Unloved: The Forgotten Girls of the First Tokimeki Memorial

Valentinstag, die perfekte Ausrede mal wieder über romantische Spiele schreiben zu können. Tokimeki Memorial war ein besonderes Spiel als es 1994 herauskam. Technisch gesehen nicht das erste Dating Sim, hier wird häufig stattdessen das 1992er Doukyuusei von Elf benannt, ist es doch das Spiel, welches das Genre definiert hat. Im Westen macht man sich häufig gar keine Vorstellung davon, wie viele Spiele des Genres oder mit dem Genre hineingemixt besonders in den mittleren bis späten 90ern in Japan erschienen sind. Das war ein heißes Verkaufspflaster. Der starke Bezug vornehmlich auf individuelle Charaktere und die Interaktion mit ihnen hat nicht zuletzt ebenfalls dazu beigetragen, dies in anderen Spielen stark auszubauen.

Ein so erfolgreiches Spiel blieb natürlich nicht auf dem PC Engine stecken, sondern sollte die drei darauffolgenden Jahre auf PlayStation, Saturn und PC portiert, sowie leicht rundergeschraubt aufs SNES gehievt werden. Alle mit mehr oder minder dem gleichen Inhalt. Selbst weitere Mädchen, die man gewinnen kann, wurden nicht eingefügt. Den großen Unterschied macht hier dann das 1999 erschienene Tokimeki Memorial Pocket. Es waren fünf Jahre seit dem Erstrelease vergangen, eine Lawine ans Spinoffs und Merchandising war auf Japan herabgegangen, später das Jahr sollte endlich Tokimeki Memorial 2 erscheinen. Es ist davon auszugehen, dass die Öffentlichkeit und auch Konami den Erstling mittlerweile etwas leid war.

Natürlich ist die GameBoy-Version objektiv betrachtet audiovisuell das schlechteste Release von TokiMemo, welches man sich reinziehen kann. Dennoch werde ich nie nicht davon begeistert sein, was für eine Leistung hier vollbraucht wurde, um das komplette Spiel ohne Content-Abstriche einzufügen. Alle Events sind da. Selbst etwas Voice Acting gibt es. Das passte dann aber doch nicht auf ein GBC-Modul, weswegen Konami das Spiel auf zwei Editionen, Sport und Kultur, gesplittet in die Regale brachte.

Gesplittet sind hier hauptsächlich die Romantik-Kandidatinnen. Franchise-Aushängeschild Shiori und die beiden Geheimcharaktere sind natürlich in beiden. Exklusiv in Kultur sind hingegen Ayako, Yumi, Mio, Yuko, Mira und Yuina, während Sport Saki, Megumi, Yukari, und Nozomi aufwartet. Um wahrscheinlich dann doch ein Kaufargument so spät zur TokiMemo-Party zu haben, kann sich Pocket allerdings damit rühmen, als einziges Release Mädels hinzuzufügen, somit die einzige Version mit Exklusiv-Charakteren zu sein. Während die anderen Girls mehr als genug Zeit hatten, populärkulturelle Titanen im Multimediauniversum des ersten Tokimeki Memorials zu werden, sind diese drei diejenigen, die auf Grund ihrer späten Inklusion im Schatten des Nachfolgers kaum beachtet werden.

Starten wir doch mit der relativ jung aussehenden Kyoko, die der einzig neue Charakter in der Culture-Version von Tokimeki Memorial Pocket ist. Sie kann mit etwas physischem Training schnell angetroffen werden und es ist allgemein eine gute Idee, die Sportlichkeit und den Mut des Charakters für sie zu trainieren. Was eh beides über das gleiche Kommando funktioniert. Dadurch muss man netterweise auch nicht viele andere Mädels jonglieren, da natürlich alle am Sport-Statuswert hängenden in der anderen Edition des Spieles untergebracht sind.

Kyoko ist ein sehr geradliniger Charakter, der Ehrlichkeit mag und ein starkes Gerechtigkeitsgefühl hat. Das führt sogar zu einem richtigen kleinen Subplot mit Yuina. Da die verrückte Wissenschaftlerin die Weltherrschaft anstrebt, versucht Kyoko natürlich, dies zu verhindern. Das kulminiert nach einigen Auseinandersetzungen der beiden Mädels sogar in einen Kampf gegen einen Roboter von Yuina.

