Ghibli Sunday – Totoro

Während Isao Takahata damit beschäftigt war, seine Glühwürmchen zu produzieren, arbeitete zeitgleich Hayao Miyazaki mit einem anderen Team an Mein Nachbar Totoro. Gleichzeitig produziert, kamen sie dann auch als Double Feature in die japanischen Kinos – na wenn das nicht mal ein Kontrastprogramm war. Und in Windeseile schaffte Totoro es, zum beliebtesten Ghibli und eine der beliebtesten Kinderfiguren überhaupt in Japan zu avancieren, immerhin schmückt er nicht umsonst deren Logo.

Satsuki (10 Jahre) und ihre kleine Schwester Mei (4) ziehen mit dem Vater aufs Land. Im charmant nostalgischen aber auch etwas brüchigen neuen Haus gehen die beiden erst Mal auf Erkundungstour und entdecken direkt einen Schwarm fusseliger Staubwesen, die sich im unbewohnten Anwesen eingenistet hatten und nun, da es wieder bewohnt ist, das Weite suchen.

Jedoch ist das bei Weitem nicht die größte Entdeckung, die auf die Kinder wartet, denn beim gigantischen Schutzbaum in der Nähe wartet Waldgott Totoro darauf, die Bekanntschaft der beiden Kinder zu machen, mit ihnen an der Bushaltestelle auf den Feierabend zu Vaters zu warten, mit einem nächtlichen Tanz neue Bäume zum Wachsen zu bringen oder mit dem Katzenbus die Mutter im Krankenhaus besuchen zu fahren.

Was für einen herzigen kleinen Film uns Miyazaki hier doch auftischt. Sicher, ein Totoro ist kein großes Drama wie die Glühwürmchen, kein großes Epos wie Mononoke, kein großes Abenteuer wie Laputa oder Chihiro. Nein, Mein Nachbar Totoro ist ganz damit zufrieden einfach nur die normale Welt (wenn auch eine nostalgische im Landleben der 50er) mit den fantastischen Augen von Kindern zu entdecken. Und das reicht ja auch. Da gibt es dann auch so gesehen keinen wirklichen Konflikt, zumindest fast nicht, erst gegen Ende darf er sich durch das Verschieben des Besuchs der Mutter, Streit zwischen den Schwestern und das Verirren der kleinen Mei doch etwas fürs Finale hochschaukeln. Bis dahin entdecken wir die Welt, die in den Augen und Tagträumen von Kindern noch so wunderbar magisch und verwunschen ist. Wo hinter jedem Ast und in jeder Hecke ein kleines Abenteuer und eine neue Entdeckung auf einen wartet.

Dementsprechend hält sich auch Miyazakis übliche Botschaft etwas im Hintergrund. Ja das idyllische Landleben soll uns etwas seine übliche Umweltbotschaft nahe bringen, soll uns an bessere Zeiten (TM) erinnern, als das Leben noch nicht so hektisch, nicht versmogt war, als soziale Gemeinschaften noch füreinander da waren. Es soll uns lehren unsere etwas kindische Art die Welt zu sehen nicht ganz abzulegen, sie nicht ganz zu entmystifizieren. Aber das ist alles nebensächlich, die Hauptsache eines Totoros ist einfach nur einen entspannten und magischen Kinder-/Familienfilm zu liefern, in den man 80 Minuten abtauchen und mit dem man eine rührende und herzliche Zeit verbringen kann. Was ihn definitiv zu einem der charmantesten Ghiblis macht.