Three Mummies, four Movies

Die Mumie ist eine von Universals Horror-Ikonen, die in den 30ern bis 50ern regelmäßig einen Auftritt bekam. In den 90ern wollte die Firma ihre Franchise wieder auferstehen lassen, zunächst als Horrorfilm, wodurch mehrere bekannte Horror-Regisseure im Gespräch waren. Letztendlich gab es das grüne Licht für Stephen Sommers und seiner Idee, es mehr als klassischen Abenteuerfilm im Stile von Indiana Jones aufzuziehen.

Die Filme waren ein Teil meiner Jugend. Die ersten beiden zumindest hatte ich gesehen und auch auf VHS zu Hause stehen. Mit Dingen wie Stargate und Independence Day waren die immer mal wieder ein Schauen wert über die ersten paar Jahre hinweg. Witzig und unterhaltsam waren sie ja, und ich hatte mich schon als Kind für Ägypten interessiert, also war auch das Setting gefällig. Ich habe so etwas das Gefühl gehabt, dass der Stern der Mumie allerdings nur kurzlebig brannte und schnell keiner mehr drüber geredet hat. Es nicht zu einer Riesenfranchise wie das kurz darauf den Piratenfilm wiederbelebende Fluch der Karibik wurde. Auf Wikipedia recherchiert scheinen alle drei Filme allerdings recht gleichbleibend hohe Budgets und Einnahmen gehabt zu haben. Und auch viele Leute blieben ihnen treu. Von den Hauptrollen wie hinter den Kulissen.

Ich habe mich also mal drangesetzt, sie mir alle ansehen zu wollen. The Mummy von 1999 hat mir dabei immer noch gut gefallen. Die Schauspielerei ist gut. Das CG hat etwas gelitten aber die Schauplätze sind theoretisch immer noch gefällig. Es ist ein spannendes Abenteuer mit viel Action, welches aber auch nicht auslaugt. Weil es halt gut mit Story, sympathischen Charakteren, und charmanten Dialogen bestückt ist. Immerhin ist der Film 2 Stunden lang, das ist schon viel für den Stoff. Obligatorisch hinzugefügte tragische Hintergrundgeschichte über die Mumie hin oder her.

Das einzige was mir dennoch etwas auffiel ist, dass es optisch keine großen Sprünge macht. Also das Budget ist schon da, klar. Und alles ist auch kompetent gefilmt. Aber eben nicht darüber hinaus. Es gibt keine besonders cineastisch herausragenden und besonders interessanten Perspektiven oder Szenenkompositionen. Man hat schon viel auf den damals tatsächlich bestehenden Wow-Effekt des mittlerweile veralteten CGs gebaut. Auf welches gern direkt mit der Kamera draufgehalten wird.

The Mummy Returns zwei Jahre später war mehr vom Gleichen, und dies hatte mir damals als Teenager auch absolut gereicht. Mittlerweile nicht mehr. Klar, die Hauptdarsteller konnten alle für ihre wiederkehrenden Rollen zurückgeholte werden. Der Regisseur und die beiden Producer sind die selben. Aber irgendwie wirkt die ganze Veranstaltung hier etwas ermüdet auf mich. Dabei wird nicht viel falsch oder falscher gemacht als im Vorgänger. Filmisch sieht es gleich aus, CG gibt es sogar noch mehr ist aber auf ähnlichem Niveau, die Schauspieler spielen immer noch akzeptabel.

Ich glaube mir ist das auf die nun sogar über 2 Stunden einfach zu viel Action ohne viel Anderes. Die Additionen an die Geschichte finde ich eh ziemlich dämlich, wenn unsere beiden Hauptakteure jetzt Widergeburten aus der damaligen Zeit sind. Ich nehme mal an die Franchise war bei Kindern recht beliebt, also haben die jetzt eine nervige Kröte mit dabei, der auch in der animierten Serie auftreten darf. Und vor lauter Action vergisst man die Charaktere einfach etwas. Schön das die alle wieder da sind, aber das Zusammenspiel und die spaßigen Momente wollen einfach nicht so klappen. Stattdessen ist es viel visuelles Haudrauf und das funktioniert auf die Länge und basische Cinematographie nicht so gut.

Tomb of the Dragon Emperor lies dann sieben Jahre auf sich warten. Ich kannte in dadurch vorher gar nicht. Rob Cohen wurde diesmal Regisseur. Aber die beiden Producer sind gleich, das Budget ist noch mal gestiegen, und zwei der drei wiederkehrenden Figuren sind die gleichen Schauspieler. Rachel Weisz, die wirklich super als die süß-trottelige aber auch Abenteuerlustige Evelyn war, hat die Rolle allerdings abgelehnt. Damit hat die Franchise für mich die beste Darstellerin verloren gehabt.

