Academy Weekend – Toy Story 4

Es ist mal wieder Zeit die Oscars unter die Leute zu bringen. Also schau ich mal wieder was von den Gewinnern des letzten Jahres, die bisher an mir vorbeigegangen sind. Dieses Jahr allerdings nur einen Vertreter, da im Jahr unserer Pandemie zwar viel Freizeit herrscht, mir aber kein Sinn nach Produktivität in jener steht. Da ist das Ereignis etwas an mich herangeschlichen und am Ende hatte ich eh keinen Bock drei Filme zu schauen. Somit fallen Joker und JoJo Rabbit unter den Tisch, es bleibt nur der Animations-Oscar-Gewinner Toy Story 4 übrig.

Der vierte Film setzt zwar eigentlich kurz nach Toy Story 3 an, beginnt aber zunächst mit einem Flashback in noch frühere Zeit. Nämlich als Andys Schwester einige ihrer Spielzeuge abgegeben hat, derer sie entwachsen ist. Darunter auch Woodys Love Interest Bo, die Schäferin. Dann springen wir ans Ende von Toy Story 3, wenn Andy, nun bereit fürs College und ebenfalls lang über seine Kinderspielzeugtage hinaus, seine Spielsachen an das kleine Mädchen Bonnie weitergibt.

Und da setzen wir jetzt an, im Kinderzimmer von Bonnie, die viel mit ihnen spielt. Nur mit Woody nicht so. Aus Andys liebstem Spielzeug ist ein Ladenhüter geworden. Dennoch tut er sein Bestes, um sein neues Kind glücklich zu sehen. Sich beispielsweise mit ihr zum ersten Tag in den Kindergarten zu schleichen, damit sie dort nicht so alleine ist. Im Bastelunterricht stellt Bonnie allerdings aus einem Spork (das sind diese Gabel-Löffel-Mischdinger) mit Forky einen neuen Spielkammeraden her. Der ihr ein und alles wird, das aktuell wichtigste Spielzeug. Und da Forky nun ein Spielzeug ist, ist er nun auch lebendig, versteht aber noch nicht ganz, dass er nicht mehr Müll ist und will sich deswegen ständig entsorgen.

Woody macht es sich also zur Aufgabe ein Auge auf Forky zu haben, damit er Bonnie nicht abhandenkommen kann. Was sich besonders beim Familientripp im Wohnwagen als schwierig herausstellt. Und so landen die beiden über Komplikationen in einem Antikladen. Wo die Puppe Gabby alles fest in ihrem Griff hat. Und die nichts mehr will, als Woodys Sprachbox ebenfalls in den Griff zu bekommen, um ihre eigene kaputte zu reparieren. Ob vielleicht die mittlerweile zum verlorenen Spielzeug gewordene Bo, in die sie rennen, ihm aus der Patsche helfen kann?

Pixar hat es also mal wieder geschafft und den Oscar abgeräumt. Wie stark die Konkurrenz war, kann ich allerdings sowieso nicht beurteilen, weil mir die anderen nominierten Filme alle nichts sagen. Wird schon verdient sein, mittlerweile geht der ja nicht mehr automatisch ans Studio wie das früher noch der Fall war.

Mir hat der Film auf jeden Fall gefallen, ja definitiv, auch wenn die emotionale Resonanz nicht ganz so stark war wie beim fantastischen Toy Story 3. Das liegt allerdings glaube ich auch daran, dass die hier anders ausgeformt ist. Immerhin waren es erneut fast 10 Jahre seit dem letzten Film. Da spielt Toy Story 4 natürlich auch viel auf die Nostalgie derer an, die währen der ersten Filme Kinder waren und sich einfach freuen ihre liebsten Charaktere wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Da ich jemand bin, dem Toy Story nie so viel bedeutete, und dem die ersten beiden Filme eh etwas egal sind, zieht diese Komponente persönlich gesehen natürlich weniger. Es ist nicht so, dass es nicht unterhaltsam ist, den Figuren bei ihrem Schabernack zuzusehen, aber es ist bei mir eben nicht dieses Gefühl wieder mit vermissten alten Freunden abzuhängen.

