Tatort Giftschrank: Tod im U-Bahnschacht

Tod im U-Bahnschacht ist der 57. Tatort, der Ende 1975 seine Erstausstrahlung hatte, und dann wie Tote brauchen keine Wohnung bis 1992 im Giftschrank landete. Nach einer weiteren Ausstrahlung 1995 verschwand er übrigens ernaut für über zwanzig Jahr von der Bildfläche, wurde erst 2008 erneut ausgestrahlt. Auch ist es der erste Fall von Kommissar Schmidt, der in seinem Debut kurioserweise so gut wie nichts macht.

Im getrennten Berlin der 70er Jahre wird das U-Bahnnetz stark ausgebaut, da die S-Bahn vielerorts von den West-Berlineren boykottiert wird. Dafür sind allerdings viele Schwarzarbeiter, die sich illegal in Deutschland aufhalten, an den Baustellen eingesetzt. Zu dumm, wenn davon einer bei einem Arbeitsunfall ums Leben kommt, weil er von der Maschinerie überrollt wird. Da versteckt man die Leiche doch lieber, bevor noch auffliegt, dass man mit Menschenschmugglern unter einem Hut steckt, um an billige Arbeiter zu kommen.

Passenderweise haben die meisten illegalen Einwanderer keine starken Bindungen. So auch der tote Mehmet, der lediglich den sich ebenfalls illegal aufhaltenden und an der Baustelle eingesetzten Schwager Arkan und dessen Schwester Ayse, mit der er verlobt war, hier in Deutschland kennt. Andere Illegale kann man ja schnell mundtot machen, in dem man ihnen damit droht, dass es für sie eh schwerere Konsequenzen haben wird, wenn die Polizei sie aufgreift, als für die Vorabeiter und Schmuggler, die sie beschäftigen.

Arkan kann mann parktischerweise in eine Messerstecherei mit einem anderen Türken verwickeln, weswegen er von der Polizeit aufgegriffen wird und abgeschoben werden soll. Ayse, die sich legal in Deutschland aufhält, nimmt man unter einem Vowand einfach mit in einen „Gasthof“, wo sie weggesperrt wird und zwangsprostituiert werden soll, damit sie von der Bildfläche verschwindet. Nur dumm, wenn Arkan fliehen kann, seine Schwester ausfindig macht, und alles plötzlich in einer Geiselnahme endet.

Tod im U-Bahnschacht ist ein seltsamer Film gewesen. Interessanterweise verfolgt er beispielsweise schon gar nicht das normale Tatort-Schema, bei dem es darum geht, herauszufinden, wer der Mörder und was das Motiv ist. Es handelt sich nicht mal um Mord, sondern um einen Unfall. Stattdessen haben die Kommissare hier das Problem, die Leiche überhaupt zu finden und die Existenz des Unfalles und sukzessive Vertuschung der Baufirma nachzuweisen. Abgesehen davon verschwindet Kommissar Schmidt sowieso aus weiten Teilen des Filmes und übergibt an Kommissar Wagner und Assistent Wolf.

Der Fall ist stattdessen wesentlich mehr in der Thematik des Menschenschmuggels und der illegalen Einwanderung behaftet. Und hat insgesamt ehrlich gesagt ziemlich die Vibes eines trashigen Exploitation-Werkes, nur ohne die nackte Haut und das Blut. Fiese, betrügerische Schmuggler. Kriminelle Ausländer. Zwangsprostitution und Messerstechereien. Ein schlechtes Ende. Ein Haufen Charaktere, die alle nicht wirklich logisch sinnvoll agieren wollen und merkwürdige Manierismen aufweisen. Schauspieler, die wenig Direktion zu haben scheinen. Kein Wunder das dieser Eintrag einer der weniger beliebten Tatorte ist, denn man mag kaum meinen wollen, dass dies hier überhaupt einer hätte sein sollen. Irgendwie ist er zwar schon ein wenig blöd und wirr, aber nicht vollkommen uninteressant, da eben so unerwartet und sinnbefreig häufig.

Offiziell war er übrigens im Giftschrank, weil der Todeskampf von Mehmet zu Beginn des Filmes so lang dargestellt wird. Wirklich brutal mag das, besonders retrospektiv, aber nicht mehr wirken. Kein Blut, keine zerquetschten Gliedmaßen werden gezeigt, nur sein Schmerzverzerrtes Gesicht in Großaufnahme. Die Szene ist nicht ganz unbedrückend, aber doch relativ harmlos eigentlich. Inoffiziell als Gründe wird jedoch auch häufig gehandelt, dass dieser Tatort allgemein nicht unumstritten war. CSU-Politiker Strauß bemängelte hochoffiziell die Polizei würde als zu unnütz dargestellt, von anderen Stellen wurde hingegen entweder bemängelt, dass die illegalen Einwanderer als zu sympathisch und von anderer Stelle wieder als zu kriminell dargestellt werden. Regisseur und Produktionsfirma sollen sich auch über den Film verkracht haben.