Ys vs Sora no Kiseki

Ys war lange die lukrativste Serie im Lineup des Nischen-Entwicklers Falcom, die hauptsächlich auf japanischen Heim-PCs unterwegs waren. Bis Mitte der 2000ern mit dem sechsten Teil, Sora no Kiseki/Trails in the Sky, Legend of Heroes an Ys vorbeizog und die PSP als Plattform Falcom unglaublich gut tat.

Kulminieren sollte das 2010 in Ys vs Sora no Kiseki: Alternative Saga. Im Prinzip das Dissidia unter den Falcom-Spielen, denn um sich gegenseitig mal so richtig schön kloppen zu können, kommen Charaktere aus Ys und Kiseki zusammen, bevorzugt die aus den gerade aktuell beliebten Ys Seven und der Sora no Kiseki Trilogie.

Ich habe übrigens nur den Story Modus gespielt. Das Game offeriert natürlich auch noch ein paar mehr oder weniger freie Klopperei ganz zwanglos aller freigeschalteter Charaktere, ohne dazwischen viel Text verlieren zu müssen. Die Story gibt einem allerdings nur fünf davon zur Auswahl: Adol und Estelle, die Hauptcharaktere aus den Titelgebenden Ys beziehungsweise Trails in the Sky; Geis aus Ys VI/Seven; und Tita und Kloe aus Trails in the Sky.

Alle drei haben grundsätzlich die gleiche Story darüber, dass ein altes Böses erwacht ist und deswegen Helden aus anderen Dimensionen beschworen wurden, die teils aber vom Bösen übernommen sind und sich somit einander in den Weg stellen. Kleinigkeiten sind anders und gegen wen in welcher Reihenfolge gekämpft wird auch, aber im Groben spielt sich jede dieser Kampagnen im gleichen Ablauf. Immer drei Kämpfe Mano-a-Mano gegen andere Ys/Kiseki-Charaktere und dann ein größere Boss-Kampf. Entweder mehrerer Charaktere gegeneinander oder gegen ein größeres Monster.

Als Partner-Charaktere für jene Kämpfe mit mehreren Beteiligten und als spielbare Charaktere der freien Zusatzmodi stehen natürlich noch eine Reihe weiterer aus den Franchises zur Verfügung wie Chester, Dogi und Aisha aus Ys oder Joshua und Olivier aus Trails etc. Sogar noch weitere, teilweise obskurere Charaktere, stehen als Supports zur Verfügung, die nicht normal kämpfen, sondern andere Boni freischalten. Weitere Verbesserung des aktiv gespielten Charakters kommt über Level Ups durch erfolgreich bestandene Kämpfe, Aufbessern der Rüstung und Skills (plus deren Neukauf) im Shop und Ausrüstung von Accessoires für andere Bonuseigenschaften.

Leider muss ich allerdings auch zu Ys vs Sora no Kiseki sagen, dass es, ähnlich wie The Bouncer, meiner Meinung nach etwas zu unpräzise ist. Das Spiel basiert auf der Engine von Ys Seven und die ist eben für das schnell-wilde Gekloppe in einm Action RPG gemacht. Ich finde die Kämpfe ehrlich gesagt zu schnell und hektisch. Es gibt zu viele Effekte durch Perfect Guards oder Skilleinsatz. Die Kamera ist zu weit raus, die Charakterfiguren zu klein. Da ist es extrem schwer die Übersicht zu halten und nicht einfach Button-mashing zu betreiben und auf das Beste zu hoffen. Wenn mehr als der Spieler und ein Gegner auf dem Kampffeld ist, ist es sowieso unglaublich schwer, immer auseinanderzuhalten, wer wer ist. Die verschiedenen Level einiger Kampfarenen sind auch gern mal mehr im Weg denn sonstwas. Ich fand des wild-übersichtslose Geprügel ehrlich gesagt nie sonderlich befriedigend.

Natürlich ist das Spiel vorrangig nicht gemacht, um in den Olymp der Fighting Games aufgenommen zu werden und fester Bestandteil offizieller Turniere zu werden. Es ist ein Fanservice-Spiel, bei dem man sich drüber freuen soll, die liebsten Charaktere und Bonusmaterial freizuschalten und sich zu den geilen Falcom-BGM aus den beiden Franchises schnell mal locker-flockig einen auf die Mütze zu geben. Und das liefert das Spiel auch ab. Dennoch wäre es schön, wenn es mechanisch etwas mehr hergegeben hätte.

