Superhero Sunday – Blade

ava-1909Da hab ich doch letzte Woche scherzhaft behauptet, beim Suchen nach düster-dunklen Superhelden für diesen Monat mit Spawn doch ausgerechnet auch einen dunkler Hautfarbe gefunden zu haben… und hab gar nicht weiter drüber nachgedacht, dass dem mit der Blade-Trilogie ja genauso sein wird. Heh, hätte ich doch mal The Crow genommen, eh?

Was mir an Blade direkt gefällt ist, dass der erste Film keine Origins-Story ist. Nicht wirklich zumindest, denn natürlich finden wir auch hier heraus, wie Blade wurde, was er ist, denn seine Mutter wurde hochschwanger von einem Vampir gebissen, und deswegen kam mit Blade ein Dhampir bei raus, der dessen Kräfte und Blutdurst hat, aber doch menschlich ist und jenen zu unterdrücken versucht. Das macht in diesem Universum durchaus auch Sinn, denn hier ist der Vampirismus so etwas wie ein Virus, das beim Biss übertragen wird und somit das Opfer langsam zu einem Vampir ummodelt. Wobei, reinrassige Vampire, die bereits so geboren wurden, gibt es hier auch.

Wie Udo Kier und seine Truppe an Business-Vampiren. Denn die Vampire hier sind so ein wenig zwischen dem Coming Out in einem True Blood oder Anno Dracula und dem geheimen Monster: Die normale Bevölkerung weiß nichts von ihrer Existenz, allerdings haben sie finanziell die Hände in Wirtschaft und Politik stecken, sind in dortigen Kreisen also schon bekannt. Frost jedenfalls, ein nicht reinrassiger Vampir durch Biss, will lieber die Welt regieren und den Blutgott aus einer alten Prophezeiung erwecken, und allgemein damit seinen Minderwertigkeitskomplex bekämpfen und endlich was zu tun bekommen, außer ständig hohle nächtliche Parties zu schmeißen. Also ermordet er Udo Kier, was der Film schlauerweise zum längsten und blutigsten Ereignis macht, um seinen Udo Kier nicht zu verschwenden, bringt Blades Mentor um, und dann geht es im Finale nicht nur um Weltrettung sondern auch persönlicher Rache und so.

Mit Dr. Jenson läuft auch noch ein Weib immer mal wieder rum, die gerade gebissen und von Blade gerettet wurde, und nun versucht ein Gegenmittel zu finden. Interessant hierbei ist vor allem das sie kein Love Interest ist, der Film würde auch mit einem männlichen Sidekick oder so in ihrer Rolle funktionieren. Dafür wirkt sie allerdings auch ein wenig wie unwichtiges Beiwerk leider. Wobei, sie ist halt der „Normalo“, der in diese Welt geworfen wird, und durch sie kann dem Publikum erklärt werden, wie jene funktioniert.

Blade ist übrigens von 1998. Das ist dahingehend interessant, weil dies bedeutet, dass die Trilogie ziemlich in eine Lücke fällt. Anfang der 90er gab es einige qualitativ recht gute, und auch finanziell erfolgreiche Superhelden-Filme, ab der Mitte des Jahrzehnts hingegen eine Flut an ziemlichen Müll, bevor X-Men und Spiderman am Anfang des nächsten Jahrtausends das Genre mit bis heutig anhaltendem Effekt revitalisierten.

Blade nimmt damit die Ausnahme seiner Zeit ein, denn der Film ist wirklich gut. Natürlich ist die Handlung wieder etwas Standard, aber flüssig erzählt und gerade der Style weiß zu überzeugen. Nicht super aber schon relativ blutige Schlachten unseres Klingen-Schwingers gegen eine Horde Vampire, alle Beteiligten zusehends überzeugt was abzuliefern, und die Optik der modernen Anzug- und Leder-Vampire in ihren Glaspalästen ist eh immer gefällig.

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ava-1577Nymphomaniac Vol.2 startet damit, dass Gainsbourg erzählt, wie sie als 12-jährige auf einer Wiese liegend plötzlich einen spontanen, prophetischen Orgasmus hatte, die Hure Babylons und die bekannteste Nymphomanin der Historie, eine römische Kaisersfrau, über ihr stehend. Lars von Trier, you so whacky!