Interessant ist auch, dass Kyoko unter einem unglücklichen Stern geboren wurde, deswegen viel schiefgeht. In besagtem Kampf beispielsweise fällt sie vornüber um und hilft Null. Außerdem zieht sie beim Schreinbesuch zu Jahresbeginn immer eine schlechte Zukunfstsvoraussage. Dennoch ist sie immer optimistisch und gut drauf, und das ist definitiv ein Bonuspunkt für sie, auch wenn mir ihr Design persönlich etwas zu kindisch ist, was sich auch auf ihren Kleidungsstil auswirkt. Sie ist mehr so der Kleine-Schwester-Charakter denn das ideale Date.

Die Sports-Edition von Tokimeki Memorial Pocket hingegen hat gleich zwei neue Charaktere, um die Reihen zu füllen. Naomi ist dahingehend besonders, als das sie nicht auf die gleiche Schule geht. Da sie in einer Band ist, kommt sie nur hin und wieder bei Auftritten vorbei und ihr erstes Auftauchen wird durch den Kunst-Wert hervorgerunfen. Wer ganz schnell ist kann sogar noch ihren ersten Geburtstag mitnehmen, der drei Wochen nach Spielstart bereits ansteht.

Ich hatte ja echt Probleme damit, Naomi zu gewinnen. Da sie an eine andere Schule geht, bekommt sie beispielsweise all die kleinen Boosts nicht, wenn man gut in Tests oder bei den Schulfesten ist, weil sie davon ja nichts erfährt. Auch fragt sie selbstverständlich nicht, ob man gemeinsam nach Hause gehen will. Es liegt also alles daran, mit ihr möglichst erfolgreiche Dates zu bestreiten. Ihr Design mag dabei wie die typische ruhige Künstlerin wirken, und tatsächlich mag sie Ausstellungen beispielsweise gern besuchen. Aber man wollte ihr wohl etwas mehr Tiefe geben, als zu eindimensionale Klischees zu erfüllen. Von daher hat Naomi eine erstaunlich aktive Seite und geht auch gern zu Sportveranstaltungen, bei denen sie die Teams wild anfeuert.

Allgemein fand ich sie aber sehr schwer zu lesen. Ich war mir nie sicher, ob sie die Dates jetzt mochte, oder was ihr potentiell an ihnen missfallen hätte können. Es ist echt hart durch das Poker Face eines gebildeten Mädels schauen zu wollen. Ganz ehrlich gesagt habe ich sogar zwei komplette 3-Jahre-Durchläufe des Spieles, bei denen ich mich komplett auf sie versteifte, in den Sand gesetzt, weil ich ihre Zuneigung nicht aufs Maximum bekam. Erst der dritte Versuch sollte Erfolg bescheinen, nachdem ich Dates gespammt habe, so oft es ging. Macht Naomi zu dem Mädel in TokiMemo, welches für mich am schwersten zu bekommen war.

Der zweite Charakter exklusiv in Tokimeki Memorial Pocket Sports ist Patricia. Die Blondine wird automatisch eingeführt, wenn sie zu Beginn des zweiten Jahres aus dem Ausland kommend in die gleiche Klasse transferiert. Und sie ist tatsächlich eine Vollblut-Ausländerin, keine Halb-Japanische Abstammung, nichts mit wenige Jahre im Ausland aber mittlerweile voll integriert oder so. Tatsächlich ist das ein großer Punkt in ihrer Charakter-Arc. Sie kann einfach kein gutes Japanisch, weswegen ihre Kommunikationsschwierigkeiten dem Schließen von Freundschaften im Wege steht.

Deswegen braucht man gute Werte in Intelligenz und Networking, um mit ihr interagieren zu können. Und selbst dann bringen die ersten Dates mit ihr nichts, weil es zu Missverständnissen kommt. Erst nach einigen Treffen wird ihr Japanisch durch das gemeinsame Abhängen besser und besser, so dass man mehr mit ihr anfangen kann. Finde ich eine sehr schöne Idee, diese Probleme nicht einfach nur dem Spieler in Text zu sagen, sondern direkt im Gameplay zu verankern.

Interessanterweise ist sie auf der Liste der Testresultate ebenfalls immer recht weit oben, sie ist also schon sehr intelligent, die Sprachbarriere stand ihr nur zunächst im Weg. Allgemein ist sie nicht schwer zufriedenzustellen, wahrscheinlich auch, weil man ein Jahr weniger hat, um sie zu bearbeiten. Events mit ihr beinhalten beispielsweise, dass sie ihr Heimatland vermisst, oder einem ihre Familie vorstellt. Mit allen Klischees, die Japaner da so reinschreiben. Besonderen Bonuspunkt gibt es für mich natürlich, weil Patricia im Kimono zum Neujahres-Schreingang kommt (Naomi übrigens auch), zumindest, wenn man ihr das Jahr davor einen zum Geburtstag geschenkt hat.

