[FSS] Trafficks

Willkommen zurück in der Saga mit den fragilen Mädels unter enormen Schulterpolstern, Duellen zwischen Mechs, und dem krassesten Fashion Sense aller Zeiten. Angekommen sind wir in Trafficks, welches die Bände IV und V in Japan abdeckt, die wiederum in die US-Heftchen Vol. 9 bis 12 aufgeteilt sind. Halbzeit der Auflage ist Pi mal Daumen erreicht.

Die hiesige Handlung ist allerdings weniger ein großes Ganzes, und viel eher zerstückelt. Der Manga selbst schreibt dann auch auf einer der ersten Seiten, dass es hier mehr um die Nebenhandlungen diverser Charaktere gibt, die alle eher lange Schatten vorauswerfen, statt individuell große Wichtigkeit zu haben. Und wie das in Destiny Three Fates: Clotho begonnen wurde, schert sich der Manga dabei nicht immer sonderlich um eine chronologische Reihenfolge, sondern springt hier und dort erstaunlich große Distanzen, weil die Dinge thematisch zusammenpassen bzw. aufeinander aufbauen.

Die Rahmenhandlung ist erneut ans Ende der 2900er Jahre angesiedelt, kurz nach dem Ende des Hauptteils der letzten Story Arc, also nach dem Tod von Collus III. Wir begleiten Headdlinger Muse und seine Fatima Ssiz, die auf ihrer Reise in einer Stadt in Kastenpo auf dem Planeten Both ankommen. Diese ist nicht nur ein Handelszentrum, sondern wird gern auch für Headdliner-Duelle genutzt, um sich Prestige anzuhäufen. Iler the Bishop der Mejojo Dynastie übertreibt es allerdings etwas, denn um den neuen Motar Headd Ashura Temple zu erproben, duelliert er sich nicht nur mit anderen Headdlinern bis zum Sieg, sondern ermordet sie und ihre Fatima anschließend und hat noch nicht mal den Respekt sie zu beerdigen, sondern lässt sie wie Abfall zurück. Und der Ashura Temple ist sowieso weit überlegen, wurde er doch gebaut, um die bisherige Vormachtstellung von drei ganz besonderen MH-Modelle zu brechen.

Sich dem Ashura Temple in seiner hoch geheimen Bang Doll gegenüberstellen wird Muse allerdings erst ganz am Ende von Trafficks. Bis dahin macht er zwei Bekanntschaften. Zum einen treffen sie auf einen der fünf Drachen-Götter von Both, der dem Gottimperator Amaterasu auch die Nachricht hinterlässt, dass sie es nicht dulden werden, sollte er Kastenpo einnehmen. Was jener auch nie macht, wodurch dies die Keimzelle für die Widerstandsbewegung gegen sein Planetenreich werden wird. Aber dies ist erst später wichtig.

Größer ist da schon das Treffen auf Kaien und seine Fatima Auxo. Der erzählt Muse nämlich gleich mehrere verschachtelte Flashbacks. Zum einen wie er eine Basis angegriffen hat, wodurch Auxo tödlich verletzt wurde. Doch Doktor Ballanches Protege kann sie tatsächlich rekonstruieren, warnt aber davor, dass Fatimas nach jenem Prozess jegliche Erinnerung verlieren, da nur der Körper wiederhergestellt werden kann. Kaien entschließt sich dennoch dafür, und will sein Headdliner-Dasein und auch Auxo eigentlich anschließend aufgeben. Doch überraschend erinnert sich die Fatima an ihren Meister. Dies handelt die Geschichte aber nicht als kitschigen Liebesbeweis, der alle physikalischen Gesetze auszuhebeln weiß, sondern als ein weiteres Mysterium darüber, was Doktor Ballanche in seinen letzten Fatima-Modellen an Regeln gebrochen hat.

Noch während er auf die Rekonstruktion von Auxo wartete, geriet Kaien zudem in ein Scharmützel eines Dorfes an Widerstandskämpfern. Und die waren von keiner anderen angeführt, als der sich für einen Menschen ausgebenden Fatima Atropos. Die bekanntlich ihrem Erschaffer Ballanche floh, weil sie es eben nicht Ok fand, dass er die Regeln in den drei Schicksalsschwester gebrochen, und sie keiner Gehirnwäsche unterzogen hat, so dass sie ihre Existenz nun hinterfragt und sich dem schlechten Stand der Fatimas bewusst ist. Bisher war uns ja klar, dass Famtimas darauf programmiert sind, ihre Meister nicht missachten zu können. Das kam nie ganz so schlimm rüber, da sie diese ja aus eigenen Stücken wählen, und schon scheinbar sehr autark agieren, ihnen sogar wiedersprechen, nur eben bei direkten Befehlen diesen auch nachgehen müssen. Und die Headdliner haben bisher fast alle ihre Fatimas gut behandelt.

