Universal Monsters – Werewolf of London

ava-1915Universals Werewolf of London von 1935 ist doch tatsächlich der erste richtige Werwolf-Film. Ich hätte gedacht bis dahin hätte es definitiv schon Vorläufer gegeben. Neben Dracula und Frankenstein, dem Unsichtbaren und der Mumie, nun also auch der Wolfmann im Pantheon der Universal-Monster.

Unser Hauptcharakter ist ein Botaniker und Indiana-Jones-ed sich gerade so ein wenig durch Tibet, auf der Suche nach einer legendären Pflanze, die nur im Mondlicht blüht. Die findet er auch, denn wäre er nicht erfolgreich hätten wir einen ziemlich langweiligen Film. Allerdings wäre der Film auch sehr langweilig, wenn wir nur jemandem dabei zusehen, wie er eine Pflanzen hegt, also wird er sofort an Ort und Stelle angegriffen.

Die Auswirkungen davon merkt er erst als er wieder in London ist und in seinem Gewächshaus besagte Pflanze unter künstliches Mondlicht setzt: Er selbst wird haariger! Und dabei steht die Ehe mit seiner Frau eh schon mehr und mehr auf der Kippe, wo er sie doch für seine Arbeit vernachlässigt, und sie mehr und mehr mit ihrem ehemalig besten Freund die Zeit verbringt, der sie umwirbt. Da können behaarte Hände und Reißzähne der Romantik sicherlich nicht gut tun. Ganz zu schweigen davon, der nun umgehende Frauenmörder zu sein.

Eh… ich weiß nicht. Werewolf of London ist schon ganz ok, denke ich, aber auch nicht herausragend. Ein Problem sind sicherlich die Charaktere. Ich weiß nicht, ob man hier ein Statement ob der High Society Londons machen wollte, oder dies unwillentlich geschehen ist, aber irgendwie ist jeder so ein wenig ein Arschloch, hinter der lächelnden Fassade und den gestochenen Worten befindet sich fast immer beißender Sarkasmus und passiv-aggressive Anfeindungen. Der Werwolf an sich ist auch ein wenig unbeeindruckend, sowohl seine Maske, als auch sein Verhalten, wie auch den komischen Gesichtsausdruck, den der Darsteller dann immer auflegt. Und er bringt nie einen der ätzenden Charaktere um! Nur irgendwelche nie vorher gesehenen Frauen auf nächtlichen Straßen.

Dass der erste Werwolf-Film Hollywoods im Nachhinein vielleicht etwas Standard wirkt, das mag man ihm etwas vergeben wollen, auch wenn es deswegen nicht viel zu ihm zu sagen gibt. Doch das keine so echte Spannung aufkommen oder man einen Charakter sympathisch finden will, ist da schon ein größeres Problem. Obwohl der Film eigentlich solide ist, keine Längen hat, und der Wolf im Mann häufig genug durchbricht. Im Gegensatz zu einem Dracula oder einem (trotz Stummheit!) Frankenstein-Monster fehlt es dem ersten Wolfman einfach an Persönlichkeit.

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