Der erste Orgasmus zur Überleitung in die Zeit, als sie ihren Orgasmus verlor. Und als Überleitung dahin, herauszufinden, warum Skarsgard sich seltsam distanziert, geradezu nüchtern-interessiert zeigt, ob einer Geschichte voller sexueller Eskapaden: Er ist asexuell. Und damit ist er im Prinzip auch der perfekte Zuhörer ihrer Geschichte, da ihn keine eigenen Erfahrungen die Sicht trüben, da die sexuelle Komponente ihn nicht ablenkt, er absolut unvoreingenommen ist.

Obwohl Nymphomaniac ziemlich mittig in zwei Brocken von 2 Stunden zerteil wurde, und natürlich dennoch essentiell ein Film ist, ist die Trennung dann doch nicht ganz so willkürlich, wie man meinen sollte. Nymphomania Vol.1 ist das Heranwachsen der jungen Gainsbourg zur absoluten Nymphomanin, Vol.2 geht nun in ihre Passionsjahre. Teilweise zumindest.

Sie hat also endlich ihren Shia LaBeouf eingefangen, dummerweise sofortig jegliche Lust am Sex verloren, obwohl ihr doch immer gesagt wurde, dass Sex mit Liebe verbunden so viel besser ist. Stattdessen spürt sie von nun an nichts. Und LaBeouf ist der perfekte, verständnisvolle Ehemann. Er schlägt sogar vor, dass sie andere Männer nebenher sehen soll, um ihre Befriedigung zu bekommen.

Nur wird sie dann die abhängige Sub eines Doms. Mit allen roten Warnzeichen sogar, denn er kennt sie nur unter einem Hundenamen, benutzt statt Sex Toys für echte Pferde vorgesehene Gerten, hört selbst sobald es zu bluten beginnt nicht auf, und gewährt auch überhaupt kein Safeword. Und dennoch geht sie zu ihm. Braucht das Ritual, die Unterwürfigkeit. So weit, dass sie selbst ihr Kind ohne Babysitter allein zu Hause lässt. Für Stunden.

Und hier fängt es langsam an, so auszusehen, als würden wirklich erklärende Szenen im Cinema-Cut fehlen. Ihr Babysitter ist also unzuverlässig? Ist es wirklich so schwer einen zu finden, der auch wirklich auftaucht? Und LaBeouf, obwohl er den Sohn vorm sicheren Tod rettet, ist erneut viel zu verständnisvoll, und meint solange sie sie noch liebt können sie das durchstehen, die Sucht muss nur aufhören. Und sie verlässt die Familie. Nur um dann doch in Therapie zu gehen, als ihr Arbeitgeber sie dazu bringt. Fehlt da nicht ein Ehestreit irgendwo? Außerdem sehen wir hier zum ersten Mal, dass sie überhaupt einen Job hat.

Bis hier hin war ich aber dennoch an Bord. Natürlich ist Nymphomaniac Vol.2 eine ganze Ecke ernster und fieser als das geradezu verspielte Vol.1, doch es hat einen gewissen Humor sich bewahrt. Wenn Skarsgard mal wieder eine prätentiöse Parallele vom Sexleben Gainsbourgs zu Anitker Historie, klassischer Musik, oder Religion zieht, und sie darauf antwortet „Das war bisher deine schwächste Unterbrechung“. Wenn der Film ganz self aware darauf aufmerksam macht, wie seltsam es doch ist, dass sie ihre Geschichte tatsächlich in Kapitel unterteilt, und natürlich immer genau die passende Überleitung im eigentlich spärlich eingerichteten Zimmer findet. Wenn sie von der „Silent Duck“ erzählt, was ein Euphemismus für Fisting ist, woraufhin er meint, er wolle gar nicht wissen, was die „Quacking Duck“ dann wäre – ein Satz so dämlich, dass man nicht nicht lachen kann.

Und dann, auf die letzte Stunde läuft der Film aus dem Ruder, verliert seine eigene Message, ja macht sogar einen ganz bipolaren Dreher. Hätte ich eigentlich kommen sehen, immerhin kann sich Gainsbourg selbst seit Beginn von Vol.1 nicht einig sein, ob sie nun die Geschichte erzählt, warum sie eine schreckliche Person ist, oder ob ihre einzige Sünde lediglich ist, dass sie mehr vom Leben erwartet als andere. Ja was nun, bist du ein schlechter Mensch oder nur unverstanden?