Doch hier bekommen wir nun erklärt, dass den Fatimas neben jener Gehirnwäsche noch mehr Restriktionen auferlegt werden, beispielsweise um ihre Stärke zu zügeln, aber auch ihnen die Reproduktion unmöglich zu machen. Als künstliche Menschen gebrandmarkt, obwohl die Fatimas uns eigentlich überlegen sind, werden sie sozusagen kleingehalten, damit die Menschheit sich weiterhin als Krone der Schöpfung sieht, statt von ihnen auf den zweiten Rang herabgestuft zu werden. Fatimas werden abhängig gemacht. Und haben auch an sich gar keine Rechte. Wer zum Beispiel eine Meister-lose Fatima findet, darf sich an ihr vergehen, und bricht damit keinerlei Gesetze, weil sie Freiwild sind, solange sie nicht unter dem Schutz eines Menschen stehen.

Über Amaterasu finden wir dazwischen ebenfalls neue Dinge heraus, wobei die Handlung hier munter zwischen den 2700er und 2900er Jahren hin und her hechtet. Beispielsweise dessen erstes Treffen auf Doktor Ballanche und wie beeindruckt Amaterasu von dessen Fatima Queen war, Ballanches erste Kreation der keine Restriktionen auferlegt waren. Aber auch wie Ballanche das Treffen angetrieben hat, das Mysterium um Amaterasus Dasein entdecken zu wollen, ohne zu seiner Lebzeit je zu einem Ergebnis zu kommen – gegen Ende der Geschichte verabschiedet sich Amaterasu vom sterbenden Ballanche und damit einem weiteren Freund, den er überlebt hat.

Denn Amaterasu scheint kein Mensch zu sein. Er ist aus seiner Mutter heraus geboren, ohne Vater, ist unsterblich und hat Mächte, die im Joker Universum nie eingesetzt werden dürfen. Er trauert weiterhin seiner toten ersten Frau hinterher, liebt die aktuelle Gemahlin Lachesis eigentlich nicht wirklich, doch der Geist seiner Mutter will sie zusammen sehen. Letztendlich weiß Amaterasu selbst nicht, was er ist, warum oder wofür er existiert, und ist als Unsterblicher extrem einsam, da beständig er alle seine Bekannten überdauern wird.

Und dann springt die Handlung plötzlich in ein Paralleluniversum, den Taiki Ten Stars, wo eine Seherin eine Prophezeiung von Amaterasu selbst bekommt. Nur um dann, immer noch in den Taiki Ten Stars, 40.000 Jahre in die Zukunft zu springen, wo eine Rasse an Überlegenen Sapiens im All ganz nach der Prophezeiung einen goldenen Sarg findet, dem die Tochter von Amaterasu und Lachesis entsteigt. Auf das die Five Star Stories für immer weiterleben werden, selbst wenn das Universums des Joker Clusters bereits am Hitzetod eingegangen ist – als überlieferte Legende in einem neuen.

The Five Star Stories bleibt also eine komplexe Geschichte, die zusätzlich noch leicht kompliziert erzählt ist. Allerdings finde ich die Herangehensweise schon irgendwo interessant. Wie gesagt, die Handlung scheut sich nicht davor, die Chronologie extrem zu brechen, in dem sie in kürzester Zeit hundert oder tausende Jahre vor und zurück springt, einfach um einem bereits Einblicke darin zu bieten, was für Auswirkungen die momentanen Ereignisse haben. Zeit scheint hier sowieso nicht linear zu verlaufen, sondern auch rückwirkend Wellen schlagen zu können. Sobald sich an diese Eigenart gewöhnt wurde, ist dem gar nicht mehr so schwer zu folgen. Da habe ich weiterhin mehr Probleme mir die komplizierten Namen und Titel der vielen involvierten Charaktere, die aktuell dann teilweise noch gar nicht sonderlich wichtig sein müssen, zu merken und auseinanderzuhalten.

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