Condragulations

ava-1438Wer schon eine Weile mitliest, der wird wissen, dass ich mir nicht zu schade bin, zuzugeben, einige Shows zu schauen, auf die man Guilty Pleasure-esque vielleicht nicht ganz so stolz ist. Glee und True Blood können echt dämlich sein, aber ich müsste schwer lügen, sie nicht zu Beginn dennoch oder gerade deswegen voll genossen zu haben. Es geht aber natürlich noch eine ganze Stufe unkultivierter, wenn wir in die Riege des Reality TVs absteigen – generell mit Shows, die mich als super stereotyp schwul outen, wie [Country]s Next Top Model oder Projekt Runway. Erstere Show-Line ist mir mittlerweile sogar zu doof geworden, letzteres schaue ich zugegeben immer noch regelmäßig, wobei mich wie immer die Klamotten mehr interessieren, als über das Leben der Designer rauszufinden. Anways, in letzter Zeit habe ich drei neue (für mich, laufen schon eine Weile) Shows gesehen, auf die ich nicht stolz sein sollte, aber zur Hölle wenn ich nicht super fasziniert am Bildschirm gehangen hätte. Ich mein, das ist es halt mit Reality TV, es ist wie Fast Food, man weiß es ist nicht gut für einen, aber wenn man erst mal anfängt, kann man nicht mehr aufhören, und so richtig satt macht es auch nicht, so dass immer weiter konsumiert werden kann. Was bei mir natürlich auch immer ein Pluspunkt ist, ist ein Stück weit Self Awareness zu haben, dass man etwas blöde ist, und das haben alle drei Formate… mehr oder weniger.

RuPaul’s Drag Race. Wenn man eine Show an den Mann bringen will, hilft immer eine “Wie XYZ, aber…“-Sache, damit jeder sich sofort ein Bild machen kann. Das Rennen der Szene-Ikone RuPaul wäre dann wohl „Wie Next Top Model, aber mit Drag Queens“. Also witziger. Das Schöne an Drag Queens ist nun Mal, dass dazu auch ein gewisses Showmanship gehört, und sich jeder Beteiligte bewusst ist, dass es ein wenig schräg ist. Besonders schön ist natürlich, dass sich die Bottom Two am Ende, um die Entscheidung fällen zu können, welche der beiden Damen wirklich zu gehen hat, „Lip-synching for your life“ müssen. Das Zeug, was da abgeht… herrlich. Und die Kommentare und Wortspiele einer RuPaul, die grundsätzlich nur unter bestem Licht und Weichzeichner zu sehen ist, dass man gleich Milchglas für die Kameras benutzern könnte, sind sowieso göttlich.

Kathie Lee Gifford: My Life on the D-List. Ich liebe Kathy Griffin. Sie ist fies, erbarmungslos, und macht sich über das merkwürdige Verhalten von Promis lustig. Das ist die Art von Humor, die mich tief in meinem schwarzen Herz kitzelt. Nun ist Kathy Griffin aber nicht wirklich ein A-Promi, und sich dessen auch durchaus bewusst. In Amerika ist das eh etwas anderes, hier in Deutschland mögen wir vielleicht 5 A- und 10 B-, ansonsten nur Z-Promis haben, doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es auch scheinbar unbegrenzt viele A-/B-Lister, sowie Leute, die sich einbilden, dies zu sein. Und als selbsternannte D-Listerin ist Kathy nicht Teil des Clubs, hat aber genug Einblick, um sich erbarmungslos drüber lustig zu machen. Aber auch über sich selbst. Es ist einfach unterhaltsam, ihrem schwarzhumorigen Leben zu folgen, zwischen ausverkauften Stand-Up-Auftritten, zu absolute gefloppten Unterschriftenaktionen, oder aus welcher Talk-Show sie wegen ihrer Äußerungen nun aktuell verbannt ist.

The Real Housewives of Vancouver. Ein Mix aus Mean Girls und Desperate Housewives, aber im echten Leben. Die „The Real Housewives“-Franchise ist so beliebt, dass es quasi für jede US-Amerikanische Stadt über 500 Einwohnern einen Ableger gibt, mir waren die Kanadier aber sympathischer. Wir folgen also 5 Frauen im sozialen Dschungel der Elite Vancouvers. Jody ist die fiese Queen Bitch, die sich wie eine der Superzicken aus 80er-Serien wie Dallas und Denver Clan verhält, nur ohne den Reichtum und Stil zu haben (btw alles unter dem beliebten Totschlagargument, sie sage es ja nur, wie es ist, weil sie eine ehrliche Person ist). Ronnie ist diejenige, die permanent in die Kamera beteuert, sie möge kein Drama und sei neutral, aber immer alle gegeneinander aufzubringen versucht, in der Hoffnung, dann fiele niemandem auf, dass sie jede zweite Szene hackedicht ist. Mary ist das Dummchen, welches zu einer überkandidelten Bollywood-Party schon mal kommentiert: „I feel like I’m actually in India!“, und Jodys Lieblingsopfer wird. Reiko ist cool, hält sich neutral, und wird deswegen in der nächsten Staffel nicht dabei sein. Und die junge Christina hat ihr Geld gemacht, in dem sie sich von reichen Kerlen hat scheiden lassen – außerdem wird sie empfindlich, wenn man sie Goldgräberin oder Hure nennt, obwohl sie sich selbst so beschreibt. Oh Gott, den Zickenkriegen und der Weltfremdheit dieser Damen zuzuschauen, die alle denken, das Universum sollte sich um sie drehen und sie seien von Wichtigkeit, das Rampenlicht nicht teilen können und sich manchmal mal gar nicht Damenhaft verhalten. Vor allem auch, wie schnell alles eskalieren kann, die eine Minute sitzen alle ganz zivilisiert zusammen im Restaurant, in der nächsten verbale Keilerei und geschockte Gesichter. Super süchtig machend. Es ist wie Dallas schauen, aber das hier ist real (oder auch nicht, aber leichter als solches zu akzeptieren), also mit mehr Drama um Nichts! Und alle sehen gleich aus! Gleiches Stubsnäschen, gleiche aufgespritzte Wangen und Lippen, gebotoxte Stirn, falsche Titten, blondierte Haare – wenn die von Weitem ins Bild kommen, brauch man immer kurz, um festzustellen, welche das gerade ist. So hassenswert Jody ist und so bemitleidenswert Mary (sich selbst darstellt), wenn sie jene mit einem Aufblas-Eichhörnchen vergleicht, lieg ich lachend neben der Couch. Was die besprochene Self Awareness angeht… die haben die Frauen natürlich alle nicht, aber die Macher der Serie definitiv, so wie das Ding geschnitten ist.

