GameBoy Obscurities: Wendy

ava-2085WayForward ist ein Name im Business, der einem was sagen kann, jedoch deren Spiele entweder nicht mit ihren Namen assoziiert werden, weil viel Lizenz-Zeug dabei ist, oder mehr zu moderaten Untergrund-Hits gehören. Von denen ist beispielsweise das Remake von A Boy and His Blob oder Ducktales: Remastered. Für Konami haben sie Contra 4 gemacht. Das DS-Metroidvania Aliens: Infestation, welches wenige gespielt haben, von jenen aber durchweg gut aufgenommen wurde, oder Mighty Switch Force gehen ebenfalls auf deren Konto. Und Shantae, ein GBC-Spiel, das ebenfalls zu Release nicht sonderlich beachtet wurde, sich aber im Nachhinein zu einem gewissen Kult-Klassiker entwickelte, so dass drei Sequels entstanden.

Jedoch gab es bereits ein Jahr vorher, in 2001, ein Spiel auf dem GBC von WayForward, welches sozusagen den Weg für Shantae ebnete, Wendy: Every Witch Way. Was die Spiele hauptsächlich gemeinsam haben, ist dass sie sehr niedliche simple Jump ’n Runs sind, die sich vor allem durch ihre für die Plattform erstaunlich bunte und gut animierte Welt auszeichnen, ja sogar das Menü ist in beiden nicht ganz unähnlich.

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Ein große Handlung hat das kleinere und bescheidene Wendy: Every Witch Way allerdings noch nicht, und schon mal gar keinen Text. Stattdessen gibt es nur zwei kleine Sequenzen, eine direkt zu Beginn und eine am Ende, die in Pantomime etwas Rahmen zeigen. Und zwar kommt unsere niedliche Hexe in ihrem Strampler an, findet eine Truhe, die sie aus Neugier natürlich auch öffnet. Doch oh schock-schwere Not, heraus fliegen lauter magische Kugeln, ankommend im Schloss im Himmel, welches daraufhin zu Boden sinkt. Und nun kämpft sich Wendy eben durch jenes Schloss, am Ende jedes Levels einen solchen Orb wieder einsammelnd, bis am Ende alle wieder in der Kiste sind, und das Schloss zurück vor den Mond fliegt.

Gameplay ist dabei entsprechend simpel, immerhin hat der GameBoy Color eh nicht sonderlich viel Auswahl an Knöpfen zu bieten. Einer ist fürs Springen da, je nachdem wie stark und lang gedrückt umso höher und weiter, der andere ist die Attacke mit dem Zauberstab. Welche Attacke hängt davon ab, wie viele Sterne im Level eingesammelt wurden. Für jeden wird nämlich der kleine Zauberball stärker, bis man am Ende drei Halbmond-Sicheln von sich schleudert. Allerdings doppeln sie auch als Lebensleiste, erwischt einen ein Gegner oder fällt man in Stacheln, ist wieder ein Stern weg, man etwas näher am Ableben, und die Attacke wieder etwas schwächer.

Eine weitere Besonderheit hat Wendy dann jedoch noch zu bieten, und zwar was die Gravitation angeht. Hält man das Steuerkreuz nach oben gedrückt, so dass Wendy die Decke in Augenschein nimmt, und betätigt dann den Sprung-Knopf, springt Wendy nicht, sonder flippt sich um 180° und läuft nun an der Decke bzw. Unterseite der Plattformen. Ist natürlich klar, dass über den Spielverlauf hinweg dies hin und her zu wechseln nötig wird, um durch die Level und an die Sterne zu kommen. Später teilweise sogar etwas kniffligere Momente, wenn mitten in der Rotation wieder zurück gedreht werden muss.

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Jedoch bleibt das Spiel ziemlich einfach, zumindest das reine Ende der 3 Level pro 4 Welten zu erreichen ist nie sonderlich schwer, die einzig annähernd kniffligen Passagen kommen dadurch, wirklich alle Gegner töten und alle Sterne sammeln zu wollen, um einen möglichst hohen High Score zu erlangen. Der nichts bringt, außer damit angeben zu können (und hier oder da mal ein Extra Life zu bekommen, ganz nutzlos ist er also doch nicht). Zusätzlich bietet das Ende jeder Welt noch ein Bonus-Level im Shmup-Stil, sowie einen Boss ganz am Ende aller 12 Level. Und wer nicht genug bekommt, kann dann auf Hard sein Glück versuchen, sowie in einen GameBoy Advance gesteckt die Advance World spielen.

Wendy: Every Witch Way ist also ein launiges und kompetentes Jump ’n Run, allerdings etwas auf der einfachen und kurzen Seite. Was allerdings doch viel ausmacht, ist der Charme, den das Ding versprüht, und der kommt durch die bombige Grafik. Die Stages haben recht gut Details zu bieten, die Sprites sind relativ groß, aber zuvorderst ist einfach alles sehr gut und charmant animiert, sowohl die Gegner wie auch unsre kleine Strampler-Hexe. Sie ist ständig in Bewegung, blinzelt mit den Augen, wippt hin und her, und vollführt eine kleine Pirouette am Ende eines Levels. Die Präsentation macht doch viel vom Spiel aus, und hebt es aus der Masse an kurzweilig launigen Handheld Jump ’n Runs heraus.