Die Erben des Mithras

Weiter geht es mit den Büchern, die es vor ewigen Jahren mal auf mein Kindle geschafft haben, weil sie gleichzeitig für umsonst angeboten wurden. Die Erben des Mithras ist dabei von Alison Almony, zu der es erneut im Internet nicht viel zu holen gibt. Es ist ihr einziges Buch, und ihr Blog hauptsächlich zu dessen Release in 2013 aktiv gewesen und hat seit 2015 keinen Eintrag mehr gesehen, wird also wahrscheinlich auch ihr einziges bleiben. So wie sich das anhört war das sowieso eher ein Nebenprojekt, weil sie sich selbst für die Thematik des Mithras-Kults interessierte und dann ihre Dan-Brown-schen Verschwörungstheorien teilen musste.

Cameron hat beim Ausmisten des Familiendachbodens ein altes Dokument gefunden, welches der schon lang tote Onkel, der eine Zeitlang als Priester an den Ausgrabungen in Qumran teilnahm, dort versteckt hat. Diese Schriftrollen vom Toten Meer sollten ein Begriff sein, nicht zuletzt stützt sich auch Neon Genesis Evangelion auf sie: Die religiösen Texte sind teils umstritten, beleuchten die Zeit des Alten Testaments, wiedersprechen aber auch Dingen aus der Bibel. Cameron ist allerdings hauptsächlich daran interessiert, wie viel er mit dem Verkauf des Dokumentes verdienen kann.

Da ist auch durchaus bereits ein Mönch interessiert, mit dem er sich in der Ruine eines Mithras-Tempels in Rom treffen will. Als Cameron dort ankommt, ist der aber bereits tot, und einer seiner Brüder mit unterschwelligen Drohungen vor Ort, dass Cameron den Text doch dem Orden überlassen soll, der sie ursprünglich ausgegraben hat. Ob der brisante Text dann auch veröffentlicht, oder studiert, oder in den Vatikan-Archiven versteckt wird, sei mal dahingestellt. Aber Cameron hat das Dokument eh nicht dabei, sondern einer Freundin in Israel überlassen, deren Professor es auf seine Echtheit überprüfen will.

Zurück zu Hause in Schottland ist in Camerons Wohnung eingebrochen und alles durchsucht worden. Also kommt er bei Freunden unter, denen er auch brühwarm über alle Ereignisse aufklärt. Sein Kollege Bruce will sich direkt nach weiteren Interessen umhören, und wird kurz darauf tot aufgefunden.

Was sich entfaltet ist ein recht üblicher Thriller um die religiösen Fanatiker und Geheimkultisten, die an das prekäre Dokument wollen, welches eventuell die Anfänge des Christentums in ein ganz anderes Licht rückt, da Paulus darin weniger gut wegkommt, als in der Bibel, und es nahelegt, dass hier gewollt betrogen wurde und das Christentum vom Mithras-Kult unterwandert und mitgeprägt wurde. Allerdings geht das Buch, so sehr sich die Autorin angeblich in die Thematik eingelesen hat, gar nicht so sehr auf diese Verschwörungstheorie ein. Das Erforschen des Geheimnisses fällt genau genommen sogar komplett flach. Stattdessen geht es mehr um eine Riege Normalo-Leute, die durch den zufälligen Besitz eines solchen brisanten Stücks Geschichte plötzlich in Situationen geraten, die ihnen geschwind über den Kopf wachsen und in tödliche Bedrängnis bringen.

Ein wenig befremdlich ist es allerdings schon, dass sich jeder hier so naiv und dämlich anstellt. Einfach mal die Klappe halten ist sowieso keinem Charakter gegönnt. Jeder plaudert feuchtfröhlich über das Dokument und die merkwürdigen Ereignisse, welches es umgibt. Schurken monologieren über ihren Kult vor sich hin, mit der lapidaren Ausrede, dass die Wahrheit einem eh keiner glauben wird. Es wird gehandelt und gesprochen, ohne vorher nachzudenken, oder Leute und ihre Beweggründe wirklich zu hinterfragen. Die Ereignisse lange als Zufälle abgetan oder ihre Tragweite schlichtweg unterschätz.

So einen Thriller über Geheimkults und Verschwörungstheorien zu schreiben ist eigentlich eine einfache Sache, sollte man meinen. Aber wenn das Konstrukt dann doch nicht gut genug durchdacht ist, nicht stimmig genug aufgelöst wird, dann ist man schon irgendwo schnell ein wenig gelangweilt, einfach weil es solche Bücher wie Sand am Meer gibt, und es deswegen viele bessere Alternativen gibt.

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Wo ein Wille ist…

Wo ein Wille ist ist ein Roman von Anne Saalean, die am Ende des Buches zwar dazu auffordert, eine Rezession bei Amazon zu hinterlassen – ganz egal ob positiv oder negativ -, welches kurioserweise aber gar nicht mehr auf Amazon zu finden ist. Eine 15-Sekunden-Suche via Google hält auch tatsächlich so gut wie nichts über Autorin oder Buch parat, und schon mal gar nichts, was neuer als 2013 zu sein scheint. Einem Blogger-Interview ist immerhin zu entnehmen, dass dies wohl ein exklusiv digital erhältliches Experiment in Selbstpublikation war.

Protagonistin des Buches ist Vera, die schon in die Jahre gekommen ist und bisher nicht unbedingt das Glück im Leben hatte. Lange Jahre musste sie sich um die exzentrische Mutter kümmern, weswegen ihr Sozialleben eingebrochen ist, so dass sie nach deren aktuellen Tod eigentlich ganz froh ist, die Bürde vom Buckel zu haben. Wenn die Beerdigung doch nicht so teuer wäre, und ihre nach Berlin weggezogene Schwester, die ihr ihren Jugendschwarm ausgespannt hat und mit jenem nun Doktor verheiratet eigentlich auch nicht finanziell schlecht dasteht, da auch gar nicht auf die Idee käme, etwas beizusteuern. Auf die hübsche Schwester war sie eh ihr Leben lang neidisch, da sie als Mauerblümchen eh kaum von Männern wahrgenommen wurde. Abgesehen von dem einen, der sie sogar heiraten und mit ihr nach Irland ziehen wollte, aber vom Zug überfahren wurde, der ihn an den Flughafen hätte bringen sollen.

