller Babydrachen, die dem Trupp ganz vornehm und höflich erörtern, dass sie sie gerne fressen würden, wenn ihre Mutter sie nicht bei Abwesenheit festbände, damit sie keinen Schabernack treiben. Erst dann holt Ozma sie nach Oz, wo es eine kleine Feier gibt, Dorothys Katze vor Gericht landet, bis sie das Missverständnis auflöst, sobald sie meint genug Spaß gehabt zu haben, und dann zurück nach Kansas.

Was also bei Dorothy and the Wizard in Oz auch schnell auffällt ist, wie bedrohlich das Buch ist. Ich meine, Schwierigkeiten und Gefahrsituationen gab es bisher in jedem Buch, aber das vierte ist im Prinzip eine einzige Aneinanderreihung von Ländern, deren Bewohner früher oder später allen an den Kragen wollen. Die Gruppe kann erst in Oz endlich wirklich durchatmen, und auch dann ziehen neue Wolken in Form der Mordanklage gegen die Katze auf. Am Besten ist sowieso, dass die Katze es zwar nicht war, aber nur deswegen, weil sie beim Versuch scheiterte! Katzen sind halt Arschlöcher.

Ozma zaubert den Trupp übrigens zu sich, in dem sie den magischen Gürtel verwendet, den sie seit dem letzten Buch hat. Und hieran merkt man schnell, dass Magie zu schreiben schwer ist. Da man an keine logisch-physikalischen Gesetzt gebunden ist, muss man höllisch aufpassen, wenn man über Übernatürliches und Magisches schreibt. Man muss sich strickte Regeln einfallen lassen, die deren Nutzbarkeit definiert. Und sich immer im Hinterkopf bewahren, bevor etwas eingeführt wird, was zu omnipotent scheint, dass man sich damit ab nun immer die Frage eröffnet, warum es nicht ständig benutzt wird. Ozma hat einen magischen Gürtel, mit dem sie Dorothy zu sich und zurück nach Kansas bringen kann, wann immer sie das will. Und sie schaut ein Mal pro Tag in ihren magischen Spiegel, ob Dorothy zu ihr kommen will. Den Gürtel zu benutzen kostet sie nichts, er hat keinen limitierten Gebrauch, noch verliert sie ihn. Was bedeutet das wir uns ab jetzt jedes Buch fragen können, warum sie ihn nicht sofort benutzt, wenn sie Dorothy in Gefahr sieht.

So nämlich in The Road to Oz. Diesmal ist die Gefahrenquelle, die Dorothy auf ihre neue fantastische Reise führt, keine Naturkatastrophe, sondern Stranger Danger. Ein heruntergekommener Obdachloser fragt das kleine Mädchen nach dem Weg, versteht die Beschreibung nicht ganz, also schnappt sich Dorothy ihren Hut und begleitet ihn einfach ein Stück… Hohum… die Oz-Bücher sind eindeutig Anfang des 19. Jahrhunderts geschrieben worden.

Doch Dorothy geht mit dem Kerl verloren, findet einen pausbäckigen Jungen, der ein ziemlicher Idiot ist, sowie die zur Erde gefallene Tochter des Regenbogens, und schon haben wir eine neue Reisegruppe. Diesmal geht es nur durch das Land der Füchse und der Esel, die sich jeweils für wahnsinnig klug und zivilisiert halten, aber mehr Schein als Sein sind, bis es bereits über die Wüste nach Oz geht, wo sich fast die komplette zweite Hälfte des Buches damit aufhält, dass Ozma ihre Geburtstagsfeier schmeißt und was für illustre Persönlichkeiten – beispielsweise den Weihnachtsmann – sie hierfür eingeladen hat.

Zum einen stellt sich natürlich die Frage, warum Ozma nicht den Gürtel nutzt. Nun, Baum hat das bemerkt, statt ihm aber Restriktionen aufzuerlegen, meint Ozma einfach, dass sie es schon tun würde, wenn sich Dorothy wirklich in Gefahr befinden würde, vorher aber das Abenteuer nicht versauen möchte. Dann aber finden wir heraus, dass Ozma selbst es war, die Dorothy auf jenes geschickt hat, damit sie nach Oz findet, um an der Geburtstagsfeier teilnehmen zu können. Warum diesen umständlichen Weg wählen, wenn sie Dorothy einfach mit dem Gürtel direkt zur Feier bringen kann?