Was mir aber gut gefallen hat, ist, dass der Film sich tatsächlich nicht nur darauf stützt mit Nostalgie zu punkten und sich sonst nicht sonderlich anstrengen würde. Der emotionale Kern der Franchise ware schon immer die Bindung von Spielzeug zu Kindern und was die füreinander bedeuten. Das kommt auch in Toy Story 4 wieder zum Tragen. Besonders in den Rollen von Woody und Gabby.

Denn Antagonistin Gabby ist kein Bösewicht, die halt fies ist. Sie ist eigentlich sogar sehr nett und empathisch anderen gegenüber. Aber sie hat halt auch einen Traum. Nämlich endlich selbst das geliebte Spielzeug zu sein, das wunderschöne Erinnerungen mit Kindern teilt. Das blieb ihr bisher versagt, da sie nie an ein solches verkauft wurde und somit seit 60 Jahren einsam geblieben ist. Sobald sie Woody offen ihr Leid klagt, zeigt der auch durchaus Verständnis für Gabby. Denn es ist auch der Film, in dem Woody lernen muss loslassen zu können. Die schönen Erinnerungen mit Andy zu genießen aber sich eingestehen zu können, dass die Zeit mit ihm rum ist und nicht wiederkommen wird, und das er nicht für Bonnie die gleiche Stellung einnehmen kann. Mit einem wirklich schönen und passenden Abschluss für ihn am Ende, der es fraglich macht, ob es jemals ein Toy Story 5 geben wird.

War also gut der Film. Zunächst nett unterhaltsam quirlig und bunt und rasant und dann gegen Ende kommen doch auch die besonnenen und nachdenklichen Momente. Gute Mischung.

Pixar Sunday – Toy Story 3

Pixar war nicht immer glücklich über die Klauseln, die da so alle in ihrem Vertrag mit Disney standen. Beispielsweise, dass die Franchises Disney gehören und somit ein Eigenleben entwickeln könnten, Toy Story 2 sollte zunächst ja ein Schnellschuss für den Direct-to-DVD Markt werden, Toy Story 3 ebenfalls ohne Pixars zutun zusammengeklöppelt werden. Oder das Sequels nicht zum Deal gehören, das dann doch von Pixar produzierte Toy Story 2 also nicht zu den fünf Filmen, die Pixar für Disney abliefern musste, gezählt wurde. Letztendlich verleibte sich die Maus dann sowieso die Bürolampe komplett ein, wodurch Pixars Bosse sich in der Position der Führung der ganzen Disney Animation wiederfanden. Und so konnte man Toy Story 3 doch wieder in die eigenen Hände legen.

Wir beginnen wie immer, in einer Fantasie, die Andy mit seinen Spielzeugen nachspielt, die rasanteste bisher in der Reihe. Und dann eine Kollage, Andy mit dem ganzen Spaß, den er mit seinen Spielsachen hat. Da riechen wir die Lunte dann schon, worauf das hinauslaufen wird. Andy wird erwachsen. Er geht bald aufs College, fast alle Spielsachen hat er weggegeben, nur wenige, die ihm besonders am Herzen lagen, denen er aber auch schon seit Jahren nicht mehr wirklich Beachtung schenkt, sind noch übrig und er muss sich dafür entscheiden, was er mit ihnen anstellen will. Irgendwo hängt das Herz an all den Erinnerungen an frühere Tage mit ihnen und Andy will sie auf dem Dachboden verstauen, was im üblichen Missverständnis endet, seine Mutter schenkt sie einer Kindertagesstätte.

Zuerst sind alle ganz davon begeistert, so viele Kinder, die den ganzen Tag mit einem potentiell spielen könnten. Bis sie dann ins Zimmer für die Jüngeren degradiert werden, die nicht „richtig“ mit ihnen zu spielen wissen, sondern nur Krawall und Chaos veranstalten. Andys Spielsachen wollen raus hier, doch ganz so einfach entkommt man der Tagesstätte und dem eisernen Regime des Kuschelbärens nicht.