Aber auch so gibt mir der Film noch weniger als der Vorgänger. Als ich mehr Charakterinterkationen in The Mummy Returns wollte, meinte ich nicht, dass ich herausfinden wollte, dass Evelyn und Rick vernachlässigende Eltern waren und ihr nun erwachsener Sohn deswegen nicht ganz so gut auf sie zu sprechen ist. Ich brauchte zwischen ihm und seinem Vater keinen Schwanzvergleich, wer der größere Abenteurer ist. Weisz ist nicht zurückgekehrt, weil sie das Script nicht mochte, und mich würde es nicht wundern, dass daran die unsympathischen Familienverhältnisse schuld waren.

Das Problem an der Franchise scheint tatsächlich zu sein, dass sie nie besonders große und herausragende Sprünge gemacht hat. Sie war außerhalb des CGs optisch kein Reißer. Weder waren es die Handlung, Charaktere oder das Schauspiel. Nichts davon war schlecht, aber eben zum Großteil schlicht passabel. Im ersten Film stört das nicht so viel, weil da noch alles frisch und leichtfüßig erscheint und die Charaktere sympathischer sind. Das hat sich aber unglaublich schnell abgenutzt. Ich bin echt überrascht wie schnell die Filme müde erschienen.

Die nicht herausragende sonder schlicht kompetente cinematische Komponente kommt bei Tomb of the Dragon Emperor übrigens am Deutlichsten hervor. Denn wenn die chinesischen Figuren kämpfen, gibt es immer mal wieder kleine Einschläge des Wuxai-Kinos. Jedoch ohne wirklich diese fließenden Bewegungen und Drahtseilakte, ohne die interessanten Kameraeinstellungen, und vor allem ohne jegliche Farbe. Es ist erstaunlich wie Braun alle drei Filme sind.

Aber eine Mumie habe ich noch. Vielleicht wurde die ursprüngliche Triloge, obwohl sie weiterhin Geld einspielte, auch deswegen eingestellt, weil sich Universal auf ihr Dark Universe einstellten. Immerhin hatte man schon zwischen den 30ern und 50ern ihre crossovernden Monster gehabt. Jeder hat mittlerweile ein Cinematic Universe, warum dieses also nicht zurückbringen? Nachdem sowohl Dracula wie auch The Mummy keinen Erfolg brachten, stampften sie es allerdings auch schon wieder ein.

Der Film hat zugegeben mit der Trilogie nichts am Hut. Diesmal gibt es eine weibliche Mumie, die zusammen mit ihrem Lover ausgeschaltet wurde. Und in Tom Cruise jenen wiederfinden will, nachdem er sie versehentlich auferweckt hat. Eine Organisation, welche die Monster unter Siegel halten will, und die von Jeckyl Hyde geführt wird, mischt auch mit. Der Film hat also eine Menge zu tun. Die individuelle Geschichte der neuen Mumie erzählen, die für das Universe übergeordnet wichtigen Figuren einführen, die Organisation bereitsstellen. Tingelt auch irgendwo mehr zwischen Abenteuer-Film in der ersten und Horror-Action in der zweiten Hälfte hin und her.

Außerdem ist es quasi ein Zombiefilm. Ich meine, theoretisch sind Mumien das ja irgendwo auch. Die hiesige darf halt auch jede Menge Untergebene als Kanonenfutter beschwören. Im Sinne von widererweckten Leichnahmen. In 2017 noch Zombies bieten zu wollen, na ich weiß ja nicht.

Allgemein hat der Film wenig zu bieten. Also er sieht passabel aus und die Action stimmt schon auch noch. Diesmal gibt es sogar die ein oder andere hübsche Kameraeinstellung. Aber es ist halt schon ein wenig wirr von der Handlung her. Nicht in dem Sinne gemeint, dass unklar wäre, was warum geschieht. So richtig zusammenpassen will stattdessen alles nicht. Auch hapert es an den Charakteren, die durch die Bank wenig sympathisch sind. Tom Cruise soll wohl ein ähnlicher loveable Rogue wie Brendan Fraser im 1999er-Film sein, kommt aber ehrlich gesagt wesentlich arschiger rüber. Abgesehen davon, dass er etwas alt ist, um von zwei so jungen Frauen umgarnt zu werden. Die Blondine redet eh nur, als wäre ihre Nase konstant verstopft, was ihrem Schauspiel nicht zuträglich ist. Nicht, dass so oder so Chemie zwischen den beiden wäre.

Kubrick Wednesday – Eyes Wide Shut

Dr. Bill führt ein nettes Oberschichten-Leben. Hübsches Apartment in New York, noch hübschere Amazonen-Frau, ein verwöhntes Kind und Einladungen zu Partys der High Society, denen er medizinischen Rat gibt. Das Leben könnte kaum besser sein. Bis seine Frau, nachdem beide etwas Gras geraucht haben, aus heiterem Himmel den üblichen „Wenn du eifersüchtig bist, engst du mich ein, wenn du es nicht bist, bin ich dir nichts wert“ Streit vom Zaun bricht, dabei wollte Dr. Bill doch gerade nur ein wenig vögeln. Frauen in Beziehungen halt.