GameBoy Obscurities: TokiMemo Pocket

ava-2017Tokimeki Memorial, der Großvater der japanischen Dating Sims, erschien 1994 auf dem für Shmups und seichte Anime-Games bekannten PC Engine – die perfekte Plattform für ein Spiel, bei dem man zu zwei Dritteln repetitiv seine Statuswerte erhöht, und zu einem Drittel süße Anime Babes anschaut und auf Dates geht. Zumal das CD-Medium dazu führt, dass die Pappaufsteller der Mädels leicht animiert und mit Sprachausgabe versehen werden konnten.

Das Spiel war ein sofortiger Hit, und wurde in den folgenden Jahren, bis 1999 der epische 5CDs einnehmende Nachfolger Tokimeki Memorial 2 erschien, auf so ziemlich alles geportet, was auch nur ein wenig Sinn macht: Natürlich die ebenfalls CD basierten Medien PC, PlayStation und Sega Saturn, aber auch runtergeportet auf das eigentlich schwächliche aber eben weit verbreitete SNES. Jedoch so richtig kurios war die Entscheidung des letzten Ablegers in jenem frühen TokiMemo-Rundumschlag: Der GameBoy Color.

Dass eines der dutzenden an Spinoffs für den schmächtigen Handheld erschienen wäre, hätte niemanden überrascht, vielleicht eine Sammlung an Minispielen mit den TokiMemo-Mädels injiziert. Aber doch das komplette komplexe Dating Sim, bei dem viel vom Charme eben durch Sprachausgabe und teilanimierte Charakterportraits kommt, auf einen 8bit-Handheld zu bringen… das ist eine merkwürdige Entscheidung. Aber Konami haben ihr Bestes gegeben, so viel muss man schon sagen. Die Grafiken sind für GBC-Verhältnisse recht detailliert, die Charakterportraits bewegen weiterhin Mund und Blinzeln, und Tokimeki Memorial Pocket holt alles aus dem metallischen Soundchip heraus: Das Opening hat einen überraschend guten instrumental Remix das Main Themes zu bieten, und die von wenig anderen Spielen genutzte Möglichkeit kratzige Sprachausgabe unterzubringen, damit die Mädels zumindest hier und dort mal eine Phrase von sich geben, ist auch mit von der Partie.

All das frisst natürlich viel Platz auf dem kleinen Handheld-Modul, und so ist Tokimeki Memorial Pocket den Pokemon-Weg gegangen, und wurde in zwei Versionen unterteilt: Sport und Kultur. Die beiden teilen sich die über 10 Mädchen untereinander auf, wobei natürlich das Main Idol und Poster Child Shiori Fujisaki in beiden untergebracht wurde, damit Spieler der „falschen“ Version nicht das Konami-Hauptquartier abfackeln kommen.

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Shiori ist dann auch diejenige, mit deren Kopf als Trophäe ich aus dem Spiel gehen wollte, da mir klar war, dass ich es wahrscheinlich eh nur zu einem Ende bringen werde, und sie halt die größte Eroberung, da schwerst zu bekommen ist. Denn wie die Poster Children aller TokiMemo-Spiele, benötigt Shiori alle Statuswerte auf ziemlich hohen Nummern – und muss einen selbstverständlich durch genug Dates entsprechend mögen.

Das Hauptspiel ist natürlich nicht wirklich wesentlich anders, als ich es von Girl’s Side gewohnt bin, und wohl auch nicht wirklich wesentlich gegenüber dem PC Engine Original verändert. Jeden Sonntag Abend wählen wir aus, was für eine Aktivität wir die nächste Woche über machen wollen, was sich positiv auf gewisse und negativ auf andere Statuswerte auswirkt. An Sonn- und Feiertagen dürfen Dates mit den Mädels ausgemacht oder begangen werden. Erneut, ein Anruf kostet den ganzen Tag. Wird ein Date ausgemacht, ist der also schon rum. Hier zusätzlich verkomplizierend ist, dass der Anruf beim besten Freund ebenfalls den Tag kostet, auch wenn man nur nachschaut, wie sehr die verschiedenen Mädels einen mögen, ob eine Bombendrohung vorliegt, oder auch nur um die Kontaktdaten eines der Opfer zu erfragen.