Ich bin mit den Toy Stories ja nie so ganz warm geworden, fand sie lediglich ganz nett, vollziehe aber nicht so ganz nach, wo so manch anderer seine Begeisterung für sie herzgezogen bekommt. Doch Toy Story 3… man oh man, was ein Film, mit weitem Abstand der beste der Trilogie. So rasant, voller eher subtiler gehaltenem Humor, jede Menge Action, großer Bilder, großer Emotionen. Die bisher enormsten Gefahren, die knappsten Rettungen, die herzigsten Wiedervereinigung der Reihe warten hier auf einem. Wie sich das für das Ende einer Geschichte gehört, denn dieser Film ist definitiv ein Schlussstrich unter die Akte Toy Story. Da endet das dann auch mit einem richtig großen Wurf, man befürchtet sogar fast im höchstdramatischen Finale, dass es zu einigen Verlusten kommen könnte.

Denn obwohl Toy Story 3 bekannt um Kinder und ihr Platikspielzeug geht, ist es wohl der erwachsenste Film der Franchise. So düster, dramatisch und teilweise echt fies war bisher noch keiner. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Toy Story 3 Erwachsenen fast mehr bringt, als Kindern, zumindest außerhalb der großen, rasanten Action, gerade im enorm emotionalen, ruhigen Finale. Eben jenen, die ihre Kindheit bereits hinter sich gebracht haben, denn darum geht es hier. Sicher, die Toy Stories haben schon immer sehr mit jener Kindheitsnostalgie gespielt, dem Nachtrauern einfacherer Tage, aber so dicke eine Allegorie auf das Ende der Kindertage und dem Weiterziehen im Leben, wie hier, war davon bisher nix. Da schwingt einem als gestandener Mann viel mehr Sentimentalität mit, denn als sich dem gar nicht bewussten Jungen.

Pixar Sunday – Toy Story 2

Alles scheint toll zu sein im Leben der Spielzeuge von Andy: Woody und Buzz sind beide gleich in dessen Gunst, der Hund ist ihr bester Freund geworden und besonders für Woody steht eine aufregende Reise ins Cowboy-Camp bevor. Dummerweise reißt sein Arm beim Spielen ein, weswegen ihn Andy dann doch nicht mitnimmt. Und dann die große Panik: Ein Garagenverkauf. Die Spielzeuge sind aufgeregt, wer weiß schon, wen es treffen könnte? Woody natürlich eigentlich nicht, so als Liebling, den man einfach reparieren kann.

Doch er landet aus Versehen eben doch in einer solchen Box und ein Spielzeug-Sammler nimmt ihn mit. Der hat das ganze Set des Woody-Merchandises damit komplett. Der ist selbst überrascht, was er dank einer TV-Show doch mal für ein großer Star war. Sogar Freunde, wie ein Pferd oder das Cowgirl Jesse gibt es. Die ist sowieso ganz begeistert, dass Woody angekommen ist, bedeutet es doch, dass sie nie wieder im dunklen Lager dahinsiechen muss, sondern die ganze Kollektion an ein Spielzeugmuseum in Japan geht. Das ist natürlich wieder nicht so toll, immerhin gehört Woody zu Andy und will dorthin auch wieder zurück.

Pixar sind nun also in ihrem Groove, zwischen Toy Story und A Bug’S Life lagen 3 Jahre, ab jetzt werden die fast jährlich rauskommen, ein Sequel zum Überraschungshit gleich als dritter Film. Daran hätten sie sich sogar beinahe überarbeitet, um Disneys Deadline nach einer komplizierten Produktion noch zu schaffen. Abgesehen davon, dass Pixar sowieso immer Unstimmigkeiten mit Disney hatte, da die in ihrem 5-Filme-Deal keine Sequels vorgesehen hatten und deswegen Toy Story 2 nicht darin anrechneten.

Dem Film an sich merkt man davon nichts an, mir hat er erneut ganz gut gefallen. Wie schon die beiden Vorgänger ist er recht charmant und niedlich, witzig und süß, ein nettes Filmchen, vor den man seine Kinder setzen und es sich ganz gut selbst daneben gemütlich machen kann. Immer noch für mich kein ganz großes Kino, aber ein runder netter Film, der gut unterhält. Er gefiel mir dabei übrigens etwas besser als das Original, weil ich ihn insgesamt rasanter fand und mehr passierte, der erste Toy Story war mir zwischendrin teilweise etwas Inhaltslos. Hier passiert aber eigentlich immer irgendwas.