Und dann kam Season 2, bei der wesentlich stärker merklich war, wie wenig „Reality“ doch in Reality TV stecken kann. Reiko und Christina sind raus, weil sie entweder schlau genug waren, auszusteigen, oder ihr fehlendes Drama-Potential sie nicht Sendewürdig gemacht hat. Jody ist noch dabei, immer noch sichtlich das portraitierend, was sie für das Bild einer reichen, erfolgreichen Businessfrau und classy Lady hält, ohne wirklich eine Ahnung davon zu haben (Wenn Jody für die Armenspeisung Schokoladenkuchen macht, findet sie das toll, ich muss natürlich nur an Marie Antoinettes „Wenn die Armen kein Bort haben, sollen sie halt Kuchen essen“ Blödsinn denken). Mary ist auch noch da, passiv-aggressiv wie noch nie, milkt die Opferrolle für alles, was sie gut ist, und kommt dabei zusehends fragwürdiger rüber. Die dritte Rückkehrerin ist Ronnie, die nun trocken ist (was sie sogar für 2/3 der Staffel durchhält, bevor sie gewaltig rückfällig wird), was sie aber nicht wirklich psychisch stabiler macht. Amanda und Robin sind neu und langweilig. Ioulia ist der neue Star der Show, so mag sie doch genauso hochnäsig und oberflächlich sein wie der Rest, dabei aber herrlich self aware und spricht dem Publikum konstant aus der Seele – wann immer Jody und Mary Drama haben, kommt von ihr nur „Ugh, schon wieder, ich will trinken und essen, nicht die alte Leier “, oder „Seltsam, wie alle Mary so hassen, aber über nichts anderes zu reden scheinen können“, oder „Warum fangen die ständig zu heulen an. Menopause?“.

Und dann kommt Folge 10. Jody hat ihre nur halbherzig aufrecht gehaltene Contenance bröckeln lassen und hat plötzlich eine kompletten Zusammenbruch auf der Alice-Teeparty. Mit schiefem Krönchen und um 20 Jahre gealtert springt sie auf, und schmeißt Mary für fast 10 Minuten jedes Schimpfwort an den Kopf, mit dem sie kommen kann, aber noch nicht mal die guten, die ausge-piept werden müssen. Während Mary das gewohnt gelassen hin nimmt, was sie eindeutig zur Gewinnerin der Staffel erheben würde, so unsympathisch auch sie mir hier wurde… wenn es da nicht Ioulia gäbe. Denn während die ganze Gesellschaft geschockt ausschauen, geradezu versteinert, als hätten sie Angst, jegliche Bewegung würde dazu führen, dass Jody ihnen auch ins Gesicht springt… sitzt Not-giving-any-Fucks Ioulia gewohnt dazwischen, futtert genüsslich ihren Kuchen, und kommentiert munter drauf los, wie gut der doch schmeckt. Schätzchen, du machst Season 2 sehenswert.

*hust* So (zu) viel also über die dummen Dinge im Leben.

Garuda

ava-1385Nicht nur Japan macht Monsterfilmchen, die Südkoreaner haben beispielsweise mit The Host auch ein recht gutes Ding abgeliefert. Auch die Thailänder waren 2004 am Start und haben ihrem Wappentier gleich mal ein gleichnamiges Stück Leinwand spendiert.

Der Film gibt uns erst mal vor einem coolen Schattentheater eine Legende: Vor 80.000 Jahren lebten Götter, halb Tier halb Mensch auf der Erde, bis Garuda auftauchte und anfing jene zu fressen. Daraufhin wurde er von ihnen eingesperrt. 1975 findet ein französischer Wissenschaftler im Nahen Osten eine Garudakralle bei einer seiner Ausgrabungen.

In der jetzigen Zeit ist seine Tochter deswegen davon überzeugt, dass der Garuda einfach eine Evolutionsstufe zwischen den Dinosauriern und Vögeln war, allerdings will keiner in Thailand ihre Forschung unterstützen, da sie zur Hälfte Ausländerin ist und der Garuda ein religiöses Symbol, das nur von echten Thais untersucht werden darf. Nur wird bei einer Bohrung unterhalb Bangkoks just ein weiteres Fossil gefunden und die Spezialeinheit, die darauf trainiert ist Halbgötter zu beseitigen, holt sie dann doch dazu.

Warum ist mir nicht klar geworden, da sie ihr erneut nur rassistische Geringschätzung entgegenbringen, sie nichts tun lassen, nie auf sie hören, und ihr eigenes Ding tun. Nicht, dass sie wesentlich netter oder kooperativer wäre, aber dann wiederum macht bekanntlich der Ton die Musik. Ist auch egal, es kommt, wie es kommen muss, der eingesperrte Garuda entkommt und macht erst Mal Kleinholz aus dem Großteil der Einheit, bevor er in den nächtlichen Himmel Bangkoks entkommen kann.

Garuda war irgendwo schon ganz Ok, ist aber definitiv ein Film voller Probleme. Keiner der Charaktere ist beispielsweise sympathisch, da der Militärfutzi unprovoziert arschig ist, während die Forscherin schrill und nervtötend bleibt. Und dumm, da sie sich beständig einem halben Dutzend an bewaffneten Männern wiedersetzt, die klar gemacht haben, dass ihr Überleben keine Priorität hat. Wie die es lebend aus dem Film geschafft hat, statt in der ersten halben Stunde erschossen zu werden, bleibt mir ein Rätsel. Und sie kann keine 5 Minuten das Maul halten, und hat sowas von einer nervigen Tonlage drauf. Macht den Film nicht gerade erträglich, wenn sie Screentime hat. Apropos unlogisch… der Film scheint sich nie so recht klar zu sein, was den Garuda nun schädigen kann. Im Prinzip macht das Militär die ganze Laufzeit über die gleiche Sache: Drauf schießen. Zuerst kratzt es ihn kein bisschen, dann im Finale doch ein wenig, nur um letztendlich von einer einzigen Kugel ausgeschaltet zu werden. Ja was denn nun? Wie das Vieh, ob nun antiker Gott oder nicht, genau weiß, was moderne Sprengsätze und Wärmesuchraketen sind, und wie man jene austrickst, will mir auch nicht ganz einleuchten.

Sicherlich ist Logik natürlich nie das höchste Gut in Monsterfilmen gewesen, man muss aber bedenken, dass Garuda kein Trash ist, sondern ernst genommen werden will. Der Beginn in den Tunneln, wenn Garuda nach und nach die Einheit ausschaltet, ist Borderline Horror-Film, und der komplette Rest bierernste Action. Abgesehen von einem Comic Relief Charakter ist der Film absolut Humorlos. Camp und Blödsinn sollte man also nicht erwarten. Zumindest nicht freiwillig. Ein paar der Actionszenen sind hingegen so voll Pathos, cool getrimmter Musik, stoischer Gesichtsausdrücke und Bullet Time, dass dies doch unfreiwillig komisch ist. Garuda ist das Filmäquivalent zu einem 12-Jährigen, der wirklich ganz doll versucht cool zu sein und sich dabei ein wenig zum Affen macht.