Das ist nicht die einzige Lücke, die sich aufgetan hat, aus dem Grund, weil Baum anscheinend keine so lange Reihe schreiben wollte, es nun aber doch tut, und sich um die Kontinuität einfach nicht so wahnsinnig schert bzw. Dinge übersieht.

Doch die kann ich ihm vergeben. Denn es sind ja nur Kinderbücher. Aber vor allem weiterhin echt launige. Die Abenteuer durch die Fantastwelten mit ihren merkwürdigen Bewohnern und dem herrlichen Wortspiel sind einfach netter Lesestoff für eine Stunde oder zwei, die man benötigt, um durch so eine kurzweilige Erzählung zu kommen. Allerdings hoffe ich doch, dass ihm entweder wieder was einfällt, um Oz an sich interessanter zu machen, oder den Part in der Welt kürzer hält, als in The Road to Oz, denn dessen zweite Hälfte, wenn auch naturgegeben kurz und schmerzlos, war weniger unterhaltend.

Oz 2&3

ava-1535Buch Nummer 2 und 3 aus der über hundert Jahre alten Oz-Reihe von L. Frank Baum sind also gelesen. Beide erneut durch die TV-Serie leicht bekannt, hiernach sollte es also wohl überraschender werden… oder zumindest neuer, als Erwachsener überrascht in einem Kinderbuch dank größerem Erfahrungsschatz dann ja nicht mehr so viel direkt.

Interessant an The Marvelous Land of Oz ist wohl direkt, dass Dorothy hier keine Rolle spielt, da sie ja am Ende des ersten Buches nach Kansas zurückbefördert wurde. Stattdessen folgen wir dem Jungen Tip, der von der alten Hexe Mombi großgezogen und als billige Arbeitskraft missbraucht wird, bis jene ihn zu einer Statue machen will. Woraufhin er mit dem frisch von Mombi zum Leben erweckten, aber von ihm gebauten, Kürbismann gen Smaragdstadt wandert, um die Vogelscheuche zu besuchen, welcher aber von einer Rebellenarmee an Mädchen verjagt wurde.

Was mir ja wirklich an den Oz-Büchern gefällt, ist die Schreibweise, die mich etwas an die Alice-Bücher erinnert, da auch hier Wörter und Bedeutungen verdreht und zu wörtlich ausgelegt werden, und alle Charaktere so ein wenig auf naiver Kinderlogik arbeiten. Wenn die frisch zum Leben erwachten Kürbismann und Holzpferd gefragt werden, was sie so alles wissen/können, woraufhin sie nur antworten, dass sie das unmöglich beantworten können, da sie ja erst wenige Minuten lebendig sind, und deswegen keine Vergleichsmöglichkeiten haben, was es in der Welt alles zu wissen und können gibt. Oder wenn die Vogelscheuche meint, dass sich die Anführerin der Rebellen des Hochverrats schuldig gemacht hat, weil sie den König – also ihn – gestürzt hat, und deswegen gegen sie gezogen werden muss, woraufhin der Zinnmann nur meint, dass sie sich dann ja auch des Hochverrats schuldig machen würden, da sie ausziehen die sich zur Königin ernannten Anführerin zu stürzen, was übrigens darauf hinausläuft, dass sich alle einig sind, dass es in der Natur von Gesetzen liegt, dass sie unverständlich und unsinnig sind.

Etwas in modernen Zeiten fragwürdig mag eventuell zunächst die Rebellenarmee erscheinen, die komplett aus Mädchen besteht, die die Smaragdstadt erobern wollen, weil sie die Juwelen für sich haben wollen, was zunächst schnell sexistisch erscheinen mag. Allerdings werden dann so Dinge eingestreut, wie das sie die Macht auch haben wollen, um nicht mehr ungedankt für niedere Hausarbeiten herhalten zu müssen – ja wenn die Männer in der Smaragdstadt jene „Frauenarbeit“ verrichten müssen, alle etwas geschockt darüber sind, was das doch für ein Drecksjob ist. Und letztendlich haben wir ja dann mit Ozma eine Vagina als Thronerbin, sowie das Land von Glinda, in dem alle wichtigen Positionen von Frauen eingenommen zu sein scheinen, was jenen Vorwurf schnell wieder abprallen lässt.