TitS

Kleine, nerdige Geschichtsstunde voran: die The Legend of Heroes Serie ist ein Clusterfuck zu erklären, was wie in Bezug steht. Angefangen hat sie als Teil der Dragon Slayer Serie, von sowieso nicht wirklich zusammengehörigen Spielen. Den Titel tragen die ersten beiden, ab The Legend of Heroes III: Moonlight Witch ist es dann eine eigenständige Serie. Jener Teil bildet mit LoH IV: Tear of Vermilion und LoH V: Song of the Ocean eine eigene Trilogie. Zu allem Überfluss sind die US-Releases der PSP-Remakes jener umnummeriert worden. Aus III wird II, aus IV wird I und aus V wird III. Dann kam Legend of Heroes VI: Trails in the Sky. Erneut der Auftakt zu einer Trilogie, diesmal allerdings nicht durchnummeriert, sondern VI First Chapter, VI Second Chapter und VI the Third genannt. Und dann gibt es ganz aktuell noch Zero no Kiseki und Ao no Kiseki, die ebenfalls zusammen hängen, eine neue Serie bilden, aber auch Bezug zur Trails in the Sky Trilogie haben (deren japanischer Untertitel Sora no Kiseki ist). So, alle Klarheiten beseitigt?

Wie gesagt, davon gibt es sogar US-Releases. Wenn auch kategorisch übersehen. Der Erstling erschien dort nur auf PC-Engine (wie fast alle Spiele von Falcom gibt es auch die Legend of Heroes I-V auf fast jeder zu derer Zeit aktuellen Konsole und PC), die keiner hatte. Und die PSP-Versionen der Gagharv Trilogie war durch die Lokalisation so zerstört, dass es Wertungstechnisch die totale Bruchlandung hingelegt und sich denen somit auch keiner gewidmet hat. So gesehen fehlt nur Teil 2. Denn die VIer erscheinen jetzt dank XSEED, nachdem die sich zuerst geziert haben, da die anderen PSP-Spiele keinen guten Geschmack in den USA hinterlassen hatten und die extreme Wordyness der Spiele einen ziemlichen Aufwand bedeuten (die Spiele haben kaum Sprachausgabe oder Cutscenes, wären grafisch fast auch auf der PSX möglich – nur halt nicht so gestochen scharf aussehend – und dennoch nimmt Second Chapter ganze 2 UMDs ein). Den Anfang macht schlicht The Legend of Heroes: Trails in the Sky, ohne Nummer, ohne First Chapter, um weniger abschreckend zu klingen :D

Doch jetzt mal zum eigentlichen Spiel. 2004 entstanden fühlt man sich eher in ein zehn Jahre älteres RPG zurückversetzt. Es hat so gewisse Lunar-/Grandia-Vibes. Estelle und Joshua sind gerade frisch ausgebildete Jung-Bracer. Die Bracer-Gilde nimmt diverse Jobs von der Bevölkerung an, sozusagen organisierte Söldner, die mal Begleitschutz geben, mal ein besonders gefährliches Monster ausrotten, das die Gegend unsicher macht und mal einfach auch nur einen Liebesbrief überbringen. Doch um vollwertige Bracer zu bekommen müssen sie den verschiedenen Gildenstandpunkten in den Regionen des Königreichs helfen und sich dort beweisen. Zudem ist ihr Vater – Estelles „echter“, Joshua ist nur adoptiert – auf einer Mission verschwunden und nach seinem Verbleib zu suchen lässt sich damit natürlich gut verbinden.

Und so wandert man im Spiel von Region zu Region und erlebt sozusagen den Bracer-Alltag der beiden. Die beiden typischen coming of age Gutmenschen sind halt unterwegs, um Abenteuer zu erleben, und sonst (fast) nichts, wenn sich dann später doch ein Plot größerer Wichtigkeit herauskristallisiert, ja dann retten sie auch das Königreich vorm Bösewicht, der die Macht ergreifen will. Aber das kommt erst im letzten von 4 Kapiteln (plus Prolog). Das hätte man vom Aufbau her sogar fast als Episodic Game releasen können, da jedes Kapitel in eine neue Region führt, immer mit Estelle und Joshua anfängt, bis sich dann andere Bekanntschaften der Region ins Team begeben und auch die Spielzeit mit 8-9 Stunden pro Kapitel relativ konstant ist.