Es nicht ganz so hart zu versuchen, und vielleicht doch etwas mehr sich auf die Horrorschiene einzulassen, oder gleich gewollt Camp a la Godzilla: Final Wars zu liefern, hätte dem Film vom Ton her also sicherlich gut getan. Und straffer zu sein, denn das Ding ist mit 110 Minuten doch sehr lang, vor allem wenn der Garuda erst nach über einer halben Stunde erwacht und die Sektion im Untergrund bis kurz vorm Finale anhält.

Immerhin sind die Special Effects recht gut geraten. Der Garuda ist ein CG-Tierchen, was ich bekanntlich nicht so leiden kann, jedoch fällt er in den dunklen und digital gefilmten Szenarien nicht wirklich negativ auf, nur wenn er zusammen mit einem menschlichen Akteur komplett im Bild ist, fällt doch auf, dass das Vieh nur künstlich gerendert ist. Mit etwas über menschlicher Größe ist er übrigens auch nicht ganz, was man bei einem Kaiju-Film erwartet, auch wenn er als solcher gehandelt wird.

Ja er ist zu lang, ja er ist ungewollt häufig etwas doof, ja die Hauptdarstellerin nervt kolossal, aber so ganz scheiße finden kann ich Garuda nicht. Er ist auf jeden Fall wesentlich schaubarer, als die meisten Monsterfilme, die The Asylum rausgebracht hat, und jene sind gewollt trashig. War schon „ok“, oder „nett“ oder welchen kleinen Bruder von „scheiße“ man bevorzugt, wenn man nicht wirklich scheiße meint, sich aber nicht wirklich zu einem Lob durchringen kann. Denn gesehen haben muss man den Film nicht.

garuda

Gamera: Super Monster

ava-1375Witzige Sache: Die Showa- bzw. Heisei-Ära bei Monsterfilmchen läuft nicht zwangsläufig analog zur echten japanischen Zeitrechnung. So endet die Showa-Ära auf der Leinwand mit dem 1980er Gamera: Super Monster, die 1984er Godzilla-Neugeburt leitet die Heisei-Ära ein, während sie sich kalendarisch eigentlich erst 1989 ablösten. Ja, 9 Jahre nach Gamera vs. Zigra wollte man er noch mal wissen, bevor die Riesenschildkröte tatsächlich zum ersten Mal zu Grabe getragen wurde.

Erneut nähert sich eine Alien-Raumschiff der Erde, erneut mit nicht freundlicher Absicht. Erneut, um den Wiederstand bereits etwas aufzuweichen, verursacht jenes schon Mal im Vorfeld diverse Naturkatstrophen. Darunter auch das Auftauchen diverser Monster – genau genommen aller bisherigen Gegner von Gamera, die jener dann nacheinander ausschalten muss. All dies, während ein Kind und drei erdbewohnende, freundliche Weltraumfrauen daneben stehen und eher wenig von Bedeutung machen, sondern cheerleaden.

Wer freundlich sein will, kann Gamera: Super Monster als Best of der Showa-Ära bezeichnen. Wer realistisch sein will, sieht es wohl eher als billigen Cash Grab. Ich meine, grundsätzlich sollte es den abwechslungsreichsten Film machen, Gamera gleich 6 andere Monster entgegen zu stellen, vielleicht kommt es auch endlich mal zu einem richtig feschen Monster Brawl, wie das in den Godzilla-Filmen schon lange der Fall ist, statt nur 1:1-Kämpfen. Das Ding ist nur dies: Keine Monsterszene ist neuer Natur, abgesehen von einer kurzen Sequenz, in der ein enorm starrer Gamera über die Stadt fliegt, welche für die finale „Auseinandersetzung“ mit dem Alien-Raumschiff (welches wir nur ewig durchs All gleiten sehen) wiederverwendet wird, da jene nicht mal aufeinandertreffen, sondern in sich hochschaukelnden Close Ups zueinander schweben. Jegliche Kampfszene mit einem anderen Monster ist Stock Footage aus dem jeweiligen vollen Film, was auch bedeutet, dass nicht mehrere gleichzeitig aufeinander treffen können. Das ist etwas schade, denn bisher waren die Gameras, von einer Ausnahme her, erstaunlich wenig von der Stock Footage Krankheit befallen, die Showa Godzilla sind da derweil wesentlich schlimmer. Gamera: Super Monster hingegen ist zum Großteil Stock Footage, neu sind im Prinzip nur die Randsetzen mit den Menschen/Aliens, die ihn anfeuern, was dem ganzen Film so ein gewisses Power-Rangers-Flair gibt. Ja, die (bösen) Aliens haben Gamera sogar kurz unter ihrer Kontrolle, damit der Film eine Ausrede hat, um sogar Stock Footage aus den ersten paar Filmen unterzubringen, als Gamera noch nicht „Freund aller Kinder“ war, und von sich aus Zeug kaputt gekloppt hat. Ja, in einem Traum des Kindes mixen sie sogar eine Szene aus Galaxy Express 999.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass einen Teil des Charmes solcher alter B-Movies mit Gummimonstern, die Pappstädte umschubsen, natürlich auch an der billigen Optik liegt. Aber ich weiß nicht, ich mochte immer die Einträge, die ein gewisses Spektakel sind, weil hinter den SFX doch ein wenig Geld steckte. Wesentlich billiger als Gamera: Super Monster kann man leider nicht aussehen, mit dem offensichtlich altem Bildmaterial, die uns Kämpfe zeigen, die wir schon längst gesehen haben; mit den billigen Outfits der Weltraumfrauen; mit den zwei ewig widerholten statischen Shots vom UFO und Gamera, die rum fliegen; und mit dem bisher am schlechtesten schauspielendem Kindcharakter mit der bisher allernervigsten Dub-Stimme. Sehenswert ist der Film eben doch nur dann, wenn die ganzen vorigen Filme schon eine Dekade zurück liegen, und die Monsterkämpfe deswegen frischer erscheinen und so doch einen Action-geladenen Film draus machen, statt nur Repeats von bereits Bekanntem.

gamera1980

Gamera vs Zigra

ava-1365Die Showa-Ära hat den Japanern schon so einiges an Monster-Filmchen spendiert. Fünfzehn Godzillas in 20 Jahren beispielsweise. Oder sieben Jahre in Folge je einen Gamera. Doch mit dem 1971er Gamera vs. Zigra sollte das alljährliche Aufkommen der Monsterschildkröte mit den Düsenfurzen zunächst beendet werden, fast eine Dekade später gab es erst den nächsten.