Denn plötzlich wird der Film zur Machtfantasie und feministischer Befreiungsbotschaft. Und meint das ernst. Die Sache ist die, natürlich gibt es unfaire Doppelstandards in den Geschlechterrollen. Es ist nicht Ok, dass ein rumhurender Kerl ein Player ist, eine Frau, die Sex mag und das auch auslebt als Nutte beschimpft wird. Aber das ist doch auch nicht das zentrale Problem im Film für die letzten 3 Stunden gewesen. Wir haben doch gesehen, dass Gainsbourg regelrecht süchtig nach Sex ist, um ihren Fix zu bekommen selbst das Leben ihres Sohnes gefährdet und ihre Familie verlässt. Sie hat im ersten Film ihr Studium nicht abschließen und keinen festen Job halten können, weil sie Konzentrationsstörungen hat, da sie ständig an Sex denkt. Sie hat andere Familien kaputt gemacht und sich selbst blutig masturbiert. Und jetzt will der Film uns einfach erzählen, dass Slutshaming schlecht ist (was zutrifft, sicherlich – wenn denn jenes im Film je geschehen wäre) und Gainsbourg nur von den sozialen Konventionen ihrer Umwelt klein gehalten wurde? Das passt zum ganzen Rest des Filmes nicht.

Sicherlich versteh ich es, dass man einem Mann in gleichen Situationen wahrscheinlich gegenüber einer Frau nicht vorwerfen würde, Sexsucht zu haben. Aber ist das nicht eher eine Doppelmoral, die mal negativ fürs männliche Geschlecht ist? Wenn das Leben einer Frau aus dem Ruder läuft, weil sie ständig Sex braucht, meint dies wäre eine Sucht, die sie bekämpfen muss… wird ihr da nicht eher Sympathie zugebracht, als wenn dies ein Mann täte, weil Kerle ja sowieso ständig nur an Sex denken können, so what? Ich referiere noch mal zur Szene in Vol.1, wo sie dem Kerl im Zug trotz drei „Neins“ einen bläst – Rolle getauscht ist das eine Nötigung, aber wenns ein heißes Mädel bei einem Kerl macht und der sich nicht genug wehrt, ist das ok, weil Männer mögen Blowjobs. Ja, wenn wir das Geschlecht des Hauptcharakters von Nymphomania drehen würden, dann käm der Film anders rüber – würde aber nichts daran ändern, dass die Figur Hilfe braucht, und zeigt nur, dass wir was Sexualität angeht beiden Geschlechter stereotypisieren. Wenn von Trier einen Film darüber drehen will, wie sehr die weibliche Sexualität immer noch unterdrückt wird, dann ist das schön und gut, aber dann sollte sich der Film auch darum drehen, nicht für 3 Stunden zunächst um einen Sexjunkie.

Und dann findet Gainsbourg ihre wahre Liebe im Lesbentum? Eigentlich erstaunlich, dass der Film BDSM vor Lesbenspielchen abgehakt hat, aber dann wiederum ist Liebe unter Frauen ja auch reiner als mit dem bösen Unterdrückergeschlecht der Penis-Haber, nicht? Das beste daran ist aber, dass sie eifersüchtig wird. Man sollte meinen die Nymphomanin ist der Charakter, der versteht, dass Sex und Liebe nicht zusammenhängen müssen, und das Liebe kein endliches Gut ist, von dem du plötzlich weniger abbekommst, nur weil sie eventuell eben auch einer weiteren Person gegeben wird. Nope.

Sorry Lars von Trier, ich war echt zunächst überrascht, wie launig und humorig-selbstreflektierend sein aktuelles Werk doch ist, aber die letzte Stunde hat die Goodwill der vorgehenden drei doch enorm betrogen.

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Shadow of the Vampire

ava-1405Dieses Jahr scheint hauptsächlich unter den Slasher-Filmen und Vampirkrams zu stehen. Heute kein Slasher, dafür wieder was mit Vampiren, oder zumindest einem. Shadow of the Vampire ist ein etwas spezielles Konzept, zum einen Vampirfilm, zum anderen ein Film über das Filmen eines Stummfilmklassikers: Nosferatu. Im Prinzip „was wäre, wenn… Max Schreck wirklich ein Vampir gewesen wäre?“.