Auf der Beerdigung der Mutter taucht die verhasste Schwester allerdings tatsächlich auf und ihr Ehemann und Veras Jugendschwarm Simon, der immer noch verdammt gut aussieht, lädt sie zu seinem 50. Geburtstag ein. Da sie ihren langjährigen Job bei der Buchhandlung am Markt verloren hat, gibt es auch nichts, was einem ausgedehnten Trip nach Berlin im Wege stünde, und so taucht Vera eines Abends bei der Villa der beiden auf. Natürlich nicht unangekündigt, obwohl dennoch alles dunkel im Haus ist. Gerade als sie im Garten durchs Verandafenster schaut, kommt das Ehepaar nach Hause und hat einen üblen Streit – was Vera heimlich freudig stimmt. Doch als sie sich dann endlich mit penetrantem Klingeln Zugang verschafft hat, liegt ihre Schwester tot am Fuße der Treppe und Simon ist ganz aufgelöst. Es wäre ein Unfall gewesen und er müsse nun in den Knast.

Das sieht Vera aber überhaupt nicht so. Um die gehässige Schwester ist es eh kein Verlust. Und sie kann Simon doch einfach bei der Polizei ein Alibi verschaffen, er hätte ihr gerade die Türe geöffnet, als ihr Schwesterherz betrunken von selbst die Treppe herabstürzte. So macht man sich beim attraktiven Doktor gleich unentbehrlich, vielleicht folgt darauf ja die Heirat und das unbeschwerte Villa-Leben? Wenn es da nicht zu weiteren Komplikationen kommen würde, wie versehentlich jemanden zu erschießen, Leichen nicht richtig zu entsorgen, Affären über Affären seitens des gar nicht wie gedacht ritterlichen Simons, und ein bedenklich wackelndes Kartenhaus an sich anhäufenden Lügen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leser ein ganz gezieltes Problem mit dem Buch haben: Es gibt keine wirkliche Identifikationsfigur, keinen wirklich sympathischen Charakter. Zunächst mag Vera noch so erscheinen, immerhin hat sie ein echt bescheidenes Leben gehabt. Doch schnell ist klar, dass wir das Buch ja aus ihrem Blickwinkel erfahren, von daher natürlich ihre Erinnerungen von ihr gefärbt sind. Und bald wissen wir auch, dass sie ein sehr missgünstiges Weib ist, welches wenig Mitgefühl für andere Menschen übrig hat, gerade dann nicht, wenn sie nicht ihren moralischen Idealbildern entsprechen. Über das Buch hinweg wird sie sowieso immer verschlagener und intriganter – weil es nämlich auch alle anderen Charaktere sind, auf die sie trifft. So ziemlich jeder hat nur seinen eigenen Vorteil im Sinn und schmiedet Pläne, wie die anderen zu deren Zwecken ausgespielt werden können.

Mir hat es allerdings außerordentlich gut gefallen. Das Ganze ist natürlich extrem dramatisch und viel zu unlogisch viel geschieht zu schnell. Ein wenig wie in einer Soap, wo eh alle intrigieren und nur auf sich selbst schauen, und ständig irgendwas die Pläne doch wieder über den Haufen wirft, man nie weiß wer jetzt wirklich am Ende als Sieger aus den Mind Games herausgehen wird, oder ob es vielleicht sogar nur Verlierer geben wird. Nur mit einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis, denn es gibt viel schwarzen Humor im Buch und im Porträtieren der Ereignisse oder Veras pragmatischen Gedankengängen. Das Buch ist sich halt voll bewusst, dass dies alles ziemlich extrem ist und nimmt es mit einem trocken-zynischen Augenzwinkern. Dann ist die ganze Sache noch leicht von der Leber weg an einem oder zwei Nachmittagen gelesen, wodurch es definitiv seine Zeit nicht überstrapaziert, sondern gut der Kurzweil gefrönt wird.

Schwarzer Wald

Schwarzer Wald ist ein kurzer Roman von Holger Montag, der sich laut Klappentext (bzw. was auch immer das Äquivalent bei einem nicht klappendem Kindle ist) einen Namen mit dem von mir Pöbel genau so wenig bekannten Reisen mit Pippo gemacht hat. Das Ding ist so ein wenig Lost in Buchform.

Nicht was die Handlung an sich angeht, allerdings. Die ist im Schwarzwald angesiedelt. Thorsten ist nämlich gerade auf Urlaubsreise mit einem befreundeten Ehepaar, und den neuen Arbeitskollegen und dessen Frau haben sie auch noch mitgenommen. Der Road Trip der Fünf neigt sich gerade seinem verschneiten Ende zu, als sie nachts durchs unbekannte und abgeschiedene Waldgebiet fahren, plötzlich von einem vorbeirasenden Geländewagen von der Straße abgedrängt werden, und mit dem Auto in einem Acker landen. Die zickige Frau des Arbeitskollegen rennt erst Mal empört in die Nacht, ihr Mann Tim hinterher. Die anderen Vier finden anschließend jedoch nur Sara wieder. Da alles weitestgehend unbeschadet abgelaufen ist, der Wagen aber feststeckt, beschließen Thorsten und Sara zu einem Einsiedlerhof zu gehen, den sie etwas vorher am Straßenrand gesehen haben, während die anderen beiden es sich im Auto gemütlich machen und auf Tim warten.

Dort angekommen stellt sich der Bauer als unfreundlicher Eigenbrötler heraus, der erst Mal meint es gäbe weit und breit keine Werkstätten und ein Telefon habe er eh nicht. Die beiden können ihn dennoch dazu überreden die Fünf auf dem Hof übernachten zu lassen, und mit dem Traktor einen Versuch zu starten, das Auto wieder die Böschung hoch auf die Straße zu ziehen. Dort angekommen ist das wartende Pärchen allerdings spurlos verschwunden, also übernachten Thorsten und Sara erst mal alleine beim Bauern.

Am nächsten Tag ist das Auto zunächst ganz verschwunden, taucht allerdings in einer Werkstatt wieder auf. Mit Totalschaden, und der Nachricht, dass das befreundete Ehepaar schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Wo keiner so recht die Geschichte glauben will, dass als das Auto ursprünglich von der Straße abkam, von wenigen Kratzern abgesehen noch alles in Ordnung gewesen sein soll.

Schwarzer Wald ist ein unglaublich spannendes Buch, welches sich auch nicht lang mit irgendwelchen unnötigen Schnörkeln aufhält. Wir bekommen das Wichtigste über die Charaktere und deren soziale Stellung zueinander rübergebracht, aber viel mehr nicht. Stattdessen stützt sich alles auf die sich anhäufenden Mysterien und bringt die sich über wenige Tage erstreckende Geschichte schnell rüber, so dass man es an einem Nachmittag verschlungen haben wird.