Ozma of Oz gibt uns dann Dorothy zurück, spielt dafür im Prinzip gar nicht in Oz. Stattdessen landet sie, nachdem sie Schiffbrüchig geht, im an der Wüste um Oz angrenzenden Land Ev, wo sie auf Tiktok trifft, der ihr erzählt, dass die Herrscherfamilie abhanden gekommen ist. Der Gnomkönig hat nämlich die Königin und ihre 10 Kinder in Nippes verwandelt. Ozma taucht tatsächlich auch auf, will sie doch dem Nachbarland wieder einen rechtmäßigen Herrscher geben, was zum bekannten Moment führt, wenn alle versuchen müssen, die verwandelten Personen aus den vielen Dekoartikeln rauszuraten, ansonsten werden sie selbst zu einem.

Ich kann sogar ein Stück weit sehen, warum man sich bei Return to Oz dazu inspiriert fühlte, das ganze Ding düster aufzuziehen. Mal abgesehen davon, dass Kindergeschichten/Fabeln einen Alptraum-Touch zu geben beliebt ist, seit es die Brüder Grimm gibt. Die Wheeler gleich zur Ankunft in Ev drohen Dorothy mit dem Tod, auch wenn wir kurz darauf herausfinden, dass das alles nur heiße Luft ist und die ganz harmlos sind. Die vorübergehende Herrscherin von Ev hat tatsächlich ein Kabinett mit 30 verschiedenen Köpfen und will Dorothys ihrer Sammlung einverleiben. Der König von Ev hat seine Familie an den Gnomenkönig verkauft, nachdem er seinen Fehler einsah Selbstmord begangen. Tiktok erzählt uns von den beiden Mechanikern, die ihn hergestellt haben, von denen einer verschwand, der andere bei einem Unfall starb. Ozma of Oz wartet zu Beginn der Geschichte ganz schön mit Tragik auf.

Interessant fand ich vor allem aber, dass in jeder Adaption es Dorothy ist, die austüftelt, welche Gegenstände die Personen sind, während es im Buch die sprechende Henne ist, die sie dabei hat, und zwar schlichtweg, weil sie den Gnomenkönig gehört hat, als er den Trick preis gab. Und was ich ja auch immer ganz herrlich finde, ist, wie blase die Charaktere teilweise sind. Wenn sich Dorothy mitten im Pazifik auf einem Floß wiederfindet, entreißt ihr das kaum einen Kommentar, außer dem kurzen Gedanken, wie sie wohl an Essen kommen soll falls sie hungrig wird. Wenn Dorothy im Turm eingesperrt ist und der Vogelscheuche Hilfe entgegen ruft, meint der nur, dass sie dort oben doch absolut sicher vor jeglicher Gefahr ist, demnach keine Hilfe brauchen sollte.

Auch interessant fand ich, dass das Buch für den größten Teil über keinen direkten Antagonisten hat. Die Prinzessin, die Dorothys Kopf haben will, sperrt sie lediglich ein, lässt sie kurz darauf auf Wunsch von Ozma wieder frei. Der Gnomenkönig hat, wie die Charaktere richtig feststellen, ja eigentlich nichts falsch gemacht, ist der König von Ev mit ihm doch einen fairen Tauschhandel eingegangen: Familie gegen langes Leben. Und nachdem sie dem Gnomenkönig gegenüber meinen, dass weil er sich anschließend umbrachte, er kein langes Leben hatte, somit das Geschäft nichtig ist, meint der wie ein gutmütiger Weihnachtsmann daherkommende Gnom nur, dass er sehr wohl Leistung erbracht hat, die der König dann nur aus dem Fenster warf. Gegen Ende stellt sich heraus, dass er ein Trickster und Lügner ist, aber die meiste Zeit über wird der Gnomenkönig als lustiges Männchen, dem man theoretisch keine Übeltat vorwerfen kann, dargestellt.

The Wonderful Wizard of Oz

ava-1486Es ist soweit, ein weiterer Klassiker der Kinderliteratur ist von mir gelesen worden, über hundert Jahre nach seinem Release, und nachdem ich so weit von einem Kind entfernt bin, wie nie zuvor. Nach Alices Adventures in Wonderland nun also The Wonderful Wizard of Oz, beide durch Adaptionen um je ein Wort weniger im Titel bekannt.

Als Buch für Kinder und von 1900 ist es natürlich schrecklich kurz, die einzelnen Stationen der Reise von Dorothy, die durch einen Wirbelwind mit Hund Toto in Oz landet; auf Vogelscheuche, Zinnmann und Löwen trifft; von Oz geschickt wird, die Böse Hexe zu erlegen, nur um herauszufinden, dass er ein Betrüger ist; und dann durch die Schuhe, die sie direkt bei ihrer Ankunft im magischen Land bekam, doch wieder nach Hause findet; sind alle schrecklich kurz gehalten. Auf die Hexe treffen, von ihr versklavt werden, und eher zufällig ihre Schwäche für das Wasser zu entdecken, und mit jener zu besiegen, wird beispielsweise in einem Kapitel über die Bühne gebracht.