Nach den ersten 10 Minuten, die essentiell Werbung für Sea World sind, darf die Handlung also richtig beginnen, denn ein Bötchen, in dem zwei Kids und zwei Onkel auf der See rumtrieben, was wohl die eine oder andere Augenbraue erhöhen sollte, wird von einem Alien-Raumschiff hochgebeamt. Wie so üblich bei den Gamera-Filmen wollen die Erwachsenen dies nicht glauben, während die Kinder sich schneller begeistern lassen, in der üblich unsinnigen „die Unschuld von Kindern lässt sie die Wahrheit sehen“-Botschaft. Und die Alien-Frau scheint nicht so begeistert davon zu sein, dass die beiden Kerle ihr nicht glauben, demonstriert sie doch ihre überlegene Alien-Technologie damit, dass sie Tokyo per Erdbeben zum Schutthaufen macht.

Und wer hätte es gedacht, mit ein wenig wahllos Knöpfchen drücken entkommen die Kids dem Raumschiff, jedoch nicht, bevor die Alien-Dame nicht die Exposition Fairy gibt: Sie sind Zigraner vom Planeten Zigra, auf dem die Unterwasser-Monster Zigra lebten, bis sie ihre Umwelt so verschmutzten, dass kein Leben im Wasser mehr möglich war, und nun sind sie auf die Erde gekommen, um sich hier einzunisten, bevor wir Menschen auch das unsrige komplett verseuchen. Witzig, ist Gamera vs. Zigra doch im selben Jahr wie Godzilla vs. the Smog-Monster erschienen, welches auch eine aufgesetzte Umweltbotschaft spezifisch um die Meeresverschmutzung, hatte.

Monster Zigra, schickt die Alien-Dame, die gar keine ist, sondern eine Mondforscherin, die unter seiner Gedankenkontrolle steht, aus, um die Kids zu töten, weil die zu viel von seinem Geheimplan wissen. Der schrecklich komplizierte Geheimplan „Wir Aliens erobern die Erde“, die sie gerade noch per Radio und TV über den ganzen Planeten verbreitet haben wohlgemerkt.

Es kommt zu ein wenig Verfolgungsjagden, Gamera zerstört das unterseeisch gelandete UFO, woraufhin Zigra selbst aktiv wird, der Gamera aber vorerst ausschaltet, und irgendwie landet dann die Nicht-wirklich-Alien-Dame, befreit von der Gehirnwäsche, zusammen mit den vorlauten Kids beim Militär. Die sie fragen, ob sie die Schwäche von Zigra kennt. Was jene verneint (da sie sich an absolut nichts erinnern kann, was sie später im Film aber nicht davon abhält, erneut die Exposition Fairy über Zigra zu geben). Woraufhin das Militär sofort aufgibt, Zigra bekämpfen zu wollen. Wow, Militärs in diesen Riesenmonster-Filmen sind ja gewohnt nutzlos, aber normalerweise versuchen sie zumindest erst Mal eine Bombe oder zwei auf so ein Vieh zu werfen, bevor sie aufgeben.

Ist aber auch egal, wir finden nämlich doch raus, was seine Schwäche ist: Als Tiefsee-Monster (sein Design ist immerhin an Koboldhaie angelehnt, womit es locker den siffigen Wischmopp, den Godzilla im gleichen Jahr bekämpfte, aussticht), kann Zigra helles Licht nicht vertragen. Was interessant ist, da er sowohl in einer früheren Szene, sowie im Finale, an Land im hellen Sonnenschein gegen Gamera kämpfen wird, ohne das dies ihm was tun würde.

Meine Güte, selbst für einen Gamera-Film ist Gamera vs. Zigra nicht gut durchdacht. Vielleicht liegt das aber auch nur an der englischen Synchro, welche die Nicht-Alien-Dame auch schon mal damit drohen lässt, dass sie die Kinder an die Delphine verfüttern will – mal so übersehend, dass a) Delphine keine Menschen fressen und sie b) eindeutig vor einem Orca-Becken steht (die gegenüber allgemeinen Denkens tatsächlich zur Delphin- statt Wal-Familie gehören, aber dies aufzuklären sicher nicht die Intention des Dialogs war). Nicht, dass jene sonderlich dafür bekannt wären, Menschen anzugreifen, schon mal gar nicht domestizierte Exemplare in Sea World.

Ansonsten könnte es aber – oder eben auch gerade wegen – der vielen dummen Ungereimtheiten, ein ganz netter, spaßiger B-Movie sein, bei dem man das Hirn halt abschaltet, gerade wo er auch etwas besser (aber doch sehr 70s-Kitsch im UFO-Design) aussieht, als die direkten Vorgängern… wenn dort nicht zwei Probleme wären. Zum einen ist die Monster-Action nicht ganz so pralle, da Zigra als Wassermonster ähnliche Probleme hat, wie wenn Godzilla gegen Flugmonster kämpft: Der Auseinandersetzung fehlt häufig etwas der Umpf-Faktor, da die beiden quasi aneinander vorbei gleiten und die Wunden dann auftauchen, statt dass sie richtig miteinander ringen würden. Und zum anderen sind da natürlich erneut die omnipräsenten Kinder, die permanent in schriller Stimme vor sich hin schreien, um dreimalig zu unterstreichen, was wir eh gerade zu sehen bekommen, sozusagen als Vorboten von beschissenen Let’s Plays.

gamera1971

Gamera vs Monster X

ava-1352Gamera vs. Monster X, auch bekannt als Gamera vs. Jiger, ist definitiv ein sehr flottes Unterfangen. Die Laufzeit beträgt gerade mal 75 Minuten, das Setup ist schnell über die Bühne gebracht: 1970 ist Expo in Japan und zu den Ausstellungen soll auch eine antike Statue gehören, die angeblich verflucht ist. Und kaum will man jene relokieren, bricht ein Vulkan aus und taucht das Monster Jiger auf. Knappe 15 Minuten im Film kloppen sich also die beiden Monster des Titels schon. Und anschließend sollen erst Mal keine 5 Minuten vergehen, ohne dass mindestens einer von beiden was platt macht.

Erst ungefähr zu Halbzeit nimmt der Film das wieder etwas zurück, wenn Jiger Gamera kurzzeitig ausgeschaltet hat und das übliche, unsinnige Forschergebrabbel rein kommt. Jiger hat also eine Parasiten in Gamera eingepflanzt und das Geräusch, welches die hohle Statue macht, kann zum Sieg über ihn führen. Also springen die zwei nervigen Kids in ein Mini-U-Boot, tauchen rein in Gamera, schalten den Parasiten aus, und schon können sich Gamera und Jiger wieder eins auf die Ohren geben.