Denn beim Nachforschen kommen nur noch immer mehr Fragen auf. Wie wahrscheinlich ist es denn schon, dass es zwei Unfälle in der gleichen Nacht gegeben haben sollte? Wie sollte das Ehepaar, die mit dem Auto auf dem Acker festhingen, überhaupt in einen zweiten geraten sein? Dann soll der schwere Unfall auch noch geschehen sein, als die Truppe eigentlich noch putzmunter auf der Straße war. Vertuscht hier jemand etwas? Aber abgesehen von der Chefärztin scheinen sich die meisten Leute sehr kooperativ zu verhalten, können nur die merkwürdigen Umstände, die sich Thorsten zusammenreimt nicht nachvollziehen. Geben jedoch anscheinend dennoch Infos an ihn heraus, die sich als unwahr herausstellen. Aber aller eingefleischter Provinz zum Trotz können doch nicht alle unter einer Decke stecken, oder? Ist Thorsten letztendlich ein Unreliable Narrator und der erste Unfall verlief doch nicht so, wie er sich zu erinnern meint? Und wo ist überhaupt Tim abgeblieben, der nie wieder auftauchen wird?

Problem dabei ist das Ende, welches in seiner Enttäuschung dem von Lost noch eines draufsetzen kann. Denn statt einer lapidaren Erklärung kommt einfach gar keine. Nicht mal den Ansatz eines der vielen Geheimnisse und Ungereimtheiten aufzudecken gibt es. Stattdessen wird es für zwei Seiten nur noch mal so richtig verworren und endet dann einfach. Offene Enden mögen durchaus manchmal funktionieren, aber eben nur dann wenn man sich in der Handlung auch auf andere befriedigenden Ebenen stützen kann. Aber wie bereits erwähnt gibt es aus Schwarzer Wald nicht viel zu holen, abgesehen vom nachfiebern der großen Frage, die dann nie eine Antwort findet. Und das stört nach einem eigentlich sehr guten Buch eben im Nachgeschmack gewaltig.

Final Cut

Deutschland ist das Land er Thriller und Krimis. Wer sich auf dieses Genre versteift, kann glaube ich schon ganz gut Geld machen. So auch der seit 2010 in diesem Fahrtwasser schwimmende Veit Etzold, bei dem man sich nur die Covergestaltung der Bücher ansehen muss, um sofort zu wissen, an welche Hausnummer man geraten ist. Final Cut von 2012 ist dabei sein erster Roman in der Reihe um die Hauptkommisarin Clara Vidalis in Berlin, denn wenn sich das Genre für eines anbietet, dann dafür einen Fixpunkt via Kriminalisten zu erschaffen, und eine ganze Reihe an Fallbüchern zu jenem darzubringen.

So einer muss natürlich immer mit ein wenig seelischem Gepäck daherkommen. Im Falle von Clara Vidalis ist dies, dass ihre kleine Schwester entführt, vergewaltigt und ermordet wurde. Da war Clara noch ein Teenager und natürlich ausgerechnet diejenige, welche die Schwester von der Schule abholen sollte, aber wegen null Bock nicht aufgetaucht war. Vergeben hat sie sich das nie, geht an deren Todestag jährlich zur Beichte, und wurde Kriminalbeamtin, um weitere Perverse jagen und zur Strecke bringen zu können.

Und dann bekommt sie eine persönliche Nachricht von jemandem, der sich der Namenlose nennt. Ein nettes Video einer Frau, die zunächst vorlesen darf, dass sie bereits die Dreizehnte und sicherlich nicht die Letzte ist, und dann umgebracht wird. Die Wohnung des jungen Mädchens ausfindig gemacht, liegt jene dort mumifiziert vor. Es ergibt sich ein erstaunlich berechnendes Bild. Der Täter kommuniziert über Dating-Börsen mit jungen Mädchen, die er dann umbringt, so vermummt das er kein Haar oder Hautpartikel hinterlässt. Anschließend ausgeweidet und Totenkäfer in der Wohnung hinterlassen, mumifizieren sie schnell genug, als das im anonymen Berlin kein Nachbar auf die Idee kommt, sie könnten tot sein, da es zu keinem Leichengestank kommt. Währenddessen deren soziale Plattformen über den Laptop, den man sich angeeignet hat, weiterhin mit Posts von spontanen Reisen etc. füllen, und kein Bekannter kommt auf die Idee, sie können bereits tot sein.

Was sich in diesen Büchern immer gut macht, und was natürlich sowieso klar sein sollte, wenn sich der Killer direkt an Clara wendet, ist, dass die beiden eine Verbindung zueinander haben. Eine, weswegen der Killer sie auserkoren hat, über sein Meisterwerk Schau zu halten. Während der Killer selbst Gepäck mitbringt, welches ihn zu dem machte oder zumindest auf diese Art und Weise morden lässt, wie er das tut. Aber damit ist es Final Cut noch nicht genug.

Mit Shebay geht nämlich auch noch eine neue Sendung im Reality TV an den Start. In dem sich junge Mädels für den schnellen Ruhm im wahrsten Sinne des Wortes raushuren. Denn während das Free TV nur die Sendung überträgt, in welcher der Moderator die oberflächlichen Damen etwas zur Belustigung der Zuschauer vorführt, und die dann entscheiden dürfen, wer eine Runde weiterkommt und am Ende Miss Shebay wird, kann im Internet auf die Favoritin getippt werden, und wird sie es dann, muss sie mit einem der Bietenden ins Bett gehen.

Die Oberflächlichkeit des Lebens im virtuellen Raum, die Anonymität in Großstädten, Selbstprostitution über Fernsehshows, dazu Mord, Mumifizierung, etwas Kinderschändung und Nekrophilie. Obwohl alles letztendlich miteinander zusammenhängt, mag man manchmal das Gefühl bekommen, Final Cut verliert immer wieder den Fokus und es wäre besser gewesen, sich auf ein wenig weniger zu beschränken. Das Buch ist flott genug geschrieben, die Kapitel kurzweilig genug, als dass man auch am Ball bleiben würde, wenn es sich nicht permanent was Neues aus dem Ärmel schütteln wollen würde. Oder die ganze Sache hätte etwas komplexer und länger werden müssen. So kämpft etwas viel um Aufmerksamkeit und Atemluft. Nichtsdestotrotz ein ganz unterhaltsames Schmökern.

