Treevenge & Don’t Open Till Christmas

ava-2106Statt der üblichen zwei Einträge an zwei Feiertagen gibt es stattdessen was weihnachtlich-festlichen Horror-Gruß von mir ein Double-Feature. Und zwar weil es diesmal keine zwei Filme von Spielfilmlänge gibt. Neben einem Film voller Länge gibt es sozusagen als zusätzliches Schmankerl noch eine bluttriefende Sahnehaube oben als Einleitungs-Einstimmung in Form eines Kurzfilmes drauf.

Der da wäre Treevenge, ein offensichtliches Portmanteau aus Tree und Revenge. Hierbei handelt es sich um einen 16-minütigen Kurzfilm von Jason Eisener, der auch Segmente zu den bekannteren Horror-Filmen The ABCs of Death und V/H/S/2 liefern sollte.

Und wir beginnen im beschaulich verschneiten Wald voller hübsch gewachsener Nadelbäume. Doch die Idylle wird schnell durchbrochen, wenn ein Haufen Hillbillies mit rostigen Sägen und Äxten, schreiend und fluchend wie Wikinger auf Beutezug, über den Wald herfallen. Wild um sich schlagende Äxte, röhrende Kettensägen, fliegende Holzsplitter, und die Bäume fallen wie die Fliegen. Nicht nur die ansehnlichen, die in Jutesäcke gesperrt und verschleppt werden, sondern auch die hässlichen, die direkt vor Ort auf einem Scheiterhaufen das Zeitliche segnen dürfen. Als besonderes Schmankerl untertitelt der Film die panischen Schreie und verwirrten Aussprüche der Bäume.

Ankommen tun, zumindest jene die überleben, die Nadelbäume auf dem Sklavenmarkt, wo sie in Reihe und Glied aufgestellt und von Schaulustigen begutachtet werden, bis sie ihren Favoriten herausgepickt haben, und erneut eine blinde Entführungsfahrt zum Wohnzimmer der neuen Master beginnt. Wo die Bäume unter manischem Lachen angekettet und mit ordinärem Schmuck verziert werden.

Doch sie warten nur ihre Chance ab, bis am nächsten Morgen die ganze Familie zur Bescherung direkt vor ihnen sitzt. Und dann beginnt das Vergeltungs-Massaker. Die Bäume greifen sich ihre neuen Herren und deren Familien, schlitzen sie mit den spitzen Ornamenten auf, würgen sie mit ihren Ästen, stecken Nadeln in jede Körperöffnung, oder hauen mit ihrem Stamm deren Köpfe zu Brei.

Was eine Gaudi! Simple Idee, nämlich das allweihnachtliche Abholzen und Aufstellen von Nadelbäumen als ein Massaker und sukzessive Revenge-Horror aufzuziehen. Kurz und bündig, extrem übertrieben und manisch geschauspielert, und schön fies blutig im Abgang. Wer zu Weihnachten nur kurz Zeit hat, bekommt hier den perfekten Happen Festtags-Horror geboten.

treevenge

Don’t Open Til Christmas ist wieder ein etwas älterer Weihnachtsslasher, nämlich stammend aus 1984, mit gewohntem Feature Length. Und wohl etwas problematisch gewesen aus der Türe zu kriegen. Erster Regisseur stieg aus, zweiter war dies nur für eine knappe Woche, dritter lies Dinge umschreiben und neu filmen, und letztendlich kam der erste Regisseur zurück, um alles zu einem Ganzen zusammenzuflicken und zwei Jahre nach Drehbeginn endlich fertig zu haben.

Merkt man dem Film leider auch irgendwie an, dass viel zwischenzeitlich geändert, schnell abgedreht, oder schnell zusammengeschustert ist. Manche Szenen wirken von ihrer Kameraführung und ihrem Schauspiel eher wie ein Indie-Projekt. Die Reihenfolge der Szenen ist fast beliebig und viele enden einfach abgehackt und eine neue beginnt genauso ohne wirkliche Überleitung warum wir jetzt wo ganz anders sind und was ganz anderes sehen. Ja die Investigations-Szenen von New Scotland Yard in die Weihnachts-Mordserie und die geradezu random eingestreuten und oftmals viel zu kurz gehaltenen Kill-Szenen wirken geradezu wie aus zwei komplett unterschiedlichen Filmen kommend. Dazu dann noch einige Momente, wo Charaktere eindeutig nachträglich mit anderem Dialog übersynchronisiert wurden, ein Sound-Mix bei dem man manchmal die Dialoge eh kaum über die laute Musik hört, und ein total unzusammenhängendes Ende. Ja das dies hier ein Problemprojekt war, das notdürftig irgendwie rausgehauen wurde, ist schon ziemlich deutlich zu erkennen.

Leider ist es auch kein sonderlich launiger gut-schlechter Film geworden, sondern um ganz genau zu sein ein eher ziemlich langweiliger. Wie bereits erwähnt sind die Kill-Szenen eigentlich viel zu kurz und ziemlich unkreativ und für heutige Verhältnisse auch harmlos, um wirklich Stimmung zu bereiten. Die meisten Opfer werden noch bevor sie richtig realisieren, dass sie sich in Gefahr befinden, mit einem Klappmesser abgestochen und die Szene ist auch schon rum. Mit zwei Ausnahmen zumindest, eine längere Verfolgungsszene zur Filmmitte hin ist stimmungsvoll, und das dem einen Weihnachtsmann auf dem Pissoir der Schwanz abgeschnitten wird wenigstens unerwartet kreativ.

Auch sicher unerwartet ist, dass der Film gegen Ende plötzlich das Mädel und ihren Freund, denen bisher weite Teile über gefolgt wurde (ihr Vater ist das erste Opfer und er steht unter Mordverdacht), komplett aus dem Film verschwinden. Er ist irgendwann einfach nicht mehr dabei, und sie wird ermordet, und ein anderes Mädel darf plötzlich für die letzte Szene unsere Heldin abgeben, die gegen den Mörder ankämpft. Und das auch noch, obwohl sie eine Stripperin ist. Zusammen damit, dass das Aktmodell den Film überlebt, ist klar, dass wir hier keinen amerikanischen Slasher vor uns haben können.

Egal, so unsinnig und schlecht gemacht der Film ist, so wenig davon ist eben wirklich unterhaltsam, da der Film wirklich weitestgehend ohne spannende, grausame, oder freiwillige noch unfreiwillig komische Einlagen aufwartet. Kann also getrost übersprungen werden.

tillxmas