Wir beginnen also mit ein paar Stummfilm-Texttafeln, die uns stattdessen ein wenig Hintergrund in die Entstehung geben. Erklärend, dass Friedrich W. Murnau einen Film basierend auf Bram Stoker’s Dracula drehen wollte, die Rechte aber nicht gestattet bekam, den Film allerdings doch einfach drehte und die Namen halt änderte. Murnau scheint sowieso nicht einfach mit zusammen zu arbeiten zu sein, so ist er sich eh am Kabbeln darüber, wo gedreht wird, wie viel Geld dies verschlingt, oder was für einen Film er überhaupt genau dreht. Ganz zu schweigen davon, wer die Hauptrolle spielt, zu dem er nur sagt, dass Max Schreck ein Vollprofi ist, der sein Rolle lebt, man ihn also als Graf Orlock anreden soll und er nur des Nachts im vollen Make-up zum Filmen bereit ist – und das On Location statt in einem Set.

Also geht es nach Osteuropa zum verfallenen Schloss des Grafen, es wird gedreht, Max Schreck ist fantastisch aber eigen, ein oder zwei Leute fallen wegen Blutarmut flach und müssen ersetzt werden, die Einheimischen sind etwas unruhig, und letztendlich kommt raus, dass es einen Max Schreck nicht gibt, sondern Murnau bei der Suche nach Filmlokalitäten auf einen echten steinalten Vampir getroffen ist, der sich bereiterklärte für ihn die Hauptrolle zu übernehmen, wenn er dafür die hübsche Ko-Darstellerin bekommt.

Ich muss zugeben, dass ich mal wieder schrecklich unkultiviert bin, und nicht viel über das Leben und Schaffen der frühen Filmgröße Murnau kenne. Er hat in der Stummfilmzeit einige berühmte Filme gedreht, zuerst in Deutschland, dann in den USA, wo er frühzeitig verstarb. Außerdem war er schwul. Das ist alles, was mir im Kopf rum schwirrt, für jede weitere Info müsste ich Wikipedia bemühen. Von daher bin ich mir nicht sicher, wie wahrheitsgetreu er hier hingestellt wird… nämlich ziemlich besessen und dazu bereit, über Leichen zu gehen, um seine filmische Version umsetzen zu können. Übrigens toll geschauspielert von John Malkovich, während der Vampir formidabel von Willem Dafoe gespielt wird, Udo Kier in einer weiteren Rolle zu sehen ist inklusive seinem kultigen Akzent… dieses Casting ist der feuchte Traum eines jeden (campigen) Horrorfilmfans.

Mit Camp lässt sich Shadow of the Vampire allerdings nicht bezeichnen, der Film ist eher ernst und geradezu dezent. Ich muss sagen, dass ich das Konzept an sich interessant fand, auch das Ende wirklich mag, aber mir zwischenzeitlich doch etwas viel tote Luft ist, in der nicht viel geschieht. Auch etwas seltsam ist, dass der Film seine historischen Fakten mit der Zeit aufgibt, so werden zum Beispiel gegen Ende keine erneuten Texttafeln eingeblendet, die uns sagen, dass Stokers Witwe geklagt und gewonnen hat, so das Nosferatu beinahe wie so viele Filme seiner Ära verlorengegangen wäre.

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Halloween 2007

Statt eines weiteren Sequels dann also 5 Jahre später ein Remake. Warum man nicht noch ein weiteres gewartet hat, um es zum 30-jährigen Jubiläum in den Kinos zu haben, wer weiß das schon. Die Wege von Dimension Films sind unergründlich.

Der Film spaltet sich dabei so ziemlich genau in zwei Hälften von je einer Stunde. Zumindest der „Unrated Director’s Cut“, den ich gesehen habe, dessen Spielzeit länger als das Kinorelease ist. Mittlerweile kommt ja jeder Horrorfilm fürs Heimkino auch in einer „Unrated“-Fassung raus und mittlerweile ist das fast nur noch Geldmacherei, da dort nicht zwangsläufig mehr Gewalt oder Nacktheit drin enthalten sind. Auch bei Halloween werden im Prinzip hauptsächlich Gesprächsszenen verlängert.