Doch ist das Ding ganz wie Alice überraschend launig geschrieben. Die Art und Weise wie jene Charaktere, die alle so ein wenig wie Kleinkinder zu denken scheinen, miteinander agieren und aufeinander aufbauend Dialoge hin und her werfen, ist einfach absolut goldig. Auch das Land von Oz an sich ist recht interessant geschrieben. Wenn alle zur Smaragdstadt kommen, dann aber vor dem Durchschreiten der Mauer grüne Sonnenbrillen aufziehen müssen, weil Oz die Einwohner davor warnt beim direkten Blick auf die Edelsteine würden sie erblinden, muss man schon etwas schmunzeln – sowohl über den Einfallsreichtum des Trickbetrügers, sowie das eine ganze Nation darauf reinfällt.

Ach ja, und wie ich es im Musical so clever fand, dass das Opening in der realen Welt in Schwarz-Weiß gehalten wird, während das magische Land kontrastierend dann in Farbe ist? Genau so wird es tatsächlich auch hier im Buch beschrieben, die fröhliche Dorothy mit ihrem Toto als einzigen Farbklecks im Alltagsleben auf der ärmlichen Farm, mit den Wetter- und Arbeitgezeichnetten Onkel und Tante, eben alles Grau in Grau beschrieben. Aber so schön Oz dagegen auch ausschauen mag, so magisch das Land ist, wie sagt Dorothy so schön, es ist eben „no place like home“, eine kurz beiseiten eingeworfene Zeile, die vom Musical gekonnt erkannt und zur Ikone erhoben wurde.

Was übrigens ganz interessant ist, ist das kurze Vorwort des Autors, der meint die Moderne brauche neue Kinderfabeln a la Grimm, aber eben ohne jenen düster-moralischen Hammer, mit dem man damals Kindern das Fürchten vor dem alleinigen Gang in den Wald, oder die Interaktion mit Fremden lehrte. Oz solle nur unterhalten, nicht auch lehren. Denn da auch Kinderbücher aus den erfahrenen Köpfen Erwachsener stammen, ist es fast unmöglich nicht zumindest gewisse Werte einzubauen, ob man sich dies nun vornimmt oder nicht. Und gerade Oz bringt Kids bei mehr Selbstvertrauen zu haben, mit Löwen, Zinnman und Vogelscheuche, die bereits besitzen, was sie denken zu missen, und nur auf ihre eigenen Fähigkeiten vertrauen lernen sollten.

Tin Man

DG ist Studentin und arbeitet nebenbei als Bedienung, lebt mit ihren Eltern auf einer Farm in Kansas. Außerdem hat sie seltsame Träume von einer Frau, die ihr sagt, ein Sturm würde kommen. Und der kommt dann auch, nämlich ein Reisesturm, der unsere Welt mit der Outer Zone verbindet, da Azkadellia, die die Macht über die O.Z. übernommen hat, ihre Schergen zur Ergreifung DGs rüber schickt. Denn aus irgendeinem Grund soll DG wissen, wo der Smaragd ist, den sie braucht, um zur Eklipse ihre Machtergreifung zu besiegeln.

DG gerät auch in die O.Z. allerdings ohne von Azkadellias Mannen ergriffen zu werden. Stattdessen trifft sie erst Mal auf Glitch, dem ehemaligen Berater der vorigen Königin, dem Azkadellia das Hirn genommen hat, auf das er seine Geheimnisse nicht preis geben kann, da er sich selbst nicht mehr an sie erinnert. Als nächstes treffen sie auf Cain, den sie aus seinem Metallgefängnis befreien, von wo er endlos eine Aufnahme des Mordes seiner Familie mit ansehen muss. Er war früher mal ein Tin Man, ein Polizist in der Central City, und rät dort doch mal beim Mystic Man vorbeizuschauen, wenn DG Hilfe braucht. Vorher wird aber auch noch der Biestmensch Raw, dessen Rasse telepathische Fähigkeiten besitzt und von Azkadellia versklavt wurde, eingesackt.