Es ist also ein Film, der sicherlich dicht an Monster-Action ist. Ich bin ja immer ein Befürworter gewesen, diesen blöden B-Movie Monsterkloppereien von 100 Minuten gut 20 davon zu entfernen, weil gerade die häufig langen Szenen an sinnloser Hintergrundgeschichte und beteiligter menschlicher Charaktere keine Sau interessieren. Gamera vs. Monster X tut nun eben genau jenes. Ich sollte also wahrscheinlich zufrieden mit dem Ergebnis sein, sollte man meinen. So ganz bin ich es aber doch nicht. Mal ehrlich, hat irgendwer gedacht, ich könnte mal zufrieden mit was sein? Nein aber wirklich, ich mag schon, dass der Film so kurzweilig und schnörkellos ist. Aber es ist dennoch eben ein Gamera-Film. Die haben alle nicht ganz den Drive oder Epic der besseren Godzilla-Einträge, sondern wirken alle etwas wie der billige Abklatsch des populäreren Bruders. Und Gamera vs. Monster X sieht bisher tatsächlich von allen Filmen am billigsten aus – klar, ein gewisser Trash-Faktor gehört zu diesen Gummimonsterfilmen dazu, aber die hiesige Special-Effects-Show ist doch etwas ärmlich. Und natürlich gibt es auch weiterhin die schrecklichen Kids, die permanent von der Seitenlinie aus ihr „Gamera!“-Mantra schreien, dass man sie alle würgen will. Aber so weit, wie es die Gamera-Reihe anbelangt, ist der hiesige Eintrag einer der launigeren.

gamera1970

Attack of the Monsters

ava-1340Forscher auf der Erde empfangen Signale aus dem All, die auf intelligentes Leben außerhalb des blauen Planetens hoffen lassen, was sukzessive natürlich auch in allen Nachrichten ist. Besonders die Kids schlucken das und nutzen ihre Teleskope, um Ausschau zu halten. Und tatsächlich sehen sie ein landendes UFO, klettern rein, spielen mal schnell mit ein paar Knöpfen, und schon fliegt das Teil per Autopilot auf einen fremden Planeten.

Stellt sich raus, so lang war die Reise nach Terra gar nicht, ist es doch ein Zwillingsplanet der Erde, der sich ewiglich hinter der Sonne versteckt hat. Zwei letzte überlebende Alien-Frauen gibt es auf dem Planeten, dessen Zivilisation untergegangen ist, und der von Space-Gyaos angegriffen wird. Immerhin haben sie mit Guiron ihr eigenes Monster für den Rückschlag. Doch so friedlich sind die Aliens gar nicht, wollen sie sich doch auf unseren Planeten einnisten, weil ihrer stirbt, und um möglichst viel Wissen ob jenem aufzunehmen, die Hirne der Kids fressen. Da muss natürlich Gamera, Freund von Kindern überall, zur Hilfe düsen.

Attack of the Monsters, auch bekannt als Gamera vs. Guiron, hat damit also alle Zutaten der üblichen Kaiju-Backform der 60er/70er zu bieten: Schräg aussehende Aliens in bunten SciFi-Settings, sich kloppendende Monster natürlich, nervige Kinder, dick aufgetragene Botschaft. Der einzige Einfall, der dem Fließbandkuchen wenigstens ein wenig eigene Identität bringt, ist, dass der Film tatsächlich zum Großteil auf dem fremden Planeten angesiedelt ist. Alles andere ist bekannt und sowieso nie allzu gut gewesen.

Doch der Film hat einen gewissen B-Movie-Charme, einfach weil es bisher der billigste und dümmste Eintrag der Reihe ist, die von Anfang an in Godzillas Schatten stand. Immerhin gibt es doch reichlich Monstergeprügel, es gibt unsinnige „Wissenschaft“, billig aussehende SciFi-Sets, und nicht ein Satz in den Dialogen lässt auch nur auf das geringste bisschen Hirnmasse in allen Protagonisten schließen. Am Schönsten ist immer noch das ständige proklamieren des einen Kindes, eine fortgeschrittene Zivilisation hätte keinen Grund für Krieg und Unfälle, um dann gegen Ende zu verkünden, dies ist, worauf wir auf unserem Planeten hinzuarbeiten haben. Abgesehen von der hoffnungslosen Naivität der Aussage, Kriege und „Unfälle“? Wirklich? Wie wäre es damit, Kriege und Hunger, oder Kriege und Krankheiten zu bekämpfen, gegen Unfälle lässt sich eher wenig tun, weil es eben Unfälle sind, die geschehen in der Regel nicht bewusst.

Attack of the Monsters ist schlichtweg ein Paradebeispiel von einem Film, der gemacht ist, vom Mystery Science Theater 3000 in die Mangel genommen zu werden. Das ist vielleicht sowieso gleich die bessere zu sehende Version, bekommt man im Austausch von omnipräsent nervigen Kindern doch die Seitenhiebe des Trios geboten.

gamera1969

Destroy All Planets

ava-1297Auch bekannt als Gamera vs. Viras. Die Mitte der Showa-Ära ist eine eher schwarze Zeit für Monsterfilm-Fans, die das zehnte Lebensjahr bereits hinter sich gebracht haben. Die Plots der Filme fingen an dämliches Alien-Gedöns zu bieten, deplatzierte westliche Darsteller einzubinden, selbst bei Godzilla hielten langsam die dummen Kinder und deren Kuschelmonster Minilla einzug, und um Kosten zu sparen, wurden die Filme gnadenlos mit Reused Footage der Vorgänger gestreckt. Tja, all dies auch vorhanden im vierten Eintrag der Gamera-Reihe.

Immerhin, SciFi in den 70ern hat was charmantes, mit den dämlichen Kostümen und knalligen Farben. So auch hier gleich zu Anfang zu sehen, im Alienraumschiff aus gelb-schwarzen Knubbeln, das auch irgendwo in Persona 4 auftauchen könnte. Die wollen unsere Erde übernehmen, weil hier lebensfähige Atmosphäre vorherrscht, die ihrem Heimatplaneten ausgeht. Da kommt Gamera angedüst und zerstört das Raumschiff. Wow, 4 Minuten sind schon ein recht kurzer Film. Nah, natürlich schicken die Aliens einfach ein zweites Raumschiff, dessen Priorität also das Aufhalten von Gamera ist.

Der nimmt den Neuankömmling dann anscheinend nicht war, weil er zu sehr damit beschäftigt ist, mit zwei nervigen Bälgern zu spielen. Die haben nämlich die Yellow Submarine des Stützpunktes sabotiert, so dass deren Kontrolle in Revers läuft und somit die Wissenschaftler, die sie auf Jungfernfahrt genommen hat, getötet. Nein, natürlich nicht, die haben sich nur zum Idioten gemacht und dann die vorlauten Bälger tatsächlich sich beweisen lassen, die natürlich wissen, wie sie nun zu tauchen haben.