The Chessman

Jeffrey B. Burton ist wohl schon eine geraume Weile Autor, allerdings hauptsächlich von Kurzgeschichten in Genre-Magazinen. Genre Fiction ist dabei ein Schlagwort für diverse… Genre eben, vornehmlich SciFi, Fantasy, Horror und Mystery, und kommt immer mit dem Beigeschmack von „nerdigen Sachen ohne höheren intellektuellen Wert“. Ein Genre Film beispielsweise würde die Academy der Oscars nie auch nur mit dem Arsch ansehen. Jedoch gelang ihm dann 2012 der Durchbruch mit dem Thriller Der Schachspieler, dem er mittlerweile zwei weitere Fälle um den Ermittler Drew Cady hat folgen lassen.

Der Chessman war dabei eigentlich der letzte Fall vom Ex-FBI-Agenten Cady, der in Folge der Ermittlungen 50% Kraftverlust in seiner rechten Hand und die Scheidung seiner Frau abbekam, und nach Abschluss des Falles in die Pension ging. Doch obwohl man dachte damals den Übeltäter herausgefunden zu haben, so kommt es nun zu neuen hoch-profilierten Morden, in deren Wunden Schachfiguren stecken. Letztendlich lässt sich Drew Cady darauf ein, als beratender Experte an den Ermittlungen teilzunehmen.

Cady selbst tippt dabei darauf, dass es sich eh nur um einen Nachahmungstäter handelt. Wie sich herausstellt liegt er damit auch gar nicht falsch. Was allerdings nicht bedeutet, dass sie damals nicht dennoch den Falschen für den Chessman gehalten haben. Denn der mischt sich auch wieder ein, da er es ja mal gar nicht mit seiner Ehre vereinbaren kann, dass ihn jemand kopiert. Immerhin hat er aus Liebe gemordet.

Was das Buch dabei etwas komplizierter macht, ist die Tatsache, dass es nicht nur gerne alle paar Kapitel den Charakter wechselt, aus dessen Sicht wir die Ereignisse miterleben, sondern auch munter zwischen den aktuellen und den damaligen Ermittlungen hin und her springt. Das wird zwar immer schön mit einem „X Wochen/Monate“ zuvor eingeleitet, jedoch habe ich mich dennoch manchmal dabei ertappt, gedanklich nicht auf die Reihe zu bekommen, wie Ereignis A und B jetzt zueinander passen, bis mir wieder eingefallen ist, dass diese gar nicht Teil der gleichen Ermittlungszeitlinie sind.

Denn letztendlich haben die gar nichts miteinander zu tun. Wer also ständig erwartet, dass es irgendwann mal Klick macht und die beiden sich zusammenfügen, kann lange warten. Letztendlich ist dann auch der Teil darum, was mit dem eigentlichen Chessman-Fall zu tun hat, wer wirklich dahinter steckt, warum er wirklich gemordet hat, interessanter, als der gegenwärtige Part. Der ist dann interessant, wann immer der Chessman Kontakt zu Cady aufnimmt, eher weniger wenn es um die Mafia-Copycat geht – wobei es immerhin abseits der Norm ist, dass der Nachahmungstäter eben kein weiterer Psychopath oder doch wieder der Chessman von damals ist. Den will uns das Buch gegen Ende eventuell sogar etwas sympathisch machen, weil er ja aus Überzeugung gehandelt hat, und was er Cady antat wirklich bereut?

Dennoch bleibt das Buch eher Standard wenn es um Thriller geht. Wir haben einen Agenten mit einer persönlichen Vergangenheit, die aufgearbeitet werden muss. Es gibt korrupte Politiker. Richtig perverse Serienmörder. Ein Mörder mit moralischem Kompass. Wären nicht die vielen Zeitsprünge und das etwas andere Ende, wäre Der Schachspieler schon sehr Thriller 101. Was ja nichts bedeuten muss, ehrlich gesagt finde ich Thriller und Krimis untereinander immer sehr ähnlich gestrickt, und Der Schachspieler ist definitiv ein unterhaltsamer und kurzweiliger Vertreter, macht aber insgesamt eben auch keine großen Sprünge.

Nur warum es hiernach noch mehr Fälle von Drew Cady gibt, es sei denn wir springen in dessen Vergangenheit, erschließt sich mir nicht. Denn der hat hiermit eigentlich seinen Abschluss mit dem Dienst gefunden. Es gibt keine Gründe, warum er sich in weitere Ermittlungen einmischen sollte.

The Accident

Mit Träum was Böses von C. L. Tayler kommt mal wieder ein Thriller dran, bekannt im Original als The Accident, da dort alle ihre Thriller dem prägnanten Thema Das [Vorfall] nachgehen – The Lie, The Missing, The Treatment. Eigentlich eher langweilige Titel, aber so kurze The [Schlagwort] fällt einem halt doch schneller ins Auge.

Es geht im Buch in der aktuellen Zeitschiene darum, dass die Tochter von Susan nachdem sie von einem Bus erfasst wurde im Krankenhaus im Koma liegt. Die Sache ist nur die, dass sie nach Aussage des Busfahrers einfach so vor das Vehikel gelaufen ist. Und auch obwohl es laut den Ärzten keinen Grund gibt, warum Charlotte nicht erwachen sollte, verbleibt sie im Koma. Und dann hat Susan noch ein wenig in ihrem Tagebuch geschnüffelt, und einen Eintrag darüber gefunden, dass sie von einem Geheimnis ganz zerfressen wird.

Was ist es also, das ihrer Tochter so sehr zu schaffen macht, so dass sie scheinbar Selbstmord begehen wollte, und nicht aus dem Koma aufwacht? Um wen geht es? Vielleicht um Susans Mann, der ihre Ehe bereits früher einmal durch Fremdgehen aufs Spiel gesetzt hatte? Oder hat es was mit dem Freund oder der besten Freundin von Charlotte zu tun, die sich komischerweise nach Wochen immer noch nicht am Krankenbett haben blicken lassen?

Eingeschoben sind immer mal wieder kürzere Exkurse in die Vergangenheit von Susan. Und zwar maßgeblich wie sie den mittlerweile Ex-Freund James kennengelernt hat, und wie diese Beziehung immer unerträglicher wurde. Wobei man sich von Anfang an durch diverse Hinweise denken kann, dass hier was schief gehen wird.