In der Central City finden sie den Mystic Man auch, doch hat auch jener sich verändert, ist nämlich ein blabberndes Wrack auf Droge. Dennoch kann DG ihm einen Reim entnehmen, der sie zu ihrer Mutter in den eisigen Norden führt. Zu ihrer wahren Mutter, denn die beiden Eltern aus Kansas waren Androiden, dazu programmiert, sie großzuziehen, während sie von der O.Z. weg ist. Im Eisschloss wird sie nun etwas über ihre Familiengeschichte erfahren, sowie herausfinden, dass Azkadellia DG eigentlich schon als kleines Kind umgebracht hat.

Noch vor der SciFi-esquen Neuinterpretation von Alice erschien der Dreiteiler Tin Man, der sich natürlich The Wonderful Wizard of Oz widmet. Und natürlich auch alles frei von der Leber weg neu interpretiert, kaum noch etwas ist, wie im „richtigen“ Oz, wobei jene Geschehnisse erneut referiert werden. Die echte Dorothy Gale und ihren Trip nach Oz gab es, erneut damals, als das Buch geschrieben wurde, also gute hundert Jahre vor Tin Man. Diesmal gibt es gar nicht so viele SciFi-Untertöne, sondern es bleibt recht Fantasy-isch, mit ein wenig Steampunk hier und dort.

Natürlich ist es erneut recht interessant, anzusehen, was man aus den Figuren und Ereignissen des Originals gemacht hat, welche Hinweise auf die ursprüngliche Geschichte gelegt sind. Und es ist ähnlich Alice auch eine durchaus interessante und sehenswerte Miniserie geworden. Allerdings auch hier das Problem, dass die erste Folge doch mehr verspricht, als die folgenden dann einzulösen wissen. Es war dann doch eine recht gewöhnliche Fantasy-Handlung einer bösen Hexe, die Magic Trinket XYZ zur absoluten Macht sucht und einer Andersweltlerin, die auftaucht, jenes findet und das Böse vertreibt. Schlecht war es nicht, aber nach der ersten Folge hätte ich erwartet, dass da etwas mehr kommt. Zumal das Ding mit 4 1/2 Stunden ja reichlich Zeit hat, die aber auch nicht unbedingt immer optimal füllt. Keine Ahnung, warum so Fernseh-Mehrteiler immer etwas überlang sein müssen und ihre Zeit nicht ganz so gut nutzen.

Was mir jedoch richtig auf den Keks ging, war Zooey Deschanel, die die DG spielt. Überall lese ich, wie toll sie ist und wie herrlich quirky sie das Mädel portraitiert. Für mich kam es durch die Bank weg wie miserables Schauspiel rüber, mit emotionslos gelieferten Sätzen, merkwürdigen Wortbetonungen und Pausen in ihnen. Alle anderen liefern mindestens solide Arbeit, selbst das etwas arg dramatische chargieren von Kathleen Robertson als Azkadellia passt IMHO zur Rolle, aber die Deschanel, mit der konnte ich absolut nichts anfangen.

Return to Oz

Ich hätte schwören können, dass ich über den Film bereits im alten Blog gepostet hatte, aber anscheinend ist das nur ein Hirngespinst von mir. Return to Oz ist das quasi-Sequel zu The Wizard of Oz, fast 50 Jahre später entstanden und nicht von MGM, sondern Disney, basierend auf den folgenden Büchern The Land of Oz und Ozma of Oz. Und wer jetzt denkt, damit ist es sicherlich ein weiteres kunterbuntes Musical, der könnte falscher gar nicht liegen.

Sechs Monate sind seit dem Wirbelsturm vergangen und Dorothy kann nicht mehr schlafen und nervt alle mit ihren Erzählungen in einem magischen Land der lebendigen Vogelscheuchen und ängstlichen Löwen gewesen zu sein. Onkel und Tante wissen sich nicht mehr zu helfen und begeben Dorothy deswegen in die Hände eines Doktors, der in seiner Anstalt diese neumodische Elektroschocktherapie anwendet. Während eines Sturmes flieht Dorothy aus der Klapsmühle und fällt in den reißenden Strom, wacht plötzlich wieder in Oz auf.

Doch es ist ein anderes Oz. Der gelbe Pflasterweg ist zerstört, die Einwohner sind Statuen, die Smaragdstadt ist ihrer Edelsteine beraubt. Wie sie bald herausfindet, ist dies die Schuld des Gnomenkönigs, der das Land überfallen hat und so macht sie sich mit ihren neuen Gefährten auf den Weg, jenem einen Besuch abzustatten.