Die Aliens nutzen Gameras Wetttauchen mit den Jungs dazu, ihn erst Mal zu studieren. Queue in: Reused Footage der vorigen Filme. Ich hab derweil gemerkt, dass ich etwas hungrig war, also mal nen Päckchen Hühnerfrikassee in die Pfanne geworfen, neuen Kaffee aufgestellt und meine Rasur erneuert. Als ich zum Laptop zurückkam, lief der Recap immer noch, also hab ich mal rausgesucht, was ich nach Narnia lesen werde, bis dann die satten 20 Minuten Füllmaterial endlich beendet waren und der Film weiter ging.

Die Aliens fangen die beiden Jungs ein, weil der Herzensgute Gamera nie ein Raumschiff angreifen würde, in dem Kinder stecken, die er mit umbringen würde, und kriegen ihn so unter Gedankenkontrolle dazu, für sie Japan platt zu trampeln. Queue in: Moar Reused Footage. Sogar welche aus dem ersten Film, bei dem man sich nicht mal die Mühe gemacht hat, die Szenen nachträglich zu kolorieren. Schnell den Eintrag zu The Dream Master nebenbei geschrieben, bis der Film dann wieder was zu bieten hatte, was ich nicht bereits kannte.

So wirklich die schlaueste Rasse sind die Aliens ja nicht, lassen sie doch die Kinder auf ihrem Gedanken-kontrollierten Raumschiff frei rum laufen. Irgendwie auch nett, die machen zu lassen, was sie wollen, können sie sich sogar telepathisch Verpflegung herbei wünschen. Die Aliens sind schon ganz Ok, zumal sie unseren Planeten ja nur übernehmen, weil ihrer stirbt und sie ja irgendwie überleben müssen, wir würden das genauso machen. Anscheinend haben die aber keine SciFi-Filme bei sich, müssten sie doch wissen, dass ein Raumschiff, welches sich durch Gedankenkraft kontrollieren lässt, allerdings allen Input unterbindet, den es schädigen könnte, der erste Schritt ist, von HAL hintergangen zu werden. Mit der Steuerungseinheit zu spielen, scheint übrigens nicht vom Schiff als potentiell gefährlich eingestuft zu werden, lässt es die Jungs doch einfach ran, so dass sie es Crashlanden können.

Damit wäre der Film jetzt eigentlich rum, hätte den Machern nicht kurzfristig noch jemand gesagt, dass sich Monsterfilme mittlerweile nur verkaufen, wenn mindestens ein zweites für einen Monster vs. Monster Kampf dabei ist. Also fusionieren die Aliens zu einem Riesenoktopus und der Kampf Gamera vs. die Ikone des japanischen Filmeschaffens, das Tentakelmonster, kann beginnen.

Meh, was ein saublöder und billiger Film. Ja, von der Klopperei japanischer Gummimonster in Pappstädten erwartet man nichts anderes, als Trash. Aber bei allem Spaß an Zerstörung und faker Optik sollte doch eine gewisse Grenze an Debilität nicht überschritten werden und Destroy All Planets schießt dort ordentlich trüber. Zumal es schrecklich wenig Action bietet, die man nicht schon kennen würde.

gamera1968

Gamera vs. Gyaos

ava-1280Die Gamera-Filme sollten mit einer Warnnachricht beginnen, dass Schwangere diese Filme auf eigene Gefahr schauen. Ich als Macher der Teile, hätte viel zu viel Angst davor, dass werdende Mütter ansonsten sofort den Kinosaal verlassen, und die nächste Abtreibungsklinik besuchen. Denn verdammich die Kids in diesen Filmen…

Ja, beim dritten Film haben sich die Macher nun endgültig entschieden, in welche Richtung sich diese Reihe orientieren wollen. Gamera im ersten Teil war noch eine zerstörende Naturkatastrophe, auch wenn ein nerviges Blag alle 5 Minuten in die Kamera schreit, er wäre es nicht. Gamera vs. Barackobama ist das Kind losgeworden, hat Gamera aber ein fieses Monster besiegen lassen, damit die Menschheit gerettet ist. In Gamera vs. Gyros ist die Riesenschildkröte mit den Düsenfürzen nun eindeutig der Gutmensch, der nur vorbeischaut, um die Bedrohung durch andere Monster zu bekämpfen, während ein fetter Junge, dem man das Grinsen sofort aus dem Gesicht prügeln mag, von der Randlinie aus ihn anfeuert. Soweit ich informiert bin, bleibt das ab jetzt so.

In Gamera vs. Gyaos will eine Firma einen neuen Express-Highway quer durch Japan bauen, jedoch ist ihnen dabei ein kleines Dorf aufmüpfiger Gallier im Weg. Die sind überraschenderweise aber gar keine Schmalspurhippies, die die Baufirma abhalten wollen, weil es ihnen um Umwelt und Land ihrer Vorväter geht, sondern sie halten sie nur hin, um einen besseren Preis für ihre Grundstücke rausschlagen zu können. Dummerweise taucht das Riesenmonster Gyaos mit seinen Ultrasonic-Beam auf und macht damit die Bauarbeiten eh zunichte, das Land wertlos, solange er hier sein Unwesen treibt. Die Dorfbewohner sind ihrem Vorsteher entsprechend böse, dass er sie dazu überredet hat, mit dem Verkauf zu warten. Der hat jedoch den zündenden Plan, den Hitzeempfindlichen Gyaos zu besiegen und den Pyromanen Gamera anzulocken, in dem er dem Militär die Erlaubnis gibt, ihre Berge in Brand zu stecken. Äh, das würde ich vielleicht vorher mit den anderen Dorfbewohnern, die schon nicht gut auf dich zu sprechen sind, abklären. Zumal Gyaos bewiesen hat, dass er als Feuerlöscher doubeln kann, ihm seine Feuerschwäche also nicht viel ausmacht.

Das witzige daran ist, dass alle Pläne zum Zerstören von Gyaos in diesem Film durch den kleinen Jungen kommen. Immer dann, wenn die Erwachsenen sprachlos sind, was als Nächstes getan werden kann, lässt das Mistvieh einen Kommentar fallen, der sie auf die zündende Idee bringt. Selbst das Militär, weil in diesen Filmen ja grundsätzlich immer jeder Zivilist mit seinen Blagen in deren Basen spazieren kann, ohne dass jemand sich was bei denkt.