Tatsächlich bieten sich Susan das Buch über diverse Fährten an, die sie auch nachzugehen weiß, welche zum dunklen Geheimnis der Tochter führen könnten. Das merkwürdige Verhalten des Ehemannes, die plötzlich gebrochenen Freundschaften, heimliches Gehen in Discos mit VIP-Promis, zweifelhafte neue Freunde, oder doch das James sie endlich gefunden hat. Die Einschübe in Susans Vergangenheit müssen dabei zunächst nicht unbedingt was mit dem aktuellen Geschehen zu tun haben, sondern könnten auch einfach die Erklärung ihres manischen Verhaltens sein. Eventuell überreagiert bis halluziniert Susan Dinge ja sogar.

Wobei ich insgesamt sagen muss, dass mich die aktuelle Geschichte mehr interessierte als ihre Vergangenheit. Klar, letztendlich ist die auch für die jetzigen Geschehnisse wichtig, aber das Verwirrspiel um das Geheimnis der Tochter fand ich dann doch besser als das Miterleben der Missbrauchsbeziehung, weil die mir ehrlich gesagt zu dick aufgetragen und zu vorhersehbar war. Da war der Rest des Buches irgendwie besser geschrieben. Und auch wenn die Auflösung gegen Ende dann doch etwas zu herkömmlich daher kam, so war der Weg dahin doch insgesamt ein spannender.

Todesurteil

ava-2111Todesurteil springt zwischen zwei Protagonistinnen Kapitelweise abwechselnd hin und her: Sabine und Melanie. Sabine kommt von der bayrischen Polizei und ist nun Neustudentin bei der Ausbildung im BKA. Für die sie bisher immer abgelehnt wurde, doch scheinbar hat Maarten S. Sneijder, mit dem sie an einem vorigen Fall zusammengearbeitet hat, dort seine Macht spielen lassen. Ich habe übrigens das ganze Buch über damit gerechnet, dass irgendwann so um den Mittelteil zu füllen mal ein Rückblick zu jenem Fall kommt, und warum die beiden sich deswegen immer gern etwas anzicken, doch da kam nichts. Was immer stark darauf schließen lässt, dass ich versehentlich in ein späteres Buch einer Reihe eingestiegen bin, und das ist scheinbar auch so, denn Todesurteil ist das zweite Sneijder-Buch. Anscheinend macht er das Bindeglied aus, auch wenn er bis kurz vor Ende des Buches eher eine Nebenrolle hat, bevor auch er mal ein Ego-Perspektiven-Kapitel abbekommt.

Jedenfalls arbeitet auch Sabines Ex, mit dem sie sich eigentlich wieder versöhnen will, beim BKA. Nur muss sie feststellen, dass der angeschossen im Koma liegt, als sie in Wiesbaden ankommt. Scheinbar war er da auf einer ganz heißen Spur für Sneijder, die ihm zum Verhängnis wurde. Sneijder derweil lässt seine Klasse, in die Sabine gesteckt wurde, bisher ungelöste Mordfälle durchkauen, um auf neue Spuren zu kommen. Davon hat Sabine sogar eine, nämlich dass alle diese total unzusammenhängenden und mit anderem MO ausgestatteten Fälle, die alle komplett unterschiedliche Verdächtige hatten, die allerdings freigesprochen wurden, doch vom gleichen Täter stammen könnten. Von jemandem, der sie ausgiebig studiert, um dann perfekt ihre Mordgelüste nachzustellen, eben damit man auf Grund der verschiedenen Vorgehensweise nie auf den gleichen Täter tippen würde.

Melanie derweil ist Staatsanwältin in Wien, wo ein 11-Jähriges Mädchen gefunden wird, die vor einem Jahr entführt wurde, und der jemand den kompletten Rücken mit einem Bild aus Dantes Inferno tätowiert hat. Dann ist das auch noch ausgerechnet die Tochter ihrer ehemalig besten Freundin, die vielleicht nicht ganz zufällig kurz vor der Entführung gestorben ist.

Klingt den Großteil des Buches über natürlich jetzt nicht super zusammenhängend, die beiden Fälle in Wiesbaden und Wien, tun sie aber natürlich doch. Ist ja auch das Konzept hinter dem Verbrechen im Buch, eben das der Zusammenhang für keinen erkennbar sein soll. So ganz passen wollte es ehrlich gesagt für mich dennoch nie, ich kam mir meist so vor, als würde ich zwei Bücher nebeneinander lesen, statt eines komplett. Selbst als dann auf die letzten unter hundert Seiten der Schwall an Wendungen kam, wer jetzt wirklich mit wem zusammengearbeitet hat, und unter welchem Motiv genau, wollte mir der Fall in Wien nie so ganz ins Bild passen.

Der Rest ist allerdings stimmig und interessant gewesen. Gerade der größere Teil mit Sabine, die eine Ausbildung zur Kriminalpsychologin macht, bei dem es dann natürlich schon mehr darum geht, sich auch in die Mörder und ihre Fälle hineinzuversetzen. Was einen natürlich prompt auch sofort auf den Trichter bringt, dass der Drahtzieher dahinter eventuell genau aus diesem Milieu kommt, und vielleicht einfach irgendwann zu tief in den Hasenbau gegangen ist, seinen Weg nicht mehr heraus fand. Wie jeder gute moderne Krimi wird sowieso fast jeder irgendwann mal in einem Licht präsentiert, der denjenigen etwas fischig aussehen lässt, nur damit man genug Leute hat, auf die man tippen kann, und die wahren Täter eben nicht schnell herausgefischt hat.

Aber Mensch, wenn das Buch nicht mal eine der offensichtlichsten Inkarnationen von Chekhov’s Gun bereithält, die mir je untergekommen ist.

Charley’s Web

ava-2033Die Katze ist ein Psychothriller von Joy Fielding, die sich über die Jahrzehnte einen ziemlichen Hausnamen angeschrieben hat, wenn es um das Genre geht, und besonders auch in Deutschland, dem Land der Krimi-Leser, sehr beliebt ist. Für mich war es ihr erster Roman.

Hauptcharakter ist Charlotte „Charley“ Webb, die eine Kolumne für eine Zeitung mit Namen Charley’s Web schreibt. Man denke hierbei in die Richtung Carrie Bradshaw aus Sex and the City, ein modernes und oberflächliches Stück Zeitvertreib, in dem über Sex-Toy-Parties und Intimenthaarung sinniert wird. Alles etwas, was keinen großen Aufreger wert sein sollte, dies aber scheinbar dennoch ist, denn Charley bekommt gern mal Hassmails der prüderen Leserschaft der Zeitung.