In der ersten Hälfte, weitestgehend nicht im Original vorhanden, erklärt uns Rob Zombie erst Mal die Hintergründe zu Michael Myers. Der lebt nämlich in der white trashigsten White Trash Familie, die jemals existierte. Der Ziehvater ist ein Trinker, nutzlos und fies zu den Kids. Die Mutter ist Stripperin. Die Schwester auch gemein zum kleinen Bruder und eine Schlampe. Und der kleine Michael eigentlich auch schon gestört, immerhin bringt er bereits gern kleine Tiere um die Ecke. In der Schule wird er auch noch gehänselt und zu Halloween reicht ihm das eben einfach, bringt er zunächst seinen Schulpeiniger um und dann später am Abend Schwester, ihren Fuck Buddy und den Ziehvater. Anschließend landet er in einer Anstalt, wo sich Dr. Loomis gut um den Jungen kümmert, aber über die Jahre dabei zusehen muss, wie er immer mehr abrutscht, bis Loomis keine Menschlichkeit mehr erkennen kann.

Diese erste Hälfte ist teilweise hart kritisiert worden, da Leute es nicht so toll finden, dass erklärt wird, warum Michael zum Psychopathen wird, der Horror des Originals angeblich mit darin bestand, dass er einfach plötzlich anfängt, Leute umzubringen. Auch dass er einem hier sympathisch gemacht worden wäre. Find ich nicht. Eine Hintergrundgeschichte zu ihm zu haben ist schon ganz Ok, wenn sie auch sehr mit Klischees vollgestopft ist. Das Original Szene für Szene erneut gefilmt vorzufinden wäre doch viel langweiliger. Außerdem erklärt er nicht wirklich, warum Michael ist, wie er ist. Klar, die Familienverhältnisse bringen das Fass letztendlich zum Überlaufen, doch wie erwähnt hat er auch schon vorher Tiere getötet und Loomis selbst meint, ihm würde halt einfach irgendwas fehlen. Michael wird hier höchstens etwas… menschlicher portraitiert, aber für mich nicht zwangsläufig „sympathisch“ gemacht. Apropos Loomis – der ist hier tatsächlich sympathischer. Zeigt uns der Film doch, dass er sich tatsächlich um Michael gekümmert hat und irgendwann einfach gefrustet aufgeben musste, während wir ihn im Original Michael immer nur als das Böse in Inkarnation und als unmenschlich bezeichnen hören.

Die zweite Stunde des Filmes ist dann im Prinzip das Remake, nämlich ein teilweise tatsächlich fast mit 1:1-Szenen bestückter Teil darum, wie er Laurie stalked und ihre Bekannten umbringt. Kleinigkeiten sind anders und einiges fehlt, weil halt eine halbe Stunde weniger, als im Original. Doch weitestgehend ist es getreu. Allerdings auch die schwächere Hälfte des Filmes. Rob Zombie kennt keine Subtilität, keine wirkliche Charakterisierung. Er ist Metaler, auch wenn er Filme macht. Es kommt hier weder Atmosphäre noch Suspens auf, stattdessen ist alles irgendwie ständig laut und brutal und…. Metal eben. Die Szenen sind sprunghaft, da irgendwie die Überleitungen verloren gegangen sind (wer das Original nicht kennt, hat hier bestimmt Übersichtsprobleme) und die Charaktere sind auch alle ziemlich schrill und nervend. Auch kann keiner eine wirkliche Konversation haben, sondern ist mehr bemüht, jedes dritte Wort einen Fluch zu machen. Im Original wurde auch geflucht (im zahmeren 1978 aber nur hier und da mal ein „Shit“, mehr in den Sequels, ab H20 sogar mal ein „Fuck“ hier und da) und ich fluche selbst viel, aber das hier ist nur unnatürlich. Bei den White Trash Myers kann ich es noch verstehen, aber Laurie und ihre Freundinnen so permanent?

Gerne wurde übrigens behauptet, Halloween wäre nun Torture Porn. Also bitte. Klar, das Original kam komplett ohne Blut aus – jedoch keines der Sequels – und das Remake ist hier tatsächlich brutaler und blutiger, aber für modernen Horror doch noch recht gemäßigt.