Zu behaupten, dass es nicht enorme Selbstsicherheit ist, sondern er weiß, in sie vertrauen zu können – wahrscheinlich die beste Antwort, die man auf die Fangfrage geben kann, aber wie dem nun mal so bei Streits mit der Ehefrau ist, ist keine Antwort die richtige Antwort – führt nur dazu, dass sie ihm davon erzählt, dass sie vor einem Jahr beinahe ihn und ihre Tochter hätte sitzen lassen, um einem Kerl zu folgen, den sie nicht mal kannte.

Das ganze regt Dr. Bill so auf, dass er ziellos durch die New Yorker Nacht zieht. Eine Nutte gabelt ihn auf, ist super freundlich zu ihm und küsst sogar auf den Mund, wie man das von New Yorker Huren so gewohnt ist, letztendlich zieht er aber doch weiter, statt mit ihr zu schlafen. Von einem Freund bekommt er den Tipp einer geheimen Sexparty in einem abgelegenen Anwesen. Bill holt sich also die dazugehörige Robe und Maske und fährt dorthin, wo die High Society in venezianischen Masken Orgien feiert und das für den besonderen Kick auch in düstere Rituale fast. Bill fliegt natürlich fast sofort auf und wird von der Gesellschaft gestellt, muss bestraft werden. Er soll sich komplett ausziehen…

Wer denkt, jetzt kommt der beste Teil des Filmes, leider nicht, es gibt keinen nackten Tom Cruise Rape, eines der Weiber nimmt die Strafe für ihn auf sich und er wird rausgeschmissen.

Das ist er also nun, der Film, der Stanley Kubrick umgebracht hat. Gut zehn Jahre seit dem Release von Full Metal Jacket hat es gedauert, bis sich Kubrick an einen weiteren Film machte, vom Studio alle Freiheiten gelassen, der Traum eines jeden Regisseurs. Und vielleicht nicht die klügste Entscheidung, wenn man Kubricks enormen Perfektionismus betrachtet, so landete Eyes Wide Shut auch im Guinness Buch der Weltrekorde als „Longest Constant Movie Shoot“ mit über 400 Tagen. Cruise-Kidman für solch eine lange Zeit von anderen Projekten abzuhalten, hat schon ziemlich Eier. Kurz bevor er 1999 seine Kinopremiere feierte, aber angeblich nachdem der Final Cut erledigt war, verstarb Kubrick.

Eigentlich ist es ja der ideale Film für Kubrick. Die Dekadenz der Reichen, Sexualität, moralischer Taumel, schöne Szenerie, klassische Musik, Überlänge. Leider ist er meines Erachtens nach auch einer seiner schwächsten Filme. Die Länge von 2 1/2 Stunden ist mal wieder absolut nicht gerechtfertigt, bei einem Film, der so wenig Content hat. Die ersten 1 1/2, bis er aus der Orgienburg geschmissen wird, sind eigentlich ganz OK, die restliche Stunde ist aber nur ziellose Dahintreiben ohne großen Spannungsbogen.

Schön anzusehen ist er natürlich, der Film. Dass er nicht inszenieren könnte, kann man Kubrick ja nun Mal nicht vorwerfen. Natürlich vorrangig das rituelle Treiben in den venezianischen Masken. Und damit meine ich gar nicht mal so sehr „das Treiben“, denn obwohl uns Eyes Wide Shut – nicht nur hier – ordentlich in nackten Tatsachen ertränkt, kann man wenig bis gar nix davon wirklich als sonderlich sexy bezeichnen.

Was die schauspielerische Leistung unserer zentralen Charaktere, dem Ehepaar Kidman-Cruise angeht, gibt wie zu erwarten die Hälfte, die schauspielern kann alles, während Cruise, der dafür bekannt ist, nicht unbedingt der beste Schauspieler auf Gottes weiter Erde zu sein, dass Glück hat einen ziemlich introvertierten und von der Situation überforderten All American Guy zu spielen, was er ja dann noch geradeso hinbekommt. Die Szene, wo er weinen muss, mal ausgenommen.

Gegen Ende wird der Film auch ziemlich mau, fand ich. Irgendwo fehlt da jeglicher Konflikt, irgendeine wirkliche Gefahr. Nachdem es eine Weile so aussah, als hätte das Auftauchen bei der Orgie Bill richtig in Schwierigkeiten gebracht, bekommt er mit, dass dies alles nur falsche Einschüchterungsversuche waren, um ihn zum Schweigen zu bringen und eigentlich keine Gefahr bestand. Und Gefahr für die Ehe der beiden? Nö, nachdem Bill seiner Frau alles, was in der Nacht passiert ist, erzählt, ist sie zwar erst total aufgelöst, meint aber am nächsten Tag in etwa „jetzt sind wir quitt und durch die Zerreißprobe ist unsere Ehe stärker geworden“. Und warum sollten sie auch nicht quitt sein? Beide haben mit dem Gedanken der Untreue gespielt, beide es aber letztendlich nicht durchgezogen. Irgendwie ist das Ende einfach schrecklich antiklimatisch und das, wo die finale Stunde eh so ein schwaches Dahindümpeln war.