Charleys Familie ist ein wenig bröckelig, wenn man das so sagen will. Ihre Mutter ging vor 20 Jahren mit ihrer neuentdeckten lesbischen Liebe nach Australien, ist erst vor 2 Jahren wiedergekehrt, und außer Charley hat keiner Kontakt mit ihr aufgenommen, selbst zu Charley ist die Verbindung weiterhin gespannt. Der alleingelassene Vater hat seinen vier Kindern finanziell alles ermöglicht, war aber emotional nie für sie da. Charleys beide Schwestern, mit denen sie auch nur oberflächlich Kontakt hat, haben ähnliche Berufsfelder wie Charley für sich eingenommen, eine ist erfolgreiche Liebesroman-Autorin, die andere Reporterin beim Fernsehen, was die Schreiberin einer Schundkolumne durchaus ein wenig eifersüchtig machen kann. Alle drei haben Kinder, aber entweder nie geheiratet, oder sind mehrfach geschieden. Der einzige aus ihrer Familie, mit dem sie wirklich regen und guten Kontakt hat, ist ihr Bruder Bram, der sich seit seiner Teenagerzeit mit Alkohol und Drogen umnebelt. Keine Sorge, all das ist wichtig, wenn auch nicht die Hauptstory des Buches, jedoch ist Familie ein zentrales Thema durch und durch.

Jedenfalls bekommt Charley eines Tages einen Brief von Jill, die in der Todeszelle sitzt, weil sie drei Kinder ermordet hat. Das war ein recht spektakulärer Fall, weil man der freundlichen Babysitterin das nicht zugetraut hätte, und es immer Gerüchte um einen Komplizen und sogar Videoaufnahmen der Taten gab, die Jill selbst immer abgestritten hat. Nun will Jill, dass Charley ein Buch über sie schreibt, deren Ego damit anstachelnd, dass es so einige Geheimnisse gibt, die sie bei der Verhandlung nie vorgebracht hat. Charley, so angewidert sie vom Fall ist, sieht also endlich eine seriöse schriftstellerische Karriere und sofortigen Bestseller vorm inneren Auge und lässt sich auf den Deal ein.

Was nun folgt ist ein reges Verwirrspiel darum, was wirklich geschehen ist, und wie weit Charley diversen Personen trauen kann, auf die sie während der Recherche trifft. Jill scheint wirklich auf den ersten Blick umgänglich und freundlich und total nett und sympathisch, doch nach und nach muss Charley merken, dass die auch wesentlich zickiger kann, und es gewohnt zu sein scheint, die Oberhand zu behalten. Neben Leuten, die nur in besten Tönen über die als Kind misshandelte Jill aus der Sozialabfallfamilie reden, gibt es durchaus auch welche, die scheinbar eine ganz andere Jill kennengelernt haben. Und dann gibt es ja immer noch den Komplizen, den es vielleicht doch gar nicht gibt, aber wenn doch eben auf freiem Fuß ist. Und warum will Jill ausgerechnet jetzt ihre Geschichte erzählen, und warum ausgerechnet Charley, die nun wirklich keinerlei Kredibilität mitbringt? Oben drauf hat Charley dann ja immer noch ihre eigene leicht dysfunktionale Familie, mit der sie sich rumschlagen muss.

Um ehrlich zu sein, konnte Joy Fielding mich nie davon überzeugen, dass Charley wirklich eine gute Journalistin oder für den Job die Richtige ist. Das ist wohl auch teilweise so gewollt, denn Charley fragt sich selbst und wird von anderen hinterfragt, ob ihr das nicht über den Kopf wächst, und was sie alles an Fehlern im neuen Territorium macht. Aber auch so, ganz allgemein, die paar Male die wir einen Auszug aus ihrer Kolumne bekommen, gerade dann, wenn sie doch mal ein ernsteres Thema anzugehen versucht, schreibt sie so banal wie langweilig. Dieser Frau würde ich meine Memoiren nicht anvertrauen. Durch die extrem manipulativen Briefe von Jill braucht sie auch ewig, um jene zu durchschauen. Gerade deren erster, der mal kurz eine Kindheitsübersicht gibt, aber jeden zweiten Satz von Holz auf Stöckchen springt, und überall kleine manipulative Drama- und Mitleids-Bomben legt, so wie kein Mensch wirklich schreiben würde, es sei denn mit Absicht, hinterlässt Charley mit solch einer emotionalen Reaktion, dass sie sich übergeben muss. Weil Jill geschrieben hat, dass ihr Vater den Hund erschossen und ihr Bruder sie misshandelt hat.

Durchschaubarkeit ist glaub ich auch ein gar nicht schlechtes Stichwort, denn das ist Die Katze. Man kann sich ziemlich schnell zusammenreimen, welche Persönlichkeit Jill wirklich ist, dass es einen Komplizen gibt, ab einem gewissen Punkt auch relativ sicher, wer das denn nun ist, und auch worauf das Buch hinauslaufen wird. Überraschungen gibt es jedenfalls wenige, und wenn dann sind die schnell als falsche Finten enttarnt, um von den eigentlichen Schurken abzulenken. Das Buch brauch dann auch überraschend lange, bis es sich zu einem Klimax hinreißen lässt. Und ich mein, Krimi und Thriller ist schwer zu schreiben. Wir sind mittlerweile, wenn man sich im Genre etwas auskennt, so darauf trainiert jeden erst mal kategorisch unter Verdacht zu stellen und dann relativ schnell durchzusieben, wer wirklich noch im Rennen bleibt, dass es schwer ist, wirklich noch zu überraschen, wenn es um die geheime Identität von Tätern und Komplizen gibt. Joy Fielding versucht auch ihr möglichstes, in dem sie uns gleich mehrere Rote Heringe gibt, die alle etwas fischig sind, und alle in die üblichen Überraschungs-Profile solcher Bücher passen würden. Doch wer es wirklich ist war dann eben doch nicht so schwer herauszufinden, genauso wenig wie eben der generelle Verlauf der Geschichte.

Dass bedeutet jetzt allerdings nicht automatisch, dass Die Katze langweilig oder gar ein schlechtes Buch ist. Es ist einfach und schnell runterlesbar, passabel geschrieben, und hält einen bis Ende gut bei Stange, obwohl man sich den Verlauf denken kann. Von daher würde ich es jetzt nicht als großen Wurf oder Klassiker des Genre bezeichnen, aber ein brauchbarer Zeitkiller ist er dennoch. Vielleicht habe ich auf Grund des Rufes der Autorin auch einfach ein wenig mehr erwartet.