Clubs gibt es allerdings wesentlich weniger. Anstatt selbst irgendwann bei einem aufzutauchen, wird man in TokiMemo Pocket direkt zu Beginn gefragt, für welchen man sich entscheiden will. Aufgezeigt werden Baseball, Schwimmen, Kunst und Wissenschaft, wobei in der Sports Version nur die beiden Sportklubs, in der von mir gespielten Culture Version nur die anderen beiden wirklich genommen werden können. Wechseln scheint man allerdings jederzeit zu können. So genau weiß ich es zwar nicht, wie es geschehen ist, jedoch hatte ich zu Anfang den Kunstklub gewählt, dort auch notgedrungen mit Ayako abgehangen, jedoch kurze Zeit nachdem ich Yuina getroffen war, gehörte ich plötzlich ihrem Wissenschaftsklub an.

Jedenfalls ist das erste Tokimeki Memorial doch ein Stück weit schwerer, als ich das von Girl’s Side gewohnt war. Statuswerte gibt es ein wenig mehr, wirklich nur zwei. Im Prinzip ist der Wissensstatus nun in Buchwissen und Wissenschaft unterteilt, die anderen 5 bleiben relativ gleich (Kunst, Sport, Sozial, Style und hier Zielbewusstsein statt Charme der GS-Version), aber dann gibt es neben dem Stress-Status, der nicht zu hoch werden darf, auch noch einen zusätzlichen Stamina-Stat, der nicht zu niedrig werden sollte. Allgemein kam es mir einfach so vor, als wäre es hier schwerer, diese zu balancieren. An einigen Punkten im Spiel kam es mir zumindest so vor, als würde die alle sich bei einem gewissen Schwellenwert die Waage halten, ohne wirklich weiterzukommen. Was sich allerdings nach einiger Zeit wieder geregelt hatte, und letztendlich hab ich das Spiel mit je 15-20 Punkten in allen Werten über dem beendet, die für Shiori nötig waren.

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Was natürlich das Erhöhen aller Statuswerte erneut mit sich bringt ist, dass man einen Großteil des Casts früher oder später notgedrungen treffen wird. Gegen Spielende hatte ich glaub ich die Bekanntschaft mit 7 oder 8 Mädchen gemacht, die natürlich alle angefangen haben mich zerbomben zu wollen, wenn ich ihnen keine Aufmerksamkeit schenke. So auf das letzte halbe der drei Schuljahre hatte ich in der Übersicht tatsächlich immer wieder 2-3 Bomben gleichzeitig, die ich schnell entschärfen musste, bevor ich mich wieder Shiori zuwenden konnte. Hab ich zwar immer noch hinbekommen, aber letztendlich war es tatsächlich stressiger, Shioris Konkurrentz davon abzuhalten, Gerüchte über mich zu verbreiten, als die nötigen Statuswerte zu erreichen. Dafür hab ich aber auch ein paar nette CGs von ein paar anderen Jagdtrophäen erstanden.

Das ist schon ganz nett, dass neben ein wenig blecherner Sprachausgabe eben auch die Event-Bildchen der Mädels noch dort sind, plus wenn man auf sie trifft sich eben gewohnt ihr Gesichtsausdruck ändert, je nachdem wie sehr sie einen mögen, und wie gut die gegebene Antwort ist. Natürlich ist das alles auf kleinem, pixeligen und von den Farben eingeschränkten GBC-Bildschirm, aber sie sind und bleiben wichtig, um das Verkaufsargument des Spieles zu erhalten: Charme. Was dem natürlich etwas abträglich ist, ist wenn man den dazugehörigen Text nicht versteht. Und leider sind und bleiben alle Versionen des ersten Tokimeki Memorial bisher in Japanisch, da noch keine komplette Fantranslation zu einem der Spiele vorliegt – wer TokiMemo verstehen will, muss die Girl’s Sides spielen, die sind alle drei von Fans ins Englische übersetzt, die vier Galge Tokimeki Memorials in all ihren Versionen bleiben außen vor.

Jedenfalls war es echt gut, dass ich Girl’s Side vorher gespielt habe, weil in so ein Dating Sim und wie es funktioniert friemelt man sich besser wirklich mit einer Version rein, die man auch versteht, TokiMemo Pocket hätte mich glaub ich ohne Vorwissen etwas überfordert. Und wie gesagt, ich würde es nicht noch mal spielen, bevor es nicht in eine mir verständlichen Sprache übersetzt ist, weil die drei Schuljahre vom unbekannten Looser zum Frauenheld, der das beliebteste Mädel der Schule unterm Baum antrifft, ist es ein ziemlich langes, und setzt hauptsächlich darauf, dass man die Konversationen mit den Mädchen charmant findet.