Trial by Fire

ava-1863Da ich das erste Quest for Glory doch überraschend unterhaltsam fand, habe ich mich direkt mal an Quest for Glory II: Trial by Fire probiert. Und zwar natürlich am Fanremake, welches die etwas fragwürdigen Farbkombinationen der EGA-Version für Augenfreundlicheres VGA austauscht, damit man die ganze Reihe so spielen kann. Und ja, so direkt durchgängig, kann man doch sogar vom offiziellen Quest for Glory: So You Want to be a Hero seinen am Ende erstellten Charakter-Save hier importieren, und den hiesigen Charakter am Ende erneut speichern, um ihn ins offizielle Quest for Glory III zu bringen. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, dass ein Fanspiel sozusagen mit den offiziellen kompatibel ist, und meinen Charakter am Ende vom Erstling gar nicht erst gespeichert, war so davon überzeugt, dass ich ihn eh nicht werde importieren können, dass ich nicht mal die Minute Google-Suche angewendet habe, die mich eines Besseren belehrt hätte.

Wir sind also mit den Katzenwesen und dem arabischen Kerl auf den fliegenden Teppich aufgestiegen, um in ihr Land aus 1001er Nacht zu düsen, wo ebenfalls ein Held gebraucht wird, der ebenfalls laut Prophezeiung wir sein könnten. Denn die Stadt wird von den vier Elementen bedroht, die sie zu zerstören suchen, und die Schwesternstadt am anderen Ende der Wüste ist auch noch von einem fiesen Kerl übernommen worden, der plant einen zerstörerischen Dschinn zu beschwören.

Ich muss sagen so meine Probleme mit Quest for Glory II gehabt zu haben. Zum Einen liegt das am Layout der Stadt. Die arabische Wüstenmetropole ist erwartungsgemäß ein Gewirr aus engen Gassen. Davon hatte ich bereits gehört, und das im Remake angebotene simple Layout genommen, welches so ziemlich alle nicht-relevanten Nebenwege mit Gattern versperrt. Sonderlich viel Spaß macht das Wandern durch die Stadt dennoch nicht, weil die Wege einfach weiterhin zu lang und ereignislos sind, selbst wenn man sich auf sein Ziel hinarbeitet fühlt es sich so ein wenig an, als würde man kopflos durch das Ding irren.

Zum Anderen geht Trial by Fire auf Zeit. An Tag X taucht Element Y auf und muss bis Tag Z besiegt werden, sonst gibt es ein Game Over. Solche harten Zeitlimits einzubauen ist immer schwer, denn man will es ja nicht so eng stecken, dass nur perfekte Spielweisen im Rahmen bleiben, sondern der Spieler muss auch ein paar Fehler machen können und in einem Adventure sowieso Zeit gegeben sein, zu Erkunden und mit allen NPCs über Gott und die Welt zu quatschen. Wenn man dann wiederum allerdings zu viel Zeit lässt, kommt das bei raus, was mir in Quest for Glory II geschehen ist: Womit füllt man die Tage, bis das getimte Ereignis stattfindet? Abgesehen davon, dass man immer etwas gestresst ist, wenn man an einem Tag scheinbar nichts produktives zu tun gefunden hat, weil man nicht weiß, ob man jetzt was übersehen hat, oder an dem Tag einfach nichts zu machen war. Natürlich kann man immer auf die RPG-Mechaniken zurückfallen und seine Statuswerte grinden, aber das wird mit der Zeit auch langweilig.

Ich hab zumindest viele Tage damit verbracht, mich einfach an alle NPCs zu begeben, über alles auszufragen, was eventuell neu war, nur um dann den Rest zu verschlafen. So spielt es sich dann natürlich auch wesentlich mehr wie ein reinrassiges Point and Click Adventure, so dass man fast vergessen könnte, dass hier ein RPG-Hybrid vorliegt. Der Teil ist nämlich tatsächlich noch unwichtiger, als im ersten Quest for Glory, wo man zwar auch glaub ich so ziemlich allen Kämpfen entweder weglaufen oder umpuzzeln konnte (zumindest als Thief), aber die Statuswerte für einige Problemlösungen nötig waren. Ich glaube nicht, dass Trial by Fire je irgendeinen meiner Werte abgefragt hat, abgesehen vom finalen Screen im Spiel, wo ich Dolche werfen (Throwing) und über ein Seil tanzen musste (Agility). Alle anderen Rätsel werden über Gegenstände gelöst, zumindest die notwendigen, für ein oder zwei optionale Sachen brauchte ich auch Sneaking und Lockpicking, aber die waren eben optional. Genau wie alle Gegnerkämpfe, die lediglich in der Wüste zwischen den Städten lauern, wo es erneut aber nichts außer ein paar optionale Questpunkte zu holen gibt.

Von daher fühlte sich für mich das zweite Spiel teilweise etwas ziel- und ereignislos an, einfach wegen den leeren Tagen zwischen fixen Ereignissen, dem man hätte entgegen wirken können, in dem es eben keinen festen Timer gibt, sondern der Spieler erneut die Sache so schnell abarbeiten kann, wie er auf die Lösungen trifft. Und die RPG-Elemente hätten etwas wichtiger sein können, nehme ich mal an, wobei ich im Nachhinein vielleicht ganz glücklich bin, dass ich nicht viel gekämpft habe, denn das überarbeite System im Remake ist ziemlich anspruchsvoll. Laune machen kann aber auch Quest for Glory II: Trial by Fire, eben dann, wenn alles gerade gut flutscht.

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