Gone Girl

ava-1777Nick Dunne ist verheiratet mit Amazing Amy. Eigentlich Amy Elliot, doch das Einzelkind aus gut betuchten New Yorker Hause wurde zur Inspiration einer Buchreihe ihrer beiden liebenden Eltern, eben Amazing Amy betitelt. Kein reales Kind, sondern ein Idealbild von einem. Doch so ein wenig amazing ist Amy schon, mit ihrem regen Verstand, ihrem guten Aussehen, ihrem Treuhandvermögen aus den Buchverkäufen, ihren vielen Interessen, ihrer coolen Art. Kein Wunder das Nick sich vor Jahren in sie verliebt hat. Und sie in ihn, denn auch Nick schaut gut aus, ist witzig und smart.

Das ist mittlerweile Jahre her, es ist der fünfte Hochzeitstag und die Ehe kriselt an allen Ecken und Enden. Beide hatten ihren Job verloren, den sie so liebten. Vom mondänen New York ging es in die kleine Heimatstadt Nicks, um sich um dessen dahinscheidende Mutter und den schrecklichen Vater zu kümmern. Die von Nick und seiner Schwester eröffnete Bar läuft nicht so gut und ist mit Amys dahin geschrumpften Geld finanziert. Immer so witzig, so smart, so umgänglich wie zum Anfang einer Beziehung sein zu wollen, wo man auch gern mal etwas flunkert und übertreibt, um sich gut zu verkaufen, hält man natürlich auch nicht durch.

Und dann verschwindet Amy spurlos. Das Haus wie nach einem Kampf hinterlassend. Doch wer sollte der amazing Amy, in die sich jeder sofort verliebt, schon etwas antun wollen? Die von ihr besessene Kindheitsfreundin? Der Stalker aus dem College? Oder doch der mit einem sehr dürftigen Alibi ankommende Nick selbst?

Gone Girl ist ein geniales und geradezu verstörend gemeines Buch. Die erste Hälfte ist im Prinzip der Whodunit um Amys Verschwinden. Was ist geschehen? Wer hat ihr was angetan? Warum? All dies abwechselnd aus der Sicht von Nick in den Stunden und Tagen nach ihrem Verschwinden, und aus der Sicht von Amy in Tagebucheinträgen zu ihrem gemeinsamen Leben in den Jahren davor. Es ist ein brutales Auseinandernehmen der Beziehung der beiden. Von den tollen Anfängen hin zu den weniger schönen Phasen. Wenn die Spannungen im Leben sich auf den Partner entladen. Wenn man beginnt langsam aber beständig voneinander weg zu triften. Wenn man Dinge am Partner entdeckt, die man dann doch nicht so toll findet. Oder gar Dinge, die man ganz Ok fand, plötzlich nicht mehr so Ok findet. Wie so etwas schnell in eine Endlosspirale aus Missverständnissen führen kann, in denen man nicht mehr richtig miteinander kommuniziert, sondern immer vom Schlechtesten auszugehen bereit ist. Wenn alles als Spitze und Anklage verstanden wird, auch wenn der Partner dies so gar nicht meinte. Eben weil wir die Sicht der beiden zu ihrer Beziehungsentwicklung bekommen, merkt man, wie unterschiedlich die Auffassungen dort sein können, wie ungewollt beide dran Schuld sind.

Währenddessen ist jeder so ein wenig fischig, wenn es darum geht, was das Motiv um Amys Verschwinden angeht. Wir finden heraus, dass Nick gar kein guter Ehemann war. Zwar nichts gemacht hat, was erklären würde, warum er sie umbringen wollte, aber wer weiß was da noch alles raus kommt… mit seinen vielen kleinen Notlügen manövriert er sich da gern mal selbst ins Aus. Aber auch Amys Verhalten der letzten Wochen vor dem Verschwinden führt zu so einigen Überraschungen. Und ihre liebenden Eltern, die haben doch eigentlich auch eher ein Idealbild einer Tochter gewollt. Mit zwei Psychologen aufzuwachsen ist eh schwer, da alles analysiert wird. Es ist ein außerordentlich interessanter und mit Überraschungen gespickter Verlauf, der den Leser im ersten Teil ständig auf Trab hält.

Das ändert sich so gesehen in der zweiten Hälfte des Buches nicht, zumindest wenn es darum geht, den Leser auf Trab zu halten wo dies alles noch hinführen soll. Doch in Teil 2 und 3 verändert sich die Handlung plötzlich maßgeblich, wenn die richtig großen Bomben zu platzen beginnen. Aus dem Whodunit wird ein Versteckspiel und dann ein Psychokrieg. Und obwohl ich mir so einige Enden hätte vorstellen können, sowohl ein gutes wie sehr viele Varianten eines schlechten… so ein außerordentlich desolat fieses hätte ich dann doch nicht erwartet.

Vor allem spielt das Buch auch viel mit Wahrnehmungen. Nicht nur die verschiedenen der beiden in ihrer Beziehung, sondern auch die Stimmung von Außenstehenden dem allen gegenüber. Wie gut kann man einen Menschen schon kennen, selbst wenn man mit jemandem zusammen ist? Wie viel gibt man schon über sich preis, besonders was die unangenehmeren Dinge angeht? Aber wie schnell macht man sich auch einfach dennoch ein Urteil über jemanden, dessen Beziehung, oder die Motivation für sein Handeln. Wenn man von Internet, Fernsehen und Presse schon eine Geschichte vorgefertigt bekommt. Wenn man aus Serien und Filmen meint auch aufs echte Leben schließen zu können.

Ich war echt absolut begeistert von dem Stück Literatur, so ein Gefühl des nicht auf die nächste Seite warten Könnens habe ich lange nicht mehr gehabt. Eine Achterbahn von einem Psychothriller ist Gone Girl, und ausgesprochen schlau und stimmig gestrickt, trotz aller Überraschungen.

Shadow Man

ava-1590Ich bin jetzt fertig geworden mit Die Blutlinie, dem ersten Buch von Cody McFadyen, der bisher vier in der Smoky Barrett Reihe auf den Markt gebracht hat. Hatte ich mal Glück, da ich es von meiner Schwester geliehen habe, und man sich da nie sicher sein kann, dass sie auch wirklich den ersten Fall erwischt.

Innerhalb der ersten fünfzig oder so Seiten hatte ich bereits ein Gefühl, wie in etwa das Buch sein wird, und das hat sich auch als richtig erwiesen: Es erinnerte mich an die Buchform von CSI – interessanter Fall, schrecklich unsympathische Ermittler.