Düstere Kinderfilme waren in den 80ern ja nun nicht unbedingt ein Novum, aber von Disney würde man es gerade rückwirkend wohl eher weniger erwartet haben, einen solchen Film abgeliefert zu bekommen. Oz ist in Ruinen, alles ist grau und ausgewaschen, die Wheeler sind unheimliche Gegner. Mombi sitzt in einem Spiegelschloss mit Schränken voller Frauenköpfe, die sie sich je nach Belieben aufsetzt. Dorothy erzählt dem Doktor zu Beginn, wie der Zinnmann entstand: Er war ein Mensch, doch dann schlug er sich mit seiner Axt aus Versehen das Bein ab und ersetzte es mit einer Zinnprothese, woraufhin ihn eine Hexe verzauberte, auf das er sich seine anderen Körperteile auch noch abschlug. Nein, dies ist kein Oz, wie wir es aus dem 1939er-Film kennen, ganz und gar nicht.

Und das macht ihn so interessant, irgendwie hat es immer einen ganz besonderen Reiz, Märchen und andere Kindergeschichten als düstere Mär neu erfunden zu sehen, weswegen es ja so beliebt ist, dies zu tun. Es hilft natürlich, dass Walter Murch, dessen einzige Regiearbeit Return to Oz ist, ein Oscar prämierter Mensch aus dem Bereich Sound/Picture Edit ist und dementsprechend ein Händchen dafür mitbringt, den Film gut in Szene zu setzen.

Und Dorothy ist wohl wirklich verrückt, würde ich mal so schließen. Immerhin war Oz im ersten Film ja tatsächlich nicht real, sondern ein Traum von ihr. Das nun düstere Oz entspringt erneut ihrer eigenen Psyche, so wird beispielsweise die fiese Krankenschwester zu Mombi und die Wheeler sind von den quietschenden Betten, auf die sie geschnallt werden, inspiriert.

The Wizard of Oz

Ach ja, ich wollte doch noch mehr Ozes schauen, hab ich doch glatt verplant. Jetzt hat es doch erst mal den Klassiker schlechthin getroffen, den Musical-Film von 1939 mit Judy Garland. Ich glaub in den USA kann man nicht aufwachsen, ohne jenen gesehen zu haben.

Der Film beginnt mit einem überraschend langen Teil in Kansas. Gute 20 Minuten klagt Dorothy bei Tante, Onkel und Farmarbeitern darüber, dass die fiese Lady von nebenan es mal wieder auf Toto abgesehen hat, weil der deren Katze jagt. Die kommt natürlich auch vorbei, macht einen Aufriss und dann plötzlich stört sie ein Wirbelsturm. Alle flüchten in den Bunker, nur Dorothy ist wie immer zu spät dran. Nur anstatt mit dem Haus fortgeweht zu werden, macht dieses Wizard of Oz daraus eine Alice in Wonderland, in dem Dorothy nämlich einfach von einem herumfliegenden Bruchstück ausgeknockt wird und sich die Oz-Reise nur erträumt.

Was allerdings recht interessant ist, ist, dass der Film den Kansas-Teil komplett in Sepia-Tönen hält und erst mit dem Erreichen von Oz Farbe reinbringt. Und was für Farben. Das macht den Kontrast zwischen der tristen Realität auf der Farm und dem kunterbunten, magischen Oz umso größer.

Hier passiert dann natürlich das Übliche: Auf böser Hexe gelandet, bekommt die Schuhe, reist gen Smaragdstadt. Trifft auf Vogelscheuche, Zinnmann und Löwe, erreicht den Zauberer, bringt andere Hexe um, entdeckt dass der Zauberer ein Schwindler ist. Die drei Begleiter bekommen ihre Placebos und Dorothy wünscht sich zurück. Da es nur alles ein Traum war, sind zusätzlich die Hauptfiguren in Oz Leute, die Dorothy aus der realen Welt kennt.

Mir hat der Film echt gut gefallen, ist ein sehr kurzweiliges, charmantes Vergnügen. Die Musikeinlagen sind eingängig, die Bühnenbilder und Kostüme sind bunt und imaginativ, die Charaktere sympathisch. Und einen netten Humor hat das Teil auch, da war ich richtig überrascht, er hält sehr viele Witze und schneidige Dialoge bereit. Und natürlich gibt es auch ein wenig wohl nicht ganz so gewolltes Camp Value, so over the top, wie hier viel ist, inklusive des Schauspiels (gerade die Schauspielerin von Glenda wirkt irgendwie voll auf Droge). Aber dafür ist es ja auch ein Musical, da trägt man nun Mal dicker auf.