Zu sehr hassen kann ich Halloween (2007) aber gar nicht. Als Horrorfilm und moderner Slasher geht er ganz in Ordnung. Er ist halt manchmal etwas zu laut, etwas zu nervig, etwas zu in your face, in der zweiten Hälfte etwas zu holprig. Aber anschauen kann man ihn sich schon. Außerdem hat er Malcolm McDowell, Udo Kier (in seinem deutschesten Akzent) und Danielle Harris (a.k.a die Kleine aus Halloween 4/5) zu bieten! Ist schon ganz Ok unterm Strich. Nur halt im Ton ganz anders als das Original.

Masters of Horror 106-108

Chocolate war nicht wirklich Horror und Homecoming ist es eigentlich auch nicht. Ein Politiker macht zum Krieg die nette kleine Ansprache, dass er wünschte, die gefallenen Soldaten würden wieder lebendig, weil sie diesen ganzen Antikriegs-Stimmen sagen würden, es war A-OK für die richtige Sache zu sterben. Man soll ja bekanntlich mit seinen Wünschen vorsichtig sein und wie es die Ironie so will, wird er ihm erfüllt. Die Soldaten kommen als Zombies wieder. Warum? Weil sie bei der aktuellen Präsidentschaftswahl ihre Stimme gegen den Krieg abgeben wollen.

Wie gesagt, wirklich Horror kann man das hier kaum nennen, es ist viel mehr Polit-Satire mit Zombies. Kuschelzombies, denn die tun tatsächlich niemandem was, sie wollen nur die Wahlbeteiligung hoch schrauben. Ich muss sagen, ich fand die Idee herrlich schräg und auch weitestgehend amüsant umgesetzt. Auch wenn der Film mit seiner Botschaft durchaus hätte subtiler vorgehen können, er trägt nämlich ordentlich dick auf. Alle Politiker sind manipulative Lügner und stehen heimlich auf S&M, eh?

Joe Dante hat hier Regie geführt, auf dessen Konto auch Gremlins, Piranha, The Howling und die Twilight Zone gehen.

Bei Deer Woman ist der Name Programm: Es werden seltsame Männerleichen gefunden, die alle zu Brei gehauen wurden, während sie sexuell erregt waren. Aber nicht mit einem Vorschlaghammer oder so, sondern mit Hufen. Der die Mordserie investigierende Polizist hat da dann auch schon einige Theorien, die alle viel zu unglaubwürdig sind, um sie wirklich in Betracht zu ziehen, bis ihm bestätigt wird, dass eine davon einer alte indianische Legende ist, laut der die Rehfrau sich Männer schnappt und nach dem Kopulieren zu tote tritt. Was auch immer ihr das bringt.

Es gibt so viele Legenden über übernatürliche Frauengeschöpfe, die Männer verführen und dann umbringen, da könnte man sein reinstes Vergnügen dran haben eine Arbeit aus freudscher Anschauungsweise zu zu verfassen. Die Episode war eigentlich erneut eher witzig, denn gruselig, aber unterhalten hat sie mich schon gut. Nur endet sie etwas seltsam abrupt.

Die Episode stammt von John Landis, dem wir auch An American Werewolf in Lodon, Blues Brothers und Beverly Hills Cop III zu verdanken haben.

In Cigarette Burns bekommen wir es mit einem Filmfreak zu tun, der ordentlich Schulden angesammelt hat. Neben kleinen Screenings von obskuren Filmen verdient er sich sein Brot mit dem Auffinden von seltenen Filmen für Sammler. Sein neuester Auftrag könnte seine kompletten Schulden tilgen, ist aber natürlich entsprechend schwer: Er soll „La Fin Absolue de Monde“ finden, ein legendärer Film, dessen Screening zur Massenhysterie führte und der anschließend angeblich vernichtet wurde.

Ein Film von niemand anderen, als John Carpenter (Halloween, Christine, The Fog, Das Ding aus einer anderen Welt) und mit Udo Kier (The Kingdom, Mother of Tears, Flesh for Frankenstein) in der Rolle des Filmesammlers. Veteranen im Business also und die lassen es hier tatsächlich ordentlich rund gehen, Cigarette Burns ist bisher die blutigste Folge der Serie und eine der dreien, die bei der deutschen Erstveröffentlichung nur geschnitten vor lag.

Nach drei Folgen des Nicht-Horrors werden wir also endlich wieder in jenen zurück gebracht, liefert obendrein eine eingängige Story, mit viel Spannung und guter Atmosphäre.