Das beginnt für mich schon bei Hauptcharakter Smoky Barrett (ugh), denn das Buch schmeißt uns sie direkt im PTSD entgegen: Sie ist FBI-Agentin, ein Killer hat sie als Opfer auserkoren, vergewaltigt, fürs Leben mit Narben gezeichnet, Mann und Tochter ermordet, bevor sie ihn erschießen konnte. Es ist immer schwer, einem fiktiven Charakter Mitgefühl entgegen zu bringen, ohne den Charakter an sich zu kennen, sondern direkt ins Drama reingeworfen zu werden. Gleiches bei ihren Kollegen. Noch bevor wir Callie richtig kennen, wissen wir, das sie etwas verheimlicht, was sie unglücklich macht. Sobald wir Alan zum ersten Mal treffen, eröffnet er bereits, dass seine Frau Krebs hat. Das ist wesentlich weniger effektiv, wenn einem Leser das sofort entgegen geworfen wird, bevor einem der jeweilige Charakter wirklich was bedeutet. Es hilft nicht, dass die ersten Kapitel einem wieder und wieder vorkäuen, wie super toll Smoky doch bei allem ist und wie perfekt ihr Leben bisher war. Klar, dies ist als Kontrast dazu, wie sie so tief fallen konnte, gedacht. Doch irgendwann kam es mir echt zum Halse raus, wie sehr das Buch doch seinen Charakteren den metaphorischen Schwanz lutscht, wie toll sie doch alle sind. Abgesehen natürlich von James, dem das Team den Spitznamen „Damien“ gibt. Weil er keine Social Skills hat und sich immer wie ein Arsch aufführt. Was das Buch ebenfalls ständig sagen muss, obwohl man meinen würde, nach Jahrelanger Zusammenarbeit hätten sich seine Kollegen dran gewöhnt, und gerade in der Spezialabteilung für Serienmörder und Kinderschänder würde man nicht jemanden als „böse“ und „Damien“ bezeichnen, nur weil er arschig ist.

Eine weitere Sache, die ich übrigens innerhalb der ersten fünfzig oder so Seiten raus hatte, war wer der Mörder sein wird. Nicht weil ich wirklich einen plötzlichen Lichtblitz hatte, oder subtiles Forshadowing sah, sondern weil ich schlichtweg auf das größte Crime-Klischee überhaupt getippt habe, welches das Buch dann auch bereitwillig einlöste.

Aber worum geht es im Fall überhaupt? Jack Junior, der sich für den Nachfahren von Jack the Ripper hält, der erste groß publizierte Serienmörder, welcher nie geschnappt wurde, geht um und murkst moderne Prostituierte ab, und spielt gleichzeitig auch mit Smoky Barretts Team, weil er ihnen nahestehende Leute bedroht, da er gejagt werden will. Wobei Jack Jr. sich seltsamerweise Frauen aussucht, die Amateur-Porn für ein paar Hundert Mitglieder auf private Internetseiten stellen – man sollte meinen diese hätten nicht gerade oberste Priorität, wenn man es auf Nutten abgesehen hat, da so ein paar Amateur-Fotografien kaum Hure-Babilons-Material sind. Die Frauen werden vergewaltigt, gequält, ausgeweidet, und bei der ersten – eine Freundin Smokys – fesseln sie deren Tochter dann auch noch an die Leiche ihrer Mutter. Was praktisch ist, da Smoky so gegen Ende des Buches eine neue Tochter haben kann, und sogar ein neuer Mann in Aussicht steht. Familienverlust-Trauma-Arc abgeschlossen!

Ach ja, der Killer schickt dem Team auch ein Zusammenschnitt der ganzen Mordaktion auf CD. Das führt sie sogar zur ersten großen Erkenntnis, da sie zwischen zwei Schnitten (eine CD fasst ja nicht so viel Material, wobei es 2006, als das Buch geschrieben war, durchaus schon DVDs gab, aber gut…) merken, dass der Killer leicht unterschiedliche Größe aufweist, es sich also um ein Duo handelt. Und das hat mich das ganze Buch über enorm gestört. Wenn der klein Jack nicht das komplette Rohmaterial verwendet, sondern eh zusammenschneidet, warum verwendet er denn dann überhaupt Szenen von sich und seinem Mitspieler, statt nur von einem der beiden? Ich mein die 5cm Größenunterschied können wohl schlecht das einzige Staturmerkmal sein, welches sie letztendlich unterscheiden könnte. Und das Buch stößt einen sogar darauf, dass er gemerkt hat, dass in der einen Szene die unterschiedliche Größe zu deutlich ist, weswegen er es zu retuschieren versucht hat – warum würde er nicht die ganze Szene raus schneiden? Und das ganze Buch über wird die Tatsache, dass die Agenten wissen, es sind zwei Leute, wie eine Trumpfkarte dargestellt. Dabei haben sie die Freundin von Smoky vor den Augen der Tochter umgebracht, die sie am Leben ließen, also den Agenten erzählen kann, dass es sich um zwei Mörder handelte. Warum denkt sein Komplize gegen Ende des Buches also immer noch, dass die Agenten unmöglich auf den Trichter hätten kommen können?

Ich muss echt sagen, dass ich das Buch richtig schlecht geschrieben fand. Ich mochte nicht einen Charakter in dem ganzen verdammten Ding. Ich mochte nicht, wie die Charaktere miteinander agieren, was sie sagen, wie sie es sagen. Den Pathos, das Selbstmitleid. Smokys „Drache“ und „schwarzer Zug“ werden fast so ätzend wie Annas „innere Göttin“ in Fifty Shades. Ich fand einige Logiklücken enorm. Ich mochte nicht, wie sehr doch zwischen den Zeilen auf diese Frauen herabgesehen wird, weil sie Amateur-Porn machen. Es ging mir auf den Keks, wie extrem schockiert diese Jahrelangen FBI-Agenten doch auf alles und wirklich alles reagiert haben. Ich mochte nicht, wie sehr die Handlung doch jedes Klischee abzuklappern versuchte.

Was ich aber mochte waren die Morde an sich. Die Jagd an sich. Das war interessant. Nicht gut geschrieben, nicht sonderlich originell, aber doch konzeptionell interessant genug, als das ich trotz all der Schwächen am Ball geblieben bin. Aber Mensch, wenn Die Blutlinie nicht mal gravierende Schwächen hat. Leseempfehlung kann ich zumindest nicht aussprechen.