Is ja auch egal, der Logik wegen schauen wir Giant Monster Movies eh nicht, gell? Sondern wegen der Zerstörung. Ich glaub, dass ist das Problem, welches ich mit den Gameras habe und weswegen ich die Godzillas – zumindest die guten Vertreter der Reihe – vorziehe. Die Monster in den Gameras sind mir inklusive des Titelgebers ein wenig zu dämlich, was ihre Kräfte angeht; die Monsterfights trotz gut Blut in diesem Vertreter nicht brachial genug; und viel Stadtzerstörung ist hier auch kaum gegeben. Obendrauf eben noch das dumme Kind, das selbst einen besseren Film ruinieren würde, und schon will mir hier nicht so richtig einer bei abgehen.

gamera1967

War of the Monsters

ava-1269Mittlerweile auch auf westlicher DVD als Gamera vs. Barugon, dem Originaltitel, bekannt. War of the Monsters ist, wie man sich schon denken kann, gerade wenn man sich mit der Namensgebung der Godzillas der damaligen Zeit auskennt, der frühe Name der US-Edit-Version des Filmes aus den wilden 60ern. Praktisch auffindbar in der Publik Domain, so nebenbei bemerkt.

Was geht also ab in Gameras zweitem Filmdebüt? Zunächst wird schnell erklärt, dass es die Riesenschildkröte der Atlanter gar nicht bis zum Mars gemacht hat, sondern so ein Arschloch von Komet mit der Rakete Pong gespielt und sie direkt zurück geschleudert hat. Gamera haut einen Damm der Japaner kaputt und ist dann erst mal mit sich zufrieden, wirft die Düsentriebwerke an und verschwindet aus der nächsten halben Stunde des Filmes, weil er sonst das Serienfinale von Lost verpasst.

Drei Japaner sind derweil auf Inselexpedition, weil sie hier einen ganz tollen Opal in der Höhle vermuten, der sie reich machen wird. Dass die Japaner in Polynesier-Face ihnen das ausreden wollen, weil es zu einer Katastrophe führen wird, bestätigt sie natürlich nur im Glauben, dass dort Schätze verborgen sind. Sie finden ihren Opal dann auch, aber oh noez, der bärtige Kerl mit Sonnenbrille ist ein Verräter! Sind bärtige Kerle in Sonnenbrille das nicht immer? Er tötet seine Kammeraden und schippert alleine zurück nach Japan. Doch oh noez, der Opal war gar kein Opal sondern ein Barugon-Ei, der schlüpft und den Kahn in Kobes Hafen zum neuen Riff erklärt.

Kreativpunkte bekommt das neue Monster schon mal dafür, dass er nicht direkt nach Tokyo stapft, um den dortigen Tower umzunieten, sondern mal den weniger häufiger gesehenen Kobe Port Tower, der genauso ikonisch sein könnte, platt macht. Dann sympathisiert er mit der Gay Pride „Straight as a Rainbow“ Bewegung und kackt eben einen solchen Regenbogen, der japanische Abwehrraketen zunichte macht. Gamera, ob des miserablen Lost-Finales eh schon angepisst, merkt über seinen Spidey Sense sofort, dass da ein anderes Megamonster versucht, fabulöser als er zu sein und bitchslapped die Diva erst Mal durch die Gegend.

Doch Barugon legt Gamera einfach auf Eis und so ist es nun am japanischen Militär, unterstützt von einem doch nicht ganz so toten Expeditionsmitglied und seiner Inselbewohnerin Love Interest, diverse Pläne durchzuprobieren, die natürlich alle nichts werden. Bis Gamera dann doch wieder Bock hat, sich enteist, Barugon besiegt und in die Nacht fliegt, um Reruns von Twin Peaks zu schauen und ob der frühen Absetzung sich in den Schlaf zu weinen.

Joa, Gamera vs. Barugon: War of the Monsters hat definitiv ein paar Vorteile gegenüber des Originals vom Vorjahr. Es ist in Farbe. Und BUNT! Außerdem hat es gleich zwei Monster, die potentiell Landschaftsgärtner mit Japan spielen und es zwischendurch gegeneinander brawlen lassen können, auch wenn der Film daraus leider nicht so viel macht, sondern Gamera die meiste Zeit still legt. Außerdem kein einziges nerviges Kind weit und breit. Er nimmt sich auch sehr ernst, was ganz nett ist. Sicherlich, es gibt wieder jede Menge Nebengeschichte um die Charaktere, für die sich keiner interessiert, bis dann die Monster Amok laufen, und so richtig kann man Filme über Leute in Gummikostümen, die Pappstädte umwerfen eh nicht nehmen, gerade wenn jene Monster Superkräfte haben wie Düsenantriebe und Zerstörerregenbögen. Doch die späteren bzw. mittleren Showa-Ära-Godzillas haben mir gezeigt, dass ich definitiv einen Film vorziehe, der sich etwas zu unnötig ernst nimmt, als sich an Augenrollend schmerzhaftem Slapstick zu versuchen. Der Punkt, den ich nicht mache, ist, Gameras zweiter Film ist erneut nicht wirklich so gut, wie die besseren Godzillas, aber für jeden, der gern Japans 60er-Jahre-B-Monster durch die Gegend trampeln sieht, gut genug.

gamera1966

Maneaters

ava-1177Trashige Low Budget Monsterfilme zu machen, gerne irgendwas mit Haien, scheint in den letzten Jahren zu einer Sache geworden zu sein. The Asylum und der SyFy Channel scheinen da besonders die Vorreiter zu sein. Doch auch RHI Entertainment scheint ein Stück vom Kuchen abhaben zu wollen, und zwar ein möglichst großes möglichst schnell. Die haben die Maneater-Serie gemacht, eben solche Low Budget Horrorstreifen über die Attacke diverser Monster, durchaus auch mythologischer. Irgendwie muss man ja 25 Filme bestückt bekommen. Richtig gelesen, davon gibt es eine Viertelhundertschaft an Filmen – rausgekommen zwischen 2007 und 2011. Ayup, Quantität vor Qualität much (was aber ein Scheißdreck gegen meinen Freund David DeCoteau ist, der seit 2011 ganze dreizehn 1313-Filme gedreht hat)? Das interessante daran ist, dass die erstaunlich schnöde Titel haben, wo andere Produktion wie Mega Shark vs. Crocosaurus, Pirnahaconda oder Dinoshark zumindest wie überdrehter Trash-Fun klingen wollen, kommen die Maneater mit einfachen Titeln wie Croc, Hybrid oder Roadkill daher. Ich weiß mal wieder nicht warum, aber irgendwo war mein Interesse dennoch geweckt, dabei steh ich gar nicht mal grundsätzlich auf solche Billigproduktionen. Exemplarisch mal drei Filme so ziemlich von Anfang, Mitte und Ende der Reihe.

In Blood Monkey, dem allerersten Eintrag der Reihe (der Titelgebende Maneater ist seltsamerweise erst das dritte Release) werden eine Hand voll Wissenschaftsstudenten, alle die üblichen, meist unsympathischen Horrorfilmklischees, von einem verrückten Wissenschaftler, der auf der Suche nach dem Missing Link ist, in den Urwald gelockt, um dort den Killeraffen zu fangen, der stattdessen alle umbringt.