Recht nett ist übrigens die Idee der Reihe, sich Spielzeug-spezifisiche Probleme auszudenken, die als Konflikt dienen. Es ist schon irgendwie niedlich, wie panisch die Teile werden, wenn der fiese Junge von nebenan zu hart mit ihnen spielt, der Hund sie beinahe zerkaut oder eben ein TV-Spot für anderes Spielzeug, das sie ersetzen könnte läuft, ein Feiertag mit derselben Problematik bevorsteht oder eben ein Garagenverkauf bedeutet, dass alte Teile ausgemustert werden. Die Szene mit Jesse, in der sie erzählt, dass das Kind, dem sie gehören, das ein und alles, der Mittelpunkt des persönlichen Universums eines Spielzeugs ist, und wie es ihnen das Herz bricht, wenn jenes Kinds dann aufwächst und zu alt für Kinderspielsachen wird, sie zurückbleiben und irgendwann weggeworfen werden, ist echt anrührend beispielsweise.

Pixar Sunday – Toy Story

Nach den Disney Meisterwerken und den Ghibli Collections nun also zu Pixar, das Animationsstudio, welches Filme für Disney macht und Fan von Studio Ghibli ist. Auch hier geht es natürlich nur um die Feature Length Kinofilme, die 1995 mit Toy Story für Disney gestartet sind, und mittlerweile auch schon ein Dutzend zählen. Nicht zuletzt hat Pixar definitiv auch dabei geholfen, Disney nicht ganz von der Animationsbildfläche verschwinden zu lassen, als deren Filme nämlich langsam unbeliebter wurden, stiegen die von Pixar umso mehr in der Gunst der Zuschauer. Nicht zuletzt ist Pixar schon fast synonym für Disney-CGI geworden, verwechseln doch viele andere Filme wie Tangled oder das kommende Wreck-It Ralph für Pixars.

Es ist ein großer Tag in Andys Spielzeugkiste, denn der Junge hat Geburtstag. Das bedeutet Geschenke und die wiederum bedeuten neues Spielzeug, das altes ersetzt. Alle sind also in großer Panik, nur Cowboy Woody nicht, ist er doch schon seit Ewigkeiten das Lieblingsspielzeug Andys, das sogar mit ins Bett genommen wird. Und dann passiert es, Andy bekommt eine Buzz Lightyear Action Figure geschenkt, die spricht, und blinkt und alle möglichen Gimmicks hat. Plötzlich ist ausgerechnet Favorit Woody ausgemustert, nicht nur bei Andy, sondern auch die anderen Spielzeuge finden den neuen ziemlich toll. Also wird Woody eifersüchtig und will Buzz eins auswischen, was aber übers Ziel hinausschießt und darin endet, dass sowohl Woody wie Buzz einen Weg zurück nach Hause ins Spielzimmer finden müssen, und das rechtzeitig, bevor die Familie wie geplant umzieht.

So, Toy Story also, der erste große Kinofilm von Pixar, der einen wesentlich größeren Erfolg einspielte, als beide Seiten das zunächst geglaubt hätten. Und er ist… nett. Ich weiß nicht, so ganz dafür begeistern kann ich mich nicht. Es ist ein netter kleiner Film, ganz niedlich, ganz charmant, hier und da auch ganz witzig. Aber etwas einfach und Substanzlos finde ich, was sicherlich gewollt ist, geht ja „nur“ um Spielzeug. Aber so richtige Begeisterungsstürme wollten bei mir beim Schauen nicht aufkommen. Trotz alles Spielzeugnostalgie, auf die hier angepeilt wird. Es ist ein netter Start ins Pixar-Kanon, aber eben – das Wort ist im Absatz ja genug gefallen – für mich nur nett.

Ich kann mir da auch den Gedanken nicht ganz erwehren, dass Toy Story auch ein Stück weit einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, um so ein Massenerfolg zu werden. Ich, als jemand an dem die Pixars bisher mit einer Ausnahme komplett vorbeigegangen sind, komm da über 15 Jahre später eben nicht mehr ganz so dahinter. Ein Teil davon ist natürlich das große „Wow! CGI!“ immerhin ist Toy Story der erste komplett Computeranimierte Abendfüller gewesen. Heutzutage ist das in der westlichen Animation hingegen die Regel statt das Novum und natürlich sieht Toy Story mittlerweile auch nicht mehr so toll aus, wie 1995, gerade wenn es vom Plastikspielzeug weg geht und die organische, reale Welt drumherum… ebenso Plaste aussieht.