Was Trails in the Sky nicht hat, ist Innovation, aber das ist ja auch nicht nötig. Klischees sind immerhin zu Klischees geworden, da sie so oft benutzt wurden, weil sie funktionieren. Man muss das Rad nicht neu erfinden und es mal mit einem dreieckigen Modell probieren, nur weil der Anblick runder mittlerweile etwas langweilig ist. Das ist halt das einzige Problem, wenn man sich auf Althergebrachtem ausruht: Was schon häufig da war, kann einem schnell langweilig werden. Man muss die Sache also schon entsprechend umsetzen bzw. ansprechend umsetzen. Und das schafft Trails in the Sky im Vergleich zu einem drögeren Golden Sun beispielsweise sehr gut. Die Handlung mag nicht spektakulär sein und die Charaktere bekannte Stereotypen, aber wenn das alles so charmant und nett umgesetzt ist, kann man ja schlecht was dagegen haben. Und wenn es dank XSEED in den Westen kam, was bedeutet, dass die Lokalisation da mithält. Fragt man nach, was für viele die Serie spielenswert macht, dann sind das die gute ausgearbeiteten Welten und Charaktere, was auch den enormen Textaufwand der Spiele erklärt. Kein Wunder, dass die Gargharv-Trilogie mit der Babelfisch-Übersetzung von Bandai so gefloppt ist.

Nur weil man häufig mehr am Lesen als am Spielen ist, bedeutet allerdings nicht, dass das Gameplay gleich total nebensächlich ist. Hier greift sich Trails in the Sky auch ein Potpourri an bekannten Elementen: Sichtbare Gegner, so dass man sich selbst aussuchen kann, was man nun bekämpfen will und was nicht. Die laufen dann rundenbasiert und in einem eigenen Bildschirm ab, allerdings zählt die Distanz zu den Gegnern hier rein. Ähnlich wie Breath of Fire V oder Rhapsody hat jeder seinen SRPG-esquen Bewegungsradius, inklusive Gruppenzaubern. Zudem sieht man immer wie bei Grandia und FFX, wer wann dran kommt, was die taktische Planung natürlich verbessert. Kann ich vorm Gegner heilen? Wenn ich den Gruppenangriff jetzt dahin werfe, dürfen die Gegner zwischendurch agieren und bewegen sich vielleicht von genau dort vor, bis mein Zauber gecastet ist? Zu schwer wird es dabei nie. Das Levelsystem a la Suikoden oder .hack// geht eigentlich sicher, dass man weiß, wann man gut steht, da die Gegner eben aufhören, gut EXP zu geben. Zudem kann am Ende eines jeden verloren Kampfes einfach die Retry-Option gewählt werden, die obendrauf dann bei den folgenden Anläufen besagten Kampf kontinuierlich vereinfacht. Es ist klar, dass Trails in the Sky permanent konstantes Voranschreiten durch das Spiel über irgendwelche Herausforderungs-Mauern stellt. Skills werden auf ein entsprechendes Brett gesetzt, was dem Materia-System aus FFVII nahe kommt, allerdings dadurch Rüstungsunabhängig ist. Gewisse Kombinationen ergeben gern auch weitere Skills. Natürlich macht das die Charaktere abgesehen ihrer Limit Breaks etwas austauschbar, aber sowas hat mit eh noch nie gestört.

Und ähnlich Breaht of Fire III hat es natürlich einen bestimmten Vorteil, wenn man einen so großen, wenn auch für übergeordnete Geschehnisse irrelevanten, Teil des Spieles mit dem Alltag und der Entdeckungsreise der Charaktere verbracht hat, dann zieht emotional die Trennung am Ende gleich viel besser, als wenn einem die Charaktere scheißegal sind. Ich bin ja sowieso jemand, der sich da nie ganz so drauf einlässt, zu fiktiven Charakteren habe ich eben immer eine Grunddistanz, weil sie nicht real sind. Ich lass mich da nicht so drauf ein, weswegen mir das Schicksal derer häufig in Medien einfach ein Stück weit egal ist.

Auf jeden Fall war ich ein Stück weit überrascht, dass mir Trails in the Sky so gut gefallen hat, wie es das letztendlich tat und bin mir immer noch nicht ganz sicher, warum überhaupt. Ich hasse es eigentlich, wenn mich Spiele wie Golden Sun ewig zuschwafeln, ohne größer was zu sagen oder Kingdom Hearts II mich alle 5 Minuten aus dem Gameplay reißt, um mir die ewig gleichen müden Anime-Klischees vorzusetzen. Doch viel Text lesen macht mir ja eigentlich nichts, es muss anscheinend einfach nur eben gut genug geschrieben sein, wie hier oder bei Planescape: Torment.

Jetzt heißt es halt nach dem Cliffhanger auf die Fortführung der Geschichte im Second Chapter zu warten, für das fieserweise direkt nach den Credits ein Trailer läuft, und das angeblich nicht vor 2012 kommt – gute Abverkäufe vom First Chapter vorausgesetzt.