Der war schon mal nichts. Es gibt zwei Möglichkeiten, Monsterhorror zu machen: Eine große Metzelei, oder Suspens, wo das Monster bis zum Ende fast nie zu sehen ist. Wegen dem fehlenden Budget versucht man sich hier natürlich mit zweiterer Option. Da allerdings nie Atmosphäre oder Spannung aufkommt, wird daraus nichts. Zumal dieses Hypen eines Monsters schlecht wirkt, wenn wir vom Titel schon wissen, was es ist und das Ding dann tatsächlich nur ein großer Gorilla war, statt irgendein freakiger Mutant. Wenn er mal jemanden (von off screen) umbringt, gibt’s wenigstens recht viel Blut für eine TV-Produktion.

Film Nummer 12 ist Vipers. Ratet mal, was diesmal das Titelgebende Monster ist. Diesmal findet das Ganze Geschehen in einer Kleinstadt auf einer Insel statt, wo plötzlich genetisch veränderte Schlangen auftauchen, die irgendeine fiese Organisation hergestellt hat und die natürlich entkommen konnten.

Vipers geht die andere Option an Monsterfilmen ab und hat die Schlangen omnipräsent. In guten Abständen holen sie sich den einen oder anderen der Inselbewohner und töten ihn. Und das sind richtig fiese Schlangen, beißen und würgen sie denjenigen doch nicht einfach tot, sondern fressen ihn dann bei lebendigem Leibe. Was auch viele Shots bedeutet, in dem wir Leute voller blutiger Fleischwunden, an denen sie rumbeißen, zu Gesicht bekommen. Gnarly. Ein guter Film ist’s freilich immer noch nicht, aber dadurch schon mal wesentlich spannender, weil häufiger was los ist. Schade, dass es auch noch viele lahme Charakterszenen gibt, in denen die suboptimalen Schauspieler ihre Seifenoper-esquen Beziehungsirrungen breittreten müssen, die nie wichtig werden. Und die Schlangen sind leider normaler Größe, auch im Finale taucht nicht plötzlich ein Supermutant oder so auf, etwas schade.

Weitere elf Filme später kommen wir bei Nummer23 an, Behemoth. RHI waren langsam aber sich die echten Monster ausgegangen, und so ging der Fokus ab der Mitte der Reihe doch stark gegen Fabelwesen und mythologische Monster. Erneut eine Kleinstadt, diesmal aber in der Nähe eines Berges. Es kommt zu Erdbeben, die zunächst darauf schließen lassen, hier gäbe es bald eine Naturkatastrophe, bis fürs Finale dann plötzlich doch gemerkt wird, dass eben einfach ein Behemoth im Berg steckt und seine Bewegungen das Zeug auslösen.

Behemoth war der schlechteste der Film, einfach weil er an einer signifikanten Stelle krankt: Das Monster an sich. Der Behemoth ist riesig, groß wie ein Berg. Statt das Vieh allerdings dann Godzilla-esque ganze Städte plattmachen zu lassen, was entweder nicht im Budget lag oder wofür sich der Film einfach zu bierernst nahm, bleibt das Ding also die ganze Zeit stationär im Berg stecken, weil keiner so richtig weiß, wie man ihn mit der Umwelt interagiert bekommt. Ja, zunächst wirkt Behemoth sogar wie ein Katastrophenfilm mit einem bevorstehenden Vulkanausbruch oder Superbeben oder so, was durchaus ein interessanter Ansatz ist, jedoch wissen wir ja schon, dass es letztendlich auf ein Monster hinauslaufen wird. Es kommt halt nicht wirklich ein Sinn für Gefahr auf, wenn es so wirkt, als ob man einfach nur dem Berg fernbleiben müsste, und schon kann einem das Vieh nix, weil es sich eh nie wegbewegt. Es überlebt dann auch tatsächlich fast jeder den Film. Und seltsamerweise taucht der Name Behemoth für das Vieh auch nie auf, dafür wird er mit einem Ratschlag aus der Tiamat-Saga umgebracht. Obwohl das auch nur ein super generisches „Schieß es tot“ war. Wo man dann richtig sieht, dass der Film unbedingt nach Action lechzt, weil das Vieh keins reinbringt, ist die einzig dämlich-witzige Szene des Teiles: Wenn ein Mädel und ein alter Kerl versuchen, eine Leiter von gut zehn Stufen zu erklimmen, die Beben sie aber immer wieder runter werfen und ihre Dialoge und die Musik die zehnminütige Szene ganz dramatisch hochzuhypen versuchen: Tiny Ladder Climbing Xtreme!

Dass die Maneater Filme alle nicht gut sein würden, war natürlich abzusehen. Dass sie billig produziert und schlecht geschauspielert sind, natürlich auch. Was ich bei diesen Low Budget Monsterfilmen, nicht nur von RHI, aber immer schade finde ist, dass da anscheinend wirklich niemand ein wenig Ambition oder einfach nur Spaß dran hatte. So richtig schön irre-dämliche Filme, die wenigstens mit etwas Alkohol und am besten noch im Kreise der Freunde unterhalten, im Sinne von schlecht-gutem Z-Horror, die springen einfach so absolut selten bei mal raus. Stattdessen sind sie alle so schematisch, so unimaginativ und nehmen sich häufig so scheiße ernst. Und warum müssen die immer auf Feature Length gepumpt werden, statt eine anständigere Laufzeit von vielleicht 60 Minuten zu behalten? Das scheint, diese drei exemplarischen Beispiele als Indikator genommen, bei der Maneater-Reihe auch nicht anders zu sein, von daher kann sie ruhigen Gewissens übergangen werden, selbst wenn man Trash mag.

Witzig aber immer, wie viele mehr oder weniger bekannte Gesichter man doch teilweise in ihnen zu sehen bekommt. Aber ich nehme mal an, es ist halt eben ein Gehaltsscheck, der schnell verdient ist, weil die Dinger meist über wenige Tage gedreht werden, von dem man sich ein paar Flaschen Alk kaufen kann und wer sieht sich den Dreck denn schon groß an. Blood Monkey hat beispielsweise F. Murray Abraham, der mal in Kinoproduktionen wie Scarface, Amadeus oder Im Namen der Rose zu sehen war, und auch in der anderen Maneater-Produktion Shark Swarm zu sehen sein wird. Vipers hat Tara Reid, die nach American Pie mal die Chance hatte, Leinwandkarriere zu machen, die dann aber versoffen hat und nun aussieht, als wäre sie Madonnas ältere Schwester. Plus einige aus der einen oder anderen TV-Serie bekanntere Gesichter, darunter auch William B. Davis in Behemoth.

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